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Cailleas Auge

Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

In seinem Buch-Auszug erklärt Lars Schall eine besondere Theorie zu 9/11, derzufolge das Verbrechen durchgeführt wurde, um die Hintergründe eines Leveraged buyout Russlands in den 1990er Jahren zu kaschieren. In den Mittelpunkt stellt Schall ferner eine wichtige Aussage der Autorin Anne Williamson vor dem US-Repräsentantenhaus vom September 1999.

Von Lars Schall

Zusätzlich zu diesem Ausschnitt aus dem Buch “Tiefenpolitik, Methodischer Wahnsinn und 9/11: Eine Spurensuche zu Terror, Geld, Öl und Drogen“ (Arbeitstitel) empfiehlt es sich, weitere ergänzende Ausschnitte zu lesen: “GROUND ZERO REVISITED: DAS VIERMALIGE “VERSAGEN“ DER US-LUFTABWEHR AN 9/11″ – aufzufinden hier, und “NSA, PROMIS, Ptech und 9/11“ – aufzufinden hier. Das erste Kapitel des Buches, “Wem gehört und dient die Fed?”, finden Sie hier.

In die besagte Kategorie von Leuten, die aus 9/11 Nutzen zogen, gehört der Waffenhersteller Raytheon, dessen Aktienkurs unmittelbar von den 9/11-Angriffen profitierte. Der Handel der Aktienanteile von Raytheon, dem Produzenten von Tomahawk- und Patriot-Raketen (und Mutterkonzern von E-Systems, zu deren Stammkunden u.a. die NSA und CIA zählen), erlebte eine abrupte sechsfache Zunahme von Call-Optionskäufen am Tag direkt vor dem 11. September. [1]Bei Call-Optionen liegt die Erwartung vor, dass eine Aktie im Preis steigen wird. In der ersten Woche nach 9/11, als die New Yorker Börse wieder öffnete, legte der Wert der Raytheon-Aktie tatsächlich immens zu. Das Bild beim Betrachten des Kursverlaufs ist eine sehr schwache Performance vor den Anschlägen – und daraufhin, nach Wiederaufnahme des Handels, ein „Gap“ (bei mächtigem Volumen) nach oben. Anders ausgedruckt: von knapp unter $25 am 10. September, dem Tiefststand der Periode zwischen dem 20. August bis 28. September 2001, auf $31,50 am 17. September und bis zu $34,80 am 27. September.

Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

Weitere Gewinner durch 9/11 waren Käufer von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese Papiere wurden in ungewöhnlich großem Umfang kurz vor den Angriffen gehandelt. Jedenfalls berichtete das „Wall Street Journal” Anfang Oktober 2001, dass der Secret Service (der dem US-Finanzministerium zugehört) eine Ermittlung zu verdächtig hohen Volumen von US-Staatsanleihekäufen vor den Anschlägen aufgenommen habe. Eine einzige Transaktion bezüglich der fünfjährigen US-Schatzanweisungen habe allein schon den Wert von $5 Millionen beinhaltet. Ferner stieg der Wert dieser Papiere in den Tagen nach 9/11. Dazu hieß es seitens des „Wall Street Journal”:

„Fünfjährige Schatzanweisungen gehören zu den besten Investitionen im Fall einer weltweiten Krise, insbesondere bei einer solchen, die die USA trifft. Die Papiere sind geschätzt aufgrund ihrer Sicherheit und weil sie von der US-Regierung gedeckt werden, und für gewöhnlich ziehen ihre Preise an, wenn Anleger aus riskanteren Investitionen, wie beispielsweise Aktien, flüchten.“ [2]

Zu dieser Erscheinung muss hinzuaddiert werden, dass die US-Regierung über solche Staatsanleihen, die als eine Grundlage der Geldschöpfung dienen, einen Krieg wie den alsbald erklärten „Krieg gegen den Terror“ finanziert, der unter anderem mit Tomahawks der Firma Raytheon geführt wird – und hier gilt abermals ein geschwinder Blick auf dieses Cui-Bono-Verhältnis zu werfen:

„Die US-Notenbank erschafft Geld, um den Krieg zu finanzieren, und verleiht es an die amerikanische Regierung. Die amerikanische Regierung wiederum muss auf das Geld, das sie sich von der Zentralbank ausgeliehen hat, um den Krieg zu finanzieren, Zinsen zahlen. Je größer die Aufwendungen für den Krieg sind, desto größer fallen die Gewinne für die Banker aus.“ [3]

Eine vielschichtige Mengenlage, will man meinen.

Das meiste Geld, das es in gewisser Weise an 9/11 zu machen gab, lag ohnehin auf dem Markt für Staatsanleihen; der Handel in den USA lief in den Minuten, da die WTC-Türme attackiert wurden (im Gegensatz zur New Yorker Börse, die an 9/11 nicht öffnete). Bis zum Zeitpunkt der Angriffe waren bereits Wertpapiere im Wert von 600 Milliarden US-Dollar gehandelt worden. Als in den letzten Handelsminuten die Kurse hin und hergingen, wurde der Handel ausgesetzt. Nachdem der Handel Tage später wieder einsetzte, stiegen die Kurse um 5 Prozent. Wer immer in den letzten Minuten des Handels an 9/11 auf diesen Kursschwung setzte, wird eigentlich große Kasse gemacht haben.

Eigentlich. Denn die Dinge werden nun kompliziert. Eine Theorie, die 2008 von einem Autor namens E.P. Heidner unter dem Titel “Collateral Demage“ ausgebreitet wurde, besagt, dass die 9/11-Anschläge insonderheit fabriziert worden seien, um einen Akt von Finanzkriminalität zu vertuschen, der im Zusammenhang mit Staatsanleihen gestanden habe. Demnach seien die 9/11-Angriffe inszeniert worden, auf dass sämtliche Aufzeichnungen einer verdeckten wirtschaftlichen Übernahme bzw. eines Leveraged buyout der Sowjetunion zerstört und / oder diskret abgewickelt werden würden; eine Operation, die angeblich von George H.W. Bush veranlasst worden sei, um Russland als Rivalen ein für alle Mal auszuschalten, und zwar unter Verwendung einer schwarzen Kasse namens “Black Eagle Fund”. Der “Black Eagle Fund“ wiederum soll aus dem beschlagnahmten Gold bestehen, das Japan vor und während des Zweiten Weltkriegs in Asien geplündert und später auf den Philippinen versteckt gehabt hatte („Yamashitas Gold“). Diese liquiden Mittel, so Heidner, wurden von den USA als geheimes System für verdeckte Finanzierungen verwendet, in Verbindung mit geheimen Anleihen. Offiziell bestünde das Gold überhaupt nicht. [4]

Die Wirtschaftsübernahme der UdSSR (Codename: „Operation Hammer“) habe am 11. September 1991 begonnen, und die dazugehörigen Anleihen seien am 11./12. September 2001 zahlungsfällig gewesen. Eine ordnungsgemäße Abwicklung, die unter anderem über Cantor Fitzgerald und Eurobrokers gelaufen wäre, galt es unter allen Umständen zu verhindern – so jedenfalls die Theorie von E.P. Heidner.  [5] In seinem Scenario ist 9/11 weniger ein Akt zur Verbreitung von Terror, sondern zuvorderst ein Finanzverbrechen. Jenseits des Schreckens und der tiefenpsychologischen Indienstnahme des Geschehens an 9/11, sollte es einen weit darüberhinausgehenden Zweck erfüllen.

Die Anleihen seien nicht in den offenen Markt gelangt, sondern verdeckt zur Refinanzierung von privaten und öffentlichen Schulden Russlands eingesetzt worden. Weiters sollen sie benutzt worden sein, um sich in lukrative Schlüsselunternehmen einzukaufen. Nach dem Kollaps der Sowjetunion und dem Untergang von Mikhail Gorbatschow sprudelte das Geld unter anderem zur Familie von Boris Jelzin und zu Mikhail Chodorkowskis Bank Menatep, die eng mit der Valmet Group in Genf zusammenarbeitete. Die Valmet Group gehörte zur Riggs Bank, die zum CIA-Kosmos zählte und der Bush-Familie nahestand (beispielsweise über Jonathan Bush, ein Onkel des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bruder des früheren US-Präsidenten George H. W. Bush). Valmet war später an der Privatisierung von Yukos und Sibneft prominent beteiligt.

Heidner verweist darauf, dass Cantor Fitzgerald (CF) sowohl 1997 wie auch ein Jahr vor 9/11 Teilnehmer und Gastgeber von Economic Wargames / Wirtschaftskriegsspielen gewesen war, die von US-Geheimdiensten und dem Council on Foreign Relations initiiert worden seien. Die Handelsaktivitäten, die bei diesen Kriegsspielen analysiert wurden, betrafen die Märkte für Staatsanleihen, Öl und Gold. [6]

Die Transfers im Handel von Staatsanleihen liefen nach Angaben von Dino Kos, zum Zeitpunkt von 9/11 Vorstandsmitglied der New Yorker Federal Reserve Bank, via JP Morgan Chase und der Bank of New York (BONY) über Fedwire, dem Knotenpunkt für die Banken, der zur Abwicklung ihrer Staatsanleihegeschäfte benutzt wird. Betreiber von Fedwire ist die NY Fed. Am 11. September, so Kos, kappten die Leitungen der Banken zu Fedwire. [7]

Ein umfangreiches Textdokument namens „September 11 Commission Report Revised“ bringt hingegen vor, dass bis auf die Telekommunikationsmöglichkeiten bei BONY alle relevanten Systeme zur Abwicklung von Anleihegeschäften intakt blieben – nicht nur Fedwire, sondern auch Cantor Fitzgeralds eSpeed-System, das CF mit der Deutschen Bank verband (und gewiss interessant ist für das, was immer Convar herausfand). Jamie B. Stewart, der damalige Vizepräsident der New York Fed, wird dahingehend zitiert, dass die Fedwire-Operationen über eine Backup-Einrichtung außerhalb Manhattans liefen und deswegen nicht kappten.  [8] Reibungslos funktionierte auch die Transaktionsfähigkeit über CHIPS (das Clearing House Interbank Payments System); gleiches galt für das Bankensystem insgesamt. [9]

Cantor Fitzgerald wiederum bewegte rund 50 Prozent aller Staatsanleihen der USA. Nicht Computerdaten seien durch die 9/11-Angriffe zerstört worden, denn die gingen nicht einmal im Fall von CF verloren – da es ein funktionierendes Backup gab [10]; sehr wohl aber seien alte Zertifikate von Staatsanleihen vernichtet worden, die CF offensichtlich – wie auch Garbon Inter-Capital und Eurobrokers – in Tresoren im WTC aufbewahrte.  [11] Hierzu hätten Staatsanleihen aus dem Jahre 1991 mit einer 10-jährigen Laufzeit und einem Wert von bis zu 240 Milliarden US-Dollar gehört, die von dubiosen Gold-Wertpapieren und Schweizer Goldbarren gedeckt gewesen seien – sogenannte „Durham / Brady Bonds“.

Wie bereits erwähnt worden war, verlor Cantor Fitzgerald viele Makler im Nordturm des WTC. Insgesamt waren 41 Prozent aller Toten auf dem WTC-Gelände Wertpapiermakler. Dadurch wurde laut Heidners Annahme genug Chaos im Bond-Markt angerichtet, um eine Situation hervorzurufen, in der verdeckte Staatsanleihen im Wert von 240 Milliarden US-Dollar „elektronisch ,abgewickelt‘ werden konnten, ohne dass jemand zu viele Fragen stellte.“ [12]

„Brady Bonds“ wiederum sind Schuldverschreibungen bzw. Verbriefungen von Krediten, die zuerst Ende der 1980er Jahre emittiert wurden. Mit den „Brady Bonds“ wurden die nicht-bedienbaren Schulden lateinamerikanischer Länder in handelbare Schuldverschreibungen umgewandelt. Diese Kreditverbriefungen waren durch Null-Kupon-Anleihen des US-Finanzministeriums gedeckt. Zum Erwerb dieser Schuldverschreibungen waren Kredite vom IWF und der Weltbank nötig.

Im Sinne des Scenarios à la Heidner wurden nicht-legal besicherte „Brady Bonds“ in Russland später zur Schuldenrestrukturierung eingesetzt – im Zusammenhang, so wird vermutet, mit der versuchten wirtschaftlichen Übernahme der Sowjetunion. Ohne die Brady-Tarnung der nicht mit legaler Besicherung gedeckten Anleihebriefe für die Eindeckung der künftigen Oligarchen (die ja Stand nach dem Putsch August 1991 nichts als unbemittelte Mafiosi und KGB-Günstlinge waren) mit kaufkräftigem Vermögen, wäre wohl in der Tat nicht zu bewerkstelligen gewesen, was Anne Williamson im September 1999 exemplarisch vor dem US-Repräsentantenhaus beschrieb. Williamson, die unter anderem für das Wall Street Journal und The New Yorker arbeitete und Autorin des Buches Contagion: The Betrayal of Liberty – Russia and the United States in the 1990s ist, zeigte in ihrer Aussage auf, wie die historische Chance, die den USA gegeben war, um zur Umwandlung Russlands in ein freies, friedliches, pro-westliches Land beizutragen, verschwendet wurde zugunsten einer wirtschaftlichen Vergewaltigung, die von korrupten russischen Politikern und Geschäftsleuten durchgeführt und von den Bush- und (insbesondere) Clinton-Regierungen unterstützt wurde. Wesentliche Akteure: Wall Street, das US-Finanzministerium, das Harvard Institute for International Development, die Nordex-Bank, der IWF, die Weltbank sowie die Federal Reserve.

Williamson zufolge plünderten die aufkommenden russischen Oligarchen, viele davon der ehemaligen kommunistischen Nomenklatura zugehörig, das russische Reich mit Hilfe der USA; anschließend wurde dieses Geld in den Aktien- und Immobilienmärkten in den Vereinigten Staaten investiert. Williamson sagte vor dem US-Repräsentantenhaus aus:

„In der Sache, die vor uns steht – die Frage nach den vielen Milliarden an Kapital, das aus Russland über die Bank of New York und andere westliche Banken an westliche Ufer floh –, hatten wir ein Fenster geöffnet, wie die finanziellen Angelegenheiten eines Landes aussehen, das ohne Eigentumsrechte, ohne Banken, ohne Vertragssicherheit, ohne eine verantwortliche Regierung oder eine Führung ist, welche Anstand genug hat, um sich ums nationale Interesse oder Wohlergehen seiner eigenen Bürger zu scheren. Es ist kein schönes Bild, oder? Aber lassen Sie keine Fehlannahmen aufkommen: in Russland ist der Westen der Autor seines eigenen Elends gewesen. Und es gibt keine Fehlannahme, wer die Opfer sind, d. h. westliche Steuerzahler, hauptsächlich die der USA, und die russischen Bürger, deren nationales Erbe gestohlen wurde, nur um verschleudert und / oder in den westlichen Immobilien- und Aktienmärkten investiert zu werden.“

Die entstehende Oligarchen-Klasse Russlands wurde von westlichen Finanzinstituten gekauft, und Jelzin hatte man bei der Schaffung der oligarchischen Klasse, die die Basis seiner politischen Macht darstellte, unterstützt:

„Westliche Hilfe, IWF-Kreditvergaben und die gezielte Aufteilung der nationalen Vermögenswerte sind das, was Boris Jelzin mit dem anfänglich nötigen Kleingeld für seinen Wahlkreis aus Ex-Komsomol [Kommunistische Jugendliga] Bankchefs versorgte, denen die Freiheit und die Mechanismen gegeben wurden, ihr eigenes Land im Tandem mit einer wiedererstarkenden und wirtschaftlich kompetenteren Verbrecher-Klasse zu plündern. Die neue Elite lernte alles über die Beschlagnahme von Vermögen, aber nichts von seiner Schöpfung. Schlimmer noch, diese neue Elite gedeiht in den Bedingungen des Chaos und meidet genau die Stabilität, auf die die USA so inbrünstig hoffen, wohlwissend, dass die Stabilität ihre Fähigkeit, unverschämte Gewinne zu erzielen, kräftig einschränkt. Folglich war und ist Jelzins ,Reform‘-Regierung dazu verurteilt, diese parasitäre politische Basis, die aus der Bankenoligarchie besteht, aufrecht zu erhalten. (…) Und erst jetzt, fast auf den Tag acht Jahre später, erfahren US-Steuerzahler, dass die ,eifrigen, jungen Reformer‘, denen ihre Mittel zum Zwecke des Aufbaus eines neuen Russland gegeben wurde, vom ersten Tag an mit der erschöpften sowjetischen Nomenklatura in ein System verbündet waren, um Russlands Reichtum zu plündern und im Westen zu parken.”

Williamson beschreibt einen zum Teil mörderischen Wettkampf um die Kontrolle der neuen Unternehmen, die in Russland privatisiert wurden; die profitabelsten davon: Ölunternehmen, Stahlwerke und der Telekommunikationsbereich. Sie wurden an bestimmte Oligarchen „auf Insider-Auktionen“ vergeben, „deren Ergebnisse vorher vereinbart wurden.“

Der Fluss zusätzlichen Kapitals führte ab dem Frühjahr 1995 zu einem Wertanstieg der US-Aktienunternehmen. Der IWF und die Weltbank übernahmen die Rolle von „800 Pfund schweren Gorillas der wirtschaftlichen Verzerrung und im Laufe der Zeit der Plünderung“. Das Schema, nach dem vorgegangen wurde, ist eigentlich recht gut bekannt:

Man „verkaufe Hilfsprogramme auf einer angeblichen Basis ,freier Märkte‘ und der ,Humanität‘“ durch Akademiker, die ihre Fähigkeiten zur intellektuellen Camouflage beibringen, während IWF und Weltbank in den Zielländern wie Russland die Steuern anheben und Zentralbankengeschäfte abstimmen, Kreditaufnahmen ermutigen und Privatisierungen anschieben, um Hochrisiko-Investoren anzuziehen. Sobald die Regierung der Zielnation schwankt, trete man zurück und schaue zu, wie Spekulanten die Disziplin durch einen Angriff auf die Währung des Ziellandes behaupten. Die anschließende Abwertung liefert wiederum eine Flut von Billigimporten an amerikanische Hersteller und Produzenten.“

Sodann können „westliche Neo-Kolonialisten“ die Zielnation mit den stets größer werdenden Schulden schikanieren, um noch mehr Eigentum herauszupressen. „Einmal erfolgreich, können die Insider der Welt sich dann umdrehen und billige Anteile aus Privatisierungen und Börsengänge in den Schlund von US-Investmentfonds und Portfolio-Investoren“ werfen. „Die großen Gewinner sind die weltweit zunehmend korrupten und bequemen herrschenden Klassen, die internationalen Bürokratien und die globalen Banken.“

Das Fazit von Frau Williamson: „Was die US-Politik in weiten Teilen der Landschaft nach dem Kalten Krieg geschmiedet hat, ist ein moralischer, politischer und finanzieller Greuel auf Basis von Betrug, Diebstahl und Schwindel.“ [13]

Es ist hervorzuheben, dass Williamsons Buch Contagion, welches den umrissenen Sachverhalt en Detail behandelte, trotz bestehenden Vertrags nicht verlegt wurde, als es 1997 fertiggestellt wurde. [14]

Die „Brady Bonds“ sind in Sachen Schuldenrestrukturierung im Grunde der Gegenentwurf zu jenem Modell, das von Blessing und Herrhausen stammte und bereits 1986/87 von der Deutschen Bank als Vorschlag in Umlauf gebracht worden war. Werner Blessing, Sohn des ehemaligen Adjutanten von Schacht und Bundesbankpräsidenten sowie Bruder des Verlegers Karl Blessing und Vater des Commerzbank-Vorsitzenden, war damals für die internationalen Finanzgeschäfte der DB verantwortlich.

Die nicht-legal besicherten „Brady Bonds“, die für einen fremdfinanzierten Aufkauf Russlands verwendet worden sein sollen, mussten jedenfalls, so ist die Grundannahme des Scenarios, einerseits weitgehend zerstört, andererseits – was den übrigen Rest anging – klandestin „umgetauscht“ werden.

Zerstört werden mussten ebenso die Aufzeichnungen, die der Marinenachrichtendienst der USA, das ONI, angeblich zu diesen Aktivitäten ansammelte. Diese befanden sich in dem Pentagon-Abschnitt, der an 9/11 direkt attackiert wurde – ja, der Umzug in den äußeren E-Ring des Pentagon fand erst einen Monat vor 9/11 statt. Durch den Angriff wurden 39 von 40 ONI-Mitarbeitern getötet, die gesamte Kommandokette wurde ausgelöscht.  [15] Ferner habe das ONI an den besagten Kriegsspielen teilgenommen, an denen auch Cantor Fitzgerald beteiligt gewesen war.  [16] Ein Grund, warum das ONI mit dem Sachverhalt der zwielichtigen „Durham / Brady Bonds“ befasste, könnte sein, da ihr Fälligkeitsdatum ein eindeutiges Sicherheitsrisiko für die USA darstellte. Zuletzt: drei Monate vor 9/11 wurde von der Bush-Regierung ein neuer General Counsel für das ONI bestimmt, und zwar von der mit der Bush-Familie eng verbundenen Kanzlei Greenberg Traurig kommend. [17]

Dadurch, dass an 9/11 der nationale Notstand ausgerufen wurde, konnten die normalen Regularien der US-Börsenaufsicht SEC zur Abwicklung von Staatsanleihen von der Federal Reserve außer Kraft gesetzt werden.  [18] So wurde beispielsweise die SEC-Regel „15c3-3“ suspendiert, die unter anderem den „physischen Besitz oder Kontrolle von Wertpapieren“ festlegt. Außerdem schickte die Government Securities Clearing Corporation (GSCC) ein Memo an verschiedene Bankhäuser, welches den Umtausch von Wertpapieren betraf, die unmittelbar fällig wurden – was auf die „Durham / Brady Bonds“ zutreffen würde, wenn das hier vorgestellte Scenario denn der Wahrheit entspräche. Weiters ermöglichte die GSCC die Praxis der “Blind Broker“-Abwicklung von Wertpapieren, bei der beide Seiten des Handels anonym bleiben.  [19] Durch eine spezielle Staatsanleihe-Auktion, an deren tatsächlichen Auftreten keinerlei Zweifel besteht, brachten die US-Organe Treasury und Fed anschließend neue Anleihen auf den Bond-Markt und versorgten die Banken mit zusätzlicher Liquidität (mehr als 100 Milliarden US-Dollar).

US-Staatsanleihen werden hauptsächlich von der New York Fed gehandhabt. Laut dem US-Nationalökonom Edward Flaherty hießen die acht größten Mitgliederbanken der New York Fed im Jahre 1997 wie folgt:

Chase Manhatten Bank,
Citibank,
Morgan Guaranty Trust Company,
Fleet Bank,
Bankers Trust (im Juni 1999 durch die Deutsche Bank übernommen),
Bank of New York (BONY),
Marine Midland Bank und
Summit Bank. [20]

Die Chase Manhatten Bank und die Morgan Guaranty Trust Company schlossen sich hernach zu JP Morgan Chase zusammen (im Jahre 2000) – und wie gesehen, waren Chase und BONY die Banken, über die die NY Fed ihren Fedwire laufen ließ, um den Staatsanleihehandel zu organisieren. Die Clearingstellen, um die zwielichtigen Anleihen diskret zu behandeln, wären BONY und GSCC gewesen. BONY soll zudem bei verdeckten Destabilisierungsmaßnahmen vis-à-vis dem Rubel die Finger im Spiel gehabt haben und massiv in Geldwäschegeschäften verwickelt gewesen sein, die in Verbindung mit russischen Banken am Ende der Sowjet-Ära auftraten.  [21] BONY ließ sich in diesen Fragen von Sullivan & Cromwell vertreten.

Offiziell begründet wurde die außerordentliche Auktion von 10-Jahres-Staatsanleihen mit fehlgeschlagenen Transaktionen (sogenannten „Fails“), bei denen die Verkäufer die Papiere nicht fristgerecht bereitstellen können. Nach 9/11 sprang die Anzahl der „Fails“ an einzelnen Tagen auf Werte von über 190 Milliarden US-Dollar. Auffällig: die „Fails“ sollen nur bei BONY stattgefunden haben; bei Chase kam nichts Vergleichbares vor. BONY war zu Zeiten von 9/11 für das Clearing von ungefähr 50 Prozent aller in den USA gehandelten Wertpapieren verantwortlich. Die „Fails“ sollen bei BONY aufgrund von Kommunikationsproblemen zutage getreten sein. Dies darf jedoch in Zweifel gezogen werden, vermochte BONY doch sämtliche Operationen über eine Backup-Einrichtung in Utica, New York aufrecht zu halten. [22]

Lars Schall


Autor Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: „Auge“ – pixabay.com

Fußnoten:

  1. Vgl. “Bank of America among 38 stocks in SEC’s attack probe”, veröffentlicht auf Bloomberg News am 3. Oktober 2001, archiviert unter: http://911research.wtc7.net/cache/sept11/bloombberg_BAamong38.html. Darin hieß es: “A Raytheon option that makes money if shares are more than $25 each had 232 options contracts traded on the day before the attacks, almost six times the total number of trades that had occurred before that day. A contract represents options on 100 shares. Raytheon shares soared almost 37 percent to $34.04 during the first week of post-attack U.S. trading.”
  2. Barry Grey: “Suspicious trading points to advance knowledge by big investors of September 11 attacks”, veröffentlicht auf World Socialist Web Site am 5. Oktober 2001 unter: http://www.wsws.org/articles/2001/oct2001/bond-o05.shtml. Zum Zusammenhang von 9/11 und dem Handel von US-Staatsanleihen siehe auch Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seiten 73 – 89 und 125 – 143.
  3. J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 28. November 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/11/28/im-innern-des-illusorischen-reiches-des-banken-undwaren-schwindels/
  4. Zur Geschichte von Yamashitas Gold siehe insbesondere Sterling und Peggy Seagrave: “Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold“, Verso, New York, 2003. Besprechungen des Buches erschienen u. a. von Chalmers Johnson: “The Looting of Asia“, London Review of Books, 20 November 2003, unter: http://www.lrb.co.uk/v25/n22/chalmers-johnson/the-looting-of-asia, und von Henry C. K. Liu: “Realpolitik Of Democratic Revolution, Part 1: The Philippines revisited“, Asia Times Online, 19. November 2003, unter: http://www.atimes.com/atimes/Southeast_Asia/EK19Ae03.html.
  5. Vgl. E.P. Heidner: “Collateral Damage: U.S. Covert Operations and the Terrorist Attacks on September 11, 2001”, a.a.O.
  6. Vgl. ebd., Seite 43, Quellenangabe 8. Siehe auch „September 11 Commission Report Revised December 2008“, Seite 184, veröffentlicht auf Scribd unter: http://de.scribd.com/doc/16970135/September-11-Commission-Report-Revised-December-2008
  7. Vgl. “National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Memorandum for the Record (MFR) of the Briefing by Dino Kos of the Federal Reserve Bank of New York Conducted by Team 8, 01/09/2004”, veröffentlicht auf Online Public Access unter: http://research.archives.gov/description/2610129. Bei der Gelegenheit sprach Kos über Probleme, die an 9/11 zutage traten:

    In the case of the Fedwire operating system, it is fine if everyone can make and received payments. If someone can make, or receive payments, but not the reverse, the balances get out of wack. Some bank can have a huge overdraft and they won’t know if it will be covered. In the case of Government securities, there is no central clearing corporation. … Each broker-dealer has a bank they use. When BONY was disrupted on 9-11, the dealers did not know if their positions were covered. They wired payments to BONY but did not know if they were received. BONY did not know what funds they had received. Dino showed me data that indicated that BONY had a huge surplus and the rest of the banks in the system were in a huge deficit. Furthermore, a number of trades were “lost” in the morning when the Broker-dealers were lost in the WTC.

    Zu Problemen im Staatsanleihebereich nach 9/11 heißt es:

    He spoke about the securities “fails”, when the two sides of a trade could not be reconciled. He said that this was “huge”. He said that even once the immediate disruptions normalized, the volume of “fails” increased through the end of September. … Because of the number of “fails”, the Treasury had to issue an unscheduled auction of 10 year bonds. In Dino’s view, the “fails” did not really having any adverse effect on the market, but it was an issue that had to be dealt with and was cleared up with the Treasury auction.

    Ferner wird angemerkt, dass die Federal Reserve massiv liquide Mittel in die Märkte pumpte.

  8. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 186.
  9. vgl. ebd., Seite 187. CHIPS wurde übrigens, wie noch in Sachen PROMIS-Software bewiesen werden soll, seit den 1980er Jahren von der NSA im Zuge der “Follow the Money”-Initiative überwacht.
  10. Vgl. ebd.
  11. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 77, 85.
  12. Ebd., Seite 77.
  13. “Testimony of Anne Williamson Before the Committee on Banking and Financial Services of the United States House of Representatives September 21, 1999“, veröffentlicht unter: http://www.thebirdman.org/Index/Others/Others-Doc-Economics&Finance/+Doc-Economics&Finance-GovernmentInfluence&Meddling/BankstersInRussiaAndGlobalEconomy.htm.

    Dieser Plünderung wurde dann unter Wladimir Putin zunehmend ein Riegel vorgeschoben, indem er besonders den immensen Energie- und allgemeinen Ressourcenreichtum der Russischen Föderation unter die Kontrolle des Staats stellte.

    Im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf den Aktien- und Immobilienmarkt in den USA mag auch interessant sein, was Catherine Austin Fitts 2009 unter der Überschrift “Financial Coup d’Etat” (“Ein finanzieller Staatsstreich”) festhielt – siehe Solari.com unter: https://solari.com/blog/financial-coup-d%E2%80%99etat/. Ich übersetzte:

    Im Herbst 2001 besuchte ich eine private Investment-Konferenz in London, um einen Vortrag mit dem Titel “The Myth of the Rule of Law or How the Money Works: The Destruction of Hamilton Securities Group“ zu geben.

    Die Präsentation dokumentiert meine Erfahrungen mit einer Partnerschaft zwischen Washington und Wall Street, die folgende Punkte zu verantworten hatte:

    • Die Durchführung einer betrügerischen Immobilien- und Schuldenblase;
    • Die illegale Verschiebung riesiger Mengen an Kapital aus den USA hinaus;
    • Den Gebrauch der „Privatisierung“ als eine Form der Piraterie – ein Vorwand, um Vermögenswerte des Staates an private Investoren unterhalb marktüblicher Preise zu bewegen, und dann die Verschiebung privater Verbindlichkeiten zurück an den Staat ohne jedwede Kosten für den Inhaber der privaten Verbindlichkeiten.

    Weitere Referenten auf der Konferenz, der namhafte Reporter angehörten, berichteten von der Privatisierung in Osteuropa und Russland. Während die Porträts britischer Vorfahren auf uns herab starrten, hörten wir eine Geschichte nach der anderen von der globalen Privatisierung, die in den 1990er Jahren auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und Asien stattgefunden hatte.

    Langsam, als sich die Teile zusammen fügten, teilten wir eine erschreckende Offenbarung: die Banken, Unternehmen und Investoren, die in jeder Weltregion agierten, waren genau die gleichen Akteure. Sie waren eine relativ kleine Gruppe, die wieder und wieder in Russland, Osteuropa und Asien auftauchte, dabei begleitet von den gleichen namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien.

    Offensichtlich war ein globaler finanzieller Staatsstreich im Gange.

    Das Ausmaß dessen, was geschah, war überwältigend. In den 1990er Jahren waren Millionen von Menschen in Russland aufgewacht, um festzustellen, dass ihre Bankkonten und Pensionsmittel einfach weg waren – ausgelöscht durch eine fallende Währung oder von Gangstern gestohlen, die die Gelder zurück in die großen Mitgliedsbanken der New Yorker Fed wuschen, damit sie dort zur Anheizung der Schuldenblase reinvestiert wurden.

    Berichte über Politiker, Regierungsbeamte, Akademiker und Geheimdienste, die die Erpressung und den Diebstahl erleichterten, waren zwingend. Ein Anwalt aus Russland, der ohne Strom lebte und gezwungen war, Nahrungsmitteln anzubauen, um nicht zu hungern, wurde mit den Worten zitiert: „Wir werden de-modernisiert.“

    Einige Jahre zuvor hörte ich drei Bäuerinnen zu, wie sie den Kampf gegen Drogen in ihren jeweiligen Ländern beschrieben: Kolumbien, Peru und Bolivien. Ich fragte sie: „Nachdem man Sie in Lager gepfercht hat, wer bekommt dann Ihr Land und zu welchem Preis?” Meine Frage öffnete eine magische Tür. Aus ihr strömte hinaus, wie die reale Wirtschaft mit dem Krieg gegen Drogen zusammenarbeitet, einschließlich des Diebstahls von Land und den öffentlichen Aufträgen, um Wohnraum für die Menschen zu errichten, die vertriebenen worden waren.

    An einer Stelle, von meinem Verständnis davon, wie dieses Spiel funktioniert, beunruhigt, sagte eine der Frauen zu mir: „Sie sagen, Sie waren nie in einem unserer Länder, und doch verstehen Sie genau, wie das Geld arbeitet. Wie kann das sein?” Ich antwortete, dass ich als Staatssekretärin für den Wohnungsbau des US-Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (Housing and Urban Development, HUD) in den Vereinigten Staaten gearbeitete hatte, wo ich Milliarden von staatlichen Investitionen in US-Gemeinden beaufsichtigt hatte. Offenbar arbeitete die Sache auf die gleiche Weise in ihren Ländern, wie in meinem.

    Später fand ich heraus, dass der Auftragnehmer der Regierung, der die Strategie für den Krieg gegen Drogen und die damit verbundene US-Hilfe für Peru, Kolumbien und Bolivien anführte, der gleiche Auftragnehmer war, der auch für das Wissensmanagement für die Durchsetzung von HUD-Maßnahmen verantwortlich war. Dieses Washington-Wall-Street-Spiel war ein globales Spiel. Die Bäuerinnen Lateinamerikas hatten gegen die gleichen finanziellen Piraten und Geschäftsmodelle zu kämpfen, wie die Menschen in South Central Los Angeles, West Philadelphia, Baltimore und der South Bronx.

    Später bestätigte die mutige Berichterstattung von Naomi Klein und Greg Palast im Detail, dass die Privatisierung und das Modell wirtschaftlicher Kriegsführung, das ich in London diskutiert hatte, tiefe Wurzeln in Lateinamerika besaßen.

    Wir erlebten einen globalen „Raubüberfall”: aus einem Land nach dem anderen wurde Kapital gesaugt. Die Präsentation, die ich in London gab, offenbarte einen Teil des Puzzles, der schwer für das Publikum zu begreifen war. Dies geschah nicht einfach nur in den Schwellenländern. Es geschah auch in Amerika.

    Ich beschrieb ein Treffen, das im April 1997 stattfand, mehr als vier Jahre vor diesem Tag in London. Ich hatte eine Präsentation vor einer erlesenen Gruppe von US-Pensionsfonds-Leitern bezüglich der außerordentlichen Möglichkeit gegeben, den US-Bundeshaushalt zu überarbeiten. Ich stellte unsere Schätzung dar, dass die staatlichen Investitionen im Gebiet von Philadelphia, Pennsylvania eine negative Rendite hatten.

    Wir präsentierten, dass es möglich war, Gebiete mit Privatvermögen zu finanzieren und die öffentlichen Investitionen so umzustrukturieren, dass eine positive Rendite dabei herum kommen würde. Als Folge dessen könnten signifikante Kapitalsteigerungen erreicht werden. Also war es möglich, US-Pensionsfonds zu nutzen, um die Ruhestandsicherheit von Rentnern dadurch zu erhöhen, indem man erfolgreiche Investitionen in amerikanischen Gemeinden, kleine Unternehmen und Farmen betrieb – alle in einer Weise, die die Verschuldung reduzieren, die Qualifikationen verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde.

    Die Resonanz der Investoren der Pensionskassen gegenüber dieser Analyse war recht positiv, bis der Präsident des CalPERS-Rentenfonds – dem größten des Landes – sagte: „Sie verstehen das nicht. Es ist zu spät. Sie haben das Land aufgegeben. Sie ziehen das ganze Geld im Herbst [1997] ab. Sie bewegen es nach Asien.”

    Als der Herbst dann kam, begannen auch tatsächlich erhebliche Mengen an Geldern die USA zu verlassen, einschließlich illegale. Über 4 Billionen US-Dollar gingen der US-Regierung verloren. Niemand schien davon Notiz zu nehmen. Von einer betrügerischen Schuldenblase, die mit der Kraft und Intention der höchsten Ebenen des Finanzsystems angetrieben wurde, zu der falschen Annahme verleitet, dass wir in einer Boom-Wirtschaft lebten, beteiligten sich die Amerikaner an einer Orgie des Konsums, die das reale finanzielle Vermögen liquidierte, das wir dringend benötigten, um uns für die zukünftigen Zeiten zu repositionieren.

    Die Stimmung an diesem Nachmittag in London war recht nüchtern. Die Frage, die unausgesprochen in der Luft hing, lautete: wenn die Blase einmal vorbei sein würde, war dann die Zeit gekommen, wo auch wir „de-modernisiert” werden würden? Im Jahr 2009 – mehr als sieben Jahre später – ist das eine Frage, die sich viele von uns fragen.

  14. Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 88.
  15. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 76.
  16. Vgl. „September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 189-191.
  17. Vgl. ebd., Seite 205 – 206. Greenberg Traurig soll an fünf Aspekten der Bush-Amtszeit beteiligt gewesen sein: [1] represented President Bush in the Bush-Gore 2000 Florida election vote recount, — [2] personally represents Governor Jeb Bush, — [3] hired son of Supreme Court Justice Antonin Scalia on election day 2000–after which Justice Scalia cast one of the 5 to 4 deciding votes which placed Bush in presidency, — [4] Miami-headquartered firm partially funded/sponsored delegation to Israel by House-Senate Armed Services Committee members and government contractors to witness and be briefed on interrogation resistance procedures and torture techniques….One of lobbyists joining them to Israel included Jack London, CEO, CACI Int’l Inc., firm implicated in outsourced Iraqi torture at Abu Ghraib prison, — [5] firm has prominent administrative positions in Massachusetts 9/11 Fund which also involves Bush family banking house Brown Brothers Harriman, — [6] one appointed as General Counsel of the Department of the Navy and its Office of Naval Intelligence just 90 days before the attacks.”
  18. Vgl. ebd., Seite 196. In dem Text wird vorgebracht, dass neben George H. W. Bush auch Alan Greenspan, der damalige Fed-Vorsitzende, an der Herausgabe und Verwendung der besagten „Durham / Brady Bonds“ im Jahre 1991 maßgeblich beteiligt gewesen sei.
  19. Vgl. ebd., Seite 197.
  20. Vgl. Edward Flaherty: “Debunking the Federal Reserve Conspiracy Theories“, Abschnitt “Myth #5: The Federal Reserve is owned and controlled by foreigners“, veröffentlicht auf PublicEye.org unter: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/Federal_Reserve.html, bzw.: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/flaherty5.html
  21. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 195 – 197. Genannt werden im Zusammenhang mit Geldwäscheaktivitäten die European Union Bank, Menatep und Nordex.
  22. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 132. Gaffney bezieht sich auf Aussagen von Thomas Gibbons, leitender Angestellter im Risk Management bei BONY.
CIA Headquarter

Tiefenereignisse und die globale Drogen-Connection der CIA

Der nachfolgende Artikel wurde von Lars Schall ausdrücklich und persönlich für reflektion.org autorisiert.

In diesem Essay versucht Peter Dale Scott zunächst, die komplexe Geografie des Milieus der globalen Drogen-Connection und dessen Verbindungen zur „Alternativ-CIA“ darzulegen. Sodann zeigt er auf, wie dieses Netzwerk aus Banken, Finanzeinflussagenten und der alternativen CIA zur Infrastruktur des Kennedy-Attentats und einer Reihe von anderen, wichtigen Tiefenereignissen beitrug.

Von Peter Dale Scott, Übersetzung Lars Schall

Kürzlich veröffentlichte ich zwei Artikel, die auf Ähnlichkeiten zwischen den wiederkehrenden Tiefenereignissen in der jüngeren amerikanischen Geschichte hinwiesen – jene Ereignisse, die aufgrund ihrer geheimdienstlichen Aspekte in den amerikanischen Medien ignoriert, falsch dargestellt oder vertuscht werden. Der erste Artikel wies auf generelle Ähnlichkeiten vieler Tiefenereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg hin. Der zweite zeigte auf überraschende Vergleichspunkte in den beiden Tiefenereignissen, denen kurz darauf große US-Kriege folgten: das John-F.-Kennedy-Attentat und 9/11. Ich nahm an, dass sich im Zusammenhang all dieser Ereignisse wiederkehrende Hinweise auf das Milieu fanden, welches „Geheimdienstbeamte mit Elementen aus der Drogenhandel-Unterwelt kombiniert.” [1]

In diesem Essay werde ich zunächst versuchen, die komplexe Geografie oder das Netzwerk dieses Milieus darzulegen, das ich die globale Drogen-Connection nenne, und seine Verbindungen zu dem, was man eine „Alternativ-” oder „Schatten-CIA“ genannt hat. Ich werde dann zeigen, wie dieses Netzwerk aus Banken, Finanzeinflussagenten und der alternativen CIA zur Infrastruktur des Kennedy-Attentats und einer Reihe von anderen, oberflächlich unzusammenhängenden, wichtigen Tiefenereignissen beitrug.

In dieser Erzählung sind die Namen von Personen, ihren Institutionen und ihren Verbindungen relativ unwichtig. Was zählt, ist zu sehen, dass so ein Milieu existierte; dass es fortdauerte, gut verbunden und geschützt war, und dass es mit zunehmender Unabhängigkeit von staatlichen Restriktionen eine Rolle in großen Tiefenereignissen des letzten halben Jahrhunderts spielte.

Das stärkt natürlich die wichtige Hypothese, die untersucht werden muss, dass dieses fortdauernde Milieu möglicherweise auch zur Katastrophe von 9/11 beigetragen haben könnte.


Paul Helliwell, das OPC und die CIA

In Gebieten, wo kommunistische Kräfte stark erschienen, unterstützten die Vereinigten Staaten, zumindest seit 1945, immer wieder die Kontergewalt von Gangstern, die im Drogenhandel beteiligt waren. Zunächst waren diese Arrangements, wie im Italien der Nachkriegszeit, temporär und ad hoc, wie beispielsweise als Vito Genovese, ein New Yorker Mafia-Führer, als Dolmetscher im Büro der alliierten Militärregierung von Oberst Charles Poletti, einem ehemaligen New Yorker Tammany-Politiker, installiert wurde.  [2] Dann im Jahre 1947 finanzierte William Donovan, jetzt ein Firmenanwalt und nicht mehr der Kopf des Office of Strategic Services (OSS), angeblich ein Massaker am Ersten Mai an Linken in Sizilien, von der kürzlich abgeschobenen Detroiter Mafia-Figur Frank Coppola organisiert. [3]

Solche Arrangements wurden 1948 zentralisierter, nachdem der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat ein Office of Policy Coordination (OPC) kreierte, um „Subversion gegen feindliche Staaten” durchzuführen – das heißt, das Begehen von Gesetzesbruch als nationale Politik. Durch das OPC begannen die USA, organisierten Drogenhändlern auf der ganzen Welt, im Fernen Osten, in Europa und schließlich im Nahen Osten und in Lateinamerika erhebliche verdeckte Unterstützung zu geben.

Diese weltweiten Aktivitäten wurden mehr und mehr miteinander verknüpft. Seit mindestens 1950 hat es eine weltweite CIA-Drogen-Connection gegeben, die mehr oder weniger kontinuierlich operierte. Insbesondere hat diese Connection im Laufe der Zeit  zu unerklärlichen Tiefenereignissen und der Konsolidierung der globalen Dominanz-Mentalität, daheim wie im Ausland, beigetragen. Genauer gesagt, ist die globale Drogen-Connection ein Faktor, der unter solch unerklärten Tiefenereignissen wie der Ermordung von JFK, dem zweiten Tonkin-Zwischenfall von 1964 und Iran-Contra liegt.

Die globale Drogen-Connection ist nicht nur eine Quer-Verbindung zwischen CIA-Außendienstmitarbeitern und deren drogenhandelnden Kontakten. Es ist signifikanter ein globaler Finanz-Komplex von heißem Geld, das herausragende Geschäfts-, Finanz- und Regierungs- sowie Unterwelt-Figuren vereint. Es behält seinen eigenen politischen Einfluss durch die systematische Bereitstellung von illegalen Finanzmitteln, Gefälligkeiten und sogar Sex an Politiker auf der ganzen Welt, einschließlich den Anführern beider Parteien in den Vereinigten Staaten. Das Ergebnis ist ein System, das indirektes Imperium genannt werden könnte, eines, das in seiner Suche nach ausländischen Märkten und Ressourcen zufrieden ist, bestehende Regierungsformen zu untergraben, ohne eine progressive Alternative anzuordnen.

Paul Lionel Edward Helliwell

Paul Lionel Edward Helliwell

Ein wesentlicher Organisator der globalen Nachkriegs-Drogen-Connection – zwischen CIA, organisierter Kriminalität und ihrem gegenseitigen Interesse am Drogenhandel – war der ehemalige OSS-Offizier Paul L.E. Helliwell. [4] Helliwell, der Leiter des Sondergeheimdienstes des OSS in Kunming und später ein Beamter des OPC und der CIA, war gleichzeitig der Besitzer der Bank of Perrine in Key West, Florida, ein „zweiteiliger Geldwäscheapparat für den Lansky-Mob und die CIA”, und deren Schwester-Institut Bank of Cutler Ridge. Hier werden wir eine Reihe von miteinander verbundenen Mob-CIA-Geldwäsche-Banken in der globalen Drogen-Connection sehen, von denen die größte zweifellos die Bank of Credit and Commerce International (BCCI) war.

Die meisten Menschen haben noch nie von Paul Helliwell gehört. Mainstream-Bücher über Fehlverhalten der CIA, wie Tim Weiners Legacy of Ashes, erwähnen weder ihn, noch seine wichtige mit der CIA zusammenhängende Bank, die Castle Bank auf den Bahamas, noch die wichtigere Nachfolgerbank von Castle, BCCI. In der Flut der CIA-Dokumente, die seit 1992 freigegeben wurden, findet man den Namen Helliwell nicht in den Archivindizes des National Archive, National Security Archive oder der Federation of American Scientists. In den Millionen freigegebenen Seiten, die auf der Website der Mary Ferrell Foundation indiziert und gespeichert sind, erscheint Helliwells Name genau einmal – und das ist auf einer Liste von Dokumenten, die von der Überprüfung bei der Suche der CIA im Jahre 1974 nach Dokumenten im Zusammenhang mit, ausgerechnet, Watergate, vorenthalten wurden!  [5] Diese Stille, auch in internen CIA-Akten, um den Hauptarchitekten der Nachkriegs-CIA-Drogen-Connection ist beredt.

Das meiste, was wir über Helliwell wissen, stammt aus der Presse-Reaktion auf die erfolgreichen Bemühungen der CIA, eine IRS-Untersuchung in den 1970er Jahren, als Operation Tradewinds bekannt, ihrer Geldwäsche-Banken zu blockieren. Dieser Kampf mit Helliwell und der CIA begann 1972, als dem IRS-Ermittler Richard Jaffe, der den Geldern des verhafteten Marihuana- und LSD-Händlers Allan George Palmer nachspürte, bekannt wurde, dass Palmer „einiges von seinem Geld persönlich in den Süden zur Perrine-Cutler Ridge Bank zur Einzahlung gebracht hatte.” [6]

Jaffe fand auch heraus, dass die Gelder in das Konto einer Bank auf den Bahamas namens Castle Bank hinterlegt wurden. Laut Jim Drinkhall im Wall Street Journal war diese Bank „gegründet und maßgeblich kontrolliert“ von Helliwell, der „entscheidend war bei der Leitung eines Netzwerks von verdeckten Operationen und ,Eigentümern‘ der CIA.”  [7] Drinkhall schrieb, dass die CIA Jaffes Untersuchung der Caste Bank beendete, weil Castle:

„die Leitung für Millionen von Dollar war, die von der CIA für die Finanzierung von Geheimoperationen gegen Kuba und anderen verdeckten Geheimdienstoperationen bestimmt waren, die sich gegen Länder in Lateinamerika und im Fernen Osten richteten.“ [8]

Drinkhall merkt ferner an, wofür Helliwell wahrscheinlich am bekanntesten ist (und worüber ich in The War Conspiracy geschrieben habe):

„1951 half Herr Helliwell Sea Supply Corp. einzurichten und zu betreiben, ein Konzern, der von der CIA als Front-Organisation geleitet wird. Fast 10 Jahre lang wurde Sea Supply verwendet, um große Mengen an Waffen und Ausrüstung an 10.000 Nationalistische Chinesische [KMT] Truppen in Burma als auch an Thailands Polizei zu liefern.“ [9]

Aber Drinkhall wies nicht darauf hin, was jetzt nicht bestritten wird, dass die KMT-Truppen in Burma und die thailändische Polizei die beiden Hauptarme der CIA-KMT-Burma-Thai-Drogen-Connection waren und sich zusammen im Anbau und Handel von Opium für den Weltmarkt beteiligten, einschließlich den Vereinigten Staaten. [10]

Helliwells Gefälligkeiten für die CIA waren nicht auf den Fernen Osten beschränkt. Zusammen mit zwei alten Mitarbeitern aus der KMT-Burma-Drogen-Connection, Frank Wisner von der CIA und General Claire Chennault von der CIA-Airline CAT, arbeitete Helliwell „bereits um 1953-1954 auch bei CIA-Operationen in Mittelamerika mit. In jenen Tagen war Guatemala und seine Regierung das Ziel.” [11]

Wie Chennault und seine alten Mitarbeiter aus seiner Zeit in China, Whiting Willauer und William Pawley, assistierte Helliwell sodann 1954 bei den CIA-Operationen gegen Guatemala, und nach 1960 gegen Castro. Laut Drinkhall:

„Ein ehemaliger Bundesbeamter, der half, Castle zu untersuchen, sagt: ,Castle war einer von den CIA-Finanzierungskanälen für Operationen gegen Kuba.‘ Herr Helliwell war angeblich einer der Zahlmeister für die unglückliche Schweinebucht-Invasion 1961, als auch für andere ,extensive‘ CIA-Operationen in ganz Lateinamerika.“ [12]

Was die Verbindung des Ex-Sträflings Wallace Groves zur CIA angeht, haben eine Reihe von CIA-Dokumenten, die seither veröffentlicht wurden, diese Beziehung bestätigt. Laut einem von ihnen:

„Der Wallace GROVES, von dem in den Anlagen erwähnt wird, dass er mit Meyer LANSKY und Mary Carter Malen Co . / Resorts International, Inc. verbunden ist, ist identisch mit dem Wallace GROVES, der Gegenstand von OS-Akte #473 865 ist. Diese Akte spiegelt wider, dass GROVES von April 1966 bis April 1972 von Interesse war für das [CIA] Office of General Counsel für die Nutzung von GROVES als Berater oder möglicher Offizier von einem der Projekt █ Einheiten. Zusätzliche Informationen in dieser Akte legten nahe, dass GROVES mit Meyer LANSKY verbunden war.“ [13]

Ich vermute, dass diese „Projekt █ Einheiten“ die Verwendung von Geldern außerhalb der Bilanzen miteinbezog, die im autorisierten CIA-Budget nicht enthalten waren.


Helliwells Verbindung zu Off-the-Books-Operationen

Seit der Veröffentlichung von Drinkhalls Artikel hat fast jeder Verweis auf Helliwell ihn als Zahlmeister für die Schweinebucht-Invasion beschrieben, eine Behauptung, die ich in Frage stelle. Aber ein Gefühl für den Umfang der finanziellen Verwicklung Helliwells mit der CIA kann aus der CIA-Sequestrierung von fast 5 Millionen Dollar von einer anderen mit Helliwell verbundenen Organisation, Intercontinental Diversified (I.D.C.), gesammelt werden. Abermals Drinkhall:

„Obwohl es keinen Hinweis auf die CIA im SEC-Verfahren bezüglich Intercontinental gibt, machte ein ehemaliger CIA-Beamter kürzlich in einem Interview eine erstaunliche Aussage. Er sagte, dass zwischen 1970 und 1976 $ 5 Millionen Dollar an Intercontinental-Geldern für den Einsatz durch die Behörde abgezweigt worden waren, ,weil wir dort Freunde hatten.‘ Tatsächlich hatte die CIA offenbar ein besseres Arrangement als eine bloße Freundschaft. CIA-Dokumente zeigen, dass Wallace Groves, der Gründer von Intercontinental und Inhaber von 46 % der Aktien, bis er seinen Anteil 1978 für $ 33.1 Millionen verkaufte, von 1965 bis 1972 heimlich für die CIA arbeitete.“

Sicherlich transferieren Banker nicht Millionen von Dollar aus Freundschaft. Eine glaubwürdigere Spekulation ist, dass Helliwell der Zahlmeister war, nicht für offiziell autorisierte Operationen wie die Schweinebucht-Invasion, aber für die Abgabe eines Teils der Mittel aus den Off-the-Books-Operationen wie dem KMT-Drogenhandel aus Burma, der von seinen eigenen Kreationen unterstützt wurde, den CIA-Eigentümern Sea Supply and Cat Inc. (später Air America).

Castle Bank & Trust BahamasJonathan Marshall schrieb einmal kategorisch, dass „Helliwell CIA-Gelder durch die auf den Bahamas ansässige Castle Bank wusch“  [14] Aber diese Behauptung bedarf einer Klärung. I.D.C. war ein Ableger eines asiatischen Unternehmens, Benguet Mining, das von Helliwells Firma vertreten wurde und teilweise dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos gehörte.  [15] Also erreichten I.D.C. Zahlungen aus Asien, und es ist meine Vermutung, dass es eher diese Off-the-Books-Gelder waren, statt Mittel aus dem vom Kongress genehmigten CIA-Budgets, die von Helliwell verwendet wurden, um Off-the-Books-Operationen zu finanzieren. [16]

„Eine von ihnen waren vielleicht politische Auszahlungen, beginnend auf den Bahamas selbst.

In den frühen 1970er Jahren berichteten IRS-Agenten von Hinweisen, die aus aufgezeichneten Gesprächen zusammengetragen wurden, dass Intercontinental, durch Castle Bank operierend, dem Ministerpräsidenten der Bahamas, Lyndon O. Pindling, $ 100.000 bezahlt hatte, um der Holdinggesellschaft eine zweijährige Verlängerung ihrer [Grand Bahama-] Casino-Glücksspiel-Lizenz zu gewähren.“ [17]

Aber die CIA wie auch das Casino hatten eine Vorliebe für Korruption, und Castle war nur ein Teil eines Netzwerks von Banken und Agenten, die Regierungen weltweit korrumpieren. Dementsprechend tätigte Castle:

„auch geheimnisvolle Transaktionen mit einer Firma auf den Cayman-Inseln, der ID Corp. IDs Alleineigentümer, der Amerikaner Shig Katayama, wurde bekannt als einer der wichtigsten Vermittler von Lockheed Corps riesigen Auszahlungen an japanische Politiker im Gegenzug für Flugzeugverträge. Ein japanischer Journalist beschuldigte Katayama, ,seine eigentliche Aufgabe (in den frühen 1950er Jahren) war die Handhabung von Drogen für die US-Geheimdienstarbeit.‘” [18]

In den 1960er Jahren, wenn nicht früher, nutzte die CIA ihre globale Verbindung, um nicht-staatliche Gelder durch Einflussagenten wie Adnan Khashoggi und Yoshio Kodama zu verteilen, in Form beispielsweise von Auszahlungen, die die internationalen Lockheed-Kaufverträge ergänzten.  [19] Im Mai 1965, fünf Monate vor dem Anti-Sukarno-Staatsstreich von September 1965, wurden die Lockheed-Auszahlungen in Indonesien weg von einem Unterstützer von Präsident Sukarno hin zu einem neuen Zwischenhändler umgeleitet, der den Anti-Sukarno General Suharto unterstützte. [20]

Das war zu einer Zeit, als „der Kongress beschlossen hatte, die US-Finanzierung des indonesischen Militärs (anders als die Hilfen für jedes andere Land) als verdeckte Angelegenheit zu behandeln, damit die Überprüfung seitens des Kongresses der Bestimmungen des Präsidenten zur indonesischen Hilfe für zwei Senatsausschüsse und den House Speaker blockierend, die derzeit mit der Aufsicht der CIA betraut waren.” Lockheed-Zahlungen, die über Mittelsmänner liefen, wurden benutzt, um den ausdrücklichen Willen des US-Senats, der eine Resolution zur Kürzung der Militärhilfe an Indonesien verabschiedet hatte, zu vereiteln. [21]


Helliwells Verbindungen zum Mob

Alvin „Al“ Ira Malnik ist ein US-amerikanischer Anwalt und millionenschwerer Geschäftsmann und Unternehmer in Miami. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit für den Mobster Meyer Lansky und als Berater des Popstars Michael Jackson

Alvin „Al“ Ira Malnik ist ein US-amerikanischer Anwalt und millionenschwerer Geschäftsmann und Unternehmer in Miami. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit für den Mobster Meyer Lansky und als Berater des Popstars Michael Jackson

Wenn aber Helliwells CIA-Verbindungen große waren, so waren es seine Verbindungen zur Mafia, und insbesondere zu Meyer Lansky, nicht minder. Die Bank of Perrine war der bevorzugte Verwahrer von Lansky-Geldern, die Amerika über die Bank of World Commerce auf den Bahamas erreichten, gegründet 1961 von Lanskys Weichensteller John Pullman.  [22] Einer der Direktoren der Bank war Alvin Malnik, Lanskys Erbe in Miami Beach, und ein Aktionär war Ed Levinson, ein Geschäftspartner von Lyndon Johnsons Senat-Referent Bobby Baker, dessen Titel Sekretär der demokratischen Mehrheit im US-Senat war, bevor er verhaftet und wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.  [23] Helliwell hatte eine zweite Lansky-Verbindung als Rechtsberater der kleinen Miami National Bank, von Meyer Lansky benutzt, um seine ausländischen Profite und Gewinnabschöpfungen aus den Casinos in Las Vegas zu waschen. [24]

Obwohl in der Regel als eine von Lansky kontrollierte Mob-Bank beschrieben, öffnete die Bank of World Commerce auf internationaler Szenerie, in der die CIA ein Interesse hatte. Es erreichten sie Gelder von der International Credit Bank in der Schweiz, die vom israelischen Waffenschmuggler Tibor Rosenbaum gegründet worden war, und handelte:

„als Bank für gemeinsame Geschäftsunternehmungen von europäischen Juden und dem Staat Israel. Aber sie finanzierte auch den Erwerb und die Bewegung von Waffen an Israel und seinen Verbündeten, insbesondere in Afrika und Zentralamerika, und handelte angeblich in Europa als Zahlmeister für den Mossad, den israelischen Geheimdienst.“ [25]

Meyer Lansky, 1958

Meyer Lansky, 1958

Laut Alan Block hatte Pullmans Bank eine weitere Tochtergesellschaft auf den Bahamas, „auf schattenhafte Weise vereint mit der Intra Bank in Beirut, Libanon.” Intra besaß das Casino de Liban, „dessen Glücksspiel-Konzession von Marcel Paul Francisi kontrolliert wurde, Frankreichs Top-Heroin-Händler. Einige Forscher waren überzeugt, dass Lansky und Francisi Partner im Heroinhandel waren, und dass Lansky und seine Verbündeten auch einen Anteil an dem Casino hielten.”  [26] Francisi wiederum machte gemeinsame Sache mit einem lokalen libanesischen Exporteur von Morphinbase, Sami El Khoury, der wiederum „eine langfristige Geschäftsbeziehung” mit Lucky Luciano in Sizilien hatte, Lanskys Vorkrieg-Verbündetem in New York City und nunmehr ein großer europäischer Drogenhändler. [27]

Sami El Khoury hatte Schutz von der libanesischen Polizei, und möglicherweise auch von der CIA. Alfred McCoy sah die offizielle Korrespondenz des Federal Bureau of Narcotics (FBN), die im August 1963 diskutierte, „ob Sami El Khoury als Informant benutzt werden soll, jetzt da er aus dem Gefängnis entlassen worden ist.”  [28] Einer der beiden FBN-Korrespondenten, Dennis Dayle, erzählte später James Mills, dass El Khoury, „unter den internationalen Top-Drogenhändlern aller Zeiten”, ein Informant wurde.  [29] Und in den 1990er Jahren erzählte Dennis Dayle, nachdem er als Top-DEA-Ermittler im Nahen Osten in den Ruhestand getreten war, einer Anti-Drogen-Konferenz, dass „in meiner 30-jährigen Geschichte in der Drug Enforcement Administration und in Partnerorganisationen stellte sich über die Hauptziele meiner Untersuchungen fast immer heraus, dass sie für die CIA arbeiteten.” [30]

Die Castle Bank war eine weitere „Doppelte-Zweck-Waschanlage”, die sowohl der CIA wie auch dem Mob diente. Das Interesse des Mobs an Castle wurde in Jim Drinkhall Wall Street Journal-Artikel stark untergewichtet, der lediglich erwähnte, dass unterden Kontoinhabern bei Castle drei Männer gewesen seien – „Morris Dalitz, Morris Kleinman und Samuel A. Tucker – die in Dokumenten des Justizministeriums als Figuren der organisierten Kriminalität beschrieben werden.”  [31] (Kleinman und Helliwell hatten zahlreiche gemeinsame Immobilien-Investitionen mit Burton Kanter, dem Anwalt aus Chicago, der mit Helliwell die Castle Bank organisierte.) [32]

Alan Block legt nahe, dass Castle in der Tat eine aktive Bank wurde, als es notwendig war, Gelder von Mercantile Bank and Trust auf den Bahamas abrupt zu transferieren, einer anderen Helliwell-Bank, die „wie Castle … ein Kanal für CIA-Geld war”  [33] und im Begriff stand, unterzugehen. Die Gelder wurden „auf kräftiges Drängen” von Kanter bewegt:

weil unter den Konten, die in Gefahr standen, eines von Morris Kleinman war, einer berüchtigten Figur der organisierten Kriminalität seit den Tagen der Prohibition. In dieser Angelegenheit erklärte Castles Präsident Sam Pierson … es musste getan werden oder ,Kanter wird kopfüber im Chicago River enden.‘” [34]

Kanter scheint sich auf den Umgang mit den steuerlichen Aspekten legitimierten Mob-Reichtums spezialisiert zu haben. Neben der Gründung der Castle Bank mit Helliwell war er „energisch an der Arbeit in Kalifornien” in der La Costa-Immobilien-Entwicklung, an der auch das ehemalige Cleveland-Syndikatmitglied Moe Dalitz beteiligt war, „ein Teil-Eigentümer von mehreren Spielkasinos, einschließlich des Desert Inn und des Stardust Hotels.”  [35] Block verbindet Kanter mit La Costas Fähigkeit, große Finanzmittel aus dem korrupten Teamsters Central States Pension Fund zu erhalten: „Kanters Zugang zum Pension Fund kam wahrscheinlich von Allen Dorfman, einem Freund und Geschäftspartner. 1985 ermordet, um ihn daran zu hindern, über Mob-Investionen zu sprechen, war Dorfman ein wichtiger Fund-Offizieller und Gangster.” [36]


Die CIA, der Mob und Off-the-Books-Operationen

Helliwell war weder die einzige CIA-Verbindung zur Mafia, noch die am höchsten platzierte. Plots zur Tötung Castros im Jahre 1960 wurden vom Sicherheitsbüro der CIA durch einen Vermittler, Robert Maheu, initiiert, dessen unabhängiges Unternehmen mit Hilfe eines Vorschusses des Sicherheitsbüros startete. Es war Maheu, der den CIA-Ermordungsvorschlag zu John Roselli trug. [37]

James Jesus Angleton

James Jesus Angleton

Eine dauerhaftere Beziehung zum Mob wurde vom Personalchef der CIA-Spionageabwehr (Counterintellience, CI), James Angleton, gehalten. Auch er verwendete einen Mittler – den New Yorker Anwalt Mario Brod –, der von 1952 bis 1971 nach Angaben eines CIA-Memos ein CI-Mitarbeiter in New York war.  [38] Einer der heiklen CI-Agenten, die von Brod in New York betreut wurden, war Jay Lovestone, der Chef der AFL-CIO International Affairs, der Gelder an Schwerstwaffen-Gangs in Marseille übergab, die mit korsischen Drogenhändlern verbündet waren, die Teil der globalen Lansky-Luciano-Drogen-Connection waren. [39]

Laut Doug Valentine war Lovestones Assistent Irving Brown in Drogenschmuggel-Aktivitäten in Europa verwickelt, zur gleichen Zeit, da er CIA-Gelder verwendete, um:

„eine ,kompatible linke‘ Gewerkschaft in Marseille zusammen mit Pierre Ferri-Pisani (einzurichten). Im Auftrag von Brown und der CIA heuerte Ferri-Pisani (ein Drogenschmuggler, der mit Marseilles Verbrechensherrscher Antoine Guerini verbunden war) Berufsschläger an, um streikende kommunistische Hafenarbeiter vernichtend zu schlagen.“ [40]

Lovestone, ein ehemaliger Kommunist, der sich zum militanten Anti-Kommunisten gewandelt hatte, hatte zusammen mit seinem Mentor David Dubinsky von der International Ladies’ Garment Workers’ Union auch die Schaffung der militanteren CIO-Gewerkschaftsbewegung in den 1930er Jahren bekämpft, und die United Auto Workers von Walter und Victor Reuther im Besonderen.  [41] Die Rivalen von UAW-AFL, die Lovestone favorisierte, wandten sich für Muskeln an Mobster und heuerten als New Yorker Regionaldirektor John Dioguardi an, ein Mitglied der Mafia-Familie Lucchese.  [42] Dioguardi wurde später von US-Staatsanwalt Paul Williams für die Blendung des Gewerkschaftsjournalisten Victor Riesel und die anschließende Ermordung des Mannes, der die Säure in Riesels Gesicht warf, verantwortlich gemacht. [43]

Ein weiterer heikler Agent, der von CI-Personalmitarbeiter Brod, Angletons Mittelsmann zum Mob, betreut wurde, war der russische Überläufer Anatoliy Golitsyn, den Angleton von der regulären CIA-Bürokratie in seiner unendlichen Suche nach einem hochrangigen Maulwurf in der CIA trennte. Angleton baute (laut seinem Biografen Tom Mangold) „leise eine alternative CIA auf”, mit ihrem eigenen Kommunikationssystem, Archiv und Tresorraum, das die dubiosen Informationen von Lovestone und Golitsyn verwendete. Das Herzstück dieser alternativen CIA war CIs „Allerheiligstes: die super-geheime Special Investigation Group” (CI/SIG) , wo Akten zusammengetragen wurden, um zu zeigen, dass Henry Kissinger und Averell Harriman mögliche KGB-Maulwürfe waren. [44]

Ein dritter heikler Agent, der von Brod betreut wurde, war Herbert Itkin, ein umstrittener Doppelagent, der auf der einen Seite mit dem Mob arbeitete, auf der anderen mit der CIA und dem FBI. Aber wie Itkin hatte auch Brod selbst „Kontakte mit der Mafia.”  [45] Ein CIA-Eklat trat 1970 auf, als Itkin vom Justizministerium und dem FBI verwendet wurde, um eine Reihe von Mob-Figuren mit einstigen Verbindungen nach Havanna, wie James Plumeri, Ed Lanzieri und Sam Mannarino, für illegale Absprachen mit den Teamsters zu verfolgen. Der US-Staatsanwalt rief den CIA-Rechtsberater an, um ihn zu benachrichtigen, dass Mario Brod den Gerichtssaal betreten hatte, um mit der Verteidigung zusammenzuarbeiten. [46]

Nach Angaben der Gerichtsakten: „Die Verteidigung versuchte, Mario Brod aufzurufen, der als Itkins Kontakt bei der Central Intelligence Agency beschrieben wurde. Es wurde gesagt, dass Brod unter Eid aussagen würde, dass er Itkin nicht glaube und Itkins Ruf der Wahrhaftigkeit schlecht war.”  [47] Der CIA-Rechtsberater trat mit der US-Staatsanwaltschaft zusammen, um Brods Aussage zu blockieren. Sein Büro merkte Brods Erklärung seines Verhaltens fürs Protokoll an: ,Einer der Angeklagten mit dem Namen Lenzieri [(sic), d.h., Edward the Buff Lanzieri] war Brods einziger Kontakt innerhalb der Mafia, die Brod warnen würde, wenn er persönlichen in Gefahr sein sollte.‘” [48]

Aber Brod könnte aus mehr als Eigennutz gehandelt haben, denn es wurde vermutet, dass einige der Mafia-Angeklagten in den Absprache-Verfahren auch eine tiefere CIA-Verbindung hatten, wenngleich abseits der Bücher (“off the books”). Laut Dan Moldea waren zwei der Angeklagten, John La Rocca und Gabriel Mannarino, mit Hoffa an kubanischen Waffenschmuggel-Operationen beteiligt, und er legt nahe, dass Hoffa La Rocca und Mannarino überzeugte, zusammen mit zwei anderen Absprache-Angeklagten (Salvatore Granello und James “Jimmy Doyle” Plumeri) „mit der Agency zusammenarbeiten.”  [49] Darüber hinaus waren alle der Angeklagten in den Verfahren, in denen Itkin aussagte und Brod für die Verteidigung einzugreifen versuchte, Mitglieder der so genannten „Papier-Einheimischen” (“paper locals“) in den Teamsters (und zuvor in UAW-AFL), die durch Plumeris Neffen, John Dioguardi, kontrolliert wurden.

Im Juni 1975, sechs Monate nach dem Informationsleck über Angleton und der Operation CHAOS, das zu Angletons Sturz führte, mutmaßte Time-Magazine, dass die CIA Brods Mafia-Kontakte, Plumeri und Granello, genutzt habe, „um einige Spionage in Kuba in Vorbereitung für die 1961er Schweinebucht-Invasion durchzuführen.”  [50] (Ich habe keine Bestätigung für Times Behauptung in veröffentlichten CIA-Dokumenten gefunden.)

Wie Brod hatte Angleton angeblich selbst Mafia-Kontakte, und in mindestens einem Fall intervenierte er, um einen anderen Teil der CIA von der Untersuchung des Bankings von illegalen Lansky-Gewinnabschöpfungen aus Las Vegas abzuhalten. Ein hochrangiger Beamter in Robert Kennedys Justizministerium forderte John Whitten, den einstigen Chef der CIA in Mexico / Panama in der Western Hemisphere Division, dazu auf, nummerierte Bankkonten in Panama zu untersuchen, da sie von Spielern aus Las Vegas genutzt wurden, um Cash zu schmuggeln, „das sie von der Spitze ihrer täglichen Einnahmen abschöpften.“ Sein CIA-Pseudonym “John Scelso” benutzend, sagte Whitten vor dem Church-Komitee über Angletons Aktionen aus:

„Zu jener Zeit waren wir in einer ausgezeichneten Position, um dies zu tun …. Ich dachte, es war eine tolle Idee. Und das erreichte prompt Herrn Angletons Aufmerksamkeit, und wir mussten ihn informieren, und er sagte, na ja, wir werden nichts damit zu tun haben. Dies ist das Geschäft des Bureaus [FBI]. Und whammo, Ende des Gesprächs. Wir wurden abberufen. Ich ging zu Oberst JC King, der zu dieser Zeit der Chef der WH-Abteilung war, und sagte ihm das, und JC King sagte … nun, wissen Sie, Angleton hat diese Verbindungen zur Mafia, und er wird nichts unternehmen, um sie zu gefährden. Und dann sagte ich, das habe ich nicht gewusst. Und er sagte, ja, es hatte mit Kuba zu tun.“ [51]

Angletons Verteidigung von Lanskys Gewinnabschöpfungen kann nicht von seiner zweiten Funktion in der CIA getrennt werden; als Betreuer des Israel-Desks. Angletons Verbindungen mit dem Mossad datierten zurück zum Zweiten Weltkrieg, als er OSS-Operationen in Italien mit dem jüdischen Untergrund koordinierte, der lokal von Teddy Kollek (später Israels Bürgermeister von Jerusalem) geleitet worden war. [52]


Angletons „Alternativ-CIA” und deren Vermächtnis

Darüber hinaus beeinträchtigte CI/SIG, das „Allerheiligste” von Angletons „Alternativ-CIA“, die US-Geschichte deutlich im Jahre 1963. Ihre sogenannte 201- oder „Personen-“Akte zu „Henry Lee Oswald” (der Mann, der der Welt als Lee Harvey Oswald bekannt ist) war mit falschen und gefälschten Informationen gefüllt worden, seit sie im Dezember 1960 eröffnet worden war. Und zwei Meldungen in der 201-Akte wurden erneut im Oktober 1963 gefälscht, um so zu ermöglichen, dass Oswald ein glaubwürdiger „designierter Verdächtiger” in der Ermordung von John F. Kennedy einen Monat später sein würde. [53]

Die Fälschung von Oswalds 201-Akte kann als legitime Gegenspionage-Operation entstanden sein. Ich habe argumentiert, dass die gefälschten Nachrichten eindeutig Teil eines sogenannten “Marked Card-” oder “Barium“-Tests waren, um festzustellen, ob und wo Lecks von sensiblen Informationen auftreten würden. Dies war eine bekannte Technik, und stand in der Verantwortung des CI/SIG, die für die 201-Akte verantwortlich war. [54]

Aber bis Oktober 1963 sehen wir Anzeichen, dass CIA-Kabel zu Oswald ebenfalls manipuliert wurden, um ihm zu ermöglichen, ein designierter Verdächtiger in der Ermordung von Präsident Kennedy am 22. November zu werden. Ein CIA-Fernschreiben an das FBI im Oktober 1963 (durch einen CI/SIG-Beamten aufgesetzt) hielt die offensichtlich wichtige Information zurück, dass Oswald angeblich in Mexiko-Stadt mit einem sowjetischen Vizekonsul, Valeriy Kostikov, zusammengetroffen war, von dem CIA-Beamte annahmen, dass er ein Offizier des KGB war.  [55] Dieses Zurückhalten trug dazu bei, dass Oswald nicht durch das FBI nach der angeblichen Begegnung unter Überwachung gestellt wurde; eine Überwachung, die seine Fähigkeit, ein designierter Verdächtiger durch seine Anwesenheit an einer besonders sensiblen Ecke auf Kennedys Paradestrecke in Dallas sein zu können, vermutlich erheblich eingeschränkt hätte. Ich habe argumentiert, dass ähnliches Informationszurückhalten der CIA vor dem FBI über zwei angebliche 9/11-Hijacker, Nawaz al-Hamzi und Khalid al-Mihdar, es ihnen ebenfalls ermöglichte, die Rolle designierter Verdächtiger zu spielen, indem die FBI-Überwachung ebenso verhindert wurde. [56]

CIA-Direktor William Colby zwang Angleton zum Rücktritt von der CIA im Post-Watergate-Klima im Dezember 1974, nach öffentlichen Enthüllungen über Angletons Engagement in der möglicherweise illegalen Operation CHAOS der CIA (die Überwachung der US-Amerikaner in den Vereinigten Staaten). Dies bedeutete das Ende von Angletons „alternativer CIA” im Spionageabwehr-Team. Denn ungefähr ein Jahr darauf enthüllten Lecks wie jenes, das wir über die CIA-Links zu Brods Mafiosi sahen, weiterhin den Morast der CIA-Verbindungen zu kubanischen Exil-Terroristen und anderen Mitgliedern der globalen Drogen-Connection (und halfen ihn damit zu beenden).

Doch 1976 veränderte sich das Klima dramatisch, nachdem Donald Rumsfeld und Dick Cheney im sogenannten „Halloween-Massaker” (von Präsident Fords Weißem Haus aus gemanagt) CIA-Direktor Colby mit George H.W. Bush ersetzten und Rumsfeld aus dem Weißen Haus schickten, um Verteidigungsminister zu werden. Wenn 1975 das Post-Watergate-Jahr der dramatischen Enthüllungen über CIA-Verwicklungen mit kubanischen Exilanten und Gangstern bei Ermordungsbemühungen war, dann war 1976 das Jahr, in dem sich Mob-verbundene Exilkubaner und der chilenische Geheimdienst DINA, beide im Drogenhandel verwickelt, in einer Welle von Terrormorden ergingen. Dazu gehörten die Sprengung eines zivilen Verkehrsflugzeugs der Air Cubana und die Ermordung des früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier in Washington. [57]

Allerdings war die CIA nicht mehr länger der einzige oder womöglich sogar der Hauptpunkt des US-Kontakts mit der DINA-gesponserten internationalen Operation CONDOR, die mehrere Morde durchführte. Der US-Botschafter in Paraguay Robert White, ein Karriere-Beamter des State Department, dessen Abneigung gegen diese Morde ihn den Job kostete, nachdem Reagan gewählt wurde, hörte vom Kommandanten der paraguayischen Streitkräfte, dass „Geheimdienstchefs aus Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay ,ein verschlüsseltes System innerhalb des US-[Militär]Telekommunikationsnetz[werks]‘ nutzten, das ganz Lateinamerika abdeckte, um ,Geheimdienstinformationen zu koordinieren.‘“ [58]

Henry Kissinger, der 1976 in seinem letzten Jahr als Außenminister war, spielte bestenfalls eine zweideutige Rolle vis-à-vis dieser Welle der rechten Gewalt. Vor der öffentlichen Belehrung Chiles in Santiago für seine Menschenrechtsverletzungen („Der Zustand der Menschenrechte … hat unsere Beziehung zu Chile beeinträchtigt und wird dies auch weiterhin tun”), versicherte Kissinger Pinochet privat, dass er von der US-Politik gezwungen sei, dies zu sagen, und dass in der Tat seine Hauptsorge die Bewegung im US-Kongress war, die Hilfe für Chile zu kürzen. [59]

Der US-Schutz und sogar die Unterstützung der USA für die Terroristen von 1976 hat sich bis zum heutigen Tag fortgesetzt. Luis Posada Carriles, der Hauptarchitekt der Air Cubana-Bombardierung, „saß im Gefängnis in Venezuela für die Cubana-Bombardierung”, und „später, in den 1980er Jahren, arbeitete er wieder im Auftrag der CIA in Mittelamerika und half, das Contra-Versorgungsnetz zu koordinieren.”  [60] Posada wurde 2000 in Panama wieder verhaftet und für einen Attentatsversuch auf Fidel Castro verurteilt, diesmal mit Guillermo Novo, einem der Letelier-Mörder. Beide Männer wurden sofort von Panamas scheidenden Präsidenten begnadigt.  [61] Im Mai 2008 wurde Posada von 500 kubanischen Amerikanern bei einer ausverkauften Gala in Miami geehrt, nachdem Anschuldigungen gegen ihn wegen illegaler Einreise in die Vereinigten Staaten von einem Bundesrichter in Texas verworfen worden waren. [62]

CIA-Direktor Bush beförderte auch Theodore Shackley, der seit Jahren die Maverick-Exilkubaner der CIA in Miami betreute. Laut Kevin Phillips:

„Ende 1976 hatte Bush auch eigensinnige Agenten-Veteranen – Veteranen, die alles von chilenischen Morden über Vietnams Phoenix-Programm bis hin zu unsachgemäßer inländischer Überwachung gemacht hatten – vor der Anklage von Präsident Fords Justizministerium geschützt.“ [63]

Aber der Geist der Post-Watergate-Zurückhaltung kehrte unter Präsident Carter und seinem CIA-Direktor Admiral Stansfield Turner in die CIA zurück. Vor allem dank einer Reihe von Informationslecks über seinen Freund Edwin Wilson sank Shackleys Ansehen in der CIA, bis er 1978 ging. [64]

Es ist jedoch der Standpunkt von William Corson und Joseph Trento, dass der Geist einer alternativen und aktivistischeren CIA unter Shackley im Exil überlebte. Trento schreibt, dass Shackley vom Safari Club des iranischen Schahs (siehe unten) und von Richard Helms, dem US-Botschafter im Iran, unterstützt wurde. Der reguläre CIA-Chef im Iran „klagte immer wieder, dass Helms seine eigenen Geheimdienstoperationen von der Botschaft aus zu führen schien”, und dass CIA-Veteranen, die unter dem CIA-Beamten Theodore Shackley gearbeitet hatten, „den Kader einer privaten Schatten-Spionageorganisation innerhalb Amerikas offiziellem Nachrichtendienst (bildeten).” [65]


Helliwell, Castle und die Oberwelt

Wir haben noch nicht die Oberwelt-Verbindungen von Castle Bank behandelt. Die wohlhabendsten Einleger dort „waren Mitglieder der märchenhaft reichen Pritzker-Familie aus Chicago, Kunden der Kanter-Firma.”  [66] Block stellt fest, dass die Pritzkers, deren weitgestreuter Besitz die Hyatt-Hotelkette einschließt, auch ein Darlehen vom Teamsters Pension Fund für ein Hotel-Casino-Investment in Nevada erhielten, und dass „Jimmy Hoffa und Allen Dorfman persönlich an Pritzker-Darlehen arbeiteten.” [67]

Kanter und Castle Bank planten auch Entwicklungen mit anderen Mitgliedern der Oberwelt, wie Henry Ford II und seiner Frau Christina.  [68] Mercantile, die Vorgänger-Bank von Castle, vertrat Investitionen von zwei Schifffahrts-Magnaten: des Milliardärs Daniel K. Ludwig und des äußerst wohlhabenden norwegischen Schiffbauers Inge Gordon Mosvold, vielleicht ein Frontmann für Ludwig. [69]

Mercantile und Castle waren eng mit einer anderen Bahamas-Bank von Helliwell verbandelt, Underwriters Bank Limited. Hier war der Mehrheitseigentümer mit 95 Prozent der amerikanische Versicherungskonzern American International Underwriters Corp [AIUC], der als Teil des Versicherungsimperiums des ehemaligen OSS-Agenten C.V. Starr begann und heute Teil des riesigen multinationalen Konzerns AIG ist. Block berichtet korrekterweise, dass AIUC „ein Versicherungskonglomerat mit verdächtigten Verbindungen zur CIA in Südostasien war.” [70]

Ich habe an anderer Stelle geschrieben, wie die C.V. Starr-Gruppe in Washington von Thomas (“Tommy the Cork”) Corcoran vertreten und nach dem Zweiten Weltkrieg von Corcorans ehemaligen Rechtspartner, William S. Youngman, geleitet wurde. Sie war also mit dem sogenannten Chennaults-Kreis (oder Chennaults „Washington-Geschwader”) verzahnt, jene mächtige Clique, die mit Roosevelt Segen im Jahre 1940 zusammengesetzt wurde, um die Ausrüstung, das Personal und die finanzielle Unterstützung von General Claire Chennaults Flying Tigers in China zu ermöglichen. [71]

Corcoran war seit den 1930er Jahren eine Schlüsselfigur in Washington gewesen, als er „FDRs informellen Geheimdienst und internationale Spionage-Operationen“ leitete, „lange bevor es einen OSS gab.”  [72] In den 1950er Jahren, als über ihn von Fortune gesagt wurde, dass er „den besten Nachrichtendienst in Washington” halte, waren seine Lobbying-Aktivitäten eng mit der Beeinflussung von verdeckten Operationen der CIA verbunden:

„Die meisten [seiner Kunden] sind Unternehmen mit internationalen Interessen, und er hat eine Wahl-Klientel in diesem Bereich. Diese enthält United Fruit Co., American International Underwriters Corp (Teil der C.V. Starr-Interessen in Asien und anderswo) und General Claire Chennaults Civil Air Transport, Inc. Ende 1951 ließ Corcoran seinen Nachrichtendienst beispielsweise Überstunden leisten, um mit der amerikanischen Politik zum Iran mitzuhalten – was das Außenministerium in dieser Angelegenheit tun würde, würde eine Anleitung dafür sein, was es tun oder nicht tun könnte, um seinen Mandanten, United Fruit, vor dem Rauswurf aus Guatemala zu bewahren.“ [73]

Helliwell und Corcoran spielten zusammen eine entscheidende Rolle bei der Verlängerung des asiatischen Einflusses Chennaults, als die beiden Männer Frank Wisner vom OPC überredeten, Chennaults Nachkriegs-Fluggesellschaft CAT (später der CIA-Eigentum Air America) zu kaufen und zu refinanzieren. Auch beteiligt an dieser wichtigen Entscheidung war William Pawley, eine Schlüsselfigur in Chennaults sogenanntem „Washington-Geschwader ” im Zweiten Weltkrieg.  [74] Gemeinsam mit Sea Supply Inc., Helliwells anderer Schöpfung, wurde aus CAT die hauptsächliche logistische Infrastruktur für die drogenhandelnden KMT-Truppen in Burma. [75]


Helliwell und die Politik des Einflusses

Helliwells und Corcorans Anwaltskanzlei, Corcoran und Rowe, arbeitete auch mit William Donovan bei der Verwendung von Thai-Geld zur Beeinflussung des Kongresses zusammen. Helliwell selbst war ein wichtiger Organisator für die Republikanische Partei in Florida; er half, den Staat 1952 für Eisenhower zu gewinnen und damit den Start der republikanischen Vorherrschaft im Süden zu beginnen. (Helliwell stand später eng mit Nixons Kumpan Bebe Rebozo.) [76]

Thomas Corcoran

Thomas Corcoran

Corcoran und Rowe waren indes Demokraten, letzterer war eng mit dem kommenden Texas-Senator Lyndon Baines Johnson vertraut. Corcoran hatte in den 1940er Jahren die Konten und das politische Geschäft von Chiang Kai-sheks Schwiegersohn, T.V. Soong, gemanagt, der durch die Umleitung von Millionen an chinesischem Gold auf seine Konten in Kalifornien zu einem der reichsten Männer der Welt geworden war.

Zusammen mit Soong trieb Corcoran erfolgreich Lobbyarbeit für ein Leih- und Pachtprogramm an das nationalistische (KMT-) China und an eine private American Volunteer Group, die Piloten von den Streitkräften für ein privates Unternehmen rekrutierte, das von Corcorans Freund William Pawley geleitet wurde. Tatsächlich wurden die Piloten rekrutiert, um in China als Teil von Chennaults irregulärer Air Force für Chiang Kai-shek und die KMT zu kämpfen. [77]

„In der Tat betrieb Corcoran einen Off-the-Books-Privatkrieg, in dem ein Privatunternehmen, China Defense Supplies, einiges von dem Kriegsmaterial, das für China bestimmt war, an eine Privatarmee, die American Volunteer Group, umleitetete.“ [78]

Nach dem Krieg wurden Soong, Corcoran und Pawley starke Unterstützter der Pro-KMT-China-Lobby.  [79] Die Beamten des State Department, die in T.V. Soongs „Schwarzbuch” eingetragen wurden, wurden zur Zielscheibe der Säuberungen, die erst von J. Edgar Hoover und später von Joseph McCarthy durchgeführt wurden. [80]

Die Geschickte der von Soong gedeckten China-Lobby gingen dramatisch mit denen von McCarthy im Jahre 1954 darnieder. An diesem Punkt kollaborierten Corcoran und Donovan (die zuvor 1949 bei Chennaults Verkauf von Chinas Handelsluftflotte via CAT zusammengearbeitet hatten), um den Fluss an Geldern aus Asien zur Beeinflussung des Kongresses aufrechtzuhalten. Die neue Quelle war der Thai-Diktator Phao Sriyanon, einer der größten Nutznießer des KMT-Drogennetzwerkes, das von Helliwell, Sea Supply und CAT etabliert worden war. (Zum Zeitpunkt seines Todes im Exil in der Schweiz wurde von Phao gesagt, dass er „einer der reichsten Männer der Welt” war.) [81]

„Nachdem Skandale und Enthüllungen die Aufpolierung der China-Lobby in Washington erzwangen, bot der private Arm der Thai-Lobby seine eigenen Ressourcen auf…. Durch Donovan, [OSS-Veteran Willis] Bird [Sea Supplys Einkäufer in Bangkok] oder seinen anderen CIA-Verbindungen hatte Phao zu dieser Zeit den Rechtsanwalt Paul Helliwell … als Lobbyist neben Donovan angeheuert. Donovan [der von der thailändischen Regierung gemeldete $ 100.000 erhielt] und Helliwell teilten den Kongress untereinander auf, indem Donovan die Verantwortung für die Republikaner und Helliwell die für die Demokraten übernahm.“ [82]

Wie „übernahm“ Helliwell, ein einflussreicher Republikaner-Anwalt, der Vollzeit in Miami arbeitete, die Demokraten? Durch das Wirken in seiner Rolle als Thai-Konsul in Miami: seine Jahresberichte als Lobbyist von Ausländern zeigen, dass er Zehntausende von Dollar pro Jahr an James Rowe von Corcoran und Rowe gab.


Helliwell, Resorts International und die Politik der Korruption

Helliwell und seine Banken wickelten auch echte Investitionen für die Lansky-Leute ab:

„Unter den Immobilienunternehmen in Florida, die von Helliwells Fingerfertigkeit profitierten, war die General Development Corporation, kontrolliert von Louis Chesler, einem Florida-Immobilien-Entwickler und Mitarbeiter von Lansky, sowie von “Trigger Mike” Coppola, einem Lansky-Kumpan. Chesler war der Partner von Wallace Groves …. Chesler und Groves waren Partner in einem Glücksspielunternehmen zusammen mit Resorts International durch ein Bahamas-Unternehmen, dessen Rechtsrat die Kanzlei Helliwell, Melrose und DeWolf war.“ [83]

Resorts International, ehemals die Mary Carter Paint Company, die von James Crosby kontrolliert wurde, war Mehrheitsbesitzer eines Bahamas-Resorts, Paradise Island, das nicht in der Lage war, an eine Lizenz zu kommen, ehe Wallace Groves 1966 als Partner reingeholt wurde. Die bekannte Reaktion eines Offiziellen des US-Justizministeriums zu diesem Eigentümerwechsel war: „Die Atmosphäre scheint das Richtige für ein Lansky-Gewinn zu sein.” Jahre später sollten „Anwälte der Gaming Enforcement Division New Jersey der Erteilung einer Glücksspiel-Lizenz an Crosby und seine Firma [Resorts International] unter Berufung auf ,Verbindungen zu anrüchigen Personen und Organisationen‘, und speziell auf ihre Bilanz auf Paradise Island, Widerstand leisten.” [84]

Wie Helliwell und Groves, so war auch Resorts International Teil der weltweiten CIA-Mob-Connection. Laut einem CIA-Memorandum von 1976, das in der Meyer Lansky-Sicherheitsakte enthalten ist:

„Resorts International, Inc., ist der Gegenstand der OS [Office of Security] Akte # 591 722. Diese Akte spiegelt wider, dass Resorts International, Inc. 1972 und 1973 von Interesse war für Cover- und Handelsmitarbeiter von DDO [Operations Directorate].“ [85]

Wallace Groves

Wallace Groves

Wie das gleiche CIA-Memo deutlich macht, war dies nachdem ein 1969 erschienenes Buch, The Grim Reapers von Ed Reid, Verbindungen des Unternehmens zu Wallace Groves und durch den Casino-Manager Eddie Cellini zu dem, was das CIA-Memo als ,die Glücksspielaktivitäten vom Chef der organisierte Kriminalität, Meyer LANSKY ‘ bezeichnete, enthüllt hatte.  [86] Resorts International nahm also mit anderen Worten die Mittlerrolle zwischen der CIA und Eddie Cellini ein, so wie (das werden wir gleich sehen) 1960 eine ähnliche Rolle vom Anführer der CIA-Schweinebucht-Invasion Tony Varona ausgeführt worden war.

1972, dem Jahr, in dem Resorts „von Interesse” für die CIA wurde, war auch das Jahr , in dem Meyer Lansky zusammen mit Dino Cellini (Eddies Bruder) in Miami angeklagt wurde. Einer der Vorwürfe in der Anklageschrift war, dass „Lansky 1968 zumindest eine gewisse Kontrolle über die Laufvergnügungsreisen (ein profitable Teil eines Casino-Betriebs) beim Paradise Island Casino kontrollierte“  [87] Ich werde später argumentieren, dass in diesen zwei Jahren sowohl Resorts, als auch die Lansky-Anklage „von Interesse”  für die CIA wegen des Showdowns waren, der in dieser Zeit zwischen Nixon und der CIA im Zuge des Watergate-Einbruchs stattfand.

Die CIA war sich möglicherweise über die Vorwürfe bewusst, die 1972 auftauchten, dass die Gelder aus dem Paradise Island Casino von einem Casino-Mitarbeiter heimlich zu Nixon und seinem Freund Bebe Rebozo gebracht wurden. Dieser Mitarbeiter war Seymour (Sey) Alter, auf der einen Seite ein Verbündeter von Lansky und seinem Mann Eddie Cellini, und auf der anderen Seite „ein Freund von Nixon und Rebozo seit 1962.”  [88] Die Gelder kamen von der Paradise Island Bridge Company, einem Unternehmen, das teilweise einem Offiziellen von Benguet International gehörte, einer Firma, die von Paul Helliwell vertreten wurde.  [89] Es ist wahrscheinlich, dass Nixon selbst einen versteckten Anteil an der Bridge Company hielt, was die Enthüllung im Zuge der Operation Tradewinds erklären könnte, dass ein „Richard M. Nixon ” (nicht anders identifiziert) ein Konto bei Helliwells Castle Bank hatte. [90]


Die CIA, Eddie Cellini, Edward K. Moss und die CIA-Mafia-Plots

Aber es gab noch mehr an der CIA-Resorts-Verbindung. 1967 hatte Casino Resorts (zu dieser Zeit Paradise Island) Eddie Cellini als Casino-Manager angeheuert, der früher Lanskys Casino in Havanna, Hotel Internacional, gemanagt hatte.  [91] 1967 war das Jahr, in dem der CIA-Generalinspekteur in seinem Bericht über CIA-Plots zur Ermordung Fidel Castros geschrieben hatte, dass über Eddie Cellini und seinem berühmteren Bruder Dino:

„geglaubt wurde, dass sie in Kontakt mit [Tony] Varona [Mitglied der CIA-Frontgruppe für die Schweinebucht-Operation] waren … und es wurde berichtet, dass sie Varona große Summen Geld für seine Operationen gegen Castro angeboten haben, mit dem Verständnis, dass sie eine privilegierte Behandlung ,im Kuba der Zukunft‘ erhalten würden.” [92]

Der Bericht des Generalinspekteurs wurde geschrieben, um mit dem politischen Eklat umzugehen, der durch Jack Anderson spektakuläre Behauptung im Jahre 1967 auftrat, dass John F. Kennedy möglicherweise als Folge eines Mordkomplott gegen Castro getötet worden sei, „der dann möglicherweise nach hinten losging”, um sich gegen Kennedy selbst zu richten.  [93] Jack Andersons ultimative Quelle für die Geschichte war John Roselli, ein Mob-Mitglied, das verärgert darüber war, dass seine Zusammenarbeit mit der CIA bei den Mordplänen ihn nicht vor einer Anklage und möglichen Abschiebung schützte.

Eddi Cellini

Eddie Cellini

Der Forscher Alan A. Block stellt fest, dass es seltsam unklug von Paradise Island war, Eddie Cellini 1967 angestellt zu haben, da es gerade erst einen eigenen Skandal von organisierter Kriminalität hinter sich hatte.  [94] Aber die CIA war mit einem noch größeren Skandal von organisierter Kriminalität durch Jack Andersons Kolumne konfrontiert, und der IG-Bericht hatte CIA-Direktor Helms gerade erst mitgeteilt, dass Cellini möglicherweise ein Vermittler in den Mordplänen zwischen den beiden Plot-Anführern Varona und Santos Trafficante gewesen war.  [95] Eine Möglichkeit ist, dass Cellini von Resorts angeheuert worden war, um sicherzustellen, dass er sich nicht Roselli anschließen würde, um an die Öffentlichkeit zu gehen.

Es gibt einen wichtigen FBI-Bericht, der unbeanstandet in einem CIA-Dokument in der Lansky-Sicherheitsakte reproduziert wurde, die fast frei von Verweisen auf Lansky ist, aber sehr wohl eine Akte zu den CIA Mafia-Verschwörungen genannt werden kann.  [96] Nach diesem FBI-Bericht kam es zu dem Kontakt zwischen Varona und den Cellini-Brüdern, die den Mob repräsentierten, durch einen in Washington ansässigen PR-Agenten namens Edward K. Moss:

„Verona [sic] hat auf Edward K. Moss als seinen Assistenten für die Beschaffung von Finanzmitteln zur Finanzierung von Operationen gegen Castro zurückgegriffen. … Julia Cellini ist angeblich Moss’ Geliebte und betreibt einen Sekretariats-Service, [der] in Wirklichkeit eine Front für Edward K. Moss‘ Aktivitäten ist. … Julia Cellinis Bruder Dino Cellini und sein Bruder (Vorname unbekannt) sind aktive Fronten für zwei der größten Kasinos, die in Kuba bis zum Batista-Regime betrieben wurden. … Es wird behauptet, dass die Cellini-Brüder in engem Kontakt mit Tony Verona [sic] durch Edward K. Moss sind und angeboten haben, erhebliche Summen (von bis zu zwei Millionen Dollar wurde berichtet) durch Edward K. Moss an Tony Verona beizutragen, um Operationen gegen das Castro-Regime zu finanzieren, mit dem Verständnis, dass sie eine große Scheibe ,im Kuba der Zukunft‘ abbekommen würden.” [97]

Dem gleichen CIA-Memo zufolge war Moss ein ehemaliger Präsident der Public Relations Society of America. Zur gleichen Zeit, nach einem mündlichen Bericht von Dun und Bradstreet an den damaligen CIA-Agenten Edwin P. Wilson, „,scheint Moss’ Operation in Regierungsaufträgen für die Unterwelt und möglicherweise die Beobachtung von Mafia-Geld in legalen Geschäftsaktivitäten zu liegen.” [98]

Mr. Edward K. Moss, PR counsel to Embassy introduces Miss Julia T. Cellini to Vice President Tolbert

Mr. Edward K. Moss, PR counsel to Embassy introduces Miss Julia T. Cellini to Vice President Tolbert

All dies liefert einigen Kontext zur Entscheidung des CIA-Amtes für Sicherheit (CIA Office of Security) am 7. November 1962, eine Covert Security Approval (CSAS) für den Einsatz von Moss durch die Political Action Group des Covert Action-Mitarbeiterstabs (CA) der CIA zu sichern.  [99] Das war natürlich mehr als ein Jahr, nachdem das FBI der CIA angeblich mitgeteilt hatte, dass „die Cellini-Brüder in Kontakt mit Varona durch Moss sind und angeboten haben, so viel wie zwei Millionen Dollar beizutragen, um Anti-Castro-Operationen zu finanzieren.”  [100] Außerdem wiesen FBI-Informationen an die CIA darauf hin, dass Moss‘ Geliebte Julia Cellini und ihr Bruder Dino Cellini angeblich Zuhälter waren, während „die Cellini-Brüder seit langem mit Drogen- und Prostitutions-Sklavenhandel-Gangstern in Kuba in Verbindung gebracht wurden.”  [101] Die CIA selbst benachrichtigte das FBI am 16. Dezember 1960, dass Julia “Cellino” darauf hingewiesen hatte, dass ihr Brüder „seit langem im Drogen- und Prostitutions-Sklavenhandel in Kuba verbunden war.” [102]

Weitere FBI-Informationen deuteten darauf hin, dass Dino Cellini „ehemals mit Joseph Francis Nesline, einem WFO [d.h. Washington] Top-Ganoven, in einem Spielbetrieb verbunden war.”  [103] Ich habe an anderer Stelle geschrieben, wie Meyer Lansky und Joe Nesline “systematisch sexuelle Erpressung [d.h. durch modernen Sklavenhandel] benutzten, um eine Reihe von Menschen in Washington, die politisch einflussreich waren, zu kompromitieren.” [104]

Die CIA erinnerte sich, dass Moss ein fragwürdiger Charakter war: ein Memo vom 28. November 1962 verwies auf seine „,skrupellosen und unmoralischen‘ Geschäftspraktiken”[105] Laut dem IG-Bericht und anderen Memos: „Ein Memorandum, das vom CA [Covert Action] Mitarbeiterstab 1965 vorbereitet worden war, sagt aus, dass die Datensätze keine Verwendung von Moss zeigen“[106] aber diese sorgfältig formulierte Sprache schließt natürlich keine Verwendung von Moss abseits der Bücher aus. In der Tat bestätigen die Dokumente des Moss-Ordners das Interesse der CIA an ihm, und viele Dokumente betreffen Julia, Eddie, Dino und Goffredo Cellini.

Die Unterlagen über Moss, die Cellinis und Varona sind sehr aufschlussreich. Das FBI alarmierte die CIA über ihre Beziehung und das Angebot von zwei Millionen Dollar an Varona „im Hinblick auf die schwerwiegenden Folgen von [Mafia-] Infiltration dieser CIA-gestützten Aktivität [gegen Castro].”  [107] Am 23. Januar 1961 kommunizierte das FBI seine Anliegen mit dem neuen Generalstaatsanwalt, Robert Kennedy, damals für weniger als eine Woche in seinem Amt. [108]

Die Reaktion der CIA war das Gegenteil von dem, was die Anstandsregeln erwartet hätten: Statt sich von Moss und seinen Mitarbeitern zu distanzieren, erwärmte sich die CIA ihrer. Die CIA ordnete die Weitergabe von Giftpillen über die Mafia an Varona an, der im Februar 1961 der Weichensteller im CIA-Mafia-Plot zur Tötung Castros wurde.  [109] 1962 wurde Varona erneut ausgewählt, um sich als ZRRIFLE-2 an William Harveys erneuerten Mordplänen gegen Castro zu beteiligen.  [110] Und im gleichen Jahr, wie wir gesehen haben, unternahm die CIA Schritte, um Moss selbst zu verwenden.


Mehr über die CIA, Moos und die Politik der Korruption: Adnan Khashoggi

Die indirekte Beziehung der CIA zu Moss durch einen Mittelsmann (Varona) scheint bis in die 1970er Jahre hinein überlebt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Mittelsmann Adnan Khashoggi, der für eine Weile (wie T.V. Soong und Phao Sriyanon vor ihm) als „der reichste Mann der Welt” bekannt wurde. Khashoggi wurde auch in dem Kerry-Brown-BCCI-Report als einer der „ausländischen Hauptagenten der USA” aufgelistet, und irgendwann in den 1970er Jahren engagierte er Edward K. Moss als seinen PR-Agenten.

Khashoggi replizierte die Politik des korrupten Einflusses durch Geld und Sex, der wir schon begegneten. Seine Beiträge zu Nixons Wahlkampfkampagnen – manche legal, manche illegal – wurden durch den Watergate-Ausschuss des Senats untersucht. Über Khashoggi wird von einigen gesagt, dass er 1972 bis zu $ 1 Million heimlich an Nixon gegeben habe, angeblich in einer Aktentasche, die er „versehentlich” in Nixons San Clemente-Residenz zurückgelassen habe.

Zusätzlich ist von Khashoggi bekannt, dass er mehrere Millionen Dollar in der Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo hinterlegt hatte (manche sagen $ 200 Millionen).  [111] Er „entnahm alles bis auf $ 200.000 in Form von Schecks, die zu ,Cash‘ gemacht und ans Sands Hotel (in Las Vegas) überschrieben wurden“[112] Es war, als ob Khashoggi das Sands als seinen persönlichen Waschsalon nutzte. Bekannt als „der größte High Roller, der je in Las Vegas eintraf”, sollte Khashoggi mit einem Wurf so viel wie $ 250.000 verlieren. [113]

Adnan Khashoggi

Adnan Khashoggi

Das Sands war eines der Las Vegas-Casinos, die ursprünglich teilweise im Besitz von Meyer Lansky waren, und von deren Erlöse Gewinnabschöpfungen in der Miami National Bank hinterlegt wurden (wie wir gesehen haben).  [114] In den 1970er Jahren war das Sands nunmehr im Besitz von Howard Hughes; aber zwei Veteranen der Lansky-Ära, Carl Cohen und Jack Entratter, arbeiteten weiterhin im Casino.  [115] Khashoggi verwickelte inzwischen den Manager von Hughes‘ Eigentümern in Vegas, F. William Gay, in seine Geschäfte; und schließlich, als Hughes heimlich von Vegas zu Wallace Groves‘ Resort in Freeport, Bahamas gebracht wurde, geschah dies in Khashoggis Flugzeug. [116]

Selbst in der Ära Hughes blieben Las Vegas-Casinos weiterhin bevorzugte Standorte für die Wäsche von Geld (als Glücksspiel-Verluste getarnt). Diese Praxis wurde so gut etabliert, dass der US-Zoll schließlich in der Operation Casablanca ein gefälschtes Casino in der Nähe von Las Vegas aufmachte, in dem sich mexikanische Top-Level-Bankbeamte versammelten und „eifrig diskutierten, wie die neueste halbe Milliarde Dollar an Drogenerlösen gehandhabt werden sollte.”  [117] In einem wichtigen Fall wurden tausende von Dollar in einem Geld-Umschlag aus dem Stardust Casino (oben erwähnt worden) in einem mutmaßlichen Drogenschmuggelflugzeug in Florida gefunden. [118]

Es gibt auch Berichte, dass Khashoggi neben Geld „Sex verwendete, um US-Führungskräfte zu gewinnen.” Die Rechnung für die Frau, die ihm en masse Mädchen auf seine Yacht im Mittelmeer lieferte, belief sich auf Hunderte von Tausenden von Dollar. [119]

Das CIA-Interesse an Khashoggi und Moss begrenzte sich nicht auf die Gelder, die den beiden Männern zugänglich waren. In den 1970er Jahren war Moss Vorsitzender des elitären Safari Club in Kenia, wo er Khashoggi einlud, Mehrheitseigentümer zu werden.  [120] Und wie der ehemalige saudische Geheimdienstchef Prinz Turki bin Faisal einmal öffentlich offenbarte, trafen sich die Geheimdienstchefs aus einer Gruppe von Ländern (Frankreich, Ägypten, Saudi-Arabien, Marokko und Iran unter dem Schah) regelmäßig im Safari Club, um verdeckte Operationen durchzuführen, die die CIA im Zuge des Watergate-Skandals nicht durchführen konnte. [121]

CIA-Beamte wie Miles Copeland und James Critchfield wurden Teil des Khashoggi-Milieus. Sie berieten Khashoggi bei diplomatischen Initiativen, wie z. B. ein geplanter Nahost-Friedensfonds, der Israel und Palästina für das gegenseitige Anerkennen belohnen sollte.  [122] Khashoggi hatte die Fähigkeit, mit den Israelis zu verhandeln; er soll durch den ehemaligen Waffenschmuggler Hank Greenspun, dem politisch einflussreichen Herausgeber der Las Vegas Sun, bei den Israelis eingeführt worden sein. [123]

Im Allgemeinen repräsentierte Khashoggi die Nachkriegs-Offshore-Auswanderung immensen Reichtums und die Macht, die es förderte. Er diente als „Mittelsmann“ (“cut-out“) oder Vertreter in einer Reihe von Operationen, die denen, die er vertrat, untersagt waren. Lockheed für seinen Teil war auf der Liste der militärischen Auftragnehmer, die illegal an Nixons Wahlkampf 1972 zahlten, auffällig abwesend. Aber es gab kein Gesetz, dass der offizielle Repräsentant, Khashoggi, nicht $ 200 Millionen durch die Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo lenken konnte. [124]

All dies deutet darauf hin, dass das CIA-Interesse an Moss – wie später an Khashoggi, an Wallace Groves, an Operation █, und an Eddie Cellinis Arbeitgeber Resorts International – mit irregulären Finanzierungen von verdeckten Off-the-Books-Operationen zu tun hatte. Und wenn solche Finanzierungsmittel übergeben wurden, so legt der Kontext nahe, dass der Mann, der sie zu behandeln bestimmt wurde, Paul Helliwell gewesen sein dürfte, der Mann, über den das Wall Street Journal berichtete, dass er „,tief involviert’ (war) in die Finanzierung einer Reihe von verdeckten Unternehmungen gegen Kuba zwischen 1964 und 1975.“ [125]


Helliwell, Castle Bank, Bruce Rappaport und BCCI

Durch diesen schnellen Überblick von Helliwells Banken haben wir gesehen, dass er zentral war für eine Connection zwischen der Welt der Geheimdienste, der organisierten Kriminalität, des globalen Drogenhandels, politischen Einflusses und der spekulativen Investitionen, oftmals in Hotel-Casinos, mit Figuren der Oberwelt.

Aber die Connection war keine, die von Helliwell selbst entwickelt worden war, es gab andere mächtige Leute im Hintergrund, von denen einige die Verbindung aufrecht erhalten sollten, nachdem Helliwell 1976 starb (als Castle Bank gerade begann, die Aufmerksamkeit von Zeitschriften wie Newsweek auf sich zu ziehen).

Einer der wichtigsten war vielleicht der ehemalige OSS-Chef William Donovan (über den wir noch mehr zu sagen haben). Laut Pete Brewton:

„Einer der Anwälte im Einer flog übers Kuckucksnest-Fall gab die Erklärung ab, dass Kanter Helliwell durch General William J. ‘Wild Bill‘ Donovan vorgestellt worden war, dem berühmten Führer des OSS im Zweiten Weltkrieg, und durch Helliwells OSS-Chef. Kanter bestritt dies. ,Ich bin Bill Donovan persönlich nie begegnet. Ich glaube, ich könnte ihn mal per Telefon auf Wunsch von Paul Helliwell gesprochen haben…‘” [126]

Eine weiterer, direkter beteiligter OSS-Figur war Helliwells Partner in der Florida-Bank-Holdinggesellschaft (HMT genannt, und später Florida Shares), dem die Bank of Perrine und die Bank of Cutler Ridge gehörte. Dies war:

„E.P. Barry, der im Zweiten Weltkrieg als US-Militär-Geheimdienst-Offizier im Office of Strategic Services (OSS) gewesen war. Am Ende des Krieges war er der Leiter der US-Spionageabwehr (X-2) in Wien. … Barry … war ein langjähriger Mitarbeiter von [CIA-Direktor] William Casey, laut einem Castle Bank-Offiziellen.“ [127]

Barry war gleichzeitig ein Hauptaktionär von Florida Shares und in der Inter Maritime Bank von Bruce Rappaport, ein enger Freund und Geschäftspartner von William Casey. Von Rappaport, ein Ölhändler und Öltanker-Makler, wurde „gedacht, dass er Beziehungen zu Geheimdiensten der USA und Israels hatte”; er besaß zahlreiche Verbindungen zum weltweit größten Geheimdienst-Drogen-Waschautomaten, den es je gab – die Bank of Credit und Commerce International (BCCI).  [128] Die Gokal-Versand-Familie aus Pakistan, die BCCIs Investoren anführte, die später zur BCCI-Pleite beitrugen, war auch Aktionär zusammen mit Rappaport und Barry in der Inter Maritime Bank.  [129] Alfred Hartmann, Vorstandsmitglied der BCCI, war sowohl stellvertretender Vorsitzender von Rappaports Schweizer Bank, Bank of New York-Intermaritime, als auch Leiter der Schweizer Tochtergesellschaft von BCCI, die Banque de Commerce et de Placements (BCP). [130]

Und laut Angaben von Block und Weaver „bearbeitete Rappaport die National Bank of Oman (ein Joint Venture von BCCI / Bank of America), um dabei zu helfen, Millionen an CIA- und Saudi-Dollar an Pakistan für die afghanischen Rebellen während des 1980er Jahre-Kriegs mit den Sowjets zu leiten.”  [131] Rappaports zentraler Mann in Oman war Jerry Townsend, ein angeblicher ehemaliger CIA-Agent, der jetzt Colonial Shipping Co. in Atlanta leitete, wo er BCCI-Gesellschafter Bert Lance kannte.

BCCI und ein israelischer Geheimdienstler waren auch an Medellin-Waffenverkäufen beteiligt, über eine „Melonen-Farm” auf Antigua, die teilweise von William Caseys Freund Bruce Rappaport finanziert wurde. [132]

„Bruce Rappaport … besaß das Land, auf dem Maurice Sarfati, ein ehemaliger israelischer Militär-Offizier, seine Melonen-Farm eingerichtet hatte. Und eine von Rappaports Banken auf Antigua gab Sarfati einen großen Kredit – der nie zurückgezahlt wurde. Sarfati (der auch ein von OPIC, der US-Regierungs-Versicherungsagentur gewährtes Darlehen nicht bediente) übernahm es von dort, kultivierte zunächst Regierungsbeamte und verschaffte dann ein Entree in ihre Büros für seinen Landsmann Yair Klein.

Kleins Arbeit [war] in Kolumbien, wo seine israelisch lizenzierte “Sicherheits”-Firma, Spearhead Ltd … die Killerkommandos des Medellin-Kokain-Kartells in Mord- und Bomben-Techniken trainierte, unwillkommene Aufmerksamkeit zu erregen begann. .. 1988 war Klein auf Antigua, indem er nach einem neuen Weg suchte, um Waffen an seinen Medellin-Kunden Jose Gonzalo Rodriguez Gacha zu liefern.“ [133]

Bruce (Baruch) Rappaport 1922-2010

Bruce (Baruch) Rappaport 1922-2010

Rappaports scheinbare Links zum Mossad werfen die Frage auf, ob Helliwells Verbindungen zu Lanskys Bank of World Commerce und zu Tibor Rosenbaum nicht auch eine Verbindung zum Mossad bildeten. Die gleiche Frage wird von Helliwells rechtlicher Vertretung (laut dem Martindale-Hubbell-Rechtsregister) aufgeworfen, der Eastern Development Company: eine Firma dieses Namens kooperierte mit Lansky, Hank Greenspun und anderen bei der Lieferung von Waffen an den im Entstehen begriffenen Staat Israel. [134]

Es ist klar, dass Juden, wie viele andere Minderheiten, ein Bestandteil der globalen Drogen-Connection waren. Noch wichtiger ist, sie waren ein wichtiger Teil der Finanzinfrastruktur dieser Connection – aber selbst auf diesem Niveau operierten sie nicht allein. Die globale Drogen-Connection kombinierte jüdischen Banken in Florida und in der Schweiz mit jenen der Teochew-, Fujian- und Hokkien-Chinesen in Südostasien und Hong Kong, mit den Muslimen der Bank Intra und später von BCCI im Nahen Osten, und darüber hinaus mit italienischen Banken, wie die von Michele Sindona und Roberto Calvi, beide Mitglieder der geheimdienstlich-verknüpften Freimaurerloge P-2, und beide ermordet, nachdem ihre Banken durch Mafia-Beteiligung gescheitert waren.  [135] Mein Eindruck ist, dass keine dieser ethnischen Minderheiten-Elemente je an Macht die dominierende Rolle der Mainstream-Figuren wie Donovan und Helliwell übertraf.

(Als eine Person, die zutiefst der Gewaltlosigkeit verpflichtet ist, muss ich auch zugeben, dass die Gewalt der ethnischen Gruppen in der globalen Drogen-Connection, wenn sie auch später mächtig und geheimdienstlich-bezogen wurde, ihren Ursprung in Abhilfe-Gewalt gegen ein System hatte, das vor allem von europäischen und amerikanischen Interessen dominiert war.)

Eine dieser Mainstream-Figuren war der mysteriöse E.P. Barry, ein Investor sowohl von Helliwell, als auch von Rappaport. Eine von sehr wenigen Sachen, die über Barry bekannt sind, ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs im OSS war und dass Donovan ihn gegen Ende des Krieges zum Leiter der OSS-Gegenspionage (X-2) in Wien ernannte. [136]

Die OSS-X-2 oder -Gegenspionage war die geheimste und am höchsten klassifizierte der OSS-Abteilungen und diejenige, deren genaue Mission darin bestand, den deutschen Sicherheitsdienst (SD) zu durchdringen.  [137] Laut einem OSS-Report von 1946: „Eine gleichermaßen interessante X-2-Aktivität war die Untersuchung von RSHA (SD) Finanztransaktionen“ (Operation Safehaven). [138] Im Laufe dieser Untersuchungen nahm die Dritte US-Armee einen SD-Major „auf mehrere Reisen nach Italien und Österreich, und als Resultat dieser vorausgehenden Reisen wurden über $500.000 an Gold und auch Juwelen gesichert.“ [139] Einiges von dem unter der Oberaufsicht von Barry gesicherten Nazi-Golds wurde daraufhin benutzt, um US-Geheimdienstoperationen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Deutschland zu finanzieren.

Barry steht mit diesem faszinierenden Hintergrund für die Kontinuität zwischen der Helliwell-Geheimdienst-Drogen-Connection, die bis 1972 blühte (dem Jahr, in dem die IRS-Operation Tradewinds begann, die Bank of Perrine zu untersuchen), und der BCCI-Geheimdienst-Drogen-Connection, die nach 1972 erblühte (dem Jahr, in dem BCCI gegründet wurde).

Wie Khashoggi zuvor, besaß BCCI die Fähigkeit, arabisch-israelisch-chinesische Waffengeschäfte zu vermitteln, sowie Kontakte zu westlichen Geheimdiensten und Politikern. In der Tat scheint die Bank weitgehends Khashoggis Funktion als Einflussagent im Nahen Osten und anderswo geerbt zu haben, nachdem die Vereinigten Staaten durch den Corrupt Federal Practices Act von 1978 Direktzahlungen von US-Unternehmen an ausländische Personen verboten. [140]

BCCI erbte und expandierte auch Khashoggis Verwendung von Geld, um amerikanische Politiker zu beeinflussen und zu korrumpieren. BCCIs pakistanischer Präsident, Agha Hasan Abedi, rettete Jimmy Carters Finanzminister Bert Lance vor dem Bankrott, und entwickelte dadurch eine Beziehung zu Carter selbst. [141]

Ein Senatsbericht zu BCCI schloss, dass:

„BCCI sich systematisch auf Beziehungen mit und bei Bedarf Zahlungen an prominente Politiker in den meisten der 73 Länder (verließ), in denen BCCI operierte. … Das Ergebnis war, dass die BCCI Beziehungen unterhielt, die von fragwürdig bis unsachgemäß und vollkommen korrupt mit Beamten aus allen Ländern der Welt reichten, darunter Argentinien, Bangladesch, Botswana, Brasilien, Kamerun, China, Kolumbien, Kongo, Ghana, Guatemala, die Elfenbeinküste, Indien, Jamaika, Kuwait, Libanon, Mauritius, Marokko, Nigeria, Pakistan, Panama, Peru, Saudi-Arabien, Senegal, Sri Lanka, Sudan, Surinam, Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Vereinigten Staaten, Sambia und Simbabwe.“ [142]

Und aus zwei gut recherchierten Büchern von Journalisten von Time und dem Wall Street Journal erfahren wir, dass unter den später hochgestellten Empfängern der Großzügigkeit von BCCI, ihren Besitzern und Tochtergesellschaften:

„Ronald Reagans Finanzminister James Baker, der sich weigerte, BCCI zu untersuchen, [143] und der demokratische Senator Joseph Biden und der republikanische Senator Orrin Hatch, die Mitglieder des Rechtsausschusses des Senats, die sich weigerten, BCCI zu untersuchen“, waren. [144]


Die CIA, BCCI und eine „lange Tradition von anrüchigen Banken”

Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998), bedeutendster Anteilseigner der Bank

Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998), bedeutendster Anteilseigner der Bank

Aber Barry ist nicht die einzige Verbindung zwischen den Drogenbanken von Helliwell und BCCI. Eine zentrale Figur ist General George Olmsted, der Leiter der Washingtoner Bank-Holdinggesellschaft, die als International Bank bekannt war.  [145] Im März 1973 ließ Olmsted die International Bank (die „einen Ruf als CIA-Bank hatte”) 66 Prozent des Grundkapitals der gescheiterten Mercantile Bank auf den Bahamas kaufen (dem Vorgänger von Castle), obwohl „Internationals Angestellte um den Ist-Zustand von Mercantiles finanzieller Gesundheit wussten.”  [146] Ab 1977 begann International, ihre Aktien an Financial General Bankshares (später als First American bekannt), einer großen amerikanischen Bank-Holding, an Front-Männer von BCCI zu verkaufen, die später für BCCI die First American übernahmen. [147]

Die häufigste Erklärung ist, dass die CIA die Bank nicht nur verwendete, sondern auch entwickeln half. Die Journalisten Peter Truell und Larry Gurwin, die Autoren des definitiven Buchs über BCCI, spekulierten, dass die CIA-Beziehung zu ihrem Gründer, Agha Hasan Abedi, vor die BCCI-Gründung im Jahre 1972 zurückgereicht haben könnte. Sie beobachteten auch, dass die BCCI nur die jüngste in einer überlappenden Reihe von Geldwäsche-Banken war, die Dienstleistungen für die CIA-Deak & Company, Castle Bank & Trust, und Nugan Hand erledigte. [148]


Die globale Connection und Drogen

Guillermo Hernandez-Cartaya

The corporation was founded in 1971 by the Cuban expatriate banker Guillermo Hernandez-Cartaya

Eine von diesen verknüpften Banken, die World Finance Corporation in Florida, wurde das Ziel „der vielleicht größten Drogenfahndung des Jahrzehnts.” Aber die Untersuchung, an der „viele Bundes- und Landesagenten beteiligt“ waren, „musste nach einem Jahr verschrottet werden, weil die CIA sich beim Justizministerium beschwerte, dass ein Dutzend Top-Verbrecher ,von Interesse‘ für sie sei.” [149]

Eine weitere mit Drogen verbundene Bank war die australische Nugan Hand Bank, die 1976 entschied, Price Waterhouse auf den Bahamas als Wirtschaftsprüfer zu engagieren, dem Jahr, in dem sowohl Castle, als auch Mercantile zusammenbrachen. [150] Nach ihrem spektakulären Zusammenbruch 1980, schlossen australische Ermittler, dass Nugan Hand in der Finanzierung von großen Drogengeschäften sowie in der Geldwäsche von Gewinnen verwickelt gewesen war: zwei offizielle Untersuchungen „platzierten Nugan Hand in die kritische Rolle der heimlichen Übertragung von Drogen-Einkommen ins Ausland, wo es offensichtlich in noch mehr illegale Drogen reinvestiert werden konnte.” [151]

Paul Helliwell meeting Michael Hand and Frank Nugan

Paul Helliwell meeting Michael Hand and Frank Nugan

Nugan Hand sammelte eine beeindruckende Anzahl ehemaliger CIA-Beamteter, einschließlich des „geheimnisvolles Puppenspielers” Bernie Houghton, der in den 1950er Jahren angeblich die Stelle von Helliwell in Bangkok einnahm, und des ehemaligen CIA-Direktors William Colby. Von besonderem Interesse ist die Verwicklung der Nugan Hand mit Thomas Clines, einem CIA-Beamten in Laos unter Theodore Shackley, der später zurücktrat, um im ausgelagerten Geheimdienst-Netzwerk von Edwin Wilson zu arbeiten. Als Nugan Hand Bank 1980 spektakulär zusammenbrach (mit dem Selbstmord von oder Mord an Frank Nugan), war es Thomas Clines, der Houghton leise aus Australien heraus half. [152] Die beiden Männer nahmen danach zusammen mit Edwin Wilson und Theodore Shackley und BCCI an verdeckten Off-the-Books-Operationen gegen die Sowjets in Afghanistan teil, indem sie nicht für die CIA, sondern für den Safari Club arbeiteten. [153]

Das CIA-Büro in Chiang Mai war, als das Hauptgeschäft in der Stadt der Opiumhandel war, auf der gleichen Etage wie das örtliche Büro der DEA einerichtet. Laut Jonathan Kwitny:

„Die DEA-Rezeption beantwortete Nugan Hands Telefonanrufe und nahm Benachrichtigungen an, wenn die Vertreter der Bank außerhaus waren.” Der dortige Repräsentant von Nugan Hand, Neil Evans, „sagte, dass er anwesend gewesen sei, als Michael Hand und Ron Pulger-Frame – der ehemalige Deak & Company-Kurier, der zu Nugan Hand gegangen war, um dort zu arbeiten – die Lieferung von CIA-Geld in den Nahen Osten, nach Saudi-Arabien und Panama diskutierten. Evans hat gesagt, dass Nugan Hand zeitweise bis zu $ 50 – 60 Millionen für die CIA bewegte, und auch, dass Nugan Hand an Dritte-Welt-Waffengeschäften beteiligt war.“ [154]

Evans sagte dem australischen Fernsehen auch, dass die Millionen, die er behandelt hatte, „durch die Drogen, die durch die Gegend gingen, eingesammelt“ wurden. „Die Bank, formulierte er es krass, war eine ,Waschanlage‘ für Meo [Hmong] Stammesangehörige und andere Mohnbauern.” [155]

In The Road to 9/11 beschreibe ich, wie Caseys Abhängigkeit von der BCCI, um US-Hilfe für die afghanischen Mudschaheddin im Kampf gegen die Russen zu verteilen, dazu führte, dass der roßteil der Hilfen die Fraktion von Gulbuddin Hekmatyar erreichte, dem führenden Drogenhändler in Afghanistan, der bald (dank der Hilfe der USA und von Pakistan) der vielleicht führende Heroinhändler der Welt wurde. [156]

Dieses Muster einer Drogen-Connection wiederholte sich in den 1990er Jahren, nachdem sich die Sowjetunion aus Afghanistan zurückzog und BCCI bald darauf zusammenbrach. In Aserbaidschan (unter dem Cover von Ölgesellschaften) gründeten Veteranen der CIA-Operationen unter Shackley und Clines in Laos wie Richard Secord, Heinie Aderholt und Ed Dearborn eine Fluggesellschaft nach dem Modell der Air America, die bald „Hunderte von Mudschaheddin-Söldner aus Afghanistan abholte.” [157] Die Azeri-Operationen der arabischen Afghanen wurden auch mit afghanischem Heroin finanziert.

Loretta Napoleoni hat argumentiert, dass es eine islamistische Drogen-Route von al-Qaida-Verbündeten in Nord-Zentral-Asien gibt, die von Tadschikistan und Usbekistan durch Aserbaidschan und Tschetschenien in den Kosovo reicht. [158] Das führt uns zu der paradoxen Tatsache, dass Clinton im Jahre 1998 die von al-Qaida gestützte Kosovo-Befreiungsarmee (Kosovo Liberation Army, KLA) unterstützte. Er tat dies, obwohl „das US-Außenministerium die KLA 1998 als … internationale Terrororganisation (listete), indem es sagte, dass sie ihre Operationen mit den Erträgen aus dem internationalen Heroinhandel und Darlehen von bekannten Terroristen wie Osama bin Laden finanzierte hatte.” [159]

Zuletzt, wenn man der ehemaligen FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds glaubt, hat dieser gleiche Fluss von Heroin auch die Korruption des Kongresses unter George W. Bush finanziert. Edmonds wurde 2002 vom FBI gefeuert, nachdem sie einen Kollegen beschuldigt hatte, ein Sicherheitsrisiko zu sein. Sie hat ihre Entlassung seither in einem Whistleblower-Gerichtsverfahren angefochten, den die Regierung durch Berufung auf das Staatsgeheimnis-Privileg blockiert hat. Ihr wurde es auch verboten, öffentlich über ihren Fall zu sprechen.

Laut Daniel Ellsberg ist Edmonds’ Anliegen die von Napoleoni beschriebene Al-Qaida-Connection:

„Al-Qaida, hat sie dem Kongress gesagt, wird nach Angaben dieser Interviews zu 95% von Drogengeld finanziert – einem Drogenhandel, bei dem sich die US-Regierung blind stellt und den sie ignoriert, weil er Verbündete und Geheimdienst-Assets von uns stark miteinbezieht, wie zum Beispiel die Türkei, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan – all die ;Stans‘ –, in einem Drogenhandel, bei dem das Opium aus Afghanistan stammt, in der Türkei verarbeitet und nach Europa gebracht wird, wo es 96 % des europäischen Heroins liefert, und zwar durch Albaner, entweder in Albanien oder im Kosovo, durch albanische Muslime im Kosovo – im Grunde durch die KLA, die Kosovo-Befreiungsarmee, die wir in dieser Episode am Ende der Jahrhunderts stark unterstützten. … Sibel sagt, dass Koffer von Bargeld dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, in dessen Haus in der Nähe von Chicago geliefert wurden, von türkischen Quellen, wohlwissend, dass eine Menge davon Drogengeld war.“ [160]

2005 wurden Sibel Edmonds’ Anschuldigungen teilweise in Vanity Fair berichtet. Dort wurde bekannt, dass sie Zugang zu FBI-Lauschangriffen von Gesprächen zwischen den Mitgliedern des American-Turkish Council (ATC) über die Bestechung gewählter US-Offizieller gehabt hatte, sowie über das, „was wie Verweise auf große Drogenlieferungen und andere Verbrechen klang.” [161]


Fazit: Eine kontinuierliche Folge von mit Drogen verbundenen Tiefenereignissen

Mafias und Imperien haben gewisse Gemeinsamkeiten. Beide können als die systematische Gewalt-Aufzwingung von Governance in Räumen mit Unter-Governance angesehen werden. Beide verwenden Gräueltaten, um ihre Ziele zu erreichen; beide aber werden in der Regel in dem Maße toleriert, insofern das Ergebnis ihrer kontrollierten Gewalt eine Verminderung der unkontrollierten Gewalt herbeiführt. (Ich würde versuchsweise vorschlagen, einen wichtigen Unterschied zwischen der Mafia und Imperien zu treffen: im Laufe der Zeit neigen Mafias dazu, mehr und mehr Teil der Zivilgesellschaft zu werden, deren Regeln sie einst brachen, wohingegen Imperien dazu neigen, mehr und mehr in unversöhnlichen Konflikt mit den Gesellschaften zu geraten, die sie einstmals kontrollierten.)

Wir haben eine Überlappung zwischen den Infrastrukturen der amerikanischen Mafia und des indirekten amerikanischen Imperiums gesehen. Ich habe versucht, das Epizentrum dieser Überlappung in einem Milieu zu beschreiben, das an seinen Außengrenzen zu einem globalen Nexus expandierte, den ich die globale Drogen-Connection nannte, mit engen Verbindungen zur USA-Unterwelt und zur US-Oberwelt. Der Nexus verbindet US-Geheimdienste mit den Nachrichtendiensten vieler anderer Länder, darunter Taiwan, Israel, Italien und Chile. Er überwacht auch finanzielle Beiträge an führende Politiker in vielen Ländern, darunter der beiden Parteien der Vereinigten Staaten.

Alle großen Tiefenereignisse in der jüngsten amerikanischen Geschichte und alle großen Erweiterungen des indirekten US-Imperiums seit dem Zweiten Weltkrieg können mit dieser globalen Drogen-Connection verknüpft werden:

  • Die erste US-Nachkriegspräsenz in Ost-Asien wurde in Verbindung mit den drogenfinanzierten KMT in Taiwan etabliert.
  • Die US-Präsenz in Südostasien begann mit Sea Supplys Unterstützung für KMT-Drogenhändler in Ost-Burma, expandierte dann in der Mitte der fünfziger Jahre mit der drogenfinanzierten PARU-Streitkraft in Laos, während die CIA Saigon durch die Kontrolle der dortigen Drogendistribution sicherte.
  • Die verknüpfte Finanzierungsgesellschaft Deak & Company, die von OSS-Veteran Nicholas Deak gegründet worden war, „wurde von der CIA angeblich zur Finanzierung von verdeckten Operationen genutzt, einschließlich des Sturzes des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh von 1953.” [162]
  • Die Sturz des demokratisch gewählten guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz von 1954 wurde teilweise mit Unterstützung des nicaraguanischen Diktators Anastasio Somoza erreicht, eine wichtige Figur in Lanskys Waffen-Pipeline nach Israel in den 1940er Jahren, dessen Guardia Nacional danach tief im Drogenhandel in der Karibik verstrickt war.
  • Die Einführung von verdeckten Kräften der CIA in Laos im Jahre 1960, die schließlich zu einer drogenfinanzierten, irregulären Armee von Zehntausenden anwuchs, wurde mit einer Kraft erreicht, die aus dem Sea Supply-Betrieb in Thailand herauswuchs. Der Privatkrieg der CIA in Laos, den Präsident Kennedy vergeblich einzudämmen versuchte, war der wahre Ausgangspunkt des US-Kriegs in Vietnam. [163]
  • Angletons „alternative CIA”, CI/SIG, manipulierte und fälschte ihre „Geheiminformationen“ über Lee Harvey Oswald in einer Weise, die ihn darauf vorbereitete, der designierte Verdächtige in der Ermordung von Präsident John F. Kennedy zu sein.
  • Der Sturz des demokratisch gewählten indonesischen Präsidenten Sukarno im Jahre 1965 wurde zum Teil durch verdeckte Unterstützung durch Zahlungen des Lockheed-Konzerns erreicht, und zum Teil durch die Intervention von Ryoichi Sasakawa, einem CIA-Einflussagenten, zusammen mit seinem Freund Yoshio Kodama von der Yakuza in Japan. [164] Sasakawa und Kodama waren auch Empfänger von Lockheed-Zahlungen, teilweise durch Deak & Company, teilweise durch Shig Katayama, dessen ID Corp. auf den Cayman-Inseln mysteriöse Geschäfte mit Helliwells Castle Bank durchführte. [165]
  • BCCI stellte die anfängliche Infrastruktur für die CIA-Intervention in Afghanistan im Jahre 1979 und das anschließende Bündnis mit dem großen Drogenhändler Gulbeddin Hekmatyar bereit. Pakistans Präsident Zia arrangierte für Zbigniew Brzezinski, Carters Sicherheitsberater, mit Generalleutnant Fazle Haq zusammenzuarbeiten, während ein BCCI-Informant den US-Behörden sagte, dass Fazle Haq „stark im Drogenhandel und im Bewegen des Heroingelds durch die [BCCI] Bank tätig war.” [166] Hekmatyar erhielt in den nächsten zehn Jahren mehr CIA-Hilfe als jedes andere CIA-Asstet vorher oder seitdem.
  • 1970 wurde ein CIA-Beamter mit dem Pseudonym Henry J. Sloman, der auch „ein direkt mit der Mafia verbundener Hoch-Risiko-Schmuggler“ war, nach Chile geschickt, wo er sich an der rechten Verschwörung zur Ermordung von René Schneider, dem Oberkommandierenden der chilenischen Armee, beteiligte. [167]
  • Orlando Letelier wurde im September 1976 in Washington von einem Team aus exil-kubanischen Drogenhändlern ermordet, die für den durch Drogen finanzierten chilenischen Geheimdienst DINA arbeiteten. Obwohl die US-Regierung bereits Kenntnis von DINAs Operation CONDOR für solche Morde im Ausland besaß, entschied CIA-Direktor Bush öffentlich, den Verdacht von DINA abzulenken. [168]
  • Nach Angaben von Robert Parry arrangierte Alexandre de Marenches vom Safari Club für William Casey (ein gemeinsamer Ritter von Malta) ein Treffen mit iranischen und israelischen Vertretern in Paris im Juli und Oktober 1980, wo Casey versprach, dem Iran im Austausch für eine Verzögerung der Rückgabe der US-Geiseln im Iran benötigte US-Rüstungsgüter zu liefern. (Das war die sogenannte republikanische „Oktober-Konter-Überraschung.”) Parry vermutet eine Rolle der BCCI sowohl bei der der Finanzierung der Zahlungen für den geheimen Deal, als auch beim anschließenden Fluss israelischer Waffen in den Iran. [169]
  • 1981 versuchte Mehmet Ali Agca, ein Mitglied der türkischen, mit Drogen handelnden Grauen Wölfe, Papst Johannes Paul II. zu ermorden. Le Monde diplomatique berichtete später, dass das Attentat auf Wunsch des türkischen Mafia-Chefs Bekirs Celenk durch Abdullah Catli organisiert wurde, einem mit Drogen handelnden Führer der Grauen Wölfe und von Todesschwadronen des türkischen Geheimdienstes. Le Monde diplomatique fügte hinzu, dass Catli Untergrundoperationen für den türkische Zweig der Gladio (Stay-behind-) Organisation der CIA durchführte, und dass Catli ein Jahr später zusammen mit dem berüchtigten Operation CONDOR-Killer Stefano delle Chiaie Miami besuchte. [170]
  • Shackley, Khashoggi und BCCI waren maßgeblich an der Eröffnung der illegalen Iran-Contra-Connection von 1985 bis 1986 beteiligt, die Gelder aus Waffenverkäufen an den Iran zur Unterstützung der Contras in Honduras und Costa Rica umleitete. [171]
  • Die Plünderung Russlands während der Jelzin-Ära in den 1990er Jahren sah, dass Gelder durch Rappaports Inter Maritime Bank in die Bank of New York kanalisiert wurden, wo Rappaport wichtige, wenn nicht beherrschende Anteile hielt. [172]
  • 1991 schuf Shackleys Kollege Richard Secord eine Fluggesellschaft in Aserbaidschan, die Hunderte von Mudschaheddin aus Afghanistan hereinflog, die von Gulbuddin Hekmatyar rekrutiert worden waren. [173]
  • Die US-Unterstützung für die Kosovo-Befreiungsarmee im Jahre 1998, einer von al-Qaida unterstützten und zum Teil durch Drogen finanzierten Gruppe, führte zu Offenbarungen, das mindestens einer der Führer der KLA eine langjährige Beziehung mit dem privaten US-Militär-Unternehmen MPRI hatte. [174] (Noch 1997 war die KLA von den USA als terroristische Gruppe anerkannt worden, die zum Teil durch Heroinhandel unterstützt wurde.)

(Die Liste könnte beliebig erweitert werden. Beispielsweise kann die Umwandlung von Australien zu einem verlässlichen Verbündeten der USA auf den Sturz des demokratisch gewählten Labor-Premierministers Gough Whitlam im Jahre 1975 datiert werden, in dem Penny Lernoux und andere die verborgene Hand der Nugan Bank erkannten. [175])

Diese tiefe Kontinuität, die der US-Expansion seit dem Zweiten Weltkrieg zugrunde lag, macht das verblüffende Phänomen glaubwürdig, dass Tiefenereignisse wie die Ermordung Kennedys und 9/11 nicht unzusammenhängend oder das Produkt von Kräften sind, die Amerika von außen angreifen. Vielmehr gelangen sie zumindest teilweise an die Oberfläche des öffentlichen Bewusstseins aus der tiefen Connection, die hier beschrieben wurde; eine Connection, deren Präsenz zwar fortdauernd ist, aber auch fast gänzlich unerkannt.


Weiteres Fazit: Die zunehmende Bedrohung für die stabile Demokratie

Wenn diese Liste von verdeckten Interventionen und Tiefenereignissen aber synoptisch betrachtet wird, kann ein Muster der zunehmenden Abweichung von der Politik des öffentlichen Staats gesehen werden. Die Hilfe der globalen Connection für die Interventionen der CIA im Iran (1953) und Guatemala (1954) geschah zur Unterstützung der Operationen, die zuvor vom National Security Council (und zuvor vom Council on Foreign Relations) abgesegnet worden waren.

Aber die durch Drogen finanzierte Entwicklung einer von der CIA ausgebildeten Streitkraft in Thailand in eine offensive Kraft, die in Laos eindrang, war eine Operation, die explizit nicht vom National Security Council genehmigt worden war. Wie Daniel Fineman festgestellt hat:

„Die Präferenz der JCS [Joint Chiefs of Staff] für Direktbeihilfen an französische Kräfte zwangen den NSC [National Security Council] im September [1953] dazu, nur die Umsetzung der Phase Eins [,die Stärkung des thailändischen Willens und der Fähigkeit, Widerstand zu leisten‘] zu genehmigen, indem die Ausführung der Bestimmungen in der zweiten Phase, um den psychologischen Krieg in die Nachbarländer hinein zu tragen, auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.“ [176]

Und die Verfälschung von Oswalds Akte durch Angletons CI/SIG, obwohl sie ursprünglich als legitimes Mittel bei der Suche nach einem angeblichen Maulwurf in der CIA zugelassen worden sein könnte, erleichterte letztlich die erfolgreiche Ermordung von John F. Kennedy und die anschließende Vertuschung. An dem Punkt war die globale Connection nicht mehr einfach eine Kraft, die zur Unterstützung des öffentlichen amerikanischen Staats agierte; sie hatte Beziehungen zu Kräften entwickelt, die den öffentlichen Staat angriffen.

Chef des OPC war damals Frank Wisner, ein weiterer Wall Street-Anwalt. Zu den Projekten der Gruppe, die über Jahrzehnte hinaus Wirkung entfalten sollten, gehörte unter anderem die Schaffung und Unterstützung der sogenannten "Stay Behind"-Truppen

Chef des OPC war damals Frank Wisner, ein weiterer Wall Street-Anwalt. Zu den Projekten der Gruppe, die über Jahrzehnte hinaus Wirkung entfalten sollten, gehörte unter anderem die Schaffung und Unterstützung der sogenannten „Stay Behind“-Truppen

Dieses Muster der zunehmenden Abweichung kann verwendet werden, um unsere Vorstellung vom amerikanischen Tiefenstaat zu verfeinern. Anfänglich kann der Tiefenstaat mit dem Office of Policy Coordination (OPC) (weiterführender Artikel von Heise) identifiziert werden, der Kreation (unsichtbar zu der Zeit) des National Security Council, die die ursprüngliche Helliwell-CIA-Mob-Connection erleichterte. Mit der Aufnahme des OPC in die CIA im Jahre 1953 hörte der amerikanische Tiefenstaat für viele Jahre auf, die relativ kohärente und disziplinierte Konzentration an Autorität zu zeigen, die man in den Tiefenstaaten der Türkei oder Italien oder Kolumbien oder zeitweise in Chile und Argentinien sieht. In diesem Stadium wurde der amerikanische Tiefenstaat von der Drogenökonomie vereint, aber sonst von nicht viel mehr. Seine nebulöse Verbindung zu legitimer Macht war auf Angletons „alternative CIA” zusammengeschrumpft, und selbst diese endete, als Angleton im Dezember 1974 entlassen wurde.

Nach Joseph Trento wurde die Connection jedoch indirekt durch eine „Schatten-CIA” wiederhergestellt, die für den Safari Club und den saudischen Geheimdienst arbeitete, und bis in die 1980er Jahre arbeitete diese Schatten-CIA „nicht nur für die Israelis, sondern auch in verdeckten Operationen von Zentralamerika bis in den Iran.” [177] Es ist sicher, dass Shackley, Khashoggi und ihre Kontakte mit dem Segen von Casey – der seine eigenen direkten Kontakte zu Rappaport, BCCI und der globalen Drogen-Connection hatte – zu Iran-Contra führten. [178] Mindestens ein Mitglied der Shackley-Gruppe, Richard Secord, schuf dann eine Fluggesellschaft, die islamistische Mudschaheddin nach Afghanistan brachte. Ein weiteres, der Neocon Michael Ledeen, trug nicht nur zu Iran-Contra bei, sondern zusammen mit Donald Rumsfeld und Dick Cheney auch zur Schaffung des Project for the New American Century (PNAC). [179]

Tatsächlich kann die Entscheidung von William Casey zur Zusammenarbeit mit der globalen Connection, und insbesondere mit BCCI und Theodore Shackleys Kontakten in Iran-Contra, nicht vollständig durch die Konzentration auf die Geschichte der globalen Drogen-Connection allein verstanden werden. Caseys Aktionen müssen im Rahmen dessen gesehen werden, was Irving Kristol die intellektuelle Konterrevolution der 1970er Jahre nannte, die erfolgreiche Umkehrung der Schritte von Kissinger und Carter zu einer Entspannung mit der Sowjetunion und der Post-Watergate-Reformen, die von Senator Frank Church und anderen eingeführt worden waren. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, war ein Schlüsselmoment das sogenannte Halloween-Massaker im Jahre 1975, das unter anderem die Entlassung von Angletons Nemesis William Colby, die Ernennung von Rumsfeld zum Verteidigungsminister, und das Ende der langen Zeit von Kissinger als Nationalem Sicherheitsberater sah. [180]

Bis 1976 hatte die intellektuelle Konterrevolution eine neue Anti-Kissinger-Koalition konsolidiert, bestehend aus a) Cheney und Rumsfeld in der Ford-Administration, b) dem Committee on the Present Danger, das Lobbyarbeit für einen stark erhöhten Verteidigungshaushalt trieb, und c) den Neocons wie Richard Perle und Paul Wolfowitz, die zusammen kamen, um gegen Kissingers SALT-Vereinbarungen zu arbeiten und (mit Hilfe des neuen CIA-Direktors George H.W. Bush) die CIA-Einschätzung der sowjetischen Bedrohung radikal zu eskalieren. Casey spielte eine wichtige Rolle in dieser anti-sowjetischen Koalition, und im Jahre 1976 trat er mit langjährigen Mitgliedern der globalen Connection wie Ray Cline (Helliwells alter OSS-Gefährte in Kunming), Jay Lovestone und George Olmsted ins CPD ein.

Die Anti-Regierungs-Voreingenommenheit der neuen neokonservativen Rechten verlängerte sich zu einer erhöhten Abneigung gegen die CIA, die jetzt eher als Feind und nicht als Verbündeter angesehen wurde. [181] Aber selbst die neuen ausgelagerten Kräfte der Gewalt in privaten Sicherheitsfirmen (Private Security Companies, PSCs) wie Blackwater haben aus den gewalttätigen Ressourcen der alten globalen Drogen-Connection Leute rekrutiert – im Fall von Blackwater insbesondere aus den paramilitärischen Kräften in Ländern wie Kolumbien. [182]

Kurz gesagt, hat der Rückgriff auf die illegale Gewalt des globalen Drogenhandels, der in der Panik der frühen Jahre des Kalten Krieges begann, seitdem immerzu angedauert, um weiter zu steigen und zu metastasieren, bis er nunmehr eine zunehmende Bedrohung der verfassungsmäßigen Demokratie darstellt. Für die meisten Menschen ist es nicht einfach, das zu verstehen. Kurzfristig gebiert illegale Gewalt eine gewalttätige Opposition, die ihre Existenz rechtfertigt – so dass heute die PSCs im Irak und in Afghanistan Multimillionen-Dollar-Verträge verdienen, um den Widerstand zu bekämpfen, den sie selbst provoziert haben.

Aber das neue System des indirekten Imperiums scheint nicht stabil zu sein: wenn es eine momentane Atempause im Irak gibt, so gibt es sie aufgrund dessen, dass gegnerische Kader es als fruchtbarer erachten, in Afghanistan zu kämpfen. Vielmehr ist ein indirektes Imperium ein gewalttätiger Ersatz für Politik, um mit Situationen umzugehen, die nur die Politik verbessern kann.

Wenn dieses Land es mit seinem Wunsch, mit dem Problem des Terrorismus umzugehen, ernst meinte, würde es versuchen, die Unterdrückung, die die Abhilfe-Gewalt in Afghanistan, im Irak, in Tschetschenien, Kaschmir, im Libanon und in Palästina hervorbringt, zu reduzieren, statt sie zu steigern. Der vorliegende Kurs wird eher zur Verschlechterung des Status quo und auch zur Beschleunigung des Nachlassens der amerikanischen Ressourcen, des Einfluss und guten Willens, auch unter unseren Verbündeten, beitragen.

Ist es utopisch zu denken, dass der gegenwärtige Kurs korrigiert werden kann? Wahrscheinlich ja, so lange wie die meisten Amerikaner glauben, dass 9/11 ein Angriff war, der nur durch eine Gruppe von bösartigen Arabern entwickelt wurde. Aber eine vernünftigere Politik könnte folgen, wenn ihnen gezeigt würde, dass 9/11, wie Sibel Edmonds angedeutet hat, ein Tiefenereignis war, an dem Elemente aus Amerikas globaler Drogen-Connection beteiligt waren.

CocaineWas ich Amerikas globale Drogen-Connection nannte, ist in der Vergangenheit für globale terroristische Aktivitäten wie die Operation CONDOR und auch für die Stärkung des Drogennetzwerks als sogenannte Parallel-Regierungen in Ländern wie Laos, Pakistan, dem Libanon, der Türkei und Kolumbien verantwortlich gewesen. Seit Jahrzehnten hat sich dieses Land weitgehend geweigert, die US-Mitschuld an diesem Zustand anzuerkennen, indem die Verantwortung für den Terrorismus stattdessen auf die Sowjetunion („das Reich des Bösen”) und zuletzt auf den Irak und den Iran („die Achse des Bösen”) projiziert wurde. [183]

Diese jahrzehntelange Verweigerung zu überwinden wird nicht einfach sein. Aber es ist ein notwendiger Schritt zur Verringerung des Terrorismus und der Wiederherstellung einer gesünderen Welt.

Peter Dale Scott


Weitere Artikel und Hintergründe von Lars Schall:


Autor Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor für Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit für seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunächst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er in dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurückkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-Bücher umfassen u. a.:

  • The War Conspiracy (1972)
  • Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
  • Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
  • The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
  • Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
  • Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
  • Oswald, Mexico, and Deep Politics (1994, 2013)
  • Drugs, Oil and War (2003)
  • The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (2007)
  • The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
  • American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten Gedichtbände sind die drei Bände der Trilogie “Seculum”:

  • Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
  • Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
  • Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

Zusätzlich hierzu veröffentlichte er:

  • Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
  • Mosaic Orpheus (2009)
  • Tilting Point (2011)

In seinen Prosa-Büchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“ / “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise: “All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, statt anerkannt werden.“ Damit verbunden sind “Tiefenereignisse” / “Deep Events”, die Scott als  “die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, “die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verändern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ‘Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens führt.”

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.


Textquelle: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «CIA Headquarter» – http://pixabay.com
  2. «Paul Lionel Edward Helliwell» – http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/JFKhelliwell.htm
  3. «Castle Bank & Trust Bahamas» – http://de.wikipedia.org/wiki/Castle_Bank_%26_Trust_%28Bahamas%29
  4. «Alvin Ira Malnik» – http://de.wikipedia.org/wiki/Alvin_Ira_Malnik
  5. «Meyer Lansky» – http://de.wikipedia.org/wiki/Meyer_Lansky
  6. «James Jesus Angleton» – http://de.wikipedia.org/wiki/James_Jesus_Angleton
  7. «Thomas Corcoran» – http://bcr.tv/firm-history
  8. «Wallace Groves» – http://en.wikipedia.org/wiki/Wallace_Groves
  9. «Eddie Cellini» – http://chicagoargus.blogspot.de/2013/11/political-pope-now-free-to-be-political.html
  10. «Edward K. Moss» – http://webapp1.dlib.indiana.edu/images/item.htm?id=http://purl.dlib.indiana.edu/iudl/lcp/tubman/VAA7927-3813
  11. «Adnan Khashoggi» – http://de.wikipedia.org/wiki/Adnan_Chaschuqdschi
  12. «Bruce (Baruch) Rappaport» – http://www.focus.technion.ac.il/feb10/memoriamStory2.htm
  13. «Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998)» – http://de.wikipedia.org/wiki/Bank_of_Credit_and_Commerce_International
  14. «Guillermo Hernandez-Cartaya» – http://en.wikipedia.org/wiki/World_Finance_Corporation
  15. «Nugan Hand Bank» – http://spartacus-educational.com/JFKnuganbank.htm
  16. «Frank Gardiner Wisner» – http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Gardiner_Wisner
  17. «DEATH» – http://pixabay.com

Fußnoten:

  1. “9/11, Deep State Violence and the Hope of Internet Politics,” Global Research; cf. Peter Dale Scott, The Road to 9/11: Wealth, Empire, and the Future of America (Berkeley and Los Angeles: University of California Press, 2007), 4-7, 14-17, etc.
  2. Alan A. Block, East Side-West Side: Organizing Crime in New York, 1930-1950 (New Brunswick, NJ: Transaction Books, 1983), 109.
  3. Gaia Servadio, Mafioso (New York: Dell, 1976), 125-28.
  4. R.T. Naylor, Hot Money and the Politics of Debt (New York: Linden/Simon and Schuster, 1987), 295 (“laundromat”). For Helliwell’s ownership, see Alan A. Block, Masters of Paradise (New Brunswick, NJ: Transaction Publishers, 1991), 165-66.
  5. CIA Memo dated 24 April 1974, “RYBAT/JMSPUR/PLVWCADET Traffic Removed from C/WHD Personal Files during Watergate File Search. Traffic can be found in sealed sensitive envelope in safe No. 1322 located in WH/COG, Room 3D46,” NARA # 104-10095-10326. C/WHD (Chief of Western Hemisphere Division) in 1974 was Theodore Shackley, discussed below. All of the CIA and FBI documents discussed in this essay can be seen on the Mary Ferrell website, http://www.maryferrell.org/.
  6. Block, Masters of Paradise, 161-62, 166.
  7. Alan Block subsequently learned that it was the bank’s co-founder, Chicago lawyer “Burt Kanter, more so than Helliwell, who was instrumental in Castle’s formation.” He cites speculation that it was originally set up on behalf of the former Cleveland mob racketeer, Morris Kleinman (Block, Masters of Paradise, 172).
  8. Jim Drinkhall, “IRS vs. CIA: Big Tax Investigation Was Quietly Scuttled By Intelligence Agency,” Wall Street Journal, April 18, 1980.
  9. Wall Street Journal, April 18, 1980.
  10. Alfred W. McCoy, The Politics of Heroin (Chicago: Lawrence Hill Books/ Chicago Review Press, 2001), 168-74; Block, Masters of Paradise, 169 (Thai police).
  11. Alan A. Block and Constance A. Weaver, All Is Clouded by Desire: Global Banking, Money Laundering, and International Organized Crime (Westport, CN.: Praeger, 2004), 38; citing Stephen Schlesinger and Stephen Kinzer, Bitter Fruit: The Untold Story of the American Coup in Guatemala (Garden City, NY: Anchor Books, 1983), 119. Cf. Peter Dale Scott, The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2008), 47, 67.
  12. Wall Street Journal, April 18, 1980.
  13. CIA Memo of 18 August 1976 for Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013. The margin of the memo carries the following handwritten reference to Sam Giancana, the major figure in the CIA-mafia assassination plots against Fidel Castro: “for file/ Sam GIANCANA/ not mentioned.”
  14. Jonathan Marshall, Drug Wars: Corruption, Counterinsurgency and Covert Operations in the Third World (Forestville, CA: Cohan and Cohen, 1991), 54; citing Drinkhall, Wall Street Journal, April 18, 1980.
  15. Block notes that the spinoff of I.D.C. from Benguet was accompanied by a “payment of $329,439 to a Hong Kong Bank” (possibly into a Marcos account) (Block, Masters of Paradise, 98).
  16. Profits from the Philippine gold mine, and possibly gold itself, reached I.D.C. from Asia. But I have not seen corroboration for the claim of Sterling and Peggy Seagraves that Groves and Helliwell were actually moving parts of the Japanese wartime gold hoard to the Bahamas “out of the Philippines, masquerading as gold from Benguet Mines” (Sterling and Peggy Seagrave, Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold [London: Verso, 2003], 147). It is, however, of interest that the Marcos family also entered into business dealings with the CIA-related Nugan Hand Bank (see below), which some say included negotiations for the surreptitious shipment of Marcos’ gold (Jonathan Kwitny, The Crimes of Patriots [New York: Norton, 1987], 182, 186-87, 190).
  17. Lernoux, In Banks We Trust, 83.
  18. Marshall, Drug Wars, 54-55. Cf. U.S. Congress, House, Committee on Government Operations, Oversight Hearings into the Operations of the IRS (Operation Tradewinds, Project Haven, and Narcotics Traffickers Tax Program), Hearings (Washington: GPO, 1975, 909; Peter Dale Scott, Coming to Jakarta: A Poem about Terror (New York: New Directions, 1989), 99-103. It is not known if ID Corp. and I.D.C. were related.
  19. For the CIA’s close involvement in Lockheed payoffs, see Anthony Sampson, The Arms Bazaar (New York: Viking, 1977), pp. 137, 227-8, 238. The U.S. Air Force was also involved. San Francisco Chronicle, October 24, 1983, p. 22, describes one such USAF-Lockheed operation in Southeast Asia, “code-named ‘Operation Buttercup’ that operated out of Norton Air Force Base in California from 1965 to 1972.”
  20. “The United States and the Overthrow of Sukarno, 1965-1967,” Pacific Affairs, LVIII, 2 (Summer 1985), 239-64: “A 1976 Senate investigation into these [Lockheed] payoffs revealed, almost inadvertently, that in May 1965, over the legal objections of Lockheed’s counsel, Lockheed commissions in Indonesia had been redirected to a new contract and company set up by the firm’s long-time local agent or middleman. Its internal memos at the time show no reasons for the change, but in a later memo the economic counselor of the U.S. Embassy in Jakarta is reported as saying that there were “some political considerations behind it.” If this is true, it would suggest that in May 1965, five months before the coup, Lockheed had redirected its payoffs to a new political eminence, at the risk (as its assistant chief counsel pointed out) of being sued for default on its former contractual obligations. The Indonesian middleman, August Munir Dasaad, was `known to have assisted Sukarno financially since the 1930’s.’ In 1965, however, Dasaad was building connections with the Suharto forces, via a family relative, General Alamsjah, who had served briefly under Suharto in 1960, after Suharto completed his term at SESKOAD. Via the new contract, Lockheed, Dasaad and Alamsjah were apparently hitching their wagons to Suharto’s rising star: ‘When the coup was made during which Suharto replaced Sukarno, Alamsjah, who controlled certain considerable funds, at once made these available to Suharto, which obviously earned him the gratitude of the new President. In due course he was appointed to a position of trust and confidence and today Alamsjah is, one might say, the second important man after the President.’”
  21. A Senate amendment in 1964 to cut off all aid to Indonesia unconditionally was quietly killed in conference committee, on the misleading ground that the Foreign Assistance Act “requires the President to report fully and concurrently to both Houses of the Congress on any assistance furnished to Indonesia” (U.S. Cong., Senate, Report No. 88-1925, Foreign Assistance Act of 1964, p. 11). In fact the act’s requirement that the president report “to Congress” applied to eighteen other countries, but in the case of Indonesia he was to report to two Senate Committees and the Speaker of the House: Foreign Assistance Act, Section 620(j).
  22. Tom J. Farer, Transnational Crime in the Americas: An Inter-American Dialogue Book (New York: Routledge, 1999), 65.
  23. Ed Reid and Ovid Demaris, The Green Felt Jungle (New York: Pocket Books, 1964), 217-20. Levinson had fronted for Lansky at the Sands casino in Las Vegas.
  24. Peter Dale Scott, Drugs, Oil, and War: The United States in Afghanistan, Colombia, and Indochina (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2003), 7, 60-61, 198, 207; citing Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984), 42-44, 84.
  25. Naylor, Hot Money and the Politics of Debt, 22.
  26. Block, Masters of Paradise, 51. Intra Bank also had a Bahamian branch, Intra Bahamas Trust Ltd.
  27. Newsday, staff and editors of, The Heroin Trail (New York: Holt, Rinehart and Winston, 1974), 137 (Francisi); McCoy, The Politics of Heroin, 39 (Luciano). El-Khoury “used Luciano’s money to buy off Lebanese police and customs agents” (Alexander Cockburn and Jeffrey St. Clair, Whiteout: The CIA, Drugs, and the Press [London: Verso, 1998], 131).
  28. McCoy, Politics of Heroin, 541.
  29. James Mills, The Underground Empire: Where Crime and Government Embrace (New York: Dell, 1978), 70.
  30. Scott and Marshall. Cocaine Politics (paperback edition), x-xi. Dayle made this statement during a videotaped teleconference, in the presence of Marshall and myself.
  31. Wall Street Journal, April 18, 1980. Dalitz, Kleinman, and Tucker, all veterans of the gambling scene in Cleveland, later had a controlling interest in the Desert Inn casino in Las Vegas (Investigation of Organized Crime in Interstate Commerce: Hearings before the [Kefauver] Special Committee to Investigate Organized Crime in Interstate Commerce, U.S. Senate, 81st Cong., 2nd Sess. and 82nd Congress, 1st Sess., Part 10, US Government Printing Office, [Washington DC: 1950], pp. 907-926). Block’s and Weaver’s later and more detailed study claims that Dalitz did not have an account at Castle, but adds former Lansky associate Lou Rothkopf to the list of mob figures who did (Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 45).
  32. Block, Masters of Paradise, 189.
  33. Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984; citing Wall Street Journal, May 23, 1977, February 17, 1981; also, Parapolitics, Spring 1981), 88: “Like Castle, Mercantile was a conduit for CIA money, and Price Waterhouse accountants were `under orders’ to make sure `outsiders’ did not have access to the books. If they probed around, said a CIA source, they ‘could unravel a trail to the intelligence community.’”
  34. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 40; cf. Block, Masters of Paradise, 188-91, where Kleinman is called “perhaps a hidden owner” of Castle.
  35. Block, Masters of Paradise, 163; New York Times, September 1, 1989 (“part owner”).
  36. Block, Masters of Paradise, 164.
  37. CIA Inspector General’s Report of 1967 on CIA-Mafia Plots to Assassinate Castro, pp. 15-16, NARA #151993.08.11.16:44:08:750007, pp. 3-4.
  38. Memo of 5 September 1975 to DDO from CI Staff Chief George Kalaris, NARA #104-1010-10003, p. 2.
  39. Tom Mangold, Cold Warrior: James Jesus Angleton: The CIA’s Master Spy Hunter (New York: Touchstone/ Simon & Schuster, 1991), 314-15.
  40. Douglas Valentine, “The French Connection Revisited: The CIA, Irving Brown, and Drug Smuggling as Political Warfare,” Covert Action, http://www.covertaction.org/content/view/99/75/.
  41. Paul Buhle, “Lovestone’s Thin Red Line,” Nation, May 6, 1999, http://www.thenation.com/doc/19990524/buhle.
  42. House Select Committee on Assassinations, Investigation of the Assassination of President John F. Kennedy, Appendix to Hearings, Volume IX (March 1978), 47.
  43. Ed Reid, The Grim Reapers: The Anatomy of Organized Crime in America (New York: Bantam, 1969), 174.
  44. Mangold, Cold Warrior, 329-30; cf. 305, 337. Other authors have written that Dulles and Angleton maintained a “second agency,” or “agency-within-the Agency;” see e.g. Mark Aarons and John Loftus, Unholy Trinity (New York: St. Martin’s Press, 1991), 260.
  45. Mangold, Cold Warrior, 105.
  46. Memo of 4 November 1970 from John K. Greaney, Assistant General Counsel, CIA, NARA #104-10106-10374.
  47. “United States of America, Appellee, v. Leonard Russo, et al., Defendants-Appellants”
  48. Memo of 4 November 1970 from John K. Greaney, Assistant General Counsel, CIA, NARA #104-10106-10374. Robert Sam Anson once claimed that two of the defendants in these kickback trials, John Larocca and Gabriel Mannarino, were acquitted in 1971 when “one of the star witnesses turned out to be the local head of the CIA” (Robert Sam Anson, “They’ve Killed the President,” [New York: Bantam, 1975], 296). Anson told me that this witness was Brod, but I have found no court record that Brod’s testimony was accepted into the court record.
  49. Dan E. Moldea, The Hoffa Wars: Teamsters, Rebels, Politicians, and the Mob (New York: Paddington Press, 1978), 130-31.
  50. Time, June 9, 1975, 14.
  51. Church Committee, Testimony of John Scelso, 7 May 1976, 41-42, NARA #157-10014-10083, 45-46. Angleton’s response suggests that he may have believed what Hank Messick and others later charged: that Lansky had somehow obtained protection from the Bureau [Hank Messick, John Edgar Hoover (New York: David McKay Co., 1972], 229-31, etc).
  52. William R. Corson, Susan B. Trento, Joseph J. Trento, Widows (New York: Crown, 1979), 71.
  53. For details see Scott, War Conspiracy, 387; Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1995 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 30-33.
  54. See Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1999 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 17-18, 92; also Peter Dale Scott, “Oswald and the Hunt for Popov’s Mole,” The Fourth Decade, III, 3 (March 1996), 3; www.maryferrell.org/mffweb/archive/viewer/showDoc.do?absPageId=519798.
  55. Peter Dale Scott, Deep Politics II, 30-33.
  56. See discussion in Peter Dale Scott, “The JFK Assassination and 9/11: the Designated Suspects in Both Cases,” Global Research, July 5, 2008, http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9511.
  57. J. Patrice McSherry, Predatory States: Operation Condor and Covert War in Latin America (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2005), 139-75; John Dinges, The Condor Years: How Pinochet and His Allies Brought Terrorism to Three Continents (New York: New Press, 2004), 190-98, 248-50; Peter Kornbluh, The Pinochet File: A Declassified Dossier on Atrocity and Accountability.
  58. McSherry, Predatory States, 95; citing White cable of October 13, 1978, foia.state.gov/documents/State/Chile3/000058FD.pdf (a URL inactive in 2008); also Diana Jean Schemo, “New Files Tie U.S. to Deaths of Latin Leftists in 1970s,” New York Times, March 6, 2001.
  59. “I can do no less, without producing a reaction in the U.S. which would lead to legislative restrictions. The speech is not aimed at Chile…My evaluation is that you are a victim of all left-wing groups around the world, and that your greatest sin was that you overthrew a government which was going communist” (Dinges, The Condor Years, 159-62); citing Department of State Bulletin 75 (July 5, 1976), 4 (public speech).
  60. McSherry, Predatory States, 159.
  61. McSherry, Predatory States, 161.
  62. Los Angeles Times, May 7, 2008, http://articles.latimes.com/2008/may/07/nation/na-posada7.
  63. Kevin Phillips, American Dynasty: Aristocracy, Fortune, and the Politics of Deceit in the House of Bush (New York: Viking, 2004), 280.
  64. Joseph J. Trento, The Secret History of the CIA (New York: Forum/Prima/Random House, 2001), 436-37. In 1978 Trento himself was the recipient of a leak linking Wilson to Shackley.
  65. Trento, The Secret History of the CIA, 395 (Helms), 344 (cadre).
  66. Block, Masters of Paradise, 191.
  67. Block, Masters of Paradise, 192: “The major Pritzker link to the Teamsters was crafted by Stanford Clinton, “ a lawyer “who represented some of Chicago’s leading hoodlums” and also had a Castle account.
  68. Block, Masters of Paradise, 195.
  69. Block, Masters of Paradise, 171; cf. 32-33.
  70. Block, Masters of Paradise, 172-73, 182.
  71. Scott, The War Conspiracy, 46-47, 60, 64-68, 263, 278-79.
  72. OSS officer and Corcoran friend Ernest Cuneo, quoted in David McKean, Peddling Influence: Thomas “Tommy the Cork” Corcoran and the Birth of Modern Lobbying (Hanover, NH: Steerforth, 2004), 286.
  73. “Lawyers and Lobbyists.” Fortune, February 1952, p. 142; quoted in Scott, The War Conspiracy, 47.
  74. Joseph J. Trento, Prelude to Terror: The Rogue CIA and the Legacy of America’s Private Intelligence Network (New York: Carroll and Graf, 2005), 9.
  75. Scott, The War Conspiracy, 278-79
  76. Block, Masters of Paradise, 170.
  77. McKean, Peddling Influence, 140-43; Scott, War Conspiracy, 64-65.
  78. McKean, Peddling Influence, 149-50.
  79. Bruce Cumings, The Origins of the Korean War, Vol II (Princeton: Princeton UP, 1990), 107, 153; Trento, Prelude to Terror, 9.
  80. Oral History Interview with Arthur R. Ringwalt, June 5, 1974, Truman Library, http://www.trumanlibrary.org/oralhist/ringwalt.htm.
  81. Bertil Lintner, Burma in Revolt: Opium and Insurgency Since 1948 (Chiang Mai: Silkworm Books, 1999), 192; Scott, Drugs, Oil, and War, 51, 187, 192-93, etc.
  82. Daniel Fineman, A Special Relationship: The United States and Military Government in Thailand, 1947-1958 (Honolulu: University of Hawai’i Press, 1997), 214-15; cf. 206.
  83. Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984), 82-83.
  84. Anthony Summers with Robbyn Swann, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 242.
  85. Memo of 18 August 1976 to Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013; also partially released as p. 6 of Meyer Lansky Security File, 1993.08.13.17:42:12:560059.
  86. Memo of 18 August 1976 to Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013; Reid, The Grim Reapers, 119-23.
  87. Jeff Gerth, in Sid Blumenthal and Harvey Yazijian (eds.), Government by Gunplay: Assassination Conspiracy Theories from Dallas to Today (New York : New American Library, 1976), 138. 
  88. Summers with Swan, The Arrogance of Power, 242, 252; Jim Hougan, Spooks, 398. Cf. Denny Walsh, New York Times, January 21, 1974; Gerth, in.Government by Gunplay, 137-39.
  89. Block, Masters of Paradise, 94-96; Summers with Swan, The Arrogance of Power, 244-45.
  90. Summers with Swan, The Arrogance of Power, 244-45, 253-54.
  91. Block, Masters of Paradise, 46, 101.
  92. Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1995 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 60.
  93. San Francisco Chronicle, March 3, 1967, 41; quoted in Scott, Deep Politics II, 67.
  94. Block, Masters of Paradise, 100-01.
  95. Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II, 59
  96. Some of the documents in this file, including the FBI Report quoted in this paragraph, are incorporated into the Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II, 59. In addition, the CIA’s report on its interest in Resorts International, quoted above, carries the handwritten notation “for file/ Sam GIANCANA/ not mentioned.” The allusion to Giancana makes sense in the context of the CIA-mafia plots, but as far as I know not otherwise.
  97. “MOSS, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973, in Meyer Lansky Security File, p. 9, NARA #1993.08.13.17:42:12:560059. The CIA used the misspelling “Verona” which occurred just once in the FBI source document, and ignored the correct spelling “Varona” which was abundantly used as well. Note below their use of “Cellino” (rather than “Cellini”) and “Lenzieri” (for Lanzieri) in related CIA documents. By this device both the FBI and CIA could avoid responding to document searches for the correct name. For example in the 1940s the CIA told the French that they had no documents on the SS war criminal Klaus Barbie, whom they were harboring. The American documents referred to him systematically as “Barbier.”
  98. “MOSS, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973 from Jerry G. Brown for Deputy Chief, Security Research Staff, NARA #1993.08.13,17:42:12:560059.
  99. “Moss, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 19 April 1967 [at the time of the I-G Report mentioning Moss], NARA #104-10122-10006; Inspector General’ Report on CIA-Mafia Plots to Assassinate Fidel Castro (henceforth I-G Report), NARA # 104-10213-10101, p. 38. Cf. memo of 7 November 1962 in CIA’s Edward K. Moss folder, p. 26, NARA #1994.05.03.10:54:53:780005.
  100. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  101. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139. Cf. “Moss, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973, in Meyer Lansky Security File, p. 9, NARA #1993.08.13.17:42:12:560059; CIA letter of 16 December 1960 to FBI, FBI file 105-76826-18; NARA #124-90055-10133.
  102. CIA letter of 16 December 1960 to Director, FBI, FBI File 105-76826-18; NARA #124-90055-10133. Apparently no copy of this letter has been released from CIA files.
  103. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  104. Peter Dale Scott, Deep Politics and the Death of JFK (Berkeley: University of California Press, 1998), 145; cf. 238-40.
  105. “Moss, Edward K. #172646,” CIA Memo of 28 November 1962, NARA #1994.05.03.10:54:53:780005.
  106. I-G Report, p. 38.
  107. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont,” p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  108. FBI Memorandum to Attorney General, January 23, 1961, NARA # 124-90055-10140.
  109. Anthony Summers with Robbyn Swann, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 194; citing I-G Report.
  110. Don Bohning, The Castro Obsession: U.S. Covert Operations Against Cuba (Washington: Potomac Books, 2005), 181.
  111. Summers with Swann, Arrogance of Power, 283 ($1 million); Robert Baer, Sleeping with the Devil (New York: Crown, 2003), 43 (briefcase); Kessler, The Richest Man in the World, 170 (“several million”); Renata Adler, “Searching for the Real Nixon Scandal,” Atlantic (December 1976), 76–84 ($200 million). Khashoggi admitted publicly to a gift of $43,000 to the Nixon campaign in 1972.
  112. Kessler, Richest Man in the World, 170.
  113. Kessler, Richest Man in the World, 142, 181.
  114. It has been alleged that at the Sands in 1960 the FBI saw the casino’s courtesy prostitutes “running in and out of” Senator Jack Kennedy’s suite, and a million dollars was allegedly given to Kennedy in a brown leather satchel by the hotel’s owners (John William Tuohy, “The Sands,”AmericanMafia, August 2001, http://www.americanmafia.com/Feature_Articles_155.html).
  115. Omar Garrison, Howard Hughes in Las Vegas (New York: Dell, 1970), 48-49, 56, 58; Peter Dale Scott, Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (Palo Alto, CA: Ramparts Press, 1977), 29.
  116. Kessler, Richest Man in the World, 149-50.
  117. Sally Denton and Roger Morris, The Money and the Power: The Making of Las Vegas and Its Hold on America, 1947-2000 (New York: Knopf, 2001), Prologue. Sally Denton later enlarged on the details: “When it became clear 70 United States, American, banks were involved, had the complicity, knew about every single one of the wire-transfers and transactions — banks including Chemical Bank, Bank of New York, CitiBank, American Express –… President Clinton and Madeline Albright stepped in and intervened and stopped the entire investigation and closed all of the cases” (Discussion at Taos Community Auditorium on October 12, 2002; http://www.taosplaza.com/taosplaza/2003/pages/tmff_drugs.php).
  118. Gigi Mahon, The Company That Bought the Boardwalk (New York: Random House, 1980), 136.
  119. Kessler, Richest Man in the World, 275–78. A friend of Khashoggi’s, Larry Kolb, reports that Khashoggi himself essentially corroborated the story that Khashoggi and John Kennedy had a friendship in the 1950s that “evolved primarily out of whoring together” (Larry J. Kolb, Overworld: The Life and Times of a Reluctant Spy [New York: Riverhead/Penguin, 2004], 236). The woman who destroyed the presidential aspirations of Senator Gary Hart in 1987 was one of Khashoggi’s many girls.
  120. Kessler, The Richest Man, 238, 240.
  121. Prince Turki bin Faisal gave Georgetown University alumni a frank account of the Safari Club’s formation in response to post-Watergate restrictions: “In 1976, after the Watergate matters took place here, your intelligence community was literally tied up by Congress. It could not do anything. It could not send spies, it could not write reports, and it could not pay money. In order to compensate for that, a group of countries got together in the hope of fighting Communism and established what was called the Safari Club. The Safari Club included France, Egypt, Saudi Arabia, Morocco, and Iran.”
  122. Kolb, Overworld, 238, 242–43.
  123. Sally Denton and Roger Morris, The Money and the Power: The Making of Las Vegas and Its Hold on America, 1947-2000 (New York: Knopf, 2001), 72; citing laudatory article on Greenspun in the Jerusalem Post, July 1993.
  124. Investigative reporter Jim Hougan reports the incredulity of congressional investigators that Lockheed was the only large corporation not to have made a contribution to Nixon’s 1972 election campaign (Hougan, Spooks: The Haunting of America—The Private Use of Secret Agents [New York: William Morrow, 1978], 457–58).
  125. Drinkhall, Wall Street Journal, April 18, 1980. Drinkhall also reported that “Helliwell reputedly was one of the paymasters for the ill-fated Bay of Pigs invasion in 1961,” a claim repeated in virtually every book dealing with Helliwell since that time (except my own). I have looked at dozens if not hundreds of CIA Bay of Pigs documents, many of them concerning financial payments to anti-Castro individuals and groups, and I have never seen any document involving either Helliwell or an unidentified cryptonym.
  126. Pete Brewton, The Mafia, CIA and George Bush (1992), 296-97
  127. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 36-37; citing Robin Winks, Cloak & Gown: Scholars in the Secret War, 1939-1961 (New York: William Morrow, 1987), 377-78 (X-2 in Vienna).
  128. Peter Truell and Larry Gurwin, False Profits: The Inside Story of BCCI, the World’s Most Corrupt Financial Empire (Boston: Houghton Mifflin, 1992), 384 (“ties”).
  129. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 86. Abbas Kassimali Gokal, whom British prosecutors accused of stealing $1.3 billion from BCCI, was a board member of the Inter Maritime Bank from 1978 through 1982. In 1997 Gokal was sentenced to 13 years by a UK court for his role in the BCCI fraud.
  130. Truell and Gurwin, False Profits, 384. Truell and Gurwin claim that Hartmann went from Intermaritime to BCCI; the Kerry-Brown BCCI Report claims that Rappaport recruited Hartmann from BCCI/BCP for his own bank.
  131. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 85.
  132. U.S. Congress. Senate, 102nd Cong., 2nd Sess. The BCCI Affair: A Report to the Senate Committee on Foreign Relations from Senator John Kerry, Chairman, and from Senator Hank Brown, Ranking Member, Subcommittee on Terrorism, Narcotics, and International Operations,… September 30, 1992, 1-2. Cited henceforth as the Kerry-Brown Report, 69.
  133. Jane Hunter “Covert Operations: The Human Factor,” The Link , August 1992, Volume 25, Issue 3, 8, http://www.ameu.org/page.asp?iid=139&aid=183&pg=8.
  134. Leonard Slater, The Pledge (New York: Pocket Books, 1971), 175.
  135. Sindona had links to the Italian intelligence service SISMI, to drug traffickers like Rosario Gambino, and to the Nixon Administration. See Jonathan Marshall, Peter Dale Scott, and Jane Hunter, The Iran-Contra Connection: Secret Teams and Covert Operations in the Reagan Era (Boston: South End Press, 1987), 71, 73; Lernoux, In Banks We Trust, 178-79, 193-95, etc.
  136. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 36; citing Robin W. Winks, Cloak & Gown: Scholars in the Secret War, 1939-1961 (New York: William Morrow, 1987), 377-78.
  137. Smith, OSS, 165.
  138. Operation Safehaven began as a U.S. Treasury effort to trace the movements of stolen Nazi gold, and possibly implicate Nazi collaborators in America. Taken over by OSS X-2, it recuperated SS assets that were used instead to support former SS agents.
  139. Anthony Cave Brown, The Secret War Report of the OSS / edited by Anthony Cave Brown (New York: Berkeley, 1976), 565-66.
  140. Ronald Kessler, The Richest Man in the World (New York: Warner Books, 1986), 162, 300; Jonathan Beaty and S.C. Gwynne, The Outlaw Bank: A Wild Ride into the Secret Heart of BCCI (New York: Random House, 1993), 54, 80, 263-64.
  141. Truell and Gurwin, False Profits, 83-87.
  142. Kerry-Brown Report.
  143. Beaty and Gwynn, 357.
  144. Truell and Gurwin, False Profits, 373-77.
  145. Olmsted’s intelligence connections dated back to wartime service on the staff of General Albert Wedemeyer in China, where he was in charge of clandestine operations and in that capacity worked with OSS. He was thus a senior figure in what I am tempted to call the OSS China connection, which united so many of the people who were prominent in Helliwell’s post-war global drug connection. We have already mentioned Helliwell himself, who was head of the Special Intelligence branch of OSS in Kunming before he created Sea Supply Corp in Bangkok. Willis Bird was the deputy chief of OSS China and then became the most important figure in Sea Supply after Helliwell’s return in 1951 from Bangkok to America. C.V Starr, later represented by Corcoran, opened his insurance empire in China to the creation of an OSS network outside the OSS-KMT cooperation agreement. See Richard Harris Smith, OSS: The Secret History of America’s First Central Intelligence Agency (Berkeley: University of California Press, 1972), 267 (Starr), 273 (Bird), 326 (Helliwell). But this is not the whole picture. Elsewhere I have dealt with the post-war activities of other members of the small OSS Detachment 202 under Paul Helliwell in Kunming: E. Howard Hunt, Ray Cline, Lou Conein, John Singlaub, and Mitchell WerBell. All of these men went on to develop post-war connections for the CIA with drug-traffickers: Hunt in Mexico, Cline in Taiwan, Conein in Vietnam, WerBell in Laos, and Singlaub with the World Anti-Communist League which Hunt and Cline had helped to create (Scott, Drugs, Oil, and War, 20, 207).
  146. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 41; cf. Block, Masters of Paradise, 191.
  147. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 41-42; Truell and Gurwin, False Profits, 40-43, etc.
  148. Truell and Gurwin, False Profits, 123-24; cf. 128-29: Expanding over seven pages on these and many other intelligence connections, they asked whether the bank’s illegal acquisition of an American bank holding company, First American Bankshares, was not in fact serving the purposes of U.S. intelligence:

    “No one can deny that virtually every major character in the takeover was connected in one way or another to U.S. intelligence: Olmsted who controlled the company [First American] for years; Middendorf, who headed the group that acquired it from him; Abedi, who arranged for clients of BCCI to buy the company from Middendorf’s group; [Mohammed Rahim Motaghi] Irvani,, the chairman of one of the dummy companies set up to carry out the acquisition; [his partner Richard] Helms, who advised Irvani; [former Saudi intelligence chief Kamal] Adham, the lead investor in Abedi’s group; [Clark] Clifford, who steered the deal through the regulatory maze and then became the chairman of the company….Can all this be a coincidence? Or is it possible that First American was affiliated with U.S. intelligence all along and that it was simply passed from one group of CIA associates to another, and then another? No proof has emerged that this is what happened, but it is certainly not a far-fetched theory.”

  149. Jonathan Kwitny, The Crimes of Patriots (New York: Norton, 1987), 96.
  150. Kwitny, The Crimes of Patriots, 162. BCCI also used Price Waterhouse as its auditor. In addition, BCCI and Nugan Hand used the same law firm and registered agent (Bruce Campbell & Company) in the Cayman Islands (Truell and Gurwin, False Profits, 125).
  151. Kwitny, The Crimes of Patriots, 243.
  152. Kwitny, The Crimes of Patriots, 334-35.
  153. Trento, Prelude to Terror, 313-14.
  154. Kwitny, The Crimes of Patriots, 207, 208.
  155. James A. Nathan, “Dateline Australia: America’s Foreign Watergate?” Foreign Policy (Winter 1982-83), 183; quoted in Jonathan Marshall, Peter Dale Scott, and Jane Hunter, The Iran-Contra Connection: Secret Teams and Covert Operations in the Reagan Era (Boston: South End Press, 1987), 38.
  156. Scott, The Road to 9/11, 126-27.
  157. Thomas Goltz, Azerbaijan Diary: A Rogue Reporter’s Adventures in an Oil-Rich, War-Torn, Post-Soviet Republic (Armonk, NY: M. E. Sharpe, 1999), 272-75. Richard Secord was allegedly attempting also to sell Israeli arms, with the assistance of Israeli agent David Kimche, another associate of Oliver North. The mujahideen were recruited in Afghanistan by Gulbuddin Hekmatyar, the leading recipient of CIA assistance in Afghanistan in the 1980s, and most recently a leader of the al Qaeda-Taliban resistance to the U.S. and its client there, Hamid Karzai. See Scott, Drugs, Oil, and War, 7, 8, 20.
  158. Loretta Napoleoni, Terror Incorporated: Tracing the Dollars Behind the Terror Networks (New York: Seven Stories Press, 2005), 90-97: “[IMU leader] Namangiani’s networks in Tajikistan and in Central Asia were used to smuggle opium from Afghanistan. It was partly thanks to Namangiani’s contacts in Chechnya that heroin reached Europe” (91)…. “It was thanks to the mediation of Chechen criminal groups that the KLA and the Albanian mafia managed to gain control of the transit of heroin in the Balkans” (96). Napoleoni does not mention Azerbaijan, which however lies between Uzbekistan and Chechnya.
  159. “KLA Funding Tied To Heroin Profits,” Washington Times, 5/3/99.
  160. Daniel Ellsberg with Kris Welch, KPFA, 8/26/06, http://wotisitgood4.blogspot.com/2006/10/ellsberg-hastert-got-suitcases-of-al.html.
  161. Vanity Fair, September 2005. According to the ATC web site, “As one of the leading business associations in the United States, the American-Turkish Council (ATC) is dedicated to effectively strengthening U.S.-Turkish relations through the promotion of commercial, defense, technology, and cultural relations. Its diverse membership includes Fortune 500, U.S. and Turkish companies, multinationals, nonprofit organizations, and individuals with an interest in U.S.-Turkish relations.” It is thus comparable to the American Security Council, whose activities in 1963 are discussed in Scott, Deep Politics, e.g. 292.

    Edmonds has been partially corroborated by Huseyin Baybasin, another Turkish heroin kingpin now in jail in Holland, in his book Trial by Fire: “I handled the drugs which came through the channel of the Turkish Consulate in England.” But as he adds: “I was with the Mafia but I was carrying this out with the same Mafia group in which the rulers of Turkey were part.” Baybasin claimed he was assisted by Turkish officers working for NATO in Belgium (“The Susurluk Legacy,” By Adrian Gatton, Druglink Magazine, Nov/Dec 2006, http://adriangatton.com/archive/1990_01_01_archive.html).

  162. Marshall, Drug Wars, 55; citing Tad Szulc, “The Money Changer,” New Republic, April 10, 1976, 10-11.
  163. See Scott, The War Conspiracy.
  164. Peter Dale Scott, “The United States and the Overthrow of Sukarno, 1965-1967″ Pacific Affairs (Vancouver, B.C.) 58.2 (Summer 1985), pp. 239-64.
  165. AMPO (Japan), January 1974, 44 (Indonesia); David E. Kaplan and Alec Dubro, Yakuza [New York: Macmillan, 1986], 90 (Deak); Marshall, Drug Wars, 54-55 (Katayama, Kodama). Kodama and Sasakawa were both arrested by the U.S. for war crimes but not prosecuted. In 1941 Kodama had plotted the assassination of Japan’s Prime Minister Konoye by dynamite, to block his attempted peace negotiations with the U.S. Kodama then made a fortune in Shanghai during World War II, allegedly in part through his control of the drug traffic in conjunction with the kempeitai. Kodama and Sasakawa both became staunch supporters of the Asian People’s Anti-Communist League,that as we have seen has had persistent connections to the post-war Asian drug traffic.
  166. Beaty and Gwynn, The Outlaw Bank, 48.
  167. Seymour Hersh, The Price of Power: Kissinger in the White House (New York: Summit, 1983), 279, 290.
  168. Dinges, The Condor Years,, 190-98.
  169. Robert Parry, Secrecy & Privilege: Rise of the Bush Dynasty from Watergate to Iraq (Arlington, VA: Media Consortium, 2004), 112-38, etc.; Scott, Road to 9/11, 99-107. According to Parry, Michael Ledeen was also part of this effort.
  170. “Turkey’s pivotal role in the international drug trade,” Le Monde diplomatique (July 1998), http://mondediplo.com/1998/07/05turkey. Cf. Daniele Ganser, NATO’s Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe (London: Frank Cass Publishers, 2005), 237-38. Author Claire Sterling attempted to blame the KGB for the assassination attempt, and her view that the KGB was the heart of what she called a global “terror network” was forced on CIA analysts by William Casey and Robert Gates (see final footnote below).
  171. Iran-Contra Affair, Report of the Congressional Committees Investigating the Iran-Contra Affair, 100th Congress. 1st Session, H. Rept No 100-433, S. Rept No. 100-216, pp. 164, 166, 228, etc.
  172. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 95-116, etc. Burt Kanter, the co-founder of Castle Bank, was recurringly involved in Rappaport’s IMB-BONY dealings (Block and Weaver, 100, 102, 193, 105, 113).
  173. Scott, Road to 9/11, 163-65, 351; Thomas Goltz, Azerbaijan Diary, 272-75.
  174. Scott, Road to 9/11, 167-68, citing Michel Chossudovsky, “Macedonia: Washington’s Military-Intelligence Ploy,” Transnational Foundation for Peace and Future Research, http://www.transnational.org/SAJT/forum/meet/2001/Chossudov_WashingtPloy.html.
  175. Lernoux, In Banks We Trust, 72; cf. Mother Jones, March 1984.
  176. Daniel Fineman, A Special Relationship: The United States and Military Government in Thailand, 1947-1958 (Honolulu: University of Hawai’i Press, 1997), 179-80; cf. FRUS, 1952-1954, 12, 1, 689-90.
  177. Trento, The Secret History of the CIA, 410.
  178. Report of the Congressional Committees Investigating the Iran-Contra Affair, 100th Congress. 1st Session, H. Rept No 100-433, S. Rept No. 100-216, p. 164.
  179. Trento, Prelude to Terror, 283-84.
  180. Scott, Road to 9/11, 52-53.
  181. See Rowan Scarborough, Sabotage: America’s Enemies Within the CIA (Washington: Regnery, 2007); Kenneth R. Timmerman, Shadow Warriors: The Untold Story of Traitors, Saboteurs, and the Party of Surrender (New York: Crown/ Random House, 2007).
  182. “It works like this: Blackwater, for example, will win a U.S. government contract; it will then subcontract with itself–that is, with Greystone–to do the job. From there, Greystone looks to its network of international affiliates, firms like Pizarro’s Grupo Tactico in Chile or ID Systems in Colombia, which maintain informal relationships with what are known in the trade as “briefcase recruiters”–individuals with connections to the local paramilitary scene” (Bruce Falconer and Daniel Schulman, “Blackwater’s world of warcraft,” Mother Jones, March-April 2008). Cf. Jeremy Scahill, Blackwater: The Rise of the World’s Most Powerful Mercenary Army (New York: Nation Books, 2008).
  183. This false ideology was enforced even inside the CIA. Author Claire Sterling wrote a book called The Terror Network, claiming “that all major terrorist groups were controlled by the Soviet Union.” The book, with little credibility today, was warmly endorsed by then Secretary of State Alexander Haig, who passed it to William Casey, who presented its thesis to the Senate Select Committee on Intelligence. Casey also assigned top CIA terrorist analysts and Soviet experts to prepare a special national intelligence estimate, or SNIE, based on Sterling’s book. When the experts reported there was no merit to Sterling’s claims, Casey’s Deputy Director of Intelligence, Robert Gates, had their negative assessment rewritten and reversed by new low-level personnel who had just arrived in the Agency. See Mark Perry, Eclipse: The Last Days of the CIA (New York: William Morrow, 1992), 47-49, 319-320. Today Robert Gates is America’s Secretary of Defense.
Washington DC

Der Tiefenstaat und 9/11

Der nachfolgende Artikel wurde von Lars Schall ausdrücklich und persönlich für reflektion.org autorisiert.

Peter Dale Scott interpretiert 9/11 in diesem Essay als einen beispiellosen Staatsstreich, sondern als einen Vorfall in einer Reihe von ähnlichen unerklärlichen Ereignissen, die alle ähnliche Ergebnisse zeitigten, bis hin zurück zum zweiten Golf von Tonkin-Zwischenfall, der Kennedy-Ermordung, ja selbst bis hin zum falsch erinnerten Beginn des Korea-Krieges. Allein, von all diesen Tiefenereignissen kann 9/11 als das erste gesehen werden, das nicht nur strukturelle, sondern auch verfassungsmäßige Auswirkungen gehabt hat. Bis heute befinden sich die USA in einem permanenten Ausnahmezustand.

Von Peter Dale Scott, Übersetzung Lars Schall

Das Undenkbare – dass Elemente innerhalb des Staates sich mit Kriminellen verschwören, um unschuldige Zivilisten zu töten – ist im letzten Jahrhundert nicht nur denkbar, sondern alltäglich geworden. Ein wegweisendes Beispiel trug sich im französischen Algerien zu, wo sich abweichende Elemente der französischen Streitkräfte, die gegen General de Gaulles Pläne für die Unabhängigkeit Algeriens waren, als die Organisation der geheimen Armee organisierten und wahllos Zivilisten bombardierten, mit Zielen, die Krankenhäuser und Schulen einschlossen.  [1] Kritiker wie Alexander Litwinenko, der später im November 2006 in London ermordet wurde, haben den Vorwurf erhoben, dass die Bombenanschläge auf Moskauer Wohngebäude im Jahre 1999, die tschetschenischen Separatisten zugeschrieben werden, in Wirklichkeit die Arbeit des russischen Geheimdienstes (FSB) waren. [2]

Ähnliche Anschläge in der Türkei haben der Vorstellung eines extra-legalen “Tiefenstaats“ Vorschub geleistet – einer Kombination aus Kräften, die von ehemaligen Mitgliedern der CIA-organisierten Gladio-Organisation bis hin zu „einer riesigen Matrix aus Sicherheits- und Geheimdienstbeamten, ultranationalistischen Mitgliedern der türkischen Unterwelt und abtrünnigen ehemaligen Mitgliedern der [kurdischen Separatisten der] PKK” reichen.  [3] Dem tiefen Staat, zum Teil durch den erheblichen Heroinhandel der Türkei finanziert, ist die Tötung von Tausenden von Zivilisten bei Vorfällen wie dem tödlichen Bombenanschlag im November 2005 auf eine Buchhandlung in Semdinli zur Last gelegt worden. Über diesen Angriff , zunächst den kurdischen Separatisten der PKK zugeschrieben, stellte sich heraus, dass er von Mitgliedern des türkischen paramilitärischen Polizeigeheimdienstes zusammen mit einem ehemaligen Mitglied der PKK, das ein Informant geworden war, begangen wurde.  [4] Am 23. April 2008 wurde der ehemalige Innenminister Mehmet Agar für seine Rolle in dem schmutzigen Krieg während der 1990er Jahre vor Gericht angeklagt. [5]

In meinem Buch The Road to 9/11 habe ich argumentiert, dass zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg, wenn nicht früher, ein ähnlicher amerikanischer Tiefenstaat existierte, der ebenfalls Geheimdienstbeamte mit Elementen der Drogenhandel-Unterwelt kombinierte.  [6] Ich wies auch auf die Zusammenarbeit in den letzten Jahrzehnten zwischen dem US-Tiefenstaat und al-Qaida hin, einer terroristischen Unterwelt, deren Drogenhandel-Aktivitäten im 9/11-Kommissionsbericht und in den US-Mainstream-Medien heruntergespielt wurden. [7]

Immer noch zu klären gilt die unterdrückte anomale Tatsache, dass al-Qaidas Top-Trainer für Flugzeugentführungen, Ali Mohamed, gleichzeitig ein Doppelagent war, der dem FBI Bericht erstattete, und fast sicher noch eine Verbindung zur CIA aufrecht hielt, die ihn als Agent verwendete und dazu beigetragen hatte, dass er in den 1980er Jahren in die USA gelangte.  [8] Es wird nicht bestritten, dass Ali Mohamed den Botschaftsbombenanschlag in Kenia organisierte, und dass er dies tat, nachdem ihn die RCMP, die ihn in Vancouver in der Gegenwart eines anderen bekannten Terroristen festgenommen hatte, auf Anweisung des FBI freigelassen hatte. [9]

Vor diesem historischen Hintergrund der Zusammenarbeit würde ich eine Hypothese für weitere Untersuchungen anbieten wollen: dass der amerikanische Tiefenstaat irgendwie mit al-Qaida in der Gräueltat von 9/11 verwickelt war; und dass dies eine Erklärung für die auffällige Beteiligung der CIA und anderer US-Behörden in der anschließenden Vertuschung ist.

Sibel Edmonds, die türkische Amerikanerin, die früher eine FBI-Übersetzerin war, hat öffentlich sowohl al-Qaida als auch amerikanische Beamte mit dem türkischen Heroinhandel in Verbindung gebracht, der dem türkischen Tiefenstaat zugrunde liegt. Obwohl sie durch einen außergewöhnlichen Gerichtsbeschluss gehindert wurde, darüber direkt zu sprechen,  [10] sind ihre Vorwürfe von Daniel Ellsberg zusammengefasst worden:

„Al-Qaida, hat sie dem Kongress gesagt, wird nach Angaben dieser Interviews zu 95% von Drogengeld finanziert – einem Drogenhandel, bei dem sich die US-Regierung blind stellt und den sie ignoriert, weil er Verbündete und Geheimdienst-Assets von uns stark miteinbezieht, wie zum Beispiel die Türkei, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan – all die ,Stans‘ –, in einem Drogenhandel, bei dem das Opium aus Afghanistan stammt, in der Türkei verarbeitet und nach Europa gebracht wird, wo es 96 % des europäischen Heroins liefert, und zwar durch Albaner, entweder in Albanien oder im Kosovo, durch albanische Muslime im Kosovo – im Grunde durch die KLA, die Kosovo-Befreiungsarmee, die wir in dieser Episode am Ende der Jahrhunderts stark unterstützten. … Sibel sagt, dass Koffer von Bargeld dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, in dessen Haus in der Nähe von Chicago geliefert wurden, von türkischen Quellen, wohlwissend, dass eine Menge davon Drogengeld war.“ [11]

2005 wurden Sibel Edmonds’ Anschuldigungen teilweise in Vanity Fair berichtet. Dort wurde bekannt, dass sie Zugang zu FBI-Lauschangriffen von Gesprächen zwischen den Mitgliedern des American-Turkish Council (ATC) über die Bestechung gewählter US-Offizieller gehabt hatte, sowie über das, „was wie Verweise auf große Drogenlieferungen und andere Verbrechen klang.” [12]


9/11: Kein Coup d’Etat, sondern ein Vorfall in einer Reihe von amerikanischen Tiefenereignissen

South River 9/11 Memorial2003 veröffentlichte der italienische Journalist Maurizio Blondet ein Buch mit dem Titel 11 settembre: colpo di stato (September 11th: A Coup d’Etat, [Milan, Effedieffe, 2002]).  [13] Im Laufe der Jahre wurde der Blick auf 9/11 als einem „Staatsstreich“ von einer Reihe von Beobachtern eingenommen, einschließlich von Gore Vidal.  [14] Eine Google-Suche im Mai 2008 nach “Coup d’Etat + 9/11″ ergab 297.000 Treffer. Einer der jüngsten Treffer, von Ed Encho, legte nahe, dass das Herz des Putsches die Einführung an 9/11 – ohne Aussprache oder auch nur Aufmerksamkeit – der sogenannten “Continuity of Government“-Anordnungen (COG) gewesen sein könnte – geheime Anordnungen, die nach wie vor unbekannt sind, aber Verfassungsimplikationen haben.  [15] Ohne Frage, wie der 9/11-Kommissionsbericht besagt, wurde COG, die Frucht einer zwei Jahrzehnte währenden geheimen Cheney-Rumsfeld-Zusammenarbeit, an 9/11 umgesetzt.  [16] Wie wir sehen werden, ist nicht klar, was dies bedeutete, weder damals noch heute. Aber Journalisten haben behauptet, dass frühere Versionen von COG die Planung zur Aussetzung der Verfassung beinhalteten. [17]

Allerdings übertreibt das Nennen von 9/11 als Staatsstreich die Differenz zwischen dem aktuellen geschwächten Zustand des öffentlichen Staats und dem vorherigen Stand der Dinge, der sich seit Jahren, ja seit Jahrzehnten in Richtung einer solchen Auflösung aufgebaut hatte. Seit einem halben Jahrhundert wurden die Verfassung und die Gesetze des offenen oder öffentlichen Staats durch die Kräfte des tiefen Staates zunächst ausgewichen, dann erodiert, dann zunehmend in Frage gestellt und unterlaufen. Ich möchte nahelegen, dass diese Erosion teilweise durch eine Reihe wichtiger Tiefenereignisse in der amerikanischen Nachkriegsgeschichte erreicht wurde – Ereignisse, deren Aspekte in den (wie von Anfang an klar ist) Mainstream-Medien ignoriert oder unterdrückt werden.

Die jüngste Geschichte hat eine Reihe solcher Ereignisse gesehen, wie die Ermordung von John F. Kennedy, die von der öffentlichen Vorstellung der amerikanischen Politik so unerklärlich sind, dass die meisten Amerikaner dazu neigen, nicht einmal an sie zu denken. Stattdessen akzeptieren die meisten von ihnen die offiziellen, oberflächlichen Erklärungen, auch wenn sie vermuten, dass diese nicht wahr sind. Oder wenn andere sagen, sie glauben, dass “Oswald allein gehandelt” habe, so mögen sie daran im gleichen tröstlichen, aber irrationalen Zustand des Geistes glauben, wie dem, dass Gott den Gerechten belohnen und den Bösen bestrafen werde.

Auf der einen Seite müssen wir darum sehen, dass Amerika einen Zustand erreicht hat, in dem traditionelle Bürgerrechte eklatant wie nie zuvor beschränkt werden – etwa wenn der ehemalige Generalstaatsanwalt Gonzalez einem geschockten Kongress-Ausschuss sagt: „Es gibt keine ausgedrückte Gewährung von Habeas Corpus in der Verfassung.”  [18] Zur gleichen Zeit müssen wir sehen, dass 9/11 als ein unerklärliches oder tiefes Ereignis, das uns von der Verfassungs-Normalität in einen unnötigen permanenten Kriegszustand stieß, nicht beispiellos ist. Es ist eines in einer Reihe von ähnlichen unerklärlichen Ereignissen, die alle ähnliche Ergebnisse hatten, bis zurück zum zweiten Tonkin-Zwischenfall, der Kennedy-Ermordung, selbst bis hin zum falsch erinnerten Beginn des Korea-Krieges.

Die simulierte „Überraschung” der Bush-Regierung über den 9/11-Angriff ist der simulierten „Überraschung” der Truman-Regierung über den Ausbruch des Krieges in Korea am 25. Juni 1950 ähnlich. Der Historiker Bruce Cumings erinnert in einem Werk von 957 Seiten an das sonderbare Verhalten in den vorangegangenen Wochen auf hohen Ebenen in Washington:

„Die CIA sagt am 14. Juni eine Fähigkeit zur Invasion [Südkoreas] zu jeder Zeit voraus. Niemand bestreitet das. Fünf Tage später sagt sie eine drohende Invasion voraus. . . . Jetzt (sagt) Corson … dass der Bericht vom 14. Juni an ,informierte Kreise‘ durchgesickert ist, und deswegen ,wurde befürchtet, dass die Regierungskritiker im Kongress das Problem öffentlich aufbringen könnten. In der Folge wurde eine Entscheidung des Weißen Hauses getroffen, den Kongress zu unterrichten, dass in Korea alles gut war.‘ . . . Wäre es nicht die Erwartung, dass dem Kongress gesagt werden würde, dass in Korea nicht alles gut war? Es sei denn, ein überraschter und empörter Kongress ist eines der Ziele.“ [19]

In seiner umfassenden Analyse der Ursprünge des Krieges sieht Cumings diese US-Täuschung durch hochrangige Beamte als Reaktion auf manipulierte Ereignisse, die wiederum die Reaktion auf die Bedrohung einer unmittelbar bevorstehenden Vertreibung der chinesisch-nationalistischen KMT aus Taiwan zusammen mit einer friedlichen Wiedervereinigung Koreas waren. Die Details sind komplex, aber von Bedeutung für 9/11, nicht zuletzt wegen der Beteiligung der Opium-finanzierten KMT:

„Ende Juni waren [US Außenminister Dean] Acheson und Truman die einzigen hohen Beamten, die sich einer Verteidigung der ROC [der ,Republik China‘, die chinesische nationalistische KMT, die in Taiwan übrig war] sträubten. … Sir John Pratt, ein Engländer mit vier Jahrzehnten Erfahrung im konsularischen Dienst in China und dem Fernost-Büro, schrieb das Folgende im Jahre 1951: „Die Peking-Regierung plante, Formosa am 15. Juli zu befreien, und Mitte Juni erreichten das Außenministerium Nachrichten, dass die Syngman Rhee-Regierung in Südkorea zerfiel. Die Politiker auf beiden Seiten des achtunddreißigsten Breitengrades bereiteten einen Plan vor, um Syngman Rhee aus dem Amt zu werfen und eine einheitliche Regierung für ganz Korea einzurichten.‘ Der einzige Ausweg für Chiang [Kai-shek, dem KMT-Führer] war also, dass Rhee den Norden angriff, was Acheson letztlich das Nationalchina verteidigen ließ. [20]

Währenddessen:

schickte ein australischer Botschaftsvertreter (in Südkorea) tägliche Berichte im späten Juni, die besagten, dass ,Patrouillen aus dem Süden in den Norden gingen, bemüht, den Norden zurückzugewinnen. Plimsoll warnte, dass dies zu Krieg führen könnte, und es war klar, dass es ein gewisses Maß an amerikanischer Beteiligung gab.‘ [Nach dem ehemaligen australischen Premierminister Gough Whitlam:] ,Die Beweise waren für den australischen Ministerpräsidenten stark genug, um ein Kabel an Washington zu autorisieren, das darauf drängte, dass der südkoreanischen Regierung keine Ermutigung gegeben werde.” [21]

Cumings stellt auch die Warnung eines amerikanischen Diplomaten, Robert Stark, von Ende April fest, wonach „verzweifelte Maßnahmen durch [die chinesische] nationalistische Regierung versucht werden könnten, um [die USA] in [einen] offenen Krieg als [ein] Mittel zur Rettung ihrer eigenen Haut zu verwickeln.”  [22] In Kapiteln, die zu komplex sind, hier zusammengefasst werden zu können, zeichnet er die Intrigen einer Reihe von Chiangs Hintermännern nach, darunter die China Lobby in Washington, General Claire Chennault und seine damals fast darnieder gegangene CAT-Fluglinie (später Air America), der ehemalige OSS-Chef General William Donovan, und in Japan General MacArthur und sein Geheimdienstchef Charles Willoughby. Er bemerkt den Besuch von zwei Generälen Chiangs in Seoul, einer von ihnen mit einer US-Militärmaschine von MacArthurs Zentrale. Und er kommt zu dem Schluss, dass „Chiang … auf der koreanischen Halbinsel die Provokation eines Krieges gefunden haben könnte, der sein Regime [in Taiwan] für zwei weitere Jahrzehnte sicherte.”

„Wer diesen Text bis zu diesem Punkt gründlich gelesen hat und nicht glaubt, dass Willoughby, Chiang, [Chiangs Emissär in Seoul, General] Wu Tieh Cheng, Yi Pom-Sok, [Syngman] Rhee, Kim Sok-Won, Tiger Kim und ihresgleichen nicht in der Lage zu einer Verschwörung waren, um einen Krieg zu provozieren, kann durch Beweise nicht überzeugt werden.“

Er fügt hinzu, dass Anti-Verschwörungs-Amerikaner „Opfer dessen sind, was man den Trugschluss des unzureichenden Zynismus bezeichnen könnte” – ein Vorwurf, der wiederbelebt werden könnte, wenn je gezeigt würde, dass 9/11 auch „eine Verschwörung, um einen Krieg zu provozieren”, war. [23]


9/11, Tonkin und das JFK-Attentat

1964 verabschiedete der Kongress die Golf von Tonkin-Resolution als Reaktion auf US-Verteidigungsminister McNamaras Zusicherungen, dass es einen „eindeutigen Beweis” für einen zweiten „unprovozierten Angriff” auf US- Zerstörer gab. Heute wissen wir nicht nur, dass es keinen solchen zweiten Angriff gab, sondern auch, dass die kombinierten Schikanen der CIA-kontrollierten PT-Boote und US-Zerstörer in nordvietnamesischen Gewässern so provokativ waren, als wie einen solchen einzuladen. George Ball, der zu der Zeit ein Unterstaatssekretär im Außenministerium war, erklärte später in einem BBC-Radio-Interview im Jahre 1977:

US-Marine im Golf von Tonkin: Die USA schufen eine Verschwörungstheorie, um den Vietnamkrieg zu starten. In der Folge starben rund drei Millionen Menschen, darunter auch 58.000 Amerikaner.

US-Marine im Golf von Tonkin: Die USA schufen eine Verschwörungstheorie, um den Vietnamkrieg zu starten. In der Folge starben rund drei Millionen Menschen, darunter auch 58.000 Amerikaner.

„Viele der Menschen, die mit dem Krieg verbunden waren, suchten nach jeder Ausrede, um Bombenangriffe einzuleiten. Das Senden eines Zerstörers in den Golf von Tonkin wurde vor allem der Provokation wegen gemacht. … Es gab ein Gefühl, wenn der Zerstörer in einige Schwierigkeiten geriete, dass das die Provokation bieten würde, die wir brauchten.“ [24]

Das Golf von Tonkin-Tiefenereignis präsentiert eine Reihe von Ähnlichkeiten mit dem koreanischen Tiefenereignis 1950. Tonkin kann auch in drei verschiedenen Phasen analysiert werden: die Täuschung des Kongresses durch hochrangige Beamte, vorangebracht durch provokante Intrigen in Asien, und verstärkt durch die betrügerische Manipulation von Berichten innerhalb der NSA. (Alle drei Phasen kann man auch in den provokativen Manövern der USS Pueblo im Jahre 1968 erkennen, bei einem Zwischenfall oder Tiefenereignis, das nicht, wie es einige klar wollten, zu einer militärischen Reaktion gegen Nordkorea führte.) [25]

Wir wissen nunmehr aus einer kürzlich freigegebene hausinternen NSA-Geschichte, dass die NSA am 4. August 1964 122 Stücke an SIGINT (Signal Intelligence) besaß, die zusammengenommen deutlich machten, dass es keinen zweiten nordvietnamesischen Angriff am 4. August gab: „Hanois Marine war in der Nacht an nichts anderem als an der Bergung der zwei Boote beteiligt, die am 2. August beschädigt wurden.” Aber von diesen 122 Stücken wurden dem Weißen Haus nur fünfzehn bereitgestellt – „nur SIGINT, die den Vorwurf, dass die Kommunisten die zwei Zerstörer angegriffen hatten, unterstützte.“ [26]

In der Zwischenzeit, bei der CIA: „Am Nachmittag des 4. August (hatte) der CIA-Experten-Analyst zu Nord-Vietnam … den Schluss gezogen, dass wohl niemand auf die US-Schiffe gefeuert gehabt hatte. Er fügte einen Absatz in diesem Sinne in dem Artikel hinzu, den er für das aktuelle Geheiminformationsbulletin (Current Intelligence Bulletin) schrieb, das an das Weiße Haus und andere wichtige Behörden gekabelt werden und am nächsten Morgen gedruckt erscheinen würde. Und dann passierte etwas Einzigartiges. Der Direktor des Office of Current Intelligence, ein sehr hochrangiger Beamter …, stieg in die Eingeweide der Agency hinab, um die Streichung des Absatzes anzuordnen. Er erklärte: ,Wir werden das LBJ jetzt nicht erzählen. Er hat bereits beschlossen, Nord-Vietnam zu bombardieren.’” [27]

Die parallelen Ereignisse bei NSA und CIA veranschaulichen, wie eine gemeinsame bürokratische Denkweise oder Neigung zu einer militärischen Eskalation synergistische Reaktionen in verschiedenen Milieus erzeugen kann, ohne dass es unbedingt eine verschwörerische Absprache zwischen den beiden Behörden gegeben haben muss.

Von mehr als flüchtigem Interesse ist die Tatsache, dass die CIA in den 1960er Jahren noch immer hohe Beamte hatte, die glaubten, dass früher oder später ein Showdown mit den chinesischen Kommunisten unvermeidlich war, und die General Chennaults alten Vorschlag für eine großangelegte Landung Chiangs auf dem chinesischen Hauptland erneuert hatten.  [28] Dies scheint eine Reihe von manipulativen Eskalationsschritten in Laos zu erklären, die kurz vor den Tonkin-Zwischenfällen geschahen, mit einer ähnlichen Dynamik in Richtung einer Ausweitung des US-Kriegs über Süd-Vietnam hinaus. 1963-64 stellt man wieder, wie 1950, die intriganten lokalen KMT-Elemente fest, in diesem Fall Kräfte, die direkt am Opiumhandel beteiligt waren. [29]

Was 9/11 angeht, ist das Paradox zwischen oberflächlicher Ruhe und alarmierenden Warnungen so evident, wie es das 1950 war. Selbst der 9/11-Kommissionsbericht erkennt an, dass im Sommer des Jahres 2001 „das System rot blinkte” für einen al-Qaida-Anschlag. Ihre Dokumente widerlegen Condoleezza Rices Erklärung vom Mai 2002: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand voraussagen hätte können, dass diese Leute … versuchen würden, ein Flugzeug wie eine Rakete zu benutzen, ein entführtes Flugzeug wie eine Rakete.”  [30] Doch inmitten dieser Krise im August 2001 hielt die CIA schamlos entscheidende Hinweise vor dem FBI zurück, die, wenn sie geteilt worden wären, das FBI in ihren aktuellen Bemühungen, einen der angeblichen Entführer, Khaled al-Mihdar, zu lokalisieren, unterstützt gehabt hätten. Dieses Zurückhalten veranlasste einen FBI-Agenten zu dieser Zeit zutreffend vorherzusagen, „irgendwann wird jemand sterben.” [31]

Wie ich in der erweiterten Neuauflage meines Buches The War Conspiracy beschreibe, ähnelt dieses schuldhafte Zurückhalten von entscheidenden Hinweisen vor dem FBI durch die CIA dem Zurückhalten von wichtigen Informationen über Lee Harvey Oswald im Oktober 1963 vor dem FBI durch die CIA. Der ehemalige FBI-Direktor Clarence Kelley beklagte sich später in seinen Memoiren, dass dieses Zurückhalten der Hauptgrund war, warum Oswald am 22. November 1963 nicht unter Beobachtung stand.  [32] Mit anderen Worten, ohne diese Vorenthaltungen hätten weder das Kennedy-Attentat, noch 9/11 in der Art und Weise geschehen können, in der sie es taten.

Und ohne die Details zu verstehen, können wir sicher schließen, dass Operationen der CIA – des Tiefenstaats – irgendwie im Hintergrund verwickelt waren, ob unschuldig oder verschwörerisch, sowohl beim JFK-Attentat wie auch bei 9/11. Bezüglich der CIA-Informationsvorenthaltung vor dem FBI über Oswald hat selbst eine ehemalige CIA-Beamtin, Jane Roman, zugestimmt, dass dies „eine Art von  operativem Interesse [der CIA] an Oswalds Akte” indizierte.  [33] Lawrence Wright kam in einem Kommentar im New Yorker über die analoge Zurückhaltung von Informationen durch die CIA über al-Mihdar zu einem ähnlichen Schluss: „Die CIA könnte auch eine Operation im Ausland geschützt haben und hatte Angst, dass das FBI sie bloßstellen würde.” [34]

Kurz gesagt, aus dieser Perspektive ist 9/11 nicht ganz beispiellos in der Geschichte der USA. Es sollte nicht als einmalige Abweichung von der geordneten verfassungsmäßigen Regierung – ein Staatsstreich – gesehen werden, sondern als ein weiteres unerklärliches Tiefenereignis von der Art, die das amerikanische Verfassungssystem der offenen Politik und Bürgerrechte weiter erodieren ließ.


9/11: Nicht nur ein weiteres Tiefenereignis, sondern ein Verfassungs-Tiefenereignis

Es ist jedoch ein Tiefenereignis einer neuen und beispiellosen Ordnung. Tiefenereignisse, die mit der politischen Kontrolle des Landes verbunden sind, sind weitaus häufiger, als die meisten von uns erkennen. Seit den auffälligen Attentaten der 1960er und zu Anfang der 1970er Jahre – alles Tiefenereignisse – starben mindestens sechs Politiker in Einmann-Flugzeugabstürzen. Obwohl viele dieser Abstürze wohl zufällig waren, fällt auf, dass nur ein Republikaner auf diese Weise gestorben ist, im Gegensatz zu fünf Demokraten.  [35] Offizielle Berichte über den Tod von dreien dieser Demokraten – Senator Paul Wellstone und die Kongressabgeordneten Hale Boggs und Nick Begich – wurden in Frage gestellt, ebenso wie die sehr verdächtige „zufällige” Tod in einem Einmann-Flugzeugabsturz von UAW-Arbeiterführer Walter Reuther im Jahre 1970. [36]

JFK limousine cut offVon diesen Tiefenereignissen stechen einige – vor allem die Ermordung von JFK – als mit strukturellen Auswirkungen auf die amerikanische politische Gesellschaft verbundene heraus. Drei großen Kriegen Amerikas seit dem Zweiten Weltkrieg – Korea, Vietnam und jetzt Irak – sind Tiefenereignisse vorausgegangen, die kumulativ zur derzeitigen auf Krieg gründenden Wirtschaft Amerikas beigetragen haben. Auf diese Weise betrachtet fällt 9/11 in eine Reihenfolge, in der der zweite Tonkin-Zwischenfall und die Intrigen und Lügen im Juni 1950 über Korea vorausgingen.

Aber von all diesen Tiefenereignissen kann 9/11 als das erste gesehen werden, das nicht nur strukturelle, sondern auch verfassungsmäßige Auswirkungen gehabt hat. Denn mit der Einführung von COG vor 10.00 Uhr am 11. September 2001 hat sich der Status der US-Verfassung in der amerikanischen Gesellschaft verändert, in einer Weise, die sich noch immer durchsetzt. Was COG in der Praxis bedeutet, ist noch weitgehend unbekannt. Es ist jedoch klar, indem es Habeas Corpus und den Vierten Verfassungsanhang einschränkt, die Innovationen nach COG und 9/11 haben die US-Verfassungslage mehr wie die Situation in Großbritannien gemacht, wo schriftliche Satzungen ausdrücklich durch ein undefiniertes königliches Vorrecht eingeschränkt werden: eine Sammlung von Befugnissen, die dem Souverän zustehen, die keine gesetzliche Grundlage haben. [37]

Der Missbrauch der britischen königlichen Prärogative war eine der expliziten Beschwerden, die letztlich zur amerikanischen Revolution führten. Damals wie heute wurden sie mit imperialen Arrangements für die stehenden Heere, um Krieg zu führen, verknüpft. Man könnte sagen, dass im heutigen Amerika die Befugnisse, die zur Verhängung der globalen US-Dominanz in der Welt benötigt werden, abermals die Reichweite des verfassungsmäßigen öffentlichen Staat einschränken.

Das Ausmaß, in dem die Macht des Präsidenten von Kongress-Statuten eingeschränkt wird, wurde und wird kontinuierlich und ausführlich diskutiert werden. Es ist jedoch klar, dass die George W. Bush-Administration die extreme oder monarchische Auffassung wiederbelebt, die zum ersten Mal in der amerikanischen politischen Geschichte vom ehemaligen Präsidenten Richard Nixon ausgedrückt wurde: „Wenn der Präsident es tut, bedeutet das, dass es nicht illegal ist.” [38]

Jack Goldsmith, ein ehemaliger Stellvertretender Generalstaatsanwalt in George W. Bushs Justizministerium, hat berichtet, dass innerhalb des Weißen Hauses Cheneys Rechtsberater David Addington häufig argumentierte, dass „die Verfassung den Präsidenten ermächtigt, Vorrecht-Befugnisse auszuüben, um das zu tun, was in einem Ausnahmezustand notwendig ist, um das Land zu retten.”  [39] Goldsmith schlussfolgerte: „Die Präsidentschaft im Zeitalter des Terrorismus – die Terror-Präsidentschaft – leidet unter vielen Lastern der imperialen Präsidentschaft [Nixons].” [40]

Cheney, von Addington unterstützt, machte in seinem Iran-Contra-Minority-Report aus dem Jahre 1987 seine Überzeugung deutlich, dass sich „der Chief Executive gelegentlich verpflichtet fühlen wird, monarchische Vorstellungen des Vorrechts geltend zu machen, die ihm erlauben, das Gesetz zu überschreiten.” Cheney unterstützte diesen Anspruch mit dem Hinweis auf Jeffersons Louisianakauf, den Jefferson, ohne das Wort „Vorrecht” zu benutzen, durch „die Gesetze der Notwendigkeit, der Selbsterhaltung, des Dienstes an unserem Land, wenn es in Gefahr ist“, rechtfertigte.  [41] Aber die Cheney –Addington-Verteidigung eines fortdauernden Vorrechts in einem fortdauernden Krieg gegen den Terror hat weit mehr mit der britisch-monarchischen Rechtstheorie des 17. Jahrhunderts gemein als mit Jeffersons einzigen Rückgriff auf eine solche Maßnahme, nachdem er ein Leben lang den Begriff der Prärogativ-Macht angegriffen hatte. [42]

Als Teil des Arguments für eine hemmungslose oder monarchische Auffassung der Exekutive haben wir die Behauptung gesehen, dass der Präsident die Vertragsverpflichtungen, die Folter verbieten, ignorieren oder marginalisieren kann. Bevor COG am 11. September 2001 erklärt wurde, untersagte ein Netz von Gesetzen, die durch die Checks & Balances von allen drei Zweigen der Bundesregierung entwickelt worden waren, Folter. „Es war nicht von Dauer.” [43]

Im Einklang mit Cheneys COG-Planung in den 1980er Jahren hat die Bush-Administration ähnliche Eingriffe in Habeas Corpus vorgenommen, einem Recht der Magna Carta, vom englischen Parlament in einem Gesetz von 1679 bekräftigt und in der US-Verfassung erwähnt. Dennoch, bei der Definition der Verfassungskrise, in der wir jetzt stecken, ist es wichtig zu sehen, dass es kein noch nie dagewesenes, anomales Ereignis darstellt, sondern dass es in Entwicklungen verwurzelt ist, die über Jahrzehnte gingen.


9/11, Tiefenereignisse und die globale Dominanz-Denkart in der amerikanischen Gesellschaft

Die Kontinuität vergangener Tiefenereignisse ist Teil des Problems, vor dem jene stehen, die das zu verstehen und zu korrigieren wünschen, was ihnen zugrunde liegt. Denn die amerikanischen Mainstream-Medien (wie wir sie jetzt klar sehen) haben in den vergangenen Schutzlügen zu Korea, Tonkin und dem JFK-Attentat eine Rolle eingenommen, so dass sie, wie auch die Regierung, nunmehr ein demonstriertes Interesse daran haben, es zu verhindern, dass die Wahrheit über eines dieser Ereignisse herauskommt. [44]

Dies bedeutet, dass sich die aktuelle Bedrohung der verfassungsmäßigen Rechte nicht durch den Tiefenstaat allein ableitet. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, ist das Problem eine globale Dominanz-Denkweise, die nicht nur innerhalb des Washingtoner Regierungsviertels vorherrscht, sondern auch in den Mainstream-Medien und sogar in den Universitäten; eine Denkart, die die Eingriffe in die verfassungsrechtlichen Freiheiten akzeptiert, und die jene stigmatisiert oder zumindest mit Schweigen auf diejenigen reagiert, die von ihnen alarmiert werden.  [45] So wie die Annahme des bürokratischen Gruppendenkens eine notwendige Bedingung für den Aufstieg innerhalb des Staates ist, so ist die Annahme der Anstands-Vorstellung dieser Denkweise zunehmend eine Voraussetzung für die Teilnahme am allgemeinen öffentlichen Lebens geworden.

Innenraum Capitol Washington DCDies sagend, meine ich etwas enger gezogenes als den allgegenwärtigen „Geschäfts-definierten Konsens“ (business-defined consensus), von dem Gabriel Kolko einmal behauptete, dass er „eine zentrale Wirklichkeit” sei, die dem zugrunde läge, wie „eine herrschende Klasse ihre Politik betreibt.”  [46] Ich würde zustimmen, dass zumindest seit der Reagan-Ära die Denkweise, die ich beschreibe, mit der Mentalität einer Oberwelt identifiziert wurde, welche entschlossen ist, ihre Privilegien auf Kosten der übrigen Gesellschaft zu schützen und auch sie zu vergrößern.

Aber die Denkweise, die ich meine, ist enger gefasst – ursprünglich besorgt um die Verteidigung und jetzt zunehmend um die Vergrößerung der Dominanz Amerikas in der Welt, in einer Ära der endlichen und zunehmend knapper werdenden Ressourcen. Und es ist auch zunehmend weniger ein Konsens, als vielmehr eine Arena der ernsten Spaltung und Diskussion.

Es ist klar, dass die Denkart nicht monolithisch ist. Es hat wiederkehrenden bemerkenswerten Dissens gegeben, beispielsweise als James Risen und Eric Lichtblau in der New York Times enthüllten, dass die Bush-Regierung, trotz des FISA Acts, sich in elektronischer Überwachung von Telefongesprächen innerhalb der Vereinigten Staaten ohne richterlichen Beschluss engagierte.  [47] Aber in anderen Fragen, insbesondere des Irak-Krieges, hat es die Times auffällig versäumt, die vernünftige kritische Rolle zu spielen, die sie in Bezug auf den US-Krieg in Vietnam gespielt hatte. Im Allgemeinen, wie Kristina Borjesson in ihrem vernichtenden Buch schreibt, „schwindet investigatives Berichten dahin…denn es ist teuer, zieht Gerichtsklagen an, und kann gegenüber den Unternehmensinteressen und / oder Verbindungen der Muttergesellschaft zur Regierung feindlich sein.”  [48] Und was kritisches Denken über 9/11 angeht, so ist die Washington Post, wie zuvor bei der Kennedy-Ermordung, ihm erwartungsgemäß aus dem Weg gegangen, die 9/11-Wahrheitsbewegung als „kakophonen und freilaufenden … Haufen von Verschwörungstheoretikern” darstellend. [49]

Laut einer Abfrage von Lexis Nexis hat die New York Times nicht über Attorney General Gonzalez’ berichtenswerte Behauptung berichtet, dass: „Es gibt keine ausgedrückte Gewährung von Habeas Corpus in der Verfassung.” (Die Washington Post berichtete darüber, ohne Kommentar, in einer Geschichte von 197 Wörtern)  [50] Und in der Frage der Folter hat selbst ein liberaler Harvard-Professor, Michael Ignatieff, in einem University Press-Buch von einem unparteiischen Ausgangspunkt aus – „eine Demokratie ist beidem verpflichtet, der Sicherheit der Mehrheit und den Rechten des Einzelnen” – eine alarmierende Verteidigung der „Zwangs-Befragung” vorgebracht. [51]


Tiefenereignisse als Intrigen innerhalb des globalen Dominanz-Konsens

Viele Kritiker der amerikanischen Außenpolitik auf der Linken neigen dazu, ihre erhebliche Kohärenz über die Zeit zu betonen, von den War-Peace Studies für die Nachkriegsplanung des Council on Foreign Relations in den 1940er Jahren, über Verteidigungsminister Charles Wilsons Plänen in den 1950er Jahren für eine „permanenten Kriegswirtschaft”, bis hin zu Clintons Erklärung vor den Vereinten Nationen im Jahre 1993, dass die USA „multilateral“ handeln würden, „wenn möglich, aber unilateral, wenn nötig.” [52]

Diese Sicht der Politik Amerikas hat manche überzeugt, vor allem Alexander Cockburn, die Abwesenheit einer kohärenten marxistischen Analyse des „fundamentalen Schwachsinns” und der „Dummheit” des „9/11-Verschwörungtheorietums“ zu beklagen.  [53] Aber es ist durchaus möglich, beides anzuerkennen; dass es laufende Kontinuitäten in der amerikanischen Politik gibt, und ebenso auch wichtige, versteckte und wiederkehrende interne Spaltungen, die zu Amerikas strukturellen Tiefenereignissen Anlass boten. Diese Ereignisse haben immer die Reibung zwischen der Wall Street und dem Council on Foreign Relations auf der einen Seite, und den immer mächtiger werdenden, von Öl und Militär dominierten Wirtschaftszentren des Mittleren Westens und des Texas Sunbelt auf der anderen einbezogen.

Zu der Zeit, als General MacArthur, auf seine Unterstützung im Mittleren Westen und in Texas zurückgreifend, damit drohte, Truman und das State Department herauszufordern, wurde die Opposition als eine zwischen den traditionellen Europa-Zuerst-Befürwortern des Nordostens und dem neuen Reichtum der Asien-Zuerst-Befürworter angesehen. In der Wahl 1952 war die außenpolitische Debatte die zwischen der Demokratischen „Eindämmung” und dem Republikanischen „Zurückdrängen“. Bruce Cumings, dabei Franz Schurmann folgend, schrieb später über die Spaltung, auch innerhalb der CIA, zwischen dem „Wall Street-Internationalismus” auf der einen Seite und dem „Cowboy-Stil-Expansionismus” auf der anderen. [54]

Viele sind der Definition von Michael Klare gefolgt, dass der Konflikt, selbst innerhalb des Council on Foreign Relations, einer zwischen „Händlern“ (Trader) und kriegerischen „Preußen“ (Prussians) war.  [55] Seit dem Aufstieg der sogenannten „Vulkane“ – insbesondere Donald Rumsfeld, Dick Cheney und Paul Wolfowitz, gestützt durch das Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert (PNAC) –, wurde der Kampf häufig als ein Kampf zwischen den Multilateralisten des Status quo und den Unilateralisten, die die unbestreitbare amerikanische Hegemonie verfolgen, beschrieben. [56]

Jedem der Tiefenereignisse, die ich erwähnt habe, und anderen, wie dem U-2-Zwischenfall, kann dieser Wettstreit zwischen handeltreibenden (multilateralen) und kriegerischen (unilateralen) Ansätzen zur Erhaltung der globalen US-Dominanz als zugrundeliegend angesehen werden. Jahrzehnte lang war die kriegerische Fraktion eindeutig eine Minderheit, aber es war auch eine aktivistische und gut finanzierte Minderheit, in deutlichem Gegensatz zu der relativ passiven und unorganisierten Händler-Mehrheit. Daher konnte sich die Vorliebe der Krieger für den Krieg, dank reichlicher Mittel vom militärisch-industriellen Komplex und auch einer Reihe von Tiefenereignissen, immer wieder durchsetzen.

Richard Bruce „Dick“ Cheney 2005Die 1970er Jahre können als Wendepunkt betrachtet werden, als eine von Paul Nitze angeführte CFR-Minderheiten-Fraktion, die Führungskräfte des militärisch-industriellen Komplex‘ wie David Packard und pro-zionistische, zukünftige Neocons wie Richard Perle vereinte, eine Reihe von militanten politischen Koalitionen wie das Committee on the Present Danger (CPD) schmiedete. Cheney und Rumsfeld, damals im Weißen Haus von Ford, nahmen an diesem Angriff auf die multilaterale Außenpolitik Henry Kissingers teil.  [57] Ende der 1990er Jahre nahmen Cheney und Rumsfeld, während sie heimlich die COG-Bestimmungen, die an 9/11 in Kraft gesetzt wurden, verfeinerten, auch offen an der Nachfolgeorganisation der CPD, dem Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert (PNAC), teil.

Donald RumsfeldVon seinem Büro aus, das als Schnittstelle zwischen CIA und der US Air Force diente, leitete Col. L. Fletcher Prouty ab, dass es ein einzelnes Geheim-Team innerhalb der CIA gab, welches aber nicht darauf beschränkt war, das nicht nur für die Tonkin-Zwischenfälle (zeitlich abgepasst, um die geplante Freigabe der Militäraktion gegen Nordvietnam zu ermöglichen) verantwortlich gewesen sei, sondern auch für andere Tiefenereignisse, wie dem U-2-Zwischenfall von 1960 (der nach Meinung Proutys geplant und zeitlich festgelegt war, um die Gipfelkonferenz zwischen Eisenhower und Chruschtschow zu durchkreuzen) und sogar die Ermordung von Präsident Kennedy (nach welchem sich das Secret Team „daran machte, die ganze Richtung des Krieges zu übernehmen und die Aktivität der Vereinigten Staaten von Amerika zu dominieren.”) [58]

In einer Sprache, die sowohl auf Korea 1950, als auch auf Tonkin 1964 anwendbar ist, argumentierte Prouty, dass die CIA einem Muster von Handlungen folgte, die „in Südostasien völlig außer Kontrolle gerieten:”

„Der heimliche Operator … bereitet die Bühne, indem ein sehr kleiner und sehr geheimer, provokativer Angriff von der Art gestartet wird, das er offene Repressalien mit sich bringt. Diese geheimen Attacken, die von Dritten oder von staatenlosen Söldnern begannen werden könnten, deren Materialien heimlich von der CIA geliefert wurden, werden zweifellos Reaktionen hervorrufen, was wiederum in den Vereinigten Staaten zu beobachten ist. … Es ist kein neues Spiel, [aber] es wurde unter Walt Rostow und McGeorge Bundy gegen Nord-Vietnam zu einer hohen Kunstform erhoben, um den Rahmen für die Golf von Tonkin-Angriffe zu stecken.“ [59]

Ich erwähne Proutys These hier, um meinen teilweisen Dissens davon aufzuzeichnen. Aus meiner Sicht lokalisiert seine Vorstellung von einem „Team” das, was ich die globale Dominanz-Denkweise nenne, zu eng in einer eingeschränkten Gruppe, die nicht nur Gleichgesinnte sind, sondern auch in konspirativer Kommunikation zueinander über einen langen Zeitraum stehen. Er stellt die Art von verschwörungstheoretischer Mentalität aus, die einst von William G. Domhoff kritisiert wurde:

„Wir alle haben eine enorme Neigung, daran glauben zu wollen, dass es eine geheime böse Ursache für all die offensichtlichen Übel der Welt gibt. …. [Verschwörungstheorien] ermutigen den Glauben, dass in der Welt alles gut wäre, wenn wir ein paar schlechte Menschen loswerden würden.“ [60]

Meine eigene Position ist immer noch jene, die ich vor Jahren als Reaktion auf Domhoff artikulierte:

„Ich habe immer geglaubt und argumentiert, dass ein wirkliches Verständnis der Kennedy-Ermordung nicht zu ,ein paar schlechten Menschen‘ führen wird, sondern zu den institutionellen und parapolitischen Arrangements, die die Art und Weise bilden, in der wir konsequent regiert werden.“ [61]

Das zitierend, was ich geschrieben hatte, fügte Michael Parenti hinzu: „In der Summe sind Verschwörungen des Nationalen Sicherheitsstaats [oder was ich Tiefenereignisse nenne] Bestandteil unserer politischen Struktur, nicht Abweichungen davon.” [62]

Das Ergebnis der Tiefenereignisse, die ich bisher erwähnte, ist vor allem eine Reihe von Siegen für die Krieger gewesen.  [63] Aber es gibt andere strukturelle Tiefenereignisse, insbesondere Watergate 1972-74 und Iran-Contra 1986-87, die wenn nicht als Siege für die Händler, so doch zumindest als temporäre Rückschläge für die Krieger gesehen werden können. In The Road to 9/11 habe ich versucht zu zeigen, dass Cheney und Rumsfeld, während sie im Weißen Haus von Ford saßen, den Rückschlag durch die Post-Watergate-Reformen bitter übel nahmen, und sofort setzten sie eine Reihe von Schritten in Bewegungen , um sie umzukehren. Ich argumentiere darin, dass der Höhepunkt dieser Schritte die Verhängung der von ihnen lange geplanten COG-Bestimmungen nach 9/11 war, die unter ihrer Aufsicht seit den frühen 1980er Jahren formuliert wurden.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich die kriegerische Position, die zunächst die einer marginalen, aber konspirativen Minderheit war, somit von der Reagan- und Bush-Präsidentschaft an mehr und mehr zu einer zentralen Position hinbewegt. Dies wird auch durch den Aufstieg des Einflusses des Council for National Policy seit 1981 symbolisiert, der ursprünglich von Texas-Öl-Milliardär Nelson Bunker Hunt gegründet wurde, um explizit den Einfluss des Council on Foreign Relations wettzumachen.  [64] Die 1950er Jahre mit dem gegenwärtigen Jahrzehnt vergleichend, ist es auffällig, wie sehr der Status des State Department vis-à-vis dem des Pentagon zurückgegangen ist. Mit der beschleunigten Militarisierung der US-Wirtschaft stellt sich die Frage, ob sich eine mehr den Händlern genehme Außenpolitik je wieder durchsetzen kann.

Und seit 9/11, vor allem mit dem Einrichten von unbekannten COG-Verfahren, haben einige von der Gesamtuntergrabung der Demokratie durch eine neue imperiale Präsidentschaft im Weißen Haus von Bush gesprochen. [65]


9/11, die Bedrohung der Verfassungsrechte und der Kongress

Ein Skeptiker könnte beobachten, dass es immer noch einen Kongress mit verfassungsmäßigen Befugnissen zur Überprüfung und Einschränkung dessen gibt, was die Exekutive tut. Und es ist wahr, dass ein gemeinsamer Kongress-Ausschuss im Jahre 2002 die CIA- und FBI-Aktivitäten vor und nach 9/11 untersuchte.  [66] Die Befugnisse des Kongresses sind jedoch geschwächt worden. Ein wesentlicher Teil dieses Berichts, der sich genau mit der Beziehung der CIA und der Saudi-Regierung zu dem angeblichen Entführer al-Mihdar befasst, wurde klassifiziert und von der Regierung zurückgehalten. Als einige der brisanten Informationen Newsweek zugespielt wurden, gerieten die Ausschussmitglieder und Mitarbeiter (und nicht die saudische Regierung) in den Fokus einer strafrechtlichen Informationsleck-Untersuchung des FBIs.  [67] Der Vorsitzende, Senator Bob Graham, „dachte, dass die Leck-Untersuchung eine offensichtliche Anstrengung der Regierung war, den Kongress einzuschüchtern. Und wenn das die Absicht war, funktionierte sie. Mitglieder des gemeinsamen Ausschusses und ihre Mitarbeiter wurden durch Angst zum Schweigen über die Untersuchung gebracht.“ [68]

Abraham LincolnEs scheint, dass die Wahl demokratischer Mehrheiten in beiden Häusern des Kongresses wenig bewirkt hat, um diesen Zustand zu ändern. Die elektronische Überwachung ohne richterlichen Beschluss (die der Präsident als COG-Vorschrift benannte)  [69] wurde durch den 110. Kongress im Protect America Act von 2007 gebilligt, ein Gesicht, das die Aufsicht des FISA Court beschränkte, wie es sich der Präsident gewünscht hatte. Der gleiche 110. Kongress versäumte es, den Military Commissions Act von 2006 rückgängig zu machen, der (wie Robert Parry im Baltimore Chronicle schrieb) „effektiv Habeas Corpus für Nicht-Staatsbürger, einschließlich rechtmäßig ansässige Ausländer eliminiert.” [70]

Gleichermaßen erschreckend hat der Kongress nur wenig oder gar keine Lust gezeigt, die übergreifenden Annahmen des Kriegs gegen den Terror herauszufordern oder auch nur in Frage zu stellen. Wir befinden uns noch immer in einem nationalen Notstand, der von Präsident Bush am 14. September 2001 ausgerufen wurde.  [71] Wie die Washington Times am 18. September 2001 schrieb: „Einfach durch Verkünden eines nationalen Notstands am Freitag, aktivierte Präsident Bush rund 500 ruhende gesetzliche Bestimmungen, einschließlich derjenigen, die ihm die Verhängung der Zensur und des Kriegsrecht erlauben.” Die Washington Times berief sich auf die präsidiale Proklamation 7463 vom 14. September 2001, „Erklärung des nationalen Notstands aufgrund bestimmter Terroranschläge” (“Declaration of National Emergency by Reason of Certain Terrorist Attacks”). Der Ausnahmezustand, der anschließend am 23. September 2001 durch die Executive Order 13224 erklärt wurde, wurde durch den Präsidenten am 20. September 2007 wieder verlängert. [72]


COG, NSPD-51, und die Herausforderung der Checks & Balances des Kongresses

Die verfassungsrechtlichen Implikationen dieses Ausnahmezustands wurden von der “National Security and Homeland Security Presidential Directive”, NSPD-51, des Präsidenten vom 9. Mai 2007 verstärkt, die (ohne auch nur in einer Pressemitteilung veröffentlicht zu werden) verordnete:

„Wenn der Präsident bestimmt, dass ein katastrophaler Notfall eingetreten ist, kann der Präsident übergreifende Regierungsfunktionen übernehmen und alle Aktivitäten des Privatsektors steuern, um sicherzustellen, dass wir aus der Not mit einer ,dauerhaften verfassungsmäßigen Regierung‘ hervorgehen.” [73]

Die Richtlinie schien, ohne es ausdrücklich zu sagen, die gesetzlichen Post-Watergate-Bestimmungen der Kongress-Aufsicht, die 1977 vom National Emergencies Act erlassen wurden, aufzuheben. [74]

Unter den großen Zeitungen berichtete nur die Washington Post über NSPD-51, indem sie feststellte, dass die „Richtlinie eine Verlagerung der Autorität weg vom Department of Homeland Security hin zum Weißen Haus formalisiert.”  [75] Sie fügte hinzu:

„Nach den 2001-Angriffen beauftragte Bush etwa 100 hochrangige zivile Manager, sich heimlich auf Standorte außerhalb von Washington für Wochen oder Monate zu bewegen, um das Überleben der Nation zu sichern; eine Schattenregierung, die sich auf der Basis langjähriger ,Operationskontinuitätspläne‘ herausbildete.”

The Washington PostDie Washington Post versäumte es jedoch anzumerken, dass diese Operationskontinuitätspläne, die angeblich die Aussetzung der Verfassung und möglicherweise des Kongresses beinhalten, geheim waren – die Frucht der über zwei Jahrzehnte langen Planung von Dick Cheney und Donald Rumsfeld, auch während der Zeit, als keiner der beiden Männer eine Regierungsposition innehatte. [76]

Nach dem Drängen von Wählern, darunter vielen Mitgliedern der 9/11-Wahrheitsbewegung, unternahm der Kongressabgeordnete Peter DeFazio den Versuch, die COG-Pläne in den klassifizierten Anlagen von NSPD-51 zu sehen. Sowohl ihm, als auch schließlich dem gesamten House Committee on Homeland Security wurde die Möglichkeit, diese Anlagen zu sehen, verweigert, indem argumentiert wurde, dass der Ausschuss nicht die erforderliche Zugangsberichtigung besäße. Dies hätte für den Kongress eine Linie im Sand sein müssen, um seine verfassungsmäßigen Rechte und Pflichten geltend zu machen. Wie ich schon an anderer Stelle berichtete:

„Die Geschichte, von der Mainstream-Presse ignoriert, beinhaltete mehr als das übliche Gerangel zwischen der Legislative und Exekutive der US-Regierung. Was auf dem Spiel stand, war ein Kampf zwischen den verfassungsmäßigen Aufsichtsbefugnissen des Kongresses und einer Reihe von politischen Plänen, die verwendet werden könnten, um die Verfassung zu ändern oder auszusetzen.“ [77]

Aber es scheint, dass der aktuelle Kongress nichts tun wird, um die Bemühungen des Kongressabgeordneten DeFazio für die Aufsicht des Kongresses über COG zu unterstützen.


Der Kongress und die andauernde Vertuschung von 9/11

9/11 Kommission SiegelZudem ergriff der 110. Kongress keine Maßnahmen, um sicherzustellen, dass alle Regierungsstellen mit den National Archives zusammenarbeiten, um die Verpflichtung der 9/11-Kommission, ihre Aufzeichnungen der Öffentlichkeit 2009 zu übergeben, zu erfüllen.  [78] Ein dies sicherstellendes Gesetz ist dringend erforderlich.

Das FBI hat Dokumente kooperativ in Bezug auf diese Verpflichtung freigegeben, und vor kurzem hat die CIA angefangen, ebenfalls zu kooperieren.  [79] Aber manche Bundesstellen, insbesondere die FAA und das Pentagon, kooperieren überhaupt nicht mit der Verpflichtung der 9/11-Kommission. Sowohl die FAA, wie auch das Pentagon lehnten die Freigabe wichtiger Aufzeichnungen gegenüber der 9/11-Kommission trotz ihrer gesetzlichen Befugnisse ab, bis sie durch eine Zwangsvorladung unter Strafandrohung dazu gezwungen wurden.  [80] Aber das Gesetz, das die 9/11 Kommission im Jahre 2002 schuf, hat keine rechtliche Bestimmung über ihre Aufzeichnungen für die Zukunft vorgenommen. [81]

Dies ist ein Anlass zur Besorgnis, da 9/11 eindeutig eine wichtige Neujustierung unserer traditionellen Verfassungsgleichgewichte und Bürgerrechte eingeleitet hat. Ich behaupte, dass eine energische Verteidigung der verfassungsmäßigen Traditionen dieses Landes einen kräftigen Druck zur Freigabe der Unterlagen der 9/11-Kommission erfordert, so dass wir beginnen, die Geheimnisse zu lösen, wie diese Verfassungskrise entstanden ist.

Kurz gesagt leben wir in einem laufenden Ausnahmezustand, dessen genauen Grenzen unbekannt sind, und das auf der Grundlage eines umstrittenen Tiefenereignisses – 9/11 –, das immer noch weitgehend ein Rätsel darstellt. Ohne der Vorstellung beizupflichten, dass ein Staatsstreich stattgefunden habe, würde ich kategorisch behaupten, dass eine radikal hegemoniale Denkweise, die sich vor allem in Vizepräsident Cheneys Büro lokalisiert, derzeit 9/11, den Krieg gegen den Terror und die geheimen COG-Anordnungen benutzt, um Vorrechts-Beschränkungen über die Checks & Balances der US-Verfassung auszuüben, ohne dass es eine wesentliche Herausforderung eines willfährigen Kongress und ebenso willfähriger Medien gäbe.

Peter Dale Scott


Weitere Artikel und Hintergründe von Lars Schall:


Autor Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor für Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit für seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunächst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er in dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurückkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-Bücher umfassen u. a.:

  • The War Conspiracy (1972)
  • Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
  • Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
  • The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
  • Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
  • Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
  • Oswald, Mexico, and Deep Politics (1994, 2013)
  • Drugs, Oil and War (2003)
  • The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (2007)
  • The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
  • American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten Gedichtbände sind die drei Bände der Trilogie “Seculum”:

  • Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
  • Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
  • Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

Zusätzlich hierzu veröffentlichte er:

  • Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
  • Mosaic Orpheus (2009)
  • Tilting Point (2011)

In seinen Prosa-Büchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“ / “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise: “All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, statt anerkannt werden.“ Damit verbunden sind “Tiefenereignisse” / “Deep Events”, die Scott als  “die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, “die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verändern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ‘Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens führt.”

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.


Textquelle: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «Washington DC» – http://pixabay.com
  2. «9/11 Memorial» – Photos by Colin Archer and Marc Steiner/Agency New Jersey
  3. «Der Tonkin-Zwischenfall» – Foto: U.S. Navia Naval Aviation News
  4. «JFK bevor er umgebracht wurde» – http://www.ninahale.com/lunchbreak-keyword-research-killed-jfk/
  5. «Innenraum Capitol Washington DC» – http://pixabay.com
  6. «Dick Cheney 2005» – CC-Lizenz http://de.wikipedia.org/wiki/Dick_Cheney
  7. «Donald Rumsfeld» – CC-Lizenz http://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Rumsfeld
  8. «Gedenkstätte Abraham Lincoln» – http://pixabay.com
  9. «The Washington Post – Gebäude» – http://de.wikipedia.org/wiki/The_Washington_Post
  10. «Siegel der 9/11-Commission» – http://de.wikipedia.org/wiki/9/11_Commission_Report

Fußnoten:

  1. In the single month of March 1962, the OAS set off an average of 120 bombs per day (“The Generals’ Putsch,” http://countrystudies.us/algeria/34.htm).
  2. BBC News, November 24, 2006: “Alexander Litvinenko wrote a book in which he alleged Federal Security Service (FSB) agents in Russia coordinated the 1999 apartment block bombings in the country that killed more than 300 people.”
  3. Gareth Jenkins, “Susurluk and the Legacy of Turkey’s Dirty War,” Terrorism Monitor, May 1, 2008, http://www.jamestown.org/terrorism/news/article.php?articleid=2374142.
  4. Nicholas Birch, Irish Times, November 26, 2005, http://www.ireland.com/newspaper/world/2005/1126/1908792893FR26TURKEY.html.
    Former Turkish president and prime minister Suleyman Demirel later commented on this incident that “It is fundamental principle that there is one state. In our country there are two….There is one deep state and one other state ….The state that should be real is the spare one, the one that should be spare is the real one.” (Jon Gorvett, “Turkey’s `Deep State’ Surfaces in Former President’s Words, Deeds in Kurdish Town,” Washington Report on Middle East Affairs, January/February 2006, http://www.washington-report.org/archives/Jan_Feb_2006/0601037.html ).
  5. Jenkins, “Susurluk and the Legacy of Turkey’s Dirty War.” A Google search on June 7, 2008, for “Semdinli + PKK” in major world English-language publications yielded 157 results. Of these just two were from the United States. Of these one (Washington Times, December 6, 2005) did not mention the deep state’s involvement in the incident at all. The other (Newsweek, November 28, 2005) defined the deep state without mentioning its underworld involvement. A similar search for “deep state” revealed the same paucity of coverage in the U.S. media.
  6. Peter Dale Scott, The Road to 9/11: Wealth, Empire, and the Future of America (Berkeley and Los Angeles: University of California Press, 2007), 4-7, 14-17, etc.
  7. Scott, The Road to 9/11, 121-22, 124-27, 163-69.
  8. Scott, The Road to 9/11, 139-42, 150-60, etc.; Peter Lance, Triple Cross: How bin Laden’s Master Spy Penetrated the CIA, the Green Berets, and the FBI –and Why Patrick Fitzgerald Failed to Stop Him (New York: Regan/HarperCollins, 2006).
  9. Scott, The Road to 9/11, 153; citing Toronto Globe and Mail, November 22, 2001. It is no accident that the mainstream U.S. press have been silent, not just concerning this important fact, but also about the two books recording it: Peter Lance’s Triple Cross and my own The Road to 9/11. Triple Cross finally got mentioned by name in the New York Times, but only because its publisher, Judith Regan, was dismissed by Rupert Murdoch’s News Corporation (New York Times, December 19, 2006).
  10. On October 18, 2002, Attorney General John Ashcroft invoked the State Secrets Privilege in order to prevent disclosure of the nature of Edmonds’ work on the grounds that it would endanger national security.
  11. Daniel Ellsberg with Kris Welch, KPFA, 8/26/06,
    http://wotisitgood4.blogspot.com/2006/10/ellsberg-hastert-got-suitcases-of-al.html.
  12. Vanity Fair, September 2005. According to the ATC web site, “As one of the leading business associations in the United States, the American-Turkish Council (ATC) is dedicated to effectively strengthening U.S.-Turkish relations through the promotion of commercial, defense, technology, and cultural relations. Its diverse membership includes Fortune 500, U.S. and Turkish companies, multinationals, nonprofit organizations, and individuals with an interest in U.S.-Turkish relations.” It is thus comparable to the American Security Council, whose activities in 1963 are discussed in Scott, Deep Politics, e.g. 292.

    Edmonds has been partially corroborated by Huseyin Baybasin, another Turkish heroin kingpin now in jail in Holland, in his book Trial by Fire: “I handled the drugs which came through the channel of the Turkish Consulate in England.” But as he adds: “I was with the Mafia but I was carrying this out with the same Mafia group in which the rulers of Turkey were part.” Baybasin claimed he was assisted by Turkish officers working for NATO in Belgium (“The Susurluk Legacy,” By Adrian Gatton, Druglink Magazine, Nov/Dec 2006, http://adriangatton.com/archive/1990_01_01_archive.html).

  13. Also in 2003 former government consultant Chalmers Johnson declared, in an interview, that what happened in Florida after the 2000 election was a “coup d’état” (Critical Asian Studies, 35, no. 2 [2003], 303). In the same year Bill Moyers, a veteran of the Johnson White House, wrote of the G.W. Bush to realign government as “the most radical assault on the notion of one nation, indivisible, that has occurred in our lifetime” (Text of speech to the Take Back America conference sponsored by the Campaign for America’s Future, June 4, 2003, Washington, DC, http://www.commondreams.org/views03/0610-11.htm).
  14. Interview with Alex Jones, November 2, 2006, http://jonesreport.com/articles/021106_vidal.html.
  15. Ed Encho, “9/11: Cover For a Coup D’Etat?” OpEdNews, May 27, 2008, http://www.opednews.com/maxwrite/diarypage.php?did=7521.
  16. 9/11 Commission Report, 38, 326; Scott, Road to 9/11, 228-29.
  17. Scott, The Road to 9/11, 183-87; citing Ross Gelbspan, Break-ins, Death Threats, and the FBI: The Covert War against the Central America Movement (Boston: South End Press, 1991), 184; Alfonso Chardy, Miami Herald, July 5, 1987.
  18. Robert Parry, “Gonzales Questions Habeas Corpus“, Baltimore Chronicle, January 19, 2007, http://baltimorechronicle.com/2007/011907Parry.shtml.
  19. Cumings, The Origins of the Korean War, Vol II, 611, 613; quoting William R. Corson, The Armies of Ignorance: The Rise of the American Intelligence Empire (New York: Dial, 1977), 315–21; whole passage quoted in Peter Dale Scott, Drugs, Oil, and War: The United States in Afghanistan, Colombia, and Indochina (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2003), 61. Cumings quotes further from Dean Rusk’s testimony to Congress on June 20: ‘‘We see no present indication that the people across the border have any intention of fighting a major war for that purpose’’ (taking over South Korea). He notes that General Ridgway later said he “was shocked” by Dean Rusk’s reassuring testimony.
  20. Cumings, Origins, II, 600-01. My selective quotations cannot do justice to the complexity of Cumings’ book, which presents three different possible explanations for the outbreak of the war. Cumings depicts a contest for the future of the peninsula — and also Taiwan — in which local leaders on both sides were looking for support from their respective megapowers.
  21. Cumings, Origins, II, 547; citing Gavin McCormack, Cold War/Hot War (Sydney: Hale and Iremonger, 1983), 97; E. Gough Whitlam, A Pacific Community (Cambridge, MA: Harvard UP, 1981), 57-58.
  22. Cumings, Origins, II, 527.
  23. Cumings, Origins, II, 600, 601. Yi Pōm-sōk was a pro-Chiang advocate in Seoul of attacking North Korea. Kim Sōk-won was a Korean commander who had previously attacked North Korea. Tiger Kim was a Korean veteran of the Japanese army close to Rhee, and a war criminal.
  24. James Bamford, Body of Secrets (New York: Doubleday, 2001), 301. William Bundy has taken issue with this judgment, arguing that escalating the war north “didn’t fit in with our plans at all” (Robert McNamara, “The Tonkin Gulf Resolution”, in Andrew Jon Rotter, Light at the End of the Tunnel: A Vietnam War Anthology [New York: St. Martin’s Press, 1991], 83). But Ball was correct in reporting that bombing fit in with some people’s plans.
  25. Peter Dale Scott, The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2008), 178-215.
  26. Robert J. Hanyok, “Skunks, Bogies, Silent Hounds, and the Flying Fish: The Gulf of Tonkin Mystery, 2-4 August 1964,” Cryptologic Quarterly, declassified in National Security Archive Electronic Briefing Book No. 132, http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB132/relea00012.pdf.
  27. Ray McGovern, “CIA, Iran & the Gulf of Tonkin”, ConsortiumNews, January 12, 2008, http://www.consortiumnews.com/2008/011108a.html.
  28. Scott, War Conspiracy (2008), 132, cf. 67; citing Roger Hilsman, To Move a Nation (Garden City, N.Y.: Doubleday, 1967), 318, 314.
  29. Scott, War Conspiracy (2008), 88, 93-103.
  30. “National Security Advisor Holds Press Briefing”, White House Website, May 16, 2002, http://www.whitehouse.gov/news/releases/2002/05/20020516-13.html. We now know that on 9/11 there were a number of war games and exercises, including an exercise at the National Reconnaissance Office near Dulles Airport, testing responses “if a plane were to strike a building.” (Scott, Road to 9/11, 215-16; Evening Standard [London], August 22, 2002; Boston Globe, September 11, 2002, http://www.boston.com/news/packages/sept11/anniversary/wire_stories/0903_plane_exercise.htm ).
  31. 9/11 Commission Report, 259, 271; Lawrence Wright, The Looming Tower: Al-Qaeda and the Road to 9/11 (New York: Knopf, 2006), 352-54 (FBI agent). After 9/11 another FBI agent was even more bitter: “They [CIA] didn’t want the bureau meddling in their business – that’s why they didn’t tell the FBI…. And that’s why September 11 happened. That is why it happened….They have blood on their hands. They have three thousand deaths on their hands” (James Bamford, A Pretext for War: 9/11, Iraq, and the Abuse of America’s Intelligence Agencies [New York: Doubleday, 2004], 224).
  32. Clarence M. Kelley, Kelley: The Story of an FBI Director (Kansas City: Andrews, McMeel, & Parker, 1987), 268; quoted in Scott, The War Conspiracy (2008), 389.
  33. Jefferson Morley, Our Man in Mexico: Winston Scott and the Hidden History of the CIA (Lawrence, KA: University Press of Kansas, 2008), 196-98; discussion in Scott, The War Conspiracy (2008), 387-88.
  34. Lawrence Wright, “The Agent,” New Yorker, July 10 and 17, 2006, 68; discussion in Scott, The War Conspiracy (2008), 388-89.
  35. Republican Senators Heinz and Tower also died in plane crashes, but after collisions between two aircraft. Conservative Democrat Larry McDonald died when the civilian airliner KAL 007 was shot down by Soviet interceptors in September 1983.
  36. Michael Parenti, Dirty Truths (San Francisco: City Lights Books, 1996), 201, 206: “In the years before the fatal crash there had been assassination attempts against Walter and Victor [Reuther]. (Victor believes the attempt against him was intended as a message to Walter.) In each of these instances, state and federal law-enforcement agencies showed themselves at best lackadaisical in their investigative efforts, suggesting the possibility of official collusion or at least tolerance for the criminal deeds. … Third, like the suspicious near-crash that occurred the previous year, the fatal crash also involved a faulty altimeter in a small plane. It is a remarkable coincidence that Reuther would have been in two planes with the exact same malfunctioning in that brief time frame….In a follow-up interview with us, Victor further noted: `Animosity from government had been present for some time [before the fatal crash]. It was not only Walter’s stand on Vietnam and Cambodia that angered Nixon, but also I had exposed some CIA elements inside labor, and this was also associated with Walter …. There is a fine line between the mob and the CIA There is a lot of crossover. Throughout the entire history of labor relations there is a sordid history of industry in league with Hoover and the mafia .. . . You need to check into right-wing corporate groups and their links to the national security system.’ Checking into such things is no easy task. The FBI still refuses to turn over nearly 200 pages of documents regarding Reuther’s death, including the copious correspondence between field offices and Hoover. And many of the released documents-some of them forty years old-are totally inked out. It is hard to fathom what national security concern is involved or why the FBI and CIA still keep so many secrets about Walter Reuther’s life and death.”
  37. See discussion in Jack N. Rakove, “Taking the Prerogative out of the Presidency: An Originalist Perspective,” Presidential Studies Quarterly 37.1, 85–100; Frederick A.O. Schwarz, Jr. and Aziz Z. Huq, Unchecked and Unbalanced, Presidential Power in a Time of Terror (New York: Rodale, 2007), 153-58
  38. Interview with David Frost, aired May 11, 1977; in Schwarz and Huq, Unchecked and Unbalanced, 159; Robert D. Sloane, “The Scope of Executive Power in the Twenty-First Century: An Introduction”, Boston University Law Review 88:341, http://www.bu.edu/law/central/jd/organizations/journals/bulr/documents/SLOANE.pdf, 346.
  39. Jack Goldsmith, The Terror Presidency: Law and Judgment inside the Bush Administration (New York : W.W. Norton, 2007), 82.
  40. Goldsmith, The Terror Presidency, 183
  41. Minority Report, Report of the Congressional Committees Investigating the Iran-Contra Affair, 100th Congress. 1st Session, H. Rept No 100-433, S. Rept No. 100-216, p. 465.
  42. Schwarz and Huq, Unchecked and Unbalanced, 174.
  43. Schwarz and Huq, Unchecked and Unbalanced, 72; cf. Sloane, “The Scope of Executive Power”, 347.
  44. Cf. the investigative journalist and media critic Philip Weiss, “When Black Becomes White,” in Kristina Borjesson, Into the Buzzsaw: Leading Journalists Expose the Myth of a Free Press (Amherst, NY: Prometheus Books, 2002), 186: “The mainstream media’s response [to theories of the Kennedy assassination] has been a dull one – to solemnly and stoically report the government’s assertions, over and over.”
  45. Scott, War Conspiracy, 10, 383, 395.
  46. Gabriel Kolko, The Roots of American Foreign Policy (Boston: Beacon, 1969), xii-xiii.
  47. James Risen and Eric Lichtblau. “Spying Program Snared U.S. Calls”, New York Times, December 21, 2005.
  48. Borjesson, Into the Buzzsaw, 13. Even former George W. Bush spokesman Scott McClellan has referred to the media in his book as “complicit enablers” of Bush administration war propaganda (Scott McClellan, What Happened: Inside the Bush White House and Washington’s Culture of Deception [New York: Public Affairs, 2008], 70, 125).
  49. Washington Post, September 8, 2006. Cf. BBC, “Paranoia paradise,” April 4, 2002, http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/1909378.stm. \ The common tactic of such essays is to focus on absurdly eccentric beliefs, and try to pass them off as representative of all those criticizing received anti-conspiratorial opinion.
  50. Washington Post, January 23, 2007. However on May 4, 2008, the Post discussed the remark in a favorable review of former Republican Congressman Mickey Edwards’ book Reclaiming Conservatism: How a Great American Political Movement Got Lost — And How It Can Find Its Way Back.
  51. Michael Ignatieff, The Lesser Evil: Political Ethics in an Age of Terror (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2004), 8.
  52. E.g. Paul L. Atwood, “War and Empire Are and Always Have Been the American Way of Life”, Global Policy Forum, February 2006, http://www.globalpolicy.org/empire/history/2006/022006history.htm.
  53. Alexander Cockburn, “The Age of Irrationality: The 9/11 Conspiracists and the Decline of the American Left,” CounterPunch, November 28, 2006, http://www.counterpunch.org/cockburn11282006.html.
  54. Cumings, Origins, II, 123; cf. 13-14; Herbert Franz Schurmann, The Logic of World Power: An Inquiry into the Origins, Currents, and Contradictions of World Politics(New York: Random House, 1974).
  55. Michael Klare, Beyond the “Vietnam Syndrome” (Washington, D.C.: Institute for Policy Studies, 1981).
  56. E.g. Robert Wright, “All Quiet on the Western Front,” Slate, October 11, 2001, http://www.slate.com/id/117170/ .
  57. Scott, Road to 9/11, 57-61, etc. Cf. Jerry Sanders, Peddlers of Crisis: The Committee on the Present Danger and the Politics of Containment (Boston, MA: South End Press, 1983).
  58. L. Fletcher Prouty, The Secret Team: The CIA and Its Allies in Control of the United States and the World (1997), http://www.ratical.org/ratville/JFK/ST/.
  59. Prouty, The Secret Team (1997), Chapter II.
  60. G. William Domhoff, in Jonathan Vankin, Conspiracies, Cover-Ups, and Crimes: Political Manipulation and Mind Control in America (New York: Paragon House, 1991), 125-26.
  61. Scott, Deep Politics and the Death of JFK, 11.
  62. Michael Parenti, Dirty Truths (San Francisco: City Lights Books, 1996).
  63. This has been doubted in the case of the JFK assassination, notably by Chomsky. For my latest contribution to this old argument, see Scott, War Conspiracy (2008).
  64. Scott, War Conspiracy (2008), 14; Michael Standaert, Skipping Towards Armageddon: The Politics and Propaganda of the Left Behind Novels and the LaHaye Empire (Brooklyn, NY: Soft Skull Press, 2006), 112-14.
  65. Charlie Savage, Takeover: The Return of the Imperial Presidency and the Subversion of American Democracy (New York: Little Brown, 2007), 51. Strangely, Savage does not mention COG by name, but he refers to the decade of COG planning in the 1980s as evidence for his case that a “cabal of zealots” has been planning for “the return of the imperial presidency” ever since Cheney and Rumsfeld lost their posts in the Ford Administration.
  66. U.S. Senate Select Committee on Intelligence and U.S. House Permanent Select Committee on Intelligence, Joint Inquiry Into Intelligence Community Activities Before and After the Terrorist Attacks of September 11, 2001.
  67. See “The Saudi Money Trail,” Newsweek, December 2, 2002.
  68. Philip Shenon, The Commission: The Uncensored History of the 9/11 Investigation (New York: Twelve/Hachette, 2008), 54-55.
  69. “Addressing the nation from the Oval Office in 2005 after the first disclosures of the NSA’s warrantless electronic surveillance became public, Bush insisted that the spying program in question was reviewed `every 45 days’ as part of planning to assess threats to `the continuity of our government’” (Christopher Ketcham, “The Last Round-Up,” Radaronline, May 15, 2008, http://circleof13.blogspot.com/2008/05/last-roundup.html). Cf. President’s Radio Address, December 15, 2005, http://www.whitehouse.gov/news/releases/2005/12/20051217.html : “The activities I authorized are reviewed approximately every 45 days. Each review is based on a fresh intelligence assessment of terrorist threats to the continuity of our government and the threat of catastrophic damage to our homeland.”
  70. Parry, “Gonzales Questions Habeas Corpus”, Baltimore Chronicle, January 19, 2007.
  71. 9/11 Commission Report, 38, 326; Scott, The Road to 9/11, 228-29.
  72. White House Notice of September 20, 2007, http://www.whitehouse.gov/news/releases/2007/09/20070920-9.html.
  73. Jerome Corsi, “Bush makes power grab,” WorldNetDaily, May 23, 2007, \ http://www.worldnetdaily.com/news/article.asp?ARTICLE_ID=55824.
  74. Congressional Research Service Report for Congress, “National Emergency Powers”, updated August 30, 2007, pp. 10ss, http://www.fas.org/sgp/crs/natsec/98-505.pdf.
  75. Washington Post, May 10, 2007.
  76. Scott, The Road to 9/11, 183-87; citing James Mann, “The Armageddon Plan”, Atlantic Monthly (March 2004), http://www.theatlantic.com/doc/prem/200403/mann; James Mann, The Rise of the Vulcans: The History of Bush’s War Cabinet (New York: Viking, 2004), 138–45; James Bamford, A Pretext for War: 9/11, Iraq, and the Abuse of America’s Intelligence Agencies (New York: Doubleday, 2004), 70-74. Cf. Peter Dale Scott, “Congress, the Bush Adminstration and Continuity of Government Planning: The Showdown”, Counterpunch, March 31, 2008, http://www.counterpunch.org/scott03312008.html.
  77. Peter Dale Scott, “Congress, the Bush Adminstration and Continuity of Government Planning: The Showdown”, Counterpunch, March 31, 2008, http://www.counterpunch.org/scott03312008.html.
  78. Kean and Hamilton, Without Precedent, 312, cf. 9/11 Commission, Media Advisory, August 20, 2004, which set a date of January 9, 2009.
  79. The National Archives started a pilot project for the declassification of Commission records. According to their interim report, dated June 22, 2007, they have made progress with the Commission’s internal files. However the following excerpt shows that of other agencies, only the FBI was cooperating in 2007:

    FBI Decisions:

    • Declassified: 98 documents (241 pages)
    • Declassified, but needs referral elsewhere: 31 documents (132 pages)
    • Sanitized: 100 documents (400 pages)
    • Sanitized and needs referral elsewhere: 170 documents (1,067 pages)
    • Withheld in full: 4 documents (15 pages)

    The CIA, the agency with the second highest number of pages in this pilot, has indicated that they have “made no decision regarding how and when it will apply any resources to this request.”

    Other than FBI, we have received no official response from the other referral agencies (“Update on the Declassification of the Records of the 9/11 Commission,” June 22, 2007, http://www.archives.gov/declassification/pidb/meetings/06-22-07-tilley.pdf.)

    The CIA subsequently resolved to review relevant records.

  80. John Farmer, ”‘United 93’: The Real Picture”, Washington Post, April 30, 2006. Cf. Kean and Hamilton, Without Precedent, 87: “The staff front office suggested that the NORAD situation bordered on willful concealment.”
  81. Public Law 107-306, Nov. 27, 2002, Title VI, Section 610.
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NSA, PROMIS, Ptech und 9/11 – aktualisiert

von Lars Schall

In dem nachfolgenden Auszug aus dem im Entstehen begriffenen Buch “Tiefenpolitik, Methodischer Wahnsinn und 9/11: Eine Spurensuche zu Terror, Geld, Öl und Drogen“ (Arbeitstitel) stellt der unabhängige Finanzjournalist Lars Schall zwei wichtige Software-Entwicklungen vor, die beim viermaligen Versagen der Luftverteidigung am 11. September 2001 eine prominente Rolle gespielt haben könnten.


Zusätzlich zum nachfolgenden Buch-Auszug können Sie sich hier etwas näher mit dem PROMIS-Software-Skandal vertraut machen, und zwar in Form eines Dokumentarfilms von Egmont R. Koch, “Hacker mit Geheimauftrag”. Bezüglich der möglichen Verwicklung NSA-PROMIS-Insider Trading möchte ich ferner auf ein Interview verweisen, das ich mit NSA-Whistleblower Thomas Drake führte, Secret Information: The Currency Of Power – siehe hier.

Betreff: Datenkontrolle

u den Dingen, von denen man im Zusammenhang mit dem 11. September höchstwahrscheinlich noch nie so recht etwas vernommen hat, zählt das “Prosecutor’s Management Information System“, abgekürzt PROMIS. Hierbei handelt es sich um ein Softwareprogramm, das mit gar zu „magischen“ Fähigkeiten versehen zu sein scheint. Fernerhin ist PROMIS Gegenstand eines jahrzehntelangen Rechtsstreits zwischen seinem Erfinder, Bill Hamilton, und diversen Personen / Institutionen im Dunstkreis von Geheimdiensten, Militärs und Sicherheitsberaterfirmen.  [1]

Eine „magische“ Fähigkeit dieses, so ist anzunehmen, im Laufe der Zeit mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Programms, bestand offenbar von Anfang an darin, „simultan jegliche Anzahl von verschiedenen Computerprogrammen oder Datenbanken zu lesen und zu integrieren… unabhängig von der Sprache, in der die ursprünglichen Programme geschrieben wurden, oder von den operierenden Systemen und Plattformen, auf denen die Datenbank gegenwärtig installiert gewesen war.“ [2]

Und jetzt wird es interessant:

„Was würden Sie tun, wenn Sie eine Software besäßen, die denken könnte, jede wichtige Sprache in der Welt verstünde, die Gucklöcher in jedermanns Computer-,Umkleideraume’ bereitstellte, Daten in Computer einfügen könnte, ohne dass die Leute davon wissen, die leere Stellen jenseits menschlicher Nachvollziehbarkeit ausfüllen könnte, und die vorhersagen könnte, was die Leute tun – bevor sie es getan haben? Sie wurden sie wahrscheinlich benutzen, oder nicht?“ [3]

Zugegeben, diese Fähigkeiten klingen schwer verdaulich, und in der Tat mutet die ganze PROMIS-Geschichte, die Mike Ruppert im Verlauf von “Crossing the Rubicon” in all ihren bizarren Facetten und Wendungen darbietet, so an, als habe jemand eine Romanidee im Stile von Philip K. Dick und William Gibson entwickelt; gleichwohl basiert das, was Ruppert über PROMIS zusammengetragen hat, mitnichten auf puren Hirngespinsten, sondern auf nachprüfbaren, seriösen Quellenmaterialien sowie Ergebnissen persönlich unternommener Untersuchungen, die darauf warten, kritisch in Augenschein genommen zu werden.

Dies scheint umso dringlicher geboten, so man zu den PROMIS-Fähigkeiten hinzuzählt, „dass es unbestreitbar ist, dass PROMIS für eine weitgefasste Spanne von Verwendungszwecken durch Nachrichtendienste genutzt wurde, einschließlich der Echtzeit-Beobachtung von Aktien-Transaktionen an allen wichtigen Finanzmärkten der Welt.“ [4]

Wir haben es also mit einer Software zu tun, die

a) Computer- und Kommunikationssysteme infiltrieren kann, ohne bemerkt zu werden,

b) Daten zu manipulieren versteht,

und die

c) den weltweiten Börsenhandel in Echtzeit zu verfolgen in der Lage ist.

Punkt c) ist unter anderem relevant für all jene Dinge, die in den Bereich der niemals gänzlich aufgeklärten beziehungsweise zurückverfolgten Put-Optionen fällt, die unmittelbar vor dem 11. September getätigt wurden, und von denen der ehemalige Bundesbankchef Ernst Weltke sagte, dass sie „ohne ein bestimmtes Wissen nicht hätten geplant und ausgeführt werden können.“ [5]

Was es damit auf sich hat, dazu siehe diesen Artikel hier, der von mir auf Asia Times Online erschien, „Insider trading 9/11 … the facts laid bare“.

Die oben erwähnten Punkte a) und b) in Sachen PROMIS betreffend, waren diese im Sinne von Mike Ruppert zentral für das Ineinandergreifen von Mittel und Möglichkeit im Bunker unterhalb des Weißen Hauses, dem PEOC. In seinem Buch betrachtet er die Entwicklung der PROMIS-Software, ein Programm für Data-Mining, „dessen heutige Nachfolger eine wesentliche Rolle bei den Verbrechen vom 11. September gespielt haben. Während Dick Cheney eine separate Kommandokette über den Secret Service unterhielt, hatte er gleichzeitig die Möglichkeit, mittels einer Weiterentwicklung der PROMIS-Software Einfluss auf die Abläufe der FAA auszuüben, die von Ptech, Inc. entwickelt und verkauft wird – einem vom saudischen Terrorgeldgeber Yassin Al-Qadi finanzierten Unternehmen. Al-Qadi behauptet, Dick Cheney in Dschidda getroffen zu haben, bevor dieser Vize-Präsident geworden war, eine Behauptung, die Cheney nie öffentlich zurückgewiesen hat.“ [6]

Expressis verbis äußerte sich al-Qadi so: „Ich habe auch den US-Vize-Präsidenten und früheren Verteidigungsminister Dick Cheney in Dschidda getroffen, als er für einen Vortrag kam, der von der Dallah Group organisiert wurde. Ich sprach mit ihm für eine lange Zeit, und wir haben immer noch herzliche Beziehungen.“  [7]

Die Dallah Group ihrerseits wird verdächtigt, ein Financier von al-Qaida zu sein.

Zum Zeitpunkt von 9/11 wurden die Software-Programme, die Ptech herstellte, für hochsensible Aufgaben an den höchsten Stellen von fast jeder staatlichen Regierungsbehörde der U.S.A. genutzt.

Indira Singh

Indira Singh

Dass es dabei womöglich an kritischer Stelle nicht mit rechten Dingen zuging, erschließt sich aus der Geschichte der IT-Spezialistin Indira Singh. Anfang 2001 erhielt Singh vom Bankhaus J.P. Morgan Chase den Auftrag, ein ausgeklügeltes Computerprogramm im Bereich Risikomanagement zu entwickeln, dem es einerseits möglich sein sollte, auf das Risiko eines Extremereignisses reagieren zu können, und andererseits Muster von Geldwäsche, Bilanzbetrug und verbotenen Handelsaktivitäten aufzuspüren. „Angestrebt war die Verschmelzung aus Risk Management und Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture). Dafür benötigte Singh eine Software, die jedes Problem zu jeder Zeit sehen konnte. Kurz, eine Art Überwachungs-Software – zum Beispiel zur Verhinderung von Geldwäsche, aber auch eines Computersystemversagens. Wenn das Programm etwas entdeckte, sollte es in der Lage sein, eine sofortige Mitteilung zu geben – wenn nicht ,sogar das, was geschehen würde, in Echtzeit zu stoppen’”, erklärte Singh dazu später.  [8] Eine solche Software verfolgt also den Zweck, alles zu wissen und zu überschauen, was in einem Geschäft wie JP Morgan Chase an millionenfachen Transaktionen über den Globus verstreut vor sich geht – in Echtzeit.

Die Idee präsentierte sie unter anderem dem Interoperability Clearing House, einem DARPA-finanzierten Think Tank, und der Firma In-Q-tel, die aufs Engste mit der CIA verbunden ist. Mehrfach wurde ihr zwischen Dezember 2001 und April 2002 nahegelegt, den saudischen Software-Entwickler Ptech zu engagieren. Ptech produzierte eine Software, die Singh hätte gebrauchen können – und die Liste derer, die sie schon verwendeten, war lang: sie wurde unter anderem vom Weißen Haus benutzt, vom US-Finanzministerium (und damit auch vom Secret Service), von der US-Luftwaffe, US-Marine, FAA, CIA, dem FBI und dem US-Justizministerium, der Steuerbehörde IRS, sowie von Booz Allen Hamilton, IBM, Enron, und schließlich auch von der NATO.

Diese Kundenliste vermochte Singh zu beeindrucken, sodass sie Vertreter von Ptech zur Präsentation ihrer Software in die Büros von JP Morgan Chase bat. Dazu kam es schließlich im Mai 2002. Jedoch trat die Ptech-Delegation ohne die Software auf und legte auch ansonsten ein merkwürdiges Verhalten an den Tag. Daraufhin begann Singh intensiv über den Hintergrund von Ptech nachzuforschen. Worauf sie stieß, waren Hinweise, dass sich unter den Financiers und Programmierern von Ptech offenbar Mitglieder eines internationalen Netzwerks befanden, die nicht nur seit Jahren an Drogen- und Waffengeschäften sowie Geldwäscheaktivitäten beteiligt waren, sondern auch an Terrorismus in Form des WTC-Attentats von 1993. Herausstach insbesondere, dass zu den Ptech-Financiers Yassin Al-Qadi gehörte, der schon im Oktober 2001 durch die US-Regierung auf eine Terroristenliste gesetzt worden war – sprich sieben Monate, ehe die Ptech-Präsentation in den Räumlichkeiten von JP Morgan Chase, immerhin einem Top-Unternehmen der USA, stattfand.

Singh alarmierte ihren Arbeitgeber und das FBI. Von JPM Chase wurde sie alsbald im Juni 2002 entlassen, und die Untersuchung des FBI versandete – als Teil der “Operation Green Quest” – schließlich im Niemandsland, nicht zuletzt aufgrund direkter Druckausübung seitens des Weißen Hauses. Auch ist bekannt, dass der damalige Direktor von Ptech, Yaqub Mirza, hochrangige Kontakte zum FBI unterhielt.  [9]

Der CBS-Journalist Joe Bergantino, mit dem Singh im Fall von Ptech zusammenarbeitete, sagte in einem Interview mit dem National Public Radio, dass hinter Ptech womöglich der langjährige Plan gesteckt habe, „,ein Unternehmen in diesem Land und im Computersoftwaregeschäft [zu etablieren], das bundesstaatliche Behörden ins Visier nehmen und Zugang zu Regierungsdaten bekommen würde, um im Wesentlichen Terroristen dabei zu helfen, einen weiteren Angriff zu landen.’ Singh erklärte, wie gut positioniert Ptech war, um eine Krise wie 9/11 zu erschaffen: ,Ptech war zusammen mit der Mitre [Corporation] zwei Jahre vor 9/11 im Keller der FAA untergebracht. Ihr spezieller Job war es, sich Probleme der Interoperabilität anzuschauen, die die FAA mit NORAD [North American Aerospace Defense Command] und der Luftwaffe im Notfall hatte. Wenn irgendwer in der Position wäre, um zu wissen, dass die FAA – dass es da ein Zeitfenster gibt oder um eine Software einzufügen oder um irgendetwas zu verändern, wäre es Ptech zusammen mit Mitre gewesen.‘”  [10]

Rufen wir uns nun ins Gedächtnis zurück: Im PEOC hatte der Secret Service ein Computer-System, „das es ihnen erlaubte, das zu sehen, was die Radare der FAA sahen.” Peter Dale Scott bemerkt dazu, dass die Angelegenheit im Verantwortungsbereich von Ptech gelegen haben könnte, „das Interoperabilitätsverträge sowohl mit der FAA als auch dem Secret Service hatte.“ [11]

In einem Interview für From the Wilderness wurde Indira Singh explizit nach Mike Rupperts These befragt:

Könnte es aus Ihrer Sicht der Fall gewesen sein, dass Cheney Ptech benutzte, um die Funktion von Leuten bei der FAA und NORAD zu überwachen, die ihre Arbeit an 9/11 machen wollten, und dann dazwischenfuhr, um die legitime Reaktion auszuschalten?

Indira Singh: Ist es möglich von einer Software-Sicht aus? Absolut ist das möglich. Hatte er (Cheney) eine solche Fähigkeit? Ich weiß es nicht. Aber das ist das ideale Risikoszenario – eine übergreifende Sicht darüber zu haben, was bei den Daten vor sich geht. Das ist exakt das, was ich für J.P. Morgan machen wollte. Wissen Sie, was ironisch daran ist – ich wollte meinen Betriebsgefahr-Entwurf nehmen, der für ein Betriebsereignis da ist, das schief läuft, und ich wollte ihn exemplarisch machen für das Risiko extremer Ereignisse zur Überwachung quer durch nachrichtendienstliche Netzwerke. Was Sie beschreiben, ist etwas, von dem ich sagte: ,Junge, wenn wir das an Ort und Stelle gehabt hätten, 9/11 wäre vielleicht nicht geschehen.’ Als ich zu DARPA [Defense Advanced Research Project Agency] ging und diese Kerle dafür begeisterte, einen Entwurf für ein Extremereignisrisiko zu schaffen, dachte ich daran, genau das zu tun, von dem Sie sagen, dass es Cheney womöglich bereits gehabt hatte!” [12]

Wohl beinahe unnötig zu betonen, dass die 9/11-Kommission diesen heiklen Verbindungen nicht im Geringsten nachgegangen ist (was auch daran gelegen haben mag, dass einer ihrer beiden Vorsitzenden, Thomas Kean, ein Anleger der Investmentfirma BMI war, dem Mutterkonzern von Ptech).  [13] Weiterhin haben ebenso die großen Medien mit der entsprechenden Reichweite und Meinungsbildungskraft den Fall Ptech und die dazu gehörigen Überlegungen von Indira Singh weitestgehend unter den Tisch fallen lassen.

Ohne dass darüber im Bericht der 9/11-Kommission oder in den großen Medien berichtet worden wäre, entspricht es Tatsachen, dass am 10. September 2001 das sogenannte Special Routing Arrangement Service-Computerprogramm (SRAS) des 1963 gegründeten National Communications Systems (NCS) in einen „Übungsmodus“ versetzt wurde, um dann am nächsten Tag während der Terrorangriffe voll aktiviert zu werden. Aufgabe des SRAS-Computersystems ist es, spezielle Kommunikationsmöglichkeiten von Militär- und Regierungsstellen im Katastrophenfall bereitzustellen und aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus war es als Teil des Continuity of Government-Programms vorgesehen, das am 11. September ebenfalls aktiviert wurde.

Vollkommen ungeklärt ist die Frage, ob das SRAS-System im National Coordinating Center in Airlington, Virginia am 10. September in den „Übungsmodus“ wegen der Kriegsübungen versetzt wurde, die für den nächsten Tag anstanden, ob es Teil der diversen Kriegsübungen war – und vor allem aber: wer (mit welchem Motiv) den Auftrag zur Versetzung in den „Übungsmodus” erteilt hatte. Wir wissen lediglich von Brenton Greene, dem damaligen Chef der NCS-Behörde, dass das SRAS-System auf – wie er sich ausdrückte – „wundersame Weise auf den Übungsmodus gestellt wurde und daher am 11. September einsatzbereit war.“  [14]

Ins Auge stechend ist nicht minder, dass das militärische Warnsystem namens Information Operations Condition (Infocon), das zur Abwehr von Angriffen auf das Kommunikationssystem des Militärs eingerichtet worden war, 12 Stunden vor den 9/11-Angriffen auf die niedrigste Gefahrenstufe heruntergefahren wurde. Das bedeutete, dass es einfacher wurde, sich von außen unautorisierten Zugang zum Computernetzwerk des Militärs zu verschaffen, um es zu beeinträchtigen. Die Entscheidung, Infocon auf die niedrigste Gefahrenstufe zu setzen, oblag der Befehlsgewalt von Luftwaffen-General Ralph E. Eberhart, dem damaligen Chef von NORAD und dem US Space Command. Die Reduzierung des Gefahrenlevels geschah aufgrund einer, wie es hieß, „niedrigen Gefahr von Computerangriffen“. Während die Terror-Attacken am 11. September liefen, wurde das Infocon-Sicherheitslevel dann erhöht, während zugleich unter anderem Passwörter geändert und Zugangsschlüssel erneuert wurden, um klassifizierte Kommunikationsleitungen zu schaffen.  [15]


PROMIS

Zu PROMIS wäre in aller Kürze und Schnelle vorzutagen, dass die Fähigkeiten dieses Software-Programms, das von William A. Hamiltons Firma INSLAW ursprünglich für das US-Justizministerium angefertigt wurde, von Beginn an immens waren. Guy Lawson schildert in seinem Buch Octopus, dass INSLAWs Software als Data-Mining- und Verknüpfungs-Werkzeug deart durchschlagend erfolgreich war, dass der amerikanische Geheimdienstbehördenapparat die Software stahl, „um sie verdeckt einzusetzen. Die CIA hatte den Code neu konfiguriert und installierte ihn auf einem 32-Bit-Digital Equipment Corporation VAX-Minicomputer. Die Agency benutzte Front-Unternehmen, um die neue Technologie an führende Banken und Finanzinstitute wie die Federal Reserve zu verkaufen. Versteckt im Inneren des Computers war eine ,Hintertür‘, die die Geheimdienste befähigte, zum ersten Mal heimlich Finanztransaktionen digital zu überwachen. Die hochklassifizierte Initiative, bekannt als ,Follow the Money‘, erlaubte der Reagan-Administration, die geheime Finanzierung einer terroristischen Gruppe, die eine Disco in Berlin im Jahre 1986 bombardiert hatte, um einen US-Soldaten zu töten und zweihundert Zivilisten zu verletzen, bis zur libyschen Regierung zurückzuverfolgen. In Bob Woodwards Buch ,Veil‘ sagte der ehemalige CIA-Direktor William Casey, dass das geheime Geld-Aufspürungssystem eine seiner stolzesten Errungenschaften gewesen war.”  [16]

Das Programm, so Woodward weiter, ermöglichte die „Durchdringung des internationalen Bankensystems“, um so „einen steten Datenfluss von den realen, geheimen Bilanzen, die von vielen ausländischen Banken gehalten werden“, zu liefern.  [17]

Reynolds Weld Letter May 1985

Reynolds Weld Letter May 1985

Während er für die TV-Dokumentation des Public Broadcasting System (PBS) vom 12. Juli 1989 mit dem Titel Follow the Money interviewt wurde, räumte der ehemalige nationale Sicherheitsbeamte Dr. Norman A. Bailey ein, dass die NSA dem Follow the Money-Programm nachgegangen war, bei dem die PROMIS-Software von INSLAW illegal zum Einsatz kam. Er erklärte weiter, dass das Weiße Haus unter Reagan die NSA 1981 mit dem Implantieren „leistungsstarker Computer-Mechanismen” in drei großen Überweisungs-Clearinghäusern beauftragt hatte: CHIPS (das Clearing House Interbank Clearing System) in New York City, das Berichten zufolge Zahlungen und Abrechnungen für den Außenhandel, Devisenhandel und für syndizierte Kredite für seine 139 Mitgliedsbanken in 35 Ländern aufzeichnet; CHAPS in London, das Berichten zufolge ähnliche Funktionen für in Sterling lautenden Transaktionen übernahm, und SIC in Basel in der Schweiz, das Berichten zufolge die gleichen Arten von Transaktionen aufzeichnet, so sie in Schweizer Franken lauten. Dr. Bailey beschrieb die neue NSA Signal-Intelligence-Penetration des Bankensektors so, dass sie die Vereinigten Staaten in die Lage brachte, dem Geld zu folgen, das von ausländischen Regierungen an internationale Terroristen durch das internationale Bankensystem floss, indem die Überweisungsnachrichten von einer Bank zur anderen, wie sie in Echtzeit auftraten, abgefangen wurden. Er sagte ebenso in dieser PBS-Fernsehdokumentation, dass die neue NSA-SIGINT-Penetration des Bankensektors es den Vereinigten Staaten nicht nur ermöglichte, die Verschuldung gegenüber westlichen Banken von Regierungen, die in Gefahr waren, zahlungssäumig zu werden, festzustellen, sondern auch die illegale Weitergabe von Technologien an den Sowjetblock, insbesondere von integrierten Schaltungen, die für den Einsatz in Militär- und Verteidigungsanwendungen entwickelt worden waren und illegal über Tarnfirmen in drei europäischen Ländern – Schweden, Schweiz und Österreich – gekauft wurden. Die Follow the Money-Nachrichtenerkenntnisse halfen den USA bei der Unterbindung solcher Verkäufe, die für die Sowjetunion wichtig waren, da sie außerstande war, solch integrierte Schaltungen selbst herzustellen.  [18]

Dr. Baileys Worten nach wurde Libyen unter Reagan angegriffen, nachdem die Bankenüberwachung der NSA eindeutige SIGINT-Beweise erbrachten, dass Libyen den besagten Terroranschlag in Berlin finanziert hatte.

Die NSA erhielt 1981 für ihre neue Follow the Money-SIGINT-Mission vom US-Justizministerium eine nicht autorisierte, gegen das Urheberrecht verstoßene Kopie der IBM-Mainframe-Computer-Version von PROMIS. INSLAW hatte diese Version von PROMIS zuvor im gleichen Jahr zur Nutzung durch die Land and Natural Resources Division des Justizministeriums lizenziert. Das Justizministerium stellte schließlich sämtliche Zahlungen an INSLAW ein und trieb das Unternehmen in den Bankrott. Ein Vorwurf, den William Hamilton später erhob, war der, dass eine modifizierte Version der Bank-Überwachungsversion von PROMIS benutzt wurde, um die Erlöse aus Drogengeschäften nachzuverfolgen. Ferner sei die modifizierte PROMIS-Version für die Geldwäsche von Drogenprofiten benutzt worden, um verdeckte Operationen, die nicht genehmigt waren, zu finanzieren.

Der Nationale Sicherheitsrat holte sich später ein Rechtsgutachten für eine Expansion des Bankenüberwachungsprojekts der NSA ein, um es auf rund 400 große Geschäftsbanken auszuweiten, die das Interbankensystem bilden. Es gab auch Berichte über die Installation von PROMIS durch US-Geheimdienste in internationalen Finanzinstituten wie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Im Mai 1998 veröffentlichte Dr. Bailey eine Monographie mit dem Titel “The Strategic Plan That Won The Cold War“, die auf die Bedeutung der Follow the Money-Mission der NSA verweist. [19]

2008, als er für einen Artikel von Tim Shorrock für das Salon-Magazin interviewt wurde, sagte Dr. Bailey, dass die PROMIS-Datenbank und -Suchanwendung der NSA gegeben worden sei. Wie Salon seinerzeit schrieb: „Sein Eingeständnis ist die erste öffentliche Anerkennung eines ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters, dass die NSA die PROMIS-Software verwendete.” Er wurde auch dahingehend zitiert, dass INSLAWs „PROMIS das wichtigste Software-Element (war), das von der NSA eingesetzt wurde”, um die Echtzeit-Überwachung von Banküberweisungen durchzuführen.  [20]

PROMIS wurde außerdem in den 1980er Jahren von Oliver North verwendet, um im Zusammenhang mit der Continuity of Government-Planung Listen von potentiellen Gefahren für die nationale Sicherheit zu erstellen. Dafür eignete sich PROMIS aufgrund seiner Eigenschaft, wie ein Schleppnetz genutzt werden zu können, „um Daten über Personen zu ermitteln und zu sammeln – über Terroristen und Drogenhändler ebenso wie über politische Gegner und Dissidenten.“ PROMIS ließ sich „gezielt zur Fahndung nach Personen“ einsetzen und „eignete sich ebenso zur elektronischen Rasterfahndung.“  [21]

Danny Cosalero / 1947 geboren und 1991 gestorben

Danny Cosalero / 1947 geboren und 1991 gestorben

In den kommenden Jahren verkaufte ein weitläufiges Netzwerk aus Geschäftsleuten, Regierungsvertretern und Personen, die der Regierung Reagan / Bush nahe standen (beispielsweise Earl Brian, Peter Videniaks und Edwin Meese), die erweiterten Versionen von PROMIS an Unternehmen, Banken, Geheimdienste und Regierungen. Der mit William Hamilton zusammenarbeitende investigative Journalist Danny Cosalero nannte dieses Netzwerk „Oktopus“, dessen innerster Kern seinen Erkenntnissen nach „zurück zu einem dreckigen ,Old Boy‘-Netzwerk der CIA“ reichte, welches in den 1950er Jahren zu existieren begann, und Leute im weiteren Umfeld miteinschloss, die sich im Zentrum von Iran-Contra und BCCI befanden, beispielsweise Adnan Kashoggi.  [22]

Casolaros „Vermutung war, dass diese Gruppe innerhalb der CIA nicht nur in die Iran-Contra-Affäre verwickelt gewesen sei, sondern im großen Stil Waffen- und Drogenhandel betrieb sowie Verbindungen zum Organisierten Verbrechen, der Cosa Nostra, unterhielt, diverse Geheimdienste für sich einspannte, Firmen in den Bankrott trieb und in illegale Deals aller Art verstrickt war. Mit einigen Überlegungen lag Casolaro durchaus richtig, wie sich später herausstellte.“ [23]

Kurz vor Abschluss seiner Nachforschungen fand Casolaros Leben jedoch ein äußerst mysteriöses Ende: Anfang August 1991 wurde seine Leiche in einem Hotelzimmer in West-Virginia gefunden. Er lag nackt in einer Badewanne, die mit seinem Blut gefüllt war. An seinen Armen fand man tiefe Schnittwunden, die von einer Rasierklinge beigebracht worden waren. Der Vorfall wurde als Selbstmord gewertet. Von Casolaros Oktopus-Unterlagen, die er immer bei sich hatte, fehlte jede Spur. Berichten zufolge war er in dem Hotelzimmer einquartiert gewesen, um einen wichtigen Informanten zu treffen.

Casolaros Leichnam wurde – entgegen geltender Gesetze – einbalsamiert, ehe seine Familie über den angeblichen Selbstmord benachrichtigt wurde, was erst zwei Tage später geschah. Überdies wurde der Hotelraum, den Casolaro bezogen hatte, innerhalb kürzester Zeit professionell gesäubert, womit jede weitere forensische Untersuchung unmöglich gemacht wurde. Der deutsche investigative Journalist Egmont R. Koch, der den Fall PROMIS / Casolaro jahrelang recherchierte, schreibt: „Manches an diesem Tod blieb … äußerst dubios. Er warf mehr Fragen auf, als die Behörden zu beantworten in der Lage und bereit waren. Freunde und Bekannte behaupteten hartnäckig, hier sei ein Mord verübt worden, weil Casolaro seine Nase in Angelegenheiten gesteckt habe, die höchst einflussreiche Mitarbeiter der Regierung des Präsidenten George Bush äußerst einträglich betrieben. Casolaro stand angeblich vor der Aufdeckung des größten Regierungsskandals in der Geschichte der USA, gegen den Watergate oder die Iran-Contra-Affäre geradezu lächerlich wirken würden.“  [24]

Koch berichtet, dass modifizierte PROMIS-Versionen in insgesamt 88 Länder verkauft worden sein sollen. „Es spielte bei den Geschäften offenbar überhaupt keine Rolle, ob es sich um gegnerische Geheimdienste handelte oder die Länder sogar Krieg gegeneinander führten wie der Iran und der Irak. Das hatte seinen geheimen Grund.“ [25]

Der Grund war die in der modifizierten PROMIS-Version enthaltende „Hintertür“, die als eine Art „Trojanisches Pferd“ fungierte. Berichten zufolge soll sie vom Computerprogrammierer Michael Riconosciuto „auf einer Indianerreservation in Kalifornien“ hinzugefügt worden sein. [26]

Dahinter verbarg sich nachfolgendes Kalkül: „Wenn sich in das Programm eine ,Trap Door‘ installieren ließe, eine Art Hintertür oder Falltür, durch die sich jeder unerkannt in die Datenbestände einschleichen konnte, der bis zu dieser Tür zu gelangen und sie per Codewort zu öffnen vermochte, dann wären die gespeicherten ,Geheimnisse‘ des Nutzers offen zugänglich. … Es ist verschiedentlich gerätselt worden, wie diese Trap Door beschaffen ist. Rafi Eitans Mitarbeiter Ari Ben-Menashe berichtet, dass man ein Modem brauche und nur bestimmte Codewörter eintippen müsse, um den gewünschten Zugang zum Computer zu erhalten. Computerexperten zufolge, die Ben-Menashe befragt hat, sei diese Falltür oder Hintertür nicht auffindbar. Die Beschreibung ist jedoch etwas ,mager‘. Sie lässt offen, wie die Manipulation genau beschaffen war. Ein Programm wie PROMIS lässt sich manipulieren, indem es dort geändert wird, wo die Zugangsberechtigung zu diesem speziellen Programm geregelt wird. Will ein Unbefugter das Programm in seinem Sinn missbrauchen, muss er jedoch zunächst einen Zugriff auf den Computer haben. Als Insider hat er es leicht, weil der Computer vor ihm steht und er lediglich das Programm aufrufen müsste. Als fremder Einsteiger von außen muss er jedoch erst den Computer anwählen und ihn dann auch noch ,knacken‘, bevor er das Programm aufrufen und über die gespeicherten Daten verfügen kann.

Es gibt aber noch eine prinzipiell andere Lösung des Problems. PROMIS könnte so manipuliert worden sein, dass dem Programm eine Komponente beigefügt wurde, die auf die Systemsoftware wirkt und diese entscheidend verändert. Die Systemsoftware steuert die inneren Betriebsvorgänge der Anlage vom Mikroprozessor über die Terminals bis zu den Speicherplatten und verwaltet die Zugangsberechtigungen zum gesamten Computer mit seinen Programmen und Datenbeständen – nicht nur zu einem einzigen Programm. Sie vergibt und kontrolliert also auch Zulassungsprivilegien und Passwörter. Ein Eingriff an dieser Stelle ist die bessere Variante: Durch eine Art ,Tür‘ in der Systemsoftware kann dann mit einem Code oder ,Schlüssel‘ der ganze Computer geöffnet und das Programm PROMIS aufgerufen werden. Und in der Tat ließe sich die Manipulation der Systemsoftware via PROMIS so vornehmen, dass die ,Trap Door‘ nicht zu entdecken ist. Nur der vom Menschen in einer Programmiersprache geschriebene Quellcode ist auch für Menschen lesbar. Das Programm wird jedoch üblicherweise nicht im Quellcode ausgeliefert, sondern nur im maschinenlesbaren Objektcode.

Rafi Eitan und den anderen Nutznießern der trojanischen Variante von PROMIS konnte es allerdings ziemlich egal sein, wie die ,Hintertür‘ funktionierte – Hauptsache, die Manipulation war wirksam und blieb unentdeckt.“ [27]

Bekanntlich ist die Suche nach Erdöl und dessen Produktion mit erheblichen Kosten verbunden. Mit der modifizierten „Hintertür“-PROMIS-Software, wenn sie von großen Erdölunternehmen benutzt werden würde, ließen sich auf ziemlich billige Weise riesige und genaue Datenbestände und Kartendokumente über den Erdölbereich aufbauen. Des Weiteren könnte man im Terminwarenhandel theoretisch unbegrenzte Geldsummen generieren, so man die PROMIS-Software geschickt einsetzte. Den Möglichkeiten des Handelns aufgrund von Insider-Informationen waren kaum mehr Grenzen gesetzt.

Fakt ist, dass INSLAW dem US-Justizministerium 1983 den Quellcode von PROMIS lieferte. Eine Quellcode-Kopie wurde daraufhin von Peter Videniaks an Earl Brian weitergegeben, der den einträglichen Verkauf von PROMIS durch seine Firma Hadron organisierte. „Brian hatte sich mit dem Verkauf von PROMIS in einen Komplex aus Spionage und Waffenhandel eingeklinkt, der sich zur größten Geheimdienst-Operation entwickelte, die es je gegeben hat. Er ist dabei wohl in erster Linie als Marketing-Manager zu sehen, der in Staaten wie Australien, Südkorea oder Großbritannien PROMIS-Software an die Geheimdienste brachte.

Während Earl Brian das ,Computerprogramm mit Hintertür‘ vor Ort vermarktete, liefen die Fäden anderswo zusammen: etwa bei CIA-Chef William Casey in seiner Zentrale in Langley nahe Washington. Andere bedienten sich einfach der Software, beispielsweise Iran-Contra-Spezialist Oberstleutnant Oliver North im Nationalen Sicherheitsrat der USA. In Israel wahrte Rafi Eitan die Interessen seines Landes. Er eröffnete für PROMIS einen neuen Vertriebsweg mit Hilfe des Presse-Tycoons Robert Maxwell, der im Geschäft mit Banken und Geheimdiensten Millionen verdiente. Insbesondere über Maxwell führten die PROMIS-Spuren weiter in Richtung Europa und nach Deutschland.

Viele der Beteiligten am PROMIS-Geschäft kannten einander aus Intrigen und dunklen Geschäften um Macht und Geld. Etliche gehörten zur Reagan-Truppe aus dessen Gouverneur-Zeiten in Kalifornien, die dann in der Administration des Präsidenten in Washington neu Fuß fassten. Andere stießen aus dem Bereich der Geheimdienste hinzu. Ein Beispiel für finstere Machenschaften sind die verdeckten Verhandlungen wichtiger ,Wahlkämpfer‘ für Ronald Reagan mit dem Iran. Hinter dem Rücken des seinerzeit amtierenden Präsidenten Jimmy Carter nutzten sie 1980 das Drama um die gefangenen amerikanischen Botschaftsgeiseln in Teheran offensichtlich so perfide, dass Carter die Wahl verlor. Beteiligt an den Verhandlungen waren William Casey, Rafi Eitan, Earl Brian und Ari Ben-Menashe aus dem PROMIS-Umfeld.“ [28]

Im Hintergrund steht hierbei der Vorwurf, dass das Reagan-Team dafür Sorge trug, dass die Geiseln in der Botschaft der USA in Teheran erst nach den US-Präsidentschaftswahlen 1980 freigelassen werden würden. Dafür sollte das neue Regime des Iran dringend benötigte Waffenlieferungen erhalten. Tatsächlich wurden die US-Geiseln in genau den Sekunden freigelassen, als Ronald Reagan seine Amtseinführungsrede am 20. Januar 1981 beendete.

Earl Brians Firma Hadron benannte sich später in Analex um und wurde von QinetiQ aufgekauft, einem Dienstleister im Bereich der Informationssicherheit und elektronischen Kriegsführung. Der größte Aktienbesitzer von QinetiQ wurde wiederum die Carlyle Group, als dort Frank Carlucci den Vorsitz innehatte. Zu der Zeit, als Hadron mit der modifizierten PROMIS-Version einen Verkaufsschlager sondergleichen im Angebot hatte, war Carlucci der Direktor von Wackenhut gewesen, ehe er im November 1987 Verteidigungsminister der USA wurde.  [29] William Casey war wiederum ein Vorstandsmitglied und Rechtsberater von Wackenhut gewesen, ehe er 1981 Reagans CIA-Direktor wurde.

The Last CircleDie Journalistin Cherie Seymour, die die Oktopus-Recherchen von Danny Casolaro über mehr als anderthalb Jahrzehnte untersuchte, berichtet, dass sich ein beträchtlicher Teil von Casolaros Arbeit mit den geheimen Tätigkeiten beschäftigte, die Wackenhut auf dem gleichen Indianerreservat durchführte, auf dem Michael Riconosciuto der PROMIS-Software die gewünschte „Hintertür“ eingebaut haben soll. Riconosciuto, der schon mit Casolaro in regem Kontakt gestanden hatte, teilte Seymour mit, dass es sich dabei um die Cabazon-Reservation in Indio, Kalifornien handelte. Wackenhut führte auf dem Gelände Waffenentwicklungen und -tests durch, von denen möglichst wenige Menschen Notiz nehmen sollten. Casolaro interessierte sich für die Mordfälle von Fred Alvarez, Ralph Boger und Patricia Castro, die im Zusammenhang mit diesen Waffentests standen. Für seine Recherchen plante Casolaro, eine Reise zur Cabazon-Reservation zu machen. Dazu kam es nicht mehr. Seymour zufolge entdeckte Casolaro in der letzten Woche seines Lebens außerdem, dass es eine Verbindung zwischen Mike Abbell, einem ehemaligen Direktor für internationale Angelegenheiten des US-Justizministeriums, dem Cali-Kartell in Kolumbien und dem Geheimdienstmann Robert Booth Nichols gab. Letzterer hatte mit den Wackenhut-Tätigkeiten auf dem Indianerreservat zu tun und zählte zu Casolaros wichtigsten Informanten. Casolaros Freund Bob Bickel bestätigte späterhin, dass ein dahingehendes Gespräch kurz vor Casolaros Tod geführt worden sei; allerdings findet sich davon nichts in den offiziellen Untersuchungsberichten zum Tode von Danny Casolaro. Abbell wurde 1995 wegen Geldwäsche und organisiertem Verbrechen in Verbindung zum Cali-Kartell vor Gericht angeklagt.

William Hamilton für seinen Teil verwickelte das US-Justizministerium in langwierige Prozesse vor Gericht. Es entwickelte sich ein Rechtsstreit, der bis heute nicht beigelegt ist. Sobald Hamilton vor Gericht Recht zugesprochen bekam, ging das Justizministerium sogleich in Berufung. Ein Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war ein Report, den der Rechtsausschuss des US-Kongresses 1991 veröffentlichte. Darin wurde Hamilton und seinem Anwalt Elliot Richardson, einem ehemaligen US-Justizminister, bestätigt, dass das US-Justizministerium die PROMIS-Software gestohlen hatte.

Auf Nachfrage teilte mir William Hamilton mit, dass Richardson im Laufe der 1990er Jahren in Erfahrung brachte, dass die VAX 11/780-Version von PROMIS eines Tages auf mysteriöse Weise 1983 in der Weltbank in Washington auftauchte. Richardson forderte daraufhin den General Counsel der Weltbank auf, den Vorgang zu untersuchen. Dieser teilte Richardson schließlich mit, dass er nicht in der Lage gewesen sei, PROMIS-Spuren in der Weltbank zu finden. Später erfuhren Richardson und Hamilton allerdings durch eine eidesstattliche Erklärung von einem gewissen William Turner, dass er Dokumente aus der Weltbank und von BCCI gelagert habe, die aus dem Follow the Money-Projekt der NSA stammten. Er legte Aufzeichnungen über Überweisungen auf Konten in der Schweiz und den Cayman Inseln vor, die zu Leuten gehörten, die angeblich vom illegalen Vertrieb der PROMIS-Software profitierten. Auch behauptete Turner, dass er Kopien davon an Danny Casolaro übergeben habe, und zwar in der Nacht, ehe Casolaro in seinem Hotelzimmer in Martinsburg, West Virginia Anfang August 1991 tot aufgefunden worden war.


Ptech und Unternehmensarchitektur-Software

Derweilen war in den 1990er Jahren ein zunehmendes Interesse an sogenannter Unternehmensarchitektur-Software (Enterprise Architecture Software) erwacht. Unternehmensarchitektur befasst sich mit den Geschäftsprozessen eines Unternehmens / einer Behörde und der Unterstützung dieser Aktivitäten durch Informationstechnologie, um einen ganzheitlichen Blick auf alle Daten von allen Transaktionen, Prozessen und Interaktionen in einem Unternehmen oder einer Behörde in Echtzeit zu ermöglichen. Grundlage hierfür war das von John Zachman entwickelte „Zachman Framework“, das 1994 vom US-Verteidigungsministerium herangezogen wurde, um eine Unternehmensarchitektur mit dem Namen Technical Architecture Framework for Information Management (TAFIM) auszuarbeiten. Im gleichen Jahr wurde in Quincy, Massachusetts die Firma Ptech gegründet, und die Spezialität von Ptech bestand darin, eine besonders fortschrittliche Unternehmensarchitektur-Software anbieten zu können. Bereits zwei Jahre nach Firmengründung arbeitete Ptech mit der Forschungsgruppe des US-Verteidigungsministeriums, der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), zusammen. DARPA benutzte hierbei ein Ptech-Programm namens FrameWork, „um kommerzielle Software-Methodologien auf den Verteidigungssektor zu übertragen.“ [30]

DARPA war nur ein Kunde von vielen, die in rasanter Schnelle von Ptech gewonnen wurden. „Innerhalb von vier Jahren hatte Ptech einen Kundenstamm aufgebaut, der jeden Software-Drittanbieter vor Neid erblassen lassen würde”, schreibt der Journalist James Corbett in einer Zusammenfassung des Nexus Ptech – 9/11. „Vom Allerheiligsten des Weißen Hauses bis hin zur Zentrale des FBI, vom Keller der FAA bis zur Vorstandsetage von IBM, einige der am besten geschützten Organisationen der Welt, die auf einigen der am meisten geschützten Servern liefen und die sensibelsten Daten beherbergten, begrüßten Ptech in ihrer Mitte.“  [31]

Eine Veröffentlichung unter der Überschrift “IBM Enterprise Architecture Method enabled through Ptech FrameWork“ stellte die Zusammenarbeit in Sachen Enterprise Architecture (EA) zu dieser Zeit zwischen P-tech und IBM wie folgt dar:

„IBM und Ptech haben sich zusammengetan, um die EA eines Kunden für dessen gesamte Organisation zu dokumentieren und zu kommunizieren. Die IBM Global Services Enterprise Architecture Methode, die durch Ptechs FrameWork ermöglicht wird, wurde entwickelt, um es IBM-Beratern zu ermöglichen, EA-Projektmanagementaufgaben von hoher Qualität in kurzer Zeit und mit breiter organisatorischer Übersicht zu erstellen und abzuliefern. Mit FrameWork sammeln die IBM- und Ptech-Berater zusammen mit dem Kundenteam schnell Daten und entwickeln EA-Projektmanagementaufgaben, die entworfen sind, um umfassend, selbsterklärend und in der Lage zu sein, die komplexen Beziehungen zwischen der IT und den Geschäftszielen sowohl in Text-Anzeigen, als auch im grafischen Format darzustellen.

FrameWork ist eine leistungsfähige und anpassbare Unternehmensmodellierung, die die visuelle und logische Darstellung von Wissen in nahezu jedem gewünschten Präsentationsformat ermöglicht. Es ist ein dynamisch konfigurierbares Tool zum Erstellen von Modellen, zur Auswertung von Abfragen und zum Reporting.“  [32]

Indira Singh gab später die Auskunft, dass sich US-Wettbewerber von Ptech wie Popkins Software argwöhnisch darüber gaben, dass Ptech bevorzugt wurde, wenn es um Vertragsabschlüsse für klassifizierte Aufträge ging. Corbett stellt in seiner Auseinandersetzung mit Ptech fest, dass dem Unternehmen in der Tat binnen kürzester Zeit „die Schlüssel fürs Cyber-Königreich gegeben (wurden), um detaillierte Abbilder von diesen Organisationen aufzubauen, ihren Schwächen und Schwachstellen, und um zu zeigen, wie diese Probleme durch jene mit böser Absicht ausgenutzt werden konnten. Bei all ihrem unglaublichen Erfolg waren allerdings viele der Top-Investoren und -Mitarbeiter der Firma Männer mit Hintergründen, die rote Flaggen auf allen Ebenen der Regierung hätten hochgehen lassen müssen.

Die Firma wurde mit einem Startgeld von $ 20 Millionen gegründet, davon $ 5 Millionen von Yassin al-Qadi, einem wohlhabenden und gut verbundenen saudischen Geschäftsmann, der über seine Bekanntschaft mit Dick Cheney zu prahlen pflegte.  [33] Er hatte ebenso Verbindungen zu verschiedenen muslimischen Wohltätigkeitsorganisationen, die der Finanzierung des internationalen Terrorismus verdächtigt wurden.  [34] In der Folge von 9/11 wurde er offiziell zu einem ,Specially Designated Global Terrorist‘ von der US- Regierung erklärt und sein Vermögen wurde eingefroren.  [35] Zu der Zeit bestritten die Ptech- Eigentümer und das leitende Management, dass al-Qadi irgendeine andere Beteiligung am Unternehmen als seine ursprüngliche Investition habe, aber das FBI sagt jetzt, dass sie logen und das al-Qadi in Wirklichkeit weiterhin Millionen von Dollar in das Unternehmen durch verschiedene Frontorganisationen und Anlageinstrumente investierte.  [36] Unternehmens-Insider sagten FBI-Beamten gegenüber, dass sie nach Saudi-Arabien geflogen wurden, um 1999 Ptechs Investoren zu treffen, und dass al-Qadi als einer der Eigentümer vorgestellt worden war.  [37] Es wurde auch berichtet, dass Hussein Ibrahim, Ptechs Chefwissenschaftler, ein al-Qadi-Vertreter bei Ptech war,  [38] und al-Qadis Anwälte haben eingeräumt, dass al-Qadi-Vertreter selbst nach 9/11 weiterhin im Ptech-Vorstand gesessen haben könnten.  [39]

Ibrahim selbst war ein ehemaliger Präsident von BMI, einer in New Jersey ansässigen Immobilien- Investmentgesellschaft, die auch eine der ersten Investoren in Ptech war und zur Finanzierung von Ptechs Gründungsdarlehen beitrug. Ptech vermietete Büroräume und EDV-Anlagen von BMI [40], und BMI nutzte in New Jersey gemeinsame Büroflächen mit Kadi International, im Besitz von keinem anderen als dem Ptech-Lieblingsinvestor und Specially Designated Global Terrorist betrieben, Yassin al-Qadi.  [41] 2003 sagte Anti-Terror-Zar Richard Clarke: „BMI verkaufte sich öffentlich als Finanzdienstleister für Muslime in den Vereinigten Staaten, ihre Investorenliste legt die Möglichkeit nahe, dass diese Fassade nur ein Cover war, um terroristische Unterstützung zu verbergen.” [42]

Einer der Gründer von Ptech, Solomon Bahairi, hatte BMI ursprünglich zusammengesetzt, so fand Indira Singh während ihrer Recherchen heraus. Über Suheil Laheir, Ptechs Chef-Softwarearchitekten, gäbe es zu sagen, dass er „Artikel zum Lobe des islamischen Heiligen Krieges“ zu schreiben beliebte, „wenn er nicht an der Software schrieb, die Ptech mit detaillierten operativen Plänen der empfindlichsten Stellen in der US-Regierung versorgen sollte. Er zitierte auch gern Abdullah Azzam, Osama bin Ladens Mentor und Kopf von al-Maktab Khidamat, das die Vorstufe zu al-Qaida war.  [43]

Dass solch einer unwahrscheinlichen Ansammlung von Charakteren Zugang zu einigen der sensibelsten Stellen in der US-Bundesregierung gegeben wurde, ist verblüffend genug. Dass sie eine Software betrieben, um jeden Prozess und Betrieb innerhalb dieser Behörden zum Zweck der Suche nach systemischen Schwachstellen zu kartographieren, zu analysieren und zu betreten, ist ebenso verblüffend. Am meisten verstört aber vor allem die Verbindung zwischen Ptech und eben jenen Behörden, die in so bemerkenswerter Manier ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, die amerikanische Öffentlichkeit am 11. September 2001 zu schützen.


Ptech an 9/11: Der Keller der FAA

DatenkontrolleDenn zwei Jahre vor 9/11 arbeitete Ptech daran, mögliche Probleme oder Schwachstellen in den FAA-Reaktionsplänen auf Ereignisse wie eine terroristische Entführung eines Flugzeugs über den Luftraum der USA zu identifizieren. Laut ihrem eigenen Business-Plan für den Vertrag mit der FAA wurde Ptech Zugang zu jedem Prozess und System in der FAA gewährt, „das den Umgang mit ihren Krisenreaktionsprotokollen betraf.“ [44]

Der Businessplan, den Indira Singh der Öffentlichkeit bereitstellte, spricht davon, dass “(d)ie FAA die Notwendigkeit für die Erhöhung ihrer IT-Investitionen mit einem Mittel zur Zentralisierung von Aktivitäten und der Einführung von Konsistenz und Kompatibilität innerhalb der Betriebssystemumgebung (erkannte). Ein Ptech-Beratungsteam wurde organisiert, um eine Aktivitätsmodellierung zu verwenden, um Schlüsselfunktionen zu identifizieren“, die mit „Netzwerkmanagement, Netzwerksicherheit, Konfigurationsmanagement, Fehlermanagement, Performance-Management, Anwendungsadministration und Benutzer-Assistenz-Operationen” der FAA zu tun hatten. [45]

„Kurz, Ptech hatte freie Bahn, jedes FAA-System und jeden Prozess für den Umgang mit der genauen Art von Ereignis, das an 9/11 auftrat, zu untersuchen. Noch unglaublicher, Indira Singh weist darauf hin, dass Ptech speziell die potenziellen Interoperabilitätsprobleme zwischen der FAA, NORAD und dem Pentagon im Fall einer Notfallsituation über dem Luftraum der USA analysierte.“  [46]

In einem Radio-Interview erklärte Indira Singh zum Verhältnis von Ptech zur FAA:

„Sie arbeiteten mit der FAA, es war ein Gemeinschaftsprojekt von Ptech und Mitre, und … es ist interessant, sie suchten im Grunde nach den Löchern in der Interoperabilität der FAA-Reaktion mit anderen Behörden … in Notfällen, wie eine Entführung. Sie schauten sich also die Eskalation der Prozesse an, was die Menschen tun würden, wie sie reagieren würden im Notfall.“ Anschließend sollten sie Empfehlungen abgeben, wie die gefunden Löcher zu beheben seien. „Wenn nun jemand zu verstehen in der Lage war, wo die Löcher waren, war es Ptech, und das ist genau der Punkt. Und wenn jemand in der Lage war, Software zu schreiben, um diese Löcher auszunutzen, wäre es Ptech gewesen.“ Für den Fall, dass bei der FAA etwas schief ginge, so Singh, „und es einen Notfall mit einem bestimmten Flug (gäbe) und das Verteidigungsministerium informiert werden (müsse), ist das eine wirklich große Interoperabilitätssache, ein Signal muss in irgendeiner Weise oder Form gesendet werden, entweder von einem Menschen vermittelt, wie in den meisten Fällen, oder automatisch … auch wenn es von einem Menschen vermittelt wird, muss es auf einem Supercomputer initiiert werden, um eine ganz andere Abfolge von Ereignissen, Interventionen, dem Starten eines Abfangjägers, Meldungen nach oben und unten mit vielen anderen Organisationen wie NORAD, wie andere Radar-Bereichen, wie die örtliche Polizei (beginnen zu lassen). Dafür müssen also Blaupausen entwickelt und vorgezeichnet werden, und das ist der Punkt, an dem Unternehmensarchitektur ins Spiel kommt. Sie brauchen eine Art Blaupause, um all dies zusammen zu halten. Und das ist, worin Ptech so gut war. … Aufgrund des Umfangs der übergreifenden und weitreichenden Projekte, wenn man Unternehmensarchitektur betreibt, hat man in der Regel Zugang zu so ziemlich allem, was in der Organisation getan wird, wo es getan wird, auf welchen Systemen, was die Informationen sind, man hat so ziemlich Carte blanche. …  Mir wurde gesagt, sie hätten Passwörter-Zugang zu vielen Flugkontroll-Computern der FAA gehabt. Mir wurde gesagt, dass sie Passwörter zu vielen Computern hatten, von denen man oberflächlich denken würde, dass sie nichts mit dem Herausfinden von Löchern zu tun hätten, aber … wenn man als Unternehmensarchitekt nichts Gutes im Schilde führte, hätte man mit einem solchen Mandat in der Regel Zugriff auf alles.“ [47]

Im Zusammenhang mit der These von Mike Ruppert, dass im Auftrage von Dick Cheney in den Ablauf zwischen FAA und NORAD eingegriffen worden sein könnte, erinnerte Singh an die „vier Kriegsspiele, vier Simulationen, die am Morgen von 9/11 vor sich gingen“, und sagte, dass Mitre und Ptech höchstwahrscheinlich Simulationen durchgeführt haben müssen, um die Löcher im System zu beheben, die sie vor 9/11 auffanden. „Ich weiß nicht, ob sie das machten, aber so erledigen wir Dinge.“ [48]

In diesem Sinne rekapituliert Corbett: „Ptech hatte vermutlich auch Informationen über die Systeme, die die FAA, NORAD und andere während der Krisenreaktionsübungen wie Vigilant Guardian einsetzten, jener NORAD-Übung, die an 9/11 stattfand und Simulationen von entführten Jets beinhaltete, die in New York hineingeflogen, und entführten Jets, die in Regierungsgebäude flogen. Dies ist bedeutsam, weil es Hinweise darauf gibt, dass eben solche Übungen NORADs Reaktion auf die realen Entführungen verwirrten, die an diesem Tag stattfanden. Wie Forscher Michael Ruppert hinweist, könnte ein schurkischer Agent mit Zugang zu einer Ptech-Hintertür in die FAA-Systeme bewusst gefälschte Signale auf die FAA-Radare an 9/11 eingefügt haben. Dieses Szenario würde die Quelle des Phantom-Flugs 11 erklären, den die FAA an NORAD um 9:24 Uhr berichtete (nachdem Flug 11 bereits das World Trade Center getroffen hatte, ein Bericht, über deren Quelle die 9/11-Kommission behauptete, dass sie nicht in der Lage war, diese zu finden.

Kurzum, Ptechs Software lief auf den kritischen Systemen, die auf die 9/11-Anschläge an 9/11 reagierten. Die Software war für den ausdrücklichen Zweck konzipiert, seinen Nutzern einen kompletten Überblick über alle Daten, die durch eine Organisation fließen, in Echtzeit zu bieten. Der Vater der Enterprise-Architektur selbst, John Zachman, erklärte, dass man mit der Software vom Ptech-Typ, die auf einem sensiblen Server installiert ist, ,wissen würde, wo die Zugangspunkte sind, man würde wissen, wie man hinein kommt, man würde wissen, wo die Schwächen sind, man würde wissen, wie man ihn zerstört.‘

Ende der 1990er Jahre führte Robert Wright, ein FBI-Agent des Chicago Field Office, eine Untersuchung der Terrorismus-Finanzierung, die sich Vulgar Betrayal nannte. Von Anfang an wurde die Untersuchung durch höherrangige Beamte behindert; der Untersuchung waren nicht einmal angemessene Computer für die Erfüllung ihrer Arbeit zugewiesen worden. Durch Wrights Weitsicht und Beharrlichkeit gelang es jedoch, dass die Untersuchung einige Siege verzeichnete, darunter die Beschlagnahmung von $ 1.4 Millionen in US-Geldern, die zu Yassin al-Qadi zurückverfolgt wurden. Wright freute sich, als ihm ein hochrangiger Agent zugewiesen wurde, um ,den Gründer und Finanzier von Ptech‘ zu untersuchen, aber der Agent arbeitete nicht und schob während seiner gesamten Zeit an dem Fall lediglich Papier hin und her.

Kurz nach den Bombenanschlägen von 1998 auf afrikanische Botschaften begann Vulgar Betrayal einige Geldspuren offenzulegen, die al-Qadi mit dem Angriff verbanden. Laut Wright geriet sein Vorgesetzter, als er eine strafrechtliche Untersuchung der Verbindungen vorschlug, in Rage, indem er sagte: ,Sie werden keine strafrechtliche Ermittlungen eröffnen. Ich verbiete es jedem von ihnen. Sie werden keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen irgendeinen von diesen Geheimdienst-Subjekten eröffnen.‘ Wright wurde von der Vulgar Betrayal-Untersuchung ein Jahr später abgezogen und die Untersuchung selbst wurde im folgenden Jahr geschlossen.“ [49]

Ein weiteres Jahr darauf, die 9/11-Anschläge waren nunmehr geschehen, saß Indira Singha an der nächsten Generation des Risikomanagements und trat schließlich in Kontakt zu Ptech, um sich von der Firma deren EA-Software demonstrieren zu lassen. „Es dauerte nicht lang, ehe sie die Zusammenhänge zwischen Ptech und internationaler Terrorismusfinanzierung zu entdecken begann. Sie arbeitete erschöpfend daran, diese Verbindungen im Bemühen zu dokumentieren und zu entdecken, um das FBI in Boston davon zu überzeugen, ihre eigene Untersuchung von Ptech zu eröffnen, aber ihr wurde von einem Agenten gesagt, dass sie besser in der Lage wäre, dies zu untersuchen, als irgendjemand innerhalb des FBI. Trotz der anhaltenden Bemühungen von Singh und den Aussagen von Unternehmensinsidern, informierte das FBI keine der Behörde, die Verträge mit Ptech hatten, dass es Bedenken zu dem Unternehmen oder seiner Software gab.“ [50]


„Ist Ptech PROMIS?“

Unterdessen kontaktierte Singh den CBS-Journalisten Joe Bergatino in Boston. Bergatino benachrichtigte das Büro von Senator Charles Grassley. Daraufhin wurde Grassleys Büro ein Secret Service-Agent namens Charlie Bopp zugeteilt, der sich der Ptech-Sache annehmen sollte. Im April 2003 fand ein Treffen im National Threat Assessment Center (NTAC) des Secret Service statt, das Bopp arrangiert hatte. Im Laufe der Besprechung fragte einer der Secret Service-Agenten Singh: „Ist Ptech PROMIS?” [51]

In einer späteren Nacherzählung dieser Unterredung im NTAC bemerkte Singh gegenüber Mike Rupperts Website From The Wilderness: „Ich wusste bereits, was mit Danny Casolaro passiert war, und sie fragten mich, ob ich Kopien von Ptech hätte.“ Singh berichtete, dass der Secret Service über die Software sprechen wollte, nicht über die Leute hinter Ptech. „Indira wollte Namen nennen, aber Charlie ließ sie nicht. ,Wir können die Leute hinter Ptech nicht untersuchen‘, sagte Charlie. ,Vertrauen Sie mir einfach, lassen Sie uns auf die Software konzentrieren.‘ Sie gaben keine Begründungen an, sie sagten nur ,wir können nicht.‘“ [52]

Singh brachte in ihrer Nacherzählung für From The Wilderness zum Ausdruck, dass es Zeitverschwendung sei, wenn man nicht über die Leute hinter Ptech reden könne, „denn mit einer Software wie dieser kann man jetzt keine Hintertüren finden.“ [53]

Womit sie letztendlich meinte, dass keinerlei Spuren darüber hinterlassen worden wären, welche Ptech-Software wofür und von wem an 9/11 genutzt wurde (wenn sie denn genutzt wurde). [54]

Zurück zu James Corbett. Er berichtet, dass in den Räumlichkeiten von Ptech Ende 2002 eine Razzia aufgrund der Verbindungen zu al-Qadi stattfand. Dies geschah im Zuge der Operation Green Quest, die von der Zollverwaltung angeführt wurde und mehrere Bundesbehörden beschäftigte. „Am gleichen Tag der Razzia“, so Corbett weiter, „erklärte der Pressechef des Weißen Hauses, Ari Fleischer, das Unternehmen und seine Software als sicher.  [55] Mainstream-Nachrichtenartikel verteidigten Ptech, nachdem die Geschichte öffentlich wurde, gaben jedoch ungeniert zu, dass das Unternehmen über die Razzia Wochen im Voraus informiert war, in der Hoffnung, dass die Leser vielleicht nicht merkten, dass dies völlig den Zweck einer solchen Razzia sabotiert oder Zweifel an ihren Ergebnissen aufkommen lässt. [56] Schließlich führte Michael Chertoff eine Bemühung an, dem FBI die volle Kontrolle über Green Quest zu geben, was Zollbeamte dazu brachte, ihn der Sabotage der Untersuchung zu bezichtigen.  [57] Es wurden keine Anklagen unmittelbar nach der Durchsuchung von Ptech gegen al-Qadi oder sonst jemand mit Bezug zum Unternehmen erhoben. Chertoff wurde später Leiter der Homeland Security.

Der 9/11-Kommissionsbericht erwähnt Ptech nicht. Angesichts der unglaublichen Informationen über dieses Unternehmen und seine Verbindungen zu Specially Designated Global Terrorist Yassin al-Qadi, ist das vielleicht überraschend. Diese überraschende Auslassung wird jedoch noch ominöser, wenn verstanden wird, dass der Co-Vorsitzende der 9/11-Kommission, Thomas Kean, $ 24 Millionen aus einem Land-Deal schöpfte, an dem die mit al-Qadi verknüpfte Organisation BMI beteiligt war.“ [58]

Im Juli 2009 eröffnete das Boston Field Office des FBI ein strafrechtliches Verfahren gegen zwei ehemalige Führungskräfte von Ptech: zum einen gegen Oussama Ziade, einstmals Ptechs CEO, und zum anderen gegen Buford George Peterson, einstmals Ptechs CFO und COO. Ihnen wurde zur Last gelegt, die Ermittler über den Umfang von al-Qadis Investitionen und Verbindungen zu Ptech angelogen zu haben. Ferner wurde Ziade vorgeworfen, den Versuch unternommen zu haben, Transaktionen durchzuführen, die al-Qadis Vermögen betrafen – eine Straftat, da al-Qadi zu jenem Zeitpunkt ein Specially Designated Global Terrorist war.

Die Vorwürfe gegen Peterson wurden im Mai 2012 fallengelassen. Ziade dagegen hatte sich in den Libanon abgesetzt. Al-Qadi, der nach Angaben von Sibel Edmonds zum Gladio B-Netzwerk gehört, verließ die USA kurz nach den 9/11-Anschlägen, um zuerst nach Albanien und danach in die Türkei zu gehen; heute lebt er unbehelligt in Großbritannien, nachdem er von den Schwarzen Listen der Schweiz, EU und Großbritannien entfernt und eine Zivilklage gegen ihn in den USA im September 2010 eingestellt worden war.

Ptech operiert nach wie vor in den USA, wenngleich seit 2004 unter neuem Namen – GoAgile. Laut dem damaligen CEO Oussama Ziade unterhielt Ptech/GoAgile zu der Zeit weiterhin Geschäftsbeziehungen mit US-Regierungsbehörden, einschließlich dem Weißen Haus.

Laut Informationen, die ich von Mike Ruppert erhielt, ist Indira Singh „vor Jahren tief untergetaucht”.

Lars Schall


 

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Autor: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: Weltkugel auf Tastatur – Thorben-Wengert / pixelio.de
  2. Indira Singh – http://cdn.historycommons.org
  3. Reynolds Weld Letter May 1985 – http://gizadeathstar.com/
  4. Danny Cosalero – http://en.wikipedia.org
  5. The Last Circle by Cherie Seymour – http://www.bibliotecapleyades.net/sociopolitica/last_circle/0.htm
  6. Datenkontrolle – Bernd Kasper / pixelio.de

 

Fußnoten:

  1. Zur PROMIS-Saga siehe insbesondere Cherie Seymour: “The Last Circle: Danny Casolaro’s Investigation into The Octopus and the PROMIS Software Scandal”, Walterville, TrineDay, 2011.
  2. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon: The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil”, New Society Publishers, 2004, Seite 153.
  3. Ebd., Seite 154 – 155.
  4. Ebd., Seite 170.
  5. Ebd, Seite 239.
  6. Vgl. Michael Kane: “Simplifying the Case against Dick Cheney”, veröffentlicht auf From the Wilderness am 18. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/011805_simplify_case.shtml
  7. Siehe “Treasury action smacks of arrogance, violates human rights, says Al-Qadi”, veröffentlicht auf Saudia Online, 14. Oktober 2001, unter: http://www.saudia-online.com/newsoct01/news30.shtml
  8. Vgl. Jamey Hecht: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I”, veröffentlicht auf From The Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  9. Vgl. Kevin Ryan: “Another Nineteen“, Microblum, 2013, Seite 59.
  10. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America“, University of California Press, 2007, Seite 175.
  11. Ebd., Seite 379.
  12. Jamey Hecht: „PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I“, veröffentlicht auf From the Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  13. Vgl. Michael Kane: “The Journey of a Wall Street Whistleblower”, veröffentlicht auf 911truth.org am 1. März 2005 unter: http://www.911truth.org/article.php?story=20050301231231793
  14. Siehe „Probten US-Regierung und Militär den Ernstfall?“, veröffentlicht auf Hintergrund am 11. Januar 2011 unter: http://www.hintergrund.de/201101111314/hintergrund/11-september-und-die-folgen/probten-us-regierung-und-militaer-den-ernstfall.html
  15. Vgl. “Context of ‘September 10, 2001: Military ‘Infocon’ Alert Level Reduced because of Perceived Lower Threat of Computer Attacks’”, unter: http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a091001infoconnormal
  16. Guy Lawson: “Octopus: Sam Israel, The Secret Market, and Wall Street’s Wildest Con”, New York, Crown Publishers, 2012, Seite 144.
  17. Vgl. Vgl. Elliott Richardson: “INSLAW’s ANALYSIS and REBUTTAL of the BUA REPORT: Memorandum in Response to the March 1993 Report of Special Counsel Nicholas J. Bua to the Attorney General of the United States Responding to the Allegations of INSLAW, Inc.”, veröffentlicht hier.
  18. Vgl. Lars Schall: “Follow the Money: The NSA’s real-time electronic surveillance of bank transactions”, 2. Februar 2014, unter: http://www.larsschall.com/2014/02/02/follow-the-money-the-nsas-real-time-electronic-surveillance-of-bank-transactions/
  19. Siehe Norman A. Bailey: “The Strategic Plan that Won the Cold War”, veröffentlicht unter: http://www.iwp.edu/news_publications/book/the-strategic-plan-that-won-the-cold-war
  20. Siehe Tim Shorrock: “Exposing Bush’s historic abuse of power”, veröffentlicht unter: http://www.salon.com/2008/07/23/new_churchcomm/
  21. Egmont R. Koch / Jochen Sperber: „Die Datenmafia – Geheimdienste, Konzerne, Syndikate: Computerspionage und neue Informationskartelle“, Rowohlt, 1995, Seite 66.
  22. Cherie Seymour: “The Last Circle”, a.a.O., Seite 41.
  23. Koch / Sperber: „Die Datenmafia“, a.a.O., Seite 46
  24. Ebd., Seite 45.
  25. Ebd., Seite 74.
  26. Vgl. ebd., Seite 43.
  27. Ebd., Seite 77 – 79.
  28. Ebd., Seite 107 – 108.
  29. Vgl. Kevin Ryan: “Another Nineteen“, a.a.O., Seite 277.
  30. Jamey Hecht: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I”, veröffentlicht auf From The Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  31. James Corbett: 9/11 and Cyberterrorism: Did the real “cyber 9/11″ happen on 9/11?, 17. Juli 2009, unter: http://www.corbettreport.com/articles/20090717_cyber_911.htm
  32. Vgl. hier.
  33. http://www.saudia-online.com/newsoct01/news30.shtml
  34. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a91qlimoney#a91qlimoney
  35. http://ustreas.gov/press/releases/po689.htm
  36. http://boston.fbi.gov/dojpressrel/pressrel09/bs071509.htm
  37. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a99alqadiptech#a99alqadiptech
  38. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a94ptechbmi#a94ptechbmi
  39. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a99alqadiptech#a99alqadiptech
  40. http://www.boston.com/news/daily/03/ptech.htm
  41. http://www.investigativeproject.org/documents/case_docs/81.pdf
  42. http://www.investigativeproject.org/documents/testimony/77.pdf
  43. http://www.frontpagemag.com/readArticle.aspx?ARTID=8245
  44. Vgl. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  45. Vgl. Michael Kane: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR PART II”, veröffentlicht unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012705_ptech_pt2.shtml
  46. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  47. Vgl. Bonnie Faulkner: “Indira Singh , PTech and the 911 software”, Teil 2, auf Archive.org unter: https://archive.org/details/GunsNButterIndiraSinghPtechAndThe911SoftwarePt1Pt2
  48. Vgl. ebd.
  49. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  50. Ebd.
  51. Vgl. Michael Kane: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR PART II“, a.a.O.
  52. Ebd.
  53. Ebd.
  54. Vgl. ebd.
  55. http://www.forbes.com/2002/12/06/cx_ah_1206raid.html
  56. http://www.boston.com/news/daily/03/ptech.htm
  57. http://www.newsweek.com/id/58250/output/print
  58. http://www.insider-magazine.com/911Kean.pdf
Dänischer investigativer Journalist

KenFM im Gespräch mit Tommy Hansen

von KenFM

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die gesamte Welt in eine neue Ära der Geschichte katapultiert.

Mit dem 11. September wurden zahlreiche Kriege gerechtfertigt, und seit 2001 sind die USA in eine Nation, die Folter bis heute offiziell betreibt und mit 9/11 rechtfertigt. Der 11. September führte zum Patriot-Act in den USA, also zur massiven Bescheidung von Bürgerrechten. Der 11. September führte über den Hebel der NSA zu einem weltweiten Misstrauen gegenüber allen Ländern, die nicht bereit waren, den demokratiegefährdenden Weg der USA mitzugehen.

“Wer nicht für uns ist ist gegen uns!“ Dieser Satz des damaligen US-Präsidenten George W. Bush gilt unter Obama erst recht und hat mit der Drohnenpolitik seinen aktuellen Höhepunkt gefunden.

Auch ein Berufszweig ist seit dem 11. September besonders betroffen: Der Journalismus. Wer es bis heute auch nur wagt, kritische Fragen zu diesem Jahrhundertverbrechen zu stellen, das bis heute zu großen Teilen nicht aufgeklärt wurde, schießt sich ins Aus und begeht schnell finanziellen Selbstmord.

Sei „embedded“ oder ein Verschwörungstheoretiker – und damit Freund von Terroristen. Das ist die von den USA diktierte Linie, an der sich der Journalist zu orientieren hat.

KenFM gehört zu den wenigen Pressehäusern im deutschsprachigen Raum, das immer wieder Menschen die Gelegenheit bietet, den Fall 9/11 um weitere offene Fragen zu bereichern. Z.B. Mathias Bröckers, Daniele Ganser und Elias Davidsson.

Unlängst trafen wir den Journalisten Tommy Hansen, um mit ihm ein ausführliches Gespräch zu führen. Hansen lebt in Dänemark, arbeitet seit Jahren auf dem Gebiet der 9/11-Forschung und hat sich als freier Autor einen internationalen Ruf erarbeitet. Dafür hat der Mann einen hohen Preis bezahlt. Seine Familie brach den Kontakt ab, er wurde zum Einsiedler und lebte lange zurückgezogen im Wald.

All das hat ihn aber nicht vom eingeschlagenen Kurs abgebracht. Tommy Hansen ist ein investigativer Journalist aus dem Bilderbuch. Er hat die freie Presse als das verstanden, was sie ist: Das Immunsystem der Demokratie.

Tommy Hansen, der zu Beginn seiner Kariere als Schriftsetzer arbeitete, stellt uns im Gespräch eine revolutionäre Idee vor, die wir hiermit unterstützen wollen.

Er plant, die Printmedien auf ihrem Feld anzugreifen. Tommy Hansen will “das Internet ausdrucken“. Dafür wird eine Online-Zeitung ins Leben gerufen, so gestaltet wird, dass sie problemlos und ästhetisch ansprechend von Privathaushalten gedruckt und verteilt werden kann. Wir alle werden dabei zu Druckern und können somit Druck machen. Eine Idee, die so simple ist, dass wir uns fragen, warum vor Hansen niemand auf sie kam.

Das Interview mit Tommy Hansen stellt auch für KenFM einen entscheidenden Schritt dar. Die Zeit, in der der Internet-Journalismus nur im Netz zu finden war, ist vorbei. Wir werden haptisch und können so auch jene erreichen, die nur an Medien glauben, die sie in den Fingern halten können.

Auf das Feedback der Community sind wir sehr gespannt!


 

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von KenFM das Politmagazin

Beitragsbild: Tommy Hansen – Photo by Iben Katrine Hansen

9_11_sign

Ground Zero revisited! Das viermalige „Versagen“ der US-Luftabwehr an 9/11

Einen Blick in seine Schreibwerkstatt gewährend, schildert Lars Schall aus einem im Entstehen begriffenen Buch die Auffälligkeiten, die an 9/11 in Sachen Luftabwehr und Militärkriegsspiele auftraten. Wie er mit Fakten nahelegt: die ganze Geschichte der Reaktion auf die 9/11-Angriffe scheint noch lange nicht erzählt zu sein.

von Lars Schall

Indem wir nun näher hinschauen wollen, wie sich das rund um die Energy Task Force vom Frühjahr 2001 Geschilderte mit dem Ablauf eines alternativ betrachteten 11. September 2001 verträgt, darf vorab beinah banal festgestellt werden, dass kein Ereignis den Lauf der letzten Jahre so sehr geprägt hat wie der 11. September 2001. Nicht weniger wahr ist, dass der 11. September ein Terrain darstellt, auf dem die Tabu-Tretminen nur darauf warten, hochgehen zu dürfen. Wer mit alternativen Analysen aufwartet, um zu erklären, was an jenem ins kollektive Gedächtnis eingegangenen Tag geschah, muss damit rechnen, schleunigst als „Verschwörungstheoretiker“ unterster Schublade abgetan zu werden; womit jede weitere Diskussion hinfällig wird. Das gilt selbstredend ebenso für Michael C. Ruppert und sein über 670 Seiten schweres Buch Crossing the Rubicon, sofern es eine Deutung des 11. September 2001 wagt, die von der offiziellen Narration entschieden abweicht.

Umso bedeutsamer, dass Ruppert den Kriminalfall 9/11 in seiner Auslegung mit Quellen und Dokumenten zu unterfüttern weiß, die schwerlich als reine Hirngespinste wegzuwischen sind. Eventuell besteht darin auch ein Grund dafür, dass Rupperts im Sommer 2004 erschienenes Werk – gemessen an seiner Qualität und Bedeutung – noch nahezu unbekannt ist: es lässt sich schlechterdings in seiner Gänze kaum zerlegen und demontieren.

In solch einer Situation ist darüber hinweg schweigen die beste Empfehlung – gesetzt, man hat ein Interesse daran, dass die offizielle Narration weiterhin unangetastet bleibt. Als eine solche Interessengruppe darf zuallererst die der so genannten investigativen Journalisten und Terror-Experten identifiziert werden, deren Mantra nun seit Jahren in der Wiederholung der offiziellen Narration als Ultima Ratio mündet; die Mitglieder dieses Chores haben gegenüber Rupperts Werk erheblich an Glaubwürdigkeit einzubüßen.

Bei aller Schwäche, die es gewiss auch aufweist, ist es schade, dass dieses Buch bislang nicht in deutscher Sprache erhältlich ist. Die folgende Vorstellung soll dem Nachvollziehen des Inhalts dienen, indem die grundlegende Methode des Autoren Ruppert nachgezeichnet wird. Weiterhin möchte ich ausführlich auf ein anderes exzellentes Buch zurückgreifen, das gleichsam bisher nicht in deutscher Sprache vorliegt: The Road to 9/11 von Peter Dale Scott. Ich hoffe, allein dadurch und durch weitere eigens für dieses Buch übersetzte Passagen wird für den Leser ein Mehrwert geschaffen.


Methode & Motiv

So es um die angewandte Methode geht, mit der Ruppert den „Mordfall 9/11“ behandelt, ist diese wissenschaftlich und in sich stringent, da sie sich des kriminalistischen Prozedere bedient, das bei einem Mordfall angewandt wird. Wie Ruppert gleich im ersten Absatz auseinandersetzt:

„Eine Sache, die nicht bestritten werden kann, ist die, dass die Anschläge vom 11. September 2001 ein Mord waren. Von sämtlichen polizeilichen Untersuchungen wird keine gründlicher und exakter durchgeführt, als die der Tötung eines Menschen durch einen anderen. Wie uns so ziemlich jeder Text für Mordermittler lehrt, gehört die Gewissheit, dass Mordtaten gründlich und angemessen nach einheitlichen Standards untersucht werden, zu den grundlegendsten Erfordernissen der menschlichen Zivilisation.“ [1]

Ruppert, der beim Los Angeles Police Department (LAPD) gearbeitet hat, benennt als die drei Grundpfeiler einer Morduntersuchung die Ermittlung von Motiv, Mittel und Möglichkeit. Nur wenn alle drei Komponenten plausibel zusammen kommen, kann eine Beweisführung vor Gericht in einer Verurteilung jenseits allen Zweifels münden.

Als das Motiv hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 benennt Ruppert Peak Oil. In dem komplexen Gefüge, das Ruppert dem Leser präsentiert, so als sei dieser Teil einer Grand Jury, die über den Mordfall zu befinden hat, der in Crossing the Rubicon zur Anklage kommt, zieht sich als der rote Pfaden das Phänomen Peak Oil hindurch, das so genannte globale Olfördermaximum, und dessen Implikationen für die industrialisierte Welt. Diese können nicht zu hoch veranschlagt werden, handelt es sich doch bei den Brennstoffen Öl und Gas um das essentielle Fundament des – jedenfalls laut Peak Oil – zu Ende gehenden Industriezeitalters. [2]

Folgt man Ruppert, so ist Öl, der Hauptenergieträger unserer Welt, quasi die kleinste Matrjoschka-Puppe auf der Szenerie um uns herum: Krieg ist die größte im Sinne der Clausewitz’schen Expansion „als Politik mit anderen Mitteln“, Politik die nächste in ihrem Verhältnis zur Wirtschaft, die Wirtschaft als die folgende Verbindung zur Energie, und die Energie-Matrjoschka wiederum als innere Grundlage von allen zuvor genannten zusammen. Ohne Energie – die derzeitige Verschuldungskrise an dieser Stelle völlig hintan gelassen – wird Geld und das damit Mögliche wertlos beziehungsweise unmöglich, denn:

„Geld und Öl stehen beide für dasselbe: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Beide sind nutzlos, wenn es nichts zu kaufen, zu fahren oder zu essen gibt. Und doch gründet unser Wirtschaftssystem, das wir Kapitalismus nennen, das aber in Wirklichkeit etwas Anderes ist, auf Schulden, Fractional Reserve Banking, Derivate und Fiat-Währungen. Deshalb erfordert dies, dass es grenzenloses Wachstum in Unendlichkeit gibt, damit es überleben kann. Wachstum ist nicht möglich ohne Energie.“  [3]

Unsere gesamte Lebenswirklichkeit, abhängig wie sie von konstanter Strom- und Wasserversorgung ist, ja, die komplette Globalisierungswelle in ihren Ausformungen von Agrarbusiness, dem Logistik- und Transportwesen, der Plastik-, Elektrizitäts- und Automobilherstellung, Chinas und Indiens Boom, amerikanisch manifestiert: Wal-Mart-Moms – allesamt undenkbar ohne Öl als „Schmiermittel“ des weltumspannenden Zahnradwerks. Kurzum, Energie ist der kleinste gemeinsame Nenner; das, was die industrialisierte „Welt in ihrem Innersten zusammenhält“.

Zu den interessantesten graphischen Darstellungen, die Crossing the Rubicon in diesem Zusammenhang dem Jurymitglied präsentiert, zählt die Veranschaulichung der steigenden Weltbevölkerungsentwicklung seit Entdeckung der Brennstoffe Kohle, Öl und Gas im Vergleich zum seither stetig gestiegenen Verbrauch: Das Bild ist frappant und aufschlussreich in seiner Abhängigkeit voneinander, dass es einem Angesichts der düsteren Prognosen, die Peak Oil zulässt, bange werden kann. Stünde Peak Oil tatsächlich an, liefe dies schlicht und ergreifend auf milliardenfaches Sterben auf Erden hinaus.

Der berechtigten Einwände ungeachtet, die beim Phänomen Peak Oil erhoben werden können, darf in Rechnung gesetzt werden, dass sich Ruppert zumindest keineswegs als Trittbrettfahrer unter den Peak Oil-Analysten übte. So schreibt Richard Heinberg, einer der prominentesten Experten auf dem Felde Peak Oil, über Crossing the Rubicon und dessen Verfasser: „Mike Ruppert war einer der ersten Journalisten, die das Konzept und die Bedeutung von Peak Oil verstanden haben. Was noch wichtiger ist, er hat die Verbindungslinien gezogen: er versteht die Zusammenhänge zwischen diesem historischen Wendepunkt und den geopolitischen Ereignissen unserer Zeit.“.

Um zu demonstrieren, dass nicht nur er, Michael C. Ruppert, sich der Gefahren bewusst war, die während der Milleniumswende als „Peak Oil ante portas“ aufschimmerten, sondern auch bestimmte Eliten aus Politik, Finanzwelt und Ölindustrie, legt er zwei wichtige Aussagen vor, die diese Vermutung als begründet erscheinen lassen. Wenden wir uns zunächst einmal mehr der Studie zu, die James Baker, der frühere Außenminister unter Bush Senior und spätere Anwalt für Bush Junior anlässlich des Präsidentschaftswahl-Desasters im Jahre 2000, zusammen mit dem Council on Foreign Relations (CFR) im April 2001 veröffentlichte. Unter dem Titel Strategic Energy Policy Challenges for the 21st Century („Strategische Energiepolitik-Herausforderungen für das 21. Jahrhundert“) wurde dort folgender Ausblick gewagt:

„Starkes wirtschaftliches Wachstum rund um den Globus und neue globale Nachfragen nach mehr Energie haben das Ende des nachhaltigen Kapazitätsüberschusses bei Kohlenwasserstofftreibstoffen und den Beginn von Kapazitätsbeschränkungen bedeutet. Genaugenommen steht die Welt momentan gefährlich kurz davor, die gesamte weltweite Ölproduktion auszuschöpfen und so die Gefahr einer Ölkrise mit tiefergreifenderen Folgen, als wir sie in den letzten drei Jahrzehnten erlebt haben, zu erhöhen.

Diese Entscheidungen werden andere Ziele der US-Politik beeinflussen: Die US-Politik gegenüber dem Mittleren Osten; die US-Politik gegenüber der früheren Sowjetunion und China; den Kampf gegen den internationalen Terrorismus.“ [4]

Die steigenden Kosten, die sich aus dem Missverhältnis „weniger Angebot – mehr Nachfrage” ergeben, und die Folgen dieser Preisentwicklung auf die Märkte, ließen sich für Baker/CFR in einem prägnanten Satz zusammenfassen:

„Hochs des Ölpreises sind seit den 1940er Jahren immer von einer Rezession gefolgt worden.“ [5]

Ein ähnlich düsteres Bild der Unsicherheit entwarf Richard „Dick“ Cheney in seiner Funktion als CEO von Halliburton, als er im Herbst 1999, wie schon erwähnt, am Londoner Institute of Petroleum zu Protokoll gab:

„Wir als Branche haben uns mit dem ärgerlichen Problem auseinanderzusetzen gehabt, dass man, sobald man Öl gefunden und aus dem Boden gepumpt hat, sich umdrehen und noch mehr finden muss, oder man ist aus dem Geschäft. (…) Im Hinblick auf die Welt in ihrer Gesamtheit wird von den Ölfirmen erwartet, weiterhin ausreichend Öl zu finden und zu erschließen, um die tägliche Erschöpfung der Ölreserven um mehr als 71 Millionen Barrel auszugleichen, aber auch um neue Nachfrage zu befriedigen. Einigen Schätzungen zufolge wird das Wachstum des weltweiten Ölbedarfs in den kommenden Jahren bei jährlich 2 Prozent liegen, bei einem natürlichen Rückgang der Produktion aus bestehenden Reserven um, konservativ geschätzt, 3 Prozent. Das bedeutet, dass bis 2010 um die 50 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich erforderlich sein werden. (…) Wo wird dieses Öl also herkommen? Öl ist einzigartig durch seine strategische Natur. Wir reden hier nicht über Seifenflocken oder Freizeitbekleidung. Energie ist wahrhaft fundamental für die Weltwirtschaft. Der Golfkrieg hat diese Realität wiedergespiegelt. (…) Es ist der grundlegende, fundamentale Baustein der Weltwirtschaft. (…) Unsere Anhängerschaft besteht nicht nur aus Öl-Leuten aus Louisiana und Texas, sondern auch aus Softwareprogrammierern aus Massachusetts und besonders aus Stahlproduzenten aus Pennsylvania. (…) Nun, das Ende der Öl-Ara ist noch nicht erreicht, aber Veränderungen sind im Gange und die Branche muss bereit sein, sich dem neuen Jahrhundert und den bevorstehenden Veränderungen anzupassen, die vor uns liegen…“ [6]

Im Lichte dessen betrachtet, dass sich Dick Cheney also vollkommen im Klaren über die drohenden Konsequenzen von Peak Oil gab, ist es nunmehr umso wichtiger, zwei wesentliche Entwicklungen nach der Präsidentschaftswahl 2000 ins Auge zu fassen:

1. Sogleich vier Tage nach Amtsantritt der Bush-Administration berief Cheney eine “Energy Task Force“, die so genannte US National Energy Policy Development Group (NEPDG). Welche Teilnehmer der NEPDG was genau besprachen und zu welchem Fazit sie im Mai 2001 kamen, als die NEPDG ihre Beratungen abschloss, liegt wie im vorherigen Kapitel geschildert bis heute beinah gänzlich im Dunkeln verborgen. Zwar gab es juristische Bemühungen von Judical Watch und dem US-Kongress, die Papiere der NEPDG einsehen zu dürfen; doch das Weiße Haus blockte sämtliche dieser Initiativen jahrelang ab, bis der Oberste Gerichtshof der USA die Klage – unter widrig anmutenden Umständen – im Juli 2004 endgültig abwies.  [7] Von allen Dokumenten, die die NEPDG von Januar bis Mai 2001 auswertete, sind letztlich nur sieben Seiten je veröffentlicht worden. Diese sieben Seiten haben es allerdings in sich. Sie zeigen, wie Ruppert auflistet:

  • Eine detaillierte Karte sämtlicher irakischer Ölfelder (11% der weltweiten Vorräte);
  • Ein zweiseitiges Verzeichnis von Staaten mit Entwicklungsaufträgen bezüglich irakischer Öl- und Gasprojekte und der beteiligten Firmen;
  • Eine detaillierte Karte sämtlicher saudischer Ölfelder (25% der weltweiten Vorräte);
  • Ein Verzeichnis sämtlicher großer Öl- und Gasentwicklungsprojekte in Saudi-Arabien;
  • Eine detaillierte Karte sämtlicher Ölfelder der Vereinigten Arabischen Emirate (8% der weltweiten Vorräte);
  • Ein Verzeichnis sämtlicher Öl- und Gasentwicklungsprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten[8]

Dies lässt Schlüsse auf den Inhalt der Beratungen zu, und Ruppert mutmaßt, „dass die tiefsten, dunkelsten Geheimnisse des 11. September in den Akten der US National Policy Development Group (NEPDG) vergraben liegen, die ihre Arbeit fast am selben Tag begonnen hat, an dem die Bush-Administration ins Amt kam, und die ihren Abschlussbericht nur vier Monate vorher veröffentlichte, ehe das World Trade Center zu existieren aufhörte.

Teilweise liegt der Beweis dafür in der eklatant rechtswidrigen Art und Weise, in der die Task Force, angeführt von Vize-Präsident Dick Cheney, bis heute ihre Dokumente nicht dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit preisgegeben hat und dadurch klar und offenkundig gegen Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten verstößt. Das deutet darauf hin, dass es etwas zu verbergen gibt.“ [9]

Was dort verborgen wird, ist für Ruppert das Motiv hinter einem „alternativ betrachteten“ 11. September 2001:

„Die apokalyptische Wahrheit, die ein solches Gemetzel und eine solche Haarnadelkurvenwende im Lauf der Menschheitsgeschichte erforderlich machen würde; das, was niemand je wissen wollte; das, was es zutiefst glaubhaft erscheinen lässt, dass die US-Regierung die Anschläge vom 11. September absichtlich zugelassen haben könnte.“ [10]

2. Überlappend mit dem Ende der geheimen NEPDG-Beratungen unter Vorsitz von Dick Cheney wurde am 8. Mai 2001 eine Erklärung des Weißen Hauses bezüglich der Domestic Prepardness Against Weapons Of Mass Destruction (in etwa: „Einheimische Vorbereitung gegen Massenvernichtungswaffen“) veröffentlicht. Aus dieser Erklärung ging im Namen des US-Präsidenten hervor:

„Der Schutz Amerikas und seiner Bürger vor der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen ist eine der wichtigsten Herausforderungen hinsichtlich unserer nationalen Sicherheit. … Sollten unsere Bemühungen, diese Bedrohung für unser Land zu verringern, nicht restlos erfolgreich sein, gebietet die Vorsicht, dass die Vereinigten Staaten vollständig darauf vorbereitet sein müssen, effektiv auf die Folgen des Einsatzes derartiger Waffen auf unserem Boden zu reagieren.

Heute verfügen zahlreiche Bundesministerien und -behörden über Programme, um mit den Folgen eines potentiellen Einsatzes einer chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Waffe in den Vereinigten Staaten fertig zu werden. Viele dieser staatlichen Programme bieten den kommunalen Verwaltungen Schulungen, Planungen und Unterstützungen an. Um aber ihre Wirkung zu maximieren, müssen diese Maßnahmen nahtlos, harmonisch und umfassend miteinander integriert werden.

Ich habe daher Vize-Präsident Cheney angewiesen, die Entwicklung koordinierter nationaler Anstrengungen zu beaufsichtigen, damit wir unsere Aufgabe, die amerikanische Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen, bestmöglich erfüllen können. Ich habe ferner Joe Allbaugh, den Direktor der Federal Emergency Management Agency, beauftragt, ein Office of National Preparedness (Büro der nationalen Vorbereitung) zu schaffen. Diese Stelle wird die Verantwortung dafür tragen, jene Ergebnisse der von Vize-Präsident Cheney beaufsichtigten Anstrengungen, die den Umgang mit den Folgen betreffen, praktisch umzusetzen. Insbesondere wird sie sämtliche staatlichen Programme, die den Umgang mit den Folgen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen betreffen, in den Ministerien für Verteidigung, Gesundheit, Justiz und Energie, in der Umweltschutzbehörde und anderen Bundesbehörden koordinieren. Das Office of National Preparedness wird eng mit Bundes- und Kommunalbehörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihrem Bedürfnis nach Planung, Schulung und Ausrüstung entsprochen wird. FEMA wird darüber hinaus eng mit dem Justizministerium bei seiner Führungsrolle im Krisenmanagement zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sich unsere Antwort auf die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen in jeder Hinsicht koordiniert und geschlossen vollzieht.“  [11]

Stellen wir vorerst fest, dass Dick Cheney im Januar 2001 eine im Geheimen tagende „Energy Task Force“ berief, die sich mit der Zukunft der Erdölversorgung und aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Heraufkunft von Peak Oil sowie dessen Bedeutung für die US-amerikanische Lebensart befasste; dass die Unterlagen und Arbeitspapiere dieses Gremiums unter allen Umständen vor der Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten werden mussten; und dass Präsident Bush am Ende dieser Beratungen „Dick Cheney die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung und Koordinierung sämtlicher amerikanischer Antworten auf einen Terroranschlag übertrug.“ [12]

Ferner lassen Sie uns in diesem Zusammenhang noch gleich zur Kenntnis nehmen, dass mit Joe Allbaugh ein enger Vertrauter die Katastrophenschutzbehörde FEMA übernahm – ohne jedwede Qualifikation dazu. Allbaugh, der der Wahlkampfmanager des Duos Bush/Cheney gewesen war und beim Verhindern einer Nachzählung der Wahlstimmen in Florida eine prominente Rolle bekleidete, nahm an den Beratungen der NEPDG teil. [13]

Augenfällig: Allbaugh gab nur eine Woche vor den 9/11-Anschlägen „einem führenden Anti-Terrorismus-Beamten“ den Laufpass, indem er John Magaw, den stellvertretenden FEMA-Direktor, durch einen alten Freund ersetzte, Michael Brown – ebenfalls ohne jedwede Qualifikation dazu. [14]

Richard Cheney seinerseits besaß ohnehin enge wie langjährige Beziehungen zu FEMA, da er seit den frühen 1980er Jahren an den Notfallplänen der US-Regierung arbeitete, die sich Continuity of Government (COG) nennen. Ein wesentlicher Regierungsakteur hierbei war stets FEMA gewesen. Und Cheney interpretierte FEMAs Rolle immer als ein Machtwerkzeug des zentralen Staats; weniger als ein Mittel, „um Amerikanern während einer Notsituation zu helfen“, sondern eher als ein Mittel, um während einer Notsituation zu garantieren, dass das Weiße Hauses die Kontrolle behielt.  [15] „Die Bush-Cheney-Sicht von FEMA war ein fast reiner Ausdruck ihrer zugrundeliegenden Philosophie. Denn bei all ihrem Gerede über eine eingeschränkte Regierung, unternahmen Bush-Cheney alles, was sie konnten, um die Macht und Reichweite des Präsidentenamtes zu erweitern. Oftmals nahm dies die Form der Beschränkung grundlegender Rechte an, die lange als die letzte Verteidigungslinie der Menschen gegen die Tyrannei angesehen wurden. Die Suspension von Habeas Corpus im Fall von Häftlingen, die Abschaffung der Genfer Konvention bezüglich der Rechte von Kombattanten, das illegale Anzapfen von Telefonleitungen, allesamt angeblich in Reaktion auf 9/11 institutionalisiert, wurden tatsächlich bereits lange vor den Angriffen diskutiert. Naturkatastrophen waren von nachrangiger Sorge. Sie dachten hauptsächlich an ein Vehikel für das Kommando und die Kontrolle des Weißen Hauses im Falle eines feindlichen Angriffs, ohne die verfassungsrechtlichen Einschränkungen, die sie als veraltet und konterproduktiv ansahen.“ [16]

Dem Kern nach bedeutete das von Bush gegebene Mandat vom Mai 2001 eine Anwendung der COG-Pläne auf den Bereich Terrorismus. „Tatsächlich autorisierte Bush eine Wiederaufnahme der Art von Planung, die Cheney und FEMA unter demokratischer Führung von COG durchgeführt hatten. Und am 11. September trug die Planung Früchte“, als diese erstmals aktiviert wurde.  [17] Für diesen Fall des nationalen Notstands im Bereich der höchsten Alarmstufe wurden durch die von US-Präsident Ronald Reagan erlassenen Executive Order 11310 und Executive Order 11921 vorgesehen, dass auf FEMA geradezu diktatorische Vollmachten übergingen. Wobei FEMA qua des präsidialen Federstrichs von George W. Bush am 8. Mai 2001 wiederum dem Kommando von Richard Cheney unterstellt worden war.

Auf diesen Informationen fußend, fragte ich den Autoren des Buches Inside 9/11, Paul Schreyer, inwiefern Richard Cheney in der perfekten Ausgangslage gewesen wäre, einen so genannten Inside-Job zu koordinieren.

Paul Schreyer: Cheney war in der perfekten Ausgangslage für sehr Vieles. Er war 2001 de facto der Präsident der USA. Viele erfahrene politische Beobachter schätzten das schon vor 9/11 so ein. Cheney koordinierte außerdem in den Monaten vor den Anschlägen parallel eine Arbeitsgruppe zur nationalen Energiepolitik sowie ein neugeschaffenes Büro, das Pläne für den Fall eines Terroranschlags entwickeln sollte – das sogenannte “Office of National Preparedness”. Diese Verknüpfung nahm im Grunde die Politik nach 9/11 vorweg, welche ja darin bestand, auf der Grundlage eines Terroranschlags die Macht der Exekutive auszuweiten, Krieg zu führen, und dabei energiepolitisch wichtige Regionen der Welt unter Kontrolle zu bringen. Falls 9/11 also ein Inside-Job war, wofür immerhin viele Indizien sprechen, dann wird das Ganze schwerlich ohne Wissen und Zutun Cheneys abgelaufen sein.  [18]


Mittel des Anschlags: NSSEs, der Secret Service & VP Cheney

Die wesentliche Frage, die sich jedem stellt, der den 11. September betrachtet, ist am Ende die, wie es „19 Studenten aus dem Morgenland“ gelungen sein soll, annähernd zwei Stunden lang im bestgeschütztesten Luftraum der Welt, inklusive dem des Regierungsviertels von Washington D.C., freie Hand für das gehabt zu haben, was ihnen zu tun beliebte? Wie konnte es soweit kommen, dass Passagiermaschinen gänzlich ungehindert in die Zwillingstürme des World Trade Center rasten?

Um dies in einer alternativen Schau nachvollziehen zu können, kehren wir zunächst zu Vize-Präsident Richard Cheney zurück. Erinnern wir uns: Anfang Mai 2001 ist Cheney von Präsident Bush in die Position versetzt worden, „sämtliche Antworten der USA auf einen Terroranschlag zu planen, vorzubereiten und zu koordinieren.“ Wo war Cheney in der Zeit der Terroranschläge des 11. September? Allen Tatsachen nach zu urteilen im Weißen Haus, exakter umrissen: „im unterirdischen Presidential Emergency Operations Center (PEOC), das über Kommunikationsmöglichkeiten verfügt, die (weil es geschaffen wurde, um den Präsidenten zu schützen und ihm volle Kommando-, Kontroll- und Kommunikationsmöglichkeiten [Command, Control and Communications, C3] im Fall eines nuklearen Angriffs bereitzustellen) denen des Lagezentrums (Situation Room) entweder entsprechen oder über sie hinausgehen. Vom PEOC aus sollte sein Bewohner im Falle eines nuklearen (oder biologischen) Holocaust das Kommando übernehmen. Wenn es einen Ort gab, der über C3 auf dem neuesten Stand der Technik verfügen musste, dann war es das PEOC.“ [19]

An der Seite von Dick Cheney stand, wie in Fällen eines Anschlags üblich, der Secret Service, der ihn hinunter in den Bunker gebracht hatte, und der Secret Service besitzt in Fällen von National Special Security Events (NSSEs, in etwa: Spezielle Nationale Sicherheitsereignisse), was auf den 11. September zutraf, „die materielle und formelle Zuständigkeit, das Kommando über alles zu übernehmen.“  [20] Das bedeutet, dass dem Secret Service beim Auftreten eines NSSEs absolute Kontrolle und Verfügbarkeit über sämtliche staatlichen Institutionen zufällt.

„Daher versteht es sich von selbst, dass, falls der Secret Service federführend ist, seine Kommunikation, seine Aufklärungssysteme und seine Fähigkeit, von jeder beliebigen Bundesbehörde (einschließlich des Militärs) Daten in Echtzeit zu erhalten, die Bestmöglichen sein müssen. Es muss auch eine Redundanz mit jenen Systemen bestehen, die von der CIA, dem FBI, NORAD,” – d. h.: North American Aerospace Defense Command – „der FAA,” – d. h.: Federal Aviation Administration – „und insbesondere von den beteiligten staatlichen und kommunalen Behörden unterhalten werden.“ [21]

Präsident Bush befand sich in den Minuten, als „die materielle und formelle Zuständigkeit“ des Secret Service griff, um „das Kommando über alles zu übernehmen“, nachweislich in einer Grundschule in Florida, um dort mit Schulkindern das Buch The Pet Goat zu lesen. Entgegen der normalen Vorgehensweise des Secret Service, den Präsidenten sofort in Sicherheit zu bringen, wurde er dort buchstäblich sitzengelassen (obwohl Tage zuvor öffentlich berichtet worden war, dass Bush in dieser Schule sein würde – und somit ein potentielles Ziel abgab). [22]

Bis zu den Abendstunden wurde Bush dann im Flugzeug des US-Präsidenten, der Air Force One, auf eine Odyssee gen Westen geschickt – weitab vom Schuss, und das gegen seinen erklärten Willen und auf direktes Betreiben seines Vize-Präsidenten hin. Zudem dauerte es auffällig lange, bis das Flugzeug des Präsidenten endlich Geleitschutz von militärischen Fliegern erhielt. Woraus insgesamt zu schließen ist, dass nicht mehr Bush derjenige war, der die Kommando-Fäden in der Hand hielt, sondern der Mann, der seit fünf Monaten prädestiniert war, „sämtliche Antworten der USA auf einen Terroranschlag zu planen, vorzubereiten und zu koordinieren“: Richard Cheney.  [23] Wobei Cheney im PEOC wiederum das beste C3-System der Welt zur Verfügung stand, das ihn unter anderem befähigte, „zu sehen, was der Radar der FAA sah.“ [24]


Möglichkeit des Anschlags: Multiple Kriegsspiele

Ein Passagierflugzeug, das deutlich von seinem festgelegten Kurs abweicht, wird, sobald dies den Radarkontrolleuren auffällt, in aller Regel binnen weniger Minuten von Militärflugzeugen abgefangen, um zu kontrollieren, dass alles mit rechten Dingen zugeht. In aller Regel. Denn am 11. September 2001 geschah dies nicht, nachdem „im Jahr vor dem 11. September 67 Flugzeuge erfolgreich von der Air Force abgefangen wurden.“ [25]

Teilweise führt Mike Ruppert dies auf eine Neuregelung des Pentagon vom Juni 2001 zurück, wonach solche Abfangmaßnahmen fortan vom Verteidigungsminister oder sogar dem Weißen Haus abgesegnet werden mussten. „Dies demonstrierte einen bewussten Vorsatz vor den Anschlägen, den Befehlshabern vor Ort die Zuständigkeit für die Entscheidungsfindung zu entziehen und sie zu zentralisieren.“ [26]

Zeitlich bringt Ruppert dieses Memo des Generalstabs der US-Armee (Joint Chief of Staffs) namens Aircraft Piracy (Hijacking) and Destructon of Derelict Airborne Objects ebenfalls in den Zusammenhang mit Cheneys Tätigkeitsbereich seit Mai 2001, in dem er aufgerufen war, Empfehlungen zu evaluieren und zu treffen, um die Bereitschaft gegen Akte von inländischem Terrorismus zu stärken. Die 9/11-Kommission, die dieses Memo vom Juni 2001 in ihrem Report erwähnt, ist der Frage, von wem es in Auftrag gegeben und autorisiert wurde, nicht nachgegangen. Aus ihm lässt sich gleichwohl ablesen, wie die Kommission festhielt, dass „die militärische Hilfestellung durch NORAD multiple Stufen der Benachrichtigung und Genehmigung auf den höchsten Ebenen der Regierung erforderte.“ [27]

So der US-Verteidigungsminister an jenem Morgen im September 2001 gefragt war, wo befand sich Donald Rumsfeld zur Zeit der 9/11-Angriffe? Hierzu befragte ich den Autor Paul Schreyer, der sich eingehend mit dieser Frage befasst hat.

Der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld legte ein bemerkenswertes Verhalten in Anbetracht dessen an den Tag, dass sein Land angegriffen wurde, oder?

Paul Schreyer: Rumsfeld war nach offiziellen Aussagen während der Anschläge zeitweise abgetaucht. Jedenfalls konnte ihn angeblich niemand erreichen. Das ist für einen Verteidigungsminister in so einer Situation natürlich erklärungsbedürftig. Es wurde aber nie erklärt, sondern nur erwähnt – zum Beispiel im ersten Kapitel des 9/11 Commission Report.  [28]

Rumsfelds Platz bei einem Angriff auf die USA wäre im Normalfall im Lagezentrum des Pentagon gewesen, dem National Military Command Center, NMCC. Allem Anschein nach ist er dort jedoch erst gegen 10.30 Uhr angekommen, als die Entführungsserie bereits beendet war. Allerdings will ihn Richard Clarke, wie er in seinem Buch Against all Enemies darlegt, während der von ihm geleiteten Videokonferenz gesehen haben, die er im Bunker des Westflügels des Weißen Hauses nach dem Einschlag des zweiten Flugzeugs im WTC einrichten ließ. [29]

Falls das zutrifft, wäre Rumsfeld doch nicht gänzlich von der Bildfläche abgetaucht und schon vor dem Flugzeugeinschlag ins Pentagon per Videokonferenz innerhalb des sogenannten Executive Support Center (ESC) erreichbar gewesen. Im Bericht der 9/11-Kommission findet sich davon aber keine Spur, obwohl Clarkes Buch im März 2004 erschien, wohingegen der Kommissions-Bericht erst im Juli 2004 veröffentlicht wurde.

Während der Entführungsserie, als Donald Rumsfeld a) Richard Clarke zufolge viel eher zu erreichen war, als b) den Angaben der 9/11-Kommission zufolge, um dann c) weitestgehend von der Bildfläche zu verschwinden, wurde die Reaktion der Luftabwehr durch eine Reihe gleichzeitig durchgeführter Kriegsspiele der Air Force erschwert, die in den Morgenstunden des 11. September stattfanden. [30]

Von all diesen Drills, die die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe schwächten, sei besonders verwiesen auf Vigilant Warrior (Wachsamer Krieger), eine Live Fly-Übung, die mutmaßlich darin bestand, mindestens eine reale Passagiermaschine als „entführtes“ Flugzeug einzusetzen – das „simulierend, von dem das Weiße Haus sagt, dass es zu der Zeit unvorstellbar war: entführte Passagierflugzeuge, die als Waffen eingesetzt in Ziele gelenkt werden und dort massenhaft Todesopfer verursachen.“  [31] Dies war eine Übung des militärischen Luftverteidigungskommandos der USA, North American Aerospace Defense Command (NORAD), von der auch Richard Clarke in seinem Buch Against all Enemies berichtet. Laut einem Schriftverkehr zwischen Mike Ruppert und einem Pressesprecher von NORAD, Major Donald Arias, war Vigilant Warrior aufgrund der Bezeichnung Warrior per Definition eine Live Fly-Übung, was bedeutet, dass bei solchen Übungen reale Passagierflugzeuge zum Einsatz kommen. Für diese Information gibt es bislang weder eine offizielle Bestätigung, noch ein wie auch immer geartetes Dementi.

Eine weitere Übung nannte sich Northern Vigilance, die über Kanada und Alaska stattfand, um einen russischen Angriff zu simulieren. Abfangjäger, die in massiver Anzahl Richtung Nordpol unterwegs sind, um dort Szenarien aus Kalten-Kriegs-Tagen zu proben, können nicht gleichzeitig im sogenannten North East Air Defense Sector sein, wenn sie dort plötzlich für den Ernstfall gebraucht werden. [32]

Daneben gab es noch mehrere andere synchron durchgeführte Übungen, die sich “Northern Watch”, “Northern Guardian”, “Vigilant Guardian” und “Global Guardian” nannten.

Rechnet man nun hinzu, dass als Teil dieser Übungen „am 11. September falsche Radarecho-Anzeigen auf die Radarbildschirme gespeist wurden“[33] und dass es zweitweise hieß: „Wir haben Berichte von 11 Flugzeugen, die vom Kurs abgekommen oder nicht erreichbar sind, womöglich entführt”[34] laufen die Dinge auf eine Konfusion und Paralyse des Systems hinaus. Angesichts der Tatsache, dass die US-Geheimdienste zum Teil spezifische Terror-Warnungen erhielten, die sich auf die Woche des 11. September bezogen,  [35] mag sich die Frage einstellen, ob nicht exakt das die Intention gewesen sein könnte. Obendrein die Kommunikationswege von al-Qaida dermaßen unter Beobachtung standen, dass Mike Ruppert zu dem Ergebnis kommt, dass „Osama bin Laden und al-Qaida nicht hätten niesen können, ohne dass die CIA oder die NSA davon gewusst hätten.“ [36]

Des Weiteren ist zu beachten, dass derartige Drills wie Vigilant Warrior der National Command Authority des US-Präsidenten unterstehen – „und abwärts über den Vize-Präsidenten (in Abwesenheit des Präsidenten, wie es am 11. September der Fall war) zum Verteidigungsminister gehen.“  [37] Die Orte wiederum, wo diese Drills durchgeführt werden, sind „entweder das Presidential Emergency Operations Center oder der Situation Room.”  [38] Der Situation Room war es am 11. September nicht, wie aus der Erzählung von Richard Clarke hervorgeht, der 9/11 von dort erlebte (und eine wichtige Videokonferenz leitete). Am 11. September muss es der PEOC mit „den redundanten und parallelen Kommunikations- und Informationssystemen des Secret Service“ gewesen sein, wo Vize-Präsident Cheney und der Secret Service aufgrund der NSSE-Statuten ohnehin nun das letzte Wort hatten. [39]

Dass Richard Cheney im PEOC am 11. September präsent war, daran gibt es keinerlei Zweifel. Viel eher besteht erhebliche Verwirrung und dementsprechender Klärungsbedarf darüber, wann er dort war und ob er sich zeitweilig in dem Tunnel, der zum PEOC führt, für vertrauliche Telefongespräche mit Präsident Bush und vor allem mit Verteidigungsminister Rumsfeld zurückzog. In seinem Buch The Road to 9/11 geht Peter Dale Scott wichtigen Fragen hinsichtlich der Aktivitäten von Richard Cheney am 11. September nach. Im Folgenden werde ich davon Einiges erstmals in deutscher Sprache wiedergeben, da diese Dinge essentiell für ein Verständnis des Mordfalls 9/11 sind. Bewegen wir uns zunächst in Richtung des PEOC. Hierzu sagte Cheney in einem Interview mit Tim Russert von der US-Fernsehstation NBC am 16. September 2001, anfangend mit Flug 77, der schließlich ins Pentagon raste:

„Und als es in die Gefahrenzone eingedrungen war und es so aussah, dass es zum Weißen Haus unterwegs war, haben sie mich gepackt und in den Keller evakuiert. . . . Sobald ich im Korridor unten war, war das erste, was ich tat – es gibt ein sicheres Telefon dort. Das erste, was ich tat, war zum Telefon zu greifen und wieder den Präsidenten anzurufen, der zu diesem Zeitpunkt noch in Florida war, um ihn dringend aufzufordern, seine Rückkehr zu verzögern.“  [40]

Nach diesem Telefonat ging es weiter zum PEOC im Ostflügel des Weißen Hauses:

„Nachdem ich den Präsidenten gesprochen hatte (…), ging ich hinunter in den so genannten PEOC, den Presidential Emergency Operations Center, und dort hatte ich Norm Mineta. . . . Ich hatte Condi Rice bei mir und einige meiner wichtigsten Mitarbeiter. Wir hatten Zugang, sichere Kommunikation mit Air Force One, mit dem Verteidigungsminister drüben im Pentagon. Wir hatten auch die sichere Videokonferenz, die das Weiße Haus mit der CIA, dem Außen-, Justiz- und Verteidigungsministerium verbindet – eine sehr nützliche und wertvolle Einrichtung. Wir haben die Anti-Terror-Task-Force auf diesem Netz. Und so war ich in der Lage, all die Sachen, die hereinkamen, zu sehen, Berichte zu erhalten, und dann darauf basierend Entscheidungen zu treffen.“  [41]

Cheney machte also gegenüber Tim Russert ganz klar deutlich, dass er die nötigen Mitarbeiter und die nötige Gerätschaften zur Hand hatte, um vom PEOC übergreifend tätig zu werden. Allerdings findet sich davon nichts im 9/11-Report der Kommission, die diesen Bericht von Cheney zugunsten eines späteren, der in Newsweek erschienen ist, gänzlich unter den Tisch fallen ließ.

Dasselbe – die Unauffindbarkeit im 9/11-Abschlussbericht – trifft auch auf die Aussagen zu, die Norman Mineta, der damalige Verkehrsminister der USA, über Richard Cheney im PEOC abgab.

Zunächst wird unter den Teppich gekehrt, dass Mineta das Kommando zur Landung sämtlicher Passagiermaschinen in den USA gegen 9:42 Uhr Ortszeit mit Zustimmung von Richard Cheney erteilte. Peter Dale Scott argumentiert, dass dieses Ignorieren notwendig war, da die Aussage von Mineta bedeutet hätte, dass Richard Cheney schon vor 9:58 Uhr im PEOC war – dem Zeitpunkt, da er laut dem 9/11-Kommissionsbericht dort eintraf. Nach dem Augenzeugenbericht von Norman Minetta war Cheney aber tatsächlich bereits im PEOC, als er, Mineta, dort ankam – und das war gegen 9:20 Uhr. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O. Seite 199 – 201.

Daraufhin trug sich laut Minetas Worten vor der 9/11-Kommission in der Zeit, da Flug AA-77 sich Washington / dem Pentagon näherte und Richard Cheney angeblich noch gar nicht im PEOC war, dieses zu:

„Es gab einen jungen Mann, der hereinkam und zum Vize-Präsidenten sagte … das Flugzeug ist 50 Meilen entfernt … das Flugzeug ist 30 Meilen entfernt …. und als es bis auf das Flugzeug ist 10 Meilen entfernt runter war, sagte der junge Mann zum Vize-Präsidenten auch: ,Steht der Befehl noch?‘ Und der Vizepräsident drehte sich um, schwang seinen Hals und sagte: ,Natürlich steht der Befehl noch, haben Sie etwas Gegenteiliges gehört?‘“

Dies war um „,ungefähr 9:25 oder 9:26 Uhr.‘ Wie 9/11-Chronist Paul Thompson in seinem Buch Terror Timeline beobachtet, brachte ABC News am 11. September 2001 den gleichen PEOC-Dialog, indem es einen Kommentar von FAA-Administrator Monte Belger zitierte, und auch den Zeitrahmen, ungefähr 50 Meilen entfernt, um circa 9:27 Uhr. Allerdings behauptete die 9/11-Kommission, dass „ein primäres Radarziel ostwärts in hoher Geschwindigkeit“ Richtung Dulles Airport (Flug 77) erst um 9:32 entdeckt wurde.“ [42]

Tonbandaufzeichnungen von NEADS, auf denen Flug 77 schon um 9:21 Uhr alarmierend erwähnt worden war, wurden vom 9/11-Report nicht berücksichtigt. Stattdessen erwähnt der Bericht, dass Vize-Präsident Cheney erst gegen 9:34 oder 9:35 Uhr vom Secret Service ins PEOC gebracht wurde, nachdem Flug 77 erst da entdeckt worden sei. Der Einschlag ins Pentagon fand schließlich um 9 Uhr 37 statt. Wenn aber, wie Richard Clarke in seinem Buch schreibt, der Secret Service sah, was die Radare der FAA sahen, so musste der Secret Service wohl schon um 9:21 Uhr von Flug 77 im Bilde gewesen sein. [43]

„Minetas Geschichte von Cheneys Befehlen um 9:25 Uhr, als sich Flug 77 Washington näherte, muss in einer autorisierten Ermittlung das erste Mal kritisch untersucht werden. Das Versagen des Reports, damit umzugehen, erscheint unentschuldbar zu sein. Dasselbe gilt für seine Behauptung, dass ,American 77 vor seinem Crash um 9:37 Uhr für 16 Minuten unbeobachtet reiste‘, und dass Cheney um ungefähr 9:58 Uhr im PEOC ,ankam‘ (im Gegensatz zu zurückkam).Wenn Minetas Geschichte wahr ist, dann gab Cheney Befehle, die seither vertuscht wurden und für die keine präsidiale Genehmigung bekannt ist.“ [44]

An dieser Stelle sollte auch noch einmal das Augenmerk auf den Secret Service im Zusammenhang mit den sogenannten National Special Security Events (NSSEs) geworfen werden. Seit den späten 1990er Jahren war der Secret Service eine leitende Behörde für die Gestaltung und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen bei NSSEs, beispielsweise für die Bereitstellung von Luftverteidigungsmaßnahmen während solcher Ereignisse.  [45] Die Möglichkeit, dass Selbstmordpiloten Terroranschläge mit Flugzeugen als Waffen durchführen könnten, wurde bei den Vorbereitungen für ein NSSE in Betracht gezogen. Louis Freeh, der Direktor des FBI von 1993 bis Juni 2001, sagte gegenüber der 9/11-Kommission aus, dass die Problematik „Flugzeuge als Waffen“ in den Jahren 2000 und 2001 „immer einer der Aspekte” in der Sicherheitsplanung für NSSEs gewesen sei.  [46] Der damalige Finanzminister Paul O’Neill erklärte am 8. Mai 2001, dass der Secret Service „theoretische Übungen zur Vorbereitung auf Terroranschläge auf das Weiße Haus abhält.”  [47] Und laut der Aussage des ehemaligen Secret Service-Agenten Paul Nenninger, führte der Secret Service am James J. Rowley-Trainingszentrum in Beltsville, Maryland Computersimulationen von Flugzeugen durch, die ins Weiße Haus stürzten, um die dortige Sicherheitssituation zu testen. [48]

Beginnen wir bezüglich des Secret Service und des 9/11-NSSE mit dem Einschlag des zweiten Flugzeugs ins New Yorker World Trade Center – dem Zeitpunkt, da spätestens klar war: Amerika steht unter Angriff. Verantwortlich für die Sicherheitsvorkehrungen im Weißen Haus war Carl Truscott, der Special Agent in Charge (SAIC) der Presidential Protective Division (PPD). Der Secret Service-Agent wiederum, der verantwortlich für die Zusammenarbeit mit der FAA zeichnete, war Nelson Garabito. Nach dem zweiten Flugzeugeinschlag in New York City rief er seinen FAA-Konterpart Terry Van Steenbergen an, und zwar aus dem Secret Service Joint Operations Center (JOC) im Weißen Haus. Als Garabito von Van Steenbergen mitgeteilt bekam, dass möglicherweise zwei weitere Flugzeuge entführt worden seien, veranlasste Garabito, dass die Information sofort an andere Agenten des Secret Service weitergegeben werden sollte. Allem Anschein nach stockte die Weitergabe jedoch alsbald. [49]

Direkt hiermit verbunden steht die Frage im Raum, wann die Nachricht, die von Van Steenbergen an Garabito gegeben worden war (9:03 Uhr), dazu führte, dass Cheney von seinem Büro aus zum PEOC gebracht wurde. Letzteres geschah laut 9/11-Kommissionsbericht, wie gesagt, erst gegen 9:36 Uhr. Buchautor Kevin Ryan schreibt: „Wenn die Informationen sofort weitergegeben wurden, und der Vize-Präsident wurde kurz nach 09.00 Uhr an einen sicheren Ort gebracht, wie mehrere Zeugen nahelegten, dann würde seine frühere Präsenz im Presidential Emergency Operations Center (PEOC) die wichtige Aussage von Verkehrsminister Norman Mineta untermauern. Laut Mineta wurde Cheney regelmäßig über den Fortgang des entführten Flugs 77 unterrichtet, wie er Richtung Washington näherkam.“ [50]

Im Zuge einer Dokumentenherausgabe, auf die mit einer Freedom of Information Act-Klage gedrängt wurde, kam eine Zeitangabe über die „Aktionen des TSD” während des 9/11-Zeitraums ans Licht. Ryan: „TSD ist die Secret Service Technical Services Division, die unter anderem das Secret Service Tigerwall-Luftüberwachungssystem betreibt.“ [51]

Nach der TSD-Zeitleiste nahm Carl Truscott um 9:18 Uhr Kenntnis davon, „dass ein Flugzeug auf dem Weg in den Bereich Washington gewesen war.“ [52]

Das hieße: ganze 18 Minuten, bevor Vize-Präsident Cheney nach Angaben des 9/11-Kommissionsberichts vom Secret Service ins PEOC evakuiert wurde. Diese Diskrepanz harrt einer Erklärung, allzumal im Lichte der Aussagen von Norman Mineta.

Wie wir schon erfahren haben, verfügte der Secret Service über ein System, das es ihm ermöglichte, das zu sehen, was die FAA-Radare anzeigten. Ferner wissen wir von Cheney selbst, dass es offene Telefonleitungen zwischen dem Secret Service und der FAA während der fraglichen Zeit gab. Das maßgebliche Kommandosystem war im PEOC untergebracht. Das TSD-Dokument zeigt auf, dass Cheney mit Sicherheitsberaterin Rice und mehr als zehn anderen „Mitarbeitern des Präsidenten und Vize-Präsidenten“ um 9:30 im PEOC war. [53]

Das hieße: acht Minuten, bevor das Pentagon getroffen wurde. Was wiederum mit Minetas Aussage im Einklang steht.

Mehr noch. Die vom Secret Service aufgrund der FOIA-Klage veröffentlichten Dokumente zeigen auf, „dass der Secret Service Kenntnis von Flug 77 und Flug 93 hatte, und dass diese Flüge in Richtung Washington, DC unterwegs waren. … Diese Dokumente bestätigen, dass der Secret Service wusste, dass zwei entführte Flugzeuge während der Zeit in Richtung Washington unterwegs waren, in der Cheney und SAIC-Agent Truscott im PEOC waren.“ [54]

In einer Rede, die er am 21. Mai 2009 am American Enterprise Institute (AEI) in Washington DC hielt, scheint Richard Cheney seine frühere Ankunft im Bunker selbst bestätigt zu haben. So sagte er vor dem AEI:

„Für mich war eine der prägenden Erfahrungen der Morgen an 9/11 selbst. Wie Sie sich vielleicht erinnern, war ich in meinem Büro in dieser ersten Stunde, als das Radar ein Flugzeug in Richtung Weißes Haus mit 500 Meilen pro Stunde erblickte. Das war Flug 77, der eine, der am Ende das Pentagon traf. Indem das Flugzeug noch immer näher kam, traten Secret Service-Agenten in mein Büro ein und sagten, dass wir jetzt gehen müssten. Ein paar Augenblicke später fand ich mich in einem befestigten Kommandoposten des Weißen Hauses irgendwo unten wider.

Dort im Bunker kamen die Berichte und Bilder herein, die so viele Amerikaner von diesem Tag erinnern…. In den Jahren seither habe ich gelegentlich Spekulationen gehört, dass ich ein anderer Mensch nach 9/11 geworden sei. Ich würde das nicht sagen. Aber ich gebe gerne zu, dass einem koordinierten, verheerenden Angriff auf unser Land von einem unterirdischen Bunker im Weißen Haus zuzusehen, beeinflussen kann, wie Sie Ihre Aufgaben auffassen.”  [55]

Wenn nun die erste Radar-Sichtung eines Flugzeugs, das sich gen Washington bewegte, um 9:21 Uhr stattfand, bestätigt Cheney mit diesen Auslassungen vor dem AEI, dass er früher im PEOC ankam, als dies vom 9/11-Kommissionsbericht behauptet wird. Seine diesbezügliche Angabe, das sei unterstrichen, steht im Einklang mit seiner Erklärung vom 16. September 2001 und befindet sich im Widerspruch zu seiner späteren Darstellung in Newsweek.

Teilweise kann die Konfusion, wo sich Cheney zu welchem Zeitpunkt befand, eventuell darauf zurückgeführt werden, dass Cheney im Tunnel, der zum PEOC führte, an einem Telefon gesessen haben dürfte, über dem er COG-Bestimmungen kommunizierte.  [56] Was manche Beobachter als erste Ankunft im PEOC realisierten, mag in Wirklichkeit eine Wieder-Ankunft aus dem Tunnel gewesen sein. [57]

Die 9/11-Kriegsspiele und eine etwaige zentrale Rolle von Richard Cheney betreffend, bringt Peter Dale Scott in Road to 9/11 dieses zusammen:

„Wir wissen nun, dass an 9/11 die Luftverteidigung durch simultane Operationen, Kriegsspiele und Übungen schwerer gemacht wurde, einschließlich einer Übung am National Reconnaissance-Bürogebäude in der Nähe des Flughafens Dulles, bei dem Reaktionen getestet wurden, ,falls ein Flugzeug ein Gebäude angreifen würde.’ Zumindest eines dieser Kriegsspiele beinhaltete Phantomflüge.

Nur eines der Kriegsspiele, Vigilant Guardian, wird im 9/11-Bericht der Kommission erwähnt – in einer Fußnote. Zusätzlich hat Donald Rumsfeld den Reportern der Washington Post, Dan Balz und Bob Woodward, von einer anderen Übung erzählt, Global Guardian. Weitere Kriegsoperationen verlagerten Kampfbomber der US-Luftwaffe nach Irak, Island und Nordkanada. Zusätzlich hat der Toronto Star enthüllt, dass die Operation Northern Vigilance mindestens auch eine ,simulierte Information’ beinhaltete, ,was als eine ,Einspeisung’ [das heißt: ein Input oder falsches Radarzeichen] auf den Radarschirmen bekannt ist.’ Es gibt auch eine Referenz auf den Tonbandaufzeichnungen von NEADS [Northeast Air Defense Sector, die Luftstreitkräfte für den nordöstlichen Luftverteidigungsabschnitt] um 09.05 Uhr zu ,einem verdammten Input’, was (wie der Autor der Vanity Fair Bronner erklärte) ,einen Simulationsinput’ als Teil von einer der Übungen an dem Tag bedeutet.

Die Kriegsspiele könnten erklären helfen, warum an dem Tag die zivilen und möglicherweise auch die militärischen Einsatzleiter für den Luftverkehr diese Rolle zum ersten Mal in ihrem Leben ausübten. Die zwei Männer waren der nationale Einsatzleiter im FAA Command Center, Ben Sliney, und der stellvertretende Einsatzleiter des National Military Command Center, der kurz zuvor zum Admiralsanwärter beförderte Charles Leidig. Leidig teilte der Kommission mit: ,Am 10. September 2001 bat mich der Brigade-General der U.S. Armee, [Montague] Winfield, einen Teil seiner Schicht am folgenden Tag zu übernehmen.’ Winfried war daher von seinem üblichen Posten, um den nächsten Morgen (9/11) im War Room des Pentagon zu verbringen, befreit.“ [58]

Der gleiche Raum, das Lagezentrum NMCC, war der Ort, an dem Donald Rumsfeld zum Zeitpunkt der Anschlage eigentlich hatte sein müssen, aber nicht war. Warum der befehlshabende General Winfield dort ebenfalls fehlte, kann nicht exakt bestimmt werden: seine Aussagen vor der 9/11-Kommission sind bisher nicht veröffentlicht worden. Laut eigener Bekundung hat er, während sein Land aus der Luft angegriffen wurde, an einer Besprechung zur Bewertung von Offizieren der Luftwaffe teilgenommen. [59]

Fest steht dagegen, dass das NMCC der „Dreh- und Angelpunkt des Informationsflusses und der Entscheidungen am 11. September“ war – jedenfalls abgesehen vom PEOC im Weisen Haus.  [60] Fest steht ferner, dass es ausgerechnet in diesem „Dreh- und Angelpunkt des Informationsflusses und der Entscheidungen am 11. September“ erhebliche technische Probleme gab, das Operationszentrum der FAA zu kontaktieren. Die Kommunikationsleitung wurde immer wieder unterbrochen. [61] In der Zwischenzeit wäre ihr Stellvertreter wohl ein gewisser Lee Longmire gewesen, doch der wusste offenbar gar nichts davon, dass er für Canavan und Osmus hätte einspringen sollen. [62]

Canavan erlangte den Job des FAA-Hijack-Koordinators erst neun Monate vor 9/11. Binnen eines Monats nach den 9/11-Anschlägen wechselte er den Job sodann wieder. Der 9/11-Kommissionsbericht erwähnt Canavan – aber nicht als FAA-Hijack-Koordinator, sondern in einer gänzlich anderen Funktion: als Kommandeur des Joint Special Operations Command (JSOC), das verdeckte Anti-Terror-Operationen des Militärs durchführt (nach 9/11 beispielsweise unter direkter Befehlsgewalt von Dick Cheney, wie Seymour Hersh berichtete). Der Bericht legt Canavans Rolle dar, die er bei der fehlgeschlagenen Gefangennahme Osama bin Ladens im Jahre 1998 bekleidet hatte. [63]

Laut John Hawley, einem Angestellten in der Geheimdienstabteilung der FAA, ließ Canavan zu Beginn seiner Tätigkeit als FAA-Hijack-Koordinator Trainingsübungen durchführen, die „verdammt nahe am 9/11-Plot“ waren. Gegenüber der 9/11-Kommission stritt Canavan diese Behauptung ab. [64]

Longmire wies gegenüber der 9/11-Kommission im Zusammenhang mit dem möglichen Ersatz für den FAA-Hijack-Koordinator auf Mike Weikert hin – wobei dieser wiederum nach Angaben von Hawley bei eben jenen Trainingsübungen geholfen haben soll, an denen Canavan nicht beteiligt gewesen sein will. [65]

Im Mai 2001 verfasste Canavan ein Memorandum, das geringere Strafen für Sicherheitsverstöße bei Fluglinien und auf Flughäfen initiierte. Des Weiteren war Canavan verantwortlich für die Spezialteams der Civil Aviation Security, den sogenannten Red Teams, die verdeckt die Sicherheit an Flughäfen testen. „Der Zweck der Red Teams bestand darin, alle Systeme zur Verhinderung von Entführungen zu testen, die die angeblichen Entführer an 9/11 bezwangen. In seiner Position als Kopf dieser Behörde lernte Canavan schnell alle Schwächen des Systems kennen.

Einer der Anführer von Canavans Red Teams, Bogdan Dzakovic, sagte später gegenüber der 9/11-Kommission aus, dass Flughäfen vorgewarnt wurden, ehe die Red Teams dort ankamen. Er behauptete auch, dass die FAA-Beamten wussten, dass etwas wie 9/11 passieren würde, und dass sie die Hinweise absichtlich ignorierten.“ [66]

Ein weiterer Beteiligter, der einen ominösen Part bei der FAA spielte, war Benedict Sliney. Ursprünglich hatte Sliney als ATC in der US-Luftwaffe im Vietnamkrieg gedient, war hernach Angestellter der FAA gewesen, und wurde schließlich Rechtsanwalt sowie Partner mehrerer Kanzleien. Zu den Fällen, die er betreute, gehörten Verstöße gegen Aktien-, Börsen- und Bankenrecht. Aus Gründen, die nicht weiter bekannt sind, wechselte Sliney ein paar Monate vor 9/11 zur FAA zurück. Dort bekleidete er am 11. September 2001 den obersten Managerposten des FAA-Kommandozentrums – zum ersten Mal überhaupt, seitdem er wieder bei der FAA arbeitete. Sliney wurde diese Rolle übertragen, obwohl weitaus erfahrenere Vorgesetzte im Hauptquartier der FAA zum Zeitpunkt der Anschläge vor Ort waren. Gegenüber der 9/11-Kommission machte Sliney späterhin unter anderem geltend, dass er sich zu Beginn der Entführungsserie nicht bewusst gewesen wäre, dass es einen FAA-Hijack-Koordinator gab, den er hätte kontaktieren müssen. [67]

Dass es einen FAA-Hijack-Koordinator gab, der am 11. September fern seines Postens war, wie auch seine Stellvertreter, erwähnt der 9/11-Kommissionsbericht mit keinem einzigen Wort.


Falsche Signale

Alles in allem darf mit einiger Berechtigung geurteilt werden, dass „(d)ie Reaktion auf die 9/11-Entführungen durch die Konfusion, die aus dem Überlappen der Entführungen/Übungen erwuchs, eindeutig schwerer gemacht worden (ist).“ Beispielsweise sagte Lieutenant Colonel Dawne Deskins, eine Übungsleiterin von Vigilant Guardian, „dass jeder bei NEADS am Anfang dachte, dass der erste Anruf, den sie über die realen 9/11-Entführungen erhielten, Teil des Kriegsspielszenarios war.“ In der Tat umfasste die Übung Vigilant Guardian das Training für den Fall einer Flugzeugentführung.

Ferner erörtert Scott:

„Generalmajor Larry Arnold, der NORAD-Kommandeur, fragte am Anfang bezüglich der Entführungen von Boston: ,Ist das Teil der Übung?’ So taten es auch andere Offiziere, einschließlich Colonel Robert Marr, der Leiter von NEADS in Rome, New York.

Der 9/11-Forscher Michael Kane, die Arbeit seines Forscherkollegen Mike Ruppert zusammenfassend, machte geltend, dass durch das Office of National Preparedness, das am 8. Mai 2001 eingerichtet wurde, Cheney und FEMA die koordinierten 9/11-Kriegsspiele planten:

,Am 8. Mai 2001 – vier Monate vor 9/11 – übergab der Prasident an Dick Cheney die Leitung von ,allen bundesstaatlichen Programmen im Umgang mit dem Massenvernichtungswaffen-Folgemanagement innerhalb der Ministerien für Verteidigung, Gesundheit, Justiz und Energie, der Umweltschutzbehörde und anderen Behörden des Bundes.’ Dies beinhaltete alle Arten ,Training und Planung’, die ,nahtlos, harmonisch und umfassend miteinander integriert’ sein müssten, um die ;Effektivität zu maximieren.’ Dieses Mandat schuf das Office of National Preparedness innerhalb von FEMA, beaufsichtigt von Dick Cheney.

Dick Cheney wurde die direkte Verantwortung für das Durchführen der nahtlosen Integration aller Trainingsübungen des gesamten föderalen Staats und in allen militärischen Behörden übertragen. An 9/11 beaufsichtigte Cheney multiple Kriegsspiele und Terrordrills, einschließlich mehrere Übungen von NORAD, die Behörde der Luftwaffe, deren Mandat es ist, ,den Himmel zu beobachten.’

Meiner Meinung nach können solche Bemerkungen über Cheneys und FEMAs Verantwortung für die Kriegsspiele an 9/11 nur als eine Frage aufgestellt werden, nicht als Tatsachenbehauptung. Aber es gibt einige Anzeichen, um Kanes These zu unterstützen, in der eigenen Beschreibung des Pentagon von Amalgam Virgo 01 und 02, zwei Kriegsspiele, die vor 9/11 geplant wurden.“ [68]

Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass FEMA tatsächlich Teil der Planungen beider Übungen vor dem 11. September war – wobei Amalgam Virgo 02 ein Kriegsspiel war, bei dem es um die Entführung einer kommerziellen Passagiermaschine ging.

Neben den bereits erwähnten falschen Radarsignalen angeblich entführter Flugzeuge und dem zwischenzeitlichen Bericht, dass „11 Flugzeuge vom Kurs abgekommen oder von der Kommunikation abgeschnitten sind, womöglich entführt“, trägt Scott vor, dass Colonel Marr von NEADS erklärt hatte: „Ich denke, zu einem Zeitpunkt [am 11. September] wurde mir gesagt, dass es im gesamten Land 29 verschiedene Berichte von Entführungen gab.“ [69]

Wer die verschiedenen Kriegsspiele angeordnet und koordiniert hat, der Frage ging die 9/11-Kommission nicht nach. Von daher kann, solange keine gründliche und unabhängige Untersuchung unternommen wird, zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass Mike Ruppert mit seiner These richtig liegt, dass die multiplen Kriegsspiele die bewusst wahrgenommene Möglichkeit bot, um einen sogenannten „Inside-Job“ zu initiieren. Sowohl Ruppert als auch Scott berichten von einer Begebenheit, „die eindeutiger hätte feststellen können, wie die Regierung am 11. September reagierte und ob entweder die Kriegsspiele oder Phantomflugzeuge zum Mangel an Reaktion beitrugen. Kurz nach den Angriffen nahmen Kontrolleure des Luftfahrtverkehrs, die zwei der entführten Flüge betreuten, ihre Erlebnisse auf Kassette auf. Aber das Tonband wurde mutwillig von einem nicht-identifizierten Qualitätssicherungsmanager der FAA zerstört, der ,die Kassette in seiner Hand zerdrückte, das Band in kleine Teile zerschnitt und sie in verschiedene Mülleimer warf.’ Eine solch extreme und möglicherweise illegale Handlung fügt sich Verdachtsmomenten hinzu, dass die ganze Geschichte über die Reaktion auf die 9/11-Angriffe noch nicht erzählt ist.“ [70]

Ob die Kriegsspiele und falschen Radarsignale in einem möglichen, in Gänze nicht auszuschließenden „Inside-Job“-Szenario schon ausgereicht hätten – oder ob hie und da noch ein absichtliches „Versagen“ der Luftwaffe vonnöten gewesen war, dazu stellte ich einige Fragen an einen Autor, der sich den Kriegsspielen des 11. September und der Reaktion der Luftwaffe auf die Entführungen so akribisch gewidmet hat wie kaum ein Zweiter: der investigative Journalist Paul Schreyer.

Von ihm wollte ich erfahren:

Am Tag des 11. September kam es zu Kriegsübungen der US Air Force, die verblüffende Ähnlichkeiten mit den 9/11-Terrorangriffen aufwiesen. Zunächst: was haben Sie gedacht, als sie erfuhren, dass hierbei womöglich tatsächliche Passagiermaschinen zum Einsatz kamen, um entführte Flugzeuge zu simulieren?

Paul Schreyer: Das reale Passagiermaschinen Teil der Militärübungen am Morgen von 9/11 waren, ist bisher nicht erwiesen. Nach allem was man heute weiß, wurde allerdings zumindest ein Szenario durchgespielt, bei dem es um die Entführung eines Flugzeuges ging. Deshalb reagierten einige der Offiziere der Luftabwehr ja auch so konsterniert. Überliefert ist ja die spontane Reaktion eines zuständigen Majors auf den ersten Alarm: „Da hat jemand etwas vorverlegt. Das Hijacking soll doch erst in einer Stunde sein.”

Es gab ja durchaus deutliche Warnhinweise für die Woche des 11. September und der möglichen Angriffsziele. Hätten die Kriegsübungen in Anbetracht dessen abgesagt werden müssen, um Konfusionen zu vermeiden?

Paul Schreyer: Die vielleicht noch wichtigere Frage lautet meiner Meinung nach: Zu welcher Uhrzeit wurden diese Übungen am Morgen von 9/11 überhaupt abgebrochen? Offiziellen Tonbändern des Militärs zufolge wurden noch um 9.30 Uhr simulierte Signale auf den Radarschirmen angezeigt – also über eine Stunde nach Beginn der Entführungen und lange nach den beiden Einschlägen im World Trade Center. Die konkreten Umstände dieser Manöver wurden nie aufgeklärt.

Welche Konfusionen gab es?

Paul Schreyer: Eines der Hauptprobleme habe ich gerade erwähnt. Die Übung ermöglichte die Anzeige von fiktiven Signalen auf den Radarschirmen, die von echten Flugzeugen auf dem Display nicht zu unterscheiden waren. Trotz dieser Schwierigkeit hätte die Luftabwehr aber die entführten Flugzeuge rechtzeitig mit Abfangjägern erreichen können, was, wie man weiß, in keinem einzigen Fall geschah. Auch dieser Sachverhalt wurde bisher nicht schlüssig aufgeklärt.

Ein Mann, dem Sie viel Aufmerksamkeit widmen, ist Col. Robert Marr. Weshalb ist dieser Mensch so wichtig?

Paul Schreyer: Colonel Robert Marr war Befehlshaber der Luftabwehr für den Nordosten der USA. In seiner direkten Verantwortung lag es, die Abfangjäger rechtzeitig aufsteigen zu lassen. Wie kürzlich freigegebene Dokumente jedoch zeigen, verzögerte er allem Anschein nach diese Reaktion in mehreren Fällen aktiv. Marr wurde außerdem der Lüge überführt, was öffentliche Aussagen von ihm zum Abschussbefehl an diesem Morgen angeht. Diese Person verdient daher sicher größere Aufmerksamkeit, als ihr bisher zuteil geworden ist.  [71]

Wenn die Kriegsspiele und falschen Radarsignale in einem „Inside-Job“-Szenario also nicht ausreichten, wie es Paul Schreyer oben nahelegte, und tatsachlich noch ein absichtliches „Versagen“ der Luftwaffe vonnöten gewesen war, dann muss man wohl Colonel Robert Marr ins Visier nehmen.

Wie Schreyer in seinem Buch Inside 9/11 aufzeigt, steht der begründete Verdacht einer mutwilligen Behinderung der Marr unterstellten Luftabwehr im Raum, die offiziell untersucht gehörte. Gleich in mehreren Fallen, so Schreyer, hat Marr seinen Teil dazu beigetragen, dass die Luftabwehr ihrer Aufgabe nicht nachkam.

Fakt ist: Trotz der vielen Übungen blieb immer noch ein Kontingent an Personal und Militärjets verfügbar, dass die entführten Passagiermaschinen hätte abfangen können und müssen. Zumal die entführten Maschinen, wenn man die Aufzeichnungen der Flugrouten betrachtet, seltsame „Umwege“ flogen: statt direkt nach Übernahme der Flugzeuge auf schnellstem Wege die jeweiligen Ziele New York City und Washington D.C. anzusteuern, zogen sie große, zeitaufwendige „Schleifen“ – was für die mutmaßlichen Entführer gefährlich war, da sie dadurch die Möglichkeit erhöhten, abgefangen werden zu können, und tatsächlich auch damit rechnen mussten, dass genau dies geschehen würde. Allerdings zogen einige der Militärjets, die zur Abfangmission aufstiegen, ebenfalls große, zeitaufwendige „Schleifen“, die darauf schließen lassen, dass sie vom Bodenkommando „fehlgelenkt“ wurden. Darüber hinaus sind ganze Luftwaffenstützpunkte schlicht „vergessen“ und nicht rechtzeitig alarmiert worden.  [72]

Auffällig nicht nur im Sinne von „unnötigem Schleifendrehen“ ist, dass beispielsweise American Airlines Flug 77:

a) in Washington DC abhob, um das Pentagon zu attackieren, nachdem die Maschine mehr als eine Stunde lang im Landesinneren umhergeflogen war, obwohl das Pentagon nur wenige Kilometer vom Abflugort (Dulles Airport) entfernt lag,

und:

b) letztlich die Richtung gen Washington DC exakt in einem Radarloch änderte, damit für die Luftverkehrskontrolleure einstweilen außer Sicht geratend. [73]

Zur Frage, wann die Kriegsspiele gestoppt wurden, kann man den Tonbandaufzeichnungen der US-Luftwaffe entnehmen, dass virtuelle Zusätze auf den Signalschirmen bis 9:30 Uhr zu sehen waren. [74]

Wir wissen aber auch, dass sich dem Civil Military Operations Center (CMOC), das ebenfalls mit den Kriegsübungen betraut war, das gleiche Problem mit falschen Radarsignalen stellte – und zwar bis einschließlich 10:12 Uhr. CMOC-Mitarbeiter riefen tatsächlich bei NEADS an, um die Signale schleunigst stoppen zu lassen. Das geschah jedoch nicht. [75]

Überdies ist der Relevanz wegen dreierlei zu unterstreichen:

1) Zur Frage, ob genügend Kampfjets zur Verfügung standen, obwohl eine Reihe von Übungen abgehalten wurden, ist die Antwort eindeutig: Ja, und der Grund ist von größter Bedeutung, denn er ist der Kern des sogenannten „Air Policing“-Systems, das in allen NATO-Luftstreitkräften seit den 1950er Jahren eingeführt und praktiziert wurde – und zwar von den USA initiiert. Jedes Luftwaffen-Geschwader (oder Flügel, Wing), das die Aufgabe des Air Policing innehat, hat eine Mannschaft von zwei Kampfjets, die 24 Stunden an jedem Tag des Jahres in Alarmbereitschaft gehalten werden, ausschließlich um diese Aufgabe zu erfüllen. In der Regel müssen die Maschinen 10 bis 15 Minuten nach dem Alarm in der Luft sein. Dieser Prozess wird in der NATO-Luftwaffe „Alpha Scramble“ genannt. Diese Crews und ihre Maschinen nehmen nie – unter gar keinen Umständen – an Übungen teil. Auch wenn die Staffel für andere Aktivitäten verwendet wird, bedeutet dies nicht, dass dies ohne eine Zuordnung des Air Policing an ein anderes Geschwader für diesen bestimmten Zeitraum geschieht.

2) Die Änderung der Vorschriften – die Notwendigkeit für eine Genehmigung von “Alpha Scramble” – ist bemerkenswert für sich, weil es der Praxis, die seit Jahrzehnten durchgeführt wurde, widerspricht. Diese Praxis kennt bewusst keine hierarchischen Befehlsstrukturen, sondern beruht auf dem Prinzip der Feuerwehr, mit dem Verzögerungen vermieden werden sollen.

3) Kein Fluglotse, der für den Simulationsprozess einer Luftwaffenübung eingesetzt wird, wird sich – unter gar keinen Umständen – verpflichten, gleichzeitig parallel dazu Aufgaben des normalen zivilen oder militärischen Flugbetriebs zu übernehmen, und umgekehrt. Dies wäre mit den Grundsätzen der Flugsicherheit unvereinbar. Sollte es der Fall gewesen sein, dass ein Fluglotse virtuelle Signale / falsche Lichtpunkte auf dem Radar empfing, wäre dies ein Hinweis darauf, dass jemand (mit Zugang zum Radarsystem) absichtlich Verwirrung stiften wollte.

Fest steht ferner ohnehin, dass NORAD die 9/11-Kommission bezüglich der Luftabwehr an 9/11 anlog – oder ihr jedenfalls nicht annähernd die Wahrheit sagte. Der Kommissions-Vorsitzende Thomas Kean: „Wir wissen bis heute nicht, warum uns NORAD erzählt hat, was es uns erzählt hat, aber es war so fern der Wahrheit.“ [76]

In einer Senatsanhörung im Jahre 2004 gab Senator Mark Dayton zu Protokoll, dass die USA für „109 Minuten“ an 9/11 „vollkommen verteidigungslos“ dagestanden hätten, und dass die NORAD-Verantwortlichen die Gründe für das Versagen der Luftverteidigung vertuschten, indem sie der 9/11-Kommission, dem Kongress und dem amerikanischen Volk Unwahrheiten erzählten. Hauptverantwortlich für alle Luftverteidigungsoperationen am 11. September 2001 war General Ralph E. Eberhardt. Ferner war er als Commander in Chief des US Space Command und als Commander in Chief von NORAD verantwortlich für viele der militärischen Übungen, die am 11. September stattfanden. [77]

Nachdem die US-Luftwaffe viermal in Folge an 9/11 versagt hatte, wurde Eberhardt zum ersten Kommandeur des neugeschaffenen NORTHCOM befördert. Niemand von NORAD wurde je für die Falschaussagen zur fehlgeschlagenen Luftverteidigung zur Rechenschaft gezogen.

Für die These, die Mike Ruppert in Sachen „Möglichkeit“ vorbringt, möchte ich anmerken, dass mit dem Computersystem im PEOC zusätzlich in die Abläufe von NORAD und FAA eingegriffen worden sein könnte – auch das gälte es gründlich zu untersuchen. Rupperts These ist, dass die Software, die unter anderem Informationen zwischen NORAD und FAA vermittelte, von einer anderen aufgehoben und ersetzt wurde, die im PEOC unter Kontrolle eines Kernteams des Secret Service rund um Richard Cheney stand. Mit dieser Software wäre es dann – darauf werde ich noch eingehend zu sprechen kommen – theoretisch möglich gewesen, die Reaktionen bei NORAD und FAA zu überwachen, um gezielt einzugreifen und so die Reaktion zu sabotieren. Vorerst soll ein erster Hinweis darauf genügen.

Bezogen auf die 9/11-Kriegsspiele fragte ich Paul Schreyer nach dem für ihn verblüffendsten Ergebnis seiner Recherchen zu den Kriegsübungen.

Paul Schreyer: Das offensichtliche: dass die Übungen parallel zu den Anschlägen stattfanden. Ähnliches ist ja übrigens auch 2005 bei den Anschlägen auf das Londoner U-Bahn-System passiert: am Morgen des 7. Juli fand zeitgleich zu den realen Attacken eine Übung statt, in der es, so wörtlich, um „simultane Bombenanschläge auf U-Bahn-Stationen” ging. In meinen Augen reicht Zufall als Erklärung da nicht mehr aus.

Außerdem fragte ich ihn mit Hinblick auf ein zentrales Mysterium rund um die Aktivitäten des Vize-Präsidenten der Vereinigen Staaten am Morgen des 11. September 2001:

Was lesen sie aus den Aussagen heraus, die Norman Mineta bezüglich Cheney machte?

Paul Schreyer: Mineta war am 11. September 2001 als Verkehrsminister Mitglied der Bush-Regierung. Er befand sich während der Anschläge zusammen mit Cheney im Bunker unter dem Weißen Haus und bezeugte vor der 9/11-Kommission, dass Cheney bei seinem Eintreffen um 9.20 Uhr schon dort gewesen sei. Offiziell hingegen heißt es, Cheney sei erst um 9.58 Uhr im Bunker eingetroffen. Bei dieser Kontroverse geht es letztlich um mehrere sehr weitreichende Dinge. Wann gab Cheney den Abschussbefehl an die Kampfjets? Holte er das Einverständnis des Präsidenten dazu ein? Wusste er vom ankommenden Flugzeug, das auf das Pentagon zusteuerte? Die Antworten auf all diese hochsensiblen Fragen hängen davon ab, wann Cheney den Bunker betrat. Man kann vermuten, dass dies der Grund dafür ist, weshalb die 9/11-Kommission Minetas Aussage in ihrem Abschlussbericht unter den Teppich kehrte.  [78]

Unter den Teppich kehrte die 9/11-Kommission noch einige andere Dinge in Verbindung mit Richard Cheney. Sie ignorierte beispielsweise völlig, dass auch Richard Clarke, der oberste Anti-Terrorbeauftragte der Regierung Bush, in seinem Buch Against all Enemies davon berichtete, dass Cheney viel eher mit einem Extrakontingent an Secret-Service-Personal zum PEOC aufbrach, als sie es in ihrem Abschlussbericht schilderte. [79]

Des Weiteren adressierte sie nicht, dass Cheney sein Möglichstes tat, um danach die Arbeit von Richard Clarke zu erschweren. Dessen Anrufe per Standleitung vom Westflügel des Weißen Hauses ließ Cheney ein ums andere Mal persönlich ins Leere laufen. Und als Clarke schließlich vollkommen aufgebracht Zugang zum PEOC erhalten wollte, wurde ihm dieser von Cheneys Wachmannschaft mit entgegengehaltenen Maschinengewehren verwehrt. Derweil er die Kommunikation und Koordinierung mit Clarke unterlief, kümmerte sich Cheney um Telefonate mit Präsident Bush, dem Secret Service und anderen Führungspersonen der Sicherheitsdienste sowie um Einzelgespräche mit seinen direkten Untergebenen im PEOC, nicht wenige davon im Flüsterton, wie Barton Gellman schreibt. [80]

Zudem veranlasste Cheney schon bald, dass sein persönlicher Rechtsberater und Verbindungsmann zum US-Justizministerium, David Addington, hinab in den Bunker im Ostflügel des Weißen Hauses stieg. Die Beratungen mit Addington, die ebenfalls im Flüsterton liefen, während die Entführungsserie noch nicht beendet war, leiteten die Aktivierung der Continuity-of-Government-Pläne ein. [81]

In The Road to 9/11 bietet Peter Dale Scott eine detailliert unterlegte dreiteilige Hypothese darüber an, welche zentrale Rolle Cheney am Morgen des 11. September eingenommen haben könnte.  [82] Sie stützt sich auf Indizien, die teilweise aus dem Bericht der 9/11-Kommission stammen und teilweise anderen maßgeblichen Quellen entnommen sind. Die dreiteilige Hypothese lautet:

„Erstens leitete Cheney sein eigenes Entscheidungen treffendes Netzwerk in oder nahe des Präsidenten-Bunker unter dem Weißen Haus (das Presidential Emergency Operations Center oder PEOC). Zweitens standen Bush, Cheney und Rumsfeld tatsächlich in Kontakt zueinander, und alle drei diskutierten mindestens die dreigliedrige Entscheidung für einen Abschuss-Befehl und COG – aber in einem entscheidenden Moment, als Cheney und Rumsfeld beide von ihrem eigenen Personal abgeschieden waren.“ [83]

Diese dreigliedrige Entscheidung hieß: „Eins, der Präsident ordnete die Anwendung von Gewalt gegen Flugzeuge an, die als feindlich gelten. Zwei, das Weiße Haus ersucht ebenfalls um Begleitung der Air Force One durch Kampfflieger. Drei, und das trifft auf alle Behörden zu, wir initiieren COG. Bitte aktivieren Sie Ihre alternativen Kommandozentralen und bewegen sich sofort dort hin.“ [84]

Die dritte Hypothese, die Scott aufstellt, geht davon aus, dass „Cheney Zugang zu einem gesicherten Kommunikations-System (hatte), möglicherweise durch den Secret Service, um diese Kontakte außerhalb der regulären Kanale aufrechtzuerhalten”, und zwar zu Bush und Rumsfeld. „Kurz gesagt, die National Command Authority operierte über Cheney im PEOC, und Schlüsselentscheidungen von Cheney wurden aus dem PEOC zu den drei Telefonkonferenzen übertragen: die des Weisen Hauses (Clarkes), die des National Military Command Center (NMCC), und die der FAA.“ [85]

Eine wirklich unabhängige, nach allen Seiten untersuchende Kommission hätte dieser Sache kompromisslos nachgehen müssen, um Aufklärung zu erbringen. Stattdessen übte sie sich in diesem kritischen Punkt wiederholt in „Falschdarstellungen, einschließlich möglicher Lügen, über ein Verbrechen, dem größten Mord in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Derart viel bleibt über dieses Verbrechen noch unbekannt, von der Identität der Entführer bis hin zu den Umständen, die sie ihre Ziele erreichen ließen, dass das Verbrechen als ungelöst zu betrachten ist. Unter diesen Umständen sind die falschen Darstellungen im 9/11-Bericht der Kommission nicht nur Hinweise auf eine Täuschung und Vertuschung, sie rechtfertigen auch den schweren Verdacht darauf, was vertuscht wird.“ [86]

Um die Wahrheit ans Licht zu bringen und Unklarheiten zu beseitigen, so Scott im Jahre 2007, „wäre (es) angemessen, einen Ort einzurichten, an dem der Vize-Präsident zum ersten Mal über 9/11 unter Eid aussagen würde. Diese Befragung würde kritisch auf die Reaktionen des Vize-Präsidenten auf die entführten Flugzeuge am 11. September schauen und auch eine noch ernsthaftere Frage stellen: Haben Cheneys Aktivitäten mit FEMA im Frühjahr 2001 zum Ausmaß der Anschläge beigetragen? FEMA war eine Behörde, mit der Cheney seit den 1980er Jahren heimlich zu tun hatte. In diesem Jahrzehnt waren Cheney und Rumsfeld, der nicht einmal der Regierung angehörte, mit FEMA an streng geheimen Vorbereitungen für das beschäftigt, was schließlich an 9/11 geschah: die Proklamation der Regeln für COG – Continuity of Government.

Obwohl wir fast nichts über COG seit 2001 wissen, haben Nachrichtenmeldungen in den 1980er Jahren darauf hingewiesen, dass die COG-Planungen, in Verbindung mit Oliver North, damals Pläne für das Inhaftieren ohne richterlichen Beschluss und das Abhören ohne richterlichen Beschluss enthielten – Pläne, die nach 9/11 rasch umgesetzt wurden. Wir müssen uns fragen, ob Cheney sowohl im Mai, als auch am 11. September nicht mehr auf die Umsetzung seiner eigenen früheren COG-Programme konzentriert war, als auf das Aufhalten ankommender Flugzeuge. Wenn ich nach meiner Meinung über das gefragt werde, was an 9/11 passierte, antworte ich üblicherweise, dass ich mir nur einer Sache sicher bin: dass es eine signifikante Vertuschung von wichtigen Fragen gegeben hat. Aber es gibt noch einen anderen Schluss, der aus den verfügbaren Daten gezogen werden kann: Zu einem Zeitpunkt, da die Nation angegriffen wurde, entfernten sich Cheney und Rumsfeld beide gleichzeitig für eine Weile von ihren Mitarbeitern und ihren vorgesehenen Posten, um ein bedeutsames Gespräch zu halten, über das sie (a) seitdem getäuscht haben, (b) der Bericht schweigt oder irreführt, und (c) die Fakten unbekannt sind. Ich finde das alles sehr suggestiv. Wenn Cheney und Rumsfeld Fragen erörterten, die selbst für das Publikum im PEOC zu hören zu sensibel waren, haben beide mit ziemlicher Sicherheit nicht im Alleingang gehandelt. Wahrscheinlicher waren sie die Schlüsselfiguren in einer streng geheimen Operation, die andere miteingeschlossen haben muss.“ [87]

In einem Interview, das ich im Sommer 2014 veröffentlichte, kam ich mit Peter Dale Scott auf Gemeinsamkeiten in den Tiefenereignissen „JFK ‘63“ und „9/11“ zu sprechen – welche an dieser Stelle von Relevanz sind.

LS: Ich würde Sie gerne über bestimmte Kommunikationskanäle befragen, die sowohl in JFK als auch in 9/11 beteiligt waren. Warum ist das vielleicht die wichtigste Ähnlichkeit?

PDS: Nun, ich glaube, dass das nationale Kommunikationsnetzwerk – es hatte verschiedene Namen im Laufe der Jahre, aber es ist das spezielle Netzwerk, das in Verbindung mit der Continuity of Government-Planung aufgebaut wurde, und es geht bis in die 1950er Jahre zurück, und die ganze Zeit über verändern sie den Namen. Dies ist eine Ähnlichkeit, auf die ich später stieß. Seit vielen Jahren war mir bekannt, dass die White House Communications Agency [WHCA] ein Faktor in der Kennedy-Ermordung war, weil in Verbindung mit der Untersuchung von JFK durch die Warren-Kommission veröffentlichten sie die Polizei-Transkripte und bestimmte Secret Service-Nachrichten, aber es war bekannt, dass es zwei Kanäle der Polizei gab, beide veröffentlicht, doch es gab auch noch einen dritten Kanal, der in Daily Plaza verwendet wurde, und der Secret Service nutzte den Kanal der sogenannten White House Communications Agency.

Seit Jahren war mir bewusst, dass wir daran kommen müssten, und wir waren nicht in der Lage, daran zu kommen. 1993, als sie ein [Assassination Records] Review Board einrichteten, ging ich zum Review Board und ich sagte, sie sollten an die Datensätze herankommen; aber sie sind nicht freigegeben. Und doch gibt die White House Communications Agency auf ihrer Website damit an – ich denke, dass es das dort immer noch zu lesen gibt –, dass sie dazu beigetragen haben, das Kennedy-Attentat zu lösen. Und das ist sehr interessant, weil die Aufzeichnungen nie die Warren-Kommission erreichten, die angeblich dazu da war, es zu lösen.

Und dann, als die Aufzeichnungen zu 9/11 herauszukommen begannen – das dauerte ein paar Jahre, wir hatten den 9/11-Bericht der Kommission, und es stellte sich heraus, dass es bestimmte Kommunikationen gab, bestimmte Telefonanrufe, von denen wir wissen, dass sie gemacht wurden, aber es gibt keine Aufzeichnung von ihnen. Und in meinem Buch The Road to 9/11 sagte ich, die Hinweise deuten darauf, dass sie … bereits COG implementiert hatten; und das bedeutet, dass, wenn das der Fall ist, sie das spezielle Kommunikationsnetzwerk des COG implementierten [und verwendeten], das unter Änderung der Namen der Erbe des Notfall-Netzwerks ist, und die White House Communications Agency war und ist Teil des Notfall-Netzwerks.

Ich könnte noch dazu einwerfen, dass ein anderes Tiefenereignis Iran-Contra war, und es stellte sich heraus, dass Oliver North 1985-86 Waffen an den Iran schickte, was illegal war und eine Menge Leute in der Regierung wussten von nichts. Sie wussten nichts, weil Oliver North für das gleiche Notfall-Netzwerk verantwortlich war, und er benutzte dieses Notfall-Netzwerk, um beispielsweise die Kommunikation mit der Botschaft in Portugal zu machen, damit diese Waffen an den Iran gingen. Also das ist für mich ein gemeinsamer Nenner.

Und in Watergate, das ist ein weiteres Tiefenereignis. Wir wissen immer noch nicht, warum es ein Abhörgerät am Telefon im Demokratischen Nationalkomitee gab, aber wir wissen, dass James McCord, der verantwortlich für das Team war, das es installierte, Mitglied des Special Air Force Reserve-Netzwerks war, das mit Continuity of Government zu tun hatte. Und er war mit der gleichen Art von Sache betraut: wer zusammengetrieben werden sollte, die Inhaftierung ohne richterlichen Beschluss; sie hatten so etwas in den Tagen von Watergate.

Also das ist für mich einer der auffälligsten gemeinsamen Nenner, der sich durch diese vier großen Tiefenereignisse zieht – JFK, Watergate, Iran-Contra, und schließlich 9/11, und wenn wir je wieder ein Tiefenereignis dieser Art haben sollten, würde ich jetzt auf der Basis vergangener Darbietungen vorhersagen, dass das Notfall-Netzwerk, jenes, zu dem gewöhnliche Leute in der Regierung keinen Zugang haben, wieder ein Faktor sein wird.

LS: Ist der Secret Service in beiden Ereignissen von besonderem Interesse?

PDS: Sie sind gerade wegen dem, worüber wir gerade gesprochen haben, von Interesse; weil sie die White House Communications Agency für ihre Kommunikation nutzen, und eine Menge … ganze Bücher sind über den Secret Service und das JFK-Attentat geschrieben worden – manche etwas sehr übertrieben und einige Leute bringen sie mit dem Plot in Verbindung. Ich denke, es war eine seltsame schlechte Leistung an diesem Tag; sie haben Dinge nicht getan, die sie hätten tun sollen, sie haben Leute, die sie hätten untersuchen sollen, nicht untersucht – das bedeutet nicht unbedingt, dass sie Täter sind, und so hänge ich diesen Theorien nicht an. Er ist weniger offensichtlich im Fall von 9/11, der Secret Service, aber was interessant ist, sie spielen eine Rolle, weil an einem bestimmten Punkt – es gibt ein spezielles Flugzeug für Continuity of Government, das so genannte E4B, sie nennen es das “Doomsday-Flugzeug”, und sie nennen die COG-Planung das “Doomsday-Programm”, und das Flugzeug flog über dem Weißen Haus.

Kein Flugzeug darf je über dem Weißen Haus fliegen, und doch genau an diesem Tag, als alles schief ging, ist die E4B – es ist eigentlich das Sonderflugzeug für die National Command Authority, die der Präsident und der Verteidigungsminister sind. Aber natürlich war keiner von ihnen in dem Flugzeug: der Präsident war in Florida und der Verteidigungsminister im Pentagon half, seinen eigenen Angaben nach, Leute auf Tragen zu legen, was eine seltsame Sache war, als die Nation angegriffen wurde.

Aber das Flugzeug war da, und der Secret Service reagierte, indem alle aus dem Gebäude gebracht wurden. Es gibt eine sehr lebhafte Beschreibung darüber, wie sie Vizepräsident Cheney fast aus seinem Stuhl heraushoben, um ihn aus dem Gebäude zu bringen, und natürlich sagen sie, dass es logisch gewesen ist, als die Nation angegriffen wurde, ihn so schnell wie möglich zum PEOC, dem Notfall-Bunker unter dem Weißen Haus zu bringen, der für den Fall besteht, dass die Nation angegriffen wird. Aber das Interessante ist, das er nicht direkt zum PEOC ging; es gab viele, viele Minuten, während denen er im Tunnel wartete und ein Telefon benutzte, das es dort gab. Was könnte das möglicherweise für ein Telefon gewesen sein? Ich würde Geld darauf wetten, das war ein Telefon, das dem Notfall-Netzwerk angeschlossen war, und ich glaube, es war an diesem Telefon, dass eine Menge der wichtigsten Entscheidungen getroffen wurden, und zwar nicht einmal in Anwesenheit der Top-Berater, die im PEOC waren.

Der Secret Service ist also in dem Sinne beteiligt, dass es ihre Aufgabe war, ihn hinaus zu bekommen und bei ihm zu bleiben – bei Cheney -, während er in diesem Tunnel vielleicht bis zu 20 Minuten anhielt, um eine Reihe von Telefonaten sowohl mit dem Präsidenten wie auch mit dem Verteidigungsminister zu tätigen.

LS: Bezüglich 9/11 sagen Sie, dass Sie nur eine Sache sicherlich wissen: Es hat eine massive Vertuschung gegeben. Was wurde vertuscht und warum?

PDS: Wir haben immer noch nicht wirklich eine Erklärung, warum die Flugzeuge … sie sollten abgefangen worden sein. Sicherlich zu der Zeit des dritten und des vierten Flugzeugs hätten sie abgefangen werden müssen. Es gibt eine ausführliche Erklärung im 9/11-Kommissionsbericht, aber es gibt viele Dinge, die noch wirklich unerklärlich sind. Das Verhalten des Vizepräsidenten, der eine Schlüsselfigur war. Es wurde ein Telefongespräch geführt, das COG implementierte; das ist das Zentrum dessen, was hier passiert ist. Es gibt keine Spur von diesem Anruf. Nicht, weil keine Spur gemacht wurde, wissen Sie, er tätigte ihn nicht von einer Telefonzelle aus oder so; es geschah sicherlich innerhalb der Kanäle, aber ich bin sicher, dass es auf einer COG-Leitung geschah, und wir müssen hören, was gemacht wurde.

Dies hat übrigens echte rechtliche Konsequenzen, weil eines der Dinge, die erklärt werden müssen, jenes ist, warum der Vizepräsident Entscheidungen traf, die zu machen er rechtlich nicht befugt war. Wir haben eine National Command Authority, die das Militär regiert: das ist der Präsident und der Verteidigungsminister. Soweit wir das beurteilen können – und da fehlen die Aufzeichnungen, so dass ich sagen würde, dass sie vertuscht werden –, wurden die eigentlichen Entscheidungen vom Vizepräsident, der nicht Teil der National Command Authority ist, getroffen.

All dies sollte untersucht werden, da es durchaus möglich ist, dass Verbrechen in Reaktion auf 9/11 begangen wurden. Ich rede jetzt nicht über 9/11 selbst, das ich nicht in meinem Buch diskutiere, da es zu viele andere Bücher gibt, die darüber geschrieben wurden. Aber in der Reaktion auf 9/11 wurden bestimmte Dinge nicht in der Weise getan, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Wie sie getan wurden, ist vertuscht worden, weil wir nicht die Dokumente darüber zur Verfügung stehen haben. [88]

Was das COG-Flugzeug, die E4B, angeht, so machte Peter Dale Scott darauf aufmerksam, dass während des Angriffs auf das Pentagon dieses sogenannte Doomsday-Flugzeug für kurze Zeit über dem verbotenen Luftraum über dem Weißen Haus kreiste. CNN berichtete darüber drei Jahre später, nahm den Bericht aber vollständig vom Sender-Angebot heraus. Dieser mobile Kommandoposten, der ein Produkt der COG-Planung ist, hat seinen Stützpunkt in Offhut, Nebraska, und ist eigentlich für die erwähnte National Command Authority bestimmt. Laut CNN besteht der Zweck der E4B darin, „die Regierung am Laufen zu halten, egal was geschieht, selbst im Falle eines Atomkrieges, was der Grund dafür ist, warum es während des Kalten Kriegs den Kosenamen ‚Doomsday-Flugzeug‘ bekam.” Dieser Vorfall über dem Weißen Haus wurde niemals offiziell erklärt, die 9/11-Kommission erwähnt ihn in ihrem Bericht mit keinem Wort. Die Aktivierung von COG fand um diese Zeit herum statt. Und die Air Force One-Odyssee des US-Präsidenten gen Westen betreffend, die sich gegen dessen erklärten Willen vollzog, indes Richard Cheney in Washington an seine Stelle zu treten schien: an 9/11 landete George W. Bush mit seiner Entourage auf zwei Militärstützpunkten, und einer davon war die E4B-Basis in Offhut, Nebraska. [89]

Desungeachtet sei der Vollständigkeit halber zuletzt bezüglich der Kriegsspiele am Morgen des 11. September 2001 noch dies erwähnt: Ein weiterer Drill, der zwar nicht direkt für den 11. September vorgesehen war, aber schon für den nachfolgenden Tag vorbereitet wurde, und zwar in New York City, war “Tripod II“, eine Kriegsübung „für einen biochemischen Anschlag“[90] die laut Aussage von Rudolph Giuliani, dem damaligen Bürgermeister von New York, „Hunderte von Personen… von der FEMA, der Bundesregierung, vom Staat, vom State Emergency Management Office“ umfasste.  [91] Das eigentliche Kommandozentrum für jede Art von Notfall-Management befand sich im World Trade Center Gebäude 7; gleichwohl konnte nach dessen Evakuierung aufgrund der Vorbereitungen für “Tripod II“ ohne Zeitverluste ein neues Kommandozentrum an der Westseite von Lower Manhattan etabliert werden, das dem im WTC-Gebäude 7 entsprach. [92]

Nach der präsidialen Weisung vom Mai 2001 fiel auch “Tripod II“ von Anfang an in den Verantwortungsbereich Dick Cheneys. All dies ist deshalb wichtig zu berücksichtigen, da nach Auswertung der Frage: „Wer hat was wann wo wie gewusst und gemacht?“, kaum ein anderer – sehr bitterer – Schluss gezogen werden kann, als jener, den Mike Ruppert zieht – namentlich, dass in den WTC-Türmen Hunderte von Menschenleben hätten gerettet werden können – gesetzt, man hätte denn wollen. [93]


Weiterführende Artikel:

Wem gehört und dient die FED?

NSA, PROMIS, PTECH und 9/11


Autor: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Beitragsbild: 9/11 – www.pixabay.com

Fußnoten:

  1. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon. The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil“, New Society Publishers, 2004, Seite 1.
  2. Vgl. Richard C. Duncan: “The Peak of World Oil Production and the Road to the Olduvai Gorge“ unter: http://www.hubbertpeak.com/Duncan/olduvai2000.html
  3. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 19.
  4. Ebd., Seite 31. Ruppert gibt über die Studie zu bedenken: ”Because it was not an official government document and not widely circulated, it could come closer to telling the truth without risking panic in the financial markets.”
  5. Ebd.
  6. Ebd., Seite 47 – 48. Für eine vertiefende Analyse der Rede siehe u. a. Kjell Aleklett: “Dick Cheney, Peak Oil and the Final Count Down” auf PeakOilNet unter: http://www.peakoilnet.com/Publications/Cheney_PeakOil_FCD.pdf
  7. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 41 – 44, 574.
  8. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 44.
  9. Ebd., Seite 42.
  10. Ebd., Seite 43.
  11. Ebd., Seite 412 – 414.
  12. Ebd., Seite 412.
  13. Vgl. Russ Baker: “Family of Secrets: The Bush Dynasty, the Powerful Forces That Put it In The White House, And What Their Influence Means For America”, Bloomsbury Press, New York, 2009, Seite 484. Joe Allbaugh gründete übrigens späterhin, wie Russ Baker erwähnt, ein Unternehmen – Blackwell Fairbanks – mit einem anderen ehemaligen NEPDG-Mitglied, Andrew Lundquist.
  14. Vgl. ebd.
  15. Vgl. ebd., Seite 481 – 482.
  16. Ebd., Seite 482.
  17. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America“, University of California Press, Berkeley, 2007, Seite 185.
  18. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 13. August 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/08/13/911-wer-auch-immer-dahintersteckt/  (…)
  19. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 427 – 428.
  20. Ebd., Seite 428.
  21. Ebd., Seite 430.
  22. Vgl. ebd., Seite 435 – 436.
  23. Ebd., Seite 436.
  24. Ebd., Seite 427.
  25. Ebd., Seite 397. Vgl. des Weiteren Seite 309.
  26. Ebd., Seite 337.
  27. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 208.
  28. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  29. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies: Inside America’s War on Terrorism“, Simon and Schuster, New York, 2004, Seite 4 – 17. Siehe auch Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219 – 220.
  30. Vgl. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 333 – 356, unter: “Wargames and High Tech“.
  31. Ebd., Seite 345. Für die Definition von “Warrior“ als “Live Fly“-Exercise siehe Seite 368.
  32. Ebd., Seite 338 – 340.
  33. Ebd., Seite 339.
  34. Ebd., Seite 338.
  35. Vgl. ebd., Seite 225 – 237, unter: “Penetration“.
  36. Ebd., Seite 237.
  37. Ebd., Seite 346.
  38. Ebd., Seite 348. Vgl. des Weiteren die Rolle der Joint Chiefs of Staff.
  39. Ebd.
  40. Vgl. “The Vice President Appears on Meet the Press with Tim Russert”, veröffentlicht auf der Website des Weißen Hauses unter: http://www.whitehouse.gov/vicepresident/newsspeeches/speeches/vp20010916.html
  41. Vgl. ebd.
  42. Ebd., Seite 202.
  43. Vgl. ebd.
  44. Ebd., Seite 231 – 33.
  45. Vgl. “Statement of Brian L. Stafford, Director, United States Secret Service, Before the Committee on Appropriations, Subcommittee on Treasury and General Government.” United States Senate, 30. März 2000.
  46. Vgl. National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Tenth Public Hearing. 9/11 Commission, 13. April 2004, abzurufen unter: http://www.9-11commission.gov/archive/hearing10/9-11Commission_Hearing_2004-04-13.htm
  47. Vgl. “Testimony of Paul H. O’Neill, Secretary of the Treasury, Before the Senate Committee on Appropriations.” U.S. Department of the Treasury, 8. Mai 2001, unter: http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/po361.aspx
  48. Vgl. Paul L. Nenninger: “Simulation at the Secret Service: As Real as it Gets”, veröffentlicht in “Learning Rants, Raves, and Reflections: A Collection of Passionate and Professional Perspectives”, 2005 herausgegeben von Elliott Masie, Seiten 175-187, sowie Paul L. Nenninger: “One Secret Service Agent’s Experience.” Southeast Missourian, 29. August 2011, unter: http://www.semissourian.com/story/1757355.html
  49. Vgl. Kevin Ryan: “Secret Service Failures on 9/11: A Call for Transparency”, Washington’s Blog, 25. März 2012 unter: http://www.washingtonsblog.com/2012/03/secret-service-failures-on-911-a-call-for-transparency.html
  50. Vgl. ebd.
  51. Vgl. ebd.
  52. Vgl. ebd.
  53. Vgl. ebd.
  54. Vgl. ebd.
  55. Vgl. Richard Cheney: “The United States Has Never Lost Its Moral Bearings”, veröffentlicht auf Real Clear Politics am 21. Mai 2009 unter: http://www.realclearpolitics.com/articles/2009/05/21/cheney_obama_keeping_america_safe_96615.html
  56. Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 220 ff.
  57. Ebd., Seite 217.
  58. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11. Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“, Kai Homilius Verlag, 2011, Seite 91.
  59. Vgl. 9/11 Commission, Memorandum for the Record, Orientation and tour of the National Military Command Center (NMCC), 21. Juli 2003, abzurufen unter: http://media.nara.gov/9-11/MFR/t-0148-911MFR-00756.pdf
  60. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11. Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“, Kai Homilius Verlag, 2011, Seite 91.
  61. Vgl. 9/11 Commission, Memorandum for the Record, Interview Lynne Osmus, 3.Oktober 2003, abzurufen unter: http://media.nara.gov/9-11/MFR/t-0148-911MFR-00910.pdf[/ref]

    Die Ursache für diese technischen Probleme wurde nie ermittelt, wiewohl die 9/11-Kommssion in ihrem Abschlussbericht selbst schrieb: „An 9/11 hing die Verteidigung des US-Luftraums von einer engen Interaktion zwischen zwei Bundesstellen ab: Der FAA und dem North American Aerospace Defense Command (NORAD).”

    Nicht an dem Platz, wo er eigentlich hingehört hätte, war am 11. September übrigens auch Michael A. Canavan, seines Zeichens der Hijack-Koordinator der FAA. Während der 9/11-Angriffe hielt er sich eigenen Angaben nach in Puerto Rico auf, weitab vom Geschehen. Und seine Stellvertreterin, Lynne Osmus, scheint erst auf ihrem Posten gewesen zu sein, nachdem die Entführungsserie bereits beendet war. [94]Vgl. Kevin Ryan: „Another Nineteen: Investigating Legitimate 9/11 Suspects“, Microbloom, 2013, Seite 113.

  62. Vgl. ebd., Seite 109.
  63. Ebd., Seite 110
  64. Vgl. ebd., Seite 113.
  65. Ebd., Seite 111.
  66. Vgl. ebd., Seite 108
  67. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11“, a.a.O., Seite 89.
  68. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 218.
  69. Ebd.
  70. Ebd.
  71. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  72. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11“, a.a.O., Seite 69 – 74.
  73. Vgl. “Pentagon Crash Highlights a Radar Gap”, Washington Post vom 3. November 2001, veröffentlicht unter: http://www.paul-schreyer.de/recherchen_archiv07.html
  74. Vgl. Matthew Everett: “‘Let’s Get Rid of This Goddamn Sim’: How NORAD Radar Screens Displayed False Tracks All Through the 9/11 Attacks”, veröffentlicht unter: http://shoestring911.blogspot.de/2010/08/lets-get-rid-of-this-goddamn-sim-how.html
  75. Vgl. ebd.
  76. Vgl. Dan Eggen: “9/11 Panel Suspected Deception by Pentagon”, veröffentlicht auf Washington Post vom 2. August 2006 unter: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/08/01/AR2006080101300.html
  77. Kevin Ryan: “Another Nineteen”, a.a.O., Seite 126 – 128.
  78. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  79. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies“, a.a.O., Seite 2 und 5. Siehe Scott in “The Road to 9/11“, Seite 201 – 207 über Flug 77 im Zusammenhang mit Cheney/Mineta/Clarke.
  80. Vgl. Barton Gellman: “Angler. The Shadowy Precidency of Dick Cheney“, Penguin, London/New York, 2009, Seite 118. Dort schildert Gellman auch Clarkes vergebliche Anrufe über die Standleitung zum PEOC an Cheney.
  81. Vgl. ebd., Seite 129.
  82. Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219 – 235.
  83. Ebd., Seite 219.
  84. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies“, a.a.O., Seite 8 – 9.
  85. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219.
  86. Ebd., Seite 232.
  87. Ebd., Seite 234.
  88. Lars Schall: „Reden wir über den amerikanischen Tiefenstaat“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 16. Juli 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/07/16/reden-wir-ueber-den-amerikanischen-tiefenstaat/
  89. Vgl. ebd.
  90. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 433.
  91. Ebd., Seite 405.
  92. Ebd., Seite 406.
  93. Vgl. ebd., Seite 406 – 411.