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Gott will es!

von Uri Avnery

Seit sechs Jahrzehnten warnen meine Freunde und ich unser Volk: Wenn wir nicht mit den nationalistischen arabischen Kräften Frieden schließen, werden wir es mit islamischen arabischen Kräften zu tun bekommen. Der israelisch-palästinensische Konflikt wird zu einem jüdisch-muslimischen Konflikt. Der nationale Krieg wird zu einem Religionskrieg. Nationale Konflikte sind im Grunde rational. In ihnen geht es um Gebiete. Gewöhnlich können sie durch Kompromisse gelöst werden.

Religiöse Konflikte sind irrational. Jede Seite glaubt an eine absolute Wahrheit und sieht infolgedessen alle anderen als Ungläubige, als Feinde des einzig wahren Gottes. Wahre Gläubige, die glauben, dass sie für Gott kämpfen und dass sie ihre Befehle direkt vom Himmel bekommen, können keine Kompromisse schließen. „Gott will es“ schrien die Kreuzfahrer und schlachteten Muslime und Juden ab. „Allah ist der Größte“, schreien fanatische Muslime und enthaupten ihre Feinde. „Wer von allen Göttern ist wie du!“ schrien die Makkabäer und vernichteten alle Mitjuden, die griechische Sitten angenommen hatten.

DIE ZIONISTISCHE Bewegung wurde nach dem Sieg der europäischen Aufklärung von säkularisierten Juden geschaffen. Fast alle Gründer waren überzeugte Atheisten. Viele waren dazu bereit, religiöse Symbole zur Dekoration zu benutzen, aber sie wurden von allen großen religiösen Weisen ihrer Zeit rundweg verdammt. Tatsächlich war das zionistische Unternehmen vor der Schaffung des Staates Israel bemerkenswert frei von religiösen Dogmen. Selbst heute sprechen extreme Zionisten vom „Nationalstaat des jüdischen Volkes“ und nicht vom „Religionsstaat des jüdischen Glaubens“. Sogar für die „Nationalreligiösen“, die Vorläufer der heutigen Siedler und Halbfaschisten, war Religion dem nationalen Ziel untergeordnet: die Schaffung eines nationalen jüdischen Staates im ganzen Land zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan.

Dieser nationale Angriff traf natürlich auf den entschlossenen Widerstand der arabischen Nationalbewegung. Nach anfänglichem Zögern wendeten sich die arabischen nationalen Führer dagegen. Dieser Widerstand hatte sehr wenig mit Religion zu tun. Es stimmt, eine Zeit lang wurde der palästinensische Widerstand vom Großmufti von Jerusalem Haj Amin al-Husseini geleitet, aber nicht wegen seiner religiösen Stellung, sondern weil er das Oberhaupt von Jerusalems aristokratischster Großfamilie war.

Die arabische Nationalbewegung war immer entschieden säkular. Einige ihrer hervorragendsten Führer waren Christen. Die panarabische Baath-Partei (Auferstehungspartei), die sowohl in Syrien als auch im Irak die Herrschaft übernahm, war von Christen gegründet worden.

Yasser_Arafat_PLO_Fatah_Guerillakaempfer_Freiheitskaempfer_zweite_Intifada_radioaktivem_Polonium_210_kontaminiert_Mohammed Yasser Abdel Rahman Abdel Raouf Arafat al-QudwaDamals war der größte Held der arabischen Massen Gamal Abdel Nasser. Zwar war er formell Moslem, aber er war ziemlich areligiös. Der Führer der PLO, Jassir Arafat, war privat ein frommer Moslem, jedoch blieb die PLO unter seiner Führung eine säkulare Körperschaft mit vielen christlichen Zutaten. Er sprach über die Befreiung von „Moscheen und Kirchen“ in Ostjerusalem. Eine Zeit lang war das offizielle Ziel der PLO die Schaffung eines „demokratischen und nicht an eine besondere Religion gebundenen“ Staates.

Was ist also geschehen? Wie kam es dazu, dass sich eine Nationalbewegung in eine gewaltanwendende fanatische religiöse Bewegung verwandelt hat?

Die aus einer Nonne zur Historikerin gewordene Karen Armstrong hat darauf hingewiesen, dass in allen drei monotheistischen Religionen fast gleichzeitig dasselbe geschehen ist. In den USA spielen jetzt die evangelikalen Christen eine wichtige Rolle in der Politik, und zwar in enger Zusammenarbeit mit dem rechtsgerichteten jüdischen Establishment. In der gesamten muslimischen Welt gewinnen fundamentalistische Bewegungen an Stärke. Und in Israel spielt ein messianisch-jüdischer Fundamentalismus eine immer größere Rolle.

Wenn sich dasselbe in derartig unterschiedlichen Ländern und Religionen abspielt, muss es eine gemeinsame Ursache dafür geben. Welche ist das?

Man kann die Frage natürlich leicht mit dem nebulösen deutschen Begriff “Zeitgeist” beantworten, aber der erklärt tatsächlich sehr wenig.

In der muslimischen Welt hat der Bankrott des liberalen, säkularen Nationalismus geistige Leere, wirtschaftlichen Zusammenbruch und nationale Demütigung geschaffen. Das glänzende Versprechen des Nasserismus endete unter Husny Mubarak in elender Stagnation. Den Baath-Diktatoren in Bagdad und Damaskus gelang es nicht, moderne Staaten zu schaffen. Die Militärs in Algerien und in der Türkei haben auch nicht viel mehr zuwege gebracht. Nachdem ölgierige westliche Mächte den demokratisch gewählten iranischen Führer Mohammad Mossadegh gestürzt hatten, konnte der glücklose Schah die Lücke nicht füllen.

Und ständig war da der demütigende Anblick Israels, das aus einem verachteten kleinen ausländischen Implantat zu einer überragenden Militär- und Wirtschaftsmacht herangewachsen war und das arabische Staaten immer wieder scheinbar mühelos verprügelte.

Nach jedem neuen Krieg fragten sich Muslime: Was stimmt da nicht? Wenn der Nationalismus ebenso im Frieden wie im Krieg erfolglos war, wenn es weder Kapitalismus noch Sozialismus gelungen ist, eine gesunde Wirtschaft zu schaffen, wenn es weder dem europäische Humanismus noch dem sowjetische Kommunismus gelungen ist, die geistige Leere zu füllen, wo gibt es dann noch eine Lösung?

Die donnernde Erwiderung kommt aus den Tiefen der Massen: „Der Islam ist die Antwort!“

DIE LOGIK hätte verlangt, dass die israelische Erwiderung entgegengesetzt gewesen wäre.

Israel ist eine Erfolgsgeschichte. Es hat nicht nur eine mächtige Militärmaschine und glaubhaftes atomares Potential, sondern es ist technisch mächtig und seine Wirtschaftsbasis ist vergleichsweise gesund. Aber jetzt gibt der eng mit dem extremen Nationalismus verbundene messianische Fundamentalismus den Kurs an.

Am Vorabend des neuesten Krieges gab der Befehlshaber der Giv’ati-Brigade seinen Offizieren den Tagesbefehl bekannt. Viele waren schockiert.

Die Giv’ati-Brigade war im Krieg von 1948 eine hervorragende Kampftruppe gewesen (ich war einer der ersten Kämpfer und habe darüber zwei Bücher geschrieben). Wir waren sehr stolz auf die Zusammensetzung der Brigade. Die Kämpfer waren eine Mischung aus Söhnen der weltstädtischen Tel-Aviver Elite und jungen Männern aus den umgebenden Slums. Diese Mischung war ganz besonders erfolgreich und bewährte sich im Kampf.

Der Brigade-Kommandeur war ein früherer deutscher kommunistischer Untergrundkämpfer gegen die Nazis. Er bekehrte sich zum Zionismus und trat in einen stark links-gerichteten Kibbuz ein. Ähnlich gesinnt waren die meisten seiner Stabsoffiziere. Ich kann mich an keinen einzigen Soldaten in der Brigade erinnern, der eine Kippa getragen hätte.

Man stelle sich unseren Schock vor, als der gegenwärtige Brigadekommandeur zu einem heiligen Krieg zur Erfüllung von Gottes Willen aufrief. Oberst Ofer Winter hatte in seiner Jugend eine religiöse Militärschule besucht, und am Vorabend des Kampfes sagte er zu seinen Soldaten: „Die Geschichte hat uns auserwählt, die Angriffsspitze gegen den terroristischen Feind in Gaza zu sein, den Feind, der den Gott von Israels Schlachten beschimpft und verflucht … Ich erhebe meine Augen zum Himmel und rufe gemeinsam mit euch: ‚Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.‘ Oh Herr, Gott Israels, gib uns Erfolg auf unserem Weg, da wir für Israel gegen einen Feind kämpfen, der deinen Namen verflucht!“

Das offizielle Ziel der israelischen Armee in diesem Feldzug war es, die Grenze zu schützen und den Abschuss von Raketen auf israelische Städte und Dörfer zu beenden. Aber das war nicht das Ziel des Obersten. Er schickte seine Soldaten, für den Gott Israels im Kampf gegen die zu sterben (drei starben tatsächlich), die seinen Namen verfluchen.

Wenn dieser Offizier der einzige religiöse Fanatiker in der Armee wäre, wäre das schon schlimm genug. Aber die Armee ist voller Kippa tragender Offiziere, die mit religiösem Eifer durchtränkt worden sind und die ihre Soldaten nun ihrerseits mit demselben Geist durchtränken.

Zionismus_zionism_Apartheid_Rassismus_racism_Palaestina_Palaestinenser_Palestine_Westjordanland_Gazastreifen_gaza_strip_Mahmud_Abbas_Hamas_Fatah_Ramallah_Nakba_Intifada_Okkupation_occupation_Petra_WildDie zionistisch-religiöse Partei und ihre fanatischen Rabbiner, von denen viele ausgesprochen faschistisch sind, arbeiten seit Jahren daran, das Offizierscorps der Armee systematisch zu unterwandern. Es ist ein Prozess der natürlichen Auslese: Offiziere, die keine Lust haben, als Kolonialherren in den besetzten Gebieten aufzutreten, verlassen die Armee und werden High-Tech-Unternehmer, während messianische Fanatiker in ihre Stellungen geschleust werden.

Der Oberst ist übrigens weder zurechtgewiesen noch auf irgendeine Weise geschädigt worden. Im Gegenteil, er ist während des Krieges als vorbildlicher Kampfführer belobigt worden.

DAS ALLES führte zu ISIS, dem islamischen Staat von Irak und al-Sham (Großsyrien). Vor kurzem hat er seinen Namen in „Islamischer Staat“ (IS) geändert. Diese Veränderung bedeutet, dass die früheren Staaten, die nach dem Ersten Weltkrieg von den westlichen Kolonialherren geschaffen worden sind, abgeschafft werden. Es wird einen einzigen islamischen Staat geben und der umfasst alle früheren und gegenwärtigen islamischen Territorien, darunter auch Palästina (mitsamt Israel).

Das ist ein neues und furchteinflößendes Phänomen. Natürlich gibt es viele islamistische Parteien und Organisationen in der muslimischen Welt – von der die Türkei regierende Partei AKP über die ägyptische Muslimbruderschaft bis hin zur palästinensischen Hamas. Aber fast alle beschränken ihren Kampf auf ihre Nationalländer: Türkei, Syrien, Palästina, Jemen. Sie wollen in ihren Ländern die Macht übernehmen und sie regieren. Selbst Osama bin Laden wünschte sich am meisten, in seiner saudi-arabischen Heimat die Macht zu übernehmen.

IS ist etwas ganz anderes. Er will alle Staaten zerstören, besonders die muslimischen Staaten, die von den westlichen Imperialisten aus dem islamischen Land herausgeschnitten worden sind. Mit zum religiösen Symbol erhobener furchtbarer Grausamkeit macht er sich auf den Weg, zuerst die muslimische Welt und dann den ganzen Globus zu erobern.

Dieses Ziel mag angesichts der Tatsache, dass die ganze Unternehmung aus ein paar tausend Kämpfern besteht, lächerlich erscheinen. Aber diese kleine Truppe hat schon einen großen Teil Syriens und des Irak erobert. Er drückt die Sehnsucht der Muslime aus, den alten Ruhm wiederherzustellen, ihren Hass auf alle (darunter auch wir), die den Islam gedemütigt haben, und einen Durst nach geistlichen Werten. Man muss unwillkürlich an die Anfänge der Nazibewegung denken, ihren Groll, ihren Rachedurst, ihre Anziehungskraft für alle Armen und Gedemütigten.

Es kann sein, dass IS nur ein paar Jahre braucht, um eine riesige Macht zu werden, die alle Länder der Region bedroht.

BEDROHT IS auch Israel? Natürlich tut er das. Wenn seine dynamische Kraft anhält, wird er das Assad-Regime stürzen und die israelische Grenze erreichen, wo weitere islamische Rebellen in dieser Woche schon die ersten Salven abgeschossen haben.

Bei einer solchen Bedrohung, die im Norden lauert, scheint es lächerlich, gegen eine winzige islamisch-patriotische Truppe in Gaza zu kämpfen, selbst wenn sie den Namen des Herrn verflucht. Vielleicht ist nur noch sehr wenig Zeit, um mit der arabischen Nationalbewegung Frieden zu schließen und besonders mit dem palästinensischen Volk – mit der PLO ebenso wie mit der Hamas – und sich zum Kampf gegen den Islamischen Staat zu verbinden.

Die Alternative ist furchterregend.

Uri Avnery


Quelle:  Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) > Artikel. Dank an Peter Kleinert, ebenso der Schriftstellerin Ingrid von Heiseler für die Übersetzung.

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt vom Kritisches Netzwerk

Informationen zum Autor Uri Avnery bei Wikipedia. Hier die offizielle dt.-sprachige Uri-Avnery-Webseite.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: Uri Avnery hält die Ehrengastrede zur Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Foto: Michael F. Mehnert. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter den Creative-Commons-Lizenzen „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“, „2.5 generisch“, „2.0 generisch“ und „1.0 generisch“ lizenziert.
  2. Jassir Arafat, Jan. 2001. originally posted to Flickr as Yasser Arafat – World Economic Forum Annual Meeting Davos 2001. Author: Copyright World Economic Forum (www.weforum.org) swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger, Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.
  3. Zionismus ist nicht völkisch-rassistisch, sondern kolonialistisch-rassistisch. Unterdrückung, Landraub und Siedlungsbau müssen gestoppt werden, sonst kann es keinen Frieden geben. Grafikersteller nicht eindeutig ermittelbar.

Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“

von Pierre Hillard

Pierre Hillard schildert die Geschichte einer ideologischen Strömung, die ihren Stempel auf die aktuellen Versuche der Gruppierung von Staaten zu regionalen Blöcken aufdrückt und die versucht, sie in Richtung einer Weltordnungspolitik zu bewegen. Ihr Ziel ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern um die finanzielle und kommerzielle Macht der angelsächsischen Welt zu erweitern. Sie theoretisiert und beschreibt das Projekt einer auf den Ruinen der Nationalstaaten errichteten “Neuen Weltordnung”. Natürlich geht es nicht darum, alle Anstrengungen die versuchen, nationalen Streitigkeiten ein Ende zu setzen, als Wille zur Dominanz auszulegen. Aber es ist unerlässlich, dieses Projekt der politischen Globalisierung zu studieren, damit es nicht das Ideal der menschlichen Einheit in einen totalitären Alptraum verwandelt.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Mit der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon durch die 27 europäischen Staaten markiert die Wahl von Herman van Rompuy zum Präsidenten des Europäischen Rates und die von Catherine Ashton zur hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik am 19. November 2009 einen Wendepunkt in den globalen Ambitionen. Die Europäische Union (EU) wird schrittweise mit einem politischen Gesicht und einer “Telefonnummer”, mit Worten von Henry Kissinger, ausgestattet. Sicherlich, neue Einstellungen – eine Art von einfahren – sind erforderlich, um diese regionale Union wirklich flott zu machen. In der Tat bleiben Rivalitäten zwischen dem Präsidenten des Europäischen Rates, dem Präsidenten der Europäischen Kommission und dem turnusmäßigen Vorsitz von sechs Monaten bestehen. Diese Situation verärgert zutiefst die Obama-Administration  [1]. Jedoch mit der Rechtspersönlichkeit und dem vollen Vorrang des Gemeinschaftsrechts vor dem nationalen Recht, kann die Europäische Union beanspruchen (durchsetzen?), ein Schauspieler auf der internationalen Bühne zu werden. Es wäre falsch zu behaupten, dass diese neue Berufung in völliger Unabhängigkeit vom Rest der Welt wäre. In Wirklichkeit gehen die durch die finanzielle Oligarchie unterstützten pro-europäischen Eliten, in Verbindung und in Geistesgemeinschaft mit allen anderen auf dem Planeten in Entwicklung stehenden Formen der regionalen Zusammenschlüsse, voran.

In der Tat ist die Europäische Union nur eine Komponente eines umfassenden Programms, das zur Entstehung von Kontinentalblöcken mit jeweils seiner Währung, seiner Staatsbürgerschaft, seinem gemeinsamen Parlament usw. führt. Alle diese Blöcke zusammen sollen eine globale Gouvernanz darstellen. Wir können bereits die folgenden in Ausbildung befindlichen regionalen Ableger erkennen:

Eurasec Emblem Die Eurasiatische Wirtschaftsgemeinschaft Communauté Economique Eurasiatique (CEEA oder Eurasec für Eurasian Economic Community[2] : im Oktober 2000 gegründet und mehrere ehemalige Ostblock-Länder versammelnd (Russland, Kasachstan, Belarus,…), ist ihr Ziel die Schaffung einer Zollunion  [3] ab 2010, mit der Idee einer gemeinsamen, mit “Evraz” bezeichneten Währung,  [4] oder “Euras” oder sogar “Eurasien” (der Name dieser Währung kann sich noch ändern) [5].

Union der südamerikanischen Nationen (UNASUR)  [6] : erstellt im Mai 2008, soll sie von einer subregionalen Logik in eine regionale Identität gleiten, indem sie den Mercosur und die Andengemeinschaft in eine einzige Organisation verschmilzt, d.h. durch die Zusammenführung aller Staaten des südamerikanischen Kontinents (mit Ausnahme von Französisch-Guayana und den britischen Sandwich- und Falklandinseln [Malvinas]). Das angestrebte Ideal ist die Einrichtung eines Parlaments, eine einheitliche Währung zu erreichen  [7] und eine gemeinsame Staatsbürgerschaft. Die UNASUR unterhält privilegierte Beziehungen zu ihrem europäischen Modell im Rahmen einer euro-lateinamerikanischen parlamentarischen Versammlung, genannt EUROLAT [8].

Cliché 2010-02-21 12-53-45

Das zentralamerikanische Integrationssystem (SICA)  [9] : Die im Dezember 1991 gegründete Gruppe von mittelamerikanischen Ländern verfolgen die gleichen, oben genannten Ziele, insbesondere die Schaffung einer einheitlichen Währung nach dem 33. Kongress in San Pedro Sula (Honduras) im Dezember 2008.

 

 

logo Die Einführung der “Organisation für afrikanische Einheit” (OAU)  [10] 1963, ermöglichte ab den Jahren 1999-2000, mit der Schaffung der Afrikanischen Union Union Africaine (die UA, in Durban im Juli 2002) und der „neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas”(NEPAD) gut vorwärts zu kommen [11]. Die Ziele (Kommission, Pan-Afrikanisches Parlament, afrikanischer Gerichtshof der Menschenrechte, usw.) sind gut auf dem europäischen Modell verankert [12].

 

Cliché 2010-02-21 13-29-02 Der Rat der Kooperation des Golfes (Golf Cooperation Council, GCC)  [13] : 1981 gegründet, neigt er zu einer immer engeren Union zwischen den Golfstaaten (Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten). Eine gemeinsame Währung ist für 2010-2011 geplant. Der von einigen vorgelegte Name heiße “Chalidschi”. Jedoch, selbst wenn das Prinzip der Währung akzeptiert ist, ist der Name dieser Währung nicht gewährleistet [14].

 

asean Eine asiatische Union nimmt Form unter der Schirmherrschaft der drei Hauptakteure an: Japan (CEAT Council on East Asian Community), China (NEAT, the Network of East Asian Think Tank) und Südkorea (FAE, the East Asia Forum). Seit dem 1. Januar 2010 starteten China und die ASEAN (englische Abkürzung für Association of Southeast Asian Nations) die größte Freihandelszone der Welt, der sich Korea, Japan, Australien und Neuseeland angeschlossen hatten. Sie sollte ” diesen Prozess der Regionalisierung beschleunigen” wie Xu Ningning, Generalsekretär des wirtschaftlichen Rates Asean-China, sich ausdrückte [15].

 

spp_200 Eine nordamerikanische Union wurde im März 2005 in Texas (Waco) zwischen amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Staatsmännern im Rahmen der PSP (Partnerschaft, Sicherheit und Wohlstand) gestartet. [16]. Das erklärte Ziel ist theoretisch im Laufe des Jahres 2010, die Schaffung eines politischen, wirtschaftlichen und militärischen vereinten Perimeters zwischen den drei Staaten zu erreichen [17]. Eine Währungseinheit “Amero” oder “North American Dollar” genannt (die Bezeichnung dieser neuen Währung ist nicht gewährleistet) sollte den US- und kanadischen Dollar sowie den mexikanische Peso ersetzen [18]. Diese Mutation geht über den Zusammenbruch des Dollars und des Welt-Finanz und Währungssystems. Die globale Systemkrise (politische, Finanz-, Währungs- und geopolitische) wird akuter zu Beginn des Jahres 2010, um die Ankunft dieser, von den Ministranten des Systems gewünschten, „Neuen Weltordnung“ zu fördern.

Schließlich wäre theoretisch für 2015 die Schaffung eines einheitlichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Euro-Atlantischen Block vorgesehen [19]. Wir können erwähnen, dass das Europäische Parlament eine Resolution am 26. März 2009 adoptierte, die „den Stand der transatlantischen Beziehungen nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten“ betraf. Diese Entschließung hat das Verdienst an alle politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abkommen zu erinnern, auf beiden Seiten des Atlantiks, um zu einer transatlantischen Union zu führen [20].

arton160992-fe40dDiese Liste wäre nicht vollständig, ohne ein wichtiges Ereignis zu erwähnen, das von der französischen Presse übersehen wurde. In der Tat haben am Gipfel von Aquila in Italien (8 – 10 Juli 2009) die Staatschefs verschiedene Fragen (Wirtschaftskrise, Klima,…) bearbeitet. Der russische Präsident Medwedew hat jedoch bei einem Treffen mit Journalisten einen Prototyp der Weltwährung in Form einer in Belgien gemachten Münze gezeigt, auf der auf Englisch “in Vielfalt geeint” eingraviert war. [21]. Diese Präsentation ist ein wichtiger Wendepunkt. Zum ersten Mal präsentierte ein Staatsoberhaupt ein Exemplar einer Währung, die in der Lage ist, die einmalige Referenz für die gesamte Menschheit zu werden [22]. Diese Geste vervollständigt die Worte von Herman van Rompuy, der in seiner Dankrede nach seiner Berufung in das Amt des Präsidenten des Rates der Europäischen Union nicht gezögert hat, diese schweren bedeutungsvollen Worte auszusprechen: „2009 ist auch das erste Jahr der globalen Governance [Steuerungssystem] mit der Einführung des G20-Gipfels mitten in der finanziellen Krise.“ [23].

Diese Aussage – seitens eines Anhängers der globalen Governance – soll uns zum Nachdenken bringen und uns selbst die Frage stellen: wie sind wir dazu gekommen? Und zwar die Beschreibung dieser verschiedenen Zusammenschlüsse, im Rahmen einer einzigen Behörde – zugleich mit der internen Zersplitterung der Staaten, die sie bilden  [24] – ist nicht das Ergebnis des Zufalls. In der Tat ist diese Mutation das Ergebnis einer sehr langen, gründlichen Arbeit seitens der finanziellen Oligarchien  [25] und politischen Eliten im Rahmen der Think Tanks und Stiftungen.


 

Die Angelsächsische Oligarchie und ihre Fürsten

Die französische Öffentlichkeit ist leider unwissend über die eigentlichen Akteure der Weltpolitik, die ihrer Talente mehr hinter den Kulissen als auf der politischen Bühne ausüben. Zum besseren Verständnis der katastrophalen Situation, in der sich die nationalen Befürworter zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden, ist es notwendig, die eminent wichtige Rolle der angelsächsischen aristokratischen Finanzmacht in groben Zügen darzustellen. Sie war schon immer ein Staat im Staat. Man kann ihre Machtannahme auf die Einführung der “Magna Charta” vom 15. Juni 1215 festlegen. Nach der Niederlage von König Johann-Ohneland von England gegen König Philippe Auguste am 27. Juli 1214 bei Bouvines, haben die englischen Barone politische und finanzielle Privilegien an sich gerissen. Von nun an ist die britische Krone verpflichtet, mit einer Kaste, die Stärke, Finanzkraft und kommerzielle Ambitionen besitzt, zu komponieren und zu kooperieren. Von diesem Zeitpunkt an war eine gierige, fordernde und stolze Elite geboren. Sie ist die Ursache für die Existenz dieser druckausübenden Gruppen (oder Lobbys), die über so verschiedene Kanäle, wie Finanz, Auskunft oder Medien, Druck auf die politische Macht ausüben. Da Letztere in starker Abhängigkeit von Unterstützung und Bargeld steht, um ihr Dasein zu sichern, ist sie absolut verpflichtet, die Meinungen und Ratschläge dieser Kaste zu berücksichtigen. Die Think-Tanks (“Forschungseinrichtungen”; aber die Übersetzung ist unsachgemäß), Stiftungen und elitäre Gruppen sind die logische Fortsetzung einer elitären und merkantilen Denkweise. Diese Kreise wurden die unumgänglichen Zentren einer aktiven Minderheit, welche die Zukunft der angelsächsischen Welt, und dann langsam von einem zum anderen Land fortschreitend, das ganze Universum bestimmen. Im Gegensatz zum französischen politischen Design, das jede Aktivität dem Staat unterstellt, hängen diese wirtschaftspolitischen Organisationen nicht mehr von der nationalen Autorität ab. Sie haben sehr früh ihre Talente entwickelt. Seit dem Mittelalter waren Firmen wie das London Staplers, die London Mercers Company oder sogar die britische Ostindien-Kompanie (die British East India Company (BEIC) im 17. Jahrhundert) die Speerspitzen des britischen Imperialismus. So übergab sich die kommerzielle Aristokratie die Fackel der Eroberung und Kontrolle des Reichtums von Generation zu Generation. “Toujours plus“ [Immer mehr], in Worten von François de Closets [franz. Journalist AdÜ].

Die französische Niederlage in Nordamerika führt zu dem Vertrag vom 10. Februar 1763, der als Geburtsakt für den Aufstieg der britischen Oligarchie gelten kann. Der Verlust von Neu-Frankreich bietet der britischen Krone einen ganzen Kontinent voller Reichtum und mit wenigen Einwohnern. Die Unfähigkeit der französischen Monarchie, diese riesigen Gebiete zu bevölkern und sie in die Sphäre der griechisch-römischen Zivilisation einzugliedern, überlässt diesen Raum der angelsächsischen Macht. Mit einem Schuss messianischen Geistes erobern die amerikanischen Eliten in Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen das Gebiet und sind bereit, ihr Modell der ganzen Welt aufzuzwingen. Nach den Kriegen der Revolution und der Niederlage Napoleons 1815 hat die angelsächsische Macht keine weiteren Rivalen auf der See. Demographische Macht, Besiedlung großer Gebiete in Nord-Amerika, Süd-Afrika, Australien und Neuseeland, Kontrolle über strategische Punkte überall auf der Welt (Gibraltar, Hongkong,…), Kontrolle der Territorien auf fast allen Kontinenten, fortschrittliche Technik und effizienter Bankensektor ermöglichen dieser kommerziellen Aristokratie von London und New York, von einer Kontrolle über die Welt unter der Schirmherrschaft der City und der Wall Street zu träumen. Ein Mann war die führende Figur dieses Ideals: Cecil Rhodes.


 

Cecil Rhodes (1853-1902) [26]

Dieser große Verteidiger des britischen Empires emigrierte nach Südafrika, wo seine Persönlichkeit und seine geistigen übergroßen Qualitäten ihm erlauben, ein Vermögen mit Diamanten zu machen. Er ist am Ursprung der De Beers Diamond Industrie zusammen mit Nathaniel Mayer Rothschild (1840-1915). Sein kolossales Vermögen öffnet ihm die Türen der britischen Kolonie, Cecil Rhodes legt den Grundstein für den Südafrikanischen Staat (Dominion of the British Empire), der ein paar Jahre nach seinem Tod im Jahre 1910 Form annimmt. Sein finanzieller und politischer Einfluss lässt ihn Gebiete kontrollieren, denen er seinen Namen gibt: Rhodesien. Später in Nordrhodesien und Südrhodesien aufgeteilt, wurden diese Staaten Simbabwe und Sambia. Allerdings ist seine große koloniale Idee, eine große Eisenbahn von Kapstadt nach Kairo zu bauen. In seiner Verteidigung des britischen Empires haben die Verbindungswege eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung von Ressourcen jeglicher Art. Die Entwicklung der Wege (in allen diesen Formen [27]) ist die obligatorische Passage für das reibungslose Funktionieren von jedem Reich. Dieses Gebot ist sehr aktuell am Anfang des 21. Jahrhunderts [28]. Diese Verbindungen sind die Arterien der Versorgung des kommerziellen und politischen Imperiums.

Cecil Rhodes (1853-1902)

Cecil Rhodes (1853-1902)

Über das reibungslose Funktionieren des britischen Empire hinaus hat Cecil Rhodes noch ein höheres Ideal. In der Tat, von der Überlegenheit der angelsächsischen “Rasse” überzeugt, entwarf er eine Politik um diesen Vorrang zu sichern: die Vereinigung von allen angelsächsischen Ländern oder genauer gesagt, die Einführung eines Blocks zwischen dem britischen Empire und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Ganze müsste für ihn die Basis der Geburt eines Staates der Welt erlauben, das von den Prinzipien und der Philosophie des angelsächsischen Unternehmer-Adels belebt wird. Um dies zu erreichen, hält er es für notwendig, höhere Persönlichkeiten innerhalb der Universitäten zu rekrutieren, die von dem gleichen Ideal animiert sind, und die unterstützt werden, um so vielfältige Schlüssel-Positionen wie in Wirtschaft, Finanz, Militär, Bildung, Nachrichtendienst oder sogar Journalismus einzunehmen. So werden, ähnlich einem Armeekorps, diese verschiedenen Menschen echte Jesuiten der Globalisierung für das gleiche Ziel, um in ihren jeweiligen Ländern Köpfe zu trainieren, zugleich mit der Entwicklung der politischen Strukturen, die zur Entstehung von diesem globalen wirtschaftlichen Staat beitragen. In seinem Kopf geht dieser titanische und sehr zeitaufwendige Ehrgeiz über die Schaffung von “Cecil Rhodes-Stipendien” (Rhodes Scholarships). Cecil Rhodes hatte nicht die Genugtuung, die Verwirklichung dieses Ideals in seinem Leben zu sehen. Erst 1904 starten seine engsten Berater die ersten Stipendien, die seinen Namen tragen, an der Universität von Oxford. Der französische Soziologe, Auguste Comte, sagte, dass „die Toten die Lebenden regieren“. Diese Formel kann weitgehend auf Cecil Rhodes angewendet werden. Seine Konzepte haben die Welt des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhundert geschmiedet. Ohne sie alle zu zitieren, haben wir bei den Empfängern von Cecil Rhodes-Stipendien: den Premierminister von Australien Bob Hawke (1981/1993); James Wolsey, Direktor der CIA (1993/1995); Wesley Clarke, Patron der NATO in den 1990er Jahren und einer der Hauptakteure in der Zerstörung von Jugoslawien im März 1999; den Präsidenten Bill Clinton (Klasse 1968) und James William Fullbright (Senator von Arkansas und wichtige Figur in der amerikanischen Politik) [29].

Die Politik von Cecil Rhodes hätte nicht ohne die Aktion von seinen engsten Beratern ihre Größe erreichen können. Hier können wir auch nicht die sehr umfangreiche Liste der anglo-amerikanischen Gründung (Anglo-American Etablishment) von Carroll Quigley zitieren. Die Männer rund um Cecil Rhodes zeichnen sich durch eine wichtige Tatsache aus; Sie besetzen die Schlüsselsektoren der britischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts [30]. Sie haben die Zukunft der Welt auf unbarmherzige Weise bestimmt. Von dieser langen Liste behalten wir drei Nahmen.

Alfred Milner (1854-1925)

Alfred Milner (1854-1925)

Eine der Galionsfiguren, Nachfolger und spiritueller Sohn von Cecil Rhodes, war Alfred Milner (1854-1925, auch Lord Milner genannt). Unter seinen vielen Aktivitäten wie zum Beispiel Direktor der Londoner Aktien Bank (London Joint Stock Bank), leitete er das Kriegskabinett von Premierminister Lloyd George während des Konflikts 1914-1918. In diesem Krieg spielte sich ein für die künftigen Generationen entscheidendes Ereignis im November 1917 ab. In der Tat, behauptete die “Balfour-Deklaration” (Arthur James Balfour, britischer Politiker) unter der Schirmherrschaft der britischen Regierung die Anerkennung eines jüdischen Heimes in Palästina. Diese Deklaration wurde durch einen Brief an Walther Rotschild, der Vermittler der Zionistischen Bewegung in Großbritannien war, direkt offiziell. In Wirklichkeit war der echte Herausgeber dieser Erklärung Alfred Milner. Wie Carroll Quigley erklärt, sollte die “Balfour-Deklaration” in Wirklichkeit die „Milner-Deklaration“ heißen [31].

Philipp Kerr (1882 – 1940, jetzt lord Lothian) war Privatsekretär von Lloyd George. Es genügt um zu zeigen, dass er im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen des englischen Premierministers und ein Förderband für die gesamte „Milner-Gruppe“ war. [32]. Anschließend war er Botschafter des Vereinigten Königreichs in Washington.

Schließlich können wir Lionel Curtis (1872-1955) erwähnen. Neben seiner Beteiligung an der Arbeit des Versailler Vertrages ist er Autor des Begriffs „Commonwealth of Nations“ dessen Anwendung aus 1948 stammt. Wie Carroll Quigley offenbart, ist dieser Ausdruck das Ergebnis der Arbeit, deren Ziel es war, das britische Empire auf die politischen Veränderungen einer weltweiten Organisation vorzubereiten. Diese Arbeit beruft sich auf ein Commonwealth von 1916 [33]. Man beachte abschließend, dass Lionel Curtis im Jahre 1919, bei der Erstellung des englischen Think-Tank, des Royal Institute of International Affairs (RIIA auch bekannt als Chatham House) eine entscheidende Rolle gespielt hatte.

Das Verständnis der globalistischen Mechanik muss wie ein riesiges Puzzle behandelt werden. Jedes Stück dieses Rätsels muss geprüft und dann zusammengestellt werden, um einen Überblick zu bekommen. Aus diesem Grund wenden wir uns zu einem anderen Teil des Systems, um den Leser daran zu erinnern, dass er diese verschiedenen Elemente im Hinterkopf behalten muss, um dann alles zusammen zu stellen. Dies ist die einzige Möglichkeit, um das „Biest“ zu verstehen.


 

Die Fabian Gesellschaft (Fabian society) [34]

Die Fabian Gesellschaft  [35] ist ein Institut, das 1884 unter der Leitung von Englischen Politikern wie Sydney Webb (1859 – 1947) und seiner Frau, Béatrice Webb, oder des irischen Schriftstellers Shaw (1856-1950) in London gegründet wurde. Die Vorhut dieser Gesellschaft stand unter dem Einfluss von Promotoren des Sozialismus wie Robert Owen (1771-1858) [36], der seine Ideen an John Ruskin (1819-1900, Professor an der Universität Oxford übertrug  [37] und der Cecil Rhodes beeinflusste) [38]. Andere mit christlichen, sozialistischen Idealen durchtränkte Personen wie Frederik Derrison Maurice (1805-1872) haben während des neunzehnten Jahrhunderts den Weg für die Gründung der Fabian Gesellschaft geebnet. Die Wahl des Wortes „Fabian“ wird erklärt, weil sie sich auf den römischen General zur Zeit der Punischen Kriege (ca. 200 vor JC), Fabius Kunktator (d.h. “Zögerer”) bezieht. Gegen den Karthager General Hannibal praktiziert das Römische Militär Guerilla-Politik, die darin bestand, um ihr Ziel zu erreichen, Dinge nicht vom Zaun zu brechen. Es ist diese Methode die sanft aber unerbittlich vorgeht, die das Markenzeichen der Fabian-Firma ist. Sie verteidigt das Prinzip einer Gesellschaft ohne Klassen, die zur Synthese von Sozialismus (Wohlfahrtsstaat) und Kapitalismus (die Gesetze des Marktes) führt, die zur Formatierung einer Monopol-Wirtschaft im Rahmen des globalen Staates führen soll. Um den Ambitionen des Unternehmens gerecht zu werden, denken seine Führer Schritt für Schritt fortzuschreiten, oder laut ihrem Ausdruck, „allmählich, graduell“. Der Einfluss dieses Unternehmens ist enorm, weil viele englische Politiker Mitglieder der Fabian Gesellschaft waren. [39]. Dieser Einfluss war jedoch umso wichtiger, weil diese Gesellschaft den Anstoß zur Schaffung von der London School of Economics (LES) im Jahre 1895 unter der Leitung von Sydney Webb gab. Diese renommierte, wirtschaftliche Ausbildungsstätte, die sich anschließend diversifizierte, hat Generationen von englischen Führern im Geiste Fabians ausgebildet, aber auch viele Studenten auf der ganzen Welt. Oft wurden sie anschließend Hauptakteure in dem politischen und wirtschaftlichen Leben ihrer Länder. So, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi; Präsident John Kennedy; die Königin von Dänemark Margarethe II; Pierre Trudeau (kanadische Premierminister); der Lobbyist und Mitglied von mehreren Think Tanks Richard Perle (“der Fürst der Finsternis”); der Finanzier George Soros (Gründer der Open Society Institutes); der ehemalige Berater von François Mitterrand, Erik Orsenna und sogar der Rolling-Stones-Sänger Mike Jagger (er hat nur ein Jahr mitgemacht! [40]), besuchten diese Schulbänke. Letztere, Dank der Wirkung der Fabian-Gesellschaft haben zur Formatierung von vielen Geistern der Welt beigetragen. Jedoch war der Einfluss dieser Gesellschaft vielfältig, unter anderem durch die Tätigkeit eines ihrer Mitglieder, des Schriftstellers Herbert George Wells (1866-1946).

H.G. Wells (1866-1946)

H.G. Wells (1866-1946)

Von Fabian-Idealen überzeugt, entwickelte H.G Wells seine Ansichten in vielen Büchern. Erfolgsautor von „Der unsichtbare Mann“, „Die Zeitmaschine“ oder auch „Der Krieg der Welten“, ist es diesem englischen Schriftsteller gelungen, seinen Glauben in einem Buch „Open conspiracy“ (“offene Verschwörung”)  [41] zu verbreiten, das 1928 veröffentlicht wurde, indem er für einen globalen Staat ohne Klassen eintrat, alles kontrollierte (’eine neue menschliche Gemeinschaft’ nach seinem Ausdruck), und eine drastische Reduzierung der Weltbevölkerung und die Praxis der Eugenik fordert. In der Tat hat H.G Wells von Anfang an seine Theorien in einem wenig bekannten Buch präsentiert und dessen Titel genau der freimaurerischen Formel Ordo Ab Chao entspricht: „die befreiende Zerstörung“. Veröffentlicht in 1914, erzählt dieses Buch die Geschichte eines allgemeinen Krieges, der zur Gründung eines aus 10 Blöcken bestehenden Weltstaates führt (10 Wahlkreise nach der Formel des Autors) [42]). Es ist in diesem Buch – erinnern wir uns an das Veröffentlichungsdatum 1914 – wo man den Begriff “neue Weltordnung” findet. [43]. Anschließend hat H.G Wells durch die Veröffentlichung eines Buches im Jahre 1940 mit dem Titel ohne möglichen Irrtum „die neue Weltordnung“ wiedergebracht [44].

Alle diese Fabian-Vertreter besuchten und arbeiteten eng oder aus der Ferne mit dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner zusammen. Ein wahrer Gemeinschaftsgeist für ein gemeinsames Ziel, einen globalen Staat, animierte diese verschiedenen Menschen. Diese angelsächsischen Eliten, die nur die logische Fortsetzung des kommerziellen Adels des Mittelalters sind, haben weiterhin ihre Kräfte in anderen Vereinen wie z. B. in der Pilgrim Society (Pilger-Gesellschaft) im Jahre 1902 in London und New York zusammen gebracht [45]. Die Höchstgeschwindigkeit wurde 1910 mit der Einrichtung der Round Table (Runder Tisch) erreicht.


 

Round Table und seine „Kinder“ [46]

Die Kreierung des Round Table [47], der letztlich nur der Erbe einer vielen jahrhundertelangen vergangenen mystischen, finanziellen und elitären Tradition ist, war ein entscheidender Schritt bei der Vorbereitung zu einem globalen Staat. Tatsächlich wurde dieses hochwertige Institut in Verbindung mit den US-Finanz-Eliten unter der Führung von Lord Milner und seinen Nahstehenden geschaffen, um das Primat der angelsächsischen Welt, das zur Schaffung eines Welt-Staates führen sollte, sicherzustellen. Andere Round Table entstanden in allen Dominien des Britischen Empire, aber auch in den Vereinigten Staaten. Die Ambitionen von Cecil Rhodes wurden übernommen, renommierte Finanziers leiteten das Team von Lord Milner, wie Alfred Beit (1853 – 1906), Sir Abe Bailey (1864 – 1940) und die Astor-Familie. Andere Gruppen kamen zur Wiege des Globalismus hinzu, der vom Round Table geführt wurde: J.P Morgan [48], die Lazard Bank oder sogar die Familien Rockefeller und Whitney [49].

Bevor wir die Studie der “guten Werke” des Round Table fortsetzen, erscheint es notwendig, folgende Punkte sicher zu stellen. Diese großen Familien der Globalisierung, selbst von einem gemeinsamen Ziel animiert, sind nicht weniger von internen Spaltungen zerrissen. Wir können im Wesentlichen zwei herausheben. Die erste ist so alt wie die Welt; sie heißt interne Rivalitäten. Rivalitäten und Ambitionen der ehrgeizigen Suche nach mehr Leistung, mehr Einfluss und mehr Reichtum, um die besten Plätze zu besetzen, haben die Geschichte dieser kommerziellen Aristokratie geschmückt. Dieses Phänomen ist genauso alt wie die Geschichte des Menschen. Auf der anderen Seite ist der zweite Punkt spezifisch für den Round Table. In der Tat verstecken sich unter der scheinbaren Meinungseinheit zwei Strömungen des Denkens. In beiden Fällen verfolgen diese Strömungen das gleiche Ziel: den Weltstaat. Jedoch in einem Fall verteidigt ein Flügel das Prinzip der Verfassung eines einheitlichen angelsächsischen Blocks (British Empire verbunden mit den Vereinigten Staaten). Diese angloamerikanische Basis sei die Wirbelsäule, auf der der Rest der Welt sich aufbauen soll. Im zweiten Fall hält der andere Flügel es nicht für notwendig, die Geburt eines angelsächsischen Reiches als Anker zu einer einheitlichen Welt zu bevorzugen. Er vertritt stattdessen die Variante einer Welt, wo kein Land einem anderen seine Rechtsvorschriften oder politische Philosophie aufdrängen könnte. Es gilt den Befürwortern des zweiten Weges, eine Art von einem allgemeinen „Püree“ zu schaffen, welche die Vereinigung der Menschheit in einem Block und ohne Unterscheidung darstellt. Wir haben hier die Opposition zwischen Befürwortern der angelsächsischen Globalisierung und Befürwortern der weltweiten Globalisierung.

Der erste Weltkrieg war ein Umschwung von einer Welt zur anderen. Auch wenn es nicht möglich ist, die wesentliche Rolle der anglo-amerikanischen Eliten während dieses Konflikts im Detail zu diskutieren [50], können wir die entscheidende Aufgabe des Schweden Olof Aschberg (1877 – 1960) an der Spitze der Bank Nya Banken in Stockholm erwähnen. Er war der große finanzielle Vermittler zwischen den Eliten von Wall Street und der City einerseits und den bolschewistischen Führern andererseits. Sein Spitzname war “Banker der Welt- Revolution.” Wie Anthony Sutton daran erinnert, hatte die Bank von Olof Aschberg eine Tochtergesellschaft in London, die Bank of North Commerce, dessen Präsident Earl Grey einfach zu dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner gehörte [51]. Letzterer spielte auch eine entscheidende Rolle innerhalb der angelsächsischen Oligarchie. In der Tat, neben seiner vorgenannten Tätigkeit war es Lord Milner, der wusste, wie man Premierminister Lloyd George überzeugen konnte, die Oktoberrevolution wirksam zu unterstützen. Diese kapitale Entwicklung für die Zukunft der Welt folgte dem Besuch in London, am Ende des Jahres 1917, von William Boyce Thompson (1869 – 1930) in Begleitung von einem Vertreter von JP Morgan, Thomas W. Lamont (1870-1948) [52]. Mitglied des Lenkungsausschusses der US-Federal Bank (FED), war W.B Thompson 1917 ein Offizier im Dienst der Oligarchie innerhalb des amerikanischen Roten Kreuzes in St. Petersburg. Diese Abdeckung erlaubte ihm unter anderem, den Bolschewiken die für diese Zeit riesige Summe von 1 Million Dollar zu überreichen [53]. Auf dem Weg zurück nach New York machte er einen Zwischenstopp in London, um Lloyd George ein Memorandum vorzulegen, in dem er die Unterstützung der Oktoberrevolution forderte. Lord Milner, großer Bewunderer von Karl Marx, unterstützte nur William Boyce Thompson in seinem Ansatz, um Lloyd George zu überzeugen. Die bolschewistische Revolution hätte ohne das entschiedene Handeln der anglo-amerikanischen kommerziellen Oligarchie nicht stattfinden können [54].

Das Ende des ersten Weltkrieges öffnete sich unter den Auspizien der angelsächsischen, kommerziellen Siegermächte und eines menschlich und finanziell verbluteten Frankreichs. Der Vertrag von Versailles gab Frankreich keine Sicherheit gegenüber einem verminderten und weitgehend von angelsächsischen Krediten an die Wirtschaft abhängigen Deutschland. Die Lähmung Frankreichs angesichts der großen angelsächsischen Silberschmiede verschlechterte sich, als Letztere Darlehen mit den Dawes- (1924) und Young-Plänen gewährten (1928), die trotz der in Abhängigkeit der Banken von London und New York gestellten deutschen Wirtschaft [55]], für die Stärkung der deutschen Industriemacht ausschlaggebend waren. In der Tat entstanden im 1920er Jahrzehnt gigantische, für den Krieg unentbehrliche Kombinate für die Verarbeitung von Stahl und Chemie, (I.G. Farben und Vereinigte Stahlwerke). Die französische Niederlage von 1940 beruhte teilweise auf der Aktion der angelsächsischen Finanziere, zu Gunsten der wirtschaftlichen und technischen Erholung Deutschlands (vor allem durch Stahl, synthetisches- Benzin und Buna-Gummi) [56].

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Zusätzlich zu dieser Politik beschlossen die anglo-amerikanischen Eliten, ab den Jahren 1918-1919 eine Mutation des Round Table. In der Tat, aus Gründen für mehr Effizienz wurde beschlossen, zwei think tanks [Denkfabriken] auf beiden Seiten des Atlantiks zu erstellen, die die Außenpolitik der beiden Länder bestimmen sollten. Auf Englands Seite war es die Gründung 1919 unter der Ägide von Lionel Curtis, Mitarbeiter von Lord Milner, des Royal Institute of International Affairs (RIIA, auch bekannt als Chatham House) [57]. Es ist dieser selbe Lionel Curtis, der für ein föderales Commonwealth war, das fähig sei, allmählich verschiedene Länder rund um den Globus zur Integration zu bewegen [58]. Diese Ziele wurden von Clarence Streit (1896 – 1986) in den Vereinigten Staaten verteidigt,  [59] Korrespondent der New York Times im Völkerbund (Cecil Rhodes Stipendium, Jahrgang 1920-) und dem Vertreter der amerikanischen „Milner-Gruppe“, Frank Aydelotte [60]. Seitens der Amerikaner wurde der Council on Foreign Relations (CFR) [61]] im Jahr 1921 unter der Ägide der Hauptfigur, Colonel Edward Mandell House (1854-1938) erstellt. Als Vertrauens-Berater von Präsident Wilson  [62] war House die Drehscheibe zwischen der „Milner-Gruppe“ und den “Großen” von Wall Street (Vanderlip, Rockefeller, JP Morgan, Warburg,…). Wir erkennen in dieser unvollständigen Liste den wichtigen Namen von Paul Warburg, der an der Spitze der US-Notenbank (Fed) seit ihrer Gründung im Jahr 1913 war. Diese private Bank, von der zentralen Macht unabhängig und zuständig für die Geldprägung [63], ist ein Staat im Staat. Es ist derselbe Paul Warburg, der den CFR von Anfang an leitete. Wir haben mit einem Gewirr von Verantwortlichkeiten erster Ordnung innerhalb der angelsächsischen Oligarchie zu tun, umso mehr als wir verpflichtet sind, im nächsten dem Pan-Europa gewidmeten Abschnitt noch einmal Paul Warburg zu erwähnen.

Die Aktion von Colonel House muss durch Berufung auf ein Meisterwerk der globalistischen Mystiker, sein Buch mit dem Titel Philip Dru, Administrator  [64] ergänzt werden. 1912 geschrieben, spricht dieses Buch von einem Staatsstreich von einem West Point-Offizier (Philip Dru), der den Vereinigten Staaten eine Diktatur auferlegt und die Verfassung des Landes aufhebt. Wie Lord Milner, so zögerte auch Oberst House nicht, seine tiefe Überzeugung zu evozieren, indem er behauptet, dass sein Held “Sozialismus implementiert wie Karl Marx ihn geträumt haben würde“. Er spricht auch im Kapitel 52 von dem Ideal der Vereinigung des ganzen nordamerikanischen Blocks. Dies ist Tatsache geworden seit dem offiziellen Start des Projekts von Waco, Texas, im März 2005, wie wir es am Anfang dieses Textes bemerkt haben. Es ist klar, dass diese Eliten schon vor mehr als hundert Jahren Farbe angesagt haben. Dem globalistischen Netzwerk ist es gelungen, seinen Einfluss durch die Geburt eines Instituts zu stärken, um eine führende Rolle in der europäischen Konstruktion zu spielen: das Pan-Europa.


 

Pan-Europa, Sprungbrett des Globalismus

Die Schaffung von Pan-Europa geht auf die Aktion von einem österreichischen Aristokraten, Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972), zurück, der Kind einer japanischen Mutter war. Das erklärte Ziel von Coudenhove war zu verhindern, die Schrecken des ersten Weltkrieges zu reproduzieren. Diese lobenswerte Absicht war nur der Baum, der den Wald versteckte. In der Tat gab Coudenhove sehr früh und eindeutig die Richtung seiner Bewegung an, als er einen Bericht im Völkerbund im Jahre 1925 einreichte. Sein Ziel war, Europa zu vereinheitlichen, um es als Teil einer einheitlichen, globalen politischen Organisation zu integrieren. Dazu, sagte er in seinem Bericht, bestünde die Notwendigkeit ’politische Kontinente’ schaffen zu müssen, die einen Verband von Verbänden bilden müsse [65]. Seine föderalistischen Forderungen schließen gut an jene der Fabian-Gesellschaft an. Weiter in seinem Schwung organisiert Coudenhove 1926 die erste Pan-europäische Konferenz in Wien unter der Ägide von seinem Ehrenpräsident, dem Präsidenten des Rates Aristide Briand (1862 – 1932) [66]. Es ist während dieses Kongresses, der mehrerer Nationalitäten zusammenführte,  [67] dass beschlossen wurde, eine europäische Hymne, die „Ode an die Freude“ von Beethoven zu wählen [68], die später die Hymne der Europäischen Union wurde. Die Ziele Pan-Europas sind im Rahmen der “Grundlegenden Prinzipien” deutlich gezeigt, die unter anderem fordern: „(…) Die europaweite Union erklärt sich dem europäischen Patriotismus, Krönung der nationalen Identität aller Europäer, verbunden. Zur Zeit der Interdependenz und der globalen Herausforderungen kann nur ein starkes und politisch geeintes Europa die Zukunft seiner Völker und ethnischen Entitäten garantieren. Die Pan-europäische Union anerkennt die Selbstbestimmung der Völker und das Recht der ethnischen Gruppen zur kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung (…)“ [69].

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Während des zweiten Weltkrieges floh R. Coudenhove-Kalergi in die Vereinigten Staaten, und konnte im Rahmen eines Seminars – Research for a postwar european federation (Forschung für eine Europäische Nachkriegszeit-Föderation) –für einen europäischen Föderalismus an der New York University lehren. 1946 kehrte er nach Europa zurück, trug weitgehend zur Schaffung der Europäischen Parlamentarischen Union bei, die anschließend die Erstellung im Jahre 1949 vom Europarat  [70] ermöglichte. Diese Europäische Organisation verstärkt ihren Einfluss auf alle Staaten und wacht auf die nationalen Vertreter, die die Ideale des Gründers verbreiten sollen [71]. Nach Erhalt im Jahr 1950 des Karl-der-Große-preises, der höchsten Europäischen Auszeichnung [72], hat sie 1972 das Ruder an Otto von Habsburg weitergegeben und dann an Alain Terrenoire.

Man kann die Auswirkungen von Pan-Europa besser verstehen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert: das Geld. Die Quellen der Finanzierung dieses Instituts erklären die Tiefe Absprache ihres Führers mit anderen Akteuren des Globalismus. In der Tat, neben industriellen und finanziellen Förderern, profitierte R. Coudenhove-Kalergi von der Unterstützung des Bankiers Max Warburg, Vertreter der deutschen Bank in Hamburg. Wie wir oben gesehen haben, war sein Bruder Paul (US-Niederlassung) der Leiter der Fed und des CFR. Wir verstehen sofort, dass R. Coudenhove-Kalergi grünes Licht bekam, um mit der Finanzwelt von Wall Street und seinen Londoner Kollegen zu kooperieren. Diese Komplizenschaft zwischen dem Gründer von Pan-Europa und anderen Globalisten-Milieus war umso größer, als Max Warburg Ausschuss-Mitglied der I.G. Farben-Deutschland war, während sein Bruder, Paul Warburg, dem der amerikanischen I.G. Farben angehörte [73].

Die Machtannahme von Adolf Hitler wird durch die von angelsächsischen Industriellen und Finanzieren über ihre deutschen Kollegen gegebene Unterstützung erklärt, wie Anthony Sutton schreibt. In diesem Fall war der Direktor der Reichsbank, Hjalmar Schacht (1877 – 1970) ein Zwischenhändler erster Klasse. Sein Handeln war umso tiefgreifender, da er Minister für Wirtschaft des Dritten Reiches von 1934 bis 1939 war. Die wirtschaftliche Erholung Deutschlands aufgrund seiner Wirkungsweise erlaubte Hitler eine Politik zu verfolgen, die er nie ohne diesen Wiederaufbau auf Länderebene ausüben hätte können. Solche Taten hätten Hjalmar Schacht während der Nürnberger Prozesse die Todesstrafe einbringen müssen. Es war dem nicht so, da er freigesprochen wurde. Hjalmar Schacht war in der Tat stark mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie verbunden. Sein Vater, der US-Amerikaner Wilhelm Schacht hatte 30 Jahre in der Tochtergesellschaft der Equitable Life Versicherung in Berlin gearbeitet [74]. Sein Sohn war also von Geburt an in dem Serail des globalistischen Systems. Dies wird noch stärker, wenn wir wissen, dass Hjalmar Schacht seit 1918 im Führungs-Komitee von der Nationalbank Für Deutschland (“National Bank of Germany”), an der Seite des Bankiers Emil Wittenberg war, der gleichzeitig Mitglied des Lenkungsausschusses der ersten sowjetischen Bank, der 1922 gegründeten Ruskombank war [75]. Diese wurde von dem schwedischen Bankier… Olof Aschberg geführt,  [76] dem wir schon vorher begegnet sind. Um mit dem Wirbel fortzufahren, können wir angeben, dass der Direktor der ausländischen Sektion der Ruskombank, der US-amerikanische Max May [77], der Vizepräsident der Guaranty Trust Company, eine Tochtergesellschaft einer der Pfeiler der Wall Street, JP Morgan war [78]. In diesem Fall arbeitete also ein hoher Vertreter der US-amerikanischen Wall-Street in der sowjetischen Bank-Elite. Um das Maß voll zu machen, war die Zusammenarbeit von Hjalmar Schacht mit diesem Milieu durch Freundschafts-Bande mit dem Chef der Bank of England Montagu Norman gesichert. Wir verstehen besser, warum Hjalmar Schacht  [79] am Morgen des zweiten Weltkrieges nicht wirklich um sich besorgt sein musste.

Die Unterstützung durch diese kommerzielle, angelsächsische, staatenlose Aristokratie für Kommunismus, Nationalsozialismus und auch bei der Machtübernahme durch Franklin d. Roosevelt [80], wurde in der Wall Street Trilogie von Anthony Sutton beschrieben, und war auch ein Labor-Experiment, das in einem lokalen Kontext erfolgte (Sowjetunion, Nazi-Deutschland und USA [81]). Unter einer anderen Bezeichnung hat Anthony Sutton geschlossen, dass diese verschiedentlich genannten Ideologien, “Sowjetischer Sozialismus”, “kollektiver Sozialismus” (Nationalsozialismus) und “der neue Sozialismus ” (New Deal), nur die Formatierungen von einem monopolistischen Sozialismus waren; ein Ideal der Organisation, die jetzt als Teil der “neuen Weltordnung” rund um den Globus entstehen soll. Der Krieg von 1939-1945, der infolge dieser Hintergrund-Arbeit entstand, erlaubte die Kippe in eine andere Welt; die Einführung von zwei scheinbar gegensätzlichen Blöcken, die dem hegelianischen Prinzip der These und Antithese voll gehorchen. Jedoch wurden diese beiden Welten, die von den gleichen finanziellen Quellen bewässert wurden, die Grundlagen zur Verwirklichung des globalen Staates.


 

Nach 1945, eine glückliche Zukunft

Nach dem zweiten Weltkrieg können wir drei wesentliche Daten in der unmittelbaren Nachkriegszeit erkennen: 1946; 1947 und 1948. Es ist der britische Premierminister Winston Churchill, der die Idee der Einigung Europas in einer Rede in Zürich am 19. September 1946 wiederbelebt. Tatsächlich zögerte er nicht zu sagen: “Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa bauen”. [82]. Solche Kommentare erfreuen Richard von Coudenhove-Kalergi, der von Churchill unterstützt wurde. Der Gründer von Pan-Europa belebte seinerseits die Idee des Europäischen Gedankens und stellte die Geschichte seiner Arbeit und Projekte in einem Buch vor, mit dem Titel „Ich habe Europa gewählt“. In diesem Buch profitierte Coudenhove von dem Vorwort von… Winston Churchill.

Winston Churchill (1874-1965)

Winston Churchill (1874-1965)

Die zweite Etappe bildet mit der Sitzung im August 1947 in Montreux in der Schweiz eine entscheidende Passage zur Stärkung der Grundlagen des in Vorbereitung stehenden Welt-Staates. In der Tat haben sich verschiedene europäische  [83] und amerikanische  [84] dem Welt-Föderalismusprinzip ergebene Vertreter unter der Schirmherrschaft des Schweizer Juristen Max Habicht  [85] geeinigt, um zwei Institute ins Leben zu rufen, deren Wirksamkeit weithin spürbar wird: die „Föderalistische Weltbewegung“ (World federalist Movement, WFM) und die „Union der Europäischen Föderalisten“ (Union of European Federalists, UEF).

Die WFM hat am Treffen von Montreux ihre Magna Charta vorgestellt, welche die Einrichtung von zentralen Grundsätzen zur Errichtung eines globalen Staates auf föderativer Basis befürwortet. Es ist klar, dass, 63 Jahre nach der Formulierung, ihre Wünsche weitgehend erfüllt sind. Es wird in der Tat behauptet, dass „Wir Welt-Föderalisten sind überzeugt, dass die Schaffung des Weltverbandes das wichtige Problem unserer Zeit ist.“ Solange sie nicht eingetreten ist, bleiben alle anderen Fragen – nationale und internationale – ohne gültige Antworten. Man soll nicht zwischen freiem Unternehmertum oder gesteuerter Wirtschaft, Kapitalismus oder Kommunismus wählen, sondern zwischen Föderalismus oder Imperialismus. Anschließend schlägt diese Erklärung unter anderem folgende Grundsätze vor: « Einschränkung der nationalen Souveränität“ mit „Transfer der Legislative, Exekutive und richterlicher Gewalt zum Bund“, „Schaffung einer supranationalen Streitkraft“. Insbesondere mit Angabe dieser zu Beginn des 21. Jahrhunderts hochaktuellen Tatsache, dass „eine gerechte föderalistische Perspektive die Anstrengungen sowohl auf regionaler als auch auf funktionaler Ebene integrieren muss. Die Bildung von regionalen Bünden(Anmerkung des Herausgebers: Hervorhebung von mir) – soweit sie kein Ziel für sich selbst bilden und nicht riskieren sich in Blöcke zu kristallisieren – muss und soll sie zum ordnungsgemäßen Funktionieren des Welt-Bundes beitragen. Am Ende dieser Erklärung wird betont, die Entstehung einer „verfassungsgebenden Welt-Versammlung“ zu fördern. [86].

Neben der Erstellung von der WFM entstand die Union europäischer Föderalisten (UEF) in Montreux. Eine avantgardistische Arbeit hatte jedoch bereits das Terrain vorbereitet. In der Tat wurde unter dem Einfluss von Pan-Europa von R. von Coudenhove-Kalergi 1934 Europa Union gegründet, welche das Ideal von einem geeinten Europa verteidigte, nach dem föderalen Prinzip und dem Schweizer Modell [87]. Vier Jahre später, im November 1938, entstand unter dem Einfluss der Fabianer Lord Lothian und Lionel Curtis, die Federal Union [88]. Letztere ist ein Zweig der UEF in gleicher Weise wie es die verschiedenen französischen (UEF Frankreich), deutschen (Europa-Union Deutschland), italienischen (UEF Italien) usw., “Tochterunternehmen” sind. Es sei darauf hingewiesen, dass die UEF, gleich den russischen Puppen, ein Zweig des World Federalist Movement (WFM) ist [89]. Infolgedessen haben wir hier ein europäisches Institut, das für Föderalismus arbeitet und das gleichzeitig die Arbeit von der WFM übernimmt, aber auf Weltniveau. Warum ist es so wichtig, die UEF-Mission zu erwähnen? Dieses föderalistische Institut wird von dem Engländer Andrew Duff geleitet, Mitglied des Europäischen Parlaments, unter dem Label “Liberal Democrats”. [90]. Er ist auch Mitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR),  [91] 2007 gegründet [92], das europäische Schwestermodell des 1921 gegründeten US-CFR. Andrew Duff ist auch derjenige, der in enger Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und dem österreichischen EP-Abgeordneten Johannes Voggenhuber die Wiederbelebung des Entwurfs einer Europäischen Verfassung nach dem Scheitern der französischen und niederländischen Referenden im Jahr 2005 erlaubte [93]. Der Vertrag von Lissabon hätte nicht – oder zumindest nur weniger leicht – ohne die Unterstützung und die Überzeugungen von Andrew Duff entstehen können. Darüber hinaus ist klar, dass der über das Grab hinaus reichende Einfluss von einem Cecil Rhodes und einem Lord Milner auf die Ausarbeitung der Europäischen Verfassung (die so genannte “Verfassung Giscard”, Vorspiel für den Vertrag von Lissabon) 2003-2004 wirkte. Tatsächlich waren die Milner-Gruppe und die Fabianer immer schon für die Einigung Europas, vorausgesetzt, dass dies unter angelsächsischer Führung erfolgte. Während den beiden Weltkriegen konnten die Versuche für eine europäische Einheit unter deutscher Führung, einer kontinentalen Macht, von London und Washington nicht akzeptiert werden, weil die angelsächsische Überseemacht aus dem Geschäft des alten Kontinents ausgeschlossen worden wäre. Richard Coudenhove – Kalergi hatte das perfekt verstanden, wie seine Rede von 1950 zeigt. Daher ist es sinnvoll, sich für den Generalsekretär der “Giscard-Verfassung”, den englischen John Kerr, der beauftragt war die Arbeiten fernzusteuern, zu interessieren. Sein Lebenslauf zeigt, dass er an der Spitze einer Ölfirma Royal Dutch Shell steht und britischer Botschafter in den Vereinigten Staaten war. Seine Verbindungen mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie zeigen auch, dass er Mitglied des Lenkungsausschusses, für die Rekrutierung der Eliten im Rahmen der “Cecil Rhodes Stipendien» verantwortlich ist [94]. Wie man sehen kann, ist der globalistische Erfolg nur eine Frage der Zeit.

Schließlich hat der Kongress von Den Haag (7. -10. Mai 1948) unter dem Ehrenmitglieds-Vorsitz von Winston Churchill und fast 800 proeuropäischen Aktivisten  [95] die ersten Grundsteine für ein geeintes Europa gelegt. Die Hauptfigur dieses Kongresses war der General-Sekretär Joseph Retinger (1888 – 1960). Die eigentlichen Akteure der Geschichte sind oft hinter den Kulissen. Dies ist der Fall bei Retinger, im Dienst des CFR und der RIIA, dessen Handlung bei der Entwicklung der globalistischen Strukturen entscheidend war [96].

Réunion du Groupe de Bilderberg (Bruxelles, juin 2000) TV auf Französisch (Anm.d.Red.: Dieser Film wurde entfernt.)


 

Bilderberg, das New-Age und die Trilaterale

Die erste Versammlung vom Bilderberg fand in den Niederlanden in Oosterbeck im Mai 1954 statt. Man vereinbarte, dass der Name dieser elitären Gruppe den Namen des Hotels führe, in dem die Beteiligten wohnten. Es bestehen jedoch Zweifel. Dennoch geht seine Schöpfung weitgehend auf die Aktion von Joseph Retinger zurück, selbst wenn man noch “hohe Tiere” des Globalismus dazuzählen muss, wie den unumgänglichen David Rockefeller (Vorsitzender des CFR, der Chase Manhattan Bank,…). Die Bilderberger sind „la crème de la crème“ der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Welt des Atlantiker-Serails. Die westlichen Medien folgen nur sehr selten ihren Sitzungen und geben noch seltener Nachrichten [97]. Die Regeln der Organisation und der Intervention der Teilnehmer sind direkt auf jene des Royal Institute of International Affairs (RIIA, “Chatham House Rule” Prinzip genannt) aufgebaut. Auch hier haben die Rhodes und Milner Familien ihre Spuren hinterlassen. In der Tat prägen diese Eliten innerhalb des Bilderberg weitgehend den Gang der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten. Der Fall des belgischen Etienne Davignon ist besonders bemerkenswert. Vizepräsident der Europäischen Kommission von 1981 bis 1985, ist er der große Pascha dieser elitären Gruppe. Er war es, der den belgischen Politiker Herman van Rompuy eingeladen hat, um eine mündliche Prüfung vor den Vertretern des Bilderberg für den Posten des Präsidenten des Europäischen Rates am 12. November 2009, insbesondere vor dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, in Val Duchesse am Stadtrand von Brüssel abzulegen [98]. Einfach ausgedrückt, man wollte sehen, ob Herman van Rompuy dem System nützlich sein konnte. Die mündliche Prüfung musste sicher gut abgelaufen sein, da er akzeptiert wurde… als gut für den Dienst befunden.

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Die Wahl des ersten Präsidenten des Bilderberg von Prinz Bernhard (1911 – 2004) durch Joseph Retinger und Mitarbeiter, ist kein Zufall. Tatsächlich war dieser deutsche Prinz in den frühen 1930er Jahren Mitglied der SS, insbesondere des Reiterkorps SS (Kavallerie) und Mitglied der Farben Bilder, einer Tochtergesellschaft der IG-Farben. Er heiratete 1937 die Thronfolgerin der Niederlande, Prinzessin Juliana, seine Tochter die Königin Beatrix ist eine aktive Teilnehmerin der Bilderberg-Treffen. Die mehr als trübe Vergangenheit von Prinz Bernhard für seine Berufung als Leiter des Bilderberg war ein gutes Mittel, ihn „in der Hand zu haben“. In der Tat ist es einfacher, eine Person auf klar definierte Ziele zu steuern, wenn sie solch eine unangenehme Vergangenheit besitzt. Die Wahl dieses niederländisch eingebürgerten deutschen Prinzen war sicherlich von großer Bedeutung, weil er in einem anderen Sektor verwendet wurde. Wir müssen uns mit einem Thema befassen, das den Theoretikern des Globalismus am Herzen liegt: die Ökologie.

Der legitime Schutz der Fauna und Flora hat einen baufälligen Bestand unter der Einwirkung von den Anhängern der neuen Weltordnung. Tatsächlich führt die Ideenbewegung zu einer Vergöttlichung der Natur, der New-Age Bewegung entsprechend. Es ist das Prinzip der “Gaia”, als “Muttererde” gekennzeichnet [99]. Viele Institute verbreiten diesen Zug des philosophischen Geistes, insbesondere der WWF (World Wild Fund for Nature), Institute, die den Schutz der Natur predigen. Ihrer Gründung in 1961 ist der Arbeit von Mitgliedern des globalistischen Serails zuzuschreiben.

In der Tat müssen wir die Brüder Aldous und Julian Huxley erwähnen. Aldous Huxley ist der Autor eines 1931 veröffentlichten prophetischen Buches, „Schöne neue Welt“, das ein echtes internationalistisches politisches Programm unter der Tarnung eines Fiktions-Romans ist. Unter Bezugnahme auf einen globalen Staat, dessen Menschheit nach genetischen Manipulationen, unterworfen und hierarchisch eingeteilt ist, verbrachte der Autor sein ganzes Leben mit vielen Drogen, um eine “Form der Mystik“ zu erreichen. Diese Wahnvorstellungen charakterisieren dieses Milieu und waren auch auf seinen Bruder Julian Huxley übergegangen, der ein Befürworter der Eugenik war und der der erste Präsident der UNESCO (Bildung, Wissenschaft und Kultur) im Jahre 1946 wurde. Dieser Geist der Huxley-Brüder kommt von dem Einfluss des Großvaters, Thomas Huxley (1825-1895). Biologe und leidenschaftlicher Verfechter der darwinistischen Prinzipien [100], übertrug er diese Konzepte seinen Enkeln, die sie der ganzen Welt einflössten. Man füge hinzu, dass das Netzwerk der globalistischen Familienbande ganz eng ist, weil einer der Schüler von Thomas Huxley… H.G Wells war [101].

Diese von Generation zu Generation übertragene Nachfolge erlaubt, diese Dauerhaftigkeit des Globalismus und seinen Aufstieg besser zu verstehen. Jetzt können wir die vergangene Aktion dieser Männer der Gründung des WWF 1961 anschließen. Tatsächlich geht seine Schöpfung auf Julian Huxley zurück [102]. Der WWF hilft mit, dieses pantheistische Ideal zu verbreiten und gehört einem der Zweige der Aktion des Globalismus an. Ist es reiner Zufall, dass der erste Präsident des WWF der Präsident des Bilderberg, Prinz Bernhard war  [103] (von 1962 à 1976)? Andere Präsidenten sind an die Spitze des WWF gekommen und wieder gegangen, wie John Loudon, der wie John Kerr, Präsident des Ölkonzerns Royal Dutch Shell war. Dieses englisch-niederländische Öl-Konglomerat ist eine der Krippen der neuen Weltordnung. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass Prinz Philippe, Ehemann der Königin von England Elisabeth II., den WWF von 1981 bis 1996 leitete.

David Rockefeller Senior (1915-…)

David Rockefeller Senior (1915-…)

Wir können dieser Akteuren-Liste, die einer langen politischen, kommerziellen Tradition entsprungen ist, die Rolle der Trilaterale hinzufügen. Sie wird 1973 von David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski (Mitglieder des CFR) gegründet. Letzterer ist der Mentor von Präsident Obama. Das Institut umfasst drei wirtschaftlich entwickelte Gebiete: Nordamerika, Europa und Japan. Wir erinnern an die Unterstützung von Franzosen wie Simone Veil, Robert Marjolin, Raymond Barre und auch Hubert Védrine. Brzezinski fügte hinzu, dass die Staaten „mehr und mehr gemeinsamen Problemen ausgesetzt sind – finanziellen, wirtschaftlichen und strategischen – und immer weniger in der Lage sind, sie zu beheben, wenn sie sich nicht enger zusammenschließen, in ihrem eigenen und dem Interesse des Restes der Welt“. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, gibt der Autor selbst zu, dass die Trilaterale Kommission am Ursprung der Schöpfung des G7 Gipfel war [104]. Die Nähe zwischen der Trilateralen und der industriellen Welt und der Welt der Think Tanks ist erwiesen, vor allem mit dem Transatlantic Policy Network (TPN) [105]. Der Vorsitzende der europäischen Filiale der Trilateralen Kommission, Peter Sutherland, ist auch Präsident des europäischen Zweigs des TPN. Dieser Ire war auch der Chef von Goldman Sachs, der auch heimlich die Wirtschaftspolitik von Präsident Obama regelt und unter anderem EU-Wettbewerbs-Kommissar von 1985 bis 1989 unter dem Vorsitz von Jacques Delors  [106] war. Jetzt die kleine Kirsche auf dem Kuchen: Peter Sutherland ist auch der Direktor der Fabian-Schule, der London School of Economics [107]. Der Besitzerrundgang wird abgeschlossen sein, wenn man hinzufügt, dass John Kerr – wie wir oben gesehen haben – auch ein Mitglied der europäischen Trilaterale ist [108].

Wie wir sehen, konvergieren die politischen und wirtschaftlichen Eliten seit langer Zeit zu dem Bau einer einheitlichen Weltordnung [109]. Diese Tour wäre allerdings nicht vollständig, wenn man nicht die Anweisungen der Behörden der katholischen Kirche erwähnte.


 

Eine katholische Kirche im Dienst der neuen Weltordnung

Ob man gläubig ist oder nicht, muss das Studium der Grundsätze, die eine Kirche animieren, mit Objektivität getan werden. Man muss die Lehren studieren, die sie verteidigt und beobachten, ob die Worte und ihre Handlungen mit ihrem Lehrkörper in Übereinstimmung stehen. Bei der katholischen Kirche basiert das seit 2000 Jahren befürwortete Konzept auf dem Primat des Gottes über den Menschen. Bibel und Tradition sind unantastbare Grundlage, das Fundament des Glaubens laut der geweihten Worte, durch die Nachfolger von heiligen Petrus, dem Papst, definiert. Der von der Erbsünde markierte Mensch muss einer höheren Autorität entsprechen und alle Vorschriften befolgen, die von der katholischen Kirche befürwortet werden. Diese Grundsätze sind unantastbar. Wenn man mit diesen Prinzipien nicht in Übereinstimmung ist, verlässt man die katholische Kirche. Dies ist der Fall von mehreren protestantischen Kirchen. Eine grundlegende Änderung ist jedoch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingetreten. Dieses Konzil ist das Ergebnis eines langen Stroms von Reflexionen, welche viele Kirchenmänner, aber auch außerhalb der Kirche bereits im 19. Jahrhundert animierten. Nach einem langen Kampf zwischen den Verteidigern der Tradition und den Progressisten waren letztere in der Lage, ihre Vision einer großen Reform im Zweiten Vatikanischen Konzil durchzusetzen. Für diese Anhänger gilt es, die Kirche den politischen, technischen und sozialen Innovationen, die die Entwicklung der Welt kennzeichnen, anzupassen. Für die Verteidiger der Tradition gilt das Gegenteil. Es muss sich die Welt den Grundsätzen der Kirche anpassen. Diese Humanisierung der Kirche durch die Förderung der Menschenrechte und die Zusammenarbeit mit internationalen Gremien, wurde 1963 in der Enzyklika von Papst Jean XXIII, Pacem in Terris übersichtlich dargestellt [110]. Unter Hinweis auf den Fortschritt der Wissenschaft und Technik geht es innerhalb der menschlichen Rasse zu ” intensiverer Zusammenarbeit und stärkerer Union”; Es geht darum, das „gemeinsame universale Gut“ zur stärken, das die Staaten nicht mehr laut der Enzyklika gewährleisten können. Daher fügt das Dokument logisch hinzu, „heute stellt das gemeinsame universelle Gut Probleme globaler Dimensionen dar. Sie können nicht von einer öffentlichen Behörde gelöst werden, deren Macht, Verfassung und Handlungsmöglichkeiten auch globale Dimensionen annehmen, und die ihre Wirkung auf die gesamte Erde ausüben kann. Daher ist es die moralische Ordnung selbst, die die Einrichtung einer Behörde des Weltrechtsprinzips erfordert“.

Die Enzyklika wünscht, dass diese “supranationale oder globale Macht” nicht gewaltsam aufgestellt werde und stimmt der Deklaration der Menschenrechte von 1948, außerhalb weniger Einwände, zu. Sie fügt hinzu, “wir betrachten diese Deklaration als einen Schritt zur Schaffung der rechtlichen und politischen Organisation der Weltgemeinschaft“. [111].

Diese Richtungsänderung der katholischen Kirche ist das Markenzeichen aller Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Während seiner Weihnachts-Botschaft von 2005 hat Benedikt XVI. die Menschen aufgefordert, “die Errichtung einer neuen Weltordnung” voranzutreiben.  [112] .

Daher ist es vollkommen logisch, dass Benedikt XVI. für die Einrichtung einer “Weltpolitischen Behörde” in seiner Enzyklika Veritas in Caritate  [113] im Juli 2009 aufgerufen hat. Unter Hinweis auf die globale Interdependenz, erinnert der Papst “an die Dringlichkeit der Reform der Vereinten Nationen sowie die der Wirtschafts- und Finanzkrisen-Architektur”, um dem Konzept der Familie der Nationen eine internationale Realität zu geben. (…)“ [114].


 

Für eine parlamentarische Welt-Versammlung

Die Schaffung großer politischer, regionaler Bünde, die von gemeinsamen Gesetzen regiert werden, und die Bestandteile des Welt-Staats sind, müssen in einer einzigartigen Versammlung vertreten werden. Dies ist die große Herausforderung der “parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) [115]. Dieses Streben ist die logische Fortsetzung der Weltvereinigungs-Träume der federführenden Theoretiker des Globalismus (Fabian und Anhänger). Nichts ist zufällig. Die Ereignisse, die Personen und die Institute der Vergangenheit produzieren ihre Früchte, um das Babel-Gebäude zuvollenden. Deshalb verfolgt die Aktion der WFM (World Federalist Movement), deren Gründung wir im Jahr 1947 in Montreux sahen, ganz logisch die Arbeit, welche die Ihre ist. Daher ist es ursprünglich die WFM in 1992, die die Entwicklung des ersten großen Dokuments zur Einrichtung einer globalen Parlamentarischen Versammlung innerhalb der Vereinten Nationen vorantreibt: „The case for a United Nations Parliamentary Assembly“ (“der Fall einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen”) von dem kanadischen Dieter Heinrich [116]. Viele Arbeiten und Besprechungen fanden anschließend in dem kanadischen Senat, im Europäischen Parlament, auf dem Forum der Jahrtausendwende im Jahr 2000 in New York, am 12. Kongress der sozialistischen Internationale usw. statt, um schließlich im September 2003 zum “Komitee für eine demokratische UNO“ zu führen. Wir müssen die deutsche Version geben, weil, wie wir sehen werden, die deutschen politischen Behörden eine führende Rolle spielen: „Komitee Für Eine Demokratische UNO“ (KDUN) [117].

Das KDUN ist das Aushängeschild innerhalb eines Executive Komitees [118], das für ein Welt-Parlament arbeitet. Tatsächlich werden seine Werke von einem anderen bereits erwähnten Institut, der WFM unterstützt. Hierzu muss man noch hinzufügen, „die Gesellschaft für bedrohte Völker“, ein deutsches Institut, das zu Gunsten der Emanzipierung von ethnischen Gruppen arbeitet und das Hand in Hand mit der UFCE (der Union föderalistischer ethnischer Gemeinschaften)  [119] und mit einer englischen NGO, der 2020 Vision Ltd. arbeitet [120].

Das KDUN mit Sitz in Berlin sagt die Trumpffarbe an, mit ihrer Satzung, ihr Engagement, den Aufbau einer weltoffenen Gesellschaft und kontinentale Integration zu fördern [121]. In dem Direktions-Komitee gibt es Vertreter aus Politik und Wissenschaft. Es ist interessant festzustellen, dass alle deutschen politischen Strömungen mit Ausnahme von den ehemaligen Kommunisten (Die Linke) vorhanden sind [122]. Im Schosse dieses Ausschusses finden wir eine Schlüsselfigur, Armin Laschet. Dieser Politiker ist der Urheber des Berichts von 2003, in dem gefordert wird, der Europäischen Union einen ständigen Sitz  [123] nach der Verabschiedung des ” Giscard-Vertrags ” (von nun an “Lissabon-Vertrag” genannt) [in der UNO AdÜ] zu geben. Sein Einfluss ist entscheidend, da man ihn auch an der Spitze des Lenkungsausschusses des Karl-der-Große-preises findet [124]. Darüber hinaus ist die Anwesenheit von dem deutschen Mitglied des Europäischen Parlaments, Jo Leinen, in der KDUN-Direktion besonders bedeutsam, weil er eine Schlüsselrolle bei der Verabschiedung des Lissabon-Vertrags spielte [125].

Im April 2007 startete das KDUN seine Kampagne für ein Welt-Parlament unter der Führung des Vorsitzenden Andreas Bummel. Autor eines Buches mit dem Titel « Internationale Demokratie Entwickeln » [126], ist er ein ehemaliges Mitglied der Liberalen Partei, dem FDP, dessen Chef Guido Westerwelle, seit September 2009 Außenminister der Regierung Merkel wurde. Er ist auch Mitarbeiter der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ unter der Leitung von Tilman Zülch (Mitglied des Lenkungsausschusses des KDUN) und der World Federalist Movement (WFM) von New York [127].

Alle diese Akteure handeln, um die Geburt dieses neuen Welt-Gremiums voranzubringen. Wie in den offiziellen Texten erwähnt: „(…) Die „Parlamentarische Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) könnte zunächst Delegierte aus nationalen und regionalen Parlamenten haben, die ihre politische Zusammensetzung reflektieren. Eine UNPA würde daher Minderheitsparteien enthalten, die nicht der Regierung angehören. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die UNPA direkt gewählt werden. Eine UNPA wäre daher ein eindeutiger und rechtmäßiger Körper, der die Stimmen der Bürger über Fragen der internationalen Ordnung darstellt. Teilnehmer an der Kampagne denken, dass eine UNPA, einmal erstellt, von einem bloßen Beratungsgremium sich zu einem Welt-Parlament mit echtem Recht auf Information, Beteiligung und Kontrolle entwickeln würde“ (…) [128].

Diese ohne Komplexe verkündeten Ambitionen der „Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) gedeihen noch mehr, wenn man an die Unterstützung von Benedikt XVI. zur Errichtung einer “Weltpolitischen Behörde” erinnert. Es ist selbstverständlich, dass die UNPA-Führer mit Begeisterung die Enzyklika des Papstes begrüßen [129].


 

Schlussfolgerung

Diese kurze Beschreibung der Geschichte der Befürworter des Globalismus vom Mittelalter bis Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt, dass dieser Trend sehr alt ist. Er basiert auf einer grenzenlosen Gier und der Verfolgung eines Ideals der vollständigen Kontrolle der planetarischen Ressourcen. Diese Entwicklung hat schrittweise an Geschwindigkeit gewonnen und es ist ihr gelungen, weil der globalistische Klerus, Nachfolger von Nimrod, seine Denkweise für die Neue Weltordnung aufdrängen konnte. Seit dem Fall der Berliner Mauer beschleunigen sich die Ereignisse; die Krise auch. Die Dekade 2010 wird entscheidend für die Menschheit sein, weil der Globalismus, nach der Lehre von diesen Eliten, ein übereilter Messianismus ist.

Pierre Hillard

Weiterführende Dokumente:

WALL STREET AND THE RISE OF HITLER by Antony C. Sutton

WALL STREET AND THE BOLSHEVIK REVOLUTION by Antony C. Sutton

Wall Street and FDR by Antony C. Sutton

THE NEW WORLD ORDER by H. G. WELLS

UNION NOW by Clarence K. Streit

The History of the Fabian Society by Edward R. Pease

Philip Dru: Administrator by Edward Mandell

The Anglo-American Establishment by Carroll Quigley

Internationale Demokratie entwickeln by Andreas Bummel

THE OPEN CONSPIRACY by H. G. Wells


Autor Pierre Hillard ist Doktor der politischen Wissenschaften und Professor der Internationalen Beziehungen. Seine Forschung betrifft hauptsächlich die Handhabung der Europäischen Union im Hinblick auf die Errichtung eines euro-atlantischen Blockes. Letztes veröffentlichte Werk : Bertelsmann : Un empire des médias et une fondation au service du mondialisme (François-Xavier de Guibert éd., 2009)

Text- und Grafikquellen: «Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“», von Pierre Hillard, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 24. Mai 2013, www.voltairenet.org

Fußnoten:

  1. « [U.S move sows confusion in EU », par Charles Forelle, The Wall Street Journal, 2 février 2010.
  2. Offizielle Website von Eurasec.
  3. « L’Union douanière, créée par la Russie, le Kazakhstan et la Biélorussie », dossier de Ria Novosti.
  4. « Eurasie : le président kazakh prône la création d’une monnaie unique, l’evraz », Ria Novosti, 11 mars 2009.
  5. « CEEA : la création d’une monnaie unique au menu d’entretiens russo-kazakhs », Ria Novosti, 14 mars 2009.
  6. Offizielle Website von UNASUR.
  7. Am 26. November 2008 haben bei einem Treffen in Caracas einige Länder Südamerikas beschlossen, das Terrain vorzubereiten, indem sie den “Stabilisierungs- und Reserve Fonds” erstellen; Das ist eine Recheneinheit, genannt “SUCRE” (Système Unitaire de Compensation Régionale) [Systemeinheit für regionalen Ausgleich]. Diese Rechnungseinheit ist auch Antonio José de Sucre (1795-1830) gewidmet, der Leutnant im Dienste von Simon Bolivar war.
  8. Offizielle Website von Assemblée Parlementaire Euro-Latino Américaine.
  9. Offizielle Website von SICA.
  10. Offizielle Website von Union africaine.
  11. Offizielle Website von NEPAD.
  12. Beschreibung der Union africaine auf der Website des französischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten.
  13. Offizielle Website vom GCC.
  14. « Proposed GCC currency name ‘too general’ », Trade Arabia, 16 décembre 2009.
  15. « La Chine espère populariser le yuan au sein de l’Asean » [“China hofft die Yuan im Schoss der ASEAN-Staaten zu popularisieren”] Les Echos, 31 décembre 2009.
  16. Offizielle Website von PSP.
  17. La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, [Der unaufhaltbare Marsch der Neuen Weltordnung] par Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2007), p. 21.
  18. Ibid., pp. 86-87
  19. La décomposition des nations Européennes : De l’union euro-Atlantique à l’Etat mondial, [Der Zerfall der europäischen Nationen : Von der euro-atlantischen Union zum Weltstaat] von Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2005), p. 137 et La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op. cit, p. 79.
  20. « Résolution du Parlement européen sur l’état des relations transatlantiques après les élections qui ont eu lieu aux États-Unis » (2008/2199(INI)), Réseau Voltaire, 23 mars 2009.
  21. « La Russie et la Chine proposent une monnaie commune globale », Réseau Voltaire, 11 juillet 2009.
  22. Die Revue The Economist kündigte Januar 1988 die Einführung einer Weltwährung namens “Phoenix” für 2018 an. Es ist noch Zeit.
  23. « Discours d’acceptation », par Herman von Rompuy, Réseau Voltaire, 19 novembre 2009.
  24. Ethnische und religiöse Forderungen sowie die Opposition zwischen reichen und armen Regionen werden die Zersetzung der Staaten in der Welt beschleunigen. Dieses Phänomen kann insbesondere durch die Übertragung der obersten Autorität auf politische Zusammenschlüsse, auf Kosten der Staaten, erklärt werden, die nicht mehr ihre Daseinsberechtigung haben. Das Auseinanderbrechen der Staaten wird global sein. Einige Führer der US-Föderativen Staaten von Texas und Vermont wollen sich bereits abspalten. In Bezug auf Europa ist Belgien mit Flandern oder Spanien mit Katalonien in großer Gefahr. Solche regionalistische Ansprüche, die zur Zersplitterung von Staaten führen, sind nötig, um die Realisierung der neuen Weltordnung zu erreichen.
  25. Bis Anfang Januar 1973 teilte Frankreich mit den Privatbanken das Recht, Geld zu erstellen. Für den Bau von Sozialwohnungen z.B., entlehnte der Staat bei der Zentralbank, die das Geld für diesen Fall schuf. Anschließend wurde das Darlehen vom Staat zurückgezahlt, während die Bank dieses Geld vernichtete; also ein Kapital, praktisch ohne Zinsen. Jedoch hat sich der Staat selbst mit dem Artikel 25 des Gesetzes Pompidou-Giscard d’Estaings vom 3. Januar 1973 verboten, bei der Zentralbank Anleihen zu machen. Er nimmt sich daher die Geldschöpfungsmöglichkeit, es sei denn, er frage bei privaten Akteuren an, denen er Zinsen zahlen muss, und zu einem harten Preis. Diese Richtlinie verhindert demzufolge wirkliche soziale Politikgestaltung, die öffentliche Investitionen zu teuer machen und was gleichzeitig den Anstieg der Staatsverschuldung verursacht. Dieses Prinzip ist im Vertrag von Maastricht (1992) in Artikel 104A verankert und wurde in Artikel 123 des Lissabon-Vertrags umgesetzt. Die EU-Staaten sind daher von der finanziellen Oligarchie völlig abhängig.
  26. Ein großer Teil dieses Kapitels basiert auf der Arbeit des amerikanischen Historikers Carroll Quigley (1910 – 1977) Professor auch an der Georgetown University: The anglo-american Etablishment, GSG § Associates, 1981. Insbesondere war er Professor für… Bill Clinton.
  27. Der Start im Juli 2009 eines Projektes der Solar-Panels in Nordafrika und im Nahen Osten, um Europa mit Energie zu versorgen wird im Rahmen von « Desertec » getan. Die deutsche Niederlassung des Club of Rome, das Deutsche Luftfahrt und Luftraum- Zentrum und Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, haben stark zum Projekt beigetragen. Indirekt hilft diese Energiepolitik, die südlichen Mittelmeer-Staaten zur Europäischen Union und in der Folge auch zu der Euro-Atlantischen Achse im Rahmen der Interdependenz noch stärker zu integrieren.
  28. Dies ist der Fall von « Corridor de Nasco » mit dem Aufkommen eines nordamerikanischen Blocks.
  29. Empfänger von Cecil Rhodes Stipendien in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, in Australien, in Südafrika usw. werden auf den Websites der verschiedenen Schulen vorgestellt.
  30. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontrollierte das Cecil Rhodes-Team den Times von London, die für politische und wirtschaftliche Eliten reservierte Zeitung, die auch vor allem dieser großen kommerziellen Aristokratie angehörten. Das nennt man im geschlossenen Kreislauf arbeiten.
  31. Anglo-american Etablishment, op. cit, p. 169.
  32. Der Ausdruck “Milner-Gruppe” wird verwendet, um politische, wirtschaftliche, militärische und journalistische Personen zu bezeichnen, die den Idealen von Alfred Milner und seinem Mentor, Cecil Rhodes nahestanden.
  33. Ibid., p. 133.
  34. Wir stützen uns auf die Arbeit von Edward R. Pease, The History of the Fabian Society (EP Dutton and Company, 1916), oft veröffentlichtes Buch.
  35. Offizielle Website von Fabian Society.
  36. Robert Owen basierte auf den Grundsätzen des Philosophen Platon, insbesondere sein Buch die Republik, in der er das Ideal einer aristokratischen von der Elite geführten Gesellschaft verteidigte, in der er die Ehe beseitigte, sowie die Reproduktion der Besten förderte. Diese Theorie bekam Anhänger. Man findet diese Konzepte in Brave new World von Aldous Huxley, in 1984 von Orwell oder in manchen Werken von Herbert George Wells, führendes Mitglied der Fabian-Gesellschaft.
  37. Die Universität von Oxford wurde zu einem der Zentren der Rekrutierung der Eliten dank der “Cecil Rhodes-Stipendien” für Großbritannien.
  38. Denken wir daran, dass alles zusammenhängt.
  39. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehören 200 britische Parlamentarier der Fabian Gesellschaft an, wie der ehemalige Premierminister Tony Blair (Förderer der als “dritter Weg” bezeichneten Wirtschaftspolitik, schlechthin ein Fabian-Prinzip) oder Gordon Brown.
  40. Er scheint nicht Zufriedenheit gefunden zu haben.
  41. Werk 1928 erschienen, Neuauflage in 1931 unter dem Titel What are we to do with our Lives ?.
  42. The War That Will End War, von H. G. Wells. Version française : La destruction libératrice, réédité aux Editions Le passé du futur, Grama, Bruxelles, 1995, p. 214.
  43. Ibid., p. 134: « Es war in einer etwas ungläubigen Atmosphäre, als das Treffen begann, um die neue Weltordnung zu etablieren”.
  44. The New World Order, von H.G Wells, Neuauflage von Filiquarian Publishing, LLC, 2007.
  45. Die meisten der Wirtschaftsmanager der Obama-Administration kommen von der Pilger-Gesellschaft.
  46. Siehe The Anglo-American Etablishment, op. cit, Seite 82 und 117 u.f..
  47. Offizielle Website von Round Table.
  48. Die Firma JP Morgan, Pfeiler der angelsächsischen Finanz, wurde von John Pierpont Morgan (1837 – 1913) gegründet.
  49. Siehe die Werke vom außergewöhnlichen Anthony Sutton (1925 – 2002), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hoover Institution, Stanford University, die die Unterstützung der Wall Street auf die drei folgenden Elemente beschreiben: Wall Street and the bolshevik revolution, [Wall Street und der Oktoberrevolution], Arlington House, 1974; Wall Street and FDR (Anmerkung des Herausgebers: Franklin Delano Roosevelt) und Wall Street and the rise of Hitler [Wall Street und der Aufstieg Hitlers]. Man muss auch diese dreibändige Reihe hinzufügen: Western Technology and Soviet economic Development 1917-1930; Western Technology and Soviet economic Development 1930-1945 und Western Technology and Soviet economic Development 1945 bis 1965, das aus Erster-Hand Dokumentation die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung des Westens für die Sowjetunion und ihre Spießgesellen beweisen.
  50. Wir laden den Leser ein, sich für Basil Zaharoff (1850-1936) zu interessieren, der ein Vermögen mit dem Verkauf von Waffen an die Akteure des Konflikts 1914-1918 machte.
  51. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, p. 57.
  52. Ibid., pp. 83.
  53. Ibid., p. 82. Es ist interessant festzustellen, dass Harry Hopkins (1890 – 1946), der später die graue Eminenz des Präsidenten Roosevelt wurde, der Vermittler zwischen dem amerikanischen Roten Kreuz, unter der Leitung von William Boyce Thompson in St. Petersburg 1917, und seiner Vertretung in Washington war in Ibid., p. 72.
  54. Ibid., pp. 89-100. Das dem Lloyd George präsentierte William Boyce Thompson-Memorandum ist in seiner Gesamtheit auf Seite 197 ff. bis zum Absatz mit dem Titel “Dokument 4” nachzulesen.
  55. Pétrole, une guerre d’un siècle, von William Engdahl (Editions Jean-Cyrille Godefroy, 2007), S. 94 ff. [A Century of War ; anglo-american Politics and the new world order. Pluto-press, 2004. “Mit der Ölwaffe zur Weltmacht” Jochen Koop Verlag 2006
  56. Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, Kapitel 1 bis 5 und besonders S. 47.
  57. The anglo-american Etablishment, op. cit, S. 182.
  58. Neben Großbritannien und seinen Dominien zögerte Lionel Curtis nicht hinzuzufügen: Frankreich, die skandinavischen Länder, Irland, Ägypten, Indien, Belgien, die Niederlande, Kanada und die Vereinigten Staaten. Diese Projekte wurden in seinem Buch in einer einzigen Ausgabe 1938 veröffentlicht: The Commonwealth of God in The Anglo-American Etablishment, op. cit pp. 282-283.
  59. Union Now: A Proposal for a Federal Union of the Democracies of the North Atlantic, von Clarence Streit (Harper & Brothers Publishers, 1939).
  60. The Anglo-American Etablishment, op. cit, p. 283.
  61. « Comment le Conseil des relations étrangères détermine la diplomatie US », Réseau Voltaire, 25 juin 2004. [Wie das CFR die US-Außenpolitik bestimmt. Auch auf Russisch, Italienisch und Spanisch
  62. Präsident Wilson nannte ihn sein « alter ego ».
  63. Wall Street and FDR, op.cit, S. 92 ff.
  64. Siehe unser Buch : La Marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op.cit, p. 14 et pp. 80-81. [Der unwiderstehliche Gang der neuen Weltordnung] Philip Dru, Administrator von Edward Mandell House, Wiederauflage Robert Welch University Press, 1998.
  65. La Paneurope, [Pan-Europa] von Anne-Marie Saint Gille (Presses de l’université de Paris Sorbonne, 2003), pp. 130-131.
  66. Das Engagement von Aristide Briand auf Seiten der Paneurope, den föderalistischen und regionalistischen Grundsätzen in einem einheitlichen globalen politischen Rahmen ergeben, gestattet ein besseres Verständnis der Rede des Vertreters der Franzosen bei der Versammlung des Völkerbundes, am 5. September 1929, als er ein Bindeglied für den Bund zwischen europäischen Staaten forderte.
  67. Der englische Vertreter in dem Pan-europäischen Kongress von 1926, A. Watts, war Mitglied des Royal Institute of International Affairs von der Milner-Gruppe; in Paneurope, Op. cit, s. 148.
  68. « Richard de Coudenhove-Kalergi (1894 -1972) », Website der Association PanEurope-France.
  69. Die Paneurope spielte eine Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung von allen Texten für den Schutz der ethnischen Gruppen. Siehe in unserer Arbeit Minorités et régionalismes dans l’Europe Fédérale des Régions [Minoritäten und Regionalismen im föderalen Europa der Regionen] (Editions François-Xavier de Guibert, 4è édition, 2004) und in diesem Buch mit dem Titel des Kapitels « L’union Charlemagne » S. 75 ff.
  70. « Richard Coudenhove-Kalergi » Website der European Society Coudenhove-Kalergi.
  71. Offizielle Website der Association Paneuropa.
  72. Siehe seine prophetische Rede in Anhang 11 von „der Zersetzung der europäischen Nationen“; vor allem die Passage, wo Coudenhove die Einrichtung einer “Atlantic Union ” fordert, eine “Föderation zu dritt” in seinem Wort, und “England wird die Brücke zwischen Europa und Amerika“. Das ist genau das, was von den Instanzen von Brüssel und Washington in einer beschleunigten Weise seit 1990 verfolgt wird. Siehe die vollständige Liste der Empfänger des Karl-der-Grosse-preises auf der Website des Comité.
  73. Wall Street and the rise of Hiter, op. cit, Kapitel 2 « The Empire of IG Farben », p. 33.
  74. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, pp. 125-126.
  75. Ibid., p. 126.
  76. Ibid., p. 60.
  77. bid., pp. 61-62
  78. Ibid., p. 50.
  79. Wir müssen auch hinzufügen, dass Hjalmar Schacht für die Existenz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank of International Settlements) verantwortlich ist. Anthony Sutton erzählt auch die entscheidende Sitzung vom 20. Februar 1933 in der Residenz von Hermann Goering die ermöglichte, in Anwesenheit von Adolf Hitler, um Mittel für die Finanzierung der NSDAP zu erhalten. Die größten deutschen Industrie-Bosse waren anwesend und boten das nötige Geld an (Albert Voegler, Krupp, von Bohlen, von Loewenfeld,…); alles geschah unter der Leitung von Hjalmar Schacht in Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, S.108.
  80. Anthony Sutton beschreibt unter anderem den starken Einfluss von Gerard Swope (1872 – 1957), Präsident von General Electric Company, der die sozialisierende Politik des Präsident Roosevelt erlaubte in Wall Street and FDR, op.cit, S. 86.
  81. Carroll Quigley erklärt unter anderem die Infiltration innerhalb des amerikanischen politischen Systems seitens JP Morgan in Tragedy and Hope. A History of the World in Our Time (GSG and Associates, 1966), S. 938.
  82. Der Englische Premierminister hat in seiner Rede in Zürich, in der richtigen Art des Globalismus, Bemerkungen gemacht, wie eine Beurteilung dieser Auszüge zulässt: «(…)» Die Europäische Union hat viel getan, um an dieses Ziel zu gelangen und diese Bewegung verdankt viel Graf Coudenhove-Kalergi und dem großen Patrioten und französischen Politiker, Aristide Briand (…). Wir Briten haben das Commonwealth. Die Organisation der Welt wird dadurch nicht geschwächt, sondern eher gestärkt und sie findet in der Tat darin ihre Meister-Pfeiler. Und warum gäbe es keinen Europäischen Verbund, der fernen, voneinander getrennten Völkern den Sinn eines größeren Patriotismus und eine Art von gemeinsamer Staatsangehörigkeit geben würde? Und warum sollte nicht eine europäische Gruppierung den Platz einnehmen, den sie verdient, in Mitten der anderen Gruppierungen und dazu beitragen, das Boot der Menschheit zu steuern? (…).Für eine deutsch-französische Aussöhnung aufrufend, fügt Churchill nun ganz im Fabian-Geiste hinzu: “Unser ständiges Ziel muss die Macht der Vereinten Nationen stärken. Wir müssen die europäische Familie erstellen, indem wir sie mit einer regionalen Struktur ausstatten, die dieser Welt-Organisation untersteht, und diese Familie kann dann Vereinigte Staaten von Europa genannt werden“, (…) in George C. Marshall, Points de repère, Lausanne, 1973
  83. Der föderalistische Einfluss wurde durch überzeugte Europäer wie Denis de Rougemont, Henri Brugmans und Alexandre Marc spürbar.
  84. Auf Seiten der USA organisierten bereits 1924 Rosika Schwimmer und Lola M. Lloyd, um die Frauensachen (Abstimmung, usw.) zu verteidigen, die erste Weltverfassungsgebende Versammlung, die von den Bevölkerungen gewählt werden sollte, um eine Welt-Verfassung auszuarbeiten. Diese Initiative wurde im Jahr 1937 in Chicago mit einer Kampagne für eine Weltregierung wiederbelebt. Es wäre sehr interessant zu wissen, wer solche Projekte finanzierte. In der Folge bereiteten andere Amerikaner die Köpfe für eine vereinte Welt vor: Emery Reves, Autor von „Anatomy of Peace“ [Anatomie des Friedens] verteidigt die Idee einer Welt-Regierung (er war auch der Literaturagent von Winston Churchill); der Politiker Wendell Wilkie mit seinem Buch „One World“; der Rechtsanwalt Clark Grenville Autor des „World Peace through World Law“ [Weltfriedens durch Weltgesetz]. Der Journalist Norman Cousins; der Journalist und demokratische Senator Alan Cranston und der Philosoph Robert Hutchins.
  85. Présentation du World Federalist Movement auf seiner Website.
  86. Deklaration von Montreux vom 23. August 1947.
  87. Siehe in unserem Buch La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale (Editions François-Xavier de Guibert, 2009), pp. 95-96 et « Geschichte der Europa-Union Deutschland auf der Website von Europa Union Deutschland.
  88. « The history of Federal Union » auf der Website des Vereins.
  89. « Regional Federalism » auf der Website des World Federalist Movement.
  90. Offizielle Website von Andrew Duff.
  91. « ECFR’s Board and Council » auf der Website von dem European Council on Foreign Relations.
  92. « Création accélérée d’un Conseil européen des relations étrangères » [Beschleunigte Schaffung eines europäischen CFR], Réseau Voltaire, 3 octobre 2007.
  93. La Fondation Bertelsamann et la gouvernance mondiale, op. cit, S. 92 ff.
  94. « Trustees » auf der Website des Rhodes Trust.
  95. Unter den vielen Teilnehmern erkennen wir Richard de Coudenhove-Kalergi, Konrad Adenauer, Denis de Rougemont, Alcide de Gasperi, François Mitterrand, u.v.m.
  96. « Histoire secrète de l’Union européenne », [Geheime Geschichte der EU] von Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 28 juin 2004.
  97. Jedoch eine Ausnahme: RTL Belgien hat während seiner Nachrichtensendung außerhalb der Bilderberg-Sitzung im Juni 2000 auf seiner Tagung in Genval in Wallonisch-Brabant aufgenommen und gesendet. Man kann Dominique Strauß-Kahn und Königin Beatrix der Niederlande erkennen.
  98. « Top candidate debates EU tax at elite dinner », von Andrew Rettman, EU Observer, 16 novembre 2001.
  99. James Camerons Avatar Film vom Dezember 2009 ist der Prototyp des Geistes “Gaia”. Ein Stamm mit vielen Qualitäten im Vergleich zu den Menschen, der kam, um ihren Planeten auszubeuten, zieht seine Stärke aus der Natur, spezieller gesagt, von einem Baum, einem wahren Gott, der Energie gibt, der sie aber auch wieder nimmt.
  100. Thomas Huxley hieß “Darwins Bulldogge ».
  101. « H.G. Wells : Darwin’s disciple and eugenicist extraordinaire », von Jerry Bergman, in Journal of Creation, December 2004.
  102. « WWF in the 60’s » auf der Website des World Wild Fund.
  103. « Presidents – past and present » auf der Website des World Wild Fund.
  104. Le Figaro, 25 janvier 1999.
  105. Voir p. 137 (chapitre 28).
  106. « Peter Sutherland, Directeur général du GATT et de l’OMC de 1993 à 1995 », auf der Website der WTO (Organisation mondiale du Commerce).
  107. « Peter Sutherland », auf der Website der Trilateral-Commission.
  108. « Membership », auf der Website der Trilateral-Commission.
  109. Unter den vielen Feldern, die an dem Bau der neuen Weltordnung beteiligt sind, können wir den Fall von der Codex-Alimentarius-Kommission erwähnen, deren Ziel es ist, für Änderungen oder Verbote von Produkten aufzurufen, die in die Zusammensetzung von Lebensmitteln (Vitamine, Mineralien,…) eingehen.
  110. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  111. Ibid., siehe die § 130 à 145.
  112. « Message Urbi et Orbi du Saint-Père Benoît XVI », 25 décembre 2005, Vatican.
  113. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  114. Ibid., paragraphe 67.
  115. Offizielle Website der Campagne pour la création d’une Assemblée parlementaire des Nations Unies.
  116. The case for a United Nations Parliamentary Assembly, von Dieter Heinrich, World Federalist Movement, octobre 1992
  117. Offizielle Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  118. « Comité exécutif » der Kampagne für die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  119. Dieses deutsche Institut ist Urheber der Schlüssel-Texte zu Gunsten ethnischer Gruppen in Europa; die Charta der Regional-oder Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz von Minderheiten. Siehe in unserem Buch Minderheiten und Regionalismen, Op. CIT. s. 142 ff..
  120. Offizielle Website von 2020 Vision.
  121. « Satzung für das Komitee für eine demokratische UNO ». Ladbares Document téléchargeable.
  122. « Associates des KDUN », auf der Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  123. Rapport sur les relations entre l’Union européenne et l’organisation des Nations Unies [2003/2049 (INI)], Rapporteur Armin Laschet, 16 décembre 2003.
  124. Beachten wir auch die Anwesenheit von Hans-Gert Pöttering im Lenkungs-Committee des Charlemagne Preises, Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, aber auch ehemaliger Vorsitzender der Europa Union Deutschland, einer Tochtergesellschaft der Union der Europäischen Föderalisten (die in Montreux 1947 erstellte UEF), welche im Jahr 2010 von dem englischen Parlamentarier in dem Europäischen Parlament Andrew Duff geführt wird.
  125. Siehe La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale, op. cit, p. 93 ff.
  126. Internationale Demokratie entwickeln, von Andreas Bummel, Horizonte Verlag, 2005.
  127. « Andreas Bummel Der Vorsitzende des Komitees für eine demokratische UNO », par Gerrit Wustmann, 11. Februar 2008.
  128. « A propos du projet APNU », auf der Website der Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  129. « Etude : la création d’un Parlement mondial serait « pleinement en harmonie avec la doctrine papale » , [Studie : Die Schaffung eines Weltparlaments wäre « voll in Harmonie mit der päbstlichen Doktrrin] 28 juillet 2009, Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.

Sklavenarbeit vor der Haustüre

von Andreas Müller-Alwart

Sie leben ohne Strom, ohne Wasser, ohne Papiere. „Hier ist es immer noch besser als bei uns zu Hause“, sagt einer der Arbeiter, der hier in der Landwirtschaft schuftet – nicht selten in Gewächshäusern oder unter Plastikplanen bei über 60 Grad. Hier – das ist nicht Afrika oder Asien. Hier – das ist Europa. Südeuropa. Es ist in Griechenland. Wenn in Europa bzw. in einem europäischen Land die Wirtschaft ganz oder teilweise am Boden liegt, wenn die Löhne sinken und die Preise steigen, dann gibt es immer noch Einwanderer, für die es sich lohnt hierher zu kommen. Einwanderer aus Bangladesch beispielsweise. Aus einem der ärmsten Länder der Welt. Wer aus Bangladesch auswandert, der findet fast überall auf der Welt bessere Lebensbedingungen, er wird aber auch überall auf der Welt wie ein Sklave, wie ein Leibeigener behandelt.

Besser als schlecht zu leben, ist nicht gleichbedeutend mit gutem und freiem Leben

 Ein Arbeiter transportiert auf einer Plantage im indischen Uttar Pradesh geschnittenes Zuckerrohr ab.

Ein Arbeiter transportiert auf einer Plantage im indischen Uttar Pradesh geschnittenes Zuckerrohr ab.

Überall auf der Welt gibt es diese Art der Leibeigenschaft. Wer seinen Urlaub in der Dominikanischen Republik verbringt und per Bus oder auf eigene Faust über die Insel fährt, sieht die endlosen Zuckerrohrfelder. Jene Felder, die als Symbol für den Ursprung der Sklavenarbeit stehen, die in keinem US-Film zu diesem Thema fehlen dürfen. Zwischen meterhohen Zuckerrohrpflanzen sind die Arbeiter eingeschlossen, ohne auch nur mehr als fünf Meter in die Ferne blicken zu können. Von der Landstraße aus – eingebettet zwischen den riesigen Feldern – sind mächtige Villen zu erkennen, in die sich die Feudalherren wie in eine Festung zurückgezogen haben. Nicht selten – so erfährt man bei einer geführten Tour über die  DominikanischeRepublik – sind die prächtigen Herrensitze in der Dominikanischen Republik ein Rückzugsgebiet für Drogenbarone, die ihre Gewinne aus dem Zuckerrohrgeschäft in das noch lukrativere Drogengeschäft investiert haben. Sie können hier nicht belangt werden.

Illegalität – eine ganz wichtige Basis für moderne Sklaverei

Obgleich die Dominikanische Republik einerseits zu den aufsteigenden Ländern gehört, ist die Armut andererseits immer noch hoch. Denn an der Tourismusindustrie verdienen überwiegend jene, die schon immer verdient haben – nämlich nur die, die Kapital für Investitionen haben und das sind die internationalen Konzerne und Vermögenden. Es sind eben nicht die einfachen einheimischen Dominikaner, die vom aufstrebenden Tourismusleben profitieren. Und doch gibt es auch hier noch Ärmere: Die Haitianer, die vor Armut, Erdbeben und aus politischen Gründen aus Haiti geflüchtet sind und die lieber auf den Zuckerrohrfeldern der dominikanischen Herren leben, als in der noch unerträglicheren Armut. Sie verdienen schlecht, werden schlecht behandelt und sind de facto vogelfrei. Sie sind meistens illegal, also ohne Papiere, eingereist und das heißt eben auch immer hier zu leben ohne Rechte und ohne die Möglichkeit, für sich Grundlegendes wie ein menschenwürdiges Leben einzufordern. Diese Illegalität ist die Basis für jede moderne Sklaverei. Wer sich auf einem Territorium illegal aufhält, ist dort auf rechtsfreiem Gebiet. Er kann weder auf die Rechte pochen, die ihm in seinem Herkunftsland zustehen, noch auf die Rechte die die Menschen üblicherweise in dem Land haben, in das er eingewandert ist. Dieser rechtsfreie Raum ist der Nährboden der Sklaverei, er ermöglicht es, dass die Menschen auf menschenunwürdige Weise gehalten und erniedrigt werden können.

Saisonarbeit muss keine Sklavenarbeit sein

Gemüseernte SaisonarbeiterHinter den Kulissen der Tourismus-Idyllen und vor allem unter dem Deckmantel der Effizienz in der Produktion unserer Marktwirtschaft geht die Sklaverei weiter – sie ist nicht überwunden, wie uns die Filmindustrie oft Glauben machen möchte, wenn sie vor allem die amerikanische Sklavengeschichte aufzubereiten versucht. Der Konkurrenzkampf ist enorm – weltweit –, aber eben auch und gerade in Griechenland. Viele Straßen zu den produzierten Betrieben sind in Griechenland nicht ausgebaut und viele Bahnstrecken werden nicht mehr oder nicht ausreichend bedient. Dadurch sind die Transportwege oftmals zu langsam. Wenn Früchte wie z. B. Erdbeeren erntereif sind, müssen diese logistischen Transportprobleme überwunden werden und – wie in Deutschland auch – werden sehr viele saisonale Arbeiter benötigt, um diese Ernte möglichst rasch und vollständig einzubringen und auszuliefern. Und so machen die Griechen letztlich nichts anderes, als die Deutschen: Sie setzen saisonale Arbeiter ein. Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Saisonarbeiter können in Deutschland sozialversicherungsrechtlich als befristete Arbeiter eingestellt und versichert werden. Sie können legal einreisen und sie haben zumindest gewisse Rechte.

Mit der Schrotflinte gegen Arbeiter, die ihren Lohn einfordern

Anders in Griechenland: Angesichts der Marktlage und Arbeitslosigkeit gibt es einen Einreisestopp. Die Menschen aus fernen Ländern halten sich deswegen überwiegend illegal auf, die Polizeibehörden der Kommunen müssten sie eigentlich in Gewahrsam nehmen und ausliefern. Doch die Vetternwirtschaft funktioniert weiterhin und die Solidarität in den Kommunen gilt natürlich in erster Linie den Griechen. Wer wollte es ihnen verdenken. Die illegalen Arbeiter haben deswegen – ohne Papiere und ohne Rechte – einen sehr schweren Stand. Oftmals arbeiten sie als Tagelöhner und müssen letztlich zu jedem Stundenlohn arbeiten, den man ihnen anbietet. 1-2 Euro sind üblicher Durchschnitt, wobei schon alle froh sind, wenn sie wenigstens diesen Lohn am Ende ihrer Arbeit tatsächlich erhalten. Leider kommt es immer wieder vor, dass noch weniger ausbezahlt wird oder Mitarbeiter monatelang gar keinen Lohn erhalten. Wenn sich dann die so geprellten Arbeiter zusammenfinden und gegen diese Unterschlagung aufbegehren, kommt es immer wieder zu dramatischen Ereignissen. Erst jüngst wurde beispielsweise ein Vorarbeiter wegen mehrfacher, schwerer Körperverletzung verurteilt, weil er auf mehrere protestierende Mitarbeiter mit der Schrotflinte geschossen hatte. Über 100.000 Euro Lohnschulden hatten sich angesammelt, bis die saisonal Beschäftigten sich gegen den Arbeitgeber auflehnten. Solche Extreme sind glücklicherweise Ausnahmen, zeigen aber nur zu deutlich, wie blank die Nerven liegen.

Gut gemeint und falsch gemacht?

Wer Trauben, Spargel und Erdbeeren aus Griechenland kauft, der unternimmt dies sicherlich auch mit der Intention, dass er etwas bei Menschen kauft, die er im geliebten Urlaubsland kennen und schätzen gelernt hat. Aus der gleichen Liebe zur Heimat kauft der gleiche Verbraucher ja auch lokal angebauten Spargel oder einheimischen Wein. Wer denkt schon daran, dass er beim Kauf der griechischen Agrarprodukte ein System unterstützt, das asiatische Mitbürger so unwürdig behandelt? Und was wäre die Konsequenz, wenn ihm dies bewusst wäre? Griechische Spargel, Erdbeeren und Weintrauben nicht mehr kaufen? Nur noch einheimische Produkte auf dem Regionalmarkt erwerben? Dieser Weg scheint insofern richtiger zu sein, als der regionale Markt überschaubarer ist. Wir würden es wohl wissen und einschätzen können, wenn Mitarbeiter aus östlichen Ländern bei uns völlig unwürdig und illegal am Rande der Spargelfelder gehalten werden würden. Vielen von uns würde dabei der Appetit vergehen. Wir würden nach alternativen Einkaufsmöglichkeiten forschen oder vielleicht gäbe es sogar Proteste gegen den Umgang mit diesen Mitbürgern. Deswegen gilt: Gut gemeint und falsch gemacht, ist letztlich eben falsch gemacht. Die Marktwirtschaft versteht nur das Gesetz von Preis und Nachfrage. Emotionale Liebhabereien sind hier nicht vorgesehen …

Das System der Sklaverei ist weitgehend resistent

Krabben ThailandWir müssen erneut erkennen: Am eigentlichen System ändert dies nichts. Wo immer es Ungleichheiten zwischen den Produktionsbedingungen verschiedener Länder gibt, wo immer die Umverteilung nicht funktioniert, werden Menschen auf davon profitieren, während auf der anderen Seite die Sklavenhaltung nie aussterben wird. Mal ist es die Kinderarbeit – wie bei den Kindern im Steinbruch von Burkina Faso oder bei der Kakaoernte in der Elfenbeinküste. Mal ist es die Prostitution, die das Wirtschaftsgefälle zwischen West und Ost sowie zwischen Nord und Süd gleichermaßen anzieht. Immer findet sich ein Weg, mit den Menschen wirtschaftlich ärmerer Länder Geld zu verdienen, um den Konsumbedarf der wirtschaftlich reicheren Länder zu decken. Der deutsche Steuerzahler subventioniert dies noch alles: Einmal indem seine Steuern in die Infrastruktur einfließen, die dieses Wachstum und diesen übersättigten Konsum hier bei uns überhaupt erst ermöglicht. Andererseits dadurch, dass er die angebotenen Produkte ohne Kenntnis der Produktionsbedingungen dem Markt abnimmt. Dabei wissen wir alle: Wenn wir über die Produktionsbedingungen nichts wissen und die Ware über den globalisierten Markt zu uns kommt, ist immer irgendwo der Wurm in der Produktionskette. Im günstigsten Fall ist es einfach klimaschädlich, ein Produkt aus der Ferne einzufliegen. So bleibt wirklich nur der Weg, Produkte aus intransparenten Produktions- und Transportketten nicht mehr zu kaufen. Der globalisierte Markt hat immer trübe Untiefen, nur der regionale Markt bietet die Möglichkeit weitgehend im klaren Wasser nach Produkten aus wirklich sozialer, nachhaltiger Herstellung auszuwählen.

Sklavenarbeit gibt es so lange wie es Nachfrage nach den so erzeugten Produkten gibt

Für die von der Sklavenarbeit betroffenen Menschen ist es kaum ein Unterschied, ob sie in der Dominikanischen Republik, in Griechenland oder andernorts ausgebeutet werden. Wenn eine deutsche Erdbeere besser schmeckt als eine aus entlegeneren Ländern, so mag dies auch mit dem fahlen Beigeschmack zu tun haben, der entsteht, wenn man sich ansieht, wie andere Erdbeeren hochgepäppelt und geerntet wurden. Weder den Griechen noch den Einwanderern ist langfristig geholfen, wenn die so hergestellten Produkte weiterhin Absatz finden. Wer Sklavenarbeit und vergleichbare Auswüchse des globalisierten, freien Marktes verhindern oder zumindest reduzieren möchte, der muss das Prinzip der Beweislast umkehren. Sollen doch Hersteller und Verkäufer lückenlos nachweisen, unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen sie produziert haben. Wenn dies der angelieferten Erdbeere oder Traube nicht nachprüfbar bescheinigt werden kann, möge sie doch im Laden verfaulen, denn faule Geschäfte wollen wir uns nicht mehr auf der Zunge zergehen lassen. Faules gehört auf den Kompost. Solidarität mit Griechenland und mit Bangladesch hin oder her – das System der globalen Marktwirtschaft lernt nur über die Nachfrage. Nur über diesen Weg lässt es sich in ein kooperatives System transformieren und nur in der Kooperation lassen sich die Ungleichheiten überwinden, die das System der Sklaverei ermöglichen.

©Andreas Müller-Alwart


Autor Andreas Müller-Alwart ist selbständiger Journalist, Coach sowie Requirement Engineering Manager und Mitglied des Reflektion-Teams.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: «Skavenarbeit in Deutschland» –  http://www.atelier-behr.de/
  2. «Zuckerrohrernte» – (Bild: PRASHANTH VISHWANATHAN / BLOOMBERG)
  3. «Saisonarbeiter» – (Bild: dpa)
  4. «Arbeiter auf einem Fischkutter» – (Bild: dpa)

Collapse – Über den Zusammenbruch der Wirtschaft

Michael C. Ruppert hat im September 2009 seinen aufrüttelnden Dokumentarfilm „Collapse“ vorgestellt, der beim “Toronto International Film Festival 2009” Premiere feierte und dort bereits überaus positive Kritiken erhielt. Regisseur ist Chris Smith, Buch und Darsteller Michael (kurz Mike) Ruppert, der sein Weltbild dokumentiert. Der Film wurde erstmals in Deutschland auf der 60. Berlinale im Februar 2010 gezeigt.

Michael_C_Ruppert_Collapse_From_The_Wilderness_Peak_Oil_Oelfoerdermaximum_fossile_Energien_Derivate_Zineszins_Wachstumsparadigma_Nachhaltigkeit_bumpy_plateau_Elisabeth_Kuebler_RossMichael C. Ruppert (auch Mike Ruppert; * 3. Februar 1951 in Washington, D.C.), ist ein ehemaliger LAPD Police officer (Drogenfahnder). Den Dienst quittierte er 1978 nach Schikanen und Todesdrohungen, als er den Drogenschmuggel durch die CIA aufdeckte und sich konsequent weigerte, Teil dieser kriminellen Machenschaften zu werden. Seine Erkenntnisse und Vorwürfe sollten sich erst viele Jahre später durch offizielle Regierungsunterlagen bestätigten. Ruppert arbeitete weiter als freier investigativer Journalist, whistleblower, Buchautor, Gründer und Chefredakteur von “From The Wilderness”, einer bekannten politischen Internetseite in den USA. Die Webpräsenz und der zugehörige Newsletter beschäftigten sich von 1988 bis Ende 2006 vor allem mit der journalistischen Aufdeckung von staatlichen verdeckten Operationen und der Hintergrundanalyse politischer Ereignisse.

Was 2006 geschah und warum Michael Ruppert mit seiner Webseite ‘From the Wilderness’ aufhörte, war ein Skandal und bezeichnend für das korrupte, bösartige US-amerikanische politische System und dem Geheimdienst CIA. Über Nacht war die CIA in sein Office eingedrungen und hatte alles kurz und klein geschlagen, natürlich in erster Linie alle Computer, aus denen sie sicherheitshalber auch noch die Harddisks rausgerissen hatten. Das Büro wurde förmlich wie nach einem Bombeneinschlag verwüstet.  Michael wusste, was die Uhr geschlagen hatte und rannte um sein Leben. Sein Freund Stan Goff gab ihm 1000 Dollar und Michael bestieg das nächste Flugzeug nach Venezuela.

Dies ist wohl der erste Beweis dafür, dass Michael nicht über ‘lächerliche Konspirationstheorien’ schrieb. Und der zweite ist, dass er mit Stan Goff befreundet war, der in der US-Armee diente und zuletzt an Westpoint (die Spitzen-Militärakademie der USA) ‘Strategie und Taktik’ unterrichtete, bevor er die Brocken hinschmiss, als er sich zu einem glänzenden Marxisten entwickelt hatte. Stan Goff hat schon wenige Wochen nach 9/11 die offizielle Story von Washington als kompletten Unsinn entlarvt. Eine Auffassung, der sich inzwischen tausende und aber tausende von Experten, Wissenschaftlern jeder Art bis hin zu den Spitzenkräften für Demolierung von Hochhäusern angeschlossen haben. Von wegen Konspiration!

Die einzigen, die ständig und immer Konspirationen gegen das Volk ausbrüten sind die Regierungen. Und die einfach in ihre Trickkiste greifen, um gegen jene, von denen die Wahrheit enthüllt wird, den Bann ‘Konspirationstheoretiker’ schleudern.

In Venezuela fand sich Ruppert nicht zurecht, zumal er die Sprache nicht konnte, fiel in eine tiefe Depression und wurde krank. Zog dann nach Kanada, wo er nach Jahren endlich genas. Obwohl er 2006 gesagt hatte, er werde sich nie mehr mit Politik beschäftigen, konnte er es halt doch nicht lassen. Aber was er um sich herum sah und hörte, trug nicht gerade dazu bei, Lebensfreude zu wecken. Das wissen wir alle, die wir uns mit dem gegenwärtigen Zustand der Dinge beschäftigen.

Lest, was Michael Ruppert gesagt und geschrieben hat und urteilt selbst. Es hat sich doch alles als wahr herausgestellt.

Ruppert zog sich aus dem öffentlichen Leben und von den meisten Freunde zurück, zahlte seine offenen Rechnungen, gab weg was er hatte und verließ die “saubere Welt” Kaliforniens vor er zwischenzeitlich wohnte. Er konnte und wollte nicht mehr länger “funktionieren” und publizistisch auf die Probleme dieser Welt hinweisen. Ihm war kalt, er fühlte sich krank, resigniert, depressiv, “all messed up” und “facing to death”. Seit August 2012 lebt Ruppert mit seinem Hund Rags in bescheidenen Verhältnissen in Moffat / CO, wird aber lt. einer Aussage vom 2.2.2014 in Kürze ein paar Meilen weiter nach Crestone im San Luis Valley, 4-5 Meilen vom “Great Sand Dunes National Park and Preserve” im Süden Colorados, ziehen. Dort unterhält er einen innigen Kontakt zu einer Gruppe spiritueller Menschen namens “The Singing Stone“, die für ihn Freunde und Familie sind und Inspiration und Energie geben.

Mike macht als Singer/Songwriter mit der Band “New White Trash” Musik, moderiert einmal die Woche eine 1-stündige Radioshow “Lifeboat Hour radio show” und hat weiterhin den Blick auf die irrationalen, selbstzerstörerischen Verhaltensweisen der Spezies homo sapiens und die wirklichen Bedrohungen der Menschheit gerichtet, die er dank klaren Verstandes und fundiertem Wissen analysiert und erschreckend eindeutig benennt.

Ruppert beschäftigt sich in einem aufrüttelnden und nicht ganz emotionsfreien 80-minütigen Interview mit einer Vielzahl von Themen, die ich für Euch zunächst in Schlagworten mitgeschrieben habe. Diese sollen Euch aber nur als Einstieg dienen und auf das vorbereiten, was ihr in der großartigen Doku erwarten dürft.

Thomas Jefferson: „In jeder der Generation ist eine Revolution nötig“. Wir sind faul geworden. Eine Revolution ist unserem Denken ist längst überfällig. Sie muß in Geist und Seele stattfinden.

Collapse_Michael_Mike_C_Ruppert_Steht_unsere_Welt_kurz_vor_dem_Kollaps_Peak_Oil_fossile_Energien_The_Singing_Stone_Crossing_the_Rubicon_Energieprobleme, globales Ölfördermaximum (Peak-Oil), fossile Energie, Projektsgruppe zur nationalen Energiepolitik unter Vize Dick Cheney, Saudi-Arabien besitzt 25% der bekannten Ölvorkommen, Irak und die Okkupation zur Kontrolle des Öls, dort größtes US-Botschaftsgelände der Welt ..

Arktis und die Polarkappen, verschiedene Bilanzierungsbegriffe, Energie effizienter nutze, Wachstum, Konsum der 70er und 80er, Ethanol ist ein Witz, Nettoenergiekonzept, Strom ist keine Energiequelle, Strom entsteht durch Verbrennen oder nutzen anderer Energiequellen, Elektrizität, Windparkprobleme, lächerliche Werbespots

Nährstoffe im Boden, Fruchtwechsel, Gleichgewicht, Spezies Mensch hat sich von der Erde entfremdet, Kunstdünger, Bewässerungsanlagen, Pestizide, Nahrungsmittel sind sehr kohlenwasserstoffintensiv ..

über 109 mysteriöse Todesfälle oder Selbstmorde beim US-Militär, Enthüllungen der CIA-Verstrickungen und Drogenhandel, CNN hat gelogen, ..

Raus aus den Schulden, weg von Kreditkartenbelastungen, Derivate, Hokuspokus um das heilige Geld, Geldschöpfung, Zinseszins, Wachstumsparadigma, Schneeballsystem, Darwinismus ..

Volkswirtschaften brechen zusammen, Vorhang der Verzweiflung, ein Paradigma ist das was man von etwas denkt bevor man darüber nachdenkt, Weltbevölkerungswachstum, Insolvenz des Einlagensicherungsfonds, „bumpy plateau“, Paradigmenwechsel solange Infrastruktur noch besteht, Überleben in der Übergangsphase, Situationsanalyse vor Ort, neues Denkmuster, das größte Hindernis des kritischen Denkens ist das Ernstnehmen von Massenmedien ..

Elisabeth Kübler-Ross (schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin), 5 Trauerphasen nach einer überwältigenden lebensverändernden Situation: das Nichtwahrhabenwollen,  Zorn (Menschen haben die Schwelle zur Zornphase gerade erst überschritten, nur destruktiver Zorn möglich), Verhandeln, Depression (das Bewußtwerden) und die Akzeptanz ..

Alle Aspekte menschlicher Existenz liegen offen auf dem Tisch. Sämtliche Parteien sind nicht mehr zeitgemäß. Sie alle sind Produkte vergangener Jahrhunderte. Die Menschheit braucht sich nicht mehr um Ideologien zu sorgen, nur noch darum wie sie überlebt. Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus sind alles Begriffe die direkt in die Tonne getreten werden können, da sie alle basierend auf der Annahme unendlicher Ressourcen entstanden. Nicht eine einzige dieser Ideologien, die nichts als tote Dinosaurier, archaische Fossilien und deshalb irrelevant für unsere Lebensform sind, berücksichtigen, daß  Wachstum, Ressourcen und Planet im Gleichgewicht sein müssen.

Nichts wächst ewig. Unendliches Wachstum gibt es nicht, der Mensch muß sich weiterentwickeln. Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels. Das ist die fundamentale Wahrheit.

Mike Ruppert erschoss sich Sonntag Nacht, 13. April 2014, nachdem er seine “Lifeboat Hour radio show” aufgenommen hatte. Sein Tod wurde am Montag abend auf Facebook von seiner Mitarbeiterin und Autorin Carolyn Baker bekannt gegeben, die ihren Anhängern versicherte, dass Rupperts Tod kein “Schein-Selbstmord” war.

“Er war sehr gut von Mike geplant, der uns nur wenige Hinweise gab, aber genaue Anweisungen, wie wir ohne ihn weitermachen sollten,” sagte Baker, die beim letzten Programm zu Gast war und die Rupperts kommende Radio Show in Memoriam moderieren wird.


Link zur Doku mit deutscher Übersetzung – weiter

Link zur engl.-sprachigen Originalversion des Interviewsweiter

Elisabeth Kübler-Ross (schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin) bei Wikipedia – weiter

Beitragsbild: «Zusammenbruch» – www.pixabay.com

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von Kritisches Netzwerk

 

 

 

Erinnerungskultur

von Susanna Böhme-Kuby

Dieser unscharfe Begriff flankiert die deutsche Geschichtsschreibung nach der »sogenannten Wiedervereinigung« (Heinrich Senfft) und bezeichnet vielfältige individuelle und auch kollektive Aneignungsversuche des Vergangenen.

Die »Erinnerung« war bisher überwiegend auf den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg zentriert, die durch die verantwortlichen Generationen keine adäquate »Aufarbeitung« erfahren hatten. Daher ließ und läßt sich – ungeachtet aller Weißmacher – nicht verhindern, daß ein immenser Blutfleck immer wieder durchscheint.

Die in der alten BRD diagnostizierte »Unfähigkeit zu trauern« (Alexander und Margarete Mitscherlich) war – laut Klaus Theweleit – begleitet von erstaunlichen Fähigkeiten, beispielsweise »die Feste zu feiern, wie sie fallen, […] und den Aufbau der Fünfziger derart fröhlich anzupacken und unbeirrt ins befreite Gebiet des hemmungslosen Spießerglücks zu steuern«. Diese Fähigkeiten sind auch den nachgeborenen Generationen nicht abhanden gekommen, und die Formen heutiger Erinnerung – auch in der biographischen Literatur – dienen weniger einer verspäteten Trauerarbeit als individueller Selbstfindung und, im weiteren Sinne, kollektiver Neupositionierung der Deutschen.

Im Oktober 1989 hatte Hermann Gremliza die Frage, »Warum gerade jetzt [das Ende der DDR eingeleitet wurde]«, beantwortet mit: »Weil sie [die Westdeutschen; d. V.] den Mantel Gottes durch die Geschichte rauschen hören und den Zipfel erwischen wollen. Polen ist offen, Ungarn, die Sowjetunion auch. Drum […] auf zum dritten Ritt nach Osten, zur doppelten Revanche für Stalingrad. Die deutsche Bourgeoisie kriegt, was sie immer wollte, die Töchter und Söhne schütteln die Schuld der Väter ab, indem sie, die Besseren im Troß der Stärkeren, die Freiheit bringen.”

Und diese westlich konnotierte »Freiheit« bedingt seitdem überwiegend auch die kollektive Erinnerung an die DDR.

Kurt Tucholsky verfügte schon 1920 über eine hohe Sensibilität für differenzierte Wahrnehmung von Zeit und Vergangenem: »Der Mommsen des Jahres 1984 wird‘s schwer haben. […] Klios Griffel kratzt. Objektiv ist sie auch nicht, weil niemand hienieden objektiv ist, und es hängt von tausenderlei Faktoren ab, was sie da auf ihre Schiefertafel malen wird, mit der wir sie immer abgebildet sehen – aber von Wahrheit hängt‘s wohl kaum ab. Man lese einmal die Darstellung der Pariser Kommune in den deutschen Geschichtsbüchern und bei Kautsky und man wird einen kleinen Begriff bekommen.«

Daß auch die Erinnerung – ähnlich der Geschichtsschreibung – sich je nach Interessenlage revidieren läßt – wußte Tucholsky ebenfalls und richtete 1928 folgenden Brief an den Geschichtsprofessor, der im Jahre 1991 versuchen würde, rückblickend die Jahre um 1914 zu beschreiben: »Wie ist es gewesen? Ich will Ihnen zuerst sagen, wie es nicht gewesen ist! An den Türen unserer Zeit, Herr Professor, da, wo der Weg in die Nachwelt führt – auf den Lehrstühlen der Geschichte, in den Geschichtswerken, in den Archiven: Da saßen in unserem Zeitalter die Vertreter einer Klasse und achteten darauf, daß sie gut auf die Nachwelt kämen. […] Es sind der Bürger und seine Angestellten: der Kriegsknecht, der Wächter der Börse, der Diplomat und der bezahlte, feile Universitätsprofessor. […] Wir haben ein Reichsarchiv, Herr Professor, bezahlt vom Gelde der Allgemeinheit, das lügt, lügt, lügt. Glauben Sie ihm kein Wort – es sind Interessierte, die da schreiben dürfen. Allein wichtig ist, was Sie in ihren Schriften und im ganzen Archiv niemals finden werden: die Klagen und die Tränen eines unterdrückten Volkes, dessen guter Wille zu groß und dessen revolutionäre Kraft immer zu klein gewesen ist. Glauben Sie dem Reichsarchiv nicht. So ist es nicht gewesen.«

Als der Kriegsfreiwillige Franz Marc schon im Dezember 1914 forderte, »Wir wollen, daß das entsetzliche Blutopfer des europäischen Bruderkriegs nicht umsonst gebracht ist«, und im Frühjahr 1915, kurz vor seinem Tod bei Verdun, hinzufügte, »Niemand, niemand kann von nun an über die Blutlache des Krieges hinweg nach rückwärts leben«, wollte er eine Zäsur markieren, einen point of no return (Franz Marc: »Briefe aus dem Feld«, hg. von K. Lankheit, München, Piper, 1982). Doch es sollte anders kommen.

Hundert Jahre später wird nun also der Blick zurückgelenkt auf dieses Blutopfer und auf die Frage nach dem deutschen Anteil daran. Seit den 1960er Jahren steht eine deutsche »Schuld« im Raum (nach Fritz Fischer), die nun in neuen Studien und Feuilletondebatten revidiert wird. Man entdeckt neue Perspektiven: Aus Schuld wird politische Verantwortung, ein weniger moralisch-ökonomisch geprägter Begriff, der wohl auch besser auf heutige Verhältnisse passen soll. Geschichtsschreibung dient bekanntlich weniger der historischen Aufarbeitung von Vergangenheit als ihrer Neubestimmung in politischer Aktualität.

Ukraine_Kriegsziele_Erster_Zweiter_Weltkrieg_Imperiale_Interessen_Kapitalismus_Sozialismus_Barberei_Stalin_Stalinismus_Rosa_Luxemburg_Geostrategie_Imperialismus_Wolfgang_Blaschka_WOB

Kriegsschuld der Deutschen 1914 oder De-facto-Verantwortung für den Beginn des ersten Völkergemetzels des 20. Jahrhunderts – was macht den Unterschied vor der aktuellen Frage nach der politischen Verantwortung für erneut entfachtes Kriegsgeschehen wie zum Beispiel in der Ukraine?

Deutlich wird eine positive Verschiebung der Bedeutung des Begriffs Verantwortung, die Deutschland ja nun erklärtermaßen zunehmend vor der Welt übernehmen will. Sicherlich ist der atlantisch-deutsche Griff nach dem Osten im aktuellen globalen Kontext anders konnotiert, als noch der deutsche Griff nach der Weltmacht vor 100 oder vor 75 Jahren. Im zunehmenden weltpolitischen Chaos der Finanzherrschaft geht es, wie Manfred Sohns These von der »Kernschmelze des Kapitalismus« andeutet (s. Ossietzky 14/14), nicht mehr um die Eroberung von Kolonien, von Lebensraum und Arbeitskräften, aber doch immer noch um den Zugang zu Märkten und vor allem zu Ressourcen.

So liegen zum Beispiel umfangreiche Gasvorkommen 600 Meter unter dem Meer vor der Küste Gazas im Visier der Israelis, über deren Nutzung die Palästinensische Autonomiebehörde seit 1999, noch unter Arafat, mit den Briten verhandelt hatte. Nach vielen Hindernissen kam es im Juni 2014 zu einem Beinahe-Abkommen mit Putins Gazprom, durch die jüngsten Angriffe auf Gaza vorerst vereitelt. Israel erhebt auch Anspruch auf alle Ressourcen im Westjordanland, mit Unterstützung der USA, die den ganzen Nahen Osten unter ihrer Kontrolle halten möchten.

Wie schon damals: »Weit dahinten am Horizont raucht das, was dem deutschen Idealismus 1914 so sehr gefehlt hat: das Erzlager von Briey«, notierte Tucholsky, als er 1924 die Schlachtfelder von Verdun besuchte. Und er wußte: »Dieser Krieg war die natürliche Folge des kapitalistischen Weltsystems.« Nach Deutschland zurückgekehrt schrieb er im Mai 1927: »Die Diktatur dieser Bourgeoisie ist vollständig. […] Es ist nicht wahr, daß diese Typen, die heute die deutschen Geschicke lenken, andere Ideale als die eines schwachsinnigen Wettlaufs, einer rücksichtslosen Machtpolitik, einer kindlich antieuropäischen Wirtschaftsauffassung haben.«

Und illusionslos, wie er war, hatte er bereits im März 1919 in den Debatten um eine »geistige Revolution« resümiert: »Wenn wir anderen, die wir hinter die Dinge gesehen haben, die wir glauben, daß die Welt, so wie sie ist, nicht das letzte Ziel für Menschen sein kann – keinen Exekutor unserer geistigen Gesinnung haben, so sind wir verdammt, ewig und fürderhin unter Fleischergesellen zu leben, und uns bleiben die Bücher und die Tinte und das Papier, worauf wir uns ergehen dürfen.«

So ist es.

Susanna Böhme-Kuby


Quelle:  Erschienen in Ossietzky, der Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft – Heft 17/2014 > zum Artikel

Ossietzky, Zweiwochenschrift für Politik, Kultur, Wirtschaft, wurde 1997 von Publizisten gegründet, die zumeist Autoren der 1993 eingestellten Weltbühne gewesen waren – inzwischen sind viele jüngere hinzugekommen. Sie ist nach Carl von Ossietzky, dem Friedensnobelpreisträger des Jahres 1936, benannt, der 1938 nach jahrelanger KZ-Haft an deren Folgen gestorben ist. In den letzten Jahren der Weimarer Republik hatte er die Weltbühne als konsequent antimilitaristisches und antifaschistisches Blatt herausgegeben; das für Demokratie und Menschenrechte kämpfte, als viele Institutionen und Repräsentanten der Republik längst vor dem Terror von rechts weich geworden waren. Dieser publizistischen Tradition sieht sich die Zweiwochenschrift Ossietzky verpflichtet – damit die Berliner Republik nicht den gleichen Weg geht wie die Weimarer.

Wenn tonangebende Politiker und Publizisten die weltweite Verantwortung Deutschlands als einen militärischen Auftrag definieren, den die Bundeswehr zu erfüllen habe, dann widerspricht Ossietzky. Wenn sie Flüchtlinge als Kriminelle darstellen, die abgeschoben werden müßten, und zwar schnell, dann widerspricht Ossietzky. Wenn sie Demokratie, Menschenrechte, soziale Sicherungen und Umweltschutz für Standortnachteile ausgeben, die beseitigt werden müßten, dann widerspricht Ossietzky. Wenn sie behaupten, Löhne müßten gesenkt, Arbeitszeiten verlängert werden, damit die Unternehmen viele neue Arbeitsplätze schaffen, dann widerspricht Ossietzky – aus Gründen der Humanität, der Vernunft und der geschichtlichen Erfahrung.

Ossietzky erscheint alle zwei Wochen im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin – jedes Heft voller Widerspruch gegen angstmachende und verdummende Propaganda, gegen Sprachregelungen, gegen das Plattmachen der öffentlichen Meinung durch die Medienkonzerne, gegen die Gewöhnung an den Krieg und an das vermeintliche Recht des Stärkeren.

http://www.ossietzky.net/

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Bild– und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: Voltaire: “Geschichtsschreibung ist eine allgemein anerkannte Lüge” Voltaire (* 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778 ebenda) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung. Er hieß eigentlich François-Marie Arouet und nahm am 12. Juni 1718 – ohne irgendeinen Vornamen – den Namen Voltaire an. Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.de
  2. Tafel: “Imperiale Interessen damals und heute” Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München

NSA, PROMIS, Ptech und 9/11 – aktualisiert

von Lars Schall

In dem nachfolgenden Auszug aus dem im Entstehen begriffenen Buch “Tiefenpolitik, Methodischer Wahnsinn und 9/11: Eine Spurensuche zu Terror, Geld, Öl und Drogen“ (Arbeitstitel) stellt der unabhängige Finanzjournalist Lars Schall zwei wichtige Software-Entwicklungen vor, die beim viermaligen Versagen der Luftverteidigung am 11. September 2001 eine prominente Rolle gespielt haben könnten.


Zusätzlich zum nachfolgenden Buch-Auszug können Sie sich hier etwas näher mit dem PROMIS-Software-Skandal vertraut machen, und zwar in Form eines Dokumentarfilms von Egmont R. Koch, “Hacker mit Geheimauftrag”. Bezüglich der möglichen Verwicklung NSA-PROMIS-Insider Trading möchte ich ferner auf ein Interview verweisen, das ich mit NSA-Whistleblower Thomas Drake führte, Secret Information: The Currency Of Power – siehe hier.

Betreff: Datenkontrolle

u den Dingen, von denen man im Zusammenhang mit dem 11. September höchstwahrscheinlich noch nie so recht etwas vernommen hat, zählt das “Prosecutor’s Management Information System“, abgekürzt PROMIS. Hierbei handelt es sich um ein Softwareprogramm, das mit gar zu „magischen“ Fähigkeiten versehen zu sein scheint. Fernerhin ist PROMIS Gegenstand eines jahrzehntelangen Rechtsstreits zwischen seinem Erfinder, Bill Hamilton, und diversen Personen / Institutionen im Dunstkreis von Geheimdiensten, Militärs und Sicherheitsberaterfirmen.  [1]

Eine „magische“ Fähigkeit dieses, so ist anzunehmen, im Laufe der Zeit mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Programms, bestand offenbar von Anfang an darin, „simultan jegliche Anzahl von verschiedenen Computerprogrammen oder Datenbanken zu lesen und zu integrieren… unabhängig von der Sprache, in der die ursprünglichen Programme geschrieben wurden, oder von den operierenden Systemen und Plattformen, auf denen die Datenbank gegenwärtig installiert gewesen war.“ [2]

Und jetzt wird es interessant:

„Was würden Sie tun, wenn Sie eine Software besäßen, die denken könnte, jede wichtige Sprache in der Welt verstünde, die Gucklöcher in jedermanns Computer-,Umkleideraume’ bereitstellte, Daten in Computer einfügen könnte, ohne dass die Leute davon wissen, die leere Stellen jenseits menschlicher Nachvollziehbarkeit ausfüllen könnte, und die vorhersagen könnte, was die Leute tun – bevor sie es getan haben? Sie wurden sie wahrscheinlich benutzen, oder nicht?“ [3]

Zugegeben, diese Fähigkeiten klingen schwer verdaulich, und in der Tat mutet die ganze PROMIS-Geschichte, die Mike Ruppert im Verlauf von “Crossing the Rubicon” in all ihren bizarren Facetten und Wendungen darbietet, so an, als habe jemand eine Romanidee im Stile von Philip K. Dick und William Gibson entwickelt; gleichwohl basiert das, was Ruppert über PROMIS zusammengetragen hat, mitnichten auf puren Hirngespinsten, sondern auf nachprüfbaren, seriösen Quellenmaterialien sowie Ergebnissen persönlich unternommener Untersuchungen, die darauf warten, kritisch in Augenschein genommen zu werden.

Dies scheint umso dringlicher geboten, so man zu den PROMIS-Fähigkeiten hinzuzählt, „dass es unbestreitbar ist, dass PROMIS für eine weitgefasste Spanne von Verwendungszwecken durch Nachrichtendienste genutzt wurde, einschließlich der Echtzeit-Beobachtung von Aktien-Transaktionen an allen wichtigen Finanzmärkten der Welt.“ [4]

Wir haben es also mit einer Software zu tun, die

a) Computer- und Kommunikationssysteme infiltrieren kann, ohne bemerkt zu werden,

b) Daten zu manipulieren versteht,

und die

c) den weltweiten Börsenhandel in Echtzeit zu verfolgen in der Lage ist.

Punkt c) ist unter anderem relevant für all jene Dinge, die in den Bereich der niemals gänzlich aufgeklärten beziehungsweise zurückverfolgten Put-Optionen fällt, die unmittelbar vor dem 11. September getätigt wurden, und von denen der ehemalige Bundesbankchef Ernst Weltke sagte, dass sie „ohne ein bestimmtes Wissen nicht hätten geplant und ausgeführt werden können.“ [5]

Was es damit auf sich hat, dazu siehe diesen Artikel hier, der von mir auf Asia Times Online erschien, „Insider trading 9/11 … the facts laid bare“.

Die oben erwähnten Punkte a) und b) in Sachen PROMIS betreffend, waren diese im Sinne von Mike Ruppert zentral für das Ineinandergreifen von Mittel und Möglichkeit im Bunker unterhalb des Weißen Hauses, dem PEOC. In seinem Buch betrachtet er die Entwicklung der PROMIS-Software, ein Programm für Data-Mining, „dessen heutige Nachfolger eine wesentliche Rolle bei den Verbrechen vom 11. September gespielt haben. Während Dick Cheney eine separate Kommandokette über den Secret Service unterhielt, hatte er gleichzeitig die Möglichkeit, mittels einer Weiterentwicklung der PROMIS-Software Einfluss auf die Abläufe der FAA auszuüben, die von Ptech, Inc. entwickelt und verkauft wird – einem vom saudischen Terrorgeldgeber Yassin Al-Qadi finanzierten Unternehmen. Al-Qadi behauptet, Dick Cheney in Dschidda getroffen zu haben, bevor dieser Vize-Präsident geworden war, eine Behauptung, die Cheney nie öffentlich zurückgewiesen hat.“ [6]

Expressis verbis äußerte sich al-Qadi so: „Ich habe auch den US-Vize-Präsidenten und früheren Verteidigungsminister Dick Cheney in Dschidda getroffen, als er für einen Vortrag kam, der von der Dallah Group organisiert wurde. Ich sprach mit ihm für eine lange Zeit, und wir haben immer noch herzliche Beziehungen.“  [7]

Die Dallah Group ihrerseits wird verdächtigt, ein Financier von al-Qaida zu sein.

Zum Zeitpunkt von 9/11 wurden die Software-Programme, die Ptech herstellte, für hochsensible Aufgaben an den höchsten Stellen von fast jeder staatlichen Regierungsbehörde der U.S.A. genutzt.

Indira Singh

Indira Singh

Dass es dabei womöglich an kritischer Stelle nicht mit rechten Dingen zuging, erschließt sich aus der Geschichte der IT-Spezialistin Indira Singh. Anfang 2001 erhielt Singh vom Bankhaus J.P. Morgan Chase den Auftrag, ein ausgeklügeltes Computerprogramm im Bereich Risikomanagement zu entwickeln, dem es einerseits möglich sein sollte, auf das Risiko eines Extremereignisses reagieren zu können, und andererseits Muster von Geldwäsche, Bilanzbetrug und verbotenen Handelsaktivitäten aufzuspüren. „Angestrebt war die Verschmelzung aus Risk Management und Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture). Dafür benötigte Singh eine Software, die jedes Problem zu jeder Zeit sehen konnte. Kurz, eine Art Überwachungs-Software – zum Beispiel zur Verhinderung von Geldwäsche, aber auch eines Computersystemversagens. Wenn das Programm etwas entdeckte, sollte es in der Lage sein, eine sofortige Mitteilung zu geben – wenn nicht ,sogar das, was geschehen würde, in Echtzeit zu stoppen’”, erklärte Singh dazu später.  [8] Eine solche Software verfolgt also den Zweck, alles zu wissen und zu überschauen, was in einem Geschäft wie JP Morgan Chase an millionenfachen Transaktionen über den Globus verstreut vor sich geht – in Echtzeit.

Die Idee präsentierte sie unter anderem dem Interoperability Clearing House, einem DARPA-finanzierten Think Tank, und der Firma In-Q-tel, die aufs Engste mit der CIA verbunden ist. Mehrfach wurde ihr zwischen Dezember 2001 und April 2002 nahegelegt, den saudischen Software-Entwickler Ptech zu engagieren. Ptech produzierte eine Software, die Singh hätte gebrauchen können – und die Liste derer, die sie schon verwendeten, war lang: sie wurde unter anderem vom Weißen Haus benutzt, vom US-Finanzministerium (und damit auch vom Secret Service), von der US-Luftwaffe, US-Marine, FAA, CIA, dem FBI und dem US-Justizministerium, der Steuerbehörde IRS, sowie von Booz Allen Hamilton, IBM, Enron, und schließlich auch von der NATO.

Diese Kundenliste vermochte Singh zu beeindrucken, sodass sie Vertreter von Ptech zur Präsentation ihrer Software in die Büros von JP Morgan Chase bat. Dazu kam es schließlich im Mai 2002. Jedoch trat die Ptech-Delegation ohne die Software auf und legte auch ansonsten ein merkwürdiges Verhalten an den Tag. Daraufhin begann Singh intensiv über den Hintergrund von Ptech nachzuforschen. Worauf sie stieß, waren Hinweise, dass sich unter den Financiers und Programmierern von Ptech offenbar Mitglieder eines internationalen Netzwerks befanden, die nicht nur seit Jahren an Drogen- und Waffengeschäften sowie Geldwäscheaktivitäten beteiligt waren, sondern auch an Terrorismus in Form des WTC-Attentats von 1993. Herausstach insbesondere, dass zu den Ptech-Financiers Yassin Al-Qadi gehörte, der schon im Oktober 2001 durch die US-Regierung auf eine Terroristenliste gesetzt worden war – sprich sieben Monate, ehe die Ptech-Präsentation in den Räumlichkeiten von JP Morgan Chase, immerhin einem Top-Unternehmen der USA, stattfand.

Singh alarmierte ihren Arbeitgeber und das FBI. Von JPM Chase wurde sie alsbald im Juni 2002 entlassen, und die Untersuchung des FBI versandete – als Teil der “Operation Green Quest” – schließlich im Niemandsland, nicht zuletzt aufgrund direkter Druckausübung seitens des Weißen Hauses. Auch ist bekannt, dass der damalige Direktor von Ptech, Yaqub Mirza, hochrangige Kontakte zum FBI unterhielt.  [9]

Der CBS-Journalist Joe Bergantino, mit dem Singh im Fall von Ptech zusammenarbeitete, sagte in einem Interview mit dem National Public Radio, dass hinter Ptech womöglich der langjährige Plan gesteckt habe, „,ein Unternehmen in diesem Land und im Computersoftwaregeschäft [zu etablieren], das bundesstaatliche Behörden ins Visier nehmen und Zugang zu Regierungsdaten bekommen würde, um im Wesentlichen Terroristen dabei zu helfen, einen weiteren Angriff zu landen.’ Singh erklärte, wie gut positioniert Ptech war, um eine Krise wie 9/11 zu erschaffen: ,Ptech war zusammen mit der Mitre [Corporation] zwei Jahre vor 9/11 im Keller der FAA untergebracht. Ihr spezieller Job war es, sich Probleme der Interoperabilität anzuschauen, die die FAA mit NORAD [North American Aerospace Defense Command] und der Luftwaffe im Notfall hatte. Wenn irgendwer in der Position wäre, um zu wissen, dass die FAA – dass es da ein Zeitfenster gibt oder um eine Software einzufügen oder um irgendetwas zu verändern, wäre es Ptech zusammen mit Mitre gewesen.‘”  [10]

Rufen wir uns nun ins Gedächtnis zurück: Im PEOC hatte der Secret Service ein Computer-System, „das es ihnen erlaubte, das zu sehen, was die Radare der FAA sahen.” Peter Dale Scott bemerkt dazu, dass die Angelegenheit im Verantwortungsbereich von Ptech gelegen haben könnte, „das Interoperabilitätsverträge sowohl mit der FAA als auch dem Secret Service hatte.“ [11]

In einem Interview für From the Wilderness wurde Indira Singh explizit nach Mike Rupperts These befragt:

Könnte es aus Ihrer Sicht der Fall gewesen sein, dass Cheney Ptech benutzte, um die Funktion von Leuten bei der FAA und NORAD zu überwachen, die ihre Arbeit an 9/11 machen wollten, und dann dazwischenfuhr, um die legitime Reaktion auszuschalten?

Indira Singh: Ist es möglich von einer Software-Sicht aus? Absolut ist das möglich. Hatte er (Cheney) eine solche Fähigkeit? Ich weiß es nicht. Aber das ist das ideale Risikoszenario – eine übergreifende Sicht darüber zu haben, was bei den Daten vor sich geht. Das ist exakt das, was ich für J.P. Morgan machen wollte. Wissen Sie, was ironisch daran ist – ich wollte meinen Betriebsgefahr-Entwurf nehmen, der für ein Betriebsereignis da ist, das schief läuft, und ich wollte ihn exemplarisch machen für das Risiko extremer Ereignisse zur Überwachung quer durch nachrichtendienstliche Netzwerke. Was Sie beschreiben, ist etwas, von dem ich sagte: ,Junge, wenn wir das an Ort und Stelle gehabt hätten, 9/11 wäre vielleicht nicht geschehen.’ Als ich zu DARPA [Defense Advanced Research Project Agency] ging und diese Kerle dafür begeisterte, einen Entwurf für ein Extremereignisrisiko zu schaffen, dachte ich daran, genau das zu tun, von dem Sie sagen, dass es Cheney womöglich bereits gehabt hatte!” [12]

Wohl beinahe unnötig zu betonen, dass die 9/11-Kommission diesen heiklen Verbindungen nicht im Geringsten nachgegangen ist (was auch daran gelegen haben mag, dass einer ihrer beiden Vorsitzenden, Thomas Kean, ein Anleger der Investmentfirma BMI war, dem Mutterkonzern von Ptech).  [13] Weiterhin haben ebenso die großen Medien mit der entsprechenden Reichweite und Meinungsbildungskraft den Fall Ptech und die dazu gehörigen Überlegungen von Indira Singh weitestgehend unter den Tisch fallen lassen.

Ohne dass darüber im Bericht der 9/11-Kommission oder in den großen Medien berichtet worden wäre, entspricht es Tatsachen, dass am 10. September 2001 das sogenannte Special Routing Arrangement Service-Computerprogramm (SRAS) des 1963 gegründeten National Communications Systems (NCS) in einen „Übungsmodus“ versetzt wurde, um dann am nächsten Tag während der Terrorangriffe voll aktiviert zu werden. Aufgabe des SRAS-Computersystems ist es, spezielle Kommunikationsmöglichkeiten von Militär- und Regierungsstellen im Katastrophenfall bereitzustellen und aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus war es als Teil des Continuity of Government-Programms vorgesehen, das am 11. September ebenfalls aktiviert wurde.

Vollkommen ungeklärt ist die Frage, ob das SRAS-System im National Coordinating Center in Airlington, Virginia am 10. September in den „Übungsmodus“ wegen der Kriegsübungen versetzt wurde, die für den nächsten Tag anstanden, ob es Teil der diversen Kriegsübungen war – und vor allem aber: wer (mit welchem Motiv) den Auftrag zur Versetzung in den „Übungsmodus” erteilt hatte. Wir wissen lediglich von Brenton Greene, dem damaligen Chef der NCS-Behörde, dass das SRAS-System auf – wie er sich ausdrückte – „wundersame Weise auf den Übungsmodus gestellt wurde und daher am 11. September einsatzbereit war.“  [14]

Ins Auge stechend ist nicht minder, dass das militärische Warnsystem namens Information Operations Condition (Infocon), das zur Abwehr von Angriffen auf das Kommunikationssystem des Militärs eingerichtet worden war, 12 Stunden vor den 9/11-Angriffen auf die niedrigste Gefahrenstufe heruntergefahren wurde. Das bedeutete, dass es einfacher wurde, sich von außen unautorisierten Zugang zum Computernetzwerk des Militärs zu verschaffen, um es zu beeinträchtigen. Die Entscheidung, Infocon auf die niedrigste Gefahrenstufe zu setzen, oblag der Befehlsgewalt von Luftwaffen-General Ralph E. Eberhart, dem damaligen Chef von NORAD und dem US Space Command. Die Reduzierung des Gefahrenlevels geschah aufgrund einer, wie es hieß, „niedrigen Gefahr von Computerangriffen“. Während die Terror-Attacken am 11. September liefen, wurde das Infocon-Sicherheitslevel dann erhöht, während zugleich unter anderem Passwörter geändert und Zugangsschlüssel erneuert wurden, um klassifizierte Kommunikationsleitungen zu schaffen.  [15]


PROMIS

Zu PROMIS wäre in aller Kürze und Schnelle vorzutagen, dass die Fähigkeiten dieses Software-Programms, das von William A. Hamiltons Firma INSLAW ursprünglich für das US-Justizministerium angefertigt wurde, von Beginn an immens waren. Guy Lawson schildert in seinem Buch Octopus, dass INSLAWs Software als Data-Mining- und Verknüpfungs-Werkzeug deart durchschlagend erfolgreich war, dass der amerikanische Geheimdienstbehördenapparat die Software stahl, „um sie verdeckt einzusetzen. Die CIA hatte den Code neu konfiguriert und installierte ihn auf einem 32-Bit-Digital Equipment Corporation VAX-Minicomputer. Die Agency benutzte Front-Unternehmen, um die neue Technologie an führende Banken und Finanzinstitute wie die Federal Reserve zu verkaufen. Versteckt im Inneren des Computers war eine ,Hintertür‘, die die Geheimdienste befähigte, zum ersten Mal heimlich Finanztransaktionen digital zu überwachen. Die hochklassifizierte Initiative, bekannt als ,Follow the Money‘, erlaubte der Reagan-Administration, die geheime Finanzierung einer terroristischen Gruppe, die eine Disco in Berlin im Jahre 1986 bombardiert hatte, um einen US-Soldaten zu töten und zweihundert Zivilisten zu verletzen, bis zur libyschen Regierung zurückzuverfolgen. In Bob Woodwards Buch ,Veil‘ sagte der ehemalige CIA-Direktor William Casey, dass das geheime Geld-Aufspürungssystem eine seiner stolzesten Errungenschaften gewesen war.”  [16]

Das Programm, so Woodward weiter, ermöglichte die „Durchdringung des internationalen Bankensystems“, um so „einen steten Datenfluss von den realen, geheimen Bilanzen, die von vielen ausländischen Banken gehalten werden“, zu liefern.  [17]

Reynolds Weld Letter May 1985

Reynolds Weld Letter May 1985

Während er für die TV-Dokumentation des Public Broadcasting System (PBS) vom 12. Juli 1989 mit dem Titel Follow the Money interviewt wurde, räumte der ehemalige nationale Sicherheitsbeamte Dr. Norman A. Bailey ein, dass die NSA dem Follow the Money-Programm nachgegangen war, bei dem die PROMIS-Software von INSLAW illegal zum Einsatz kam. Er erklärte weiter, dass das Weiße Haus unter Reagan die NSA 1981 mit dem Implantieren „leistungsstarker Computer-Mechanismen” in drei großen Überweisungs-Clearinghäusern beauftragt hatte: CHIPS (das Clearing House Interbank Clearing System) in New York City, das Berichten zufolge Zahlungen und Abrechnungen für den Außenhandel, Devisenhandel und für syndizierte Kredite für seine 139 Mitgliedsbanken in 35 Ländern aufzeichnet; CHAPS in London, das Berichten zufolge ähnliche Funktionen für in Sterling lautenden Transaktionen übernahm, und SIC in Basel in der Schweiz, das Berichten zufolge die gleichen Arten von Transaktionen aufzeichnet, so sie in Schweizer Franken lauten. Dr. Bailey beschrieb die neue NSA Signal-Intelligence-Penetration des Bankensektors so, dass sie die Vereinigten Staaten in die Lage brachte, dem Geld zu folgen, das von ausländischen Regierungen an internationale Terroristen durch das internationale Bankensystem floss, indem die Überweisungsnachrichten von einer Bank zur anderen, wie sie in Echtzeit auftraten, abgefangen wurden. Er sagte ebenso in dieser PBS-Fernsehdokumentation, dass die neue NSA-SIGINT-Penetration des Bankensektors es den Vereinigten Staaten nicht nur ermöglichte, die Verschuldung gegenüber westlichen Banken von Regierungen, die in Gefahr waren, zahlungssäumig zu werden, festzustellen, sondern auch die illegale Weitergabe von Technologien an den Sowjetblock, insbesondere von integrierten Schaltungen, die für den Einsatz in Militär- und Verteidigungsanwendungen entwickelt worden waren und illegal über Tarnfirmen in drei europäischen Ländern – Schweden, Schweiz und Österreich – gekauft wurden. Die Follow the Money-Nachrichtenerkenntnisse halfen den USA bei der Unterbindung solcher Verkäufe, die für die Sowjetunion wichtig waren, da sie außerstande war, solch integrierte Schaltungen selbst herzustellen.  [18]

Dr. Baileys Worten nach wurde Libyen unter Reagan angegriffen, nachdem die Bankenüberwachung der NSA eindeutige SIGINT-Beweise erbrachten, dass Libyen den besagten Terroranschlag in Berlin finanziert hatte.

Die NSA erhielt 1981 für ihre neue Follow the Money-SIGINT-Mission vom US-Justizministerium eine nicht autorisierte, gegen das Urheberrecht verstoßene Kopie der IBM-Mainframe-Computer-Version von PROMIS. INSLAW hatte diese Version von PROMIS zuvor im gleichen Jahr zur Nutzung durch die Land and Natural Resources Division des Justizministeriums lizenziert. Das Justizministerium stellte schließlich sämtliche Zahlungen an INSLAW ein und trieb das Unternehmen in den Bankrott. Ein Vorwurf, den William Hamilton später erhob, war der, dass eine modifizierte Version der Bank-Überwachungsversion von PROMIS benutzt wurde, um die Erlöse aus Drogengeschäften nachzuverfolgen. Ferner sei die modifizierte PROMIS-Version für die Geldwäsche von Drogenprofiten benutzt worden, um verdeckte Operationen, die nicht genehmigt waren, zu finanzieren.

Der Nationale Sicherheitsrat holte sich später ein Rechtsgutachten für eine Expansion des Bankenüberwachungsprojekts der NSA ein, um es auf rund 400 große Geschäftsbanken auszuweiten, die das Interbankensystem bilden. Es gab auch Berichte über die Installation von PROMIS durch US-Geheimdienste in internationalen Finanzinstituten wie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Im Mai 1998 veröffentlichte Dr. Bailey eine Monographie mit dem Titel “The Strategic Plan That Won The Cold War“, die auf die Bedeutung der Follow the Money-Mission der NSA verweist. [19]

2008, als er für einen Artikel von Tim Shorrock für das Salon-Magazin interviewt wurde, sagte Dr. Bailey, dass die PROMIS-Datenbank und -Suchanwendung der NSA gegeben worden sei. Wie Salon seinerzeit schrieb: „Sein Eingeständnis ist die erste öffentliche Anerkennung eines ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters, dass die NSA die PROMIS-Software verwendete.” Er wurde auch dahingehend zitiert, dass INSLAWs „PROMIS das wichtigste Software-Element (war), das von der NSA eingesetzt wurde”, um die Echtzeit-Überwachung von Banküberweisungen durchzuführen.  [20]

PROMIS wurde außerdem in den 1980er Jahren von Oliver North verwendet, um im Zusammenhang mit der Continuity of Government-Planung Listen von potentiellen Gefahren für die nationale Sicherheit zu erstellen. Dafür eignete sich PROMIS aufgrund seiner Eigenschaft, wie ein Schleppnetz genutzt werden zu können, „um Daten über Personen zu ermitteln und zu sammeln – über Terroristen und Drogenhändler ebenso wie über politische Gegner und Dissidenten.“ PROMIS ließ sich „gezielt zur Fahndung nach Personen“ einsetzen und „eignete sich ebenso zur elektronischen Rasterfahndung.“  [21]

Danny Cosalero / 1947 geboren und 1991 gestorben

Danny Cosalero / 1947 geboren und 1991 gestorben

In den kommenden Jahren verkaufte ein weitläufiges Netzwerk aus Geschäftsleuten, Regierungsvertretern und Personen, die der Regierung Reagan / Bush nahe standen (beispielsweise Earl Brian, Peter Videniaks und Edwin Meese), die erweiterten Versionen von PROMIS an Unternehmen, Banken, Geheimdienste und Regierungen. Der mit William Hamilton zusammenarbeitende investigative Journalist Danny Cosalero nannte dieses Netzwerk „Oktopus“, dessen innerster Kern seinen Erkenntnissen nach „zurück zu einem dreckigen ,Old Boy‘-Netzwerk der CIA“ reichte, welches in den 1950er Jahren zu existieren begann, und Leute im weiteren Umfeld miteinschloss, die sich im Zentrum von Iran-Contra und BCCI befanden, beispielsweise Adnan Kashoggi.  [22]

Casolaros „Vermutung war, dass diese Gruppe innerhalb der CIA nicht nur in die Iran-Contra-Affäre verwickelt gewesen sei, sondern im großen Stil Waffen- und Drogenhandel betrieb sowie Verbindungen zum Organisierten Verbrechen, der Cosa Nostra, unterhielt, diverse Geheimdienste für sich einspannte, Firmen in den Bankrott trieb und in illegale Deals aller Art verstrickt war. Mit einigen Überlegungen lag Casolaro durchaus richtig, wie sich später herausstellte.“ [23]

Kurz vor Abschluss seiner Nachforschungen fand Casolaros Leben jedoch ein äußerst mysteriöses Ende: Anfang August 1991 wurde seine Leiche in einem Hotelzimmer in West-Virginia gefunden. Er lag nackt in einer Badewanne, die mit seinem Blut gefüllt war. An seinen Armen fand man tiefe Schnittwunden, die von einer Rasierklinge beigebracht worden waren. Der Vorfall wurde als Selbstmord gewertet. Von Casolaros Oktopus-Unterlagen, die er immer bei sich hatte, fehlte jede Spur. Berichten zufolge war er in dem Hotelzimmer einquartiert gewesen, um einen wichtigen Informanten zu treffen.

Casolaros Leichnam wurde – entgegen geltender Gesetze – einbalsamiert, ehe seine Familie über den angeblichen Selbstmord benachrichtigt wurde, was erst zwei Tage später geschah. Überdies wurde der Hotelraum, den Casolaro bezogen hatte, innerhalb kürzester Zeit professionell gesäubert, womit jede weitere forensische Untersuchung unmöglich gemacht wurde. Der deutsche investigative Journalist Egmont R. Koch, der den Fall PROMIS / Casolaro jahrelang recherchierte, schreibt: „Manches an diesem Tod blieb … äußerst dubios. Er warf mehr Fragen auf, als die Behörden zu beantworten in der Lage und bereit waren. Freunde und Bekannte behaupteten hartnäckig, hier sei ein Mord verübt worden, weil Casolaro seine Nase in Angelegenheiten gesteckt habe, die höchst einflussreiche Mitarbeiter der Regierung des Präsidenten George Bush äußerst einträglich betrieben. Casolaro stand angeblich vor der Aufdeckung des größten Regierungsskandals in der Geschichte der USA, gegen den Watergate oder die Iran-Contra-Affäre geradezu lächerlich wirken würden.“  [24]

Koch berichtet, dass modifizierte PROMIS-Versionen in insgesamt 88 Länder verkauft worden sein sollen. „Es spielte bei den Geschäften offenbar überhaupt keine Rolle, ob es sich um gegnerische Geheimdienste handelte oder die Länder sogar Krieg gegeneinander führten wie der Iran und der Irak. Das hatte seinen geheimen Grund.“ [25]

Der Grund war die in der modifizierten PROMIS-Version enthaltende „Hintertür“, die als eine Art „Trojanisches Pferd“ fungierte. Berichten zufolge soll sie vom Computerprogrammierer Michael Riconosciuto „auf einer Indianerreservation in Kalifornien“ hinzugefügt worden sein. [26]

Dahinter verbarg sich nachfolgendes Kalkül: „Wenn sich in das Programm eine ,Trap Door‘ installieren ließe, eine Art Hintertür oder Falltür, durch die sich jeder unerkannt in die Datenbestände einschleichen konnte, der bis zu dieser Tür zu gelangen und sie per Codewort zu öffnen vermochte, dann wären die gespeicherten ,Geheimnisse‘ des Nutzers offen zugänglich. … Es ist verschiedentlich gerätselt worden, wie diese Trap Door beschaffen ist. Rafi Eitans Mitarbeiter Ari Ben-Menashe berichtet, dass man ein Modem brauche und nur bestimmte Codewörter eintippen müsse, um den gewünschten Zugang zum Computer zu erhalten. Computerexperten zufolge, die Ben-Menashe befragt hat, sei diese Falltür oder Hintertür nicht auffindbar. Die Beschreibung ist jedoch etwas ,mager‘. Sie lässt offen, wie die Manipulation genau beschaffen war. Ein Programm wie PROMIS lässt sich manipulieren, indem es dort geändert wird, wo die Zugangsberechtigung zu diesem speziellen Programm geregelt wird. Will ein Unbefugter das Programm in seinem Sinn missbrauchen, muss er jedoch zunächst einen Zugriff auf den Computer haben. Als Insider hat er es leicht, weil der Computer vor ihm steht und er lediglich das Programm aufrufen müsste. Als fremder Einsteiger von außen muss er jedoch erst den Computer anwählen und ihn dann auch noch ,knacken‘, bevor er das Programm aufrufen und über die gespeicherten Daten verfügen kann.

Es gibt aber noch eine prinzipiell andere Lösung des Problems. PROMIS könnte so manipuliert worden sein, dass dem Programm eine Komponente beigefügt wurde, die auf die Systemsoftware wirkt und diese entscheidend verändert. Die Systemsoftware steuert die inneren Betriebsvorgänge der Anlage vom Mikroprozessor über die Terminals bis zu den Speicherplatten und verwaltet die Zugangsberechtigungen zum gesamten Computer mit seinen Programmen und Datenbeständen – nicht nur zu einem einzigen Programm. Sie vergibt und kontrolliert also auch Zulassungsprivilegien und Passwörter. Ein Eingriff an dieser Stelle ist die bessere Variante: Durch eine Art ,Tür‘ in der Systemsoftware kann dann mit einem Code oder ,Schlüssel‘ der ganze Computer geöffnet und das Programm PROMIS aufgerufen werden. Und in der Tat ließe sich die Manipulation der Systemsoftware via PROMIS so vornehmen, dass die ,Trap Door‘ nicht zu entdecken ist. Nur der vom Menschen in einer Programmiersprache geschriebene Quellcode ist auch für Menschen lesbar. Das Programm wird jedoch üblicherweise nicht im Quellcode ausgeliefert, sondern nur im maschinenlesbaren Objektcode.

Rafi Eitan und den anderen Nutznießern der trojanischen Variante von PROMIS konnte es allerdings ziemlich egal sein, wie die ,Hintertür‘ funktionierte – Hauptsache, die Manipulation war wirksam und blieb unentdeckt.“ [27]

Bekanntlich ist die Suche nach Erdöl und dessen Produktion mit erheblichen Kosten verbunden. Mit der modifizierten „Hintertür“-PROMIS-Software, wenn sie von großen Erdölunternehmen benutzt werden würde, ließen sich auf ziemlich billige Weise riesige und genaue Datenbestände und Kartendokumente über den Erdölbereich aufbauen. Des Weiteren könnte man im Terminwarenhandel theoretisch unbegrenzte Geldsummen generieren, so man die PROMIS-Software geschickt einsetzte. Den Möglichkeiten des Handelns aufgrund von Insider-Informationen waren kaum mehr Grenzen gesetzt.

Fakt ist, dass INSLAW dem US-Justizministerium 1983 den Quellcode von PROMIS lieferte. Eine Quellcode-Kopie wurde daraufhin von Peter Videniaks an Earl Brian weitergegeben, der den einträglichen Verkauf von PROMIS durch seine Firma Hadron organisierte. „Brian hatte sich mit dem Verkauf von PROMIS in einen Komplex aus Spionage und Waffenhandel eingeklinkt, der sich zur größten Geheimdienst-Operation entwickelte, die es je gegeben hat. Er ist dabei wohl in erster Linie als Marketing-Manager zu sehen, der in Staaten wie Australien, Südkorea oder Großbritannien PROMIS-Software an die Geheimdienste brachte.

Während Earl Brian das ,Computerprogramm mit Hintertür‘ vor Ort vermarktete, liefen die Fäden anderswo zusammen: etwa bei CIA-Chef William Casey in seiner Zentrale in Langley nahe Washington. Andere bedienten sich einfach der Software, beispielsweise Iran-Contra-Spezialist Oberstleutnant Oliver North im Nationalen Sicherheitsrat der USA. In Israel wahrte Rafi Eitan die Interessen seines Landes. Er eröffnete für PROMIS einen neuen Vertriebsweg mit Hilfe des Presse-Tycoons Robert Maxwell, der im Geschäft mit Banken und Geheimdiensten Millionen verdiente. Insbesondere über Maxwell führten die PROMIS-Spuren weiter in Richtung Europa und nach Deutschland.

Viele der Beteiligten am PROMIS-Geschäft kannten einander aus Intrigen und dunklen Geschäften um Macht und Geld. Etliche gehörten zur Reagan-Truppe aus dessen Gouverneur-Zeiten in Kalifornien, die dann in der Administration des Präsidenten in Washington neu Fuß fassten. Andere stießen aus dem Bereich der Geheimdienste hinzu. Ein Beispiel für finstere Machenschaften sind die verdeckten Verhandlungen wichtiger ,Wahlkämpfer‘ für Ronald Reagan mit dem Iran. Hinter dem Rücken des seinerzeit amtierenden Präsidenten Jimmy Carter nutzten sie 1980 das Drama um die gefangenen amerikanischen Botschaftsgeiseln in Teheran offensichtlich so perfide, dass Carter die Wahl verlor. Beteiligt an den Verhandlungen waren William Casey, Rafi Eitan, Earl Brian und Ari Ben-Menashe aus dem PROMIS-Umfeld.“ [28]

Im Hintergrund steht hierbei der Vorwurf, dass das Reagan-Team dafür Sorge trug, dass die Geiseln in der Botschaft der USA in Teheran erst nach den US-Präsidentschaftswahlen 1980 freigelassen werden würden. Dafür sollte das neue Regime des Iran dringend benötigte Waffenlieferungen erhalten. Tatsächlich wurden die US-Geiseln in genau den Sekunden freigelassen, als Ronald Reagan seine Amtseinführungsrede am 20. Januar 1981 beendete.

Earl Brians Firma Hadron benannte sich später in Analex um und wurde von QinetiQ aufgekauft, einem Dienstleister im Bereich der Informationssicherheit und elektronischen Kriegsführung. Der größte Aktienbesitzer von QinetiQ wurde wiederum die Carlyle Group, als dort Frank Carlucci den Vorsitz innehatte. Zu der Zeit, als Hadron mit der modifizierten PROMIS-Version einen Verkaufsschlager sondergleichen im Angebot hatte, war Carlucci der Direktor von Wackenhut gewesen, ehe er im November 1987 Verteidigungsminister der USA wurde.  [29] William Casey war wiederum ein Vorstandsmitglied und Rechtsberater von Wackenhut gewesen, ehe er 1981 Reagans CIA-Direktor wurde.

The Last CircleDie Journalistin Cherie Seymour, die die Oktopus-Recherchen von Danny Casolaro über mehr als anderthalb Jahrzehnte untersuchte, berichtet, dass sich ein beträchtlicher Teil von Casolaros Arbeit mit den geheimen Tätigkeiten beschäftigte, die Wackenhut auf dem gleichen Indianerreservat durchführte, auf dem Michael Riconosciuto der PROMIS-Software die gewünschte „Hintertür“ eingebaut haben soll. Riconosciuto, der schon mit Casolaro in regem Kontakt gestanden hatte, teilte Seymour mit, dass es sich dabei um die Cabazon-Reservation in Indio, Kalifornien handelte. Wackenhut führte auf dem Gelände Waffenentwicklungen und -tests durch, von denen möglichst wenige Menschen Notiz nehmen sollten. Casolaro interessierte sich für die Mordfälle von Fred Alvarez, Ralph Boger und Patricia Castro, die im Zusammenhang mit diesen Waffentests standen. Für seine Recherchen plante Casolaro, eine Reise zur Cabazon-Reservation zu machen. Dazu kam es nicht mehr. Seymour zufolge entdeckte Casolaro in der letzten Woche seines Lebens außerdem, dass es eine Verbindung zwischen Mike Abbell, einem ehemaligen Direktor für internationale Angelegenheiten des US-Justizministeriums, dem Cali-Kartell in Kolumbien und dem Geheimdienstmann Robert Booth Nichols gab. Letzterer hatte mit den Wackenhut-Tätigkeiten auf dem Indianerreservat zu tun und zählte zu Casolaros wichtigsten Informanten. Casolaros Freund Bob Bickel bestätigte späterhin, dass ein dahingehendes Gespräch kurz vor Casolaros Tod geführt worden sei; allerdings findet sich davon nichts in den offiziellen Untersuchungsberichten zum Tode von Danny Casolaro. Abbell wurde 1995 wegen Geldwäsche und organisiertem Verbrechen in Verbindung zum Cali-Kartell vor Gericht angeklagt.

William Hamilton für seinen Teil verwickelte das US-Justizministerium in langwierige Prozesse vor Gericht. Es entwickelte sich ein Rechtsstreit, der bis heute nicht beigelegt ist. Sobald Hamilton vor Gericht Recht zugesprochen bekam, ging das Justizministerium sogleich in Berufung. Ein Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war ein Report, den der Rechtsausschuss des US-Kongresses 1991 veröffentlichte. Darin wurde Hamilton und seinem Anwalt Elliot Richardson, einem ehemaligen US-Justizminister, bestätigt, dass das US-Justizministerium die PROMIS-Software gestohlen hatte.

Auf Nachfrage teilte mir William Hamilton mit, dass Richardson im Laufe der 1990er Jahren in Erfahrung brachte, dass die VAX 11/780-Version von PROMIS eines Tages auf mysteriöse Weise 1983 in der Weltbank in Washington auftauchte. Richardson forderte daraufhin den General Counsel der Weltbank auf, den Vorgang zu untersuchen. Dieser teilte Richardson schließlich mit, dass er nicht in der Lage gewesen sei, PROMIS-Spuren in der Weltbank zu finden. Später erfuhren Richardson und Hamilton allerdings durch eine eidesstattliche Erklärung von einem gewissen William Turner, dass er Dokumente aus der Weltbank und von BCCI gelagert habe, die aus dem Follow the Money-Projekt der NSA stammten. Er legte Aufzeichnungen über Überweisungen auf Konten in der Schweiz und den Cayman Inseln vor, die zu Leuten gehörten, die angeblich vom illegalen Vertrieb der PROMIS-Software profitierten. Auch behauptete Turner, dass er Kopien davon an Danny Casolaro übergeben habe, und zwar in der Nacht, ehe Casolaro in seinem Hotelzimmer in Martinsburg, West Virginia Anfang August 1991 tot aufgefunden worden war.


Ptech und Unternehmensarchitektur-Software

Derweilen war in den 1990er Jahren ein zunehmendes Interesse an sogenannter Unternehmensarchitektur-Software (Enterprise Architecture Software) erwacht. Unternehmensarchitektur befasst sich mit den Geschäftsprozessen eines Unternehmens / einer Behörde und der Unterstützung dieser Aktivitäten durch Informationstechnologie, um einen ganzheitlichen Blick auf alle Daten von allen Transaktionen, Prozessen und Interaktionen in einem Unternehmen oder einer Behörde in Echtzeit zu ermöglichen. Grundlage hierfür war das von John Zachman entwickelte „Zachman Framework“, das 1994 vom US-Verteidigungsministerium herangezogen wurde, um eine Unternehmensarchitektur mit dem Namen Technical Architecture Framework for Information Management (TAFIM) auszuarbeiten. Im gleichen Jahr wurde in Quincy, Massachusetts die Firma Ptech gegründet, und die Spezialität von Ptech bestand darin, eine besonders fortschrittliche Unternehmensarchitektur-Software anbieten zu können. Bereits zwei Jahre nach Firmengründung arbeitete Ptech mit der Forschungsgruppe des US-Verteidigungsministeriums, der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), zusammen. DARPA benutzte hierbei ein Ptech-Programm namens FrameWork, „um kommerzielle Software-Methodologien auf den Verteidigungssektor zu übertragen.“ [30]

DARPA war nur ein Kunde von vielen, die in rasanter Schnelle von Ptech gewonnen wurden. „Innerhalb von vier Jahren hatte Ptech einen Kundenstamm aufgebaut, der jeden Software-Drittanbieter vor Neid erblassen lassen würde”, schreibt der Journalist James Corbett in einer Zusammenfassung des Nexus Ptech – 9/11. „Vom Allerheiligsten des Weißen Hauses bis hin zur Zentrale des FBI, vom Keller der FAA bis zur Vorstandsetage von IBM, einige der am besten geschützten Organisationen der Welt, die auf einigen der am meisten geschützten Servern liefen und die sensibelsten Daten beherbergten, begrüßten Ptech in ihrer Mitte.“  [31]

Eine Veröffentlichung unter der Überschrift “IBM Enterprise Architecture Method enabled through Ptech FrameWork“ stellte die Zusammenarbeit in Sachen Enterprise Architecture (EA) zu dieser Zeit zwischen P-tech und IBM wie folgt dar:

„IBM und Ptech haben sich zusammengetan, um die EA eines Kunden für dessen gesamte Organisation zu dokumentieren und zu kommunizieren. Die IBM Global Services Enterprise Architecture Methode, die durch Ptechs FrameWork ermöglicht wird, wurde entwickelt, um es IBM-Beratern zu ermöglichen, EA-Projektmanagementaufgaben von hoher Qualität in kurzer Zeit und mit breiter organisatorischer Übersicht zu erstellen und abzuliefern. Mit FrameWork sammeln die IBM- und Ptech-Berater zusammen mit dem Kundenteam schnell Daten und entwickeln EA-Projektmanagementaufgaben, die entworfen sind, um umfassend, selbsterklärend und in der Lage zu sein, die komplexen Beziehungen zwischen der IT und den Geschäftszielen sowohl in Text-Anzeigen, als auch im grafischen Format darzustellen.

FrameWork ist eine leistungsfähige und anpassbare Unternehmensmodellierung, die die visuelle und logische Darstellung von Wissen in nahezu jedem gewünschten Präsentationsformat ermöglicht. Es ist ein dynamisch konfigurierbares Tool zum Erstellen von Modellen, zur Auswertung von Abfragen und zum Reporting.“  [32]

Indira Singh gab später die Auskunft, dass sich US-Wettbewerber von Ptech wie Popkins Software argwöhnisch darüber gaben, dass Ptech bevorzugt wurde, wenn es um Vertragsabschlüsse für klassifizierte Aufträge ging. Corbett stellt in seiner Auseinandersetzung mit Ptech fest, dass dem Unternehmen in der Tat binnen kürzester Zeit „die Schlüssel fürs Cyber-Königreich gegeben (wurden), um detaillierte Abbilder von diesen Organisationen aufzubauen, ihren Schwächen und Schwachstellen, und um zu zeigen, wie diese Probleme durch jene mit böser Absicht ausgenutzt werden konnten. Bei all ihrem unglaublichen Erfolg waren allerdings viele der Top-Investoren und -Mitarbeiter der Firma Männer mit Hintergründen, die rote Flaggen auf allen Ebenen der Regierung hätten hochgehen lassen müssen.

Die Firma wurde mit einem Startgeld von $ 20 Millionen gegründet, davon $ 5 Millionen von Yassin al-Qadi, einem wohlhabenden und gut verbundenen saudischen Geschäftsmann, der über seine Bekanntschaft mit Dick Cheney zu prahlen pflegte.  [33] Er hatte ebenso Verbindungen zu verschiedenen muslimischen Wohltätigkeitsorganisationen, die der Finanzierung des internationalen Terrorismus verdächtigt wurden.  [34] In der Folge von 9/11 wurde er offiziell zu einem ,Specially Designated Global Terrorist‘ von der US- Regierung erklärt und sein Vermögen wurde eingefroren.  [35] Zu der Zeit bestritten die Ptech- Eigentümer und das leitende Management, dass al-Qadi irgendeine andere Beteiligung am Unternehmen als seine ursprüngliche Investition habe, aber das FBI sagt jetzt, dass sie logen und das al-Qadi in Wirklichkeit weiterhin Millionen von Dollar in das Unternehmen durch verschiedene Frontorganisationen und Anlageinstrumente investierte.  [36] Unternehmens-Insider sagten FBI-Beamten gegenüber, dass sie nach Saudi-Arabien geflogen wurden, um 1999 Ptechs Investoren zu treffen, und dass al-Qadi als einer der Eigentümer vorgestellt worden war.  [37] Es wurde auch berichtet, dass Hussein Ibrahim, Ptechs Chefwissenschaftler, ein al-Qadi-Vertreter bei Ptech war,  [38] und al-Qadis Anwälte haben eingeräumt, dass al-Qadi-Vertreter selbst nach 9/11 weiterhin im Ptech-Vorstand gesessen haben könnten.  [39]

Ibrahim selbst war ein ehemaliger Präsident von BMI, einer in New Jersey ansässigen Immobilien- Investmentgesellschaft, die auch eine der ersten Investoren in Ptech war und zur Finanzierung von Ptechs Gründungsdarlehen beitrug. Ptech vermietete Büroräume und EDV-Anlagen von BMI [40], und BMI nutzte in New Jersey gemeinsame Büroflächen mit Kadi International, im Besitz von keinem anderen als dem Ptech-Lieblingsinvestor und Specially Designated Global Terrorist betrieben, Yassin al-Qadi.  [41] 2003 sagte Anti-Terror-Zar Richard Clarke: „BMI verkaufte sich öffentlich als Finanzdienstleister für Muslime in den Vereinigten Staaten, ihre Investorenliste legt die Möglichkeit nahe, dass diese Fassade nur ein Cover war, um terroristische Unterstützung zu verbergen.” [42]

Einer der Gründer von Ptech, Solomon Bahairi, hatte BMI ursprünglich zusammengesetzt, so fand Indira Singh während ihrer Recherchen heraus. Über Suheil Laheir, Ptechs Chef-Softwarearchitekten, gäbe es zu sagen, dass er „Artikel zum Lobe des islamischen Heiligen Krieges“ zu schreiben beliebte, „wenn er nicht an der Software schrieb, die Ptech mit detaillierten operativen Plänen der empfindlichsten Stellen in der US-Regierung versorgen sollte. Er zitierte auch gern Abdullah Azzam, Osama bin Ladens Mentor und Kopf von al-Maktab Khidamat, das die Vorstufe zu al-Qaida war.  [43]

Dass solch einer unwahrscheinlichen Ansammlung von Charakteren Zugang zu einigen der sensibelsten Stellen in der US-Bundesregierung gegeben wurde, ist verblüffend genug. Dass sie eine Software betrieben, um jeden Prozess und Betrieb innerhalb dieser Behörden zum Zweck der Suche nach systemischen Schwachstellen zu kartographieren, zu analysieren und zu betreten, ist ebenso verblüffend. Am meisten verstört aber vor allem die Verbindung zwischen Ptech und eben jenen Behörden, die in so bemerkenswerter Manier ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, die amerikanische Öffentlichkeit am 11. September 2001 zu schützen.


Ptech an 9/11: Der Keller der FAA

DatenkontrolleDenn zwei Jahre vor 9/11 arbeitete Ptech daran, mögliche Probleme oder Schwachstellen in den FAA-Reaktionsplänen auf Ereignisse wie eine terroristische Entführung eines Flugzeugs über den Luftraum der USA zu identifizieren. Laut ihrem eigenen Business-Plan für den Vertrag mit der FAA wurde Ptech Zugang zu jedem Prozess und System in der FAA gewährt, “das den Umgang mit ihren Krisenreaktionsprotokollen betraf.“ [44]

Der Businessplan, den Indira Singh der Öffentlichkeit bereitstellte, spricht davon, dass “(d)ie FAA die Notwendigkeit für die Erhöhung ihrer IT-Investitionen mit einem Mittel zur Zentralisierung von Aktivitäten und der Einführung von Konsistenz und Kompatibilität innerhalb der Betriebssystemumgebung (erkannte). Ein Ptech-Beratungsteam wurde organisiert, um eine Aktivitätsmodellierung zu verwenden, um Schlüsselfunktionen zu identifizieren“, die mit „Netzwerkmanagement, Netzwerksicherheit, Konfigurationsmanagement, Fehlermanagement, Performance-Management, Anwendungsadministration und Benutzer-Assistenz-Operationen” der FAA zu tun hatten. [45]

„Kurz, Ptech hatte freie Bahn, jedes FAA-System und jeden Prozess für den Umgang mit der genauen Art von Ereignis, das an 9/11 auftrat, zu untersuchen. Noch unglaublicher, Indira Singh weist darauf hin, dass Ptech speziell die potenziellen Interoperabilitätsprobleme zwischen der FAA, NORAD und dem Pentagon im Fall einer Notfallsituation über dem Luftraum der USA analysierte.“  [46]

In einem Radio-Interview erklärte Indira Singh zum Verhältnis von Ptech zur FAA:

„Sie arbeiteten mit der FAA, es war ein Gemeinschaftsprojekt von Ptech und Mitre, und … es ist interessant, sie suchten im Grunde nach den Löchern in der Interoperabilität der FAA-Reaktion mit anderen Behörden … in Notfällen, wie eine Entführung. Sie schauten sich also die Eskalation der Prozesse an, was die Menschen tun würden, wie sie reagieren würden im Notfall.“ Anschließend sollten sie Empfehlungen abgeben, wie die gefunden Löcher zu beheben seien. „Wenn nun jemand zu verstehen in der Lage war, wo die Löcher waren, war es Ptech, und das ist genau der Punkt. Und wenn jemand in der Lage war, Software zu schreiben, um diese Löcher auszunutzen, wäre es Ptech gewesen.“ Für den Fall, dass bei der FAA etwas schief ginge, so Singh, „und es einen Notfall mit einem bestimmten Flug (gäbe) und das Verteidigungsministerium informiert werden (müsse), ist das eine wirklich große Interoperabilitätssache, ein Signal muss in irgendeiner Weise oder Form gesendet werden, entweder von einem Menschen vermittelt, wie in den meisten Fällen, oder automatisch … auch wenn es von einem Menschen vermittelt wird, muss es auf einem Supercomputer initiiert werden, um eine ganz andere Abfolge von Ereignissen, Interventionen, dem Starten eines Abfangjägers, Meldungen nach oben und unten mit vielen anderen Organisationen wie NORAD, wie andere Radar-Bereichen, wie die örtliche Polizei (beginnen zu lassen). Dafür müssen also Blaupausen entwickelt und vorgezeichnet werden, und das ist der Punkt, an dem Unternehmensarchitektur ins Spiel kommt. Sie brauchen eine Art Blaupause, um all dies zusammen zu halten. Und das ist, worin Ptech so gut war. … Aufgrund des Umfangs der übergreifenden und weitreichenden Projekte, wenn man Unternehmensarchitektur betreibt, hat man in der Regel Zugang zu so ziemlich allem, was in der Organisation getan wird, wo es getan wird, auf welchen Systemen, was die Informationen sind, man hat so ziemlich Carte blanche. …  Mir wurde gesagt, sie hätten Passwörter-Zugang zu vielen Flugkontroll-Computern der FAA gehabt. Mir wurde gesagt, dass sie Passwörter zu vielen Computern hatten, von denen man oberflächlich denken würde, dass sie nichts mit dem Herausfinden von Löchern zu tun hätten, aber … wenn man als Unternehmensarchitekt nichts Gutes im Schilde führte, hätte man mit einem solchen Mandat in der Regel Zugriff auf alles.“ [47]

Im Zusammenhang mit der These von Mike Ruppert, dass im Auftrage von Dick Cheney in den Ablauf zwischen FAA und NORAD eingegriffen worden sein könnte, erinnerte Singh an die „vier Kriegsspiele, vier Simulationen, die am Morgen von 9/11 vor sich gingen“, und sagte, dass Mitre und Ptech höchstwahrscheinlich Simulationen durchgeführt haben müssen, um die Löcher im System zu beheben, die sie vor 9/11 auffanden. „Ich weiß nicht, ob sie das machten, aber so erledigen wir Dinge.“ [48]

In diesem Sinne rekapituliert Corbett: „Ptech hatte vermutlich auch Informationen über die Systeme, die die FAA, NORAD und andere während der Krisenreaktionsübungen wie Vigilant Guardian einsetzten, jener NORAD-Übung, die an 9/11 stattfand und Simulationen von entführten Jets beinhaltete, die in New York hineingeflogen, und entführten Jets, die in Regierungsgebäude flogen. Dies ist bedeutsam, weil es Hinweise darauf gibt, dass eben solche Übungen NORADs Reaktion auf die realen Entführungen verwirrten, die an diesem Tag stattfanden. Wie Forscher Michael Ruppert hinweist, könnte ein schurkischer Agent mit Zugang zu einer Ptech-Hintertür in die FAA-Systeme bewusst gefälschte Signale auf die FAA-Radare an 9/11 eingefügt haben. Dieses Szenario würde die Quelle des Phantom-Flugs 11 erklären, den die FAA an NORAD um 9:24 Uhr berichtete (nachdem Flug 11 bereits das World Trade Center getroffen hatte, ein Bericht, über deren Quelle die 9/11-Kommission behauptete, dass sie nicht in der Lage war, diese zu finden.

Kurzum, Ptechs Software lief auf den kritischen Systemen, die auf die 9/11-Anschläge an 9/11 reagierten. Die Software war für den ausdrücklichen Zweck konzipiert, seinen Nutzern einen kompletten Überblick über alle Daten, die durch eine Organisation fließen, in Echtzeit zu bieten. Der Vater der Enterprise-Architektur selbst, John Zachman, erklärte, dass man mit der Software vom Ptech-Typ, die auf einem sensiblen Server installiert ist, ,wissen würde, wo die Zugangspunkte sind, man würde wissen, wie man hinein kommt, man würde wissen, wo die Schwächen sind, man würde wissen, wie man ihn zerstört.‘

Ende der 1990er Jahre führte Robert Wright, ein FBI-Agent des Chicago Field Office, eine Untersuchung der Terrorismus-Finanzierung, die sich Vulgar Betrayal nannte. Von Anfang an wurde die Untersuchung durch höherrangige Beamte behindert; der Untersuchung waren nicht einmal angemessene Computer für die Erfüllung ihrer Arbeit zugewiesen worden. Durch Wrights Weitsicht und Beharrlichkeit gelang es jedoch, dass die Untersuchung einige Siege verzeichnete, darunter die Beschlagnahmung von $ 1.4 Millionen in US-Geldern, die zu Yassin al-Qadi zurückverfolgt wurden. Wright freute sich, als ihm ein hochrangiger Agent zugewiesen wurde, um ,den Gründer und Finanzier von Ptech‘ zu untersuchen, aber der Agent arbeitete nicht und schob während seiner gesamten Zeit an dem Fall lediglich Papier hin und her.

Kurz nach den Bombenanschlägen von 1998 auf afrikanische Botschaften begann Vulgar Betrayal einige Geldspuren offenzulegen, die al-Qadi mit dem Angriff verbanden. Laut Wright geriet sein Vorgesetzter, als er eine strafrechtliche Untersuchung der Verbindungen vorschlug, in Rage, indem er sagte: ,Sie werden keine strafrechtliche Ermittlungen eröffnen. Ich verbiete es jedem von ihnen. Sie werden keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen irgendeinen von diesen Geheimdienst-Subjekten eröffnen.‘ Wright wurde von der Vulgar Betrayal-Untersuchung ein Jahr später abgezogen und die Untersuchung selbst wurde im folgenden Jahr geschlossen.“ [49]

Ein weiteres Jahr darauf, die 9/11-Anschläge waren nunmehr geschehen, saß Indira Singha an der nächsten Generation des Risikomanagements und trat schließlich in Kontakt zu Ptech, um sich von der Firma deren EA-Software demonstrieren zu lassen. „Es dauerte nicht lang, ehe sie die Zusammenhänge zwischen Ptech und internationaler Terrorismusfinanzierung zu entdecken begann. Sie arbeitete erschöpfend daran, diese Verbindungen im Bemühen zu dokumentieren und zu entdecken, um das FBI in Boston davon zu überzeugen, ihre eigene Untersuchung von Ptech zu eröffnen, aber ihr wurde von einem Agenten gesagt, dass sie besser in der Lage wäre, dies zu untersuchen, als irgendjemand innerhalb des FBI. Trotz der anhaltenden Bemühungen von Singh und den Aussagen von Unternehmensinsidern, informierte das FBI keine der Behörde, die Verträge mit Ptech hatten, dass es Bedenken zu dem Unternehmen oder seiner Software gab.“ [50]


„Ist Ptech PROMIS?“

Unterdessen kontaktierte Singh den CBS-Journalisten Joe Bergatino in Boston. Bergatino benachrichtigte das Büro von Senator Charles Grassley. Daraufhin wurde Grassleys Büro ein Secret Service-Agent namens Charlie Bopp zugeteilt, der sich der Ptech-Sache annehmen sollte. Im April 2003 fand ein Treffen im National Threat Assessment Center (NTAC) des Secret Service statt, das Bopp arrangiert hatte. Im Laufe der Besprechung fragte einer der Secret Service-Agenten Singh: „Ist Ptech PROMIS?” [51]

In einer späteren Nacherzählung dieser Unterredung im NTAC bemerkte Singh gegenüber Mike Rupperts Website From The Wilderness: „Ich wusste bereits, was mit Danny Casolaro passiert war, und sie fragten mich, ob ich Kopien von Ptech hätte.“ Singh berichtete, dass der Secret Service über die Software sprechen wollte, nicht über die Leute hinter Ptech. „Indira wollte Namen nennen, aber Charlie ließ sie nicht. ,Wir können die Leute hinter Ptech nicht untersuchen‘, sagte Charlie. ,Vertrauen Sie mir einfach, lassen Sie uns auf die Software konzentrieren.‘ Sie gaben keine Begründungen an, sie sagten nur ,wir können nicht.‘“ [52]

Singh brachte in ihrer Nacherzählung für From The Wilderness zum Ausdruck, dass es Zeitverschwendung sei, wenn man nicht über die Leute hinter Ptech reden könne, „denn mit einer Software wie dieser kann man jetzt keine Hintertüren finden.“ [53]

Womit sie letztendlich meinte, dass keinerlei Spuren darüber hinterlassen worden wären, welche Ptech-Software wofür und von wem an 9/11 genutzt wurde (wenn sie denn genutzt wurde). [54]

Zurück zu James Corbett. Er berichtet, dass in den Räumlichkeiten von Ptech Ende 2002 eine Razzia aufgrund der Verbindungen zu al-Qadi stattfand. Dies geschah im Zuge der Operation Green Quest, die von der Zollverwaltung angeführt wurde und mehrere Bundesbehörden beschäftigte. „Am gleichen Tag der Razzia“, so Corbett weiter, „erklärte der Pressechef des Weißen Hauses, Ari Fleischer, das Unternehmen und seine Software als sicher.  [55] Mainstream-Nachrichtenartikel verteidigten Ptech, nachdem die Geschichte öffentlich wurde, gaben jedoch ungeniert zu, dass das Unternehmen über die Razzia Wochen im Voraus informiert war, in der Hoffnung, dass die Leser vielleicht nicht merkten, dass dies völlig den Zweck einer solchen Razzia sabotiert oder Zweifel an ihren Ergebnissen aufkommen lässt. [56] Schließlich führte Michael Chertoff eine Bemühung an, dem FBI die volle Kontrolle über Green Quest zu geben, was Zollbeamte dazu brachte, ihn der Sabotage der Untersuchung zu bezichtigen.  [57] Es wurden keine Anklagen unmittelbar nach der Durchsuchung von Ptech gegen al-Qadi oder sonst jemand mit Bezug zum Unternehmen erhoben. Chertoff wurde später Leiter der Homeland Security.

Der 9/11-Kommissionsbericht erwähnt Ptech nicht. Angesichts der unglaublichen Informationen über dieses Unternehmen und seine Verbindungen zu Specially Designated Global Terrorist Yassin al-Qadi, ist das vielleicht überraschend. Diese überraschende Auslassung wird jedoch noch ominöser, wenn verstanden wird, dass der Co-Vorsitzende der 9/11-Kommission, Thomas Kean, $ 24 Millionen aus einem Land-Deal schöpfte, an dem die mit al-Qadi verknüpfte Organisation BMI beteiligt war.“ [58]

Im Juli 2009 eröffnete das Boston Field Office des FBI ein strafrechtliches Verfahren gegen zwei ehemalige Führungskräfte von Ptech: zum einen gegen Oussama Ziade, einstmals Ptechs CEO, und zum anderen gegen Buford George Peterson, einstmals Ptechs CFO und COO. Ihnen wurde zur Last gelegt, die Ermittler über den Umfang von al-Qadis Investitionen und Verbindungen zu Ptech angelogen zu haben. Ferner wurde Ziade vorgeworfen, den Versuch unternommen zu haben, Transaktionen durchzuführen, die al-Qadis Vermögen betrafen – eine Straftat, da al-Qadi zu jenem Zeitpunkt ein Specially Designated Global Terrorist war.

Die Vorwürfe gegen Peterson wurden im Mai 2012 fallengelassen. Ziade dagegen hatte sich in den Libanon abgesetzt. Al-Qadi, der nach Angaben von Sibel Edmonds zum Gladio B-Netzwerk gehört, verließ die USA kurz nach den 9/11-Anschlägen, um zuerst nach Albanien und danach in die Türkei zu gehen; heute lebt er unbehelligt in Großbritannien, nachdem er von den Schwarzen Listen der Schweiz, EU und Großbritannien entfernt und eine Zivilklage gegen ihn in den USA im September 2010 eingestellt worden war.

Ptech operiert nach wie vor in den USA, wenngleich seit 2004 unter neuem Namen – GoAgile. Laut dem damaligen CEO Oussama Ziade unterhielt Ptech/GoAgile zu der Zeit weiterhin Geschäftsbeziehungen mit US-Regierungsbehörden, einschließlich dem Weißen Haus.

Laut Informationen, die ich von Mike Ruppert erhielt, ist Indira Singh „vor Jahren tief untergetaucht”.

Lars Schall


 

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Autor: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: Weltkugel auf Tastatur – Thorben-Wengert / pixelio.de
  2. Indira Singh – http://cdn.historycommons.org
  3. Reynolds Weld Letter May 1985 – http://gizadeathstar.com/
  4. Danny Cosalero – http://en.wikipedia.org
  5. The Last Circle by Cherie Seymour – http://www.bibliotecapleyades.net/sociopolitica/last_circle/0.htm
  6. Datenkontrolle – Bernd Kasper / pixelio.de

 

Fußnoten:

  1. Zur PROMIS-Saga siehe insbesondere Cherie Seymour: “The Last Circle: Danny Casolaro’s Investigation into The Octopus and the PROMIS Software Scandal”, Walterville, TrineDay, 2011.
  2. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon: The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil”, New Society Publishers, 2004, Seite 153.
  3. Ebd., Seite 154 – 155.
  4. Ebd., Seite 170.
  5. Ebd, Seite 239.
  6. Vgl. Michael Kane: “Simplifying the Case against Dick Cheney”, veröffentlicht auf From the Wilderness am 18. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/011805_simplify_case.shtml
  7. Siehe “Treasury action smacks of arrogance, violates human rights, says Al-Qadi”, veröffentlicht auf Saudia Online, 14. Oktober 2001, unter: http://www.saudia-online.com/newsoct01/news30.shtml
  8. Vgl. Jamey Hecht: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I”, veröffentlicht auf From The Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  9. Vgl. Kevin Ryan: “Another Nineteen“, Microblum, 2013, Seite 59.
  10. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America“, University of California Press, 2007, Seite 175.
  11. Ebd., Seite 379.
  12. Jamey Hecht: „PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I“, veröffentlicht auf From the Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  13. Vgl. Michael Kane: “The Journey of a Wall Street Whistleblower”, veröffentlicht auf 911truth.org am 1. März 2005 unter: http://www.911truth.org/article.php?story=20050301231231793
  14. Siehe „Probten US-Regierung und Militär den Ernstfall?“, veröffentlicht auf Hintergrund am 11. Januar 2011 unter: http://www.hintergrund.de/201101111314/hintergrund/11-september-und-die-folgen/probten-us-regierung-und-militaer-den-ernstfall.html
  15. Vgl. “Context of ‘September 10, 2001: Military ‘Infocon’ Alert Level Reduced because of Perceived Lower Threat of Computer Attacks’”, unter: http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a091001infoconnormal
  16. Guy Lawson: “Octopus: Sam Israel, The Secret Market, and Wall Street’s Wildest Con”, New York, Crown Publishers, 2012, Seite 144.
  17. Vgl. Vgl. Elliott Richardson: “INSLAW’s ANALYSIS and REBUTTAL of the BUA REPORT: Memorandum in Response to the March 1993 Report of Special Counsel Nicholas J. Bua to the Attorney General of the United States Responding to the Allegations of INSLAW, Inc.”, veröffentlicht hier.
  18. Vgl. Lars Schall: “Follow the Money: The NSA’s real-time electronic surveillance of bank transactions”, 2. Februar 2014, unter: http://www.larsschall.com/2014/02/02/follow-the-money-the-nsas-real-time-electronic-surveillance-of-bank-transactions/
  19. Siehe Norman A. Bailey: “The Strategic Plan that Won the Cold War”, veröffentlicht unter: http://www.iwp.edu/news_publications/book/the-strategic-plan-that-won-the-cold-war
  20. Siehe Tim Shorrock: “Exposing Bush’s historic abuse of power”, veröffentlicht unter: http://www.salon.com/2008/07/23/new_churchcomm/
  21. Egmont R. Koch / Jochen Sperber: „Die Datenmafia – Geheimdienste, Konzerne, Syndikate: Computerspionage und neue Informationskartelle“, Rowohlt, 1995, Seite 66.
  22. Cherie Seymour: “The Last Circle”, a.a.O., Seite 41.
  23. Koch / Sperber: „Die Datenmafia“, a.a.O., Seite 46
  24. Ebd., Seite 45.
  25. Ebd., Seite 74.
  26. Vgl. ebd., Seite 43.
  27. Ebd., Seite 77 – 79.
  28. Ebd., Seite 107 – 108.
  29. Vgl. Kevin Ryan: “Another Nineteen“, a.a.O., Seite 277.
  30. Jamey Hecht: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR – Part I”, veröffentlicht auf From The Wilderness am 20. Januar 2005 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012005_ptech_pt1.shtml
  31. James Corbett: 9/11 and Cyberterrorism: Did the real “cyber 9/11″ happen on 9/11?, 17. Juli 2009, unter: http://www.corbettreport.com/articles/20090717_cyber_911.htm
  32. Vgl. hier.
  33. http://www.saudia-online.com/newsoct01/news30.shtml
  34. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a91qlimoney#a91qlimoney
  35. http://ustreas.gov/press/releases/po689.htm
  36. http://boston.fbi.gov/dojpressrel/pressrel09/bs071509.htm
  37. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a99alqadiptech#a99alqadiptech
  38. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a94ptechbmi#a94ptechbmi
  39. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a99alqadiptech#a99alqadiptech
  40. http://www.boston.com/news/daily/03/ptech.htm
  41. http://www.investigativeproject.org/documents/case_docs/81.pdf
  42. http://www.investigativeproject.org/documents/testimony/77.pdf
  43. http://www.frontpagemag.com/readArticle.aspx?ARTID=8245
  44. Vgl. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  45. Vgl. Michael Kane: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR PART II”, veröffentlicht unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/012705_ptech_pt2.shtml
  46. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  47. Vgl. Bonnie Faulkner: “Indira Singh , PTech and the 911 software”, Teil 2, auf Archive.org unter: https://archive.org/details/GunsNButterIndiraSinghPtechAndThe911SoftwarePt1Pt2
  48. Vgl. ebd.
  49. James Corbett: “9/11 and Cyberterrorism”, a.a.O.
  50. Ebd.
  51. Vgl. Michael Kane: “PTECH, 9/11, and USA-SAUDI TERROR PART II“, a.a.O.
  52. Ebd.
  53. Ebd.
  54. Vgl. ebd.
  55. http://www.forbes.com/2002/12/06/cx_ah_1206raid.html
  56. http://www.boston.com/news/daily/03/ptech.htm
  57. http://www.newsweek.com/id/58250/output/print
  58. http://www.insider-magazine.com/911Kean.pdf

Mit uns und der Welt ins Reine kommen

Verstreute Bemerkungen gegen apokalyptisches Fühlen, Denken und Handeln

von Lorenz Glatz

Vorstellungen von Zeit und Leben er-leben wir in unserem Alltag. Tag und Nacht, die Mondphasen, der Wechsel und die Wenden des Sonnenlaufs und der Jahreszeiten, das wiederkehrende Wachstum all dessen, wovon wir leben, aber auch die ständige Folge von Tod und Geburt in der lebendigen Natur einschließlich der Menschheit zeichnen uns ein Bild ewiger Wiederkehr. Diese kann sogar den einmaligen Lebenslauf eines menschlichen Individuums einschließen und tröstlich überhöhen – dann vielleicht, wenn hier ein Leben in Fülle Anfang und Ende verbindet, eines, in dem die unausweichlichen Schwierigkeiten und der unvermeidliche Kampf immer wieder zu Leichtigkeit und freundlicher Gemeinschaft zurückgefunden haben.

Möglich, dass das mit dieser Sicht korrespondierende Gefühl übergreifender, freier, unverzweckter Einheit miteinander und mit der Natur über Raum und Zeiten hinweg bis heute noch zugänglich ist. Wir kennen es vielleicht aus (Tag)Träumen, vielleicht auch von Augenblicken der Ekstase als ein „ozeanisches Gefühl“ (Romain Rolland). Freilich entspricht die pathologische Deutung von derlei Gemütszuständen als misslungene Grenzziehung zwischen Ich und Außenwelt (Sigmund Freud) weit eher der seit langem unter den Menschen herrschenden Wirk-lichkeit und Wirk-samkeit.

Die verwirklichte solche Abgrenzung ist die der Herrschaft von Menschen über sich selbst, über ihresgleichen und über die Natur, eine Trennung zwischen dominantem Ich und bloßem Instrument, eine des Menschen von sich selbst, von anderen Menschen und von der Welt. Es ist ein konträrer, wenn auch in den Rollen instabiler und schwankender Zusammenhang von Benutzern und Benutzten. Die Vorstellung von Zugehörigkeit, ja Geborgenheit von allem in allem ist ins Reich der Kunst, der Schwärmerei, des Irrationalen, des Nicht-Praktikablen verwiesen.

Dass der erpresste Nutzen jedoch nicht einmal dem jeweils herrschaftlichen Personal guttun muss, bleibt im Dunklen. Und erst recht die Vorstellung, dass die Unterwerfung der Natur, wie sie schon in den Mythen vom Kampf und Sieg des Herakles gegen Löwen, Eber, Schlangen, Amazonen und andere Ungeheuer besungen wird, kein Segen für die Menschheit ist.

Die Frontstellungen jener Trennungen sind immer in Bewegung, sie sind Kampflinien, die durch jeden einzelnen, zwischen allen Menschen und zwischen ihnen und der Mitwelt verlaufen, sie entwickeln eine gesellschaftliche und individuelle Dynamik von Durchsetzung und Unterwerfung. Diese Dynamik sprengt über kurz oder lang jeden Zyklus, gebärdet sich als stete Entwicklung, als dauernder Fortschritt. Unterdrückung und Widerstand, Kampf um Sieg und Niederlage, Vergewaltigung von allem, was als Natur gilt, sind von Beginn an die Verlaufsform.

In unserer Ecke der Welt beklagte der griechische Dichter Hesiod in seiner persönlichen Verzweiflung schon vor 2700 Jahren die Menschheit seiner Gegenwart als ein „eisernes Geschlecht“. Es sei eine Welt, in der zwischenmenschliche Bindungen, Verlässlichkeit und Aufrichtigkeit nichts gelten, nur Stärke und Erfolg zählen und der Schwache der Willkür des Stärkeren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sei.

Das Institut Herrschaft kann nur stabilisiert werden, wenn herrschaftliche Macht als im Namen von „Gerechtigkeit“ beschränkt und so als im Interesse aller Menschen ausgeübt darstellbar ist, wenn berechtigter Eingriff und Missbrauch unterschieden werden können. Zwar wird der subversive Gedanke, „Gerechtigkeit“ sei schlicht das, was der bestehenden Herrschaftsordnung entspricht und nützt, schon in der Antike formuliert (Thrasymachos bei Platon). Und doch rufen nicht erst seit Hesiod und bis heute Menschen diese Instanz „Gerechtigkeit“ und ihre himmlischen und hiesigen Hüter als ultima ratio an.

Herrschaft ist …

massaker caesareaFast drei Jahrtausende nach dem alten Lehrgedicht könnte nach all den Mutationen der Ordnung von gesellschaftlicher Dominanz der Blick darauf frei werden, dass funktionierende Herrschaft vor allem ein System über- und unpersönlicher Strukturen und Einrichtungen ist, auf der Formierung aller Menschen fußt und die fortgesetzte Praxis dieser Ordnung einfach lebensfeindlich ist. Trotzdem wird bis heute die Herrschaft im Rahmen ihrer Gerechtigkeit kritisiert, im Sinn einer für die Einen besseren Ordnung desselben Typs, die als Freiheit usw. ausgegeben wird. Dabei ist es Umgang mit sich selbst, mit den anderen und mit der Natur – es kommt drauf an, ihn zu verändern.

Auf dem Boden und im Horizont von Herrschaft lassen sich Gedanken und Vorstellungen von Erlösung, Rettung, Befreiung oder schlicht eines besseren Lebens nur als Rache und Bestrafung, als Ausweg zu Lasten der Anderen, der Bösen und Minderwertigen, kurz: als Gerechtigkeit formulieren. Es geht nicht um Entfaltung des Lebens, sondern darum, was sterben muss. Im abendländischen Europa ist dafür (weit mehr als im Osten) eine „apokalyptische“ Tradition, die sich an das Buch der „Offenbarung des Johannes“ der christlichen Bibel anschließt, zu einer verhängnisvollen Vorlage geworden.

Dort werden die Schandtaten der götzendienerischen und hurenden Mächtigen der Welt und aller ihrer Leute bis hinunter zu den Sklaven an den Heiligen und Gerechten, den christlichen Märtyrern, von den himmlischen Mächten und ihrem Gefolge gerächt. Schritt um Schritt werden Menschen, Tiere, Pflanzen und die Welt selbst von den Sternen oben bis zur Erde hinunter in dramatischer und grausamer Weise vernichtet. Die Seelen der Ermordeten fordern die Rache Gottes und feuern sie an, die Ältesten um seinen Thron lobpreisen ihn, „denn wahr und gerecht sind seine Gerichte“. Die widergöttlichen Mächte und Monster samt ihrem Anhang werden in brennendem Schwefel in alle Ewigkeit gefoltert, die Auserwählten herrschen im Tausendjährigen Reich und wohnen schließlich nach Endsieg und Jüngstem Gericht mit allen Gerechten bei Gott als seine ihm dienenden Knechte auf einer neuen Erde in einem vom Himmel herabgeschwebten, geometrisch vollkommenen, aus Gold und Edelstein gebauten Jerusalem. Die Seligkeit (der Rache) der Einen schreit nach der gerechten Verdammnis der Anderen. Michelangelos gewaltiges Gemälde vom Jüngsten Gericht in der Sistina ist dafür ein eindrucksvolles Zeugnis.

Der hier vorgezeichnete endzeitliche Kampf gegen die Christenheit drangsalierende Ungläubige schlug um in die reale Welt. Schon bei den Übergriffen von nunmehr der römischen Staatsreligion angehörenden Christen gegen verstockte Heiden. Die Ermordung und Zerstückelung der betagten alexandrinischen Philosophin Hypatia im Jahr 415 ist ein blutiges Beispiel.

Einen grausigen Höhepunkt fand solche Praxis in den Kreuzzügen, vor allem im siegreichen ersten. Zigtausende Leibeigene, Ausgestoßene, Leute aus Hungergebieten, auch ganze Familien folgten dem Ruf der Prediger und Hetzer. Die Scharen des Volkskreuzzugs, die sich 1096 als „Wallfahrt in Waffen“ auf den Weg machten, glaubten an ihre göttliche Sendung (Deus lo vult). Sie hofften auf die Vergebung aller Sünden, die sie schon begangen hatten und die sie noch begehen würden, als Lohn für ihren Einsatz für die Befreiung der heiligen Stätten von den gottlosen, mörderischen Heiden, die sie besetzt hielten. Sie verlangten von den Glaubensgenossen unterwegs Verpflegung und Unterstützung für die heilige Sache. Zögern und Weigern provozierte heiligen Zorn und Gewalt. In den Städten ihres Durchzugs kam es zu Pogromen und Massenmorden an den „gottlosen Juden“ und auch an Christen, die sich für sie einsetzten. Selbst Bischöfe und Fürsten, die ihre jüdischen Untertanen zu schützen strebten, kamen in Gefahr. Jerusalem erreichten diese Horden allerdings nicht, die letzten wurden schließlich von den Seldschuken in Anatolien aufgerieben, getötet oder in die Sklaverei verkauft.

Das weitaus besser gerüstete Ritterheer, das dem Zug der Habenichtse folgte, kämpfte sich siegreich durch zur heiligen Stadt und schlachtete dort nach Erstürmung der Mauern im Blutrausch alle Männer, Frauen und Kinder, ob Muslime, Juden oder Christen, deren es habhaft werden konnte. (Caedite eos! Dominus enim novit, qui sunt eius, wird diese Vorgangsweise später im Kreuzzug gegen die Albigenser heißen.) Herren und Trossknechte plünderten, was nur greifbar war, sogar in den Gedärmen der Ermordeten suchten manche nach Preziosen – und eilten dann, von frommem Schauder und Freude ergriffen, zu Gebet und Gottesdienst in die befreite Grabeskirche des Erlösers. Nächstenliebe und die gemeinsame Gotteskindschaft aller Menschen waren suspendiert, die Mission gegen das Böse und seine Brut entschuldigte, ja berechtigte Täuschung, Gewalt und Mord an denen, die ihr Menschsein verwirkt hatten. Und ließ Platz für frommen und freundlichen Umgang mit den Guten.

Die bisher größte historische Katastrophe dieser Konstellation von Fühlen, Denken und Handeln haben Menschen hingenommen, gutgeheißen, angerichtet, auf deren Straßen wir noch gehen, in deren Häusern und Wohnungen viele von uns logieren, von denen die heute Erwachsenen nicht wenige als Verwandte und Bekannte respektiert, ja gemocht haben. Das „tausendjährige Reich“ der Nazis ist eine wörtliche Entlehnung aus dem biblischen Buch. Der Gegensatz von Gläubigen und Ungläubigen hatte sich aber schon über die Konstruktion konkurrierender Nationen zum Kampf biologisch festgelegter Rassen von Herrenmenschen und Untermenschen und dämonischen Unmenschen ins Unausweichlich-Schicksalhafte verschärft.

Im Vernichtungskrieg gegen die slawischen Untermenschen, vor allem gegen die Sowjetunion, sollten diese Massen zur Rettung des Deutschtums „zertreten und abgestochen, abgeschlachtet werden“ (Heinrich Himmler). Auch der millionenfache Massenmord an den jüdischen Menschen Europas im Stil und in der Organisationsform einer Vertilgung schädlicher Insekten und tollwütiger Tiere wurde als „Ruhmesblatt“ der SS und der Polizei, der „rassischen Elite“, zur Rettung des „edlen Blutes“ gepriesen (wieder: Himmler) und von den beteiligten Helden auch so verstanden. Sie marschierten noch vor der industriellen Vergasung in den KZ hinter der Ostfront als disziplinierte Mörderbanden von Dorf zu Dorf und erschossen Aug in Aug mit ihren Opfern mehr als eine Million Babies, Kinder, Junge und Alte vor den Augen der noch auf den Tod Wartenden und mancherorts auch vor der zum Schauspiel angetretenen Bevölkerung samt Schulklassen. Bis das Treiben in Blut erstickt wurde, waren über 50 Millionen Menschen daran elendiglich verkommen.

… desaströs

Doch Strukturen sind zäh. Und elastisch. Die alte Ordnung der Herrschaft der Menschen über sich, die anderen und die Natur hat noch einmal einen Aufschwung genommen. In einer upgedateten Version forcierter, gegen alles andere als Geld blinder Verwertung der Welt und des menschlichen Lebens. Schon für den Sieg über die Barbarei wurden zuallerletzt noch Zehntausende in der Glut der ultimativen Menschheitsbombe geopfert. Die blieb uns erhalten und bedroht unser Leben mittlerweile auch in friedlicher Nutzung. Von den Starken wird demokratisch und humanitär gebombt, für die Menschenrechte gemetzelt. Massenhaft werden Verlierer produziert, die drinnen in der Festung mit Sozialarbeit, Polizei, Militär als einzelne, als Gruppen oder ganze Bevölkerungen notstandsverwaltet, die draußen als Sklaven genutzt, mit Almosen abgespeist, mit Mauern ferngehalten oder im Meer ersäuft, die Terroristen und schädlichen Diktatoren – wieder – mit „Kreuzzug“ (Bush II) überzogen. Die Hobbes’schen Wölfe verbeißen sich einzeln wie in Rudeln heillos ineinander, auf einem Planeten, der durch menschliches Tun zumindest für uns Säugetiere unbewohnbar zu werden droht. – Ohne dass die Guten, die Sieger eben, dann ein himmlisches Jerusalem noch belohnen würde (das nach der Schilderung bei Johannes aber auch nur ein steriles Luxus-Lager für die Knechte Gottes wäre).

Im biblischen Buch Exodus steht, dass Gott „die Schuld der Väter an den Kindern, Enkeln und Urenkeln“ ahndet. Die Geschichte dürfte jedoch weniger barmherzig sein: Die Taten der Ahnen prägen die Einstellungen, das Fühlen, Denken und Handeln ihrer Nachkommen so lange, bis diese sich dem stellen, was da in ihnen wirkt, und sich umzu-stellen beginnen: Wir wollen nicht uns selber, nicht einander und erst recht nicht die Natur beherrschen. Wir wollen miteinander leben, mit Einsicht und Rücksicht, mit Empathie und Sympathie. Das erst hieße einen neuen Weg bahnen. Erst dann, wenn wir damit etwas anfangen mögen, können wir darauf hoffen, dass ein Leben in solchem Umgang uns „Huld erweist bis ins tausendste Glied“.

Lorenz Glatz


Textquelle: Streifzuege-Team – Heft Nr. 61/2014

Bild- und Grafikquelle:

  • Beitragsbild: “Wir halten den Schlüssel zu unserer Welt in unseren Händen” – Caillea

Die Straße zum 3. Weltkrieg

von Tommy Hansen

Warum griffen die Vereinigten Staaten Lybien, den Irak, Afghanistan und Jemen an? Warum helfen Beauftragte der USA dabei, Syrien zu destabilisieren? Und warum sind die USA so darum bemüht, den Iran nieder zu ringen? Trotz der Tatsache, dass Iran seit 1798 kein einziges anderes Land angegriffen hat.

Wenn man sich mit den derzeitigen politischen Vorgängen beschäftigt, ergeben diese nicht den geringsten Sinn, wenn man sich mit ihnen im Rahmen der von uns allen in der Schule erlernten Kenntnisse befasst. Und erst recht ergeben sie keinerlei Sinn, wenn man sie im Licht der Propaganda der Mainstream-Medien betrachtet, die uns als Nachrichten verkauft werden.

Sie ergeben allerdings schon Sinn, wenn man die wirklichen Motive der derzeit herrschenden Kräfte kennt. Um diese Motive zu verstehen, müssen wir zunächst einen Blick zurück in die Geschichte werfen.

Im Jahr 1945 wurde mit dem Abkommen von Bretton Woods der Dollar als die Reserve-Währung der Welt festgelegt, was bedeutet, dass alle Handelsgüter zwischen den einzelnen Staaten in Dollar berechnet werden. Dieses Abkommen, welches den USA einen bedeutenden finanziellen Vorteil gewährte, wurde unter der Bedingung abgeschlossen, dass diese Dollar von den USA jederzeit zu einem festen Kurs von 35 Dollar pro Feinunze in Gold eingetauscht werden sollten. Die USA wiederum versprachen, nicht mehr Dollars herauszugeben, als über Gold-Reserven abgedeckt werden konnten. Diese Zusage basierte jedoch ausschließlich auf einem „Ehrenwort“, da die USA jegliche Audits oder Kontrollen über die von ihnen ausgegebene Geldmenge verweigerten.


Die USA drucken mehr Geld als durch Gold abgesichert
 ist

gold standardIn den Jahren bis 1979 wurde vielen Ländern klar, dass die USA mit ihren enormen Ausgaben im Vietnam-Krieg anscheinend viel mehr Geld druckten, als durch Gegenwert in Gold abgesichert werden konnte. Als Reaktion darauf begannen die ersten damit, ihre Dollar-Reserven in Gold umtauschen zu wollen. Natürlich verursachte dies einen zunehmenden Verfall des Dollar-Kurses. Die Situation spitzte sich im Jahr 1972 drastisch zu, als Frankreich seine Dollar-Bestände komplett in Gold ausbezahlt haben wollte und Präsident Nixon dies verweigerte.

Am 15. August gab er folgende Erklärung ab:

Die Verteidigung des Dollars„Ich habe den Finanzminister angewiesen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Dollar gegen Spekulanten zu verteidigen. Ich habe Minister Connally angewiesen, die Konvertibilität des Dollars gegen Gold oder andere Wertstoffe vorübergehend auszusetzen; ausgenommen davon sind lediglich Beträge oder Bedingungen, die den Interessen der Währungs-Stabilität oder den allgemeinen Interessen der Vereinigten Staaten dienen.“

Das war offenkundig nicht eine zeitweilige Aussetzung, wie er behauptete, sondern eher ein dauerhafter Standard. Und für die übrigen Staaten, die den USA vertraut hatten, war es nicht weniger als Diebstahl.

Im Jahr 1973 bat Präsident Nixon den König von Saudi-Arabien, Faisal, darum, ausschließlich den US Dollar als Zahlungsmittel für Öl zu akzeptieren und alle entstehenden Profite aus diesem Handel ausschließlich in US-Staatsanleihen oder Bargeld anzulegen. Im Gegenzug bot Nixon den dauerhaften militärischen Schutz für die saudischen Ölfelder und das ganze Land an.

OPEC 1975 mit im Boot


Öl Petrodollar Dollar PeakoilDasselbe Angebot wurde auf alle führenden Öl-exportierenden Länder ausgedehnt. Bis 1975 hatte jedes Mitgliedsland der OPEC zugestimmt, seine Öl-Exporte ausschließlich in US-Dollar abzurechnen. Der Akt, den Dollar vom Gold zu trennen und ihn im Gegenzug an fremdes Öl zu binden, zwang unverzüglich jedes Öl-importierende Land der Welt dazu, einen ständigen Nachfluss von FED-Papieren unterhalten zu müssen. Um diese Papiere zu erhalten, mussten sie allerdings ihre physischen Waren und Werte in die USA verkaufen.

Dies war die Geburtsstunde des Petrodollars.

Papier ging raus und alles, was Amerika benötigte, kam rein – und die Vereinigten Staaten wurden in der Folge reicher und reicher.

Es war der größte Finanzbetrug in der überlieferten Geschichte.

Das Wettrüsten des Kalten Krieges war wie ein Poker-Spiel. Die Militärausgaben waren die Chips, der Einsatz, und die USA hatten einen unendlichen Nachschub von diesen Chips. Mit dem Petrodollar im Gürtel waren die USA in der Lage, die Einsätze immer höher zu treiben und jedes Land auf dem Planeten zu überbieten, und im weiteren Verlauf überstiegen die Militärausgaben der USA soagr die aller anderen Länder zusammen genommen.

Die Sowjet-Union hatte nie eine Chance


Der Zusammenbruch des kommunistischen Blocks im Jahr 1991 zerstörte das letzte Gegengewicht der amerikanischen Militärmacht. Die Vereinigten Staaten waren nun die unbestrittene Supermacht ohne jeden Rivalen. Viele hofften, dass dieses einen Wendepunkt für eine neue Ära des Friedens und der Stabilität darstellte. Unglücklicherweise hatten diejenigen in hohen Ämtern jedoch andere Pläne. Im gleichen Jahr drangen die USA in den Irak ein während des ersten Golfkrieges. Und nachdem die Armee des Irak vernichtet und dessen Infrastruktur zerstört war, einschließlich der Wasserreinigungsanlagen und Hospitäler, wurden destruktive Sanktionen etabliert, die den Wiederaufbau der Infrastruktur verhindern sollten. Diese Sanktionen wurden von Präsident Bush senior eingeführt und während der gesamten Clinton-Amtszeit aufrecht erhalten, dauerten über ein Jahrzehnt lang an und durch sie wurden schätzungsweise mehr als fünfhunderttausend Kinder getötet; die Clinton-Administration war sich dieser Umstände vollständig bewusst.

500.000 tote Kinder waren „den Preis wert“


In einem Interview mit der Journalisten Lesley Stahl vom Sender CBS News tätigte Clintons Außenministerin Madelaine Albright folgende Aussage:

Lesley Stahl: „Wir haben gehört, das eine halbe Million Kinder gestorben sind. Das sind mehr Kinder als in Hiroshima gestorben sind. Wissen Sie, ist es diesen Preis wert?“

Madelaine Albright: “Ich denke, es war eine schwierige Entscheidung. Aber der Preis – ich denke, es war den Preis wert.“

Miss Albright, was genau soll der Gegenwert für den Mord an fünfhunderttausend Kindern gewesen sein? Im November 2000 begann der Irak damit, sein Öl ausschließlich nur noch gegen Euros zu verkaufen. Das war ein direkter Angriff auf den Dollar und die Dominanz der USA im Finanzwesen, und dieser Angriff sollte im weiteren Verlauf nicht toleriert werden. Als Antwort begann die US-Regierung, unterstützt von den Mainstream-Medien, eine massive Propaganda-Kampagne die vorrangig behauptete, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen und plane, diese auch einzusetzen. Im Jahr 2003 begannen die USA die Invasion des Irak, und unmittelbar nachdem die Kontrolle über die Öl-Verkäufe errungen worden war, wurden diese sofort wieder in Dollar abgerechnet. Dies ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Wechsel zum Dollar eine Profit-Einbuße von 15 bis 20 Prozent bedeutete, aufgrund der höheren Bewertung des EURO. Das macht wirklich überhaupt keinen Sinn, außer man berücksichtigt die Funktion des Petrodollar. In einen Interview gab General Wesley Clarke diesen Kommentar ab:

Gen. Wesley Clarke: „Ich sah ihn dann einige Wochen später wieder und mittlerweile bombardierten wir bereits Afghanistan und ich fragte ihn ‚Wollen wir immer noch einen Krieg im Irak führen?‘ Er sagte: ‚Oh, es ist viel schlimmer als nur das.‘ Er griff rüber auf seinen Schreibtisch, griff ein Schriftstück und sagte: ‚Ich habe dies gerade heute von oben bekommen‘ – damit meinte er das Verteidigungsministerium – ‚und dies ist ein Memo das beschreibt, wie wir 7 Länder in 5 Jahren einnehmen wollen, anfangend mit Irak, dann Syrien, Libanon, Lybien, Somalia, Sudan und zum Schluss Iran.‘ Blicken Sie doch mal zurück auf die Ereignisse des letzten Jahrzehnts und sehen, ob sie darin ein Muster entdecken. In Libyen war Gaddafi gerade dabei, einen Block afrikanischer Staaten zu organisieren und eine Gold-gedeckte Währung namens Dinar aufzubauen die den Dollar in der Region ablösen sollte.“

Die Streitkräfte der USA und der NATO halfen kräftig dabei, Libyen zu destabilisieren und seine Regierung im Jahr 2011 zu stürzen, und nachdem die Kontrolle über die Region übernommen war, exekutierten von der USA bewaffnete Rebellen kaltblütig Gaddafi und etablierten unmittelbar darauf eine libysche Zentralbank.

Der Iran hat aktiv schon einige Zeit lang dafür geworben, die Öl-Verkäufe nicht mehr in Dollar abzuwickeln und hat kürzlich Verträge abgeschlossen darüber, das Öl gegen Gold zu verkaufen. Als Antwort versucht die US-Regierung, wiederum unterstützt von den Mainstream-Medien, eine internationale Front für Militär-Einsätze zu gewinnen mit der Begründung, der Iran müsse vom Bau einer Nuklearwaffe abgehalten werden. In der Zwischenzeit haben sie Sanktionen gegen den Iran etabliert, von denen US-Offizielle offen zugeben, dass sie darauf abzielen, die iranische Wirtschaft zusammenbrechen zu lassen.

Syrien ist Irans engster Verbündeter und sie haben gegenseitige Verträge, die sie zu gegenseitigem militärischem Beistand verpflichten. Es handelt sich um Länder, die sich gegenwärtig im Prozess der Destabilisierung befinden, im Verbund mit der NATO, und obwohl Russland und China die USA dringend davor gewarnt haben, sich militärisch zu engagieren, hat das Weiße Haus im vergangenen Monat Aussagen getätigt, welche nahelegen, dass eben dieses militärische Engagement eine Option darstellt. Es sollte in diesem Zusammenhang klar sein, dass darunter nicht nur Optionen zu verstehen sind, sondern dass die Beschlüsse bereits gefasst sind.

Die diplomatische Tarnkappe


anonymus maskeGenau wie in Irak und Libyen schaffen die USA aktiv einen Kontext, der ihnen erlaubt, mit diplomatischer Tarnung genau das zu tun, was sie bereits im Vorfeld geplant haben. Das Motiv für diese Invasionen und getarnten Aktionen wird klar, wenn wir den gesamten Zusammenhang begreifen und die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbinden. Diejenigen, die die USA tatsächlich steuern, verstehen, dass, wenn nur einige wenige Länder damit anfangen, ihr Öl in anderen Währungen zu verkaufen, eine Kettenreaktion eintreten und der Dollar zusammenbrechen wird. Sie verstehen, dass der Wert des Dollars von absolut nichts anderem mehr abhängt als der Ölförderung, und der Rest der Welt weiß das auch. Aber anstatt diese Tatsache zu akzeptieren, dass der Dollar am Ende seiner Lebenszeit angelangt ist, sind diese herrschenden Kräfte eine kalkulierte Wette eingegangen.

Sie haben sich dazu entschieden, mit brutalster militärischer Kraft jeden Hauch von Widerstand im Mittleren Osten oder in Afrika vollständig zu vernichten. Das allein ist schon schlimm genug, aber was man verstehen muss ist, dass man mit dem Iran noch nicht am Ende angekommen sein wird. China und Russland haben öffentlich und unmissverständlich klargemacht, dass sie direkte Angriffe auf den Iran und Syrien nicht hinnehmen werden. Der Iran ist einer ihrer wichtigsten Verbündeten, eines der letzten unabhängigen Öl-Förderländer in der Region.

Und sie haben verstanden, dass, wenn der Iran fällt, ihnen keinerlei Möglichkeit mehr bleibt dem Druck des Dollar zu entkommen, ohne einen Krieg zu führen. Und dennoch erhöhen die Vereinigten Staaten den Druck trotz aller Warnungen.

Was wir hier beobachten ist ein Kurs der direkt ins Undenkbare führt. Es ist ein Kurs der bereits vor Jahren durchgeplant wurde, unter vollständiger Berücksichtigung der Konsequenzen für die Menschheit.

Aber wer war es, der uns auf diesen Kurs geführt hat?

Welche Art von Psychopathen ist bereit, absichtlich einen weltweiten Konflikt zu schüren, der zu Millionen von Toten führen wird, nur um den Wert einer Papiergeld-Währung zu schützen?

Offenkundig ist es nicht der Präsident der USA. Die Entscheidung, in Libyen, Syrien und dem Iran einzumarschieren, wurde lange vor dem Zeitpunkt getroffen, als Obama in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Und dennoch führt er pflichtgemäß die ihm gestellten Aufgaben genauso aus wie die Marionetten, die ihm voran gingen. Also wer ist es, wer führt die Fäden?

Meistens werden die besten Antworten auf Fragen dieser Art gefunden, wenn man eine andere Frage stellt: Cui bono? Wer profitiert davon?

Offensichtlich sind diejenigen, welche die Macht haben, den Dollar aus nichts als Luft zu schaffen, wohl auch diejenigen, die am meisten zu verlieren haben wenn der Dollar kollabieren würde. Seit 1913 liegt diese Macht in den Händen der Federal Reserve.

Die FED ist Privateigentum


Die Federal Reserve ist eine private Körperschaft, die im Besitz eines Konglomerats der mächtigsten Banken der Welt ist. Und die Männer, die diese Banken kontrollieren, sind diejenigen die die Fäden führen. Für sie ist das nichts als ein Spiel. Ihr Leben und das Ihrer Lieben sind lediglich Bauern auf ihrem Schachbrett, und wie ein verwöhnter Vierjähriger, der das Schachbrett auf den Boden wirft, wenn er merkt, dass er verliert, sind diese Kräfte bereit, den dritten Weltkrieg zu beginnen, um die Kontrolle über das weltweite Finanzsystem zu behalten.

Erinnern Sie sich daran, wenn die laufenden Kriege sich ausdehnen und beschleunigen. Erinnern Sie sich daran, wenn der Sohn Ihres Nachbarn oder Ihr eigener in einem mit einer Fahne bedeckten Sarg nach Hause kommen. Erinnern Sie sich daran, wenn sie den Finger auf einen neuen Schwarzen Peter richten. Die Verrückten, die diese Show veranstalten, werden so weit gehen, wie Sie es zulassen.

Also: wieviel Zeit haben wir noch?


Das ist eine Frage, die ich immer wieder höre. Aber es ist die falsche Frage.

Diese Frage zu stellen, ist eine passive Herangehensweise. Es ist die Haltung eines Gefangenen der darauf wartet, zum Graben geführt und in den Hinterkopf geschossen zu werden.

Wie stehen unsere Chancen? Können wir den Kurs ändern? Auch die falschen Fragen.

Die Chancen spielen keine Rolle mehr


Glück der ErdeDie Chancen spielen keine Rolle mehr. Wenn Sie verstehen, was uns bevorsteht, dann haben Sie eine moralische Verpflichtung, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, um den jetzigen Kurs zu ändern, unabhängig von Ihren Chancen. Nur wenn Sie damit aufhören, Ihr Engagement von Ihren Chancen abhängig zu machen, kommt ein Erfolg überhaupt erst in den Bereich des Möglichen.

Den Finanzeliten ihre unrechtmäßig ergaunerte Macht zu nehmen und diese kriminellen Kartelle vor ordentliche Gerichte zu bringen erfordert nichts weniger als eine Revolution und unsere Regierungen werden uns nicht retten. Sie sind von den Eliten vollständig durchsetzt und korrupt bis ins Mark. Ihnen eine Lösung des Problems zuzutrauen ist schlicht naiv.

Es gibt drei Stufen der Revolution und sie folgen aufeinander. Stufe 1 hat bereits begonnen.

Ideologischer Widerstand


Stufe 1 ist der ideologische Widerstand. Auf dieser Stufe müssen wir so viele Menschen wie irgend möglich aufwecken und darüber aufklären, was tatsächlich passiert und ihnen die Richtung aufzeigen, die wir einschlagen. Alle Revolutionen basieren auf einem Wechsel des Bewusstseins der Bevölkerung und kein wirklicher Widerstand ist ohne diesen Wechsel möglich. Der Erfolg dieser Stufe kann durch die Ansteckung durch diese Ideen gemessen werden. Wenn Ideen eine kritische Masse erreichen, verbreiten sie sich von selbst und durchdringen alle Schichten der Gesellschaft. Um diese Ansteckung zu erreichen benötigen wir mehr Menschen in diesem Kampf. Wir brauchen mehr Menschen, die öffentlich sprechen, Videos machen. Artikel schreiben und alles tun, um diese Ideen und Informationen auf nationaler und internationaler Ebene zu verbreiten, und insbesondere müssen wir die Menschen in den Polizeikräften und im Militär erreichen.

Ziviler Ungehorsam


Stufe 2 ist der zivile Ungehorsam, besser bekannt als gewaltfreier Widerstand. Auf dieser Stufe stecken Sie Ihr Geld in Ihren Mund, oder genauer gesagt, entziehen Sie Ihr Geld und Ihrem Gehorsam Ihrer Regierung, und tun Sie alles in ihrer Kraft stehende, um das Getriebe des Staates zu blockieren. Als Massenbewegung hat diese Methode oft genug Regimes zur Aufgabe gezwungen. Aber wenn Sie auf dieser Stufe nichts bewirken können, wird die Stufe 3 unasuweichlich.

Physischer Widerstand


Stufe 3 ist direkter physischer Widerstand. Dieser ist die die letzte Zuflucht und sollte so lange wie möglich vermieden oder hinausgezögert werden, und sollte auch nur bemüht werden, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten vollständig ohne Erfolg ausgereizt wurden.

Es gibt Menschen, die ein großes Wort führen und behaupten, sie würden diesen physischen Widerstand leisten, wenn die Zeit dafür reif sei, aber was diese Menschen nicht erkennen ist, dass man dabei versagen wird, ohne die ersten beiden Stufen durchlaufen zu haben.

Als die Nazis von Tür zu Tür gingen und Leute in ihren Häusern verhafteten, wäre die Zeit dafür gewesen, physischen Widerstand zu leisten, aber durch das Fehlen des ideologischen Widerstands und des zivilen Ungehorsams bis zu dieser Eskalation, wäre zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich sogar ein bewaffneter Aufstand zum Scheitern verurteilt gewesen. Ein bewaffneter Aufstand kann nur Erfolg haben, wenn die Menschen bereits ein Bewusstsein des aktiven Widerstands entwickelt haben, und aktiver Widerstand ist nur möglich, wenn ihre Gedanken sich bereits vollständig von der Mainstream-Propaganda gelöst haben.

Wenn Sie kämpfen wollen: jetzt oder nie. Sie werden keine weitere Chance bekommen!

Tommy Hansen


Autor Tommy Hansen lebt in Dänemark, arbeitet seit Jahren auf dem Gebiet der 9/11-Forschung und hat sich als Jounalist und freier Autor einen internationalen Ruf erarbeitet. Dafür hat er einen hohen Preis bezahlt. Seine Familie brach den Kontakt ab, er wurde zum Einsiedler und lebte lange zurückgezogen im Wald. All das hat ihn aber nicht vom eingeschlagenen Kurs abgebracht. Tommy Hansen ist ein investigativer Journalist aus dem Bilderbuch. Er hat die freie Presse als das verstanden, was sie ist: Das Immunsystem der Demokratie.

Textquelle: Tommy Hansen – http://free21.org – zum Originalartikel (englisch)

Übersetzung: Haimo Grebenstein – Mitglied des Reflektion-Teams

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: Comfreak / http://pixabay.com
  2. Goldstandard – Goldstockbull.com
  3. Petrodollar – dailyreckoning.com
  4. Die Maske – Martin Mißfeldt / images.tagseoblog.de
  5. Glück der Erde – Thorben Wengert  / pixelio.de

Dank von uns an Tommy Hansen und auch seinen Freund Lars Schall für die Informationen und für das große Engagement!

Veränderung der globalen Kräfteverhältnisse

– ökonomisch, politisch, militärisch

von Conrad Schuhler / Vorsitzender des isw (Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V.)

Wir erleben derzeit mehrere Prozesse weitreichender Umgestaltung in der weltpolitischen Kräfteverteilung. Zum einen entwickelt sich ein neuer „Block“ von Entwicklungs- und Schwellenländern, angeführt von den sog. BRICS-Staaten (B = Brasilien, R = Russland, I = Indien, C = China, S = Südafrika), gegen die alten Metropolen USA, Europa und Japan. Zum anderen streben diese alten Metropolen der G7-Staaten zu neuen Formierungen ihrer wirtschaftlichen Kraft, wie sie sich in TTIP (Transatlantische Handels- und Investitions-Partnerschaft) und TPP (Transpazifische Partnerschaft) ausdrücken.

Dieser Anspruch auf anhaltende und auszubauende Dominanz wird koordiniert und befeuert durch die USA, die wie in den Zeiten der früheren System-Konfrontation den Anspruch auf die führende Rolle in der Weltwirtschaft und Weltpolitik erheben. Präsident Obama in seiner jüngsten außenpolitischen Grundsatzrede in Westpoint: „There is something in the American character that will always triumph… I believe in American exceptionalism with every fiber of my being.” (Da gibt es etwas im amerikanischen Charakter, das immer triumphieren wird … Ich glaube an das Amerikanische Auserwähltsein mit jeder Faser meines Wesens.) Seine Schlussfolgerung: „America must always lead on the world stage.” (Amerika muss auf der Weltbühne stets führen.)

Griff nach der WeltSchauen wir uns zunächst die Entwicklung des globalen Kräfteverhältnisses während der letzten Jahrzehnte an. Nach dem 2. Weltkrieg stand der von den USA dominierte Block des Westens dem „sozialistischen Weltsystem“ gegenüber. Der Westen entschied diese Systemkonkurrenz zu seinen Gunsten, sowohl ökonomisch-politisch als auch ideologisch. Francis Fukuyama schrieb 1992 sein Buch „Ende der Geschichte“, wo konstatiert wurde, dass die Frage Kapitalismus oder Sozialismus ein für alle Mal entschieden sei – zum Kapitalismus gäbe es keine sinnvolle Alternative mehr, daher das „Ende der Geschichte“.

Diesen Sieg trug damals ein Kapitalismus davon, der sich entscheidend vom Nachkriegskapitalismus 1945 bis rund 1975 unterschied. Es handelte sich um den neoliberalen Kapitalismus, der als Devise die Globalisierung ausgerufen hatte. In der „sozialen Marktwirtschaft“ oder dem „Fordismus“, der bis Mitte der Siebziger Jahre die Imperative für die kapitalistischen Regimes geliefert hatte, stand die Ausweitung der inländischen Massennachfrage als Voraussetzung des Wachstums von Produktion und Profiten im Vordergrund. Mit dem Neoliberalismus gab es eine neue zentrale Größe, nach der man sich zu richten hatte: den Weltmarkt. Für ihn, den angeblich unbegrenzten, wurde nun produziert. Man brauchte national die weltweit besten Standards in Sachen Arbeitsleistung, Arbeitslohn, Besteuerung von Gewinnen, Einkommen und Vermögen, um im weltweiten Wettbewerb zu obsiegen.

Würden in einer Gesellschaft diese Kriterien ungenügend beachtet, dann würden die Investoren weiterziehen, in eine andere Nation, die profitablere Bedingungen anbot. Die Entwicklung der Nachrichten- und Transporttechnik machte diese Strategie perfekt möglich. Die globale Wertschöpfungskette wurde die beherrschende Produktionsform in der Weltwirtschaft. Heute sind 80 % des grenzüberschreitenden weltweiten Handels auf Lieferungen der Transnationalen Konzerne im Rahmen ihrer globalen Wertschöpfungsketten zurück zu führen.

Damit aber kam es zu einer Verschiebung der wirtschaftlichen Schwerpunkte in den verschiedenen wirtschaftlichen Regionen der Welt. Die alten Metropolen USA/Europa/Japan, die sog. Triade, die sich eine Weile als Sieger der Geschichte gefühlt hatten, mussten feststellen, dass ihnen im Rahmen der Globalisierung neue Gegenspieler entgegen traten: die große Zahl der Entwicklungsländer und vor allem: die Schwellenländer, nach den Anfangsbuchstaben gerne die BRICS-Länder genannt. Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika.

Globale Neuentwicklung Anteile von G7 und BRICS am Welt- BIP in Prozent Suedafrika Brasilien Russland China Indien TTIP TPP UNDP ISW

Die Grafik zeigt, dass der Anteil der G7-Staaten  – die alten Metropolen – am Welt-BIP von 66,4 % im Jahr 2000 auf 46,4 % im Jahr 2013 zurück gegangen ist, während der Anteil der BRICS-Staaten im selben Zeitraum von 8,6 % auf 21,5 % gestiegen ist. Die USA erlebten einen Rückgang von 30,7 % auf 22,7 %; Japan schrumpfte von 14,7 % auf 6,6 %, Deutschland ging von 6,0 % auf 4,9 % zurück. Der größte Gewinner war China, das seinen Anteil am Welt-BIP in den letzten 13 Jahren fast vervierfachte. Russland konnte ihn verdreifachen.

Nach Kaufkraftparitäten konnten die G7-Staaten 2000 300 % mehr als die BRICS-Länder aufbringen, 2013 waren es nur noch 25 % mehr.

Das UNDP, United Nations Development Program, schätzt diese Entwicklung so ein: „Der Aufstieg des Südens hat sich in beispielloser Geschwindigkeit und in  einem nie gekannten Ausmaß vollzogen. Nie zuvor in der Geschichte haben sich die Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten so vieler Menschen so dramatisch und so schnell geändert.“

Und die Entwicklung wird so weiter gehen. China meldet für das laufende Jahr ein Wachstum von 7,5 %, während sich ein solches in den meisten G7-Ländern, wenn es denn überhaupt ein positives geben sollte, zwischen Null und Eins bewegt.

Diese Verschiebung der Proportionen im internationalen wirtschaftlichen Kräfteverhältnis hat bereits zu einschneidenden Veränderungen in der Global Governance, im Gefüge der weltwirtschaftlichen Kooperation, geführt. Angeführt von den BRICS-Ländern haben sich die Entwicklungs- und Schwellenländer in der WTO den Versuchen der alten Metropolen widersetzt, die weitere „Liberalisierung“ von Handel und Investitionen im Weltmaßstab zugunsten der Industrieländer zu akzeptieren. Seit der WTO-Konferenz in Doha 2001 treten alle diese Vorhaben auf der Stelle. Nun haben die BRICS-Länder noch nachgelegt. Mitte Juli 2014 haben sie in Brasilien beschlossen, bis 2016 einen eigenen Fonds für Devisenreserven und eine eigene Entwicklungsbank mit einem Startkapital von 50 Milliarden Dollar zu gründen. Damit bilden sie ein Gegengewicht zu IMF (Der Internationale Währungsfonds IWF; englisch International Monetary Fund, IMF; auch bekannt als Weltwährungsfonds) und Weltbank. In der Zielrichtung geht es um eine eigene, den Dollar konterkarierende inter-nationale Währung und um die Mobilisierung von Mitteln für eigene Entwicklungsvorhaben der BRICS-Länder. Der Kampf in der Weltwirtschaftspolitik wird intensiver und auch konfliktreicher.

Ein Hauptgrund für die wachsende Konflikt- und Kriegsgefahr kommt der Handelspolitik der alten Metropolen zu, die mit rabiatem Handelsimperialismus zu beschreiben ist. Im Mittelpunkt steht heute der Versuch, mit den Handels- und Investitionsabkommen TTIP transatlantisch und mit TPP transpazifisch sich zu rüsten für die globale Wirtschaftsschlacht. Wobei die Schlacht durchaus ins Militärische übergreifen könnte, wie sich schon an Hillary Clintons Wortprägung von TTIP als „ökonomischer Nato“ ablesen lässt.

TTIP und TPP sind der Versuch, die immer noch dominante, wenn auch bröckelnde Stellung der alten Metropolen zu festigen und auszubauen. Das Machtpotential ist in der Tat gewaltig.

TTIP Weltniveau Weltanteile BIP UNCTAD BRICS Brasilien Indien China Russland Suedafrika Weltbank Kaufkraft Investitionen Exporte Importe IWF

Zusammengeführt werden 18 % der Weltbevölkerung, die 61 % des Welt-BIPs produzieren, 65 % aller Investitionen tätigen und 47 % aller Exporte. Das Scharnier und das politische Zentrum des neuen Welt-Blocks bilden die USA, die im Pazifik und Atlantik die weitaus größte nationale Macht sind. Es ist das erklärte Ziel, mit Hilfe der in diesem globalen Wirtschaftsblock gesetzten Standards die Dominanz über das gesamte globale Wirtschaftsgeschehen zu gewinnen.

Nun ergeben sich hier einige Fragen zu der Annahme, wir hätten es mit einer „neuen Block-Konfrontation“ zu tun, nicht mehr West gegen Ost, sondern alte Metropolen versus BRICS.

1. Wenn wir es mit  globalen Wertschöpfungsketten als dem dominanten Typus der Transnationalen Konzerne zu tun haben,  was sagen dann diese Konzerne zu dem Hochziehen von Block-Grenzen? Lassen sie das zu, fördern sie es sogar?

2. Die Export-Import-Strukturen, die globalen Finanzmärkte und die globalen Input-Output-Rechnungen belegen eine enge Verwobenheit der nationalen Volkswirtschaften. Wie verträgt sich dies mit einer neuen Block-Bildung?

Zu 1) der Rolle der TNK (Transnationale Konzerne).  Ohne Frage wäre es den TNK lieber, sie hätten eine globale Investitions- und Handelspolitik nach ihren Bedürfnissen. Dies aber ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der WTO derzeit nicht durchsetzbar. In der WTO gilt, im Gegensatz zu IMF und Weltbank, wo die Einlagen ein Übergewicht der alten Metropolen festlegen, das Mehrheitsprinzip – ein Land, eine Stimme. Die Entwicklungs- und BRICS-Länder haben sich längst in eine Veto-Position gebracht.

Deshalb beschreiten die USA und ihre Partner im Atlantik- und Pazifik-Raum diesen Umweg über TTIP und TPP. Sie tun dies nicht nur mit Zustimmung der TNK, sondern im wesentlichen unter deren Diktat. Während die Öffentlichkeit inkl. der Parlamente von den Geheimverhandlungen über die neuen Verträge ausgeschlossen bleiben, gehören die Vertreter der TNK sowohl bei TTIP wie bei TPP zu den Machern – sie sind im Vorfeld und bei den Verhandlungen selbst zugegen. Sie sollen durch die Verträge zu Subjekten des Völkerrechts werden, können Staaten, die sich auf profitmindernde Gesetze und Verordnungen einigen, vor privaten Sonder-Schiedshöfen auf Schadenersatz verklagen.

Zwar ist die globale Verwobenheit der Volkswirtschaften und die Internationalisierung der TNK in der Tat sehr hoch, doch ist die ökonomische Verflechtung und kapitalmäßige Durchdringung zwischen den USA und der EU besonders eng. Nach Javier Solanas, dem ehemaligen „Außenminister“ der EU, sind die amerikanischen Investitionen in Europa dreimal höher als die in Asien. Die europäischen Investitionen in den USA betragen das Achtfache derjenigen in China und Indien zusammen.

TTIP Transatlantisches Freihandelsabkommen

Nimmt man dazu den politischen Zugriff der TNK auf die politischen Apparate, dann wird klar, warum die TNK diesen Weg über TTIP und TPP nehmen, um ihr Diktat möglichst global durchzusetzen. Denn während die USA nicht zu denken sind ohne Wall Street und die TNK, und EU-Europa an der kurzen Leine von TNK und Groß- und Investmentbanken gehalten wird, sind die politischen Regime in den BRICS-Staaten weiter weg von der Kommandogewalt der TNK. Vor allem die beiden größten, China und Russland, entwickeln sich als „sozialistische Marktwirtschaft“ oder als staatlich gelenkte Oligarchie, zum Teil außerhalb des direkten Einflussbereiches der TNK.

Konkurrierende politische Systeme sind für die TNK in der Global Governance nichts Neues. Sie sind im Gegenteil Bestandteil eines globalen Systems, in dem man die politischen Einheiten gegeneinander antreten lässt in der Konkurrenz um globale Investoren. Die Frage allerdings ist, wie weit die TNK zulassen können oder wollen, dass sich in Zonen der Weltwirtschaft Herrschaftssysteme durchsetzen, die sich den Imperativen des globalen Kapitalismus widersetzen.. Dass dies nicht geschieht, ist ein wichtiges Motiv hinter der Herstellung eines dominanten weltwirtschaftlichen Blocks vom Atlantik bis zum Pazifik.

Zu 2) Was die Weltwirtschaft anlangt, wusste schon Tucholsky, so ist sie verflochten.

Europas wichtigste Handelspartner USA Schweiz China Russland Importe Exporte BRICS Weltbank BIP Weltwirtschaft Staatspapiere IWFEuropa exportiert Waren im Wert von 288 Milliarden Euro nach den USA, aber allein für 148 Milliarden nach China und für 120 Milliarden nach Russland. China und Russland sind als Exportmärkte für Europa also in derselben Dimension wie die USA. Bei den Importen wird dies noch klarer. Europa importiert aus den USA Waren im Wert von 196 Milliarden Euro, aus China hingegen im Wert von 280 Milliarden und aus Russland im Wert von 207 Milliarden Euro. Die Importe aus China und Russland sind also um das 2 ½ fache höher als die aus den USA.

Dazu gehört als nächstes die Tatsache, dass der größte Gläubiger der hochverschuldeten USA China ist, das über 2 Billionen Dollar an Staatspapieren der USA hält. Würde China seine US-Papiere auf den Markt werfen, wären die USA von einem auf den andern Tag pleite. Allerdings wären die Chinesen auch um viele hunderte Milliarden Dollar ärmer. Was uns zu der Schlussfolgerung führt: Die Nationen der Weltwirtschaft, insbesondere die stärksten unter ihnen – die alten Metropolen wie die BRICS-Länder – sind in einem so hohen Maß miteinander verflochten, dass ein Großkonflikt, insbesondere ein militärischer, eher unwahrscheinlich ist. Das heißt aber nicht, dass in dem Gefüge von „Konflikt und Kooperation“ nicht scharfe, auch bewaffnete Konflikte um den Vormarsch der einzelnen Blöcke möglich sind.

Die Auseinandersetzungen in der Ukraine beweisen, dass der frühere „Westen“, die Nato-Staaten, das Roll-Back des Gegners Russland zur Richtschnur ihrer Strategie in der eurasischen Region gemacht haben, im Zweifel auch mit militärischen Mitteln und unter Zuhilfenahme faschistischer Partner in den umkämpften Regionen. In den 24 Jahren seit der Wende 1990 sind zehn ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten zu NATO-Mitgliedern gemacht worden, dazu noch Slowenien und Kroatien. Im Fall der Ukraine hat sich Russland erstmals ernsthaft gegen eine weitere Ost-Ausdehnung von EU und NATO zur Wehr gesetzt. Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer: „Die Europäer stehen jetzt mit schreckgeweiteten Augen vor der Tatsache, dass es sich bei der EU eben nicht nur um eine bloße Wirtschaftsgemeinschaft handelt, sondern um einen machtpolitischen Akteur, eine politische Einheit mit gemeinsamen Werten und Sicherheitsinteressen. Die strategischen und normativen Interessen Europas haben sich mit Macht zurückgemeldet.“ Fischers abschließende Empfehlung: „Europa, bleibe hart!“

Die NATO, Europa und die USA, sind entschlossen, die Auseinandersetzung auf dem „Eurasischen Schachbrett“, wie der frühere US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński das Gebiet nannte, mit aller Härte zu führen und der frühere deutsche Außenminister Fischer lässt wissen, dass eine Wirtschaftsgemeinschaft immer auch ein machtpolitischer Akteur ist, der seine „strategischen und normativen Interessen“ durchzusetzen habe.


Die Militärpolitische Lage

In seinem letzten Jahrbuch hat das SIPRI für 2013 folgende Haupt-Tatsachen vermeldet: Die globalen Militärausgaben sind längst wieder auf und sogar über dem Niveau zur Zeit der Systemauseinandersetzung zwischen Ost und West.

Weltweite Militärausgaben 1988 – 2013

Weltweite Militaerausgaben USA Ruestungsexporte Waffenhandel Ruestungsausgaben Russland Warschauer Pakt NATO Zbigniew Brzezinski

Meldungen über Rückgänge sind de facto irreführend. Seit 2009 verharren die globalen Militärausgaben auf dem Rekordniveau um 1,8 Billionen Dollar.

Die 15 Länder mit den höchsten Militärausgaben 2013

Weltweite Militaerausgaben 15 USA Ruestungsexporte Waffenhandel Ruestungsausgaben Russland Warschauer Pakt NATO Zbigniew Brzezinski

Wie die Tabelle zeigt, entfallen fast vier Fünftel der globalen Ausgaben auf 15 Länder. Mit weitem Abstand stehen die USA an der Spitze – auf sie kommen allein 37 % der Welt-Militärausgaben. Das viermal an Einwohnern größere China, das an zweiter Stelle steht, weist nicht einmal ein Drittel der Stärke der USA auf.

Alle Einschätzungen von Veränderungen müssen im Rahmen dieser drückenden Überlegenheit der USA gewichtet werden. Der Westen außerhalb der USA hat seit 2004 an militärischer Stärke verloren. Während die USA um 12 % zugelegt haben, sind die Ausgaben in Frankreich, in Großbritannien und in Italien zurückgegangen. Nur in Deutschland sind sie gestiegen, um 3,8 %. Dies war auch im letzten Jahr der Fall. Deutschland ist hier vom neunten auf den siebten Platz in der Rangliste der Staaten mit den höchsten Militärausgaben vorgerückt. Begleitet wird diese Aufrüstung durch eine intensive Propaganda tragender politischer Parteien und Figuren, dass Deutschland international militärisch mehr tun müsse und seine angeblich bisher praktizierte zurückhaltende Rolle aufgeben müsse. Der Außenminister erklärte, Deutschland müsse bereit sein, sich außen- und sicherheitspolitisch früher, entschiedener und substanzieller einzubringen, dürfe sich nicht in Empörungsrhetorik erschöpfen und wolle und werde Impulsgeber sein für eine gemeinsame europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Entsprechendes äußerten Bundespräsident Gauck und Verteidigungsministerin von der Leyen und steht auch im Koalitionsvertrag der Großen Koalition.

Deutschland ist also militärisch ein Anheizer der sich gefährlich zuspitzenden internationalen Konflikte, so wie es als Exportüberschussweltmeister der größte Störenfried im internationalen Wirtschaftsgefüge ist.

Dass die deutschen Halali-Fanfaren jetzt zum Angriff blasen, geschieht mitten in einem militär-politischen Umbruch, der dem veränderten wirtschaftspolitischen Gefüge folgt. Die BRICS-Länder erhöhen ihre Militäretats weitaus schneller als der alte Westen. In den letzten 10 Jahren hat China seinen Militäretat um 170 % erhöht, Russland um 108 %, Brasilien um 48 %, Indien um 45 % – ein Vielfaches der Wachstumsraten der West-Militärhaushalte. Das Wachstum der Militärausgaben entspricht in der Regel dem wirtschaftlichen Wachstum der BRICS-Staaten. So ist der Anteil der Militärausgaben am BIP in der Regel gleich geblieben.

BRICS 2014 Dilma Rousseff Brasilien Manmohan Singh Indien Vladimir Putin Russland Xi Jinping China Jacob Zuma Suedafrika Fortaleza Entwicklungsbank Schwellenlaender

Sind die Anteile am BIP gleich geblieben, so ist das Volumen an Waffen- und Truppenstärke enorm gewachsen. Die militärische Offensivstrategie, wie sie in der Nato v.a. von den USA und Deutschland forciert wird, trifft mithin auf einen stärkeren Gegner im Weltmaßstab, der sich mit seinem wirtschaftlichen Wachstum auch weiter militärisch stärken wird.

Diese hochgefährliche Konfrontation wird noch schärfer, wenn man die Atomwaffen in die Rechnung mit einbezieht. Von den 16.300 Atomwaffen, die Anfang 2014 von SIPRI gezählt wurden, entfällt mehr als die Hälfte auf die BRICS-Länder Russland (allein 8000), China und Indien. Dieses „Gleichgewicht des Schreckens“ ist aber keine Garantie, dass ein zugespitzter Kampf der Wirtschaftsblöcke stehen bleibt bei regionalen Konflikten, die durch Eingreiftruppen, Drohnen u.ä. gewonnen werden könnten.

In Lateinamerika haben sich seit 2004 die Militärausgaben um 58 %, in Zentralamerika und der Karibik um 94 % erhöht; in Afrika um 81 %;  in Asien und Ozeanien um 62 %; im Mittleren Osten um 56 %.  Die Welt rechnet mit militärischen Überfällen aus den alten Metropolen und auch mit der notwendigen militärischen Sicherung gegen etwaige demokratische Erhebungen. So hat Saudi Arabien seinen Militäretat in den letzten 10 Jahren um 118% erhöht, auf jetzt 9,3 % des BIP, dem weltweit höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt.

Der Hauptpunkt in der Wertung der Gefahren im Rahmen der weltpolitischen Machtumverteilung ist der: Die Entschlossenheit des „Westens“, die Umverteilung zugunsten der Schwellen- und Entwicklungsländer mit militärischer und wirtschaftlicher Nato und entsprechenden Einrichtungen im pazifischen Raum aufzuhalten und zurückzudrehen, ist eine Gefahr für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und für den Weltfrieden. Die Alternative muss eine Weltordnung sein, die sein muss: demokratisch, sozial, nachhaltig und friedlich. Also das Gegenteil von NATO und TTIP.

Conrad Schuhler


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Im Juni 1990 haben kritische Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerInnen zusammen mit GewerkschafterInnen in München das isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. gegründet. Seitdem haben wir fast zweihundert Studien und Berichte veröffentlicht.

Das isw versteht sich als Wirtschaftsforschungs-Institut, das alternativ zum neoliberalen Mainstream Analysen, Argumente und Fakten für die wissenschaftliche und soziale Auseinandersetzung anbietet. Unsere Themen und Forschungen beziehen sich deshalb in besonderem Maß auf die “Bedürfnisse” von Gewerkschaften und von sozialen, ökologischen und Friedensbewegungen. Unser Anspruch ist, Wissenschaft in verständlicher Form darzustellen und anschaulich aufzubereiten. Deshalb sind isw-Ausarbeitungen auch besonders geeignet für Unterricht und Schulungsarbeit und als Grundlage für Referate und Diskussionen. Die Mehrheit unserer LeserInnen, AbonnentInnen und Förder-Mitglieder sind Menschen, die sich in Bewegungen und Gewerkschaften engagieren.

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  • Im ökologischen Bereich konzentrieren wir uns auf Fragen der Energiewirtschaft und -konzerne.
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Auf Veranstaltungen und jährlich stattfindenden isw-Foren werden Erfahrungen ausgetauscht, Gegenstrategien diskutiert und Alternativen erarbeitet. Wir freuen uns über Vorschläge und Anregungen, aber auch über solidarische Kritik.

Ein alternatives Projekt wie das isw ist auf aktive Mitarbeit und auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die materielle Grundlage unserer Arbeit schaffen unsere Leserinnen und Leser. Weder Parteien noch Verbände noch Stiftungen alimentieren uns. Unsere Publikationen finanzieren wir, neben der Selbstausbeutung der Autorinnen und Autoren und der zahlreichen Aktiven im Institut, aus den Beiträgen der rund 1.500 FörderInnen und AbonnentInnen. Wir schaffen derzeit eine plus/minus Null-Bilanz. Eine neue Steuerregelung kostet uns allerdings viel Substanz. Jeder Euro, jedes zusätzliche Fördermitglied, jedes zusätzliche Abonnement ist von Bedeutung. Spenden sind in voller Höhe steuerlich absetzbar. weiter


Bild- u. Grafikquellen:

  1. Globale Weltwirtschaft – der Weltmarkt ist ein riesiger Warenkorb. Foto: Thorben Wengert. Quelle: Pixelio.de
  2. Griff nach der Welt – die globalen weltpolitischen Kräfteverhältnisse verschieben sich gewaltig.  Foto: Thorben Wengert. Quelle: Pixelio.de
  3. Grafik “Globale Neugewichtung”. Quelle: IWF, Weltbank
  4. Grafik “TTIP-Anteile am Weltniveau”. Informationsquellen: UNCTAD, Weltbank, IWF; eigene Recherchen. Erstellung: isw e.V., München
  5. Grafik “STOP TTIP”. Grafik: Umweltinstitut München e.V. – Webseite
  6. Grafik “Europas wichtigste Handelspartner”. Informationsquelle: Eurostat. Erstellung: isw e.V., München
  7. Grafik “Weltweite Militärausgaben”. Quelle: SIPRI FACT SHEET April 2014
  8. Grafik “Die 15 Länder mit den höchsten Militärausgaben 2013”. Schätzung von SIPRI. Quelle: SIPRI FACT SHEET April 2014
  9. Die 5 BRICS-Staatenlenker in Fortaleza, Brasilien, wo das 6. Gipfeltreffen mit Gründung der Entwicklungsbank vom 15. bis 16. Juli 2014 stattfand. Wladimir Putin (Russland), Narendra Modi (seit 26. Mai 2014 neuer indischer Premierminister), Dilma Rousseff (Brasilien), Xi Jinping (China) und Jacob Zuma (Südafrika).  Foto: Presidential Press and Information Office / www.kremlin.ru. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei stammt von der Webseite des russischen Präsidenten und ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 3.0 Unported-Lizenz.

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von Kritisches Netzwerk

KenFM im Gespräch mit Tommy Hansen

von KenFM

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die gesamte Welt in eine neue Ära der Geschichte katapultiert.

Mit dem 11. September wurden zahlreiche Kriege gerechtfertigt, und seit 2001 sind die USA in eine Nation, die Folter bis heute offiziell betreibt und mit 9/11 rechtfertigt. Der 11. September führte zum Patriot-Act in den USA, also zur massiven Bescheidung von Bürgerrechten. Der 11. September führte über den Hebel der NSA zu einem weltweiten Misstrauen gegenüber allen Ländern, die nicht bereit waren, den demokratiegefährdenden Weg der USA mitzugehen.

“Wer nicht für uns ist ist gegen uns!“ Dieser Satz des damaligen US-Präsidenten George W. Bush gilt unter Obama erst recht und hat mit der Drohnenpolitik seinen aktuellen Höhepunkt gefunden.

Auch ein Berufszweig ist seit dem 11. September besonders betroffen: Der Journalismus. Wer es bis heute auch nur wagt, kritische Fragen zu diesem Jahrhundertverbrechen zu stellen, das bis heute zu großen Teilen nicht aufgeklärt wurde, schießt sich ins Aus und begeht schnell finanziellen Selbstmord.

Sei „embedded“ oder ein Verschwörungstheoretiker – und damit Freund von Terroristen. Das ist die von den USA diktierte Linie, an der sich der Journalist zu orientieren hat.

KenFM gehört zu den wenigen Pressehäusern im deutschsprachigen Raum, das immer wieder Menschen die Gelegenheit bietet, den Fall 9/11 um weitere offene Fragen zu bereichern. Z.B. Mathias Bröckers, Daniele Ganser und Elias Davidsson.

Unlängst trafen wir den Journalisten Tommy Hansen, um mit ihm ein ausführliches Gespräch zu führen. Hansen lebt in Dänemark, arbeitet seit Jahren auf dem Gebiet der 9/11-Forschung und hat sich als freier Autor einen internationalen Ruf erarbeitet. Dafür hat der Mann einen hohen Preis bezahlt. Seine Familie brach den Kontakt ab, er wurde zum Einsiedler und lebte lange zurückgezogen im Wald.

All das hat ihn aber nicht vom eingeschlagenen Kurs abgebracht. Tommy Hansen ist ein investigativer Journalist aus dem Bilderbuch. Er hat die freie Presse als das verstanden, was sie ist: Das Immunsystem der Demokratie.

Tommy Hansen, der zu Beginn seiner Kariere als Schriftsetzer arbeitete, stellt uns im Gespräch eine revolutionäre Idee vor, die wir hiermit unterstützen wollen.

Er plant, die Printmedien auf ihrem Feld anzugreifen. Tommy Hansen will “das Internet ausdrucken“. Dafür wird eine Online-Zeitung ins Leben gerufen, so gestaltet wird, dass sie problemlos und ästhetisch ansprechend von Privathaushalten gedruckt und verteilt werden kann. Wir alle werden dabei zu Druckern und können somit Druck machen. Eine Idee, die so simple ist, dass wir uns fragen, warum vor Hansen niemand auf sie kam.

Das Interview mit Tommy Hansen stellt auch für KenFM einen entscheidenden Schritt dar. Die Zeit, in der der Internet-Journalismus nur im Netz zu finden war, ist vorbei. Wir werden haptisch und können so auch jene erreichen, die nur an Medien glauben, die sie in den Fingern halten können.

Auf das Feedback der Community sind wir sehr gespannt!


 

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von KenFM das Politmagazin

Beitragsbild: Tommy Hansen – Photo by Iben Katrine Hansen