Menschheit mit 111 Billionen Euro verschuldet

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von Wilfried Kahrs / QPress

Geldberg-Guthabenkrise-SchuldenkriseSchöne neue Welt: Alarm! Nein, davon sind wir doch weit entfernt. Wir haben richtig Grund zum Feiern. Wieso das? Nun, was die Schulden der ganzen Welt sind, dass sind die Guthaben einiger weniger Menschen. Und die haben allen Grund, die Korken knallen zu lassen, denn nie waren sie reicher als heute. Banal gesagt: „Was des einen Freud, ist des anderen Leid“. So einfach ist die Rechnung und damit nur eine Frage des Blickwinkels und nicht der Tatsache selbst. Und genau die Verteilung ist das Problem. Mit dieser „Feierstunde“ türmt sich übrigens parallel der Berg sozialen Sprengstoffes, in der für ein Systemende typischen Weise. Bald knallen also nicht mehr nur die Korken, nein, dann wohl auch die Gewehre derer es bedarf, die Weiterung der Kluft zwischen arm und reich aufrecht zu erhalten.

Bleiben wir zunächst bei der Jubelstunde und den sektlaunigen Knallereien. Die Allianz feiert das ganze als „Global Wealth Report“, frei übersetzt, „Globaler Wohlstandsbericht“. Natürlich ist diese Sicht der Dinge erlaubt, schließlich sieht sich auch die Allianz auf der Gewinnerseite und kann sich somit zurecht und billigerweise an der zunehmenden Armut in der Welt erfreuen. Wer das ganze Drama, oder auch den Elendsbericht im beschönigten Stil auf 120 Seiten lesen möchte, der kann ihn hier bei der Allianz als PDF einsehen oder auch frei herunterladen. Es lohnt sich durchaus die Zahlen näher zu betrachten. Der Bericht offeriert weitere tiefe Einblicke, die man unbedingt auch von der Kehrseite her beleuchten muss. Hier einige gedankliche Ansätze dazu.

Kleine Rechenaufgaben zum Warmwerden

Zunächst einmal schreiben wir die besagte Zahl komplett aus, was dann so ausschaut = 111.200.000.000.000 Euro! Ist schon beeindruckend und jeder Kontoauszugsdrucker wird dabei seinen Dienst versagen. Wenn wir uns nur diesen unendlichen Schuldenberg (oder auch Guthabenberg) vergegenwärtigen und einbilden, er wäre auf alle Erdenbewohner gleichmäßig verteilt. Wie viel Schulden hätte dann jeder der 7.000.000.000 Menschen? … 0,00 Euro! Ist jetzt jemand entsetzt oder zweifelt an den Rechenkünsten des Autors?

Ok dann lösen wer den ersten Jux auf. Da es sich um ein Schuldgeldsystem handelt, stehen dem ja im selben Umfang entsprechende Guthaben gegenüber, jene die die Allianz in ihrem Bericht feiert. Ergo würde sich der Spaß aufheben und 0,00 dabei herauskommen. Wäre es doch nur so einfach. Aber bleiben wir bei der Rechnung, dann wären es eben 15,886 Euro Schulden pro Kopf. Das übrigens vom Urwaldindianer bis zum amerikanischen Großstadtbewohner und vom Neugeborenen bis zum gerade noch lebenden Greis. Man mag sich gar nicht ausmalen, dass Menschen in Afrika oder sonst wo im Urwald derart viel Schulden anhäufen konnten, nicht wahr! Deren Kreditwürdigkeit reicht ja oftmals nicht für 10 Euro.

Jetzt wissen wir aber aus zuverlässigen Quellen, dass die Verteilung im Leben etwas anders funktioniert und die genannte Zahl blanke Theorie ist. Übrigens eine Theorie, die man uns gerne vorhält, wenn alle Naselang unser wachsender Wohlstand hier in Deutschland vorgerechnet wird. Es ging uns allen nie besser, so der einhellige Tenor der großen Postillen, was im Mittel auch nicht zu bestreiten ist, sondern nur im Detail.

Dumm nur, dass die Zahl der Bedürftigen ebenso rasant steigt wie das ewig postulierte Durchschnittsguthaben der Menschen in Deutschland. Ergo: wir müssen der Sache wohl vertieft nachgehen. Um jetzt keine Verwirrung aufkommen zu lassen, noch einmal deutlich: Alle Guthaben setzen eine gleiche Größenordnung an Schulden voraus und umgekehrt. Wie in einer Bilanz üblich, gleichen sich beide Seiten (Aktiva und Passiva) stets aus.

Wer hierzu noch das Thema Guthabenkrise studieren möchte, der folge einfach dem Link auf dem Wort. Denn wenn wer von Schuldenkrise redet, dann muss es dieselbe Krise auch auf der anderen Seite geben. Und tatsächlich, so ist es auch. Nur über die Guthabenkrise redet man nicht so gerne. Das ist den Betroffenen offensichtlich peinlich, könnte man sie doch womöglich als Verursacher der Schuldenkrise ausmachen und ihnen irgendwann nachstellen. Deshalb befasst sich der erwähnte Bericht der Allianz auch vornehmlich mehr mit der Sonnenseite dieser Angelegenheit als mit der Schatten-/Schuldenseite.

Relation zum Welt-Sozialprodukt

Nun, ob Guthaben oder Schulden, wie verhält sich dieser Geldberg jetzt zum Welt-Sozialprodukt? Derzeit beträgt es rund 55 Billionen Euro (72 Billionen Dollar bei einer Umrechnung 1,30 USD pro Euro). Damit wird es schon auf dem ersten Blick ziemlich klar.

Die Welt hat derzeit soviel Guthaben / Schulden, wie sie in 2 Jahren erwirtschaften kann. Damit kommt an dieser Stelle schon ein anderes Bild zustande, als jenes, welches man uns mit Blick auf unsere Staatsverschuldung vermittelt, die derzeit so um die 80 Prozent in Deutschland betragen soll. Wir enden bei unserer Betrachtung bei gut 200 Prozent, bezogen auf die komplette Weltgemeinschaft. Korrekterweise muss man natürlich sagen, dass hierin, neben der Staatsverschuldung, auch die Privatschulden enthalten sein müssen.

Wachstumsrate

Jetzt feiert die Allianz einen weiteren großen Erfolg, den der Zuwachsrate an Guthaben … wir beklagen den Zuwachs an Schulden, was ja am Ende wieder ein und dasselbe ist. Lag der jährliche Zuwachs zu Beginn des letzten Jahrzehnts bei rund 4 Prozent pro Jahr, freuen sich die Geldbergbesitzer in 2012 über eine Zunahme von gut 8 Prozent pro Jahr. Das belegt, dass die Geldberge erheblich härter und angestrengter schufteten als die faule Menschheit, denn dort gibt es nirgends derart massive Lohnzuwächse. Im Gegenteil, Null und Minus sind da keine Seltenheit. Böse gefragt: Kann es da Zusammenhänge geben? Ja, denn es ist wieder eine Frage der Verteilung, wer den größeren Brocken aus dem Sozialprodukt bekommt. Offenbar haben die schwitzenden Geldberge derzeit in diesem Rennen deutlich die Nase vorn – natürlich auch eine Sache der Priorität. Demnach sind die Geldberge wichtiger als die Menschen, sonst würde man wohl auf eine bessere Versorgung derselben achten.

Demzufolge muss auch auf der Kehrseite, also bei den Schulden, die Entwicklung parallel verlaufen. Und siehe da, es geht auch dort schneller mit der Verschuldung. Kann ja auch gar nicht anderes sein. Marx pflegte noch einen anderen schönen Begriff dafür: „Verelendung”! Wie recht er hatte: Wir dürfen diese „olle Kamelle“ jetzt einmal live bis zum Zusammenbruch miterleben, und danach nochmal den Wiederaufbau dieses Systems. Insoweit ist die angegebene Wachstumsrate ein sehr guter Indikator für die beschleunigte Umverteilung von unten nach oben. Dies sollte in mehrfacher Hinsicht zu denken geben!

Um es jetzt noch deutlicher zu formulieren: Bei den aufgezeigten Verhältnissen bedeutet dies, dass fast 9 Billionen Euro im Jahre 2012 aus den 55 Billionen Euro aus der Weltarbeitsleistung nur in Richtung des großen Geldberges abgewandert sind, für die enorme Arbeitsleistung des Kapitals. Also gut 16% reine Geldmehrung wurde der überwiegenden Menschheit im Jahre 2012 entzogen. Trend weiter steigend, mit der Kluft zwischen Geldmenge und geringer wachsender Weltwirtschaftsleistung. Alarm! Fehlanzeige … Feierstunde!

Vermögensverteilung

650px-Global_Distribution_of_Wealth_v3_de.svg_Jetzt kommen wir zum weniger jubelträchtigen Aspekt der Feierstunde, denn da lauert der Aha-Effekt. Zu vertiefen auf auf der Wikipediaseite > Vermögensverteilung, dem auch die rechts gezeigte Grafik entnommen ist. Da kommen wir sehr schnell zu der Einsicht, dass sich das von der Allianz bejubelte „Vermögen“ zu rund 80 Prozent in der Hand von nur rund 0,1 Prozent der Weltbevölkerung konzentriert (dass sind gerade mal 8 Millionen Menschen). Bei den Schulden, also der Kehrseite der Medaille, müssen demzufolge die 99,9 Prozent der Menschheit deutlich die Nase vorn haben, wegen des gerechten Ausgleichs versteht sich. Und genau diese Entwicklung setzt sich gerade rasant fort. Hier liegt dann auch der Schlüssel zum Elend. Als kleine Randnotiz sei darauf verwiesen, dass das reichste Land der Erde, die USA, rund 1/6 ihrer Bevölkerung nur noch mit Lebensmittelgutscheinen am Leben halten können (was für ein Luxus), weil die sich sonst nichts mehr zu essen leisten könnten. Dann würden sie im reichsten Land der Welt schlicht verhungern, wie an manchen anderen Stellen der Erde auch, wo es eben nichts zu Essen gibt.

Schlussfolgerung

Das die beschriebenen Verhältnisse ziemlich ungesund sind, kann bestimmt schon jeder leicht erahnen. Der Aspekt des sich beschleunigenden Vermögenszuwachses verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Gerade bei diesen immensen Summen muss das Geld irgendwoher kommen. Machen wir einfach mal den banalen Rückschluss und werfen Begriffe wie Staatsverschuldung und Finanzkrise mit in den Ring, um die Verhältnisse so einfach wie möglich zu gestalten. Der Geldberg wächst natürlich nur durch Verzinsung. Das „hart arbeitende Geld” beansprucht für seine Tätigkeit eine Vergütung die in Prozent beschrieben wird. Die Gegenwerte müssen die Menschen mit ihren Händen erarbeiten, sonst wäre ja das Geld wertlos und seiner „Beraubungsfunktion“ beraubt. Nun tun sich die Menschen schwer so rasant mehr zu arbeiten, wie es die Geldberge – sprich deren Wachstum – es gebieten. Bemerkt schon jemand das Problem?

Richtig, jetzt kommt unsere Bundesmutti auf den Plan und sagt, wir müssen weniger Essen und härter arbeiten für weniger Lohn, damit die Geldberge nicht verrecken. Und weil sich die Menschen vor lauter schlechter Bonität schon kein Geld mehr leisten (leihen) können, muss jetzt die Gemeinschaft (der Staat) einspringen, um die Geldberge zu retten. Das große Sterben des Geldes gilt es zu verhindern! Damit es nicht jedem so offensichtlich auffällt, nennen wir es natürlich “Banken- und Staatsrettung”. Aber die Knete geht immer nur in eine Richtung, nämlich zur Mehrung der Geldberge und gleichzeitig zur Erhöhung der Schuldenlast, bei der nicht ganz so gerechten Aufteilung und wie bereits aufgezeigt. Und je weniger die Leute verdienen, desto mehr muss der Staat sie bezuschussen und sich übrigens das Geld dafür leihen. Wo? Bei den Banken – jenen also, die es zu retten gilt. Denn auch dafür muss sich jetzt der Staat, sprich die Gemeinschaft, weiter verschulden. Es gibt dabei allerdings nur einen Sieger. Ganz schön dreist – nicht wahr?

Immerhin gilt es heute als große soziale Herausforderung, dass die Besitzer der ganz großen Geldberge, sprich die 0,1 Prozent der Menschheit, keinen Schaden leiden. Das muss den 99,9 Prozent schon einiges wert sein. Mutti jedenfalls kämpft unbeirrt für diese Minderheit und Deutschland hat sie wohl gerade für dieses soziale Engagement wiedergewählt, möchte man vermuten. Bedauerlich an der Geschichte ist eben nur, dass die Politik und auch die Presse diese Sachverhalte verzerrt darstellen (der Allianz Bericht ist da auch nur Schönrederei”) und es den Menschen nicht richtig erklären. Ist das Vorsatz oder Dummheit? Das kann man nur dann verstehen, wenn man weiß, dass auch die Presse vorzugsweise in der Hand der Groß-Geldbesitzer ist und schön deren Klageliedchen zu singen haben. Sonst bekommen die Lohnzeilenschreiber (Redakteure) dort auch kein Brot mehr. Wer die Zusammenhänge etwas genauer verstehen möchte, der lese dazu einen Aufsatz über die sogenannte „Vierte Gewalt”, die der „Fünften Gewalt”, dem Geld hörig ist.

Damit bleiben die Aussichten für den größten Teil der Menschheit ziemlich trübe, weil das jetzt bestehende Welt-Geldsystem oder auchSchuldgeldsystem ihnen möglicherweise noch das Leben kosten kann. Das stört aber die wenigen Geldbergbesitzer wenig, immerhin spenden sie ja ab und an mal etwas für mildtätige Zwecke.  Das muss reichen. Dennoch darf man eine Prognose wagen. Der Zusammenbruch des Geldsystems steht mehr oder minder kurz bevor, weil einfach die kollektive Arbeitsleistung aller Menschen nicht mehr ausreicht, dass exponentielle Wachstum der Geldberge mit Sachwerten zu unterlegen. Das heißt, dass Geld wird dann weniger wert. Und schon geht der richtige Krach los, wenn der Verdienst nicht mehr reicht, um die Familie zu ernähren, weil alles viel zu teuer ist und die Löhne eben nicht entsprechend steigen.

Wir können diesen Trend sogar schon in Deutschland beobachten. Wenn Facharbeiter in Vollzeitarbeit noch Hartz-IV zur Aufstockungbeantragen müssen, um die Familie durchzubringen – keine Seltenheit! Hat irgendjemand im letzten Wahlk[r]ampf etwas von den Politikern über das weltweit kaputte Geldsystem gehört ? Nein? Dann sollte sich jeder Wähler wenigstens im Nachgang mal überlegen, wen die Politiker da wohl eigentlich vertreten. Diejenigen, die sie wählten (was man die Masse nennt), wird da sicherlich nicht oder wenigstens nicht korrekt vertreten. Wollen wir noch einmal in der Lobby nachsehen, wer da so auf unsere Volksver(†)räter einredet und ihnen das „System“ schmackhaft macht? Die Beschlüsse der Volksvertreter sind allemal Beleg für derartige Einflussnahme, weil sie einfach gegen jeden gesunden Menschenverstand verstoßen und nur eine bestimmte Richtung haben, wenngleich viel Sozialgeschwafel drangehängt wird.

Wie dem auch sei:  die kommenden 4 Jahre werden sehr spannend. Wir werden auch weiterhin vermehrte Anstrengungen erleben, wonach man bemüht sein wird,  Kriege vom Zaune zu brechen, Kontrolle und Überwachung weiter zu etablieren, weil nämlich dieses 0,1 Prozent fürchterlichMuffensausen hat, dass man ihnen ans Leder und an den Geldbeutel gehen könnte. Und Kriege braucht man auch für die Geschichtsbücher, damit die Gründe für den eigentlichen Systemzusammenbruch ein wenig in den Hintergrund geraten und man nach der Währungsreform das Spiel von neuem, nach diesem Strickmuster, beginnen kann. Ansonsten könnte man doch in einer Welt mit einer gut funktionierenden Verteilung locker auf solche Ereignisse verzichten – oder? Natürlich sollte niemandem die Feierlaune zu den 111 Billionen versaut werden, aber diese Erläuterungen mussten einfach mal raus. Auch auf die Gefahr hin, es zu simpel dargestellt zu haben. Nur leider ist die Sache tatsächlich so banal. Sie wird nur nie so kommuniziert, sondern aus guten Gründen mächtig verkompliziert und verschleiert.

Quelle: dieser Beitrag erschien erstmals auf meinem Blog  qpress.de > Artikel

Bildnachweis: 

Foto 1: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto 2: Wilfried Kahrs – Qpress
Foto 3: Wilfried Kahrs – Qpress

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