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Einladung zu verantwortlicher Menschlichkeit

von Rudolf Kuhr

Nachdem das Christentum und andere Heilslehren oder Ideologien unserer Welt bisher nicht das Heil – eher das Gegenteil – gebracht haben, wäre es da nicht höchste Zeit für eine neue Orientierung? Was fehlt denn unserer Welt? Fehlt es an Wissen? Fehlt es an Geld? – Es fehlt wohl vor allem an verantwortlicher Menschlichkeit!

Auf den Gebieten der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik, der Wirtschaft sind enorme Fortschritte erzielt worden. Im menschlichen Bereich dagegen scheinen wir stehengeblieben zu sein oder gar zurückzufallen. Wir zerstören unaufhaltsam unsere Natur und damit die Lebensgrundlagen unserer Kinder. Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt zu, entsprechend die Gewalt, bereits unter Kindern. Die Menschheit scheint trotz aller Fortschritte immer unmenschlicher zu werden.

Wäre es da nicht logisch und sinnvoll, sich direkt an dem, was fehlt und was für ein sinnvolles Leben am wichtigsten ist, nämlich an verantwortlicher Menschlichkeit zu orientieren, anstatt an fragwürdigen religiösen oder ideologischen Wegen, die immer wieder in Sackgassen und zum Verlust an Menschlichkeit führen?

Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln möchte, für den ist kein Wind ein günstiger.

Seneca, Philosoph (* etwa im Jahre 1 in Córdoba; † 65 n. u. Z. in der Nähe Roms)

Seit Jahrtausenden sind die verschiedensten Segelboote in Form von sogenannten Religionen und Ideologien mit den schönsten Namen unterwegs. Sie fahren emsig umher, offenbar ohne den Hafen zu kennen. Sie dienen nicht dem Heil der Menschheit, wie sie vorgeben, sondern der Mensch dient ihnen, er instrumentalisiert sie und macht sie zum Selbstzweck. Sie konkurrieren miteinander oder bekämpfen sich gar. Und die Gefahr der Zerstörung unserer Welt wird immer größer.

“Ist denn so groß das Geheimnis, was Gott und die Welt und der Mensch sei? Nein, doch niemand hört’s gerne – da bleibt es geheim”, sagte Goethe. Warum hört’s niemand gerne? Wahrscheinlich weil es unbequem ist. Weil es den Menschen auf sich selbst zurückverweisen, weil es zur Arbeit an der eigenen Person führen würde. Darum machte man das Boot und den Weg zum Ziel, zum Fetisch und zur Droge, an die man beispielsweise durch die Kindes-Taufe bereits Säuglinge gewöhnt. Darum reduzierte die Kirche den Begriff Religion, der ja im Grunde Achtsamkeit und eher ein Hinterfragen als ein Glauben, gar an etwas Zweifelhaftes bedeutet, bequemerweise zur Konfession. Solch grundlegende Verfälschungen, die Gewöhnung an sie und deren Weitergabe sind Ursache für Selbsttäuschung, innere Unsicherheit, Zwiespältigkeit, Unwahrhaftigkeit und nicht selten auch für psychische und physische Gewalt.

“Der Mensch echt religiöser Kulturen könnte vielleicht mit einem Kind von acht Jahren verglichen werden, das einen Vater als Retter braucht, das jedoch angefangen hat, die Lehren und Prinzipien des Vaters in sein Leben zu übernehmen. Der zeitgenössische Mensch ähnelt jedoch einem Kind von drei Jahren, das nach dem Vater ruft, wenn es ihn braucht, und sonst zufrieden ist, wenn es spielen kann”, sagte Erich Fromm. Wenn wir die Zukunft unserer Kinder und der Welt nicht weiter aufs Spiel setzen wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als uns erwachsener, mündiger als bisher zu verhalten. So wie sich manche Verantwortlichen, manche Menschengruppen und die Menschheit insgesamt verhalten, kann man sie kaum als mündig bezeichnen. Die meisten Politiker fügen ihrem Amts-Eid noch immer die Formel “so wahr mir Gott helfe” hinzu! Sie und viele Intellektuelle sind oft nicht fähig, ihr eigenes Verhalten zu beobachten, sie verhalten sich mitunter kindlich, pubertär, narzißtisch und nicht selten fast autistisch.

Mündigkeit bedeuet mehr als nur Volljährigkeit.   Mündigkeit heißt, eine kritische

Distanz nicht nur zu seiner Mitwelt sondern auch zu sich selbst zu haben, für sich

selbst voll- und für seine Mitwelt mitverantwortlich sein zu können und zu wollen.

Rudolf Kuhr

“Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend; – das ist’s”, sagte Friedrich Schiller. Die Pflanze kommt je nach Anlage und Umweltbedingungen zu größtmöglicher Entfaltung. Und für den Mensch gilt im Grunde auch nicht mehr, sondern im Prinzip dasselbe. Der Mensch ist ein vergängliches Lebewesen wie die Pflanze und entfaltet sich je nach Fähigkeit und Umweltbedingungen zu größtmöglicher Vollkommenheit. Das Mindeste ist im Normalfall Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Mündigkeit in aktiver Verbundenheit zu seiner Mitwelt, deren Teil er ist.

In der Beschränkung zeigt sich der Meister,

Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Johann Wolfgang von Goethe

Wer sich wie ein erwachsener, mündiger, verantwortungsbewußter, redlicher Mensch guten Willens verhalten will, der kommt nicht daran vorbei, Abschied zu nehmen von bequemen aber unrealistischen Wunschvorstellungen wie einer Vorrangstellung gegenüber anderen Lebewesen, einer außerirdischen Hilfe oder gar einer Unsterblichkeit. Der muß sich verantwortliche Menschlichkeit zu seiner übergeordneten Orientierung wählen, sich öffentlich dazu bekennen und über die Gefahren geistiger Drogen aufklären. Orientierung am Humanismus oder Menschentum führt den Menschen zu sich selbst als Teil seiner Mitwelt und gibt ihm Sinn und Aufgabe, so daß man sagen kann:

Humanismus – die neue frohe Botschaft! 

Humanismus, bisher allgemein lediglich als schulische Bildungsrichtung oder als geschichtliche Epoche der Aufklärung bekannt, kann uns heute als ein Ideal vom universellen Menschentum zur allem anderen übergeordneten ethischen Orientierung dienen, die alle Menschen dieser einen Welt vereint. Das geringste, was ein mündiger Mensch konkret zur Verbesserung der Menschlichkeit beitragen kann und sollte, wenn er diese Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen will, ist, mit der eigenen, geistigen Auseinandersetzung mit diesem Ideal des neu und ganzheitlich verstandenen Humanismus zu beginnen, soweit noch nicht geschehen. Weitere mögliche Schritte sind:

  • Sich selbst in seinem Denken und Handeln an diesem Ideal zu orientieren und von kindlichen, unrealistischen Wunschvorstellungen zu verabschieden.
  • Sich öffentlich bei allen passenden Gelegenheiten persönlich zu diesem Ideal mündlich und schriftlich zu bekennen, (man kann beispielsweise, nach der weltanschaulichen Orientierung gefragt, anstatt Christentum, Atheismus, Liberalismus usw. den Humanismus nennen).
  • Verbreiten von Informationen über dieses Ideal vom Humanismus (z.B. durch Beilegen entsprechender Schriften zur Korrespondenz, durch Schreiben eigener Beiträge zu diesem Thema, durch Leser-, Hörer- und Zuschauerbriefe an Multiplikatoren in den Medien, durch Denkanstöße an Politiker, Schriftsteller, Künstler und andere Persönlichkeiten.
  • Förderung humanistischer Bestrebungen durch Mitarbeit und finanzielle Unterstützung.
  • Gründung eigener Initiativen.

Und obwohl uns Goethe gemahnt: “Alles opponierende Wirken geht auf das Negative hinaus und das Negative ist nichts. Wenn ich das Schlechte nenne, was ist da viel gewonnen? Nenne ich aber das Gute schlecht, so ist viel geschadet. Wer recht wirken will, muß nie schelten, sich um das Verkehrte gar nicht kümmern, sondern nur immer das Gute tun. Denn es kommt nicht darauf an, daß eingerissen, sondern daß etwas aufgebaut werde”, obwohl uns Goethe also damit mahnt, so ist es doch nötig, über das Aufbauende hinaus Aufklärung und auch Kritik da zu betreiben, wo man sich andernfalls einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen würde. Zum Beispiel, wenn Kinder an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehindert werden, wie dies durch Kirchen und auch Schulen geschieht. Oder wenn Medien wie das Fernsehen die Zuschauer durch anspruchslose Unterhaltung und Gewinnspiele zur Abhängigkeit verführen.

Menschen, die sich mündig, und Regierungen, die sich demokratisch nennen, sollten Einmischung nicht nur erdulden, sondern sich wünschen. Ein Glaube wird ja nicht dadurch gefestigt, daß man den Zweifel verhindert, sondern dadurch, daß man ihn zuläßt. “Der Zweifel ist kein angenehmer Zustand. Gewißheit jedoch ist ein lächerlicher Zustand, und Es gibt ein Recht auf Blasphemie, sonst gibt es keine Freiheit”, sagte Voltaire. Aber “Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun, sagte Goethe. Denn: Ich habe Leute gekannt von schwerer Gelehrsamkeit, in deren Kopf die wichtigsten Sätze zu Tausenden selbst in guter Ordnung beysammen lagen, aber ich weiß nicht, wie es zuging, ob die Begriffe lauter Männchen oder lauter Weibchen waren, es kam nichts heraus. In einem Winkel ihres Kopfes lag Schwefel, im anderen Kohlenstaub, im dritten Salpeter genug, aber das Pulver hatten sie nicht erfunden”, so Georg Christoph Lichtenberg.

Darum: “Wer weiterlebt wie bisher, hat nicht begriffen, was droht; es nur intellektuell zu denken, bedeutet nicht, es auch in die Wirklichkeit seines Lebens aufzunehmen”, so Karl Jaspers. Und Voltaire: “Ich werde mich solange wiederholen, bis man mich verstanden hat.” Diese Gedanken sollten wir beherzigen, wenn es um die Verbreitung des Ideals vom Humanismus als ganzheitliche Orientierung geht.

Wenn es heute einen Glauben gibt, der vertretbar ist, dann ist es

der Glaube an die Bildungsfähigkeit des Menschen zu einem sozial

und ökologisch handelnden, mündigen Gemeinschaftswesen und daran,

daß die Natur den Menschen nicht braucht, wohl aber der Mensch die Natur.

Rudolf Kuhr

Unser grundlegendes Problem und seine Lösung ist der Mensch. Nicht Ausbildung, sondern Menschenbildung ist vorrangig erforderlich. Dazu braucht es eine entsprechende Orientierung.

Humanismus – ethische Orientierung mündiger Menschen!

Nehmen Sie die Einladung an?

Rudolf Kuhr


Quelle: Humanistische AKTION für verantwortliche Menschlichkeit > Webseite > Artikel

Buchtitel: «Wachstum an Menschlichkeit. Humanismus als Grundlage» > zur Vorstellung meines Buches

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Beitragsbild: Rudolf Kuhr

 

Abenteuer Menschsein: Worum es mir wirklich geht im Leben

von Rudolf Kuhr

Zur Einstimmung in das Thema ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: “Hierbei bekenn’ ich, daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe:”erkenne dich selbst!” immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren… wollten. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf. Am allerfördersamsten sind aber unsere Nebenmenschen, welche den Vorteil haben, uns mit der Welt aus ihrem Standpunkt zu vergleichen und daher nähere Kenntnis von uns erlangen, als wir selbst gewinnen mögen. Ich habe daher in reiferen Jahren große Aufmerksamkeit gehegt, inwiefern andere mich wohl erkennen möchten, damit ich in und an ihnen, wie an so viel Spiegeln, über mich selbst und über mein Inneres deutlicher werden könnte… Von Freunden… lasse ich mich ebenso gern bedingen als ins Unendliche hinweisen, stets merke ich auf sie mit reinem Zutrauen zu wahrhafter Erbauung”.

Aber dann ging ihm plötzlich ein Licht auf.

Angeregt durch wiederholte Enttäuschungen in einem Gesprächskreis, der sich zu dem überaus bedeutsamen Thema “Worauf es wirklich ankommt” zusammenfand, und der anfangs ziemlich unstrukturiert über Gott und die Welt diskutierte, entstand in mir die Frage nach den hintergründigen Bedürfnissen der Teilnehmer. Ich hatte den Eindruck, daß diese den meisten gar nicht bewußt waren, so daß es mir oft so erschien, als ginge es eigentlich mehr um die Lust am Reden, am Streiten, um Unterhaltung und Geselligkeit als um das Thema selbst.

Unsere Hauptaufgabe ist nicht zu erkennen, was unklar in

weiter Ferne liegt, sondern das zu tun, was klar vor uns liegt.

Thomas Carlyle

Erst als ich mich bereits zurückgezogen hatte, fiel mir ein, was ich übersehen hatte: In dem Motto des Kreises ‘Worauf es wirklich ankommt’ fehlte das Wörtchen mir sowie das allgemeine Bewußtsein von dessen Bedeutung. Und deshalb fehlte es mir im Umgang miteinander an Echtheit und Einfühlung, wie dieses nur ganz selten anzutreffen ist, wenn Menschen zusammen kommen, die dann entweder über diese Zusammenhänge wissen und sich grundsätzlich oder zufällig entsprechend einfühlend verhalten.

Unser Ziel ist, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen

und ehren zu lernen, was er ist; – des andern Gegenstück und Ergänzung!

Hermann Hesse

Um es nicht beim kritisieren zu belassen, möchte ich, gewissermaßen in einem Selbstversuch, meine eigenen hintergründigen Bedürfnisse offenlegen. – Das, worum es mir wirklich geht, wenn ich mich z.B. in meiner Freizeit mit anderen Menschen zu tiefergehenden Gesprächen treffe, das kann ich eigentlich nur mit Hilfe von einfühlsamen Mitmenschen herausfinden, weil auch das Unbewußte eine Rolle spielt, und ich dieses Unbewußte nur sehr subjektiv bewußt machen kann. Unangenehmes wird da wohl nur zu leicht verdrängt. Wer vermag schon ohne fremde Hilfe die egoistischen Anteile an seinen altruistischen Handlungen einigermaßen genau einzuschätzen? Ich denke hier an das Sprichwort Die schlimmste Form des Egoismus ist der Altruismus.

Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen, muß man eigenen haben.

Arthur Schopenhauer

Wenn ich vom Verstand her an die Frage herangehe, dann geht es mir vor allem um Authentizität, um Echtheit, – ich möchte mich möglichst wenig in mir selber täuschen und andere selbstverständlich auch nicht. Außerdem geht es mir um eine sinnvolle Lebensgestaltung. Hierzu brauche und suche ich gleichgesinnte Menschen zur gegenseitigen Unterstützung in diesen Zielen. Mit diesen gleichgesinnten – möglichst einfühlsamen – Mitmenschen möchte ich mich in offener und wohlwollender Weise mit möglichst wenig Einschränkungen austauschen, um mehr über mich zu erfahren, um mich weiterzuentwickeln und den anderen in gegenseitigem Austausch ebenso dabei zu helfen. Ich möchte, daß ich ohne Scheu und Tabus in allen möglichen Bereichen hinterfragt und auf mögliche Fehler aufmerksam gemacht werde, ich bitte ausdrücklich um Einmischung, auch in persönliche Angelegenheiten. Es gibt für mich in dieser Konstellation keine indiskreten Fragen, allenfalls indiskrete Antworten.

Was ist am schwersten zu erreichen? –

Daß man sich selber hinter die Schliche kommt.

Wilhelm Busch

Ich kann nicht garantieren, daß ich mich zu allem äußern und gegebenenfalls ändern werde, wohl aber verspreche ich, für jeden aufrichtig gemeinten Hinweis dankbar zu sein und darüber nachzudenken. Ebenso verspreche ich, daß ich mich bemerkbar machen werde, wenn mir etwas zuviel wird. Dasselbe wünsche ich mir auch von meinen Gesprächs-Partnern.

Es ist so angenehm, zugleich die Natur und sich selbst zu erforschen,

weder ihr noch dem eigenen Geist Gewalt anzutun, sondern beide

in sanfter Wechselwirkung miteinander ins Gleichgewicht zu bringen.

Johann Wolfgang von Goethe

Ich sehe den von der Natur her gegebenen Sinn jedes Lebewesens darin, daß es sich je nach Anlage und Mitweltbedingungen bestmöglich entwickelt. Für den Menschen allgemein und damit auch für mich bedeutet dies: Menschsein ist nicht nur ein gegebener Zustand, sondern eine ständige Aufgabe. Da der Mensch ein Teil der Natur und der menschlichen Gesellschaft ist, ohne die er nicht lebensfähig geworden wäre, schließt die Aufgabe Menschsein folgerichtig einen Dienst an Gesellschaft und Natur mit ein.

Sich selber erforschen, um sich selbst zu erkennen, ist das erste Studium.

J. M. Sailer

Erst ein mündiger Mensch, der eine kritische Distanz zu sich selbst und eine bewußte Verbundenheit zu seiner Mitwelt hat, kann für sich selbst voll- und für seine Mitwelt mitverantwortlich sein. Deshalb ist Mündigkeit ein wichtiges Ziel, das es zu erreichen und zu erhalten gilt. Einen Menschen in Unmündigkeit zu bringen oder zu halten, verstößt gegen die in den Menschenrechten verankerte freie Entfaltung der Persönlichkeit. Einem Menschen nicht zu helfen, der in Gefahr ist in Unmündigkeit zu geraten, kommt demnach einer unterlassenen Hilfeleistung gleich. Deshalb ist Aufklärung – auch über mich selbst – für mich Pflicht. Ich halte es mit Mahatma Gandhi, der sagte:

Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.

Ich wünsche mir Einmischung zur Aufklärung über Möglichkeiten und Gefahren, die ich noch nicht erkenne, und ich wünsche mir Mitmenschen, die das gleiche wollen. Meine, allem anderen übergeordnete Orientierung, ist der ganzheitlich verstandene Humanismus, das Ideal vom verantwortlichen Menschentum. Mir geht es um Menschlichkeit durch Wahrhaftigkeit. Mensch, lerne dich selbst erkennen, das ist der Mittelpunkt aller Weisheit! so Gotthold Ephraim Lessing.

Ich lade ein zum Abenteuer Menschsein!

Einander aufrichtig begegnen  

   

Ich wünsche mir Mitmenschen,
bei denen ich ohne Herzklopfen und innere Anspannung anklopfen kann,
denen mein Erscheinen nicht von vornherein lästig ist,
die mich nicht an der Türe abfertigen,
sondern herein bitten und in Ruhe zuhören.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
die gern einmal wohlwollend oder aufmerksam über den Zaun schauen,
bei denen man eine Nachricht für mich hinterlassen kann,
die sich Sorgen machen und fragen, was los ist,
wenn sie mich länger nicht gesehen haben.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
die ich in der Not nicht anbetteln muss,
bei denen Freundschaft und Nächstenliebe nicht eine leere Floskel,
sondern eine Selbstverständlichkeit ist.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
denen ich so viel wert bin, dass sie mir nicht nach dem Munde reden,
sondern mich aufmerksam machen,
auf Fehler, Spinnereien, Risiken, Gefahren.
Ich wünsche mir aufrichtige Gegenüber, die nicht mit zwei Zungen reden,
freundlich und anerkennend mir ins Gesicht,
aber geringschätzig und abfällig  – hinter meinem Rücken.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
die bei Gegensätzen meinen Standpunkt achten
und nach seiner Begründung fragen, wenn sie ihn nicht verstehen,
die meinen Stolz nicht demütigen und meine Gefühle achten.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
die bei Schicksalsschlägen und in Traurigkeiten
mir Mut machen, mich niemals aufzugeben.

 

Ich wünsche mir Mitmenschen,
mit denen ich lachen kann,
die Worte nicht auf die Goldwaage legen,
die sich auch einmal auf den Arm nehmen lassen
und Spaß verstehen, die nicht gleich oder für alle Ewigkeit
eingeschnappt sind, die es mit einer Entschuldigung
bewendet sein lassen und mich nicht um Abbitte
auf die Knie zwingen.

 

Ich wünsche mir von Herzen,
ein solcher Nächster meinem Nächsten sein zu können.

Rudolf Kuhr


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Bild- und Grafikquelle: Jan Gropp, Jena / www.Bildreflex.de – Quelle: Pixelio.de

Menschenwürde unantastbar

Wunsch oder Wirklichkeit?

von Rudolf Kuhr

Menschenwuerde_Die_Wuerde_des_Menschen_ist_unanstastbar_Grundgesetz_Unantastbarkeit_Menschlichkeit_Unmenschlichkeit_Respekt_Toleranz_Empathie_Solidaritaet_Rudolf_Kuhr_Humanismus_Kritisches-_NetzwerkDie Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Satz wird oft und gern zitiert. Als Forderung, als Ermahnung, als Beweis unserer Kultur. Seit 1949 steht diese Aussage von der Unantastbarkeit der Menschenwürde an erster Stelle unseres Grundgesetzes, das ist wohl einmalig in der Welt. Es war eine Reaktion auf die Unmenschlichkeit im 3. Reich. Wie sieht es mit dieser Aussage in der Praxis aus? Wie oft wird sie täglich widerlegt! Liegt dies an der Form der Formulierung, die ja den Eindruck entstehen läßt, daß es so sei mit der Unantastbarkeit? Der Inhalt kann ja wohl nicht so falsch sein. Liegt es vielleicht an einem mangelnden inhaltlichen Verständnis des Begriffes?

Was ist Würde? Fast alle wissen, was gemeint ist aber kaum jemand kann es erklären. Woraus besteht sie, wie entsteht sie?

Würde bedeutet Wertigkeit, Erhabenheit, Vornehmheit, Majestät erhabene Gesinnung, Autonomie und sittliche Selbstgesetzgebung; dem Menschen innewohnender Wert und innerer Rang, Menschenwürde; innere Haltung, die durch das Bewußtsein vom eigenen Wert oder von einer geachteten Stellung bestimmt wird; Echtheit. Ähnlich wie bei der Identität enthält Würde Selbstbild, soziale Aufgabe und Anerkennung durch bedeutsame Bezugspersonen sowie Selbstverantwortung. “Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft ist Geistesfreiheit, und Würde heißt ihr Ausdruck in der Erscheinung”. (Friedrich Schiller)

Würdigen bedeutet werten, anerkennen, achten, Achtung erweisen, respektieren, Respekt haben vor etwas, Respekt zollen, schätzen, hochschätzen, bewundern, von Bewunderung erfüllt sein für etwas, ehren, Ehrfurcht erweisen, in Ehren halten, Wert legen auf etwas. Weitere Begriffe, die damit in lockerem Zusammenhang stehen sind: Status, Ansehen, Bekanntheit, Beliebtheit, Berühmtheit, Namen, Popularität, Prestige, Renommee, Reputation, Ruf, Ruhm.

Menschenwürde entsteht durch Anlage, Zuweisung oder Anspruch und Leistung oder Erfüllung, sie ist ein Teil menschlicher Identität, und zwar der wesentliche, nämlich der geistige, der ideelle. Hier wird deutlich, wie wichtig eine ideelle Orientierung ist. Menschenwürde ist ein veränderlicher Teil des Menschen, ihre Beschaffenheit wird sowohl von der jeweiligen gesellschaftlichen Kultur, als auch von dem einzelnen Menschen selbst mitbestimmt.

Die Anlage der Menschenwürde enthält zunächst die Daseinsform als Mensch sowie seine angeborenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Die Zuweisung enthält die sozialen Verhältnisse, in die der Mensch hineingeboren wurde sowie die Wertschätzung durch seine Mitwelt. Die Leistung besteht aus der eigenen Wertschätzung, der Entfaltung der Fähigkeiten sowie der ethischen Einstellung und der praktizierten Solidarität.

Die Menschenwürde ist also keine feste Größe, sie ist abhängig von der allgemeinen Wertschätzung der jeweiligen gesellschaftlichen Gruppierungen, in denen sich der Einzelne bewegt, sowie von seinem allgemeinen und besonders von seinem ethischen Verhalten.

“Die Würde des Menschen ist unantastbar”. So lauten die ersten Worte unseres Grundgesetzes in Artikel 1 der Grundrechte. Weiter heißt es in diesem Artikel: “Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt”.

Die Formulierung des ersten Satzes, der meist nur allein gebraucht wird, ist eine sehr verkürzte, subjektive; sie ist mißverständlich, fast könnte man sagen eine Selbsttäuschung, ein Wunsch, der eine Tatsache vortäuscht. Es stimmt leider so nicht, wie es in der Formulierung klingt, daß sie unantastbar ist, denn die Menschenwürde wird oft genug angetastet. Indem etwa Kinder zu früh zur Anpassung erzogen und meist auch in eine bestimmte ideologische Richtung gedrängt werden, wird die in Artikel 2 GG gewährte freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit behindert und wird ihre Menschenwürde nachhaltig angetastet. Leider werden diese eigentlichen Ursachen späteren unwürdigen Verhaltens noch immer viel zu wenig beachtet. Nachfolgendes Gedicht drückt diesen Sachverhalt deutlich aus, wie es ja auch die zunehmende Jugendkriminalität bestätigt.

In den Herzen der folgsamen Kinder

nistet knisternd und raschend

die Rache

H.C. Flemming

Dieses kleine Gedicht enthält die Folgen früher und anhaltender Verletzung der Menschenwürde, die bereits mit dem Mangel an einfühlender Achtung des Kindes als eigenständige Persönlichkeit beginnt.

Der Satz “Die Würde des Menschen ist unantastbar” bedeutet eigentlich: “Die Würde des Menschen ist verletzlich, sie ist zu ermöglichen, zu achten, zu wahren und zu schützen.” Dies sollte nicht nur Verpflichtung aller staatlichen Gewalt sein, sondern auch aller elterlichen, schulischen betrieblichen und sonstigen Gewalt oder besser: Verantwortlichkeit. Da das Grundgesetz nicht nur für den Staat gilt, müßten sich dessen Inhalte auch in allen außerstaatlichen Bereichen entsprechend widerspiegeln, z.B. in wirtschaftlichen Bereichen im Betriebsverfassungsgesetz, in schulischen in den Vorschriften der Kultusministerien und in privaten in den religiösen Richtlinien, die jedoch entweder ethische Normen wie Artikel 1 GG nicht enthalten oder sogar gegen diese verstoßen.

Fast immer liegt ein Verstoß gegen Artikel 1 und gegen Artikel 2 GG vor, wenn in Anwendung der Artikel 4 und 7 unter Gewährung ungestörter Religionsausübung Kinder in eine bestimmte ideologische Richtung erzogen werden, die sie von anderen Menschen abgrenzt. Artikel 4 und 7 wären zu ergänzen bzw. zu differenzieren, um die darin enthaltenen Möglichkeiten des Verstoßes gegen Art. 1 und 2 zu verhindern. Für Art.4 müßte es heißen: Die ungehinderte freie Entfaltung eines individuellen Glaubens ist durch Vermeidung jeglicher einseitigen Einflußnahme bis zum 18. Lebensjahre zu gewährleisten und durch Erschließung vieler, möglichst aller ethischen Orientierungen zu fördern. Für Art. 7 müßte es heißen: Religionsunterricht bedeutet unabhängige und gleichberechtigte Unterrichtung über alle vorhandenen Religionen, Weltanschauungen und ethischen Orientierungen ohne Bevorzugung einer bestimmten. Und Art.1 sollte ergänzt werden in: … ist Verpflichtung aller Bürger und der staatlichen Verantwortlichkeit.

Menschenwürde hängt ab von einem Menschenbild, dieses hängt mit einem Weltbild zusammen. Die Würde ist etwas, was dem Menschen zunächst als Möglichkeit gegeben ist, was ihm zusteht, was er aber auch erfüllen muß. Ein Mensch, der sich würdelos verhält, kann schwerlich erwarten, daß man ihn würdig behandelt. Ein Politiker beispielsweise, der seine politischen Gegner beschimpft und herabwürdigt, der verliert damit gleichzeitig an eigener Würde, zumindest bei denjenigen Wählern, denen Würde etwas bedeutet.

 

Die Würde des vernünftigen Menschen liegt darin,

daß er sich eingesteht, was geschehen und was getan ist.

Die Würdelosigkeit bloßen Lebens liegt darin,

einen Strich unter das Vergangene zu machen, zu vergessen

und weiterzuleben aus dem bloßen Anspruch gegewärtigen Daseins.

Karl Jaspers, Philosoph 1883-1969

Es ist demnach nützlich, den Begriff der Menschenwürde immer wieder zu hinterfragen und zu definieren, um dadurch auch die Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle zu fördern und sich der Beschaffenheit der eigenen Würde bewußt zu werden. Wenn dieses verstärkt geübt und praktiziert würde, käme es dazu, daß mehr Menschen als bisher in der Lage wären, das Verhältnis der egoistischen zu den altruistischen Anteilen der Antriebe des eigenen Handelns zu erkennen und zu steuern. Damit wären auch mehr Menschen in der Lage, Politiker auf ihre Wahrhaftigkeit hin einzuschätzen und vielleicht gerechter zu beurteilen. Die Politiker selbst würden dann vielleicht mehr als bisher bereit sein, sich selber zu kontrollieren und Supervisionen zu unterziehen.

Wenn beispielsweise Politiker den Eindruck erwecken, daß sie “an ihrem Sessel kleben”, dann geschieht da etwas, das ihre Würde antastet. Dann scheint der Egoismus im Vordergrund zu stehen, was negativ bewertet wird. Andererseits wird aber auch Durchsetzungsvermögen erwartet und geschätzt, was ohne egoistische Anteile kaum möglich ist. Würde kann erst dann annähernd unantastbar sein, wenn genügend Gespür in die eigene Befindlichkeit, in die eigenen wirklichen menschlichen Bedürfnisse und eine klare ethische Orientierung vorhanden sind, und wenn diese und vielleicht noch weitere Merkmale miteinander in ein gewünschtes Verhältnis gebracht werden können.

Aber der Mensch soll auch in den größten Tiefen seines

äußerlichen Daseins die innere Würde seiner Natur nicht verlieren

Er ist durch diese Würde allein Mensch.

Sie, die Würde, ist das einzige Ziel der Menschenbildung

und zugleich das erste Mittel für sie.

Heinz Pestalozzi

in der Einleitung zur “Wochenschrift zur Menschenbildung”, 1807

Menschenwürde heißt: Inkarnation all dessen,

was den Menschen frei, groß und ewig macht,

Ewas in ihm, dem Weltgeschöpf,

den schöpferischen Funken schürt und hütet.

Carl Zuckmayer, Aufruf zum Leben

Der Begriff ‘unantastbar’ sagt ja eigentlich vom Begriff her, daß etwas nicht angetastet werden kann. Das ist aber in der Formulierung so gar nicht gemeint, denn es heißt ja weiter: Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Wenn etwas unantastbar wäre, müßte es nicht geschützt werden. Es ist also lediglich eine Verpflichtung und noch kein Ergebnis. Gemeint ist, daß die Menschenwürde nicht angetastet werden darf oder zumindest nicht soll. Es ist auch wichtig, zu wissen, daß sich die Verpflichtung in dem Artikel 1 lediglich auf das Verhalten des Staates gegenüber dem Volk bezieht.

Da Menschenwürde selbst unbedingt etwas mit Wahrhaftigkeit sich selbst und anderen gegenüber zutun hat, ist es schon bedeutsam, ja bedenklich, wenn in diesem Zusammenhang von einer Unantastbarkeit gesprochen wird. Das entwertet sowohl den Begriff, als auch die Absicht der Verwendung, und damit seine Wirksamkeit. Es kann so der unbewußte Eindruck entstehen, daß die Unantastbarkeit bereits gewährleistet sei. Besser, weil wahr-haftiger wäre wohl gewesen, anstatt von Unantastbarkeit von Verletzbarkeit oder Unverzichtbarkeit zu sprechen. Es hätte heißen müssen: “Die Achtung und der Schutz der Würde des Menschen sind unverzichtbar” oder “Die verletzbare Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen”, und zwar nicht nur von gewaltausübenden Staatsbeamten und -angestellten, sondern auch von Eltern, Vorgesetzten, von jedermann gegenüber jedermann und -frau. Schließlich auch gegenüber der Natur, gegenüber Tier und Pflanze.

Haben nicht auch Tiere ihre Würde? Wenn Menschen z.B. den von ihnen als König der Tiere eingestuften Löwen hinter Gittern dazu bringen, durch Männchenmachen die Zuschauer zu unterhalten und belustigen, dann ist das nicht nur ein Antasten der Würde des Tieres, sondern auch ein unwürdiges Verhalten des Dompteurs und der Zuschauer dem Tier und den Mitmenschen gegenüber. Auch ist es einigen Nachdenkens wert, ob nicht bereits mit dem Beobachten von Tieren, besonders des Liebesspiels und -aktes genaugenommen eine Verletzung von Würde gegeben ist – zumindest der unsrigen.

Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,

Bewahret sie!

Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!

Friedrich Schiller

Die Würde des Menschen beginnt mit dem Bekenntnis

zum Menschsein und den diesem innewohnenden,

unendlichen Möglichkeiten wie sie der Begriff

Humanismus in idealer Weise in sich vereint.

Rudolf Kuhr

Wenn man hin und wieder in Fernseh-Berichten über Natur-Katastrophen sehen muß, in welch menschenunwürdiger Lage sich Menschen befinden, die versuchen, im überfluteten Ufergebiet eines Flusses ihr Leben zu retten, dann kann man Ureinwohner verstehen, die achtsam mit ihrer Umwelt umgehen und selbst Bäumen, Flüssen, Seen und Bergen eine Würde zugestehen. Vielleicht wird es eines Tages heißen: Die Würde von Mensch und Natur ist zu gewährleisten. (Man schlägt, schneidet oder beleidigt einen Fluß nicht, man umsorgt ihn wie ein lebendiges Wesen. Weisheit der Maori, Ureinwohner Neuseelands.)

Es scheint jedenfalls dringend erforderlich, den Begriff Menschenwürde immer wieder ins Gespräch zu bringen, ihn zu hinterfragen und neu zu definieren, um ihn dadurch mehr als bisher zu verinnerlichen und anzuwenden. Auch ein Bekenntnis zum Humanismus kann zu einer stärkeren Beachtung der Menschenwürde beitragen, denn seine Definition lautet sehr konkret: Humanismus ist ein Denken und Handeln, das sich an der Würde des Menschen orientiert und dem Ziel menschenwürdiger Lebensverhältnisse dient.

Rudolf Kuhr


Rudolf_Kuhr_Wachstum_an_Menschlichkeit_Humanismus_als_GrundlageQuelle: Humanistische AKTION für verantwortliche Menschlichkeit > Webseite > Artikel 

Wachstum an Menschlichkeit. Humanismus als Grundlage” > zur Vorstellung meines Buches

Bildquellen:

1. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Art. 1, Satz 1, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, am Landgericht in Ffm. Foto: Dontworry. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

2. Beitragsbild: “Andersdenkende” – sokaeiko  / pixelio.de

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von: Kritisches Netzwerk

 

Die einzig wahre Geschichte und der geistige Ursprung aller Probleme

von Guido Vobig

Geschichte wird allgemeinhin als Abfolge von vergangenen Ereignisse, bis in die Gegenwart hinein, angesehen, doch kommt es immer wieder vor, dass Ereignisse hinterfragt und der Lauf der Geschichte angezweifelt wird. Oft ist von einer Verfälschung der Geschichte die Rede und allerhand Verschwörungstheorien machen die Runde.

Da Geschichte herangezogen wird, um, aus der Gegenwart heraus, Rückschlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen und so Voraussagen für die Zukunft zu treffen, werden große Anstrengungen unsererseits unternommen ein möglichst lückenloses Bild der Vergangenheit zu realisieren. Dieses Unterfangen gelingt dabei umso weniger, je mehr an Vergangenem gezweifelt wird und bewusste Fälschungen gewissen Kreisen nachgesagt werden. Inzwischen ist es gar so weit gekommen, dass es kaum ein bedeutendes Ereignis gibt, welches heutzutage nicht mit mindestens einer Gegentheorie bzw. Alternativinterpretation bedacht werden kann … und sei es nur die zeitliche Festlegung des Ereignisses, bezogen auf den Lauf der Geschichte im Ganzen, mittels einer Datierung.

Was aber, wenn Geschichte gar nicht fälschbar ist, sie sogar das Fälschungssicherste überhaupt ist, was der Mensch je ersonnen hat? Aus dem einfachen Grund ihrer Unbeständigkeit und ihrer Unmöglichkeit sie wahrhaftig rekonstruieren zu können, denn am ehesten kann gefälscht werden, was beständig ist, also möglichst lange immer gleich interpretiert werden kann … zumindest so lange, bis die erste Fälschung auftaucht bzw. der erste Zweifel ausgesprochen wird.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und den Mond nicht vor lauter Mondphasen, dabei, so sagt aktuell die Wissenschaft, hat der Mond noch nicht einmal Auswirkungen auf das Leben, schließlich sei die Datenlage diesbezüglich eindeutig, wie der hier verlinkte Text es verdeutlicht:

… ”Für die im Journal Current Biology präsentierte Untersuchung analysierten die Forscher große, bereits vorhandene Datensätze über den Schlaf von insgesamt 1265 Teilnehmern aus 2097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, sagt Mitautor und Neurowissenschaftler Martin Dresler.” …

Quelle: Augsburger Allgemeine vom 22.Juni 2014 Online-Fassung

Wissenschaftler handhaben das Schaffen von Wissen immer mehr wie jemand der über Geschichte schreibt, denn so, wie der Geschichtsschreiber nicht der ist, der Geschichte schrieb, sprich, das erlebt hat, was letztendlich Geschichte schreibt, so ist auch ein Wissenschaftler jemand, der zunehmend Daten benutzt, um einem Kontext, der nicht mehr in der Form existiert, in der alle möglichen Informationen zugegen waren, eben jene Informationen zu entlocken, die nicht mehr zugänglich sind. In beiden Fällen führt der Verlust von direkten Beziehungen zu einem gegenwärtigen Bild, welches weder falsch, noch verfälscht, sondern möglich ist, denn vergangen ist einzig, was in der Gegenwart noch immer Bedeutung hat … ohne dass es weder die Vergangenheit, als Ansammlung von zurückliegenden Ereignissen, noch die Zukunft, als Erwartung wahrscheinlicher Ereignisse, in Wirklichkeit gibt, wohl aber als Interpretation eines, somit realisierten, Zeitraums, Universum genannt. Ermöglicht, von Anbeginn des sogenannten Urknalls, bis heute, 13,7 Mrd. Lichtjahre später, durch das verkörperte Bewusstsein der Menschheit.

Doch der Schein trügt gewaltig, nicht, weil Außerirdische ihre Hände im Spiel haben, oder weil ägyptische Hohenpriester eine Verschwörung vor Tausenden von Jahren anzettelten, oder Forscher weltweit vergangene Kulturen verheimlichen, nein, nein, und nochmals nein. Das GANZE verhält sich ganz ANDERS … und doch ist (noch) nötig, was wir EINEN diesbezüglich meinen, wenn wir von einer Fälschung, oder aber einer Verschwörung, sprechen.

Wir Menschen sehen den Lauf der Geschichte als eine Gerade, eine lineare Entwicklung, eine Aneinanderreihung von Zeitpunkten, die im Nachhinein einzeln betrachtet werden können, um so eine Vorstellung von Vergangenem zu erhalten … oder aber um Schülern mit vermeintlichem Allgemeinwissen zu füttern, ohne das der wesentliche HUNGER damit je befriedigt werden kann.

Der Bildhaftigkeit wegen benutze ich im Folgenden, nicht ohne Grund, Kreise. Zu den Zahlen komme ich im weiteren Verlauf.

Die Lösung

Die Lösung (3)

Fügt man in der Art weitere, immer größer werdende Kreise hinzu, gelangt man schließlich in die aktuelle Gegenwart. Stellt man sich nun alle Kreise miteinander verbunden vor und schwenkt das Gebilde etwas nach Links, so dass der Urknall letztendlich in der Mitte aller Kreise liegt, offenbart sich einem der Blick durchs Universum zurück bis zum Urknall, ermöglicht durch die immer größer werdende Menge an Daten, die uns Menschen mit jedem weiteren Kreis mehr zur Verfügung steht, um unser fortschreitendes Bild von der Vergangenheit immer auf dem Laufenden zu halten.

Unser Weltbild wird im Laufe der Zeit somit immer größer, was wir als technologischen Fortschritt bezeichnen und als enorme Leistung der Menschheit ansehen. Je größer der Flächeninhalt eines Kreises, desto größer die Leinwand, auf die wir EINEN die Realität, immer komplexer werdend, malen können.
Man könnte nun dahergehen und das Ausmaß des technologischen Fortschritts mit PI (π) bezeichnen, ganz im Sinne des gleichnamigen Films, zumal PI den Flächeninhalt eines Kreises mit dem Radius r=1 beschreibt und der Fortschritt so mit der Größe des Kreises fortschreitet, um nicht zu sagen, sich vom Mittelpunkt, dem Kern des Kreises, entfernt. Nun, der Wahnsinn wäre wahrscheinlich ”vorprogrammiert”, ließe man einzig als Menschheit verkörpertes Bewusstsein walten und alles Mögliche anstellen, gäbe es nicht die ANDEREN, die stets zu HARMONISIEREN vermögen, was wir EINEN für möglich halten. Und wo wäre diese HARMONISIERUNG besser aufgehoben, wenn nicht inmitten unseres technologischen Fortschritts und damit inmitten von PI? Was daraus folgt ist PHI.

Unzählige Bücher wurden über PHI, den Goldenen Schnitt, geschrieben, manches Projekt verfasst, und ein, nicht für jedermann, schmackhaftes Menue in sechs Gängen dargeboten, aber es scheint, als sei bisher noch niemand auf die Idee gekommen, die Geschichte des GANZEN aus Sicht von PHI genauer zu betrachten. Offensichtlich ist die Zeit nun reif … und die Offensichtlichkeit noch immer das beste Versteck für das Wesen(tliche) dieser einen Geschichte, welches zugleich das eigentliche PROBLEM der Realität offenbart.

Die Lösung (x)

Die Lösung (4)

ALLES ist EINS … und ALLES ist in EINEM, inklusive der Lösungen, samt LÖSUNG, des PROBLEMS, immerzu Teil des GANZEN und in Beziehung zu ALLEM stehend, egal, wie groß der Kreis um das PROBLEM von uns EINEN auch gezogen wird, egal, wie weit der Bogen, den wir EINEN versuchen um das PROBLEM zu machen, auch ausfallen mag, egal, wie weit das Pendel somit ausschlagen kann. Das Leben muss sich diesen Teufelskreisen stellen … um letztendlich wirklich erwachsen werden zu können, sich nach und nach vom unordentlichen Ballast der Wachstumsphase befreiend, jenseits der Pubertät, jenseits des Zenits der Geradlinigkeit, auf dem Weg ins Tal

Somit sei erneut gefragt: Kann eine Geschichte gefälscht werden, die sich selbst einzig als Dynamik im Gegenwärtigen darlegt, oder ist der Eindruck der Fälschung nicht eher der Dynamik verschiedener Möglichkeiten zuzuordnen, die noch keine gemeinsame Basis bzw. Talsohle gefunden haben?
Die Vorstellung, der Kosmos breitet sich aus der Vergangenheit immer weiter aus, ist dermaßen zur Gewohnheit geworden, dass die Vorstellung, die Ausbreitung des Kosmos geschieht einzig als Realisierung aus dem Gegenwärtigen heraus, völlig übersehen wird. Je mehr Möglichkeiten, desto mehr Ausbreitung. Je weiter eine Möglichkeit in die so entstehende (!) Vergangenheit ”zurück”geschoben wird und in den Kontext des ”bisherigen” Vergangenen passt, desto näher kommt diese realisierte Bildvokabel der Kohärenz und damit der Bedeutung für das GANZE, sprich, für den Kosmos als Ganzes, der nichts anderes ist, als die Problematisierung des PROBLEMS mitsamt Lösungsweg.

Aus der Gegenwart, dem Hier und Jetzt, heraus sammelt eine Möglichkeit auf dem Weg zurück weitere Möglichkeiten an, um so mehr und mehr als Tatsächlichkeit im Nachhinein zu erscheinen. So wie aus einem Knochen ein Dino wird, wird aus einem Artefakt die Geschichte eines Volkes. Aus einem Schneeball, der von der Spitze eines Berges ins Tal rollt, wird eine verheerende Lawine … allerdings nur, wenn zuvor auch ausreichend Schnee gefallen ist. Sprich, der Schnee von Gestern ermöglicht erst die Lawine von Heute. Jede Schneeflocke auf dem Boden der Realität wird somit zur Möglichkeit Teil der Lawine zu werden. Schneeflocken werden zu Daten, gleichsam fragil. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto größer die Schneekugel bzw. der Kreis, der den Fortschritt symbolisiert und desto verheerender die Auswirkungen auf die Geschichte der Vergangenheit, wenn die Kugel ins Tal rollt. Daher werden Bezichtigungen der Fälschung und Verschwörungen notwendig, um die Schneekugel möglichst lange in der Nähe der Bergspitze verweilen zu lassen.

Dass wir EINEN immer mehr das Wesen des Lebens aus den Augen verlieren, liegt in unserer Vorstellung begründet das Leben sei erst sehr viel später, lange nach dem Urknall, entstanden, nicht in Erwägung ziehend, dass der Kosmos fortwährend nur einen Augenblick währt … und stets ein unterbewusstes Werk ist, ein Open-Source-Projekt allen Lebens, alle Möglichkeiten zum Ausdruck bringend, die notwendig sind, um den Lösungsweg für das PROBLEM zu realisieren. Dieses PROBLEM wurde erst zur Problematisierung mittlerweile kosmischen Ausmaßes, als die Einheit sich entzweite ( wir EINEN und die ANDEREN ) und seitdem eine Dynamik in Gang setzte, um der Einheit wieder näher zu kommen, jedoch nicht ohne aus der Not(wendigkeit) der Trennung eine Tugend zu machen. So gestaltet sich das Leben seitdem als offener Schlagabtausch, zwischen Yin und Yang, dem weiblichen und dem männlichen Prinzip, zwischen PHI-Male und Male  😉, zwischen dem Mond und der Sonne, zwischen Licht und Schatten und dem Tag und der Nacht … und zwischen den Möglichkeiten der Vergangenheit und der zukünftigen Notwendigkeit im Rahmen des GANZEN, verkörpert durch die ANDEREN und uns EINEN.

Die Kreise werden daher seit der Trennung immer größer. Es bedarf immer größerer Handlungs- bzw. Spielräume, damit die HARMONIE gewahrt bleiben kann, während wir EINEN Dekohärenz säen und die ANDEREN Kohärenz ernten müssen, weshalb die realisierte Evolution der Verkörperungen von Bewusstsein alle Quellen des Open-Source-Projekts, namens Leben, zu nutzen weiß.

Die einzig wahre Geschichte erzählt PHI. Sie erzählt vom Wirken der HARMONIE aus dem geistreichen Chaos der Entfremdung heraus. Ihre Beständigkeit bringt diese eine Geschichte durch die Zahlenfolge all der Kreise zum Ausdruck, die es bedarf, um all das bzw. das All als das zu sehen, was es in Wirklichkeit ist, nämlich, keineswegs eine endlose Verkettung von immer mehr Möglichkeiten, sondern die Bewahrung des Wesens im Zentrum allen Seins und Teil eines jeden Augenblicks. Es ist die einzig mögliche Beständigkeit, die sich jedem Versuch der Fälschung zu entziehen vermag, egal, wie sehr wir EINEN auch versuchen Daten anzusammeln, um die Welt einzig nach unseren Vorstellungen zu realisieren, Vergangenheit und Zukunft inklusive.

Die Gegenwart ist immer das Notwendigste aller vergangenen Gegenwärtigkeiten und das Möglichste aus vergangenen Erwartungen. Sie geht aus der Schnittmenge zweier Kreise hervor und wächst mit der Not, die wir EINEN mit der Gemeinschaft des Lebens haben, und der Tugend der ANDEREN ihrem Wesen treu zu bleiben. Dabei verkörpern wir EINEN die Rollen, die die ANDEREN nicht spielen können, da sie ihrem Wesen treu bleiben müssen, um auszugleichen, was der Mensch bewirkt, indem er selbst seine Rolle als Wesentlich ansieht und den ANDEREN Rollen zuordnet, die sie aber gar nicht verkörpern können. So sehen wir Geschichte als Versuch die Welt heute so zu sehen, wie man sie in der Vergangenheit mit den Augen der Gegenwart gesehen hätte, doch in der LIEBE zum GANZEN, und damit zur ganzen Wahrheit, lässt sich nur die Gegenwart klären … um Platz zu schaffen für einen neuen Augenblick.

In der Änderung des Kontextes der jeweiligen Gegenwart ändert sich auch die Emotionalität der Betrachtung und damit das vergangene Bild. Erst im aufrichtigen Gefühl ehrlich zu sich selbst zu sein verschwindet die beziehungskappende Emotion und das Bild kommt dem Wesentlichen näher. Die Gemeinschaft der Menschen wird zunehmend zu Gesellschaften mit immer mehr verschiedenen Blickwinkeln. Die Problematisierung wird immer verfahrener, immer mehr entfremdet vom Wesentlichen, vom eigentlichen PROBLEM … und so wie jedes Problem im Laufe der Problematisierung die Energie realisiert, die zu seiner Lösung führt, so realisiert auch das PROBLEM die Energie, aus der die Problematisierung genährt wird, inklusive der Bewusstwerdung des PROBLEMS und des Lösungsweges … so wie jede Krankheit auch das Potenzial zur Heilung in sich trägt, solange das Wesen des Lebens Teil jeder Gegenwart bleiben kann. PHI eben. Woher sonst kommt die Energie mit der wir EINEN emsig eine immer größer werdende Schneekugel einen uns immer höher erscheinenden Berg hinaufrollen …

Gruß Guido

Mein Dank geht erneut an Andreas OttigerAmmann für die Bereitstellung der Originalgrafiken, die ich an das Thema angepasst habe.


Autor: Guido Vobig – Initiator der Projekte:

http://www.gold-dna.de
http://www.gold-dna.de/phi.html
http://www.gemeinsaminstal.de

Einen Dank an Guido und Martin: FaszinationMensch

Beigragsbild: Geschichte schreiben – http://pixabay.com/

Menschliche Zukunft

Über die eigentlichen Probleme und Lösungen

von Rudolf Kuhr

Immer mehr Bücher, Zeitschriften, Artikel, Tagungen und Vereine befassen sich mit dem Thema “Zukunft” in allen möglichen Bereichen. Allzu gern konzentriert man sich dabei auf Technik, Ökologie, Wirtschaft oder Politik. Was meistens fehlt, das ist das Thema “Mensch”. Dabei ist der Mensch doch das eigentliche Problem des Menschen. Nicht die Technik bringt die Gefahr oder den Segen, sondern der Mensch, der sie schafft und sich ihrer bedient. Je weniger erwachsen und damit verantwortlich ein Mensch ist, um so eher läßt er sich zur Überschätzung und zum Mißbrauch der Technik verführen.

Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben.

Albert Einstein

Mehr ganzheitliche Denk-Ansätze sind erforderlich, Ansätze, die den Menschen mit einbeziehen, denn immer sind es Menschen in ihrer jeweiligen geistigen Grund-Einstellung und Befindlichkeit, welche die Technik, die Wissenschaft etc. entwickeln, und es sind – meist andere – Menschen, welche die Ergebnisse aus diesen Gebieten anwenden. Wenn bei dem Thema Zukunft im Vordergrund das Gebiet der Technik steht, dann ist das etwa so, als wenn beim Thema Fußball-Spiel vordergründig die technische Beschaffenheit des Balles behandelt würde. Deshalb wären bei Zukunfts-Fragen der Mensch und die Menschlichkeit vorrangig zu erörtern, wenn das Thema nicht nur eine Alibifunktion erfüllen und zur Selbsttäuschung führen soll.

  • Warum denn wird der Mensch als Verursacher der Probleme und als “Endverbraucher” der Zukunftsvisionen nicht in die Überlegungen mit einbezogen?
  • Was ist überhaupt Menschlichkeit?
  • Woraus besteht sie, wie entsteht sie?
  • Wie könnte, wie sollte, wie muß sie sein, wenn die derzeitigen Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft – und zwischen Mensch und Natur – erhalten, stabilisiert und verbessert werden sollen?
  • Welche Motive treiben Wissenschaftler, Techniker, Wirtschaftler, Politiker an?
  • Welche Welt- und Menschenbilder liegen ihrem Handeln zugrunde?
  • Wie bilden sich diese Welt- und Menschenbilder und die daraus erwachsenden Werte?
  • Schließlich: Sind die maßgebenden “Bilder” und Bildungs-Einrichtungen noch aktuell und zukunftsweisend für eine sinnstiftende ethische Orientierung?

ZukunftGleich nach dem Thema Menschlichkeit, noch vor der Technik, sollten die Medien auf die Zukunfts-Tagesordnung gesetzt werden. Presse, Funk und – vor allem – das Fernsehen sind viel bedeutender für die gesellschaftliche Entwicklung als bisher allgemein angenommen wird. Und die Medienmacher tragen viel mehr Verantwortung als ihnen bewußt ist und aus ihren Arbeiten erkennbar wird. Sie könnten, sie sollten weit mehr Mediatoren sein, anstatt Unterhalter und Verstärker traditioneller Positionen. Es ist an der Zeit, zu diskutieren, ob die vom Gesetzgeber den öffentlich-rechtlichen Medien vorgegebenen Aufgaben – Information, Bildung und Unterhaltung – noch aktuell sind, und ob nicht die Vorgabe Unterhaltung durch Mediation ersetzt gehörte. Bei dem heutigen Überangebot an Informationen und sinnlichen Einflüssen ist sogar zu fragen, ob Unterhaltung ohne einen gewissen ethischen Anspruch nicht als Droge eingestuft werden müßte.

Mit Blick auf unsere Zukunft hat auch das weite Feld der Menschenbildung Vorrang. Im Vergleich zu Technik, Wirtschaft usw. besteht hier ein großer Nachholbedarf. Dabei sollte der Mensch stets als Entwickler und als Anwender zugleich im Blick behalten werden. Wenn die Gesellschaft nachhaltig stabilisiert und weiterentwickelt werden soll, dann muß unsere überwiegend analytisch orientierte Grundhaltung durch eine ganzheitliche, zusammenführende ersetzt werden. Gerade im Hinblick auf die Globalisierung können auch persönlichkeitsformende Faktoren wie Kultur und Religion nicht weiter privatisiert und tabuisiert bleiben. Auch hier müssen trennende und ausgrenzende Orientierungen zugunsten der Erkenntnis überwunden werden, daß es nur diese eine Welt und diese eine Menschheit gibt. Erst wenn die Identität der einzelnen Menschen nicht mehr durch Abgrenzung, sondern durch individuelle, eigenständige und unmittelbare Verbundenheit zum Ganzen gewonnen wird, kann sich auch das spezifisch Individuelle im Menschen frei von Abhängigkeiten voll entfalten und zur nachhaltigen Entwicklung der Mitwelt beitragen. Unsere Zukunft wird wesentlich von der Entwicklung des Menschen bestimmt, seine innere Stabilität und seine ethische Orientierung sind entscheidend.

Schon jetzt, nicht erst in der Zukunft, hätten wir alle Möglichkeiten um ein sinnerfülltes Leben zu führen. Wenn nur der Sinn mehr erkannt, verinnerlicht und berücksichtigt würde. An diesem, scheinbar unbedeutenden Punkt zeigt sich der Ursprung der menschlichen Fehlentwicklung.

  • Wer denkt schon darüber nach?
  • Wer hat überhaupt Interesse daran?
  • Wer hat Zeit und Ruhe dazu?

Die meisten Menschen, voran die Macher und Bestimmer, sind dermaßen von ihren täglichen Aufgaben besetzt, daß sie kaum über den Sinn ihrer Tätigkeit nachdenken, geschweige denn über den Sinn des und ihres Lebens. Und nun ist auch das Thema Zukunft für viele ein Mittel, um der schwierigen Gegenwart und einer bedrohlichen Besinnlichkeit zu entfliehen. Wie anders kann dies gesehen werden angesichts der zunehmenden Flut an Büchern, Zeitschriften, Artikeln, Tagungen und Vereinen, die sich fast ausschließlich mit Technik, Ökologie, Wirtschaft, Politik und deren Teilgebieten beschäftigen, nicht aber mit dem Menschen?

Wir haben in unserer Gesellschaft für alle möglichen Gebiete Experten. Was fehlt, ist eine Orientierung an dem, was unsere Probleme verursacht und wo die Lösung zu finden wäre: beim Menschen. Im Grunde sehr einfach, aber für die meisten wohl zu schwer. Wie sagte Wilhelm Busch so schön? „Was ist am schwersten zu erreichen? – Daß man sich selber hinter die Schliche kommt.“ Bleibt zu hoffen, daß vielleicht doch noch irgendwann genügend Menschen sich am universellen Menschentum orientieren, es verinnerlichen und sich öffentlich dazu bekennen. Das ist allemal eine wesentliche Voraussetzung zur nachhaltigen Sicherung der Zukunft.

Rudolf Kuhr


Rudolf_Kuhr_Wachstum_an_Menschlichkeit_Humanismus_als_GrundlageQuelle: Humanistische AKTION für verantwortliche Menschlichkeit > Webseite > Artikel

Buchtitel: “Wachstum an Menschlichkeit. Humanismus als Grundlage” > zur Vorstellung meines Buches

Bildquellen:

1. FREIHEIT – KONSUM: Verzicht – warum nicht? Foto: Bernd Wachtmeister / Pixelio.de

2. Mann auf Karton sitzend und über die Zukunft nachdenkend. Foto: Bernd Kasper / Pixelio.de

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von  Kritisches Netzwerk

Repariert nicht, was euch kaputt macht!

Gegen das bürgerliche Dasein – für das gute Leben!

Streifzuege_logo

von Streifzüge-Redaktion

1.

Durch die Politik können keine Alternativen geschaffen werden. Sie dient nicht der Entfaltung unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten, sondern in ihr nehmen wir bloß die Interessen unserer Rollen in der bestehenden Ordnung wahr. Politik ist ein bürgerliches Programm. Sie ist stets eine auf Staat und Markt bezogene Haltung und Handlung. Sie moderiert die Gesellschaft, ihr Medium ist das Geld. Sie folgt ähnlichen Regeln wie der Markt. Hier wie dort steht Werbung im Mittelpunkt, hier wie dort geht es um Verwertung und ihre Bedingungen.

Das moderne bürgerliche Exemplar hat die Zwänge von Wert und Geld völlig aufgesogen, kann sich selbst ohne diese gar nicht mehr vorstellen. Es beherrscht sich wahrlich selbst, Herr und Knecht treffen sich im selben Körper. Demokratie meint nicht mehr als die Selbstbeherrschung der sozialen Rollenträger. Da wir sowohl gegen die Herrschaft als auch gegen das Volk sind, warum sollen wir ausgerechnet für die Volksherrschaft sein?

Für die Demokratie zu sein, das ist der totalitäre Konsens, das kollektive Bekenntnis unserer Zeit. Sie ist Berufungsinstanz und Lösungsmittel in einem. Demokratie wird als ultimatives Resultat der Geschichte verstanden, das nur noch verbessert werden kann, hinter dem aber nichts mehr kommen soll. Die Demokratie ist Teil des Regimes von Geld und Wert, Staat und Nation, Kapital und Arbeit. Das Wort ist leer, alles kann in diesen Fetisch hineingegeistert werden.

Das politische System gerät selbst mehr und mehr aus den Fugen. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine Krise von Parteien und Politikern, sondern um eine Erosion des Politischen in all seinen Aspekten. Muss Politik sein? Aber woher denn und vor allem wohin denn? Keine Politik ist möglich! Antipolitik heißt, dass Menschen sich gegen ihre sozialen Zwangsrollen aktivieren.

2.

Marianne_Gronemeyer_Wer_arbeitet, suendigtKapital und Arbeit bilden keinen antagonistischen Gegensatz, sie sind vielmehr der Verwertungsblock der Kapitalakkumulation. Wer gegen das Kapital ist, muss gegen die Arbeit sein. Die praktizierte Arbeitsreligion ist ein autoaggressives und autodestruktives Szenario, in dem wir gefangen und befangen sind. Abrichtung zur Arbeit war und ist eines der erklärten Ziele der abendländischen Modernisierung.

Während das Gefängnis der Arbeit zusammenstürzt, steigert sich die Befangenheit in den Fanatismus. Es ist die Arbeit, die uns dumm macht und krank noch dazu. Die Fabriken, die Büros, die Verkaufshallen, die Baustellen, die Schulen, sie sind legale Institutionen der Zerstörung. Die Spuren der Arbeit, wir sehen sie täglich an den Gesichtern und Körpern.

Arbeit ist das zentrale Gerücht der Konvention. Sie gilt als Naturnotwendigkeit und ist doch nichts als kapitalistische Zurichtung menschlicher Tätigkeit. Tätig sein ist etwas anderes, wenn es nicht für Geld und Markt geschieht, sondern als Geschenk, Gabe, Beitrag, Schöpfung für uns, für das individuelle und kollektive Leben frei verbundener Menschen.

Ein beträchtlicher Teil aller Produkte und Leistungen dient ausschließlich der Geldvermehrung, zwingt zu unnötiger Plage, vergeudet unsere Zeit und gefährdet die natürlichen Grundlagen des Lebens. Manche Technologien sind nur noch als apokalyptisch zu begreifen.

3.

Euro_Eurokrise_Eurolaender_Finanzkrise_Pleitegeier_Bankenkrise_Bankenrettung_Waehrungsreserven_Wertverlust_Rettungsschirm_Geldwertstabilitaet_Geldsystem_Kapitalismus_by_Klaus Brüheim_pixelio.de_Geld ist unser aller Fetisch. Niemand, der es nicht haben will. Wir haben das zwar nie beschlossen, aber es ist so. Geld ist ein gesellschaftlicher Imperativ und kein modellierbares Werkzeug. Als eine Kraft, die uns ständig zum Berechnen, zum Ausgeben, zum Eintreiben, zum Sparen, zum Verschulden, zum Kreditieren zwingt, demütigt und beherrscht sie uns Stunde für Stunde. Geld ist ein Schadstoff sondergleichen. Der Zwang zum Kaufen und Verkaufen steht jeder Befreiung und Selbstbestimmung im Weg. Geld macht uns zu Konkurrenten, ja Feinden. Geld frisst Leben. Tauschen ist eine barbarische Form des Teilens.

Nicht nur, dass eine Unzahl von Berufen sich ausschließlich damit beschäftigt, ist absurd, auch alle anderen Kopf- und Handarbeiter sind permanent am Kalkulieren und Spekulieren. Wir sind abgerichtete Rechenautomaten. Geld schneidet uns von unseren Möglichkeiten ab, erlaubt nur, was sich marktwirtschaftlich rechnet. Wir wollen das Geld nicht flott-, sondern wegkriegen.

Ware und Geld sind nicht zu enteignen, sondern zu überwinden. Menschen, Wohnungen, Produktionsmittel, Natur und Umwelt, kurzum: nichts soll eine Ware sein! Wir müssen aufhören, Verhältnisse zu reproduzieren, die uns unglücklich machen.

Befreiung heißt, dass die Menschen sich ihre Produkte und Dienste zukommen lassen. Dass sie sich direkt aufeinander beziehen und nicht wie jetzt sich in ihren gesellschaftlichen Rollen und Interessen (als Kapitalisten, Arbeiter, Käufer, Staatsbürger, Rechtssubjekte, Mieter, Eigentümer etc.) konfrontieren. Bereits heute erleben wir geldfreie Sequenzen in der Liebe, in der Freundschaft, in der Sympathie, in der Hilfe. Da schenken wir uns etwas, schöpfen gemeinsam aus unseren existenziellen und kulturellen Energien, ohne dass Rechnungen präsentiert werden. Da spüren wir in einigen Momenten, dass es ohne Matrix ginge.

4.

Albert_Einstein_Probleme_kann_man_Denkweise_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft IESM_pixelio.de_Kritik ist mehr als radikale Analyse, sie verlangt die Umwälzung der Verhältnisse. Perspektive versucht zu benennen, wie menschliche Verhältnisse zu gestalten sind, die dieser Kritik nicht mehr bedürfen; die Vorstellung einer Gesellschaft, in der das individuelle und kollektive Leben neu erfunden werden kann und muss. Perspektive ohne Kritik ist blind, Kritik ohne Perspektive ist hilflos. Transformation ist Experiment auf dem Fundament der Kritik mit dem Horizont der Perspektive. „Repariert, was euch kaputt macht!“, ist unsere Formel nicht.

Es geht um nichts weniger als um die Abschaffung der Herrschaft, egal ob diese sich in persönlicher Abhängigkeit oder in Sachzwängen äußert. Es geht nicht an, dass Menschen anderen Menschen unterworfen bzw. ihren Geschicken und Strukturen hilflos ausgeliefert sind. Selbstherrschaft wie Selbstbeherrschung sind unsere Sache nicht. Herrschaft ist mehr als Kapitalismus, aber der Kapitalismus ist das bisher entwickelteste, komplexeste und destruktivste System von Herrschaft. Unser Alltag ist so konditioniert, dass wir den Kapitalismus täglich reproduzieren, uns verhalten, als gäbe es keine Alternativen.

Wir sind blockiert, Geld und Wert verkleben unsere Gehirne und verstopfen unsere Gefühle. Die Marktwirtschaft funktioniert wie eine große Matrix. Sie zu negieren und zu überwinden ist unser Ziel. Ein gutes und erfülltes Leben setzt den Bruch mit Kapital und Herrschaft voraus. Es gibt keine Transformation der gesellschaftlichen Strukturen ohne Änderung unserer mentalen Basis und keine Änderung der mentalen Basis ohne die Überwindung der Strukturen.

5.

Kapitalistische_Demokratie_Kapitalismus_Entdemokratisierung_Volksverdummung_Wir protestieren nicht, darüber sind wir hinaus. Wir möchten nicht Demokratie und Politik neu erfinden. Wir kämpfen nicht für Gleichheit und Gerechtigkeit und wir berufen uns auf keinen freien Willen. Auch auf den Sozialstaat und den Rechtsstaat wollen wir nicht setzen. Und schon gar nicht möchten wir mit irgendwelchen Werten hausieren gehen. Die Frage, welche Werte wir brauchen, ist einfach zu beantworten: Keine!

Wir stehen für die restlose Entwertung der Werte, für den Bruch mit dem Repertoire der Hörigen, die gemeinhin Bürger genannt werden. Dieser Status ist zu verwerfen. Ideell haben wir das Herrschaftsverhältnis schon gekündigt. Der Aufstand, der uns da vorschwebt, gleicht einem paradigmatischen Sprung.

Wir müssen raus aus dem Käfig der bürgerlichen Form. Politik und Staat, Demokratie und Recht, Nation und Volk sind immanente Gestalten der Herrschaft. Für die Transformation steht keine Partei und keine Klasse, kein Subjekt und keine Bewegung zur Verfügung.

6.

Entspannung_Relaxen_Optimismus_Muse_positives_Denken_Erholung_Energie_tanken_Seele_baumeln_lassen_by_special4kd_pixelio.de_Es geht um die Befreiung unserer Lebenszeit. Nur sie ermöglicht mehr Muße, mehr Lust, mehr Zufriedenheit. Gutes Leben heißt Zeit haben. Was wir brauchen, ist mehr Zeit für Liebe und Freundschaften, für die Kinder, Zeit zu reflektieren oder um faul zu sein, aber auch, um sich intensiv und exzessiv mit dem zu beschäftigen, was einem gefällt. Wir stehen für die allseitige Entfaltung der Genüsse.

Befreites Leben heißt länger und besser schlafen und vor allem auch öfter und intensiver miteinander schlafen. Im einzigen Leben geht es um das gute Leben, das Dasein ist den Lüsten anzunähern, die Notwendigkeiten sind zurückzudrängen und die Annehmlichkeiten zu erweitern. Das Spiel in all seinen Varianten verlangt Raum und Zeit. Das Leben muss aufhören das große Versäumnis zu sein.

Wir wollen nicht die sein, die zu sein wir gezwungen werden.

Streifzüge-Redaktion


Quelle: Streifzüge > Artikel

“Streifzüge – Magazinierte Transformationslust” ist eine Publikation des Vereins für gesellschaftliche Transformationskunde in Wien.

Bild- und Grafikquellen:

1. Straßenmalerei “ZUKUNFT OHNE GELD”, aufgenommen auf dem Paradeplatz in Zürich während einer Occupy-Veranst.. Foto: Roland zh. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

2. Buchcover: “Wer arbeitet, sündigt…: Ein Plädoyer für gute Arbeit”. Autorin: Marianne Gronemeyer. PRIMUS-Verlag, ISBN: 978-3-8631-2001-6. Zur Buchvorstellung – weiter

3. “Geld frisst Leben”. Grafik: Klaus Brüheim. Quelle: Pixelio.de

4. Zitat v. Albert Einstein: “Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft, IESM. Quelle: Pixelio.de

5. Kapitalistische Demokratie. Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress

6. Entspannung und sich mal `ne Auszeit gönnen. “Wer keine Muße kennt, lebt nicht.” Foto: special4kd. Quelle: Pixelio.de

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von Kritisches Netzwerk

Die Welt ist nicht heil – aber heilbar!

von Rudolf Kuhr  

Weltkugel_heile_Welt_Globus_Erde_Erdkugel_Weltanschauung_Verantwortung_Humanismus_Fuersorge_Nachhaltigkeit_Umweltschutz_Ganzheit_Ganzheitlichkeit_Weltbuerger_by_Heinz_Hirsch_pixelio.de_Die Vorstellungen von einem Weltbürgertum sind nicht neu, die Umsetzung scheint jedoch immer noch in weiter Ferne zu liegen. Warum läßt die Praxis so lange auf sich warten? Warum wiederholen die Menschen immer wieder die gleichen Fehler? Obwohl die Geschichte gezeigt hat, daß nationale Abgrenzungen zu Konflikten führen, sind erst in der jüngsten Vergangenheit größere staatliche Gebilde des Ostblocks wieder in kleinere Nationalstaaten zerfallen, die sich zum Teil sogar gegenseitig bekriegen. Auch der freiwillige Verzicht auf demokratische Verhältnisse, wie in Weißrußland, sollte den Verfechtern eines Weltbürgertums zu denken geben und sie veranlassen, zumindest gleichrangig mit den Bestrebungen nach einem Weltregierungs-System den Weltbürger selbst als Menschen entsprechend heranzubilden. Mit der Einführung eines Systems durch Politiker ist es allerdings nicht getan. Zu einer Weltföderation fehlt es noch immer an einer genügenden Anzahl von Menschen, die dazu willens und vor allem auch dazu fähig wären. Eine Welt-Regierung müßte sich nach den bisherigen Gegebenheiten erst noch ein passendes Volk suchen.

‘Das Heil und der Tod – Vom Gesundmachenwollen und Sterbendürfen’ hieß das Thema einer Zeitschrift zu wesentlichen Lebensfragen unserer Zeit. Über das Heil war allerdings kaum etwas zu lesen. Dabei wäre wohl eine gründliche Kenntnis davon eine wesentliche Voraussetzung dazu, das einmalige, uns anvertraute Leben bewußter zu führen, menschenwürdiger zu gestalten, wie der Redakteur in seinem Aufruf für entsprechende Beiträge zu diesem Thema treffend schrieb. Der Tod war offensichtlich interessanter, wichtiger. Das ist zwar nicht verkehrt, denn nur zu oft wird er verdrängt. Das Heil sollte jedoch auch nicht vernachlässigt werden, weil dieses, in einem genügendem Maße verwirklicht, uns den Tod leichter annehmen lassen könnte.

Heil ist ein heute etwas antiquiert anmutender Begriff, wenn man an seine Herkunft aus dem Germanischen denkt, und durchaus auch ein Unbehagen auslösender, wenn man an seine inflationäre und mißbräuchliche Verwendung im 3. Reich (Heil-Hitler!) und durch verschiedene religiöse Konfessionen denkt, sei es beispielsweise mit den Bezeichnungen wie Heilige Schrift, Heiliger Vater, Heiliger Stuhl, Heilige Stadt oder Heiliger Krieg.

Allgemein anerkannt ist der Begriff Heil im Bereich der Gesundheit, dem Heilwesen, wenngleich er hier oft fälschlich verwendet wird, indem man gern von unheilbaren und heilbaren Krankheiten spricht, obwohl nicht Krankheiten, sondern Menschen geheilt werden sollen. Dem entsprechend müßte es eigentlich anstatt Zahnheilkunde wohl richtiger Zahnreparaturkunde heißen. In der Medizin wird viel über Krankheiten gelehrt aber kaum etwas über Gesundheit. Es ist eine verhängnisvolle Selbsttäuschung, wenn man glaubt, mit der Beseitigung des Krankheitssymptoms einen Menschen geheilt zu haben.

Was wie Wortklauberei erscheint ist jedoch von einiger Bedeutung, weil eine unheilvolle Orientierung deutlich wird, die nicht nur in der Medizin, sondern auch in vielen anderen Bereichen vorherrscht. Es ist die Konzentration auf Probleme, nicht auf die Möglichkeit eines ganzheitlichen Ideals einer heilen Welt. In der Gesellschaft ist eine allgemeine Orientierung auf äußerlich erkennbare Erfolge und Symptome von Fehlverhaltenweisen in Teilbereichen zu erkennen, kaum jedoch eine solche auf eine sinnvolle, ganzheitliche Lebensgestaltung.

Fingerzeig_Zeigefinger_Verantwortung_Schuldzuweisung_by_Lupo_pixelio.de_Es ist halt bequemer, die Vorstellung von einer heilen Welt für weltfremd zu erklären als sich darum zu bemühen, eine solche zu verwirklichen, denn das würde Arbeit an der eigenen Person als dem nächstliegenden Teil dieser Welt bedeuten. Die Welt ist nicht heil, aber sie ist heilbar. Nicht heil ist sie durch den nicht heilen Menschen aber sie wäre heilbar durch die Heilung des Menschen. Heil bedeutete ursprünglich Rettung, Hilfe, Nutzen oder Lebenskraft des Menschen, besonders als Gabe Gottes oder der Götter; im Christentum die Erlösung. Heilen wird für Gesundmachen, in der Umgangssprache auch, örtlich verschieden, als Heilmachen oder Ganzmachen für Wiederherstellen von Gegenständen verwendet. Sinnvolle Übersetzung von Heil wäre heute vielleicht am ehesten Ganzheit oder Ganzheitlichkeit.

Das Un-heile der Welt beginnt mit dem Menschen, und zwar mit jedem Menschen erneut bereits durch seinen Verstand, der ihn, im Gegensatz zum Instinkt besitzenden Tier, von der ganzheitlichen Verbundenheit mit der Natur trennt. Dieses Bewußtsein des Getrenntseins sowie von der eigenen Endlichkeit löst Unbehagen und Gefühle der Angst aus, die meist schwer ertragen werden. Es entsteht eine mehr oder weniger bewußte Suche nach einer Lösung dieses Problems. So entsteht Religion, Rückbindung, durch geistige und/oder materielle Hilfsmittel, durch Heilmittel in Form von Vorstellungen, Ideologien, Konfessionen und/oder Gegenständen und Personen. Wenn diese Heilmittel nicht zur Heilung des Menschen führen, indem sie ihm zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit verhelfen und dazu, daß er eine un-mittelbare, eigenständige Verbindung zur Natur herstellt, dann werden sie zur Droge im Sinne der Abhängigkeit mit den bekannten unheilvollen Folgen für Individuum und Gesellschaft.

Mit der Trennung des Menschen durch seinen Verstand von der Natur verhält es sich ähnlich wie mit der Trennung von seinen Eltern im Entwicklungsprozeß des Erwachsenwerdens. Er kann nur stabil werden, indem er zu sich selbst hingeführt wird und sich zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit, zur Mündigkeit entwickelt, wenn er sich innerlich ablöst und die Verantwortung für sich selbst voll und eine gewisse Mitverantwortung für seine Mitwelt mit übernimmt. Wenn Eltern ihre Kinder aufgrund eigener Unselbständigkeit nicht loslassen oder sie sehr früh an eine ideelle Autorität binden, dann be- oder verhindern sie eine vollständige Selbständigkeit, eine eigenständige Identität in un-mittelbarer Verbundenheit zur Natur. Sie fördern damit eine innere Spaltung in eine reale und eine Scheinwelt, die Ursache ist für inneren und äußeren Unfrieden. Sie fördern die Neigung zu ständiger Suche nach Hilfe von außen und damit zur Sucht. Und sie fördern auch die Neigung zur Gewalt gegen sich und die Mitwelt.

Das einzige Heilmittel, das den Menschen wirklich heilen und von der Sucht erlösen kann, ist das Streben nach Wahrhaftigkeit, das Anerkennen der Tatsachen. Tatsache ist, daß ich in meiner Erkenntnisfähigkeit beschränkt bin, und daß ich sterben muß. Tatsache ist, daß diese beschränkte Erkenntnis eine unangenehme und eine angenehme Seite hat. Die unangenehme Seite ist die Kenntnis von meiner Unfähigkeit zu vollkommener Erkenntnis sowie von meiner Endlichkeit. Die angenehme Seite ist die Erkenntnis, daß mich die Kenntnis von der unangenehmen Seite veranlassen kann, offen zu sein für mögliche Erweiterungen meiner derzeitigen Kenntnisse, sowie die mir voraussichtlich zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu nutzen. Tatsache ist auch, daß ich mich mit demselben Verstand, der mich unfreiwillig von der Natur trennt, freiwillig durch eine realistische Anschauung der Welt wieder mit dieser verbinden kann, um mich als Teil derselben zu erkennen und zu erleben. Ebenso Tatsache ist, daß eine gleichzeitige Gegensätzlichkeit wie mit den beiden unangenehmen und angenehmen Gesichtspunkten, eine anregende Spannung und Energie entstehen läßt.

Heil bedeutet, wahrhaftig und ganzheitlich orientiert zu sein, einen Sinn des Lebendigen in der Dreieinigkeit mit den gegensätzlichen Polen und der sich daraus ergebenden Kraft zu erkennen; nicht den bequemen, linearen Weg in das eine Extrem zu nehmen, sondern Verbindung zwischen beiden zu halten, und die daraus entstehende Spannung sinnvoll zu nutzen. Wie zum Beispiel bei der elektrischen Energie, die aus den beiden gegensätzlichen Polen Plus und Minus und der daraus entstehenden Spannung besteht, so bestehen auch im menschlichen Bereich immer wieder dreipolige Verhältnisse, die in einem ausgewogenen Gleichgewicht sein müssen, wenn sie heilsam wirken sollen. Körper + Geist = Seele; Verstand + Gefühl = Vernunft; These + Antithese = Synthese; Ich + Wir = gemeinsame Aufgabe; Idealismus + Materialismus = Humanismus. Wenn einer der gegensätzlichen Pole überbetont wird, dann wird das Ganze geschwächt und es entsteht ein Ungleichgewicht, eine ungesunde Einseitigkeit bis hin zum Extremismus.

Humanismus ist unter den Religionen, Konfessionen, Weltanschauungen und sonstigen geistigen Rückbindungen diejenige ethische Orientierung,deren Namen bereits den direkten Weg und das eigentliche Zielsinnvollen Handelns enthält, deren Maßstäbe real, plausibel und wissenschaftlich haltbar zu begründen sind.
Rudolf Kuhr

Heil ist wohl am ehesten darin zu sehen, sich als Bestand-Teil der Mitwelt, bestehend aus menschlicher Gemeinschaft und Natur, zu erkennen und zu erleben, sich einerseits distanzieren zu können und andererseits gleichzeitig verbunden zu fühlen, auch von und mit sich selbst. Heil entsteht nicht durch Verdrängen unangenehmer Tatsachen und durch das Abhängigmachen von materiellen oder geistigen Heilmitteln, sondern durch das Anerkennen der Realität und durch sinnvolles sowie verantwortliches Einordnen in ein lebendiges Ganzes. Ein Leben, das sich an der Realität und an der Vorstellung von der Möglichkeit einer heilen, beziehungsweise heilbaren Welt orientiert, das wird erfüllter verlaufen, bereits im Hier und Jetzt eine gewisses Erlöstsein erfahren und dann schließlich auch einen würdigen Abschluß finden.

Das Problem unserer Welt ist der Mensch, seine Heilung die vordringlichste Aufgabe der in der Gesellschaft Verantwortlichen. Es wäre zu wünschen, daß die Vertreter der verschiedenen Heilslehren weniger darauf hinwirkten, die Menschen zur Abhängigkeit von ihren Heilmitteln zu führen, sondern vielmehr zur Selbst-Heilung im Sinne des Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der sagte: ‘Groß und glücklich wäre der Meister, der alle seine Schüler größer machen könnte, als er selbst war’, und daß eine Innen- und Kultur-Politik auch das Innere des Menschen mit einbezieht gemäß der Erkenntnis, daß die Stabilität einer Gesellschaft von der inneren Stabilität möglichst vieler Bürger abhängt.

Es wäre zu wünschen, daß jeder einzelne Mensch guten Willens in der ethischen Orientierung am Humanismus in einem neuen, umfassenden Verständnis, als Ideal einer universellen, verantwortlichen Menschlichkeit eine Möglichkeit erkennt, die inneren und äußeren Spaltungen der Menschen zu überwinden und damit ursächlich zur eigenen Heilung und zum Heil der Welt beizutragen. Eine entsprechend gebildete, fähige Weltbevölkerung hätte wohl bald auch eine Welt-Regierung.

Rudolf Kuhr  


Heilung statt Erlösung

Die Weltanschauung “Christentum” hat nach meiner Überzeugung weder inhaltlich noch historisch Berechtigung, sich auf den Juden Jesus als Gründer zu berufen. Ihrem tatsächlichen Gründer, dem Apostel Paulus, aber spreche ich die theologische wie auch die menschliche Legitimation ab, als Verkünder ewiger Wahrheiten verstanden werden zu dürfen.

Meine Religiosität hat sich durch den Ablösungsprozess von der Struktur “Kirche” immer mehr verdichtet und profiliert. Ich verstehe heute ihre Grundlage als Eingebundensein in einen grossen universalen Zusammenhang von Realität. Der Einklang mit diesem “Kreis” ermöglicht ein harmonisches “Sein mit sich selbst”, das heilenden Effekt hat. Durch die ideologiefreie Annäherung an solche grundlegenden spirituellen und seelischen Erfahrungsebenen habe ich die Überzeugung gewonnen, dass Erlösungsreligionen überflüssig sind. Was die Welt braucht, ist Heilung statt Erlösung. Die dem Menschen dazu helfenden Einsichten und Wahrheiten aber trägt er immer schon in sich selbst.

Ernst Cran, Theologe


Rudolf_Kuhr_Wachstum_an_Menschlichkeit_Humanismus_als_GrundlageQuelle: Humanistische AKTION für verantwortliche Menschlichkeit > Webseite > Artikel

Buchtitel: “Wachstum an Menschlichkeit. Humanismus als Grundlage” > zur Vorstellung meines Buches

Bildquellen:

1. Gläserne Weltkugel. Das Un-heile der Welt beginnt mit dem Menschen, und zwar mit jedem Menschen erneut bereits durch seinen Verstand, der ihn, im Gegensatz zum Instinkt besitzenden Tier, von der ganzheitlichen Verbundenheit mit der Natur trennt Foto: Heinz Hirsch. Quelle: Pixelio.de

2. Fingerzeig: Es ist halt bequemer, die Vorstellung von einer heilen Welt für weltfremd zu erklären als sich darum zu bemühen, eine solche zu verwirklichen, denn das würde Arbeit an der eigenen Person als dem nächstliegenden Teil dieser Welt bedeuten. Foto: Lupo Quelle: Pixelio.de

3. Beitragsbild: “Heile Welt” – http://pixabay.com/de

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von Kritisches Netzwerk

Warum Veränderung Wahnsinn braucht

von Nicolas Schrode

Ein Manifest zwischen Wissenschaft und Politik

„Die wenig erprobte Alternative in dunklen Zeiten: der helle Wahnsinn.“ (Brigitte Fuchs, Lyrikerin)

In der heutigen Zeit zu erklären, es bräuchte mehr Wahnsinn, erscheint sicherlich vielen BetrachterInnen als wahnsinnig: Die Menschen sind umgeben von Dingen, die sie für „Wahnsinn“ halten. Seien es platzende Milliardenluftblasen und zur Rettung eilende StaatspolitikerInnen in Europa und den USA, in Gleichzeitigkeit zu den andauernden humanitären Katastrophen in Indien, Afrika oder Asien. Seien es die Millionen Liter Öl, die Monate lang ungestoppt ins Meer sprudeln und die gleichzeitige politische Forderung von umweltbewussten BürgerInnen.

Viel plaktativer können die Beispiele eigentlich nicht sein, gleichwohl jedoch kaum die Wahrnehmung lebensweltlich gewordener Absurditäten vieler Individuen tief ins Mark treffend.

Diese Perzeptionen von Widersprüchlichkeit, für deren Einordnung Menschen oft schlicht keine anderen sinnvollen Kategorien mehr finden als jene des Wahnsinns oder der absoluten Unvernunft, unterscheiden sich vom (zugeschriebenen) Wahnsinn einer Einzelperson: Sie sind Nebenfolgen kollektiven menschlichen Handelns, welches höchst sinnvoll (rational) begründet verfolgt wurde (vgl. dazu: Beck 1986 und 2007). Auf solchen „Wahnsinn der Zeit“ wird viel geschimpft – aus ihm werden hingegen wenige Lehren gezogen. Auch wird kaum reflektiert, was man „Wahnsinn“ entgegensetzen kann (egal, wie man ihn nun genau definiert; es geht um die menschliche Perzeption von Phänomenen und Personen als „wahnsinnig“).

Dieses Essay, ein „Manifest für den Wahn-Sinn“, will „Wahnsinn“ grundsätzlich als soziales Konstrukt begreifen, das mit bestimmten Politiken der Herstellung, in Diskursen und Dispositiven der Macht immer neu erschaffen wird (Abschnitt 1). Unter diesen Bedingungen sollen die Chancen, die in der Moderne der Nebenfolgen („Zweite Moderne“; vgl. Beck 1986) liegen, erörtert werden (Abschnitt 2), um daraufhin nach den notwendigen Grundsätzen für den einzelnen Menschen zu fragen, die nötig sind, um eine Welt zu schaffen, die für ihn besser, weniger „wahnsinnig“, dafür jedoch „richtiger“ ist (Abschnitt 3).

Dabei sollte das Essay grundlegend als solches gelesen werden: Es handelt sich weder um einen klassischen wissenschaftlichen Artikel, noch um ein Manifest im streng politischen Sinne, sondern vielmehr um ein Gedankenexperiment, das den LeserInnen Argumente anbietet und zur weiteren Diskussion anregen soll.

Es geht daher auch nicht darum, einen Beitrag zur Findung eines „korrekten“ oder „besten“ theoretischen Begriffs von „Wahnsinn“ oder „Vernunft“ und „Normalität“ zu leisten – diese sind historisch wandelbar und ihre Reflexion von kaum überschätzbarem Wert. Jedoch sollten sie an anderer Stelle als in diesem Essay ausgehandelt werden. Vielleicht erscheint es in diesem Sinne gewissermaßen wahnsinnig, einzelne Begrifflichkeiten völlig offen zu lassen; doch auch das ist, wo es geschieht, so gewollt. Der Argumentation dürfte gefolgt werden können, egal ob man es beim „sozialen Handeln“ eher mit Max Weber oder mit Erving Goffman hält.

Und noch eine letzte Vorbemerkung sei gestattet: Das Essay soll die wissenschaftliche Diskussion in diesem Band einleiten, nicht führen. Es ist (selbstverständlich) subjektiv und normativ, verlässt stellenweise die klassisch-wissenschaftliche Argumentationslogik. Es mag, dem Thema entsprechend, auch verrückt erscheinen. Es soll bereits in seiner Struktur dazu anregen, die gewohnten Denkschemata zu verlassen und sich Neuem zu öffnen.

1. Wahnsinn – die Kontingenz des Anderen der Vernunft

Steigen wir bei Foucault ein, der die philosophische, psychiatrische und soziologische Diskussion mit seinem Werk „Wahnsinn und Gesellschaft“ (Foucault 1993) nachhaltig bereichert hat. Foucault zeichnet darin die sich historisch wandelnden Formen der Pathologisierung und Stigmatisierung bestimmter Formen sozialen Handelns als „Wahnsinn“ nach – welche stets dem Schutz des ‚Normalen‘, des Common Sense über das gesellschaftlich Erwünschte und Unerwünschte dien(t)en. Dies gilt, ganz gleich, ob man den Wahnsinn als solchen ausstellt – wie bis ins 19. Jahrhundert geschehen (vgl. ebd.: 139), oder ob man ihn wegsperrt – wie bis heute. Nur in einem vorwissenschaftlichen Raum könne aus Foucaults Blickwinkel die Trennung zwischen Normalität und Wahnsinn als beliebig, ihre Verfasstheit als eine Machtfrage erkannt werden. Die wissenschaftliche Sprache der Psychiatrie dagegen ist nach Foucault eine „Archäologie des Schweigens“ (ebd.: 7) und macht diese ursprüngliche Kontingenz unsagbar, da sie selbst bereits in der Sprache dieser Vernunft verfasst ist (vgl. ebd.: 246).

Letztlich besteht Foucaults Leistung in „Wahnsinn und Gesellschaft“ also unter anderem im Aufzeigen der Tatsache, dass auch Vernunft von jeher ein historisch wandelbares Konstrukt ist. Dieser Gedanke wiederum muss für ‚den Vernünftigen‘ (purer) Wahnsinn sein, da er die Vernunft in Frage stellt und so – nimmt man dieses Infragestellen ernst – dem Wahnsinn Tür und Tor öffnet.

Im Folgenden soll die These skizziert werden, dass es in den heutigen Zeiten des stetigen Wandels gerade der Wahnsinn ist, der uns für einen „Wahn-Sinn“ öffnen kann. Der Prozess, der beschrieben wird, zeichnet eine radikale Abwendung von gewohnten Dispositiven in Form eines individuell wie kollektiv schmerzhaften Dekonstruktivismus vor, der uns über die Öffnung unserer Sinne zur Frage bringt, inwieweit der bestehende gesellschaftliche Wahn-Sinn macht und uns anregt, Gesellschaft in neuen Rahmen und Möglichkeiten zu denken.

2. Die „Zweite Moderne“ als Chance für Neues

Doch wie werden solche „Rahmen, in denen man denkt“ überhaupt zu denselben? Eine mögliche Antwort liefern Peter Berger und Thomas Luckmann (Berger/Luckmann 1969): Den dialektischen Prozess, in dem das Bestehende von uns Menschen geschaffen wird, sich als objektive Realität manifestiert und schließlich wieder auf uns Menschen wirkt und uns formt, nennen die beiden Autoren „die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (vgl. ebd.). Ihre Anschauung zeigt, dass Strukturen, gesellschaftliche Unterscheidungen (und somit auch Machtverhältnisse) grundsätzlich immer auch anders möglich wären, als sie es sind. Die menschlichen Konstrukte werden ihrer Theorie nach von ihren SchöpferInnen internalisiert – werden in ihrer Wahrnehmung zu objektiven Gegebenheiten, zu unhinterfragten Basisselbstverständlichkeiten, an welchen sie ihr Handeln ausrichten (ebd.: 148ff.). Bestimmte Handlungsweisen werden somit für je bestimmte Kontexte normal, werden das Normale („Internalisierung“, vgl. ebd.).

In diesem epistemologisch gefassten Verständnis von Normalität kann der vernünftige Mensch, für den immer ein bestimmter Begriff von Vernunft gilt, diese also selbst eine solche Normalität ist, nicht aus dieser Dialektik entfliehen: Das Bestehende wird von ihm geschaffen und formt dann sein Handeln, dieses schafft wieder das daraufhin Bestehende, welches wiederum sein zukünftiges Handeln formt – und so weiter.

An diesem Punkt stellt sich die hoch interessante Frage nach dem „Wie“, also über welche konkreten Praktiken die Herstellung von Normalität geschieht. Oftmals unhinterfragt wurde die These der Normalität als konstruierte soziale Wirklichkeit übernommen, ohne sie hierin weiterzudenken (vgl. Link 2009: 38ff.). Foucault hat mit seinem Abstellen auf Diskurse, sprachliche und institutionalisierte Praktiken, Regeln und Maßgaben wesentlich dazu beigetragen, von einer allzu unreflektierten Übernahme eines rein epistemologischen Normalitätsbegriffes wie ihn, so zeigt Link (2009), beispielsweise Niklas Luhmann verwendet (vgl. hierzu ebd.: 158f.), zu einem eher konkret praxelogischen Verständnis der Normalität zu gelangen. Als Beispiel für ein solches Verständnis sei wiederum auf Link (2009) verwiesen, welcher im „Protonormalismus“ und im „Flexibilitätsnormalismus“ normalistische Strategien moderner Gesellschaften erkennt (vgl. zur Übersicht: ebd.: 57f.).

Doch selbst bevor man die Black Box öffnet und die Praktiken der sozialen Konstruktion realer „Objektivitäten“ betrachtet, wird klar, dass „das Normale“ nicht ‚von heute auf morgen‘ das ist, was es ist. Vielmehr liegt dem ein langer, höchst voraussetzungsreicher Prozess zugrunde, der bestimmte Handlungs- und Sichtweisen sozial aus ihrer Kontingenz entbindet, indem sie über Institutionalisierung (bindende Festlegung auf bestimmte Formen) und Legitimierung (empirische Untermauerung ihrer Notwendigkeit) letztlich internalisiert werden (vgl. hierzu Berger/Luckmann 1969: 49ff., 148f.).

Hierin liegt auch der Grund, warum gesamtgesellschaftliche Innovationen selten und bahnbrechende soziale Neuerungen die Ausnahme sind: Dieser Modus bringt seiner Logik nach nur sehr langsam Neues in den die Gesellschaft konstituierenden Kreislauf, da die lebensweltlichen Basisselbstverständlichkeiten den Menschen in seine gewohnten Bahnen leiten. Diese verlassen seine Gedanken meist nicht – was nicht zuletzt funktional ist, da der Mensch ohne Komplexitätsreduktionen dieser Art nicht handlungsfähig wäre.

Enge - NormalitätSein Denken stößt dann allerdings deswegen an seine Grenzen, weil keine Loslösung vom Gewohnten mehr passiert (Verharrung). Auf diese Art und Weise werden viele Gedanken gar nicht erst denkbar. Vielmehr geschieht dann das typische, so genannte „Schubladen-Denken“, bei dem neue Informationen schlicht in ein vorgefertigtes (und imaginäres) Schubfach des Gehirns eingeordnet werden (und dort nur schwer wieder herauskommen) und zur Reproduktion immer gleicher Denk- und Handlungsmuster führen. So entstehen Vor-Urteile, da man in seinem Kopf von vornherein zu wissen glaubt, wie die Welt ist. Hier begegnen wir den Basisselbstverständlichkeiten und einem starren, vermeintlichen Abbild der Welt im kognitiven System. Bei diesem Modus handelt es sich um eine humane Reduktion von Komplexität einer gänzlich unübersichtlichen Sozialwelt: Diese wird letztlich ganz ökonomisch – nämlich so einfach wie möglich und so komplex wie nötig – wahrgenommen.

In diesem Modus war und ist es möglich, ein normales Leben zu führen. Doch wird dies zunehmend schwerer. Einerseits ist der Mensch nicht frei, sich zu individualisieren, sondern ist zur Individualisierung gezwungen: Er kann sich nicht, sondern er muss sich, seine Handlungen und Einstellungen, seine Verortung im Sozialen reflektieren (vgl. Beck 1993: 152). Andererseits sind die Basisselbstverständlichkeiten, die der Mensch sich selbst geschaffen hat, sichtbar am Zerbröckeln: Das gilt beispielsweise für den Lebensberuf, die Ehe, die moderne Kernfamilie und anderes mehr (vgl. Beck 1986).

Ulrich Beck fand hierfür den Terminus einer „geteilten Moderne“, in der die Errungenschaften der Ersten Moderne auf eine Zweite zurückwirken – teils mit katastrophalen Folgen (z.B. Umweltkatastrophen durch rücksichtsloses Wirtschaften), also die reflexive Modernisierung (vgl. ebd.). Doch wie kann dies, insbesondere aus dem hier eingenommenen konstruktivistischen Blickwinkel, verstanden werden?

Der Mensch ist in diesem Prozess ja sozusagen von sich selbst überrascht. Denn schließlich ist es gerade er, der diese Wandlungen der Institutionen vollbringt, und nicht etwa eine extrapolierte unsichtbare Hand. Und dennoch steht er einigermaßen erstaunt bis gelähmt vor diesem rapiden Wandel – eben weil ihm diese Schaffungen als objektive Realitäten erscheinen und der Wandel sein komplettes sozialisiertes Weltbild ins Wanken bringt.

Gleichsam begegnet er so jedoch einem Wandel, dessen Chance darin gesehen werden kann, sich der Tatsache dieser eigenen sozialen Welt-Konstruktionsleistung bewusster zu werden. Geschieht dies, so muss sich der einzelne Mensch unweigerlich auch seiner Gestaltungsfähigkeit bewusst werden: dass er die Welt ist, in der er lebt.

3. Stirb und Werde

Was sich daraus ergibt, hat Goethe prominent in seiner „Selige[n] Sehnsucht“ (vgl. Richter 1996: 21) zugespitzt: Nur wenn wir mit dem Bestehenden brechen, können wir wirklich Neues in die Welt bringen („Stirb und Werde“).

Man denke beispielhaft an prominente, kreative Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Politik wie Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Leonardo da Vinci, Mahatma Gandhi oder Martin Luther (King). Diese haben das Bestehende angezweifelt und Gegenentwürfe erdacht, gelebt und verfolgt. Dafür mussten sie aber, wie oft vermutet wird, nicht nur den radikalen Bruch mit dem common sense wagen, den manifestierten Bildern von Welt ihrer Zeit. Diese Bilder ihrer Zeit waren anfänglich genauso ihre Bilder, die sie so vermittelt bekommen und internalisiert hatten. Der erste Schritt bestand also darin, ihren Geist in dem Sinne zu öffnen, dass sie das, was auch sie zunächst für selbstverständlich und gegeben hielten, überwinden konnten. Eine solche Einstellung wird oft als „über den eigenen Tellerrand schauen können“ beschrieben, und birgt doch in gewisser Weise mehr: Denn man erweitert seinen Horizont nicht nur an Horizonten Anderer, sondern bricht völlig mit dem Bestehenden, man denkt und sagt das Undenkbare und Unsagbare. Als Galilei das geozentrische Weltbild überwand, da Vinci Anatomie an Leichen studierte, King die Rassentrennung anprangerte, taten sie genau dies: Sie dachten das anscheinend Undenkbare und sprachen das damals Unsagbare aus, kurz: Sie begingen Tabu-Brüche.

Die der Macht inhärente Disziplinierungsfunktion (vgl. Foucault 2000 und 2008), die sich im gesellschaftlichen Konstruktionsprozess in ihr manifestiert hat, wirkte dahingehend, all die aufgezählten Wegbereiter mundtot zu machen und sie vom Bruch mit den bestehenden Vorstellungen abzubringen. Sie wurden als Ketzer, Verrückte oder Wahnsinnige bezeichnet. Und da die Macht durch ihre Disziplinierung immer Definitionsmacht ist, waren sie auch objektiv wahnsinnig (zu Foucaults Machtbegriff vgl. ders. 1983: 113 – „Nicht weil sie alles umfaßt, sondern weil sie von überall kommt, ist Macht überall“).

Allerdings waren diese Denker nicht nur wahnsinnig, sondern gleichsam Wahn-sinnig. Denn sie hatten den Sinn dafür, dass es vielmehr wahnsinnig sei, dauerhaft vorgefertigten Gedankengebäuden zu gehorchen, als ihren eigenen Sinnen. Ihre Antwort auf die Frage: „Macht dieser Wahn Sinn?“ war ein klares „Nein“. Sie erteilten als Avantgardisten kritischen Denkens dem unhinterfragten Glauben an menschlich geschaffene Basisselbstverständlichkeiten eine Absage, drehten eine Logik um, indem sie den herrschenden Vernunftbegriff als Wahnsystem geißelten. Oder: Sie wiesen durch ihre andere Sichtweise auf dessen grundsätzliche Kontingenz hin. Somit waren sie durch ihre Wahn-Sinnigkeit wahnsinnig.

Zwei Thesen lassen sich aus diesen Überlegungen ableiten:

Erstens waren es also Wahnsinnige – und somit Menschen, die über sozial gewachsene Disziplinerungsmechanismen exkludiert werden sollten –, die soziale Wirklichkeiten nachhaltig verändert haben. Zweitens hatten diese Menschen eine Art „Fühler“ für den herrschenden Wahn, die Fehlerhaftigkeit des dogmatischen Festhaltens am Alten: einen Wahn-Sinn.

Was bedeutet das für uns? Was können wir von diesen Weltveränderern lernen?

Zum einen meint es, dass wir mit den gängigen Vorstellungen von Welt brechen müssen, um offen sehen zu können. Dies ist ein Prozess, der schmerzhaft ist, da wir uns von einer bequemen Haltung des „Es ist nun einmal so“, von den Idealisierungen des Schützschen „Und so weiter…“ und des „Ich kann immer wieder…“ (Schütz/ Luckmann 1994: 42) – einem bloß gewohnheitsmäßigen Handeln also – verabschieden müssen, und stattdessen die Unsicherheit suchen und Realitäten erkennen, die uns oftmals verletzen. Dieser Prozess wird so zu einem Dekonstruktivismus doloris, da wir uns dabei unserer eigenen Schwächen und Verwundbarkeiten bewusst werden.

Eine solche Haltung birgt die Chance, in der Konsequenz verändernd zu wirken. Erst dadurch nämlich wird es möglich, die Kontingenz dessen, was wir wahrnehmen und was wir vorfinden, zu erkennen. Der nächste Schritt ist, dies in einen neuen Rahmen bringen zu können; es anders, aus anderen Blickwinkeln denken zu können. Letztlich kann es möglich werden, dem stetig gewordenen Wandel vorausblickend zu begegnen und von der im Entstehen begriffenen Zukunft aus zu handeln, also einen Prozess anzustoßen, wie ihn zum Beispiel C. Otto Scharmer (Scharmer 2009) in seiner „Theorie U“ beschreibt. Das beinhaltet einerseits die vollkommene Überwindung der Basisselbstverständlichkeiten, und andererseits über das In-einen-neuen-Kontext-Stellen hinaus nicht nur Anderes denkbar zu machen, sondern es erfolgreich und antizipativ in die Welt zu bringen. Ähnlich, wie es die hier genannten historischen Persönlichkeiten, die gesellschaftlich tiefgreifende Veränderungen provozierten, getan haben.

4. Die Reintegration des Anderen der Vernunft

694857_web_R_B_by_Bernd Wachtmeister_pixelio.de„Wahnsinn“ meinte also ‚von je her‘, aus dem gesellschaftlichen Rahmen zu fallen und als normal definierte Handlungsmuster aufzusprengen. Das stiftete Unverständnis, Verwirrung, Unmut, offenbarte einen Mangel an zurechtgelegten Umgangsmodi mit dem Neu- und Andersartigen, daraus resultierende Ängste und Protektionismen. Nicht wenige wurden daher, je nach historischem Zeitpunkt, auf verschiedene Weisen mundtot (oder tot) gemacht, für verrückt erklärt, weggesperrt oder anderweitig gesellschaftlich exkludiert (vgl. Foucault 1993). Viele, die ebenso in einer ersten Reaktion, im Reflex als wahnsinnig abgetan wurden, waren aber genau diejenigen, die in größtem Maße Neues und die bis dato tiefgreifendste Veränderung in die Welt brachten. Um in ihrem Sinne wahnsinnig zu sein, mussten sie auch einen Sinn für den herrschenden Wahn – der von der Fehlmeinung einer einzigen objektiven Wahrheit ausging – haben und gleichzeitig so wahnsinnig sein, diesen anzuprangern und das Neue in die Welt zu bringen, das sie dem Alten entgegensetzen wollen.

Sowohl dieser (zugeschriebene) Wahnsinn historischer weltverändernder Persönlichkeiten, als auch deren Wahn-Sinn bleiben nicht bloße Hypothesen, sondern lassen sich aus einem historisch-empirischen Blickwinkel durchaus nachweisen. Das Gros der Genies wurde in unterschiedlicher Art und Deutlichkeit zuallererst für wahnsinnig erklärt und ihre Gedanken und Werke abgetan oder gar verteufelt. Dies brachte sie jedoch nicht davon ab, einen speziellen Sinn weiterzuentwickeln, einen Sinn dafür, den Wahn der Verharrung zu bekämpfen und das Neuartige und völlig anders Gedachte protektionistischen Angstreaktionen zum Trotz in die Welt zu bringen.

Die Forderung, die daraus folgt, liegt nun auf der Hand: Wir brauchen mehr wahnsinnige Wahn-Sinnige für eine schöpferische Zerstörung unserer Gesellschaft! Gesellschaftliche Innovation braucht Wahnsinn und Wahn-Sinn: Abweichung von der gesellschaftlich definierten Normalität ebenso, wie die Wahrnehmung der Konservierungen gewisser Normalitätsvorstellungen und den Mut, diese aufzubrechen.

Ja, so lässt sich im Bezug auf die Einleitung abschließen, wir müssen in der Tat dem „Wahnsinn“ Tür und Tor öffnen, um eine bessere Gesellschaft zu ermöglichen. Vor allem aber sollten wir uns davor hüten, jemanden für wahnsinnig und seine Gedanken für absurd zu erklären, und stattdessen versuchen, selbst wahn-sinnig zu werden, um unsere Ideen und Überzeugungen auch gegen große Widerstände in die Welt bringen zu können.


Autor: Nicolas Schrode, studierte bis zum Dezember 2009 Soziologie (Diplom) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ab 2010 beschäftigt er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung GAB München mbH mit berufspädagogischen und -soziologischen Themenkomplexen wie dem Kompetenzerwerb in Netzwerken, im Arbeitsprozess und am eigenen Problem, der praktischen Umsetzung erfahrungsgeleiteten Arbeitens und Lernens sowie verschiedenen Facetten europäischer Berufsbildungsforschung. Des Weiteren arbeitet er an neuen Konzepten wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation von Berufsbildungsprojekten und -programmen sowie an Grundlagen der Qualitätssicherung in der interdisziplinären Begleitforschung mit.

Beitragsbild: Markus Wegner  / pixelio.de

Bild “Enge-Normalität”: Etienne Rheindahlen / pixelio.de

Bild “Verzicht”: Bernd Wachtmeister  / pixelio.de

Literaturverzeichnis:

Beck, Ulrich (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Modern. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Beck, Ulrich ( 1993): Die Erfindung des Politischen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Beck, Ulrich (2007): Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Berger, Peter L. / Luckmann, Thomas (1969): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Stuttgart: Fischer.

Foucault, Michel (1983): Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Foucault, Michel (1993): Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Foucault, Michel (2000): Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin: Merve (Original: 1978).

Foucault, Michel (2008): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. 9. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Link, Jürgen (2009): Versuch über den Normalismus: wie Normalität produziert wird. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Richter, Karl (Hrsg. – 1998): Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe, Bd. 11,1,2. München: Carl Hanser.

Scharmer, Otto C. (2009): Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Heidelberg: Carl Auer.

Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas (1994): Strukturen der Lebenswelt. Bd. 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Schwarzmalerei, denn Geist ist böse und Energie hat Schuld daran – Teil 4

von Guido Vobig

Mit diesem vierten und letzten Teil meiner Schwarzmalerei komme ich auch zum letzten Artikel, den ich aller Voraussicht nach für den Blog schreiben werde, denn alle weiteren Artikel wären im Kern nur anders umschriebene Wiederholungen. Weiter vermag ich die Problematisierung des PROBLEMS, aus dem alle Probleme, vergangen wie aktuell, hervorgehen, nicht zu thematisieren, wohlwissend, oder besser gesagt, wohlfühlend, dass etliche Informationen zwischen den Zeilen meiner mehr als 60 Artikel weitergereicht und weitergedacht werden, so wie ich es meinerseits mit all den Informationen aus unzähligen Werken anderer Autoren und Kommentatoren vollzogen habe. Dem technologischen Fortschritt sei Dank, denn technologischer Fortschritt zeugt nicht nur von geistreicher Umtriebenheit, er vermag sogar wahren Fortschritt hervorzubringen, indem der technologische Fortschritt seiner wahren Rolle gerecht wird, die allerdings nichts damit zu tun hat, das Leben von uns EINEN, uns Menschen, möglichst angenehm für uns zu gestalten, auf Kosten Anderer und all der ANDEREN Lebewesen.

Im Grunde brachte die Entwicklung des technologischen Fortschritts, ausgehend vom Holz, über die Kohle, bis hin zum Erdöl, und der Nutzung der Kernkraft, erst jenes formlose Gebilde hervor, welches das, als sesshaft gewordene Menschheit verkörperte Bewusstsein benötigt, um sich des Lösungsweges des eigentlichen PROBLEMS bewusst zu werden. Gemeint sind Daten, jene sich mehr und mehr ausbreitenden und ansammelnden uni(n)formierten Informationen, die ohne direkten Bezug zur Exformation zunehmend ihr Unwesen in der Realisierung des Universums treiben.

Exformation ? Ja, eine Vokabel, deren Bildhaftigkeit einer vertrauten Umarmung gleicht, die man aus unerklärlichen Gründen lange nicht mehr zu würdigen wusste. Ein Wort wie Antifragilität … oder wie HARMONIE … wohlgemerkt in Großbuchstaben und daher nicht mit der Harmonie zu verwechseln. Exformation. Allgegenwärtig. Offensichtlich. Doch stets verborgen zwischen all den Zeilen sich auftürmender Datensätze:

  • Vereinfacht gesagt: je mehr Bilder und Assoziationen beim Zuhören entstehen, desto mehr Exformation hat die Aussage. Anders vereinfacht gesagt: Information ist Breite, Exformation ist Tiefe eines Textes oder einer Aussage.” Quelle
  • ”Exformation ist die Menge an Informationen, die wir unausgesprochen mit dem uns umgebenden Umfeld teilen.” Quelle
  • ”Mit der Menge neu zur Verfügung stehender Informationsquellen, wächst der Bedarf an Exformation, d. h. nach Aussonderung der überflüssigen Informationen:” Quelle
  • Konsens-WIKIPEDIA schreibt dazu Folgendes: ”Die Aussage des Begriffs ist „absichtlich ausgelassene Information”.” Quelle

Wohlgemerkt, so wie Gefühle und Emotionen nicht ein und dasselbe sind, und auch Robustheit nicht mit Antifragilität gleichzusetzen ist, sind auch Informationen und Daten nicht ein und dasselbe. Informationen behalten ihre Wertigkeit, ihren Wahrheitsgehalt, weil ihr Inhalt die direkte Verbindung zwischen dem Ursprung der Information und dem Informierten beibehält. Es ist diese Wahrung der Beziehung, räumlich, wie zeitlich, die eine Lüge unmöglich macht. Information ist ein praktisches Geschenk. Daten dagegen weisen diese direkte Verbindung nicht auf, sie sind somit beziehungslos und können daher beliebig kopiert und anderswo integriert werden. Zudem können sie allerhand Geschichten erzählen, die ohne Wahrheitsgehalt, ohne Wurzeln in der Exformation, sind. Daten sind eine ”Erfindung” der Menschen. Sie entstammen nicht der goldenen Mitte der Gemeinschaft des Lebens. Sie stehen daher jenem Bewusstsein, welches nicht menschlich ist, nicht zur Verfügung, denn die ANDEREN sind stets im wahren Informationsfluss, der sich bewährt hat, ohne etwas beweisen zu müssen, selbst dort, wo es für uns den Anschein hat, dass Daten ausgetauscht werden, z. B. mittels Transposonen oder Viren in den Genomen von Lebensformen. Dieses geschieht nämlich mit ganz ANDERER Intention, stets im Sinne des Lebens als Ganzes, also anders, als es bei den Datenmengen von uns EINEN der Fall ist.

  • Exformation ist der Rahmen aus dem Informationen geschöpft werden. Geschöpft wird durch Bewusstsein, wofür Energie benötigt und Dekohärenz geschaffen wird, weil kein Einzelbewusstsein auf die Exformation als Ganzes zurückgreifen kann. Nur für das Leben als Ganzes bedeuten Exformation und Information ein und dasselbe. Entsteht Kohärenz, indem durch Wesentliches Energie freigesetzt und zum Wohle des Lebens als Ganzes eingesetzt wird, dann entstehen neue Rahmenbedingungen.
  • Durch Dekohärenz kommt Geist in die Welt, durch Kohärenz wird er unnötig.
  • Daten sind vereinfachte und verallgemeinerte Ex-Exformationen zwecks Eigennutz und geistigem Eigentum … Egomationen, den Emoticons nicht unähnlich.
  • Daten haben einzig die Ausbildung von Durchschnitt zur Folge. Sie wollen auf den ersten Blick erfasst werden, woraus unser Bestreben hervorgeht mittels Algorithmen und Computersystemen systematisch immer mehr Daten in immer einfachere und schneller verwertbare Nutzformen umzuwandeln, auf Kosten all der Wurzeln, mit denen die Daten einst in der Exformation verankert waren … also Informationen waren.
  • Daten unterwandern die Wertigkeit von Informationen und schaffen stattdessen Geschäftsmodelle.
  • Je mehr sich Informationen der Exformation annähern, desto weniger Energie geht ”verloren”, desto weniger Entropie ist möglich, desto unbedeutender wird Zeit, desto weniger Spielraum und Raumzeit benötigt das Leben zur Bewahrung der HARMONIE.
  • James Clerk Maxwell, zitiert in Tor Nörretranders’ Buch Spüre die Welt – Die Wissenschaft des Bewusstseins, drückt es folgendermaßen aus: ”Zugängliche Energie ist Energie, die wir in eine bestimmte Richtung lenken können. Dissipierte Energie ist Energie, die wir nicht fassen und nach Wunsch dirigieren können, zum Beispiel die Energie der wirren Bewegung von Molekülen, die wir Wärme nennen. Nun ist aber Wirrheit, ebenso wie der verwandte Ausdruck Ordnung, nicht eine Eigenschaft der Dinge selbst, sondern existiert nur im Verhältnis zu dem Geist, der sie begreift.” Quelle
  • Je bequemer, sprich, geistreicher der Kommunikationsweg, desto weniger Informationen werden vermittelt, desto austauschbarer, wiederholbarer und anderswo einsetzbarer in verschiedenen Kontexten ist die uni(n)formierte Information, desto mehr wird sie zum Datensatz und zum Spielball von copy&paste in allen Spielarten von Schnelligkeit … und Vergänglichkeit.
  • Wo Exformation und Information auseinandergehen, bleiben Vertrauen und wesentliche Gefühle aus.
  • Energie ist notwendig, um die Bewusstwerdung des PROBLEMS zu ermöglichen, woraus Expansion hervorgeht und Energie ”verbraucht”, sprich, umgewandelt wird, so dass weitere Probleme entstehen können. Die Folge ist Dekohärenz. Cradle-to-Grave. Fragmentierung. Burning the midnight oil. VERY BIG DATA.
  • Energie ist das Ermöglichen der beabsichtigten, aber ungeplanten LÖSUNG des PROBLEMS, Bewusstsein schaffend, indem Energie freigesetzt wird, welche Kohärenz hervorbringt, da keine energetischen ”Verluste” entstehen. Cradle-to-Cradle. Vereinigung. Reinventing the Sacred. BYE-BYE BIG DATA.
  • Je mehr Exformation in Daten zerlegt wird, über den Weg der Informationen, deren Beziehungen zum Ursprung dabei entwurzelt werden, desto mehr nimmt die Entropie zu, und damit die Expansion des Universums, welches der Rahmen ist, in dem sich ALLES abspielt, desto mehr Probleme treten zudem hervor, desto mehr reaktive Unordnung sammelt sich an, desto mehr neue Probleme entstehen, in deren Rahmen der technologische Fortschritt als geistige Errungenschaft seinen Siegeszug antreten bzw. festigen kann.
  • Je verwurzelter Informationen im Rahmen der Exformation sind, desto mehr Energie muss genutzt werden, um daraus entwurzelte Daten werden zu lassen. Komplexität ist Ausdruck von Entwurzelung und beschreibt eine Geschichte, die nicht vom Leben als Ganzes geteilt wird. Komplexität ist die Geschichte der Menschheit. Interessanterweise beschreibt Komplexität die Bedeutungstiefe dessen, was sie nicht vermitteln kann … und das ist all jene Exformation, die den Rahmen der Geschichte des Lebens als Ganzes bildet.
  • Je komplexer uns EINEN etwas erscheint, desto mehr tappen wir dahingehend im Dunkeln, das vermeintlich Komplexe in den Rahmen, der ALLES umfasst, sprich, ermöglicht, was notwendig ist, einordnen zu können. Daher gestaltet sich der Kosmos für die ANDEREN auch anders und liefert so die natürliche Ordnung, die wir, für uns, bildhaft realisieren.
  • Die Geschichte der ANDEREN, die mehr und mehr von der Geschichte der Menschen beeinflusst wird, und die natürliche Ordnung, weisen dagegen keinerlei Komplexität auf. Ihre Geschichte bringt Lebewesen hervor, die mit einem Minimum an Vertretern einer Art ein Maximum an Verschiedenheiten verkörpern. Immer wenn die Population einer Art sich vergrößert und/oder sich ihre Merkmale verändern, geschieht dieses einzig der HARMONIE wegen … und vermehrt uns Menschen wegen. Allein wie wir Menschen die Geschichte der Viren und Bakterien interpretieren, spricht Bände dahingehend, wie sich unsere Geschichte entwickelt hat und entwickeln wird … ganz zu schweigen davon, dass unsere Vermehrung mehr und mehr auf das Konto unseres Fortschritts geht und somit eher eine Frage der zur Verfügung stehenden Daten ist, nicht aber vorhandenen Exformationen entspringt und so zur Herausforderung für die Bewahrung der HARMONIE durch die ANDEREN wird.
  • Diese Zusammenhänge sind übertragbar auf jeden Maßstab der Betrachtung bzw. Beobachtung. Was für das PROBLEM gilt, und damit für den Kosmos, als Exformation des GANZEN, gilt auch für jedes einzelne Problem, welches sich in einem eigenen Rahmen entfaltet und seinen Ursprung im PROBLEM hat … also ALLE Probleme.
  • ”Die Quelle von Schönheit, Wahrheit und Weisheit ist die Information, die man losgeworden ist: Die Exformation. Sie hat Wert, da für ihre Schaffung Entropie in der Umgebung erzeugt werden mußte.” Quelle
  • Exformation ist somit der Schlüssel zur Wahrung der HARMONIE, was wiederum die Absicht der interpretierten Evolution ist, wie es Steve McIntosh in Evolution’s purpose beschreibt. Näheres dazu kann hier nachgelesen werden.
  • Der Kosmos, das GANZE, ist die Bildwerdung des morphogenetischen Feldes und stellt somit das ganze Ausmaß an vorhandenen Exformationen dar … sozusagen die Mutter aller Information(smöglichkeit)en … Wakhan, der dunkle, weibliche Urraum, der Kreis, der Yin und Yang umfängt.
  • Technologischer Fortschritt ”verbraucht” immer mehr Energie, um immer wertlosere, dafür aber gesellschaftstaugliche Daten für die Geschichte des Lebens zu schaffen, die jedoch immer bedeutender und somit ”wertvoller” für all die (Alltags-)Geschichten der Menschen werden … und somit in Geld gewandelt werden (können) und gewandelt werden müssen, damit die Problematisierung in ihrer ganzen Tragweite von uns EINEN immer persönlicher erlebt werden kann … wem gehört die Welt und was kostet sie !?
  • Das Problem von Gesellschaften ist, dass es immer mehr verschiedene Geschichten gibt, welche die Geschichte der Menschheit prägen, und die sich mehr und mehr von der Geschichte der ANDEREN entfremden. Die Geschichte der ANDEREN dagegen bleibt stets im Fluss, weil das Leben zur Wahrung der HARMONIE als dynamische Gemeinschaft verkörpert wird, mit der Ausnahme von Sprüngen, nämlich dort, wo Stase droht und somit die Notwendigkeit für ein ”Umdenken”, für neue Merkmale von Arten und Anpassungen von Populationen, stattfindet, wobei der Sprung vielmehr die unmittelbare Auswirkung des Neuen auf das Umfeld ist und dahingehend ein neuer Rahmen geschaffen wird. ”Umdenken” bedeutet einen anderen Pfad als bisher auf dem Weg zum Ziel zu gehen, so wie Wasser, welches von seiner Quelle auf dem Berg nie geradeaus ins Tal fließt.
  • Diese eine Geschichte beinhaltet all unsere Geschichten, während unsere Geschichten immer weniger Platz für diese eine Geschichte lassen.
  • Der Verlauf unserer Geschichte wird aus der jeweiligen Gegenwart heraus mit immer mehr Daten angefüllt, was zu immer mehr Lügengeschichten führt, während die ANDEREN immerzu einzig im Hier und Jetzt leben, da die Gemeinschaft des Lebens Exformationen mit Informationen gleichsetzt und keiner Daten bedarf, weshalb es obendrein keines Bewusstseins von Vergangenheit bedarf, da keinerlei Gräber verbleiben, an die erinnert werden muss … daher Cradle-to-Cradle statt Cradle-to-Grave.

Bevor wir beginnen im ”Dreck” der Vergangenheit zu wühlen, um die Spur eines finsteren Geistes zum Kern der Erde zu verfolgen, anbei noch ein paar weitere wesentliche Unterschiede zwischen uns EINEN und all den ANDEREN, aus Sicht von Exformation:

  • Je komplexer eine Spezies erscheint, desto fragiler ist die Spezies als Ganzes, Stichwort LEGOLUTION.
  • Besteht, so mag man einwerfen, diesbezüglich ein Widerspruch zum Begriff der ”thermodynamischen Tiefe”, der in einer Zusammenfassung des bereits erwähnten Buches von Tor Nörretranders wie folgt beschrieben wird: Seth Lloyd und Heinz Pagels führten 1988 den Begriff der “thermodynamischen Tiefe” ein. Auch dieses Maß versucht sich daran zu orientieren, wieviel Information während der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Objektes aussortiert wurde. Sie versuchen über die “wahrscheinlichste Entstehungsgeschichte” des Objektes auf dessen Komplexität zu schließen. Im Gegensatz zu Bennet´s Algorithmische Tiefe messen Sie nicht die Rechenzeit einer Computersimulation, sondern die Menge der energetischen Ressourcen die bei zielgerichteter Anstrebung der betrachteten Information verwendet wurden.” ? Quelle
  • Keineswegs, denn, wie bereits angemerkt, Komplexität erscheint nur jenen Betrachtern als solche, denen das Gefühl für die eine Geschichte verloren gegangen ist und die sich stattdessen zunehmend auf unsere eigenen Geschichten konzentrieren, in denen sich das Muster der Vereinfachung und der anschließenden Verallgemeinerung ausbreitet wie ein absichtlich gelegter Waldbrand.
  • Die Diversität des Lebens zeigt sich als Summe minimal möglicher Mitglieder aller Spezies, um die Notwendigkeit der Problematisierung des PROBLEMS und der LÖSUNG dieses PROBLEMS, zudem möglichst verschieden, zum Ausdruck zu bringen, genannt HARMONIE.
  • Einzig wir Menschen weichen davon mehr und mehr ab, indem wir, unter anderem, die Lebenserwartung Einzelner zwar erhöhen können, nicht aber die Wertigkeit des einzelnen Lebens für die Gemeinschaft des Lebens als Ganzes, denn diese Wertigkeit liegt nicht im Ermessen von uns EINEN, sondern im gemeinsamen Erleben des Lebens als Ganzes im Sinne der HARMONIE und in der Verantwortung diese zu bewahren. Zudem werden wir Menschen im Laufe unserer Entfremdung, im Zuge unseres technologischen Fortschritts, immer durchschnittlicher, weil Daten Informationen ersetzen und immer weniger Exformation ermöglicht wird. Die Folge sind immer mehr ähnliche bzw. gleiche Erwartungen hinsichtlich der Realität, jedoch eingefasst in immer mehr verschiedene Rahmen, woraus zunehmend Spannungsbögen und entsprechende Entladungspotenziale entstehen.
  • Um den Rahmen des eigenen Weltbildes der Öffentlichkeit, jenseits der eigenen Gedankenwelt, vermitteln zu können, nutzen wir daten- und energielastige PR, die umso daten- und energielastiger ausfällt, je weniger Exformation zur Verfügung steht und je mehr versucht wird sich ”Gehör” zu verschaffen, sich in den Mittelpunkt drängend, als Medium für die Massen.
  • Diese prägnante Permanenz erreichen die ANDEREN auf ganz anderem Wege, mit ganz anderen Folgen für das GANZE, nämlich durch (P)ermanente (R)edundanz, sprich, Offensichtlichkeitsarbeit, anstelle unserer Form der Öffentlichkeitsarbeit.
  • So werden wir EINEN unentwegt durch die ANDEREN an das Wesentliche der einen Geschichte allen Lebens erinnert, in vielerlei Gestalt und vielerlei Wiederholungen dieser Gestalten, nicht nur im, für uns Menschen, hörbaren Frequenzspektrum, wie ich es bereits hier beschrieben habe, sondern auch in der regelmäßigen, jedoch nie gleichmäßigen, Wiederkehr verschiedenster Symptome, die wir als Krankheiten bezeichnen, insbesondere die sogenannten Infektionen, was insbesondere durch die Kinderkrankheiten verdeutlicht wird … sofern sie denn noch in der Kindheit Gelegenheit dazu bekommen und bewusst, in ihrer wurzeltreibenden Bedeutung für den Körper, wahrgenommen werden, Exformationen inklusive, wie es z. B. in der homöopathischen Praxis geschieht.
  • Was wir in diesem Rahmen unserer Betrachtung als Übermaß oder als üppige Wiederholungen, mitunter gar als Verschwendung oder auch als Wucherungen ansehen, entspricht unserem entfremdeten Blick für das Wesentliche. So sehen wir zwar Buchstaben, die zu Worten werden und so einen Sinn auf den ersten Blick ergeben, verborgen bleibt aber, was zwischen den Zeilen in einer lebendigen Sprache ”geschrieben” steht, die der Exformation entspringt. Eingeweiht in diese Sprache sind alle Lebewesen, denn das Bewusstsein, welches diese Exformation ermöglicht hat, ist die Verkörperung allen Lebens … und besagte Exformation ist der Kosmos im Ganzen … und damit das GANZE, jenseits des Messbaren und Beweisbaren.
  • Die Exformation des von Natur aus gemeinsamen Lebensraumes wird im Laufe unseres technologischen Fortschritts zunehmend dorthin verlagert, wohin die ANDEREN keinen Zutritt haben. Unsere Datenwelt lässt die ANDEREN außen vor und entzieht sich so der natürlichen Ordnung.
  • Exformation weiß umso tiefgründiger im Sinne des GANZEN zu bereichern und Energie freizusetzen, je mehr Zeit man ihr widmet und je langsamer sie sich entfalten kann, im Gegensatz zu unseren modernen Zeiten, wo die Zeit selbst als immer kostbarer angesehen wird und nicht intensiv zwischen den Zeilen gelesen wird, sondern auf die Schnelle Zeilen überflogen werden. Da mag man sich fragen, warum Zeit, anstelle von Geld, nicht als allgemeingültige Währung genutzt wird … andererseits liegt die Antwort ja offensichtlich und allgegenwärtig vor.

Die moderne Handhabung von Exformation im Allgemeinen wird anhand meiner eigenen Texte, sei es hier im Blog, oder in Form meiner beiden Projekte GOLD-DNA und DIE GOLDENE PHI(L)HARMONIE, sehr deutlich, muss ich doch selbst darauf vertrauen, dass die Rahmen der Leser mit meinem Rahmen obertonreichen Einklang finden, damit der Leser seinerseits ein Gefühl für jenes Kohärenzgefühl bekommen kann, welches ich bemüht bin zu vermitteln. Dass reichlich Zeit in das Lesen und das Einbeziehen der Links investiert werden muss, um seitens des Lesers Exformationen hervorzubringen, ist dabei nicht von der Hand zu weisen … und der wesentliche Ausgleich für die vereinfachenden und bequemen Möglichkeiten des technologischen Fortschritts … und damit komme ich endlich wieder zum eigentlichen Thema zurück … obwohl ich es, auch in diesem Fall, gar nicht verlassen habe.

“Frühere Generationen waren absolut überzeugt, daß ihre wissenschaftlichen Theorien so gut wie perfekt seien, nur damit sich herausstellte, dass sie den Kern der Sache völlig verfehlt hatten.” Terry Pratchett – ”Die Gelehrten der Scheibenwelt”

Das Buddeln und Bohren in den Tiefen der Erde lässt einen Prozess deutlich werden, der uns Menschen sehr vertraut ist und uns von den ANDEREN unterscheidet: das Denken, einhergehend mit Sinnfindung und zunehmender Tiefe von Gedankengängen, in der Hoffnung zu finden, was immer mehr verloren geht:

”The digging or ungrounding of the earth is often tied to thought, as the work of depth is a digging that occurs, to borrow Deleuze’s phrase, in the image of thought. For Deleuze, thought does all the digging: dynamism is contained within the idea.” Ben Woodward – On an ungrounded earth – S. 8

Je mehr und je tiefer wir graben, sei es in der Erde oder in der Sinnfindung unserer Gedankenwelt, desto mehr Raum und Zeit gewähren wir der Entfaltung des Universums, desto mehr geistige Errungenschaften werden realisiert, desto näher kommen wir dem Kern der Erde, jener Altlast, die unseren Fortschritt nährt, desto mehr entfernen wir uns jedoch vom Kern des Wesentlichen und nähern uns zugleich jener Grenze des Möglichen … dem Zenit der Unordnung.

Es macht durchaus Sinn anzunehmen, dass Öl abiotisch entsteht, jedoch biozentrischen Ursprungs ist, und aus der Tiefe nach oben drängt, damit, im Rahmen der Problematisierung des PROBLEMS, und der damit einhergehenden Bewusstwerdung, diese Altlast ihrer energetischen Last, soweit möglich, entledigt werden kann. Traum(a)arbeit im Kollektiv der Menschheit

Sich Gedanken machen, um ein Problem zu lösen, ist nichts anderes, gelingt dieses doch nur nachhaltig, wenn der Kern des Problems angegangen wird. Daher mag es naheliegen, dass das PROBLEM nicht von Einzelnen, sondern nur in der Gemeinschaft des Lebens gelöst werden kann … und nur indem der Kern des PROBLEMS erkannt wird, wozu es die Problematisierung durch technologischen Fortschritt bedarf. Ebenso die Nutzung des Erdöls für unsere Zwecke, entspricht das Bohren nach und das Fördern von Öl doch der Blutentnahme aus einer Verkörperung. Was wir aus Öl herzustellen vermögen, entspräche demnach der Blutuntersuchung. Und so wie wir in der Vielfalt der Produktpalette, die wir konsumieren, nicht zwischen den Produkten ”lesen”, kein Gefühl für das Graben von Massengräbern erlangend, so betrachten wir in der Regel einzig die einzelnen Blutwerte und deren Abweichungen von einer festgelegten Norm, nicht aber was der Körper, dem das Blut entnommen wurde, als Ganzes mitzuteilen hat.

Etwas anschaulicher, wie kurz zuvor bereits angedeutet, mag sich mit der Entwicklung von Kindern darlegen lassen, was es bedeutet zwischen den Zeilen zu lesen, auch wenn der Umstand von Massenimpfungen reichlich Exformation in Richtung Big Data verschoben hat und das Offensichtliche mehr und mehr ins Verborgene abgerutscht ist … aus den Augen, aus dem Sinn, radioaktiven Abfällen ähnlich, die tief in der Erde verscharrt werden, anstatt als offensichtliche Altlast stets im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert zu sein.

Krankheiten heilen von innen nach außen,
von oben nach unten und in der umgekehrten Reihenfolge des Auftretens der Symptome.
Hering’sche Regel

So schreibt Manfred von Ungern-Sternberg, Homöopath mit Jahrzente währender direkter Erfahrung, in seinem Buch ”Vom Sinn der Kinderkrankheiten”:

”Nun gibt es zwei Weisen, Wissen zu erwerben, einmal über das Begreifen, zum anderen über das Verstehen. Das Kriterium des Begreifens ist das Erfassen mit vorgegebenen Begriffsmitteln, wie z. B. mathematischen Kategorien, Zahl und Maß und eine Anzahl von Unterbegriffen. Durch klare Definition entsteht ein Katalog oder ein Lexikon von Einzelheiten, die sich von bestimmten Voraussetzungen ableiten lassen. Das verstandene Wissen hingegen gründet auf dem systemischen Zusammenhang der Voraussetzungen selbst. Erst durch das Verstehen des Sinnes und der Möglichkeit ist quasi grammatikalisch eine Urteilsfähigkeit gegeben. Schließlich müssen wir uns an die Tatsachen halten. Davon ist heute kaum die Rede.” Manfred von Ungern-Sternberg – Vom Sinn der Kinderkrankheiten – S.23

Aus diesen Zeilen geht hervor, ohne zwischen ihnen lesen zu müssen, welche Möglichkeiten dem Geist in die Wiege gelegt werden und warum immer mehr Datengräber entstehen, während Datengräberstimmung dort herrscht, wo die wahre Geschichte des Lebens in bare Münze umgewandelt und vermeintliche Komplexität mit Vereinfachungen in geordnete Bahnen gelenkt wird. Immer mehr Möglichkeiten der Systematisierung, auf Kosten von systemischen Tatsächlichkeiten.

Verstehen setzt Exformation voraus, zudem aber setzt Verstehen Erfahrungen voraus … und damit den direkten Austausch von Informationen, denn Leben ist tatsächliche Begegnung.

Bezogen auf die Geschichte des Lebens verstehen wir Menschen als Spezies immer weniger von dem, was diese eine Geschichte uns zwischen den Zeilen mitzuteilen hat, schließlich misslingt es uns zunehmend, unsere eigenen Kinder zu verstehen … doch wofür haben wir immer mehr Experten, die uns anhand neuester Datenerhebungen sagen können, was unsere Kinder brauchen und was mit ihnen nicht stimmt. Der Fluch einer flüchtigen Zeit, von Kindesbeinen an.

Die klassischen Krankheiten während des Wachstums von Kindern, einhergehend mit Fieber und Hauterscheinungen, lassen sich sehr bildhaft auf die Entwicklung der Erde übertragen. Den Kinderkrankheiten liegen ebenfalls Altlasten zugrunde, angesammelt durch das genetische und energetische Erbe der Eltern und durch den Verlauf von Schwangerschaft und Geburt. Die Auslöser der Erkrankungen liegen im unmittelbaren Umfeld des heranwachsenden Kindes, systemisch beschrieben im Buch ”Vom Sinn der Kinderkrankheiten”.

Wie man vergleichenderweise hier nachlesen kann, durchläuft auch unsere Erde einen derartigen Wachstumsprozess, Kinderkrankheiten inklusive, während etwas aus der Tiefe nach oben drängt und sich als ausgeprägte Symptome auf der Oberfläche zeigt. Wir nennen es flächenbedeckende Zivilisationen, zum Ausdruck gebracht durch den Abbau von Altlasten, während durch uns EINEN zeitgleich bereits zukünftige Neulasten geschaffen werden. Dabei ist dieser ausdrucksstarke Prozess eine Notwendigkeit, eben um die Befreiung von dieser Altlast zu ermöglichen … und nichts anderes machen Kinderkrankheiten, die umso mehr Angst und Schrecken verbreiten, je mehr man sich auf Daten verlässt, anstatt langjähriger direkter Erfahrungen zu vertrauen. Was Manfred von Ungern-Sternberg bezüglich der Entwicklung von Kindern beschreibt, die ihre Kinderkrankheiten im Laufe der Kindheit durchgemacht haben, lässt sich komplett auf die Entwicklung der Erde, und damit auch auf das Leben als Ganzes, übertragen, denn die Impfungen, die wir Kindern zukommen lassen, sind nichts anderes als die Datensätze, die immer mehr Informationen aus dem Kontext von Exformationen herausbefördern.

So betrachtet ergeht es der Menschheit im Ganzen wie einem einzelnen Kind. Beide durchleb(t)en ein Trauma und sind dem Schatten, welcher von Generation zu Generation weitervererbt wird, ausgesetzt. Was die Menschheit bis zum Höhepunkt ihrer Pubertät, dem Zenit, erlebt und durchmacht, gleicht der Kindheit der Kinder. In beiden Fällen spielt der technologische Fortschritt eine entscheidende Rolle, um sich der Schatten nicht stellen zu müssen, um sie zu leugnen, damit erst jenseits der Pubertät die Bewusstwerdung der wahren Hintergründe einsetzen kann. Daher auch die zunehmende Entfremdung von Exformation und Information, ist der Schatten doch das Kernproblem und das Trauma der Beginn des Lösungsweges, eingeleitet durch die Abnabelung von der Mutter bzw. von den ANDEREN, mit neuen Möglichkeiten, die den Eltern nicht zur Verfügung standen.

Unser Fortschritt dient der Vergangenheitsbewältigung der Menschheit. Es ist das Ausdrucksmittel des Prozesses, welcher durchlaufen werden muss, bevor Heilung letztendlich einsetzen kann. Daher auch die Kinderkrankheiten.

Typisch für die Pubertät ist, dass verwurzelte Erfahrungen, zuvor erwähntes verstandenes Wissen, in den Wind geschlagen werden. Nichts anderes widerfährt der Menschheit, unter anderem an der gesellschaftlichen Bedeutung der Impfungen oder der Kaiserschnitte zu erkennen … oder an den transhumanistischen Ideen, die in der Notwendigkeit des Natürlichen, des HARMONISIERENDEN, eine Bedrohung für uns Menschen sehen, so auch in den Kinderkrankheiten, oder in der von uns angenommenen Fehlerhaftigkeit unseres Genoms und unserer biologischen Beschränktheit:

”Every one of us was born into a fixed genetic endowment that is not of our choosing, not even of our parents’ choosing. In addition, we are each born unequal, with different (and often profoundly limited) physical, intellectual, and moral capabilities. And we are all subject to the limits of the ”human condition” in general, including the inevitability of death. Freedom from a fixed human nature that is conditioned by a particular historical path and is far from perfect will be the greatest and final freedom for humanity.[ … ]The freedom from human genetic bondage is in our hands. This is our frontier. Let us step forward with joy, courage, and responsibility.” Ted Chu – Human purpose and transhuman potential – S. 24-25

Doch der Mensch kann gar nicht ohne die ANDEREN sein, ist er selbst doch viralen und bakteriellen Ursprungs bzw. Ursprung des als Viren und Bakterien verkörperten ”Teils” des Gesamtbewusstseins. Geist entfaltet seine Möglichkeiten der Maximierung der Abgrenzung vom Leben als Ganzes und belügt sich somit selbst, wie es folgende Verhältnisse von Exformation und Information verdeutlichen:



  • Exformation verhält sich zur Information wie das Universum zur Erde, wie die Erde zum Erdkern, wie ein Körper zu seinen Organen, wie Organe zu ihren Zellen, wie Zellen zu ihren Zellkernen … wie das Gesamtbewusstsein zur Menschheit, wie das Terrain zur Karte, wie die Wirklichkeit zur Realität, wie Emotionen zu Gefühlen.
  • Solange Informationen im Rahmen der Exformation bleiben, liegt Kontext vor und Kohärenz ist möglich.
  • Komplexität ist besagtes Maß für gesprengte Rahmen und daraus folgender Entfremdung. Je ausgeprägter die Komplexität, desto mehr Daten können erhoben werden, um die entwurzelte Beziehung von Exformation und Information künstlich am Leben zu halten, wofür jedoch mehr und mehr Energie benötigt wird.

Zeigt sich in all diesen Dynamiken zwischen Exformation und Information nicht der scheinbare Fluch jenes Geschenks, von dem in den vorherigen drei Teilen der Schwarzmalerei die Rede war ? Zeigt sich die Bösartigkeit des Geistes nicht in der Systematisierung des Systemischen und damit in der Problematisierung des PROBLEMS ?

Was wäre unser Fortschritt, wenn es dieses energiereiche Geschenk, allen voran das Öl, nicht gäbe ? Wie stünde es dann um die Bewusstwerdung des Lösungsweges bezüglich des PROBLEMS ? Wie sähe es mit Big Data aus, wenn weder Holz, noch Kohle, noch Öl, oder aber Uran, verfügbar wären, um unseren Fortschritt anzufeuern ?

”Google’s tech is about commodifying the planet through unequal exchange of data, but it may have other affordances. Whereas all you can say about a business built on coal-fired power plants is that it has no future at all.”McKenzie Wark – Quelle

Bewusstsein ist der verantwortungsvolle Auftrag den Lösungsweg, über die Problematisierung des PROBLEMS, fortzuführen. Im Grunde aber ist Bewusstsein an sich nicht das Herausragende am Leben, sondern vielmehr die Bewusstwerdung im Streben allen Seins, in der Realisation aller bewussten Verkörperungen. Im aktuellen Universum ist die Menschheit das ”Mittel” zur Bewusstwerdung. Den ANDEREN wird dabei bewusst, was alles möglich ist, uns EINEN aber wird bewusst werden, was alles notwendig ist, damit die gemeinsame Bewusstwerdung allen verkörperten Lebens vollwertiger, intensiver, vollzogen werden kann, als jene, die zu jenem Bewusstsein geführt hat, von dem wir ALLE gemeinsam ”gestartet” sind. Dazu braucht(e) es den technologischen Fortschritt, dazu braucht(e) es das ”verfluchte” Geschenk, denn unser Fortschritt lässt wahren Fortschritt dort offensichtlich werden, wo unser Fortschritt nicht seinen eigentlichen, seinen von uns geplanten, Zweck erfüllt:

”Nuclear weapons are an example of the way science and technology can transcend their own horizon of origin and lead to precisely the opposite of what they were intended for when they were created.Other technologies, too, are transcended their horizon of origin – for example, the technology for conquering space led to the understanding of the life on our planet, and the technology for carrying out computations led to the knowledge that we cannot compute everything.” Tor Nörretranders – The user illusion – S. 404-405

Bewusstwerdung bedeutet zwischen den Zeilen zu lesen und ein Gefühl für das GANZE zu erspüren. Somit dient der technologische Fortschritt dem Offenbaren der Schatten, durch den Verlust verwurzelter Beziehungen. Menschliches Bewusstsein, wie jegliches Bewusstsein, benötigt Informationen, lässt sich aber mehr und mehr von den Möglichkeiten der Daten zu geistreichen Ideen verführen. So existiert die systematische Problematisierung des PROBLEMS als Verkettung von Trennungsängsten und Erwartungen, woraus sich zwangsläufig im Laufe der Zeit zu erwartende Trennungsängste und angstvolle Erwartungen ergeben und sich folgenschwer aneinanderketten. Der realisierte Weg ”zurück” zum eigentlichen Kern des Lebens, dorthin, wo Exformation und Information Eins sind, ist jedoch mitunter äußerst schmerzhaft und erfordert Vertrauen und Mut, sich in Wirklichkeit als die Bewusstwerdung wahren Fortschritts offenbarend. Diesbezüglich noch einmal, nein, dreimal, Tor Nörretranders:

”It is an acceptance, too, of the fact that because people know far more about each other than their consciousness knows, and because people do far more to each other than their consciousness knows about, it is not enough to decide on the right point of view and then convey it via the low bandwidth of language: One must simply do something that one believes is right to the depths of one’s organism. Because the effects are greater than we are conscious of.”Tor Nörretranders – The user illusion – S. 407”The religious philosopher Martin Buber belongs to the Hasidic movement that arose among Polish Jews in the 1700s. Its point is that union with the divinity is attained not by turning one’s back on the world but by going out into the world with one’s whole being, right in the middle of things. What is sacred is the enjoyment of life here and now. In his famous book Ich und Du (”I and Thou”), from 1923, Buber writes of God as ”the wholly Other” but also as ”the wholly Same, the wholly Present.” God changes and transforms, but is also ”the mystery of the self-evident, nearer to me than my I.””Tor Nörretranders – The user illusion – S. 411”The culture and civilization of consciousness has celebrated huge triumphs, but it also creates huge problems. The more power consciousness has over existence, the greater the problem of its paucity of information becomes. Civilization fills people with a lack of otherness and contradiction, which leads to the same kind of insanity we find in dictators surrounded by yes-men.[ … ]Consciousness does not contain much information, for information is otherness and unpredictability. Consciousness will find composure by acknowledging that people need more information than consciousness can supply. Man also needs the information contained in consciousness, just as we need a map to find our way around the terrain. But what really counts is not knowing the map – it is knowing the terrain.The world is far richer than we know from looking at a map of it. We ourselves are far richer than we know from looking at the map of ourselves.” Tor Nörretranders – The user illusion – S. 416-417

Für all diejenigen, die meinen Rahmen an Exformation nicht teilen bzw. auf die Schnelle informiert werden wollen, lasse ich James Clerk Maxwell meinen schwarzmalerischen Vierteiler folgendermaßen zusammenfassen:

”What is done by what is called myself is, I feel, done by something greater than myself in me.”

Entwurzelnder Geist ist böse und Energie hat Schuld daran … aber beide können nichts dafür, denn es kann nur realisiert werden was notwendig ist und was ermöglicht wird.

Dem wahren Fortschritt geht es dabei nicht darum, dass ein Lebewesen als Erster, als Bester, in die Geschichte eingeht, vielmehr geht es dem wahren Fortschritt um das Subtile in der Gemeinschaft. So kann weder Neid entstehen noch all die anderen Folgen geistiger Intervention, die reaktive Unordnung sich auftürmen lassen. Wahrer Fortschritt ist nur möglich, wenn sich Lebewesen eines gemeinsamen Raumes bewusst werden, in dem sie gemeinsame Zeit verbringen, von Angesicht zu Angesicht, so einen Rahmen schaffend, der Exformation hervorbringt. Technologischer Fortschritt kann das nicht leisten … aber dafür ist er ja auch weder gedacht, noch erdacht worden.

So nutze auch ich meine Texte um Exformation zu erschaffen, unter Einsatz von Energie, so verwurzelt wie mir möglich ist, im Rahmen des mir notwendig Erscheinenden. Dabei geht es nicht um Anerkennung, darum, besagter Erster zu sein, der vielleicht eine Theorie aufgestellt hat, die in unsere Geschichte eingehen wird. Nein, da ich mir des fehlenden Einklangs meines Rahmens mit den Rahmen der Leserschaft bewusst bin, sehe ich meine Arbeit, die ich jedoch nicht als solche empfinde, als Wegbereitung an, damit Andere aufgreifen können, was von mir bereits exformiert wurde. Reichlich Informationen habe ich so in den letzten fünf Jahren mittels des technologischen Fortschritts zusammengetragen, unzähligen Pfaden gleich, und als Datensätze in das Internet übertragen, tausende von DIN A4-Seiten breit. Doch wie steht es um die Tiefe ? Nun, ich vertraue ebenfalls auf das Subtile, welches die ANDEREN fortwährend vorleben. Denn, wie die Geschichte des Lebens es zeigt, kommt irgendwann immer ein Punkt, wo das Subtile ein weiteres Etappenziel auf dem gemeinsamen Lösungsweg des Lebens erreicht, jener zuvor erwähnte Evolutionssprung. In Wirklichkeit jedoch handelt es sich um das Interpretieren neuer Möglichkeiten innerhalb einer bestehenden Notwendigkeit, ist Bewusstwerdung doch nichts anderes als HARMONISIERUNG … es ist, als ginge einem der EINEN ein wesentliches Licht auf … so, wie es zu Beginn eines jeden neuen Tages den ANDEREN aufgeht, in der Chorgemeinschaft des Lebens.

”The world is deep: and deeper than day has ever comprehended.”
Nietzsche – Thus Spoke Zarathustra

”Great star! What would your happiness be, if you had not those for whom you shine! . . .
I must descend into the depths: as you do at evening, when you go behind the sea and bring light to the underworld too, superabundant star !”
Nietzsche – Thus Spoke Zarathustra

Die Sonne ist die Verbindung zwischen Exformation und Information. Sie ist der Informant des Lebens des aktuellen Universums und das Schlüsselloch im Tor zu den Sternen, dem morphogenetischen Feld. Jeder Stern eine Nervenzelle.

Im Kern der Erde jedoch steckt jenes Erbe der kosmischen Vorgenerationen, welches im aktuellen Kosmos ein Schattendasein fristet und böses Blut geistreich in Szene zu setzen vermag … der Stoff aus dem Familientragödien hervorgehen.

Besagtes Erbe bringt all die Möglichkeiten hervor, mit denen der pubertäre Expansionsdrang des technologischen Fortschritts realisiert werden kann. Dieses Erbe ist die dunkle Sonne, ein noch bestehendes Kernproblem, welches sich zum Trauma der Menschheit, der Abnabelung vom Gesamtbewusstsein, gesellt. Egal, welche Theorie was über den Kern der Erde besagt, ob flüssiges Eisen-Nickelgemisch, ob Plasma, oder Kernfusion, jede Vorstellung vom Kern erscheint immerzu im Licht der Exformation des zugehörigen Rahmens der gewohnten, gesellschaftstauglichen Betrachtungsweise.

”The sensations we drink from the black sun afflict us as ruinous passion, skewering our senses upon the drive to waste ourselves.” Nick Land – The Thirst for Annihilation: Georges Bataille and Virulent Nihilism. – S. 29

Ja, was wäre der Fortschritt ohne Öl wirklich wert ?

Was wäre der Mensch ohne Viren und Bakterien bzw. ohne das Bewusstsein, welches sie verkörpern ?

Was wäre das Leben ohne jene Biosphäre, die, tief im Innern der Erde, sich dem Sonnenlicht entzieht und sich stattdessen vom Öl ernährt, wie es Thomas Gold in seinem Buch ”The deep hot biosphere” beschreibt und auch anderswo für Erstaunen sorgt ?

Wo das Leben als Ganzes seine Wurzeln hat, dürfte immer deutlicher werden. Noch deutlicher aber wird, was das für die Biozentrik des Universums bedeutet … und für die ”Anfänge” des Gesamtbewusstseins, als dieses Universum noch in den Kinderschuhen steckte … und zwar in den Kinderschuhen der Menschheit !

Kein Wunder also, dass wir immer tiefer graben und bohren müssen, um jenes Trauma tatsächlich zu verstehen, welches uns seit unserer gemeinsamen Kindheit in Form geistiger Errungenschaften verfolgt, uns so immer gesellschaftsfähiger werden lassend, jedoch immer unfähiger der Gemeinschaft des Lebens als Ganzes verantwortungsvoll zur Seite zu stehen … denn woher sonst kommen so obskure Ideen wie f***ing fracking !?

Peter Gabriel – Digging in the dirt

Something in me, dark and sticky
All the time it’s getting strong
No way of dealing with this feeling
Can’t go on like this too long

Teil 1, 2 und 3:

Teil 1 … Schwarze Pflanzen als Zeichen des Fortschritts

Teil 2 … Schwarzes Gold als Zeichen der Verbundenheit

Teil 3 … Finstere Gedanken aus Mittelerde


Quelle: faszinationmensch.com

Autor: Guido Vobig

Beitragsbild: The Ghost in the Escalator – www.piqs.de

Finstere Gedanken aus Mittelerde – Teil 3

von Guido Vobig

Was unterscheidet Geld vom Sonnenschein ? Was unterscheidet Gräber von Wiegen ? Wie äußerst sich wahrer Fortschritt, im Gegensatz zum technologischen Fortschritt des geistreich verkörperten Bewusstseins in menschlicher Darreichungsform ? Welches Muster schlängelt sich als roter Faden einer längst entzündeten Lunte durch die gewohnte, und mit Jahreszahlen belegte, Geschichte der Menschheit, nachdem ihr Fall aus der Gemeinschaft des Lebens bühnenreif wurde ? Woher nimmt die Menschheit seitdem die Energie, um auf die Spitze zu treiben, was ihr durch diese Energie ermöglicht wird ? Und wie kann die Menschheit an einem Energiedefizit leiden, während ihr zugleich immer mehr Energie zur Auslebung ihres Fortschritts zur Verfügung gestellt wird, dem Wahn eines Geistes folgend, der Robustheit anpreist, aber selbst Ausdruck von Fragilität ist ?

Lebewesen, Pflanzen voran, nehmen Sonnenlicht direkt auf, können es jedoch nicht auf die lange Bank schieben. Ein Photon kommt und würde wieder gehen, wenn die Pflanze nicht in der Lage wäre es unmittelbar einzufangen und in Zucker umzuwandeln, um so Energie vorübergehend auf dem eigenen Konto anzulegen. Es besteht immer eine direkte Beziehung zwischen dem Licht, der Pflanze und dem Ordnungsvermögen der Pflanze, woraus letztendlich wohlinformiert der Zucker hervorgeht. Dabei wandelt die Pflanze einzig so viel Licht in Zucker um, wie es ihr möglich ist und wie notwendig es für die Pflanze ist, damit sie in ihrem unmittelbaren Umfeld weiter bestehen kann.

Diese Beziehung geht einher mit Feedbacks und Wechselwirkungen, welche die Qualität der Umwandlung an Veränderungen anpassen und, auf lange Sicht, stets ein möglichst optimales Zusammenspiel verschiedenster Faktoren gewährleisten … im Einklang mit allen anderen Beziehungen und Feedbacks anderer Lebewesen, trotz zunehmender Störungen durch menschliche Lebensformen und ihres Schaffens. Wie der natürlichen Ordnung diese philharmonische Meisterleistung, zur Aufrechterhaltung der HARMONIE, noch immer gelingen kann, trotz all unserer geistigen Ausgeburten, wird Thema eines anderen Artikels, außerhalb dieses schwarzmalenden Vierteilers, sein …

Ganz anders sieht es dagegen beim Geld aus, wobei Geld an sich ist ja nicht das eigentliche Problem ist. Probleme ergeben sich erst aus den Möglichkeiten, die Geld realisieren kann, weil es Währungen darstellt, die eine Spezies ersonnen hat, während Sonnenlicht der Bewahrung aller notwendigen, und somit möglich werdenden, Spezies dient. Zudem hat sich Sonnenlicht im Laufe der realisierten Zeit für das Leben bewährt, was man vom Geld nicht gerade behaupten kann, bedenkt man den nicht enden wollenden Appetit des Kaputtalismus und anderer Experimente. Dieses geschieht vornehmlich dadurch, dass, im Gegensatz zum Sonnenlicht, Feedbacks und Beziehungen verschwinden und Geld, jederzeit und anderswo, von irgendwem eingesetzt werden kann, während das Sonnenlicht das Leben über unmittelbare Zusammenhänge informiert, Stichwort Biophotonen und morphogenetisches Feld. Sonnenlicht kann somit niemals angemessen mit Geld aufgewogen werden, auch nicht als sogenannte Energiealternative mittels Solarzellen oder Solarthermie.

Was für das Verhältnis von Pflanze und Sonne ganz natürlich ist, wird beim Geld zunehmend künstlich. Künstlich bedeutet diesbezüglich nichts anderes, als dass neue Probleme ohne Lösung der vorherigen Probleme auftauchen und diese daher längere Zeit bestehen bleiben und sich, mitunter als Normalität, ansammeln können, während von Natur aus das Problem bereits Teil der Lösung ist und es so nie zur Normalität kommen kann. Daher kann auch keine Digitalwährung die Probleme lösen, welche durch das Geld an sich erst ermöglicht wurden, im Gegenteil, verstärken Digitalwährungen, wie z.B. Bitcoin, das Ausmaß der Beziehungslosigkeit und mangelnder Feedbacks noch zusätzlich. Aus gleichem Grund kann ein Militärbündnis, wie z. B. die NATO, im Versuch für Ordnung zu sorgen, der Gemeinschaft der NATürlichen Ordnung nie das Wasser reichen. Die Kosten (Energiebedarf) übersteigen daher den Einsatz (zur Verfügung stehende Energie), bezogen auf die Verkettungen, die sich, im Versuch Probleme zu lösen, an anderer Stelle bzw. anders geartet, ergeben. Es kommt zur Entwurzelung der Ursprünge im Kontext jener Geschichte, die über lange Zeit ansonsten hätte wachsen können, so eine energetische und energetisierende Tradition darstellend. Stattdessen entwickelt sich zunehmend eine Lügengeschichte voller Wahrheiten, die jedoch nur zwischen den Zeilen zu spüren sind. Wachstum bezeichnet dabei keine, nach menschlichem Ermessen, zunehmende Größerwerdung bzw. Expansion, sondern die sich verstärkende Dichte von sich aufeinander einschwingenden Zusammenspielen und Wechselwirkungen, woraus Kohärenz hervorzugehen vermag.

Was ist mit Entwurzelung gemeint ? Geld ermöglicht mir Tätigkeiten in Anspruch zu nehmen, die ich nicht tätigen kann, z. B. aus Zeitmangel, oder weil mir die körperliche Fähigkeit, derart tätig zu werden, fehlt, oder weil ich an einem anderen Ort bin, als an jenem, wo etwas getätigt werden müsste. Also gebe ich jemandem Geld, der tätigen soll, was ich selbst nicht tätigen kann. Meine Fähigkeiten und Möglichkeiten sind somit vom Ursprung der Notwendigkeit des direkten Tätigwerdens entwurzelt, sei es zeitlich, örtlich, oder physisch. Um diese Entwurzelung auszugleichen kommt das Geld ins Spiel, mitsamt verschiedenster Ungleichgewichte als Reaktion, unter anderem dadurch bedingt, dass Geld und Energie in ihrer Wertigkeit gleichgesetzt werden. Doch allein schon der Blick auf eine Tankstelle verdeutlicht, dass ein Liter Kraftstoff für moderne Motoren in keinem verwurzelten Verhältnis zum Energieeinsatz steht, der den Kraftstoff derart für mich verfügbar werden ließ, bezieht man alle Aufwendungen mit ein, die vom Ursprung des Öls zum Kraftstoff an der Tankstelle führten. In Teil 2 kamen diese Zusammenhänge bereits ausführlicher zur Sprache.

Das Problem des Geldes ist mehr und mehr, dass damit immer mehr geistreich und systematisch möglich wird, was immer weniger systemisch notwendig scheint, damit eine Ausgewogenheit für das Leben als Ganzes überhaupt beibehalten werden kann. Die zwangsläufige Folge ist Dekohärenz, weil der Mensch eigenen Wohlstand anstrebt, anstatt zum Wohle des Lebens eigene körperliche Fähigkeiten auszuschöpfen. Geld versucht so in Gesellschaften das zu ersetzen, was in Gemeinschaften von Natur aus ohne Kosten für andere zugegen ist, nämlich die Beibehaltung und Wertschätzung von Hörensagen und Traditionen, um die Erinnerung an das Ursprüngliche bzw. die Ursprünge lebendig zu halten.

Tradition ist nicht das Halten der Asche,
sondern das Weitergeben der Flamme.
Thomas Morus

Bei einer Pflanze läuft das mittels Photosynthese ebenfalls ganz in der Tradition der HARMONIE, und damit in der Bewahrung der Ausgewogenheit, ausgelebt durch eigenes Vermögen und der eventuellen Erschöpfung der eigenen Fähigkeiten. Stellt sie ihren Zucker einem anden Lebewesen zwecks Nahrung zur Verfügung, indem sie z. B. direkt an Ort und Stelle gefressen wird, geschieht dieses auf ”Kosten” der Pflanze selbst, Kosten, die jedoch niemandem in Rechnung gestellt werden, weil der Sinn dieser Weitergabe von Zucker, als Energie, in der Bewahrung des Lebens als Ganzes liegt und nicht der Vermögensbildung einer einzigen Spezies dient, damit diese Dinge tun könnte, die sie im Rahmen wahren Fortschritts ansonsten nicht realisieren kann. Keine Pflanze kann somit in Anspruch nehmen, was sie selbst nicht imstande ist zu leisten, und wenn sie etwas leistet, wofür sie doch die Hilfe anderer Lebewesen benötigt, z. B. zur Samenverbreitung, dann geschieht dieses im Rahmen von Ausgewogenheit, sprich, soweit möglich, wie notwendig für das Ganze. Ungleichgewichte in der Verteilung von sich ansammelndem Vermögen werden daher wieder ausgeglichen, aufgrund bestehender Feedbacks und Beziehungen, die über lange Zeit gewachsen sind, womit jene ins Spiel kämen, die wir Menschen voreingenommen als Parasiten bezeichnen … und mit viel Energieeinsatz bekämpfen oder zumindest unter Kontrolle zu bringen versuchen.

Beim Geld jedoch geht all das zunehmend verloren, weil der Sinn für Kohärenz in keiner Währung ausgedrückt werden kann, während es immer eher zu immer ausgeprägteren Ungleichgewichten kommt, ohne dass sie wieder, zum Wohle des Lebens auf lange Sicht, ausgeglichen werden. Zumal wir Menschen, zunehmend motivierter und geistreicher, daran arbeiten, dass das Ungleichgewicht weiter bestehen kann bzw. noch verstärkt wird, indem wir Probleme in einem immer komplexeren Muster miteinander verketten, anstatt den Ursprung der Kette in Erinnerung zu behalten. So werden zwar Lösungen gefordert, mitunter unter Einsatz von Geld und Experten, die mit der Lösung beauftragt werden, nur richten sich diese kurzgeschichtlichen Kurzsichtigkeiten, aufgrund von Entwurzelungen, längst verspätet noch dazu, an die falschen Stellen. Derjenige, der Lösungen fordert, braucht dabei nicht selbst aktiv zu werden. So vermag niemand die durch Geld ermöglichten Probleme zu lösen, schon gar nicht durch den Einsatz von mehr Geld, kommt doch erschwerend hinzu, dass wir Menschen meinen die Sonne scheinen lassen zu können, obwohl Nacht ist, oder aber der Himmel voller Wolken hängt. Unser Geldsystem verspricht obendrein ewigen Sonnenschein mittels Krediten und mästet sich mittels Zins am Sonnenlicht, obwohl die Sonne anderswo scheint. Es entstehen künstliche Gräber und Wiegen voller Asche, undenkbar in der natürlichen Ordnung, wo Ungleichgewichte konsequent dynamisch ausgewogen werden, ohne dass Probleme zu lange überwiegen können, da jedes Problem bereits Teil des Lösungsweges ist und Wurzeln bestehen bleiben, ganz in der Tradition von Gemeinschaften und dem Feuereifer für das Wesentliche. Hörensagen, anstelle von Lug, Trug und Eigennutz, von Angesicht zu Angesicht, ganz konsequent, und in direktem Kontakt mit dem Leben.

Nachdem der Mensch das Absägen des eigenen Astes vom Weltenbaum, welches gegen Ende des zweiten Teils der Schwarzmalerei zur Sprache kam, vollzogen hatte, zeigt sich dieses offensichtliche Muster des Gräberschaufelns seitdem vielgestaltig im Verlauf entwurzelter Kurzgeschichten, welche unsere Geschichtsbücher füllen. Zum Beispiel im Wandel von Sprachen und menschlicher Kommunikation im Allgemeinen, was besonders deutlich wird, wenn man indigene Völker zu Wort kommen und sie beschreiben lässt, was uns fortschrittlichen Menschen längst im digitalisierten Schriftverkehr abhanden gekommen ist:

”Once a language is written down, its speakers suffer immediate consequences. One of the first casualities is memory – as soon as you can write something down, the power to remember goes quickly. Also lost is much of the richness and expressivness of language. [ … ] The spoken word is the realm of storytellers, poets, and visionaries, it is a plastic and infinitely expandable medium, an art form. Written language crosses into the domain of word-accountants, ”experts” who spend their lives compiling catalogues of words, immense dictionaries trying to affix an exact, almost numerical value to every utterance and human emotion. Certainly this can be a fascinating pursuit, but it’s the antithesis of creative process, which is what speaking in a free language used to be all about.

Ironically, not only does creativity and expressivness suffer once a language becomes a written language – it also becomes easier to lie. When a story or account is written down, history for example, it becomes the accepted version of truth no matter how false the information, or how biased the source. People who live in the oral tradition, however, have to be able to remember what they said. The only way to be sure of this is to tell the truth.”

Russell Means & Bayard Johnson – If you’ve forgotten the names of the clouds, you’ve lost your way – S. 4

Auch anderswo wird das Wesentliche lebendiger Kommunikation, das Weiterreichen wahrer Informationen, offensichtlich:

”Deklarative Äußerungen in Piraha enthalten nur Aussagen, die unmittelbar mit dem Augenblick des Sprechens zu tun haben, weil sie entweder vom Sprecher selbst erlebt wurden oder weil jemand, der zu Lebzeiten des Sprechers gelebt hat, ihr Zeuge war.

Mit anderen Worten: Alle Aussagen der Piranha sind unmittelbar im Augenblick des Sprechens verankert und nicht in irgendeinem anderen Zeitpunkt.”

Daniel Everett – Das glücklichste Volk – S. 199

Diese zwei Beispiele verdeutlichen, was es mit weiteren Formen von Entwurzelungen auf sich hat und wie Dekohärenz ihren Auftritt auf der Bühne realisiert. Gesprochene, unmittelbare Worte, als Hörensagen, entsprechen demnach dem Sonnenlicht, geschriebene Worte dagegen, erst recht gedruckt, sind dem Geld von Heute nicht unähnlich, von der digitalisierten Variante ganz zu schweigen. Es ist selbiger Weg, den Informationen gezwungenermaßen gehen (müssen), um zu Daten zu werden, die immer wieder kopiert und jederzeit anderswohin verschickt werden können, losgelöst vom ursprünglichen Kontext und der eigentlichen Quelle, ihrer Verankerung beraubt, rastlos seitdem und ohne eigenes Ziel. Ebenfalls undenkbar in Gemeinschaften, wo jedes Mitglied alle anderen Mitglieder kennt und die Verkettung nur so lang werden kann, wie es der Gemeinschaft möglich ist die wesentliche Verankerung in Erinnerung zu behalten. Inflation, als Entwertung von etwas Grundlegendem, etwas Ursprünglichem, verstanden, ist dahingehend immer ein deutliches Zeichen von Dekohärenz und eine Begleiterscheinung von Gesellschaften bzw. Größenwahn. Doch nur so konnte die Verkettung von Problemen gesellschaftstauglich zum roten Faden werden, der sich als brennende Lunte durch die Geschichte der Menschheit frisst, Erinnerungen auslöschend, Beziehungen vernichtend, was wahrlich nicht gleichbedeutend ist mit jener traditionsreichen Flamme, die dem Feuer der Kohärenz des Gesamtbewusstseins entsprang und seitdem als Funken jedem Lebewesen von der HARMONIE erzählt, seit Generationen und interpretierten Jahrmillionen, während das Feuer selbst, fern geistigen Zugriffes und Einflusses, dem Leben die Energie zur Verfügung stellt, die es bedarf, um den Zenit der Entwurzelung zu erreichen … und darüber hinaus (wieder) zusammenzuwachsen, nicht an messbarer Größe gewinnend, sondern, in der Umsetzung von verschiedenen (Grenz)Erfahrungen, vermögender werdend an Kohärenz, als jemals zuvor.

Und damit komme ich wieder auf das eigentliche Thema zurück, zur Energie … obwohl ich das Thema in Wirklichkeit gar nicht verlassen habe.

Ich möchte an dieser Stelle Thomas Gold zu Wort kommen lassen, der im Folgenden reichlich Licht in jene Schwärze bringt, aus der das Öl emporquillt, welches die Entwurzelungen der Menschheit erst zum expansiven Flächenbrand werden ließ, indem es, als Kettenreaktion, Geld, Daten, und indirekte Kommunikation immer notwendiger für den Lauf der menschlichen Geschichten machte, bis zum heutigen Tag …

”First, the energy required to run cellular metabolisms must be available in increments no more than a tenth as powerful as that supplied by even a single solar photon. Expecting a cell to use a photon directly to synthesize a sugar would be more ludicrous than expecting a baseball player to field bullets from a machine gun. Rather, life has devised an extremely sophisticated apparatus to perform the initial task of catching the bullets.

Second, a photon has no patience. Make use of it now or lose it forever. Sunlight cannot be captured in a jar and stored on a shelf. But its energy can be used to set up molecules such as sugars, that will deliver energy on combining with atmosheric oxygen. [ … ] Chemical energy thus carries the advantage of availability, offering an adjusted amount where and when it is needed.”

Thomas Gold – The deep hot biosphere – S. 13

Besagte chemische Energie ist mit den Problemen des Geldes, der Daten, und der Schrift(en) gleichzusetzen, sitzen sie doch allesamt im selben Boot, welches seinen Anker längst verloren hat, beziehungslos und ohne Feedbacks zu den Ursprüngen der Probleme und des PROBLEMS an sich, und zum Kontext der Ursprünge im dynamischen Gefüge des GANZEN. Aus diesen Gründen konnte der technologische Fortschritt der Menschheit zu dem werden, was er ist, seinen Imperativ geistreich in Szene setzend, denn seine Möglichkeiten scheinen inzwischen transhumanistisch endlos und somit verlockend, sich so mehr und mehr Hauptrollen auf der Bühne des Lebens an Land ziehend, der Verkettungen von immer weiteren Problemen wegen, die immer weiterer neuer Kostümierungen, Updates und Designs bedürfen, besagter energetischer Kettenreaktion gleich, die uns Menschen immer mehr Objekte bzw. Vokabeln der realen Bildersprache hervorbringen lässt, allesamt aufbauend auf entwurzelter Energie, den Anschein (noch) wahrend ein währender Phönix aus der Asche unzähliger Gräber zu sein.

Im obigen Zitat von Thomas Gold steckt der Teufel indes im Detail, genauer, im unscheinbaren Wort ”adjusted’‘, welches anmerkt, woher der Mensch seine Probleme bezieht, verhält er sich doch keineswegs seinen Fähigkeiten und seinem Umfeld angemessen, ohne jedoch Konsequenzen für sich selbst fürchten zu müssen, solange seine Spur sich durch das Kappen von Beziehungen und Feedbacks in der Normalität verliert.

Dass wir Menschen die uns zur Verfügung stehende chemische Energie längst nicht mehr in Ausgewogenheit mit dem Leben als Ganzes nutzen, wie es in der natürlichen Ordnung allgegenwärtig und fortwährend geschieht, sondern, immer härter umkämpft, immer häufiger einzig zu unserem eigenen Vorteil (aus)nutzend, wird deutlicher, wenn man eine kleine Zeitreise zurück zum Ursprung des fortschreitenden Menschen macht, dorthin, wo, paradoxerweise, seine Sesshaftigkeit konkreter wurde, denn je weniger der Mensch selbst innerhalb seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten aktiv zur Ausgewogenheit des GANZEN beitragen will, desto mehr greift er auf entwurzelte Energie zurück, um den Fortschritt fortschreiten zu lassen, während er selbst im Wesentlichen immer träger wird, sich selbst in einem Dickicht von Sicherheiten und Gewohntem an die Kette legend.

In einer fortschrittlichen verkehrten Welt ist Fortschritt Rückschritt,
es sei denn der Fortschritt geht der Wirklichkeit entgegen
bzw. er dient dem Wohle des Lebens als Ganzes.

So nutzte der Mensch zu Beginn seiner Entfremdung von der Gemeinschaft des Lebens immer mehr Holz von der Oberfläche der Erde, über das Maß hinaus, welches den menschlichen Gemeinschaften bis dahin zum (Über)Leben genügte, damit beginnend dem direkten Umfeld die Möglichkeit der notwendigen Regeneration zu rauben. Sesshaftigkeit ließ Gemeinschaften wachsen und zwangsläufig zu Gesellschaften werden. Handel entstand, die Schrift wurde notwendig, ein Geldsystem ebenfalls, wesentliche Beziehungen gingen verloren, genau wie Feedbacks … und mit ihnen Informationen, derer es jedoch bedarf, um das GANZE, trotz zunehmender Herausforderungen, möglichst ausgewogen ”am Laufen zu halten”, Dynamik genannt, Konsequenzen inklusive. Der Fortschritt der Menschen nahm damit seinen ganz eigenen Lauf, im Versuch der Ausgewogenheit seitdem immer schneller davon zu eilen, in Form von Wettläufen und Wettkämpfen.

Viele Generationen später genügte den Menschen das Holz, und dessen gewachsene chemische Energie, längst nicht mehr und sie gruben unter der Oberfläche der Erde nach Kohle, ganz neue Möglichkeiten für sich entdeckend und auf der Oberfläche zum Ausdruck bringend, auf der zunehmend Platz benötigt wurde, damit die Entwurzelung der eigenen Spezies vom Leben als Ganzes gesellschaftsfähig als Notwendigkeit verkauft werden konnte. Die Wurzeln, die gekappt werden konnten, wurden im Rahmen der Industrialisierung bedeutender und weitreichender, die Folgen der Entwurzelung, durch den Einsatz der Kohle, komplexer und länger andauernd, die Dekohärenz fördernd, nicht aber den Gemeinschaftssinn des Lebens.

Doch all das war noch nichts gegen das, was, wieder Generationen später, das Erdöl ermöglichte, gewonnen aus noch tieferen Schichten der Erde, dort bohrend, wo die Folgen für das Leben um ein weiteres Vielfaches weitreichender wurden, jene Komplexität hervorbringend, die uns heute immer lauter nach immer mehr Sicherheitsvorkehrungen und Gesetzen, nach Schranken und Grenzen, um Hilfe rufen lässt.

Je mehr Möglichkeiten wir aus der Tiefe hoben, desto weiter und schneller schritten verschiedenste Techniken und Technologien voran, desto mehr Hauptrollen rissen das Geld, die indirekte Kommunikation und Daten an sich, desto größer und weitreichender wurde das Energiedefizit, welches wir schufen, obwohl wir immer mehr chemische Energie für unsere Zwecke einsetzen … auf Kosten allen Lebens, uns selbst inbegriffen, es aber nicht wahrnehmend bzw. wahr haben wollend, und so mit immer mehr Einsatz von Energie immer heftiger das bekämpfend, woran wir selbst immer mehr leiden … wobei dieser Kampf von den menschlichen Gesellschaften inzwischen als Normalität empfunden wird.

energie

Sklaverei ist längst nicht mehr gesellschaftsfähig und doch ist sie auch in modernen Zeiten allgegenwärtig. Zwar sind wir Sklaven ohne offensichtliche Ketten, weil die immer länger werdende Verkettung von Problemen nicht als zunehmend schwerer wiegende Kette wahrgenommen wird, welche uns modernen Menschen mit dem eigentlichen PROBLEM der Menschheit verankert. Die wesentlichen Beziehungen und Feedbacks, die verloren gegangen sind, lassen so die einzelnen (Mit)Glieder der Verkettung aus der Erinnerung Einzelner und ganzer Gesellschaften nach und nach verschwinden. Die Geschichte, welche die Verkettung als GANZES erzählt, verändert sich fortwährend, Unmittelbarkeit durch Infrastrukturen, Wesentliches durch Künstliches, und Wahrheit durch Lügen ersetzend, Lügen, die nichts anderes sind, als reaktive Möglichkeiten, die sich erst durch das Nutzen von entwurzelter Energie ergeben, wodurch das verkörperte Potenzial Einzelner den Rahmen sprengt, in welchem Einzelne ansonsten wirken würden, wenn sie direkt im Sinne des Lebens tätig wären und selbst Konsequenzen zu tragen hätten.

Globalisierung ist demnach ein sich beschleunigender Prozess die Erde komplett in Ketten und Asche zu legen und obendrein in weiteren Verkettungen von Problemen zu verwickeln, zu erkennen an den asphaltierten Straßen, die wir mit Produkten aus Erdöl befahren und begehen, den Kondensstreifen unserer kerosinbetriebenen Flugzeuge, und den gewellten Spuren unserer diesel- und altölbetriebenen Schiffe auf den Weltmeeren. Ganz zu schweigen von den Datenleitungen und -übertragungen, die sich unseren Blicken entziehen, und all den Gewohnheiten, Erwartungen, Zwängen und Normen, die wir inzwischen zur Bewahrung unserer fortgeschrittenen Normalität, auf Öl gebaut, benötigen, nicht aber zur Bewahrung der HARMONIE.

So leben in modernen Gesellschaften immer mehr Energiesklaven in einer Umgebung des Raubbaus … doch der Schein unseres unkontrollierbaren Appetits auf Energie mag trügen und das Unkontrollierbare in der Tat ganz natürlich sein, bedenkt man, woher die Energierohstoffe kommen, die all das erst möglich werden ließen und (Mit)Glieder von Gemeinschaften folgenschwer in eine Agenda verwickelten, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint, geheimnisvolle dunkle Gesellschaften ins Leben rufend, die ihrerseits Ausdruck für unser Unverständnis sind die Wahrheit im GANZEN zu fühlen bzw. für unser Unvermögen, dem Wesen des Lebens direkt in die Augen zu blicken und die real(isiert)e Komplexität zu durchschauen. Bedenkt man zudem, dass die Energiegewinnung aus der Tiefe umso mehr Energie freizusetzen vermag, je mehr dieses auf Kosten allen Lebens geschieht … zum scheinbaren Wohle von uns EINEN, den Menschen … dann mag man sich fragen, wer oder was den technologischen Fortschritt, mitsamt seinem folgenreichen Imperativ ”Zum Wohle Einzelner, auf Kosten Aller”, ursprünglich ersonnen hat.

Die Macher von NextNature mögen mit ihrer Aussage, dass alles Natürlich ist, was von Menschen nicht kontrollierbar ist, auch wenn es von uns Menschen geschaffen wurde, sei es ein Atomunfall oder ein Waldbrand durch Brandstiftung, durchaus den Erwartungen des modernen Zeitgeistes entsprechen. Doch bringt man jenes biozentrische Geheimnis mit ins Spiel, von dem hier bereits ausführlich die Rede war, dann offenbart sich ein ganz anderes Bild, nämlich das Bild von einer natürlichen Ordnung, die Natur inbegriffen, die den unkontrollierbaren Geist, der menschliches Bewusstsein fortschreitend Gräber ausheben lässt und Asche über verkörperte Häupter bringt, stets gut im Griff hat … und damit jederzeit unter Kontrolle. Jedoch nicht des eigenen Sicherheitsbedürfnisses und der Planungssicherheit für die eigene Zukunft wegen, sondern sich der eigenen Fähigkeiten stets bewusst und somit bis zur Erschöpfung dieser an jene Grenze gehend, welche die HARMONIE des GANZEN zu bewahren vermag.

Des Menschens Wille ist dabei so frei, wie er auf lange Sicht im Sinne des GANZEN ist, ist er es jedoch kurzfristig nicht, erfährt es der Mensch unmittelbar, es für gewöhnlich jedoch gänzlich missverstehend, so den Fortschritt weiter anfeuernd, in der Bekämpfung der vermeintlichen Aggression all der ANDEREN und all der Andersartigen, ohne jemals selbst in direktem Kontakt mit ihnen eigene, im Wesen verwurzelte, Fähigkeiten konsequent einbringen zu müssen. Kein Wunder, dass Hörensagen in fragilen Gesellschaften inzwischen eine ganz andere Bedeutung hat, als in antifragilen Gemeinschaften. Woraus diese Verkettungen ersichtlich werden ? Nun, vielleicht aus den finsteren Gedanken, die uns aus Mittelerde entgegenfließen … dort, wo mächtige Ringe geschmiedet werden.

Oil is the shadow of the Sun, its unconscious manifestation.
It is ancient sunlight and, it follows, that all nutrition,
photosynthesis and the majority of energy originate in space.
While all previous civilisations relied on the white sun,
the black fossil sun dominates our thoroughly modern western existence.
Antti Salminen

Wie lange werden wir Menschen noch die Möglichkeit haben der Natur jenes Geschenk mit folgenreicher Gewalt zu entreißen, welches uns von ihr dargeboten wird, freiwillig, aber nicht ohne Ziel, schließlich können die Auswirkungen unseres Fortschritts nicht endlos von der natürlichen Ordnung im Einklang mit der HARMONIE des GANZEN gehalten werden, aus dem einfachen Grund, dass unser Fortschritt auf der fortschreitenden Vernichtung der Lebensgemeinschaft aufbaut, zu welcher wir selbst gehören, es aber mehr und mehr leugnen. Das bedeutet, dass wir nur so weit mit Hilfe des Geschenks aus der Tiefe der Erde fortschreiten können, wie alle anderen Lebewesen ihrem Wesen treu bleiben können und somit in der Lage sind den goldenen Mittelweg der Ausgewogenheit zu bewahren, sind wir Alle doch Eins, auch wenn die Stimme eines Geistes uns Menschen unentwegt etwas anderes ins kollektive Gehör flüstert.

Da können wir eigentlich nur dankbar sein, dass fossile Energieträger endlich sind und ihren, wenn auch völlig unangemessenen, Preis haben, nicht auszudenken, wenn sie nicht endlich … und obendrein nicht fossilen Ursprungs … wären. Doch genau das behauptete Thomas Gold bereits gegen Ende des letzten Jahrtausends in seinem Buch THE DEEP HOT BIOSPHERE, dessen, bis heute, kontroversen Aussagen Sie unter folgenden Links nachlesen können:

Ist Erdöl wirklich endlich Teil 1

Ist Erdöl wirklich endlich Teil 2

Von Knappheit keine Spur – das Geheimnis des Erdöls

Die abiotische Theorie und Peak Oil

Öl-Entstehungstheorie: Entsteht Öl abiotisch am/im Erdmantel?

The ‘Abiotic Oil’ Controversy

The abiotic origin of petroleum

Wäre das Ende der weiteren Verkettung all unserer Probleme endlich in Sicht, wenn tatsächlich viel, viel mehr Öl viel, viel länger zur Verfügung stünde, als angenommen, als gemeinhin erwartet ? Wäre das Ende der Kriege in Sicht, die einzig gefochten werden, um Energiequellen zu sichern und in deren Verlauf weitere Wurzeln ihres Ursprungs beraubt werden ? Wäre es nicht ein Segen für die Wirtschaft, den Wohlstand, und für die Menschheit selbst ? Bekäme der technologische Fortschritt nicht einen gewaltigen Schub an dem alle Menschen teilhaben könnten, bedenkt man, was er bisher erschaffen hat, in der Annahme Öl sei endlich … und in der Annahme er diene der Lösung der Probleme, die der Mensch mit dem Leben hat ?

Die Antwort auf all diese Fragen lautet ganz klar NEIN, denn das einzige, was uns bisher davon abgehalten hat den technologischen Super-GAU, mit all seinen Konsequenzen für das Leben als Ganzes, zu realisieren, ist die allgemeine Erwartung, dass Öl endlich ist und die weitere Gewinnung immer aufwendiger und kostspieliger wird, in jeglicher Hinsicht. Peak Oil als Rettungsanker ?

Nun, Theorien, graue, wie farbenfroh ausgeschmückte, entstehen, weil direkte, unmittelbare Zusammenhänge, sprich, Beziehungen und Feedbacks im Wesentlichen verloren gegangen sind, oder anders ausgedrückt: je mehr Entwurzelungen, in Form von Geld, Daten und indirekter Kommunikation bzw. schriftlicher Aufzeichnungen eine Rolle spielen, desto mehr verschiedene, und verschieden motivierte, Weltbilder bestimmen das Gesamtbild der Realität. Die Allgegenwärtigkeit entwurzelter Energie bildet da keine Ausnahme, ermöglicht diese doch erst Einzelbilder des Gesamtbildes, ohne auf Stimmigkeit, sprich, Kohärenz, Rücksicht nehmen zu müssen. Dabei ist es im Grunde aus Sicht des GANZEN egal, welche Theorie nun richtig ist, weil erst alle möglichen Theorien das Bild des GANZEN ergeben und in ihrer Verschiedenheit und wechselnden Popularität für die notwendige Dynamik sorgen, um die Entwicklung problematischer Verkettungen solange voranzutreiben, bis die Kette letztendlich zu bersten droht bzw. bis der Geist den Zenit seiner Einflussnahme auf menschliches Bewusstsein überschritten hat, womit die Problematisierung des PROBLEMS ihren Höhepunkt erreicht hätte, nicht aber die Bewusstwerdung des Lösungsweges.

Dabei ist die Frage, ob Öl biotisch oder abiotisch entstand bzw. entsteht, gar nicht vordergründig. Ebensowenig spielt das Ausmaß der Ölvorkommen die erste Geige in der Betrachtung des real(isiert)en Gesamtbildes. Entscheidend ist, dass die Diversität an Theorien einen wesentlich tiefgründigeren Blick in das Wesen des Lebens bietet, als jede einzelne Theorie an sich. Das Öl ist somit auch hier nur Mittel zum Zweck und der Zweck ist die Bewusstwerdung der eigentlichen Rolle von Energie, für das Leben allgemein und für uns Menschen im Speziellen. So haben Holz und Kohle ihren Ursprung im Sonnenlicht und damit im Leben auf der Erde. Das Öl jedoch ist die Manifestierung der finsteren Gedanken der Sonne, jene Gedanken, die sich ihrem Einfluss auf das Leben entziehen und so eine Altlast darstellen, die uns ein kosmisches Erbe vermacht hat und zudem nicht von dieser Welt ist. Es ist der dunkle Schatten, der noch nicht von seinem Potenzial an Unordnung erlöst werden konnte, einem dunklen Familiengeheimnis ähnlich, welches noch Generationen später für allerhand Schicksalsschläge sorgt. Doch der Reihe nach …
So schreibt Thomas Gold:

”The earth supports not one but two large realms of life: surface life fed by photosynthesis, which is familiar to us all, and deep life, fed by chemical energy that has penetrated up from below. We have only just begun to explore the inhabitants and the reach of the deep realm. I suspect that until microbes drawn up from the deep are perceived as representatives of a wholly distinctive biosphere, rather than as isolated and ingenious adaptions of surface life pushing back the frontiers of habitability, research on deep life will remain sparse and largely unheralded. If the shift in perspective does take place, however, a veritable explosion of new ideas will surely permeate two of the most speculative yet philosophically engaging issues in science: the origin of life and the prospects for extraterrestrial life.”

Thomas Gold – The deep hot biosphere – S. 165

Und weiter:

”There is (as yet) no evidence on the nature of that sequence or on the relationship these two realms have had with each other over time. They may be essentially independent of one another at present. If all the photosynthetic surface life were to disappear, for example, the deep subsurface life might continue essentially as before. Similarly, if for some reason deep life were to disappear, we know of no reason why this would have much impact on the photosynthetic surface life – at least in the short term. (It might make a difference in the long term, because there may occasionally be beneficial exchanges of genetic material between the microbial life at depth and the surface life.)”

Thomas Gold – The deep hot biosphere – S. 165

Wie diese beiden Lebensräume gemeinsam an der Bühne des Lebens mitwirken beschreibt der hier verlinkte Text näher, aus Sicht derer, die sich nicht scheuen, den Rahmen der Betrachtung der Realität mal ein wenig über das sonst übliche Maß hinaus zu spannen. Doch auch wenn diese Betrachtungen das Wesentliche, nämlich das Bewusstsein und die Bewusstwerdung der HARMONIE im GANZEN, außer Acht lassen, so vermögen diese Theorien im Laufe der Zeit wie Wasser zu werden und uns die Büchse der Pandora, die mit dem Öl gefüllt ist, welches wir Menschen aus der Tiefe der Erde ans Tageslicht befördern, als das Geschenk anzunehmen, welches die vermeintliche Büchse wirklich ist, schließlich dürfte es keineswegs Zufall sein, dass wir Menschen tiefer bohren müssen, um unseren Fortschritt voranzutreiben und dabei für immer mehr Entwurzelungen sorgen, auf zunehmende Kosten derer, die jedoch zwingend notwendig sind, um die HARMONIE des GANZEN biozentrisch bewahren zu können. Hier treffen offensichtlich mehrere Notwendigkeiten aufeinander, damit etwas Einmaliges ermöglicht werden kann. Der Zufall zeigt sich somit höchstens in dem Sinne, dass der Fall, den die Menschheit als Verkörperung von Bewusstsein, vollzogen hat, zu dem führen muss, was unmittelbar vor uns liegt, sich in der Masse als maximal möglich werdende Versklavung der Menschheit, in Gestalt von Energiesklaven, offenbarend.

Wie man in das Bohrloch hineinruft,
so schallt es von überall her.

Ohne die Möglichkeiten des Öls hätten wir die vermeintliche Grenze unseres Universums nie als solche interpretieren können, denn all die modernen Gerätschaften, Bauteile, Teleskope, Computer und dergleichen, wären ohne das Öl aus der Tiefe der Erde nicht realisierbar gewesen. Umso mehr mag es da verwundern, dass wir dem eigentlichen Kern der Erde selbst, von der aus wir die Grenze des Universums ersonnen haben, noch so fern sind, wie hier anschaulich beschrieben wird.Umso weniger verwundert es dagegen, dass umso mehr Theorien im Umlauf sind, je größer das Universum durch Beobachtungen und Interpretationen wird und je tiefer wir in die Erde hineinrufen bzw. hinabschauen, ohne das Offensichtliche in Erwägung zu ziehen.

Übertragen auf das Gesamtbewusstsein, welches alles Leben in immer mehr fragmentierten Formen verkörpert, stellt sich die Weite des Universums, bis hin zum Kern der Erde, als biozentrischer Prozess der Bewusstwerdung all der Möglichkeiten dar, die das Gesamtbewusstsein bedarf, um die Notwendigkeit der Optimierung dieses Prozesses zu erreichen, wobei die Optimierung im Sinne von Intensivierung, von Vertiefung, des Gemeinschaftsgefühls zu verstehen ist, zu welcher das Leben als Ganzes im Laufe dieses Prozesses fähig sein wird.

Öl, als schwarzes flüssiges Gold, ist im Grunde die Reinkarnation all der Möglichkeiten, die in ”vorherigen” Bewusstwerdungsprozessen für derart reichlich Unordnung gesorgt hatten, dass es weiterer Prozesse bedarf, um sie in wahres Gold, sprich Kohärenz, überführen zu können. Öl ist die bereits angedeutete Altlast, mit der wir, als kosmische Nachfolgegeneration bzw. Nachfolgeinterpretation von verkörpertem Leben, nur unseren Fortschritt nähren, um unseren unstillbar scheinenden Appetit nach Mehr als den eigentlichen HUNGER auf das Wesentliche zu erleben. Dass wir im Laufe dieses Prozesses vor HUNGER dem Wahn der Entwurzelungen verfallen und uns selbst in der Komplexität der Realität als Energiesklaven verketten, ist notwendig. Dabei verhalten sich unser Fortschritt und unser Appetit nach Mehr, im Gegensatz zum wahren Fortschritt und dem Stillen des HUNGERS, wie bunte Verpackungen voller Süßigkeiten zu Wildkräutern in, von Menschen, unberührter Natur.

Es ist tatsächlich wie im ”richtigen” Leben: Probleme lassen sich nicht lösen, indem man einem Appetit folgt und unablässig weit mehr in sich hineinstopft, als man, energetisch angemessen, in der körperlichen und geistigen Lage ist umzusetzen. Den HUNGER dagegen angemessen zu stillen und Probleme gar nicht erst zu einer Verkettung weiterer Probleme werden zu lassen, bedarf weit mehr als mehr Energie aufzunehmen, als notwendig ist. Dessen ist sich jede Pflanze bewusst … und all die Erscheinungsbilder indigener Gemeinschaften, sowie alle Lebewesen in freier Wildbahn, sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache, ganz direkt und fest verankert in der Tradition der Lebensgemeinschaft, von der sich die Menschen mehr und mehr entwurzeln.

Wahn ist eine Geisteskrankheit, die sich im Lebendigsein heilt.
Wolfgang Jensen

Teil 4 dieses schwarztragenden Trauerspiels wird versuchen jenem Wesen auf die Spur zu kommen, welches sich im Laufe der bisherigen Problematisierung, mittels reichlich Energie, verpackt als immer süßer schmeckende Appetithäppchen, geschickt aus dem Rampenlicht der Öffentlichkeit bzw. Offensichtlichkeit heraushalten konnte, jedoch nur, weil der technologische Fortschritt sich nach wie vor mit all seinen Versprechen und Annehmlichkeiten als Wesentlich für das Leben zu verkaufen weiß und sich immer geistreicher in Szene zu setzen vermag.
Teil 4 beantwortet somit die Frage, was die äußere Grenze des Universums mit dem Kern der Erde verbindet, so, wie das Leben auf der Erde mit dem Leben in der Erde in Verbindung steht … und das Unterbewusstsein allen Lebens mit dem wahren Wesen des Lebens, über den Weg der Bewusstwerdung …

Muss man wirklich immer tiefer bohren, um letztendlich zur Wahrheit zu gelangen … oder genügt es zu erkennen, woraus die Ketten beschaffen sind mit denen die Probleme der Menschheit in der Wirklichkeit verankert sind, während die Menschen, als bereitwillige Energiesklaven, sich dessen in der Masse jedoch noch unbewusst, weit über ihre Verhältnisse zum Leben als Ganzes leben ?

Ein Ring sie zu knechten,
Ein Ring sie zu finden,
Ein Ring sie ins Dunkel zu treiben
und ewig zu binden.

Zum Abschluss von Teil 3 kommt noch einmal Thomas Gold zu Wort. Er greift auf, womit Teil 3 begann. So schließt sich, einem Ring gleich, ein weiteres Kettenglied und wird Teil der 13,7 Mrd. Lichtjahre langen Verkettung des eigentlichen PROBLEMS …

”The present viewpoint, popular in Western countries, is that earthquakes are of purely tectonic origin, caused by an increase of stresses in the rock. But this viewpoint came into being only around the start of twentieth century. At about that time, the seismograph was invented and put into use. Its availability meant that earthquakes could be investigated in fine detail from the seismic records obtained. Data could now be collected by seismographs installed in places far removed from an earthquake event, and those data would be utterly quantitative and untainted by subjective interpretation. The invention of the seismograph meant that it was no longer necessary to experience an earthquake directly, or to interview someone who had, in order to assemble data on the event. The opportunities offered by this new technology were rarely supplemented by eyewitness reports. Such reports, which were inevitably qualitative and tarnished by subjectivity, unfortunately were no longer believed to hold any value for the scientific venture. But there is much that can still be learned from them.”

Thomas Gold – The deep hot biosphere – S. 145

Ein Stich mitten ins Herz jenes Geistes, der weiterhin sein Un-Wesen treiben kann ? Nein, dieser Geist ist herzlos, ohne Mitleid, und frei von Empathie, doch es ist nicht hoffnungslos, dass mancher Stich das wachzurütteln vermag, was im Kern, still und verborgen, vor sich hinzurosten scheint …

Sting – We work the black seam

The seam lies underground
Three million years of pressure packed it down
We walk through ancient forest lands
And light a thousand cities with our hands
Your dark satanic mills
Have made redundant all our mining skills
You can’t exchange a six inch band
For all the poisoned streams in Cumberland
Your economic theory makes no sense

Teil 1 und 2:

Teil 1 … Schwarze Pflanzen als Zeichen des Fortschritts

Teil 2 … Schwarzes Gold als Zeichen der Verbundenheit

Teil 4 … Schwarzmalerei, denn Geist ist böse und Energie hat Schuld daran


Quelle: faszinationmensch.com

Autor: Guido Vobig

Beitragsbild: Didi01 / pixelio.de