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Energetisiertes Wasser – Universität lüftet Geheimnisse um Wasser

Die Entdeckung des hexagonalen Wassers

von David Rotter

Hexagonales Wasser: An der Universität Washington wurde ein vierter Zustand des Wassers entdeckt, der nicht nur chemische Anomalien, sondern auch die Wirkung von energetisiertem Wässer erklären könnte.

Vierter Aggregatzustand des Wassers entdeckt

Ein Forschungsteam an der Universität Washington könnte das Geheimnis des Wassers gelüftet haben. Das Team um Gerald Pollack entdeckte einen vierten Aggregatzustand des Wassers: Neben fest, flüssig und gasförmig konnten die Forscher einen vierten Zustand identifizieren, in dem sich die Moleküle des flüssigen Wassers zu einem hexagonalen „Kristallgitter” anordnen.

Dieser ‘EZ-Wasser’ genannte Zustand zeigt einige erstaunliche Eigenschaften, der unser Bild vom Wasser auf den Kopf stellen und viele langjährige Rätsel lösen könnte.

Wasser – ein Mysterium

Moleküle WasserWasser ist ein mysteriöser Stoff – und das in ganz wissenschaftlicher Hinsicht. Trotz 200 Jahren Wasser-Forschung ist es der Wissenschaft bisher nicht gelungen, das allgegenwärtige Nass wirklich zu verstehen. Die offizielle Theorie zum Wasser ist voller Löcher – den so genannten ‘chemischen Anomalien’, die sich mit der herkömmlichen Theorie nicht zufriedenstellend erklären lassen.

Gefrierpunkt, Siedepunkt, Dichte, Oberflächenspannung – selbst bei diesen grundsätzlichen Dingen verhält sich Wasser praktisch anders, als es sich der Theorie nach rechnerisch eigentlich verhalten sollte.

Aber auch abseits der Wissenschaft ist Wasser ein faszinierender Stoff. Es ist der Ursprung und das Elixir des Lebens, der Hauptbestandteil unserer Körper und unser wichtigstes Nahrungsmittel mit weitreichenden Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

In den letzten Jahren beschäftigten sich darum immer mehr Alternativforscher mit dem Thema Wasser als einem der wichtigsten Mittel zur Heilung von Krankheiten und zur Erhaltung der Gesundheit, woraus unzählige Systeme zur Filterung, Verwirblung und Energetisierung von Wasser hervorgingen. Bisher allerdings standen diese Dinge auf wissenschaftlich recht dünnen Beinen, was es schwer machte, die verschiedenen Verfahren wirklich einzuschätzen.

Nun stellen Forscher aus den USA eine neue Theorie des Wasser vor, die möglicherweise nicht nur die Anomalien des Wassers erklären könnte, sondern auch eine schulwissenschaftliche Grundlage für die Trinkwasserveredlung bieten könnte.

EZ-Wasser

Bulk waterDie Forscher stellten fest, dass sich Wasser in der Nähe von hydrophilen Flächen – wie überall in unserem Körper – selbstständig zu ordnen beginnt. In der Nähe der Fläche teilt sich das Wasser in zwei Schichten, wobei sich eine Schicht in eine völlig neue Form von Wasser verwandelt, die sich von herkömmlichem H20 drastisch unterscheidet.

Diese nur etwa einen viertel Millimeter dicke Zone mit dem mysteriösen Wasser wurde „Exclusion Zone” (EZ) getauft, weil sich das Wasser in dieser Zone nicht nur ordnet, sondern faszinierender Weise auch selbst reinigt: Die EZ enthält eine sehr reine Form von Wasser, die alle gelösten Stoffe aus der EZ-Zone verdrängt. In der Nähe der Fläche bildet sich also eine Schicht völlig reinen Wassers, während alle gelösten Stoffe in die andere Schicht verdrängt werden.

Dieses Phänomen ist schon länger bekannt und es gibt zahlreiche Versuche, es mit herkömmlichen Theorien zu erklären. Pollack konnte jedoch in fast zwei Jahren Arbeit mit seinem Team alle diese Theorien als Erklärung ausschließen.

Doch damit nicht genug: Das Wasser in der EZ zeigte völlig neue Eigenschaften, wie einen veränderten elektrischen Widerstand, eine höhere, fast gel-artige Viskosität, eine starke Absorption von Infrarotlicht, einen veränderten ph-Wert und eine deutliche negative Ladung.

Hexagonales Wasser – Ein flüssiger Kristall

Hexagonales WasserErstaunt untersuchten die Forscher das „EZ-Wasser” und stellten fest, dass es sich dabei um eine Art flüssiges Eis handelt. Die Moleküle des Wasser gaben Protonen ab und ordneten sich in einem erstaunlich stabilen, hexagonalen Gitter – eine Struktur, die auch in Eis und einigen Kristallen vorkommt. Im Gegensatz zu Eis ist diese Kristallmatrix im EZ-Wasser nicht völlig fest, aber doch stabil genug, um ihre Form zu halten und alle gelösten Stoffe zu verdrängen.

Im Gegensatz zu gewönlichem Wasser, dass aus mehr oder weniger frei herumwirbelnden H20-Molkülen besteht, die nur für Sekundenbruchteile größere Cluster bilden, war das EZ-Wasser also eine Art flüssiger Kristall von höchster Ordnung.

EZ-Wasser ist aber nicht nur besonderes Wasser, eigentlich, so musste Pollack bei näherem Hinsehen feststellen, war das Wasser in der EZ-Zone streng genommen überhaupt kein Wasser mehr. Denn das Verhältnis von Sauerstoff zu Wasserstoff betrug nicht 1:2 (H2O), wie in normalem Wasser, sondern 2:3 (H3O2), womit das EZ-Wasser auch chemisch eine völlig andere Form von Wasser darstellt.

Neben flüssig, fest und gasförmig hatten die Forscher also einen neuen Aggregatzustand des Wassers entdeckt. Dieser kommt aber nicht nur im Inneren des Körpers vor, wie sich bald herausstellte, sondern er ist eine bisher unentdeckte Zwischenform zwischen flüssigem und gefrorenem Wasser: Wasser passiert diesen EZ-Zustand also immer dann, wenn es friert oder wenn Eis schmilzt. Frisches Gletscherwasser hat darum einen extrem hohen EZ-Gehalt und dürfte darum, wie sich weiter zeigte, für den Menschen besonders gesundheitsfördernd sein.

Lebendiges Wasser

lebendiges_WasserDie Ergebnisse verblüfften die Forscher und es war relativ schnell klar, dass EZ-Wasser besonders in lebenden Organismen eine große Rolle spielen könnte.

Zunächst aber war das Rätsel zu lösen, woher das Wasser überhaupt die Energie nahm, eine solche hoch geordnete Struktur aufrecht zu erhalten. Nach einigen Versuchen war die Lösung gefunden: Aus Licht, besonders dem unsichtbaren Infrarotlicht. Wurde der Versuchsaufbau gegen Licht Strahlungen abgeschirmt, konnte sich kein EZ-Wasser bilden, mit Sonnenlicht und Infrarotlicht konnte die Bildung hingegen sogar ausgeweitet werden: Eine Bestrahlung vergrößerte die EZ-Zone um das Dreifache.

Auch dies war eine faszinierende Erkenntnis: Das Wasser speichert die Energie des Sonnenlichts in Form einer geordneten, hexagonalen Kristallstruktur. Das Wasser war nicht esoterisch sondern ganz physikalisch tatsächlich „energetisiert”.

Der Potenzialunterschied zwischen EZ-Wasser und normalem Wasser ist sogar so groß, dass er elektrisch nutzbar ist wie Pollack inzwischen zeigen konnte. Der Ladungsunterschied zwischen den beiden Zonen ist groß genug, dass er wie eine winzige Batterie funktioniert – Energie direkt aus Sonnenlicht, mit nichts weiter als Wasser.

Für den Körper spielt nicht nur die elektrische Energie, sondern vor allem die Struktur selbst eine bedeutende Rolle.

Wasser im Körper

Weil die Abstände zwischen und in unseren Zellen so klein sind, besteht das interzelluläre und intrazelluläre Wasser zu großen Teilen aus EZ-Wasser. Allein das ist schon eine Erkenntnis, die zentraler nicht sein könnte: Wasser in lebenden Organismen unterscheidet sich chemisch, strukturell und funktional deutlich von dem, was wir gewöhnlich unter Wasser verstehen. Es ist kein H20, sondern ein hoch geordnetes, kristallartiges Medium.

Pollack konnte durch seine Forschungen zeigen, dass ein Verständnis des EZ-Wassers völlig neue Perspektiven auf die Abläufe in lebenden Zellen eröffnet. Vermeintlich komplexe Funktionen der Zelle lassen sich plötzlich sehr einfach erklären, wenn man das in den Zellen enthaltene Wasser mit in den Blick nimmt.

EZ-Wasser, so die These Pollacks, ist der Motor des Lebens, der besonders die Funktion von Kapillaren, Zellmembranen und Membran-Tunneln erklärt. Aber selbst die Funktion von Proteinen, wird erst durch das Vorhandensein von geordnetem Wasser überhaupt erst wirklich beschreibbar. Wasser ist damit weit mehr als nur der Hintergrund biologischer Abläufe oder ein reines Lösungsmittel – es ist selbst ein integraler Bestandteil dieser Funktionen.

Lebendiges Wasser interagiert strukturell mit den Proteinen und Zellkörperchen. Die Idee, dass Wasser nur ein generischer Stoff mit mehr oder weniger zufälliger Struktur ist, oder dass zwei Proben Wasser grundsätzlich in ihrer Struktur und Funktion identisch wären, ist damit widerlegt – eine Tatsache die unser Verständnis biologischer Abläufe deutlich verändern könnte.

Geordnetes Wasser – Grundlage der Gesundheit?

Wenn dies so ist, so lautet Pollacks These, muss die Erhaltung von geordnetem Wasser eine zentrale körperliche Funktion sein – mit weitreichenden Konsequenzen.

„Wir wissen heute, dass die meisten Makromoleküle ohne das EZ-Wasser zusammenbrechen und ausfällen würden – sie könnten nicht einwandfrei funktionieren. Nun beruhen viele Krankheiten anerkannter Weise auf Funktionsstörungen von Proteinen oder deren Regulierungssystemen. In einem solchen Protein-zentrierten Netzwerk, kann eine Funktionsstörung also durch zwei Komponenten entstehen: durch das Protein selbst oder das EZ Wasser, welches das Protein umhüllt.”

Die Forschungen hierzu haben gerade erst begonnen und doch schon einige erstaunliche Ergebnisse gezeitigt. Pollack konnte zeigen, wie verschiedene Substanzen die Bildung von EZ-Wasser verhinderten, während andere sie begünstigten.

Was, so fragte sich Pollack, wenn man die Funktion von Proteinen allein dadurch wieder herstellen könnte, dass man das Wasser um sie herum beeinflusst? Und wie könnte das erreicht werden? Infrarotlicht und bestimmte Elektromagnetische Impulse wären die ersten naheliegenden Kandidaten, deren Wirkung das Team untersuchen möchte. EZ-Wasser, so konnte Pollack zeigen bildet sich außerdem vermehrt durch eine Zufuhr von Sauerstoff und durch die Einnahme von Antioxidantien, welche die negative Ladung des EZ-Wassers erhalten.

Der wichtigste Kandidat für die nähere Forschung liegt aber noch viel näher: unser Trinkwasser.

Energetisierende Wirbel und Heilende Quellen

Auf der Suche nach heilendem Wasser untersuchten Pollack und seine Kollegen verschiedene Wässer, denen eine besondere gesundheitliche Wirkung zugeschrieben wurde.

Während bei einigen Heilquellen vor allem der Mineralgehalt eine Rolle zu spielen schien, zeigte sich auch, dass auch der Gehalt an EZ-Wasser durchaus an den Effekten beteiligt sein könnte. Sowohl sehr reine Gletscherquellen, als auch tiefe Quellen, als auch Wasser aus Verwirblern zeigten einen besonders hohen EZ-Anteil.

Pollack konnte auch zeigen, dass die Struktur des EZ-Wassers in Modellversuchen selbst bei den PH-Werten der Magensäure intakt blieb, und vermutlich auch in vivo in dieser Form von den Geweben aufgenommen wird. Dies hat positive Auswirkungen, wie Pollack weiter zeigen konnte, da das EZ-Wasser die Zellen aufgrund seiner Ladung sehr viel effektiver hydriert, als jedes gewöhnliche Wasser.

Paradigmenwechsel?

Die Forschungen Pollacks sind in vielfacher Hinsicht faszinierend. Wasser, so scheint es, ist mehr als nur dieser nebensächliche Stoff im Hintergrund unserer biologischen Abläufe. Es ist ein Teil davon.

Es scheint fast, als hätte die bisherige Forschung hier womöglich mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Genau wie in der Physik, wo Physiker nun erst seit einigen Jahren die Hypothese aufstellen, der Raum selbst könnte ein geordnetes Energie-Medium sein, welches die Dinge darin beeinflusst, entdeckt Pollack das Wasser wieder als einen wesentlichen Bestandteil der Biochemie. Eine faszinierende Analogie, wo Antworten plötzlich im vermeintlich leeren Raum zwischen den Dingen auftauchen, die wir seit Jahren untersuchen.

Mehr noch: Pollack ist eine wichtige Stimme im immer lauter werdenden Chor von Forschern, die feststellen, dass Wasser weit mehr ist, als in den Schulbüchern steht: Wasser kann sehr unterschiedliche Qualitäten haben, die nicht nur von den darin gelösten Stoffen abhängt, sondern auch von der Struktur des Wassers selbst.

Seine Forschung zeigt, dass Wasser in lebenden Organismen grundsätzlich verschieden ist, von jenem Wasser, das aus unserer Leitung kommt: Lebendiges Wasser ist geordnet und interagiert strukturell mit den darin befindlichen Makro-Molekülen.

Vielleicht sind wir damit einen Schritt näher an der homöopathischen Sicht, dass Wasser Informationen speichert, vielleicht aber auch nicht und diese Forschung zeigt ganz neue Wirkmechanismen des Wassers auf, die sich weit bodenständiger erklären lassen.

Quellen für Hexagonales Wasser

Bisher ist laut Pollack außer dem Entsaften von Früchten kein Verfahren bekannt, dass größere Mengen EZ-Wasser erzeugt. Die beste natürliche Quelle ist Gletscher-Wasser. Bei der Wasseraufbereitung fehlt laut Pollacks Untersuchungen der entscheidene Schritt noch. Chemische Reinheit, wie sie durch Filterung erreicht wird, ist ein erster Schritt, tatsächlich legt seine Forschung aber nahe, dass es einen Zweiten Schritt zu geben scheint, der das reine Wasser strukturell neu ordnet und in hexagonales EZ-Wasser verwandelt.

Bisher konnte Pollack nur für die Verwirbelung einen kleinen Effekt nachweisen, als ebenso effektiv sieht er aber die Bestrahlung mit Sonnenlicht oder Infrarotlicht an. Wasser in einer Karaffe in die Sonne zu stellen, hat also tatsächlich bereits einen chemisch nachweisbaren Effekt und ist nicht nur esoterische Praxis. Auch EM-Keramik oder Steine im Wasser haben einen solchen Effekt, da sich an ihren Flächen EZ-Wasser bildet.

Vielleicht, so spekuliert Pollack, wird er sich in Zukunft auch mit einer Möglichkeit beschäftigen, reines EZ-Wasser aus Leitungswasser herzustellen. Momentan steht jedoch für die Uni Washington die Forschung über die biologische Wirkung im Vordergrund, die fast täglich neue, faszinierende Erkenntnisse offenbart.


Autor: David Rotter

Text- und Grafikquellen: http://www.sein.de – Illustrationen: Ethan Pollack / Ebner and Sons Publishers

Buch zum Beitrag:

Buch_Pollak_WasserWasser – viel mehr als H2O

Gerald H. Pollack

VAK Verlag

ISBN 978-3-86731-158-8
368 Seiten,
Klappenbroschur (21 x 25 cm),
400 Fotos und Illustrationen

Immer mehr Kernprobleme … na, Hau(p)tsache gesund !

von Guido Vobig

And now to something completely different …

Wie viel Geld gibt eine Person in einer modernen Gesellschaft für die Haar- und Körperpflege aus, Lotionen und sonstige Cremes inklusive ? Mindestens 50 Euro im Jahr ? Eher 200 Euro, oder ? Wie viele verschiedene Inhaltstoffe sind für diese Produkte im Jahr notwendig ? Wie viele davon basieren auf Erdöl oder sind anderweitig künstlicher ‘Natur’ ? Wie viele Verpackungen braucht man dafür im Jahr ? Wie viele verschiedene Stoffe werden dafür benötigt ? Wie viele auf Erdölbasis ? Ok … genug Fragen. Weiter im Text …

Kosmetik einkaufenEs ist nicht zu übersehen, dass immer mehr Menschen sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen und so alles Mögliche in Anspruch nehmen, um den Anspruch an gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen, soweit es ihr Geldbeutel zulässt bzw. ihre Geldsäcke es möglich machen. Dabei wird jedoch völlig außer Acht gelassen, dass die verkörperte Erscheinung ein Spiegelbild der Beziehung des Wesens zum jeweils herrschenden Zeitgeist ist, während der Zeitgeist selbst ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, in der sich das verkörperte Wesen bewegt.

Stehen sich zwei Spiegel gegenüber, dann rückt Naheliegendes in weite Ferne … und kann mit keinem Geld der Welt aus selbiger geschaffen werden, solange man sich des Naheliegenden nicht direkt annimmt.

Dass wir EINEN, wir Menschen, viel Geld für Kosmetik ausgeben, zeigt sich nicht nur in Deutschland. Dass ein großer Teil des Geldes dabei für Hautpflege ”draufgeht” überrascht nicht, ist die Haut doch der naheliegende Spiegel körperlicher Befindlichkeit, zumal mit gesunder Haut Vitalität und Jugendlichkeit verbunden wird und offensichtliches Altern nicht gerade das ist, worüber sich eine Gesellschaft definiert. Je glatter und reiner die Haut, desto näher meint manch EINE(R) dem Schönheitsideal zu sein … und das lässt man sich Einiges kosten.

Verrückt ist in diesem Zusammenhang der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Zeitgeist und der Hautbeschaffenheit, denn je mehr sich der Zeitgeist zu verkörpern und auf der Haut darzustellen vermag, desto saurer wird das Hautmilieu und desto unwohler fühlt sich das Wesen in unserer Haut. Geschickt propagiert der Zeitgeist das Märchen vom Säureschutzmantel und zeigt sein strahlendes Lachen perfekter Zähne aus dem Dentallabor. Näheres über dieses moderne Märchen, geeignet für Jung und Alt, gibt es hier:

… ”Der sogenannte Säureschutzmantel hat einen pH-Wert zwischen 5,2 und 5,9, er liegt also im sauren Bereich. Schaut man um mehr als 50 Jahr zurück, so lag damals der Mittelwert höher, im Bereich von 6,2. Das Baby im Mutterleib verweilt neun Monate im Fruchtwasser, welches absolut basisch ist. Wer möchte nicht eine solch zarte Haut haben, wie sie bei den Babys vorkommt. Die Säure, die sich in späteren Jahren dann auf der Haut befindet und als Säureschutzmantel bezeichnet wird, entsteht mitunter durch die Säuren, die im Körper sind, nach außen dringen und sich dann auf der Hautoberfläche ablagern.” …

Babies, die in der Fruchtblase dem jeweiligen Zeitgeist nicht direkt ins Auge blicken müssen, haben daher die vielbeworbene Babyhaut zum Nulltarif, weil die Fruchtblase vor den Einflüssen des Zeitgeistes bewahrt und das Fruchtwasser basisch ist, um die Einflüsse des Zeitgeistes auf die Mutter auszugleichen.

Doch schaut man sich an womit der Jugendwahn seine Jünger(innen) sich pflegen lässt und was, im Namen des Zeitgeistes, längst außer Mode gekommen ist, dann offenbart sich auch hier, dass Naheliegendes eher auf die lange Bank geschoben bzw. in weite Ferne verschoben wird und so für normal angesehen wird, was aber Symtom von systematischer Unausgewogenheit ist. Obendrein wird die Unausgewogenheit noch dadurch gefördert, dass weitere Probleme durch die Normalisierung bzw. Beibehaltung der Symptome ins Leben gerufen werden und somit systemisch werden können.

Dazu genügt ein Vergleich der Begleiterscheinungen von modernen Kosmetika und der einfachen Hautpflege mittels Kernseife, die basisch ist und im Jahr gerade mal mit 5 Euro (!) zu Buche schlägt, um zu erkennen, was moderne Kosmetika alles nach sich ziehen, sei es in Bezug auf Forschung, Verpackung, Tierversuche, Vermarktung, Produktion, Inhaltsstoffe, Nebenwirkungen und Haltbarkeit bzw. Konservierung. Cradle-to-Grave, wie es offensichtlicher kaum sein kann, während ein Stück Seife mit sehr wenig auskommt und mit Leichtigkeit die Symptome zu neutralisieren vermag, die viele Fortgeschrittene mit modernen Mitteln, reichlich Geld inklusive, am Leben erhalten, indem sie versuchen diese Symptome dorthin zurückzudrängen, woraus sie hervorgehen, nämlich aus dem Wesen(tlichen) des Lebens, welches gefangen ist zwischen zwei, künstlich auf Hochglanz polierten, Spiegeln. Ganz zu schweigen davon, dass all die künstlichen Duftstoffe, die mit wohlklingenden Namen aufwendig beworben und vermarktet werden, rein gar nichts mit dem Namen zu tun haben, den man selber sein ganzes Leben lang trägt, was dazu führt, dass in der Begegnung all der duftenden Menschen wortlos Erzählungen ausgetauscht werden, die nichts mit der wahren Geschichte des Lebens gemeinsam haben.

Solange Kosmetik dergestalt von uns EINEN genutzt wird, um Unausweichliches in weite Ferne zu verschieben, desto weiter lässt sich zudem der Kosmos, als Spiegelkabinett, und mitunter als Spiegellabyrinth, gestalten und aufhübschen. Genau der Kosmos, in welchen wir EINEN blicken und das Entfernte mit Spiegelteleskopen wieder näher holen, in der Hoffnung zu verstehen, was wir, bedingt durch die Möglichkeiten des Zeitgeistes, geschaffen haben … aber PSSST … das ist längst kein Geheimnis mehr.

AlterNun sollte man nicht der Vermutung verfallen, dass ein Stück basische Seife, für nicht mal einen Euro pro Stück und unscheinbar verpackt, tiefgreifende Probleme zu lösen vermag und so beseitigen kann, was der Zeitgeist im Körper über Jahre hinweg an Spuren hinterlassen hat. Seife kontra Kosmetika soll hier einfach verdeutlichen, wie leicht es dem Zeitgeist gemacht wird die Problematisierung des PROBLEMS mittels immer weiterer Gräber zu realisieren.

Was ihm ermöglicht wird ist jedoch notwendig, auch davon war bereits die Rede, denn genau aus dieser Notwendigkeit heraus geht in manch EINEM die Bewusstwerdung hervor, dass Friedhöfe keine Lösung sind, um das Leben zum Ziel zu führen, und so eine Not, in der Tat, zu einer Wende führen muss.

Womit ich natürlich wieder zu den ANDEREN, nicht menschlichen Lebewesen, komme und man sich fragen muss, warum sie weder Friedhöfe, noch Kosmetikketten, Beautyshops, Wellness-Oasen, keine Schönheitschirurgen und Zahnärzte benötigen und trotzdem zu HARMONISIEREN vermögen, was uns sauer aufstößt. Und all das ohne ein weiteres Grab zu hinterlassen. Und wenn doch ein Grab realisiert werden muss, dann liegt das einzig daran, dass wir EINEN die Bedingungen dafür ermöglichten, weshalb auch wir es sind, die das Grab letztendlich schaufeln, um einen der Unsrigen darin zu begraben, oder ein Unternehmen, welches zwar auf dem Wesen(tlichen) des Lebens aufgebaut wurde, aber den Zeitgeist nach und nach mehr und mehr zu spüren bekommt.

Man mag jetzt einwerfen, dass es doch Elefantenfriedhöfe gibt, doch vielleicht handelt es sich dabei eher um eine weitere geistreiche Idee unsererseits, oder aber um eine irreführende Erwartung. Hier und hier findet sich diesbezüglich näher Erklärendes.

Ja, Wasser genügt all jenen, die ohne Emotionen und schönen Schein zu HARMONISIEREN vermögen. So haben die ANDEREN  gar keine Seife nötig, zumal sie nicht die Bewusstwerdung benötigen, die wir Menschen nötig haben, um dem PROBLEM näher kommen zu können … und jene Bewusstwerdung, welche die ANDEREN durch uns EINEN erfahren, ebenfalls keine Seife notwendig macht, auch nicht all jene Dienstleistungen im Namen kosmetischer Korrekturen, die wir EINEN offensichtlich für immer notwendiger erachten, um weiter gesellschaftsfähig bleiben zu können.

Die ANDEREN zeigen immer ihr wahres Wesen und geben nicht vor zu sein, was sie nicht sind oder nicht sein wollen … auch dann nicht, wenn sie uns ihre Zähne zeigen oder offen zur Schau stellen, was der Zahn der Zeit ihnen, in ihrem Vermögen die HARMONIE zu bewahren, abverlangte. Und da sie ihrem Wesen derart treu bleiben ist auch ihr Beitrag für die Realisierung des Kosmos ein ganz ANDERER … worin sich zeigt, dass sie stets das Unmittelbare angehen und nicht erst in weite Ferne rücken, was sich unmittelbar um sie herum abspielt.

Dass das Hautmilieu das wesentliche Symptom dessen ist, was sich im Körper, aufgrund äußerer Ungleichgewichte, abspielt, wissen daher die ANDEREN zu nutzen, damit die HARMONISIERUNG auch weiterhin möglich ist, so, eventuell, indirekt für weitere Gräber sorgend:

Mückenstiche: Hautbakterien locken Blutsauger an

Malaria parasite ‘can manipulate body odour of mice’

Doch auch diesbezüglich hat der Zeitgeist schon wieder eine Antwort parat, wie hier gezeigt wird … erst recht, wenn Parasiten im Spiel sind, wie in einem zurückliegenden Artikel bereits beschrieben wurde. Offensichtlich bleibt auch Gaia selbst vor kosmetischen Eingriffen seitens des Zeitgeistes nicht verschont …

Guido Vobig


Autor Guido Vobig – Initiator der Projekte:

http://www.gold-dna.de
http://www.gold-dna.de/phi.html
http://www.gemeinsaminstal.de

Danke Martin und Guido für diesen Beitrag: FaszinationMensch

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «Der Untergang der Menschheit…» – qpress.de
  2. «Kosmetik einkaufen …» – www.pixabay.com
  3. «Alter» – www.pixabay.com

Wie reizvoll!

Kolumne Dead Men Working

von Maria Wölflingseder

Eine treffende Diagnose der aktuellen kollektiven Verfassung lautet Reizüberflutung. Vielerlei Reize sind so anziehend oder so aufdringlich, dass wir uns ihnen kaum entziehen können. Von den Infoscreens in den U-Bahnstationen und in der Straßenbahn bis zu den Verlockungen, die Smart-Phone und TV bieten. Von der ständigen persönlichen Musik-Begleitung zu den unendlichen Reizen des Worldwidewebs. Von den Printmedien bis zur öffentlichen Dauerbeschallung. Sei es als Auto-, Flug- oder Baulärm, als Musik, Werbung und Geplapper eigener Supermarktradiosender oder lautstarkes Gedudel in den übrigen Geschäften und in der Gastronomie. Nicht nur der Informationshunger ist groß, auch der Hunger nach Geruch und Geschmack ist gekonnt geweckt worden. Je mehr zum Himmel stinkt – Abgase und reizende Ausgasungen von Kunststoffen, Farben und Lacken –, desto mehr steigt die Parfümierung mit synthetischen Stoffen: von der Klimaanlage in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Gerüche ventilieren, bis zum Klopapier, vom Raumspray bis zum Autoduftbäumchen, vom Waschpulver bis zur Seife. Die olfaktorischen Erlebnisse werden immer intensiver, wenn auch nicht bekömmlicher. Und die künstlichen Geschmacksstoffe in vielen Nahrungsmitteln erfüllen durchaus den kommerziellen Zweck der Abhängigkeit.

Um trotz dieses Reizhypes inklusive der Folgen von geistiger und körperlicher Überbeanspruchung noch einen Tag-Nacht-, einen Anspannungs-Entspannungsrhythmus zu finden, werden Unmengen an stimulierenden sowie sedierenden Substanzen konsumiert. Höchste Gereiztheit herrscht in jedem Fall.

Nehmen wir die Erscheinungen der digitalen Flut an Informationsreizen ein bisschen genauer unter die Lupe. Historisch betrachtet, wurde die Arbeit vom Acker über das Fließband an den Computer verlagert. Mit der Möglichkeit, gigantische Datenmengen zu sammeln, zu speichern und zu verbreiten, wurde ein ebenso großes Suchtpotential geschaffen. Mittlerweile hat sich das digitale Suchtverhalten von der Arbeit bis in unsere intimsten Bereiche ausgebreitet.

Mitunter stellen zwar schon junge Menschen, denen der Computer buchstäblich in die Wiege gelegt wurde, das digitale Leben infrage. Manche wollen in den neuen Strick-, Häkel- und Nähgruppen gar eine Trendwende erkennen. Mir fallen jedoch vielmehr die in letzter Zeit vermehrt aus der Öffentlichkeit verschwundenen Blicke auf. Sie kleben nur mehr am Display. In den öffentlichen Verkehrmitteln sowieso, aber auch zuhauf in Konzerten und im Theater. Bin ich krank, wenn ich mich dadurch beim Kunstgenuss gestört fühle? – Mein Freund J. wohnt in Salzburg am Mönchsberg. Mit traurigem Kopfschütteln erzählte er: „Ich bin neugierig, ob mich jemals wieder jemand nach dem Weg zur Festung fragen wird. Alle suchen ihn stur auf ihren Screens, anstatt in die Landschaft oder gar jemandem in die Augen zu blicken.“ – Das GPS im Auto lotst Nutzer mitunter gar in die Irre. Kürzlich las ich über die Gefahr, bei ständiger Verwendung digitaler Orientierungshilfen, sich ohne diese gar nicht mehr zurechtzufinden. Aber mittlerweile kann ja jede Reise „lückenlos“ geplant werden, wie eine App verspricht: Man leite einfach alle Mails über Flug, Hotel, Mietwagen etc. an den Dienst und bekommt einen minutiösen Plan darüber, wann welcher Schritt wohin gemacht werden muss. Wird die Reise selbst gar bald durch eine digitale ersetzt?

Freundschaft, Sinnlichkeit und Sex haben sich ebenfalls stark in die Virtualität verlagert. „Jeder Vierte schaut gerade Pornos!“, so der Titel eines kleinen Artikels von Todor Ovtcharov, einem gebürtigen Bulgaren, in der Wiener Zeitschrift biber (Mai 2014, S. 70). Professionelle Pornos werden durch private ersetzt. Mit der gleichen Routine, mit der Selfies und das Frühstück ins Netz gestellt werden, wird der hauseigene Sex gepostet. Bulgarien steht weltweit an sechster Stelle, was das diesbezügliche Mitteilungsbedürfnis und die einschlägige Neugierde betrifft. Deutschsprachige Pornos waren in Bulgarien während der Pubertät des Autors extrem populär. Sprüche wie „Ja, ja, das ist fantastisch!“ wurden zur „Stadtfolklore“. Wer glaubt, das seien Reize ohne Seele, schaue sich den Film „Her“ von Spike Jonze an. Theodor verliebt sich in sein OS, in sein Operating System namens Samantha. Obwohl seine Freundin mit 8316 weiteren Menschen und Betriebssystemen in engem Kontakt steht und mit 641 davon eine Liebesbeziehung hat, beteuert sie, dass dies ihre innige Liebe zu ihm in keiner Weise herabsetze. Am Schluss bleibt Theodor traurig zurück, weil sich Samantha in eine neue virtuelle Existenz verabschiedet hat. Wovon Publikum und Kritik hellauf begeistert sind, ist für mich ziemlich langweilig.

Manche meinen, mit den Möglichkeiten der Digitalität höchste Authentizität vermitteln zu können. Aber wozu brauche ich in drei Minuten Radioweltnachrichten fünf O-Töne von Politikern und Experten und als Hintergrundsound Maschinengewehrgeknatter? Oder die ewige schillernde Berichterstattung über der Promis Cellulite, Hängepos und unendlich viel ähnlich Spannendes.

Da sich im Kapitalismus jeglicher Junk bestens bewährt und schnell verbreitet, tut er das im Netz umso effizienter. Dass jegliche Information – genauso wie alles andere – von der marktwirtschaftlichen Verwertbarkeit gesteuert wird, ist klar. Ein anderer Kontext hat sich bis dato erst minimal ausgewirkt. Vor allem Fragen nach dem Warum all der aufgeherrschten Zumutungen sind schlicht tabu. Das wichtigste Fragewort, warum, wurde bei der Programmierung der Computer klammheimlich unter den Tisch fallen gelassen. Sonst würde vielleicht das System abstürzen. Wie kann sich bei unentwegter Beschäftigung mit dieser Flut an (zu 97 Prozent Junk-) Infos noch solch Altmodisches wie Konzentration, Überlegtheit, Verbindlichkeit oder gar Nähe entwickeln? Ganz zu schweigen von Neugierde, Phantasie oder Geheimnisse. Quantität – die tägliche Überdosis an digitalen Daten, die jeder verschlingt – schlägt gehörig in Qualität um.

Oft wird die Quelle der kommunikativen Missverständnisse von Mails und SMS in ihrer bloß schriftlichen Form gesehen. Aber liegt es nicht vielmehr an der mangelnden Sorgfalt und an der Häufigkeit, mit der mitunter gar mit mehreren gleichzeitig digital geplaudert wird? Warum sollen Mails und SMS nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit und Hingabe geschrieben werden wie früher vertrauliche Briefe? Dann gäbe es sicher weniger Missdeutungen und mehr Freude.

Maria Wölflingseder


Textquelle: Streifzüge 61/2014 – Streifzuege-Team – zum Artikel

Weiterführender Artikel: «Was hilft gegen Reizüberflutung» von Marco Gloor – zum Artikel

Beitragsbild: «Reizüberflugung» –  http://www.gloormarketing.ch

WLAN: Ein unkontrolliertes Experiment

von NEXUS-Magazin

Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung über die schädlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder legen nahe, einen vorsichtigeren Umgang mit mobilen Kommunikationstechnologien zu pflegen. Das gilt besonders für Kinder und Heranwachsende, da die gefährliche Strahlung tief ins Hirn eindringen kann.

Die jahrzehntelange wissenschaftliche Erforschung des Gefahrenpotenzials elektromagnetischer Felder zeigt, dass wir Kommunikationstechnologien wie Mobilfunk und WLAN umsichtiger verwenden müssen. Gerade bei Kindern ist Vorsicht geboten, denn die schädliche Strahlung kann tief in ihr Gehirn eindringen.

Das 21. Jahrhundert ist durch die stark beschleunigte Entwicklung der drahtlosen Kommunikation gekennzeichnet. Zur elektromagnetischen Verschmutzung der Atmosphäre tragen nicht nur Radio- und Fernsehsignale bei, sondern auch Satellitenübertragungen und in neuerer Zeit die Wi-Fi-Netzwerke (WLAN). In den Vereinigten Staaten waren im Jahr 2010 bei etwas über 300 Millionen Einwohnern bereits 285 Millionen Mobiltelefone registriert. Schätzungen zufolge nutzen von den ca. sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten derzeit mehr als fünf Milliarden Mobiltelefone.

Vor zwei Jahren stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) die im Mobilfunk verwendeten elektromagnetischen Felder als möglicherweise krebserregend ein. Dieser Artikel diskutiert die Gesundheitsgefahren elektromagnetischer Strahlung ebenso wie die fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und behördlichen Maßnahmen, die nötig sind, um das Leben auf unserem Planeten besser zu schützen.


Das Problem: Ionisierende vs. nicht-ionisierende Strahlung

Elektromagnetische Felder

Die heutige Wissenschaft legt ihr Augenmerk verstärkt auf zwei physikalische Einflussfaktoren: ionisierende und nicht-ionisierende Strahlung. Hierbei sollen gemeinsame Wirkungsmechanismen gefunden und der Nutzen für die Bevölkerung ebenso wie die Gesundheitsgefahren erforscht werden. Beiden Phänomenen gemein ist das Wort „Strahlung“. Aus der Sicht des Physikers handelt es sich dabei um zwei verschiedene Erscheinungen, die separat beschrieben werden. Dabei wird jedoch völlig vernachlässigt, dass der jeweils andere Faktor gleichzeitig vorhanden ist, dass die beiden Strahlungsarten also gemeinsam vorkommen und wirken.

Nach gängiger Auffassung ruft ionisierende Strahlung Gesundheitsschäden hervor, die durch energetische Wirkung und die dadurch resultierende Ionisation des Körpergewebes entstehen. Die Schäden treten bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte auf und können bereits kurze Zeit nach der Bestrahlung sichtbar werden, normalerweise innerhalb einiger Stunden oder Tage. Nach jahrzehntelanger Forschung kennt die Wissenschaft heute eine Vielzahl potenziell gefährlicher Auswirkungen ionisierender Strahlung. Die Forschungsergebnisse bestätigten sich bei der Auswertung der Gesundheitsschäden, an denen die Reaktorbelegschaft und die Bevölkerung nach dem Tschernobyl-Unfall vor einem Vierteljahrhundert litten (Grigoriev, 2012a, 2012b; Sage, 2012).

Was wissen wir aber über nicht-ionisierende Strahlung? Im Grunde gar nichts. Nicht einmal das Verhalten einfacher, in der Natur vorkommender magnetischer, elektrischer und elektromagnetischer Felder (EMF) verstehen wir komplett, obwohl auch hier Forschung betrieben wird. Die Erde ist einer großen Zahl elektromagnetischer Strahlungsquellen aus dem Weltall ausgesetzt. Die bislang ausgereifteste Analyse der Evolution unserer Biosphäre aus dem Blickwinkel der Weltall-Erde-Beziehungen wurde vor langer Zeit von Chizevskii angefertigt. Vor über 45 Jahren verfasste der hervorragende sowjetische Bioelektromagnetismus-Forscher Yuri Kholodov das Buch „Man in the Magnetic Web“. Lange bevor der Mobilfunk aufkam, wies Kholodov bereits darauf hin, dass unsere Biosphäre in einen Ozean elektromagnetischer Wellen getaucht ist.

Das ist aber noch nicht das ganze Problem. Der raschen Entwicklung der Nachrichtenübermittlung durch Satelliten folgte die Einführung der Mobiltelefone und in jüngerer Zeit der WLAN-Technologie. Hierdurch haben sich die elektromagnetischen Umweltbedingungen drastisch verändert. Die gesamte Biosphäre – jeder auf der Erde lebende Organismus – ist kontinuierlich dem Einfluss elektromagnetischer Felder ausgesetzt, deren Quellen wir nicht bemerken, und deren Amplituden und Frequenzen wir nicht kennen. Zumeist beachten wir das komplexe Strahlennetzwerk gar nicht, das – neben Satelliten und Mobiltelefonen – auch von Radio- und Fernsehsendern, WLAN-Basisstationen und sonstigen drahtlosen Kommunikationsmitteln erzeugt wird.

Wo wir gerade bei den Gefahren der Wi-Fi-Technologie sind, sollten wir darauf hinweisen, dass hierzu nicht nur WLAN-fähige Mobiltelefone gehören, sondern – viel wichtiger – alle Sender und Verteiler von WLAN-Signalen, hauptsächlich Antennen, Funk-Router, und Basisstationen. An vielen öffentlichen Orten werden WLAN-Zugänge errichtet, damit wir mobil im Internet arbeiten können. Das mag verständlich klingen. Warum muss aber auch in U-Bahn-Tunneln die Versorgung sichergestellt werden? Das erfordert offensichtlich Richtstrahlung mit hoher Sendeleistung, der alle Fahrgäste ausgesetzt sind, nur damit die Nutzer von Smartphones und sonstigen WLAN-Spielzeugen bequem im Netz surfen können.

Was genau ist WLAN? Es handelt sich um eine beliebte und verbreitete Technologie, mit der elektronische Geräte drahtlos (durch Funkwellen) Daten über ein Computernetzwerk austauschen können. Dazu gehört auch Highspeed-Internet. WLAN-fähige Geräte verbinden sich mit einer Netzwerk-Ressource (z. B. dem Internet) über eine Basisstation, also einen drahtlosen Netzwerk-Zugriffspunkt. Eine solche Basisstation hat innerhalb von Gebäuden eine Reichweite von ca. 20 Metern, außerhalb ist die Reichweite deutlich größer.

Die Grafik von Nickolay Lamm zeigt, wie WLAN-Funkwellen dem menschlichen Auge erscheinen würden, wenn wir sie sehen könnten. Quelle: http://tinyurl.com/mwd9vu7


Elektromagnetische Felder in der Biosphäre

Die Wirkung nicht-ionisierender Strahlung kann – im Gegensatz zu ionisierender – so gut wie nie direkt bei der Bestrahlung (oder kurz danach) beobachtet werden. Selbst wenn wir „thermische“ Einflüsse betrachten und die spezifische Absorptionsrate (SAR) hinzuziehen, ist nachweislich immer eine gewisse Zeitspanne nötig, bis eine Wirkung eintritt (vgl. Markov, 2006).

Durch unsere langjährige Erfahrung in der Strahlenbiologie und der Bioelektromagnetismus-Forschung können wir bestätigen, dass die biologischen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper keine thermischen sind. EMF müssen vielmehr aus niedrigenergetischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Hier sind Proteinfaltungsänderungen (Konformationsänderungen) in Zellstrukturen und Einflüsse auf die biochemische Signal-Transduktions-Kaskade ebenso zu beachten wie die Ausprägung der EMF auf der Ebene wichtiger Biomoleküle. Die Auswirkungen haben vermutlich eher informatorischen Charakter, deshalb dauert es eine gewisse Zeit, bis weitere biochemische und physiologische Veränderungen anlaufen und wahrnehmbar werden (vgl. Markov, 2012).

In den späten 1970er und den 1980er Jahren kamen Diskussionen über zwei Probleme der öffentlichen Gesundheit auf: Einerseits die potenzielle Gefahr, die von niederfrequenten EMF ausgeht (z. B. aus Stromleitungen), andererseits die mobile Kommunikation, die hochfrequente EMF nutzt und eine ernste Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung darstellt. Ein Autor wies darauf hin, dass die heutige Menschheit Teil eines globalen Experiments ist, das von der Industrie ohne jede Regulierung, Vorschrift und Kontrolle durchgeführt wird (vgl. Grigoriev, 2012b).

In den letzten beiden Jahrzehnten entwickelte sich die drahtlose Kommunikation zur am schnellsten wachsenden Technologie. Sie hat sich über die gesamte Erde verbreitet. Etwa fünf Milliarden Mobiltelefone sind registriert, in Industrieländern ebenso wie in Entwicklungsländern. Dabei sind nicht nur die Benutzer der Funktechnologie der exponentiell wachsenden Belastung durch Hochfrequenzstrahlung ausgesetzt, sondern sämtliche Bewohner des Planeten.

In öffentlichen Räumen wie Schulen, Supermärkten, Krankenhäusern und Verkehrsmitteln können wir beobachten, dass fast jeder junge Mensch ein elektronisches Gerät bei sich trägt – sei es ein Spiel oder die neueste Version eines Smartphones. Einen solchen Zivilisationsfortschritt bietet uns die heutige Industrie und Technik. Die Frage ist nur: zu welchem Preis?

Mobiltelefone senden Hochfrequenzstrahlung mit einer Energiedichte aus, die ca. zwei Milliarden mal höher ist als bei natürlich vorkommender Strahlung. Zudem sind sie so konzipiert, dass sie direkt am Kopf des Benutzers betrieben werden. Deshalb wird ein Großteil der Sendeleistung unmittelbar in den Kopf abgestrahlt. Die kleinen Mobiltelefone geben auf effektive Weise eine große Energiemenge in kleine Bereiche des Kopfes ab, wodurch sie Schäden am Gehirn verursachen können.


EMF-Emission und -Absorption

Wir möchten an der Stelle anmerken, dass dieses um sich greifende Problem nicht neu ist. Im Jahr 1995 bemerkte Robert C. Kane:

„Die heutige Praxis der Herstellerindustrie, mit vollem Wissen Produkte zu vermarkten und zu vertreiben, die dem menschlichen Körper Schaden zufügen, ist in der Geschichte der Menschheit beispiellos.“ (Kane, 2001)

Was ist der eindringlichen Aussage eines ehemaligen Chefentwicklers der Firma Motorola noch hinzuzufügen? [Kanes Buch „Cellular Telephone Russian Roulette“ steht unter http://tinyurl.com/7vymy8x komplett im Netz.]

Eine der ersten Arbeiten zur Absorption elektromagnetischer Energie wurde von Schwan und Piersol (1954) veröffentlicht. Die Autoren knüpfen darin eine Verbindung zwischen Gewebeaufbau und Strahlungsaufnahme. Wichtig hierbei: Die Zusammensetzung von Körpergewebe ist sehr komplex und unterscheidet sich von Organ zu Organ ebenso wie von Mensch zu Mensch. Aus biophysikalischer Sicht hängt die Energieabsorption auch davon ab, wie tief die Strahlung bei unterschiedlichen Sendefrequenzen in das Gewebe eindringt. Im Bereich zwischen 825 und 845 MHz liegt die Eindringtiefe zwischen 2,0 und 3,8 cm (vgl. Polk & Postow, 1986).

Vor 40 Jahren schrieb Michaelson über wiederholte Strahlenbelastung:

„Der kumulative Effekt ist so zu verstehen, dass sich die Schäden bei mehrfacher Strahlenbelastung anhäufen. Dabei ist jede einzelne Bestrahlung in der Lage, einen geringfügigen Schaden zu verursachen. Anders ausgedrückt: Eine Einzelbestrahlung kann eine unmerkliche thermische Verletzung nach sich ziehen, wobei der Körper den erlittenen Schaden selbst reparieren kann, wenn genügend Zeit (Stunden oder Tage) zur Verfügung steht. Der Schaden ist daher reversibel und geht nicht in einen auffälligen permanenten oder semipermanenten Zustand über. Kommt es innerhalb der zur Heilung nötigen Zeitspanne zu einer weiteren Strahlungseinwirkung (oder mehreren), kann der Schaden eine permanente Stufe erreichen.“ (vgl. Michaelson, 1972)

Die wiederholte Reizung eines bestimmten Gewebebereichs („Hot Spot“, z. B. ein kleiner Teil des Gehirns) kann also zu einem dauerhaften und irreparablen Defekt führen. Ein Teil des Problems liegt darin begründet, dass die betroffene Person nichts über das Eindringen der Strahlung und die damit verbundene Gefahr weiß.

Wie wir sehen, liefert uns die Wissenschaft der 1950er bis 1990er Jahre bereits grundlegende Erkenntnisse und Nachweise, dass hochfrequente elektromagnetische Felder menschlichen Organen Schaden zufügen können, insbesondere dem Gehirn. Wir haben sogar detailliertes Wissen über die Wirkung in verschiedenen Frequenzbereichen: Eine Reihe von Studien ergab, dass elektromagnetische Energie im Bereich um 900 MHz schädlicher sein kann als Strahlung im Bereich von 2.450 MHz, weil sie tiefer in organisches Gewebe eindringen und demzufolge mehr Energie in das Gewebe transportieren kann. Im Jahr 1976 schloss J. C. Lin, dass mit einer Frequenz von 918 MHz ausgestrahlte elektro­magnetische Felder bei ähnlicher Energiedichte eine größere Gefahr für das menschliche Gehirn darstellen als mit 2.450 MHz ausgestrahlte. (vgl. Lin, 1976).

SElektrosmogtudien über Diathermie-Anwendungen [„Kurzwellen-Therapie“, Anm. d. Übers.] zeigen ebenfalls übereinstimmend, dass elektromagnetische Energie bei Frequenzen um und unter 900 MHz am besten geeignet ist, tief in Hirngewebe einzudringen. Verglichen mit höheren Frequenzen ist die Eindringtiefe in diesem auch von Mobiltelefonen verwendeten Frequenzbereich deutlich größer. Tief liegendes Gewebe (z. B. das Gehirn) absorbiert die größten Energiemengen, während Fettschichten und Knochen viel weniger Energie aufnehmen (vgl. Johnson & Guy, 1972). Wichtig ist die Anmerkung, dass thermische Effekte in tief liegenden Gewebeschichten nachweislich ohne signifikante Erhitzung der Gewebeoberfläche auftreten können. Natürlich sind die Frequenzen, bei denen Diathermie- und Hyperthermie-Anwendungen (Überwärmungstherapie) die besten therapeutischen Resultate erzielen, auch diejenigen, die unter unkontrollierten Bedingungen dem Menschen am gefährlichsten werden können. Gerade die förderlichen Absorptionseigenschaften der Frequenzbereiche um 750 und 915 MHz machen also die Strahlung von Mobiltelefonen im 825–845-MHz-Band so gefährlich (vgl. Kane, 2001).


Probleme bei Standards und Richtlinien

Nun stellt sich die offensichtliche Frage: Wenn die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten Kenntnisse über die Gefahren elektromagnetischer Strahlung hat, warum stehen solche Probleme dann nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der heutigen Forschung? Wir möchten zwei Hauptgründe dafür nennen: die politische Macht der Industrie und das Versagen der Wissenschaftsgemeinde.

Die wichtigsten Regularien und Standards wurden vom Verband der Ingenieure für Elektrotechnik und Elektronik (IEEE) und der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) in den Jahren 2005 und 2009 etabliert. Die beschriebenen Verfahren und die Terminologie werden von Physikern und Biologen nicht anerkannt, bleiben aber dennoch geltende Richtlinien, hauptsächlich für die Industrie.

Dass im Zusammenhang mit Hochfrequenzstrahlung über potenzielle „gesundheitliche Auswirkungen“ statt „Gesundheitsgefährdung“ gesprochen wird, kann nur verwundern. Der Begriff „Auswirkungen“ wird möglicherweise bewusst falsch verwendet, um die Bevölkerung nicht wegen der Gefahren in Unruhe zu versetzen, die mit dem Einsatz der Strahlung in der Nähe des menschlichen Gehirns einhergehen.

Wenn Ingenieure behaupten, ein über die thermische Wirkung hinausgehender Einfluss von Hochfrequenzstrahlung könne nicht belegt werden, führen sie die Wissenschaft ebenso wie die Bevölkerung in die Irre. Darauf haben wir an anderer Stelle (vgl. Markov, 2006) bereits hingewiesen. Die Möglichkeit nicht-thermischer Auswirkungen zu verneinen ist unvernünftig. Noch schlimmer ist die erwähnte Vermischung von „Auswirkungen“ und „Gefahren“. Von der Bioelektromagnetismus-Forschung wurden hunderte Abhandlungen veröffentlicht, die sich der Gentoxizität sowie den Modifikationen an der DNS und anderen wichtigen Biomolekülen widmen. In einer Arbeit von Israel, Zaryabova und Ivanova (2013) wird richtig darauf hingewiesen, dass selbst die von internationalen Ausschüssen vorgelegte Definition des thermischen Effekts nicht akkurat ist.

Epidemiologen behaupten, dass keine schlüssigen Beweise für DNS-Modifikationen vorliegen. Ebenso behaupten sie, dass es „keine überzeugenden und konsistenten Beweise für einen Zusammenhang zwischen der von Mobiltelefonen ausgehenden nicht-ionisierenden Strahlung und einem Krebsrisiko“ gebe (Boice & Tarone, 2011). Erstaunlicherweise wurde der Artikel von Boice & Tarone publiziert, nachdem die IARC Hochfrequenzstrahlung als „für Menschen möglicherweise krebserregend“ eingestuft hatte. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel erörtert Markov (2012), wie die lange hinausgezögerte Publikation der Interphone-Daten dazu führte, dass zwei Teilnehmergruppen der Studie einander widersprechende Arbeiten veröffentlichten.

Seit über einem halben Jahrhundert arbeitet eine Gruppe bedeutender Strategen und Richtliniengestalter – darunter auch Wissenschaftler – mit dem Begriff „SAR“. Die spezifische Absorptionsrate (SAR) wird in Watt pro Kilogramm (W / kg) oder Milliwatt pro Gramm (mW / g) angegeben. Sie ist ein Maß für die Energie, die von einem gegebenen Körpergewebe absorbiert wird. D. h., sie gibt die aufgenommene Strahlungsmenge an, nicht aber die von einem Gerät ausgesendete. Die Energie-Absorption erfolgt bei verschiedenen Menschen und Organen uneinheitlich und abhängig von der Sendefrequenz. Trotzdem wird der Begriff bis heute oft als Maß für die von einer EMF-Quelle abgegebene Energie benutzt. Wie soll ein technisches Gerät aber auf solche Weise charakterisiert werden? Noch einmal: Der SAR-Wert sagt aus, wie viel Energie von einem Gramm Körpergewebe aufgenommen wird.

Die unsachgemäße Verwendung des SAR-Begriffs spielt den Befürwortern der WLAN-Technologie in die Hände und ist für die Gerätehersteller von besonderem Vorteil. Stets bekräftigen sie, dass keine Erhitzung von Hirngewebe durch Hochfrequenz-EMF stattfinde und daher keine Gefahr für das menschliche Gehirn bestehe. Dabei vernachlässigen sie komplett, dass die meisten biologischen Auswirkungen nicht-thermisch sind. Wir sind davon überzeugt, dass die Sicherheitsrichtlinien unter Einbeziehung der Energieabsorption neu formuliert werden müssen.


WLAN und Mobiltelefone: Auswirkungen auf Kinder

Jeder – vom Baby bis zum Rentner – ist einer großen Zahl verschiedenartiger elektromagnetischer Felder ausgesetzt. Ein Großteil dieser Menschen ist an mobiler Kommunikation nicht interessiert. Besonders für Kinder sind die Strahlen gefährlich – viele von ihnen benutzen schon in sehr jungen Jahren Mobiltelefone ohne jede elterliche Kontrolle. Nachfolgend erläutern wir die Gefahren, die hochfrequente elektromagnetische Felder für den Teil der Bevölkerung mit sich bringen, der drahtlose Kommunikationsmittel am häufigsten verwendet: Kinder und junge Erwachsene.

Quelle: „Humanity At The Brink“. Wi-Fi-Report von Barrie Trower. http://rense.com/general96/trower.html

Bei der Risikobewertung müssen wir uns in erster Linie auf das sensible Gehirn konzentrieren, das sich bei Kindern noch in der Entwicklung befindet. Durch die Verwendung von Mobiltelefonen sind Kinder täglich und über Jahre hinweg elektromagnetischen Feldern ausgesetzt. Das hat auch Auswirkungen auf die komplexen Nervenstrukturen im Innenohr, die für das Gehör verantwortlich sind und gleichzeitig das vestibuläre System (Gleichgewichtsorgan) bilden (vgl. Grigoriev, 2006a, 2006b, 2012b).

Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Zivilisation werden kritisch wichtige Organe des menschlichen Körpers – das Gehirn und die Nervenstrukturen im Innenohr – komplexen EMF unbekannter Stärke ausgesetzt. Aus physiologischen Gründen nimmt das Gehirn eines Kindes mehr hochfrequente elektromagnetische Strahlung auf als das eines Erwachsenen. Davon sind auch Hirnregionen betroffen, die für die intellektuelle Entwicklung verantwortlich sind. Kürzlich wurden Daten über den schädlichen Einfluss elektromagnetischer Felder auf die kognitiven Funktionen des Gehirns veröffentlicht (vgl. Grigoriev, 2012b). Zusätzlich muss beachtet werden, dass Kinder – wie von Divan, Kheifets und Obel (2008) gezeigt – bereits während der embryonalen Entwicklung elektromagnetischen Einflüssen ausgesetzt sein können.

An dieser Stelle ist es zweckmäßig, die Position der Weltgesundheitsorganisation WHO darzulegen:

„Kinder unterscheiden sich von Erwachsenen […]. Sie sind in besonderem Maße gefährdet. Während ihrer Wachstums- und Entwicklungsphase entstehen „Anfälligkeitsfenster“ – Phasen, in denen ihre Organe besonders empfindlich für bestimmte Umwelteinflüsse sein können.“ (vgl. WHO, 2003)

Leider stehen uns keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten zur Bewertung der Gefahren zur Verfügung, die von mobiler Kommunikation ausgehen. Niemand hat bisher umfassend untersucht, welche Schäden während der Entwicklungsphase am kindlichen Gehirn entstehen können (vgl. Markov, 2012). Studien zu langfristigen Schädigungen der Hirnfunktionen bei Kindern, die kontinuierlicher Bestrahlung durch hochfrequente EMF ausgesetzt sind, liegen überhaupt nicht vor. Deshalb sollten wir bei dem Thema bei Null beginnen. Leider reagieren die verantwortlichen internationalen Organisationen und Behörden nur langsam auf das rasche Technologiewachstum. Sie vernachlässigen im Prinzip vollständig die Gefahren, denen Kinder beim mobilen Telefonieren ausgesetzt sind (vgl. Grigoriev, 2008; Markov, 2012).

Vor über zehn Jahren bezeichnete einer der Teilnehmer der WHO-Konferenz zur Harmonisierung von Standards die Vernachlässigung der von hochfrequenten EMF ausgehenden Gefahren für Kinder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit (vgl. Markov, 2001).


Aufruf an Wissenschaftler und Ingenieure

Bei ionisierender Strahlung besteht in jedem Fall ein Zusammenhang zwischen der Strahlendosis und der Wirkung. Bei nicht-ionisierender Strahlung hingegen existiert grundsätzlich kein Schwellenwert, ab dem Auswirkungen zu beobachten sind. Zusätzlich benötigen die Effekte Zeit, um sich zu entwickeln, und werden eventuell durch verschiedene Faktoren abgeschwächt oder verstärkt (Grigoriev, 2006a, 2006b).

Unglücklicherweise haben Wissenschaftler, Politiker und Gesetzgeber die Langzeitwirkungen nicht-ionisierender Strahlung (oft aus mehreren Quellen gleichzeitig) bisher unterschätzt. Im Jahr 2003 veröffentlichte die IEEE eine Richtlinie, laut der nur der thermische Effekt biologische Auswirkungen nach sich zieht (Cho & D’Andrea, 2003). Keine Erwärmung – keine Wirkung. Die Richtlinie kommt der Industrie sehr gelegen, steht aber einer wissenschaftlichen Beurteilung der gesundheitlichen Aspekte im Weg. Wir meinen, dass die Wissenschaft stärker daran arbeiten muss, die potenziellen Gefahren zu erforschen, die dem menschlichen Organismus durch mobile Kommunikation drohen.

In dieser Hinsicht ist es wichtig, nochmals zu betonen, dass die IARC hochfrequente elektromagnetische Felder als möglicherweise krebserregend eingestuft hat (Gefahrenklasse 2B). Vor weniger als zwei Jahren änderte diese wichtige internationale Behörde ihre Einstufung von „keine schlüssigen Beweise für eine Gesundheitsgefährdung“ auf „möglicherweise krebserregend“. Die ICNIRP bekräftigt jedoch weiterhin:

„Die sich anhäufenden Belege sprechen tendenziell gegen die Hypothese, dass die Verwendung von Mobiltelefonen bei Erwachsenen Hirntumoren verursachen kann.“ (vgl. Boice & Tarone, 2011)

Damit stellt sich die Frage, warum die ICNIRP eine solche Haltung einnimmt. Wir möchten zwei verschiedene, sich letztlich ergänzende Antworten geben. Erstens: Der größte Teil der Finanzausstattung der ICNIRP kommt von der Industrie. Und zweitens (wichtiger): Die meisten Mitglieder der ICNIRP sind Ingenieure und Techniker, in deren Augen nur thermische Effekte relevant sind.

Es ist Zeit, dass Wissenschaftler – besonders Strahlenbiologen und Bioelektromagnetismus-Forscher – endlich ihre Stimme erheben. Es ist Zeit, die potenziellen Gefahren der immer stärker werdenden Hintergrundstrahlung für die menschliche Gesundheit zu erkennen und zu bewerten. Die Entwicklung der Nuklearmedizin und der Kernenergie hebt das Strahlungsniveau auf dem gesamten Planeten zusätzlich an, wobei die Auswirkungen der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima noch gar nicht eingerechnet sind (vgl. Akahane et al., 2012; Grigoriev, 2012c).


Schlussbemerkungen

Abschließend möchten wir Folgendes hervorheben:

  1. Aus verschiedenen Gründen wurden in den vergangenen 60 Jahren Methoden entwickelt, mit denen die von ionisierender Strahlung ausgehenden Gefahren eingeschätzt und abgewehrt werden können.
  2. Die Problematik der nicht-ionisierenden Strahlung wird erst seit kürzerer Zeit erforscht. Die Richtlinien zum Strahlenschutz weichen in verschiedenen Ländern erheblich voneinander ab. Der Grund hierfür ist, dass sie z. B. in Nordamerika durch Berechnungen von Ingenieuren und Technikern erstellt werden, in der ehemaligen Sowjetunion und den Ländern Osteuropas hingegen nach biologischen Kriterien. Trotz aller Anstrengungen der WHO, die Standards zu harmonisieren, bleibt dabei die tatsächliche Umweltverschmutzung durch nicht-ionisierende Strahlung bis heute unberücksichtigt.
  3. Ein Vergleich beider Strahlungsarten zeigt: Dass die gesamte Bevölkerung kontinuierlich und unkontrolliert niedrigenergetischen EMF ausgesetzt ist, stellt inzwischen ein ernsteres Problem für die Menschheit dar als die ionisierende Strahlung, deren Quellen örtlich bekannt sind und unter strenger Kontrolle stehen.
  4. Durch die allgegenwärtige Verwendung von Mobiltelefonen sind erstmals in der Geschichte der Menschheit Kinder schädlicher nicht-ionisierender Strahlung ausgesetzt. Selbst wenn die Strahlendosis nicht größer ist als bei Erwachsenen, sind Kinder wegen ihrer Körpergröße und physiologischen Entwicklung potenziell stärker gefährdet. Die Gefährdung ist möglicherweise mit der einiger Berufsgruppen vergleichbar.
  5. Anfang des Jahres 2012 beschloss das Europäische Parlament mit 512 zu 16 Stimmen, die EU-Mitgliedsstaaten anzuhalten, strengere Grenzwerte für die von Mobiltelefonen und WLAN-Geräten ausgehende Strahlung festzulegen, und dabei Kinder als sensibelste Bevölkerungsgruppe besonders zu berücksichtigen.
  6. Wissenschaftler und Mediziner sind in der Pflicht, ihre Stimme zu erheben: Die Gesundheitsorganisationen und die für Standards und Regulierungen verantwortlichen Behörden müssen dringend Empfehlungen formulieren und tätig werden, um die Bevölkerung und besonders die Kinder zu schützen.
  7. Wir sollten den Wissenschaftlern, Politikern und der Bevölkerung nicht mehr erzählen, dass WLAN harmlos sei.
  8. Wir sollten ehrlich sein und zugeben, dass wir nicht wissen, welche Langzeitwirkungen genau eintreten können.

Anmerkung der Redaktion

Der vorliegende Artikel ist eine gekürzte und bearbeitete Version der Abhandlung „Wi-Fi technology: an uncontrolled global experiment on the health of mankind“, veröffentlicht in Electromagnetic Biology and Medicine (Juni 2013; 32(2):200–208) und herausgegeben von Informa UK Ltd. Der komplette Artikel kann bei Informa Healthcare unter http://tinyurl.com/pj25odw heruntergeladen werden [für US$ 43, Anm. d. Übers.].


Autoren:

Dr. Yuri G. Grigoriev ist Vorsitzender des Russischen Nationalkomitees zum Schutz gegen nicht-ionisierende Strahlung sowie Mitglied der Russischen Akademie für Elektro-Ingenieurswissenschaften, des Internationalen Ratgeberkomitees der EMF-Gruppe der WHO und des Verbands der Ingenieure für Elektrotechnik und Elektronik (IEEE).

Der Biophysiker Dr. Marko Markov ist Präsident der Organisation „Research International“ in Williamsville, New York, USA. Es ist auch Mitglied des wissenschaftlichen Beratergremiums der Nura Life Sciences Corporation.

Dieser Artikel erschien zuerst im NEXUS-Magazinzum Artikel

Interessant hierzu ist auch diese Abhandlung von Roman Schmitt

Literaturnachweis:

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  • Boice, J. D., Tarone, R. E.: „Cell Phones, Cancer, and Children“ in J. Natl. Cancer Inst., 2011, 103(16):1211–13
  • Cho, C. K.; D’Andrea, J. A.: „Review of effects of RF fields on various aspects of human health“, in Bioelectromagnetics, 2003, 24:5–6
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  • WHO: „Healthy environments for children: WHO backgrounder No. 3“, April 2003

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «Wlan» – www.pixabay.com
  2. «Elektromagnetische Felder» – Portal Gefährdungsbeurteilung
  3. «Elektrosmog» – earth-energy.at

Depression und Kapitalismus

von Lars Distelhorst

Der Staat hat Repression heute kaum noch nötig, da die herrschende soziale Ordnung auf einem weit verbreiteten gesellschaftlichen Konsens beruht, der sich vielleicht nicht allerorten aus begeisterter Zustimmung speist, in der gängigen Meinung, das Bestehende sei nun einmal nicht zu ändern, jedoch seinen stärksten Verbündeten findet. Hartz IV, Unterbeschäftigung, Working Poor und Arbeitslosigkeit sind weit verbreitete Phänomene und führen in Deutschland zu einer Armutsquote von über 15 Prozent [1]. Doch hat sich die Gestalt von Armut im Zuge der Entwicklung der westlichen Länder wesentlich verändert, führt heute vor allem zu sozialem Ausschluss und geht nicht mehr mit einer unmittelbaren Gefährdung des Lebens einher.

Vor diesem Hintergrund bewegt sich auch die weit verbreitete Diskussion um psychische Erkrankung, an deren Spitze die Diskussion über die Verbreitung von Depressionen steht. Der dahinter stehende Gedanke lässt sich leicht zusammenfassen: Durch die immense Entwicklung der Wirtschaft ist es der modernen westlichen Gesellschaft gelungen, nahezu alle existentiellen Probleme zu überwinden und sich als stabiles politisches System zu etablieren, doch hat dies einen hohen Preis gefordert. Der heutige Mensch ist praktisch immer bei der Arbeit, stets gehetzt, rund um die Uhr erreichbar und dadurch einem immensen Leistungsdruck ausgesetzt. Das Resultat liegt auf der Hand: Viele halten den Druck nicht aus und werden psychisch krank – vor allem depressiv. Die Zahlen scheinen diese Diagnose zu untermauern. Knapp über acht Prozent der Bevölkerung leiden unter Depressionen, hinzu kommen gut vier Prozent mit diagnostiziertem Burnout-Syndrom, die Zahlen sind steigend und werden die Armutsquote mit einiger Wahrscheinlichkeit bald überflügeln [2]. Es ist nicht verwunderlich, wenn die Verbreitung psychischer Erkrankung mittlerweile der Dreh-und Angelpunkt jeder Diskussion ist, in der nach den grundlegenden Problemen des heutigen Kapitalismus gefragt wird. In Abwesenheit lebensbedrohlicher Repression und Ausbeutung geht von der Depression ein Schauer aus, der einerseits das dumpfe Unbehagen vieler Menschen in der Gesellschaft erklärt und andererseits geeignet scheint, die von ihr ausgehende Bedrohung greifbar zu machen.

Die Depressionen können ebenso wenig wegdiskutiert werden wie ihre zunehmende Verbreitung, auch wenn die genauen Zahlen umstritten sind. Doch den Grund für diese Entwicklung im Leistungswahn der modernen Gesellschaft auszumachen, erscheint bei näherem Hinsehen als eine sehr verkürzte Form der Kritik, die eher dazu angetan ist, den Bestand der etablierten Gesellschaft zu garantieren als ihre Veränderung voranzutreiben. Ein Blick zurück hilft, diese These zu illustrieren.

Vor 150 Jahren, als der Kapitalismus noch auf klassischer Industriearbeit beruhte, die Landbevölkerung in die Städte strömte und nur die Alternative hatte, sich entweder bis aufs Blut ausbeuten zu lassen oder in Ermangelung tragfähiger sozialer Sicherungssysteme mehr oder weniger schnell zugrunde zu gehen, wären Arbeitstage von heutiger Länge und der mit ihnen einhergehende Lebensstandard den meisten Menschen als Paradies auf Erden erschienen. Viele Bergarbeiter blieben tagelang in den Stollen, und auch die Kinder blieben nicht verschont. Arbeitssicherheit gab es nicht, der Gesundheitszustand der Meisten war schlecht, die Lebenserwartung entsprechend niedrig und jede Form öffentlicher Kritik konnte verheerende Folgen haben. Engels Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, Emile Zolas „Germinal“ oder auch André Malraux’ „La Condition humaine“ veranschaulichen diese Situation in aller Deutlichkeit. Jeden Tag das Schreckgespenst der Entlassung oder der Invalidität vor Augen verausgabten sich die Menschen bis zur Erschöpfung und konnten froh sein, wenn ihr schmaler Lohn ausreichte, um die Familien zu ernähren, die sich in viel zu kleinen Wohnungen drängten.

Die ewige HetzjagdtDie Frage mag zynisch erscheinen – aber hätte diese Zeit nicht die Geburtsstunde der Depression oder immerhin depressiver Symptome sein müssen? War das nicht die wahre Leistungsgesellschaft und war der auf den Menschen lastende Druck zu dieser Zeit nicht wesentlich höher? Und wenn dem nicht so war – warum nicht?

Diese Frage lässt sich auf die heutige Zeit übertragen. Aktuellen Studien zufolge stammen die an Depression erkrankten Menschen nicht aus dem Bereich klassischer Arbeitsbranchen wie Bauwesen, Land- oder Forstwirtschaft, deren Erkrankungshäufigkeit ganz im Gegenteil um 35 bis 50 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Unter Depressionen leiden vor allem im Dienstleistungsbereich arbeitende Menschen, am stärksten solche, die in sozialen Berufen tätig sind [3]. Um die These aufrechtzuerhalten, Depression sei das Ergebnis des allgegenwärtigen Leistungsdrucks, könnte der geschichtliche Exkurs und die heutige Verteilung der Depression in verschiedenen Berufsgruppen nur durch die Behauptung erklärt werden, in von klassischer Arbeit geprägten Berufen sei der Druck geringer als in der Dienstleistungsbranche. Da aber Bauarbeiter offensichtlich nicht mehr zu lachen haben als Sozialarbeiter, scheint eine solche These reichlich abwegig.


Kapitalismus als Tautologie

Die Richtung, in der möglicherweise eine Antwort zu finden ist, eröffnet sich durch eine kurze Betrachtung, was unter Kapitalismus zu verstehen ist. Kapitalismus gilt vielen als wertender Begriff, der vor allem darauf zielt, die Profitgier der heutigen Gesellschaft zu geißeln. Entsprechend wird er von Gewerkschaftsfunktionären und SPD-Politikern immer dann gerne genutzt, wenn es auf den Wahlkampf oder den Ersten Mai zugeht. Auch in akademischen Kreisen wird er mit Vorliebe gezückt, um der eigenen Position das Flair eines gewissen radical chick zu verleihen.

Solche Verwendung des Begriffs verwundert einen, wenn man Marx denn gelesen hat. Im „Kapital“ wird der Begriff in rein deskriptivem Sinne verwendet, um den Dreh- und Angelpunkt einer ökonomischen Ordnung zu beschreiben, die durch den Kreislauf des Kapitals bestimmt wird. Kapital wird dabei als Geld bestimmt, das in Maschinen und Arbeitskraft investiert wird, um Waren zu produzieren, deren Zweck darin besteht, sich für mehr als das ursprünglich investierte Geld zu verkaufen, um mit dem Profit den Kreislauf auf erweiterter Stufenleiter erneut zu beginnen [4].

Das eigentliche Problem des Kapitalismus liegt darin, das Primat der Produktion stets in der Verwertung zu lokalisieren, zu der die Befriedigung von Bedürfnissen sich bestenfalls wie ein Nebeneffekt verhält [5]. Dass soziale Strukturen sich ab einer gewissen Größe von der unmittelbaren Intention ihrer Träger trennen und ein Eigenleben produzieren, ist bis zu einem gewissen Grad normal, doch der Kapitalismus steigert diesen Effekt in einem historisch einzigartigen Maße. Der eigentliche Zweck menschlicher Arbeit (Bedürfnis) wird zu einem bloßen Mittel (zur Verwertung), die Form (G-W-G’ – Geringwertiges Wirtschaftsgut) verdrängt ihren Inhalt (konkretes Produkt). Die Bewegung entzieht sich jeder gezielten Kontrolle, da sie durch die Konkurrenz von Akteuren angetrieben wird, deren einzige Vermittlung über die Anonymität des Marktes geschieht und die um ihrer Existenz willen gezwungen sind, den Zirkel immer wieder von neuem auf möglichst stark erweiterter Stufenleiter zu wiederholen. Aus dieser Sicht ist das Problem der heutigen Ordnung vor allem ihre Verselbständigung, die angesichts des Destruktionspotentials des Kapitalismus verheerende Folgen zeitigt (wie jüngst in Bangladesch gesehen).

Doch mit der Zirkularität des Kapitals geht noch ein weiteres, weniger thematisiertes Problem einher. Mindestens ebenso verheerend wie die mangelnde Kontrolle über den Kreislauf des Kapitals ist dessen Eigenschaft, eine perfekt geschlossene Tautologie zu verkörpern, denn in selbiger liegt ein nicht zu unterschätzender Angriff auf die psychische Integrität der Menschen verborgen. Roland Barthes hat in „Mythen des Alltages“ die Tautologie treffend beschrieben: „Die Tautologie ist immer aggressiv. Sie bedeutet einen wütenden Bruch der Intelligenz mit ihrem Objekt. Sie ist die arrogante Androhung einer Ordnung, in der man nicht denken würde.“ [6]. Dies hat wesentliche Konsequenzen für die Menschen, die gezwungen sind, in einer kapitalistischen Gesellschaft zu leben. Der Kapitalismus hat nicht nur eine historisch einzigartige Tendenz, sich jeder Form von sozialer Steuerung zu entziehen, er beseitigt auch die konkrete Bedeutung aller Dinge, Handlungen und sonstigen Lebensvollzüge, die Teil seiner kreisförmigen Bewegung werden. Oder kurz ausgedrückt: Er höhlt systematisch Bedeutungsverhältnisse aus. Ein Objekt oder eine Fähigkeit, die für sich betrachtet sehr spezifische Bedeutungen haben, büßen diese ein, sobald sie zu einem Produktionsmittel im Kreislauf des Kapitals werden. Jede produzierte Ware könnte ebenso gut eine andere sein, jede Arbeitskraft könnte mit der gleichen Berechtigung vollkommen anders eingesetzt werden, jedes Bedeutungsverhältnis ist stets nur artifiziell, provisorisch und den Fluktuationen des Kapitals unterworfen, von dem es schließlich ganz zum Verschwinden gebracht werden wird. Der Kapitalismus ist aus dieser Sicht eine Bewegung, die den Tauschwert an die Stelle des Gebrauchswerts gesetzt hat [7] und jedes von ihr affizierte konkrete Bedeutungsverhältnis durch die Leere der Tautologie ersetzt. Die Frage ist, wie sich diese Tatsache auf die Psyche auswirkt.


Das Schwinden der Distanz

Marx beschreibt die psychischen Konsequenzen kapitalistischer Produktion mit dem Begriff der Entfremdung. Der Proletarier entfremdet sich von seinem Produkt, seiner Arbeit und schließlich – da sein Selbstverhältnis vor allem über Arbeit vermittelt ist – von sich selbst [8]. Auf welche Weise die Entfremdung sich psychisch manifestiert und ob dies Ähnlichkeiten zum heutigen Zustand der Depression haben könnte, bleibt Spekulation.

EntfremdungVon wo die Entfremdung herrührt kann jedoch genau festgestellt werden: aus der Arbeitswelt. Hier macht er die Erfahrung, sich die Produkte seiner Arbeit nicht aneignen zu können, am Fließband nur kleine Komponenten zu fertigen, die keinen Bezug zum endgültigen Erzeugnis haben, seine handwerklichen Fähigkeiten vielleicht nur zu einem minimalen Teil ausspielen zu können und sich dadurch selbst fremd zu werden. Zwei Faktoren mindern die Effekte der Entfremdung jedoch. Zum einen ist es auch unqualifizierten Arbeitern möglich, ihre Arbeit mit Stolz zu versehen, indem sie trotz allem versuchen, ihre Arbeit so gut wie möglich zu machen [9]. Zum anderen geht ihre Persönlichkeit nicht gänzlich im Produktionsprozess auf. Ihr Verstrickung in die Bewegung des Kapitals ist durch den Umfang ihrer für die Produktion relevanten Fähigkeiten ebenso limitiert wie durch das Ende des Arbeitstages. Ob ein Arbeiter höflich ist, gerne liest oder Fußball spielt, ist für seine Tätigkeit in der Fabrik vollkommen irrelevant, weil diese Eigenschaften nicht Bestandteil des Produktionsfaktors Arbeitskraft sind. Obendrein kommt er nach Arbeitsschluss nach Hause und kann in seiner Privatsphäre die Erfahrung eines nicht entfremdeten Lebens machen.

Diese Tatsache erklärt die Frage, warum heute klassische Arbeitsverhältnisse um die Hälfte weniger mit Depressionen einhergehen als Dienstleistungsberufe. Der Arbeiter bleibt mit einem Teil seiner Persönlichkeit außerhalb des Kapitalkreislaufs und wird entsprechend weniger von dessen Leere heimgesucht. Dies ist bei Dienstleistungsberufen gänzlich anders. Sie produzieren nicht nur einen Anteil von über 70 Prozent des Bruttosozialproduktes, sie bedeuten vor allem eine folgenschwere Verschiebung des Kapitalverhältnisses. Diese Verschiebung hat zwei Aspekte.

Erstens: Marx zufolge verkauft der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware an den Kapitalisten. Gegen den Strich gelesen steckt in dieser Behauptung die These verborgen, beim Arbeiter und seiner Arbeitskraft handle es sich um zwei verschiedene Dinge (was, wie gesehen, mit Blick auf klassische Industriearbeit auch korrekt ist). Dienstleistungsberufe gehen mit einer gänzlich anderen Struktur einher. Die Arbeitskraft eines (zum Beispiel) Sozialarbeiters kann nur schwerlich von seiner Persönlichkeit getrennt werden. Wo der Arbeiter vor allem seine Stärke und eine spezifische Form von Wissen als Arbeitskraft in den Kapitalkreislauf einspeist, kann beim Sozialarbeiter keine vernünftige Eingrenzung dessen vorgenommen werden, was er als Arbeitskraft verkauft. Sicher hat er einmal studiert und auf diese Weise ein bestimmtes Wissen erworben, und natürlich muss auch er sich physisch gesund halten, also essen, sich kleiden und eine Wohnung bezahlen. Doch damit ist es bei weitem nicht getan. Er muss eine bestimmte Weise des Umgangs mit seiner Klientel haben, engagiert sein, ein bestimmtes Erscheinungsbild haben, ebenso eine spezifische Weise, sich, die anderen und die Welt zu betrachten und vieles mehr. Zwischen ihm als Person und seiner Arbeitskraft gibt es damit keinen Unterschied. Persönlichkeit und Arbeitskraft sind deckungsgleich geworden. Wo es beim Bauarbeiter egal sein mag, welche Musik er gerne hört, ist dies beim Sozialarbeiter von großer Wichtigkeit, ebnet Musik doch – wie man heute weiß – insbesondere den Zugang zu schwieriger Klientel. Was eben noch außerhalb des Kapitalkreislaufs stand, wird nun dessen integraler Bestandteil und dadurch ins Herz der Tautologie gezogen.

Zweitens: Proletarier und Kapitalist sind durch eine klare Linie voneinander getrennt, wenn sie sich nicht gar im Klassenkampf gegenüberstehen. In Dienstleistungsberufen (und schleichend auch im Bereich klassischer Arbeit, der hinsichtlich Servicebetonung, Image und beruflichem Selbstverständnis langsam nach den Gesichtspunkten von Dienstleistungen umstrukturiert wird) geht dieses Gegenüber mehr und mehr verloren. Die Ich-AG war der allzu deutliche rhetorische Klimax einer Bewegung, die sich von oben nach unten in der Gesellschaft durchsetzt. Die Menschen werden mehr und mehr genötigt, sich wie kleine Kapitalisten zu begreifen und entsprechend zu handeln [10]. Sie feilen an ihrer Employability, nehmen an Beratungen teil, die ihnen vermitteln, Probleme als Herausforderungen zu begreifen und pflegen akribisch ihre Netzwerke, auch wenn sie viele ihrer Bekannten vielleicht nicht einmal mögen. Arbeit ist heute kein Ausbeutungsverhältnis mehr, sondern für viele Menschen zum Medium ihrer Selbstverwirklichung geworden. Sicher trifft dies eher auf jemanden mit hoher Qualifikation als auf einen Empfänger von Sozialleistungen zu, doch auch Arbeitslose und Geringqualifizierte wie z.B. Verkäufer oder Friseurinnen werden entsprechend zurechtgemacht. Auf diese Weise kommt es zu einer schrittweisen Verkehrung der Perspektive. Erschien die Reihe G-W-G’ im klassischen Kapitalismus dem Proletarier als W-G-W, da er nur arbeitete, um sich durch entsprechenden Konsum am Leben halten zu können, nehmen die arbeitenden Menschen heute immer mehr an ersterer Bewegung teil. Sie investieren Geld in sich selbst, verkaufen ihre Persönlichkeit und streichen am Ende (zumindest einige) mehr Geld ein, um den Kreislauf von neuem zu beginnen (besonders deutlich wird dies beim Personal Branding).

Diese beiden im Dienstleistungsbereich besonders stark ausgeprägten Bewegungen beseitigen den Abstand zwischen dem leeren Kreislauf des Kapitals und den Subjekten, was Distanzierung oder gar Widerstand wesentlich erschwert. Dies betrifft Menschen mit Arbeit ebenso wie Arbeitslose. Sind die einen bereits in den Kreislauf integriert, versuchen die anderen auf jedem Weg hineinzukommen und nehmen auf diese Weise an ihm teil. Wenn das Kapital eine tautologische Bewegung ist und selbige dazu tendiert, Bedeutungsverhältnisse zu nivellieren, wenn nicht gar aufzuheben, ist das moderne Subjekt vollkommen in diese Dynamik eingespannt, da es über keine Ressourcen mehr verfügt, um sich auf Abstand zu halten. Weder gibt es Aspekte seiner Persönlichkeit, die nicht als Kapital in Frage kämen, noch hat es ein Gegenüber, von dem es sich distanzieren könnte. Das Subjekt wird von der Leere des Kapitalkreislaufs aufgezehrt. Und genau hier ist die Verbindung zur Depression, die das psychische Spiegelbild dieser Bewegung ist.


Depression als Akt der Identifikation

Als Symptome einer Depression werden in der Regel Zustände wie Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer, Gefühlslosigkeit, sozialer Rückzug und Verlust der Libido beschrieben. Depressive erleben sich selbst anders als zuvor, verändern ihr Verhalten und haben nicht selten körperliche Beschwerden, die ihren Grund vor allem in ihrem psychischen Zustand haben. Die Depression betrifft also den Menschen als Ganzes und ist wie ein Strudel, in dem langsam alles verschwindet, was die Persönlichkeit eines bestimmten Individuums einmal ausgemacht hat. Nicht selten ist das soziale Umfeld überfordert und zieht sich zurück, was den Zustand des Betroffenen verschlimmert [11]. Die Entstehung von Depressionen ist bis heute unklar, ebenso wie die Frage, was eine Depression abgesehen von der Beschreibung ihrer Symptome eigentlich ist. Auf einschlägigen Webseiten finden sich in der Regel nur Aufzählungen, die physische, genetische, psychische und biographische Elemente kombinieren, um anschließend darauf zu verweisen, eine typische Depression gäbe es eben nicht. Die Krankheit bleibt bis zu einem gewissen Punkt ein Rätsel.

Zu Freuds Zeiten gab es eine psychische Krankheit, die in ihrer Symptomatik frappierende Ähnlichkeit zur Depression aufwies, heute aus dem psychischen Fachvokabular jedoch nahezu verschwunden ist – die Melancholie. Freud beschreibt sie als einen Zustand der Selbstzerknirschung, der mit Gefühlen innerer Leere und der Herabsetzung des Ich einhergeht. Die Entstehung der Melancholie geht auf einen gravierenden Objektverlust zurück, den das Subjekt nicht verarbeiten kann oder darf (wenn die Normen es verbieten), weswegen es sich vor der Einsicht in den Verlust durch die Identifikation mit dem Objekt zu schützen versucht. Das Objekt wird in das Ich aufgenommen und anschließend vom Über-Ich mit Angriffen überzogen, da sein plötzliches Verschwinden ein enormes Potential an Aggressivität freigesetzt hat [12].

Interessant sind an dieser Stelle vor allem drei Momente. Erstens ist die freudsche Melancholie eine Krankheit, die aus einem Konflikt resultiert. Das Subjekt kann oder darf nicht trauern und in seinem Inneren tobt ein kleiner Krieg, in dem sich Ich und Über-Ich aneinander aufreiben. Zweitens handelt es sich bei der Melancholie um eine Krankheit der Identifikation, wobei es die dergestalt vollzogene Internalisierung des Objekts ist, die erst zur Ausbildung der entsprechenden Symptomatik führt. Drittens ist die Melancholie eine Krankheit, die von einer schrittweisen Entleerung des Ichs geprägt ist, die bis zur völligen Verarmung reichen kann [13].

IdentifikationAuf dem Weg von der alten Melancholie zur heutigen Depression gibt es eine ausschlaggebende Veränderung. Alain Ehrenberg verweist auf die Tatsache, dass die heutigen Gesellschaften nicht länger durch Verbote mitsamt den daraus resultierenden Konflikten strukturiert sind, sondern vor allem durch einen weiten Horizont von Möglichkeiten, aus dem das Subjekt beständig zu wählen gezwungen ist, um seine Identität für andere und die Gesellschaft attraktiv zu machen. Wo es in der Gesellschaft Freuds um Schuld ging (die Schuld des verstorbenen Objekts, die Schuld, falsch geliebt zu haben, etc.), geht es nunmehr vor allem um die Verantwortung für die Modulation der eigenen Identität [14]. Das moderne Subjekt sei übermäßig damit beschäftigt, sich selbst immer wieder neu zu erfinden und verliere sich in einem narzisstischen Zirkel, der schließlich in die Depression münde, da es zwar händeringend versucht, es selbst zu sein, an dieser Aufgabe jedoch permanent scheitert [15].

Der von Ehrenberg beschriebene Prozess spiegelt sich in der Omnipräsenz sozialer Netzwerke, der gesellschaftlichen Verpflichtung zur Originalität und der allgemein anerkannten Hippness kalkulierter Abweichung. Wer zwei Stunden am Tag sein Facebook-Profil pflegt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob die dahinter stehende Wahrnehmung, noch jeder kleine Lebensvollzug sei es wert, medial aufgearbeitet und öffentlich gemacht zu werden, nicht eher einer fatalen Selbsttäuschung entspricht, hinter der sich eine Person verbirgt, der ihr eigener Narzissmus zum Gefängnis geworden ist. Beachtenswert ist jedoch, dass die Depression bei Ehrenberg wie die Melancholie als Krankheit der Identifikation und des Mangels bzw. der Leere verstanden wird. Letztere resultiert ihm zufolge aus dem ständigen Gefühl, nicht genug Identität akkumuliert zu haben und hinter den Erwartungen anderer und des eigenen Selbst zurückzubleiben. Es gibt immer noch ein Kleidungsstück, das man mal probieren sollte, ein Coaching, an dem teilzunehmen ein lohnendes Unterfangen wäre und offene Fragen, die sich bei Hinzuziehung entsprechender Beratungsangebote vielleicht klären ließen. Die heutige Verbreitung entsprechender Angebote und die Überflutung der Bücherregale mit Ratgeber- und sonstiger Werd-Besser-Literatur lässt Ehrenbergs Standpunkt nahezu selbstevident erscheinen.

Doch lässt sich die Argumentation durch Rückgriff auf die vorherigen Ausführungen über den Kapitalismus und dessen Tendenz zur Subversion fester Bedeutungsstrukturen auch umkehren. Statt einem notorischen Scheitern der Identifikation ließe sich ganz im Gegenteil von einer vorbildlich funktionierenden Identifikation sprechen. Wenn der moderne Kapitalismus sich dadurch auszeichnet, jedes Individuum als Kapitalisten anzurufen und statt einer gegen die Persönlichkeit abzugrenzenden Arbeitskraft den ganzen Menschen mit all seinen Eigenschaften ins Rad der Produktion zu spannen, ist die Leere der Depression nichts anderes als die Identifikation mit der Leere des Kapitalkreislaufs selbst. Das Verschwinden des Klassenwiderspruchs, die abnehmende Relevanz von Ausbeutung und Unterdrückung und die unternehmerische Modulation der Persönlichkeit haben die Distanz zum Kapitalkreislauf beseitigt und drohen jede Lebensäußerung des Subjekts in selbigen zu integrieren. Dem heutigen Subjekt ist potentiell alles Kapital, ob nun in seiner ökonomischen, kulturellen oder sozialen Gestalt [16], sogar das Emotionale ist bereits erschlossen [17]. Freundschaften werden zu Netzwerken, Intellektualität mutiert zu Problemlösungskompetenz und ein dickes Fell zu Frustrationstoleranz. Der in seiner Totalität zum Produktionsfaktor gewordene Mensch macht an jeder Ecke seines Lebens die Erfahrung, wie wenig es auf die konkrete Dimension seines Lebens ankommt, schließlich besteht das Ziel immer in der Verwertung an sich, nicht aber in ihrer konkreten Form. Wie auch immer das Subjekt seine Identität gestaltet, wird sie dort, wo sie in den Kapitalkreislauf eingeht, in die Sinnlosigkeit der Tautologie hineingezogen und von ihrer Leere affiziert. Die Identifikation mit dem Kapital ist die Identifikation mit der Leere, und diese äußert sich als Depression. Aus dieser Sicht ist die Depression weniger eine Abweichung als Symptom einer gelungenen Anpassung an die Logik der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung. Das ist zwar ärgerlich, weil die Menschen krankheitsbedingt bei der Arbeit fehlen und dadurch hohe Kosten verursachen, es ist jedoch auch äußerst praktisch. Denn wo kaum noch jemand über eine Identität verfügt, gibt es auch keinen Ort mehr, der zur Basis von Widerspruch werden könnte.


Quelle: Streifzuege-Team

“Streifzüge – Magazinierte Transformationslust” ist eine Publikation des Vereins für gesellschaftliche Transformationskunde in Wien, Magazin Nr. 58

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild – BurnOut – D. Braun / pixelio.de
  2. Entfremdung – Andrea Müller  / pixelio.de
  3. Identifikation – S. Hofschlaeger  / pixelio.de

 

Fußnoten:

  1. Destastis (2012): Pressemitteilung Nr. 369, www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/10/PD12_369_634.html (abg. 9.5.2013).
  2. Kurth, B.M. (2012): Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS); in: Bundesgesundheitsblatt 2012 (55), Springer, Berlin, 987.
  3. BPtK (2010): Komplexe Abhängigkeiten machen psychisch krank – BPkT-Studie zu psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt, http://www.bptk.de/uploads/media/20100323_bptk-studie_psychische_erkrankungen_in_der_arbeitswelt.pdf (abg. 9.5.2013), (8f.)
  4. Marx, Karl (1989): Das Kapital, Bd. 1, MEW 23, Dietz, Berlin, 161ff. http://marx-wirklich-studieren.net/marx-engels-werke-als-pdf-zum-download/
  5. Heinrich, Michael (2005): Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung, Schmetterling, Stuttgart; 84
  6. Barthes, Roland (1964): Mythen des Alltags, aus dem Französischen übersetzt von Horst Brühmann, Suhrkamp, Fa M, 27
  7. Debord, Guy (1996): Die Gesellschaft des Spektakels, übersetzt von Jean-Jacques Raspaud, Edition Tiamat, Berlin, 38
  8. Marx, Karl (1968): Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband 1, Dietz, Berlin, 514f.
  9. Sennett, Richard (2006): The Culture of the New Capitalism, Yale University Press, New Haven, 103f.
  10. Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst, Suhrkamp, Fa M.
  11. Deutsche Depressionshilfe (2013): http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/depression-erkennen.php (abg. 9.5.2013)
  12. Freud, Siegmund (1989): Trauer und Melancholie, in: Studienausgabe Bd. 3, Fischer, FaM.
  13. ebd., 206
  14. Ehrenberg, Alain (2008): Das erschöpfte Selbst, Suhrkamp, FaM, 15f.
  15. ebd., 179
  16. Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, in: Reinhard Kreckel (Hg.): „Soziale Ungleichheiten“, Soziale Welt Sonderband 2, Göttingen.
  17. Illouz, Eva (2007): Gefühle in Zeiten des Kapitalismus, Suhrkamp, FaM, 102

Schiefergas: Spekulationsblase oder Wunder?

von Alfredo Jalife-Rahme

Auf der ganzen Welt verurteilen Stimmen den Mythos von Schiefergas. Neben der Spekulationsblase die er hervorruft, wird dieser Betrug nicht ohne schwere Folgen für die Vereinigten Staaten bleiben. Tatsächlich hat sich die Obama-Administration selbst überzeugt, dass das Land eine nachhaltige Energie-Unabhängigkeit erleben wird.

Mit einer schönen Grafik ist es sehr überzeugend.

Mit einer schönen Grafik ist es sehr überzeugend.

Es gibt keine Diskussion über Schiefergas; ist es ein Wunder der US-Technik, wie es über alle Dächer der angelsächsischen Medien ausposaunt wird, ein Prometheus-Kunststück, oder eine vulgäre, von den Befürwortern der Finanzleitung aufgebauschte Spekulationsblase, wie es die These vom Zentrum der geostrategischen Reflexion DeDefensa.org ist, mit Sitz in Brüssel?  [1].

Diese Debatte sollte es jedoch wirklich geben, da die neue atemberaubende Position, die die USA anstreben, von ihrer Schlussfolgerung abhängen wird: eine globale Energiemacht, fähig mit Russland und der OPEC zu konkurrieren, wenn die Gas-Manna sich bestätigt, oder nur ein erbärmlicher Versuch von Agitprop für die Verzögerung des Verfalls der einstigen unipolaren Supermacht?

Ein hoch platzierter Banker-Freund der anonym bleiben will meint, dass das Fracking (die Spaltung des unterirdischen Gesteins in 4.000 m Tiefe, mit einer enormen Menge von Wasser) ist eine neue Desinformation-Operation, weil es absolut nicht machbar ist. Er fügt hinzu, dass Fracking-Investitionen ein Fass ohne Boden sind, und das durch den Verkauf von Öl generierte Geld nicht ausreichen wird, um dieses neue Industriewachstum zu finanzieren, weil die durch Fracking erstellten Bohrlöcher sehr schnell versiegen. Um eine Produktion auf gutem Niveau zu halten, müssen ständig neue Bohrungen gemacht werden. Das ist unvermeidbar und wird kaum für mehr als eine bestimmte Produktion ausreichen.

« Dieses Verfahren bietet nicht die Vorteile der traditionellen Ölproduktion, die Quelle von ungeheurem Reichtum war, den Ausbau der Produktion sicherte oder Investitionen in anderen Bereichen ermöglichte. Nein, das Fracking verschlingt alle Ressourcen; Es erfordert enorme Kreditaufnahmen, und eines Tages wird dann daraus eine Krise. Am Ende wird es sich kaum mehr als ein neues Manöver der Wall Street erweisen, um Kleinanleger in die Falle zu locken, die verzweifelt profitable Investitionen suchen.“

Die Argumentation ist sehr überzeugend, da Aubrey McClendon, Gründer von Chesapeake Energy, der größte Produzent von Erdgas in den USA, von seinen Investoren wegen mangelndem Profit zum Rücktritt gezwungen wurde, während dessen das Unternehmen sich ernsthaft verschuldet hatte; es ist ein finanzieller Kollaps infolge des Preisabsturzes von Erdgas und der Mangel an Liquidität  [2].

Unterdessen kündigt die DeDefensa.org-Website das Ende des Mythos der Revolution von Schiefergas für die kommenden maximal 18 oder 24 Monate an. Es wurde bereits von ihr ein Thema ’Shalegas-Gate’ erstellt und sie hält diese Produktionsart für eine “Massenvernichtungswaffe” [die die USA umbringen wird], verweisend auf den durchschlagenden Versager der Cheesapeak Energy. Kurz gesagt, die EUR, (estimated ultimate recovery), die endgültig erwarteten Dividenden, seien sehr übertrieben gewesen   [3].

Die Öl-geologen und die unabhängigen Geophysiker, die die Fata Morgana der EUR denunziert haben, wurden natürlich von den großen internationalen Konferenzen zum Thema Öl und Gas evakuiert. Aber die Hexenjagd genügte nicht, um die Zweifler zum Schweigen zu bringen und die New York Times war gezwungen, den Gedanken zu formulieren, dass vielleicht die Gas-Industrie-Zahlen manipuliert worden wären  [4].

Man hatte eine sehr große Produktion von Erdgas in den USA in den letzten Jahren, die eine verfeinerte Analyse der Produktion von perforierten-Bohrungen zuließ, und man entdeckt, dass die Produktion deutlich unter den Prognosen war.

Der Geologe Arthur Berman, der seit 25 Jahren in der Amoco (Oil Company Chicago, Ex-Standard-Oil) gearbeitet hat, analysierte drei historische Bereiche: Barnett, Fayetteville und Haynesville; er zeigt die Hyperinflation der EUR, die man den von den Bankiers verblendeten Investoren, die nichts über die Feinheiten des Schiefergas wissen, verbirgt.

Auf den Antipoden hat man einen Bericht von der Internationalen Agentur für Energie – die immer wieder bei Desinformations-Operationen ertappt wurde – der ganz locker sagt, dass alle großen Gas- und Öl-Firmen in Eagle Ford, Utica, Marcellous und Bakken, den USA ermöglichen werden, der erste Öl-Produzent im Jahr 2017, vor Saudi-Arabien, zu werden   [5].

Aber DeDefensa zitiert dagegen den Texas-Geologen, Ingenieur Gary Swindell, der die fabelhafte Eagle Ford-Brunnen-Produktion halbiert  [6].

Und die britische Agentur Reuters bezweifelt das fabelhafte Geheimnis in Utah, die wunderbaren Felder von Utica  [7].

Und die britische Agentur Reuters bezweifelt das fabelhafte Geheimnis in Utah, die wunderbaren Felder von Utica  [8]. In der Tat, DeDefensa, sehr pessimistisch, bezweifelt die technischen Fähigkeiten, und nicht nur die Zahlen, die munter vom Leiter der IEA, Fath Birol, dem fraglichen Ökonomen am 12. November 2012 angekündigt wurden, nämlich dass 2017 die USA die weltweit führenden Ölproduzenten würden.

Das Schiefergas wird daher zweifellos Bestandteil des US-Energiekorbs, aber wird das geopolitische Spiel nicht stören, weil die USA kein LNG (Liquefied Natural Gas) exportieren werden. Russland wird auf dem europäischen Markt nicht bedroht werden und die australischen Flüssig-Erdgas-Projekte werden weitergeführt werden können.

Schiefergas wird darüber hinaus nicht billig sein, sodass seine Ansprüche, die strategische Lage zu revolutionieren, aus dem neoliberalen Mexiko (durch eine Regierung vertreten, die nicht fähig ist, zurückzuschalten) vielleicht den großen Verlierer machen werden.

Alfredo Jalife-Rahme

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Autor: Professor für politische und soziale Wissenschaften an der nationalen autonomen Universität von Mexico (UNAM). Er veröffentlicht Berichte der internationalen Politik im Tageblatt La Jornada und in der Wochenzeitung Contralínea.

Text- und Grafikquellen:

„Schiefergas: Spekulationsblase oder Wunder?“, von Alfredo Jalife-Rahme, Traduction Horst FrohlichLa Jornada , Voltaire Netzwerk, www.voltairenet.org

Fußnoten:

  1. DeDefensa.org ist die Internet-site der Revue DDE Crisis, über Abonnement erhaltbar, 22, rue du Centenaire, B-4624 Fléron, Belgique. Tél. : + 32 4 355 05 50, Fax : + 32 4 355 08 35
  2. « Breakingviews : SEC goes where Chesapeake board feared to tread », von Christopher Swann, Reuters, 1. März 2013. « La SEC a assigné à comparaître l’ex-patron de Chesapeake», AFP, 1. März 2013
  3. «Gaz de schiste : à la “bulle” nul n’échappera…», I, II, III, DeDefensa.org, 16 novembre 2012, 11 et 16 janvier 2013.
  4. Am 26.Juni 2011, gab die New York Times eine grosse Menge von Dokumenten online, die die Hoffnung auf Schiefergas in Frage stellen documents officiels posant de sérieux doutes sur les espoirs mis dans le gaz de schiste
  5. World Energy Outlook 2012, Agence Internationale pour l’Énergie, 12 novembre 2012.
  6. Cité in «$8 Natural Gas: We’re Right On Schedule», par Richard Finger, Forbes, 14 octobre 2012)
  7. «Insight: Is Ohio’s “secret” energy boom going bust?», par Edward McAllister et Selam Gebrekidan, Reuters, 22 octobre 2012.
  8. Variability of Distributions of Well Scale Estimated Ultimate Recovery for Continuous (Unconventional) Oil and Gas Resources in the United States, U.S. Geological Survey Oil and Gas Assessment Team. Document téléchargeable.

Mit Vielfalt statt Einfalt – Marsch gegen Monsanto

Erst die Kuh, dann Du

Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Die Artenvielfalt wird zerstört. Kreisläufe und Gleichgewicht der Natur geraten aus den Fugen. Patente auf unzählige Naturprodukte ruinieren Landwirte. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Rechtsprechung und Bildungseinrichtungen stehen unter Einfluss der Konzerne. Das sind nach den Erkenntnissen der ca. 40 mit veranstaltenden Organisationen die Auswirkungen der Machenschaften von Unternehmen wie Monsanto, die mittels der so genannten Gentechnik gegen die Interessen der Menschen – insbesondere in der Landwirtschaft – eine künstliche, profit-orientierte Welt schaffen wollen. Düsseldorf ist der Ort, in dem der Konzern Monsanto, der sich selbst als „Life-Sciences-Unternehmen“ bezeichnet, seine geschäftliche Hauptniederlassung für Deutschland hat. Unter dem Motto “Vielfalt statt Einfalt” haben am 31. Mai 2014 mehr als 1.000 Menschen hier demonstriert.

1985 war die Soziologie-Professorin Maria Mies Mitveranstalterin des ersten, internationalen, feministischen Anti-Gen-Kongress „Diverse Women for Diversity“ in Bonn. Ein Satz, den die unbestechliche Ökofeministin mit geprägt hat, lautet: „Wozu brauchen wir das alles?“ Die Antworten der im Auftrag der Konzerne forschenden Wissenschaftler sind stereotyp und unzutreffend: Gentechnik sei notwendig, um den Hunger in der dritten Welt zu bekämpfen. Außerdem sei sie völlig ungefährlich. In dieses Verblendungsgebilde passt die Umbenennung von Gen- in Biotechnologie mittels manipulativem Greenwashing.

Nicht-reproduktives Saatgut und Gebärfähigkeit

„Wir haben unseren Kongreß (1985) ganz bewußt nicht nur auf die Gentechnik in der Landwirtschaft beschränkt,“ sagte die Kritikerin der neoliberalen Globalisierung anläßlich des 2004 in der Kölner Messe stattfindenden Kongresses „Agricultural Biotechnology International Conference (ABIC)“, einer Konferenz der Nahrungsmittel-Konzerne zur „Bio“technologie. In ihrem Beitrag zur damaligen Gegenkonferenz betonte sie: „Wir wussten, daß die Gentechnik die Grenzen zwischen den Arten überschreitet. Die Gentechnik, die Pflanzen verändert, ist dieselbe Gentechnik, die tierische Organismen verändert. Es ist dieselbe Gentechnik, die Menschen verändert, die Frauen ihrer Gebärfähigkeit enteignet.“ Aus dieser Erkenntnis prägten die Frauen den griffigen Slogan: „Erst die Kuh, dann du!“

Seit 1985 habe sich „an den Begründungen der Gentechniker und vor allem der so genannten Life Science Konzerne nichts geändert.“ Das einzige, was sich geändert habe, sei die Politik, „vor allem in Deutschland. Damals waren die Grünen noch strikt gegen die Gentechnik. Auch die SPD war nicht ganz dafür. Heute (2004) hat die rotgrüne Regierung ein neues Gentechnik-Gesetz erlassen, dass den globalen Bio-Konzernen Tür und Tor öffnet.“

Monsanto und Bayer und Agent Orange

Wie verantwortungslos die profitorientierte Wirtschaft (und Politik) mit ethischen Standards umgeht, ist seit 35 Jahren Thema öffentlicher Aufklärung der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) – noch im April 2014 anlässlich der Hauptversammlung der Bayeraktionäre (⇒ siehe NRhZ-Fotogalerie) in Köln. Als Teilnehmerin am Düsseldorfer Monsanto-Protestmarsch erinnert die CBG an das von ihrer in den 60er Jahren gegründeten Tochterfirma MoBay (Monsanto und Bayer) produzierte hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange für den Vietnamkrieg. CBG-Vorstandsmitglied Philipp Mimkes: „Wir beteiligen uns heute am March against Monsanto, um darauf hinzuweisen, dass die Firmen Monsanto und Bayer eine lange gemeinsame Geschichte haben.“ Das Leiden ihrer Opfer führt nicht zu einer Entschuldigung geschweige einer Entschädigung (siehe NRhZ-Fotogalerie).

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Philipp Mimkes: „Monsanto und Bayer haben im Bereich Gentechnik ein sehr ähnliches Geschäftsmodell: sie verkaufen genmanipuliertes Saatgut, z.B. Soja, Mais oder Baumwolle, das resistent gegen ein hauseigenes Herbizid ist. Glyphosat im Fall von Monsanto, Glufosinat im Fall von Bayer. Durch den Kauf des Saatguts sind die Landwirte somit gezwungen, im Doppelpack auch das korrespondierende Pestizid zu kaufen. Der Wirkstoff von Bayer, Glufosinat, ist so giftig (insbesondere embryonenschädigend), dass die EU das Präparat vom Markt nimmt. Dies hindert Bayer nicht, in den USA momentan eine neue Glufosinat-Fabrik zu bauen. Ein klassischer Fall doppelter Sicherheits-Standards.“

Gegen die Einfalt von Konzernherrschaft und neoliberaler Politik

Maria Mies gründete aus Protest gegen das Multilaterale Investitionsabkommen MAI, einem erfolgreich verhinderten Vorläufer des TTIP, den „Infobrief gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik“. Ihre 2004 geäußerte Erkenntnis: „Nicht wir, die Verbraucher in Nord und Süd brauchen diese Technologie. Das Kapital braucht sie, weil es weiter wachsen will und muss“, bleibt – solange keine Systemänderung erwirkt wird – hochaktuell.


Grußwort der alternativen Nobelpreisträgerin Vandana Shiva / Indien

(Übersetzung Bernward Geier / Olivia Tawiah)

Ich sende meine Grüße und meine Botschaft der Solidarität Euch allen, die Ihr Euch hier für den Marsch gegen Monsanto zusammengefunden habt. Marschieren gegen Monsanto bedeutet marschieren für Freiheit und Demokratie, für Gesundheit und Lebensmittel-Sicherheit, sowie für Saatgut und Biodiversität.

Monsanto_Gentechnik_Gentechnikkritik_Gentechnologie_Biotechnologie_Arbeiterfotografie_Maria_Mies_Vandana_Shiva_Greenwashing_Nahrungsmittel_Lebensmittel_gentechnisch_CBG_Bayer_Glufosinat_PestizidIch werde oft gefragt, warum Monsanto? Meine Antwort darauf lautet: “Nicht wir haben uns Monsanto als Ziel herausgesucht.” In Wahrheit hat Monsanto selbst die Freiheit des Saatguts und der Lebensmittel, unsere wissenschaftlichen und demokratischen Institutionen, letztendlich unser aller Leben in seiner Gesamtheit sich zur Zielscheibe gemacht. Monsanto selbst hat zugegeben, dass sie die Grundlage der Vertragstexte der WTO zu den sogenannten geistigen Eigentumsrechten geschrieben haben, die es Monsanto ermöglichen, Saatgut zum geistigen Eigentum zu deklarieren. Und nur diese Patentgesetze haben es Monsanto ermöglicht, sich vom Giftproduzenten zum Saatgut-Giganten zu entwickeln, der bereits heute die größten Anteile des Saatgutmarkts besitzt. In Indien kontrolliert Monsanto schon 95 % des Saatguts für Baumwolle, und es sind diese unglaublichen Profite durch die Lizenzgebühren, die unsere Kleinbauern in die Falle von nicht rückzahlbaren Krediten getrieben haben. 284.000 Bauern haben bis heute in Indien Selbstmord begangen, weil sie wegen teurem Saatgut und Agrarchemie keinen Ausweg aus der Schuldenfalle mehr sahen.

Multinationale Unternehmen wie Monsanto stehen hinter dem EU-Saatgutgesetz, das die Diversität und den Nachbau bzw. die Erhaltung von Saatgut in Europa illegal gemacht hätte. Zum Glück hat das Parlament den Entwurf zurück an die Europäische Kommission verwiesen. Wir müssen dafür sorgen, dass auch das morgen neu gewählte Parlament dieses Gesetz nicht verabschiedet.

In den USA nutzt Monsanto sein unermessliches Vermögen, um das Recht der US-Bürger zu untergraben, nämlich zu wissen, was sie essen. Aktuell bedroht der Konzern den Bundesstaat Vermont, weil dort ein Gesetz zur Kennzeichnungspflicht von Gentechnik erlassen wurde. Auch hat Monsanto dafür gesorgt, dass im amerikanischen Kongress eine Gesetzesvorlage eingereicht wurde, die den Titel trägt „Das sichere und korrekte Lebensmittel-Kennzeichnungsgesetz“ – populär bekannt unter dem passenderen Akronym „Dark“. Dies steht als Abkürzung für “Deny Americans the Right to Know”, was ins Deutsche übertragen bedeutet: “Verweigere den Amerikanern das Recht zu wissen”. Dies ist ein weiterer Angriff auf die Demokratie und auf die Freiheit der Bürger.

Während Monsanto bekannt gibt, dass es sich aus Europa zurückzieht, überflutet es die osteuropäischen Länder mit Gentechnik. Und sie üben Druck aus auf die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP, um dadurch Europas nach wie vor relative Gentechnikfreiheit zu untergraben und um noch stärkere Rechte für ihre Besitzansprüche auf Saatgut zu bekommen.

Monsanto hat bis heute bereits mehr als 1.500 Patente auf Klimaresistenz beantragt. Sie hoffen, dass sie auch die Klimakatastrophe instrumentalisieren können, um noch größere Profite zu machen. Vor kurzem erst hat Monsanto das Unternehmen The Climate Corporation aufgekauft, und hofft damit Klima- und Wetterdaten genauer kontrollieren und kommerzialisieren zu können. Monsanto will mittels totaler Kontrolle über Natur und Menschheit riesige Profite machen.

Wir fordern Saatgutfreiheit, wir fordern Lebensmittelfreiheit und wir brauchen eine Demokratie der Erde, in der alle Lebewesen auf unserem Planeten frei sind, und in der das Gemeinwohl alle schützt, durch Fürsorge und Teilhabe, durch Liebe und Mitgefühl, durch die Erkenntnis, dass genug für alle da ist. Wir lassen nicht zu, dass Gier und Gewalt eines Konzerns das Leben auf unserer Erde, das Leben unserer Farmer und das Leben unserer Kinder zerstören. Deshalb marschieren wir gegen Monsanto.

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


Quelle: erstveröffentlicht in der NRhZ > Artikel mit weiteren Fotos sowie

Kritisches Netzwerk

Bildquelle: alle Fotos © Arbeiterfotografie > Webseite > Galerie

Hinweise:

  • ArbeiterfotografieStop Monsanto, Düsseldorf – weiter
  • Reportage – Düsseldorf, 24.5.2014: Demonstration “March against Monsanto – Vielfalt statt Einfalt – We don’t need Monsanto & Co” (in 3 Teilen) – weiter

  • Wer ist Arbeiterfotografie?weiter

Strategien der Manipulation

von Caillea

Ein Beitrag auf Freiwillig-Frei hat mich dazu veranlasst, hier noch einmal auf das Thema Manipulation, gerade in Bezug auf die gestrige Europawahl und deren Ergebnisse, einzugehen. Der Autor nimmt hier Bezug auf einen Text von Sylvain Timsit  “10 Strategien der Manipulation”. Gemeint sind Strategien zur Lenkung ganzer Bevölkerungen. Bezüglich dieser “Strategien” kursieren noch weitere Namen von Urhebern dieses Textes im Internet. Unsere eigenen Recherchen haben alle anderen genannten Autoren als definitive Falschmeldungen eingestuft. Alle weiteren Texte auf der Webseite des Autors sind bezüglich der Bilder und Fakten schwer nachprüfbar, daher distanzieren wir uns erst einmal davon, da wir Wert auf Qualität legen.

Diese Strategien, aus 2011 stammend, sind relativ schlicht, plausibel und gut beobachtet und haben von ihrer Präsenz nichts verloren. Hier dürfte jeder zustimmen, der sich auch außerhalb der Mainstream-Medien informiert, welche mit ihren fragmentierten, verkürzten, häufig rahmenlosen und teilweise fragwürdigen Themen aufwarten und keine wirkliche Grundlage für Wissensbildung im Weltgeschehen darstellen.

Menschen, welche glauben, dass es in der Gesellschaft kein Machtzentrum, keine Elite, keine Herrschaft gibt, sondern viele unterschiedliche Gruppierungen, welche die grundlegenden Interessen der Mehrheit darstellen, werden diese voraussichtlich ablehnen. Weiterhin möchte ich in diesem Beitrag auf das Buch von Wolfgang R. Grunewald “Die erfolgreichsten Gehirnwäschetechniken der Globalisierungs-Fanatiker – Ein Psychogramm der Westlichen-Werte-Demokratie” eingehen, der eindrucksvoll beschrieben hat, wie wir alle dem Einfluss von Suggestionen unterliegen und die “10 Strategien der Manipulation” mit Beispielen ergänzen.

Beide Autoren zeigen auf, wie die Gesellschaft beeinflusst wird und welche Informationen für relevant gehalten werden. Da Information immer zu Wahrnehmung führen und Wahrnehmung die Grundlage jedes Handelns ist, begründet Information letztendlich auch die soziale Realität. Ebenso den Wandel dieser.

1. Kehre die Aufmerksamkeit um

600992_web_R_by_Helene Souza_pixelio.deDas Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse umzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Kybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres.

Sonderangebote im Supermarkt, wie hat die Fußballmanschaft meiner Wahl gespielt, Liebesaffären von Promis, Big Brother, Deutschlands Top-Modell und Dschungelcamp u.v.a.m. spielen im Leben von vielen Menschen eine wichtige Rolle. Nehmen wir mal bewusst wahr, was in unserem Umfeld für eine Themenauswahl stattfindet in Bezug auf TV, Radio, Zeitung (Papier oder digital), Facebook und anderen “sozialen” Netzwerken oder auch Gesprächen mit Menschen die wir kennen. Spätestens dann sollte uns auffallen, dass man hier von einer “Verkehrung” der Dinge sprechen kann, vor allen Dingen, wenn wir mal die letzten 10 bis 15 Jahres unseres Lebens Revue passieren lassen. 

Durch diese Ablenkung kann die Demontage der Bürgerrechte erfolgen und Folter, Drohnenmassenmorde und Geheimkriege, fortschreitende Verankerung von Krieg, Rassismus, Prekarisierung in die Normalität übernommen werden.

2.  Erzeuge Probleme und liefere die Lösung

Diese Methode wird die „Problem-Reaktion-Lösung-Methode“, oder in Fachkreisen auch “Framing” genannt. Es wird ein Problem bzw. eine Situation geschaffen, um eine Reaktion bei den Empfängern auszulösen, die danach eine präventive Vorgehensweise erwarten. Verbreite Gewalt oder zettle blutige Angriffe an, damit die Gesellschaft eine Verschärfung der Rechtsnormen und Gesetze auf Kosten der eigenen Freiheit akzeptiert. Oder kreiere eine Wirtschaftskrise um eine radikale Beschneidung der Grundrechte und die Demontierung der Sozialdienstleistungen zu rechtfertigen.

Es werden Gesellschaftsprobleme geradezu fabriziert, um in der Bevölkerung ein spezifisches Orientierungsbedürfnis hervorzurufen, welches dann eine Lösung in die von Anfang an gewünschte Richtung ermöglicht. Die Finanzierungsbasis der meisten Staaten, die zunehmend durch die Finanzeliten zerstört wurde, wodurch die öffentlichen Schulden in die Höhe schnellten, wurden unter Schützenhilfe der Medien und der Unternehmerlobbies dazu genutzt, die nötige Angst zu erzeugen, um falsche Lösungen in Form von z.B. Schuldenbremsen durchzusetzen. Diese Lösungen führen dann zu neuen Problemen, wie z.B. Finanzierungsengpass, Wirtschaftsstagnation, weiterer Staatsschuldenanstieg. Diese Folgen werden dann wiederum durch Privatisierungskonzepte gelöst, um das Einflussfeld des Privatkapitals zu erhöhen.

3. Stufe Änderungen ab

Verschiebe die Grenzen von Änderungen stufenweise, Schritt für Schritt, Jahr für Jahr. Auf diese Weise setzte man in den Jahren 1980 und 1990 die neuen radikalen sozio-ökonomischen Vorraussetzungen durch (Neoliberalismus): Ein Minimum an Zeugnissen, Privatisierung, Unsicherheit, und was der nächste Tag bringt, ist Elastizität, Massenarbeitslosigkeit, Einfluss auf die Höhe der Einkünfte, das Fehlen von Garantie auf gerechte Lohnarbeit.

Die Wahrnehmbarkeit politischer Veränderungsprozesse hängt von deren Abstufung ab. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wurde und wird nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise eingeführt, damit die einflussreichen Institutionen über Generationen hinweg kulturell sedimentiert werden, wenn schließlich das Kosten-Nutzen-, Markt- und Managementmodell zum totalen Gesellschaftsprinzip werden soll. Im kleineren Maßstab kommen Inflationstricks durch Nicht-Steigerung von Nominalbeträgen z.B. des Rentenniveaus und Löhnen zur schleichenden Anwendung.

4. Aufschub von Änderungen

454392_web_R_K_by_Marco Barnebeck_pixelio.deDie folgende Möglichkeit auf Akzeptanz einer von der Gesellschaft ungewollten Änderung ist es, sie als „schmerzhaftes Muss“ vorzustellen, damit die Gesellschaft es erlaubt, sie in Zukunft einzuführen. Es ist einfacher zukünftige Opfer zu akzeptieren, als sich ihnen sofort auszusetzen. Zudem hat die Gesellschaft die naive Tendenz negative Veränderungen mit einem „alles wird gut“ zu umschreiben. Diese Strategie gibt den Bürgern mehr Zeit sich der Änderung bewusst zu werden und die Akzeptanz in eine Art der Resignation umzuwandeln.

Sollen Verschlechterungen der Bedingungen für einen Großteil der Bevölkerung eingeführt werden, müssen die dazu nötigen Faktoren frühzeitig bekannt gemacht werden. Solange es noch nicht akut ist, wird die Zivilgesellschaft kaum reagieren, um die Behauptungen zu überprüfen. Werden dann Verschlechterungen eingeführt, gelten diese als “alternativlos”. Dies führt wiederum dazu, dass die Bevölkerung dies nicht als Demokratieabbau empfindet, sondern im Vertrauen auf “Mutti” verharrt und die menschliche Tendenz “Sie passt schon auf uns auf.” zum Tragen kommt.

5. Sprich zur Masse wie zu kleinen Kindern

672943_web_R_K_by_Stefan Bayer_pixelio.deDie Mehrheit der Inhalte, die an die Öffentlichkeit gerichtet werden, wird durch Art und Weise der Verkündung mißbraucht; sie sind manipuliert durch Argumente oder sogar durch einen gönnerhaften Ton, den man normalerweise in einer Unterhaltung mit Kindern oder geistig behinderten Menschen verwendet. Je mehr man seinem Gesprächspartner das Bild vor den Augen vernebeln will, umso lieber greift man auf diese Technik zurück. Warum? Wenn du zu einer Person sprichst, als ob sie 12 Jahre alt wäre, dann weil du ihr genau das suggerieren möchtest. Sie wird mit höchster Wahrscheinlichkeit kritiklos reagieren oder antworten, als ob sie tatsächlich 12 Jahre alt wäre.

Unangenehme Inhalte werden gerne von der Politik als “Nullbotschaft” verkündet. Es wird verklausuliert, fehlbetont, so dass jeder Beliebiges in das Gesagte hineininterpretieren kann. In der Regel werden diese Botschaften nicht hinterfragt. Muss die Bevölkerung allerdings direkt angesprochen werden, so wird häufig eine schlichte Sprache, die auf relevante Details verzichtet und in gönnerhaftem Ton, verwendet. Das Ergebnis ist dann die Nicht-Hinterfragung und vertrauensselige Hinnahme.

6. Konzentriere dich auf Emotionen und nicht auf Reflexion

Der Missbrauch des emotionalen Aspektes ist eine klassische Technik um eine rationale Analyse und den gesunden Menschenverstand eines Individuums zu umgehen. Darüber hinaus öffnet eine emotionale Rede Tür und Tor Ideologien, Bedürfnisse, Ängste und Unruhen, Impulse und bestimmte Verhaltensweisen im Unterbewusstsein hervorzurufen.

Inszenierungen einer heilen Welt werden kunstvoll drapiert. Pflichtbewusste Ausstrahlung der z.B. mütterlichen Physiognomie von Frau Merkel, welche die Labels “Modernität”, “Nachhaltigkeit” und “Verantwortung” assoziiert, führen dazu, dass sie trotz langfristiger und systematischer Verprellung der Mehrheit leider weiterhin von der Mehrheit gewählt wird. Wettbewerbsfähigkeit und Bevölkerungskonkurrenz werden zum obersten Leitmotiv der Menschheit und ebenso werden deutsche Panzerlieferungen an Diktaturen zwecks Aufstandsunterdrückung zum Normalfall deklariert.

7. Versuche die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten

448212_web_R_by_TiM Caspary_pixelio.deDie Masse soll nicht fähig sein, die Methoden und Kontrolltechniken zu erkennen. Bildung, die der gesellschaftlichen Unterschicht angeboten wird, soll so einfach wie möglich sein, damit das akademische Wissen für diese nicht begreifbar ist.

Ignoranz kann sowohl das Nicht-Wissen, als auch das Nicht-Wissen-Wollen umfassen. Gerade das Nicht-Wissen-Wollen führt dazu, dass sich ein Großteil der Bevölkerung komplett aus den Umfeldern fernhält. Um sich selbst in einer gewissen “Sicherheit” zu halten, werden Formeln wie “Es bringt doch eh nichts!”, “Was kann man hier schon tun?”, benutzt. So wird das vermeintlich sichere Umfeld geschützt, so dass beunruhigende Veränderungen, “außen” gelassen werden können. Dies sind durchaus menschliche Verhaltensmuster, die gerne von staatlicher und kapitalistischer Seite zum Nachteil der Bevölkerungsmehrheit ausgenutzt werden.

Ein weiterer Punkt sind die enormen Wissenslücken in ökonomischen Belangen. Was ist Geld und wie funktioniert der Geldkreislauf? Wie hängen Löhne und Produktivität in einer Volkswirtschaft zusammen? Warum gibt es Massenarbeitslosigkeit und wie wirkt sich diese innerhalb einer Gesellschaft aus? Diese Unwissenheit wird gerade von der Politik extrem ausgenutzt, um einschneidende Veränderungen von gesamtgesellschaftlicher Tragweite einzuführen – “Das kostet Arbeitsplätze.”, “Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten.”, “Die Wettbewerbsfähigkeit muss gesteigert werden!” usw.

Systematische  Ignoranz wird durch privatwirtschaftlichen Lobbyismus, durch mediale Verblödung oder auch durch zunehmende Einkommenskonkurrenz und Statusängste gefördert.

8. Entfache in der Bevölkerung den Gedanken, dass sie durchschnittlich sei

Erreiche, dass die Bürger zu glauben beginnen, dass es normal und zeitgemäß sei dumm, vulgär und ungebildet zu sein.

Die Eliten haben immer Angst, dass trotz ablenkender und verschleiernder Techniken dennoch ein Teil der Menschen sich für gesamtgesellschaftliche, politische und machtbezogene Entwicklungen interessiert und vor allen Dingen informiert, um andere auf Systemverbrechen aufmerksam machen zu können. Also wird versucht, den Menschen die “richtige” Haltung beizubringen, um die brisanten Informationen auf unfruchtbaren Boden fallen zu lassen.

Arbeiten, konsumieren, massengefertigte Waren und Unterhaltungsangebote sind wahrzunehmen um sich im kleinen ein einfaches und doch schönes Leben leisten zu können. Daraus besteht die genormte Realität, die die Menschen anzunehmen haben. Es wird suggeriert: “Kümmert Euch nicht um derart gehobene Probleme! Wir haben dafür Experten, welche das entsprechende Wissen haben! Es hat nichts mit eurem Leben zu tun!”

9. Wandle Widerstand in das Gefühl schlechten Gewissens um

Erlaube es, dass die Gesellschaft denkt, dass sie aufgrund von zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldigen ihres Nicht-Erfolges sind. Das „System“ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei und mindert damit dessen Selbstwertgefühl. Dies führt zur Depression und Blockade weiteren Handelns. Ohne Handeln gibt es nämlich keine Revolution!

Stéphan Hessel, der berühmte Kämpfer der Résistance und Mitverfasser der Menschenrechtserklärung forderte in einem kleinen Buch auf: “Empört Euch!” Er zielte auf die diskriminierenden, antisozialen und machtkonzentrierenden Verhältnisse unserer Zeit ab, wie sie die Zivilisation tiefgreifend bedrohen, und plädierte hierbei für eine engagierte und informierte Lebenshaltung, die auch auf Mittel des zivilen Ungehorsams zurückgreift.

Um diese Haltung zu sabotieren wird das Mittel eingesetzt, den Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden und sie dadurch zu lähmen. So werden “Gutmenschen” geschaffen. Diese Botschaft lässt sich in den TV-Formaten beobachten, Slogans wie “Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.” oder die Etablierung von abwertenden, strafenden und künstlich verknappenden Sozialsystemen, wie z.B. Hartz IV. Solche Botschaften werden immer von einer öffentlichen Hetzerei gegen die sozial Benachteiligten begleitet und haben somit auf große Teile der Bevölkerungen Einfluss. Diese Atmosphäre entsolidarisiert, indem jede oder jeder in Bezug auf sich selbst oder seine Mitmenschen zum schlechten Gewissen aufgerufen wird. Lieber sollten sich alle in ihr Nahumfeld zurückziehen und “anständig” leben und seine Leistung bringen.

10. Lerne Menschen besser kennen, als sie sich selbst es tun

Foto: pepsprog  / pixelio.deIn den letzten 50 Jahren entstand durch den wissenschaftlichen Fortschritt eine Schlucht zwischen dem Wissen, welches der breiten Masse zur Verfügung steht und jenem, das für die schmale Elite reserviert ist. Dank der Biologie, Neurobiologie und der angewandten Psychologie erreichte das „System“ das Wissen über die menschliche Realität im physischen als auch psychischen Bereich. Gegenwärtig kennt das „System“ den Menschen, den einzelnen Bürger, besser als dieser sich selbst und verfügt somit über eine größere Kontrolle des Einzelnen.

“Wissen ist Macht” und während die Bevölkerung im Unwissen gehalten wird, streben die Eliten danach so viel wie möglich an Wissen anzuhäufen, denn sie haben auch die entsprechenden finanziellen Ressourcen dazu. Über jeden Menschen auf der Welt werden Daten über sein Verhalten in jeglichen Situationen gesammelt, um Situationen und Verhaltensweisen voraussagen zu können, die Kontrolle wird dadurch noch größer. Edward Snowden hat hier große Dienste geleistet und zumindest Diskussionen angestoßen.

Diese 10 Punkte sind Bestandteil eines Programms welches man NLP – Neuro-Linguistisches Programmieren – nennt. Dieses wird eingesetzt, um möglichst große Teile von Bevölkerungen der ganzen Welt, in die von den Eliten gewünschte Richtung zu manipulieren. Denkmuster und Wahrnehmungen werden so verändert und somit ist man sicher, dass Systemkritiker und Menschen, welche sich umfassend informieren, nur in kleinen “Mengen” auftreten. Auch sie sind einkalkuliert und somit auch Bestandteil des Systems. Dies ist nur wenigen klar.

Das Buch von Wolfgang R. Grunewald gibt Aufschluss darüber, wie NLP funktioniert und was man dagegen tun kann. Das Buch liest sich wie ein Horror-Roman. Man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas möglich ist und doch kommen einem viele Situationen bemerkenswert bekannt vor.

Er schreibt selbst: Warum dieses Buch? Und – für wen?

Die erfolgreichsten Gehirnwäsche-Techniken

Die Abschöpfung von Steuermitteln in vierstelliger Milliardenhöhe zur Fütterung von Spekulanten, der Angriff auf die Sparergroschen und die Orwellschen-Polizeistaat-Aktivitäten der totalen Überwachung führen zu Fragen.

Der Glaube der Deutschen und Europäer in die Kompetenz und den Willen des politischen Systems, Probleme lösen zu wollen und zu können, schwindet von Jahr zu Jahr. Manch einer glaubt daher:

„Das System hat keine Fehler – sondern ist der Fehler!“

Dieses Buch wendet sich an Menschen, die die psychologischen und insbesondere die Strategien von NLP (= Neuro-linguistische Programmierung) kennen lernen möchten – und zwar aus einer völlig neuen Perspektive. Mit Fragen, die so noch niemals gestellt wurden. In der Regel werden NLP-Methoden eingesetzt, um die eigenen Wahrnehmungs- und Kommunikations-Fähigkeiten, den eigenen Zustand und die Gefühlslage zu verbessern oder auch den kommunikativen Umgang mit anderen. Z.B. im Verkauf oder der Mitarbeiterentwicklung.

In diesem Buch werden folgende Fragen beantwortet:

„Welches Bild von der Welt habe ich eigentlich? Und warum?“

Warum werden Meta-Glaubenssätze als Naturereignis betrachtet und kaum hinterfragt?

In NLP ist die Arbeit mit Glaubenssätzen, Glaubenssystemen und Werten also „Überzeugungen“ ein wichtiger Bereich. Glaubenssätze, die „von außen“ kommen, werden als gegeben – als Naturereignis betrachtet und kaum hinterfragt. Diese Meta-Glaubenssätze stammen – jenseits der persönlich-familiär-beruflich erlebbaren Ebene – aus Medien, Politik und Wirtschaft.

Beispiele: „Die Westliche-Werte-Demokratie und das Finanz-System sind großartig – und vorbildhaft für die ganze Welt“ oder „Das Mullah-Regime in Iran ist irre“.

Diese Meta-Glaubenssätze haben die Eigenart, daß sie der einzelne aus seiner Erlebniswelt mit seinen Wahrnehmungskanälen in der Regel in ihrem inneren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen kann. Wer saß schon auf dem Schoß von Angala Merkel oder Hussein Obama? Sie werden so kaum reflektiert – aber dennoch integriert in das eigene Denken und Fühlen. Und das hat erhebliche Auswirkungen auf die Denk-, Werte- und Gefühlswelt eines jeden einzelnen von uns. So schafft und suggeriert damit das bestehende politische System im Ergebnis erst eine bestimmte Vorstellung von der Welt (Modell von Welt) – von dem dann der Bürger glaubt, diese Vorstellung sei seine ureigene. Dieses Modell von Welt produziert gleichzeitig „Gefühls-Zustände“ im einzelnen Bürger, die dann die Medien uns als „Zeitgeist“ verkaufen.

Viele gingen bisher davon aus, daß dieses demokratische System die Lebensinteressen der Menschen und Völker und der Unternehmen vertritt, die reale Güter schaffen.

Die Desillusionierung – ausgelöst durch Bürgschaften des Parlaments, der Bundesbank u.a. für ausländische Finanzkreise in Höhe von mehr 1.100 Milliarden Euro und die Orwellsche Überwachung greift aber immer mehr um sich. Und so fragt sich mancher:

WER hat dieses politisch-wirtschaftliche System eigentlich geschaffen, das uns sein Glaubens-System einpflanzt?
WER hat es installiert?
WER hat es legitimiert?
WESSEN Interessen verfolgt das System?
Für welche Ziele?
Welche psychologischen Methoden setzt die Finanz-, Polit- und Medien-Elite eigentlich ein?

Die bisher in der NLP-Literatur unter diesen Gesichtspunkten nicht behandelten Kommunikations-Techniken und Strategien zur Fremd-Steuerung und Fremd-Bestimmung der Bürger und Mittelständler stehen somit im Zentrum dieses Buches.

Beispiel: Eine sehr beliebte und wirksame NLP-Technik der Medien und Politiker in ihrer Propaganda ist das vorherrschende Rezept der „Verknüpfung von Tatsachen und Suggestionen“. Nehme 3 Teile:

ein Element Wahrheit = Tatsache
plus eine neugedeutete Halbwahrheit = Suggestion
plus eine fette Lüge = Super-Suggestion
Und gelegentlich – in Abhängigkeit vom zu erreichenden Ziel: füge ein Schuldgefühl hinzu

Und schon ist eine neu-demokratische Realität geschaffen – und die Medienkonsumenten genießen wohlig die positiven oder negativen Gefühle – ausgelöst durch die Schöpfer dieser Wirklichkeit.

Warum ist das so?

Unser Unterbewußtsein folgert aus diesem einen wahren Teil und der Fülle an Details, daß eine präsentierte „Information“ insgesamt richtig ist – ja wahr sein muß. Wie wir aus der Hypnose wissen, wird dann am kritischen Bewußtsein vorbei das Gesamtpaket von Tatsachen, Suggestionen und Schuldgefühl im Unterbewußtsein als Wirklichkeit geankert. Aber nur wenn es emotional “aufgeblasen” ist. Das kritische Bewußtsein, das Dinge hinterfragen könnte, ist ausgeschaltet. Diese und viele andere Techniken werden im Detail vorgestellt – mit Beispielen aus der demokratischen Praxis.

Warum will die „Elite“ unser Denken und Fühlen konditionieren und steuern?

Wurde der Begriff „Neue Welt-Ordnung“ (NWO) uns bis vor kurzem noch als ein Begriff aus der Kiste der „Verschwörungstheorie“ verkauft, geht dieser heute den Politikern und Bankiers locker über die Lippen. Sind es diese globalistischen Interessen der Elite, die sie antreiben, um uns als brave Schafe in die (NWO) zu (ver-) führen?

Darauf gibt das Buch Antworten – und ist damit auch ein Psychogramm der Westlichen-Werte-Demokratie – und der Schauspieler, die hier die Demokraten und „freien“ Medien-Journalisten mimen, die uns täglich ihre Deutung der Welt-Ereignisse einpflanzen. Es wird zum ersten Mal der Versuch unternommen, dieses politische System psychologisch im Zusammenhang mit dem Globalismus-Wahn auszuleuchten: die Akteure, ihre Motive, Ziele und das politisch-wirtschaftliche Programm der Internationalisten.

Außerdem lernen wir Überzeugungen kennen, die uns von dem politischen System eingepflanzt werden. Diese Gedankenviren (z.B. Globalismus, Schuld und Sühne) sind lebensgefährlich, denn sie umgehen das Bewußtsein bzw. schalten das Selbstdenken aus und setzen damit die uns von der Evolution mitgegebenen Überlebensmechanismen außer Kraft – und können somit tödlich wirken.

Im letzten Teil schließlich gibt es zahlreiche Anregungen, um uns aus dem Nasenring der Globalisten zu befreien. Wer Lösungsideen für eine De-Programmierung sucht, kann sie hier finden. Der Leser möge meine Ausführungen als Impulse betrachten – die er annehmen mag oder auch nicht. Das Buffet ist gerichtet.


Autor der 10 Strategien der Manipulation: Sylvain Timsit

Buch von Autor Wolfgang R. Grunwald: “Die erfolgreichsten Gehirnwäsche-Techniken von Wolfgang”

Bild 1: “Sale – Sale – Sale” – Helene Souza / pixelio.de

Bild 2: “Steine und verlorene Zeit” – Marco Barnebeck  / pixelio.de

Bild 3: “Kindergeburtstag” – Stefan Bayer / pixelio.de

Bild 4: “Times Square und Broadway in New York” –  TiM Caspary / pixelio.de

Bild 5: “Datenspinne” – pepsprog / pixelio.de

Beitragsbild: Jim Fischer, “Parasite Brain” Some rights reserved. Bildquelle: www.piqs.de

 

Über 700.000 Unterschriften gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP übergeben

von Caillea

Am Donnerstag, 22.05.2014, hat das Umweltinstitut München e.V. zusammen mit dem Bündnis ttip unfairhandelbar knapp 715.000 Unterschriften an die EU-Spitzenkandidaten der großen Parteien übergeben. Ziel war es, vor den Europawahlen die Politiker daran zu erinnern, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht mit den Verhandlungen TTIP und CETA einverstanden sind.

Das Umweltinstitut München e.V. schreibt dazu:

Während Rebecca Harms (Grüne) und Gabriele Zimmer (Linke) sich dafür bedankten, dass die Kampagne TTIP in die Öffentlichkeit gebracht hat, warf Alexander Graf Lambsdorff (FDP) dem Bündnis Angstmache vor. Auch David McAllister (CDU) und Markus Ferber (CSU) blieben bei einer positiven Einstellung zum Abkommen mit den USA. Martin Schulz (SPD) drückte sich zwar vor einer Aussage, wie er selbst über TTIP abstimmen wird, wies aber darauf hin, dass im europäischen Parlament schon andere Abkommen wie zum Beispiel ACTA gescheitert sind.

Karl Bär vom Umweltinstitut München erklärte: „Durch eine transatlantische Freihandelszone könnten mit krebserregenden Wachstumshormonen wie Ractopamin produzierte Fleisch- und Milchprodukte auf den Tellern in Europa landen. Dem Import von genmanipulierten Mais-, Raps- und Sojapflanzen und mit Chlor desinfiziertem Fleisch wird damit Tür und Tor geöffnet. Das wäre eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher und das Todesurteil für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Europa.“

Im Rahmen der Aktion des Umweltinstitut München e.V., die im Dezember 2013 gestartet wurde, kamen mehr als 123.000 Unterschriften zusammen, die in Berlin als Teil der Bündnisunterschriften übergeben wurden. Unterstützt wurde die Aktion von vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden.

Der Protest gegen TTIP geht indes weiter: Das Umweltinstitut München ist Teil der Koordination für eine europäische Bürgerinitiative, die gemeinsam mit anderen Organisationen aus dem Bündnis „ttip-unfairhandelbar“ und weiteren Partnern in ganz Europa umgesetzt werden soll.

Das Beitragsbild zeigt Martin Schulz. Hier könnte man sagen: “Bilder sagen mehr als Worte.”


Wir unterstützen diese Aktion und hoffen, dass sich noch mehr Bürger und Bürgerinnen europaweit beteiligen.

Näheres über diese und auch andere Aktionen: http://www.umweltinstitut.org/info-kampagnen/ttip-infokampagne.html

Beitragsbild: Martin Schulz (SPD) bei der Übergabe der Unterschriften, zur Verfügung gestellt durch das Umweltinstitut München e.V.

Abkehr von Konsumismus – hin zu mehr Lebensqualität

Kritik der Unersättlichkeit und Lob des guten Lebens III

von Peter Weber

Zygmunt_Bauman_Leben_als_KonsumDie Wege, die uns ein „gutes Leben”, oder wenn man es utopistischer formulieren will, eine „bessere Welt“ bescheren sollen, führen unabdinglich über die Realisierung der von den britischen Wirtschaftsteoretikern und Ökonomen Robert und Edward Skidelsky als Basisgüter bezeichneten Grundbedürfnisse. Als damit korrespondierende Eckziele sind zu berücksichtigen:

  • Die Verwirklichung der Grundbedürfnisse in Verbindung mit einem angemessenen Lebensstandard.
  • Die Reduzierung der Arbeitszeit zur Erlangung von Einkommen.
  • Die gleichmäßigere und gerechtere Verteilung der Vermögen und Einkommen.
  • Einführung von Regionalisierung und Dezentralisierung auf allen Ebenen von Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Motto: „Lokal vor global!“

Der Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman untersucht in seinem Buch “Leben als Konsum” die Auswirkungen der vom Konsum bestimmten Haltungen und Verhaltensmuster auf verschiedene, scheinbar nicht miteinander verbundene Aspekte des sozialen Lebens: auf Politik und Demokratie, soziale Spaltungen und Schichtungen, auf Gemeinschaften und Partnerschaften, Identitätsbildung und die Produktion sowie den Gebrauch von Wissen und Wertorientierungen.

Mit dem Schwinden der moralischen Integration in Gruppen und Familien mindert sich auch die Bereitschaft, im Kleinen Verantwortung für andere zu übernehmen und im Großen einen Sozialstaat einzufordern. Und die Armen erscheinen nicht mehr als (potentielle) Arbeitskräfte oder Objekte des Sozialstaates, sondern als gescheiterte Verbraucher, als nicht brauchbare Güter.

Da sie in einer solchen Gesellschaft völlig nutzlos sind, sind sie »menschlicher Abfall«, für den im Zeichen der Deregulierung niemand Verantwortung zu übernehmen hat. Die Invasion und Kolonisierung des Geflechts menschlicher Beziehungen durch marktinspirierte und -geformte Weltanschauungen und Verhaltensmuster sind neben den Quellen des Unmuts, des Dissens und des gelegentlichen Widerstands gegen diese »Besatzungsmächte« die zentralen Themen dieses neuen Buches von einem sozialwissenschaftlichen Denker, der zu den originellsten und weitsichtigsten unserer Zeit zählt. Weitere Möglichkeiten und Hindernisse auf dem Weg zu einem gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umdenken werden in den folgenden Abschnitten andiskutiert.

1. Paternalismus ohne Zwang?

Robert u. Edwart SkidelskyDie Frage, ob und in wie weit der Staat in wirtschaftliche Angelegenheiten eingreifen soll und bis zu welchem Grad er eine soziale Fürsorgepflicht besitzt, ist je nach politischer Gesinnung umstritten. Die marktradikale Ideologie steht für eine Deregulierung ein und will den Staat zurückdrängen. In einem Staat allerdings, wie er von den Skidelskys und auch in meinem Sinne erstrebenswert ist, darf er nicht neutral bleiben, und es sind ihm ethische Pflichten auferlegt. Grundsätzlich soll zwar das Prinzip der Zwanglosigkeit gelten, aber bei unüberwindlichem Widerstand und eklatanter Ungerechtigkeit darf es auch ein wenig Nachdruck sein, den man als legitimes Mittel zum Zweck deklarieren könnte.

Das heißt im Klartext, daß der Staat die Aufgabe besitzt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit der ungehinderte Zugriff der Menschen auf die Basisgüter gewährleistet ist. Die Eingriffe des Staates müssen allerdings einen Rahmen wahren, der sicherstellt, daß keine Persönlichkeitsrechte geschädigt werden. Der Maßstab muß der sein, daß Bevormundungen und Zwangsmaßnahmen möglichst vermieden werden. Die Grenze der Zumutbarkeit ist allerdings dort angesiedelt, wo die Prinzipien der Gerechtigkeit verletzt werden. Der Eingriff der staatlichen Macht als Regulator ist geboten, weil die neoliberalen Marktmechanismen eine einseitige Anhäufung von Kapital und Besitz implizieren und eine ausgewogene Verteilung der Vermögenswerte verhindern.

Der Staat hat eine Reihe von Alternativen und Mitteln in der Hand, in welcher Form er seinen Einfluß geltend machen kann, um eine homogenen Gesellschaftsstruktur  zu fördern und sich die Einnahmequellen zu besorgen, die für diese Sisyphusaufgabe notwendig sind. Grundsätzlich stehen ihm vier Variationen zur Verfügung:

  • Die Leistung von sozialen Transferzahlungen.

Dieser erstgenannte Ansatzpunkt, die Transferaktionen oder Sozialleistungen beinhalten die gesamte bekannte Palette von Unterstützungen für hilfebedürftige Bürger, ob sie nun arm, alt, krank oder arbeitslos sind. Dazu gehört auch das Thema Grundeinkommen, das ich später noch behandeln werde. Ein Staat ist ein Gemeinwesen – und in einer Gemeinschaft ist die Existenz von Solidarität unabdinglich für dessen Funktionieren. Wenn der Starke nicht mehr für den Schwächeren einstehen will, dann entlarvt sich die demokratische Vorgabe als Illusion und Fassade.

  • Die Förderung von Bildung und Kultur

Die Förderung von Bildung und Kultur stellt ebenfalls hinsichtlich der Bewilligung von Basisgütern eine Bedingung dar. Die Gewährung und Teilhabe daran innerhalb einer Gemeinschaft – gerade für den Personenkreis, für den diese Ziele nicht erschwinglich sind – haben ebenfalls eine fundamentale Funktion für ein gutes und menschenwürdiges Leben. Eine Chancengerechtigkeit ohne Aneignung von umfassender Bildung ist nicht zu verwirklichen.

  • Die Besteuerung von Einkommen und Ausgaben

Die Steuerpolitik (der Begriff der Steuer ist auf das Verb „steuern“ zurückzuführen) sollte ebenfalls von einer sozialen Komponente dominiert werden. Nicht nur die Finanzierung der Kosten für die nationale Infrastruktur müssen durch das Steueraufkommen abgedeckt werden sondern auch die für Aufrechterhaltung eines sozialen Gefüges, ohne das die staatliche Gemeinschaft auf die Dauer auseinander bricht.

Unterschieden werden muß zwischen der Besteuerung von Einkommen und Ausgaben. Zu den Abarten der Einkommensbesteuerung zählen die Einkommenssteuer, die Gewerbesteuern, die Kapitalertragssteuern aller Art und die Vermögenssteuer. Ob sie überhaupt erhoben werden oder in welcher Art und Weise bzw. wie die Progression geregelt ist, entscheidet über die Fähigkeit des Staates, seinen Aufgaben nachzukommen. So ist es bemerkenswert, daß in Deutschland die Vermögenssteuer abgeschafft und eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer  (Tobinsteuer) bis trotz vollmundiger Bekundungen der Politiker aller Couleur noch nicht eingeführt wurde. Und gerade die beiden letztgenannten Variationen bieten ungeheure Potenziale, die Schulden- und Finanzierungsprobleme des Staates zu lösen, ohne daß irgend jemandem ernstlich wehgetan werden müßte.

Thomas_Jefferson_by_Rembrandt fuer das Leben der Menschen und ihr Glueck zu sorgen 420Eine Ausgabenbesteuerung ist in unserem konsumgeilen Gesellschaftsklima noch unbeliebter als die einkommensabhängigen Abgaben. Die bekanntesten Modelle von Verbrauchssteuern  sind die Mehrwertsteuer und andere Verbrauchssteuern wie Alkohol- oder Tabaksteuer. Wir sollten uns bewußt machen, daß diese Art von Konsumsteuern Einkommensschwache proportional viel stärker belastet als die Besserverdiener und aus diesem Grunde eine unsoziale fiskalische Maßnahme bilden, jedenfalls in ihrer aktuellen Erscheinungsform. Dem müßte mit der Einführung von zusätzlichen ausgabenorientierten Steuern entgegnet werden – und zwar nicht nur aus sozialen sondern auch aus ökologischen Erfordernissen heraus.

Im speziellen meine ich das dringende Gebot, eine Besteuerung zu installieren, die die für Mensch und Umwelt schädlichen Konsumexzesse auf ein menschliches Maß reduziert. Dieses Vorhaben ist zu bewerkstelligen durch die Festlegung einer weit gefächerten Luxus- oder Ökosteuer. Beides hat den gleichen Effekt, nur bei der Motivation zur Festsetzung sind Unterschiede vorhanden. Ein Luxusgut ist eine Ware, die eigentlich zur Bestreitung des Lebens nicht erforderlich, das überteuert ist und die Ressourcen der Welt sowie die Umwelt unnötig belastet. Das ist ein unschlagbares Argument für die Einführung einer Luxussteuer.

Ökosteuern haben nur einen Sinn, wenn sie flächendeckend zum Einsatz kommen bei allen Waren, die bezüglich Gesundheit, eingesetzter Rohstoffe, der Produktionsverfahren, der Arbeitsbedingungen und der Entsorgung schädliche Wirkungen zeigen. Es ergibt sich hinsichtlich der Preisentwicklung eine ausgleichende Tendenz dadurch, daß die Hersteller dann gezwungen wären, ihre Produktionsschwerpunkte hin zu ökologisch einwandfreien Gütern zu ändern, die nicht mit der Ökosteuer belastet sind, um ihre Absatzchancen nicht zu verschlechtern. Insofern ist es wesentlich günstiger, ökologische Strategien durch fiskalische Regulierungen anzuregen, als sie unter Androhung von Strafe gesetzlich zu erzwingen.

Werbung ist als Einpeitscher des Konsums eine äußerst negative Wirkungsfolge zuzurechnen. Auch in diesem Falle verfügt der Staat über eine effektive Möglichkeit, die Werbung kurzfristig und erheblich zu bremsen. Er braucht nur den steuerlichen Abzug von Werbekosten als Betriebsausgaben zu streichen oder stark zu reglementieren. Werbung ist nicht nur dafür verantwortlich, daß überflüssige Ersatzbedürfnisse regeneriert werden sondern auch für eine unannehmbare Verteuerung der Waren  Den Aufschrei der Lobby möchte ich erleben, wenn derartige Absichten von der Politik avisiert würden. Das würde nach deren Ansicht bestimmt Millionen von Arbeitsplätzen kosten und die Wirtschaft in den Ruin treiben. Sie würden uns nur nicht verraten, daß die in Verbindung mit Werbung und Marketing für Nonsens verschleuderte Manpower der damit betrauten hochqualifizierten Fachleute dann für sinnvolle und menschendienliche Aufgaben frei wäre.

  • Gesetzliche Restriktionen zur Eindämmung unerwünschter Entwicklungen / Kanalisierung von gesellschaftspolitisch angestrebten Projekten 

Im öffentlichen Raum - Werner RuegemerSowohl die Staatseinnahmen als auch die Leistungen der Sozial- und Rentenversicherungen könnten erheblich aufgepeppt werden, wenn weitere sinnvolle und gerechte Verbesserungsmaßnahmen ergriffen würden. Um bei den Staatseinnahmen zu bleiben, genügt es, lediglich zwei Schwerpunkte zu nennen, die realistische Zusatzeinnahmen in Billionenhöhe versprechen würden. Da hätten wir zum einen die vielfältigen und undurchsichtigen Wirtschaftssubventionen und ungerechtfertigten Steuervorteile, die die Lobbyisten alleine aufgrund ihres Einflusses auf die Politik und zum Schaden der Allgemeinheit durchgesetzt haben. Diese werden absichtlich verdeckt oder indirekt gezahlt, so daß sie der Öffentlichkeit nicht auffallen. Bankenschutzschirme oder die Rettung von angeblich systemrelevanten Gebilden sind ein typisches Beispiel dafür. Dazu ist unbedingt auch die Privatisierungstendenz zu zählen, die mit aller Macht bekämpft werden muß, weil sie bürgerfeindlich ist und eine verheimlichte Schuldenquelle ist. Auch die Installierung einer ökologisch effektiv wirksamen Gewährungspraxis von CO²-Zertifikaten ist ein Mittel, mit dem hunderte von Milliarden an Staatseinnahmen erzielt werden könnten. Diese Gelder wären dann frei für diverse gemeinschaftsdienliche Aufgaben.

Schließlich und endlich darf eine weitere Einnahmequelle nicht vernachlässigt werden, die bisher nicht ausreichend ausgeschöpft wird. Es handelt sich zwar nicht um Staatsmittel – aber um Gelder, die uns eine auskömmliche Altersrente trotz der vielbeschworenen und überschätzten demographischen Entwicklung sichern könnten. Was ich damit meine, das ist die Verbesserung der Einnahmesituation der Sozial- und Rentenkassen. Es handelt sich um rein politische Richtungsentscheidungen, die bei vorhandenem Willen kurzfristig getroffen werden könnten und die wie kaum andere dem Gemeinwohl dienten und einen Beitrag zum Abbau von Perspektivlosigkeit einbringen können.

Die Festlegung einer einzigen für alle Beschäftigten und Einkommensempfänger verbindlichen Rentenversicherung, in der sämtliche Einkommensarten erfaßt und mit Abgabe von Beiträgen zur Rentenversicherung belegt würden, hätte einen durchschlagenden Erfolg für das Wohl der Allgemeinheit. Das gleiche Verfahren muß beim Inkasso der Krankenversicherung zum Ansatz kommen. Um der Gerechtigkeits- und Sozialkomponente zu genügen, wäre zusätzlich eine erhebliche Anhebung der entsprechenden Beitragsbemessungsgrenzen erforderlich. Es ist nämlich nicht einzusehen, daß die Besserverdiener einen relativ geringeren Anteil leisten als die unteren Chargen. Wenn schon Leistungsgerechtigkeit, wie es die Neoliberalen stets einfordern, dann auch hier: und zwar analog des Leistungsvermögens!

2. Stolpersteine und Hindernisse

Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist so angelegt, daß die vom System und seinen Normen eingeforderten Aufwendungen in Form von Zeit und Geld zu Lasten der Muße gehen, die lt. Robert und Edward Skidelsky zu den wesentlichen und unentbehrlichen Grundgütern des Menschen zu zählen ist. Diese zum größten Teil ungeschriebenen Verhaltensregeln sind als Weltbild und Lebenskonzept in unser Denken und unsere Gewohnheiten eingedrungen, so daß es schwer fällt, sich davon zu verabschieden. Abgesehen von unserem persönlichen gewohnheitsabhängigem Verhalten, unseren Ängsten und psychologischen Bedingungen sind es die politischen Widerstände und die Gegenmacht der Kapitalbesitzer, die den Weg zu einem guten Leben im Sinne dieses Essays blockieren. Hier sind einige davon aufgeführt:

a.  Verhinderung des Anstiegs des Medianeinkommens

Das Medianeinkommen sagt über die Einkommensverhältnisse und deren Verteilung mehr aus als das Durchschnittseinkommen, mit dem wir stets in die Irre geführt werden sollen. Eine Erhöhung des Medianeinkommens bei gleichzeitiger Progression des Spitzeneinkommens wäre ein Teil der konzertierten Aktion zu mehr Teilhabe der Bevölkerungsmehrheit am „guten“ Leben. Damit ist wieder einmal das Grundproblem der ungerechten Einkommens- und Vermögensverteilung angesprochen, das in anderen Zusammenhängen mehrmals in diesem Beitrag zur Sprache kommt.

b.  Nichtberücksichtigung der steigenden Produktivität

ArmutsschereEin bisher noch nicht erwähntes Potenzial liegt in der Produktivität der deutschen Wirtschaft verborgen. Seit Kriegsende hat sich die Produktivitätsrate der Wirtschaft Jahr für Jahr erhöht. Anfangs bis in die 1980er Jahre hinein hat die arbeitende Bevölkerung noch relativ gut von dieser Entwicklung profitiert. Später driftete die Schere immer weiter auseinander, weil die wegen Arbeitsplatzabbau und technischer Innovationen kletternden Gewinne einseitig in die Taschen der Anteilseigner wanderten. Wenn in diesem Punkt nicht eine gerechtere und angemessene Aufteilung des erwirtschafteten Erfolgs unter allen Beteiligten umgesetzt wird, dann spitzt sich Lage zu und das gesellschaftliche Klima droht umzukippen.

c.  Konsumdruck angestachelt durch die Werbung

Selbst wenn das Ziel einer gerechteren Einkommensverteilung und der Erhöhung des Medianeinkommens bzw. des konkreten verfügbaren Einkommens erreicht würde, bleibt trotzdem noch ein gravierendes Hindernis auf dem Weg zum Glück. Es ist der durch Unterbewußtsein, Umfeld und allgegenwärtiger den Kaufreiz anstachelnder Werbung verursachte Konsumzwang. Wenn objektiv ausreichend Mittel zur Gestaltung eines qualitativ wertvollen Lebensstandards vorhanden sind, verstärkt sich der psychische Druck für den einzelnen, die Konsumausgaben zu erhöhen. Dieses Verhalten wiederum zwingt den Betreffenden zu Mehrarbeit und Verringerung der Freizeit, was gleichzeitig auf Kosten der Muße und Lebensqualität geht. Ein Teufelskreis, der durch die Werbung systematisch aufrecht erhalten wird.

d.  Widerstände seitens der Etablierten und Profiteure

Wer Realist ist, wird anzweifeln, ob eine staatliche Regulation im vorgeschlagenen Umfang in einem ausgefeilten marktwirtschaftlichen System wie dem unseren überhaupt praktisch durchführbar ist. Denn die der radikalen Marktwirtschaft zugrunde liegende Ideologie beruht auf dem Prinzip der staatlichen Deregulierung, weshalb eine Einverständniserklärung des Systems mit einer einschneidenden Regulierung ein Widerspruch in sich wäre und weshalb auch eine Realisierung unwahrscheinlich ist. Die zugrunde liegende Doktrin werden die Entscheidungsträger nicht fallen lassen.

Unfairteilung_Armut_Altersarmut_Generationengerechtigkeit_Kinderarmut_Geldflut_innerer_Notstand_soziale_Gerechtigkeit_BankenrettungDie für die Profiteure anfallenden Vorteile an Profiten und Macht sind so erheblich, daß sie dieses Faustpfand niemals freiwillig oder durch Bitten und Betteln aufgeben werden. Die Politik ist derartig mit dem Kapital verfilzt, wird korrumpiert und befindet sich in einer Abhängigkeitsposition, daß wir auch aus dieser Richtung mit keiner Unterstützung rechnen können. Was übrigbleibt, ist nur noch die Alternative zu einem Systemwechsel. Da es sich dabei nicht nur um eine rein politische Umwälzung handeln würde sondern auch um eine grundlegende Reformierung des Eigentumsrechtes, der Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie der Praxis der Zinserhebung incl. der Infragestellung von leistungslosen und nicht aquädaten Einkommen, ist mit heftigstem Widerstand zu rechnen. Ohne eine Revolution, in welcher Form auch immer, ist dieses bahnbrechende Projekt nicht in die Tat umzusetzen.

e.  weitere Lösungsansätze

Mögliche  Lösungsansätze  durch Erhöhung der unteren und mittleren Einkommen gekoppelt mit einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit sind bereits in den Diskurs eingeflossen. In dieser Hinsicht sind in der Vergangenheit Vorbilder zu verzeichnen: in den 1930er Jahren in den USA mit Ford, der die 30-Stundenwoche in seinen Werken realisiert hatte. Oder mit VW, die in den 1980er Jahren sich auf eine Wochenarbeitszeit von 36 hinunter auf 28,8 Stunden geeinigt hatten – der Produktivität des Unternehmens tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: sie stieg noch an!

Wie weit die Parteien, die den Anspruch einer Interessenvertretung der Bürger erheben, schon ins Abseits gerutscht sind, zeigt beispielsweise die Einstellung von Sigmar Gabriel, dem Vorsitzenden der „Arbeiterpartei“ SPD und jetzigen Umweltminister.  In der Sache eines und gerechten Subventionsabbaus in Form der Beteiligung der Industrie an der EEG-Umlage, die bisher von den Bürgern alleine geschultert werden muß, malt Gabriel die Gefahr einer drohenden „Deindustrialisierung“ Deutschlands an die Wand und plappert damit die hohlen und unverantwortlichen Phrasen der Wirtschaftsvertreter nach. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche reflexartigen Reaktionen aus Politik und Wirtschaft erschallen würden, wenn eine drastische Arbeitszeitverkürzung mit gleichzeitigem Lohnanstieg – gekoppelt mit einer radikalen Umkehr im Eigentumsrecht – auf der Agenda stünde. Uns würde mindestens der Weltuntergang, wenn nicht der Zusammenbruch des Universums, profezeiht.

f.  Grundeinkommen

Die Einführung eines Grundeinkommens ist ein immerwährendes Thema, das je nach Intentionen und Ausgestaltung von den verschiedensten Gruppierungen von links bis rechts aufgetischt wird. Eigentlich sollte der Anreiz für den Diskurs in der Umsetzung die Auflösung der Klassengesellschaft, der Zusicherung der beschriebenen Grundgüter und dem Zugeständnis des individuellen existenziell notwendigen Grundbesitzes zu suchen sein. Darauf ist ein menschenrechtlicher Anspruch begründet, der durch die Geburt  in Kraft tritt. Aber in der Praxis kochen die einzelnen Interessenverbände jedoch mit dem Thema ihr eigenes Süppchen.

Deshalb ist der Weg zum Grundeinkommen, geschweige denn zu einem “bedingungslosen” und dann auch noch in einer existenzsichernden Höhe, mit schweren Felsbrocken gepflastert. Man braucht sich nur einmal anzuschauen, auf wie viel Gegenwehr die Einführung eines lachhaften Mindestlohns von 8,50 € für 2017 – gespickt mit Ausnahmeregelungen – gestoßen ist. Welchen sog. (Experten-)Aufstand wir zu erwarten haben, wenn ein Grundeinkommen zur Debatte steht, das seinen Namen verdient hat, brauche ich nicht im Detail auszuführen. Die Gegenargumente sind immer die gleichen und werden unermüdlich wie ein Mantra wiederholt, obwohl die Wiederholungen sie nicht schlüssiger gestalten:

Arbeitsanreiz geht verloren und Faulheit obsiegt

Das ist das erste Holzhammer-Argument, das sich durch die Grundeinsichten der Psychologie und wissenschaftliche Erkenntnisse von der Natur des Menschen spielend widerlegen läßt. Ein psychisch gesunder Mensch weist ausreichend natürliche Motivation auf, um sein Leben mit Hilfe von sinnvoller (bezahlter) oder (unbezahlter) Betätigung zu gestalten. Wer sich die Mühe macht, den Urinstinkt von kleinen Kindern in ihrem Betätigungsdrang zu beobachten und die Menschen berücksichtigt, die ehrenamtliche Aufgaben erledigen oder anderen unbezahlten Beschäftigungen nachgehen (z. B. wir im Kritischen Netzwerk), der hat für die diskriminierenden Scheinbehauptungen (siehe Menschenfreund Franz Müntefering von der SPD mit seinem „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) von der angeborenen Faulheit des Menschen nur noch ein mitleidiges Lächeln übrig.

Commerzbank_Kommunisten_Kontovollmacht_Geldhahn_abdrehen_Kundenkonto_kuendigen_Sippenhaft_Kapitalismuskritk_Kontrahierungszwang_Kuendigungsgrund_Kontosperre_0Es ist unbenommen, daß es auch faule Menschen gibt. Solche, die aus Prinzip faul sind, solche, die einfach nur genügsam sind (siehe: Skidelsky: „Wie viel ist genug“) und solche, die durch ihre Sozialisation psychisch deformiert sind, so daß sie die natürliche Motivation zum Arbeiten verloren haben. Andererseits gibt ein Millionenheer Arbeitswilliger, die entweder keine Arbeit oder keinen gerechten Lohn erhalten, von dem sie leben können. Angenommen, die verteufelten Faulen streiten sich auch noch um verfügbaren Arbeitsplätze, dann würde die Erpreßbarkeit der Arbeitswilligen noch weiter erhöht und die Löhne noch mehr unter Druck geraten. Diese Leute sollten also in ihrem eigenen Interesse heilfroh sein, daß es noch ein paar Faule gibt.

Finanzierbarkeit

Die Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens ist der zweite Hauptstreitpunkt. Alle, die eine Finanzierbarkeit in Abrede stellen, verschließen die Augen vor der Realität der bestehenden Einkommens-, Vermögens- und Kapitalverhältnisse. Allenfalls läßt sich bezeugen, daß die fehlenden Mittel für ein Grundeinkommen an Stellen gebunkert sind, wo sie gierig umklammert werden und somit der Gemeinschaft entzogen werden, die zumindest auf einen Teil davon einen Anspruch besäße. Die Banken dienen dabei als abgeschottete Kapitalbunker und ihre Manager als Handlanger der Kapitaleigner, um das Volk um seine Anteile zu betrügen.

In anderen Artikel wurden bereits die unterschiedlichsten Reserven angesprochen, die angezapft werden könnten, um allen Menschen ein gutes und finanziell abgesichertes Leben zu gewährleisten. (siehe hier und hier) Hier nochmal einige Exempel, wie die sozialere Verteilung des Produktivitätszuwachses einschließlich der von Eigentum und Einkünften, der ungerechten Steuerpolitik, der Verschwendung von Billionen an Euro zugunsten der Finanzwirtschaft sowie die teilweise haarsträubende Subventionierung der Wirtschaft betrieben wird.. Alles dies zusammen bietet reichlich Einsparpotenzial, um ein “gutes Leben” für alle anzubieten.

Woran es mangelt, sind nicht die finanziellen Mittel, sondern ganz eindeutig der Wille. Weder in Politik und schon recht nicht in Wirtschaft oder in den Kapitalbesitzerkreisen ist Hilfe für uns zu erwarten. Dabei scheint die Dummheit zu regieren, weil sie sich selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Wenn bei den weniger Betuchten das verfügbare Einkommen angehoben wird, findet diese Maßnahme einen direkten Widerhall im Konsum, der wiederum die Wirtschaft ankurbelt und damit die Steuereinnahmen sprudeln läßt. Ein idealeres und effektiveres Konjunkturpaket könnte man nicht schnüren.

Außer dem fehlenden Willen steht auch die Angst, die Thematik ernsthaft zu diskutieren und endlich einmal einen Anfang zu machen, als Hemmnis im Weg. Dabei gibt es schon Beispiele aus der Praxis, wo – zwar mit Einschränkungen – das Modell eines Grundeinkommens angeboten wird: in Alaska, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch kann das Nichtvorhandensein von entsprechenden Konzepten eines Grundeinkommens mit Ausführungsvorschlägen nicht der Grund für fehlende Bereitschaft einer Einführung sein. Dann diese Konzepte gibt es reichlich wie z. B. das von mir favorisierte „Wahlfreie Grundeinkommen“ von Egon W. Kreutzer, das mit Vorschlägen zur Reform des Eigentumsrecht und der Handhabung des Zins gekoppelt ist. Im Kritischen Netzwerk sind eine Reihe guter Beiträgen zu Thema enthalten, auf die jeder nach Eingabe des Schlagwortes “Grundeinkommen” in die Suchfunktion zugreifen kann.

g.  gesellschaftlich-politische und individuelle Organisation

Zu einer Verwirklichung der vorgetragenen Ideen gibt es eine Grundbedingung, die leicht zu sein scheint, die jedoch in der Praxis nicht vorankommt und vielleicht Generationen braucht:  Es ist die Herstellung eines neuen Paradigma, einer neuen persönlichen Lebenseinstellung verbunden mit einem gesellschaftlichen Sinneswandels. Zur Umsetzung unserer definierten Ziele ist eine Neuorientierung der rein ökonomisch definierten Sichtweise erforderlich.

Marianne_Gronemeyer_Wer_arbeitet, suendigtDringend ist das Stecken anders gearteter Wege, Leitbilder und Endpunkte, die den Menschen und die Natur in den Vordergrund stellen. Auch die Neudefinition von Arbeit und Beschäftigung ist unverzichtbar, wenn wir auf diesem Pfad weiter voran kommen wollen. Die Anreize und der Inhalt von Arbeit/Tätigkeit sollten neu ausgerichtet  und auf die dem Menschen innewohnenden natürlichen Bedürfnisse abgestimmt werden. Eine Intention der Befreiung von der Diktatur der Zwangsbeschäftigung ist ebenfalls unvermeidlich, die entgegen anderslautender Beteuerungen in der modernen Arbeitswelt vorherrscht.

Wir unterliegen dem verhängnisvollen Irrtum, daß wir in einer freiheitlichen Gesellschaft leben und unsere Wahlfreit unbegrenzt sei. Deshalb sind wir dazu aufgefordert, hinter den Vorhang zu blicken und die wahren Beweggründe aufzudecken – und zwar unsere persönlichen als auch die unserer Animateure. Erst dann sind wir in der Lage, Verhaltensweisen zu fördern, die zu mehr statt zu weniger Wahlfreiheiten führen. Deshalb versuche ich an dieser Stelle nochmals einige Prinzipien für eine neue Orientierung heraus zu kristallisieren:

  • Aufbau einer gesellschaftlichen und ökonomischen Organisation, die Rückgang der unersättlichen materiellen Triebbefriedigung auslöst,
  • Verabschiedung von der Perspektive der Knappheit als Idee der Effizienz,
  • stattdessen Bildung einer Gesellschaft, die Saturierung und Zufriedenheit zuläßt,
  • Problemsuche  nicht  mehr im Mangel sondern im Überfluß,
  • Einführung der Muße als gesellschaftlich anerkanntes Leitbild.

Nur wenn wir auf dieser Marschroute ein gutes Stück vorankommen, erhalten wir eine Perspektive von der eigenen Zukunft, der der Gesellschaft sowie der der Menschheit. Vor die Schlußbetrachtung füge ich noch ein Zitat ein aus „Grundlagen für eine soziale Umgestaltung“ des englischen Philosophen und Mathematikers Bertrand RussellDieses hätte ich auch in jedem anderen Kapitel meines Beitrags unterbringen können, denn es enthält eine universelle Botschaft:

„Sowohl im politischen als im privaten Leben sollte es der erste Grundsatz sein, alles, was schöpferisch ist, zu fördern und somit die Wünsche und Impulse, die sich auf Besitz konzentrieren zu verringern.

Die heute am meisten verbreitete Lebensanschauung ist die, daß das Glück eines Menschen in erster Linie durch sein Einkommen bedingt ist. Abgesehen von andern Mängeln ist diese Anschauung deshalb schädlich, weil sie die Menschen dahin führt, ein Resultat mehr zu erstreben als eine Tätigkeit, einen Genuß materieller Güter, in dem sich die Menschen alle gleich sind, mehr, als den schöpferischen Impuls, der die Individualität eines jeden Menschen verkörpert.“

3. Schlußbetrachtung

Bei diesem Punkt möchte ich nochmals auf Robert und Edward Skidelsky und auf deren Buch „Wie viel ist genug“ zurückkommen. Mein heutiger Beitrag baut auf der Idee der Skidelskys von einem Wandel des individuellen und gesellschaftlichen Denkens auf, weshalb er auch eine Rezension beinhaltet. In diese Vorstellungen hinein und darüber hinaus habe ich meine eigenen Gedanken ausgebaut und der Thematik noch eine etwas radikalere Komponente hinzugefügt. Das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen – ich kenne kein besseres bezüglich der vorliegenden Themenstellung. Die Autoren gehen ideologie- und vorurteilsfrei an die Hintergründe, die aktuelle Bestandslage und die Zielformulierung heran.

Zurecht besteht Skepsis, daß sich aufgrund von Einsichten und verbalem Gegenwind eine neue Weltanschauung  sowie ein grundlegender Sinneswandel erreichen läßt – weder beim einzelnen noch bei den Eliten. Bei einem Weiterso in den eingefahrenen Bahnen bleibt die Vormachtstellung der Herrschenden bestehen – und wir müssen mit der Verliererstraße vorliebnehmen. Auf die Frage nach einem tragfähigen Konzept, was man anstelle der aufgelösten Strukturen oder während des Prozesses eines Systemwandels positionieren soll, sind weiter oben bereits Ansätze hinsichtlich eines empfehlenswerten individuellen Verhaltens sowie der staatlichen Einflußnahme diskutiert worden.

Beim Resümee ihres eigenen Buches bleiben allerdings auch die Skidelskys „nur“ bei relativ pauschalen Antworten hängen. Ihre wesentlichen Intentionen sind folgende:

  • Organisierung von Wegen aus der Tretmühle.
  • Förderung von Eigeninitiative und Lebensweisen, in denen das Geldverdienen nicht mehr im Vordergrund steht.
  • Formung eines Staates, der sich nicht als neutraler Beobachter sondern als ethisch Eingreifender und Regulator versteht.
  • Wünschenswert sei – meinen sie – eine Autorität und Inspiration von Seiten der Religion, wobei dies mit einem Fragezeichen versehen wurde.

Dies alles ist nichts wirklich Neues. Denn bei der Ausformulierung von Lösungsvorschlägen haben wir es mit einem Manko zu tun, das kaum ein Autor füllen kann. Das Ei des Kolumbus hat noch keiner gefunden – und Vorschriften oder konkrete Anleitungen sind aufgrund der individuellen Voraussetzungen des Menschen bei den meisten sowieso nicht willkommen. Als Hauptübel bezeichnen die Autoren richtigerweise nicht die Verschwendung von Geldmitteln sondern die Verschwendung der Möglichkeiten der Menschen. Diese Ansicht befindet sich übrigens ganz auf meiner sowie der Linie des Psycho-Soziologen Erich Fromm, der sich einmal in dem Sinne geäußert hat, daß die größte Sünde des Menschen ein nicht gelebtes Leben sei.

Albert_Einstein_Probleme_kann_man_Denkweise_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft IESM_pixelio.de_Um es nochmals zu bilanzieren: Konkrete individuelle Alternativen zur Verhaltensänderung sind ausgeblieben, was auch nicht erwartet werden konnte. Im Unterkapitel Konsumismus, in der Abhandlung der Frage „Wie viel ist genug“ sowie der Begriffe „Glück“, „Wohlstand“ und „Zufriedenheit“ sind allerdings eine Fülle von Anregungen enthalten, die auf persönlicher Ebene aufgegriffen werden können. Ich für meinen Teil bin überzeugt davon, daß all die angestrebten Ziele, die sehr flüchtig und schwer greifbar sind, immer wieder aufs neue erkämpft werden müssen, wenn sie von Dauer sein sollen.

Eine traditionell weniger vorhandene Stärke der meisten Autoren, die einen Systemwandel einfordern,  ist die Rezeptur zur Herangehensweise an die Repressionsmittel der Herrschenden sowie die Nennung von Roß und Reiter. Die etablierten Mechanismen der Macht und die möglichen Verfahrensweisen zu deren Überwindung werden meistens ausgeklammert, wie auch in diesem Buch. Allerdings muß ich den Autoren zugute halten, daß dies von vorne herein in ihrer Konzeption nicht als Aufgabe ausgewiesen wurde, denn ihnen lag vor allem der Gefühlszustand  Glück sowie der Seinszustand Muße am Herzen, deren Erfüllung jedoch der Existenz der Grundgüter bedarf.

Am besten können diese unter dem Organisationsprinzip von dezentralen Strukturen erreicht werden – also unter Mithilfe des bereits genannten Leitsatzes:  „Lokal statt global.“ Ich möchte keine Mißverständnisse aufkommen lassen und mich nicht als reiner Lokalpatriot outen. Denn ich hasse Kirchturmdenken und plädiere nicht für eine regionale, nationale oder persönliche Abschottung. Es gibt Problemstellungen, die nur auf supranationaler Ebene gelöst werden können – und es gibt sinnvolle Produkte, die regional nicht anzubauen oder zu produzieren sind. Und da soll es auch noch Aufgabenstellungen geben, habe ich flüstern gehört, die man nur in Gemeinschaft lösen kann. Diese Unterscheidungen müssen getroffen werden, um nicht die eine Ideologie durch eine neue zu ersetzen.

MfG Peter A. Weber


Textquelle:  Kritisches Netzwerk , welches ich sehr schätze und unterstütze.

Bild- und Grafikquellen:

1. Zygmunt Bauman untersucht in seinem Buch “Leben als Konsum” die Auswirkungen der vom Konsum bestimmten Haltungen und Verhaltensmuster auf verschiedene, scheinbar nicht miteinander verbundene Aspekte des sozialen Lebens: auf Politik und Demokratie, soziale Spaltungen und Schichtungen, auf Gemeinschaften und Partnerschaften, Identitätsbildung und die Produktion sowie den Gebrauch von Wissen und Wertorientierungen.

2. Buchcover “Wie viel ist Genug”, von Robert und Edward Skidelsky.

3. Thomas Jefferson, 3. US-Präsident. Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.de

4. Buchtitel: “Heuschrecken im öffentlichen Raum”, von Dr. Werner Rügemer – zur Buchvorstellung

5. “Kluft zwischen Arm und reich” wird immer größer und führt bereits zu einer deutlich spürbaren Spaltung der Gesellschaft. Geschönte Zahlen geben nicht die Realität und das Ausmaß tatsächlich von Arbeitslosigkeit, Hartz-IV und der Grundsicherung-Empfänger wieder – nicht zu vergessen Kinderarmut, Menschen in prekeren Beschäftigungen und millionen anderer Lohnsklaven. Foto: Bernd Kasper. Quelle: Pixelio.de

6. UNFAIRTEILUNG. Grafikbearbeitung:Wilfried Kahrs / QPress.de

7. Plakat “Der Terror sitzt in Banken und in Berlin. Eure Lügen wollen eine ganze Nation verarschen – Schluss jetzt!” Occupy Frankfurt Germany Footage. Autor: Gessinger.bildwerk Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

8. Buchtitel: “Wer arbeitet, sündigt. Ein Plädoyer für gute Arbeit.”, von Prof. Marianne Gronemeyer – zur Buchvorstellung

9. Zitat v. Albert Einstein: “Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft, IESM. Quelle: Pixelio.de

10. Beitragsbild: Thorben Wengert / pixelio.de