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Ground Zero revisited! Das viermalige „Versagen“ der US-Luftabwehr an 9/11

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Einen Blick in seine Schreibwerkstatt gewährend, schildert Lars Schall aus einem im Entstehen begriffenen Buch die Auffälligkeiten, die an 9/11 in Sachen Luftabwehr und Militärkriegsspiele auftraten. Wie er mit Fakten nahelegt: die ganze Geschichte der Reaktion auf die 9/11-Angriffe scheint noch lange nicht erzählt zu sein.

von Lars Schall

Indem wir nun näher hinschauen wollen, wie sich das rund um die Energy Task Force vom Frühjahr 2001 Geschilderte mit dem Ablauf eines alternativ betrachteten 11. September 2001 verträgt, darf vorab beinah banal festgestellt werden, dass kein Ereignis den Lauf der letzten Jahre so sehr geprägt hat wie der 11. September 2001. Nicht weniger wahr ist, dass der 11. September ein Terrain darstellt, auf dem die Tabu-Tretminen nur darauf warten, hochgehen zu dürfen. Wer mit alternativen Analysen aufwartet, um zu erklären, was an jenem ins kollektive Gedächtnis eingegangenen Tag geschah, muss damit rechnen, schleunigst als „Verschwörungstheoretiker“ unterster Schublade abgetan zu werden; womit jede weitere Diskussion hinfällig wird. Das gilt selbstredend ebenso für Michael C. Ruppert und sein über 670 Seiten schweres Buch Crossing the Rubicon, sofern es eine Deutung des 11. September 2001 wagt, die von der offiziellen Narration entschieden abweicht.

Umso bedeutsamer, dass Ruppert den Kriminalfall 9/11 in seiner Auslegung mit Quellen und Dokumenten zu unterfüttern weiß, die schwerlich als reine Hirngespinste wegzuwischen sind. Eventuell besteht darin auch ein Grund dafür, dass Rupperts im Sommer 2004 erschienenes Werk – gemessen an seiner Qualität und Bedeutung – noch nahezu unbekannt ist: es lässt sich schlechterdings in seiner Gänze kaum zerlegen und demontieren.

In solch einer Situation ist darüber hinweg schweigen die beste Empfehlung – gesetzt, man hat ein Interesse daran, dass die offizielle Narration weiterhin unangetastet bleibt. Als eine solche Interessengruppe darf zuallererst die der so genannten investigativen Journalisten und Terror-Experten identifiziert werden, deren Mantra nun seit Jahren in der Wiederholung der offiziellen Narration als Ultima Ratio mündet; die Mitglieder dieses Chores haben gegenüber Rupperts Werk erheblich an Glaubwürdigkeit einzubüßen.

Bei aller Schwäche, die es gewiss auch aufweist, ist es schade, dass dieses Buch bislang nicht in deutscher Sprache erhältlich ist. Die folgende Vorstellung soll dem Nachvollziehen des Inhalts dienen, indem die grundlegende Methode des Autoren Ruppert nachgezeichnet wird. Weiterhin möchte ich ausführlich auf ein anderes exzellentes Buch zurückgreifen, das gleichsam bisher nicht in deutscher Sprache vorliegt: The Road to 9/11 von Peter Dale Scott. Ich hoffe, allein dadurch und durch weitere eigens für dieses Buch übersetzte Passagen wird für den Leser ein Mehrwert geschaffen.


Methode & Motiv

So es um die angewandte Methode geht, mit der Ruppert den „Mordfall 9/11“ behandelt, ist diese wissenschaftlich und in sich stringent, da sie sich des kriminalistischen Prozedere bedient, das bei einem Mordfall angewandt wird. Wie Ruppert gleich im ersten Absatz auseinandersetzt:

„Eine Sache, die nicht bestritten werden kann, ist die, dass die Anschläge vom 11. September 2001 ein Mord waren. Von sämtlichen polizeilichen Untersuchungen wird keine gründlicher und exakter durchgeführt, als die der Tötung eines Menschen durch einen anderen. Wie uns so ziemlich jeder Text für Mordermittler lehrt, gehört die Gewissheit, dass Mordtaten gründlich und angemessen nach einheitlichen Standards untersucht werden, zu den grundlegendsten Erfordernissen der menschlichen Zivilisation.“ [1]

Ruppert, der beim Los Angeles Police Department (LAPD) gearbeitet hat, benennt als die drei Grundpfeiler einer Morduntersuchung die Ermittlung von Motiv, Mittel und Möglichkeit. Nur wenn alle drei Komponenten plausibel zusammen kommen, kann eine Beweisführung vor Gericht in einer Verurteilung jenseits allen Zweifels münden.

Als das Motiv hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 benennt Ruppert Peak Oil. In dem komplexen Gefüge, das Ruppert dem Leser präsentiert, so als sei dieser Teil einer Grand Jury, die über den Mordfall zu befinden hat, der in Crossing the Rubicon zur Anklage kommt, zieht sich als der rote Pfaden das Phänomen Peak Oil hindurch, das so genannte globale Olfördermaximum, und dessen Implikationen für die industrialisierte Welt. Diese können nicht zu hoch veranschlagt werden, handelt es sich doch bei den Brennstoffen Öl und Gas um das essentielle Fundament des – jedenfalls laut Peak Oil – zu Ende gehenden Industriezeitalters. [2]

Folgt man Ruppert, so ist Öl, der Hauptenergieträger unserer Welt, quasi die kleinste Matrjoschka-Puppe auf der Szenerie um uns herum: Krieg ist die größte im Sinne der Clausewitz’schen Expansion „als Politik mit anderen Mitteln“, Politik die nächste in ihrem Verhältnis zur Wirtschaft, die Wirtschaft als die folgende Verbindung zur Energie, und die Energie-Matrjoschka wiederum als innere Grundlage von allen zuvor genannten zusammen. Ohne Energie – die derzeitige Verschuldungskrise an dieser Stelle völlig hintan gelassen – wird Geld und das damit Mögliche wertlos beziehungsweise unmöglich, denn:

„Geld und Öl stehen beide für dasselbe: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Beide sind nutzlos, wenn es nichts zu kaufen, zu fahren oder zu essen gibt. Und doch gründet unser Wirtschaftssystem, das wir Kapitalismus nennen, das aber in Wirklichkeit etwas Anderes ist, auf Schulden, Fractional Reserve Banking, Derivate und Fiat-Währungen. Deshalb erfordert dies, dass es grenzenloses Wachstum in Unendlichkeit gibt, damit es überleben kann. Wachstum ist nicht möglich ohne Energie.“  [3]

Unsere gesamte Lebenswirklichkeit, abhängig wie sie von konstanter Strom- und Wasserversorgung ist, ja, die komplette Globalisierungswelle in ihren Ausformungen von Agrarbusiness, dem Logistik- und Transportwesen, der Plastik-, Elektrizitäts- und Automobilherstellung, Chinas und Indiens Boom, amerikanisch manifestiert: Wal-Mart-Moms – allesamt undenkbar ohne Öl als „Schmiermittel“ des weltumspannenden Zahnradwerks. Kurzum, Energie ist der kleinste gemeinsame Nenner; das, was die industrialisierte „Welt in ihrem Innersten zusammenhält“.

Zu den interessantesten graphischen Darstellungen, die Crossing the Rubicon in diesem Zusammenhang dem Jurymitglied präsentiert, zählt die Veranschaulichung der steigenden Weltbevölkerungsentwicklung seit Entdeckung der Brennstoffe Kohle, Öl und Gas im Vergleich zum seither stetig gestiegenen Verbrauch: Das Bild ist frappant und aufschlussreich in seiner Abhängigkeit voneinander, dass es einem Angesichts der düsteren Prognosen, die Peak Oil zulässt, bange werden kann. Stünde Peak Oil tatsächlich an, liefe dies schlicht und ergreifend auf milliardenfaches Sterben auf Erden hinaus.

Der berechtigten Einwände ungeachtet, die beim Phänomen Peak Oil erhoben werden können, darf in Rechnung gesetzt werden, dass sich Ruppert zumindest keineswegs als Trittbrettfahrer unter den Peak Oil-Analysten übte. So schreibt Richard Heinberg, einer der prominentesten Experten auf dem Felde Peak Oil, über Crossing the Rubicon und dessen Verfasser: „Mike Ruppert war einer der ersten Journalisten, die das Konzept und die Bedeutung von Peak Oil verstanden haben. Was noch wichtiger ist, er hat die Verbindungslinien gezogen: er versteht die Zusammenhänge zwischen diesem historischen Wendepunkt und den geopolitischen Ereignissen unserer Zeit.“.

Um zu demonstrieren, dass nicht nur er, Michael C. Ruppert, sich der Gefahren bewusst war, die während der Milleniumswende als „Peak Oil ante portas“ aufschimmerten, sondern auch bestimmte Eliten aus Politik, Finanzwelt und Ölindustrie, legt er zwei wichtige Aussagen vor, die diese Vermutung als begründet erscheinen lassen. Wenden wir uns zunächst einmal mehr der Studie zu, die James Baker, der frühere Außenminister unter Bush Senior und spätere Anwalt für Bush Junior anlässlich des Präsidentschaftswahl-Desasters im Jahre 2000, zusammen mit dem Council on Foreign Relations (CFR) im April 2001 veröffentlichte. Unter dem Titel Strategic Energy Policy Challenges for the 21st Century („Strategische Energiepolitik-Herausforderungen für das 21. Jahrhundert“) wurde dort folgender Ausblick gewagt:

„Starkes wirtschaftliches Wachstum rund um den Globus und neue globale Nachfragen nach mehr Energie haben das Ende des nachhaltigen Kapazitätsüberschusses bei Kohlenwasserstofftreibstoffen und den Beginn von Kapazitätsbeschränkungen bedeutet. Genaugenommen steht die Welt momentan gefährlich kurz davor, die gesamte weltweite Ölproduktion auszuschöpfen und so die Gefahr einer Ölkrise mit tiefergreifenderen Folgen, als wir sie in den letzten drei Jahrzehnten erlebt haben, zu erhöhen.

Diese Entscheidungen werden andere Ziele der US-Politik beeinflussen: Die US-Politik gegenüber dem Mittleren Osten; die US-Politik gegenüber der früheren Sowjetunion und China; den Kampf gegen den internationalen Terrorismus.“ [4]

Die steigenden Kosten, die sich aus dem Missverhältnis „weniger Angebot – mehr Nachfrage” ergeben, und die Folgen dieser Preisentwicklung auf die Märkte, ließen sich für Baker/CFR in einem prägnanten Satz zusammenfassen:

„Hochs des Ölpreises sind seit den 1940er Jahren immer von einer Rezession gefolgt worden.“ [5]

Ein ähnlich düsteres Bild der Unsicherheit entwarf Richard „Dick“ Cheney in seiner Funktion als CEO von Halliburton, als er im Herbst 1999, wie schon erwähnt, am Londoner Institute of Petroleum zu Protokoll gab:

„Wir als Branche haben uns mit dem ärgerlichen Problem auseinanderzusetzen gehabt, dass man, sobald man Öl gefunden und aus dem Boden gepumpt hat, sich umdrehen und noch mehr finden muss, oder man ist aus dem Geschäft. (…) Im Hinblick auf die Welt in ihrer Gesamtheit wird von den Ölfirmen erwartet, weiterhin ausreichend Öl zu finden und zu erschließen, um die tägliche Erschöpfung der Ölreserven um mehr als 71 Millionen Barrel auszugleichen, aber auch um neue Nachfrage zu befriedigen. Einigen Schätzungen zufolge wird das Wachstum des weltweiten Ölbedarfs in den kommenden Jahren bei jährlich 2 Prozent liegen, bei einem natürlichen Rückgang der Produktion aus bestehenden Reserven um, konservativ geschätzt, 3 Prozent. Das bedeutet, dass bis 2010 um die 50 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich erforderlich sein werden. (…) Wo wird dieses Öl also herkommen? Öl ist einzigartig durch seine strategische Natur. Wir reden hier nicht über Seifenflocken oder Freizeitbekleidung. Energie ist wahrhaft fundamental für die Weltwirtschaft. Der Golfkrieg hat diese Realität wiedergespiegelt. (…) Es ist der grundlegende, fundamentale Baustein der Weltwirtschaft. (…) Unsere Anhängerschaft besteht nicht nur aus Öl-Leuten aus Louisiana und Texas, sondern auch aus Softwareprogrammierern aus Massachusetts und besonders aus Stahlproduzenten aus Pennsylvania. (…) Nun, das Ende der Öl-Ara ist noch nicht erreicht, aber Veränderungen sind im Gange und die Branche muss bereit sein, sich dem neuen Jahrhundert und den bevorstehenden Veränderungen anzupassen, die vor uns liegen…“ [6]

Im Lichte dessen betrachtet, dass sich Dick Cheney also vollkommen im Klaren über die drohenden Konsequenzen von Peak Oil gab, ist es nunmehr umso wichtiger, zwei wesentliche Entwicklungen nach der Präsidentschaftswahl 2000 ins Auge zu fassen:

1. Sogleich vier Tage nach Amtsantritt der Bush-Administration berief Cheney eine “Energy Task Force“, die so genannte US National Energy Policy Development Group (NEPDG). Welche Teilnehmer der NEPDG was genau besprachen und zu welchem Fazit sie im Mai 2001 kamen, als die NEPDG ihre Beratungen abschloss, liegt wie im vorherigen Kapitel geschildert bis heute beinah gänzlich im Dunkeln verborgen. Zwar gab es juristische Bemühungen von Judical Watch und dem US-Kongress, die Papiere der NEPDG einsehen zu dürfen; doch das Weiße Haus blockte sämtliche dieser Initiativen jahrelang ab, bis der Oberste Gerichtshof der USA die Klage – unter widrig anmutenden Umständen – im Juli 2004 endgültig abwies.  [7] Von allen Dokumenten, die die NEPDG von Januar bis Mai 2001 auswertete, sind letztlich nur sieben Seiten je veröffentlicht worden. Diese sieben Seiten haben es allerdings in sich. Sie zeigen, wie Ruppert auflistet:

  • Eine detaillierte Karte sämtlicher irakischer Ölfelder (11% der weltweiten Vorräte);
  • Ein zweiseitiges Verzeichnis von Staaten mit Entwicklungsaufträgen bezüglich irakischer Öl- und Gasprojekte und der beteiligten Firmen;
  • Eine detaillierte Karte sämtlicher saudischer Ölfelder (25% der weltweiten Vorräte);
  • Ein Verzeichnis sämtlicher großer Öl- und Gasentwicklungsprojekte in Saudi-Arabien;
  • Eine detaillierte Karte sämtlicher Ölfelder der Vereinigten Arabischen Emirate (8% der weltweiten Vorräte);
  • Ein Verzeichnis sämtlicher Öl- und Gasentwicklungsprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten[8]

Dies lässt Schlüsse auf den Inhalt der Beratungen zu, und Ruppert mutmaßt, „dass die tiefsten, dunkelsten Geheimnisse des 11. September in den Akten der US National Policy Development Group (NEPDG) vergraben liegen, die ihre Arbeit fast am selben Tag begonnen hat, an dem die Bush-Administration ins Amt kam, und die ihren Abschlussbericht nur vier Monate vorher veröffentlichte, ehe das World Trade Center zu existieren aufhörte.

Teilweise liegt der Beweis dafür in der eklatant rechtswidrigen Art und Weise, in der die Task Force, angeführt von Vize-Präsident Dick Cheney, bis heute ihre Dokumente nicht dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit preisgegeben hat und dadurch klar und offenkundig gegen Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten verstößt. Das deutet darauf hin, dass es etwas zu verbergen gibt.“ [9]

Was dort verborgen wird, ist für Ruppert das Motiv hinter einem „alternativ betrachteten“ 11. September 2001:

„Die apokalyptische Wahrheit, die ein solches Gemetzel und eine solche Haarnadelkurvenwende im Lauf der Menschheitsgeschichte erforderlich machen würde; das, was niemand je wissen wollte; das, was es zutiefst glaubhaft erscheinen lässt, dass die US-Regierung die Anschläge vom 11. September absichtlich zugelassen haben könnte.“ [10]

2. Überlappend mit dem Ende der geheimen NEPDG-Beratungen unter Vorsitz von Dick Cheney wurde am 8. Mai 2001 eine Erklärung des Weißen Hauses bezüglich der Domestic Prepardness Against Weapons Of Mass Destruction (in etwa: „Einheimische Vorbereitung gegen Massenvernichtungswaffen“) veröffentlicht. Aus dieser Erklärung ging im Namen des US-Präsidenten hervor:

„Der Schutz Amerikas und seiner Bürger vor der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen ist eine der wichtigsten Herausforderungen hinsichtlich unserer nationalen Sicherheit. … Sollten unsere Bemühungen, diese Bedrohung für unser Land zu verringern, nicht restlos erfolgreich sein, gebietet die Vorsicht, dass die Vereinigten Staaten vollständig darauf vorbereitet sein müssen, effektiv auf die Folgen des Einsatzes derartiger Waffen auf unserem Boden zu reagieren.

Heute verfügen zahlreiche Bundesministerien und -behörden über Programme, um mit den Folgen eines potentiellen Einsatzes einer chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Waffe in den Vereinigten Staaten fertig zu werden. Viele dieser staatlichen Programme bieten den kommunalen Verwaltungen Schulungen, Planungen und Unterstützungen an. Um aber ihre Wirkung zu maximieren, müssen diese Maßnahmen nahtlos, harmonisch und umfassend miteinander integriert werden.

Ich habe daher Vize-Präsident Cheney angewiesen, die Entwicklung koordinierter nationaler Anstrengungen zu beaufsichtigen, damit wir unsere Aufgabe, die amerikanische Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen, bestmöglich erfüllen können. Ich habe ferner Joe Allbaugh, den Direktor der Federal Emergency Management Agency, beauftragt, ein Office of National Preparedness (Büro der nationalen Vorbereitung) zu schaffen. Diese Stelle wird die Verantwortung dafür tragen, jene Ergebnisse der von Vize-Präsident Cheney beaufsichtigten Anstrengungen, die den Umgang mit den Folgen betreffen, praktisch umzusetzen. Insbesondere wird sie sämtliche staatlichen Programme, die den Umgang mit den Folgen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen betreffen, in den Ministerien für Verteidigung, Gesundheit, Justiz und Energie, in der Umweltschutzbehörde und anderen Bundesbehörden koordinieren. Das Office of National Preparedness wird eng mit Bundes- und Kommunalbehörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihrem Bedürfnis nach Planung, Schulung und Ausrüstung entsprochen wird. FEMA wird darüber hinaus eng mit dem Justizministerium bei seiner Führungsrolle im Krisenmanagement zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sich unsere Antwort auf die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen in jeder Hinsicht koordiniert und geschlossen vollzieht.“  [11]

Stellen wir vorerst fest, dass Dick Cheney im Januar 2001 eine im Geheimen tagende „Energy Task Force“ berief, die sich mit der Zukunft der Erdölversorgung und aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Heraufkunft von Peak Oil sowie dessen Bedeutung für die US-amerikanische Lebensart befasste; dass die Unterlagen und Arbeitspapiere dieses Gremiums unter allen Umständen vor der Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten werden mussten; und dass Präsident Bush am Ende dieser Beratungen „Dick Cheney die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung und Koordinierung sämtlicher amerikanischer Antworten auf einen Terroranschlag übertrug.“ [12]

Ferner lassen Sie uns in diesem Zusammenhang noch gleich zur Kenntnis nehmen, dass mit Joe Allbaugh ein enger Vertrauter die Katastrophenschutzbehörde FEMA übernahm – ohne jedwede Qualifikation dazu. Allbaugh, der der Wahlkampfmanager des Duos Bush/Cheney gewesen war und beim Verhindern einer Nachzählung der Wahlstimmen in Florida eine prominente Rolle bekleidete, nahm an den Beratungen der NEPDG teil. [13]

Augenfällig: Allbaugh gab nur eine Woche vor den 9/11-Anschlägen „einem führenden Anti-Terrorismus-Beamten“ den Laufpass, indem er John Magaw, den stellvertretenden FEMA-Direktor, durch einen alten Freund ersetzte, Michael Brown – ebenfalls ohne jedwede Qualifikation dazu. [14]

Richard Cheney seinerseits besaß ohnehin enge wie langjährige Beziehungen zu FEMA, da er seit den frühen 1980er Jahren an den Notfallplänen der US-Regierung arbeitete, die sich Continuity of Government (COG) nennen. Ein wesentlicher Regierungsakteur hierbei war stets FEMA gewesen. Und Cheney interpretierte FEMAs Rolle immer als ein Machtwerkzeug des zentralen Staats; weniger als ein Mittel, „um Amerikanern während einer Notsituation zu helfen“, sondern eher als ein Mittel, um während einer Notsituation zu garantieren, dass das Weiße Hauses die Kontrolle behielt.  [15] „Die Bush-Cheney-Sicht von FEMA war ein fast reiner Ausdruck ihrer zugrundeliegenden Philosophie. Denn bei all ihrem Gerede über eine eingeschränkte Regierung, unternahmen Bush-Cheney alles, was sie konnten, um die Macht und Reichweite des Präsidentenamtes zu erweitern. Oftmals nahm dies die Form der Beschränkung grundlegender Rechte an, die lange als die letzte Verteidigungslinie der Menschen gegen die Tyrannei angesehen wurden. Die Suspension von Habeas Corpus im Fall von Häftlingen, die Abschaffung der Genfer Konvention bezüglich der Rechte von Kombattanten, das illegale Anzapfen von Telefonleitungen, allesamt angeblich in Reaktion auf 9/11 institutionalisiert, wurden tatsächlich bereits lange vor den Angriffen diskutiert. Naturkatastrophen waren von nachrangiger Sorge. Sie dachten hauptsächlich an ein Vehikel für das Kommando und die Kontrolle des Weißen Hauses im Falle eines feindlichen Angriffs, ohne die verfassungsrechtlichen Einschränkungen, die sie als veraltet und konterproduktiv ansahen.“ [16]

Dem Kern nach bedeutete das von Bush gegebene Mandat vom Mai 2001 eine Anwendung der COG-Pläne auf den Bereich Terrorismus. „Tatsächlich autorisierte Bush eine Wiederaufnahme der Art von Planung, die Cheney und FEMA unter demokratischer Führung von COG durchgeführt hatten. Und am 11. September trug die Planung Früchte“, als diese erstmals aktiviert wurde.  [17] Für diesen Fall des nationalen Notstands im Bereich der höchsten Alarmstufe wurden durch die von US-Präsident Ronald Reagan erlassenen Executive Order 11310 und Executive Order 11921 vorgesehen, dass auf FEMA geradezu diktatorische Vollmachten übergingen. Wobei FEMA qua des präsidialen Federstrichs von George W. Bush am 8. Mai 2001 wiederum dem Kommando von Richard Cheney unterstellt worden war.

Auf diesen Informationen fußend, fragte ich den Autoren des Buches Inside 9/11, Paul Schreyer, inwiefern Richard Cheney in der perfekten Ausgangslage gewesen wäre, einen so genannten Inside-Job zu koordinieren.

Paul Schreyer: Cheney war in der perfekten Ausgangslage für sehr Vieles. Er war 2001 de facto der Präsident der USA. Viele erfahrene politische Beobachter schätzten das schon vor 9/11 so ein. Cheney koordinierte außerdem in den Monaten vor den Anschlägen parallel eine Arbeitsgruppe zur nationalen Energiepolitik sowie ein neugeschaffenes Büro, das Pläne für den Fall eines Terroranschlags entwickeln sollte – das sogenannte “Office of National Preparedness”. Diese Verknüpfung nahm im Grunde die Politik nach 9/11 vorweg, welche ja darin bestand, auf der Grundlage eines Terroranschlags die Macht der Exekutive auszuweiten, Krieg zu führen, und dabei energiepolitisch wichtige Regionen der Welt unter Kontrolle zu bringen. Falls 9/11 also ein Inside-Job war, wofür immerhin viele Indizien sprechen, dann wird das Ganze schwerlich ohne Wissen und Zutun Cheneys abgelaufen sein.  [18]


Mittel des Anschlags: NSSEs, der Secret Service & VP Cheney

Die wesentliche Frage, die sich jedem stellt, der den 11. September betrachtet, ist am Ende die, wie es „19 Studenten aus dem Morgenland“ gelungen sein soll, annähernd zwei Stunden lang im bestgeschütztesten Luftraum der Welt, inklusive dem des Regierungsviertels von Washington D.C., freie Hand für das gehabt zu haben, was ihnen zu tun beliebte? Wie konnte es soweit kommen, dass Passagiermaschinen gänzlich ungehindert in die Zwillingstürme des World Trade Center rasten?

Um dies in einer alternativen Schau nachvollziehen zu können, kehren wir zunächst zu Vize-Präsident Richard Cheney zurück. Erinnern wir uns: Anfang Mai 2001 ist Cheney von Präsident Bush in die Position versetzt worden, „sämtliche Antworten der USA auf einen Terroranschlag zu planen, vorzubereiten und zu koordinieren.“ Wo war Cheney in der Zeit der Terroranschläge des 11. September? Allen Tatsachen nach zu urteilen im Weißen Haus, exakter umrissen: „im unterirdischen Presidential Emergency Operations Center (PEOC), das über Kommunikationsmöglichkeiten verfügt, die (weil es geschaffen wurde, um den Präsidenten zu schützen und ihm volle Kommando-, Kontroll- und Kommunikationsmöglichkeiten [Command, Control and Communications, C3] im Fall eines nuklearen Angriffs bereitzustellen) denen des Lagezentrums (Situation Room) entweder entsprechen oder über sie hinausgehen. Vom PEOC aus sollte sein Bewohner im Falle eines nuklearen (oder biologischen) Holocaust das Kommando übernehmen. Wenn es einen Ort gab, der über C3 auf dem neuesten Stand der Technik verfügen musste, dann war es das PEOC.“ [19]

An der Seite von Dick Cheney stand, wie in Fällen eines Anschlags üblich, der Secret Service, der ihn hinunter in den Bunker gebracht hatte, und der Secret Service besitzt in Fällen von National Special Security Events (NSSEs, in etwa: Spezielle Nationale Sicherheitsereignisse), was auf den 11. September zutraf, „die materielle und formelle Zuständigkeit, das Kommando über alles zu übernehmen.“  [20] Das bedeutet, dass dem Secret Service beim Auftreten eines NSSEs absolute Kontrolle und Verfügbarkeit über sämtliche staatlichen Institutionen zufällt.

„Daher versteht es sich von selbst, dass, falls der Secret Service federführend ist, seine Kommunikation, seine Aufklärungssysteme und seine Fähigkeit, von jeder beliebigen Bundesbehörde (einschließlich des Militärs) Daten in Echtzeit zu erhalten, die Bestmöglichen sein müssen. Es muss auch eine Redundanz mit jenen Systemen bestehen, die von der CIA, dem FBI, NORAD,” – d. h.: North American Aerospace Defense Command – „der FAA,” – d. h.: Federal Aviation Administration – „und insbesondere von den beteiligten staatlichen und kommunalen Behörden unterhalten werden.“ [21]

Präsident Bush befand sich in den Minuten, als „die materielle und formelle Zuständigkeit“ des Secret Service griff, um „das Kommando über alles zu übernehmen“, nachweislich in einer Grundschule in Florida, um dort mit Schulkindern das Buch The Pet Goat zu lesen. Entgegen der normalen Vorgehensweise des Secret Service, den Präsidenten sofort in Sicherheit zu bringen, wurde er dort buchstäblich sitzengelassen (obwohl Tage zuvor öffentlich berichtet worden war, dass Bush in dieser Schule sein würde – und somit ein potentielles Ziel abgab). [22]

Bis zu den Abendstunden wurde Bush dann im Flugzeug des US-Präsidenten, der Air Force One, auf eine Odyssee gen Westen geschickt – weitab vom Schuss, und das gegen seinen erklärten Willen und auf direktes Betreiben seines Vize-Präsidenten hin. Zudem dauerte es auffällig lange, bis das Flugzeug des Präsidenten endlich Geleitschutz von militärischen Fliegern erhielt. Woraus insgesamt zu schließen ist, dass nicht mehr Bush derjenige war, der die Kommando-Fäden in der Hand hielt, sondern der Mann, der seit fünf Monaten prädestiniert war, „sämtliche Antworten der USA auf einen Terroranschlag zu planen, vorzubereiten und zu koordinieren“: Richard Cheney.  [23] Wobei Cheney im PEOC wiederum das beste C3-System der Welt zur Verfügung stand, das ihn unter anderem befähigte, „zu sehen, was der Radar der FAA sah.“ [24]


Möglichkeit des Anschlags: Multiple Kriegsspiele

Ein Passagierflugzeug, das deutlich von seinem festgelegten Kurs abweicht, wird, sobald dies den Radarkontrolleuren auffällt, in aller Regel binnen weniger Minuten von Militärflugzeugen abgefangen, um zu kontrollieren, dass alles mit rechten Dingen zugeht. In aller Regel. Denn am 11. September 2001 geschah dies nicht, nachdem „im Jahr vor dem 11. September 67 Flugzeuge erfolgreich von der Air Force abgefangen wurden.“ [25]

Teilweise führt Mike Ruppert dies auf eine Neuregelung des Pentagon vom Juni 2001 zurück, wonach solche Abfangmaßnahmen fortan vom Verteidigungsminister oder sogar dem Weißen Haus abgesegnet werden mussten. „Dies demonstrierte einen bewussten Vorsatz vor den Anschlägen, den Befehlshabern vor Ort die Zuständigkeit für die Entscheidungsfindung zu entziehen und sie zu zentralisieren.“ [26]

Zeitlich bringt Ruppert dieses Memo des Generalstabs der US-Armee (Joint Chief of Staffs) namens Aircraft Piracy (Hijacking) and Destructon of Derelict Airborne Objects ebenfalls in den Zusammenhang mit Cheneys Tätigkeitsbereich seit Mai 2001, in dem er aufgerufen war, Empfehlungen zu evaluieren und zu treffen, um die Bereitschaft gegen Akte von inländischem Terrorismus zu stärken. Die 9/11-Kommission, die dieses Memo vom Juni 2001 in ihrem Report erwähnt, ist der Frage, von wem es in Auftrag gegeben und autorisiert wurde, nicht nachgegangen. Aus ihm lässt sich gleichwohl ablesen, wie die Kommission festhielt, dass „die militärische Hilfestellung durch NORAD multiple Stufen der Benachrichtigung und Genehmigung auf den höchsten Ebenen der Regierung erforderte.“ [27]

So der US-Verteidigungsminister an jenem Morgen im September 2001 gefragt war, wo befand sich Donald Rumsfeld zur Zeit der 9/11-Angriffe? Hierzu befragte ich den Autor Paul Schreyer, der sich eingehend mit dieser Frage befasst hat.

Der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld legte ein bemerkenswertes Verhalten in Anbetracht dessen an den Tag, dass sein Land angegriffen wurde, oder?

Paul Schreyer: Rumsfeld war nach offiziellen Aussagen während der Anschläge zeitweise abgetaucht. Jedenfalls konnte ihn angeblich niemand erreichen. Das ist für einen Verteidigungsminister in so einer Situation natürlich erklärungsbedürftig. Es wurde aber nie erklärt, sondern nur erwähnt – zum Beispiel im ersten Kapitel des 9/11 Commission Report.  [28]

Rumsfelds Platz bei einem Angriff auf die USA wäre im Normalfall im Lagezentrum des Pentagon gewesen, dem National Military Command Center, NMCC. Allem Anschein nach ist er dort jedoch erst gegen 10.30 Uhr angekommen, als die Entführungsserie bereits beendet war. Allerdings will ihn Richard Clarke, wie er in seinem Buch Against all Enemies darlegt, während der von ihm geleiteten Videokonferenz gesehen haben, die er im Bunker des Westflügels des Weißen Hauses nach dem Einschlag des zweiten Flugzeugs im WTC einrichten ließ. [29]

Falls das zutrifft, wäre Rumsfeld doch nicht gänzlich von der Bildfläche abgetaucht und schon vor dem Flugzeugeinschlag ins Pentagon per Videokonferenz innerhalb des sogenannten Executive Support Center (ESC) erreichbar gewesen. Im Bericht der 9/11-Kommission findet sich davon aber keine Spur, obwohl Clarkes Buch im März 2004 erschien, wohingegen der Kommissions-Bericht erst im Juli 2004 veröffentlicht wurde.

Während der Entführungsserie, als Donald Rumsfeld a) Richard Clarke zufolge viel eher zu erreichen war, als b) den Angaben der 9/11-Kommission zufolge, um dann c) weitestgehend von der Bildfläche zu verschwinden, wurde die Reaktion der Luftabwehr durch eine Reihe gleichzeitig durchgeführter Kriegsspiele der Air Force erschwert, die in den Morgenstunden des 11. September stattfanden. [30]

Von all diesen Drills, die die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe schwächten, sei besonders verwiesen auf Vigilant Warrior (Wachsamer Krieger), eine Live Fly-Übung, die mutmaßlich darin bestand, mindestens eine reale Passagiermaschine als „entführtes“ Flugzeug einzusetzen – das „simulierend, von dem das Weiße Haus sagt, dass es zu der Zeit unvorstellbar war: entführte Passagierflugzeuge, die als Waffen eingesetzt in Ziele gelenkt werden und dort massenhaft Todesopfer verursachen.“  [31] Dies war eine Übung des militärischen Luftverteidigungskommandos der USA, North American Aerospace Defense Command (NORAD), von der auch Richard Clarke in seinem Buch Against all Enemies berichtet. Laut einem Schriftverkehr zwischen Mike Ruppert und einem Pressesprecher von NORAD, Major Donald Arias, war Vigilant Warrior aufgrund der Bezeichnung Warrior per Definition eine Live Fly-Übung, was bedeutet, dass bei solchen Übungen reale Passagierflugzeuge zum Einsatz kommen. Für diese Information gibt es bislang weder eine offizielle Bestätigung, noch ein wie auch immer geartetes Dementi.

Eine weitere Übung nannte sich Northern Vigilance, die über Kanada und Alaska stattfand, um einen russischen Angriff zu simulieren. Abfangjäger, die in massiver Anzahl Richtung Nordpol unterwegs sind, um dort Szenarien aus Kalten-Kriegs-Tagen zu proben, können nicht gleichzeitig im sogenannten North East Air Defense Sector sein, wenn sie dort plötzlich für den Ernstfall gebraucht werden. [32]

Daneben gab es noch mehrere andere synchron durchgeführte Übungen, die sich “Northern Watch”, “Northern Guardian”, “Vigilant Guardian” und “Global Guardian” nannten.

Rechnet man nun hinzu, dass als Teil dieser Übungen „am 11. September falsche Radarecho-Anzeigen auf die Radarbildschirme gespeist wurden“[33] und dass es zweitweise hieß: „Wir haben Berichte von 11 Flugzeugen, die vom Kurs abgekommen oder nicht erreichbar sind, womöglich entführt”[34] laufen die Dinge auf eine Konfusion und Paralyse des Systems hinaus. Angesichts der Tatsache, dass die US-Geheimdienste zum Teil spezifische Terror-Warnungen erhielten, die sich auf die Woche des 11. September bezogen,  [35] mag sich die Frage einstellen, ob nicht exakt das die Intention gewesen sein könnte. Obendrein die Kommunikationswege von al-Qaida dermaßen unter Beobachtung standen, dass Mike Ruppert zu dem Ergebnis kommt, dass „Osama bin Laden und al-Qaida nicht hätten niesen können, ohne dass die CIA oder die NSA davon gewusst hätten.“ [36]

Des Weiteren ist zu beachten, dass derartige Drills wie Vigilant Warrior der National Command Authority des US-Präsidenten unterstehen – „und abwärts über den Vize-Präsidenten (in Abwesenheit des Präsidenten, wie es am 11. September der Fall war) zum Verteidigungsminister gehen.“  [37] Die Orte wiederum, wo diese Drills durchgeführt werden, sind „entweder das Presidential Emergency Operations Center oder der Situation Room.”  [38] Der Situation Room war es am 11. September nicht, wie aus der Erzählung von Richard Clarke hervorgeht, der 9/11 von dort erlebte (und eine wichtige Videokonferenz leitete). Am 11. September muss es der PEOC mit „den redundanten und parallelen Kommunikations- und Informationssystemen des Secret Service“ gewesen sein, wo Vize-Präsident Cheney und der Secret Service aufgrund der NSSE-Statuten ohnehin nun das letzte Wort hatten. [39]

Dass Richard Cheney im PEOC am 11. September präsent war, daran gibt es keinerlei Zweifel. Viel eher besteht erhebliche Verwirrung und dementsprechender Klärungsbedarf darüber, wann er dort war und ob er sich zeitweilig in dem Tunnel, der zum PEOC führt, für vertrauliche Telefongespräche mit Präsident Bush und vor allem mit Verteidigungsminister Rumsfeld zurückzog. In seinem Buch The Road to 9/11 geht Peter Dale Scott wichtigen Fragen hinsichtlich der Aktivitäten von Richard Cheney am 11. September nach. Im Folgenden werde ich davon Einiges erstmals in deutscher Sprache wiedergeben, da diese Dinge essentiell für ein Verständnis des Mordfalls 9/11 sind. Bewegen wir uns zunächst in Richtung des PEOC. Hierzu sagte Cheney in einem Interview mit Tim Russert von der US-Fernsehstation NBC am 16. September 2001, anfangend mit Flug 77, der schließlich ins Pentagon raste:

„Und als es in die Gefahrenzone eingedrungen war und es so aussah, dass es zum Weißen Haus unterwegs war, haben sie mich gepackt und in den Keller evakuiert. . . . Sobald ich im Korridor unten war, war das erste, was ich tat – es gibt ein sicheres Telefon dort. Das erste, was ich tat, war zum Telefon zu greifen und wieder den Präsidenten anzurufen, der zu diesem Zeitpunkt noch in Florida war, um ihn dringend aufzufordern, seine Rückkehr zu verzögern.“  [40]

Nach diesem Telefonat ging es weiter zum PEOC im Ostflügel des Weißen Hauses:

„Nachdem ich den Präsidenten gesprochen hatte (…), ging ich hinunter in den so genannten PEOC, den Presidential Emergency Operations Center, und dort hatte ich Norm Mineta. . . . Ich hatte Condi Rice bei mir und einige meiner wichtigsten Mitarbeiter. Wir hatten Zugang, sichere Kommunikation mit Air Force One, mit dem Verteidigungsminister drüben im Pentagon. Wir hatten auch die sichere Videokonferenz, die das Weiße Haus mit der CIA, dem Außen-, Justiz- und Verteidigungsministerium verbindet – eine sehr nützliche und wertvolle Einrichtung. Wir haben die Anti-Terror-Task-Force auf diesem Netz. Und so war ich in der Lage, all die Sachen, die hereinkamen, zu sehen, Berichte zu erhalten, und dann darauf basierend Entscheidungen zu treffen.“  [41]

Cheney machte also gegenüber Tim Russert ganz klar deutlich, dass er die nötigen Mitarbeiter und die nötige Gerätschaften zur Hand hatte, um vom PEOC übergreifend tätig zu werden. Allerdings findet sich davon nichts im 9/11-Report der Kommission, die diesen Bericht von Cheney zugunsten eines späteren, der in Newsweek erschienen ist, gänzlich unter den Tisch fallen ließ.

Dasselbe – die Unauffindbarkeit im 9/11-Abschlussbericht – trifft auch auf die Aussagen zu, die Norman Mineta, der damalige Verkehrsminister der USA, über Richard Cheney im PEOC abgab.

Zunächst wird unter den Teppich gekehrt, dass Mineta das Kommando zur Landung sämtlicher Passagiermaschinen in den USA gegen 9:42 Uhr Ortszeit mit Zustimmung von Richard Cheney erteilte. Peter Dale Scott argumentiert, dass dieses Ignorieren notwendig war, da die Aussage von Mineta bedeutet hätte, dass Richard Cheney schon vor 9:58 Uhr im PEOC war – dem Zeitpunkt, da er laut dem 9/11-Kommissionsbericht dort eintraf. Nach dem Augenzeugenbericht von Norman Minetta war Cheney aber tatsächlich bereits im PEOC, als er, Mineta, dort ankam – und das war gegen 9:20 Uhr. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O. Seite 199 – 201.

Daraufhin trug sich laut Minetas Worten vor der 9/11-Kommission in der Zeit, da Flug AA-77 sich Washington / dem Pentagon näherte und Richard Cheney angeblich noch gar nicht im PEOC war, dieses zu:

„Es gab einen jungen Mann, der hereinkam und zum Vize-Präsidenten sagte … das Flugzeug ist 50 Meilen entfernt … das Flugzeug ist 30 Meilen entfernt …. und als es bis auf das Flugzeug ist 10 Meilen entfernt runter war, sagte der junge Mann zum Vize-Präsidenten auch: ,Steht der Befehl noch?‘ Und der Vizepräsident drehte sich um, schwang seinen Hals und sagte: ,Natürlich steht der Befehl noch, haben Sie etwas Gegenteiliges gehört?‘“

Dies war um „,ungefähr 9:25 oder 9:26 Uhr.‘ Wie 9/11-Chronist Paul Thompson in seinem Buch Terror Timeline beobachtet, brachte ABC News am 11. September 2001 den gleichen PEOC-Dialog, indem es einen Kommentar von FAA-Administrator Monte Belger zitierte, und auch den Zeitrahmen, ungefähr 50 Meilen entfernt, um circa 9:27 Uhr. Allerdings behauptete die 9/11-Kommission, dass „ein primäres Radarziel ostwärts in hoher Geschwindigkeit“ Richtung Dulles Airport (Flug 77) erst um 9:32 entdeckt wurde.“ [42]

Tonbandaufzeichnungen von NEADS, auf denen Flug 77 schon um 9:21 Uhr alarmierend erwähnt worden war, wurden vom 9/11-Report nicht berücksichtigt. Stattdessen erwähnt der Bericht, dass Vize-Präsident Cheney erst gegen 9:34 oder 9:35 Uhr vom Secret Service ins PEOC gebracht wurde, nachdem Flug 77 erst da entdeckt worden sei. Der Einschlag ins Pentagon fand schließlich um 9 Uhr 37 statt. Wenn aber, wie Richard Clarke in seinem Buch schreibt, der Secret Service sah, was die Radare der FAA sahen, so musste der Secret Service wohl schon um 9:21 Uhr von Flug 77 im Bilde gewesen sein. [43]

„Minetas Geschichte von Cheneys Befehlen um 9:25 Uhr, als sich Flug 77 Washington näherte, muss in einer autorisierten Ermittlung das erste Mal kritisch untersucht werden. Das Versagen des Reports, damit umzugehen, erscheint unentschuldbar zu sein. Dasselbe gilt für seine Behauptung, dass ,American 77 vor seinem Crash um 9:37 Uhr für 16 Minuten unbeobachtet reiste‘, und dass Cheney um ungefähr 9:58 Uhr im PEOC ,ankam‘ (im Gegensatz zu zurückkam).Wenn Minetas Geschichte wahr ist, dann gab Cheney Befehle, die seither vertuscht wurden und für die keine präsidiale Genehmigung bekannt ist.“ [44]

An dieser Stelle sollte auch noch einmal das Augenmerk auf den Secret Service im Zusammenhang mit den sogenannten National Special Security Events (NSSEs) geworfen werden. Seit den späten 1990er Jahren war der Secret Service eine leitende Behörde für die Gestaltung und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen bei NSSEs, beispielsweise für die Bereitstellung von Luftverteidigungsmaßnahmen während solcher Ereignisse.  [45] Die Möglichkeit, dass Selbstmordpiloten Terroranschläge mit Flugzeugen als Waffen durchführen könnten, wurde bei den Vorbereitungen für ein NSSE in Betracht gezogen. Louis Freeh, der Direktor des FBI von 1993 bis Juni 2001, sagte gegenüber der 9/11-Kommission aus, dass die Problematik „Flugzeuge als Waffen“ in den Jahren 2000 und 2001 „immer einer der Aspekte” in der Sicherheitsplanung für NSSEs gewesen sei.  [46] Der damalige Finanzminister Paul O’Neill erklärte am 8. Mai 2001, dass der Secret Service „theoretische Übungen zur Vorbereitung auf Terroranschläge auf das Weiße Haus abhält.”  [47] Und laut der Aussage des ehemaligen Secret Service-Agenten Paul Nenninger, führte der Secret Service am James J. Rowley-Trainingszentrum in Beltsville, Maryland Computersimulationen von Flugzeugen durch, die ins Weiße Haus stürzten, um die dortige Sicherheitssituation zu testen. [48]

Beginnen wir bezüglich des Secret Service und des 9/11-NSSE mit dem Einschlag des zweiten Flugzeugs ins New Yorker World Trade Center – dem Zeitpunkt, da spätestens klar war: Amerika steht unter Angriff. Verantwortlich für die Sicherheitsvorkehrungen im Weißen Haus war Carl Truscott, der Special Agent in Charge (SAIC) der Presidential Protective Division (PPD). Der Secret Service-Agent wiederum, der verantwortlich für die Zusammenarbeit mit der FAA zeichnete, war Nelson Garabito. Nach dem zweiten Flugzeugeinschlag in New York City rief er seinen FAA-Konterpart Terry Van Steenbergen an, und zwar aus dem Secret Service Joint Operations Center (JOC) im Weißen Haus. Als Garabito von Van Steenbergen mitgeteilt bekam, dass möglicherweise zwei weitere Flugzeuge entführt worden seien, veranlasste Garabito, dass die Information sofort an andere Agenten des Secret Service weitergegeben werden sollte. Allem Anschein nach stockte die Weitergabe jedoch alsbald. [49]

Direkt hiermit verbunden steht die Frage im Raum, wann die Nachricht, die von Van Steenbergen an Garabito gegeben worden war (9:03 Uhr), dazu führte, dass Cheney von seinem Büro aus zum PEOC gebracht wurde. Letzteres geschah laut 9/11-Kommissionsbericht, wie gesagt, erst gegen 9:36 Uhr. Buchautor Kevin Ryan schreibt: „Wenn die Informationen sofort weitergegeben wurden, und der Vize-Präsident wurde kurz nach 09.00 Uhr an einen sicheren Ort gebracht, wie mehrere Zeugen nahelegten, dann würde seine frühere Präsenz im Presidential Emergency Operations Center (PEOC) die wichtige Aussage von Verkehrsminister Norman Mineta untermauern. Laut Mineta wurde Cheney regelmäßig über den Fortgang des entführten Flugs 77 unterrichtet, wie er Richtung Washington näherkam.“ [50]

Im Zuge einer Dokumentenherausgabe, auf die mit einer Freedom of Information Act-Klage gedrängt wurde, kam eine Zeitangabe über die „Aktionen des TSD” während des 9/11-Zeitraums ans Licht. Ryan: „TSD ist die Secret Service Technical Services Division, die unter anderem das Secret Service Tigerwall-Luftüberwachungssystem betreibt.“ [51]

Nach der TSD-Zeitleiste nahm Carl Truscott um 9:18 Uhr Kenntnis davon, „dass ein Flugzeug auf dem Weg in den Bereich Washington gewesen war.“ [52]

Das hieße: ganze 18 Minuten, bevor Vize-Präsident Cheney nach Angaben des 9/11-Kommissionsberichts vom Secret Service ins PEOC evakuiert wurde. Diese Diskrepanz harrt einer Erklärung, allzumal im Lichte der Aussagen von Norman Mineta.

Wie wir schon erfahren haben, verfügte der Secret Service über ein System, das es ihm ermöglichte, das zu sehen, was die FAA-Radare anzeigten. Ferner wissen wir von Cheney selbst, dass es offene Telefonleitungen zwischen dem Secret Service und der FAA während der fraglichen Zeit gab. Das maßgebliche Kommandosystem war im PEOC untergebracht. Das TSD-Dokument zeigt auf, dass Cheney mit Sicherheitsberaterin Rice und mehr als zehn anderen „Mitarbeitern des Präsidenten und Vize-Präsidenten“ um 9:30 im PEOC war. [53]

Das hieße: acht Minuten, bevor das Pentagon getroffen wurde. Was wiederum mit Minetas Aussage im Einklang steht.

Mehr noch. Die vom Secret Service aufgrund der FOIA-Klage veröffentlichten Dokumente zeigen auf, „dass der Secret Service Kenntnis von Flug 77 und Flug 93 hatte, und dass diese Flüge in Richtung Washington, DC unterwegs waren. … Diese Dokumente bestätigen, dass der Secret Service wusste, dass zwei entführte Flugzeuge während der Zeit in Richtung Washington unterwegs waren, in der Cheney und SAIC-Agent Truscott im PEOC waren.“ [54]

In einer Rede, die er am 21. Mai 2009 am American Enterprise Institute (AEI) in Washington DC hielt, scheint Richard Cheney seine frühere Ankunft im Bunker selbst bestätigt zu haben. So sagte er vor dem AEI:

„Für mich war eine der prägenden Erfahrungen der Morgen an 9/11 selbst. Wie Sie sich vielleicht erinnern, war ich in meinem Büro in dieser ersten Stunde, als das Radar ein Flugzeug in Richtung Weißes Haus mit 500 Meilen pro Stunde erblickte. Das war Flug 77, der eine, der am Ende das Pentagon traf. Indem das Flugzeug noch immer näher kam, traten Secret Service-Agenten in mein Büro ein und sagten, dass wir jetzt gehen müssten. Ein paar Augenblicke später fand ich mich in einem befestigten Kommandoposten des Weißen Hauses irgendwo unten wider.

Dort im Bunker kamen die Berichte und Bilder herein, die so viele Amerikaner von diesem Tag erinnern…. In den Jahren seither habe ich gelegentlich Spekulationen gehört, dass ich ein anderer Mensch nach 9/11 geworden sei. Ich würde das nicht sagen. Aber ich gebe gerne zu, dass einem koordinierten, verheerenden Angriff auf unser Land von einem unterirdischen Bunker im Weißen Haus zuzusehen, beeinflussen kann, wie Sie Ihre Aufgaben auffassen.”  [55]

Wenn nun die erste Radar-Sichtung eines Flugzeugs, das sich gen Washington bewegte, um 9:21 Uhr stattfand, bestätigt Cheney mit diesen Auslassungen vor dem AEI, dass er früher im PEOC ankam, als dies vom 9/11-Kommissionsbericht behauptet wird. Seine diesbezügliche Angabe, das sei unterstrichen, steht im Einklang mit seiner Erklärung vom 16. September 2001 und befindet sich im Widerspruch zu seiner späteren Darstellung in Newsweek.

Teilweise kann die Konfusion, wo sich Cheney zu welchem Zeitpunkt befand, eventuell darauf zurückgeführt werden, dass Cheney im Tunnel, der zum PEOC führte, an einem Telefon gesessen haben dürfte, über dem er COG-Bestimmungen kommunizierte.  [56] Was manche Beobachter als erste Ankunft im PEOC realisierten, mag in Wirklichkeit eine Wieder-Ankunft aus dem Tunnel gewesen sein. [57]

Die 9/11-Kriegsspiele und eine etwaige zentrale Rolle von Richard Cheney betreffend, bringt Peter Dale Scott in Road to 9/11 dieses zusammen:

„Wir wissen nun, dass an 9/11 die Luftverteidigung durch simultane Operationen, Kriegsspiele und Übungen schwerer gemacht wurde, einschließlich einer Übung am National Reconnaissance-Bürogebäude in der Nähe des Flughafens Dulles, bei dem Reaktionen getestet wurden, ,falls ein Flugzeug ein Gebäude angreifen würde.’ Zumindest eines dieser Kriegsspiele beinhaltete Phantomflüge.

Nur eines der Kriegsspiele, Vigilant Guardian, wird im 9/11-Bericht der Kommission erwähnt – in einer Fußnote. Zusätzlich hat Donald Rumsfeld den Reportern der Washington Post, Dan Balz und Bob Woodward, von einer anderen Übung erzählt, Global Guardian. Weitere Kriegsoperationen verlagerten Kampfbomber der US-Luftwaffe nach Irak, Island und Nordkanada. Zusätzlich hat der Toronto Star enthüllt, dass die Operation Northern Vigilance mindestens auch eine ,simulierte Information’ beinhaltete, ,was als eine ,Einspeisung’ [das heißt: ein Input oder falsches Radarzeichen] auf den Radarschirmen bekannt ist.’ Es gibt auch eine Referenz auf den Tonbandaufzeichnungen von NEADS [Northeast Air Defense Sector, die Luftstreitkräfte für den nordöstlichen Luftverteidigungsabschnitt] um 09.05 Uhr zu ,einem verdammten Input’, was (wie der Autor der Vanity Fair Bronner erklärte) ,einen Simulationsinput’ als Teil von einer der Übungen an dem Tag bedeutet.

Die Kriegsspiele könnten erklären helfen, warum an dem Tag die zivilen und möglicherweise auch die militärischen Einsatzleiter für den Luftverkehr diese Rolle zum ersten Mal in ihrem Leben ausübten. Die zwei Männer waren der nationale Einsatzleiter im FAA Command Center, Ben Sliney, und der stellvertretende Einsatzleiter des National Military Command Center, der kurz zuvor zum Admiralsanwärter beförderte Charles Leidig. Leidig teilte der Kommission mit: ,Am 10. September 2001 bat mich der Brigade-General der U.S. Armee, [Montague] Winfield, einen Teil seiner Schicht am folgenden Tag zu übernehmen.’ Winfried war daher von seinem üblichen Posten, um den nächsten Morgen (9/11) im War Room des Pentagon zu verbringen, befreit.“ [58]

Der gleiche Raum, das Lagezentrum NMCC, war der Ort, an dem Donald Rumsfeld zum Zeitpunkt der Anschlage eigentlich hatte sein müssen, aber nicht war. Warum der befehlshabende General Winfield dort ebenfalls fehlte, kann nicht exakt bestimmt werden: seine Aussagen vor der 9/11-Kommission sind bisher nicht veröffentlicht worden. Laut eigener Bekundung hat er, während sein Land aus der Luft angegriffen wurde, an einer Besprechung zur Bewertung von Offizieren der Luftwaffe teilgenommen. [59]

Fest steht dagegen, dass das NMCC der „Dreh- und Angelpunkt des Informationsflusses und der Entscheidungen am 11. September“ war – jedenfalls abgesehen vom PEOC im Weisen Haus.  [60] Fest steht ferner, dass es ausgerechnet in diesem „Dreh- und Angelpunkt des Informationsflusses und der Entscheidungen am 11. September“ erhebliche technische Probleme gab, das Operationszentrum der FAA zu kontaktieren. Die Kommunikationsleitung wurde immer wieder unterbrochen. [61] In der Zwischenzeit wäre ihr Stellvertreter wohl ein gewisser Lee Longmire gewesen, doch der wusste offenbar gar nichts davon, dass er für Canavan und Osmus hätte einspringen sollen. [62]

Canavan erlangte den Job des FAA-Hijack-Koordinators erst neun Monate vor 9/11. Binnen eines Monats nach den 9/11-Anschlägen wechselte er den Job sodann wieder. Der 9/11-Kommissionsbericht erwähnt Canavan – aber nicht als FAA-Hijack-Koordinator, sondern in einer gänzlich anderen Funktion: als Kommandeur des Joint Special Operations Command (JSOC), das verdeckte Anti-Terror-Operationen des Militärs durchführt (nach 9/11 beispielsweise unter direkter Befehlsgewalt von Dick Cheney, wie Seymour Hersh berichtete). Der Bericht legt Canavans Rolle dar, die er bei der fehlgeschlagenen Gefangennahme Osama bin Ladens im Jahre 1998 bekleidet hatte. [63]

Laut John Hawley, einem Angestellten in der Geheimdienstabteilung der FAA, ließ Canavan zu Beginn seiner Tätigkeit als FAA-Hijack-Koordinator Trainingsübungen durchführen, die „verdammt nahe am 9/11-Plot“ waren. Gegenüber der 9/11-Kommission stritt Canavan diese Behauptung ab. [64]

Longmire wies gegenüber der 9/11-Kommission im Zusammenhang mit dem möglichen Ersatz für den FAA-Hijack-Koordinator auf Mike Weikert hin – wobei dieser wiederum nach Angaben von Hawley bei eben jenen Trainingsübungen geholfen haben soll, an denen Canavan nicht beteiligt gewesen sein will. [65]

Im Mai 2001 verfasste Canavan ein Memorandum, das geringere Strafen für Sicherheitsverstöße bei Fluglinien und auf Flughäfen initiierte. Des Weiteren war Canavan verantwortlich für die Spezialteams der Civil Aviation Security, den sogenannten Red Teams, die verdeckt die Sicherheit an Flughäfen testen. „Der Zweck der Red Teams bestand darin, alle Systeme zur Verhinderung von Entführungen zu testen, die die angeblichen Entführer an 9/11 bezwangen. In seiner Position als Kopf dieser Behörde lernte Canavan schnell alle Schwächen des Systems kennen.

Einer der Anführer von Canavans Red Teams, Bogdan Dzakovic, sagte später gegenüber der 9/11-Kommission aus, dass Flughäfen vorgewarnt wurden, ehe die Red Teams dort ankamen. Er behauptete auch, dass die FAA-Beamten wussten, dass etwas wie 9/11 passieren würde, und dass sie die Hinweise absichtlich ignorierten.“ [66]

Ein weiterer Beteiligter, der einen ominösen Part bei der FAA spielte, war Benedict Sliney. Ursprünglich hatte Sliney als ATC in der US-Luftwaffe im Vietnamkrieg gedient, war hernach Angestellter der FAA gewesen, und wurde schließlich Rechtsanwalt sowie Partner mehrerer Kanzleien. Zu den Fällen, die er betreute, gehörten Verstöße gegen Aktien-, Börsen- und Bankenrecht. Aus Gründen, die nicht weiter bekannt sind, wechselte Sliney ein paar Monate vor 9/11 zur FAA zurück. Dort bekleidete er am 11. September 2001 den obersten Managerposten des FAA-Kommandozentrums – zum ersten Mal überhaupt, seitdem er wieder bei der FAA arbeitete. Sliney wurde diese Rolle übertragen, obwohl weitaus erfahrenere Vorgesetzte im Hauptquartier der FAA zum Zeitpunkt der Anschläge vor Ort waren. Gegenüber der 9/11-Kommission machte Sliney späterhin unter anderem geltend, dass er sich zu Beginn der Entführungsserie nicht bewusst gewesen wäre, dass es einen FAA-Hijack-Koordinator gab, den er hätte kontaktieren müssen. [67]

Dass es einen FAA-Hijack-Koordinator gab, der am 11. September fern seines Postens war, wie auch seine Stellvertreter, erwähnt der 9/11-Kommissionsbericht mit keinem einzigen Wort.


Falsche Signale

Alles in allem darf mit einiger Berechtigung geurteilt werden, dass „(d)ie Reaktion auf die 9/11-Entführungen durch die Konfusion, die aus dem Überlappen der Entführungen/Übungen erwuchs, eindeutig schwerer gemacht worden (ist).“ Beispielsweise sagte Lieutenant Colonel Dawne Deskins, eine Übungsleiterin von Vigilant Guardian, „dass jeder bei NEADS am Anfang dachte, dass der erste Anruf, den sie über die realen 9/11-Entführungen erhielten, Teil des Kriegsspielszenarios war.“ In der Tat umfasste die Übung Vigilant Guardian das Training für den Fall einer Flugzeugentführung.

Ferner erörtert Scott:

„Generalmajor Larry Arnold, der NORAD-Kommandeur, fragte am Anfang bezüglich der Entführungen von Boston: ,Ist das Teil der Übung?’ So taten es auch andere Offiziere, einschließlich Colonel Robert Marr, der Leiter von NEADS in Rome, New York.

Der 9/11-Forscher Michael Kane, die Arbeit seines Forscherkollegen Mike Ruppert zusammenfassend, machte geltend, dass durch das Office of National Preparedness, das am 8. Mai 2001 eingerichtet wurde, Cheney und FEMA die koordinierten 9/11-Kriegsspiele planten:

,Am 8. Mai 2001 – vier Monate vor 9/11 – übergab der Prasident an Dick Cheney die Leitung von ,allen bundesstaatlichen Programmen im Umgang mit dem Massenvernichtungswaffen-Folgemanagement innerhalb der Ministerien für Verteidigung, Gesundheit, Justiz und Energie, der Umweltschutzbehörde und anderen Behörden des Bundes.’ Dies beinhaltete alle Arten ,Training und Planung’, die ,nahtlos, harmonisch und umfassend miteinander integriert’ sein müssten, um die ;Effektivität zu maximieren.’ Dieses Mandat schuf das Office of National Preparedness innerhalb von FEMA, beaufsichtigt von Dick Cheney.

Dick Cheney wurde die direkte Verantwortung für das Durchführen der nahtlosen Integration aller Trainingsübungen des gesamten föderalen Staats und in allen militärischen Behörden übertragen. An 9/11 beaufsichtigte Cheney multiple Kriegsspiele und Terrordrills, einschließlich mehrere Übungen von NORAD, die Behörde der Luftwaffe, deren Mandat es ist, ,den Himmel zu beobachten.’

Meiner Meinung nach können solche Bemerkungen über Cheneys und FEMAs Verantwortung für die Kriegsspiele an 9/11 nur als eine Frage aufgestellt werden, nicht als Tatsachenbehauptung. Aber es gibt einige Anzeichen, um Kanes These zu unterstützen, in der eigenen Beschreibung des Pentagon von Amalgam Virgo 01 und 02, zwei Kriegsspiele, die vor 9/11 geplant wurden.“ [68]

Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass FEMA tatsächlich Teil der Planungen beider Übungen vor dem 11. September war – wobei Amalgam Virgo 02 ein Kriegsspiel war, bei dem es um die Entführung einer kommerziellen Passagiermaschine ging.

Neben den bereits erwähnten falschen Radarsignalen angeblich entführter Flugzeuge und dem zwischenzeitlichen Bericht, dass „11 Flugzeuge vom Kurs abgekommen oder von der Kommunikation abgeschnitten sind, womöglich entführt“, trägt Scott vor, dass Colonel Marr von NEADS erklärt hatte: „Ich denke, zu einem Zeitpunkt [am 11. September] wurde mir gesagt, dass es im gesamten Land 29 verschiedene Berichte von Entführungen gab.“ [69]

Wer die verschiedenen Kriegsspiele angeordnet und koordiniert hat, der Frage ging die 9/11-Kommission nicht nach. Von daher kann, solange keine gründliche und unabhängige Untersuchung unternommen wird, zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass Mike Ruppert mit seiner These richtig liegt, dass die multiplen Kriegsspiele die bewusst wahrgenommene Möglichkeit bot, um einen sogenannten „Inside-Job“ zu initiieren. Sowohl Ruppert als auch Scott berichten von einer Begebenheit, „die eindeutiger hätte feststellen können, wie die Regierung am 11. September reagierte und ob entweder die Kriegsspiele oder Phantomflugzeuge zum Mangel an Reaktion beitrugen. Kurz nach den Angriffen nahmen Kontrolleure des Luftfahrtverkehrs, die zwei der entführten Flüge betreuten, ihre Erlebnisse auf Kassette auf. Aber das Tonband wurde mutwillig von einem nicht-identifizierten Qualitätssicherungsmanager der FAA zerstört, der ,die Kassette in seiner Hand zerdrückte, das Band in kleine Teile zerschnitt und sie in verschiedene Mülleimer warf.’ Eine solch extreme und möglicherweise illegale Handlung fügt sich Verdachtsmomenten hinzu, dass die ganze Geschichte über die Reaktion auf die 9/11-Angriffe noch nicht erzählt ist.“ [70]

Ob die Kriegsspiele und falschen Radarsignale in einem möglichen, in Gänze nicht auszuschließenden „Inside-Job“-Szenario schon ausgereicht hätten – oder ob hie und da noch ein absichtliches „Versagen“ der Luftwaffe vonnöten gewesen war, dazu stellte ich einige Fragen an einen Autor, der sich den Kriegsspielen des 11. September und der Reaktion der Luftwaffe auf die Entführungen so akribisch gewidmet hat wie kaum ein Zweiter: der investigative Journalist Paul Schreyer.

Von ihm wollte ich erfahren:

Am Tag des 11. September kam es zu Kriegsübungen der US Air Force, die verblüffende Ähnlichkeiten mit den 9/11-Terrorangriffen aufwiesen. Zunächst: was haben Sie gedacht, als sie erfuhren, dass hierbei womöglich tatsächliche Passagiermaschinen zum Einsatz kamen, um entführte Flugzeuge zu simulieren?

Paul Schreyer: Das reale Passagiermaschinen Teil der Militärübungen am Morgen von 9/11 waren, ist bisher nicht erwiesen. Nach allem was man heute weiß, wurde allerdings zumindest ein Szenario durchgespielt, bei dem es um die Entführung eines Flugzeuges ging. Deshalb reagierten einige der Offiziere der Luftabwehr ja auch so konsterniert. Überliefert ist ja die spontane Reaktion eines zuständigen Majors auf den ersten Alarm: „Da hat jemand etwas vorverlegt. Das Hijacking soll doch erst in einer Stunde sein.”

Es gab ja durchaus deutliche Warnhinweise für die Woche des 11. September und der möglichen Angriffsziele. Hätten die Kriegsübungen in Anbetracht dessen abgesagt werden müssen, um Konfusionen zu vermeiden?

Paul Schreyer: Die vielleicht noch wichtigere Frage lautet meiner Meinung nach: Zu welcher Uhrzeit wurden diese Übungen am Morgen von 9/11 überhaupt abgebrochen? Offiziellen Tonbändern des Militärs zufolge wurden noch um 9.30 Uhr simulierte Signale auf den Radarschirmen angezeigt – also über eine Stunde nach Beginn der Entführungen und lange nach den beiden Einschlägen im World Trade Center. Die konkreten Umstände dieser Manöver wurden nie aufgeklärt.

Welche Konfusionen gab es?

Paul Schreyer: Eines der Hauptprobleme habe ich gerade erwähnt. Die Übung ermöglichte die Anzeige von fiktiven Signalen auf den Radarschirmen, die von echten Flugzeugen auf dem Display nicht zu unterscheiden waren. Trotz dieser Schwierigkeit hätte die Luftabwehr aber die entführten Flugzeuge rechtzeitig mit Abfangjägern erreichen können, was, wie man weiß, in keinem einzigen Fall geschah. Auch dieser Sachverhalt wurde bisher nicht schlüssig aufgeklärt.

Ein Mann, dem Sie viel Aufmerksamkeit widmen, ist Col. Robert Marr. Weshalb ist dieser Mensch so wichtig?

Paul Schreyer: Colonel Robert Marr war Befehlshaber der Luftabwehr für den Nordosten der USA. In seiner direkten Verantwortung lag es, die Abfangjäger rechtzeitig aufsteigen zu lassen. Wie kürzlich freigegebene Dokumente jedoch zeigen, verzögerte er allem Anschein nach diese Reaktion in mehreren Fällen aktiv. Marr wurde außerdem der Lüge überführt, was öffentliche Aussagen von ihm zum Abschussbefehl an diesem Morgen angeht. Diese Person verdient daher sicher größere Aufmerksamkeit, als ihr bisher zuteil geworden ist.  [71]

Wenn die Kriegsspiele und falschen Radarsignale in einem „Inside-Job“-Szenario also nicht ausreichten, wie es Paul Schreyer oben nahelegte, und tatsachlich noch ein absichtliches „Versagen“ der Luftwaffe vonnöten gewesen war, dann muss man wohl Colonel Robert Marr ins Visier nehmen.

Wie Schreyer in seinem Buch Inside 9/11 aufzeigt, steht der begründete Verdacht einer mutwilligen Behinderung der Marr unterstellten Luftabwehr im Raum, die offiziell untersucht gehörte. Gleich in mehreren Fallen, so Schreyer, hat Marr seinen Teil dazu beigetragen, dass die Luftabwehr ihrer Aufgabe nicht nachkam.

Fakt ist: Trotz der vielen Übungen blieb immer noch ein Kontingent an Personal und Militärjets verfügbar, dass die entführten Passagiermaschinen hätte abfangen können und müssen. Zumal die entführten Maschinen, wenn man die Aufzeichnungen der Flugrouten betrachtet, seltsame „Umwege“ flogen: statt direkt nach Übernahme der Flugzeuge auf schnellstem Wege die jeweiligen Ziele New York City und Washington D.C. anzusteuern, zogen sie große, zeitaufwendige „Schleifen“ – was für die mutmaßlichen Entführer gefährlich war, da sie dadurch die Möglichkeit erhöhten, abgefangen werden zu können, und tatsächlich auch damit rechnen mussten, dass genau dies geschehen würde. Allerdings zogen einige der Militärjets, die zur Abfangmission aufstiegen, ebenfalls große, zeitaufwendige „Schleifen“, die darauf schließen lassen, dass sie vom Bodenkommando „fehlgelenkt“ wurden. Darüber hinaus sind ganze Luftwaffenstützpunkte schlicht „vergessen“ und nicht rechtzeitig alarmiert worden.  [72]

Auffällig nicht nur im Sinne von „unnötigem Schleifendrehen“ ist, dass beispielsweise American Airlines Flug 77:

a) in Washington DC abhob, um das Pentagon zu attackieren, nachdem die Maschine mehr als eine Stunde lang im Landesinneren umhergeflogen war, obwohl das Pentagon nur wenige Kilometer vom Abflugort (Dulles Airport) entfernt lag,

und:

b) letztlich die Richtung gen Washington DC exakt in einem Radarloch änderte, damit für die Luftverkehrskontrolleure einstweilen außer Sicht geratend. [73]

Zur Frage, wann die Kriegsspiele gestoppt wurden, kann man den Tonbandaufzeichnungen der US-Luftwaffe entnehmen, dass virtuelle Zusätze auf den Signalschirmen bis 9:30 Uhr zu sehen waren. [74]

Wir wissen aber auch, dass sich dem Civil Military Operations Center (CMOC), das ebenfalls mit den Kriegsübungen betraut war, das gleiche Problem mit falschen Radarsignalen stellte – und zwar bis einschließlich 10:12 Uhr. CMOC-Mitarbeiter riefen tatsächlich bei NEADS an, um die Signale schleunigst stoppen zu lassen. Das geschah jedoch nicht. [75]

Überdies ist der Relevanz wegen dreierlei zu unterstreichen:

1) Zur Frage, ob genügend Kampfjets zur Verfügung standen, obwohl eine Reihe von Übungen abgehalten wurden, ist die Antwort eindeutig: Ja, und der Grund ist von größter Bedeutung, denn er ist der Kern des sogenannten „Air Policing“-Systems, das in allen NATO-Luftstreitkräften seit den 1950er Jahren eingeführt und praktiziert wurde – und zwar von den USA initiiert. Jedes Luftwaffen-Geschwader (oder Flügel, Wing), das die Aufgabe des Air Policing innehat, hat eine Mannschaft von zwei Kampfjets, die 24 Stunden an jedem Tag des Jahres in Alarmbereitschaft gehalten werden, ausschließlich um diese Aufgabe zu erfüllen. In der Regel müssen die Maschinen 10 bis 15 Minuten nach dem Alarm in der Luft sein. Dieser Prozess wird in der NATO-Luftwaffe „Alpha Scramble“ genannt. Diese Crews und ihre Maschinen nehmen nie – unter gar keinen Umständen – an Übungen teil. Auch wenn die Staffel für andere Aktivitäten verwendet wird, bedeutet dies nicht, dass dies ohne eine Zuordnung des Air Policing an ein anderes Geschwader für diesen bestimmten Zeitraum geschieht.

2) Die Änderung der Vorschriften – die Notwendigkeit für eine Genehmigung von “Alpha Scramble” – ist bemerkenswert für sich, weil es der Praxis, die seit Jahrzehnten durchgeführt wurde, widerspricht. Diese Praxis kennt bewusst keine hierarchischen Befehlsstrukturen, sondern beruht auf dem Prinzip der Feuerwehr, mit dem Verzögerungen vermieden werden sollen.

3) Kein Fluglotse, der für den Simulationsprozess einer Luftwaffenübung eingesetzt wird, wird sich – unter gar keinen Umständen – verpflichten, gleichzeitig parallel dazu Aufgaben des normalen zivilen oder militärischen Flugbetriebs zu übernehmen, und umgekehrt. Dies wäre mit den Grundsätzen der Flugsicherheit unvereinbar. Sollte es der Fall gewesen sein, dass ein Fluglotse virtuelle Signale / falsche Lichtpunkte auf dem Radar empfing, wäre dies ein Hinweis darauf, dass jemand (mit Zugang zum Radarsystem) absichtlich Verwirrung stiften wollte.

Fest steht ferner ohnehin, dass NORAD die 9/11-Kommission bezüglich der Luftabwehr an 9/11 anlog – oder ihr jedenfalls nicht annähernd die Wahrheit sagte. Der Kommissions-Vorsitzende Thomas Kean: „Wir wissen bis heute nicht, warum uns NORAD erzählt hat, was es uns erzählt hat, aber es war so fern der Wahrheit.“ [76]

In einer Senatsanhörung im Jahre 2004 gab Senator Mark Dayton zu Protokoll, dass die USA für „109 Minuten“ an 9/11 „vollkommen verteidigungslos“ dagestanden hätten, und dass die NORAD-Verantwortlichen die Gründe für das Versagen der Luftverteidigung vertuschten, indem sie der 9/11-Kommission, dem Kongress und dem amerikanischen Volk Unwahrheiten erzählten. Hauptverantwortlich für alle Luftverteidigungsoperationen am 11. September 2001 war General Ralph E. Eberhardt. Ferner war er als Commander in Chief des US Space Command und als Commander in Chief von NORAD verantwortlich für viele der militärischen Übungen, die am 11. September stattfanden. [77]

Nachdem die US-Luftwaffe viermal in Folge an 9/11 versagt hatte, wurde Eberhardt zum ersten Kommandeur des neugeschaffenen NORTHCOM befördert. Niemand von NORAD wurde je für die Falschaussagen zur fehlgeschlagenen Luftverteidigung zur Rechenschaft gezogen.

Für die These, die Mike Ruppert in Sachen „Möglichkeit“ vorbringt, möchte ich anmerken, dass mit dem Computersystem im PEOC zusätzlich in die Abläufe von NORAD und FAA eingegriffen worden sein könnte – auch das gälte es gründlich zu untersuchen. Rupperts These ist, dass die Software, die unter anderem Informationen zwischen NORAD und FAA vermittelte, von einer anderen aufgehoben und ersetzt wurde, die im PEOC unter Kontrolle eines Kernteams des Secret Service rund um Richard Cheney stand. Mit dieser Software wäre es dann – darauf werde ich noch eingehend zu sprechen kommen – theoretisch möglich gewesen, die Reaktionen bei NORAD und FAA zu überwachen, um gezielt einzugreifen und so die Reaktion zu sabotieren. Vorerst soll ein erster Hinweis darauf genügen.

Bezogen auf die 9/11-Kriegsspiele fragte ich Paul Schreyer nach dem für ihn verblüffendsten Ergebnis seiner Recherchen zu den Kriegsübungen.

Paul Schreyer: Das offensichtliche: dass die Übungen parallel zu den Anschlägen stattfanden. Ähnliches ist ja übrigens auch 2005 bei den Anschlägen auf das Londoner U-Bahn-System passiert: am Morgen des 7. Juli fand zeitgleich zu den realen Attacken eine Übung statt, in der es, so wörtlich, um „simultane Bombenanschläge auf U-Bahn-Stationen” ging. In meinen Augen reicht Zufall als Erklärung da nicht mehr aus.

Außerdem fragte ich ihn mit Hinblick auf ein zentrales Mysterium rund um die Aktivitäten des Vize-Präsidenten der Vereinigen Staaten am Morgen des 11. September 2001:

Was lesen sie aus den Aussagen heraus, die Norman Mineta bezüglich Cheney machte?

Paul Schreyer: Mineta war am 11. September 2001 als Verkehrsminister Mitglied der Bush-Regierung. Er befand sich während der Anschläge zusammen mit Cheney im Bunker unter dem Weißen Haus und bezeugte vor der 9/11-Kommission, dass Cheney bei seinem Eintreffen um 9.20 Uhr schon dort gewesen sei. Offiziell hingegen heißt es, Cheney sei erst um 9.58 Uhr im Bunker eingetroffen. Bei dieser Kontroverse geht es letztlich um mehrere sehr weitreichende Dinge. Wann gab Cheney den Abschussbefehl an die Kampfjets? Holte er das Einverständnis des Präsidenten dazu ein? Wusste er vom ankommenden Flugzeug, das auf das Pentagon zusteuerte? Die Antworten auf all diese hochsensiblen Fragen hängen davon ab, wann Cheney den Bunker betrat. Man kann vermuten, dass dies der Grund dafür ist, weshalb die 9/11-Kommission Minetas Aussage in ihrem Abschlussbericht unter den Teppich kehrte.  [78]

Unter den Teppich kehrte die 9/11-Kommission noch einige andere Dinge in Verbindung mit Richard Cheney. Sie ignorierte beispielsweise völlig, dass auch Richard Clarke, der oberste Anti-Terrorbeauftragte der Regierung Bush, in seinem Buch Against all Enemies davon berichtete, dass Cheney viel eher mit einem Extrakontingent an Secret-Service-Personal zum PEOC aufbrach, als sie es in ihrem Abschlussbericht schilderte. [79]

Des Weiteren adressierte sie nicht, dass Cheney sein Möglichstes tat, um danach die Arbeit von Richard Clarke zu erschweren. Dessen Anrufe per Standleitung vom Westflügel des Weißen Hauses ließ Cheney ein ums andere Mal persönlich ins Leere laufen. Und als Clarke schließlich vollkommen aufgebracht Zugang zum PEOC erhalten wollte, wurde ihm dieser von Cheneys Wachmannschaft mit entgegengehaltenen Maschinengewehren verwehrt. Derweil er die Kommunikation und Koordinierung mit Clarke unterlief, kümmerte sich Cheney um Telefonate mit Präsident Bush, dem Secret Service und anderen Führungspersonen der Sicherheitsdienste sowie um Einzelgespräche mit seinen direkten Untergebenen im PEOC, nicht wenige davon im Flüsterton, wie Barton Gellman schreibt. [80]

Zudem veranlasste Cheney schon bald, dass sein persönlicher Rechtsberater und Verbindungsmann zum US-Justizministerium, David Addington, hinab in den Bunker im Ostflügel des Weißen Hauses stieg. Die Beratungen mit Addington, die ebenfalls im Flüsterton liefen, während die Entführungsserie noch nicht beendet war, leiteten die Aktivierung der Continuity-of-Government-Pläne ein. [81]

In The Road to 9/11 bietet Peter Dale Scott eine detailliert unterlegte dreiteilige Hypothese darüber an, welche zentrale Rolle Cheney am Morgen des 11. September eingenommen haben könnte.  [82] Sie stützt sich auf Indizien, die teilweise aus dem Bericht der 9/11-Kommission stammen und teilweise anderen maßgeblichen Quellen entnommen sind. Die dreiteilige Hypothese lautet:

„Erstens leitete Cheney sein eigenes Entscheidungen treffendes Netzwerk in oder nahe des Präsidenten-Bunker unter dem Weißen Haus (das Presidential Emergency Operations Center oder PEOC). Zweitens standen Bush, Cheney und Rumsfeld tatsächlich in Kontakt zueinander, und alle drei diskutierten mindestens die dreigliedrige Entscheidung für einen Abschuss-Befehl und COG – aber in einem entscheidenden Moment, als Cheney und Rumsfeld beide von ihrem eigenen Personal abgeschieden waren.“ [83]

Diese dreigliedrige Entscheidung hieß: „Eins, der Präsident ordnete die Anwendung von Gewalt gegen Flugzeuge an, die als feindlich gelten. Zwei, das Weiße Haus ersucht ebenfalls um Begleitung der Air Force One durch Kampfflieger. Drei, und das trifft auf alle Behörden zu, wir initiieren COG. Bitte aktivieren Sie Ihre alternativen Kommandozentralen und bewegen sich sofort dort hin.“ [84]

Die dritte Hypothese, die Scott aufstellt, geht davon aus, dass „Cheney Zugang zu einem gesicherten Kommunikations-System (hatte), möglicherweise durch den Secret Service, um diese Kontakte außerhalb der regulären Kanale aufrechtzuerhalten”, und zwar zu Bush und Rumsfeld. „Kurz gesagt, die National Command Authority operierte über Cheney im PEOC, und Schlüsselentscheidungen von Cheney wurden aus dem PEOC zu den drei Telefonkonferenzen übertragen: die des Weisen Hauses (Clarkes), die des National Military Command Center (NMCC), und die der FAA.“ [85]

Eine wirklich unabhängige, nach allen Seiten untersuchende Kommission hätte dieser Sache kompromisslos nachgehen müssen, um Aufklärung zu erbringen. Stattdessen übte sie sich in diesem kritischen Punkt wiederholt in „Falschdarstellungen, einschließlich möglicher Lügen, über ein Verbrechen, dem größten Mord in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Derart viel bleibt über dieses Verbrechen noch unbekannt, von der Identität der Entführer bis hin zu den Umständen, die sie ihre Ziele erreichen ließen, dass das Verbrechen als ungelöst zu betrachten ist. Unter diesen Umständen sind die falschen Darstellungen im 9/11-Bericht der Kommission nicht nur Hinweise auf eine Täuschung und Vertuschung, sie rechtfertigen auch den schweren Verdacht darauf, was vertuscht wird.“ [86]

Um die Wahrheit ans Licht zu bringen und Unklarheiten zu beseitigen, so Scott im Jahre 2007, „wäre (es) angemessen, einen Ort einzurichten, an dem der Vize-Präsident zum ersten Mal über 9/11 unter Eid aussagen würde. Diese Befragung würde kritisch auf die Reaktionen des Vize-Präsidenten auf die entführten Flugzeuge am 11. September schauen und auch eine noch ernsthaftere Frage stellen: Haben Cheneys Aktivitäten mit FEMA im Frühjahr 2001 zum Ausmaß der Anschläge beigetragen? FEMA war eine Behörde, mit der Cheney seit den 1980er Jahren heimlich zu tun hatte. In diesem Jahrzehnt waren Cheney und Rumsfeld, der nicht einmal der Regierung angehörte, mit FEMA an streng geheimen Vorbereitungen für das beschäftigt, was schließlich an 9/11 geschah: die Proklamation der Regeln für COG – Continuity of Government.

Obwohl wir fast nichts über COG seit 2001 wissen, haben Nachrichtenmeldungen in den 1980er Jahren darauf hingewiesen, dass die COG-Planungen, in Verbindung mit Oliver North, damals Pläne für das Inhaftieren ohne richterlichen Beschluss und das Abhören ohne richterlichen Beschluss enthielten – Pläne, die nach 9/11 rasch umgesetzt wurden. Wir müssen uns fragen, ob Cheney sowohl im Mai, als auch am 11. September nicht mehr auf die Umsetzung seiner eigenen früheren COG-Programme konzentriert war, als auf das Aufhalten ankommender Flugzeuge. Wenn ich nach meiner Meinung über das gefragt werde, was an 9/11 passierte, antworte ich üblicherweise, dass ich mir nur einer Sache sicher bin: dass es eine signifikante Vertuschung von wichtigen Fragen gegeben hat. Aber es gibt noch einen anderen Schluss, der aus den verfügbaren Daten gezogen werden kann: Zu einem Zeitpunkt, da die Nation angegriffen wurde, entfernten sich Cheney und Rumsfeld beide gleichzeitig für eine Weile von ihren Mitarbeitern und ihren vorgesehenen Posten, um ein bedeutsames Gespräch zu halten, über das sie (a) seitdem getäuscht haben, (b) der Bericht schweigt oder irreführt, und (c) die Fakten unbekannt sind. Ich finde das alles sehr suggestiv. Wenn Cheney und Rumsfeld Fragen erörterten, die selbst für das Publikum im PEOC zu hören zu sensibel waren, haben beide mit ziemlicher Sicherheit nicht im Alleingang gehandelt. Wahrscheinlicher waren sie die Schlüsselfiguren in einer streng geheimen Operation, die andere miteingeschlossen haben muss.“ [87]

In einem Interview, das ich im Sommer 2014 veröffentlichte, kam ich mit Peter Dale Scott auf Gemeinsamkeiten in den Tiefenereignissen „JFK ‘63“ und „9/11“ zu sprechen – welche an dieser Stelle von Relevanz sind.

LS: Ich würde Sie gerne über bestimmte Kommunikationskanäle befragen, die sowohl in JFK als auch in 9/11 beteiligt waren. Warum ist das vielleicht die wichtigste Ähnlichkeit?

PDS: Nun, ich glaube, dass das nationale Kommunikationsnetzwerk – es hatte verschiedene Namen im Laufe der Jahre, aber es ist das spezielle Netzwerk, das in Verbindung mit der Continuity of Government-Planung aufgebaut wurde, und es geht bis in die 1950er Jahre zurück, und die ganze Zeit über verändern sie den Namen. Dies ist eine Ähnlichkeit, auf die ich später stieß. Seit vielen Jahren war mir bekannt, dass die White House Communications Agency [WHCA] ein Faktor in der Kennedy-Ermordung war, weil in Verbindung mit der Untersuchung von JFK durch die Warren-Kommission veröffentlichten sie die Polizei-Transkripte und bestimmte Secret Service-Nachrichten, aber es war bekannt, dass es zwei Kanäle der Polizei gab, beide veröffentlicht, doch es gab auch noch einen dritten Kanal, der in Daily Plaza verwendet wurde, und der Secret Service nutzte den Kanal der sogenannten White House Communications Agency.

Seit Jahren war mir bewusst, dass wir daran kommen müssten, und wir waren nicht in der Lage, daran zu kommen. 1993, als sie ein [Assassination Records] Review Board einrichteten, ging ich zum Review Board und ich sagte, sie sollten an die Datensätze herankommen; aber sie sind nicht freigegeben. Und doch gibt die White House Communications Agency auf ihrer Website damit an – ich denke, dass es das dort immer noch zu lesen gibt –, dass sie dazu beigetragen haben, das Kennedy-Attentat zu lösen. Und das ist sehr interessant, weil die Aufzeichnungen nie die Warren-Kommission erreichten, die angeblich dazu da war, es zu lösen.

Und dann, als die Aufzeichnungen zu 9/11 herauszukommen begannen – das dauerte ein paar Jahre, wir hatten den 9/11-Bericht der Kommission, und es stellte sich heraus, dass es bestimmte Kommunikationen gab, bestimmte Telefonanrufe, von denen wir wissen, dass sie gemacht wurden, aber es gibt keine Aufzeichnung von ihnen. Und in meinem Buch The Road to 9/11 sagte ich, die Hinweise deuten darauf, dass sie … bereits COG implementiert hatten; und das bedeutet, dass, wenn das der Fall ist, sie das spezielle Kommunikationsnetzwerk des COG implementierten [und verwendeten], das unter Änderung der Namen der Erbe des Notfall-Netzwerks ist, und die White House Communications Agency war und ist Teil des Notfall-Netzwerks.

Ich könnte noch dazu einwerfen, dass ein anderes Tiefenereignis Iran-Contra war, und es stellte sich heraus, dass Oliver North 1985-86 Waffen an den Iran schickte, was illegal war und eine Menge Leute in der Regierung wussten von nichts. Sie wussten nichts, weil Oliver North für das gleiche Notfall-Netzwerk verantwortlich war, und er benutzte dieses Notfall-Netzwerk, um beispielsweise die Kommunikation mit der Botschaft in Portugal zu machen, damit diese Waffen an den Iran gingen. Also das ist für mich ein gemeinsamer Nenner.

Und in Watergate, das ist ein weiteres Tiefenereignis. Wir wissen immer noch nicht, warum es ein Abhörgerät am Telefon im Demokratischen Nationalkomitee gab, aber wir wissen, dass James McCord, der verantwortlich für das Team war, das es installierte, Mitglied des Special Air Force Reserve-Netzwerks war, das mit Continuity of Government zu tun hatte. Und er war mit der gleichen Art von Sache betraut: wer zusammengetrieben werden sollte, die Inhaftierung ohne richterlichen Beschluss; sie hatten so etwas in den Tagen von Watergate.

Also das ist für mich einer der auffälligsten gemeinsamen Nenner, der sich durch diese vier großen Tiefenereignisse zieht – JFK, Watergate, Iran-Contra, und schließlich 9/11, und wenn wir je wieder ein Tiefenereignis dieser Art haben sollten, würde ich jetzt auf der Basis vergangener Darbietungen vorhersagen, dass das Notfall-Netzwerk, jenes, zu dem gewöhnliche Leute in der Regierung keinen Zugang haben, wieder ein Faktor sein wird.

LS: Ist der Secret Service in beiden Ereignissen von besonderem Interesse?

PDS: Sie sind gerade wegen dem, worüber wir gerade gesprochen haben, von Interesse; weil sie die White House Communications Agency für ihre Kommunikation nutzen, und eine Menge … ganze Bücher sind über den Secret Service und das JFK-Attentat geschrieben worden – manche etwas sehr übertrieben und einige Leute bringen sie mit dem Plot in Verbindung. Ich denke, es war eine seltsame schlechte Leistung an diesem Tag; sie haben Dinge nicht getan, die sie hätten tun sollen, sie haben Leute, die sie hätten untersuchen sollen, nicht untersucht – das bedeutet nicht unbedingt, dass sie Täter sind, und so hänge ich diesen Theorien nicht an. Er ist weniger offensichtlich im Fall von 9/11, der Secret Service, aber was interessant ist, sie spielen eine Rolle, weil an einem bestimmten Punkt – es gibt ein spezielles Flugzeug für Continuity of Government, das so genannte E4B, sie nennen es das “Doomsday-Flugzeug”, und sie nennen die COG-Planung das “Doomsday-Programm”, und das Flugzeug flog über dem Weißen Haus.

Kein Flugzeug darf je über dem Weißen Haus fliegen, und doch genau an diesem Tag, als alles schief ging, ist die E4B – es ist eigentlich das Sonderflugzeug für die National Command Authority, die der Präsident und der Verteidigungsminister sind. Aber natürlich war keiner von ihnen in dem Flugzeug: der Präsident war in Florida und der Verteidigungsminister im Pentagon half, seinen eigenen Angaben nach, Leute auf Tragen zu legen, was eine seltsame Sache war, als die Nation angegriffen wurde.

Aber das Flugzeug war da, und der Secret Service reagierte, indem alle aus dem Gebäude gebracht wurden. Es gibt eine sehr lebhafte Beschreibung darüber, wie sie Vizepräsident Cheney fast aus seinem Stuhl heraushoben, um ihn aus dem Gebäude zu bringen, und natürlich sagen sie, dass es logisch gewesen ist, als die Nation angegriffen wurde, ihn so schnell wie möglich zum PEOC, dem Notfall-Bunker unter dem Weißen Haus zu bringen, der für den Fall besteht, dass die Nation angegriffen wird. Aber das Interessante ist, das er nicht direkt zum PEOC ging; es gab viele, viele Minuten, während denen er im Tunnel wartete und ein Telefon benutzte, das es dort gab. Was könnte das möglicherweise für ein Telefon gewesen sein? Ich würde Geld darauf wetten, das war ein Telefon, das dem Notfall-Netzwerk angeschlossen war, und ich glaube, es war an diesem Telefon, dass eine Menge der wichtigsten Entscheidungen getroffen wurden, und zwar nicht einmal in Anwesenheit der Top-Berater, die im PEOC waren.

Der Secret Service ist also in dem Sinne beteiligt, dass es ihre Aufgabe war, ihn hinaus zu bekommen und bei ihm zu bleiben – bei Cheney -, während er in diesem Tunnel vielleicht bis zu 20 Minuten anhielt, um eine Reihe von Telefonaten sowohl mit dem Präsidenten wie auch mit dem Verteidigungsminister zu tätigen.

LS: Bezüglich 9/11 sagen Sie, dass Sie nur eine Sache sicherlich wissen: Es hat eine massive Vertuschung gegeben. Was wurde vertuscht und warum?

PDS: Wir haben immer noch nicht wirklich eine Erklärung, warum die Flugzeuge … sie sollten abgefangen worden sein. Sicherlich zu der Zeit des dritten und des vierten Flugzeugs hätten sie abgefangen werden müssen. Es gibt eine ausführliche Erklärung im 9/11-Kommissionsbericht, aber es gibt viele Dinge, die noch wirklich unerklärlich sind. Das Verhalten des Vizepräsidenten, der eine Schlüsselfigur war. Es wurde ein Telefongespräch geführt, das COG implementierte; das ist das Zentrum dessen, was hier passiert ist. Es gibt keine Spur von diesem Anruf. Nicht, weil keine Spur gemacht wurde, wissen Sie, er tätigte ihn nicht von einer Telefonzelle aus oder so; es geschah sicherlich innerhalb der Kanäle, aber ich bin sicher, dass es auf einer COG-Leitung geschah, und wir müssen hören, was gemacht wurde.

Dies hat übrigens echte rechtliche Konsequenzen, weil eines der Dinge, die erklärt werden müssen, jenes ist, warum der Vizepräsident Entscheidungen traf, die zu machen er rechtlich nicht befugt war. Wir haben eine National Command Authority, die das Militär regiert: das ist der Präsident und der Verteidigungsminister. Soweit wir das beurteilen können – und da fehlen die Aufzeichnungen, so dass ich sagen würde, dass sie vertuscht werden –, wurden die eigentlichen Entscheidungen vom Vizepräsident, der nicht Teil der National Command Authority ist, getroffen.

All dies sollte untersucht werden, da es durchaus möglich ist, dass Verbrechen in Reaktion auf 9/11 begangen wurden. Ich rede jetzt nicht über 9/11 selbst, das ich nicht in meinem Buch diskutiere, da es zu viele andere Bücher gibt, die darüber geschrieben wurden. Aber in der Reaktion auf 9/11 wurden bestimmte Dinge nicht in der Weise getan, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Wie sie getan wurden, ist vertuscht worden, weil wir nicht die Dokumente darüber zur Verfügung stehen haben. [88]

Was das COG-Flugzeug, die E4B, angeht, so machte Peter Dale Scott darauf aufmerksam, dass während des Angriffs auf das Pentagon dieses sogenannte Doomsday-Flugzeug für kurze Zeit über dem verbotenen Luftraum über dem Weißen Haus kreiste. CNN berichtete darüber drei Jahre später, nahm den Bericht aber vollständig vom Sender-Angebot heraus. Dieser mobile Kommandoposten, der ein Produkt der COG-Planung ist, hat seinen Stützpunkt in Offhut, Nebraska, und ist eigentlich für die erwähnte National Command Authority bestimmt. Laut CNN besteht der Zweck der E4B darin, „die Regierung am Laufen zu halten, egal was geschieht, selbst im Falle eines Atomkrieges, was der Grund dafür ist, warum es während des Kalten Kriegs den Kosenamen ‚Doomsday-Flugzeug‘ bekam.” Dieser Vorfall über dem Weißen Haus wurde niemals offiziell erklärt, die 9/11-Kommission erwähnt ihn in ihrem Bericht mit keinem Wort. Die Aktivierung von COG fand um diese Zeit herum statt. Und die Air Force One-Odyssee des US-Präsidenten gen Westen betreffend, die sich gegen dessen erklärten Willen vollzog, indes Richard Cheney in Washington an seine Stelle zu treten schien: an 9/11 landete George W. Bush mit seiner Entourage auf zwei Militärstützpunkten, und einer davon war die E4B-Basis in Offhut, Nebraska. [89]

Desungeachtet sei der Vollständigkeit halber zuletzt bezüglich der Kriegsspiele am Morgen des 11. September 2001 noch dies erwähnt: Ein weiterer Drill, der zwar nicht direkt für den 11. September vorgesehen war, aber schon für den nachfolgenden Tag vorbereitet wurde, und zwar in New York City, war “Tripod II“, eine Kriegsübung „für einen biochemischen Anschlag“[90] die laut Aussage von Rudolph Giuliani, dem damaligen Bürgermeister von New York, „Hunderte von Personen… von der FEMA, der Bundesregierung, vom Staat, vom State Emergency Management Office“ umfasste.  [91] Das eigentliche Kommandozentrum für jede Art von Notfall-Management befand sich im World Trade Center Gebäude 7; gleichwohl konnte nach dessen Evakuierung aufgrund der Vorbereitungen für “Tripod II“ ohne Zeitverluste ein neues Kommandozentrum an der Westseite von Lower Manhattan etabliert werden, das dem im WTC-Gebäude 7 entsprach. [92]

Nach der präsidialen Weisung vom Mai 2001 fiel auch “Tripod II“ von Anfang an in den Verantwortungsbereich Dick Cheneys. All dies ist deshalb wichtig zu berücksichtigen, da nach Auswertung der Frage: „Wer hat was wann wo wie gewusst und gemacht?“, kaum ein anderer – sehr bitterer – Schluss gezogen werden kann, als jener, den Mike Ruppert zieht – namentlich, dass in den WTC-Türmen Hunderte von Menschenleben hätten gerettet werden können – gesetzt, man hätte denn wollen. [93]


Weiterführende Artikel:

Wem gehört und dient die FED?

NSA, PROMIS, PTECH und 9/11


Autor: Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Beitragsbild: 9/11 – www.pixabay.com

Fußnoten:

  1. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon. The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil“, New Society Publishers, 2004, Seite 1.
  2. Vgl. Richard C. Duncan: “The Peak of World Oil Production and the Road to the Olduvai Gorge“ unter: http://www.hubbertpeak.com/Duncan/olduvai2000.html
  3. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 19.
  4. Ebd., Seite 31. Ruppert gibt über die Studie zu bedenken: ”Because it was not an official government document and not widely circulated, it could come closer to telling the truth without risking panic in the financial markets.”
  5. Ebd.
  6. Ebd., Seite 47 – 48. Für eine vertiefende Analyse der Rede siehe u. a. Kjell Aleklett: “Dick Cheney, Peak Oil and the Final Count Down” auf PeakOilNet unter: http://www.peakoilnet.com/Publications/Cheney_PeakOil_FCD.pdf
  7. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 41 – 44, 574.
  8. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 44.
  9. Ebd., Seite 42.
  10. Ebd., Seite 43.
  11. Ebd., Seite 412 – 414.
  12. Ebd., Seite 412.
  13. Vgl. Russ Baker: “Family of Secrets: The Bush Dynasty, the Powerful Forces That Put it In The White House, And What Their Influence Means For America”, Bloomsbury Press, New York, 2009, Seite 484. Joe Allbaugh gründete übrigens späterhin, wie Russ Baker erwähnt, ein Unternehmen – Blackwell Fairbanks – mit einem anderen ehemaligen NEPDG-Mitglied, Andrew Lundquist.
  14. Vgl. ebd.
  15. Vgl. ebd., Seite 481 – 482.
  16. Ebd., Seite 482.
  17. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America“, University of California Press, Berkeley, 2007, Seite 185.
  18. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 13. August 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/08/13/911-wer-auch-immer-dahintersteckt/  (…)
  19. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 427 – 428.
  20. Ebd., Seite 428.
  21. Ebd., Seite 430.
  22. Vgl. ebd., Seite 435 – 436.
  23. Ebd., Seite 436.
  24. Ebd., Seite 427.
  25. Ebd., Seite 397. Vgl. des Weiteren Seite 309.
  26. Ebd., Seite 337.
  27. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 208.
  28. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  29. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies: Inside America’s War on Terrorism“, Simon and Schuster, New York, 2004, Seite 4 – 17. Siehe auch Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219 – 220.
  30. Vgl. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 333 – 356, unter: “Wargames and High Tech“.
  31. Ebd., Seite 345. Für die Definition von “Warrior“ als “Live Fly“-Exercise siehe Seite 368.
  32. Ebd., Seite 338 – 340.
  33. Ebd., Seite 339.
  34. Ebd., Seite 338.
  35. Vgl. ebd., Seite 225 – 237, unter: “Penetration“.
  36. Ebd., Seite 237.
  37. Ebd., Seite 346.
  38. Ebd., Seite 348. Vgl. des Weiteren die Rolle der Joint Chiefs of Staff.
  39. Ebd.
  40. Vgl. “The Vice President Appears on Meet the Press with Tim Russert”, veröffentlicht auf der Website des Weißen Hauses unter: http://www.whitehouse.gov/vicepresident/newsspeeches/speeches/vp20010916.html
  41. Vgl. ebd.
  42. Ebd., Seite 202.
  43. Vgl. ebd.
  44. Ebd., Seite 231 – 33.
  45. Vgl. “Statement of Brian L. Stafford, Director, United States Secret Service, Before the Committee on Appropriations, Subcommittee on Treasury and General Government.” United States Senate, 30. März 2000.
  46. Vgl. National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Tenth Public Hearing. 9/11 Commission, 13. April 2004, abzurufen unter: http://www.9-11commission.gov/archive/hearing10/9-11Commission_Hearing_2004-04-13.htm
  47. Vgl. “Testimony of Paul H. O’Neill, Secretary of the Treasury, Before the Senate Committee on Appropriations.” U.S. Department of the Treasury, 8. Mai 2001, unter: http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/po361.aspx
  48. Vgl. Paul L. Nenninger: “Simulation at the Secret Service: As Real as it Gets”, veröffentlicht in “Learning Rants, Raves, and Reflections: A Collection of Passionate and Professional Perspectives”, 2005 herausgegeben von Elliott Masie, Seiten 175-187, sowie Paul L. Nenninger: “One Secret Service Agent’s Experience.” Southeast Missourian, 29. August 2011, unter: http://www.semissourian.com/story/1757355.html
  49. Vgl. Kevin Ryan: “Secret Service Failures on 9/11: A Call for Transparency”, Washington’s Blog, 25. März 2012 unter: http://www.washingtonsblog.com/2012/03/secret-service-failures-on-911-a-call-for-transparency.html
  50. Vgl. ebd.
  51. Vgl. ebd.
  52. Vgl. ebd.
  53. Vgl. ebd.
  54. Vgl. ebd.
  55. Vgl. Richard Cheney: “The United States Has Never Lost Its Moral Bearings”, veröffentlicht auf Real Clear Politics am 21. Mai 2009 unter: http://www.realclearpolitics.com/articles/2009/05/21/cheney_obama_keeping_america_safe_96615.html
  56. Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 220 ff.
  57. Ebd., Seite 217.
  58. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11. Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“, Kai Homilius Verlag, 2011, Seite 91.
  59. Vgl. 9/11 Commission, Memorandum for the Record, Orientation and tour of the National Military Command Center (NMCC), 21. Juli 2003, abzurufen unter: http://media.nara.gov/9-11/MFR/t-0148-911MFR-00756.pdf
  60. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11. Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“, Kai Homilius Verlag, 2011, Seite 91.
  61. Vgl. 9/11 Commission, Memorandum for the Record, Interview Lynne Osmus, 3.Oktober 2003, abzurufen unter: http://media.nara.gov/9-11/MFR/t-0148-911MFR-00910.pdf[/ref]

    Die Ursache für diese technischen Probleme wurde nie ermittelt, wiewohl die 9/11-Kommssion in ihrem Abschlussbericht selbst schrieb: „An 9/11 hing die Verteidigung des US-Luftraums von einer engen Interaktion zwischen zwei Bundesstellen ab: Der FAA und dem North American Aerospace Defense Command (NORAD).”

    Nicht an dem Platz, wo er eigentlich hingehört hätte, war am 11. September übrigens auch Michael A. Canavan, seines Zeichens der Hijack-Koordinator der FAA. Während der 9/11-Angriffe hielt er sich eigenen Angaben nach in Puerto Rico auf, weitab vom Geschehen. Und seine Stellvertreterin, Lynne Osmus, scheint erst auf ihrem Posten gewesen zu sein, nachdem die Entführungsserie bereits beendet war. [94]Vgl. Kevin Ryan: „Another Nineteen: Investigating Legitimate 9/11 Suspects“, Microbloom, 2013, Seite 113.

  62. Vgl. ebd., Seite 109.
  63. Ebd., Seite 110
  64. Vgl. ebd., Seite 113.
  65. Ebd., Seite 111.
  66. Vgl. ebd., Seite 108
  67. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11“, a.a.O., Seite 89.
  68. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 218.
  69. Ebd.
  70. Ebd.
  71. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  72. Vgl. Paul Schreyer: „Inside 9/11“, a.a.O., Seite 69 – 74.
  73. Vgl. “Pentagon Crash Highlights a Radar Gap”, Washington Post vom 3. November 2001, veröffentlicht unter: http://www.paul-schreyer.de/recherchen_archiv07.html
  74. Vgl. Matthew Everett: “‘Let’s Get Rid of This Goddamn Sim’: How NORAD Radar Screens Displayed False Tracks All Through the 9/11 Attacks”, veröffentlicht unter: http://shoestring911.blogspot.de/2010/08/lets-get-rid-of-this-goddamn-sim-how.html
  75. Vgl. ebd.
  76. Vgl. Dan Eggen: “9/11 Panel Suspected Deception by Pentagon”, veröffentlicht auf Washington Post vom 2. August 2006 unter: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/08/01/AR2006080101300.html
  77. Kevin Ryan: “Another Nineteen”, a.a.O., Seite 126 – 128.
  78. Vgl. Lars Schall: „9/11: Wer auch immer dahintersteckt“, Interview mit Paul Schreyer, a.a.O.
  79. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies“, a.a.O., Seite 2 und 5. Siehe Scott in “The Road to 9/11“, Seite 201 – 207 über Flug 77 im Zusammenhang mit Cheney/Mineta/Clarke.
  80. Vgl. Barton Gellman: “Angler. The Shadowy Precidency of Dick Cheney“, Penguin, London/New York, 2009, Seite 118. Dort schildert Gellman auch Clarkes vergebliche Anrufe über die Standleitung zum PEOC an Cheney.
  81. Vgl. ebd., Seite 129.
  82. Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219 – 235.
  83. Ebd., Seite 219.
  84. Vgl. Richard Clarke: “Against all Enemies“, a.a.O., Seite 8 – 9.
  85. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 219.
  86. Ebd., Seite 232.
  87. Ebd., Seite 234.
  88. Lars Schall: „Reden wir über den amerikanischen Tiefenstaat“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 16. Juli 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/07/16/reden-wir-ueber-den-amerikanischen-tiefenstaat/
  89. Vgl. ebd.
  90. Michael C. Ruppert: ”Crossing the Rubicon“, a.a.O., Seite 433.
  91. Ebd., Seite 405.
  92. Ebd., Seite 406.
  93. Vgl. ebd., Seite 406 – 411.
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