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Cailleas Auge

Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

In seinem Buch-Auszug erklärt Lars Schall eine besondere Theorie zu 9/11, derzufolge das Verbrechen durchgeführt wurde, um die Hintergründe eines Leveraged buyout Russlands in den 1990er Jahren zu kaschieren. In den Mittelpunkt stellt Schall ferner eine wichtige Aussage der Autorin Anne Williamson vor dem US-Repräsentantenhaus vom September 1999.

Von Lars Schall

Zusätzlich zu diesem Ausschnitt aus dem Buch “Tiefenpolitik, Methodischer Wahnsinn und 9/11: Eine Spurensuche zu Terror, Geld, Öl und Drogen“ (Arbeitstitel) empfiehlt es sich, weitere ergänzende Ausschnitte zu lesen: “GROUND ZERO REVISITED: DAS VIERMALIGE “VERSAGEN“ DER US-LUFTABWEHR AN 9/11″ – aufzufinden hier, und “NSA, PROMIS, Ptech und 9/11“ – aufzufinden hier. Das erste Kapitel des Buches, “Wem gehört und dient die Fed?”, finden Sie hier.

In die besagte Kategorie von Leuten, die aus 9/11 Nutzen zogen, gehört der Waffenhersteller Raytheon, dessen Aktienkurs unmittelbar von den 9/11-Angriffen profitierte. Der Handel der Aktienanteile von Raytheon, dem Produzenten von Tomahawk- und Patriot-Raketen (und Mutterkonzern von E-Systems, zu deren Stammkunden u.a. die NSA und CIA zählen), erlebte eine abrupte sechsfache Zunahme von Call-Optionskäufen am Tag direkt vor dem 11. September. [1]Bei Call-Optionen liegt die Erwartung vor, dass eine Aktie im Preis steigen wird. In der ersten Woche nach 9/11, als die New Yorker Börse wieder öffnete, legte der Wert der Raytheon-Aktie tatsächlich immens zu. Das Bild beim Betrachten des Kursverlaufs ist eine sehr schwache Performance vor den Anschlägen – und daraufhin, nach Wiederaufnahme des Handels, ein „Gap“ (bei mächtigem Volumen) nach oben. Anders ausgedruckt: von knapp unter $25 am 10. September, dem Tiefststand der Periode zwischen dem 20. August bis 28. September 2001, auf $31,50 am 17. September und bis zu $34,80 am 27. September.

Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

Weitere Gewinner durch 9/11 waren Käufer von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese Papiere wurden in ungewöhnlich großem Umfang kurz vor den Angriffen gehandelt. Jedenfalls berichtete das „Wall Street Journal” Anfang Oktober 2001, dass der Secret Service (der dem US-Finanzministerium zugehört) eine Ermittlung zu verdächtig hohen Volumen von US-Staatsanleihekäufen vor den Anschlägen aufgenommen habe. Eine einzige Transaktion bezüglich der fünfjährigen US-Schatzanweisungen habe allein schon den Wert von $5 Millionen beinhaltet. Ferner stieg der Wert dieser Papiere in den Tagen nach 9/11. Dazu hieß es seitens des „Wall Street Journal”:

„Fünfjährige Schatzanweisungen gehören zu den besten Investitionen im Fall einer weltweiten Krise, insbesondere bei einer solchen, die die USA trifft. Die Papiere sind geschätzt aufgrund ihrer Sicherheit und weil sie von der US-Regierung gedeckt werden, und für gewöhnlich ziehen ihre Preise an, wenn Anleger aus riskanteren Investitionen, wie beispielsweise Aktien, flüchten.“ [2]

Zu dieser Erscheinung muss hinzuaddiert werden, dass die US-Regierung über solche Staatsanleihen, die als eine Grundlage der Geldschöpfung dienen, einen Krieg wie den alsbald erklärten „Krieg gegen den Terror“ finanziert, der unter anderem mit Tomahawks der Firma Raytheon geführt wird – und hier gilt abermals ein geschwinder Blick auf dieses Cui-Bono-Verhältnis zu werfen:

„Die US-Notenbank erschafft Geld, um den Krieg zu finanzieren, und verleiht es an die amerikanische Regierung. Die amerikanische Regierung wiederum muss auf das Geld, das sie sich von der Zentralbank ausgeliehen hat, um den Krieg zu finanzieren, Zinsen zahlen. Je größer die Aufwendungen für den Krieg sind, desto größer fallen die Gewinne für die Banker aus.“ [3]

Eine vielschichtige Mengenlage, will man meinen.

Das meiste Geld, das es in gewisser Weise an 9/11 zu machen gab, lag ohnehin auf dem Markt für Staatsanleihen; der Handel in den USA lief in den Minuten, da die WTC-Türme attackiert wurden (im Gegensatz zur New Yorker Börse, die an 9/11 nicht öffnete). Bis zum Zeitpunkt der Angriffe waren bereits Wertpapiere im Wert von 600 Milliarden US-Dollar gehandelt worden. Als in den letzten Handelsminuten die Kurse hin und hergingen, wurde der Handel ausgesetzt. Nachdem der Handel Tage später wieder einsetzte, stiegen die Kurse um 5 Prozent. Wer immer in den letzten Minuten des Handels an 9/11 auf diesen Kursschwung setzte, wird eigentlich große Kasse gemacht haben.

Eigentlich. Denn die Dinge werden nun kompliziert. Eine Theorie, die 2008 von einem Autor namens E.P. Heidner unter dem Titel “Collateral Demage“ ausgebreitet wurde, besagt, dass die 9/11-Anschläge insonderheit fabriziert worden seien, um einen Akt von Finanzkriminalität zu vertuschen, der im Zusammenhang mit Staatsanleihen gestanden habe. Demnach seien die 9/11-Angriffe inszeniert worden, auf dass sämtliche Aufzeichnungen einer verdeckten wirtschaftlichen Übernahme bzw. eines Leveraged buyout der Sowjetunion zerstört und / oder diskret abgewickelt werden würden; eine Operation, die angeblich von George H.W. Bush veranlasst worden sei, um Russland als Rivalen ein für alle Mal auszuschalten, und zwar unter Verwendung einer schwarzen Kasse namens “Black Eagle Fund”. Der “Black Eagle Fund“ wiederum soll aus dem beschlagnahmten Gold bestehen, das Japan vor und während des Zweiten Weltkriegs in Asien geplündert und später auf den Philippinen versteckt gehabt hatte („Yamashitas Gold“). Diese liquiden Mittel, so Heidner, wurden von den USA als geheimes System für verdeckte Finanzierungen verwendet, in Verbindung mit geheimen Anleihen. Offiziell bestünde das Gold überhaupt nicht. [4]

Die Wirtschaftsübernahme der UdSSR (Codename: „Operation Hammer“) habe am 11. September 1991 begonnen, und die dazugehörigen Anleihen seien am 11./12. September 2001 zahlungsfällig gewesen. Eine ordnungsgemäße Abwicklung, die unter anderem über Cantor Fitzgerald und Eurobrokers gelaufen wäre, galt es unter allen Umständen zu verhindern – so jedenfalls die Theorie von E.P. Heidner.  [5] In seinem Scenario ist 9/11 weniger ein Akt zur Verbreitung von Terror, sondern zuvorderst ein Finanzverbrechen. Jenseits des Schreckens und der tiefenpsychologischen Indienstnahme des Geschehens an 9/11, sollte es einen weit darüberhinausgehenden Zweck erfüllen.

Die Anleihen seien nicht in den offenen Markt gelangt, sondern verdeckt zur Refinanzierung von privaten und öffentlichen Schulden Russlands eingesetzt worden. Weiters sollen sie benutzt worden sein, um sich in lukrative Schlüsselunternehmen einzukaufen. Nach dem Kollaps der Sowjetunion und dem Untergang von Mikhail Gorbatschow sprudelte das Geld unter anderem zur Familie von Boris Jelzin und zu Mikhail Chodorkowskis Bank Menatep, die eng mit der Valmet Group in Genf zusammenarbeitete. Die Valmet Group gehörte zur Riggs Bank, die zum CIA-Kosmos zählte und der Bush-Familie nahestand (beispielsweise über Jonathan Bush, ein Onkel des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bruder des früheren US-Präsidenten George H. W. Bush). Valmet war später an der Privatisierung von Yukos und Sibneft prominent beteiligt.

Heidner verweist darauf, dass Cantor Fitzgerald (CF) sowohl 1997 wie auch ein Jahr vor 9/11 Teilnehmer und Gastgeber von Economic Wargames / Wirtschaftskriegsspielen gewesen war, die von US-Geheimdiensten und dem Council on Foreign Relations initiiert worden seien. Die Handelsaktivitäten, die bei diesen Kriegsspielen analysiert wurden, betrafen die Märkte für Staatsanleihen, Öl und Gold. [6]

Die Transfers im Handel von Staatsanleihen liefen nach Angaben von Dino Kos, zum Zeitpunkt von 9/11 Vorstandsmitglied der New Yorker Federal Reserve Bank, via JP Morgan Chase und der Bank of New York (BONY) über Fedwire, dem Knotenpunkt für die Banken, der zur Abwicklung ihrer Staatsanleihegeschäfte benutzt wird. Betreiber von Fedwire ist die NY Fed. Am 11. September, so Kos, kappten die Leitungen der Banken zu Fedwire. [7]

Ein umfangreiches Textdokument namens „September 11 Commission Report Revised“ bringt hingegen vor, dass bis auf die Telekommunikationsmöglichkeiten bei BONY alle relevanten Systeme zur Abwicklung von Anleihegeschäften intakt blieben – nicht nur Fedwire, sondern auch Cantor Fitzgeralds eSpeed-System, das CF mit der Deutschen Bank verband (und gewiss interessant ist für das, was immer Convar herausfand). Jamie B. Stewart, der damalige Vizepräsident der New York Fed, wird dahingehend zitiert, dass die Fedwire-Operationen über eine Backup-Einrichtung außerhalb Manhattans liefen und deswegen nicht kappten.  [8] Reibungslos funktionierte auch die Transaktionsfähigkeit über CHIPS (das Clearing House Interbank Payments System); gleiches galt für das Bankensystem insgesamt. [9]

Cantor Fitzgerald wiederum bewegte rund 50 Prozent aller Staatsanleihen der USA. Nicht Computerdaten seien durch die 9/11-Angriffe zerstört worden, denn die gingen nicht einmal im Fall von CF verloren – da es ein funktionierendes Backup gab [10]; sehr wohl aber seien alte Zertifikate von Staatsanleihen vernichtet worden, die CF offensichtlich – wie auch Garbon Inter-Capital und Eurobrokers – in Tresoren im WTC aufbewahrte.  [11] Hierzu hätten Staatsanleihen aus dem Jahre 1991 mit einer 10-jährigen Laufzeit und einem Wert von bis zu 240 Milliarden US-Dollar gehört, die von dubiosen Gold-Wertpapieren und Schweizer Goldbarren gedeckt gewesen seien – sogenannte „Durham / Brady Bonds“.

Wie bereits erwähnt worden war, verlor Cantor Fitzgerald viele Makler im Nordturm des WTC. Insgesamt waren 41 Prozent aller Toten auf dem WTC-Gelände Wertpapiermakler. Dadurch wurde laut Heidners Annahme genug Chaos im Bond-Markt angerichtet, um eine Situation hervorzurufen, in der verdeckte Staatsanleihen im Wert von 240 Milliarden US-Dollar „elektronisch ,abgewickelt‘ werden konnten, ohne dass jemand zu viele Fragen stellte.“ [12]

„Brady Bonds“ wiederum sind Schuldverschreibungen bzw. Verbriefungen von Krediten, die zuerst Ende der 1980er Jahre emittiert wurden. Mit den „Brady Bonds“ wurden die nicht-bedienbaren Schulden lateinamerikanischer Länder in handelbare Schuldverschreibungen umgewandelt. Diese Kreditverbriefungen waren durch Null-Kupon-Anleihen des US-Finanzministeriums gedeckt. Zum Erwerb dieser Schuldverschreibungen waren Kredite vom IWF und der Weltbank nötig.

Im Sinne des Scenarios à la Heidner wurden nicht-legal besicherte „Brady Bonds“ in Russland später zur Schuldenrestrukturierung eingesetzt – im Zusammenhang, so wird vermutet, mit der versuchten wirtschaftlichen Übernahme der Sowjetunion. Ohne die Brady-Tarnung der nicht mit legaler Besicherung gedeckten Anleihebriefe für die Eindeckung der künftigen Oligarchen (die ja Stand nach dem Putsch August 1991 nichts als unbemittelte Mafiosi und KGB-Günstlinge waren) mit kaufkräftigem Vermögen, wäre wohl in der Tat nicht zu bewerkstelligen gewesen, was Anne Williamson im September 1999 exemplarisch vor dem US-Repräsentantenhaus beschrieb. Williamson, die unter anderem für das Wall Street Journal und The New Yorker arbeitete und Autorin des Buches Contagion: The Betrayal of Liberty – Russia and the United States in the 1990s ist, zeigte in ihrer Aussage auf, wie die historische Chance, die den USA gegeben war, um zur Umwandlung Russlands in ein freies, friedliches, pro-westliches Land beizutragen, verschwendet wurde zugunsten einer wirtschaftlichen Vergewaltigung, die von korrupten russischen Politikern und Geschäftsleuten durchgeführt und von den Bush- und (insbesondere) Clinton-Regierungen unterstützt wurde. Wesentliche Akteure: Wall Street, das US-Finanzministerium, das Harvard Institute for International Development, die Nordex-Bank, der IWF, die Weltbank sowie die Federal Reserve.

Williamson zufolge plünderten die aufkommenden russischen Oligarchen, viele davon der ehemaligen kommunistischen Nomenklatura zugehörig, das russische Reich mit Hilfe der USA; anschließend wurde dieses Geld in den Aktien- und Immobilienmärkten in den Vereinigten Staaten investiert. Williamson sagte vor dem US-Repräsentantenhaus aus:

„In der Sache, die vor uns steht – die Frage nach den vielen Milliarden an Kapital, das aus Russland über die Bank of New York und andere westliche Banken an westliche Ufer floh –, hatten wir ein Fenster geöffnet, wie die finanziellen Angelegenheiten eines Landes aussehen, das ohne Eigentumsrechte, ohne Banken, ohne Vertragssicherheit, ohne eine verantwortliche Regierung oder eine Führung ist, welche Anstand genug hat, um sich ums nationale Interesse oder Wohlergehen seiner eigenen Bürger zu scheren. Es ist kein schönes Bild, oder? Aber lassen Sie keine Fehlannahmen aufkommen: in Russland ist der Westen der Autor seines eigenen Elends gewesen. Und es gibt keine Fehlannahme, wer die Opfer sind, d. h. westliche Steuerzahler, hauptsächlich die der USA, und die russischen Bürger, deren nationales Erbe gestohlen wurde, nur um verschleudert und / oder in den westlichen Immobilien- und Aktienmärkten investiert zu werden.“

Die entstehende Oligarchen-Klasse Russlands wurde von westlichen Finanzinstituten gekauft, und Jelzin hatte man bei der Schaffung der oligarchischen Klasse, die die Basis seiner politischen Macht darstellte, unterstützt:

„Westliche Hilfe, IWF-Kreditvergaben und die gezielte Aufteilung der nationalen Vermögenswerte sind das, was Boris Jelzin mit dem anfänglich nötigen Kleingeld für seinen Wahlkreis aus Ex-Komsomol [Kommunistische Jugendliga] Bankchefs versorgte, denen die Freiheit und die Mechanismen gegeben wurden, ihr eigenes Land im Tandem mit einer wiedererstarkenden und wirtschaftlich kompetenteren Verbrecher-Klasse zu plündern. Die neue Elite lernte alles über die Beschlagnahme von Vermögen, aber nichts von seiner Schöpfung. Schlimmer noch, diese neue Elite gedeiht in den Bedingungen des Chaos und meidet genau die Stabilität, auf die die USA so inbrünstig hoffen, wohlwissend, dass die Stabilität ihre Fähigkeit, unverschämte Gewinne zu erzielen, kräftig einschränkt. Folglich war und ist Jelzins ,Reform‘-Regierung dazu verurteilt, diese parasitäre politische Basis, die aus der Bankenoligarchie besteht, aufrecht zu erhalten. (…) Und erst jetzt, fast auf den Tag acht Jahre später, erfahren US-Steuerzahler, dass die ,eifrigen, jungen Reformer‘, denen ihre Mittel zum Zwecke des Aufbaus eines neuen Russland gegeben wurde, vom ersten Tag an mit der erschöpften sowjetischen Nomenklatura in ein System verbündet waren, um Russlands Reichtum zu plündern und im Westen zu parken.”

Williamson beschreibt einen zum Teil mörderischen Wettkampf um die Kontrolle der neuen Unternehmen, die in Russland privatisiert wurden; die profitabelsten davon: Ölunternehmen, Stahlwerke und der Telekommunikationsbereich. Sie wurden an bestimmte Oligarchen „auf Insider-Auktionen“ vergeben, „deren Ergebnisse vorher vereinbart wurden.“

Der Fluss zusätzlichen Kapitals führte ab dem Frühjahr 1995 zu einem Wertanstieg der US-Aktienunternehmen. Der IWF und die Weltbank übernahmen die Rolle von „800 Pfund schweren Gorillas der wirtschaftlichen Verzerrung und im Laufe der Zeit der Plünderung“. Das Schema, nach dem vorgegangen wurde, ist eigentlich recht gut bekannt:

Man „verkaufe Hilfsprogramme auf einer angeblichen Basis ,freier Märkte‘ und der ,Humanität‘“ durch Akademiker, die ihre Fähigkeiten zur intellektuellen Camouflage beibringen, während IWF und Weltbank in den Zielländern wie Russland die Steuern anheben und Zentralbankengeschäfte abstimmen, Kreditaufnahmen ermutigen und Privatisierungen anschieben, um Hochrisiko-Investoren anzuziehen. Sobald die Regierung der Zielnation schwankt, trete man zurück und schaue zu, wie Spekulanten die Disziplin durch einen Angriff auf die Währung des Ziellandes behaupten. Die anschließende Abwertung liefert wiederum eine Flut von Billigimporten an amerikanische Hersteller und Produzenten.“

Sodann können „westliche Neo-Kolonialisten“ die Zielnation mit den stets größer werdenden Schulden schikanieren, um noch mehr Eigentum herauszupressen. „Einmal erfolgreich, können die Insider der Welt sich dann umdrehen und billige Anteile aus Privatisierungen und Börsengänge in den Schlund von US-Investmentfonds und Portfolio-Investoren“ werfen. „Die großen Gewinner sind die weltweit zunehmend korrupten und bequemen herrschenden Klassen, die internationalen Bürokratien und die globalen Banken.“

Das Fazit von Frau Williamson: „Was die US-Politik in weiten Teilen der Landschaft nach dem Kalten Krieg geschmiedet hat, ist ein moralischer, politischer und finanzieller Greuel auf Basis von Betrug, Diebstahl und Schwindel.“ [13]

Es ist hervorzuheben, dass Williamsons Buch Contagion, welches den umrissenen Sachverhalt en Detail behandelte, trotz bestehenden Vertrags nicht verlegt wurde, als es 1997 fertiggestellt wurde. [14]

Die „Brady Bonds“ sind in Sachen Schuldenrestrukturierung im Grunde der Gegenentwurf zu jenem Modell, das von Blessing und Herrhausen stammte und bereits 1986/87 von der Deutschen Bank als Vorschlag in Umlauf gebracht worden war. Werner Blessing, Sohn des ehemaligen Adjutanten von Schacht und Bundesbankpräsidenten sowie Bruder des Verlegers Karl Blessing und Vater des Commerzbank-Vorsitzenden, war damals für die internationalen Finanzgeschäfte der DB verantwortlich.

Die nicht-legal besicherten „Brady Bonds“, die für einen fremdfinanzierten Aufkauf Russlands verwendet worden sein sollen, mussten jedenfalls, so ist die Grundannahme des Scenarios, einerseits weitgehend zerstört, andererseits – was den übrigen Rest anging – klandestin „umgetauscht“ werden.

Zerstört werden mussten ebenso die Aufzeichnungen, die der Marinenachrichtendienst der USA, das ONI, angeblich zu diesen Aktivitäten ansammelte. Diese befanden sich in dem Pentagon-Abschnitt, der an 9/11 direkt attackiert wurde – ja, der Umzug in den äußeren E-Ring des Pentagon fand erst einen Monat vor 9/11 statt. Durch den Angriff wurden 39 von 40 ONI-Mitarbeitern getötet, die gesamte Kommandokette wurde ausgelöscht.  [15] Ferner habe das ONI an den besagten Kriegsspielen teilgenommen, an denen auch Cantor Fitzgerald beteiligt gewesen war.  [16] Ein Grund, warum das ONI mit dem Sachverhalt der zwielichtigen „Durham / Brady Bonds“ befasste, könnte sein, da ihr Fälligkeitsdatum ein eindeutiges Sicherheitsrisiko für die USA darstellte. Zuletzt: drei Monate vor 9/11 wurde von der Bush-Regierung ein neuer General Counsel für das ONI bestimmt, und zwar von der mit der Bush-Familie eng verbundenen Kanzlei Greenberg Traurig kommend. [17]

Dadurch, dass an 9/11 der nationale Notstand ausgerufen wurde, konnten die normalen Regularien der US-Börsenaufsicht SEC zur Abwicklung von Staatsanleihen von der Federal Reserve außer Kraft gesetzt werden.  [18] So wurde beispielsweise die SEC-Regel „15c3-3“ suspendiert, die unter anderem den „physischen Besitz oder Kontrolle von Wertpapieren“ festlegt. Außerdem schickte die Government Securities Clearing Corporation (GSCC) ein Memo an verschiedene Bankhäuser, welches den Umtausch von Wertpapieren betraf, die unmittelbar fällig wurden – was auf die „Durham / Brady Bonds“ zutreffen würde, wenn das hier vorgestellte Scenario denn der Wahrheit entspräche. Weiters ermöglichte die GSCC die Praxis der “Blind Broker“-Abwicklung von Wertpapieren, bei der beide Seiten des Handels anonym bleiben.  [19] Durch eine spezielle Staatsanleihe-Auktion, an deren tatsächlichen Auftreten keinerlei Zweifel besteht, brachten die US-Organe Treasury und Fed anschließend neue Anleihen auf den Bond-Markt und versorgten die Banken mit zusätzlicher Liquidität (mehr als 100 Milliarden US-Dollar).

US-Staatsanleihen werden hauptsächlich von der New York Fed gehandhabt. Laut dem US-Nationalökonom Edward Flaherty hießen die acht größten Mitgliederbanken der New York Fed im Jahre 1997 wie folgt:

Chase Manhatten Bank,
Citibank,
Morgan Guaranty Trust Company,
Fleet Bank,
Bankers Trust (im Juni 1999 durch die Deutsche Bank übernommen),
Bank of New York (BONY),
Marine Midland Bank und
Summit Bank. [20]

Die Chase Manhatten Bank und die Morgan Guaranty Trust Company schlossen sich hernach zu JP Morgan Chase zusammen (im Jahre 2000) – und wie gesehen, waren Chase und BONY die Banken, über die die NY Fed ihren Fedwire laufen ließ, um den Staatsanleihehandel zu organisieren. Die Clearingstellen, um die zwielichtigen Anleihen diskret zu behandeln, wären BONY und GSCC gewesen. BONY soll zudem bei verdeckten Destabilisierungsmaßnahmen vis-à-vis dem Rubel die Finger im Spiel gehabt haben und massiv in Geldwäschegeschäften verwickelt gewesen sein, die in Verbindung mit russischen Banken am Ende der Sowjet-Ära auftraten.  [21] BONY ließ sich in diesen Fragen von Sullivan & Cromwell vertreten.

Offiziell begründet wurde die außerordentliche Auktion von 10-Jahres-Staatsanleihen mit fehlgeschlagenen Transaktionen (sogenannten „Fails“), bei denen die Verkäufer die Papiere nicht fristgerecht bereitstellen können. Nach 9/11 sprang die Anzahl der „Fails“ an einzelnen Tagen auf Werte von über 190 Milliarden US-Dollar. Auffällig: die „Fails“ sollen nur bei BONY stattgefunden haben; bei Chase kam nichts Vergleichbares vor. BONY war zu Zeiten von 9/11 für das Clearing von ungefähr 50 Prozent aller in den USA gehandelten Wertpapieren verantwortlich. Die „Fails“ sollen bei BONY aufgrund von Kommunikationsproblemen zutage getreten sein. Dies darf jedoch in Zweifel gezogen werden, vermochte BONY doch sämtliche Operationen über eine Backup-Einrichtung in Utica, New York aufrecht zu halten. [22]

Lars Schall


Autor Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: „Auge“ – pixabay.com

Fußnoten:

  1. Vgl. “Bank of America among 38 stocks in SEC’s attack probe”, veröffentlicht auf Bloomberg News am 3. Oktober 2001, archiviert unter: http://911research.wtc7.net/cache/sept11/bloombberg_BAamong38.html. Darin hieß es: “A Raytheon option that makes money if shares are more than $25 each had 232 options contracts traded on the day before the attacks, almost six times the total number of trades that had occurred before that day. A contract represents options on 100 shares. Raytheon shares soared almost 37 percent to $34.04 during the first week of post-attack U.S. trading.”
  2. Barry Grey: “Suspicious trading points to advance knowledge by big investors of September 11 attacks”, veröffentlicht auf World Socialist Web Site am 5. Oktober 2001 unter: http://www.wsws.org/articles/2001/oct2001/bond-o05.shtml. Zum Zusammenhang von 9/11 und dem Handel von US-Staatsanleihen siehe auch Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seiten 73 – 89 und 125 – 143.
  3. J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 28. November 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/11/28/im-innern-des-illusorischen-reiches-des-banken-undwaren-schwindels/
  4. Zur Geschichte von Yamashitas Gold siehe insbesondere Sterling und Peggy Seagrave: “Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold“, Verso, New York, 2003. Besprechungen des Buches erschienen u. a. von Chalmers Johnson: “The Looting of Asia“, London Review of Books, 20 November 2003, unter: http://www.lrb.co.uk/v25/n22/chalmers-johnson/the-looting-of-asia, und von Henry C. K. Liu: “Realpolitik Of Democratic Revolution, Part 1: The Philippines revisited“, Asia Times Online, 19. November 2003, unter: http://www.atimes.com/atimes/Southeast_Asia/EK19Ae03.html.
  5. Vgl. E.P. Heidner: “Collateral Damage: U.S. Covert Operations and the Terrorist Attacks on September 11, 2001”, a.a.O.
  6. Vgl. ebd., Seite 43, Quellenangabe 8. Siehe auch „September 11 Commission Report Revised December 2008“, Seite 184, veröffentlicht auf Scribd unter: http://de.scribd.com/doc/16970135/September-11-Commission-Report-Revised-December-2008
  7. Vgl. “National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Memorandum for the Record (MFR) of the Briefing by Dino Kos of the Federal Reserve Bank of New York Conducted by Team 8, 01/09/2004”, veröffentlicht auf Online Public Access unter: http://research.archives.gov/description/2610129. Bei der Gelegenheit sprach Kos über Probleme, die an 9/11 zutage traten:

    In the case of the Fedwire operating system, it is fine if everyone can make and received payments. If someone can make, or receive payments, but not the reverse, the balances get out of wack. Some bank can have a huge overdraft and they won’t know if it will be covered. In the case of Government securities, there is no central clearing corporation. … Each broker-dealer has a bank they use. When BONY was disrupted on 9-11, the dealers did not know if their positions were covered. They wired payments to BONY but did not know if they were received. BONY did not know what funds they had received. Dino showed me data that indicated that BONY had a huge surplus and the rest of the banks in the system were in a huge deficit. Furthermore, a number of trades were “lost” in the morning when the Broker-dealers were lost in the WTC.

    Zu Problemen im Staatsanleihebereich nach 9/11 heißt es:

    He spoke about the securities “fails”, when the two sides of a trade could not be reconciled. He said that this was “huge”. He said that even once the immediate disruptions normalized, the volume of “fails” increased through the end of September. … Because of the number of “fails”, the Treasury had to issue an unscheduled auction of 10 year bonds. In Dino’s view, the “fails” did not really having any adverse effect on the market, but it was an issue that had to be dealt with and was cleared up with the Treasury auction.

    Ferner wird angemerkt, dass die Federal Reserve massiv liquide Mittel in die Märkte pumpte.

  8. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 186.
  9. vgl. ebd., Seite 187. CHIPS wurde übrigens, wie noch in Sachen PROMIS-Software bewiesen werden soll, seit den 1980er Jahren von der NSA im Zuge der “Follow the Money”-Initiative überwacht.
  10. Vgl. ebd.
  11. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 77, 85.
  12. Ebd., Seite 77.
  13. “Testimony of Anne Williamson Before the Committee on Banking and Financial Services of the United States House of Representatives September 21, 1999“, veröffentlicht unter: http://www.thebirdman.org/Index/Others/Others-Doc-Economics&Finance/+Doc-Economics&Finance-GovernmentInfluence&Meddling/BankstersInRussiaAndGlobalEconomy.htm.

    Dieser Plünderung wurde dann unter Wladimir Putin zunehmend ein Riegel vorgeschoben, indem er besonders den immensen Energie- und allgemeinen Ressourcenreichtum der Russischen Föderation unter die Kontrolle des Staats stellte.

    Im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf den Aktien- und Immobilienmarkt in den USA mag auch interessant sein, was Catherine Austin Fitts 2009 unter der Überschrift “Financial Coup d’Etat” (“Ein finanzieller Staatsstreich”) festhielt – siehe Solari.com unter: https://solari.com/blog/financial-coup-d%E2%80%99etat/. Ich übersetzte:

    Im Herbst 2001 besuchte ich eine private Investment-Konferenz in London, um einen Vortrag mit dem Titel “The Myth of the Rule of Law or How the Money Works: The Destruction of Hamilton Securities Group“ zu geben.

    Die Präsentation dokumentiert meine Erfahrungen mit einer Partnerschaft zwischen Washington und Wall Street, die folgende Punkte zu verantworten hatte:

    • Die Durchführung einer betrügerischen Immobilien- und Schuldenblase;
    • Die illegale Verschiebung riesiger Mengen an Kapital aus den USA hinaus;
    • Den Gebrauch der „Privatisierung“ als eine Form der Piraterie – ein Vorwand, um Vermögenswerte des Staates an private Investoren unterhalb marktüblicher Preise zu bewegen, und dann die Verschiebung privater Verbindlichkeiten zurück an den Staat ohne jedwede Kosten für den Inhaber der privaten Verbindlichkeiten.

    Weitere Referenten auf der Konferenz, der namhafte Reporter angehörten, berichteten von der Privatisierung in Osteuropa und Russland. Während die Porträts britischer Vorfahren auf uns herab starrten, hörten wir eine Geschichte nach der anderen von der globalen Privatisierung, die in den 1990er Jahren auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und Asien stattgefunden hatte.

    Langsam, als sich die Teile zusammen fügten, teilten wir eine erschreckende Offenbarung: die Banken, Unternehmen und Investoren, die in jeder Weltregion agierten, waren genau die gleichen Akteure. Sie waren eine relativ kleine Gruppe, die wieder und wieder in Russland, Osteuropa und Asien auftauchte, dabei begleitet von den gleichen namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien.

    Offensichtlich war ein globaler finanzieller Staatsstreich im Gange.

    Das Ausmaß dessen, was geschah, war überwältigend. In den 1990er Jahren waren Millionen von Menschen in Russland aufgewacht, um festzustellen, dass ihre Bankkonten und Pensionsmittel einfach weg waren – ausgelöscht durch eine fallende Währung oder von Gangstern gestohlen, die die Gelder zurück in die großen Mitgliedsbanken der New Yorker Fed wuschen, damit sie dort zur Anheizung der Schuldenblase reinvestiert wurden.

    Berichte über Politiker, Regierungsbeamte, Akademiker und Geheimdienste, die die Erpressung und den Diebstahl erleichterten, waren zwingend. Ein Anwalt aus Russland, der ohne Strom lebte und gezwungen war, Nahrungsmitteln anzubauen, um nicht zu hungern, wurde mit den Worten zitiert: „Wir werden de-modernisiert.“

    Einige Jahre zuvor hörte ich drei Bäuerinnen zu, wie sie den Kampf gegen Drogen in ihren jeweiligen Ländern beschrieben: Kolumbien, Peru und Bolivien. Ich fragte sie: „Nachdem man Sie in Lager gepfercht hat, wer bekommt dann Ihr Land und zu welchem Preis?” Meine Frage öffnete eine magische Tür. Aus ihr strömte hinaus, wie die reale Wirtschaft mit dem Krieg gegen Drogen zusammenarbeitet, einschließlich des Diebstahls von Land und den öffentlichen Aufträgen, um Wohnraum für die Menschen zu errichten, die vertriebenen worden waren.

    An einer Stelle, von meinem Verständnis davon, wie dieses Spiel funktioniert, beunruhigt, sagte eine der Frauen zu mir: „Sie sagen, Sie waren nie in einem unserer Länder, und doch verstehen Sie genau, wie das Geld arbeitet. Wie kann das sein?” Ich antwortete, dass ich als Staatssekretärin für den Wohnungsbau des US-Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (Housing and Urban Development, HUD) in den Vereinigten Staaten gearbeitete hatte, wo ich Milliarden von staatlichen Investitionen in US-Gemeinden beaufsichtigt hatte. Offenbar arbeitete die Sache auf die gleiche Weise in ihren Ländern, wie in meinem.

    Später fand ich heraus, dass der Auftragnehmer der Regierung, der die Strategie für den Krieg gegen Drogen und die damit verbundene US-Hilfe für Peru, Kolumbien und Bolivien anführte, der gleiche Auftragnehmer war, der auch für das Wissensmanagement für die Durchsetzung von HUD-Maßnahmen verantwortlich war. Dieses Washington-Wall-Street-Spiel war ein globales Spiel. Die Bäuerinnen Lateinamerikas hatten gegen die gleichen finanziellen Piraten und Geschäftsmodelle zu kämpfen, wie die Menschen in South Central Los Angeles, West Philadelphia, Baltimore und der South Bronx.

    Später bestätigte die mutige Berichterstattung von Naomi Klein und Greg Palast im Detail, dass die Privatisierung und das Modell wirtschaftlicher Kriegsführung, das ich in London diskutiert hatte, tiefe Wurzeln in Lateinamerika besaßen.

    Wir erlebten einen globalen „Raubüberfall”: aus einem Land nach dem anderen wurde Kapital gesaugt. Die Präsentation, die ich in London gab, offenbarte einen Teil des Puzzles, der schwer für das Publikum zu begreifen war. Dies geschah nicht einfach nur in den Schwellenländern. Es geschah auch in Amerika.

    Ich beschrieb ein Treffen, das im April 1997 stattfand, mehr als vier Jahre vor diesem Tag in London. Ich hatte eine Präsentation vor einer erlesenen Gruppe von US-Pensionsfonds-Leitern bezüglich der außerordentlichen Möglichkeit gegeben, den US-Bundeshaushalt zu überarbeiten. Ich stellte unsere Schätzung dar, dass die staatlichen Investitionen im Gebiet von Philadelphia, Pennsylvania eine negative Rendite hatten.

    Wir präsentierten, dass es möglich war, Gebiete mit Privatvermögen zu finanzieren und die öffentlichen Investitionen so umzustrukturieren, dass eine positive Rendite dabei herum kommen würde. Als Folge dessen könnten signifikante Kapitalsteigerungen erreicht werden. Also war es möglich, US-Pensionsfonds zu nutzen, um die Ruhestandsicherheit von Rentnern dadurch zu erhöhen, indem man erfolgreiche Investitionen in amerikanischen Gemeinden, kleine Unternehmen und Farmen betrieb – alle in einer Weise, die die Verschuldung reduzieren, die Qualifikationen verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde.

    Die Resonanz der Investoren der Pensionskassen gegenüber dieser Analyse war recht positiv, bis der Präsident des CalPERS-Rentenfonds – dem größten des Landes – sagte: „Sie verstehen das nicht. Es ist zu spät. Sie haben das Land aufgegeben. Sie ziehen das ganze Geld im Herbst [1997] ab. Sie bewegen es nach Asien.”

    Als der Herbst dann kam, begannen auch tatsächlich erhebliche Mengen an Geldern die USA zu verlassen, einschließlich illegale. Über 4 Billionen US-Dollar gingen der US-Regierung verloren. Niemand schien davon Notiz zu nehmen. Von einer betrügerischen Schuldenblase, die mit der Kraft und Intention der höchsten Ebenen des Finanzsystems angetrieben wurde, zu der falschen Annahme verleitet, dass wir in einer Boom-Wirtschaft lebten, beteiligten sich die Amerikaner an einer Orgie des Konsums, die das reale finanzielle Vermögen liquidierte, das wir dringend benötigten, um uns für die zukünftigen Zeiten zu repositionieren.

    Die Stimmung an diesem Nachmittag in London war recht nüchtern. Die Frage, die unausgesprochen in der Luft hing, lautete: wenn die Blase einmal vorbei sein würde, war dann die Zeit gekommen, wo auch wir „de-modernisiert” werden würden? Im Jahr 2009 – mehr als sieben Jahre später – ist das eine Frage, die sich viele von uns fragen.

  14. Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 88.
  15. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 76.
  16. Vgl. „September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 189-191.
  17. Vgl. ebd., Seite 205 – 206. Greenberg Traurig soll an fünf Aspekten der Bush-Amtszeit beteiligt gewesen sein: [1] represented President Bush in the Bush-Gore 2000 Florida election vote recount, — [2] personally represents Governor Jeb Bush, — [3] hired son of Supreme Court Justice Antonin Scalia on election day 2000–after which Justice Scalia cast one of the 5 to 4 deciding votes which placed Bush in presidency, — [4] Miami-headquartered firm partially funded/sponsored delegation to Israel by House-Senate Armed Services Committee members and government contractors to witness and be briefed on interrogation resistance procedures and torture techniques….One of lobbyists joining them to Israel included Jack London, CEO, CACI Int’l Inc., firm implicated in outsourced Iraqi torture at Abu Ghraib prison, — [5] firm has prominent administrative positions in Massachusetts 9/11 Fund which also involves Bush family banking house Brown Brothers Harriman, — [6] one appointed as General Counsel of the Department of the Navy and its Office of Naval Intelligence just 90 days before the attacks.”
  18. Vgl. ebd., Seite 196. In dem Text wird vorgebracht, dass neben George H. W. Bush auch Alan Greenspan, der damalige Fed-Vorsitzende, an der Herausgabe und Verwendung der besagten „Durham / Brady Bonds“ im Jahre 1991 maßgeblich beteiligt gewesen sei.
  19. Vgl. ebd., Seite 197.
  20. Vgl. Edward Flaherty: “Debunking the Federal Reserve Conspiracy Theories“, Abschnitt “Myth #5: The Federal Reserve is owned and controlled by foreigners“, veröffentlicht auf PublicEye.org unter: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/Federal_Reserve.html, bzw.: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/flaherty5.html
  21. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 195 – 197. Genannt werden im Zusammenhang mit Geldwäscheaktivitäten die European Union Bank, Menatep und Nordex.
  22. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 132. Gaffney bezieht sich auf Aussagen von Thomas Gibbons, leitender Angestellter im Risk Management bei BONY.
Leser und Autor

Interview mit Finanzwelt über Zentralbanken und Geldsozialismus

Finanzwelt: Die so genannte „nicht-konventionelle“ Geldpolitik der Zentralbanken steuert seit einigen Jahren die Preise von Anleihen, von Aktien wie auch die Geldmenge und die Zinsen. Welche Absichten verfolgen die Zentralbanker und wie wird sich dies Ihrer Meinung nach auf die Mitte unserer Gesellschaft, auf die Mitbürgerinnen und Mitbürger auswirken?

Frank Schäffler: Die Notenbanken wollen die Konjunktur steuern und damit beleben. Dies haben sie historisch immer über ihre Zinspolitik versucht, doch jetzt sind die Möglichkeiten der Zinspolitik ausgereizt und dennoch springt die Konjunktur nicht richtig an. Deshalb kaufen die wichtigsten Notenbanken Schulden von Unternehmen, Banken und den eigenen Staaten an, um den Langfristzins zu drücken und neuen „Spielraum“ in den Staatshaushalten und Bilanzen zu schaffen. Alle Hyperinflationen in der Geschichte haben damit begonnen, dass Notenbanken die Schulden der Staaten durch Gelddrucken finanziert haben. Das geht nicht lange gut.

Finanzwelt: Worauf gründet sich die Auffassung der Zentralbanker, das, kaum vorstellbar große, Aufkäufe von Staatsanleihen, von Aktien (z.B. durch die SNB und BoJ) und von Asset-Backed-Securities eine Stimulation der Realwirtschaft ergeben könnte? Wer verkauft eigentlich diese Finanzprodukte an die Zentralbanken und was geschieht damit?

Frank Schäffler: Es gründet sich aus der Vergangenheit. Schauen Sie nach Spanien. Dort ist durch die billigen Zinsen in den 2000er Jahren ein Immobilienboom erzeugt worden, der das ganze Land mitzog. Nicht nur die Bauindustrie profitierte, sondern auch die Nebengewerbe, der Konsum. Und selbst der Staat profitierte vom Wachstum durch höhere Steuereinnahmen und niedrigere Sozialausgaben. Doch dieser Boom war auf Sand gebaut, es bildete sich eine Blase, die platzte, als die Investoren nicht mehr an die weiter steigenden Immobilienpreise glaubten. Am Ende blieben die Banken auf den faulen Krediten sitzen und wandten sich an den spanischen Staat und der an den europäischen Steuerzahler und Sparer. Jetzt will die EZB diese faulen Kredite den Banken abkaufen, damit die Party wieder von vorne los gehen kann.

Finanzwelt: Die meisten Länder leiden unter sinkenden Realeinkommen der breiten Bevölkerungsschicht. Wie ist der logische Argumentationsweg des Zentralbankers, durch Geldmengenausweitung eine Realwirtschaft, die zwischen 60-70 % von Konsum abhängig ist aber unter sinkenden Realeinkommen leidet, überhaupt stimulieren zu können?

Frank Schäffler: Die Zentralbanken können nur zwischen Pest und Cholera wählen. Würden sie die Insolvenz von Staaten und Banken zulassen, hätte dies eine Schrumpfung der Kredit- und damit der Geldmenge zur Folge. Dies wollen die Zentralbanker auf jeden Fall verhindern, daher wollen sie Inflation und damit die Enteignung der Sparer befördern und noch mehr Geld ins System pumpen. Damit dreht sich das „Hamsterrad“ immer schneller bis breite Bevölkerungsschichten nicht mehr an die Werthaltigkeit dieses Geldes glauben. Dann kann es sehr schnell gehen.

Finanzwelt: Janet Yellen, die Vorsitzende der amerikanischen Fed, war Studentin und Doktorantin von James Tobin, nach dem die „Tobin-Steuer“ benannt wurde, einem Etatisten und Keynesianer. Frau Yellens Sprache ist geprägt vom Keynsianismus alter Schule: Mit Begriffen wie „Slack“ (Schlaffheit) des Arbeitsmarktes, „potential GDP“ (potentiellem BSP) und dem Modell der Badewanne des BSP, die es durch keynesianische Steuerung stets bis an den Rand aufzufüllen gilt, ist eine strenggläubige Keynesianerin im Zentrum des Kapitalismus angekommen. Wie sehen Sie die langfristigen Folgen eines solchen ideologischen Wandels?

Frank Schäffler: Es ist nur konsequent, dass Yellen an die Spitze der FED gerückt ist, denn alle Regierungen und alle Notenbanken auf dieser Welt sind sich über den geldpolitischen Kurs weitgehend einig. Doch ich will Ihnen an anderer Stelle widersprechen. Yellen ist nicht im Zentrum des Kapitalismus, sondern im Epizentrum des Geldsozialismus angekommen. Wir befinden uns in einer Geldplanwirtschaft, die vom Staat geschaffen und verteidigt wird. In einem kapitalistischen Wirtschaftssystem würde sich nicht dauerhaft ein Geldmonopol bilden, sondern es würde Wettbewerb herrschen und sich das beste Geld durchsetzen.

Finanzwelt: Was sind die Folgen der Politik des billigen Geldes auf politischer, auf realwirtschaftlicher – insbesondere der Mitbürger und Mitbürgerinnen die früher „Mittelstand“ heute vom Finanzminister schon „Gutverdiener“ genannt werden – und gesellschaftlicher Ebene?

Frank Schäffler: Sie führt zu immer mehr Staat, mehr Überwachung, mehr Steuern und mehr Schulden. Immer dann, wenn die nächste Blase noch viel stärker platzt als die davor, dann reagiert der Staat mit noch mehr Gesetzen, Willkür und Bürokratie. Am Ende leidet die Marktwirtschaft, das Recht und die Freiheit aller.

Finanzwelt: Noch vor wenigen Jahren hat die Politik die private Vorsorge, nicht zuletzt für das Alter, lautstark angemahnt. Heute sieht es so aus, als werde der vorsichtige Sparer und Vorsorger bestraft. Wie sehen Sie diesen plötzlichen Stimmungswandel in der Politik?

Frank Schäffler: Einen Stimmungswandel kann ich nicht feststellen. Die Politik duckt sich weg. Es ist eine stillschweigende Übereinkunft aller, dass die Sparer still und heimlich enteignet werden sollen. Denn wenn der Zins abgeschafft wird, damit der Staat seine Ausgaben dauerhaft finanzieren kann, dann können diejenigen, die in die Schulden des Staates ihr Geld anlegen auch keine Rendite erwirtschaften. Das betrifft mehr oder weniger alle Bürger, den fast jeder hat Produkte wie Lebensversicherungen, Riester-Verträge, betriebliche Altersvorsorge, private Krankenversicherungen oder zahlt in ein Versorgungswerk ein.

Finanzwelt: Herr Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutschen Asset & Wealth Management, wurde kürzlich in der “Welt am Sonntag” wie folgt zitiert: “Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren und gleichzeitig vernünftig investieren”. Würden Sie dem folgen?

Frank Schäffler: Keine Gesellschaft auf dieser Welt ist dauerhaft zu Wohlstand gekommen, indem es möglichst viel konsumiert hat. Das ist doch kein Selbstzweck! Konsum- und Investitionsentscheidungen sind individuelle Prozesse, die nicht vom Staat gelenkt werden dürfen, das ist doch gerade unser heutiges Problem.

Finanzwelt: Herr Wöhrmann spricht im zitierten Artikel vom „vernünftig investieren“, was durchaus differenziert und in sich richtig ist. Was bleibt in einer Welt, die für Preisbildungen zunehmend auf die Handlungen der Zentralbanken schaut, für den Berater und den Anleger als vernünftigen Orientierungsmaßstab seiner Entscheidungen übrig?

Frank Schäffler: Wer soll das „vernünftige investieren“ denn entscheiden? Frau Merkel wie bei der Energiewende? Oder Herr Wowereit wie beim Berliner Flughafen? Nein, vernünftig investieren können nur Unternehmer und Bürger, die selbst ihre Entscheidungen planen und das Risiko dafür tragen. Sich diesem System dienlich zu machen, versaut eine ganze Gesellschaft und macht den Geldsozialismus nur noch schlimmer.

Finanzwelt: Ist das Risiko derzeit noch Entscheidungskriterium mancher institutioneller Anleger?

Frank Schäffler: Denn das Subprime-Segment boomt scheinbar wieder. Nein wir sind wieder da, wo wir 2000 und 2007 waren. Es sind die gleichen Signale der Übertreibung an den Immobilien- und Aktienmärkte. Wir sind jetzt nur einige Jahre weiter und die Verschuldung hat weiter zugenommen.

Finanzwelt: Die Inflation wird von den Zentralbanken ohne jede wissenschaftliche Grundlage als positiv, ja begrüßenswert, angepriesen, es werden Inflationsziele gesetzt, die Deflation als Gefahr deklariert. Wäre dies korrekt, so müsste Gideon Gono, Präsident der Zentralbank von Zimbabwe der es auf rund 200 % jährlicher Inflation bringt, bald Rockstar-Status haben. Wem nützt Inflation, wem schadet sie, Ihrer Ansicht nach?

Frank Schäffler: Die Ausweitung der Geld- und Kreditmenge führt aktuell nicht in erster Linie zur Steigerungen der Konsumgüterpreise, sondern zu einer Steigerung der Vermögensgüterpreise bei Aktien und Immobilien. Davon profitieren sehr viele. Die Banken, die mit Aktien handeln und Immobilien finanzieren; der Staat der mehr Steuereinnahmen und geringere Zinsausgaben hat; die Exportindustrie, die ihre Produkte billiger ins Ausland liefern kann; und der Häuslebauer, der sich viel mehr Immobilie bei 2 Prozent Hypothekenzinsen leisten kann als bei 5 oder 6 Prozent. Dauerhaft zurückgehende Preise würde dagegen all diese Gruppe hart treffen, deshalb wehren sie sich dagegen.

Finanzwelt: Als einer der wenigen deutschen Politiker besitzen Sie persönlich Erfahrung was das System der unabhängigen Beratung von Vorsorgern, Sparern und Anlegern betrifft. Was können Sie unseren Lesern, den unabhängigen Maklern, Beratern und Vermittlern in dieser zunehmend absurd erscheinenden Zeit für Ihre Arbeit auf den Weg geben?

Frank Schäffler: Gute Beratung ist so wichtig, aber wahrscheinlich auch so schwierig wie noch nie. Es gelten jedoch die klassischen Tugenden nach wie vor: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit für den Aufbau einer langfristigen Kundenbeziehung. Das erfordert, dass man die Zusammenhänge versteht und daraus die richtigen Lehren für sich uns seine Kunden zieht. Staatsanleihen und Produkte die darin investieren sind dabei ein absolutes No-Go.


Das Interview erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Finanzwelt”, Ausgabe 6/2014. Das Interview führte Christoph Sieciechowicz.

Textquelle: http://www.frank-schaeffler.de

Beitragsbild: «Interview» – pixabay.com

Analyse

Sie versuchen das Problem am Laufen zu halten, statt es zu lösen

Die Komplexität der Spionageprogramme der NSA hat einige ihrer früheren technischen Experten zu ihren gefährlichsten Kritikern gemacht, da sie zu den wenigen Zeitgenossen zählen, die ihre totalitären Potentiale und Gefahren verstehen – wie William Binney, der ehemalige Technical Director for Intelligence der NSA in diesem Interview mit Lars Schall aufzeigt.

von Lars Schall

William Binney

William Binney (2013)

Lars Schall: Bill, Sie waren dieses Jahr als Zeuge von der NSA-Kommission des Deutschen Bundestages eingeladen worden. Wie war es dort zu sprechen? Und was haben Sie dort zu vermitteln versucht?

William Binney: Ich war dort, um für etwa sechs Stunden auszusagen, mit einer halben Stunde Pause in der Mitte. Es war also recht intensiv. Es gab so viele Fragen. Auf einiger dieser Fragen hatte ich keine Antworten, weil ich keine Kenntnisse darüber habe. Ich habe versucht, den Ausschussmitgliedern über Dinge Informationen zu geben, die ich persönlich kenne und nicht darüber hinausgehen. Zunächst stellten sie Fragen über meinen Hintergrund, ich schätze, um die Bühne für die Folgefragen zu bereiten. Aber auf längere Sicht interessierten sie sich für die Beziehungen zwischen dem BND und der NSA. Ich denke übrigens, dass ein Teil der Pause in der Mitte darauf zurückzuführen ist, dass damals ein BND-Mitarbeiter vom Ausschuss wegen Spitzeltätigkeiten verdächtigt wurde. Sie gaben diese Informationen auch an die NSA weiter – zumindest wurde dies damals behauptet. Ich weiß nicht, ob das wahr ist oder nicht.

Wie auch immer, es war ziemlich langwierig und sehr gründlich, und mein Standpunkt war, zu versuchen, ihnen zu vermitteln, dass das, die NSA und die Geheimdienste in den Five-Eyes-Staaten massive Datenmengen sammeln – genau wie die Stasi. Nur diesmal ist es, das versuchte ich Ihnen verständlich zu machen, wie eine Stasi auf Supersteroiden. Wolfgang Schmidt, ein ehemaliger Oberstleutnant der DDR-Stasi kommentiert das Überwachungsprogramm der NSA folgendermaßen: Für uns wäre das damals ein wahr gewordener Traum gewesen. Das trifft es im Kern. Es ist so invasiv, es ist digitale Überwachung in massivem Umfang. Und ich versuchte, ihnen dies begreiflich zu machen. Denn dies ist im Grunde eine fundamentale Bedrohung für unsere Demokratie und jede Demokratie auf der ganzen Welt. Ich bezeichne das hier in den Vereinigten Staaten als die größte Bedrohung für unsere Demokratie seit unserem Bürgerkrieg.

LS: Gab es einige Fragen, die Sie erwartet hätten, die nicht gestellt wurden?

WB: Nein, ich denke, dass sie so ziemlich alle relevanten Fragen stellten, von denen ich einige unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelte – dabei ging es vor allem um Fragen zur Beziehung zwischen BND und NSA.

LS: Was sagen sie dazu, wie Deutschland Edward Snowden behandelt?

WB: Ich glaube, er erfährt zum größten Teil viel Unterstützung in der Bevölkerung in Deutschland. Ich denke, die deutsche Regierung ist ein wenig empfindlich – einfach wegen der engen und dauerhaften Beziehung zwischen der Bundesregierung und Regierung der Vereinigten Staaten. Also, ich denke, sie versuchen eine Gratwanderung zwischen der Unterstützung aus der breiten Bevölkerung und der Unterstützung für die US-Regierung durch die bestehenden Abkommen und der Zusammenarbeit mit der Bundesregierung hinzubekommen. Sie müssen das ausbalancieren.

LS: Was ist Ihre generelle Ansicht darüber, wie sich die deutsche Regierung im NSA-Skandal verhält?

WB: Meine persönliche Meinung ist, dass sie erst jetzt beginnen, der Sache nachzugehen und erst jetzt beginnen zu erkennen, so wie hier in den USA der Kongress auch erst jetzt zu erkennen beginnt, wie sehr man unseren eigenen Geheimdiensten nicht vertrauen kann. Das wird durch ein Beispiel aus dem letzten Jahr offensichtlich, als zwei Kongressmitglieder versuchten, einen Gesetzentwurf im Repräsentantenhaus durchzubringen, um die Finanzierung der NSA zu beschneiden. Es ist so, dass sie gerade eben erst durch die Snowden-Veröffentlichungen erfahren haben, dass ein großer Teil der Informationen, mit denen sie von den Geheimdiensten und der Regierung gefüttert wurden, schlichtweg nicht wahr sind. Und dadurch haben sie schließlich zu begreifen begonnen, was vor sich ging. Dann versuchten sie eine Initiative hinzubekommen, um das zu stoppen. Das war der Punkt, als der Präsident und der damalige NSA-Direktor Keith Alexander gegenüber dem Repräsentantenhaus sehr stark dafür eintraten, diesen Gesetzesvorschlag abzuweisen. Dies geschah dann auch – aber das Gesetz verlor im Repräsentantenhaus mit nur von zwölf Stimmen . Das ist also kein schlechtes Abschneiden, es war eine ziemlich enge Abstimmung. Die Probleme mit den Geheimdiensten gehen weiter und es gibt Politiker, die gegen diese Probleme angehen wollen. Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, um sicherzustellen, dass die Geheimdienste von ihren Regierungen gezwungen werden, die Rechte der Bürger zu achten.

LS: Vor ein paar Monaten wurde bekannt, dass die NSA über den Bundesnachrichtendienst (BND) Zugriff auf Daten des DE-CIX-Internetknotenpunkts in Frankfurt gehabt haben könnte. Wenn dies der Fall wäre – die DE-CIX Management GmbH Frankfurt streitet ab, dass dies geschah –, hätte der BND gegen deutsches Recht verstoßen. Können Sie uns bitte erzählen, wie solche Vereinbarungen zwischen der NSA und dem BND zustande kommen, die Rechtsverletzungen einschließen?

WB: Die Behörden NSA und BND würden eine separate internationale Vereinbarung zwischen den beiden Behörden festlegen, die mindestens von einem Teil der Regierung verabschiedet und genehmigt werden müsste. Das hieße also, dass Ihre Regierung dem zustimmen müsste und unsere müsste das ebenso. Das würde damit beginnen, dass die Behörden vereinbaren, wobei sie miteinander kooperieren, wie sie zusammenarbeiten, und was die Grundregeln für diese Zusammenarbeit sind. Das geht dann an die Geheimdienstausschüsse des Kongresses und Senats. Eine sehr eingeschränkte Anzahl von Menschen in der Regierung wäre in der Lage, diese Art von Vereinbarung einzusehen. Das Gleiche träfe, so würde ich annehmen, auch auf den BND und die Bundesregierung zu. Es sollte da eine kleine Teilmenge der deutschen Regierung geben, die Kenntnis von diesen Vereinbarungen hat und sie überwacht. Ich weiß jedoch nicht, wie die Verhältnisse innerhalb des BND sind und wie solche Dinge dort gehandhabt werden. In den Vereinigten Staaten sind es die Kongress- und Senats-Geheimdienstausschüsse und das FISA-Gericht, die angeblich überwachen, dass derartige Verträge nicht gegen US-Recht verstoßen. In der Realität verstoßen die Dinge, die sie hier bei uns getan haben, gegen US-Recht. Hier versagt die Aufsicht ganz offensichtlich.

Und natürlich tun sie das alles auf der Grundlage der Terrorismus-Panikmache. Sie versuchen allen Angst einzujagen, um dann das tun können, was sie wollen. Das ist die Art von Hebel, die sie nicht nur gegen die Öffentlichkeit zu benutzen versuchen, sondern auch gegen den Kongress. Es gründet einfach alles auf Panikmache. Der springende Punkt ist, an mehr Geld zu kommen und ein größeres Imperium zu bauen. Hier drüben haben wir seit 9/11 für alle 16 Geheimdienstbehörden ungefähr eine Billion Dollar ausgegeben. Bei dieser Panikmache geht es für sie vor allem ums Geldverdienen. Nun nutzen sie dafür auch die Cyber-Sicherheit. Es geht darum, wie man seine Bevölkerung kontrolliert, wie man sie manipuliert, und wie man sie für Dinge zahlen lässt, die man erledigt haben möchte.

LS: Ist der BND lediglich eine Tochtergesellschaft oder Zweigstelle des US-Geheimdienstapparats?

WB: Ich würde ihn keine Zweigstelle nennen, aber er ist sicherlich ein Kooperationspartner. Noch einmal, das ist alles in Vereinbarungen niedergeschrieben. Was die Ziele sind, die sie gemeinsam teilen und an denen sie gemeinsam arbeiten – das ist alles in Verträgen festgeschrieben und von den Leitern ihrer Behörden genehmigt. Und dann geht das an bestimmte Teile der Regierungen, um ebenfalls genehmigt zu werden. Das ist alles in Abkommen festgelegt und definiert. Ich würde nicht sagen, dass der BND komplett für die NSA arbeitet. Sowohl NSA als auch BND haben ihre eigene Agenda und ihre eigenen Prioritäten. Die Zusammenarbeit erfolgt dort, wo es gemeinsame Interessen und gemeinsame Sorgen gibt – wie etwa beim Terrorismus oder vielleicht beim Drogenschmuggel.

LS: Ist die NSA in Wirtschaftsspionage in Deutschland involviert? Und wenn dies der Fall wäre, wäre es nicht die Aufgabe des BND, dies zu unterbinden?

WB: Das sollte man denken. Ich kann auf Basis der schriftlichen Informationen nur annehmen, dass dies geschieht. Ich bin übrigens sicher, dass alle Regierungen auf der ganzen Welt dies bis zu einem gewissen Grad tun. Dies ist in erster Linie natürlich abhängig von ihren Fähigkeiten und Ressourcen. Entscheidend ist, ob das außerhalb der Regierungskanäle mit der Industrie geteilt wird, um Unternehmen einen Vorteil zu verschaffen. Man würde meinen, dass die Regierungsleute das drinnen halten, aber das Problem hier in der NSA ist: Viele der Menschen, die all die Daten verwalten und die diese Art von Informationen enthalten, in Wirklichkeit sogenannte Auftragnehmer sind, die für andere Industriepartner in den Vereinigten Staaten arbeiten. Dazu gehören Unternehmen wie Boeing und auch Lockheed Martin und so weiter, die natürlich ihre ganz eigenen Interessen haben. Angestellte dieser Unternehmen behandeln und verwalten diese Daten für die NSA. Was sie damit tun, ist eine andere Frage, aber das ist schon eine sehr riskante Situation in Bezug auf Industriespionage.

LS: Ihre eigene Karriere bei der NSA gipfelte in der Position als Technischer Direktor für nachrichtendienstliche Informationen im Jahre 2001. Noch im selben Jahr gingen Sie in den Ruhestand. Warum?

WB: Das geschah nachdem sie uns aufforderten, das ThinThread-Programm zu stoppen – dieses Programm löste ein massives Datenproblem im Zusammenhang mit der Internet-Kommunikation und war zudem noch sehr preiswert. Wir kritisierten dies und nun musste man uns loswerden. Das taten sie. Ich wurde von einer recht hohen Position auf eine unbedeutende Position versetzt, auf der ich im Grunde außer Sichtweite war. Sie wollten den Kongress von mir fernhalten Das ist übrigens keine Ausnahme, sondern die Regel – wenn sie nicht wollen, dass die Leute bestimmte Dinge tun, schaffen sie sie aus dem Weg.

LS: Was hat die NSA falsch gemacht, wenn es darum ging, das 9/11-Komplott aufzudecken? Edward Snowden legte nahe, „dass die Vereinigten Staaten die richtigen geheimdienstlichen Informationen vor 9/11 besaßen, aber zu handeln versagten.”

WB: Ja, das kam durch Tom Drakes Benutzung von ThinThread heraus. Drake ging nach der Tat im Frühjahr 2002 die gesamte Datenbasis der NSA durch und analysierte sie. Er fand heraus, dass die NSA in Wirklichkeit vor 9/11 in ihrer Datenbank alle notwendigen Informationen gehabt hatte, um herauszufinden, wer beteiligt war, wo sie sich befanden. Mann hätte die ganze Sache zusammenzusetzen können und wäre in der Lage gewesen, sie zu stoppen.

Schauen Sie, das eigentliche Problem damit ist doch, dass die Industrie so sehr in die NSA integriert und an den Operationen beteiligt ist – ich meine, sie sind untrennbar miteinander verbunden, sie arbeiten in den gleichen Räumen. Die Industrie hat jedoch ein ureigenes Interesse daran, in Zukunft neue Aufträge zu erhalten, so dass sie mehr und mehr Geld verdienen kann. Sie hat also ein Interesse daran, das Problem am Laufen zu halten, statt es zu lösen. Sie führt im Laufe der Zeit lediglich schrittweise Verbesserungen ein. Das hält sie auf vorderster Position, um an die Nachfolgeaufträge zu kommen. Das ist übrigens seit Jahrzehnten die gängige Praxis, die sie benutzen.

LS: Denken Sie, dass die Ausweitung verschiedener NSA-Programme als Reaktion auf 9/11 gerechtfertigt ist?

WB: Absolut nicht! Das ist auch, was ich damals sofort ablehnte. Sie hätten das stoppen sollen, indem sie mit Automation gegen ein eingegrenztes Ziel zur Informationsgewinnung vorgegangen wären. Mit anderen Worten, sie kannten die grundlegenden Ziele und die Leute, die mit ihnen verbunden waren oder in enger Beziehung zu ihnen standen. Das hätten sie definieren können, sie hätten diese Daten herausziehen können und sie hätten ihre analytischen Bemühungen darauf konzentrieren können, um das Problem zu lösen. Das taten sie aber nicht. Stattdessen beschlossen sie, eine größere Behörde aufzubauen, ein viel größeres Budget zu genehmigen und eine viel größere Gruppe von Vertragspartnern und Vertragsagenten zu beschäftigen. Das war der Weg, den sie nahmen. Ich nannte das die Opferung der Sicherheit der Menschen in den Vereinigten Staaten und der Menschen in der freien Welt zugunsten von Geld.

LS: Der NSA-Whistleblower Thomas Drake erklärte in einem Interview mit mir ebenfalls, dass der Nexus 9/11 – Krieg gegen den Terror – als Vorwand benutzt wird, um Programme auszuweiten, die vor 9/11 existierten. Ein Beispiel, glaube ich, wäre Echelon. Könnten Sie uns vielleicht etwas über die Entwicklung von Echelon sagen?
 
WB: Ich weiß nicht allzu viel über das, was mit Echelon geschah, denn das hatte nicht wirklich mit den Glasfaserleitungen zu tun – und das ist der Bereich, wo sich die Explosion ereignete. Die Explosion in der Kommunikation trat bei den Glasfaserleitungen auf. Es gibt drei Arten von Angriffen darauf: Entweder erhalten die Dienste eine unternehmerische Kooperation mit den nationalen und internationalen Telekommunikationsfirmen oder mit den Firmen, die die Glasfaserleitungen betreiben. Wenn sie diese Vereinbarung mit oder ohne Wissen der Regierung haben dann können sie dort die Leitungen anzapfen und die Abschöpfung der Informationen vornehmen.

Wenn sie jedoch kein Unternehmen haben, das zu einer solchen Kooperation bereit ist, können sie zu ihren Amtskollegen in der Regierung gehen, um zu versuchen, eine Einigung wie in Frankfurt zu erzielen, um die Leitung dort oder an anderen Stellen anzuzapfen. Und wenn das vereinbart ist, dann gibt es eine Regierungsgenehmigung, um zur Tat zu schreiten. Das geschieht zumindest teilweise durch die beteiligte Behörde, wenn nicht von der Regierung selbst. Aber das weiß ich nicht – ich meine, das wäre der Teil, der untersucht werden müsste.

Wenn die Dienste weder eine Regierungs- noch eine Unternehmenszusammenarbeit erhalten, besteht eine weitere Möglichkeit darin, dies ganz einfach unilateral zur Tat zur schreiten – das heißt, die Dienste haben auch Mittel und Wege, um sich ohne die Zusammenarbeit mit der Regierung oder der beteiligten Firma Zugang zu den Glasfaserleitungen zu verschaffen. Das ist wie die Anzapfinstrumente, die sie an die Leitungen anbringen, die zwischen Google und allen großen Internet-Service-Providern bestehen, wenn sie Daten aus ihren großen Lagerzentren hin und her übertragen – sie zapfen die Leitungen ohne das Wissen der Unternehmen an. Das ist die Art von Dingen, die sie mit jedem anderen machen, der nicht kooperieren will. Mit anderen Worten, wenn Sie herausfinden möchten, ob Ihre Leitungen angezapft werden, müssen Sie die Leitung den gesamten Weg zurückverfolgen.

LS: Am 17. August 1975 erklärte Senator Frank Church auf “Meet the Press” von NBC:

“Durch die Notwendigkeit, eine Fähigkeit entwickeln zu müssen, um zu wissen, was potentielle Feinde tun, hat die Regierung der Vereinigten Staaten eine technologische Fähigkeit perfektioniert, die es uns ermöglicht, die Nachrichten, die durch die Luft gehen, zu überwachen. Nun, das ist notwendig und wichtig für die Vereinigten Staaten, da wir im Ausland auf Feinde oder potentielle Feinde sehen. Wir müssen gleichzeitig wissen, dass diese Fähigkeit jederzeit gegen das amerikanische Volk gerichtet werden kann, und so wie die Fähigkeit beschaffen ist, um alles zu überwachen – Telefongespräche, Telegramme, es spielt keine Rolle –, würde keinem Amerikaner irgendeine Privatsphäre übrig gelassen. Es gäbe keinen Platz, um sich zu verstecken. Wenn diese Regierung je zum Tyrann werden würde, wenn in diesem Lande je ein Diktator die Kontrolle übernähme, könnte die technologische Fähigkeit, die die Geheimdienste der Regierung gegeben haben, diese in die Lage versetzen, eine totale Tyrannei zu verhängen, und es gäbe keine Möglichkeit, dagegen anzukämpfen, denn die sorgfältigste Anstrengung, gemeinsam im Widerstand gegen die Regierung vorzugehen, egal wie privat dies gemacht werden würde, befände sich in Reichweite der Reichweite, um herausgefunden zu werden. So ist die Fähigkeit dieser Technologie beschaffen. Ich will dieses Land niemals je über diese Brücke gehen sehen. Ich weiß, dass die Fähigkeit, um die Tyrannei in Amerika komplett zu machen, da ist, und wir müssen dafür sorgen, dass diese Behörde [die National Security Agency] und alle Behörden, die diese Technologie besitzen, im Rahmen des Gesetzes und unter Aufsicht operieren, so dass wir nie über diesen Abgrund hinaus gehen. Das ist der Abgrund, von dem aus es keine Rückkehr mehr gibt.”

Wie klingen diese Worte heute?

WB: Sie trafen den Nagel auf den Kopf. Frank Church erfasste es sofort. Der Punkt ist, dass die Dienste sich im Prozess der Perfektionierung dieser ganzen Operation befinden, und der Punkt ist, dass jetzt, da jeder über eine größere Kapazität verfügt, um zu kommunizieren, die Verletzung der Privatsphäre oder der Eingriff in das, um was sich das Leben der Menschen dreht, noch schlimmer ist als das, was sich Frank Church damals vorstellen konnte. Damals dachte er nur über die Festnetz-Telefonate nach, nur darauf blickte er. Nunmehr geht es auch Mobiltelefone, Satellitentelefone, das Internet, die Computer, die Tablets, und so weiter. All die Netze, die die Leute mit sich herumzutragen. Es gibt mindestens über dreieinhalb Milliarden Mobiltelefone in der Welt, und in Bezug auf Computer verhält es sich sehr ähnlich. Die Explosion war sowohl hinsichtlich des Volumens als auch hinsichtlich der Anzahl enorm. Frank Church konnte sich das zu seiner Zeit nicht erträumen; er sprach bloß über ein kleineres Segment dessen, was verfügbar war zu jener Zeit. Und jetzt ist das Eindringen noch größer.

Und ich möchte auch darauf hinweisen, dass dies Teil der fundamentalen Gründe für die Amtsenthebung von Richard Nixon war. Sie bereiteten vor, ihn aus dem Amt zu werfen, als er zurücktrat. Aber zu dieser Zeit im Rahmen der Programme MINARETTE bei der NSA und COINTELPRO beim FBI und CHAOS bei der CIA, spionierte Nixon nur ein paar Tausend Leuten hinterher. Jetzt machen sie das bei Hunderten von Millionen in den USA, es gibt fast 300 Millionen US-Bürger – die Milliarde-plus im Rest der Welt gar nicht mitgezählt. Wenn sie nur über die USA reden, machen sie das jetzt bei praktisch jedermann. Wenn sie ein Telefon oder einen Computer oder irgendeine Art von Bankkarte verwenden oder wenn sie einen Scheck schreiben oder irgendetwas solcher Art tun, werden sie bespitzelt. Das Eindringen ist heute noch so viel größer und noch so viel umfassender.

Aber wir denken noch nicht einmal über die Amtsenthebung von Leuten nach. Wir hätten George W. Bush und Richard Cheney des Amtes dafür entheben sollen, damit überhaupt begonnen zu haben, aber wir taten es nicht. Und das ist übrigens der Grund, warum sie das alles im Verborgenen hielten – sie wussten, dass sie die US-Verfassung verletzten, und sie wussten, dass sie auch die Gesetze verletzten. Das ist auch, warum Sie den Telefongesellschaften rückwirkend Immunität geben mussten, weil sie ihnen Zugang zu den Telefonleitungen und zu den Glasfaserleitungen gaben, die nicht nur das Telefon, sondern auch das Internet transportierten. Und sie gaben ihnen auch alle Aufzeichnungen über ihre Kunden. Das alles waren Verstöße gegen die Gesetze und Verstöße gegen die verfassungsmäßigen Rechte der US-Bürger im Ersten, Vierten und Fünften Verfassungszusatz, mindestens.

LS: Bill, dies hörend, muss ich fragen: Sind Sie enttäuscht von der Reaktion Ihrer Landsleute im Zusammenhang mit diesen NSA-Enthüllungen?

WB: Ja, aber ich denke, dass die meisten von ihnen immer noch nicht verstehen, was das wirklich bedeutet. Ich habe hier ein wenig Hoffnung durch die ersten Rückmeldungen zu “CITIZENFOUR”, dem Film von Laura Poitras über Edward Snowden und dem Whistleblowing, das wir betrieben haben. Das ist sehr positiv, und ich denke, es hilft, die Bevölkerung hier über das zu unterrichten, was das wirklich bedeutet. Ich denke, wenn sie es wirklich zu verstehen, was vor sich geht und was ihre Regierung ihnen antut, dass sie darauf reagieren werden, und in einer positiven Weise reagieren werden, und erzwingen, dass sich die Regierung ändert.

LS: Ich würde auch gerne ein paar Fragen im Zusammenhang mit PROMIS diskutieren wollen, einer Software für Data Mining, die von Bill Hamiltons Softwarefirma INSLAW entwickelt wurde und vom US-Justizministerium / US-Geheimdiensten gestohlen wurde. Dr. Norman Bailey war die Person im Nationalen Sicherheitsrat der USA im Jahre 1981, die für die neue Signal Intelligence-Mission (Informationsgewinnungsmission) der NSA verantwortlich war, welche als “Follow the Money” bekannt wurde. Nach meinen Informationen sagte Dr. Bailey gegenüber INSLAW, dass sie NSA ihn über die Tatsache unterrichtet gehabt hatte, dass es die PROMIS-Software vom US-Justizministerium erhalten habe und sie als Hauptsoftware auf Computern von Clearinghäuser, Geschäftsbanken, Investmentbanken, Kreditkartenunternehmen und internationalen Finanzinstitutionen für die Echtzeit-Überwachung von elektronischen Geldüberweisungen im Bankensektor verwendete. Dr. Bailey bestätigte die Verwendung von PROMIS als “das Hauptsoftwareelement” von “Follow the Money” im Jahre 2008 auch später öffentlich. Wussten Sie, während Sie Mitarbeiter bei der NSA waren, von der PROMIS-Nutzung der NSA für ihre Banküberwachungsmission “Follow the Money”?

WB: Ich hatte persönlich keine Kenntnis von dem PROMIS-Programm PROMIS oder wie es von der NSA genutzt wurde. Ich wusste, dass es einen Versuch gab, sich Geldüberweisungen anzuschauen. Ich dachte, es ging um ihre Rückverfolgung für Terrorismus, für Drogenschmuggel, einfach internationale Kriminalität. Aber ich hatte keine Kenntnis vom PROMIS-Programm.

LS: Im Rückblick – was würden Sie gerne über PROMIS sagen? Ich meine, der ganze Fall ist immer noch nicht beigelegt, obwohl er in den 1980er Jahren begann und es keinen Zweifel daran gibt, dass die Software von US-Geheimdiensten wie CIA und NSA gestohlen wurde…

WB: Ich bin nicht überrascht darüber. Ich glaube, sie versuchten, einiges von dem geistigen Kapital, das wir hatten, nachdem wir zurückgetreten waren, zu stehlen. Die Art, wie sie es tat, war, dass sie uns das FBI schickten, um uns letztlich zu überfallen. Ich hatte von ihnen erwartet, dass sie unsere Computer aktiv angreifen würden und versuchen, die Informationen dort zu finden. Wir kannten diese Leute, und so dokumentierten wir nie etwas in einer Computerdatei, nichts war in dem Sinne dokumentiert, dass es für sie verwendbar gewesen wäre, auf Papier oder elektronisch – wir liefen mit all diesem Wissen in unseren Köpfen herum und hielten nichts davon fest, so dass es jeder hätte haben können.

Es gab ein großes geheimdienstliches Unternehmen in den Vereinigten Staaten, das bei uns eine Art von Zwangsübernahme versuchte, aber was sie nicht realisiert hatten, war, dass all das intellektuelle Kapital in unseren Gehirnen war. Das konnten sie uns nicht nehmen. Es gab nichts, was sie hätten tun können, um die Informationen von uns zu erhalten. Sie scheiterten also. Und auch die Regierung scheiterte, als sie sie von uns zu erhalten versuchte.

PROMIS war eine andere Geschichte. Sie gingen eine Vereinbarung ein und mein Verständnis ist, dass sie die Vereinbarung mit Bill Hamilton brach. Ich denke, dies ist ein Fall für die Gerichte, das vor langer Zeit in den Gerichten hätten gelöst werden sollen.

LS: PROMIS ist also nie ein Thema unter Ihren Kollegen bei der NSA gewesen?

WB: Nein, wir haben nie darüber gesprochen, und ich habe nie überhaupt nur vom PROMIS-Programm gehört, während ich bei der NSA arbeitete.

LS: Ist die Wall Street ein wichtiger Akteur des tiefen Staats in den USA?

WB: Ich denke, politisch sicherlich sowieso, weil sie eine Menge Geld zu den politischen Kampagnen beitragen. Und natürlich haben sie ihre eigenen Lobbyisten und all das. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht irgendwo Input in dem Prozess haben. Es erscheint mir nur realistisch.

LS: Nun, die CIA beispielsweise wurde durch Investmentbanker und Rechtsanwälte von der Wall Street geformt und auf den Weg gebracht.

WB: Ja, und natürlich bekamen sie Milliarden von uns. Und wenn Sie den Fall von Elliot Spitzer zum Beispiel nehmen – er war in New York und verfolgte die Banker für die ganzen Betrügereien. Er ging ihnen strafverfolgend nach, und natürlich sind sie ihn losgeworden. Sie hatten das FBI durch alle seine Daten schauen lassen, nehme ich an, weil ich nicht weiß, wie sie sonst daran gekommen sein sollen. Das FBI hatte durch das Prism-Programm direkten Zugang auf die Namen-Datenbanken bei der NSA, alle E-Mails, Telefon-Anrufe und Finanztransaktionen in diesen Datenbanken, und das FBI hatte Zugang dazu und konnte die Daten anschauen und die ganzen Finanzen, Telefonanrufe und was weiß ich noch für Elliot finden. Und sie konnten einige Beweise gegen ihn finden, die sie nutzen konnten, um ihn loszuwerden, was sie ja auch taten.

Meine Frage war von Anfang an, was ihr Motiv gewesen sein mag, um das überhaupt zu tun? Ich habe nie wirklich unsere Regierung etwas darüber sagen gehört, denn sie mögen nicht den Vierten Verfassungszusatz, der einschränkt, was sie tun darf und was nicht. Sie wollen freie Hand haben, um jeden, den sie wollen, loswerden zu können.

Wie in meinem Fall, im Fall von Kirk Wiebe, oder auch im Fall von Tom Drake, versuchten sie, uns durch die Fälschung von Beweismitteln und die Anfertigung einer Anklage gegen uns loszuwerden. Nun, wissen sie, das war die Fälschung von Beweisen, um sie bei Gericht einzureichen, damit Leute für Jahrzehnte weggesperrt werden. Das ist, was uns anzutun versuchten. Ich erwischte sie dabei, okay, so dass sie schließlich all das fallen lassen mussten. Aber ich meine, das ist unser Justizministerium; das ist nicht gerecht, das ist kriminell. Also, die Leute da unten, was sie tun, in den Geheimdienstausschüsse des Repräsentantenhauses und Senats, das FISA-Gericht, das Justizministerium und das Weiße Haus, sie versuchen jedwede Enthüllung dessen zu vertuschen, und das ist der Grund, warum sie wirklich hinter Snowden her waren, und das ist der Grund, warum sie all diese Enthüllungen stoppen wollten, weil sie die Verbrechen bloßstellen, die sie gegen die Menschen in den USA und gegen die Menschen in der Welt begingen.

LS: Zwei andere Fragen: Wer sind die größten privaten Auftragnehmer, die IT- und Telekommunikationssysteme für die NSA zu verwalten, und wie sieht ihr Zugang und ihre potenziellen Nutzung der Daten aus, um ihren privaten Interessen zu dienen?

WB: Nun, sehen sie, das ist, worüber ich zuvor sprach: diejenigen, die die Daten für die NSA managen, sind Auftragnehmer, und das sind Auftragnehmer-Organisationen oder -Unternehmen, die viele Interessen haben – nicht nur im geheimdienstlichen Bereich. Sie haben dort Zugang, und das ist eine reale Gefahr, ob sie das für Industriespionage verwenden, um sich einen Vorteil in einer internationalen Ausschreibung für Verträge zu verschaffen. Das ist stets eine Gefahr. Ich weiß nicht, wie sie das überwachen, und ich weiß nicht, was sie tun, um sicherzustellen, dass das nicht passiert.

Auch möchte ich darauf hinweisen, dass diese Arten von Datenerfassungen nicht nur auf NSA und BND beschränkt sind, es gibt auch andere beteiligte Länder, die ebenfalls Teilungsvereinbarungen haben und die Fähigkeit besitzen, wie durch XKeyscore, diese Datensätze zu sehen. Das eröffnet eine immense Palette an potenziellem Missbrauch. Ich weiß nicht, ob sie Vereinbarungen haben, um das zu überwachen oder zu verhindern oder zu stoppen, wenn sie das vorfinden. Ich weiß nicht, was sie tun. (lacht.) Sie haben’s nicht deutlich gemacht. Ich meine, sie tun dies sowieso alles im Geheimen.

LS: Und es ist durchaus ein Problem angesichts der Tatsache, dass rund 70 Prozent des US-Geheimdienste-Budgets an Auftragnehmer-Unternehmen ausgelagert ist. Noch eine Frage, und ich weiß, die ist schwer zu beantworten, aber ich denke, sie ist von entscheidender Bedeutung: Werden NSA-Systeme verwendet, um die Finanzmärkte zu managen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der NY Fed, der operative Arm des Federal Reserve Systems?

WB: Ich weiß nicht, ob das Finanzministerium oder irgendein Teil des Federal Reserve Systems diese Programme nutzt. Sie beziehen wahrscheinlich indirekt Vorteil daraus, aber ich weiß nicht, ob sie die direkt verwenden. Sie sind Teil der Regierung, wissen Sie – sie teilen Wissen über die Regierung hinweg, wie viel, da bin ich nicht sicher. Aber noch einmal, welche Vereinbarungen auch immer getroffen wurden, diese würden innerhalb der US-Regierung getroffen werden, um zu bestimmen, welche Art von Austausch vor sich gehen würde und wie die Ebene des Zugangs dazu wäre.
 
LS: Wie würden Sie denken, sieht die indirekte Verwendung dieser Systeme aus?

WB: Ich würde denken, dass sie das Treasury und alle Banken Geldtransfers in und aus dem Land berichten. Auch würde ich denken, dass sie über die Geschäftsunterlagen alle Arten von Finanztransaktionen nehmen, darunter nicht nur Kreditkarten, sondern auch Banküberweisungen von Geld, das zwischen den Banken auf der ganzen Welt hin und hergeht. Auch alle persönlichen Schecks und Überweisungen von Geld durch Individuen sowohl innerhalb des Landes als auch anderswo, die sie bekommen können. Das sind die Arten von Transfers, nach denen sie suchen würden. Sie schauen nach Muster der Übertragung von Geld, die auf Auszahlungen für Drogengeschäfte, Geldwäsche oder ähnliches hinweisen. Ich würde denken, dass sie das tun.

LS: Und wie Sie wissen, hat das Finanzministerium dieses Office of Terrorism and Financial Intelligence als Anti-Terror-Finanzeinheit (Counterterrorism Finance Unit). Glauben Sie, dass die NSA mit ihnen arbeitet?

WB: Ich nehme an, dass sie das tun. Die Ebene der Zusammenarbeit würde wieder in Vereinbarungen festgelegt werden.


Autor Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Original-Veröffentlichung: Plumbing the Depths of NSA’s Spying auf Consortiumnews.com

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: „Analyse“ – http://pixabay.com/de
  2. „William Binney“ – Wikipedia – CC Lizenz

Geld

Warum Negativzinsen die Sparer eigentlich glücklich machen sollten …

von Andreas Müller-Alwart

Respekt! Respekt! Einige große Tageszeitungen haben es tatsächlich geschafft, in ihren Finanz- und Wirtschaftsrubriken ganzseitig über die Negativzinsen und die Folgen für die Sparer zu berichten, ohne auch nur ein einziges Mal die Ursachen zu beleuchten. Und – nochmals Respekt! – sie haben die Thematik dann auch noch so dargestellt, als würden die Sparer dadurch enteignet bzw. erlitten Verluste. Nun: Verluste erleiden die Sparer doch schon die ganze Zeit über, indem die Inflationsrate runtergerechnet wird, die Gewinnzinsen niedrig gehalten werden und auf diese „Zuwachszinsen“ auch noch Abgeltungssteuer verlangt wird. Aber das ist gar nicht das Thema: Mit den bestehenden Niedrigzinsen oder sogar Negativzinsen wären die Sparer – vor allem diejenigen der Unter- und Mittelschicht – besser bedient als beim Verbleib im bisherigen Geldsystem. Denn ein Negativzins führt zur rascheren Investition von Geldvermögen in die reale Wirtschaft – das Geld wird nicht mehr gehortet.

Damit hängt damit zusammen, dass Zinseszinsen sich vor allem bei einer ganz dünnen Oberschicht als Vermögensberge anhäufen, während die Schuldentäler beim Staat verbleiben, also so oder so die Bürger betreffen. Das Wort Bürge steckt in Bürger nämlich zu Recht drin. Wenn das noch nicht ganz verständlich ist, weckt vielleicht ein Zitat von Helmut Schmidt aus einem Interview im ZEIT-Magazin auf, in dem er schon vor sechs Jahren sagte, es sei eben das Gute in Deutschland, dass sich in Deutschland die Staatsschulden und die Privatvermögen die Waage halten würden. Dadurch sei Deutschland nicht – wie z. B. Frankreich und Italien – im Ausland verschuldet, sondern nivellierten sich quasi die Privatvermögen und die Staatsschulden. Überlegung verstanden?

Andere überschuldete Staaten müssen ihre Schulden im Ausland tilgen und sind deswegen vom Ausland abhängig – sieht man ja am deutlichsten an Griechenland. Deutschland könnte die Schulden über die Privatvermögen eintreiben und wäre de facto und netto betrachtet nicht im Ausland verschuldet. So ganz stimmt der Vergleich nicht und selbst die explizite Schuldenlast hat sich leider in den letzten Jahren verändert, aber es zeigt doch, wie sehr das bisherige Geldsystem auf die Solidarität der Anleger und Bürger vertraut.

Was hat das nun mit den Negativzinsen zu tun? Nun: Für jeden Euro Guthaben muss es irgendwo einen Euro Schulden geben. Es ist in der Volkswirtschaft nicht anders wie beim Verleihen von Geld unter Privatpersonen. Zahlt ein Kreditnehmer bei der Bank seinen Kredit zurück, löst sich seine Schuld bei der Bank auf. Gleichzeitig löst sich die Forderung der Bank, die diese wie Guthaben bei sich verbucht, auch auf. Zugegeben: Diese Betrachtung ist stark vereinfacht. Was ist denn z. B. mit dem Zins und Zinseszins, der ja in der Tat auf Guthabenzinsen und Schuldzinsen anfällt? Eben genau das ist das Problem: Geld, das dem Wirtschaftskreislauf entzogen und auf Guthabenkonten gehortet wird, vermehrt sich über den Zinseszins quasi permanent von selbst. Je höher die Vermögen, desto höher diese wundersame Geldvermehrung, die im Übrigen nicht gleichförmig ansteigt, sondern exponentiell. Bedeutet: Sie wächst als immer steiler ansteigende Geldmenge wie ein sich auftürmender Wellenberg in den Himmel.

Ist nun das Horten von Geld auf Guthabenkonten aufgrund der positiven Zinserträge lukrativer als das Investieren von Geld in der realen Wirtschaft, so wachsen die Geldvermögen stark an, ohne dass ihnen reale Wirtschaftswerte gegenüberstehen. Eine unheilsame Entwicklung entsteht, an dessen Ende die Geldvermögen so stark angewachsen sind, dass niemand mehr daran glaubt, sie könnten durch reale Sachwerte – also durch Dienstleistungen und Produktion – gedeckt sein. Das Vertrauen in die angehäuften Geldwerte bzw. in deren Währung schwindet – das Geldsystem bricht ein. Im Interbankenhandel war dies bereits passiert – dies war das Hauptproblem der Finanzkrise.

In der Eurokrise, die nochmals andere Ursachen als die Finanzkrise hat, wird am Vertrauen gerüttelt, weil der Haftungsrahmen auf europäische Nachbarstaaten so ausgeweitet wurde, dass daran gezweifelt wird, ob diese mit Krediten gestützten Nachbarländer jemals aus der Realwirtschaft die Schulden tilgen können. Offen gesagt: Es ist sicher – sie werden es nicht können. Schuldenschnitte sind mit Sicherheit erforderlich und damit ist exakt gemeint, dass Vermögensberge abgetragen und damit Schuldentäler aufgefüllt werden. Für die obere Vermögensschicht bedeutet dies: Der Berg wird etwas niedriger, aber das Zentralgebirge ist immer noch so hoch, dass der Zinseszins rasch die erodierten Vermögen wieder aufschüttet. Für die Sparer bedeutet es: Von ihren ohnehin nicht für die Altersvorsorge ausreichenden Vermögenswerten, die sie mühsam aus dem Nettolohn angespart haben, wird Substanz abgetragen und zwar in einer Höhe, die sie zukünftig abhängig werden lässt von einer Grundrente. Alles Sparen wird zur Farce, solange das Geldsystem nicht grundlegend geändert wird.

Eine grundlegende Änderung ergäbe sich, wenn auf gehortete Geldvermögensberge ein Negativzins erhoben würde. Und zwar immer dann, wenn diese Beträge nicht in der Realwirtschaft investiert werden, sondern selbst wie eine Ware als Geldvermehrung angelegt werden, sollte dies nicht belohnt, sondern bestraft werden. So wie die Inflation die Kaufkraft mindert, aber nicht prognostizierbar und somit nicht berechenbar, müsste eine Umlaufgebühr die Geldvermögen, die nicht investiert sind, belasten. Der Zinseszinseffekt würde nun umgekehrt werden: Je länger Geldvermögen nicht investiert ist und auf Konten herumdöst, desto stärker zehrt eine Umlaufgebühr an ihm. Die Folge wäre: Die Geldvermögensberge würden von den Vermögenden durch Investition in die Wirtschaft abgetragen. Es gäbe mehrfach positive Effekte für den Staat: Investitionen von privater Seite würden Investitionen von Staatsseite teilweise ersetzen, da Privatleute – vor allem regional – lieber investieren anstatt dem Geldverfall zuzusehen. Dann heißt eben das Schwimmbad so wie der reichste Bürger der Stadt, wie der Herr Hubert Schneider, und die Kinder sagen – wir gehen ins Hubert Schneider zum Schwimmen. Da Vermögenswerte abgetragen werden, schwinden die Schuldentäler, denn wir hatten ja vorhin gesehen: Schuldentälern stehen Vermögensberge gegenüber. Richtig initiiert wäre ein Negativzins sogar eine Wohltat für die Bürger (Bürgen!). Übrigens: Was ist denn dann mit der Altersvorsorge, wenn es keinen Guthabenzins mehr gibt? Zum einen könnte man bestimmte Beträge als Vorsorgesockel vom Negativzins freistellen. Dies ist aber gar nicht erforderlich, da zum anderen die staatliche Rentenversicherung wieder zu 100 Prozent eingesetzt werden könnte.

Der Generationenvertrag greift jetzt wieder: Der Staat hat ausreichend Erträge und Vermögen, um die laufenden Renten und Pensionen zu bedienen. Der Zirkus mit der privaten Altersvorsorge, bei der die Sparer vor allem über so genannten Zulagen geködert werden, die sie später wieder versteuert zurückgeben müssen und bei denen vor allem die Produktgeber verdienen, hätte ein Ende. Mehr noch: Es wäre denkbar, Vermögenswerte regional in Genossenschaften, Gemeinschaften und Projekte zu investieren, z. B. in Projekte für biologisch erzeugte Nahrungsmittel, für regionale Energieerzeugung oder soziale Projekte (Kindergarten, Schulen …). Im Alter könnten die Bürger, die in diese Projekte investiert haben, eine Rendite über Vorteile als Sachwerte oder Naturalrabatte erhalten: Vielleicht sind für sie Volkshochschul-Kurse im Alter dann gratis oder verbilligt, der Eintritt ins Schwimmbad stark ermäßigt, der Nachbarschaftsservice versorgt sie ohne Zulieferkosten mit Nahrungsmitteln…  Um den Lebensstandard im Alter zu erhalten, gibt es zwei wesentliche Möglichkeiten: Entweder muss das Einkommen entsprechend hoch oder die Kosten entsprechend niedrig sein. Warum also nicht die Kosten für diejenigen Menschen senken, die ihr ganzes Leben für eine Gemeinschaft vor Ort tätig waren – als Konsument, Arbeitnehmer oder als aktives Mitglied dieser sozialen Gemeinschaft. Wie viele wunderbare Vereine und Initiativen gibt es vor Ort, die den Staat entlasten und in der Region den Menschen etwas Gutes tun, und wie viele dieser Initiativen leiden unter Geldmangel. Paradox: Die Geldvermögen stapeln sich bei der Bank. Alle suchen händeringend nach renditeträchtigen Anlagen und gehen immer höhere Risiken dafür ein. Gleichzeitig brauchen Bürger und Staat dringend diese Geldmittel als Investitionen. Auch hier ist es erneut unverständlich, warum die Mehrzahl der Wirtschaftsseiten so selten diese Zusammenhänge herausarbeitet.

Während dieser Bericht in der Entstehung ist, fällt noch „Der Sonntagsökonom“ ins Auge. Darin erklärt Johannes Pennekamp, warum Wissenschaftler zu der Erkenntnis gelangt sind, dass es gar nicht bewiesen ist, dass das billige Geld die Ungleichzeit zwischen den Bevölkerungsschichten erhöht. Und es sei auch nicht erwiesen, dass die Superreichen dadurch immer reicher werden würden. In der Studie wurde geprüft, ob die Aktienvermögen von Superreichen wirklich so stark während der Krisen und Niedrigzinsphasen angestiegen sind. Dies – so haben die Wissenschaftler – festgestellt, sei gar nicht der Fall. Also gibt es keinen Beweis dafür, wie Billiggeld die Reichen noch reicher machen würde. Wir haben gar keine Lust auf diesen Ansatz der Studie tiefer einzugehen – wirklich nicht. Wer hat denn behauptet, die Reichen würden immer reicher, weil sie mehr Aktien im Depot haben als Mittel- und Unterschicht? Bei der sogenannten Gerechtigkeitsdebatte ging und geht es nicht – jedenfalls nicht ausschließlich – um Aktiendepots und deren Wertzuwachs, sondern darum, dass sich durch den Zinseszinseffekt die Geldvermögen der Reichen quasi leistungslos aus sich heraus vermehren. Praktisch jeder kennt die wunderbaren Grafiken, in denen die Bevölkerung in Zehntel aufteilt wird und bei denen das Zehntel mit den höchsten Vermögen auch den höchsten Vermögenszuwachs hat.

Einkommen

Diese Berichte sollen nicht aufklären. Sie sollen mit unwichtigem Detailwissen verwirren, sie sollen die Zusammenhänge verschleiern. Sie sollen Menschen, die nachdenklich geworden sind, in der Recherche und auf dem Weg zu ihren eigenen Erkenntnissen behindern. Anders können wir uns das nicht erklären. Welcher Leser glaubt denn das noch? Das Internet ist ein transparentes Buch, das alle Zusammenhänge seit vielen, vielen Jahren offen darlegt – mit allen Quellen und Fakten. Interessanterweise sind es dann eher kleinere Zeitungen wie z. B. die Aachener Zeitung, in denen ein Fremdautor wie Geldreformer Helmut Creutz dann seine Sichtweise einmal vollständig vortragen kann. Das ist zwar schön, nur wandert so diese Erkenntnis nicht unbedingt in die tägliche Berichterstattung der Wirtschaftsredaktion hinein. Und das – so haben wir immer wieder den Eindruck – ist so gewollt. Es gibt täglich weitgehend systemkonforme Berichterstattung. Dazwischen – ähnlich wie eine redaktionell gestaltete Anzeige – gibt es Nischen für Fremdbeiträge „exotischer Denker“. Wie praxisnah und konkret umsetzbar diese exotischen Überlegungen de facto wären und wie segensreich für jeden einzelnen Bürger noch dazu, wird leider nicht weiter betrachtet.

Andreas Müller-Alwart


Lust auf mehr grafische Anregungen zu diesem Thema und zum Nachdenken bekommen? 
Dann stöbern Sie hier weiter: http://www.helmut-creutz.de.

Autor Andreas Müller-Alwart ist selbständiger Journalist, Coach sowie Requirement Engineering Manager und Mitglied des Reflektion-Teams.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: „Geld“ – Andreas Hermsdorf  / pixelio.de
  2. „Einkommen“ – http://www.helmut-creutz.de

Gold

Der Goldpreis stürzt ab – eine Irreführung auf seriösen Wirtschaftsseiten

von Andreas Müller-Alwart

„Gold war stets die beliebteste Anlage all jener Untergangspropheten, die dem Weltfinanzsystem mit schöner Regelmäßigkeit den totalen Zusammenbruch vorhersagen“, schreibt Dennis Kremer für die FAZ am Sonntag vom 02.11.2014. Das höhnische Grinsen beim Niederschreiben dieser Buchstaben klingt beim Lesen noch schmatzend in den Ohren. „Untergangspropheten“ und „schöner Regelmäßigkeit“ – die ewigen Miesepeter und Querulanten bekommen eines auf die Mütze, das verhehlt dieser Beitrag erst gar nicht, sondern poltert gleich im ersten Satz los. Die Tatsache, dass dieses Exemplar der FAZ kostenfrei im Rahmen einer Bahnfahrt zugetragen wurde, macht dieses Blendwerk auch nicht erträglicher. Und er fährt fort: „Für Anhänger solcher Theorien dürfte die vergangene Woche nicht leicht zu verkraften gewesen sein“, was er dann in der Folge mit dem gesunkenen Goldpreis begründet. Ach herrje. Nochmals ein prüfender Blick auf die Kopfseite dieses Blattes: Wir sind auf der Wirtschaftsseite, nicht in der Satireecke. Schade. Aber der Reihe nach.

Nun weiß inzwischen jeder Otto-Normal-Verbraucher, dass der sogenannte Goldpreis etwas ist, das ein paar Banken im Telefonat untereinander danach aushandeln, was ihnen der An- und Verkauf von Gold gerade wert erscheint. Ausgerechnet Banken. Und dann nur ein paar. Und auch noch telefonisch. Die Ermittlung des sogenannten Goldpreises ist eine wirklich intransparente und subjektive Einschätzung. Kommt aber noch hinzu: Gold hat immer den gleichen Wert, da es weitgehend in der gleichen, begrenzten Menge auf diesem Planeten vorkommt. Es werden weder besonders lukrative, also wirtschaftlich erschließbare, Goldquellen gefunden, noch verliert Gold an Wert. Was also passiert eigentlich, wenn vom abstürzenden Goldpreis die Rede ist?

Ob Gold im Wert steigt oder fällt, hängt mit dem Vertrauen in die Papierwährung zusammen. Je geringer das Vertrauen in die Stabilität, desto höher die Abwanderung in Gold. Den umgekehrten Schluss zu ziehen, wäre paradox: Je geringer der Goldpreis, desto stabiler die Papierwährung. Das ist Unfug. Bestenfalls ist das Vertrauen in die Papierwährung wieder gestiegen, aber nicht der Wert des bedruckten Papiers selbst.

Anders ausgedrückt: Einerlei ob der Goldpreis in Dollar oder Euro bemessen wird – er wird in Relation zur Geldwährung gesetzt. Je größer das Vertrauen in die Stabilität dieser Geldwährung, desto niedriger der Bedarf, sich über Gold gegen Währungsausfall oder -verluste abzusichern. Da eine Geldwährung immer ausfallen kann, besteht allerdings immer der Bedarf einer Absicherung durch andere Sachwerte wie eben z. B. Gold. Kann also nur die Frage offen sein: Zu welchem Preis findet diese Absicherung statt. Wenn nun eine Wirtschaftsredaktion allen Ernstes schreibt – was dem Volontär noch verziehen werden könnte – der Goldpreis sei abgestürzt, so werden hier grundlegende ökonomische Fakten verdreht. Unbedarfte Anleger werden regelrecht in die Irre geführt. Dies scheint auch kein Einzelfall zu sein, sondern – da diese Irreführungen in vielen Wirtschaftsredaktionen seit Jahrzehnten stattfinden – wirken diese wie PR-Maßnahmen, die Sparer vor Goldkäufen „schützen“ sollen und natürlich auch als Schutz vor den Panikmachern. Die EZB (Europäische Zentralbank) beendet die Anleihenkäufe – der Goldpreis sinkt – und damit sind die „Untergangspropheten“ widerlegt, die mit „schöner Regelmäßigkeit“ den Untergang des Weltfinanzsystems prophezeien. Vergleichen Sie es gerne mit der Atomkraft. Die vielen kleinen Störfälle hatten eine ganze Weile die Warner vor einem GAU (größter anzunehmender Unfall) wie quengelnde Miesepeter dastehen lassen. Das hat sich erst mit Eintreten des GAU geändert. Beim Finanzsystem täuschen Rettungsfonds, massives Gelddrucken und allerlei Bilanztricksereien auch über die Störfälle des Systems hinweg. Der GAU im Finanzmarkt wird schon nicht kommen, jedenfalls sind alle so lange Propheten bis er eingetreten ist. Paradox, denn Finanzmarkt- und Wirtschaftskrisen hatten wir schon einige und die zeigten auch stets die Grenzen unseres Geldsystems auf. Doch nach Währungsreform, Staatsbankrott und Schuldenschnitt ging es wieder weiter bzw. von vorne los. Diese Störungen treten systematisch auf – das ist Fakt! Gold hat alle diese Krisen überlebt und war oft für viele Sparer ein Rettungsanker. Hier Bürger im Kontext mit einem vermeintlich abstürzenden Goldpreis dahingehend zu sensibilisieren, den Warnern vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems keinen Glauben mehr zu schenken, befindet sich journalistisch schon an der Grenze zur systematischen Volksverdummung.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die zu einem solchen Kommentar in einer Wirtschaftsredaktion führen können:

  • Entweder hat die Redaktion keinerlei Kompetenz bezüglich des exponentiellen Effektes des Zinseszinssystems und wie sich dieser auf Weltschulden und Weltvermögen auswirkt,
  • oder aber – und dieses befürchten wir mittlerweile – die Redaktionen wissen das sehr wohl, aber täuschen die Bevölkerung über die bekannten und keineswegs theoretischen Zusammenhänge dieses finanzsystemabhängigen Wirtschaftssystems hinweg.

Mit „schöner Regelmäßigkeit“ – wir schreiben das jetzt auch mal so – wird außerdem beteuert, wie wenig sich Gold zum Schöpfen einer guten Nettorendite eignet. Diese PR-Meldungen werden am Liebsten platziert, wenn gerade der Goldpreis mal wieder gesunken ist, nachdem er zuvor gestiegen war. Darauf können Sie sich ja jetzt Ihren eigenen Reim machen, da Sie nun wissen, dass der Goldpreis von fallenden oder steigenden Währungskursen abhängt und diese wiederum vom Vertrauen der Anleger. Wie auch immer: Wenn ein paar Banken den Goldpreis an ihrer Tageslaune manifestieren, indem sie sich darüber abstimmen zu welchem Preis sie bereit sind, Gold anzukaufen oder zu verkaufen, sind Manipulationen natürlich Tür und Tor geöffnet. Gerade das sollte Sparern immer wieder bewusst machen: Nichts, aber auch gar nichts, sollte einen davon abhalten ca. 10 Prozent des eigenen Vermögens in Gold vorzuhalten. Wenn der Goldpreis also „abstürzt“, so ist das ein Kaufsignal, um das Depot aufzufüllen. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist keinesfalls ein Indiz dafür, dass das Finanzsystem sich wieder stabilisiert.

Wir haben es schon an anderer Stelle hier in unserem Blog hinterfragt: Wer braucht dieses Magazine noch, die den Lesern eine solche Irreführung als Qualitätsjournalismus und seriöse Berichterstattung verkaufen?


Autor Andreas Müller-Alwart ist selbständiger Journalist, Coach sowie Requirement Engineering Manager und Mitglied des Reflektion-Teams.

Beitragsbild: »Gold« – pixabay.com/de

Ernst Wolf / Weltmacht IWF - Chronik eines Raubzuges

Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs (ERNST WOLFF)

Buchempfehlung

Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzuges

Autor:  Ernst Wolff

Verlag:  Tectum Wissenschaftsverlag, 35037 Marburg – zur Verlagsseite

ISBN-13:  978-3-8288-3329-6

234 Seiten, Klappenbroschur, 17,95 €

Er erpresst Staaten. Er plündert Kontinente. Er hat Generationen von Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft genommen und ist dabei zur mächtigsten Finanzorganisation der Welt aufgestiegen: Die Geschichte des Internationalen Währungsfonds gleicht einem modernen Kreuzzug gegen die arbeitende Bevölkerung auf fünf Kontinenten.

In seinem bis zur letzten Seite fesselnden Buch schildert der Journalist Ernst Wolff, welche dramatischen Folgen die Politik des IWF für die globale Gesellschaft und seit Eintreten der Eurokrise auch für Europa und Deutschland hat. Denn die Vergabe von Krediten durch den IWF hat die Erzwingung neoliberaler Reformen zur Folge: Auf der einen Seite fördert diese Praxis Hunger, Armut, Seuchen und Kriege, auf der anderen begünstigt sie eine winzige Gruppe von Ultrareichen, deren Vermögen derzeit ins Unermessliche wächst – alles im Namen der Stabilisierung des Finanzsystems.

Weltmacht IWF

  • porträtiert die dunkle Seite einer Weltorganisation
  • zeigt, wie die globale Finanzpolitik die Existenzen von Menschen bedroht
  • ist ein schonungsloses, aufrüttelndes Buch

Ernst Wolff, 1950 geboren, wuchs in Südostasien auf, ging in Deutschland zur Schule und studierte in den USA. Er arbeitete in diversen Berufen, u.a. als Journalist, Dolmetscher und Drehbuchautor. Die Wechselbeziehung von Wirtschaft und Politik, mit der er sich seit vier Jahrzehnten beschäftigt, ist für ihn gegenwärtig von höchster Bedeutung: „Die Finanzkrise von 2008 und die Eurokrise waren nur die ersten Vorboten eines aufziehenden globalen Finanz-Tsunamis, in dem der IWF und seine Verbündeten auch in Deutschland zu Maßnahmen greifen werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.“

Dieses Buch ist den Menschen in Afrika, Asien und Südamerika gewidmet, die es nicht lesen können, weil die Politik des IWF ihnen den Besuch einer Schule verwehrt hat.


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Die Konferenz von Bretton Woods: Zum Auftakt Erpressung . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Der Nachkriegsboom: Der IWF wirft sein Netz aus . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Die siebziger Jahre: Der IWF und die chilenische Erfahrung . . . . . . . . . . . . . . . . 25

»Strukturanpassungsprogramme«: Der IWF systematisiert sein Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Die lateinamerikanische Schuldenkrise: Der IWF wird zum globalen Krisenmanager . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Die Folgen der »Strukturanpassung«: Der Widerstand gegen den IWF wächst . . . . . . . . . . . . . . . . 45

Die »Schocktherapie« für die Sowjetunion: Der IWF und die Wiedereinführung des Kapitalismus . . . . . . . . . . . . . . . . 49

Südafrika nach der Rassentrennung: IWF und ANC verbünden sich gegen das Volk . . . . . . . . . . . . . . . . 59

Jugoslawien: Der IWF als Kriegsvorbereiter und -begleiter . . . . . . . . . . . . . . . . 69

Die Asien-Krise: Der IWF demonstriert seine Macht . . . . . . . . . . . . . . . . 81

Lohnobergrenzen und höhere Preise: Die »Armutsbekämpfung« des IWF . . . . . . . . . . . . . . . . 91

Die Argentinien-Krise: Der IWF erzwingt den größten Staatsbankrott aller Zeiten . . . . . . . . . . . . . . . . 101

Globalisierung und Finanzialisierung: Die Triebkräfte des IWF . . . . . . . . . . . . . . . . 129

Die Finanzkrise von 2007/2008: Die Ruhe vor dem Sturm für den IWF . . . . . . . . . . . . . . . . 139

Islands Bankencrash von 2008: Der IWF nimmt Europa ins Visier . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Irland: Der IWF leitet eine Armutsexplosion in Europa ein . . . . . . . . . . . . . . . . 155

Die Euro-Krise: IWF, EU und EZB stellen Europa unter Zwangsverwaltung . . . . . . . . . . . . . . . . 165

Griechenland: Die Troika bringt den Hunger zurück nach Europa . . . . . . . . . . . . . . . . 175

Zypern und der IWF: Auf die Plünderung folgt die Enteignung . . . . . . . . . . . . . . . . 187

Die Euro-Krise nach Zypern: Der IWF verlangt die Institutionalisierung des Raubes . . . . . . . . . . . . . . . . 201

Schuldenberge, soziale Ungleichheit, Revolution: Das Ende des IWF? . . . . . . . . . . . . . . . . 209

Deutschland und der IWF: Schwarze Schwäne am Horizont . . . . . . . . . . . . . . . . 217

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . 227

Bildnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . 233


Vorwort

Keine andere Finanzorganisation hat im vergangenen halben Jahrhundert so tief in das Leben so vieler Menschen eingegriffen wie der Internationale Währungsfonds (IWF). Seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg hat er seinen Einflussbereich bis in die entlegensten Winkel der Erde ausgeweitet. Derzeit zählen 188 Länder auf fünf Kontinenten zu seinen Mitgliedern.

Jahrzehntelang war der IWF hauptsächlich in Afrika, Asien und Südamerika tätig. Dort gibt es kaum noch ein Land, in dem seine Politik nicht ein- oder mehrmals in enger Zusammenarbeit mit der jeweiligen nationalen Regierung durchgesetzt wurde. Nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 hat er sich verstärkt Nordeuropa zugewandt, seit dem Einsetzen der Euro-Krise im Jahr 2009 ist vor allem das südliche Europa in seinen Fokus gerückt.

Offiziell besteht die Hauptaufgabe des IWF darin, das globale Finanzsystem zu stabilisieren und in Schwierigkeiten geratenen Ländern aus der Krise zu helfen. In der Realität erinnern seine Einsätze eher an Feldzüge kriegführender Armeen. Wo immer er einschreitet, greift er tief in die Souveränität von Staaten ein, zwingt ihnen Maßnahmen auf, die von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden, und hinterlässt eine breite Spur wirtschaftlicher und sozialer Zerstörung.

Dabei setzt der IWF weder Waffen noch Soldaten ein, sondern bedient sich ganz einfach der Mechanismen des Kapitalismus, genauer gesagt: der Kreditwirtschaft. Seine Strategie ist in allen Fällen so simpel wie effektiv: Gerät ein Land in finanzielle Schwierigkeiten, ist er zur Stelle und bietet Unterstützung in Form von Krediten an. Im Gegenzug fordert er die Durchsetzung von Maßnahmen, die die Zahlungsfähigkeit des Landes zum Zwecke der Rückzahlung dieser Kredite sicherstellen sollen.

Wegen seiner weltweiten Sonderstellung als »Kreditgeber letzter Instanz« bleibt den Regierungen in der Regel keine andere Wahl als das Angebot des IWF anzunehmen und auf seine Bedingungen einzugehen – mit dem Ergebnis, dass sie sich in einem Netz der Verschuldung verfangen, in dem sie sich infolge von Zins-, Zinseszins- und Tilgungszahlungen immer tiefer verstricken. Die sich daraus ergebende Belastung des Staatshaushaltes und der heimischen Wirtschaft führt mit unerbittlicher Konsequenz zu einer Verschlechterung ihrer Finanzlage, die der IWF wiederum als Vorwand nutzt, um unter dem Schlagwort der »Austerität« immer neue Zugeständnisse in Form von »Sparprogrammen« zu erzwingen.

Für die einfache Bevölkerung der betroffenen und zumeist einkommensschwachen Länder hat diese Politik verheerende Folgen, denn deren Regierungen handeln allesamt nach dem gleichen Muster: Sie wälzen die Folgen der Sparmaßnahmen auf die abhängig Beschäftigten und die Armen ab.

Auf diese Weise haben IWF-Programme Millionen von Menschen den Arbeitsplatz genommen, ihnen den Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung, einem funktionierenden Bildungswesen und menschenwürdigen Unterkünften verwehrt. Sie haben ihre Nahrungsmittel bis zur Unbezahlbarkeit verteuert, die Obdachlosigkeit gefördert, alte Menschen um die Früchte lebenslanger Arbeit gebracht, die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt, die Lebenserwartung verringert und die Säuglingssterblichkeit erhöht.

Am anderen Ende der gesellschaftlichen Leiter dagegen hat die Politik des IWF einer winzigen Schicht von Ultrareichen dazu verholfen, ihre riesigen Vermögen sogar in Krisenzeiten zu vermehren. Die von ihm geforderten Maßnahmen haben entscheidend dazu beigetragen, dass die weltweite soziale Ungleichheit ein in der Geschichte der Menschheit nie dagewesenes Ausmaß angenommen hat. Der Einkommensunterschied zwischen einem Sonnenkönig und einem Bettler am Ausgang des Mittelalters verblasst gegenüber dem Unterschied zwischen einem Hedgefonds-Manager [1] und einem Sozialhilfeempfänger von heute.

Obwohl diese Fakten allgemein bekannt sind und in den vergangenen Jahrzehnten Hunderttausende zum Teil unter Einsatz ihres Lebens gegen die Auswirkungen seiner Maßnahmen protestiert haben, hält der IWF bis heute eisern an seiner Strategie fest. Trotz aller Kritik und trotz der nicht zu übersehenden Folgen seines Handelns genießt er dabei nach wie vor die rückhaltlose Unterstützung der Regierungen sämtlicher führender Industrienationen.

Wieso? Wie kann es sein, dass eine Organisation, die rund um den Globus solch ungeheures menschliches Leid verursacht, weiterhin ungestraft handeln und auch in Zukunft mit der Unterstützung der mächtigsten Kräfte unserer Zeit rechnen darf? In wessen Interesse arbeitet der IWF? Wer profitiert von seinem Tun?

Diese Fragen zu beantworten, ist das Ziel dieses Buches.

Leseprobe (mehrere Seiten aus dem Buch –  siehe PDF_Symbol-Anhang am Ende dieser Buchvorstellung) Danke an den Tectum-Verlag!


Rezension von Sabine Feininger   

Ernst Wolff widmet sein Buch „den Menschen, die es nicht lesen können, weil der IWF ihnen den Besuch einer Schule verwehrt hat“. Bereits auf den ersten Seiten weist er nach, dass die Gründung des IWF nicht etwa, wie von vielen behauptet, der Errichtung und Stärkung eines gesunden globalen Währungssystems diente. Vielmehr stand dieser ganz im Zeichen der Neuordnung der Welt nach dem zweiten Weltkrieg. Hauptziel seiner Errichtung war es, die Dominanz der neuen Weltmacht USA zu zementieren.

Wolff unterteilt die Entwicklung des IWF in vier große Phasen. Die erste umfasst die fünfziger und sechziger Jahre. In den Fünfzigern konzentrierte sich der Fonds darauf, den US-Dollar als globale Leitwährung zu etablieren und so großen amerikanischen Banken und Konzernen den Weg für weltweite Investitionen zu öffnen. In den Sechzigern nutzte er die Welle von Unabhängigkeitserklärungen vor allem afrikanischer Staaten, um der Kolonialherrschaft entkommene Länder durch die Vergabe von Krediten in seine Abhängigkeit zu bringen.

Auftakt zur zweiten Phase war der vom US-Geheimdienst CIA gesteuerte Putsch in Chile. In enger Zusammenarbeit mit dem Diktator Pinochet und der Chicago School of Econmics unter Milton Friedman übernahm der IWF die Grundanschauungen des Neoliberalismus, auf denen seine Politik noch heute fußt. Anschließend begleitete er die Globalisierung und die weltweite Deregulierung des Finanzsektors durch seine „Strukturanpassungsprogramme“. Während sie vor allem amerikanischen Banken und Konzernen den Weg bis in die entlegensten Winkel der Erde öffneten, brachten sie für arme und einkommensschwache Menschen in den Entwicklungsländern noch größere Armut, Hunger und einen Abbau der ohnehin unzureichenden medizinischen Versorgung und der Erziehungssysteme.

Die dritte Phase begann mit dem Ende der Sowjetunion und dem Zerfall des Ostblocks. Der IWF nutzte den Umbruch, um westlichem Kapital den Zugang zu bisher verschlossenen Märkten zu ermöglichen und legte damit die Grundlage für die Entstehung einer winzigen Schicht von Ultrareichen am oberen und eine nie gekannte Ausweitung der Armut am unteren Ende dieser Gesellschaften.

Phase vier, in der wir uns gegenwärtig befinden, wurde durch die Subprime-Hypothekenkrise in den USA ausgelöst. In ihrem Gefolge geriet das weltweite Finanzsystem ins Wanken. Nachdem die Regierungen in aller Welt Großbanken und Finanzinstitute mit Steuermitteln gerettet hatten, griff der IWF auf breiter Front ein, um die Staatshaushalte wieder zu sanieren. Unter dem Schlagwort „Austeritätspolitik“ half er mit, die durch Spekulation milliardenschwerer Investoren entstandenen Löcher in den Regierungsetats zu stopfen, indem er der einfachen Bevölkerung Sparprogramme auferlegte, die zu sozialen Katastrophen von historischem Ausmaß geführt haben: zu Massenarbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen, zur Verarmung alter und sozial schwacher Menschen und zur Zerschlagung ganzer Sozialsysteme.

Ernst Wolf / Weltmacht IWF - Chronik eines RaubzugesWolff präzisiert diese Folgen an mehreren Beispielen wie Island, Irland und Griechenland. Im letzten Fall hebt er besonders die Rolle Deutschlands hervor, dessen Bundesministerium für Gesundheit beim Abbau des griechischen Medizinsystems federführend war. Die Skrupellosigkeit, mit der der IWF vorgeht, macht Wolff im Kapital über den Krieg in Jugoslawien deutlich. Dort trug der IWF aktiv zum Zerfall des Landes bei, indem er der Zentralregierung Auflagen erteilte, die sie zwang, die Zahlungen an die Provinzen einzustellen. Die Maßnahme wirkte, als ob jemand Öl in das Feuer nationalistischer Bewegungen gegossen hätte und war in entscheidendem Maß mitverantwortlich für den Bürgerkrieg, der von Nato und EU als Vorwand für das eigene militärische Eingreifen genutzt wurde.

Die Stärke des Buches liegt vor allem darin, dass der Autor sich nicht damit zufrieden gibt, historische Ereignisse chronologisch aneinanderzureihen. Wolff bemüht sich intensiv, die Hintergründe und Triebkräfte für das Wirken des IWF aufzuspüren. Er macht auf diese Weise klar, dass es sich bei dem Fond nicht um eine in die Irre geleitete Organisation unter inkompetenter Führung handelt. Vielmehr ist sein Wirken die Konsequenz der Entwicklung des weltweiten Finanzsystems, das – beginnend in den Siebziger Jahren – immer stärker dereguliert wurde und die Realwirtschaft inzwischen als stärkster ökonomischer Sektor überflügelt hat.

Diese Verschiebung innerhalb der Weltwirtschaft hat zur Entstehung einer winzigen Schicht von Milliardären geführt, deren Vermögensverwaltungen in der Form von Hedgefonds heute die Finanzmärkte und damit das finanzwirtschaftliche Geschehen auf unserem Globus beherrschen und die die Medien, die Politik und auch den IWF zu Instrumenten ihrer Interessensvertretung gemacht haben. Der wahre Graben der globalen Gesellschaft von heute, das macht Wolff am Beispiel des IWF mehr als deutlich, verläuft nicht entlang nationaler Grenzen, sondern geht quer durch alle Nationen und trennt eine winzige Schicht Ultrareicher und ihrer Interessensvertreter von der großen Masse der Bevölkerung.

Ernst Wolff liefert mit „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“ nicht nur eine mit Fakten gespickte, ungemein spannende Lektüre, sondern auch eine leidenschaftliche Anklage gegen die in seinen Augen wichtigste Entwicklung auf unserem Planeten – die explosionsartige Zunahme der sozialen Ungleichheit.

Sabine Feininger  


 

Diese umfängliche Vorstellung wurde uns von unserem Kooperationspartner Helmut Schnug – Kritisches Netzwerk – zur Verfügung gestellt. Danke Helmut!

Anhang:

Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs – Ernst Wolff – Tectum Wissenschaftsverlag – Vorwort und Leseprobe  – 790.78 KB

Fußnoten:

  1. Ein Beispiel: Der Hedgefonds-Manager John Paulsen hat im Jahr 2010 fünf Mrd. US-Dollar verdient. Das entspricht einem Tagesverdienst von 19,2 Mio. Dollar und damit fast dem Zehnmillionenfachen der zwei Dollar pro Tag, von denen zur gleichen Zeit 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt leben mussten.
CIA Headquarter

Tiefenereignisse und die globale Drogen-Connection der CIA

Der nachfolgende Artikel wurde von Lars Schall ausdrücklich und persönlich für reflektion.org autorisiert.

In diesem Essay versucht Peter Dale Scott zunächst, die komplexe Geografie des Milieus der globalen Drogen-Connection und dessen Verbindungen zur „Alternativ-CIA“ darzulegen. Sodann zeigt er auf, wie dieses Netzwerk aus Banken, Finanzeinflussagenten und der alternativen CIA zur Infrastruktur des Kennedy-Attentats und einer Reihe von anderen, wichtigen Tiefenereignissen beitrug.

Von Peter Dale Scott, Übersetzung Lars Schall

Kürzlich veröffentlichte ich zwei Artikel, die auf Ähnlichkeiten zwischen den wiederkehrenden Tiefenereignissen in der jüngeren amerikanischen Geschichte hinwiesen – jene Ereignisse, die aufgrund ihrer geheimdienstlichen Aspekte in den amerikanischen Medien ignoriert, falsch dargestellt oder vertuscht werden. Der erste Artikel wies auf generelle Ähnlichkeiten vieler Tiefenereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg hin. Der zweite zeigte auf überraschende Vergleichspunkte in den beiden Tiefenereignissen, denen kurz darauf große US-Kriege folgten: das John-F.-Kennedy-Attentat und 9/11. Ich nahm an, dass sich im Zusammenhang all dieser Ereignisse wiederkehrende Hinweise auf das Milieu fanden, welches „Geheimdienstbeamte mit Elementen aus der Drogenhandel-Unterwelt kombiniert.” [1]

In diesem Essay werde ich zunächst versuchen, die komplexe Geografie oder das Netzwerk dieses Milieus darzulegen, das ich die globale Drogen-Connection nenne, und seine Verbindungen zu dem, was man eine „Alternativ-” oder „Schatten-CIA“ genannt hat. Ich werde dann zeigen, wie dieses Netzwerk aus Banken, Finanzeinflussagenten und der alternativen CIA zur Infrastruktur des Kennedy-Attentats und einer Reihe von anderen, oberflächlich unzusammenhängenden, wichtigen Tiefenereignissen beitrug.

In dieser Erzählung sind die Namen von Personen, ihren Institutionen und ihren Verbindungen relativ unwichtig. Was zählt, ist zu sehen, dass so ein Milieu existierte; dass es fortdauerte, gut verbunden und geschützt war, und dass es mit zunehmender Unabhängigkeit von staatlichen Restriktionen eine Rolle in großen Tiefenereignissen des letzten halben Jahrhunderts spielte.

Das stärkt natürlich die wichtige Hypothese, die untersucht werden muss, dass dieses fortdauernde Milieu möglicherweise auch zur Katastrophe von 9/11 beigetragen haben könnte.


Paul Helliwell, das OPC und die CIA

In Gebieten, wo kommunistische Kräfte stark erschienen, unterstützten die Vereinigten Staaten, zumindest seit 1945, immer wieder die Kontergewalt von Gangstern, die im Drogenhandel beteiligt waren. Zunächst waren diese Arrangements, wie im Italien der Nachkriegszeit, temporär und ad hoc, wie beispielsweise als Vito Genovese, ein New Yorker Mafia-Führer, als Dolmetscher im Büro der alliierten Militärregierung von Oberst Charles Poletti, einem ehemaligen New Yorker Tammany-Politiker, installiert wurde.  [2] Dann im Jahre 1947 finanzierte William Donovan, jetzt ein Firmenanwalt und nicht mehr der Kopf des Office of Strategic Services (OSS), angeblich ein Massaker am Ersten Mai an Linken in Sizilien, von der kürzlich abgeschobenen Detroiter Mafia-Figur Frank Coppola organisiert. [3]

Solche Arrangements wurden 1948 zentralisierter, nachdem der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat ein Office of Policy Coordination (OPC) kreierte, um „Subversion gegen feindliche Staaten” durchzuführen – das heißt, das Begehen von Gesetzesbruch als nationale Politik. Durch das OPC begannen die USA, organisierten Drogenhändlern auf der ganzen Welt, im Fernen Osten, in Europa und schließlich im Nahen Osten und in Lateinamerika erhebliche verdeckte Unterstützung zu geben.

Diese weltweiten Aktivitäten wurden mehr und mehr miteinander verknüpft. Seit mindestens 1950 hat es eine weltweite CIA-Drogen-Connection gegeben, die mehr oder weniger kontinuierlich operierte. Insbesondere hat diese Connection im Laufe der Zeit  zu unerklärlichen Tiefenereignissen und der Konsolidierung der globalen Dominanz-Mentalität, daheim wie im Ausland, beigetragen. Genauer gesagt, ist die globale Drogen-Connection ein Faktor, der unter solch unerklärten Tiefenereignissen wie der Ermordung von JFK, dem zweiten Tonkin-Zwischenfall von 1964 und Iran-Contra liegt.

Die globale Drogen-Connection ist nicht nur eine Quer-Verbindung zwischen CIA-Außendienstmitarbeitern und deren drogenhandelnden Kontakten. Es ist signifikanter ein globaler Finanz-Komplex von heißem Geld, das herausragende Geschäfts-, Finanz- und Regierungs- sowie Unterwelt-Figuren vereint. Es behält seinen eigenen politischen Einfluss durch die systematische Bereitstellung von illegalen Finanzmitteln, Gefälligkeiten und sogar Sex an Politiker auf der ganzen Welt, einschließlich den Anführern beider Parteien in den Vereinigten Staaten. Das Ergebnis ist ein System, das indirektes Imperium genannt werden könnte, eines, das in seiner Suche nach ausländischen Märkten und Ressourcen zufrieden ist, bestehende Regierungsformen zu untergraben, ohne eine progressive Alternative anzuordnen.

Paul Lionel Edward Helliwell

Paul Lionel Edward Helliwell

Ein wesentlicher Organisator der globalen Nachkriegs-Drogen-Connection – zwischen CIA, organisierter Kriminalität und ihrem gegenseitigen Interesse am Drogenhandel – war der ehemalige OSS-Offizier Paul L.E. Helliwell. [4] Helliwell, der Leiter des Sondergeheimdienstes des OSS in Kunming und später ein Beamter des OPC und der CIA, war gleichzeitig der Besitzer der Bank of Perrine in Key West, Florida, ein „zweiteiliger Geldwäscheapparat für den Lansky-Mob und die CIA”, und deren Schwester-Institut Bank of Cutler Ridge. Hier werden wir eine Reihe von miteinander verbundenen Mob-CIA-Geldwäsche-Banken in der globalen Drogen-Connection sehen, von denen die größte zweifellos die Bank of Credit and Commerce International (BCCI) war.

Die meisten Menschen haben noch nie von Paul Helliwell gehört. Mainstream-Bücher über Fehlverhalten der CIA, wie Tim Weiners Legacy of Ashes, erwähnen weder ihn, noch seine wichtige mit der CIA zusammenhängende Bank, die Castle Bank auf den Bahamas, noch die wichtigere Nachfolgerbank von Castle, BCCI. In der Flut der CIA-Dokumente, die seit 1992 freigegeben wurden, findet man den Namen Helliwell nicht in den Archivindizes des National Archive, National Security Archive oder der Federation of American Scientists. In den Millionen freigegebenen Seiten, die auf der Website der Mary Ferrell Foundation indiziert und gespeichert sind, erscheint Helliwells Name genau einmal – und das ist auf einer Liste von Dokumenten, die von der Überprüfung bei der Suche der CIA im Jahre 1974 nach Dokumenten im Zusammenhang mit, ausgerechnet, Watergate, vorenthalten wurden!  [5] Diese Stille, auch in internen CIA-Akten, um den Hauptarchitekten der Nachkriegs-CIA-Drogen-Connection ist beredt.

Das meiste, was wir über Helliwell wissen, stammt aus der Presse-Reaktion auf die erfolgreichen Bemühungen der CIA, eine IRS-Untersuchung in den 1970er Jahren, als Operation Tradewinds bekannt, ihrer Geldwäsche-Banken zu blockieren. Dieser Kampf mit Helliwell und der CIA begann 1972, als dem IRS-Ermittler Richard Jaffe, der den Geldern des verhafteten Marihuana- und LSD-Händlers Allan George Palmer nachspürte, bekannt wurde, dass Palmer „einiges von seinem Geld persönlich in den Süden zur Perrine-Cutler Ridge Bank zur Einzahlung gebracht hatte.” [6]

Jaffe fand auch heraus, dass die Gelder in das Konto einer Bank auf den Bahamas namens Castle Bank hinterlegt wurden. Laut Jim Drinkhall im Wall Street Journal war diese Bank „gegründet und maßgeblich kontrolliert“ von Helliwell, der „entscheidend war bei der Leitung eines Netzwerks von verdeckten Operationen und ,Eigentümern‘ der CIA.”  [7] Drinkhall schrieb, dass die CIA Jaffes Untersuchung der Caste Bank beendete, weil Castle:

„die Leitung für Millionen von Dollar war, die von der CIA für die Finanzierung von Geheimoperationen gegen Kuba und anderen verdeckten Geheimdienstoperationen bestimmt waren, die sich gegen Länder in Lateinamerika und im Fernen Osten richteten.“ [8]

Drinkhall merkt ferner an, wofür Helliwell wahrscheinlich am bekanntesten ist (und worüber ich in The War Conspiracy geschrieben habe):

„1951 half Herr Helliwell Sea Supply Corp. einzurichten und zu betreiben, ein Konzern, der von der CIA als Front-Organisation geleitet wird. Fast 10 Jahre lang wurde Sea Supply verwendet, um große Mengen an Waffen und Ausrüstung an 10.000 Nationalistische Chinesische [KMT] Truppen in Burma als auch an Thailands Polizei zu liefern.“ [9]

Aber Drinkhall wies nicht darauf hin, was jetzt nicht bestritten wird, dass die KMT-Truppen in Burma und die thailändische Polizei die beiden Hauptarme der CIA-KMT-Burma-Thai-Drogen-Connection waren und sich zusammen im Anbau und Handel von Opium für den Weltmarkt beteiligten, einschließlich den Vereinigten Staaten. [10]

Helliwells Gefälligkeiten für die CIA waren nicht auf den Fernen Osten beschränkt. Zusammen mit zwei alten Mitarbeitern aus der KMT-Burma-Drogen-Connection, Frank Wisner von der CIA und General Claire Chennault von der CIA-Airline CAT, arbeitete Helliwell „bereits um 1953-1954 auch bei CIA-Operationen in Mittelamerika mit. In jenen Tagen war Guatemala und seine Regierung das Ziel.” [11]

Wie Chennault und seine alten Mitarbeiter aus seiner Zeit in China, Whiting Willauer und William Pawley, assistierte Helliwell sodann 1954 bei den CIA-Operationen gegen Guatemala, und nach 1960 gegen Castro. Laut Drinkhall:

„Ein ehemaliger Bundesbeamter, der half, Castle zu untersuchen, sagt: ,Castle war einer von den CIA-Finanzierungskanälen für Operationen gegen Kuba.‘ Herr Helliwell war angeblich einer der Zahlmeister für die unglückliche Schweinebucht-Invasion 1961, als auch für andere ,extensive‘ CIA-Operationen in ganz Lateinamerika.“ [12]

Was die Verbindung des Ex-Sträflings Wallace Groves zur CIA angeht, haben eine Reihe von CIA-Dokumenten, die seither veröffentlicht wurden, diese Beziehung bestätigt. Laut einem von ihnen:

„Der Wallace GROVES, von dem in den Anlagen erwähnt wird, dass er mit Meyer LANSKY und Mary Carter Malen Co . / Resorts International, Inc. verbunden ist, ist identisch mit dem Wallace GROVES, der Gegenstand von OS-Akte #473 865 ist. Diese Akte spiegelt wider, dass GROVES von April 1966 bis April 1972 von Interesse war für das [CIA] Office of General Counsel für die Nutzung von GROVES als Berater oder möglicher Offizier von einem der Projekt █ Einheiten. Zusätzliche Informationen in dieser Akte legten nahe, dass GROVES mit Meyer LANSKY verbunden war.“ [13]

Ich vermute, dass diese „Projekt █ Einheiten“ die Verwendung von Geldern außerhalb der Bilanzen miteinbezog, die im autorisierten CIA-Budget nicht enthalten waren.


Helliwells Verbindung zu Off-the-Books-Operationen

Seit der Veröffentlichung von Drinkhalls Artikel hat fast jeder Verweis auf Helliwell ihn als Zahlmeister für die Schweinebucht-Invasion beschrieben, eine Behauptung, die ich in Frage stelle. Aber ein Gefühl für den Umfang der finanziellen Verwicklung Helliwells mit der CIA kann aus der CIA-Sequestrierung von fast 5 Millionen Dollar von einer anderen mit Helliwell verbundenen Organisation, Intercontinental Diversified (I.D.C.), gesammelt werden. Abermals Drinkhall:

„Obwohl es keinen Hinweis auf die CIA im SEC-Verfahren bezüglich Intercontinental gibt, machte ein ehemaliger CIA-Beamter kürzlich in einem Interview eine erstaunliche Aussage. Er sagte, dass zwischen 1970 und 1976 $ 5 Millionen Dollar an Intercontinental-Geldern für den Einsatz durch die Behörde abgezweigt worden waren, ,weil wir dort Freunde hatten.‘ Tatsächlich hatte die CIA offenbar ein besseres Arrangement als eine bloße Freundschaft. CIA-Dokumente zeigen, dass Wallace Groves, der Gründer von Intercontinental und Inhaber von 46 % der Aktien, bis er seinen Anteil 1978 für $ 33.1 Millionen verkaufte, von 1965 bis 1972 heimlich für die CIA arbeitete.“

Sicherlich transferieren Banker nicht Millionen von Dollar aus Freundschaft. Eine glaubwürdigere Spekulation ist, dass Helliwell der Zahlmeister war, nicht für offiziell autorisierte Operationen wie die Schweinebucht-Invasion, aber für die Abgabe eines Teils der Mittel aus den Off-the-Books-Operationen wie dem KMT-Drogenhandel aus Burma, der von seinen eigenen Kreationen unterstützt wurde, den CIA-Eigentümern Sea Supply and Cat Inc. (später Air America).

Castle Bank & Trust BahamasJonathan Marshall schrieb einmal kategorisch, dass „Helliwell CIA-Gelder durch die auf den Bahamas ansässige Castle Bank wusch“  [14] Aber diese Behauptung bedarf einer Klärung. I.D.C. war ein Ableger eines asiatischen Unternehmens, Benguet Mining, das von Helliwells Firma vertreten wurde und teilweise dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos gehörte.  [15] Also erreichten I.D.C. Zahlungen aus Asien, und es ist meine Vermutung, dass es eher diese Off-the-Books-Gelder waren, statt Mittel aus dem vom Kongress genehmigten CIA-Budgets, die von Helliwell verwendet wurden, um Off-the-Books-Operationen zu finanzieren. [16]

„Eine von ihnen waren vielleicht politische Auszahlungen, beginnend auf den Bahamas selbst.

In den frühen 1970er Jahren berichteten IRS-Agenten von Hinweisen, die aus aufgezeichneten Gesprächen zusammengetragen wurden, dass Intercontinental, durch Castle Bank operierend, dem Ministerpräsidenten der Bahamas, Lyndon O. Pindling, $ 100.000 bezahlt hatte, um der Holdinggesellschaft eine zweijährige Verlängerung ihrer [Grand Bahama-] Casino-Glücksspiel-Lizenz zu gewähren.“ [17]

Aber die CIA wie auch das Casino hatten eine Vorliebe für Korruption, und Castle war nur ein Teil eines Netzwerks von Banken und Agenten, die Regierungen weltweit korrumpieren. Dementsprechend tätigte Castle:

„auch geheimnisvolle Transaktionen mit einer Firma auf den Cayman-Inseln, der ID Corp. IDs Alleineigentümer, der Amerikaner Shig Katayama, wurde bekannt als einer der wichtigsten Vermittler von Lockheed Corps riesigen Auszahlungen an japanische Politiker im Gegenzug für Flugzeugverträge. Ein japanischer Journalist beschuldigte Katayama, ,seine eigentliche Aufgabe (in den frühen 1950er Jahren) war die Handhabung von Drogen für die US-Geheimdienstarbeit.‘” [18]

In den 1960er Jahren, wenn nicht früher, nutzte die CIA ihre globale Verbindung, um nicht-staatliche Gelder durch Einflussagenten wie Adnan Khashoggi und Yoshio Kodama zu verteilen, in Form beispielsweise von Auszahlungen, die die internationalen Lockheed-Kaufverträge ergänzten.  [19] Im Mai 1965, fünf Monate vor dem Anti-Sukarno-Staatsstreich von September 1965, wurden die Lockheed-Auszahlungen in Indonesien weg von einem Unterstützer von Präsident Sukarno hin zu einem neuen Zwischenhändler umgeleitet, der den Anti-Sukarno General Suharto unterstützte. [20]

Das war zu einer Zeit, als „der Kongress beschlossen hatte, die US-Finanzierung des indonesischen Militärs (anders als die Hilfen für jedes andere Land) als verdeckte Angelegenheit zu behandeln, damit die Überprüfung seitens des Kongresses der Bestimmungen des Präsidenten zur indonesischen Hilfe für zwei Senatsausschüsse und den House Speaker blockierend, die derzeit mit der Aufsicht der CIA betraut waren.” Lockheed-Zahlungen, die über Mittelsmänner liefen, wurden benutzt, um den ausdrücklichen Willen des US-Senats, der eine Resolution zur Kürzung der Militärhilfe an Indonesien verabschiedet hatte, zu vereiteln. [21]


Helliwells Verbindungen zum Mob

Alvin „Al“ Ira Malnik ist ein US-amerikanischer Anwalt und millionenschwerer Geschäftsmann und Unternehmer in Miami. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit für den Mobster Meyer Lansky und als Berater des Popstars Michael Jackson

Alvin „Al“ Ira Malnik ist ein US-amerikanischer Anwalt und millionenschwerer Geschäftsmann und Unternehmer in Miami. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit für den Mobster Meyer Lansky und als Berater des Popstars Michael Jackson

Wenn aber Helliwells CIA-Verbindungen große waren, so waren es seine Verbindungen zur Mafia, und insbesondere zu Meyer Lansky, nicht minder. Die Bank of Perrine war der bevorzugte Verwahrer von Lansky-Geldern, die Amerika über die Bank of World Commerce auf den Bahamas erreichten, gegründet 1961 von Lanskys Weichensteller John Pullman.  [22] Einer der Direktoren der Bank war Alvin Malnik, Lanskys Erbe in Miami Beach, und ein Aktionär war Ed Levinson, ein Geschäftspartner von Lyndon Johnsons Senat-Referent Bobby Baker, dessen Titel Sekretär der demokratischen Mehrheit im US-Senat war, bevor er verhaftet und wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.  [23] Helliwell hatte eine zweite Lansky-Verbindung als Rechtsberater der kleinen Miami National Bank, von Meyer Lansky benutzt, um seine ausländischen Profite und Gewinnabschöpfungen aus den Casinos in Las Vegas zu waschen. [24]

Obwohl in der Regel als eine von Lansky kontrollierte Mob-Bank beschrieben, öffnete die Bank of World Commerce auf internationaler Szenerie, in der die CIA ein Interesse hatte. Es erreichten sie Gelder von der International Credit Bank in der Schweiz, die vom israelischen Waffenschmuggler Tibor Rosenbaum gegründet worden war, und handelte:

„als Bank für gemeinsame Geschäftsunternehmungen von europäischen Juden und dem Staat Israel. Aber sie finanzierte auch den Erwerb und die Bewegung von Waffen an Israel und seinen Verbündeten, insbesondere in Afrika und Zentralamerika, und handelte angeblich in Europa als Zahlmeister für den Mossad, den israelischen Geheimdienst.“ [25]

Meyer Lansky, 1958

Meyer Lansky, 1958

Laut Alan Block hatte Pullmans Bank eine weitere Tochtergesellschaft auf den Bahamas, „auf schattenhafte Weise vereint mit der Intra Bank in Beirut, Libanon.” Intra besaß das Casino de Liban, „dessen Glücksspiel-Konzession von Marcel Paul Francisi kontrolliert wurde, Frankreichs Top-Heroin-Händler. Einige Forscher waren überzeugt, dass Lansky und Francisi Partner im Heroinhandel waren, und dass Lansky und seine Verbündeten auch einen Anteil an dem Casino hielten.”  [26] Francisi wiederum machte gemeinsame Sache mit einem lokalen libanesischen Exporteur von Morphinbase, Sami El Khoury, der wiederum „eine langfristige Geschäftsbeziehung” mit Lucky Luciano in Sizilien hatte, Lanskys Vorkrieg-Verbündetem in New York City und nunmehr ein großer europäischer Drogenhändler. [27]

Sami El Khoury hatte Schutz von der libanesischen Polizei, und möglicherweise auch von der CIA. Alfred McCoy sah die offizielle Korrespondenz des Federal Bureau of Narcotics (FBN), die im August 1963 diskutierte, „ob Sami El Khoury als Informant benutzt werden soll, jetzt da er aus dem Gefängnis entlassen worden ist.”  [28] Einer der beiden FBN-Korrespondenten, Dennis Dayle, erzählte später James Mills, dass El Khoury, „unter den internationalen Top-Drogenhändlern aller Zeiten”, ein Informant wurde.  [29] Und in den 1990er Jahren erzählte Dennis Dayle, nachdem er als Top-DEA-Ermittler im Nahen Osten in den Ruhestand getreten war, einer Anti-Drogen-Konferenz, dass „in meiner 30-jährigen Geschichte in der Drug Enforcement Administration und in Partnerorganisationen stellte sich über die Hauptziele meiner Untersuchungen fast immer heraus, dass sie für die CIA arbeiteten.” [30]

Die Castle Bank war eine weitere „Doppelte-Zweck-Waschanlage”, die sowohl der CIA wie auch dem Mob diente. Das Interesse des Mobs an Castle wurde in Jim Drinkhall Wall Street Journal-Artikel stark untergewichtet, der lediglich erwähnte, dass unterden Kontoinhabern bei Castle drei Männer gewesen seien – „Morris Dalitz, Morris Kleinman und Samuel A. Tucker – die in Dokumenten des Justizministeriums als Figuren der organisierten Kriminalität beschrieben werden.”  [31] (Kleinman und Helliwell hatten zahlreiche gemeinsame Immobilien-Investitionen mit Burton Kanter, dem Anwalt aus Chicago, der mit Helliwell die Castle Bank organisierte.) [32]

Alan Block legt nahe, dass Castle in der Tat eine aktive Bank wurde, als es notwendig war, Gelder von Mercantile Bank and Trust auf den Bahamas abrupt zu transferieren, einer anderen Helliwell-Bank, die „wie Castle … ein Kanal für CIA-Geld war”  [33] und im Begriff stand, unterzugehen. Die Gelder wurden „auf kräftiges Drängen” von Kanter bewegt:

weil unter den Konten, die in Gefahr standen, eines von Morris Kleinman war, einer berüchtigten Figur der organisierten Kriminalität seit den Tagen der Prohibition. In dieser Angelegenheit erklärte Castles Präsident Sam Pierson … es musste getan werden oder ,Kanter wird kopfüber im Chicago River enden.‘” [34]

Kanter scheint sich auf den Umgang mit den steuerlichen Aspekten legitimierten Mob-Reichtums spezialisiert zu haben. Neben der Gründung der Castle Bank mit Helliwell war er „energisch an der Arbeit in Kalifornien” in der La Costa-Immobilien-Entwicklung, an der auch das ehemalige Cleveland-Syndikatmitglied Moe Dalitz beteiligt war, „ein Teil-Eigentümer von mehreren Spielkasinos, einschließlich des Desert Inn und des Stardust Hotels.”  [35] Block verbindet Kanter mit La Costas Fähigkeit, große Finanzmittel aus dem korrupten Teamsters Central States Pension Fund zu erhalten: „Kanters Zugang zum Pension Fund kam wahrscheinlich von Allen Dorfman, einem Freund und Geschäftspartner. 1985 ermordet, um ihn daran zu hindern, über Mob-Investionen zu sprechen, war Dorfman ein wichtiger Fund-Offizieller und Gangster.” [36]


Die CIA, der Mob und Off-the-Books-Operationen

Helliwell war weder die einzige CIA-Verbindung zur Mafia, noch die am höchsten platzierte. Plots zur Tötung Castros im Jahre 1960 wurden vom Sicherheitsbüro der CIA durch einen Vermittler, Robert Maheu, initiiert, dessen unabhängiges Unternehmen mit Hilfe eines Vorschusses des Sicherheitsbüros startete. Es war Maheu, der den CIA-Ermordungsvorschlag zu John Roselli trug. [37]

James Jesus Angleton

James Jesus Angleton

Eine dauerhaftere Beziehung zum Mob wurde vom Personalchef der CIA-Spionageabwehr (Counterintellience, CI), James Angleton, gehalten. Auch er verwendete einen Mittler – den New Yorker Anwalt Mario Brod –, der von 1952 bis 1971 nach Angaben eines CIA-Memos ein CI-Mitarbeiter in New York war.  [38] Einer der heiklen CI-Agenten, die von Brod in New York betreut wurden, war Jay Lovestone, der Chef der AFL-CIO International Affairs, der Gelder an Schwerstwaffen-Gangs in Marseille übergab, die mit korsischen Drogenhändlern verbündet waren, die Teil der globalen Lansky-Luciano-Drogen-Connection waren. [39]

Laut Doug Valentine war Lovestones Assistent Irving Brown in Drogenschmuggel-Aktivitäten in Europa verwickelt, zur gleichen Zeit, da er CIA-Gelder verwendete, um:

„eine ,kompatible linke‘ Gewerkschaft in Marseille zusammen mit Pierre Ferri-Pisani (einzurichten). Im Auftrag von Brown und der CIA heuerte Ferri-Pisani (ein Drogenschmuggler, der mit Marseilles Verbrechensherrscher Antoine Guerini verbunden war) Berufsschläger an, um streikende kommunistische Hafenarbeiter vernichtend zu schlagen.“ [40]

Lovestone, ein ehemaliger Kommunist, der sich zum militanten Anti-Kommunisten gewandelt hatte, hatte zusammen mit seinem Mentor David Dubinsky von der International Ladies’ Garment Workers’ Union auch die Schaffung der militanteren CIO-Gewerkschaftsbewegung in den 1930er Jahren bekämpft, und die United Auto Workers von Walter und Victor Reuther im Besonderen.  [41] Die Rivalen von UAW-AFL, die Lovestone favorisierte, wandten sich für Muskeln an Mobster und heuerten als New Yorker Regionaldirektor John Dioguardi an, ein Mitglied der Mafia-Familie Lucchese.  [42] Dioguardi wurde später von US-Staatsanwalt Paul Williams für die Blendung des Gewerkschaftsjournalisten Victor Riesel und die anschließende Ermordung des Mannes, der die Säure in Riesels Gesicht warf, verantwortlich gemacht. [43]

Ein weiterer heikler Agent, der von CI-Personalmitarbeiter Brod, Angletons Mittelsmann zum Mob, betreut wurde, war der russische Überläufer Anatoliy Golitsyn, den Angleton von der regulären CIA-Bürokratie in seiner unendlichen Suche nach einem hochrangigen Maulwurf in der CIA trennte. Angleton baute (laut seinem Biografen Tom Mangold) „leise eine alternative CIA auf”, mit ihrem eigenen Kommunikationssystem, Archiv und Tresorraum, das die dubiosen Informationen von Lovestone und Golitsyn verwendete. Das Herzstück dieser alternativen CIA war CIs „Allerheiligstes: die super-geheime Special Investigation Group” (CI/SIG) , wo Akten zusammengetragen wurden, um zu zeigen, dass Henry Kissinger und Averell Harriman mögliche KGB-Maulwürfe waren. [44]

Ein dritter heikler Agent, der von Brod betreut wurde, war Herbert Itkin, ein umstrittener Doppelagent, der auf der einen Seite mit dem Mob arbeitete, auf der anderen mit der CIA und dem FBI. Aber wie Itkin hatte auch Brod selbst „Kontakte mit der Mafia.”  [45] Ein CIA-Eklat trat 1970 auf, als Itkin vom Justizministerium und dem FBI verwendet wurde, um eine Reihe von Mob-Figuren mit einstigen Verbindungen nach Havanna, wie James Plumeri, Ed Lanzieri und Sam Mannarino, für illegale Absprachen mit den Teamsters zu verfolgen. Der US-Staatsanwalt rief den CIA-Rechtsberater an, um ihn zu benachrichtigen, dass Mario Brod den Gerichtssaal betreten hatte, um mit der Verteidigung zusammenzuarbeiten. [46]

Nach Angaben der Gerichtsakten: „Die Verteidigung versuchte, Mario Brod aufzurufen, der als Itkins Kontakt bei der Central Intelligence Agency beschrieben wurde. Es wurde gesagt, dass Brod unter Eid aussagen würde, dass er Itkin nicht glaube und Itkins Ruf der Wahrhaftigkeit schlecht war.”  [47] Der CIA-Rechtsberater trat mit der US-Staatsanwaltschaft zusammen, um Brods Aussage zu blockieren. Sein Büro merkte Brods Erklärung seines Verhaltens fürs Protokoll an: ,Einer der Angeklagten mit dem Namen Lenzieri [(sic), d.h., Edward the Buff Lanzieri] war Brods einziger Kontakt innerhalb der Mafia, die Brod warnen würde, wenn er persönlichen in Gefahr sein sollte.‘” [48]

Aber Brod könnte aus mehr als Eigennutz gehandelt haben, denn es wurde vermutet, dass einige der Mafia-Angeklagten in den Absprache-Verfahren auch eine tiefere CIA-Verbindung hatten, wenngleich abseits der Bücher (“off the books”). Laut Dan Moldea waren zwei der Angeklagten, John La Rocca und Gabriel Mannarino, mit Hoffa an kubanischen Waffenschmuggel-Operationen beteiligt, und er legt nahe, dass Hoffa La Rocca und Mannarino überzeugte, zusammen mit zwei anderen Absprache-Angeklagten (Salvatore Granello und James “Jimmy Doyle” Plumeri) „mit der Agency zusammenarbeiten.”  [49] Darüber hinaus waren alle der Angeklagten in den Verfahren, in denen Itkin aussagte und Brod für die Verteidigung einzugreifen versuchte, Mitglieder der so genannten „Papier-Einheimischen” (“paper locals“) in den Teamsters (und zuvor in UAW-AFL), die durch Plumeris Neffen, John Dioguardi, kontrolliert wurden.

Im Juni 1975, sechs Monate nach dem Informationsleck über Angleton und der Operation CHAOS, das zu Angletons Sturz führte, mutmaßte Time-Magazine, dass die CIA Brods Mafia-Kontakte, Plumeri und Granello, genutzt habe, „um einige Spionage in Kuba in Vorbereitung für die 1961er Schweinebucht-Invasion durchzuführen.”  [50] (Ich habe keine Bestätigung für Times Behauptung in veröffentlichten CIA-Dokumenten gefunden.)

Wie Brod hatte Angleton angeblich selbst Mafia-Kontakte, und in mindestens einem Fall intervenierte er, um einen anderen Teil der CIA von der Untersuchung des Bankings von illegalen Lansky-Gewinnabschöpfungen aus Las Vegas abzuhalten. Ein hochrangiger Beamter in Robert Kennedys Justizministerium forderte John Whitten, den einstigen Chef der CIA in Mexico / Panama in der Western Hemisphere Division, dazu auf, nummerierte Bankkonten in Panama zu untersuchen, da sie von Spielern aus Las Vegas genutzt wurden, um Cash zu schmuggeln, „das sie von der Spitze ihrer täglichen Einnahmen abschöpften.“ Sein CIA-Pseudonym “John Scelso” benutzend, sagte Whitten vor dem Church-Komitee über Angletons Aktionen aus:

„Zu jener Zeit waren wir in einer ausgezeichneten Position, um dies zu tun …. Ich dachte, es war eine tolle Idee. Und das erreichte prompt Herrn Angletons Aufmerksamkeit, und wir mussten ihn informieren, und er sagte, na ja, wir werden nichts damit zu tun haben. Dies ist das Geschäft des Bureaus [FBI]. Und whammo, Ende des Gesprächs. Wir wurden abberufen. Ich ging zu Oberst JC King, der zu dieser Zeit der Chef der WH-Abteilung war, und sagte ihm das, und JC King sagte … nun, wissen Sie, Angleton hat diese Verbindungen zur Mafia, und er wird nichts unternehmen, um sie zu gefährden. Und dann sagte ich, das habe ich nicht gewusst. Und er sagte, ja, es hatte mit Kuba zu tun.“ [51]

Angletons Verteidigung von Lanskys Gewinnabschöpfungen kann nicht von seiner zweiten Funktion in der CIA getrennt werden; als Betreuer des Israel-Desks. Angletons Verbindungen mit dem Mossad datierten zurück zum Zweiten Weltkrieg, als er OSS-Operationen in Italien mit dem jüdischen Untergrund koordinierte, der lokal von Teddy Kollek (später Israels Bürgermeister von Jerusalem) geleitet worden war. [52]


Angletons „Alternativ-CIA” und deren Vermächtnis

Darüber hinaus beeinträchtigte CI/SIG, das „Allerheiligste” von Angletons „Alternativ-CIA“, die US-Geschichte deutlich im Jahre 1963. Ihre sogenannte 201- oder „Personen-“Akte zu „Henry Lee Oswald” (der Mann, der der Welt als Lee Harvey Oswald bekannt ist) war mit falschen und gefälschten Informationen gefüllt worden, seit sie im Dezember 1960 eröffnet worden war. Und zwei Meldungen in der 201-Akte wurden erneut im Oktober 1963 gefälscht, um so zu ermöglichen, dass Oswald ein glaubwürdiger „designierter Verdächtiger” in der Ermordung von John F. Kennedy einen Monat später sein würde. [53]

Die Fälschung von Oswalds 201-Akte kann als legitime Gegenspionage-Operation entstanden sein. Ich habe argumentiert, dass die gefälschten Nachrichten eindeutig Teil eines sogenannten “Marked Card-” oder “Barium“-Tests waren, um festzustellen, ob und wo Lecks von sensiblen Informationen auftreten würden. Dies war eine bekannte Technik, und stand in der Verantwortung des CI/SIG, die für die 201-Akte verantwortlich war. [54]

Aber bis Oktober 1963 sehen wir Anzeichen, dass CIA-Kabel zu Oswald ebenfalls manipuliert wurden, um ihm zu ermöglichen, ein designierter Verdächtiger in der Ermordung von Präsident Kennedy am 22. November zu werden. Ein CIA-Fernschreiben an das FBI im Oktober 1963 (durch einen CI/SIG-Beamten aufgesetzt) hielt die offensichtlich wichtige Information zurück, dass Oswald angeblich in Mexiko-Stadt mit einem sowjetischen Vizekonsul, Valeriy Kostikov, zusammengetroffen war, von dem CIA-Beamte annahmen, dass er ein Offizier des KGB war.  [55] Dieses Zurückhalten trug dazu bei, dass Oswald nicht durch das FBI nach der angeblichen Begegnung unter Überwachung gestellt wurde; eine Überwachung, die seine Fähigkeit, ein designierter Verdächtiger durch seine Anwesenheit an einer besonders sensiblen Ecke auf Kennedys Paradestrecke in Dallas sein zu können, vermutlich erheblich eingeschränkt hätte. Ich habe argumentiert, dass ähnliches Informationszurückhalten der CIA vor dem FBI über zwei angebliche 9/11-Hijacker, Nawaz al-Hamzi und Khalid al-Mihdar, es ihnen ebenfalls ermöglichte, die Rolle designierter Verdächtiger zu spielen, indem die FBI-Überwachung ebenso verhindert wurde. [56]

CIA-Direktor William Colby zwang Angleton zum Rücktritt von der CIA im Post-Watergate-Klima im Dezember 1974, nach öffentlichen Enthüllungen über Angletons Engagement in der möglicherweise illegalen Operation CHAOS der CIA (die Überwachung der US-Amerikaner in den Vereinigten Staaten). Dies bedeutete das Ende von Angletons „alternativer CIA” im Spionageabwehr-Team. Denn ungefähr ein Jahr darauf enthüllten Lecks wie jenes, das wir über die CIA-Links zu Brods Mafiosi sahen, weiterhin den Morast der CIA-Verbindungen zu kubanischen Exil-Terroristen und anderen Mitgliedern der globalen Drogen-Connection (und halfen ihn damit zu beenden).

Doch 1976 veränderte sich das Klima dramatisch, nachdem Donald Rumsfeld und Dick Cheney im sogenannten „Halloween-Massaker” (von Präsident Fords Weißem Haus aus gemanagt) CIA-Direktor Colby mit George H.W. Bush ersetzten und Rumsfeld aus dem Weißen Haus schickten, um Verteidigungsminister zu werden. Wenn 1975 das Post-Watergate-Jahr der dramatischen Enthüllungen über CIA-Verwicklungen mit kubanischen Exilanten und Gangstern bei Ermordungsbemühungen war, dann war 1976 das Jahr, in dem sich Mob-verbundene Exilkubaner und der chilenische Geheimdienst DINA, beide im Drogenhandel verwickelt, in einer Welle von Terrormorden ergingen. Dazu gehörten die Sprengung eines zivilen Verkehrsflugzeugs der Air Cubana und die Ermordung des früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier in Washington. [57]

Allerdings war die CIA nicht mehr länger der einzige oder womöglich sogar der Hauptpunkt des US-Kontakts mit der DINA-gesponserten internationalen Operation CONDOR, die mehrere Morde durchführte. Der US-Botschafter in Paraguay Robert White, ein Karriere-Beamter des State Department, dessen Abneigung gegen diese Morde ihn den Job kostete, nachdem Reagan gewählt wurde, hörte vom Kommandanten der paraguayischen Streitkräfte, dass „Geheimdienstchefs aus Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay ,ein verschlüsseltes System innerhalb des US-[Militär]Telekommunikationsnetz[werks]‘ nutzten, das ganz Lateinamerika abdeckte, um ,Geheimdienstinformationen zu koordinieren.‘“ [58]

Henry Kissinger, der 1976 in seinem letzten Jahr als Außenminister war, spielte bestenfalls eine zweideutige Rolle vis-à-vis dieser Welle der rechten Gewalt. Vor der öffentlichen Belehrung Chiles in Santiago für seine Menschenrechtsverletzungen („Der Zustand der Menschenrechte … hat unsere Beziehung zu Chile beeinträchtigt und wird dies auch weiterhin tun”), versicherte Kissinger Pinochet privat, dass er von der US-Politik gezwungen sei, dies zu sagen, und dass in der Tat seine Hauptsorge die Bewegung im US-Kongress war, die Hilfe für Chile zu kürzen. [59]

Der US-Schutz und sogar die Unterstützung der USA für die Terroristen von 1976 hat sich bis zum heutigen Tag fortgesetzt. Luis Posada Carriles, der Hauptarchitekt der Air Cubana-Bombardierung, „saß im Gefängnis in Venezuela für die Cubana-Bombardierung”, und „später, in den 1980er Jahren, arbeitete er wieder im Auftrag der CIA in Mittelamerika und half, das Contra-Versorgungsnetz zu koordinieren.”  [60] Posada wurde 2000 in Panama wieder verhaftet und für einen Attentatsversuch auf Fidel Castro verurteilt, diesmal mit Guillermo Novo, einem der Letelier-Mörder. Beide Männer wurden sofort von Panamas scheidenden Präsidenten begnadigt.  [61] Im Mai 2008 wurde Posada von 500 kubanischen Amerikanern bei einer ausverkauften Gala in Miami geehrt, nachdem Anschuldigungen gegen ihn wegen illegaler Einreise in die Vereinigten Staaten von einem Bundesrichter in Texas verworfen worden waren. [62]

CIA-Direktor Bush beförderte auch Theodore Shackley, der seit Jahren die Maverick-Exilkubaner der CIA in Miami betreute. Laut Kevin Phillips:

„Ende 1976 hatte Bush auch eigensinnige Agenten-Veteranen – Veteranen, die alles von chilenischen Morden über Vietnams Phoenix-Programm bis hin zu unsachgemäßer inländischer Überwachung gemacht hatten – vor der Anklage von Präsident Fords Justizministerium geschützt.“ [63]

Aber der Geist der Post-Watergate-Zurückhaltung kehrte unter Präsident Carter und seinem CIA-Direktor Admiral Stansfield Turner in die CIA zurück. Vor allem dank einer Reihe von Informationslecks über seinen Freund Edwin Wilson sank Shackleys Ansehen in der CIA, bis er 1978 ging. [64]

Es ist jedoch der Standpunkt von William Corson und Joseph Trento, dass der Geist einer alternativen und aktivistischeren CIA unter Shackley im Exil überlebte. Trento schreibt, dass Shackley vom Safari Club des iranischen Schahs (siehe unten) und von Richard Helms, dem US-Botschafter im Iran, unterstützt wurde. Der reguläre CIA-Chef im Iran „klagte immer wieder, dass Helms seine eigenen Geheimdienstoperationen von der Botschaft aus zu führen schien”, und dass CIA-Veteranen, die unter dem CIA-Beamten Theodore Shackley gearbeitet hatten, „den Kader einer privaten Schatten-Spionageorganisation innerhalb Amerikas offiziellem Nachrichtendienst (bildeten).” [65]


Helliwell, Castle und die Oberwelt

Wir haben noch nicht die Oberwelt-Verbindungen von Castle Bank behandelt. Die wohlhabendsten Einleger dort „waren Mitglieder der märchenhaft reichen Pritzker-Familie aus Chicago, Kunden der Kanter-Firma.”  [66] Block stellt fest, dass die Pritzkers, deren weitgestreuter Besitz die Hyatt-Hotelkette einschließt, auch ein Darlehen vom Teamsters Pension Fund für ein Hotel-Casino-Investment in Nevada erhielten, und dass „Jimmy Hoffa und Allen Dorfman persönlich an Pritzker-Darlehen arbeiteten.” [67]

Kanter und Castle Bank planten auch Entwicklungen mit anderen Mitgliedern der Oberwelt, wie Henry Ford II und seiner Frau Christina.  [68] Mercantile, die Vorgänger-Bank von Castle, vertrat Investitionen von zwei Schifffahrts-Magnaten: des Milliardärs Daniel K. Ludwig und des äußerst wohlhabenden norwegischen Schiffbauers Inge Gordon Mosvold, vielleicht ein Frontmann für Ludwig. [69]

Mercantile und Castle waren eng mit einer anderen Bahamas-Bank von Helliwell verbandelt, Underwriters Bank Limited. Hier war der Mehrheitseigentümer mit 95 Prozent der amerikanische Versicherungskonzern American International Underwriters Corp [AIUC], der als Teil des Versicherungsimperiums des ehemaligen OSS-Agenten C.V. Starr begann und heute Teil des riesigen multinationalen Konzerns AIG ist. Block berichtet korrekterweise, dass AIUC „ein Versicherungskonglomerat mit verdächtigten Verbindungen zur CIA in Südostasien war.” [70]

Ich habe an anderer Stelle geschrieben, wie die C.V. Starr-Gruppe in Washington von Thomas (“Tommy the Cork”) Corcoran vertreten und nach dem Zweiten Weltkrieg von Corcorans ehemaligen Rechtspartner, William S. Youngman, geleitet wurde. Sie war also mit dem sogenannten Chennaults-Kreis (oder Chennaults „Washington-Geschwader”) verzahnt, jene mächtige Clique, die mit Roosevelt Segen im Jahre 1940 zusammengesetzt wurde, um die Ausrüstung, das Personal und die finanzielle Unterstützung von General Claire Chennaults Flying Tigers in China zu ermöglichen. [71]

Corcoran war seit den 1930er Jahren eine Schlüsselfigur in Washington gewesen, als er „FDRs informellen Geheimdienst und internationale Spionage-Operationen“ leitete, „lange bevor es einen OSS gab.”  [72] In den 1950er Jahren, als über ihn von Fortune gesagt wurde, dass er „den besten Nachrichtendienst in Washington” halte, waren seine Lobbying-Aktivitäten eng mit der Beeinflussung von verdeckten Operationen der CIA verbunden:

„Die meisten [seiner Kunden] sind Unternehmen mit internationalen Interessen, und er hat eine Wahl-Klientel in diesem Bereich. Diese enthält United Fruit Co., American International Underwriters Corp (Teil der C.V. Starr-Interessen in Asien und anderswo) und General Claire Chennaults Civil Air Transport, Inc. Ende 1951 ließ Corcoran seinen Nachrichtendienst beispielsweise Überstunden leisten, um mit der amerikanischen Politik zum Iran mitzuhalten – was das Außenministerium in dieser Angelegenheit tun würde, würde eine Anleitung dafür sein, was es tun oder nicht tun könnte, um seinen Mandanten, United Fruit, vor dem Rauswurf aus Guatemala zu bewahren.“ [73]

Helliwell und Corcoran spielten zusammen eine entscheidende Rolle bei der Verlängerung des asiatischen Einflusses Chennaults, als die beiden Männer Frank Wisner vom OPC überredeten, Chennaults Nachkriegs-Fluggesellschaft CAT (später der CIA-Eigentum Air America) zu kaufen und zu refinanzieren. Auch beteiligt an dieser wichtigen Entscheidung war William Pawley, eine Schlüsselfigur in Chennaults sogenanntem „Washington-Geschwader ” im Zweiten Weltkrieg.  [74] Gemeinsam mit Sea Supply Inc., Helliwells anderer Schöpfung, wurde aus CAT die hauptsächliche logistische Infrastruktur für die drogenhandelnden KMT-Truppen in Burma. [75]


Helliwell und die Politik des Einflusses

Helliwells und Corcorans Anwaltskanzlei, Corcoran und Rowe, arbeitete auch mit William Donovan bei der Verwendung von Thai-Geld zur Beeinflussung des Kongresses zusammen. Helliwell selbst war ein wichtiger Organisator für die Republikanische Partei in Florida; er half, den Staat 1952 für Eisenhower zu gewinnen und damit den Start der republikanischen Vorherrschaft im Süden zu beginnen. (Helliwell stand später eng mit Nixons Kumpan Bebe Rebozo.) [76]

Thomas Corcoran

Thomas Corcoran

Corcoran und Rowe waren indes Demokraten, letzterer war eng mit dem kommenden Texas-Senator Lyndon Baines Johnson vertraut. Corcoran hatte in den 1940er Jahren die Konten und das politische Geschäft von Chiang Kai-sheks Schwiegersohn, T.V. Soong, gemanagt, der durch die Umleitung von Millionen an chinesischem Gold auf seine Konten in Kalifornien zu einem der reichsten Männer der Welt geworden war.

Zusammen mit Soong trieb Corcoran erfolgreich Lobbyarbeit für ein Leih- und Pachtprogramm an das nationalistische (KMT-) China und an eine private American Volunteer Group, die Piloten von den Streitkräften für ein privates Unternehmen rekrutierte, das von Corcorans Freund William Pawley geleitet wurde. Tatsächlich wurden die Piloten rekrutiert, um in China als Teil von Chennaults irregulärer Air Force für Chiang Kai-shek und die KMT zu kämpfen. [77]

„In der Tat betrieb Corcoran einen Off-the-Books-Privatkrieg, in dem ein Privatunternehmen, China Defense Supplies, einiges von dem Kriegsmaterial, das für China bestimmt war, an eine Privatarmee, die American Volunteer Group, umleitetete.“ [78]

Nach dem Krieg wurden Soong, Corcoran und Pawley starke Unterstützter der Pro-KMT-China-Lobby.  [79] Die Beamten des State Department, die in T.V. Soongs „Schwarzbuch” eingetragen wurden, wurden zur Zielscheibe der Säuberungen, die erst von J. Edgar Hoover und später von Joseph McCarthy durchgeführt wurden. [80]

Die Geschickte der von Soong gedeckten China-Lobby gingen dramatisch mit denen von McCarthy im Jahre 1954 darnieder. An diesem Punkt kollaborierten Corcoran und Donovan (die zuvor 1949 bei Chennaults Verkauf von Chinas Handelsluftflotte via CAT zusammengearbeitet hatten), um den Fluss an Geldern aus Asien zur Beeinflussung des Kongresses aufrechtzuhalten. Die neue Quelle war der Thai-Diktator Phao Sriyanon, einer der größten Nutznießer des KMT-Drogennetzwerkes, das von Helliwell, Sea Supply und CAT etabliert worden war. (Zum Zeitpunkt seines Todes im Exil in der Schweiz wurde von Phao gesagt, dass er „einer der reichsten Männer der Welt” war.) [81]

„Nachdem Skandale und Enthüllungen die Aufpolierung der China-Lobby in Washington erzwangen, bot der private Arm der Thai-Lobby seine eigenen Ressourcen auf…. Durch Donovan, [OSS-Veteran Willis] Bird [Sea Supplys Einkäufer in Bangkok] oder seinen anderen CIA-Verbindungen hatte Phao zu dieser Zeit den Rechtsanwalt Paul Helliwell … als Lobbyist neben Donovan angeheuert. Donovan [der von der thailändischen Regierung gemeldete $ 100.000 erhielt] und Helliwell teilten den Kongress untereinander auf, indem Donovan die Verantwortung für die Republikaner und Helliwell die für die Demokraten übernahm.“ [82]

Wie „übernahm“ Helliwell, ein einflussreicher Republikaner-Anwalt, der Vollzeit in Miami arbeitete, die Demokraten? Durch das Wirken in seiner Rolle als Thai-Konsul in Miami: seine Jahresberichte als Lobbyist von Ausländern zeigen, dass er Zehntausende von Dollar pro Jahr an James Rowe von Corcoran und Rowe gab.


Helliwell, Resorts International und die Politik der Korruption

Helliwell und seine Banken wickelten auch echte Investitionen für die Lansky-Leute ab:

„Unter den Immobilienunternehmen in Florida, die von Helliwells Fingerfertigkeit profitierten, war die General Development Corporation, kontrolliert von Louis Chesler, einem Florida-Immobilien-Entwickler und Mitarbeiter von Lansky, sowie von “Trigger Mike” Coppola, einem Lansky-Kumpan. Chesler war der Partner von Wallace Groves …. Chesler und Groves waren Partner in einem Glücksspielunternehmen zusammen mit Resorts International durch ein Bahamas-Unternehmen, dessen Rechtsrat die Kanzlei Helliwell, Melrose und DeWolf war.“ [83]

Resorts International, ehemals die Mary Carter Paint Company, die von James Crosby kontrolliert wurde, war Mehrheitsbesitzer eines Bahamas-Resorts, Paradise Island, das nicht in der Lage war, an eine Lizenz zu kommen, ehe Wallace Groves 1966 als Partner reingeholt wurde. Die bekannte Reaktion eines Offiziellen des US-Justizministeriums zu diesem Eigentümerwechsel war: „Die Atmosphäre scheint das Richtige für ein Lansky-Gewinn zu sein.” Jahre später sollten „Anwälte der Gaming Enforcement Division New Jersey der Erteilung einer Glücksspiel-Lizenz an Crosby und seine Firma [Resorts International] unter Berufung auf ,Verbindungen zu anrüchigen Personen und Organisationen‘, und speziell auf ihre Bilanz auf Paradise Island, Widerstand leisten.” [84]

Wie Helliwell und Groves, so war auch Resorts International Teil der weltweiten CIA-Mob-Connection. Laut einem CIA-Memorandum von 1976, das in der Meyer Lansky-Sicherheitsakte enthalten ist:

„Resorts International, Inc., ist der Gegenstand der OS [Office of Security] Akte # 591 722. Diese Akte spiegelt wider, dass Resorts International, Inc. 1972 und 1973 von Interesse war für Cover- und Handelsmitarbeiter von DDO [Operations Directorate].“ [85]

Wallace Groves

Wallace Groves

Wie das gleiche CIA-Memo deutlich macht, war dies nachdem ein 1969 erschienenes Buch, The Grim Reapers von Ed Reid, Verbindungen des Unternehmens zu Wallace Groves und durch den Casino-Manager Eddie Cellini zu dem, was das CIA-Memo als ,die Glücksspielaktivitäten vom Chef der organisierte Kriminalität, Meyer LANSKY ‘ bezeichnete, enthüllt hatte.  [86] Resorts International nahm also mit anderen Worten die Mittlerrolle zwischen der CIA und Eddie Cellini ein, so wie (das werden wir gleich sehen) 1960 eine ähnliche Rolle vom Anführer der CIA-Schweinebucht-Invasion Tony Varona ausgeführt worden war.

1972, dem Jahr, in dem Resorts „von Interesse” für die CIA wurde, war auch das Jahr , in dem Meyer Lansky zusammen mit Dino Cellini (Eddies Bruder) in Miami angeklagt wurde. Einer der Vorwürfe in der Anklageschrift war, dass „Lansky 1968 zumindest eine gewisse Kontrolle über die Laufvergnügungsreisen (ein profitable Teil eines Casino-Betriebs) beim Paradise Island Casino kontrollierte“  [87] Ich werde später argumentieren, dass in diesen zwei Jahren sowohl Resorts, als auch die Lansky-Anklage „von Interesse”  für die CIA wegen des Showdowns waren, der in dieser Zeit zwischen Nixon und der CIA im Zuge des Watergate-Einbruchs stattfand.

Die CIA war sich möglicherweise über die Vorwürfe bewusst, die 1972 auftauchten, dass die Gelder aus dem Paradise Island Casino von einem Casino-Mitarbeiter heimlich zu Nixon und seinem Freund Bebe Rebozo gebracht wurden. Dieser Mitarbeiter war Seymour (Sey) Alter, auf der einen Seite ein Verbündeter von Lansky und seinem Mann Eddie Cellini, und auf der anderen Seite „ein Freund von Nixon und Rebozo seit 1962.”  [88] Die Gelder kamen von der Paradise Island Bridge Company, einem Unternehmen, das teilweise einem Offiziellen von Benguet International gehörte, einer Firma, die von Paul Helliwell vertreten wurde.  [89] Es ist wahrscheinlich, dass Nixon selbst einen versteckten Anteil an der Bridge Company hielt, was die Enthüllung im Zuge der Operation Tradewinds erklären könnte, dass ein „Richard M. Nixon ” (nicht anders identifiziert) ein Konto bei Helliwells Castle Bank hatte. [90]


Die CIA, Eddie Cellini, Edward K. Moss und die CIA-Mafia-Plots

Aber es gab noch mehr an der CIA-Resorts-Verbindung. 1967 hatte Casino Resorts (zu dieser Zeit Paradise Island) Eddie Cellini als Casino-Manager angeheuert, der früher Lanskys Casino in Havanna, Hotel Internacional, gemanagt hatte.  [91] 1967 war das Jahr, in dem der CIA-Generalinspekteur in seinem Bericht über CIA-Plots zur Ermordung Fidel Castros geschrieben hatte, dass über Eddie Cellini und seinem berühmteren Bruder Dino:

„geglaubt wurde, dass sie in Kontakt mit [Tony] Varona [Mitglied der CIA-Frontgruppe für die Schweinebucht-Operation] waren … und es wurde berichtet, dass sie Varona große Summen Geld für seine Operationen gegen Castro angeboten haben, mit dem Verständnis, dass sie eine privilegierte Behandlung ,im Kuba der Zukunft‘ erhalten würden.” [92]

Der Bericht des Generalinspekteurs wurde geschrieben, um mit dem politischen Eklat umzugehen, der durch Jack Anderson spektakuläre Behauptung im Jahre 1967 auftrat, dass John F. Kennedy möglicherweise als Folge eines Mordkomplott gegen Castro getötet worden sei, „der dann möglicherweise nach hinten losging”, um sich gegen Kennedy selbst zu richten.  [93] Jack Andersons ultimative Quelle für die Geschichte war John Roselli, ein Mob-Mitglied, das verärgert darüber war, dass seine Zusammenarbeit mit der CIA bei den Mordplänen ihn nicht vor einer Anklage und möglichen Abschiebung schützte.

Eddi Cellini

Eddie Cellini

Der Forscher Alan A. Block stellt fest, dass es seltsam unklug von Paradise Island war, Eddie Cellini 1967 angestellt zu haben, da es gerade erst einen eigenen Skandal von organisierter Kriminalität hinter sich hatte.  [94] Aber die CIA war mit einem noch größeren Skandal von organisierter Kriminalität durch Jack Andersons Kolumne konfrontiert, und der IG-Bericht hatte CIA-Direktor Helms gerade erst mitgeteilt, dass Cellini möglicherweise ein Vermittler in den Mordplänen zwischen den beiden Plot-Anführern Varona und Santos Trafficante gewesen war.  [95] Eine Möglichkeit ist, dass Cellini von Resorts angeheuert worden war, um sicherzustellen, dass er sich nicht Roselli anschließen würde, um an die Öffentlichkeit zu gehen.

Es gibt einen wichtigen FBI-Bericht, der unbeanstandet in einem CIA-Dokument in der Lansky-Sicherheitsakte reproduziert wurde, die fast frei von Verweisen auf Lansky ist, aber sehr wohl eine Akte zu den CIA Mafia-Verschwörungen genannt werden kann.  [96] Nach diesem FBI-Bericht kam es zu dem Kontakt zwischen Varona und den Cellini-Brüdern, die den Mob repräsentierten, durch einen in Washington ansässigen PR-Agenten namens Edward K. Moss:

„Verona [sic] hat auf Edward K. Moss als seinen Assistenten für die Beschaffung von Finanzmitteln zur Finanzierung von Operationen gegen Castro zurückgegriffen. … Julia Cellini ist angeblich Moss’ Geliebte und betreibt einen Sekretariats-Service, [der] in Wirklichkeit eine Front für Edward K. Moss‘ Aktivitäten ist. … Julia Cellinis Bruder Dino Cellini und sein Bruder (Vorname unbekannt) sind aktive Fronten für zwei der größten Kasinos, die in Kuba bis zum Batista-Regime betrieben wurden. … Es wird behauptet, dass die Cellini-Brüder in engem Kontakt mit Tony Verona [sic] durch Edward K. Moss sind und angeboten haben, erhebliche Summen (von bis zu zwei Millionen Dollar wurde berichtet) durch Edward K. Moss an Tony Verona beizutragen, um Operationen gegen das Castro-Regime zu finanzieren, mit dem Verständnis, dass sie eine große Scheibe ,im Kuba der Zukunft‘ abbekommen würden.” [97]

Dem gleichen CIA-Memo zufolge war Moss ein ehemaliger Präsident der Public Relations Society of America. Zur gleichen Zeit, nach einem mündlichen Bericht von Dun und Bradstreet an den damaligen CIA-Agenten Edwin P. Wilson, „,scheint Moss’ Operation in Regierungsaufträgen für die Unterwelt und möglicherweise die Beobachtung von Mafia-Geld in legalen Geschäftsaktivitäten zu liegen.” [98]

Mr. Edward K. Moss, PR counsel to Embassy introduces Miss Julia T. Cellini to Vice President Tolbert

Mr. Edward K. Moss, PR counsel to Embassy introduces Miss Julia T. Cellini to Vice President Tolbert

All dies liefert einigen Kontext zur Entscheidung des CIA-Amtes für Sicherheit (CIA Office of Security) am 7. November 1962, eine Covert Security Approval (CSAS) für den Einsatz von Moss durch die Political Action Group des Covert Action-Mitarbeiterstabs (CA) der CIA zu sichern.  [99] Das war natürlich mehr als ein Jahr, nachdem das FBI der CIA angeblich mitgeteilt hatte, dass „die Cellini-Brüder in Kontakt mit Varona durch Moss sind und angeboten haben, so viel wie zwei Millionen Dollar beizutragen, um Anti-Castro-Operationen zu finanzieren.”  [100] Außerdem wiesen FBI-Informationen an die CIA darauf hin, dass Moss‘ Geliebte Julia Cellini und ihr Bruder Dino Cellini angeblich Zuhälter waren, während „die Cellini-Brüder seit langem mit Drogen- und Prostitutions-Sklavenhandel-Gangstern in Kuba in Verbindung gebracht wurden.”  [101] Die CIA selbst benachrichtigte das FBI am 16. Dezember 1960, dass Julia “Cellino” darauf hingewiesen hatte, dass ihr Brüder „seit langem im Drogen- und Prostitutions-Sklavenhandel in Kuba verbunden war.” [102]

Weitere FBI-Informationen deuteten darauf hin, dass Dino Cellini „ehemals mit Joseph Francis Nesline, einem WFO [d.h. Washington] Top-Ganoven, in einem Spielbetrieb verbunden war.”  [103] Ich habe an anderer Stelle geschrieben, wie Meyer Lansky und Joe Nesline “systematisch sexuelle Erpressung [d.h. durch modernen Sklavenhandel] benutzten, um eine Reihe von Menschen in Washington, die politisch einflussreich waren, zu kompromitieren.” [104]

Die CIA erinnerte sich, dass Moss ein fragwürdiger Charakter war: ein Memo vom 28. November 1962 verwies auf seine „,skrupellosen und unmoralischen‘ Geschäftspraktiken”[105] Laut dem IG-Bericht und anderen Memos: „Ein Memorandum, das vom CA [Covert Action] Mitarbeiterstab 1965 vorbereitet worden war, sagt aus, dass die Datensätze keine Verwendung von Moss zeigen“[106] aber diese sorgfältig formulierte Sprache schließt natürlich keine Verwendung von Moss abseits der Bücher aus. In der Tat bestätigen die Dokumente des Moss-Ordners das Interesse der CIA an ihm, und viele Dokumente betreffen Julia, Eddie, Dino und Goffredo Cellini.

Die Unterlagen über Moss, die Cellinis und Varona sind sehr aufschlussreich. Das FBI alarmierte die CIA über ihre Beziehung und das Angebot von zwei Millionen Dollar an Varona „im Hinblick auf die schwerwiegenden Folgen von [Mafia-] Infiltration dieser CIA-gestützten Aktivität [gegen Castro].”  [107] Am 23. Januar 1961 kommunizierte das FBI seine Anliegen mit dem neuen Generalstaatsanwalt, Robert Kennedy, damals für weniger als eine Woche in seinem Amt. [108]

Die Reaktion der CIA war das Gegenteil von dem, was die Anstandsregeln erwartet hätten: Statt sich von Moss und seinen Mitarbeitern zu distanzieren, erwärmte sich die CIA ihrer. Die CIA ordnete die Weitergabe von Giftpillen über die Mafia an Varona an, der im Februar 1961 der Weichensteller im CIA-Mafia-Plot zur Tötung Castros wurde.  [109] 1962 wurde Varona erneut ausgewählt, um sich als ZRRIFLE-2 an William Harveys erneuerten Mordplänen gegen Castro zu beteiligen.  [110] Und im gleichen Jahr, wie wir gesehen haben, unternahm die CIA Schritte, um Moss selbst zu verwenden.


Mehr über die CIA, Moos und die Politik der Korruption: Adnan Khashoggi

Die indirekte Beziehung der CIA zu Moss durch einen Mittelsmann (Varona) scheint bis in die 1970er Jahre hinein überlebt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Mittelsmann Adnan Khashoggi, der für eine Weile (wie T.V. Soong und Phao Sriyanon vor ihm) als „der reichste Mann der Welt” bekannt wurde. Khashoggi wurde auch in dem Kerry-Brown-BCCI-Report als einer der „ausländischen Hauptagenten der USA” aufgelistet, und irgendwann in den 1970er Jahren engagierte er Edward K. Moss als seinen PR-Agenten.

Khashoggi replizierte die Politik des korrupten Einflusses durch Geld und Sex, der wir schon begegneten. Seine Beiträge zu Nixons Wahlkampfkampagnen – manche legal, manche illegal – wurden durch den Watergate-Ausschuss des Senats untersucht. Über Khashoggi wird von einigen gesagt, dass er 1972 bis zu $ 1 Million heimlich an Nixon gegeben habe, angeblich in einer Aktentasche, die er „versehentlich” in Nixons San Clemente-Residenz zurückgelassen habe.

Zusätzlich ist von Khashoggi bekannt, dass er mehrere Millionen Dollar in der Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo hinterlegt hatte (manche sagen $ 200 Millionen).  [111] Er „entnahm alles bis auf $ 200.000 in Form von Schecks, die zu ,Cash‘ gemacht und ans Sands Hotel (in Las Vegas) überschrieben wurden“[112] Es war, als ob Khashoggi das Sands als seinen persönlichen Waschsalon nutzte. Bekannt als „der größte High Roller, der je in Las Vegas eintraf”, sollte Khashoggi mit einem Wurf so viel wie $ 250.000 verlieren. [113]

Adnan Khashoggi

Adnan Khashoggi

Das Sands war eines der Las Vegas-Casinos, die ursprünglich teilweise im Besitz von Meyer Lansky waren, und von deren Erlöse Gewinnabschöpfungen in der Miami National Bank hinterlegt wurden (wie wir gesehen haben).  [114] In den 1970er Jahren war das Sands nunmehr im Besitz von Howard Hughes; aber zwei Veteranen der Lansky-Ära, Carl Cohen und Jack Entratter, arbeiteten weiterhin im Casino.  [115] Khashoggi verwickelte inzwischen den Manager von Hughes‘ Eigentümern in Vegas, F. William Gay, in seine Geschäfte; und schließlich, als Hughes heimlich von Vegas zu Wallace Groves‘ Resort in Freeport, Bahamas gebracht wurde, geschah dies in Khashoggis Flugzeug. [116]

Selbst in der Ära Hughes blieben Las Vegas-Casinos weiterhin bevorzugte Standorte für die Wäsche von Geld (als Glücksspiel-Verluste getarnt). Diese Praxis wurde so gut etabliert, dass der US-Zoll schließlich in der Operation Casablanca ein gefälschtes Casino in der Nähe von Las Vegas aufmachte, in dem sich mexikanische Top-Level-Bankbeamte versammelten und „eifrig diskutierten, wie die neueste halbe Milliarde Dollar an Drogenerlösen gehandhabt werden sollte.”  [117] In einem wichtigen Fall wurden tausende von Dollar in einem Geld-Umschlag aus dem Stardust Casino (oben erwähnt worden) in einem mutmaßlichen Drogenschmuggelflugzeug in Florida gefunden. [118]

Es gibt auch Berichte, dass Khashoggi neben Geld „Sex verwendete, um US-Führungskräfte zu gewinnen.” Die Rechnung für die Frau, die ihm en masse Mädchen auf seine Yacht im Mittelmeer lieferte, belief sich auf Hunderte von Tausenden von Dollar. [119]

Das CIA-Interesse an Khashoggi und Moss begrenzte sich nicht auf die Gelder, die den beiden Männern zugänglich waren. In den 1970er Jahren war Moss Vorsitzender des elitären Safari Club in Kenia, wo er Khashoggi einlud, Mehrheitseigentümer zu werden.  [120] Und wie der ehemalige saudische Geheimdienstchef Prinz Turki bin Faisal einmal öffentlich offenbarte, trafen sich die Geheimdienstchefs aus einer Gruppe von Ländern (Frankreich, Ägypten, Saudi-Arabien, Marokko und Iran unter dem Schah) regelmäßig im Safari Club, um verdeckte Operationen durchzuführen, die die CIA im Zuge des Watergate-Skandals nicht durchführen konnte. [121]

CIA-Beamte wie Miles Copeland und James Critchfield wurden Teil des Khashoggi-Milieus. Sie berieten Khashoggi bei diplomatischen Initiativen, wie z. B. ein geplanter Nahost-Friedensfonds, der Israel und Palästina für das gegenseitige Anerkennen belohnen sollte.  [122] Khashoggi hatte die Fähigkeit, mit den Israelis zu verhandeln; er soll durch den ehemaligen Waffenschmuggler Hank Greenspun, dem politisch einflussreichen Herausgeber der Las Vegas Sun, bei den Israelis eingeführt worden sein. [123]

Im Allgemeinen repräsentierte Khashoggi die Nachkriegs-Offshore-Auswanderung immensen Reichtums und die Macht, die es förderte. Er diente als „Mittelsmann“ (“cut-out“) oder Vertreter in einer Reihe von Operationen, die denen, die er vertrat, untersagt waren. Lockheed für seinen Teil war auf der Liste der militärischen Auftragnehmer, die illegal an Nixons Wahlkampf 1972 zahlten, auffällig abwesend. Aber es gab kein Gesetz, dass der offizielle Repräsentant, Khashoggi, nicht $ 200 Millionen durch die Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo lenken konnte. [124]

All dies deutet darauf hin, dass das CIA-Interesse an Moss – wie später an Khashoggi, an Wallace Groves, an Operation █, und an Eddie Cellinis Arbeitgeber Resorts International – mit irregulären Finanzierungen von verdeckten Off-the-Books-Operationen zu tun hatte. Und wenn solche Finanzierungsmittel übergeben wurden, so legt der Kontext nahe, dass der Mann, der sie zu behandeln bestimmt wurde, Paul Helliwell gewesen sein dürfte, der Mann, über den das Wall Street Journal berichtete, dass er „,tief involviert’ (war) in die Finanzierung einer Reihe von verdeckten Unternehmungen gegen Kuba zwischen 1964 und 1975.“ [125]


Helliwell, Castle Bank, Bruce Rappaport und BCCI

Durch diesen schnellen Überblick von Helliwells Banken haben wir gesehen, dass er zentral war für eine Connection zwischen der Welt der Geheimdienste, der organisierten Kriminalität, des globalen Drogenhandels, politischen Einflusses und der spekulativen Investitionen, oftmals in Hotel-Casinos, mit Figuren der Oberwelt.

Aber die Connection war keine, die von Helliwell selbst entwickelt worden war, es gab andere mächtige Leute im Hintergrund, von denen einige die Verbindung aufrecht erhalten sollten, nachdem Helliwell 1976 starb (als Castle Bank gerade begann, die Aufmerksamkeit von Zeitschriften wie Newsweek auf sich zu ziehen).

Einer der wichtigsten war vielleicht der ehemalige OSS-Chef William Donovan (über den wir noch mehr zu sagen haben). Laut Pete Brewton:

„Einer der Anwälte im Einer flog übers Kuckucksnest-Fall gab die Erklärung ab, dass Kanter Helliwell durch General William J. ‘Wild Bill‘ Donovan vorgestellt worden war, dem berühmten Führer des OSS im Zweiten Weltkrieg, und durch Helliwells OSS-Chef. Kanter bestritt dies. ,Ich bin Bill Donovan persönlich nie begegnet. Ich glaube, ich könnte ihn mal per Telefon auf Wunsch von Paul Helliwell gesprochen haben…‘” [126]

Eine weiterer, direkter beteiligter OSS-Figur war Helliwells Partner in der Florida-Bank-Holdinggesellschaft (HMT genannt, und später Florida Shares), dem die Bank of Perrine und die Bank of Cutler Ridge gehörte. Dies war:

„E.P. Barry, der im Zweiten Weltkrieg als US-Militär-Geheimdienst-Offizier im Office of Strategic Services (OSS) gewesen war. Am Ende des Krieges war er der Leiter der US-Spionageabwehr (X-2) in Wien. … Barry … war ein langjähriger Mitarbeiter von [CIA-Direktor] William Casey, laut einem Castle Bank-Offiziellen.“ [127]

Barry war gleichzeitig ein Hauptaktionär von Florida Shares und in der Inter Maritime Bank von Bruce Rappaport, ein enger Freund und Geschäftspartner von William Casey. Von Rappaport, ein Ölhändler und Öltanker-Makler, wurde „gedacht, dass er Beziehungen zu Geheimdiensten der USA und Israels hatte”; er besaß zahlreiche Verbindungen zum weltweit größten Geheimdienst-Drogen-Waschautomaten, den es je gab – die Bank of Credit und Commerce International (BCCI).  [128] Die Gokal-Versand-Familie aus Pakistan, die BCCIs Investoren anführte, die später zur BCCI-Pleite beitrugen, war auch Aktionär zusammen mit Rappaport und Barry in der Inter Maritime Bank.  [129] Alfred Hartmann, Vorstandsmitglied der BCCI, war sowohl stellvertretender Vorsitzender von Rappaports Schweizer Bank, Bank of New York-Intermaritime, als auch Leiter der Schweizer Tochtergesellschaft von BCCI, die Banque de Commerce et de Placements (BCP). [130]

Und laut Angaben von Block und Weaver „bearbeitete Rappaport die National Bank of Oman (ein Joint Venture von BCCI / Bank of America), um dabei zu helfen, Millionen an CIA- und Saudi-Dollar an Pakistan für die afghanischen Rebellen während des 1980er Jahre-Kriegs mit den Sowjets zu leiten.”  [131] Rappaports zentraler Mann in Oman war Jerry Townsend, ein angeblicher ehemaliger CIA-Agent, der jetzt Colonial Shipping Co. in Atlanta leitete, wo er BCCI-Gesellschafter Bert Lance kannte.

BCCI und ein israelischer Geheimdienstler waren auch an Medellin-Waffenverkäufen beteiligt, über eine „Melonen-Farm” auf Antigua, die teilweise von William Caseys Freund Bruce Rappaport finanziert wurde. [132]

„Bruce Rappaport … besaß das Land, auf dem Maurice Sarfati, ein ehemaliger israelischer Militär-Offizier, seine Melonen-Farm eingerichtet hatte. Und eine von Rappaports Banken auf Antigua gab Sarfati einen großen Kredit – der nie zurückgezahlt wurde. Sarfati (der auch ein von OPIC, der US-Regierungs-Versicherungsagentur gewährtes Darlehen nicht bediente) übernahm es von dort, kultivierte zunächst Regierungsbeamte und verschaffte dann ein Entree in ihre Büros für seinen Landsmann Yair Klein.

Kleins Arbeit [war] in Kolumbien, wo seine israelisch lizenzierte “Sicherheits”-Firma, Spearhead Ltd … die Killerkommandos des Medellin-Kokain-Kartells in Mord- und Bomben-Techniken trainierte, unwillkommene Aufmerksamkeit zu erregen begann. .. 1988 war Klein auf Antigua, indem er nach einem neuen Weg suchte, um Waffen an seinen Medellin-Kunden Jose Gonzalo Rodriguez Gacha zu liefern.“ [133]

Bruce (Baruch) Rappaport 1922-2010

Bruce (Baruch) Rappaport 1922-2010

Rappaports scheinbare Links zum Mossad werfen die Frage auf, ob Helliwells Verbindungen zu Lanskys Bank of World Commerce und zu Tibor Rosenbaum nicht auch eine Verbindung zum Mossad bildeten. Die gleiche Frage wird von Helliwells rechtlicher Vertretung (laut dem Martindale-Hubbell-Rechtsregister) aufgeworfen, der Eastern Development Company: eine Firma dieses Namens kooperierte mit Lansky, Hank Greenspun und anderen bei der Lieferung von Waffen an den im Entstehen begriffenen Staat Israel. [134]

Es ist klar, dass Juden, wie viele andere Minderheiten, ein Bestandteil der globalen Drogen-Connection waren. Noch wichtiger ist, sie waren ein wichtiger Teil der Finanzinfrastruktur dieser Connection – aber selbst auf diesem Niveau operierten sie nicht allein. Die globale Drogen-Connection kombinierte jüdischen Banken in Florida und in der Schweiz mit jenen der Teochew-, Fujian- und Hokkien-Chinesen in Südostasien und Hong Kong, mit den Muslimen der Bank Intra und später von BCCI im Nahen Osten, und darüber hinaus mit italienischen Banken, wie die von Michele Sindona und Roberto Calvi, beide Mitglieder der geheimdienstlich-verknüpften Freimaurerloge P-2, und beide ermordet, nachdem ihre Banken durch Mafia-Beteiligung gescheitert waren.  [135] Mein Eindruck ist, dass keine dieser ethnischen Minderheiten-Elemente je an Macht die dominierende Rolle der Mainstream-Figuren wie Donovan und Helliwell übertraf.

(Als eine Person, die zutiefst der Gewaltlosigkeit verpflichtet ist, muss ich auch zugeben, dass die Gewalt der ethnischen Gruppen in der globalen Drogen-Connection, wenn sie auch später mächtig und geheimdienstlich-bezogen wurde, ihren Ursprung in Abhilfe-Gewalt gegen ein System hatte, das vor allem von europäischen und amerikanischen Interessen dominiert war.)

Eine dieser Mainstream-Figuren war der mysteriöse E.P. Barry, ein Investor sowohl von Helliwell, als auch von Rappaport. Eine von sehr wenigen Sachen, die über Barry bekannt sind, ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs im OSS war und dass Donovan ihn gegen Ende des Krieges zum Leiter der OSS-Gegenspionage (X-2) in Wien ernannte. [136]

Die OSS-X-2 oder -Gegenspionage war die geheimste und am höchsten klassifizierte der OSS-Abteilungen und diejenige, deren genaue Mission darin bestand, den deutschen Sicherheitsdienst (SD) zu durchdringen.  [137] Laut einem OSS-Report von 1946: „Eine gleichermaßen interessante X-2-Aktivität war die Untersuchung von RSHA (SD) Finanztransaktionen“ (Operation Safehaven). [138] Im Laufe dieser Untersuchungen nahm die Dritte US-Armee einen SD-Major „auf mehrere Reisen nach Italien und Österreich, und als Resultat dieser vorausgehenden Reisen wurden über $500.000 an Gold und auch Juwelen gesichert.“ [139] Einiges von dem unter der Oberaufsicht von Barry gesicherten Nazi-Golds wurde daraufhin benutzt, um US-Geheimdienstoperationen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Deutschland zu finanzieren.

Barry steht mit diesem faszinierenden Hintergrund für die Kontinuität zwischen der Helliwell-Geheimdienst-Drogen-Connection, die bis 1972 blühte (dem Jahr, in dem die IRS-Operation Tradewinds begann, die Bank of Perrine zu untersuchen), und der BCCI-Geheimdienst-Drogen-Connection, die nach 1972 erblühte (dem Jahr, in dem BCCI gegründet wurde).

Wie Khashoggi zuvor, besaß BCCI die Fähigkeit, arabisch-israelisch-chinesische Waffengeschäfte zu vermitteln, sowie Kontakte zu westlichen Geheimdiensten und Politikern. In der Tat scheint die Bank weitgehends Khashoggis Funktion als Einflussagent im Nahen Osten und anderswo geerbt zu haben, nachdem die Vereinigten Staaten durch den Corrupt Federal Practices Act von 1978 Direktzahlungen von US-Unternehmen an ausländische Personen verboten. [140]

BCCI erbte und expandierte auch Khashoggis Verwendung von Geld, um amerikanische Politiker zu beeinflussen und zu korrumpieren. BCCIs pakistanischer Präsident, Agha Hasan Abedi, rettete Jimmy Carters Finanzminister Bert Lance vor dem Bankrott, und entwickelte dadurch eine Beziehung zu Carter selbst. [141]

Ein Senatsbericht zu BCCI schloss, dass:

„BCCI sich systematisch auf Beziehungen mit und bei Bedarf Zahlungen an prominente Politiker in den meisten der 73 Länder (verließ), in denen BCCI operierte. … Das Ergebnis war, dass die BCCI Beziehungen unterhielt, die von fragwürdig bis unsachgemäß und vollkommen korrupt mit Beamten aus allen Ländern der Welt reichten, darunter Argentinien, Bangladesch, Botswana, Brasilien, Kamerun, China, Kolumbien, Kongo, Ghana, Guatemala, die Elfenbeinküste, Indien, Jamaika, Kuwait, Libanon, Mauritius, Marokko, Nigeria, Pakistan, Panama, Peru, Saudi-Arabien, Senegal, Sri Lanka, Sudan, Surinam, Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Vereinigten Staaten, Sambia und Simbabwe.“ [142]

Und aus zwei gut recherchierten Büchern von Journalisten von Time und dem Wall Street Journal erfahren wir, dass unter den später hochgestellten Empfängern der Großzügigkeit von BCCI, ihren Besitzern und Tochtergesellschaften:

„Ronald Reagans Finanzminister James Baker, der sich weigerte, BCCI zu untersuchen, [143] und der demokratische Senator Joseph Biden und der republikanische Senator Orrin Hatch, die Mitglieder des Rechtsausschusses des Senats, die sich weigerten, BCCI zu untersuchen“, waren. [144]


Die CIA, BCCI und eine „lange Tradition von anrüchigen Banken”

Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998), bedeutendster Anteilseigner der Bank

Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998), bedeutendster Anteilseigner der Bank

Aber Barry ist nicht die einzige Verbindung zwischen den Drogenbanken von Helliwell und BCCI. Eine zentrale Figur ist General George Olmsted, der Leiter der Washingtoner Bank-Holdinggesellschaft, die als International Bank bekannt war.  [145] Im März 1973 ließ Olmsted die International Bank (die „einen Ruf als CIA-Bank hatte”) 66 Prozent des Grundkapitals der gescheiterten Mercantile Bank auf den Bahamas kaufen (dem Vorgänger von Castle), obwohl „Internationals Angestellte um den Ist-Zustand von Mercantiles finanzieller Gesundheit wussten.”  [146] Ab 1977 begann International, ihre Aktien an Financial General Bankshares (später als First American bekannt), einer großen amerikanischen Bank-Holding, an Front-Männer von BCCI zu verkaufen, die später für BCCI die First American übernahmen. [147]

Die häufigste Erklärung ist, dass die CIA die Bank nicht nur verwendete, sondern auch entwickeln half. Die Journalisten Peter Truell und Larry Gurwin, die Autoren des definitiven Buchs über BCCI, spekulierten, dass die CIA-Beziehung zu ihrem Gründer, Agha Hasan Abedi, vor die BCCI-Gründung im Jahre 1972 zurückgereicht haben könnte. Sie beobachteten auch, dass die BCCI nur die jüngste in einer überlappenden Reihe von Geldwäsche-Banken war, die Dienstleistungen für die CIA-Deak & Company, Castle Bank & Trust, und Nugan Hand erledigte. [148]


Die globale Connection und Drogen

Guillermo Hernandez-Cartaya

The corporation was founded in 1971 by the Cuban expatriate banker Guillermo Hernandez-Cartaya

Eine von diesen verknüpften Banken, die World Finance Corporation in Florida, wurde das Ziel „der vielleicht größten Drogenfahndung des Jahrzehnts.” Aber die Untersuchung, an der „viele Bundes- und Landesagenten beteiligt“ waren, „musste nach einem Jahr verschrottet werden, weil die CIA sich beim Justizministerium beschwerte, dass ein Dutzend Top-Verbrecher ,von Interesse‘ für sie sei.” [149]

Eine weitere mit Drogen verbundene Bank war die australische Nugan Hand Bank, die 1976 entschied, Price Waterhouse auf den Bahamas als Wirtschaftsprüfer zu engagieren, dem Jahr, in dem sowohl Castle, als auch Mercantile zusammenbrachen. [150] Nach ihrem spektakulären Zusammenbruch 1980, schlossen australische Ermittler, dass Nugan Hand in der Finanzierung von großen Drogengeschäften sowie in der Geldwäsche von Gewinnen verwickelt gewesen war: zwei offizielle Untersuchungen „platzierten Nugan Hand in die kritische Rolle der heimlichen Übertragung von Drogen-Einkommen ins Ausland, wo es offensichtlich in noch mehr illegale Drogen reinvestiert werden konnte.” [151]

Paul Helliwell meeting Michael Hand and Frank Nugan

Paul Helliwell meeting Michael Hand and Frank Nugan

Nugan Hand sammelte eine beeindruckende Anzahl ehemaliger CIA-Beamteter, einschließlich des „geheimnisvolles Puppenspielers” Bernie Houghton, der in den 1950er Jahren angeblich die Stelle von Helliwell in Bangkok einnahm, und des ehemaligen CIA-Direktors William Colby. Von besonderem Interesse ist die Verwicklung der Nugan Hand mit Thomas Clines, einem CIA-Beamten in Laos unter Theodore Shackley, der später zurücktrat, um im ausgelagerten Geheimdienst-Netzwerk von Edwin Wilson zu arbeiten. Als Nugan Hand Bank 1980 spektakulär zusammenbrach (mit dem Selbstmord von oder Mord an Frank Nugan), war es Thomas Clines, der Houghton leise aus Australien heraus half. [152] Die beiden Männer nahmen danach zusammen mit Edwin Wilson und Theodore Shackley und BCCI an verdeckten Off-the-Books-Operationen gegen die Sowjets in Afghanistan teil, indem sie nicht für die CIA, sondern für den Safari Club arbeiteten. [153]

Das CIA-Büro in Chiang Mai war, als das Hauptgeschäft in der Stadt der Opiumhandel war, auf der gleichen Etage wie das örtliche Büro der DEA einerichtet. Laut Jonathan Kwitny:

„Die DEA-Rezeption beantwortete Nugan Hands Telefonanrufe und nahm Benachrichtigungen an, wenn die Vertreter der Bank außerhaus waren.” Der dortige Repräsentant von Nugan Hand, Neil Evans, „sagte, dass er anwesend gewesen sei, als Michael Hand und Ron Pulger-Frame – der ehemalige Deak & Company-Kurier, der zu Nugan Hand gegangen war, um dort zu arbeiten – die Lieferung von CIA-Geld in den Nahen Osten, nach Saudi-Arabien und Panama diskutierten. Evans hat gesagt, dass Nugan Hand zeitweise bis zu $ 50 – 60 Millionen für die CIA bewegte, und auch, dass Nugan Hand an Dritte-Welt-Waffengeschäften beteiligt war.“ [154]

Evans sagte dem australischen Fernsehen auch, dass die Millionen, die er behandelt hatte, „durch die Drogen, die durch die Gegend gingen, eingesammelt“ wurden. „Die Bank, formulierte er es krass, war eine ,Waschanlage‘ für Meo [Hmong] Stammesangehörige und andere Mohnbauern.” [155]

In The Road to 9/11 beschreibe ich, wie Caseys Abhängigkeit von der BCCI, um US-Hilfe für die afghanischen Mudschaheddin im Kampf gegen die Russen zu verteilen, dazu führte, dass der roßteil der Hilfen die Fraktion von Gulbuddin Hekmatyar erreichte, dem führenden Drogenhändler in Afghanistan, der bald (dank der Hilfe der USA und von Pakistan) der vielleicht führende Heroinhändler der Welt wurde. [156]

Dieses Muster einer Drogen-Connection wiederholte sich in den 1990er Jahren, nachdem sich die Sowjetunion aus Afghanistan zurückzog und BCCI bald darauf zusammenbrach. In Aserbaidschan (unter dem Cover von Ölgesellschaften) gründeten Veteranen der CIA-Operationen unter Shackley und Clines in Laos wie Richard Secord, Heinie Aderholt und Ed Dearborn eine Fluggesellschaft nach dem Modell der Air America, die bald „Hunderte von Mudschaheddin-Söldner aus Afghanistan abholte.” [157] Die Azeri-Operationen der arabischen Afghanen wurden auch mit afghanischem Heroin finanziert.

Loretta Napoleoni hat argumentiert, dass es eine islamistische Drogen-Route von al-Qaida-Verbündeten in Nord-Zentral-Asien gibt, die von Tadschikistan und Usbekistan durch Aserbaidschan und Tschetschenien in den Kosovo reicht. [158] Das führt uns zu der paradoxen Tatsache, dass Clinton im Jahre 1998 die von al-Qaida gestützte Kosovo-Befreiungsarmee (Kosovo Liberation Army, KLA) unterstützte. Er tat dies, obwohl „das US-Außenministerium die KLA 1998 als … internationale Terrororganisation (listete), indem es sagte, dass sie ihre Operationen mit den Erträgen aus dem internationalen Heroinhandel und Darlehen von bekannten Terroristen wie Osama bin Laden finanzierte hatte.” [159]

Zuletzt, wenn man der ehemaligen FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds glaubt, hat dieser gleiche Fluss von Heroin auch die Korruption des Kongresses unter George W. Bush finanziert. Edmonds wurde 2002 vom FBI gefeuert, nachdem sie einen Kollegen beschuldigt hatte, ein Sicherheitsrisiko zu sein. Sie hat ihre Entlassung seither in einem Whistleblower-Gerichtsverfahren angefochten, den die Regierung durch Berufung auf das Staatsgeheimnis-Privileg blockiert hat. Ihr wurde es auch verboten, öffentlich über ihren Fall zu sprechen.

Laut Daniel Ellsberg ist Edmonds’ Anliegen die von Napoleoni beschriebene Al-Qaida-Connection:

„Al-Qaida, hat sie dem Kongress gesagt, wird nach Angaben dieser Interviews zu 95% von Drogengeld finanziert – einem Drogenhandel, bei dem sich die US-Regierung blind stellt und den sie ignoriert, weil er Verbündete und Geheimdienst-Assets von uns stark miteinbezieht, wie zum Beispiel die Türkei, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan – all die ;Stans‘ –, in einem Drogenhandel, bei dem das Opium aus Afghanistan stammt, in der Türkei verarbeitet und nach Europa gebracht wird, wo es 96 % des europäischen Heroins liefert, und zwar durch Albaner, entweder in Albanien oder im Kosovo, durch albanische Muslime im Kosovo – im Grunde durch die KLA, die Kosovo-Befreiungsarmee, die wir in dieser Episode am Ende der Jahrhunderts stark unterstützten. … Sibel sagt, dass Koffer von Bargeld dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, in dessen Haus in der Nähe von Chicago geliefert wurden, von türkischen Quellen, wohlwissend, dass eine Menge davon Drogengeld war.“ [160]

2005 wurden Sibel Edmonds’ Anschuldigungen teilweise in Vanity Fair berichtet. Dort wurde bekannt, dass sie Zugang zu FBI-Lauschangriffen von Gesprächen zwischen den Mitgliedern des American-Turkish Council (ATC) über die Bestechung gewählter US-Offizieller gehabt hatte, sowie über das, „was wie Verweise auf große Drogenlieferungen und andere Verbrechen klang.” [161]


Fazit: Eine kontinuierliche Folge von mit Drogen verbundenen Tiefenereignissen

Mafias und Imperien haben gewisse Gemeinsamkeiten. Beide können als die systematische Gewalt-Aufzwingung von Governance in Räumen mit Unter-Governance angesehen werden. Beide verwenden Gräueltaten, um ihre Ziele zu erreichen; beide aber werden in der Regel in dem Maße toleriert, insofern das Ergebnis ihrer kontrollierten Gewalt eine Verminderung der unkontrollierten Gewalt herbeiführt. (Ich würde versuchsweise vorschlagen, einen wichtigen Unterschied zwischen der Mafia und Imperien zu treffen: im Laufe der Zeit neigen Mafias dazu, mehr und mehr Teil der Zivilgesellschaft zu werden, deren Regeln sie einst brachen, wohingegen Imperien dazu neigen, mehr und mehr in unversöhnlichen Konflikt mit den Gesellschaften zu geraten, die sie einstmals kontrollierten.)

Wir haben eine Überlappung zwischen den Infrastrukturen der amerikanischen Mafia und des indirekten amerikanischen Imperiums gesehen. Ich habe versucht, das Epizentrum dieser Überlappung in einem Milieu zu beschreiben, das an seinen Außengrenzen zu einem globalen Nexus expandierte, den ich die globale Drogen-Connection nannte, mit engen Verbindungen zur USA-Unterwelt und zur US-Oberwelt. Der Nexus verbindet US-Geheimdienste mit den Nachrichtendiensten vieler anderer Länder, darunter Taiwan, Israel, Italien und Chile. Er überwacht auch finanzielle Beiträge an führende Politiker in vielen Ländern, darunter der beiden Parteien der Vereinigten Staaten.

Alle großen Tiefenereignisse in der jüngsten amerikanischen Geschichte und alle großen Erweiterungen des indirekten US-Imperiums seit dem Zweiten Weltkrieg können mit dieser globalen Drogen-Connection verknüpft werden:

  • Die erste US-Nachkriegspräsenz in Ost-Asien wurde in Verbindung mit den drogenfinanzierten KMT in Taiwan etabliert.
  • Die US-Präsenz in Südostasien begann mit Sea Supplys Unterstützung für KMT-Drogenhändler in Ost-Burma, expandierte dann in der Mitte der fünfziger Jahre mit der drogenfinanzierten PARU-Streitkraft in Laos, während die CIA Saigon durch die Kontrolle der dortigen Drogendistribution sicherte.
  • Die verknüpfte Finanzierungsgesellschaft Deak & Company, die von OSS-Veteran Nicholas Deak gegründet worden war, „wurde von der CIA angeblich zur Finanzierung von verdeckten Operationen genutzt, einschließlich des Sturzes des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh von 1953.” [162]
  • Die Sturz des demokratisch gewählten guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz von 1954 wurde teilweise mit Unterstützung des nicaraguanischen Diktators Anastasio Somoza erreicht, eine wichtige Figur in Lanskys Waffen-Pipeline nach Israel in den 1940er Jahren, dessen Guardia Nacional danach tief im Drogenhandel in der Karibik verstrickt war.
  • Die Einführung von verdeckten Kräften der CIA in Laos im Jahre 1960, die schließlich zu einer drogenfinanzierten, irregulären Armee von Zehntausenden anwuchs, wurde mit einer Kraft erreicht, die aus dem Sea Supply-Betrieb in Thailand herauswuchs. Der Privatkrieg der CIA in Laos, den Präsident Kennedy vergeblich einzudämmen versuchte, war der wahre Ausgangspunkt des US-Kriegs in Vietnam. [163]
  • Angletons „alternative CIA”, CI/SIG, manipulierte und fälschte ihre „Geheiminformationen“ über Lee Harvey Oswald in einer Weise, die ihn darauf vorbereitete, der designierte Verdächtige in der Ermordung von Präsident John F. Kennedy zu sein.
  • Der Sturz des demokratisch gewählten indonesischen Präsidenten Sukarno im Jahre 1965 wurde zum Teil durch verdeckte Unterstützung durch Zahlungen des Lockheed-Konzerns erreicht, und zum Teil durch die Intervention von Ryoichi Sasakawa, einem CIA-Einflussagenten, zusammen mit seinem Freund Yoshio Kodama von der Yakuza in Japan. [164] Sasakawa und Kodama waren auch Empfänger von Lockheed-Zahlungen, teilweise durch Deak & Company, teilweise durch Shig Katayama, dessen ID Corp. auf den Cayman-Inseln mysteriöse Geschäfte mit Helliwells Castle Bank durchführte. [165]
  • BCCI stellte die anfängliche Infrastruktur für die CIA-Intervention in Afghanistan im Jahre 1979 und das anschließende Bündnis mit dem großen Drogenhändler Gulbeddin Hekmatyar bereit. Pakistans Präsident Zia arrangierte für Zbigniew Brzezinski, Carters Sicherheitsberater, mit Generalleutnant Fazle Haq zusammenzuarbeiten, während ein BCCI-Informant den US-Behörden sagte, dass Fazle Haq „stark im Drogenhandel und im Bewegen des Heroingelds durch die [BCCI] Bank tätig war.” [166] Hekmatyar erhielt in den nächsten zehn Jahren mehr CIA-Hilfe als jedes andere CIA-Asstet vorher oder seitdem.
  • 1970 wurde ein CIA-Beamter mit dem Pseudonym Henry J. Sloman, der auch „ein direkt mit der Mafia verbundener Hoch-Risiko-Schmuggler“ war, nach Chile geschickt, wo er sich an der rechten Verschwörung zur Ermordung von René Schneider, dem Oberkommandierenden der chilenischen Armee, beteiligte. [167]
  • Orlando Letelier wurde im September 1976 in Washington von einem Team aus exil-kubanischen Drogenhändlern ermordet, die für den durch Drogen finanzierten chilenischen Geheimdienst DINA arbeiteten. Obwohl die US-Regierung bereits Kenntnis von DINAs Operation CONDOR für solche Morde im Ausland besaß, entschied CIA-Direktor Bush öffentlich, den Verdacht von DINA abzulenken. [168]
  • Nach Angaben von Robert Parry arrangierte Alexandre de Marenches vom Safari Club für William Casey (ein gemeinsamer Ritter von Malta) ein Treffen mit iranischen und israelischen Vertretern in Paris im Juli und Oktober 1980, wo Casey versprach, dem Iran im Austausch für eine Verzögerung der Rückgabe der US-Geiseln im Iran benötigte US-Rüstungsgüter zu liefern. (Das war die sogenannte republikanische „Oktober-Konter-Überraschung.”) Parry vermutet eine Rolle der BCCI sowohl bei der der Finanzierung der Zahlungen für den geheimen Deal, als auch beim anschließenden Fluss israelischer Waffen in den Iran. [169]
  • 1981 versuchte Mehmet Ali Agca, ein Mitglied der türkischen, mit Drogen handelnden Grauen Wölfe, Papst Johannes Paul II. zu ermorden. Le Monde diplomatique berichtete später, dass das Attentat auf Wunsch des türkischen Mafia-Chefs Bekirs Celenk durch Abdullah Catli organisiert wurde, einem mit Drogen handelnden Führer der Grauen Wölfe und von Todesschwadronen des türkischen Geheimdienstes. Le Monde diplomatique fügte hinzu, dass Catli Untergrundoperationen für den türkische Zweig der Gladio (Stay-behind-) Organisation der CIA durchführte, und dass Catli ein Jahr später zusammen mit dem berüchtigten Operation CONDOR-Killer Stefano delle Chiaie Miami besuchte. [170]
  • Shackley, Khashoggi und BCCI waren maßgeblich an der Eröffnung der illegalen Iran-Contra-Connection von 1985 bis 1986 beteiligt, die Gelder aus Waffenverkäufen an den Iran zur Unterstützung der Contras in Honduras und Costa Rica umleitete. [171]
  • Die Plünderung Russlands während der Jelzin-Ära in den 1990er Jahren sah, dass Gelder durch Rappaports Inter Maritime Bank in die Bank of New York kanalisiert wurden, wo Rappaport wichtige, wenn nicht beherrschende Anteile hielt. [172]
  • 1991 schuf Shackleys Kollege Richard Secord eine Fluggesellschaft in Aserbaidschan, die Hunderte von Mudschaheddin aus Afghanistan hereinflog, die von Gulbuddin Hekmatyar rekrutiert worden waren. [173]
  • Die US-Unterstützung für die Kosovo-Befreiungsarmee im Jahre 1998, einer von al-Qaida unterstützten und zum Teil durch Drogen finanzierten Gruppe, führte zu Offenbarungen, das mindestens einer der Führer der KLA eine langjährige Beziehung mit dem privaten US-Militär-Unternehmen MPRI hatte. [174] (Noch 1997 war die KLA von den USA als terroristische Gruppe anerkannt worden, die zum Teil durch Heroinhandel unterstützt wurde.)

(Die Liste könnte beliebig erweitert werden. Beispielsweise kann die Umwandlung von Australien zu einem verlässlichen Verbündeten der USA auf den Sturz des demokratisch gewählten Labor-Premierministers Gough Whitlam im Jahre 1975 datiert werden, in dem Penny Lernoux und andere die verborgene Hand der Nugan Bank erkannten. [175])

Diese tiefe Kontinuität, die der US-Expansion seit dem Zweiten Weltkrieg zugrunde lag, macht das verblüffende Phänomen glaubwürdig, dass Tiefenereignisse wie die Ermordung Kennedys und 9/11 nicht unzusammenhängend oder das Produkt von Kräften sind, die Amerika von außen angreifen. Vielmehr gelangen sie zumindest teilweise an die Oberfläche des öffentlichen Bewusstseins aus der tiefen Connection, die hier beschrieben wurde; eine Connection, deren Präsenz zwar fortdauernd ist, aber auch fast gänzlich unerkannt.


Weiteres Fazit: Die zunehmende Bedrohung für die stabile Demokratie

Wenn diese Liste von verdeckten Interventionen und Tiefenereignissen aber synoptisch betrachtet wird, kann ein Muster der zunehmenden Abweichung von der Politik des öffentlichen Staats gesehen werden. Die Hilfe der globalen Connection für die Interventionen der CIA im Iran (1953) und Guatemala (1954) geschah zur Unterstützung der Operationen, die zuvor vom National Security Council (und zuvor vom Council on Foreign Relations) abgesegnet worden waren.

Aber die durch Drogen finanzierte Entwicklung einer von der CIA ausgebildeten Streitkraft in Thailand in eine offensive Kraft, die in Laos eindrang, war eine Operation, die explizit nicht vom National Security Council genehmigt worden war. Wie Daniel Fineman festgestellt hat:

„Die Präferenz der JCS [Joint Chiefs of Staff] für Direktbeihilfen an französische Kräfte zwangen den NSC [National Security Council] im September [1953] dazu, nur die Umsetzung der Phase Eins [,die Stärkung des thailändischen Willens und der Fähigkeit, Widerstand zu leisten‘] zu genehmigen, indem die Ausführung der Bestimmungen in der zweiten Phase, um den psychologischen Krieg in die Nachbarländer hinein zu tragen, auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.“ [176]

Und die Verfälschung von Oswalds Akte durch Angletons CI/SIG, obwohl sie ursprünglich als legitimes Mittel bei der Suche nach einem angeblichen Maulwurf in der CIA zugelassen worden sein könnte, erleichterte letztlich die erfolgreiche Ermordung von John F. Kennedy und die anschließende Vertuschung. An dem Punkt war die globale Connection nicht mehr einfach eine Kraft, die zur Unterstützung des öffentlichen amerikanischen Staats agierte; sie hatte Beziehungen zu Kräften entwickelt, die den öffentlichen Staat angriffen.

Chef des OPC war damals Frank Wisner, ein weiterer Wall Street-Anwalt. Zu den Projekten der Gruppe, die über Jahrzehnte hinaus Wirkung entfalten sollten, gehörte unter anderem die Schaffung und Unterstützung der sogenannten "Stay Behind"-Truppen

Chef des OPC war damals Frank Wisner, ein weiterer Wall Street-Anwalt. Zu den Projekten der Gruppe, die über Jahrzehnte hinaus Wirkung entfalten sollten, gehörte unter anderem die Schaffung und Unterstützung der sogenannten „Stay Behind“-Truppen

Dieses Muster der zunehmenden Abweichung kann verwendet werden, um unsere Vorstellung vom amerikanischen Tiefenstaat zu verfeinern. Anfänglich kann der Tiefenstaat mit dem Office of Policy Coordination (OPC) (weiterführender Artikel von Heise) identifiziert werden, der Kreation (unsichtbar zu der Zeit) des National Security Council, die die ursprüngliche Helliwell-CIA-Mob-Connection erleichterte. Mit der Aufnahme des OPC in die CIA im Jahre 1953 hörte der amerikanische Tiefenstaat für viele Jahre auf, die relativ kohärente und disziplinierte Konzentration an Autorität zu zeigen, die man in den Tiefenstaaten der Türkei oder Italien oder Kolumbien oder zeitweise in Chile und Argentinien sieht. In diesem Stadium wurde der amerikanische Tiefenstaat von der Drogenökonomie vereint, aber sonst von nicht viel mehr. Seine nebulöse Verbindung zu legitimer Macht war auf Angletons „alternative CIA” zusammengeschrumpft, und selbst diese endete, als Angleton im Dezember 1974 entlassen wurde.

Nach Joseph Trento wurde die Connection jedoch indirekt durch eine „Schatten-CIA” wiederhergestellt, die für den Safari Club und den saudischen Geheimdienst arbeitete, und bis in die 1980er Jahre arbeitete diese Schatten-CIA „nicht nur für die Israelis, sondern auch in verdeckten Operationen von Zentralamerika bis in den Iran.” [177] Es ist sicher, dass Shackley, Khashoggi und ihre Kontakte mit dem Segen von Casey – der seine eigenen direkten Kontakte zu Rappaport, BCCI und der globalen Drogen-Connection hatte – zu Iran-Contra führten. [178] Mindestens ein Mitglied der Shackley-Gruppe, Richard Secord, schuf dann eine Fluggesellschaft, die islamistische Mudschaheddin nach Afghanistan brachte. Ein weiteres, der Neocon Michael Ledeen, trug nicht nur zu Iran-Contra bei, sondern zusammen mit Donald Rumsfeld und Dick Cheney auch zur Schaffung des Project for the New American Century (PNAC). [179]

Tatsächlich kann die Entscheidung von William Casey zur Zusammenarbeit mit der globalen Connection, und insbesondere mit BCCI und Theodore Shackleys Kontakten in Iran-Contra, nicht vollständig durch die Konzentration auf die Geschichte der globalen Drogen-Connection allein verstanden werden. Caseys Aktionen müssen im Rahmen dessen gesehen werden, was Irving Kristol die intellektuelle Konterrevolution der 1970er Jahre nannte, die erfolgreiche Umkehrung der Schritte von Kissinger und Carter zu einer Entspannung mit der Sowjetunion und der Post-Watergate-Reformen, die von Senator Frank Church und anderen eingeführt worden waren. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, war ein Schlüsselmoment das sogenannte Halloween-Massaker im Jahre 1975, das unter anderem die Entlassung von Angletons Nemesis William Colby, die Ernennung von Rumsfeld zum Verteidigungsminister, und das Ende der langen Zeit von Kissinger als Nationalem Sicherheitsberater sah. [180]

Bis 1976 hatte die intellektuelle Konterrevolution eine neue Anti-Kissinger-Koalition konsolidiert, bestehend aus a) Cheney und Rumsfeld in der Ford-Administration, b) dem Committee on the Present Danger, das Lobbyarbeit für einen stark erhöhten Verteidigungshaushalt trieb, und c) den Neocons wie Richard Perle und Paul Wolfowitz, die zusammen kamen, um gegen Kissingers SALT-Vereinbarungen zu arbeiten und (mit Hilfe des neuen CIA-Direktors George H.W. Bush) die CIA-Einschätzung der sowjetischen Bedrohung radikal zu eskalieren. Casey spielte eine wichtige Rolle in dieser anti-sowjetischen Koalition, und im Jahre 1976 trat er mit langjährigen Mitgliedern der globalen Connection wie Ray Cline (Helliwells alter OSS-Gefährte in Kunming), Jay Lovestone und George Olmsted ins CPD ein.

Die Anti-Regierungs-Voreingenommenheit der neuen neokonservativen Rechten verlängerte sich zu einer erhöhten Abneigung gegen die CIA, die jetzt eher als Feind und nicht als Verbündeter angesehen wurde. [181] Aber selbst die neuen ausgelagerten Kräfte der Gewalt in privaten Sicherheitsfirmen (Private Security Companies, PSCs) wie Blackwater haben aus den gewalttätigen Ressourcen der alten globalen Drogen-Connection Leute rekrutiert – im Fall von Blackwater insbesondere aus den paramilitärischen Kräften in Ländern wie Kolumbien. [182]

Kurz gesagt, hat der Rückgriff auf die illegale Gewalt des globalen Drogenhandels, der in der Panik der frühen Jahre des Kalten Krieges begann, seitdem immerzu angedauert, um weiter zu steigen und zu metastasieren, bis er nunmehr eine zunehmende Bedrohung der verfassungsmäßigen Demokratie darstellt. Für die meisten Menschen ist es nicht einfach, das zu verstehen. Kurzfristig gebiert illegale Gewalt eine gewalttätige Opposition, die ihre Existenz rechtfertigt – so dass heute die PSCs im Irak und in Afghanistan Multimillionen-Dollar-Verträge verdienen, um den Widerstand zu bekämpfen, den sie selbst provoziert haben.

Aber das neue System des indirekten Imperiums scheint nicht stabil zu sein: wenn es eine momentane Atempause im Irak gibt, so gibt es sie aufgrund dessen, dass gegnerische Kader es als fruchtbarer erachten, in Afghanistan zu kämpfen. Vielmehr ist ein indirektes Imperium ein gewalttätiger Ersatz für Politik, um mit Situationen umzugehen, die nur die Politik verbessern kann.

Wenn dieses Land es mit seinem Wunsch, mit dem Problem des Terrorismus umzugehen, ernst meinte, würde es versuchen, die Unterdrückung, die die Abhilfe-Gewalt in Afghanistan, im Irak, in Tschetschenien, Kaschmir, im Libanon und in Palästina hervorbringt, zu reduzieren, statt sie zu steigern. Der vorliegende Kurs wird eher zur Verschlechterung des Status quo und auch zur Beschleunigung des Nachlassens der amerikanischen Ressourcen, des Einfluss und guten Willens, auch unter unseren Verbündeten, beitragen.

Ist es utopisch zu denken, dass der gegenwärtige Kurs korrigiert werden kann? Wahrscheinlich ja, so lange wie die meisten Amerikaner glauben, dass 9/11 ein Angriff war, der nur durch eine Gruppe von bösartigen Arabern entwickelt wurde. Aber eine vernünftigere Politik könnte folgen, wenn ihnen gezeigt würde, dass 9/11, wie Sibel Edmonds angedeutet hat, ein Tiefenereignis war, an dem Elemente aus Amerikas globaler Drogen-Connection beteiligt waren.

CocaineWas ich Amerikas globale Drogen-Connection nannte, ist in der Vergangenheit für globale terroristische Aktivitäten wie die Operation CONDOR und auch für die Stärkung des Drogennetzwerks als sogenannte Parallel-Regierungen in Ländern wie Laos, Pakistan, dem Libanon, der Türkei und Kolumbien verantwortlich gewesen. Seit Jahrzehnten hat sich dieses Land weitgehend geweigert, die US-Mitschuld an diesem Zustand anzuerkennen, indem die Verantwortung für den Terrorismus stattdessen auf die Sowjetunion („das Reich des Bösen”) und zuletzt auf den Irak und den Iran („die Achse des Bösen”) projiziert wurde. [183]

Diese jahrzehntelange Verweigerung zu überwinden wird nicht einfach sein. Aber es ist ein notwendiger Schritt zur Verringerung des Terrorismus und der Wiederherstellung einer gesünderen Welt.

Peter Dale Scott


Weitere Artikel und Hintergründe von Lars Schall:


Autor Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor für Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit für seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunächst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er in dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurückkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-Bücher umfassen u. a.:

  • The War Conspiracy (1972)
  • Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
  • Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
  • The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
  • Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
  • Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
  • Oswald, Mexico, and Deep Politics (1994, 2013)
  • Drugs, Oil and War (2003)
  • The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (2007)
  • The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
  • American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten Gedichtbände sind die drei Bände der Trilogie “Seculum”:

  • Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
  • Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
  • Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

Zusätzlich hierzu veröffentlichte er:

  • Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
  • Mosaic Orpheus (2009)
  • Tilting Point (2011)

In seinen Prosa-Büchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“ / “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise: “All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, statt anerkannt werden.“ Damit verbunden sind “Tiefenereignisse” / “Deep Events”, die Scott als  “die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, “die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verändern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ‘Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens führt.”

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.


Textquelle: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «CIA Headquarter» – http://pixabay.com
  2. «Paul Lionel Edward Helliwell» – http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/JFKhelliwell.htm
  3. «Castle Bank & Trust Bahamas» – http://de.wikipedia.org/wiki/Castle_Bank_%26_Trust_%28Bahamas%29
  4. «Alvin Ira Malnik» – http://de.wikipedia.org/wiki/Alvin_Ira_Malnik
  5. «Meyer Lansky» – http://de.wikipedia.org/wiki/Meyer_Lansky
  6. «James Jesus Angleton» – http://de.wikipedia.org/wiki/James_Jesus_Angleton
  7. «Thomas Corcoran» – http://bcr.tv/firm-history
  8. «Wallace Groves» – http://en.wikipedia.org/wiki/Wallace_Groves
  9. «Eddie Cellini» – http://chicagoargus.blogspot.de/2013/11/political-pope-now-free-to-be-political.html
  10. «Edward K. Moss» – http://webapp1.dlib.indiana.edu/images/item.htm?id=http://purl.dlib.indiana.edu/iudl/lcp/tubman/VAA7927-3813
  11. «Adnan Khashoggi» – http://de.wikipedia.org/wiki/Adnan_Chaschuqdschi
  12. «Bruce (Baruch) Rappaport» – http://www.focus.technion.ac.il/feb10/memoriamStory2.htm
  13. «Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1998)» – http://de.wikipedia.org/wiki/Bank_of_Credit_and_Commerce_International
  14. «Guillermo Hernandez-Cartaya» – http://en.wikipedia.org/wiki/World_Finance_Corporation
  15. «Nugan Hand Bank» – http://spartacus-educational.com/JFKnuganbank.htm
  16. «Frank Gardiner Wisner» – http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Gardiner_Wisner
  17. «DEATH» – http://pixabay.com

Fußnoten:

  1. “9/11, Deep State Violence and the Hope of Internet Politics,” Global Research; cf. Peter Dale Scott, The Road to 9/11: Wealth, Empire, and the Future of America (Berkeley and Los Angeles: University of California Press, 2007), 4-7, 14-17, etc.
  2. Alan A. Block, East Side-West Side: Organizing Crime in New York, 1930-1950 (New Brunswick, NJ: Transaction Books, 1983), 109.
  3. Gaia Servadio, Mafioso (New York: Dell, 1976), 125-28.
  4. R.T. Naylor, Hot Money and the Politics of Debt (New York: Linden/Simon and Schuster, 1987), 295 (“laundromat”). For Helliwell’s ownership, see Alan A. Block, Masters of Paradise (New Brunswick, NJ: Transaction Publishers, 1991), 165-66.
  5. CIA Memo dated 24 April 1974, “RYBAT/JMSPUR/PLVWCADET Traffic Removed from C/WHD Personal Files during Watergate File Search. Traffic can be found in sealed sensitive envelope in safe No. 1322 located in WH/COG, Room 3D46,” NARA # 104-10095-10326. C/WHD (Chief of Western Hemisphere Division) in 1974 was Theodore Shackley, discussed below. All of the CIA and FBI documents discussed in this essay can be seen on the Mary Ferrell website, http://www.maryferrell.org/.
  6. Block, Masters of Paradise, 161-62, 166.
  7. Alan Block subsequently learned that it was the bank’s co-founder, Chicago lawyer “Burt Kanter, more so than Helliwell, who was instrumental in Castle’s formation.” He cites speculation that it was originally set up on behalf of the former Cleveland mob racketeer, Morris Kleinman (Block, Masters of Paradise, 172).
  8. Jim Drinkhall, “IRS vs. CIA: Big Tax Investigation Was Quietly Scuttled By Intelligence Agency,” Wall Street Journal, April 18, 1980.
  9. Wall Street Journal, April 18, 1980.
  10. Alfred W. McCoy, The Politics of Heroin (Chicago: Lawrence Hill Books/ Chicago Review Press, 2001), 168-74; Block, Masters of Paradise, 169 (Thai police).
  11. Alan A. Block and Constance A. Weaver, All Is Clouded by Desire: Global Banking, Money Laundering, and International Organized Crime (Westport, CN.: Praeger, 2004), 38; citing Stephen Schlesinger and Stephen Kinzer, Bitter Fruit: The Untold Story of the American Coup in Guatemala (Garden City, NY: Anchor Books, 1983), 119. Cf. Peter Dale Scott, The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2008), 47, 67.
  12. Wall Street Journal, April 18, 1980.
  13. CIA Memo of 18 August 1976 for Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013. The margin of the memo carries the following handwritten reference to Sam Giancana, the major figure in the CIA-mafia assassination plots against Fidel Castro: “for file/ Sam GIANCANA/ not mentioned.”
  14. Jonathan Marshall, Drug Wars: Corruption, Counterinsurgency and Covert Operations in the Third World (Forestville, CA: Cohan and Cohen, 1991), 54; citing Drinkhall, Wall Street Journal, April 18, 1980.
  15. Block notes that the spinoff of I.D.C. from Benguet was accompanied by a “payment of $329,439 to a Hong Kong Bank” (possibly into a Marcos account) (Block, Masters of Paradise, 98).
  16. Profits from the Philippine gold mine, and possibly gold itself, reached I.D.C. from Asia. But I have not seen corroboration for the claim of Sterling and Peggy Seagraves that Groves and Helliwell were actually moving parts of the Japanese wartime gold hoard to the Bahamas “out of the Philippines, masquerading as gold from Benguet Mines” (Sterling and Peggy Seagrave, Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold [London: Verso, 2003], 147). It is, however, of interest that the Marcos family also entered into business dealings with the CIA-related Nugan Hand Bank (see below), which some say included negotiations for the surreptitious shipment of Marcos’ gold (Jonathan Kwitny, The Crimes of Patriots [New York: Norton, 1987], 182, 186-87, 190).
  17. Lernoux, In Banks We Trust, 83.
  18. Marshall, Drug Wars, 54-55. Cf. U.S. Congress, House, Committee on Government Operations, Oversight Hearings into the Operations of the IRS (Operation Tradewinds, Project Haven, and Narcotics Traffickers Tax Program), Hearings (Washington: GPO, 1975, 909; Peter Dale Scott, Coming to Jakarta: A Poem about Terror (New York: New Directions, 1989), 99-103. It is not known if ID Corp. and I.D.C. were related.
  19. For the CIA’s close involvement in Lockheed payoffs, see Anthony Sampson, The Arms Bazaar (New York: Viking, 1977), pp. 137, 227-8, 238. The U.S. Air Force was also involved. San Francisco Chronicle, October 24, 1983, p. 22, describes one such USAF-Lockheed operation in Southeast Asia, “code-named ‘Operation Buttercup’ that operated out of Norton Air Force Base in California from 1965 to 1972.”
  20. “The United States and the Overthrow of Sukarno, 1965-1967,” Pacific Affairs, LVIII, 2 (Summer 1985), 239-64: “A 1976 Senate investigation into these [Lockheed] payoffs revealed, almost inadvertently, that in May 1965, over the legal objections of Lockheed’s counsel, Lockheed commissions in Indonesia had been redirected to a new contract and company set up by the firm’s long-time local agent or middleman. Its internal memos at the time show no reasons for the change, but in a later memo the economic counselor of the U.S. Embassy in Jakarta is reported as saying that there were “some political considerations behind it.” If this is true, it would suggest that in May 1965, five months before the coup, Lockheed had redirected its payoffs to a new political eminence, at the risk (as its assistant chief counsel pointed out) of being sued for default on its former contractual obligations. The Indonesian middleman, August Munir Dasaad, was `known to have assisted Sukarno financially since the 1930’s.’ In 1965, however, Dasaad was building connections with the Suharto forces, via a family relative, General Alamsjah, who had served briefly under Suharto in 1960, after Suharto completed his term at SESKOAD. Via the new contract, Lockheed, Dasaad and Alamsjah were apparently hitching their wagons to Suharto’s rising star: ‘When the coup was made during which Suharto replaced Sukarno, Alamsjah, who controlled certain considerable funds, at once made these available to Suharto, which obviously earned him the gratitude of the new President. In due course he was appointed to a position of trust and confidence and today Alamsjah is, one might say, the second important man after the President.’”
  21. A Senate amendment in 1964 to cut off all aid to Indonesia unconditionally was quietly killed in conference committee, on the misleading ground that the Foreign Assistance Act “requires the President to report fully and concurrently to both Houses of the Congress on any assistance furnished to Indonesia” (U.S. Cong., Senate, Report No. 88-1925, Foreign Assistance Act of 1964, p. 11). In fact the act’s requirement that the president report “to Congress” applied to eighteen other countries, but in the case of Indonesia he was to report to two Senate Committees and the Speaker of the House: Foreign Assistance Act, Section 620(j).
  22. Tom J. Farer, Transnational Crime in the Americas: An Inter-American Dialogue Book (New York: Routledge, 1999), 65.
  23. Ed Reid and Ovid Demaris, The Green Felt Jungle (New York: Pocket Books, 1964), 217-20. Levinson had fronted for Lansky at the Sands casino in Las Vegas.
  24. Peter Dale Scott, Drugs, Oil, and War: The United States in Afghanistan, Colombia, and Indochina (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2003), 7, 60-61, 198, 207; citing Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984), 42-44, 84.
  25. Naylor, Hot Money and the Politics of Debt, 22.
  26. Block, Masters of Paradise, 51. Intra Bank also had a Bahamian branch, Intra Bahamas Trust Ltd.
  27. Newsday, staff and editors of, The Heroin Trail (New York: Holt, Rinehart and Winston, 1974), 137 (Francisi); McCoy, The Politics of Heroin, 39 (Luciano). El-Khoury “used Luciano’s money to buy off Lebanese police and customs agents” (Alexander Cockburn and Jeffrey St. Clair, Whiteout: The CIA, Drugs, and the Press [London: Verso, 1998], 131).
  28. McCoy, Politics of Heroin, 541.
  29. James Mills, The Underground Empire: Where Crime and Government Embrace (New York: Dell, 1978), 70.
  30. Scott and Marshall. Cocaine Politics (paperback edition), x-xi. Dayle made this statement during a videotaped teleconference, in the presence of Marshall and myself.
  31. Wall Street Journal, April 18, 1980. Dalitz, Kleinman, and Tucker, all veterans of the gambling scene in Cleveland, later had a controlling interest in the Desert Inn casino in Las Vegas (Investigation of Organized Crime in Interstate Commerce: Hearings before the [Kefauver] Special Committee to Investigate Organized Crime in Interstate Commerce, U.S. Senate, 81st Cong., 2nd Sess. and 82nd Congress, 1st Sess., Part 10, US Government Printing Office, [Washington DC: 1950], pp. 907-926). Block’s and Weaver’s later and more detailed study claims that Dalitz did not have an account at Castle, but adds former Lansky associate Lou Rothkopf to the list of mob figures who did (Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 45).
  32. Block, Masters of Paradise, 189.
  33. Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984; citing Wall Street Journal, May 23, 1977, February 17, 1981; also, Parapolitics, Spring 1981), 88: “Like Castle, Mercantile was a conduit for CIA money, and Price Waterhouse accountants were `under orders’ to make sure `outsiders’ did not have access to the books. If they probed around, said a CIA source, they ‘could unravel a trail to the intelligence community.’”
  34. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 40; cf. Block, Masters of Paradise, 188-91, where Kleinman is called “perhaps a hidden owner” of Castle.
  35. Block, Masters of Paradise, 163; New York Times, September 1, 1989 (“part owner”).
  36. Block, Masters of Paradise, 164.
  37. CIA Inspector General’s Report of 1967 on CIA-Mafia Plots to Assassinate Castro, pp. 15-16, NARA #151993.08.11.16:44:08:750007, pp. 3-4.
  38. Memo of 5 September 1975 to DDO from CI Staff Chief George Kalaris, NARA #104-1010-10003, p. 2.
  39. Tom Mangold, Cold Warrior: James Jesus Angleton: The CIA’s Master Spy Hunter (New York: Touchstone/ Simon & Schuster, 1991), 314-15.
  40. Douglas Valentine, “The French Connection Revisited: The CIA, Irving Brown, and Drug Smuggling as Political Warfare,” Covert Action, http://www.covertaction.org/content/view/99/75/.
  41. Paul Buhle, “Lovestone’s Thin Red Line,” Nation, May 6, 1999, http://www.thenation.com/doc/19990524/buhle.
  42. House Select Committee on Assassinations, Investigation of the Assassination of President John F. Kennedy, Appendix to Hearings, Volume IX (March 1978), 47.
  43. Ed Reid, The Grim Reapers: The Anatomy of Organized Crime in America (New York: Bantam, 1969), 174.
  44. Mangold, Cold Warrior, 329-30; cf. 305, 337. Other authors have written that Dulles and Angleton maintained a “second agency,” or “agency-within-the Agency;” see e.g. Mark Aarons and John Loftus, Unholy Trinity (New York: St. Martin’s Press, 1991), 260.
  45. Mangold, Cold Warrior, 105.
  46. Memo of 4 November 1970 from John K. Greaney, Assistant General Counsel, CIA, NARA #104-10106-10374.
  47. “United States of America, Appellee, v. Leonard Russo, et al., Defendants-Appellants”
  48. Memo of 4 November 1970 from John K. Greaney, Assistant General Counsel, CIA, NARA #104-10106-10374. Robert Sam Anson once claimed that two of the defendants in these kickback trials, John Larocca and Gabriel Mannarino, were acquitted in 1971 when “one of the star witnesses turned out to be the local head of the CIA” (Robert Sam Anson, “They’ve Killed the President,” [New York: Bantam, 1975], 296). Anson told me that this witness was Brod, but I have found no court record that Brod’s testimony was accepted into the court record.
  49. Dan E. Moldea, The Hoffa Wars: Teamsters, Rebels, Politicians, and the Mob (New York: Paddington Press, 1978), 130-31.
  50. Time, June 9, 1975, 14.
  51. Church Committee, Testimony of John Scelso, 7 May 1976, 41-42, NARA #157-10014-10083, 45-46. Angleton’s response suggests that he may have believed what Hank Messick and others later charged: that Lansky had somehow obtained protection from the Bureau [Hank Messick, John Edgar Hoover (New York: David McKay Co., 1972], 229-31, etc).
  52. William R. Corson, Susan B. Trento, Joseph J. Trento, Widows (New York: Crown, 1979), 71.
  53. For details see Scott, War Conspiracy, 387; Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1995 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 30-33.
  54. See Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1999 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 17-18, 92; also Peter Dale Scott, “Oswald and the Hunt for Popov’s Mole,” The Fourth Decade, III, 3 (March 1996), 3; www.maryferrell.org/mffweb/archive/viewer/showDoc.do?absPageId=519798.
  55. Peter Dale Scott, Deep Politics II, 30-33.
  56. See discussion in Peter Dale Scott, “The JFK Assassination and 9/11: the Designated Suspects in Both Cases,” Global Research, July 5, 2008, http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9511.
  57. J. Patrice McSherry, Predatory States: Operation Condor and Covert War in Latin America (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2005), 139-75; John Dinges, The Condor Years: How Pinochet and His Allies Brought Terrorism to Three Continents (New York: New Press, 2004), 190-98, 248-50; Peter Kornbluh, The Pinochet File: A Declassified Dossier on Atrocity and Accountability.
  58. McSherry, Predatory States, 95; citing White cable of October 13, 1978, foia.state.gov/documents/State/Chile3/000058FD.pdf (a URL inactive in 2008); also Diana Jean Schemo, “New Files Tie U.S. to Deaths of Latin Leftists in 1970s,” New York Times, March 6, 2001.
  59. “I can do no less, without producing a reaction in the U.S. which would lead to legislative restrictions. The speech is not aimed at Chile…My evaluation is that you are a victim of all left-wing groups around the world, and that your greatest sin was that you overthrew a government which was going communist” (Dinges, The Condor Years, 159-62); citing Department of State Bulletin 75 (July 5, 1976), 4 (public speech).
  60. McSherry, Predatory States, 159.
  61. McSherry, Predatory States, 161.
  62. Los Angeles Times, May 7, 2008, http://articles.latimes.com/2008/may/07/nation/na-posada7.
  63. Kevin Phillips, American Dynasty: Aristocracy, Fortune, and the Politics of Deceit in the House of Bush (New York: Viking, 2004), 280.
  64. Joseph J. Trento, The Secret History of the CIA (New York: Forum/Prima/Random House, 2001), 436-37. In 1978 Trento himself was the recipient of a leak linking Wilson to Shackley.
  65. Trento, The Secret History of the CIA, 395 (Helms), 344 (cadre).
  66. Block, Masters of Paradise, 191.
  67. Block, Masters of Paradise, 192: “The major Pritzker link to the Teamsters was crafted by Stanford Clinton, “ a lawyer “who represented some of Chicago’s leading hoodlums” and also had a Castle account.
  68. Block, Masters of Paradise, 195.
  69. Block, Masters of Paradise, 171; cf. 32-33.
  70. Block, Masters of Paradise, 172-73, 182.
  71. Scott, The War Conspiracy, 46-47, 60, 64-68, 263, 278-79.
  72. OSS officer and Corcoran friend Ernest Cuneo, quoted in David McKean, Peddling Influence: Thomas “Tommy the Cork” Corcoran and the Birth of Modern Lobbying (Hanover, NH: Steerforth, 2004), 286.
  73. “Lawyers and Lobbyists.” Fortune, February 1952, p. 142; quoted in Scott, The War Conspiracy, 47.
  74. Joseph J. Trento, Prelude to Terror: The Rogue CIA and the Legacy of America’s Private Intelligence Network (New York: Carroll and Graf, 2005), 9.
  75. Scott, The War Conspiracy, 278-79
  76. Block, Masters of Paradise, 170.
  77. McKean, Peddling Influence, 140-43; Scott, War Conspiracy, 64-65.
  78. McKean, Peddling Influence, 149-50.
  79. Bruce Cumings, The Origins of the Korean War, Vol II (Princeton: Princeton UP, 1990), 107, 153; Trento, Prelude to Terror, 9.
  80. Oral History Interview with Arthur R. Ringwalt, June 5, 1974, Truman Library, http://www.trumanlibrary.org/oralhist/ringwalt.htm.
  81. Bertil Lintner, Burma in Revolt: Opium and Insurgency Since 1948 (Chiang Mai: Silkworm Books, 1999), 192; Scott, Drugs, Oil, and War, 51, 187, 192-93, etc.
  82. Daniel Fineman, A Special Relationship: The United States and Military Government in Thailand, 1947-1958 (Honolulu: University of Hawai’i Press, 1997), 214-15; cf. 206.
  83. Penny Lernoux, In Banks We Trust (Garden City, NY: Anchor/Doubleday, 1984), 82-83.
  84. Anthony Summers with Robbyn Swann, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 242.
  85. Memo of 18 August 1976 to Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013; also partially released as p. 6 of Meyer Lansky Security File, 1993.08.13.17:42:12:560059.
  86. Memo of 18 August 1976 to Chief, Security Analysis Group, NARA #104-10059-10013; Reid, The Grim Reapers, 119-23.
  87. Jeff Gerth, in Sid Blumenthal and Harvey Yazijian (eds.), Government by Gunplay: Assassination Conspiracy Theories from Dallas to Today (New York : New American Library, 1976), 138. 
  88. Summers with Swan, The Arrogance of Power, 242, 252; Jim Hougan, Spooks, 398. Cf. Denny Walsh, New York Times, January 21, 1974; Gerth, in.Government by Gunplay, 137-39.
  89. Block, Masters of Paradise, 94-96; Summers with Swan, The Arrogance of Power, 244-45.
  90. Summers with Swan, The Arrogance of Power, 244-45, 253-54.
  91. Block, Masters of Paradise, 46, 101.
  92. Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II: The New Revelations in U.S. Government Files, 1994-1995 (Ipswich, MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2007), 60.
  93. San Francisco Chronicle, March 3, 1967, 41; quoted in Scott, Deep Politics II, 67.
  94. Block, Masters of Paradise, 100-01.
  95. Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II, 59
  96. Some of the documents in this file, including the FBI Report quoted in this paragraph, are incorporated into the Inspector-General’s report on CIA Plots to Assassinate Fidel Castro, 29-30; quoted in Peter Dale Scott, Deep Politics II, 59. In addition, the CIA’s report on its interest in Resorts International, quoted above, carries the handwritten notation “for file/ Sam GIANCANA/ not mentioned.” The allusion to Giancana makes sense in the context of the CIA-mafia plots, but as far as I know not otherwise.
  97. “MOSS, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973, in Meyer Lansky Security File, p. 9, NARA #1993.08.13.17:42:12:560059. The CIA used the misspelling “Verona” which occurred just once in the FBI source document, and ignored the correct spelling “Varona” which was abundantly used as well. Note below their use of “Cellino” (rather than “Cellini”) and “Lenzieri” (for Lanzieri) in related CIA documents. By this device both the FBI and CIA could avoid responding to document searches for the correct name. For example in the 1940s the CIA told the French that they had no documents on the SS war criminal Klaus Barbie, whom they were harboring. The American documents referred to him systematically as “Barbier.”
  98. “MOSS, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973 from Jerry G. Brown for Deputy Chief, Security Research Staff, NARA #1993.08.13,17:42:12:560059.
  99. “Moss, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 19 April 1967 [at the time of the I-G Report mentioning Moss], NARA #104-10122-10006; Inspector General’ Report on CIA-Mafia Plots to Assassinate Fidel Castro (henceforth I-G Report), NARA # 104-10213-10101, p. 38. Cf. memo of 7 November 1962 in CIA’s Edward K. Moss folder, p. 26, NARA #1994.05.03.10:54:53:780005.
  100. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  101. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139. Cf. “Moss, Edward K. #172 646,” CIA Memo of 14 May 1973, in Meyer Lansky Security File, p. 9, NARA #1993.08.13.17:42:12:560059; CIA letter of 16 December 1960 to FBI, FBI file 105-76826-18; NARA #124-90055-10133.
  102. CIA letter of 16 December 1960 to Director, FBI, FBI File 105-76826-18; NARA #124-90055-10133. Apparently no copy of this letter has been released from CIA files.
  103. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont, p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  104. Peter Dale Scott, Deep Politics and the Death of JFK (Berkeley: University of California Press, 1998), 145; cf. 238-40.
  105. “Moss, Edward K. #172646,” CIA Memo of 28 November 1962, NARA #1994.05.03.10:54:53:780005.
  106. I-G Report, p. 38.
  107. “Manuel Antonio Varona,” FBI Memorandum of January 16, 1961 to A. H. Belmont,” p. 2, 105-76826-20; NARA #124-90055-10139.
  108. FBI Memorandum to Attorney General, January 23, 1961, NARA # 124-90055-10140.
  109. Anthony Summers with Robbyn Swann, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 194; citing I-G Report.
  110. Don Bohning, The Castro Obsession: U.S. Covert Operations Against Cuba (Washington: Potomac Books, 2005), 181.
  111. Summers with Swann, Arrogance of Power, 283 ($1 million); Robert Baer, Sleeping with the Devil (New York: Crown, 2003), 43 (briefcase); Kessler, The Richest Man in the World, 170 (“several million”); Renata Adler, “Searching for the Real Nixon Scandal,” Atlantic (December 1976), 76–84 ($200 million). Khashoggi admitted publicly to a gift of $43,000 to the Nixon campaign in 1972.
  112. Kessler, Richest Man in the World, 170.
  113. Kessler, Richest Man in the World, 142, 181.
  114. It has been alleged that at the Sands in 1960 the FBI saw the casino’s courtesy prostitutes “running in and out of” Senator Jack Kennedy’s suite, and a million dollars was allegedly given to Kennedy in a brown leather satchel by the hotel’s owners (John William Tuohy, “The Sands,”AmericanMafia, August 2001, http://www.americanmafia.com/Feature_Articles_155.html).
  115. Omar Garrison, Howard Hughes in Las Vegas (New York: Dell, 1970), 48-49, 56, 58; Peter Dale Scott, Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (Palo Alto, CA: Ramparts Press, 1977), 29.
  116. Kessler, Richest Man in the World, 149-50.
  117. Sally Denton and Roger Morris, The Money and the Power: The Making of Las Vegas and Its Hold on America, 1947-2000 (New York: Knopf, 2001), Prologue. Sally Denton later enlarged on the details: “When it became clear 70 United States, American, banks were involved, had the complicity, knew about every single one of the wire-transfers and transactions — banks including Chemical Bank, Bank of New York, CitiBank, American Express –… President Clinton and Madeline Albright stepped in and intervened and stopped the entire investigation and closed all of the cases” (Discussion at Taos Community Auditorium on October 12, 2002; http://www.taosplaza.com/taosplaza/2003/pages/tmff_drugs.php).
  118. Gigi Mahon, The Company That Bought the Boardwalk (New York: Random House, 1980), 136.
  119. Kessler, Richest Man in the World, 275–78. A friend of Khashoggi’s, Larry Kolb, reports that Khashoggi himself essentially corroborated the story that Khashoggi and John Kennedy had a friendship in the 1950s that “evolved primarily out of whoring together” (Larry J. Kolb, Overworld: The Life and Times of a Reluctant Spy [New York: Riverhead/Penguin, 2004], 236). The woman who destroyed the presidential aspirations of Senator Gary Hart in 1987 was one of Khashoggi’s many girls.
  120. Kessler, The Richest Man, 238, 240.
  121. Prince Turki bin Faisal gave Georgetown University alumni a frank account of the Safari Club’s formation in response to post-Watergate restrictions: “In 1976, after the Watergate matters took place here, your intelligence community was literally tied up by Congress. It could not do anything. It could not send spies, it could not write reports, and it could not pay money. In order to compensate for that, a group of countries got together in the hope of fighting Communism and established what was called the Safari Club. The Safari Club included France, Egypt, Saudi Arabia, Morocco, and Iran.”
  122. Kolb, Overworld, 238, 242–43.
  123. Sally Denton and Roger Morris, The Money and the Power: The Making of Las Vegas and Its Hold on America, 1947-2000 (New York: Knopf, 2001), 72; citing laudatory article on Greenspun in the Jerusalem Post, July 1993.
  124. Investigative reporter Jim Hougan reports the incredulity of congressional investigators that Lockheed was the only large corporation not to have made a contribution to Nixon’s 1972 election campaign (Hougan, Spooks: The Haunting of America—The Private Use of Secret Agents [New York: William Morrow, 1978], 457–58).
  125. Drinkhall, Wall Street Journal, April 18, 1980. Drinkhall also reported that “Helliwell reputedly was one of the paymasters for the ill-fated Bay of Pigs invasion in 1961,” a claim repeated in virtually every book dealing with Helliwell since that time (except my own). I have looked at dozens if not hundreds of CIA Bay of Pigs documents, many of them concerning financial payments to anti-Castro individuals and groups, and I have never seen any document involving either Helliwell or an unidentified cryptonym.
  126. Pete Brewton, The Mafia, CIA and George Bush (1992), 296-97
  127. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 36-37; citing Robin Winks, Cloak & Gown: Scholars in the Secret War, 1939-1961 (New York: William Morrow, 1987), 377-78 (X-2 in Vienna).
  128. Peter Truell and Larry Gurwin, False Profits: The Inside Story of BCCI, the World’s Most Corrupt Financial Empire (Boston: Houghton Mifflin, 1992), 384 (“ties”).
  129. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 86. Abbas Kassimali Gokal, whom British prosecutors accused of stealing $1.3 billion from BCCI, was a board member of the Inter Maritime Bank from 1978 through 1982. In 1997 Gokal was sentenced to 13 years by a UK court for his role in the BCCI fraud.
  130. Truell and Gurwin, False Profits, 384. Truell and Gurwin claim that Hartmann went from Intermaritime to BCCI; the Kerry-Brown BCCI Report claims that Rappaport recruited Hartmann from BCCI/BCP for his own bank.
  131. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 85.
  132. U.S. Congress. Senate, 102nd Cong., 2nd Sess. The BCCI Affair: A Report to the Senate Committee on Foreign Relations from Senator John Kerry, Chairman, and from Senator Hank Brown, Ranking Member, Subcommittee on Terrorism, Narcotics, and International Operations,… September 30, 1992, 1-2. Cited henceforth as the Kerry-Brown Report, 69.
  133. Jane Hunter “Covert Operations: The Human Factor,” The Link , August 1992, Volume 25, Issue 3, 8, http://www.ameu.org/page.asp?iid=139&aid=183&pg=8.
  134. Leonard Slater, The Pledge (New York: Pocket Books, 1971), 175.
  135. Sindona had links to the Italian intelligence service SISMI, to drug traffickers like Rosario Gambino, and to the Nixon Administration. See Jonathan Marshall, Peter Dale Scott, and Jane Hunter, The Iran-Contra Connection: Secret Teams and Covert Operations in the Reagan Era (Boston: South End Press, 1987), 71, 73; Lernoux, In Banks We Trust, 178-79, 193-95, etc.
  136. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 36; citing Robin W. Winks, Cloak & Gown: Scholars in the Secret War, 1939-1961 (New York: William Morrow, 1987), 377-78.
  137. Smith, OSS, 165.
  138. Operation Safehaven began as a U.S. Treasury effort to trace the movements of stolen Nazi gold, and possibly implicate Nazi collaborators in America. Taken over by OSS X-2, it recuperated SS assets that were used instead to support former SS agents.
  139. Anthony Cave Brown, The Secret War Report of the OSS / edited by Anthony Cave Brown (New York: Berkeley, 1976), 565-66.
  140. Ronald Kessler, The Richest Man in the World (New York: Warner Books, 1986), 162, 300; Jonathan Beaty and S.C. Gwynne, The Outlaw Bank: A Wild Ride into the Secret Heart of BCCI (New York: Random House, 1993), 54, 80, 263-64.
  141. Truell and Gurwin, False Profits, 83-87.
  142. Kerry-Brown Report.
  143. Beaty and Gwynn, 357.
  144. Truell and Gurwin, False Profits, 373-77.
  145. Olmsted’s intelligence connections dated back to wartime service on the staff of General Albert Wedemeyer in China, where he was in charge of clandestine operations and in that capacity worked with OSS. He was thus a senior figure in what I am tempted to call the OSS China connection, which united so many of the people who were prominent in Helliwell’s post-war global drug connection. We have already mentioned Helliwell himself, who was head of the Special Intelligence branch of OSS in Kunming before he created Sea Supply Corp in Bangkok. Willis Bird was the deputy chief of OSS China and then became the most important figure in Sea Supply after Helliwell’s return in 1951 from Bangkok to America. C.V Starr, later represented by Corcoran, opened his insurance empire in China to the creation of an OSS network outside the OSS-KMT cooperation agreement. See Richard Harris Smith, OSS: The Secret History of America’s First Central Intelligence Agency (Berkeley: University of California Press, 1972), 267 (Starr), 273 (Bird), 326 (Helliwell). But this is not the whole picture. Elsewhere I have dealt with the post-war activities of other members of the small OSS Detachment 202 under Paul Helliwell in Kunming: E. Howard Hunt, Ray Cline, Lou Conein, John Singlaub, and Mitchell WerBell. All of these men went on to develop post-war connections for the CIA with drug-traffickers: Hunt in Mexico, Cline in Taiwan, Conein in Vietnam, WerBell in Laos, and Singlaub with the World Anti-Communist League which Hunt and Cline had helped to create (Scott, Drugs, Oil, and War, 20, 207).
  146. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 41; cf. Block, Masters of Paradise, 191.
  147. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 41-42; Truell and Gurwin, False Profits, 40-43, etc.
  148. Truell and Gurwin, False Profits, 123-24; cf. 128-29: Expanding over seven pages on these and many other intelligence connections, they asked whether the bank’s illegal acquisition of an American bank holding company, First American Bankshares, was not in fact serving the purposes of U.S. intelligence:

    “No one can deny that virtually every major character in the takeover was connected in one way or another to U.S. intelligence: Olmsted who controlled the company [First American] for years; Middendorf, who headed the group that acquired it from him; Abedi, who arranged for clients of BCCI to buy the company from Middendorf’s group; [Mohammed Rahim Motaghi] Irvani,, the chairman of one of the dummy companies set up to carry out the acquisition; [his partner Richard] Helms, who advised Irvani; [former Saudi intelligence chief Kamal] Adham, the lead investor in Abedi’s group; [Clark] Clifford, who steered the deal through the regulatory maze and then became the chairman of the company….Can all this be a coincidence? Or is it possible that First American was affiliated with U.S. intelligence all along and that it was simply passed from one group of CIA associates to another, and then another? No proof has emerged that this is what happened, but it is certainly not a far-fetched theory.”

  149. Jonathan Kwitny, The Crimes of Patriots (New York: Norton, 1987), 96.
  150. Kwitny, The Crimes of Patriots, 162. BCCI also used Price Waterhouse as its auditor. In addition, BCCI and Nugan Hand used the same law firm and registered agent (Bruce Campbell & Company) in the Cayman Islands (Truell and Gurwin, False Profits, 125).
  151. Kwitny, The Crimes of Patriots, 243.
  152. Kwitny, The Crimes of Patriots, 334-35.
  153. Trento, Prelude to Terror, 313-14.
  154. Kwitny, The Crimes of Patriots, 207, 208.
  155. James A. Nathan, “Dateline Australia: America’s Foreign Watergate?” Foreign Policy (Winter 1982-83), 183; quoted in Jonathan Marshall, Peter Dale Scott, and Jane Hunter, The Iran-Contra Connection: Secret Teams and Covert Operations in the Reagan Era (Boston: South End Press, 1987), 38.
  156. Scott, The Road to 9/11, 126-27.
  157. Thomas Goltz, Azerbaijan Diary: A Rogue Reporter’s Adventures in an Oil-Rich, War-Torn, Post-Soviet Republic (Armonk, NY: M. E. Sharpe, 1999), 272-75. Richard Secord was allegedly attempting also to sell Israeli arms, with the assistance of Israeli agent David Kimche, another associate of Oliver North. The mujahideen were recruited in Afghanistan by Gulbuddin Hekmatyar, the leading recipient of CIA assistance in Afghanistan in the 1980s, and most recently a leader of the al Qaeda-Taliban resistance to the U.S. and its client there, Hamid Karzai. See Scott, Drugs, Oil, and War, 7, 8, 20.
  158. Loretta Napoleoni, Terror Incorporated: Tracing the Dollars Behind the Terror Networks (New York: Seven Stories Press, 2005), 90-97: “[IMU leader] Namangiani’s networks in Tajikistan and in Central Asia were used to smuggle opium from Afghanistan. It was partly thanks to Namangiani’s contacts in Chechnya that heroin reached Europe” (91)…. “It was thanks to the mediation of Chechen criminal groups that the KLA and the Albanian mafia managed to gain control of the transit of heroin in the Balkans” (96). Napoleoni does not mention Azerbaijan, which however lies between Uzbekistan and Chechnya.
  159. “KLA Funding Tied To Heroin Profits,” Washington Times, 5/3/99.
  160. Daniel Ellsberg with Kris Welch, KPFA, 8/26/06, http://wotisitgood4.blogspot.com/2006/10/ellsberg-hastert-got-suitcases-of-al.html.
  161. Vanity Fair, September 2005. According to the ATC web site, “As one of the leading business associations in the United States, the American-Turkish Council (ATC) is dedicated to effectively strengthening U.S.-Turkish relations through the promotion of commercial, defense, technology, and cultural relations. Its diverse membership includes Fortune 500, U.S. and Turkish companies, multinationals, nonprofit organizations, and individuals with an interest in U.S.-Turkish relations.” It is thus comparable to the American Security Council, whose activities in 1963 are discussed in Scott, Deep Politics, e.g. 292.

    Edmonds has been partially corroborated by Huseyin Baybasin, another Turkish heroin kingpin now in jail in Holland, in his book Trial by Fire: “I handled the drugs which came through the channel of the Turkish Consulate in England.” But as he adds: “I was with the Mafia but I was carrying this out with the same Mafia group in which the rulers of Turkey were part.” Baybasin claimed he was assisted by Turkish officers working for NATO in Belgium (“The Susurluk Legacy,” By Adrian Gatton, Druglink Magazine, Nov/Dec 2006, http://adriangatton.com/archive/1990_01_01_archive.html).

  162. Marshall, Drug Wars, 55; citing Tad Szulc, “The Money Changer,” New Republic, April 10, 1976, 10-11.
  163. See Scott, The War Conspiracy.
  164. Peter Dale Scott, “The United States and the Overthrow of Sukarno, 1965-1967″ Pacific Affairs (Vancouver, B.C.) 58.2 (Summer 1985), pp. 239-64.
  165. AMPO (Japan), January 1974, 44 (Indonesia); David E. Kaplan and Alec Dubro, Yakuza [New York: Macmillan, 1986], 90 (Deak); Marshall, Drug Wars, 54-55 (Katayama, Kodama). Kodama and Sasakawa were both arrested by the U.S. for war crimes but not prosecuted. In 1941 Kodama had plotted the assassination of Japan’s Prime Minister Konoye by dynamite, to block his attempted peace negotiations with the U.S. Kodama then made a fortune in Shanghai during World War II, allegedly in part through his control of the drug traffic in conjunction with the kempeitai. Kodama and Sasakawa both became staunch supporters of the Asian People’s Anti-Communist League,that as we have seen has had persistent connections to the post-war Asian drug traffic.
  166. Beaty and Gwynn, The Outlaw Bank, 48.
  167. Seymour Hersh, The Price of Power: Kissinger in the White House (New York: Summit, 1983), 279, 290.
  168. Dinges, The Condor Years,, 190-98.
  169. Robert Parry, Secrecy & Privilege: Rise of the Bush Dynasty from Watergate to Iraq (Arlington, VA: Media Consortium, 2004), 112-38, etc.; Scott, Road to 9/11, 99-107. According to Parry, Michael Ledeen was also part of this effort.
  170. “Turkey’s pivotal role in the international drug trade,” Le Monde diplomatique (July 1998), http://mondediplo.com/1998/07/05turkey. Cf. Daniele Ganser, NATO’s Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe (London: Frank Cass Publishers, 2005), 237-38. Author Claire Sterling attempted to blame the KGB for the assassination attempt, and her view that the KGB was the heart of what she called a global “terror network” was forced on CIA analysts by William Casey and Robert Gates (see final footnote below).
  171. Iran-Contra Affair, Report of the Congressional Committees Investigating the Iran-Contra Affair, 100th Congress. 1st Session, H. Rept No 100-433, S. Rept No. 100-216, pp. 164, 166, 228, etc.
  172. Block and Weaver, All Is Clouded by Desire, 95-116, etc. Burt Kanter, the co-founder of Castle Bank, was recurringly involved in Rappaport’s IMB-BONY dealings (Block and Weaver, 100, 102, 193, 105, 113).
  173. Scott, Road to 9/11, 163-65, 351; Thomas Goltz, Azerbaijan Diary, 272-75.
  174. Scott, Road to 9/11, 167-68, citing Michel Chossudovsky, “Macedonia: Washington’s Military-Intelligence Ploy,” Transnational Foundation for Peace and Future Research, http://www.transnational.org/SAJT/forum/meet/2001/Chossudov_WashingtPloy.html.
  175. Lernoux, In Banks We Trust, 72; cf. Mother Jones, March 1984.
  176. Daniel Fineman, A Special Relationship: The United States and Military Government in Thailand, 1947-1958 (Honolulu: University of Hawai’i Press, 1997), 179-80; cf. FRUS, 1952-1954, 12, 1, 689-90.
  177. Trento, The Secret History of the CIA, 410.
  178. Report of the Congressional Committees Investigating the Iran-Contra Affair, 100th Congress. 1st Session, H. Rept No 100-433, S. Rept No. 100-216, p. 164.
  179. Trento, Prelude to Terror, 283-84.
  180. Scott, Road to 9/11, 52-53.
  181. See Rowan Scarborough, Sabotage: America’s Enemies Within the CIA (Washington: Regnery, 2007); Kenneth R. Timmerman, Shadow Warriors: The Untold Story of Traitors, Saboteurs, and the Party of Surrender (New York: Crown/ Random House, 2007).
  182. “It works like this: Blackwater, for example, will win a U.S. government contract; it will then subcontract with itself–that is, with Greystone–to do the job. From there, Greystone looks to its network of international affiliates, firms like Pizarro’s Grupo Tactico in Chile or ID Systems in Colombia, which maintain informal relationships with what are known in the trade as “briefcase recruiters”–individuals with connections to the local paramilitary scene” (Bruce Falconer and Daniel Schulman, “Blackwater’s world of warcraft,” Mother Jones, March-April 2008). Cf. Jeremy Scahill, Blackwater: The Rise of the World’s Most Powerful Mercenary Army (New York: Nation Books, 2008).
  183. This false ideology was enforced even inside the CIA. Author Claire Sterling wrote a book called The Terror Network, claiming “that all major terrorist groups were controlled by the Soviet Union.” The book, with little credibility today, was warmly endorsed by then Secretary of State Alexander Haig, who passed it to William Casey, who presented its thesis to the Senate Select Committee on Intelligence. Casey also assigned top CIA terrorist analysts and Soviet experts to prepare a special national intelligence estimate, or SNIE, based on Sterling’s book. When the experts reported there was no merit to Sterling’s claims, Casey’s Deputy Director of Intelligence, Robert Gates, had their negative assessment rewritten and reversed by new low-level personnel who had just arrived in the Agency. See Mark Perry, Eclipse: The Last Days of the CIA (New York: William Morrow, 1992), 47-49, 319-320. Today Robert Gates is America’s Secretary of Defense.
"Heile Welt"

Euro lebt – Inflation gering – Wirtschaft wächst – Kein Staat ist pleite:

Aber was spielt sich eigentlich hinter der Bühne dieses scheinbar erfolgreichen Theaterstückes ab?

von Andreas Müller-Alwart

Der Euro lebt weiter, kein Staat ist Pleite gegangen, die Inflation ist so niedrig wie nie zuvor, die Wirtschaft wächst bescheiden … Auf den ersten Blick muss man Angela Merkel auf die Schulter klopfen und zustimmen: Deutschland geht es gut. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) druckt und sammelt unvorstellbare Geldmengen ein, die wie ein Damoklesschwert die Vermögen der Bürger und die Realwirtschaft bedrohen. Mit Kunstkniffen in den Staatshaushalten und hoher Verdrängungskunst lässt sich die Misere nicht bewerkstelligen. Der Ankauf von Asset Backed Securities (ABS) durch die EZB verschärft die Situation nochmals gravierend.

„Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“ (Oscar Wilde)

ZukunftBei einem zweiten Blick bleibt von der positiven Selbsteinschätzung der Bundeskanzlerin und ihrer Politik wenig bestehen – jedenfalls wenn man die gesamten aufgestauten Reformen und Projekte betrachtet, die die Regierung vor sich herschiebt – wie schon viele andere Regierungen zuvor auch. 40 Prozent der zukünftigen Rentner werden eine Grundrente erhalten und werden potenzielle Kandidaten einer latenten Armut sein. Das ist keine Schätzung oder Prognose, sondern diese Rentner sind heute schon vorhanden und werden exakt mit diesen niedrigen Renten ihren Lebensabend bestreiten müssen. Den heutigen 1-Euro-Jobbern, Geringverdienern, Aufstockern und in einer „Schulungsmaßnahme“ befindlichen Mitbürgern wird es nicht besser ergehen, sofern sich nicht radikal etwas verändert. Und es ist nicht absehbar, dass sich für diese Personen etwas zum Besseren wendet. Nichts ist gut und noch weniger als Nichts ist besser geworden, also ist wohl nicht das Ende der Reformen erreicht. Die grundlegenden Probleme im Bildungswesen, Gesundheitswesen und im Investitionsbereich sind ebenfalls seit Jahrzehnten trotz Reformversuchen nicht gelöst worden. Sie verschärfen sich, je länger sie andauern. „Deutschland steht gut da“, meint Frau Merkel. Die Betonung liegt auf „steht“ – die Motivation für grundlegende Veränderungen ist über eine endlose Debatte zur PKW-Maut und über Sprüche zum militärischen Wiedererwachen Deutschlands nicht hinausgekommen.

Schuldenbremse oder Investitionen?

Nach der Idee von Keynes fordern nun wieder Politiker, die europäischen Staaten sollten die Konjunktur ankurbeln und Investitionen anstoßen bzw. selbst mehr investieren. Aber einige europäische Staaten wie Italien, Portugal, Spanien und Griechenland sind noch lange nicht über dem Berg, sondern immer noch verstrickt in der laufenden Krise, die mittlerweile auch einst robuste Nachbarstaaten wie Frankreich voll erfasst hat. Und einerseits müssen Rettungsschirme finanziert werden, während andererseits Schulden abzutragen sind. Die sogenannte Schuldenbremse soll ja nicht nur pro forma wirksam sein, sondern de facto. Dies ist noch alles business as usual – also das typische neoliberale Handeln mit der Intention, dass endloses Wirtschaftswachstum möglich sei, dass unbegrenzte Ressourcen vorhanden wären, Vollbeschäftigung ein erreichbares Ziel sei und dass man nichts Grundlegendes ändern müsse. Doch nichts von dem ist wahr, also müssten doch grundlegende Reformen längst begonnen worden sein. Sind sie aber nicht – nichts ist davon zu erkennen. Auf der Habenseite mag man lediglich das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz), die fortschrittliche und wegweisende Energiewende, erwähnen, für die die Regierung nun allerdings auch eine Notbremsung aktiviert hat.

Im Finanzmarkt hat sich nichts wirklich verändert

FinanzmarktWas ist mit den Geldwerten, die auf die bad banks gebucht wurden? Was ist mit den gewährten Kreditvolumina? Wie hat sich der Wert des Euro während der fortlaufenden Erhöhung der Geldmenge verändert? Hierzu findet sich wenig Verständliches und Erhellendes in der allgemeinen Medienlandschaft. Insbesondere wird eine Thematik völlig tabuisiert, die zu Beginn der Finanzkrise noch eine große Bedeutung hatte: Der Markt der Finanzwetten – der Derivatemarkt und dort vor allem der Zertifikatehandel. Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass es sich um reine Wettgeschäfte handelt und nur die Banken ihre eigenen Zertifikate-Konstruktionen überhaupt verstehen und – manchmal – auch erklären können, steigen immer mehr renditesuchende Anleger in diesen Markt ein, der von einem Tag auf den anderen völlig in sich zusammenbrechen kann. Die Anzahl unterschiedlicher Zertifikate soll zwischenzeitlich auf über 1 Mio. Produkte angestiegen sein. Hier blickt wirklich keiner mehr durch und alleine diese Intransparenz – noch verbunden mit der fehlenden Sachwertdeckung dieser „Wettvermögen“ – sollte Anleger eigentlich eine Warnung sein und sie vor diesem Markt zurückschrecken lassen. Dies ist aber nicht der Fall: Der gemeine Anleger kennt zwar Anlegerskandale mit geschlossenen Fonds, mit Immobilienfonds, er kennt Ausfälle von Aktieninvestments und bei vielen anderen Assets, aber bei Zertifikaten ging doch bisher immer alles gut, oder? Dies ist zum einen nicht richtig, denn es gab reihenweise Ausfälle bei diesen Wettgeschäften (Beispiel: Lehman-Zertifikate), zum anderen ist die Historie von Finanzprodukten leider vor allem eines: Sie ist keine Prognose für das, was zukünftig passieren wird. Im Gegenteil: Oftmals wird die Historie widerlegt und was einst gut lief und worin nun die Masse finanziert, wird gerade deswegen gefährlich.

Der einst angestrebte Euro ist längst nicht mehr vorhanden

Zurück zum Anfang – zum Blick auf „unser Geld“: Der Euro lebt weiter, kein Staat ist Pleite gegangen, die Inflation ist so niedrig wie nie zuvor, die Wirtschaft wächst bescheiden … Wagen wir noch einen anderen zweiten Blick, so stellen wir fest: Der eigentlich angestrebte Euro existiert schon lange nicht mehr. Wir haben heute eine Währung innerhalb einer Transferunion und außerhalb des bei der Einführung angedachten Stabilitätspaktes. Was wir jetzt Euro nennen, ist eine Währung, die sich im freien Fall befindet, die sich selbst entwertet. Wir merken es nur deswegen nicht, weil alle Währungen dieser Welt sich im freien Fall befinden und gleichzeitig abgewertet werden. Es werden ja nicht nur tonnenweise Euro sondern auch palettenweise Dollar gedruckt. Will man den Werteverfall des Euro betrachten, muss man ihn mit dem Goldpreis vergleichen und muss dabei zugleich berücksichtigen: Dieser Goldpreis wird zum einen durch Spekulationsgeschäfte beeinflusst und die Fixierung des Goldpreises findet in einem einfachen Telefonat zwischen ein paar Handelsbanken statt, die sich gegenseitig auf einen passenden Goldtageskurs einigen, der der aktuellen Nachfrage entsprechen soll. Soweit zum Wert der Währung und zu dem, was vom Euro heute noch übrig ist. Wenn also vom Wert einer Währung wie dem Euro die Rede ist, so stellt sich immer die Frage: Welcher Wert? In welcher Relation, in welchem Vergleich steht dieser Wert? Rasch wird der Wert des Euro – wie bei jeder anderen Geldwährung – als reiner Vertrauenswert entlarvt: Mit der Euro-Papiernote kann der Verbraucher einkaufen und das offensichtlich noch ganz gut. Das ist der aktuelle Wert. Er sagt nichts über den zukünftigen Wert aus.

Die wahre Inflationsrate lauert im Verborgenen

HyperinflationSofern man erfreut auf die niedrige (offizielle) Inflationsrate blickt, so ist es richtig: Das Aufschwemmen der Geldmenge kommt bislang nicht als erhöhte Inflationsrate beim Konsumenten an. Die Kaufkraft sinkt derzeit nicht dort, wo der Kunde es beim Einkaufen spürt, sie sinkt nicht im Heute. Stattdessen findet die Inflation versteckt auf den Vermögenswerten statt und dort wird insbesondere von den Konten des Mittelstandes munter umverteilt – vor allem in Richtung der oberen Vermögenden. So stehen zwar bei einer Kapitalanlage von 10.000 Euro und einer Verzinsung von 4 Prozent pro Jahr am Ende eines Anlagejahres 10.400 Euro (eventuell plus Zinseszins) auf dem Kontoauszug, die nach Abzug der Inflationsrate immerhin noch eine Kaufkraft von etwa 10.250 Euro haben. Dies gilt aber eben nur, wenn der Sparer dieses Geld nun verkonsumiert, denn buchhalterisch ist sein Vermögen schon heute betrachtet weniger Wert, da sich der Staat zu Negativzinsen bzw. Minizinsen refinanziert und somit der Geldwert fortlaufend sinkt. Was also sinkt, ist das Vermögen auf den Konten und zwar im zukünftigen Wert. Das klingt sehr abstrakt, das Prinzip lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Wer vor 15 Jahren eine Immobilie für 250.000 DM an einem lukrativen Standort gekauft und sie regelmäßig instand gesetzt hat, der würde heute wohl über 350.000 Euro beim Verkauf erzielen. Doch dieser Zuwachs wird erst erzielt, wenn die Immobilie verkauft wird. Stellt sich ein Jahr später heraus, dass das Grundstück dioxinverseucht ist, so hat die Immobilie keinen realisierbaren Verkaufswert mehr. Entscheidend ist also immer, welcher Erlös dann erzielt werden kann, wenn Kauf oder Verkauf stattfinden. Erst der dann entstandene Erlös oder Verlust sagt etwas über den Wert einer Währung in der Zukunft aus: Reine Buchwerte auf den Konten können hingegen täuschen. Jeder der Betroffenen, denen eine Schrottimmobilie angedreht wurde, kennt das Prinzip aus bitterer Erfahrung. Während die Immobilie für 300.000 Euro gekauft und finanziert wurde, was so auch in den Finanzbüchern dokumentiert wurde, kann sich beim Immobilienverkauf der Wert der Immobilie als deutlich niedriger herausstellen. Dieser Verlust fällt erst auf, wenn der Immobilieneigentümer den Wert der Immobilie im freien Markt realisiert. Das permanente Drucken des Geldes durch die Staatengemeinschaft ist gewissermaßen die schleichende Dioxinvergiftung der Gelddepots. Die Kauf- und Verkaufspreise , solange die Geldmenge nicht den Verkäufer-Käufer-Markt erreicht.

Vermögensinflation gut versteckt

Während eine Konsumenten-Inflationsrate von mehr als 5 Prozent schon längst zu Schlagzeilen und Protesten geführt hätte, da dies der Konsument ja täglich beim Einkaufen spüren würde, ist die Vermögenswerteinflation ein gut versteckter Weg für den Staat, die Privatvermögen langsam in den Abbau der Staatsschulden zu überführen: Schwer zu erklären, schwer zu verstehen und schwer zu glauben für den Otto-Normal-Verbraucher. Ob deswegen die Mehrzahl der Medien erst gar nicht den Versuch unternimmt, diese Thematik anzusprechen? Und ob es auch daran liegt, dass die ABS so selten erklärt werden? ABS – kennen Sie nicht? Nein – nicht das Anti-Blockier-System im Auto. Dagegen spricht ja nun gar nichts. Asset Backed Securities sind gemeint. Herr Draghi, in seiner Funktion als Master der EZB, hat gerade einen groß angelegten Angriff auf die Vermögenswerte gestartet, indem er den Ankauf von ABS in einem sogenannten QE-Programm forciert. Worum geht es hier?

ABS wie Waffen im Finanzmarkt

Europaabgeordneter Sven von Storch erklärt dazu: „Hinter diesen kryptischen Abkürzungen stecken faktisch die Atomwaffen der EZB, die letzten und äußersten Mittel mit unbegrenzter Zerstörungskraft. ABS- und QE-Programme bedeuten nichts anderes, als dass die EZB Staaten und Banken direkt und faktisch ohne Hinterlegung irgendeiner wertigen Sicherheit oder Gegenleistung Kredit gewährt, also Geld druckt. … Es gibt keine Maßnahmen, die schneller und direkter in die Inflation führen, als die hier angesprochenen. Genauer: Es ist nachgerade ausgeschlossen, dass sich eine massive Inflation vermeiden lässt, wenn die Programme umgesetzt werden.“

Wenn der Geldsee auf die Staumauer drückt

Man muss sich das so vorstellen, dass diese gedruckten Geldmengen von der EZB wie von einer Staumauer angestaut werden. Sie schwappen nicht auf den Markt, sind aber vorhanden und – das ist eben das Schlimmste – es gibt keine wirkliche Lösung, was mit dem aufgestauten Geldsee passieren soll. Der Druck auf die Staumauer wird immer größer – der Zulauf des Geldes wird weiter erhöht. Je mehr das Problem in die Zukunft verlagert wird, desto mehr verdrängt die Bevölkerung –und wohl auch die Politik? – dass es weiterhin besteht. Es potenziert sich sogar und die Gefahr einer unkontrolliert brechenden oder überlaufenden Staumauer wird immer größer. Was bisher unternommen wurde, war die Installation mehrerer Erhöhungen dieser Staumauer. Man hat weitere Staubecken – Rettungsschirme genannt – geschaffen, gleichzeitig aber immer mehr Flüsse in diese Staubecken umgeleitet. Das Gelddrucken – vergleichbar mit den Wasserzuläufen in die Staubecken – wird sogar noch forciert. Es ist, als ob jemand angesichts einer überlaufenden Badewanne noch den Wasserhahn aufdrehen würde, anstatt den Stöpsel zu ziehen.

Eine giftige, intransparente Brühe ergießt sich in den Geldsee

Fluss stinkende BrüheEs kommt noch schlimmer: Diese Asset Backed Securities, die hier angekauft und im Staubecken der EZB eingelagert werden, sind kein reines Wasser, sondern eine giftige, schlammige Substanz, von der niemand exakt weiß, woraus sie besteht. „ABS, das sind jene zu undurchsichtigen Paketen zusammengeschnürten Schrott-Kredite, die maßgeblich die große Krise von 2008 ausgelöst haben“, erklärt EU-Abgeordneter von Storch. Diese risikoreichen Papiere kauft die EZB von den Privatbanken zurück, in der Hoffnung, dass diese Liquidität freibekommen, um mehr Kredite für die Realwirtschaft zu vergeben. Die Risikopapiere wandern zur EZB – die Privatbanken erhalten Anleihen, die weniger risikoträchtig sind. Weniger Risiko, bedeutet für die Banken auch weniger Rückstellungen, also mehr freie Mittel für die Investition in Unternehmen und Kreditvergabe für Unternehmen. Zur giftigen, schlammigen Masse, die hier aus dem Privatvermögen auf den Steuerzahler übertragen wird, kommt noch das unheilige Management. Black Rock, einer der größten Privatinvestoren, der gerade medienwirksam vorgibt, sich aus Russland zurückzuziehen, soll durch Draghi von der EZB damit beauftragt worden sein, diese ABS anzukaufen. Das muss man sich nochmal einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die EZB kauft Giftpapier von den Privatbanken zurück, damit diese mehr in private Unternehmen investieren können und diese Rückkäufe soll federführend einer der Hauptinvestoren der Privatwirtschaft durchführen. Wer hier nicht die Glocke der Interessenskonflikte scheppernd hört …

Solange die Staumauer hält, ist alles gut …

So wie sich das Wasser seinen Weg zum Meer beziehungsweise immer zur tiefsten Stelle sucht, so sucht sich auch das Geld seinen Weg in den Markt. Wenn es dort angelangt ist, wird es Einfluss auf die reale Wirtschaft haben und es wird als deutliche Inflation wahrgenommen werden. Ist der Staudamm erst einmal gebrochen und ergießt sich die Geldmenge, so ist diese kaum mehr zu steuern. Professor Dr. Serge Ragotzky* fasst es so zusammen: „Wenn die Menge eines Tauschgutes, in diesem Fall des Geldes, erhöht wird, ändern sich entsprechend alle Tauschverhältnisse. Darum ist auch ein Liter Wasser in Mitteleuropa nicht so teuer wie in der Sahara. Ökonomen wie Ludwig von Mises gaben deswegen bereits die Geldmengenausweitung und nicht erst den später folgenden Verbraucherpreisanstieg als die eigentliche Inflation bezeichnet. Es ist durchaus zu befürchten, dass die bereits stattgefundene und zusätzlich geplante Geldmengenerhöhung in der Eurozone zeitverzögert zu erheblichen Preissteigerungen führen wird. Unsichere Konjunkturaussichten können zwar das Ausgabeverhalten der Bürger über eine sinkende Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bremsen und damit den Geldmengenausweitungseffekt auf die Verbraucherpreisinflation temporär kompensieren. Die historische Erfahrung zeigt aber, dass die proportional zu erwartende Verbraucherpreisinflation mittel- bis langfristig in der Regel nachgeholt wird.“

Eine Flutwelle wird vor allem den „kleinen Sparer“ überrollen

Geld entsorgtEines ist in jedem Fall sicher: Die Staatengemeinschaft wie auch die privaten Investoren werden ihre Vermögenswerte längst in sicheren Häfen haben, wenn die Staumauer bricht und sich die Geldmenge in den Markt ergießt. Vor allem die in Geldwerte investierten Altersvorsorgesparer wird es nasskalt erwischen. Investoren wie Black Rock, die an der Quelle zusammen mit der EZB die Prozesse lenken, werden schön im Trockenen bleiben. Ein direktes Investment in Black Rock ist da sicherlich nachhaltig-renditereicher als in eine gesetzliche Riester- oder Rürup-Rente. Das mit dem „nachhaltig-renditereich“ sei besser gleich zurückgenommen. Nachhaltig? Ob und inwieweit die Investments von Black Rock nachhaltige Investments sind, darf bezweifelt werden. Doch das wäre mal ein ganz eigenes Thema. Wir merken uns nur: Die Krise ist nicht weg – sie staut sich nur unsichtbar hinter einer Mauer an.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie die EZB oder die amtierende Bundesregierung.

Andreas Müller-Alwart


Autor Andreas Müller-Alwart ist selbständiger Journalist, Coach sowie Requirement Engineering Manager und Mitglied des Reflektion-Teams.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «Heile Welt» – http://pixabay.com/de
  2. «Zukunft» – Kasper – www.pixelio.de
  3. «Finanzmarkt» – http://pixabay.com/de
  4. «Hyperinflation» – Rolf Handke  / www.pixelio.de
  5. «stinkende Brühe (Fluss)» – Lu Guang/Greenpeace
  6. «Geldentsorgung» – http://pixabay.com/de
Pierre Hillard

Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“

von Pierre Hillard

Pierre Hillard schildert die Geschichte einer ideologischen Strömung, die ihren Stempel auf die aktuellen Versuche der Gruppierung von Staaten zu regionalen Blöcken aufdrückt und die versucht, sie in Richtung einer Weltordnungspolitik zu bewegen. Ihr Ziel ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern um die finanzielle und kommerzielle Macht der angelsächsischen Welt zu erweitern. Sie theoretisiert und beschreibt das Projekt einer auf den Ruinen der Nationalstaaten errichteten „Neuen Weltordnung“. Natürlich geht es nicht darum, alle Anstrengungen die versuchen, nationalen Streitigkeiten ein Ende zu setzen, als Wille zur Dominanz auszulegen. Aber es ist unerlässlich, dieses Projekt der politischen Globalisierung zu studieren, damit es nicht das Ideal der menschlichen Einheit in einen totalitären Alptraum verwandelt.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Mit der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon durch die 27 europäischen Staaten markiert die Wahl von Herman van Rompuy zum Präsidenten des Europäischen Rates und die von Catherine Ashton zur hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik am 19. November 2009 einen Wendepunkt in den globalen Ambitionen. Die Europäische Union (EU) wird schrittweise mit einem politischen Gesicht und einer „Telefonnummer“, mit Worten von Henry Kissinger, ausgestattet. Sicherlich, neue Einstellungen – eine Art von einfahren – sind erforderlich, um diese regionale Union wirklich flott zu machen. In der Tat bleiben Rivalitäten zwischen dem Präsidenten des Europäischen Rates, dem Präsidenten der Europäischen Kommission und dem turnusmäßigen Vorsitz von sechs Monaten bestehen. Diese Situation verärgert zutiefst die Obama-Administration  [1]. Jedoch mit der Rechtspersönlichkeit und dem vollen Vorrang des Gemeinschaftsrechts vor dem nationalen Recht, kann die Europäische Union beanspruchen (durchsetzen?), ein Schauspieler auf der internationalen Bühne zu werden. Es wäre falsch zu behaupten, dass diese neue Berufung in völliger Unabhängigkeit vom Rest der Welt wäre. In Wirklichkeit gehen die durch die finanzielle Oligarchie unterstützten pro-europäischen Eliten, in Verbindung und in Geistesgemeinschaft mit allen anderen auf dem Planeten in Entwicklung stehenden Formen der regionalen Zusammenschlüsse, voran.

In der Tat ist die Europäische Union nur eine Komponente eines umfassenden Programms, das zur Entstehung von Kontinentalblöcken mit jeweils seiner Währung, seiner Staatsbürgerschaft, seinem gemeinsamen Parlament usw. führt. Alle diese Blöcke zusammen sollen eine globale Gouvernanz darstellen. Wir können bereits die folgenden in Ausbildung befindlichen regionalen Ableger erkennen:

Eurasec Emblem Die Eurasiatische Wirtschaftsgemeinschaft Communauté Economique Eurasiatique (CEEA oder Eurasec für Eurasian Economic Community[2] : im Oktober 2000 gegründet und mehrere ehemalige Ostblock-Länder versammelnd (Russland, Kasachstan, Belarus,…), ist ihr Ziel die Schaffung einer Zollunion  [3] ab 2010, mit der Idee einer gemeinsamen, mit „Evraz“ bezeichneten Währung,  [4] oder „Euras“ oder sogar „Eurasien“ (der Name dieser Währung kann sich noch ändern) [5].

Union der südamerikanischen Nationen (UNASUR)  [6] : erstellt im Mai 2008, soll sie von einer subregionalen Logik in eine regionale Identität gleiten, indem sie den Mercosur und die Andengemeinschaft in eine einzige Organisation verschmilzt, d.h. durch die Zusammenführung aller Staaten des südamerikanischen Kontinents (mit Ausnahme von Französisch-Guayana und den britischen Sandwich- und Falklandinseln [Malvinas]). Das angestrebte Ideal ist die Einrichtung eines Parlaments, eine einheitliche Währung zu erreichen  [7] und eine gemeinsame Staatsbürgerschaft. Die UNASUR unterhält privilegierte Beziehungen zu ihrem europäischen Modell im Rahmen einer euro-lateinamerikanischen parlamentarischen Versammlung, genannt EUROLAT [8].

Cliché 2010-02-21 12-53-45

Das zentralamerikanische Integrationssystem (SICA)  [9] : Die im Dezember 1991 gegründete Gruppe von mittelamerikanischen Ländern verfolgen die gleichen, oben genannten Ziele, insbesondere die Schaffung einer einheitlichen Währung nach dem 33. Kongress in San Pedro Sula (Honduras) im Dezember 2008.

 

 

logo Die Einführung der „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU)  [10] 1963, ermöglichte ab den Jahren 1999-2000, mit der Schaffung der Afrikanischen Union Union Africaine (die UA, in Durban im Juli 2002) und der „neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas“(NEPAD) gut vorwärts zu kommen [11]. Die Ziele (Kommission, Pan-Afrikanisches Parlament, afrikanischer Gerichtshof der Menschenrechte, usw.) sind gut auf dem europäischen Modell verankert [12].

 

Cliché 2010-02-21 13-29-02 Der Rat der Kooperation des Golfes (Golf Cooperation Council, GCC)  [13] : 1981 gegründet, neigt er zu einer immer engeren Union zwischen den Golfstaaten (Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten). Eine gemeinsame Währung ist für 2010-2011 geplant. Der von einigen vorgelegte Name heiße „Chalidschi“. Jedoch, selbst wenn das Prinzip der Währung akzeptiert ist, ist der Name dieser Währung nicht gewährleistet [14].

 

asean Eine asiatische Union nimmt Form unter der Schirmherrschaft der drei Hauptakteure an: Japan (CEAT Council on East Asian Community), China (NEAT, the Network of East Asian Think Tank) und Südkorea (FAE, the East Asia Forum). Seit dem 1. Januar 2010 starteten China und die ASEAN (englische Abkürzung für Association of Southeast Asian Nations) die größte Freihandelszone der Welt, der sich Korea, Japan, Australien und Neuseeland angeschlossen hatten. Sie sollte “ diesen Prozess der Regionalisierung beschleunigen“ wie Xu Ningning, Generalsekretär des wirtschaftlichen Rates Asean-China, sich ausdrückte [15].

 

spp_200 Eine nordamerikanische Union wurde im März 2005 in Texas (Waco) zwischen amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Staatsmännern im Rahmen der PSP (Partnerschaft, Sicherheit und Wohlstand) gestartet. [16]. Das erklärte Ziel ist theoretisch im Laufe des Jahres 2010, die Schaffung eines politischen, wirtschaftlichen und militärischen vereinten Perimeters zwischen den drei Staaten zu erreichen [17]. Eine Währungseinheit „Amero“ oder „North American Dollar“ genannt (die Bezeichnung dieser neuen Währung ist nicht gewährleistet) sollte den US- und kanadischen Dollar sowie den mexikanische Peso ersetzen [18]. Diese Mutation geht über den Zusammenbruch des Dollars und des Welt-Finanz und Währungssystems. Die globale Systemkrise (politische, Finanz-, Währungs- und geopolitische) wird akuter zu Beginn des Jahres 2010, um die Ankunft dieser, von den Ministranten des Systems gewünschten, „Neuen Weltordnung“ zu fördern.

Schließlich wäre theoretisch für 2015 die Schaffung eines einheitlichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Euro-Atlantischen Block vorgesehen [19]. Wir können erwähnen, dass das Europäische Parlament eine Resolution am 26. März 2009 adoptierte, die „den Stand der transatlantischen Beziehungen nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten“ betraf. Diese Entschließung hat das Verdienst an alle politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abkommen zu erinnern, auf beiden Seiten des Atlantiks, um zu einer transatlantischen Union zu führen [20].

arton160992-fe40dDiese Liste wäre nicht vollständig, ohne ein wichtiges Ereignis zu erwähnen, das von der französischen Presse übersehen wurde. In der Tat haben am Gipfel von Aquila in Italien (8 – 10 Juli 2009) die Staatschefs verschiedene Fragen (Wirtschaftskrise, Klima,…) bearbeitet. Der russische Präsident Medwedew hat jedoch bei einem Treffen mit Journalisten einen Prototyp der Weltwährung in Form einer in Belgien gemachten Münze gezeigt, auf der auf Englisch „in Vielfalt geeint“ eingraviert war. [21]. Diese Präsentation ist ein wichtiger Wendepunkt. Zum ersten Mal präsentierte ein Staatsoberhaupt ein Exemplar einer Währung, die in der Lage ist, die einmalige Referenz für die gesamte Menschheit zu werden [22]. Diese Geste vervollständigt die Worte von Herman van Rompuy, der in seiner Dankrede nach seiner Berufung in das Amt des Präsidenten des Rates der Europäischen Union nicht gezögert hat, diese schweren bedeutungsvollen Worte auszusprechen: „2009 ist auch das erste Jahr der globalen Governance [Steuerungssystem] mit der Einführung des G20-Gipfels mitten in der finanziellen Krise.“ [23].

Diese Aussage – seitens eines Anhängers der globalen Governance – soll uns zum Nachdenken bringen und uns selbst die Frage stellen: wie sind wir dazu gekommen? Und zwar die Beschreibung dieser verschiedenen Zusammenschlüsse, im Rahmen einer einzigen Behörde – zugleich mit der internen Zersplitterung der Staaten, die sie bilden  [24] – ist nicht das Ergebnis des Zufalls. In der Tat ist diese Mutation das Ergebnis einer sehr langen, gründlichen Arbeit seitens der finanziellen Oligarchien  [25] und politischen Eliten im Rahmen der Think Tanks und Stiftungen.


 

Die Angelsächsische Oligarchie und ihre Fürsten

Die französische Öffentlichkeit ist leider unwissend über die eigentlichen Akteure der Weltpolitik, die ihrer Talente mehr hinter den Kulissen als auf der politischen Bühne ausüben. Zum besseren Verständnis der katastrophalen Situation, in der sich die nationalen Befürworter zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden, ist es notwendig, die eminent wichtige Rolle der angelsächsischen aristokratischen Finanzmacht in groben Zügen darzustellen. Sie war schon immer ein Staat im Staat. Man kann ihre Machtannahme auf die Einführung der „Magna Charta“ vom 15. Juni 1215 festlegen. Nach der Niederlage von König Johann-Ohneland von England gegen König Philippe Auguste am 27. Juli 1214 bei Bouvines, haben die englischen Barone politische und finanzielle Privilegien an sich gerissen. Von nun an ist die britische Krone verpflichtet, mit einer Kaste, die Stärke, Finanzkraft und kommerzielle Ambitionen besitzt, zu komponieren und zu kooperieren. Von diesem Zeitpunkt an war eine gierige, fordernde und stolze Elite geboren. Sie ist die Ursache für die Existenz dieser druckausübenden Gruppen (oder Lobbys), die über so verschiedene Kanäle, wie Finanz, Auskunft oder Medien, Druck auf die politische Macht ausüben. Da Letztere in starker Abhängigkeit von Unterstützung und Bargeld steht, um ihr Dasein zu sichern, ist sie absolut verpflichtet, die Meinungen und Ratschläge dieser Kaste zu berücksichtigen. Die Think-Tanks („Forschungseinrichtungen“; aber die Übersetzung ist unsachgemäß), Stiftungen und elitäre Gruppen sind die logische Fortsetzung einer elitären und merkantilen Denkweise. Diese Kreise wurden die unumgänglichen Zentren einer aktiven Minderheit, welche die Zukunft der angelsächsischen Welt, und dann langsam von einem zum anderen Land fortschreitend, das ganze Universum bestimmen. Im Gegensatz zum französischen politischen Design, das jede Aktivität dem Staat unterstellt, hängen diese wirtschaftspolitischen Organisationen nicht mehr von der nationalen Autorität ab. Sie haben sehr früh ihre Talente entwickelt. Seit dem Mittelalter waren Firmen wie das London Staplers, die London Mercers Company oder sogar die britische Ostindien-Kompanie (die British East India Company (BEIC) im 17. Jahrhundert) die Speerspitzen des britischen Imperialismus. So übergab sich die kommerzielle Aristokratie die Fackel der Eroberung und Kontrolle des Reichtums von Generation zu Generation. „Toujours plus“ [Immer mehr], in Worten von François de Closets [franz. Journalist AdÜ].

Die französische Niederlage in Nordamerika führt zu dem Vertrag vom 10. Februar 1763, der als Geburtsakt für den Aufstieg der britischen Oligarchie gelten kann. Der Verlust von Neu-Frankreich bietet der britischen Krone einen ganzen Kontinent voller Reichtum und mit wenigen Einwohnern. Die Unfähigkeit der französischen Monarchie, diese riesigen Gebiete zu bevölkern und sie in die Sphäre der griechisch-römischen Zivilisation einzugliedern, überlässt diesen Raum der angelsächsischen Macht. Mit einem Schuss messianischen Geistes erobern die amerikanischen Eliten in Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen das Gebiet und sind bereit, ihr Modell der ganzen Welt aufzuzwingen. Nach den Kriegen der Revolution und der Niederlage Napoleons 1815 hat die angelsächsische Macht keine weiteren Rivalen auf der See. Demographische Macht, Besiedlung großer Gebiete in Nord-Amerika, Süd-Afrika, Australien und Neuseeland, Kontrolle über strategische Punkte überall auf der Welt (Gibraltar, Hongkong,…), Kontrolle der Territorien auf fast allen Kontinenten, fortschrittliche Technik und effizienter Bankensektor ermöglichen dieser kommerziellen Aristokratie von London und New York, von einer Kontrolle über die Welt unter der Schirmherrschaft der City und der Wall Street zu träumen. Ein Mann war die führende Figur dieses Ideals: Cecil Rhodes.


 

Cecil Rhodes (1853-1902) [26]

Dieser große Verteidiger des britischen Empires emigrierte nach Südafrika, wo seine Persönlichkeit und seine geistigen übergroßen Qualitäten ihm erlauben, ein Vermögen mit Diamanten zu machen. Er ist am Ursprung der De Beers Diamond Industrie zusammen mit Nathaniel Mayer Rothschild (1840-1915). Sein kolossales Vermögen öffnet ihm die Türen der britischen Kolonie, Cecil Rhodes legt den Grundstein für den Südafrikanischen Staat (Dominion of the British Empire), der ein paar Jahre nach seinem Tod im Jahre 1910 Form annimmt. Sein finanzieller und politischer Einfluss lässt ihn Gebiete kontrollieren, denen er seinen Namen gibt: Rhodesien. Später in Nordrhodesien und Südrhodesien aufgeteilt, wurden diese Staaten Simbabwe und Sambia. Allerdings ist seine große koloniale Idee, eine große Eisenbahn von Kapstadt nach Kairo zu bauen. In seiner Verteidigung des britischen Empires haben die Verbindungswege eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung von Ressourcen jeglicher Art. Die Entwicklung der Wege (in allen diesen Formen [27]) ist die obligatorische Passage für das reibungslose Funktionieren von jedem Reich. Dieses Gebot ist sehr aktuell am Anfang des 21. Jahrhunderts [28]. Diese Verbindungen sind die Arterien der Versorgung des kommerziellen und politischen Imperiums.

Cecil Rhodes (1853-1902)

Cecil Rhodes (1853-1902)

Über das reibungslose Funktionieren des britischen Empire hinaus hat Cecil Rhodes noch ein höheres Ideal. In der Tat, von der Überlegenheit der angelsächsischen „Rasse“ überzeugt, entwarf er eine Politik um diesen Vorrang zu sichern: die Vereinigung von allen angelsächsischen Ländern oder genauer gesagt, die Einführung eines Blocks zwischen dem britischen Empire und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Ganze müsste für ihn die Basis der Geburt eines Staates der Welt erlauben, das von den Prinzipien und der Philosophie des angelsächsischen Unternehmer-Adels belebt wird. Um dies zu erreichen, hält er es für notwendig, höhere Persönlichkeiten innerhalb der Universitäten zu rekrutieren, die von dem gleichen Ideal animiert sind, und die unterstützt werden, um so vielfältige Schlüssel-Positionen wie in Wirtschaft, Finanz, Militär, Bildung, Nachrichtendienst oder sogar Journalismus einzunehmen. So werden, ähnlich einem Armeekorps, diese verschiedenen Menschen echte Jesuiten der Globalisierung für das gleiche Ziel, um in ihren jeweiligen Ländern Köpfe zu trainieren, zugleich mit der Entwicklung der politischen Strukturen, die zur Entstehung von diesem globalen wirtschaftlichen Staat beitragen. In seinem Kopf geht dieser titanische und sehr zeitaufwendige Ehrgeiz über die Schaffung von „Cecil Rhodes-Stipendien“ (Rhodes Scholarships). Cecil Rhodes hatte nicht die Genugtuung, die Verwirklichung dieses Ideals in seinem Leben zu sehen. Erst 1904 starten seine engsten Berater die ersten Stipendien, die seinen Namen tragen, an der Universität von Oxford. Der französische Soziologe, Auguste Comte, sagte, dass „die Toten die Lebenden regieren“. Diese Formel kann weitgehend auf Cecil Rhodes angewendet werden. Seine Konzepte haben die Welt des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhundert geschmiedet. Ohne sie alle zu zitieren, haben wir bei den Empfängern von Cecil Rhodes-Stipendien: den Premierminister von Australien Bob Hawke (1981/1993); James Wolsey, Direktor der CIA (1993/1995); Wesley Clarke, Patron der NATO in den 1990er Jahren und einer der Hauptakteure in der Zerstörung von Jugoslawien im März 1999; den Präsidenten Bill Clinton (Klasse 1968) und James William Fullbright (Senator von Arkansas und wichtige Figur in der amerikanischen Politik) [29].

Die Politik von Cecil Rhodes hätte nicht ohne die Aktion von seinen engsten Beratern ihre Größe erreichen können. Hier können wir auch nicht die sehr umfangreiche Liste der anglo-amerikanischen Gründung (Anglo-American Etablishment) von Carroll Quigley zitieren. Die Männer rund um Cecil Rhodes zeichnen sich durch eine wichtige Tatsache aus; Sie besetzen die Schlüsselsektoren der britischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts [30]. Sie haben die Zukunft der Welt auf unbarmherzige Weise bestimmt. Von dieser langen Liste behalten wir drei Nahmen.

Alfred Milner (1854-1925)

Alfred Milner (1854-1925)

Eine der Galionsfiguren, Nachfolger und spiritueller Sohn von Cecil Rhodes, war Alfred Milner (1854-1925, auch Lord Milner genannt). Unter seinen vielen Aktivitäten wie zum Beispiel Direktor der Londoner Aktien Bank (London Joint Stock Bank), leitete er das Kriegskabinett von Premierminister Lloyd George während des Konflikts 1914-1918. In diesem Krieg spielte sich ein für die künftigen Generationen entscheidendes Ereignis im November 1917 ab. In der Tat, behauptete die „Balfour-Deklaration“ (Arthur James Balfour, britischer Politiker) unter der Schirmherrschaft der britischen Regierung die Anerkennung eines jüdischen Heimes in Palästina. Diese Deklaration wurde durch einen Brief an Walther Rotschild, der Vermittler der Zionistischen Bewegung in Großbritannien war, direkt offiziell. In Wirklichkeit war der echte Herausgeber dieser Erklärung Alfred Milner. Wie Carroll Quigley erklärt, sollte die „Balfour-Deklaration“ in Wirklichkeit die „Milner-Deklaration“ heißen [31].

Philipp Kerr (1882 – 1940, jetzt lord Lothian) war Privatsekretär von Lloyd George. Es genügt um zu zeigen, dass er im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen des englischen Premierministers und ein Förderband für die gesamte „Milner-Gruppe“ war. [32]. Anschließend war er Botschafter des Vereinigten Königreichs in Washington.

Schließlich können wir Lionel Curtis (1872-1955) erwähnen. Neben seiner Beteiligung an der Arbeit des Versailler Vertrages ist er Autor des Begriffs „Commonwealth of Nations“ dessen Anwendung aus 1948 stammt. Wie Carroll Quigley offenbart, ist dieser Ausdruck das Ergebnis der Arbeit, deren Ziel es war, das britische Empire auf die politischen Veränderungen einer weltweiten Organisation vorzubereiten. Diese Arbeit beruft sich auf ein Commonwealth von 1916 [33]. Man beachte abschließend, dass Lionel Curtis im Jahre 1919, bei der Erstellung des englischen Think-Tank, des Royal Institute of International Affairs (RIIA auch bekannt als Chatham House) eine entscheidende Rolle gespielt hatte.

Das Verständnis der globalistischen Mechanik muss wie ein riesiges Puzzle behandelt werden. Jedes Stück dieses Rätsels muss geprüft und dann zusammengestellt werden, um einen Überblick zu bekommen. Aus diesem Grund wenden wir uns zu einem anderen Teil des Systems, um den Leser daran zu erinnern, dass er diese verschiedenen Elemente im Hinterkopf behalten muss, um dann alles zusammen zu stellen. Dies ist die einzige Möglichkeit, um das „Biest“ zu verstehen.


 

Die Fabian Gesellschaft (Fabian society) [34]

Die Fabian Gesellschaft  [35] ist ein Institut, das 1884 unter der Leitung von Englischen Politikern wie Sydney Webb (1859 – 1947) und seiner Frau, Béatrice Webb, oder des irischen Schriftstellers Shaw (1856-1950) in London gegründet wurde. Die Vorhut dieser Gesellschaft stand unter dem Einfluss von Promotoren des Sozialismus wie Robert Owen (1771-1858) [36], der seine Ideen an John Ruskin (1819-1900, Professor an der Universität Oxford übertrug  [37] und der Cecil Rhodes beeinflusste) [38]. Andere mit christlichen, sozialistischen Idealen durchtränkte Personen wie Frederik Derrison Maurice (1805-1872) haben während des neunzehnten Jahrhunderts den Weg für die Gründung der Fabian Gesellschaft geebnet. Die Wahl des Wortes „Fabian“ wird erklärt, weil sie sich auf den römischen General zur Zeit der Punischen Kriege (ca. 200 vor JC), Fabius Kunktator (d.h. „Zögerer“) bezieht. Gegen den Karthager General Hannibal praktiziert das Römische Militär Guerilla-Politik, die darin bestand, um ihr Ziel zu erreichen, Dinge nicht vom Zaun zu brechen. Es ist diese Methode die sanft aber unerbittlich vorgeht, die das Markenzeichen der Fabian-Firma ist. Sie verteidigt das Prinzip einer Gesellschaft ohne Klassen, die zur Synthese von Sozialismus (Wohlfahrtsstaat) und Kapitalismus (die Gesetze des Marktes) führt, die zur Formatierung einer Monopol-Wirtschaft im Rahmen des globalen Staates führen soll. Um den Ambitionen des Unternehmens gerecht zu werden, denken seine Führer Schritt für Schritt fortzuschreiten, oder laut ihrem Ausdruck, „allmählich, graduell“. Der Einfluss dieses Unternehmens ist enorm, weil viele englische Politiker Mitglieder der Fabian Gesellschaft waren. [39]. Dieser Einfluss war jedoch umso wichtiger, weil diese Gesellschaft den Anstoß zur Schaffung von der London School of Economics (LES) im Jahre 1895 unter der Leitung von Sydney Webb gab. Diese renommierte, wirtschaftliche Ausbildungsstätte, die sich anschließend diversifizierte, hat Generationen von englischen Führern im Geiste Fabians ausgebildet, aber auch viele Studenten auf der ganzen Welt. Oft wurden sie anschließend Hauptakteure in dem politischen und wirtschaftlichen Leben ihrer Länder. So, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi; Präsident John Kennedy; die Königin von Dänemark Margarethe II; Pierre Trudeau (kanadische Premierminister); der Lobbyist und Mitglied von mehreren Think Tanks Richard Perle („der Fürst der Finsternis“); der Finanzier George Soros (Gründer der Open Society Institutes); der ehemalige Berater von François Mitterrand, Erik Orsenna und sogar der Rolling-Stones-Sänger Mike Jagger (er hat nur ein Jahr mitgemacht! [40]), besuchten diese Schulbänke. Letztere, Dank der Wirkung der Fabian-Gesellschaft haben zur Formatierung von vielen Geistern der Welt beigetragen. Jedoch war der Einfluss dieser Gesellschaft vielfältig, unter anderem durch die Tätigkeit eines ihrer Mitglieder, des Schriftstellers Herbert George Wells (1866-1946).

H.G. Wells (1866-1946)

H.G. Wells (1866-1946)

Von Fabian-Idealen überzeugt, entwickelte H.G Wells seine Ansichten in vielen Büchern. Erfolgsautor von „Der unsichtbare Mann“, „Die Zeitmaschine“ oder auch „Der Krieg der Welten“, ist es diesem englischen Schriftsteller gelungen, seinen Glauben in einem Buch „Open conspiracy“ („offene Verschwörung“)  [41] zu verbreiten, das 1928 veröffentlicht wurde, indem er für einen globalen Staat ohne Klassen eintrat, alles kontrollierte (’eine neue menschliche Gemeinschaft’ nach seinem Ausdruck), und eine drastische Reduzierung der Weltbevölkerung und die Praxis der Eugenik fordert. In der Tat hat H.G Wells von Anfang an seine Theorien in einem wenig bekannten Buch präsentiert und dessen Titel genau der freimaurerischen Formel Ordo Ab Chao entspricht: „die befreiende Zerstörung“. Veröffentlicht in 1914, erzählt dieses Buch die Geschichte eines allgemeinen Krieges, der zur Gründung eines aus 10 Blöcken bestehenden Weltstaates führt (10 Wahlkreise nach der Formel des Autors) [42]). Es ist in diesem Buch – erinnern wir uns an das Veröffentlichungsdatum 1914 – wo man den Begriff „neue Weltordnung“ findet. [43]. Anschließend hat H.G Wells durch die Veröffentlichung eines Buches im Jahre 1940 mit dem Titel ohne möglichen Irrtum „die neue Weltordnung“ wiedergebracht [44].

Alle diese Fabian-Vertreter besuchten und arbeiteten eng oder aus der Ferne mit dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner zusammen. Ein wahrer Gemeinschaftsgeist für ein gemeinsames Ziel, einen globalen Staat, animierte diese verschiedenen Menschen. Diese angelsächsischen Eliten, die nur die logische Fortsetzung des kommerziellen Adels des Mittelalters sind, haben weiterhin ihre Kräfte in anderen Vereinen wie z. B. in der Pilgrim Society (Pilger-Gesellschaft) im Jahre 1902 in London und New York zusammen gebracht [45]. Die Höchstgeschwindigkeit wurde 1910 mit der Einrichtung der Round Table (Runder Tisch) erreicht.


 

Round Table und seine „Kinder“ [46]

Die Kreierung des Round Table [47], der letztlich nur der Erbe einer vielen jahrhundertelangen vergangenen mystischen, finanziellen und elitären Tradition ist, war ein entscheidender Schritt bei der Vorbereitung zu einem globalen Staat. Tatsächlich wurde dieses hochwertige Institut in Verbindung mit den US-Finanz-Eliten unter der Führung von Lord Milner und seinen Nahstehenden geschaffen, um das Primat der angelsächsischen Welt, das zur Schaffung eines Welt-Staates führen sollte, sicherzustellen. Andere Round Table entstanden in allen Dominien des Britischen Empire, aber auch in den Vereinigten Staaten. Die Ambitionen von Cecil Rhodes wurden übernommen, renommierte Finanziers leiteten das Team von Lord Milner, wie Alfred Beit (1853 – 1906), Sir Abe Bailey (1864 – 1940) und die Astor-Familie. Andere Gruppen kamen zur Wiege des Globalismus hinzu, der vom Round Table geführt wurde: J.P Morgan [48], die Lazard Bank oder sogar die Familien Rockefeller und Whitney [49].

Bevor wir die Studie der „guten Werke“ des Round Table fortsetzen, erscheint es notwendig, folgende Punkte sicher zu stellen. Diese großen Familien der Globalisierung, selbst von einem gemeinsamen Ziel animiert, sind nicht weniger von internen Spaltungen zerrissen. Wir können im Wesentlichen zwei herausheben. Die erste ist so alt wie die Welt; sie heißt interne Rivalitäten. Rivalitäten und Ambitionen der ehrgeizigen Suche nach mehr Leistung, mehr Einfluss und mehr Reichtum, um die besten Plätze zu besetzen, haben die Geschichte dieser kommerziellen Aristokratie geschmückt. Dieses Phänomen ist genauso alt wie die Geschichte des Menschen. Auf der anderen Seite ist der zweite Punkt spezifisch für den Round Table. In der Tat verstecken sich unter der scheinbaren Meinungseinheit zwei Strömungen des Denkens. In beiden Fällen verfolgen diese Strömungen das gleiche Ziel: den Weltstaat. Jedoch in einem Fall verteidigt ein Flügel das Prinzip der Verfassung eines einheitlichen angelsächsischen Blocks (British Empire verbunden mit den Vereinigten Staaten). Diese angloamerikanische Basis sei die Wirbelsäule, auf der der Rest der Welt sich aufbauen soll. Im zweiten Fall hält der andere Flügel es nicht für notwendig, die Geburt eines angelsächsischen Reiches als Anker zu einer einheitlichen Welt zu bevorzugen. Er vertritt stattdessen die Variante einer Welt, wo kein Land einem anderen seine Rechtsvorschriften oder politische Philosophie aufdrängen könnte. Es gilt den Befürwortern des zweiten Weges, eine Art von einem allgemeinen „Püree“ zu schaffen, welche die Vereinigung der Menschheit in einem Block und ohne Unterscheidung darstellt. Wir haben hier die Opposition zwischen Befürwortern der angelsächsischen Globalisierung und Befürwortern der weltweiten Globalisierung.

Der erste Weltkrieg war ein Umschwung von einer Welt zur anderen. Auch wenn es nicht möglich ist, die wesentliche Rolle der anglo-amerikanischen Eliten während dieses Konflikts im Detail zu diskutieren [50], können wir die entscheidende Aufgabe des Schweden Olof Aschberg (1877 – 1960) an der Spitze der Bank Nya Banken in Stockholm erwähnen. Er war der große finanzielle Vermittler zwischen den Eliten von Wall Street und der City einerseits und den bolschewistischen Führern andererseits. Sein Spitzname war „Banker der Welt- Revolution.“ Wie Anthony Sutton daran erinnert, hatte die Bank von Olof Aschberg eine Tochtergesellschaft in London, die Bank of North Commerce, dessen Präsident Earl Grey einfach zu dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner gehörte [51]. Letzterer spielte auch eine entscheidende Rolle innerhalb der angelsächsischen Oligarchie. In der Tat, neben seiner vorgenannten Tätigkeit war es Lord Milner, der wusste, wie man Premierminister Lloyd George überzeugen konnte, die Oktoberrevolution wirksam zu unterstützen. Diese kapitale Entwicklung für die Zukunft der Welt folgte dem Besuch in London, am Ende des Jahres 1917, von William Boyce Thompson (1869 – 1930) in Begleitung von einem Vertreter von JP Morgan, Thomas W. Lamont (1870-1948) [52]. Mitglied des Lenkungsausschusses der US-Federal Bank (FED), war W.B Thompson 1917 ein Offizier im Dienst der Oligarchie innerhalb des amerikanischen Roten Kreuzes in St. Petersburg. Diese Abdeckung erlaubte ihm unter anderem, den Bolschewiken die für diese Zeit riesige Summe von 1 Million Dollar zu überreichen [53]. Auf dem Weg zurück nach New York machte er einen Zwischenstopp in London, um Lloyd George ein Memorandum vorzulegen, in dem er die Unterstützung der Oktoberrevolution forderte. Lord Milner, großer Bewunderer von Karl Marx, unterstützte nur William Boyce Thompson in seinem Ansatz, um Lloyd George zu überzeugen. Die bolschewistische Revolution hätte ohne das entschiedene Handeln der anglo-amerikanischen kommerziellen Oligarchie nicht stattfinden können [54].

Das Ende des ersten Weltkrieges öffnete sich unter den Auspizien der angelsächsischen, kommerziellen Siegermächte und eines menschlich und finanziell verbluteten Frankreichs. Der Vertrag von Versailles gab Frankreich keine Sicherheit gegenüber einem verminderten und weitgehend von angelsächsischen Krediten an die Wirtschaft abhängigen Deutschland. Die Lähmung Frankreichs angesichts der großen angelsächsischen Silberschmiede verschlechterte sich, als Letztere Darlehen mit den Dawes- (1924) und Young-Plänen gewährten (1928), die trotz der in Abhängigkeit der Banken von London und New York gestellten deutschen Wirtschaft [55]], für die Stärkung der deutschen Industriemacht ausschlaggebend waren. In der Tat entstanden im 1920er Jahrzehnt gigantische, für den Krieg unentbehrliche Kombinate für die Verarbeitung von Stahl und Chemie, (I.G. Farben und Vereinigte Stahlwerke). Die französische Niederlage von 1940 beruhte teilweise auf der Aktion der angelsächsischen Finanziere, zu Gunsten der wirtschaftlichen und technischen Erholung Deutschlands (vor allem durch Stahl, synthetisches- Benzin und Buna-Gummi) [56].

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Zusätzlich zu dieser Politik beschlossen die anglo-amerikanischen Eliten, ab den Jahren 1918-1919 eine Mutation des Round Table. In der Tat, aus Gründen für mehr Effizienz wurde beschlossen, zwei think tanks [Denkfabriken] auf beiden Seiten des Atlantiks zu erstellen, die die Außenpolitik der beiden Länder bestimmen sollten. Auf Englands Seite war es die Gründung 1919 unter der Ägide von Lionel Curtis, Mitarbeiter von Lord Milner, des Royal Institute of International Affairs (RIIA, auch bekannt als Chatham House) [57]. Es ist dieser selbe Lionel Curtis, der für ein föderales Commonwealth war, das fähig sei, allmählich verschiedene Länder rund um den Globus zur Integration zu bewegen [58]. Diese Ziele wurden von Clarence Streit (1896 – 1986) in den Vereinigten Staaten verteidigt,  [59] Korrespondent der New York Times im Völkerbund (Cecil Rhodes Stipendium, Jahrgang 1920-) und dem Vertreter der amerikanischen „Milner-Gruppe“, Frank Aydelotte [60]. Seitens der Amerikaner wurde der Council on Foreign Relations (CFR) [61]] im Jahr 1921 unter der Ägide der Hauptfigur, Colonel Edward Mandell House (1854-1938) erstellt. Als Vertrauens-Berater von Präsident Wilson  [62] war House die Drehscheibe zwischen der „Milner-Gruppe“ und den „Großen“ von Wall Street (Vanderlip, Rockefeller, JP Morgan, Warburg,…). Wir erkennen in dieser unvollständigen Liste den wichtigen Namen von Paul Warburg, der an der Spitze der US-Notenbank (Fed) seit ihrer Gründung im Jahr 1913 war. Diese private Bank, von der zentralen Macht unabhängig und zuständig für die Geldprägung [63], ist ein Staat im Staat. Es ist derselbe Paul Warburg, der den CFR von Anfang an leitete. Wir haben mit einem Gewirr von Verantwortlichkeiten erster Ordnung innerhalb der angelsächsischen Oligarchie zu tun, umso mehr als wir verpflichtet sind, im nächsten dem Pan-Europa gewidmeten Abschnitt noch einmal Paul Warburg zu erwähnen.

Die Aktion von Colonel House muss durch Berufung auf ein Meisterwerk der globalistischen Mystiker, sein Buch mit dem Titel Philip Dru, Administrator  [64] ergänzt werden. 1912 geschrieben, spricht dieses Buch von einem Staatsstreich von einem West Point-Offizier (Philip Dru), der den Vereinigten Staaten eine Diktatur auferlegt und die Verfassung des Landes aufhebt. Wie Lord Milner, so zögerte auch Oberst House nicht, seine tiefe Überzeugung zu evozieren, indem er behauptet, dass sein Held „Sozialismus implementiert wie Karl Marx ihn geträumt haben würde“. Er spricht auch im Kapitel 52 von dem Ideal der Vereinigung des ganzen nordamerikanischen Blocks. Dies ist Tatsache geworden seit dem offiziellen Start des Projekts von Waco, Texas, im März 2005, wie wir es am Anfang dieses Textes bemerkt haben. Es ist klar, dass diese Eliten schon vor mehr als hundert Jahren Farbe angesagt haben. Dem globalistischen Netzwerk ist es gelungen, seinen Einfluss durch die Geburt eines Instituts zu stärken, um eine führende Rolle in der europäischen Konstruktion zu spielen: das Pan-Europa.


 

Pan-Europa, Sprungbrett des Globalismus

Die Schaffung von Pan-Europa geht auf die Aktion von einem österreichischen Aristokraten, Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972), zurück, der Kind einer japanischen Mutter war. Das erklärte Ziel von Coudenhove war zu verhindern, die Schrecken des ersten Weltkrieges zu reproduzieren. Diese lobenswerte Absicht war nur der Baum, der den Wald versteckte. In der Tat gab Coudenhove sehr früh und eindeutig die Richtung seiner Bewegung an, als er einen Bericht im Völkerbund im Jahre 1925 einreichte. Sein Ziel war, Europa zu vereinheitlichen, um es als Teil einer einheitlichen, globalen politischen Organisation zu integrieren. Dazu, sagte er in seinem Bericht, bestünde die Notwendigkeit ’politische Kontinente’ schaffen zu müssen, die einen Verband von Verbänden bilden müsse [65]. Seine föderalistischen Forderungen schließen gut an jene der Fabian-Gesellschaft an. Weiter in seinem Schwung organisiert Coudenhove 1926 die erste Pan-europäische Konferenz in Wien unter der Ägide von seinem Ehrenpräsident, dem Präsidenten des Rates Aristide Briand (1862 – 1932) [66]. Es ist während dieses Kongresses, der mehrerer Nationalitäten zusammenführte,  [67] dass beschlossen wurde, eine europäische Hymne, die „Ode an die Freude“ von Beethoven zu wählen [68], die später die Hymne der Europäischen Union wurde. Die Ziele Pan-Europas sind im Rahmen der „Grundlegenden Prinzipien“ deutlich gezeigt, die unter anderem fordern: „(…) Die europaweite Union erklärt sich dem europäischen Patriotismus, Krönung der nationalen Identität aller Europäer, verbunden. Zur Zeit der Interdependenz und der globalen Herausforderungen kann nur ein starkes und politisch geeintes Europa die Zukunft seiner Völker und ethnischen Entitäten garantieren. Die Pan-europäische Union anerkennt die Selbstbestimmung der Völker und das Recht der ethnischen Gruppen zur kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung (…)“ [69].

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Während des zweiten Weltkrieges floh R. Coudenhove-Kalergi in die Vereinigten Staaten, und konnte im Rahmen eines Seminars – Research for a postwar european federation (Forschung für eine Europäische Nachkriegszeit-Föderation) –für einen europäischen Föderalismus an der New York University lehren. 1946 kehrte er nach Europa zurück, trug weitgehend zur Schaffung der Europäischen Parlamentarischen Union bei, die anschließend die Erstellung im Jahre 1949 vom Europarat  [70] ermöglichte. Diese Europäische Organisation verstärkt ihren Einfluss auf alle Staaten und wacht auf die nationalen Vertreter, die die Ideale des Gründers verbreiten sollen [71]. Nach Erhalt im Jahr 1950 des Karl-der-Große-preises, der höchsten Europäischen Auszeichnung [72], hat sie 1972 das Ruder an Otto von Habsburg weitergegeben und dann an Alain Terrenoire.

Man kann die Auswirkungen von Pan-Europa besser verstehen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert: das Geld. Die Quellen der Finanzierung dieses Instituts erklären die Tiefe Absprache ihres Führers mit anderen Akteuren des Globalismus. In der Tat, neben industriellen und finanziellen Förderern, profitierte R. Coudenhove-Kalergi von der Unterstützung des Bankiers Max Warburg, Vertreter der deutschen Bank in Hamburg. Wie wir oben gesehen haben, war sein Bruder Paul (US-Niederlassung) der Leiter der Fed und des CFR. Wir verstehen sofort, dass R. Coudenhove-Kalergi grünes Licht bekam, um mit der Finanzwelt von Wall Street und seinen Londoner Kollegen zu kooperieren. Diese Komplizenschaft zwischen dem Gründer von Pan-Europa und anderen Globalisten-Milieus war umso größer, als Max Warburg Ausschuss-Mitglied der I.G. Farben-Deutschland war, während sein Bruder, Paul Warburg, dem der amerikanischen I.G. Farben angehörte [73].

Die Machtannahme von Adolf Hitler wird durch die von angelsächsischen Industriellen und Finanzieren über ihre deutschen Kollegen gegebene Unterstützung erklärt, wie Anthony Sutton schreibt. In diesem Fall war der Direktor der Reichsbank, Hjalmar Schacht (1877 – 1970) ein Zwischenhändler erster Klasse. Sein Handeln war umso tiefgreifender, da er Minister für Wirtschaft des Dritten Reiches von 1934 bis 1939 war. Die wirtschaftliche Erholung Deutschlands aufgrund seiner Wirkungsweise erlaubte Hitler eine Politik zu verfolgen, die er nie ohne diesen Wiederaufbau auf Länderebene ausüben hätte können. Solche Taten hätten Hjalmar Schacht während der Nürnberger Prozesse die Todesstrafe einbringen müssen. Es war dem nicht so, da er freigesprochen wurde. Hjalmar Schacht war in der Tat stark mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie verbunden. Sein Vater, der US-Amerikaner Wilhelm Schacht hatte 30 Jahre in der Tochtergesellschaft der Equitable Life Versicherung in Berlin gearbeitet [74]. Sein Sohn war also von Geburt an in dem Serail des globalistischen Systems. Dies wird noch stärker, wenn wir wissen, dass Hjalmar Schacht seit 1918 im Führungs-Komitee von der Nationalbank Für Deutschland („National Bank of Germany“), an der Seite des Bankiers Emil Wittenberg war, der gleichzeitig Mitglied des Lenkungsausschusses der ersten sowjetischen Bank, der 1922 gegründeten Ruskombank war [75]. Diese wurde von dem schwedischen Bankier… Olof Aschberg geführt,  [76] dem wir schon vorher begegnet sind. Um mit dem Wirbel fortzufahren, können wir angeben, dass der Direktor der ausländischen Sektion der Ruskombank, der US-amerikanische Max May [77], der Vizepräsident der Guaranty Trust Company, eine Tochtergesellschaft einer der Pfeiler der Wall Street, JP Morgan war [78]. In diesem Fall arbeitete also ein hoher Vertreter der US-amerikanischen Wall-Street in der sowjetischen Bank-Elite. Um das Maß voll zu machen, war die Zusammenarbeit von Hjalmar Schacht mit diesem Milieu durch Freundschafts-Bande mit dem Chef der Bank of England Montagu Norman gesichert. Wir verstehen besser, warum Hjalmar Schacht  [79] am Morgen des zweiten Weltkrieges nicht wirklich um sich besorgt sein musste.

Die Unterstützung durch diese kommerzielle, angelsächsische, staatenlose Aristokratie für Kommunismus, Nationalsozialismus und auch bei der Machtübernahme durch Franklin d. Roosevelt [80], wurde in der Wall Street Trilogie von Anthony Sutton beschrieben, und war auch ein Labor-Experiment, das in einem lokalen Kontext erfolgte (Sowjetunion, Nazi-Deutschland und USA [81]). Unter einer anderen Bezeichnung hat Anthony Sutton geschlossen, dass diese verschiedentlich genannten Ideologien, „Sowjetischer Sozialismus“, „kollektiver Sozialismus“ (Nationalsozialismus) und „der neue Sozialismus “ (New Deal), nur die Formatierungen von einem monopolistischen Sozialismus waren; ein Ideal der Organisation, die jetzt als Teil der „neuen Weltordnung“ rund um den Globus entstehen soll. Der Krieg von 1939-1945, der infolge dieser Hintergrund-Arbeit entstand, erlaubte die Kippe in eine andere Welt; die Einführung von zwei scheinbar gegensätzlichen Blöcken, die dem hegelianischen Prinzip der These und Antithese voll gehorchen. Jedoch wurden diese beiden Welten, die von den gleichen finanziellen Quellen bewässert wurden, die Grundlagen zur Verwirklichung des globalen Staates.


 

Nach 1945, eine glückliche Zukunft

Nach dem zweiten Weltkrieg können wir drei wesentliche Daten in der unmittelbaren Nachkriegszeit erkennen: 1946; 1947 und 1948. Es ist der britische Premierminister Winston Churchill, der die Idee der Einigung Europas in einer Rede in Zürich am 19. September 1946 wiederbelebt. Tatsächlich zögerte er nicht zu sagen: „Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa bauen“. [82]. Solche Kommentare erfreuen Richard von Coudenhove-Kalergi, der von Churchill unterstützt wurde. Der Gründer von Pan-Europa belebte seinerseits die Idee des Europäischen Gedankens und stellte die Geschichte seiner Arbeit und Projekte in einem Buch vor, mit dem Titel „Ich habe Europa gewählt“. In diesem Buch profitierte Coudenhove von dem Vorwort von… Winston Churchill.

Winston Churchill (1874-1965)

Winston Churchill (1874-1965)

Die zweite Etappe bildet mit der Sitzung im August 1947 in Montreux in der Schweiz eine entscheidende Passage zur Stärkung der Grundlagen des in Vorbereitung stehenden Welt-Staates. In der Tat haben sich verschiedene europäische  [83] und amerikanische  [84] dem Welt-Föderalismusprinzip ergebene Vertreter unter der Schirmherrschaft des Schweizer Juristen Max Habicht  [85] geeinigt, um zwei Institute ins Leben zu rufen, deren Wirksamkeit weithin spürbar wird: die „Föderalistische Weltbewegung“ (World federalist Movement, WFM) und die „Union der Europäischen Föderalisten“ (Union of European Federalists, UEF).

Die WFM hat am Treffen von Montreux ihre Magna Charta vorgestellt, welche die Einrichtung von zentralen Grundsätzen zur Errichtung eines globalen Staates auf föderativer Basis befürwortet. Es ist klar, dass, 63 Jahre nach der Formulierung, ihre Wünsche weitgehend erfüllt sind. Es wird in der Tat behauptet, dass „Wir Welt-Föderalisten sind überzeugt, dass die Schaffung des Weltverbandes das wichtige Problem unserer Zeit ist.“ Solange sie nicht eingetreten ist, bleiben alle anderen Fragen – nationale und internationale – ohne gültige Antworten. Man soll nicht zwischen freiem Unternehmertum oder gesteuerter Wirtschaft, Kapitalismus oder Kommunismus wählen, sondern zwischen Föderalismus oder Imperialismus. Anschließend schlägt diese Erklärung unter anderem folgende Grundsätze vor: « Einschränkung der nationalen Souveränität“ mit „Transfer der Legislative, Exekutive und richterlicher Gewalt zum Bund“, „Schaffung einer supranationalen Streitkraft“. Insbesondere mit Angabe dieser zu Beginn des 21. Jahrhunderts hochaktuellen Tatsache, dass „eine gerechte föderalistische Perspektive die Anstrengungen sowohl auf regionaler als auch auf funktionaler Ebene integrieren muss. Die Bildung von regionalen Bünden(Anmerkung des Herausgebers: Hervorhebung von mir) – soweit sie kein Ziel für sich selbst bilden und nicht riskieren sich in Blöcke zu kristallisieren – muss und soll sie zum ordnungsgemäßen Funktionieren des Welt-Bundes beitragen. Am Ende dieser Erklärung wird betont, die Entstehung einer „verfassungsgebenden Welt-Versammlung“ zu fördern. [86].

Neben der Erstellung von der WFM entstand die Union europäischer Föderalisten (UEF) in Montreux. Eine avantgardistische Arbeit hatte jedoch bereits das Terrain vorbereitet. In der Tat wurde unter dem Einfluss von Pan-Europa von R. von Coudenhove-Kalergi 1934 Europa Union gegründet, welche das Ideal von einem geeinten Europa verteidigte, nach dem föderalen Prinzip und dem Schweizer Modell [87]. Vier Jahre später, im November 1938, entstand unter dem Einfluss der Fabianer Lord Lothian und Lionel Curtis, die Federal Union [88]. Letztere ist ein Zweig der UEF in gleicher Weise wie es die verschiedenen französischen (UEF Frankreich), deutschen (Europa-Union Deutschland), italienischen (UEF Italien) usw., „Tochterunternehmen“ sind. Es sei darauf hingewiesen, dass die UEF, gleich den russischen Puppen, ein Zweig des World Federalist Movement (WFM) ist [89]. Infolgedessen haben wir hier ein europäisches Institut, das für Föderalismus arbeitet und das gleichzeitig die Arbeit von der WFM übernimmt, aber auf Weltniveau. Warum ist es so wichtig, die UEF-Mission zu erwähnen? Dieses föderalistische Institut wird von dem Engländer Andrew Duff geleitet, Mitglied des Europäischen Parlaments, unter dem Label „Liberal Democrats“. [90]. Er ist auch Mitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR),  [91] 2007 gegründet [92], das europäische Schwestermodell des 1921 gegründeten US-CFR. Andrew Duff ist auch derjenige, der in enger Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und dem österreichischen EP-Abgeordneten Johannes Voggenhuber die Wiederbelebung des Entwurfs einer Europäischen Verfassung nach dem Scheitern der französischen und niederländischen Referenden im Jahr 2005 erlaubte [93]. Der Vertrag von Lissabon hätte nicht – oder zumindest nur weniger leicht – ohne die Unterstützung und die Überzeugungen von Andrew Duff entstehen können. Darüber hinaus ist klar, dass der über das Grab hinaus reichende Einfluss von einem Cecil Rhodes und einem Lord Milner auf die Ausarbeitung der Europäischen Verfassung (die so genannte „Verfassung Giscard“, Vorspiel für den Vertrag von Lissabon) 2003-2004 wirkte. Tatsächlich waren die Milner-Gruppe und die Fabianer immer schon für die Einigung Europas, vorausgesetzt, dass dies unter angelsächsischer Führung erfolgte. Während den beiden Weltkriegen konnten die Versuche für eine europäische Einheit unter deutscher Führung, einer kontinentalen Macht, von London und Washington nicht akzeptiert werden, weil die angelsächsische Überseemacht aus dem Geschäft des alten Kontinents ausgeschlossen worden wäre. Richard Coudenhove – Kalergi hatte das perfekt verstanden, wie seine Rede von 1950 zeigt. Daher ist es sinnvoll, sich für den Generalsekretär der „Giscard-Verfassung“, den englischen John Kerr, der beauftragt war die Arbeiten fernzusteuern, zu interessieren. Sein Lebenslauf zeigt, dass er an der Spitze einer Ölfirma Royal Dutch Shell steht und britischer Botschafter in den Vereinigten Staaten war. Seine Verbindungen mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie zeigen auch, dass er Mitglied des Lenkungsausschusses, für die Rekrutierung der Eliten im Rahmen der „Cecil Rhodes Stipendien» verantwortlich ist [94]. Wie man sehen kann, ist der globalistische Erfolg nur eine Frage der Zeit.

Schließlich hat der Kongress von Den Haag (7. -10. Mai 1948) unter dem Ehrenmitglieds-Vorsitz von Winston Churchill und fast 800 proeuropäischen Aktivisten  [95] die ersten Grundsteine für ein geeintes Europa gelegt. Die Hauptfigur dieses Kongresses war der General-Sekretär Joseph Retinger (1888 – 1960). Die eigentlichen Akteure der Geschichte sind oft hinter den Kulissen. Dies ist der Fall bei Retinger, im Dienst des CFR und der RIIA, dessen Handlung bei der Entwicklung der globalistischen Strukturen entscheidend war [96].

Réunion du Groupe de Bilderberg (Bruxelles, juin 2000) TV auf Französisch (Anm.d.Red.: Dieser Film wurde entfernt.)


 

Bilderberg, das New-Age und die Trilaterale

Die erste Versammlung vom Bilderberg fand in den Niederlanden in Oosterbeck im Mai 1954 statt. Man vereinbarte, dass der Name dieser elitären Gruppe den Namen des Hotels führe, in dem die Beteiligten wohnten. Es bestehen jedoch Zweifel. Dennoch geht seine Schöpfung weitgehend auf die Aktion von Joseph Retinger zurück, selbst wenn man noch „hohe Tiere“ des Globalismus dazuzählen muss, wie den unumgänglichen David Rockefeller (Vorsitzender des CFR, der Chase Manhattan Bank,…). Die Bilderberger sind „la crème de la crème“ der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Welt des Atlantiker-Serails. Die westlichen Medien folgen nur sehr selten ihren Sitzungen und geben noch seltener Nachrichten [97]. Die Regeln der Organisation und der Intervention der Teilnehmer sind direkt auf jene des Royal Institute of International Affairs (RIIA, „Chatham House Rule“ Prinzip genannt) aufgebaut. Auch hier haben die Rhodes und Milner Familien ihre Spuren hinterlassen. In der Tat prägen diese Eliten innerhalb des Bilderberg weitgehend den Gang der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten. Der Fall des belgischen Etienne Davignon ist besonders bemerkenswert. Vizepräsident der Europäischen Kommission von 1981 bis 1985, ist er der große Pascha dieser elitären Gruppe. Er war es, der den belgischen Politiker Herman van Rompuy eingeladen hat, um eine mündliche Prüfung vor den Vertretern des Bilderberg für den Posten des Präsidenten des Europäischen Rates am 12. November 2009, insbesondere vor dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, in Val Duchesse am Stadtrand von Brüssel abzulegen [98]. Einfach ausgedrückt, man wollte sehen, ob Herman van Rompuy dem System nützlich sein konnte. Die mündliche Prüfung musste sicher gut abgelaufen sein, da er akzeptiert wurde… als gut für den Dienst befunden.

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Die Wahl des ersten Präsidenten des Bilderberg von Prinz Bernhard (1911 – 2004) durch Joseph Retinger und Mitarbeiter, ist kein Zufall. Tatsächlich war dieser deutsche Prinz in den frühen 1930er Jahren Mitglied der SS, insbesondere des Reiterkorps SS (Kavallerie) und Mitglied der Farben Bilder, einer Tochtergesellschaft der IG-Farben. Er heiratete 1937 die Thronfolgerin der Niederlande, Prinzessin Juliana, seine Tochter die Königin Beatrix ist eine aktive Teilnehmerin der Bilderberg-Treffen. Die mehr als trübe Vergangenheit von Prinz Bernhard für seine Berufung als Leiter des Bilderberg war ein gutes Mittel, ihn „in der Hand zu haben“. In der Tat ist es einfacher, eine Person auf klar definierte Ziele zu steuern, wenn sie solch eine unangenehme Vergangenheit besitzt. Die Wahl dieses niederländisch eingebürgerten deutschen Prinzen war sicherlich von großer Bedeutung, weil er in einem anderen Sektor verwendet wurde. Wir müssen uns mit einem Thema befassen, das den Theoretikern des Globalismus am Herzen liegt: die Ökologie.

Der legitime Schutz der Fauna und Flora hat einen baufälligen Bestand unter der Einwirkung von den Anhängern der neuen Weltordnung. Tatsächlich führt die Ideenbewegung zu einer Vergöttlichung der Natur, der New-Age Bewegung entsprechend. Es ist das Prinzip der „Gaia“, als „Muttererde“ gekennzeichnet [99]. Viele Institute verbreiten diesen Zug des philosophischen Geistes, insbesondere der WWF (World Wild Fund for Nature), Institute, die den Schutz der Natur predigen. Ihrer Gründung in 1961 ist der Arbeit von Mitgliedern des globalistischen Serails zuzuschreiben.

In der Tat müssen wir die Brüder Aldous und Julian Huxley erwähnen. Aldous Huxley ist der Autor eines 1931 veröffentlichten prophetischen Buches, „Schöne neue Welt“, das ein echtes internationalistisches politisches Programm unter der Tarnung eines Fiktions-Romans ist. Unter Bezugnahme auf einen globalen Staat, dessen Menschheit nach genetischen Manipulationen, unterworfen und hierarchisch eingeteilt ist, verbrachte der Autor sein ganzes Leben mit vielen Drogen, um eine „Form der Mystik“ zu erreichen. Diese Wahnvorstellungen charakterisieren dieses Milieu und waren auch auf seinen Bruder Julian Huxley übergegangen, der ein Befürworter der Eugenik war und der der erste Präsident der UNESCO (Bildung, Wissenschaft und Kultur) im Jahre 1946 wurde. Dieser Geist der Huxley-Brüder kommt von dem Einfluss des Großvaters, Thomas Huxley (1825-1895). Biologe und leidenschaftlicher Verfechter der darwinistischen Prinzipien [100], übertrug er diese Konzepte seinen Enkeln, die sie der ganzen Welt einflössten. Man füge hinzu, dass das Netzwerk der globalistischen Familienbande ganz eng ist, weil einer der Schüler von Thomas Huxley… H.G Wells war [101].

Diese von Generation zu Generation übertragene Nachfolge erlaubt, diese Dauerhaftigkeit des Globalismus und seinen Aufstieg besser zu verstehen. Jetzt können wir die vergangene Aktion dieser Männer der Gründung des WWF 1961 anschließen. Tatsächlich geht seine Schöpfung auf Julian Huxley zurück [102]. Der WWF hilft mit, dieses pantheistische Ideal zu verbreiten und gehört einem der Zweige der Aktion des Globalismus an. Ist es reiner Zufall, dass der erste Präsident des WWF der Präsident des Bilderberg, Prinz Bernhard war  [103] (von 1962 à 1976)? Andere Präsidenten sind an die Spitze des WWF gekommen und wieder gegangen, wie John Loudon, der wie John Kerr, Präsident des Ölkonzerns Royal Dutch Shell war. Dieses englisch-niederländische Öl-Konglomerat ist eine der Krippen der neuen Weltordnung. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass Prinz Philippe, Ehemann der Königin von England Elisabeth II., den WWF von 1981 bis 1996 leitete.

David Rockefeller Senior (1915-…)

David Rockefeller Senior (1915-…)

Wir können dieser Akteuren-Liste, die einer langen politischen, kommerziellen Tradition entsprungen ist, die Rolle der Trilaterale hinzufügen. Sie wird 1973 von David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski (Mitglieder des CFR) gegründet. Letzterer ist der Mentor von Präsident Obama. Das Institut umfasst drei wirtschaftlich entwickelte Gebiete: Nordamerika, Europa und Japan. Wir erinnern an die Unterstützung von Franzosen wie Simone Veil, Robert Marjolin, Raymond Barre und auch Hubert Védrine. Brzezinski fügte hinzu, dass die Staaten „mehr und mehr gemeinsamen Problemen ausgesetzt sind – finanziellen, wirtschaftlichen und strategischen – und immer weniger in der Lage sind, sie zu beheben, wenn sie sich nicht enger zusammenschließen, in ihrem eigenen und dem Interesse des Restes der Welt“. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, gibt der Autor selbst zu, dass die Trilaterale Kommission am Ursprung der Schöpfung des G7 Gipfel war [104]. Die Nähe zwischen der Trilateralen und der industriellen Welt und der Welt der Think Tanks ist erwiesen, vor allem mit dem Transatlantic Policy Network (TPN) [105]. Der Vorsitzende der europäischen Filiale der Trilateralen Kommission, Peter Sutherland, ist auch Präsident des europäischen Zweigs des TPN. Dieser Ire war auch der Chef von Goldman Sachs, der auch heimlich die Wirtschaftspolitik von Präsident Obama regelt und unter anderem EU-Wettbewerbs-Kommissar von 1985 bis 1989 unter dem Vorsitz von Jacques Delors  [106] war. Jetzt die kleine Kirsche auf dem Kuchen: Peter Sutherland ist auch der Direktor der Fabian-Schule, der London School of Economics [107]. Der Besitzerrundgang wird abgeschlossen sein, wenn man hinzufügt, dass John Kerr – wie wir oben gesehen haben – auch ein Mitglied der europäischen Trilaterale ist [108].

Wie wir sehen, konvergieren die politischen und wirtschaftlichen Eliten seit langer Zeit zu dem Bau einer einheitlichen Weltordnung [109]. Diese Tour wäre allerdings nicht vollständig, wenn man nicht die Anweisungen der Behörden der katholischen Kirche erwähnte.


 

Eine katholische Kirche im Dienst der neuen Weltordnung

Ob man gläubig ist oder nicht, muss das Studium der Grundsätze, die eine Kirche animieren, mit Objektivität getan werden. Man muss die Lehren studieren, die sie verteidigt und beobachten, ob die Worte und ihre Handlungen mit ihrem Lehrkörper in Übereinstimmung stehen. Bei der katholischen Kirche basiert das seit 2000 Jahren befürwortete Konzept auf dem Primat des Gottes über den Menschen. Bibel und Tradition sind unantastbare Grundlage, das Fundament des Glaubens laut der geweihten Worte, durch die Nachfolger von heiligen Petrus, dem Papst, definiert. Der von der Erbsünde markierte Mensch muss einer höheren Autorität entsprechen und alle Vorschriften befolgen, die von der katholischen Kirche befürwortet werden. Diese Grundsätze sind unantastbar. Wenn man mit diesen Prinzipien nicht in Übereinstimmung ist, verlässt man die katholische Kirche. Dies ist der Fall von mehreren protestantischen Kirchen. Eine grundlegende Änderung ist jedoch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingetreten. Dieses Konzil ist das Ergebnis eines langen Stroms von Reflexionen, welche viele Kirchenmänner, aber auch außerhalb der Kirche bereits im 19. Jahrhundert animierten. Nach einem langen Kampf zwischen den Verteidigern der Tradition und den Progressisten waren letztere in der Lage, ihre Vision einer großen Reform im Zweiten Vatikanischen Konzil durchzusetzen. Für diese Anhänger gilt es, die Kirche den politischen, technischen und sozialen Innovationen, die die Entwicklung der Welt kennzeichnen, anzupassen. Für die Verteidiger der Tradition gilt das Gegenteil. Es muss sich die Welt den Grundsätzen der Kirche anpassen. Diese Humanisierung der Kirche durch die Förderung der Menschenrechte und die Zusammenarbeit mit internationalen Gremien, wurde 1963 in der Enzyklika von Papst Jean XXIII, Pacem in Terris übersichtlich dargestellt [110]. Unter Hinweis auf den Fortschritt der Wissenschaft und Technik geht es innerhalb der menschlichen Rasse zu “ intensiverer Zusammenarbeit und stärkerer Union“; Es geht darum, das „gemeinsame universale Gut“ zur stärken, das die Staaten nicht mehr laut der Enzyklika gewährleisten können. Daher fügt das Dokument logisch hinzu, „heute stellt das gemeinsame universelle Gut Probleme globaler Dimensionen dar. Sie können nicht von einer öffentlichen Behörde gelöst werden, deren Macht, Verfassung und Handlungsmöglichkeiten auch globale Dimensionen annehmen, und die ihre Wirkung auf die gesamte Erde ausüben kann. Daher ist es die moralische Ordnung selbst, die die Einrichtung einer Behörde des Weltrechtsprinzips erfordert“.

Die Enzyklika wünscht, dass diese „supranationale oder globale Macht“ nicht gewaltsam aufgestellt werde und stimmt der Deklaration der Menschenrechte von 1948, außerhalb weniger Einwände, zu. Sie fügt hinzu, „wir betrachten diese Deklaration als einen Schritt zur Schaffung der rechtlichen und politischen Organisation der Weltgemeinschaft“. [111].

Diese Richtungsänderung der katholischen Kirche ist das Markenzeichen aller Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Während seiner Weihnachts-Botschaft von 2005 hat Benedikt XVI. die Menschen aufgefordert, „die Errichtung einer neuen Weltordnung“ voranzutreiben.  [112] .

Daher ist es vollkommen logisch, dass Benedikt XVI. für die Einrichtung einer „Weltpolitischen Behörde“ in seiner Enzyklika Veritas in Caritate  [113] im Juli 2009 aufgerufen hat. Unter Hinweis auf die globale Interdependenz, erinnert der Papst „an die Dringlichkeit der Reform der Vereinten Nationen sowie die der Wirtschafts- und Finanzkrisen-Architektur“, um dem Konzept der Familie der Nationen eine internationale Realität zu geben. (…)“ [114].


 

Für eine parlamentarische Welt-Versammlung

Die Schaffung großer politischer, regionaler Bünde, die von gemeinsamen Gesetzen regiert werden, und die Bestandteile des Welt-Staats sind, müssen in einer einzigartigen Versammlung vertreten werden. Dies ist die große Herausforderung der „parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen“ (UNPA) [115]. Dieses Streben ist die logische Fortsetzung der Weltvereinigungs-Träume der federführenden Theoretiker des Globalismus (Fabian und Anhänger). Nichts ist zufällig. Die Ereignisse, die Personen und die Institute der Vergangenheit produzieren ihre Früchte, um das Babel-Gebäude zuvollenden. Deshalb verfolgt die Aktion der WFM (World Federalist Movement), deren Gründung wir im Jahr 1947 in Montreux sahen, ganz logisch die Arbeit, welche die Ihre ist. Daher ist es ursprünglich die WFM in 1992, die die Entwicklung des ersten großen Dokuments zur Einrichtung einer globalen Parlamentarischen Versammlung innerhalb der Vereinten Nationen vorantreibt: „The case for a United Nations Parliamentary Assembly“ („der Fall einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen“) von dem kanadischen Dieter Heinrich [116]. Viele Arbeiten und Besprechungen fanden anschließend in dem kanadischen Senat, im Europäischen Parlament, auf dem Forum der Jahrtausendwende im Jahr 2000 in New York, am 12. Kongress der sozialistischen Internationale usw. statt, um schließlich im September 2003 zum „Komitee für eine demokratische UNO“ zu führen. Wir müssen die deutsche Version geben, weil, wie wir sehen werden, die deutschen politischen Behörden eine führende Rolle spielen: „Komitee Für Eine Demokratische UNO“ (KDUN) [117].

Das KDUN ist das Aushängeschild innerhalb eines Executive Komitees [118], das für ein Welt-Parlament arbeitet. Tatsächlich werden seine Werke von einem anderen bereits erwähnten Institut, der WFM unterstützt. Hierzu muss man noch hinzufügen, „die Gesellschaft für bedrohte Völker“, ein deutsches Institut, das zu Gunsten der Emanzipierung von ethnischen Gruppen arbeitet und das Hand in Hand mit der UFCE (der Union föderalistischer ethnischer Gemeinschaften)  [119] und mit einer englischen NGO, der 2020 Vision Ltd. arbeitet [120].

Das KDUN mit Sitz in Berlin sagt die Trumpffarbe an, mit ihrer Satzung, ihr Engagement, den Aufbau einer weltoffenen Gesellschaft und kontinentale Integration zu fördern [121]. In dem Direktions-Komitee gibt es Vertreter aus Politik und Wissenschaft. Es ist interessant festzustellen, dass alle deutschen politischen Strömungen mit Ausnahme von den ehemaligen Kommunisten (Die Linke) vorhanden sind [122]. Im Schosse dieses Ausschusses finden wir eine Schlüsselfigur, Armin Laschet. Dieser Politiker ist der Urheber des Berichts von 2003, in dem gefordert wird, der Europäischen Union einen ständigen Sitz  [123] nach der Verabschiedung des “ Giscard-Vertrags “ (von nun an „Lissabon-Vertrag“ genannt) [in der UNO AdÜ] zu geben. Sein Einfluss ist entscheidend, da man ihn auch an der Spitze des Lenkungsausschusses des Karl-der-Große-preises findet [124]. Darüber hinaus ist die Anwesenheit von dem deutschen Mitglied des Europäischen Parlaments, Jo Leinen, in der KDUN-Direktion besonders bedeutsam, weil er eine Schlüsselrolle bei der Verabschiedung des Lissabon-Vertrags spielte [125].

Im April 2007 startete das KDUN seine Kampagne für ein Welt-Parlament unter der Führung des Vorsitzenden Andreas Bummel. Autor eines Buches mit dem Titel « Internationale Demokratie Entwickeln » [126], ist er ein ehemaliges Mitglied der Liberalen Partei, dem FDP, dessen Chef Guido Westerwelle, seit September 2009 Außenminister der Regierung Merkel wurde. Er ist auch Mitarbeiter der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ unter der Leitung von Tilman Zülch (Mitglied des Lenkungsausschusses des KDUN) und der World Federalist Movement (WFM) von New York [127].

Alle diese Akteure handeln, um die Geburt dieses neuen Welt-Gremiums voranzubringen. Wie in den offiziellen Texten erwähnt: „(…) Die „Parlamentarische Versammlung der Vereinten Nationen“ (UNPA) könnte zunächst Delegierte aus nationalen und regionalen Parlamenten haben, die ihre politische Zusammensetzung reflektieren. Eine UNPA würde daher Minderheitsparteien enthalten, die nicht der Regierung angehören. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die UNPA direkt gewählt werden. Eine UNPA wäre daher ein eindeutiger und rechtmäßiger Körper, der die Stimmen der Bürger über Fragen der internationalen Ordnung darstellt. Teilnehmer an der Kampagne denken, dass eine UNPA, einmal erstellt, von einem bloßen Beratungsgremium sich zu einem Welt-Parlament mit echtem Recht auf Information, Beteiligung und Kontrolle entwickeln würde“ (…) [128].

Diese ohne Komplexe verkündeten Ambitionen der „Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen“ (UNPA) gedeihen noch mehr, wenn man an die Unterstützung von Benedikt XVI. zur Errichtung einer „Weltpolitischen Behörde“ erinnert. Es ist selbstverständlich, dass die UNPA-Führer mit Begeisterung die Enzyklika des Papstes begrüßen [129].


 

Schlussfolgerung

Diese kurze Beschreibung der Geschichte der Befürworter des Globalismus vom Mittelalter bis Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt, dass dieser Trend sehr alt ist. Er basiert auf einer grenzenlosen Gier und der Verfolgung eines Ideals der vollständigen Kontrolle der planetarischen Ressourcen. Diese Entwicklung hat schrittweise an Geschwindigkeit gewonnen und es ist ihr gelungen, weil der globalistische Klerus, Nachfolger von Nimrod, seine Denkweise für die Neue Weltordnung aufdrängen konnte. Seit dem Fall der Berliner Mauer beschleunigen sich die Ereignisse; die Krise auch. Die Dekade 2010 wird entscheidend für die Menschheit sein, weil der Globalismus, nach der Lehre von diesen Eliten, ein übereilter Messianismus ist.

Pierre Hillard

Weiterführende Dokumente:

WALL STREET AND THE RISE OF HITLER by Antony C. Sutton

WALL STREET AND THE BOLSHEVIK REVOLUTION by Antony C. Sutton

Wall Street and FDR by Antony C. Sutton

THE NEW WORLD ORDER by H. G. WELLS

UNION NOW by Clarence K. Streit

The History of the Fabian Society by Edward R. Pease

Philip Dru: Administrator by Edward Mandell

The Anglo-American Establishment by Carroll Quigley

Internationale Demokratie entwickeln by Andreas Bummel

THE OPEN CONSPIRACY by H. G. Wells


Autor Pierre Hillard ist Doktor der politischen Wissenschaften und Professor der Internationalen Beziehungen. Seine Forschung betrifft hauptsächlich die Handhabung der Europäischen Union im Hinblick auf die Errichtung eines euro-atlantischen Blockes. Letztes veröffentlichte Werk : Bertelsmann : Un empire des médias et une fondation au service du mondialisme (François-Xavier de Guibert éd., 2009)

Text- und Grafikquellen: «Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“», von Pierre Hillard, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 24. Mai 2013, www.voltairenet.org

Fußnoten:

  1. « [U.S move sows confusion in EU », par Charles Forelle, The Wall Street Journal, 2 février 2010.
  2. Offizielle Website von Eurasec.
  3. « L’Union douanière, créée par la Russie, le Kazakhstan et la Biélorussie », dossier de Ria Novosti.
  4. « Eurasie : le président kazakh prône la création d’une monnaie unique, l’evraz », Ria Novosti, 11 mars 2009.
  5. « CEEA : la création d’une monnaie unique au menu d’entretiens russo-kazakhs », Ria Novosti, 14 mars 2009.
  6. Offizielle Website von UNASUR.
  7. Am 26. November 2008 haben bei einem Treffen in Caracas einige Länder Südamerikas beschlossen, das Terrain vorzubereiten, indem sie den „Stabilisierungs- und Reserve Fonds“ erstellen; Das ist eine Recheneinheit, genannt „SUCRE“ (Système Unitaire de Compensation Régionale) [Systemeinheit für regionalen Ausgleich]. Diese Rechnungseinheit ist auch Antonio José de Sucre (1795-1830) gewidmet, der Leutnant im Dienste von Simon Bolivar war.
  8. Offizielle Website von Assemblée Parlementaire Euro-Latino Américaine.
  9. Offizielle Website von SICA.
  10. Offizielle Website von Union africaine.
  11. Offizielle Website von NEPAD.
  12. Beschreibung der Union africaine auf der Website des französischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten.
  13. Offizielle Website vom GCC.
  14. « Proposed GCC currency name ‘too general’ », Trade Arabia, 16 décembre 2009.
  15. « La Chine espère populariser le yuan au sein de l’Asean » [„China hofft die Yuan im Schoss der ASEAN-Staaten zu popularisieren“] Les Echos, 31 décembre 2009.
  16. Offizielle Website von PSP.
  17. La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, [Der unaufhaltbare Marsch der Neuen Weltordnung] par Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2007), p. 21.
  18. Ibid., pp. 86-87
  19. La décomposition des nations Européennes : De l’union euro-Atlantique à l’Etat mondial, [Der Zerfall der europäischen Nationen : Von der euro-atlantischen Union zum Weltstaat] von Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2005), p. 137 et La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op. cit, p. 79.
  20. « Résolution du Parlement européen sur l’état des relations transatlantiques après les élections qui ont eu lieu aux États-Unis » (2008/2199(INI)), Réseau Voltaire, 23 mars 2009.
  21. « La Russie et la Chine proposent une monnaie commune globale », Réseau Voltaire, 11 juillet 2009.
  22. Die Revue The Economist kündigte Januar 1988 die Einführung einer Weltwährung namens „Phoenix“ für 2018 an. Es ist noch Zeit.
  23. « Discours d’acceptation », par Herman von Rompuy, Réseau Voltaire, 19 novembre 2009.
  24. Ethnische und religiöse Forderungen sowie die Opposition zwischen reichen und armen Regionen werden die Zersetzung der Staaten in der Welt beschleunigen. Dieses Phänomen kann insbesondere durch die Übertragung der obersten Autorität auf politische Zusammenschlüsse, auf Kosten der Staaten, erklärt werden, die nicht mehr ihre Daseinsberechtigung haben. Das Auseinanderbrechen der Staaten wird global sein. Einige Führer der US-Föderativen Staaten von Texas und Vermont wollen sich bereits abspalten. In Bezug auf Europa ist Belgien mit Flandern oder Spanien mit Katalonien in großer Gefahr. Solche regionalistische Ansprüche, die zur Zersplitterung von Staaten führen, sind nötig, um die Realisierung der neuen Weltordnung zu erreichen.
  25. Bis Anfang Januar 1973 teilte Frankreich mit den Privatbanken das Recht, Geld zu erstellen. Für den Bau von Sozialwohnungen z.B., entlehnte der Staat bei der Zentralbank, die das Geld für diesen Fall schuf. Anschließend wurde das Darlehen vom Staat zurückgezahlt, während die Bank dieses Geld vernichtete; also ein Kapital, praktisch ohne Zinsen. Jedoch hat sich der Staat selbst mit dem Artikel 25 des Gesetzes Pompidou-Giscard d’Estaings vom 3. Januar 1973 verboten, bei der Zentralbank Anleihen zu machen. Er nimmt sich daher die Geldschöpfungsmöglichkeit, es sei denn, er frage bei privaten Akteuren an, denen er Zinsen zahlen muss, und zu einem harten Preis. Diese Richtlinie verhindert demzufolge wirkliche soziale Politikgestaltung, die öffentliche Investitionen zu teuer machen und was gleichzeitig den Anstieg der Staatsverschuldung verursacht. Dieses Prinzip ist im Vertrag von Maastricht (1992) in Artikel 104A verankert und wurde in Artikel 123 des Lissabon-Vertrags umgesetzt. Die EU-Staaten sind daher von der finanziellen Oligarchie völlig abhängig.
  26. Ein großer Teil dieses Kapitels basiert auf der Arbeit des amerikanischen Historikers Carroll Quigley (1910 – 1977) Professor auch an der Georgetown University: The anglo-american Etablishment, GSG § Associates, 1981. Insbesondere war er Professor für… Bill Clinton.
  27. Der Start im Juli 2009 eines Projektes der Solar-Panels in Nordafrika und im Nahen Osten, um Europa mit Energie zu versorgen wird im Rahmen von « Desertec » getan. Die deutsche Niederlassung des Club of Rome, das Deutsche Luftfahrt und Luftraum- Zentrum und Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, haben stark zum Projekt beigetragen. Indirekt hilft diese Energiepolitik, die südlichen Mittelmeer-Staaten zur Europäischen Union und in der Folge auch zu der Euro-Atlantischen Achse im Rahmen der Interdependenz noch stärker zu integrieren.
  28. Dies ist der Fall von « Corridor de Nasco » mit dem Aufkommen eines nordamerikanischen Blocks.
  29. Empfänger von Cecil Rhodes Stipendien in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, in Australien, in Südafrika usw. werden auf den Websites der verschiedenen Schulen vorgestellt.
  30. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontrollierte das Cecil Rhodes-Team den Times von London, die für politische und wirtschaftliche Eliten reservierte Zeitung, die auch vor allem dieser großen kommerziellen Aristokratie angehörten. Das nennt man im geschlossenen Kreislauf arbeiten.
  31. Anglo-american Etablishment, op. cit, p. 169.
  32. Der Ausdruck „Milner-Gruppe“ wird verwendet, um politische, wirtschaftliche, militärische und journalistische Personen zu bezeichnen, die den Idealen von Alfred Milner und seinem Mentor, Cecil Rhodes nahestanden.
  33. Ibid., p. 133.
  34. Wir stützen uns auf die Arbeit von Edward R. Pease, The History of the Fabian Society (EP Dutton and Company, 1916), oft veröffentlichtes Buch.
  35. Offizielle Website von Fabian Society.
  36. Robert Owen basierte auf den Grundsätzen des Philosophen Platon, insbesondere sein Buch die Republik, in der er das Ideal einer aristokratischen von der Elite geführten Gesellschaft verteidigte, in der er die Ehe beseitigte, sowie die Reproduktion der Besten förderte. Diese Theorie bekam Anhänger. Man findet diese Konzepte in Brave new World von Aldous Huxley, in 1984 von Orwell oder in manchen Werken von Herbert George Wells, führendes Mitglied der Fabian-Gesellschaft.
  37. Die Universität von Oxford wurde zu einem der Zentren der Rekrutierung der Eliten dank der „Cecil Rhodes-Stipendien“ für Großbritannien.
  38. Denken wir daran, dass alles zusammenhängt.
  39. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehören 200 britische Parlamentarier der Fabian Gesellschaft an, wie der ehemalige Premierminister Tony Blair (Förderer der als „dritter Weg“ bezeichneten Wirtschaftspolitik, schlechthin ein Fabian-Prinzip) oder Gordon Brown.
  40. Er scheint nicht Zufriedenheit gefunden zu haben.
  41. Werk 1928 erschienen, Neuauflage in 1931 unter dem Titel What are we to do with our Lives ?.
  42. The War That Will End War, von H. G. Wells. Version française : La destruction libératrice, réédité aux Editions Le passé du futur, Grama, Bruxelles, 1995, p. 214.
  43. Ibid., p. 134: « Es war in einer etwas ungläubigen Atmosphäre, als das Treffen begann, um die neue Weltordnung zu etablieren“.
  44. The New World Order, von H.G Wells, Neuauflage von Filiquarian Publishing, LLC, 2007.
  45. Die meisten der Wirtschaftsmanager der Obama-Administration kommen von der Pilger-Gesellschaft.
  46. Siehe The Anglo-American Etablishment, op. cit, Seite 82 und 117 u.f..
  47. Offizielle Website von Round Table.
  48. Die Firma JP Morgan, Pfeiler der angelsächsischen Finanz, wurde von John Pierpont Morgan (1837 – 1913) gegründet.
  49. Siehe die Werke vom außergewöhnlichen Anthony Sutton (1925 – 2002), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hoover Institution, Stanford University, die die Unterstützung der Wall Street auf die drei folgenden Elemente beschreiben: Wall Street and the bolshevik revolution, [Wall Street und der Oktoberrevolution], Arlington House, 1974; Wall Street and FDR (Anmerkung des Herausgebers: Franklin Delano Roosevelt) und Wall Street and the rise of Hitler [Wall Street und der Aufstieg Hitlers]. Man muss auch diese dreibändige Reihe hinzufügen: Western Technology and Soviet economic Development 1917-1930; Western Technology and Soviet economic Development 1930-1945 und Western Technology and Soviet economic Development 1945 bis 1965, das aus Erster-Hand Dokumentation die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung des Westens für die Sowjetunion und ihre Spießgesellen beweisen.
  50. Wir laden den Leser ein, sich für Basil Zaharoff (1850-1936) zu interessieren, der ein Vermögen mit dem Verkauf von Waffen an die Akteure des Konflikts 1914-1918 machte.
  51. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, p. 57.
  52. Ibid., pp. 83.
  53. Ibid., p. 82. Es ist interessant festzustellen, dass Harry Hopkins (1890 – 1946), der später die graue Eminenz des Präsidenten Roosevelt wurde, der Vermittler zwischen dem amerikanischen Roten Kreuz, unter der Leitung von William Boyce Thompson in St. Petersburg 1917, und seiner Vertretung in Washington war in Ibid., p. 72.
  54. Ibid., pp. 89-100. Das dem Lloyd George präsentierte William Boyce Thompson-Memorandum ist in seiner Gesamtheit auf Seite 197 ff. bis zum Absatz mit dem Titel „Dokument 4“ nachzulesen.
  55. Pétrole, une guerre d’un siècle, von William Engdahl (Editions Jean-Cyrille Godefroy, 2007), S. 94 ff. [A Century of War ; anglo-american Politics and the new world order. Pluto-press, 2004. “Mit der Ölwaffe zur Weltmacht” Jochen Koop Verlag 2006
  56. Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, Kapitel 1 bis 5 und besonders S. 47.
  57. The anglo-american Etablishment, op. cit, S. 182.
  58. Neben Großbritannien und seinen Dominien zögerte Lionel Curtis nicht hinzuzufügen: Frankreich, die skandinavischen Länder, Irland, Ägypten, Indien, Belgien, die Niederlande, Kanada und die Vereinigten Staaten. Diese Projekte wurden in seinem Buch in einer einzigen Ausgabe 1938 veröffentlicht: The Commonwealth of God in The Anglo-American Etablishment, op. cit pp. 282-283.
  59. Union Now: A Proposal for a Federal Union of the Democracies of the North Atlantic, von Clarence Streit (Harper & Brothers Publishers, 1939).
  60. The Anglo-American Etablishment, op. cit, p. 283.
  61. « Comment le Conseil des relations étrangères détermine la diplomatie US », Réseau Voltaire, 25 juin 2004. [Wie das CFR die US-Außenpolitik bestimmt. Auch auf Russisch, Italienisch und Spanisch
  62. Präsident Wilson nannte ihn sein « alter ego ».
  63. Wall Street and FDR, op.cit, S. 92 ff.
  64. Siehe unser Buch : La Marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op.cit, p. 14 et pp. 80-81. [Der unwiderstehliche Gang der neuen Weltordnung] Philip Dru, Administrator von Edward Mandell House, Wiederauflage Robert Welch University Press, 1998.
  65. La Paneurope, [Pan-Europa] von Anne-Marie Saint Gille (Presses de l’université de Paris Sorbonne, 2003), pp. 130-131.
  66. Das Engagement von Aristide Briand auf Seiten der Paneurope, den föderalistischen und regionalistischen Grundsätzen in einem einheitlichen globalen politischen Rahmen ergeben, gestattet ein besseres Verständnis der Rede des Vertreters der Franzosen bei der Versammlung des Völkerbundes, am 5. September 1929, als er ein Bindeglied für den Bund zwischen europäischen Staaten forderte.
  67. Der englische Vertreter in dem Pan-europäischen Kongress von 1926, A. Watts, war Mitglied des Royal Institute of International Affairs von der Milner-Gruppe; in Paneurope, Op. cit, s. 148.
  68. « Richard de Coudenhove-Kalergi (1894 -1972) », Website der Association PanEurope-France.
  69. Die Paneurope spielte eine Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung von allen Texten für den Schutz der ethnischen Gruppen. Siehe in unserer Arbeit Minorités et régionalismes dans l’Europe Fédérale des Régions [Minoritäten und Regionalismen im föderalen Europa der Regionen] (Editions François-Xavier de Guibert, 4è édition, 2004) und in diesem Buch mit dem Titel des Kapitels « L’union Charlemagne » S. 75 ff.
  70. « Richard Coudenhove-Kalergi » Website der European Society Coudenhove-Kalergi.
  71. Offizielle Website der Association Paneuropa.
  72. Siehe seine prophetische Rede in Anhang 11 von „der Zersetzung der europäischen Nationen“; vor allem die Passage, wo Coudenhove die Einrichtung einer „Atlantic Union “ fordert, eine „Föderation zu dritt“ in seinem Wort, und „England wird die Brücke zwischen Europa und Amerika„. Das ist genau das, was von den Instanzen von Brüssel und Washington in einer beschleunigten Weise seit 1990 verfolgt wird. Siehe die vollständige Liste der Empfänger des Karl-der-Grosse-preises auf der Website des Comité.
  73. Wall Street and the rise of Hiter, op. cit, Kapitel 2 « The Empire of IG Farben », p. 33.
  74. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, pp. 125-126.
  75. Ibid., p. 126.
  76. Ibid., p. 60.
  77. bid., pp. 61-62
  78. Ibid., p. 50.
  79. Wir müssen auch hinzufügen, dass Hjalmar Schacht für die Existenz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank of International Settlements) verantwortlich ist. Anthony Sutton erzählt auch die entscheidende Sitzung vom 20. Februar 1933 in der Residenz von Hermann Goering die ermöglichte, in Anwesenheit von Adolf Hitler, um Mittel für die Finanzierung der NSDAP zu erhalten. Die größten deutschen Industrie-Bosse waren anwesend und boten das nötige Geld an (Albert Voegler, Krupp, von Bohlen, von Loewenfeld,…); alles geschah unter der Leitung von Hjalmar Schacht in Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, S.108.
  80. Anthony Sutton beschreibt unter anderem den starken Einfluss von Gerard Swope (1872 – 1957), Präsident von General Electric Company, der die sozialisierende Politik des Präsident Roosevelt erlaubte in Wall Street and FDR, op.cit, S. 86.
  81. Carroll Quigley erklärt unter anderem die Infiltration innerhalb des amerikanischen politischen Systems seitens JP Morgan in Tragedy and Hope. A History of the World in Our Time (GSG and Associates, 1966), S. 938.
  82. Der Englische Premierminister hat in seiner Rede in Zürich, in der richtigen Art des Globalismus, Bemerkungen gemacht, wie eine Beurteilung dieser Auszüge zulässt: «(…)» Die Europäische Union hat viel getan, um an dieses Ziel zu gelangen und diese Bewegung verdankt viel Graf Coudenhove-Kalergi und dem großen Patrioten und französischen Politiker, Aristide Briand (…). Wir Briten haben das Commonwealth. Die Organisation der Welt wird dadurch nicht geschwächt, sondern eher gestärkt und sie findet in der Tat darin ihre Meister-Pfeiler. Und warum gäbe es keinen Europäischen Verbund, der fernen, voneinander getrennten Völkern den Sinn eines größeren Patriotismus und eine Art von gemeinsamer Staatsangehörigkeit geben würde? Und warum sollte nicht eine europäische Gruppierung den Platz einnehmen, den sie verdient, in Mitten der anderen Gruppierungen und dazu beitragen, das Boot der Menschheit zu steuern? (…).Für eine deutsch-französische Aussöhnung aufrufend, fügt Churchill nun ganz im Fabian-Geiste hinzu: „Unser ständiges Ziel muss die Macht der Vereinten Nationen stärken. Wir müssen die europäische Familie erstellen, indem wir sie mit einer regionalen Struktur ausstatten, die dieser Welt-Organisation untersteht, und diese Familie kann dann Vereinigte Staaten von Europa genannt werden“, (…) in George C. Marshall, Points de repère, Lausanne, 1973
  83. Der föderalistische Einfluss wurde durch überzeugte Europäer wie Denis de Rougemont, Henri Brugmans und Alexandre Marc spürbar.
  84. Auf Seiten der USA organisierten bereits 1924 Rosika Schwimmer und Lola M. Lloyd, um die Frauensachen (Abstimmung, usw.) zu verteidigen, die erste Weltverfassungsgebende Versammlung, die von den Bevölkerungen gewählt werden sollte, um eine Welt-Verfassung auszuarbeiten. Diese Initiative wurde im Jahr 1937 in Chicago mit einer Kampagne für eine Weltregierung wiederbelebt. Es wäre sehr interessant zu wissen, wer solche Projekte finanzierte. In der Folge bereiteten andere Amerikaner die Köpfe für eine vereinte Welt vor: Emery Reves, Autor von „Anatomy of Peace“ [Anatomie des Friedens] verteidigt die Idee einer Welt-Regierung (er war auch der Literaturagent von Winston Churchill); der Politiker Wendell Wilkie mit seinem Buch „One World“; der Rechtsanwalt Clark Grenville Autor des „World Peace through World Law“ [Weltfriedens durch Weltgesetz]. Der Journalist Norman Cousins; der Journalist und demokratische Senator Alan Cranston und der Philosoph Robert Hutchins.
  85. Présentation du World Federalist Movement auf seiner Website.
  86. Deklaration von Montreux vom 23. August 1947.
  87. Siehe in unserem Buch La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale (Editions François-Xavier de Guibert, 2009), pp. 95-96 et « Geschichte der Europa-Union Deutschland auf der Website von Europa Union Deutschland.
  88. « The history of Federal Union » auf der Website des Vereins.
  89. « Regional Federalism » auf der Website des World Federalist Movement.
  90. Offizielle Website von Andrew Duff.
  91. « ECFR’s Board and Council » auf der Website von dem European Council on Foreign Relations.
  92. « Création accélérée d’un Conseil européen des relations étrangères » [Beschleunigte Schaffung eines europäischen CFR], Réseau Voltaire, 3 octobre 2007.
  93. La Fondation Bertelsamann et la gouvernance mondiale, op. cit, S. 92 ff.
  94. « Trustees » auf der Website des Rhodes Trust.
  95. Unter den vielen Teilnehmern erkennen wir Richard de Coudenhove-Kalergi, Konrad Adenauer, Denis de Rougemont, Alcide de Gasperi, François Mitterrand, u.v.m.
  96. « Histoire secrète de l’Union européenne », [Geheime Geschichte der EU] von Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 28 juin 2004.
  97. Jedoch eine Ausnahme: RTL Belgien hat während seiner Nachrichtensendung außerhalb der Bilderberg-Sitzung im Juni 2000 auf seiner Tagung in Genval in Wallonisch-Brabant aufgenommen und gesendet. Man kann Dominique Strauß-Kahn und Königin Beatrix der Niederlande erkennen.
  98. « Top candidate debates EU tax at elite dinner », von Andrew Rettman, EU Observer, 16 novembre 2001.
  99. James Camerons Avatar Film vom Dezember 2009 ist der Prototyp des Geistes „Gaia“. Ein Stamm mit vielen Qualitäten im Vergleich zu den Menschen, der kam, um ihren Planeten auszubeuten, zieht seine Stärke aus der Natur, spezieller gesagt, von einem Baum, einem wahren Gott, der Energie gibt, der sie aber auch wieder nimmt.
  100. Thomas Huxley hieß „Darwins Bulldogge ».
  101. « H.G. Wells : Darwin’s disciple and eugenicist extraordinaire », von Jerry Bergman, in Journal of Creation, December 2004.
  102. « WWF in the 60’s » auf der Website des World Wild Fund.
  103. « Presidents – past and present » auf der Website des World Wild Fund.
  104. Le Figaro, 25 janvier 1999.
  105. Voir p. 137 (chapitre 28).
  106. « Peter Sutherland, Directeur général du GATT et de l’OMC de 1993 à 1995 », auf der Website der WTO (Organisation mondiale du Commerce).
  107. « Peter Sutherland », auf der Website der Trilateral-Commission.
  108. « Membership », auf der Website der Trilateral-Commission.
  109. Unter den vielen Feldern, die an dem Bau der neuen Weltordnung beteiligt sind, können wir den Fall von der Codex-Alimentarius-Kommission erwähnen, deren Ziel es ist, für Änderungen oder Verbote von Produkten aufzurufen, die in die Zusammensetzung von Lebensmitteln (Vitamine, Mineralien,…) eingehen.
  110. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  111. Ibid., siehe die § 130 à 145.
  112. « Message Urbi et Orbi du Saint-Père Benoît XVI », 25 décembre 2005, Vatican.
  113. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  114. Ibid., paragraphe 67.
  115. Offizielle Website der Campagne pour la création d’une Assemblée parlementaire des Nations Unies.
  116. The case for a United Nations Parliamentary Assembly, von Dieter Heinrich, World Federalist Movement, octobre 1992
  117. Offizielle Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  118. « Comité exécutif » der Kampagne für die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  119. Dieses deutsche Institut ist Urheber der Schlüssel-Texte zu Gunsten ethnischer Gruppen in Europa; die Charta der Regional-oder Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz von Minderheiten. Siehe in unserem Buch Minderheiten und Regionalismen, Op. CIT. s. 142 ff..
  120. Offizielle Website von 2020 Vision.
  121. « Satzung für das Komitee für eine demokratische UNO ». Ladbares Document téléchargeable.
  122. « Associates des KDUN », auf der Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  123. Rapport sur les relations entre l’Union européenne et l’organisation des Nations Unies [2003/2049 (INI)], Rapporteur Armin Laschet, 16 décembre 2003.
  124. Beachten wir auch die Anwesenheit von Hans-Gert Pöttering im Lenkungs-Committee des Charlemagne Preises, Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, aber auch ehemaliger Vorsitzender der Europa Union Deutschland, einer Tochtergesellschaft der Union der Europäischen Föderalisten (die in Montreux 1947 erstellte UEF), welche im Jahr 2010 von dem englischen Parlamentarier in dem Europäischen Parlament Andrew Duff geführt wird.
  125. Siehe La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale, op. cit, p. 93 ff.
  126. Internationale Demokratie entwickeln, von Andreas Bummel, Horizonte Verlag, 2005.
  127. « Andreas Bummel Der Vorsitzende des Komitees für eine demokratische UNO », par Gerrit Wustmann, 11. Februar 2008.
  128. « A propos du projet APNU », auf der Website der Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  129. « Etude : la création d’un Parlement mondial serait « pleinement en harmonie avec la doctrine papale » , [Studie : Die Schaffung eines Weltparlaments wäre « voll in Harmonie mit der päbstlichen Doktrrin] 28 juillet 2009, Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
Hunger Refugee Camp

Investieren Sie weiter in den Hungertod – nachhaltig!

von Andreas Müller-Alwart

Zynismus ist eigentlich nicht angebracht, doch wie darf man das eigentlich verstehen, wenn eine deutsche Bank immer und immer wieder erklärt, Investments in Rohstoff-Agrar-Fonds seien bei ihr nicht mehr möglich, die sarkastische Wahrheit aber eine andere zu sein scheint. Die Deutsche Bank wollte im Jahr 2012 vorübergehend keine neuen börsengehandelten Finanzprodukte auf Basis von Agrar-Rohstoffen auflegen. Nach Recherche von Foodwatch und der Entwicklungsorganisation Oxfam hat sie sich nicht daran gehalten. Und so können Sie und ich in diese Welt der Ernährungswirtschaft investieren – nachhaltig versteht sich. Das ist der Zynismus von dem ich schrieb, denn die Renditen sind in der Regel gut und wirklich nachhaltig. Die Folgen für die Betroffenen, wenn es mal wieder um die Frage geht, wie lange Nahrungsmittel eingelagert und zurückgehalten werden, um die Preise in die Höhe zu treiben, während andernorts die Leute verhungern, sind bestens bekannt.

Rendite versus Ernährung

Dieser Zusammenhang ist nicht immer direkt vorhanden, aber er ist auch nicht zu leugnen. So stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank es wirklich nötig hat, ihr ohnehin seit Jahren beschädigtes Image durch dieses zweifelhafte Investment nachhaltig zu verschlechtern. Und wissen die Anleger eigentlich, dass sie involviert sind? Vielleicht schütteln Sie angesichts dieser Frage ungläubig den Kopf. Doch es ist manchmal gar nicht so einfach für einen Anleger, der z. B. einen Fondssparplan hat, zu erkennen, dass sein Investmenttopf vielleicht wieder in einen anderen Topf investiert wurde, der dann eben auch Agrar-Rohstoff-Fonds beinhaltet. Die Suche nach überdurchschnittlicher Rendite ist schließlich gerade in Zeiten niedriger Zinsen für den Großanleger ebenso eine Herausforderung wie für den Kleinsparer.

Deutsche Bank täuscht Öffentlichkeit?

Foodwatch und Oxfam sprechen jedenfalls von einer Täuschung der Öffentlichkeit. Mindestens fünf dieser unmoralischen Finanzprodukte auf Basis von Agrar-Rohstoffen seien neu aufgelegt worden, während gleichzeitig das Gegenteil versprochen worden war, erklären die beiden Organisationen. Und es bleibt dabei, dass die Banken weiterhin als Hauptargument für derartige Investitionen die Preisabsicherungsmöglichkeit für Landwirte und Großbäckereien anführen. Im Übrigen sei ja ein direkter Bezug zwischen Nahrungsmittelspekulation und Unterversorgung der Bevölkerung so nicht nachzuweisen. Diese Sichtweise soll dem Anleger vermitteln, es sei alles in Ordnung, man halte die Landwirtschaft sicher und warm und schütze sie vor Ausfällen bei Hagel, Frost und Wind. Die unbestreitbare Tatsache aber, dass Hunger ein Umverteilungsthema ist und Umverteilung etwas mit Handel und Preisbildung zu tun hat, in die Spekulationsgeschäfte nun einmal eingreifen, ignoriert diese Sichtweise eiskalt. Umso glühender und empathischer argumentieren deswegen die Befürworter, die sich für Menschenleben und deswegen gegen diese Nahrungsmittelspekulation einsetzen: Die Preisabsicherungsmöglichkeit der Landwirte ließe sich auch anders gestalten und betreffe im Übrigen nur einen Bruchteil dessen, was an Geldmengen im Agrar-Rohstoff-Handel bewegt werde. Bezeichnenderweise ist ein Vielfaches von investiertem Kapital an den Terminbörsen unterwegs, als es überhaupt abzusichernde Agrar-Rohstoffe gibt. Der impulsivste Verfechter des Ausstiegs aus diesen Spekulationen ist sicherlich Jean Ziegler. Seine Bücher sind Beststeller und seine Sprache ist mit der gleichen Deutlichkeit im medialen Raum unterwegs, mit der sich ein Hungergefühl im Bauchraum eines Unterernährten rumpelnd und polternd bemerkbar macht. Man kann seine Erkenntnis nicht ignorieren:

„Nahrungsmittelspekulation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“,

sagte er immer wieder – z. B. in einem Interview im September 2012 in der Süddeutschen Zeitung. 

Mit dem Hungertod und dem Investment in Agrar-Rohstoff-Fonds ist das so ein wenig wie mit unserem Fleischkonsum. Viele von den Menschen, die live bei einer Ausschächtung im Schlachthof dabei waren, haben danach das Bedürfnis weniger, bewusster oder gar kein Fleisch mehr zu essen. Man muss es erlebt haben, man muss diese Betroffenheit spüren, man muss fühlen, dass man eine Verantwortung dafür trägt, dass ein Tier stirbt. Der in Scheiben aufgeschnittenen, in Plastikfolie eingeschweißten Lyoner ist die Massentierhaltung und der unvermeidliche Tod der Sau nicht mehr anzusehen – die Packung ziert nicht der Schlächter und nicht das ausblutende Vieh, sondern das glückliche Tier auf dem – oft nicht existierenden – Bauernhofidyll der Umverpackung. Dies soll erleichtern, die eigene Verantwortung und Betroffenheit zu übersehen und zu übergehen.

Investiere nur in etwas, das Du wirklich verstehst …



Mit dem Hunger ist es das Gleiche: Wer hat schon jemals von uns direkt einen Bezug zu einem Hungernden gehabt? Wer von uns hat schon jemals selbst gehungert? Wer von uns weiß, dass Hungernde ab einem bestimmten Stadium der Unterernährung nur noch mit Spezialnahrung und auch dann kaum noch zu retten sind? Und wer weiß schon, dass es bis zum bitteren Ende eine Qual ist? Wer würde – wirklich mit dem Hungertod direkt in Berührung stehend – noch ein solches Investment tätigen wollen? Wer würde sich hinter der Scheindebatte verstecken wollen, dass ein direkter Zusammenhang nicht direkt bewiesen ist? Die Mehrzahl der Anleger würde einem solchen Investment ausweichen, und zwar schon dann, wenn es unmoralisch sein könnte – und nicht erst, wenn dies bewiesen ist. Aber auf dem Fondsprospekt sind keine Bilder verdorrter Felder oder hungernder Menschen zu sehen, die auf unsere vollgefüllten Getreidelager starren, die an anderer Stelle dieses Planeten auf einen Preisanstieg und maximale Rendite warten. Nein – ein solches Investment funktioniert nur, weil die PR-Maschinerie es den Leuten als etwas anderes verkauft und ihnen somit ein relativ reines Gewissen einzuschenken versucht. Nur wer nicht hinter die Verpackung schaut, nur wer beide Augen zumacht, wird nichts Unmoralisches finden. 
Witzig: Eine alte Anleger-Binsenweisheit besagt eigentlich, man solle nicht in etwas Investieren, das man nicht wirklich kennt und versteht. Meine Empfehlung: Einfach mal zwei Wochen hungern und dann prüfen, ob das ein Investment ist, das einem liegt. Sie sehen: Der Zynismus bleibt uns bei diesem Thema als roter Faden erhalten.

Es ist schade: Was wäre das für ein toller Bericht, wenn ich hier mal schreiben könnte: „Die Deutsche Bank hat es verstanden!“ Hat sie aber nicht. Sie kann Werbung, sie kann PR und sie kann Investment. Für die Empathie, dafür den Kundenwillen aufzunehmen und die Unmoral zu schmecken, reicht es nicht. Die Deutsche Bank wolle sich ernsthaft ändern? So die Erklärung erst kürzlich vor der Hauptversammlung. Wenn die Änderung so aussieht, dass man weiter macht wie bisher, so ist diese Ankündigung eine Drohung – sie erscheint als Warnung. Sie hat die Glaubhaftigkeit eines zum dritten Mal verurteilten Sexualstraftäters, der vor Gericht beteuert, dass er sich ändern wolle und werde. Die besonders kritischen Finanzproduktstrategien – wie z. B. die Momentumstrategie – sind auch weiterhin im Produktportfolio. Veränderung sieht wirklich anders aus.

Foodwatch hat deswegen auf seiner Website eine Aktion gestartet, mit der sich Jedermann gegen diese Spekulationen wenden kann. Über 60.000 Personen hatten sich bislang eingetragen – es könnten gerne ein paar Millionen werden. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich hier schreiben kann, welche Investments eingestellt wurden. Und noch mehr würde ich mich über den Tag freuen, an dem wir kein Umverteilungsproblem bei Nahrungsmitteln mehr haben und keiner mehr Hunger leiden muss.

World Foot Programme

Eigentlich – und nicht eigentlich, sondern mit Sicherheit – müsste ein weiterer Protest gestartet werden, denn es gibt auch zahlreiche politische Komponenten, bei denen einfach vor dem Hunger in der Welt die Augen verschlossen werden, z. B. beim Welternährungsprogramm. „Das WFP hatte 2008 ein Budget von sechs Milliarden Dollar, heute sind es 2,8 Milliarden Dollar – wegen der Bankenrettung. Es gibt keine Opposition gegen Kürzungen beim WFP.“ Das WFP (World Food Programme, Welternährungsprogramm (WEP)) lebt von Zuschüssen und Spenden.

Hungernde weltweit

Die Zahl der Hungernden hat im Vergleich zu 1990 bereits abgenommen.Aber das Milleniumsentwicklungsziel wurde noch nicht erreicht. Momentan leiden 868 Millionen Menschen an Hunger. Das sind im Vergleich zu 1990 136 Millionen Hungernde weniger.

Anzahl der Hungernden weltweit

1990-1992 1 Mrd.

1999-2001 919 Mio.

2004-2006 898 Mio.

2007-2009 867 Mio.

2010-2012 868 Mio.

Gemessen in Prozent an der Weltbevölkerung

1990-1992 18.6 %

1999-2001 15.0 %

2004-2006 13.8 %

2007-2009 12.9 %

2010-2012 12.5 %

«So unterstützte WEP im Jahre 2008 102 Millionen Menschen in 78 Ländern mit Ernährungshilfe. 2012 musste WEP über 90 Millionen Menschen in 75 Ländern mit Ernährungshilfe unterstützen.

Obwohl das extrem hohe Preisniveau mittlerweile gesunken ist, kostet Getreide immer noch deutlich mehr als vor der Nahrungsmittelkrise. Dies trifft Menschen in Armut, die schon vorher zwei Drittel bis drei Viertel ihres Einkommens für Essen ausgeben mussten, sehr hart. Die Welternährungskrise gefährdet somit auch die bisherigen Erfolge im Kampf gegen den Hunger: Noch vor 30 Jahren hungerte mehr als jeder dritte Mensch auf der Erde. Heute ist es noch jeder sechste, und das trotz Welternährungs-, Wirtschafts- und Finanzkrise und einer massiven Zunahme der Weltbevölkerung.»

Wie wäre es denn mal mit einem Investment in eine solche Einrichtung? Und wo bleibt der Protest, wenn Milliarden – ach was: Billionen – zur Bankenrettung investiert werden, aber das WFP immer weniger Geld erhält? Da werden auch noch die gerettet, die nicht einmal auf Nahrungsmittelspekulationen verzichten wollen oder wie ist diese Logik eigentlich zu verstehen?

Mein Tipp für alle Unterstützer des Rohstoffhandels und des ungebremsten Fleischkonsums: «Gehen Sie mal in einen Schlachthof und schauen Sie sich die Tierschlachtung an. Sie bekommen sofort wieder mehr Respekt und werden achtsamer – bezogen auf Ihren Fleischkonsum. Vielleicht ist weniger mehr. Und dann gehen Sie doch einfach mal in die Deutsche Bank und fragen nach diesen Fonds. Der Fondsverkäufer möge Ihnen doch mal erklären, warum dieses Investment solche Renditen erwirtschaftet, wo es doch eigentlich nur eine Schadensabsicherung für Landwirte ist. Und er möge Ihnen erklären, wie man sicherstellen kann, dass diese Spekulationsgeschäfte nichts mit dem Hunger- und Umverteilungsproblem zu tun haben. Dann nehmen Sie den Prospekt mal mit, notieren sich die Fakten aus der Beratung und recherchieren Sie einmal selbst, ob dieses Investment moralisch oder unmoralisch ist. Beim Wurstkauf schauen Sie inzwischen ja auch auf die Verpackung, woher die Wurst kam und welche Inhaltsstoffe darin enthalten sind. Falls nicht: Weiterhin guten Appetit und maximale Rendite!»

Andreas Müller-Alwart


Autor:

Andreas Müller-Alwart ist selbständiger Journalist, Coach sowie Requirement Engineering Manager und Mitglied des Reflektion-Teams.

Weiterführende Literatur/Links
:

  1. Interview mit Jean Ziegler – http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jean-ziegler-im-gespraech-nahrungsmittelspekulation-ist-ein-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-1.1469878
  2. Aktion von foodwatchhttps://www.foodwatch.org/de/informieren/agrarspekulation/e-mail-aktion-deutsche-bank/
  3. Mehr über die Arbeit von Jean Ziegler (seine Homepage) – http://www.righttofood.org/
  4. Welternährungsprogrammhttp://de.wfp.org/?gclid=CLGBqYX3t8ACFesBwwodq6gALg
  5. Tipp – anschauliche Grafiken zum Thema Hungerfakten!
 – http://cdn.wfp.org/de/hungerfacts/index.html
  6. Weiteres Illustrationsmaterial (über WFP)http://de.wikipedia.org/wiki/Welternährungsprogramm_der_Vereinten_Nationen

 Bild- und Grafikquellen:

  1. Alles über die UN World Food Programme – http://de.wfp.org/artikel/infografik-alles-über-wfp
  2. Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen sowie das Zitat – http://de.wikipedia.org/wiki/Welternährungsprogramm_der_Vereinten_Nationen
  3. Beitragsbild: «Hunger» – http://rationalfaiths.com/language/de/milgram-pt-2/