Medien im Spiegel

Einflussnahme und gleichgeschaltete Medien

image_pdfimage_print

Das heute-Journal als Pranger?

von Caillea

Zu meinem vorherigen Beitrag passt die methodische und gleichgeschaltete Vorgehensweise vieler Redakteure und Journalisten der Mainstream-Presse. Ein besonders gutes Beispiel zeigt das Interview im heute-Journal, 26.03.2014, von Claus Kleber und seinem Gegenüber, dem Siemens-Chef Kaeser.

Der promovierte Jurist und Mitglied des Kuratoriums der Atlantik-Brücke e.V. hat sich gut in der Rolle des Chef-Inquisitors gefallen.

Das vermeintliche Opfer, Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser, konterte gekonnt Klebers aggressiv vorgetragene Anschuldigungen im Zusammenhang mit dem business as usual meeting mit Präsident Putin. Er zeigte Herrn Kleber die Richtung durch Sachverstand, Charme, ein Lächeln und den Hinweis, dass es seitens des Bundeskanzleramtes keinerlei Bedenken zu diesem seit langem anberaumten Termin gab.  Fulminant Herr Kaeser!

Business as usual for Siemens in Russia

Oeconomicus schreibt dazu:

„Herr Kleber mag ein guter Journalist sein. Wie seine Kenntnisse im Bereich Ökonomie und Wirtschaftsgeschichte einzuschätzen sind, mögen andere beurteilen. Gleichwohl sei dem Herrn eine Recherche-Reise nach Südafrika empfohlen, um dort die Rolle von Siemens, der Visitenkarte Deutschlands in der Welt, während den Apartheid-Sanktionen zu untersuchen um vielleicht ganz erstaunt festzustellen, dass Menschen in Südafrika und around the globe über ein besseres Langzeitgedächtnis hinsichtlich des Wertekanons von Siemens als Herr Kleber verfügen.
Trotz mancher Skandale genießt der Konzern weltweit über einen exzellenten Ruf und steht für zuverlässige, langfristige Geschäftsbeziehungen, auf welche man insbesondere auch in stürmischen Zeiten setzen kann.“

Ab und zu findet sich auch eine „Perle“ in den gleichgeschalteten  Mainstream-Medien, Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber, als Stimme der Vernunft für einen seriösen Journalismus. Er schreibt:

„Als am Mittwochabend der deutsche Fernsehmoderator Claus Kleber über den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser wie ein Strafgericht hereinbrach, erlebte der Zuschauer eine Sternstunde der Selbstinszenierung des Journalismus. Unerbittlich nahm Kleber den Mann in die Zange: Kaeser war, lange geplant, nach Moskau gefahren („Was haben Sie sich bei Ihrem Freundschaftsbesuch gedacht?“), er hat nicht nur Putin besucht („Wie lange mussten Sie warten?“), sondern auch den mit Einreiseverbot belegten Eisenbahnchef („Und Sie haben mit dem geredet!“) – und das alles, so Kleber, „als Repräsentant eines Unternehmens, das auch für Deutschland steht“. Nicht viel, und wir hätten in einer der nächsten „heute-journal“-Sendungen den armen Herrn Kaeser in einer Datscha neben Edward Snowden gesehen.

Frank Schirrmacher - Herausgeber der FAZ

Frank Schirrmacher

Diese Inquisition, die auch in ihrem nur dem Remmidemmi verpflichteten Desinteresse daran, was Kaeser von Putin denn gehört haben könnte, alles in den Schatten stellt, was man an Vaterlandsverratsrhetorik aus dem wirklichen Kalten Krieg kannte, ist überhaupt nur als Symptom journalistischen Übermenschentums diskutierbar und wird dadurch allerdings auch über den peinlichen Anlass hinaus interessant. Beharren auf einer normativen Deutung dessen, was die westlichen Sanktionen angeblich bedeuten, verwandelt Journalismus in Politik und das Fernsehstudio in einen Ort, wo der Interviewer plötzlich außenpolitische Bulletins abgibt: Claus Kleber zeigt der deutschen Wirtschaft die rote Linie auf….Es nutzt gar nichts, Klebers High Noon inhaltlich zu debattieren. Der Nachrichtenwert ist gleich null, der formale Wert ungleich höher….“

Weiterlesen – auch die Leser-Kommentare sind bezeichnend, da sie die allgemeine Zustimmung zu Schirrmacher und den Überdruss mit der einseitigen Hetze zum Ausdruck bringen.

„Man muss eigentlich nur ergänzen, dass es nicht allein der Zwang zum „Echtzeit-Journalismus“ ist, der solch groteske Interviews möglich macht. Es ist vielmehr die unverhohlene Parteinahme von Journalisten, die ihre Aufgabe nicht darin sehen, Informationen zu gewinnen, sondern Ideologie zu verbreiten. Für diese Propagandisten – vielfach eingebunden in transatlantischen Organisation – steht der erbärmliche „Journalist“ Kleber exemplarisch.“ (Quelle: www.freitag.de)

Dem habe ich nichts hinzuzufügen!

Quellen:

Frank Schirrmacher – FAZ

Oeconomicus

Der Freitag

Beitragsbild: http://piqs.de/fotos/101379.html

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

neun − 3 =