Euro-Symbol von Ottmar Hoerl

Kalte Enteignung

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Ausplünderung durch Wegelagerer und Raubritter

von Peter Weber

Zuerst dachte ich, der Artikel „Sparguthaben auf der Bank werden in Zukunft kostenpflichtig“ in Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN), daß Zinsen auf Sparguthaben erhoben werden sollen, sei eine Glosse. Aber es ist anscheinend bitterer Ernst. Der IWF und die EZB denken bereits laut über diese Möglichkeit nach. Damit soll auf Kosten der Sparer und zum Vorteil der Banken EU-Rettungspolitik betrieben werden. Seit Jahren wird das Zinsniveau immer weiter in nie vorgekommene Tiefen abgesenkt – trotzdem konnte die Krise nicht entscheidend gebremst werden. Mit diesem Vorhaben würde die EZB einen Offenbarungseid leisten und die gescheiterte Zinspolitik der Zentralbanken eingestehen.

In dieser Angelegenheit muß man noch einen Schritt weiter denken. Negativzinsen können ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn das Bargeld abgeschafft ist und den Bürgern die Ausweichmöglichkeit genommen wird, ihr Geld unters Kopfkissen zu legen oder es im Sparstrumpf zu verstecken. Deshalb ist das auch der nächste geplante Schritt der bürokratischen Räuber. Denn der IWF hat dieses Vorhaben in der Schublade – und auch in den USA steht das Projekt ganz oben auf der Wunschliste, wie es der Berater von Obama, Larry Summers, durchblicken ließ. Das Ziel ist eindeutig: die Bürger sollen zum Konsum gezwungen werden und aus Angst vor Geldentwertung ihr Erspartes auf den Kopf hauen. Wenn die Abhängigkeit vom bargeldlosen Zahlungsverkehr und Kreditkarten absolut geworden ist, gibt es kein Versteck mehr vor Betrug und es ist Tür und Tor für Manipulatoren geöffnet.

Wichtige Leitzinsen (Stand: 7. November 2013)
Zinssatz Höhe
Europäische Zentralbank (gültig ab: 13. November 2013)
Einlagesatz (deposit facility) 0,00 %
Hauptrefinanzierungssatz (main refinancing operations) 0,25 %
Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility) 0,75 %
Schweizerische Nationalbank (gültig ab: 3. August 2011)
3-Monats-Libor-Zielband 0,00–0,25 %
Federal Reserve System (gültig ab: 19. Februar 2010)
Federal-Funds-Rate-Zielband 0,00–0,25 %
Primary Credit Rate 0,75 %
Bank of Japan (gültig ab: 19. Dezember 2011)
Diskontsatz (basic discount/loan rate) 0,30 %
Bank of England (gültig ab: 5. März 2009)
Repo Rate 0,50 %
Chinesische Volksbank (gültig ab: 6. Juli 2012)
Diskontsatz (one-year lending rate) 6,00 %

Nochmals zurück zu den Niedrigst- bzw. Negativzinsen. Banken verleihen nach wie vor Kredite zu unverschämt hohen Zinsen und verlangen für die Überziehung der Girokonten Wucherzinsen. Dabei können sie durch die Zinssenkungen der EZB ihre Gewinne noch weiter steigern: sie verdienen sich eine goldene Nase. Niedrige Zinsen blähen das Geldvolumen auf und motivieren zu einer neuen Spekulationsrunde durch die Banken. Da die von der EU und den nationalen Regierungen immer wieder versprochenen Regulationen von Banken und Einführung von z. B. einer Finanztransaktionssteuer nur Sprechblasen waren, gehen wir wohl einem neuerlichen Finanzcrash entgegen. Das ist nur eine Frage der Zeit, da die Krisenlage – auch des Euro – nicht die Spur beseitigt wurde. Bisher wurden fast ausschließlich Maßnahmen zur Insolvenzverschleppung betrieben.

Zudem handelt es sich bei dieser Zinsstrategie um nichts anderes als um eine kalte Enteignung der Sparer und Lebensversicherungsinhaber – oder anders ausgedrückt um eine Ausplünderung durch Wegelagerer und Raubritter. All die Menschen, die sich Mittel angespart haben und sie in irgendeiner verzinslichen Anlage deponiert haben, sind die Betrogenen. Dies betrifft vor allem diejenigen, die z. B. durch Lebensversicherungen fürs Alter vorgesorgt haben – aufgrund der warmen staatlichen Empfehlungen und aus berechtigter Furcht vor einer Armutsrente. Sie stehen bereits jetzt aufgrund der seit Jahren andauernden Niedrigzinses vor erheblichen Einbußen, die sich noch wesentlich verschlimmern könnten.

Entwicklung der Zinssätze: Die folgende Tabelle zeigt die Zinssätze, die die EZB seit 1999 festgesetzt hat. Die Änderungen sind in Prozent pro Jahr angegeben. Vor Juni 2000 wurden die Hauptfinanzierungsgeschäfte per Zinstender festgelegt. Diese wurde durch Zinstendern, den Zahlen in der Tabelle nach, die sich nach den Mindestzinssatz, der Möglichkeit der Geschäftspartner und der Menge Angebote richtet.

 

Datum Einlage-
fazilität
Haupt-
refinanzierungs-
geschäfte
Spitzen-
refinanzierungs-
fazilität
1. Januar 1999 2,00 3,00 4,50
4. Januar 1999[39] 2,75 3,00 3,25
22. Januar 1999 2,00 3,00 4,50
9. April 1999 1,50 2,50 3,50
5. November 1999 2,00 3,00 4,00
4. Februar 2000 2,25 3,25 4,25
17. März 2000 2,50 3,50 4,50
28. April 2000 2,75 3,75 4,75
9. Juni 2000 3,25 4,25 5,25
28. Juni 2000 3,25 4,25 5,25
9. Januar 2000 3,50 4,50 5,50
6. Oktober 2000 3,75 4,75 5,75
11. Mai 2001 3,50 4,50 5,50
31. August 2001 3,25 4,25 5,25
18. September 2001 2,75 3,75 4,75
9. November 2001 2,25 3,25 4,25
6. Dezember 2002 1,75 2,75 3,75
7. März 2003 1,50 2,50 3,50
6. Juni 2003 1,00 2,00 3,00
6. Dezember 2005 1,25 2,25 3,25
8. März 2006 1,50 2,50 3,50
15. Juni 2006 1,75 2,75 3,75
9. August 2006 2,00 3,00 4,00
11. Oktober 2006 2,25 3,25 4,25
13. Dezember 2006 2,50 3,50 4,50
14. März 2007 2,75 3,75 4,75
13. Juni 2007 3,00 4,00 5,00
9. Juli 2008 3,25 4,25 5,25
8. Oktober 2008 2,75 4,75
9. Oktober 2008 3,25 4,25
15. Oktober 2008 3,25 3,75 4,25
12. November 2008 2,75 3,25 3,75
10. Dezember 2008 2,00 2,50 3,00
21. Januar 2009 1,00 2,00 3,00
11. März 2009 0,5 1,50 2,5
8. April 2009 0,25 1,25 2,25
13. Mai 2009 0,25 1,00 1,75
13. April 2011 0,5 1,25 2,00
13. Juli 2011 0,75 1,5 2,25
3. November 2011 0,5 1,25 2,00
8. Dezember 2011 0,25 1,00 1,75
11. Juli 2012 0,00 0,75 1,50
2. Mai 2013 0,00 0,50 1,00
13. November 2013 0,00 0,25 0,75

Gerade die Vertreter des angeblich freien Marktes, des Freihandels und eines liberalisierten Finanzmarktes haben feindselig und arrogant gegen Kommunismus und Sozialismus gewettert, die nichts als Gleichmacherei und Enteignung im Sinne hätten. Nun sind sie es selbst, die sich als Diebe von Volkseigentum entlarven. Sollte diese Regelung, die einer Strafsteuer gleichkommt, realisiert werden, kriminalisieren sich die Verantwortlichen an den Bürgern in einer Weise, wie es kein normaler Bankräuber jemals tun könnte.

Quellen:

  • Tabelle 1 und 2  „Wichtige Leitzinsen“ und „Entwicklung der Zinssätze“ bei Wikipedia – weiter,
  • Euro-Symbol von Ottmar Hörl, vor dem Gebäude der EZB in Frankfurt am Main, Foto: Christoph F. Siekermann, Wikipedia, Verbreitung mit CC-Lizenz

Beitrag von: Kritisches Netzwerk

 

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