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Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

In seinem Buch-Auszug erklärt Lars Schall eine besondere Theorie zu 9/11, derzufolge das Verbrechen durchgeführt wurde, um die Hintergründe eines Leveraged buyout Russlands in den 1990er Jahren zu kaschieren. In den Mittelpunkt stellt Schall ferner eine wichtige Aussage der Autorin Anne Williamson vor dem US-Repräsentantenhaus vom September 1999.

Von Lars Schall

Zusätzlich zu diesem Ausschnitt aus dem Buch “Tiefenpolitik, Methodischer Wahnsinn und 9/11: Eine Spurensuche zu Terror, Geld, Öl und Drogen“ (Arbeitstitel) empfiehlt es sich, weitere ergänzende Ausschnitte zu lesen: “GROUND ZERO REVISITED: DAS VIERMALIGE “VERSAGEN“ DER US-LUFTABWEHR AN 9/11″ – aufzufinden hier, und “NSA, PROMIS, Ptech und 9/11“ – aufzufinden hier. Das erste Kapitel des Buches, “Wem gehört und dient die Fed?”, finden Sie hier.

In die besagte Kategorie von Leuten, die aus 9/11 Nutzen zogen, gehört der Waffenhersteller Raytheon, dessen Aktienkurs unmittelbar von den 9/11-Angriffen profitierte. Der Handel der Aktienanteile von Raytheon, dem Produzenten von Tomahawk- und Patriot-Raketen (und Mutterkonzern von E-Systems, zu deren Stammkunden u.a. die NSA und CIA zählen), erlebte eine abrupte sechsfache Zunahme von Call-Optionskäufen am Tag direkt vor dem 11. September. [1]Bei Call-Optionen liegt die Erwartung vor, dass eine Aktie im Preis steigen wird. In der ersten Woche nach 9/11, als die New Yorker Börse wieder öffnete, legte der Wert der Raytheon-Aktie tatsächlich immens zu. Das Bild beim Betrachten des Kursverlaufs ist eine sehr schwache Performance vor den Anschlägen – und daraufhin, nach Wiederaufnahme des Handels, ein „Gap“ (bei mächtigem Volumen) nach oben. Anders ausgedruckt: von knapp unter $25 am 10. September, dem Tiefststand der Periode zwischen dem 20. August bis 28. September 2001, auf $31,50 am 17. September und bis zu $34,80 am 27. September.

Der Bond-Markt, 9/11 und die Plünderung Russlands

Weitere Gewinner durch 9/11 waren Käufer von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese Papiere wurden in ungewöhnlich großem Umfang kurz vor den Angriffen gehandelt. Jedenfalls berichtete das „Wall Street Journal” Anfang Oktober 2001, dass der Secret Service (der dem US-Finanzministerium zugehört) eine Ermittlung zu verdächtig hohen Volumen von US-Staatsanleihekäufen vor den Anschlägen aufgenommen habe. Eine einzige Transaktion bezüglich der fünfjährigen US-Schatzanweisungen habe allein schon den Wert von $5 Millionen beinhaltet. Ferner stieg der Wert dieser Papiere in den Tagen nach 9/11. Dazu hieß es seitens des „Wall Street Journal”:

„Fünfjährige Schatzanweisungen gehören zu den besten Investitionen im Fall einer weltweiten Krise, insbesondere bei einer solchen, die die USA trifft. Die Papiere sind geschätzt aufgrund ihrer Sicherheit und weil sie von der US-Regierung gedeckt werden, und für gewöhnlich ziehen ihre Preise an, wenn Anleger aus riskanteren Investitionen, wie beispielsweise Aktien, flüchten.“ [2]

Zu dieser Erscheinung muss hinzuaddiert werden, dass die US-Regierung über solche Staatsanleihen, die als eine Grundlage der Geldschöpfung dienen, einen Krieg wie den alsbald erklärten „Krieg gegen den Terror“ finanziert, der unter anderem mit Tomahawks der Firma Raytheon geführt wird – und hier gilt abermals ein geschwinder Blick auf dieses Cui-Bono-Verhältnis zu werfen:

„Die US-Notenbank erschafft Geld, um den Krieg zu finanzieren, und verleiht es an die amerikanische Regierung. Die amerikanische Regierung wiederum muss auf das Geld, das sie sich von der Zentralbank ausgeliehen hat, um den Krieg zu finanzieren, Zinsen zahlen. Je größer die Aufwendungen für den Krieg sind, desto größer fallen die Gewinne für die Banker aus.“ [3]

Eine vielschichtige Mengenlage, will man meinen.

Das meiste Geld, das es in gewisser Weise an 9/11 zu machen gab, lag ohnehin auf dem Markt für Staatsanleihen; der Handel in den USA lief in den Minuten, da die WTC-Türme attackiert wurden (im Gegensatz zur New Yorker Börse, die an 9/11 nicht öffnete). Bis zum Zeitpunkt der Angriffe waren bereits Wertpapiere im Wert von 600 Milliarden US-Dollar gehandelt worden. Als in den letzten Handelsminuten die Kurse hin und hergingen, wurde der Handel ausgesetzt. Nachdem der Handel Tage später wieder einsetzte, stiegen die Kurse um 5 Prozent. Wer immer in den letzten Minuten des Handels an 9/11 auf diesen Kursschwung setzte, wird eigentlich große Kasse gemacht haben.

Eigentlich. Denn die Dinge werden nun kompliziert. Eine Theorie, die 2008 von einem Autor namens E.P. Heidner unter dem Titel “Collateral Demage“ ausgebreitet wurde, besagt, dass die 9/11-Anschläge insonderheit fabriziert worden seien, um einen Akt von Finanzkriminalität zu vertuschen, der im Zusammenhang mit Staatsanleihen gestanden habe. Demnach seien die 9/11-Angriffe inszeniert worden, auf dass sämtliche Aufzeichnungen einer verdeckten wirtschaftlichen Übernahme bzw. eines Leveraged buyout der Sowjetunion zerstört und / oder diskret abgewickelt werden würden; eine Operation, die angeblich von George H.W. Bush veranlasst worden sei, um Russland als Rivalen ein für alle Mal auszuschalten, und zwar unter Verwendung einer schwarzen Kasse namens “Black Eagle Fund”. Der “Black Eagle Fund“ wiederum soll aus dem beschlagnahmten Gold bestehen, das Japan vor und während des Zweiten Weltkriegs in Asien geplündert und später auf den Philippinen versteckt gehabt hatte („Yamashitas Gold“). Diese liquiden Mittel, so Heidner, wurden von den USA als geheimes System für verdeckte Finanzierungen verwendet, in Verbindung mit geheimen Anleihen. Offiziell bestünde das Gold überhaupt nicht. [4]

Die Wirtschaftsübernahme der UdSSR (Codename: „Operation Hammer“) habe am 11. September 1991 begonnen, und die dazugehörigen Anleihen seien am 11./12. September 2001 zahlungsfällig gewesen. Eine ordnungsgemäße Abwicklung, die unter anderem über Cantor Fitzgerald und Eurobrokers gelaufen wäre, galt es unter allen Umständen zu verhindern – so jedenfalls die Theorie von E.P. Heidner.  [5] In seinem Scenario ist 9/11 weniger ein Akt zur Verbreitung von Terror, sondern zuvorderst ein Finanzverbrechen. Jenseits des Schreckens und der tiefenpsychologischen Indienstnahme des Geschehens an 9/11, sollte es einen weit darüberhinausgehenden Zweck erfüllen.

Die Anleihen seien nicht in den offenen Markt gelangt, sondern verdeckt zur Refinanzierung von privaten und öffentlichen Schulden Russlands eingesetzt worden. Weiters sollen sie benutzt worden sein, um sich in lukrative Schlüsselunternehmen einzukaufen. Nach dem Kollaps der Sowjetunion und dem Untergang von Mikhail Gorbatschow sprudelte das Geld unter anderem zur Familie von Boris Jelzin und zu Mikhail Chodorkowskis Bank Menatep, die eng mit der Valmet Group in Genf zusammenarbeitete. Die Valmet Group gehörte zur Riggs Bank, die zum CIA-Kosmos zählte und der Bush-Familie nahestand (beispielsweise über Jonathan Bush, ein Onkel des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bruder des früheren US-Präsidenten George H. W. Bush). Valmet war später an der Privatisierung von Yukos und Sibneft prominent beteiligt.

Heidner verweist darauf, dass Cantor Fitzgerald (CF) sowohl 1997 wie auch ein Jahr vor 9/11 Teilnehmer und Gastgeber von Economic Wargames / Wirtschaftskriegsspielen gewesen war, die von US-Geheimdiensten und dem Council on Foreign Relations initiiert worden seien. Die Handelsaktivitäten, die bei diesen Kriegsspielen analysiert wurden, betrafen die Märkte für Staatsanleihen, Öl und Gold. [6]

Die Transfers im Handel von Staatsanleihen liefen nach Angaben von Dino Kos, zum Zeitpunkt von 9/11 Vorstandsmitglied der New Yorker Federal Reserve Bank, via JP Morgan Chase und der Bank of New York (BONY) über Fedwire, dem Knotenpunkt für die Banken, der zur Abwicklung ihrer Staatsanleihegeschäfte benutzt wird. Betreiber von Fedwire ist die NY Fed. Am 11. September, so Kos, kappten die Leitungen der Banken zu Fedwire. [7]

Ein umfangreiches Textdokument namens „September 11 Commission Report Revised“ bringt hingegen vor, dass bis auf die Telekommunikationsmöglichkeiten bei BONY alle relevanten Systeme zur Abwicklung von Anleihegeschäften intakt blieben – nicht nur Fedwire, sondern auch Cantor Fitzgeralds eSpeed-System, das CF mit der Deutschen Bank verband (und gewiss interessant ist für das, was immer Convar herausfand). Jamie B. Stewart, der damalige Vizepräsident der New York Fed, wird dahingehend zitiert, dass die Fedwire-Operationen über eine Backup-Einrichtung außerhalb Manhattans liefen und deswegen nicht kappten.  [8] Reibungslos funktionierte auch die Transaktionsfähigkeit über CHIPS (das Clearing House Interbank Payments System); gleiches galt für das Bankensystem insgesamt. [9]

Cantor Fitzgerald wiederum bewegte rund 50 Prozent aller Staatsanleihen der USA. Nicht Computerdaten seien durch die 9/11-Angriffe zerstört worden, denn die gingen nicht einmal im Fall von CF verloren – da es ein funktionierendes Backup gab [10]; sehr wohl aber seien alte Zertifikate von Staatsanleihen vernichtet worden, die CF offensichtlich – wie auch Garbon Inter-Capital und Eurobrokers – in Tresoren im WTC aufbewahrte.  [11] Hierzu hätten Staatsanleihen aus dem Jahre 1991 mit einer 10-jährigen Laufzeit und einem Wert von bis zu 240 Milliarden US-Dollar gehört, die von dubiosen Gold-Wertpapieren und Schweizer Goldbarren gedeckt gewesen seien – sogenannte „Durham / Brady Bonds“.

Wie bereits erwähnt worden war, verlor Cantor Fitzgerald viele Makler im Nordturm des WTC. Insgesamt waren 41 Prozent aller Toten auf dem WTC-Gelände Wertpapiermakler. Dadurch wurde laut Heidners Annahme genug Chaos im Bond-Markt angerichtet, um eine Situation hervorzurufen, in der verdeckte Staatsanleihen im Wert von 240 Milliarden US-Dollar „elektronisch ,abgewickelt‘ werden konnten, ohne dass jemand zu viele Fragen stellte.“ [12]

„Brady Bonds“ wiederum sind Schuldverschreibungen bzw. Verbriefungen von Krediten, die zuerst Ende der 1980er Jahre emittiert wurden. Mit den „Brady Bonds“ wurden die nicht-bedienbaren Schulden lateinamerikanischer Länder in handelbare Schuldverschreibungen umgewandelt. Diese Kreditverbriefungen waren durch Null-Kupon-Anleihen des US-Finanzministeriums gedeckt. Zum Erwerb dieser Schuldverschreibungen waren Kredite vom IWF und der Weltbank nötig.

Im Sinne des Scenarios à la Heidner wurden nicht-legal besicherte „Brady Bonds“ in Russland später zur Schuldenrestrukturierung eingesetzt – im Zusammenhang, so wird vermutet, mit der versuchten wirtschaftlichen Übernahme der Sowjetunion. Ohne die Brady-Tarnung der nicht mit legaler Besicherung gedeckten Anleihebriefe für die Eindeckung der künftigen Oligarchen (die ja Stand nach dem Putsch August 1991 nichts als unbemittelte Mafiosi und KGB-Günstlinge waren) mit kaufkräftigem Vermögen, wäre wohl in der Tat nicht zu bewerkstelligen gewesen, was Anne Williamson im September 1999 exemplarisch vor dem US-Repräsentantenhaus beschrieb. Williamson, die unter anderem für das Wall Street Journal und The New Yorker arbeitete und Autorin des Buches Contagion: The Betrayal of Liberty – Russia and the United States in the 1990s ist, zeigte in ihrer Aussage auf, wie die historische Chance, die den USA gegeben war, um zur Umwandlung Russlands in ein freies, friedliches, pro-westliches Land beizutragen, verschwendet wurde zugunsten einer wirtschaftlichen Vergewaltigung, die von korrupten russischen Politikern und Geschäftsleuten durchgeführt und von den Bush- und (insbesondere) Clinton-Regierungen unterstützt wurde. Wesentliche Akteure: Wall Street, das US-Finanzministerium, das Harvard Institute for International Development, die Nordex-Bank, der IWF, die Weltbank sowie die Federal Reserve.

Williamson zufolge plünderten die aufkommenden russischen Oligarchen, viele davon der ehemaligen kommunistischen Nomenklatura zugehörig, das russische Reich mit Hilfe der USA; anschließend wurde dieses Geld in den Aktien- und Immobilienmärkten in den Vereinigten Staaten investiert. Williamson sagte vor dem US-Repräsentantenhaus aus:

„In der Sache, die vor uns steht – die Frage nach den vielen Milliarden an Kapital, das aus Russland über die Bank of New York und andere westliche Banken an westliche Ufer floh –, hatten wir ein Fenster geöffnet, wie die finanziellen Angelegenheiten eines Landes aussehen, das ohne Eigentumsrechte, ohne Banken, ohne Vertragssicherheit, ohne eine verantwortliche Regierung oder eine Führung ist, welche Anstand genug hat, um sich ums nationale Interesse oder Wohlergehen seiner eigenen Bürger zu scheren. Es ist kein schönes Bild, oder? Aber lassen Sie keine Fehlannahmen aufkommen: in Russland ist der Westen der Autor seines eigenen Elends gewesen. Und es gibt keine Fehlannahme, wer die Opfer sind, d. h. westliche Steuerzahler, hauptsächlich die der USA, und die russischen Bürger, deren nationales Erbe gestohlen wurde, nur um verschleudert und / oder in den westlichen Immobilien- und Aktienmärkten investiert zu werden.“

Die entstehende Oligarchen-Klasse Russlands wurde von westlichen Finanzinstituten gekauft, und Jelzin hatte man bei der Schaffung der oligarchischen Klasse, die die Basis seiner politischen Macht darstellte, unterstützt:

„Westliche Hilfe, IWF-Kreditvergaben und die gezielte Aufteilung der nationalen Vermögenswerte sind das, was Boris Jelzin mit dem anfänglich nötigen Kleingeld für seinen Wahlkreis aus Ex-Komsomol [Kommunistische Jugendliga] Bankchefs versorgte, denen die Freiheit und die Mechanismen gegeben wurden, ihr eigenes Land im Tandem mit einer wiedererstarkenden und wirtschaftlich kompetenteren Verbrecher-Klasse zu plündern. Die neue Elite lernte alles über die Beschlagnahme von Vermögen, aber nichts von seiner Schöpfung. Schlimmer noch, diese neue Elite gedeiht in den Bedingungen des Chaos und meidet genau die Stabilität, auf die die USA so inbrünstig hoffen, wohlwissend, dass die Stabilität ihre Fähigkeit, unverschämte Gewinne zu erzielen, kräftig einschränkt. Folglich war und ist Jelzins ,Reform‘-Regierung dazu verurteilt, diese parasitäre politische Basis, die aus der Bankenoligarchie besteht, aufrecht zu erhalten. (…) Und erst jetzt, fast auf den Tag acht Jahre später, erfahren US-Steuerzahler, dass die ,eifrigen, jungen Reformer‘, denen ihre Mittel zum Zwecke des Aufbaus eines neuen Russland gegeben wurde, vom ersten Tag an mit der erschöpften sowjetischen Nomenklatura in ein System verbündet waren, um Russlands Reichtum zu plündern und im Westen zu parken.”

Williamson beschreibt einen zum Teil mörderischen Wettkampf um die Kontrolle der neuen Unternehmen, die in Russland privatisiert wurden; die profitabelsten davon: Ölunternehmen, Stahlwerke und der Telekommunikationsbereich. Sie wurden an bestimmte Oligarchen „auf Insider-Auktionen“ vergeben, „deren Ergebnisse vorher vereinbart wurden.“

Der Fluss zusätzlichen Kapitals führte ab dem Frühjahr 1995 zu einem Wertanstieg der US-Aktienunternehmen. Der IWF und die Weltbank übernahmen die Rolle von „800 Pfund schweren Gorillas der wirtschaftlichen Verzerrung und im Laufe der Zeit der Plünderung“. Das Schema, nach dem vorgegangen wurde, ist eigentlich recht gut bekannt:

Man „verkaufe Hilfsprogramme auf einer angeblichen Basis ,freier Märkte‘ und der ,Humanität‘“ durch Akademiker, die ihre Fähigkeiten zur intellektuellen Camouflage beibringen, während IWF und Weltbank in den Zielländern wie Russland die Steuern anheben und Zentralbankengeschäfte abstimmen, Kreditaufnahmen ermutigen und Privatisierungen anschieben, um Hochrisiko-Investoren anzuziehen. Sobald die Regierung der Zielnation schwankt, trete man zurück und schaue zu, wie Spekulanten die Disziplin durch einen Angriff auf die Währung des Ziellandes behaupten. Die anschließende Abwertung liefert wiederum eine Flut von Billigimporten an amerikanische Hersteller und Produzenten.“

Sodann können „westliche Neo-Kolonialisten“ die Zielnation mit den stets größer werdenden Schulden schikanieren, um noch mehr Eigentum herauszupressen. „Einmal erfolgreich, können die Insider der Welt sich dann umdrehen und billige Anteile aus Privatisierungen und Börsengänge in den Schlund von US-Investmentfonds und Portfolio-Investoren“ werfen. „Die großen Gewinner sind die weltweit zunehmend korrupten und bequemen herrschenden Klassen, die internationalen Bürokratien und die globalen Banken.“

Das Fazit von Frau Williamson: „Was die US-Politik in weiten Teilen der Landschaft nach dem Kalten Krieg geschmiedet hat, ist ein moralischer, politischer und finanzieller Greuel auf Basis von Betrug, Diebstahl und Schwindel.“ [13]

Es ist hervorzuheben, dass Williamsons Buch Contagion, welches den umrissenen Sachverhalt en Detail behandelte, trotz bestehenden Vertrags nicht verlegt wurde, als es 1997 fertiggestellt wurde. [14]

Die „Brady Bonds“ sind in Sachen Schuldenrestrukturierung im Grunde der Gegenentwurf zu jenem Modell, das von Blessing und Herrhausen stammte und bereits 1986/87 von der Deutschen Bank als Vorschlag in Umlauf gebracht worden war. Werner Blessing, Sohn des ehemaligen Adjutanten von Schacht und Bundesbankpräsidenten sowie Bruder des Verlegers Karl Blessing und Vater des Commerzbank-Vorsitzenden, war damals für die internationalen Finanzgeschäfte der DB verantwortlich.

Die nicht-legal besicherten „Brady Bonds“, die für einen fremdfinanzierten Aufkauf Russlands verwendet worden sein sollen, mussten jedenfalls, so ist die Grundannahme des Scenarios, einerseits weitgehend zerstört, andererseits – was den übrigen Rest anging – klandestin „umgetauscht“ werden.

Zerstört werden mussten ebenso die Aufzeichnungen, die der Marinenachrichtendienst der USA, das ONI, angeblich zu diesen Aktivitäten ansammelte. Diese befanden sich in dem Pentagon-Abschnitt, der an 9/11 direkt attackiert wurde – ja, der Umzug in den äußeren E-Ring des Pentagon fand erst einen Monat vor 9/11 statt. Durch den Angriff wurden 39 von 40 ONI-Mitarbeitern getötet, die gesamte Kommandokette wurde ausgelöscht.  [15] Ferner habe das ONI an den besagten Kriegsspielen teilgenommen, an denen auch Cantor Fitzgerald beteiligt gewesen war.  [16] Ein Grund, warum das ONI mit dem Sachverhalt der zwielichtigen „Durham / Brady Bonds“ befasste, könnte sein, da ihr Fälligkeitsdatum ein eindeutiges Sicherheitsrisiko für die USA darstellte. Zuletzt: drei Monate vor 9/11 wurde von der Bush-Regierung ein neuer General Counsel für das ONI bestimmt, und zwar von der mit der Bush-Familie eng verbundenen Kanzlei Greenberg Traurig kommend. [17]

Dadurch, dass an 9/11 der nationale Notstand ausgerufen wurde, konnten die normalen Regularien der US-Börsenaufsicht SEC zur Abwicklung von Staatsanleihen von der Federal Reserve außer Kraft gesetzt werden.  [18] So wurde beispielsweise die SEC-Regel „15c3-3“ suspendiert, die unter anderem den „physischen Besitz oder Kontrolle von Wertpapieren“ festlegt. Außerdem schickte die Government Securities Clearing Corporation (GSCC) ein Memo an verschiedene Bankhäuser, welches den Umtausch von Wertpapieren betraf, die unmittelbar fällig wurden – was auf die „Durham / Brady Bonds“ zutreffen würde, wenn das hier vorgestellte Scenario denn der Wahrheit entspräche. Weiters ermöglichte die GSCC die Praxis der “Blind Broker“-Abwicklung von Wertpapieren, bei der beide Seiten des Handels anonym bleiben.  [19] Durch eine spezielle Staatsanleihe-Auktion, an deren tatsächlichen Auftreten keinerlei Zweifel besteht, brachten die US-Organe Treasury und Fed anschließend neue Anleihen auf den Bond-Markt und versorgten die Banken mit zusätzlicher Liquidität (mehr als 100 Milliarden US-Dollar).

US-Staatsanleihen werden hauptsächlich von der New York Fed gehandhabt. Laut dem US-Nationalökonom Edward Flaherty hießen die acht größten Mitgliederbanken der New York Fed im Jahre 1997 wie folgt:

Chase Manhatten Bank,
Citibank,
Morgan Guaranty Trust Company,
Fleet Bank,
Bankers Trust (im Juni 1999 durch die Deutsche Bank übernommen),
Bank of New York (BONY),
Marine Midland Bank und
Summit Bank. [20]

Die Chase Manhatten Bank und die Morgan Guaranty Trust Company schlossen sich hernach zu JP Morgan Chase zusammen (im Jahre 2000) – und wie gesehen, waren Chase und BONY die Banken, über die die NY Fed ihren Fedwire laufen ließ, um den Staatsanleihehandel zu organisieren. Die Clearingstellen, um die zwielichtigen Anleihen diskret zu behandeln, wären BONY und GSCC gewesen. BONY soll zudem bei verdeckten Destabilisierungsmaßnahmen vis-à-vis dem Rubel die Finger im Spiel gehabt haben und massiv in Geldwäschegeschäften verwickelt gewesen sein, die in Verbindung mit russischen Banken am Ende der Sowjet-Ära auftraten.  [21] BONY ließ sich in diesen Fragen von Sullivan & Cromwell vertreten.

Offiziell begründet wurde die außerordentliche Auktion von 10-Jahres-Staatsanleihen mit fehlgeschlagenen Transaktionen (sogenannten „Fails“), bei denen die Verkäufer die Papiere nicht fristgerecht bereitstellen können. Nach 9/11 sprang die Anzahl der „Fails“ an einzelnen Tagen auf Werte von über 190 Milliarden US-Dollar. Auffällig: die „Fails“ sollen nur bei BONY stattgefunden haben; bei Chase kam nichts Vergleichbares vor. BONY war zu Zeiten von 9/11 für das Clearing von ungefähr 50 Prozent aller in den USA gehandelten Wertpapieren verantwortlich. Die „Fails“ sollen bei BONY aufgrund von Kommunikationsproblemen zutage getreten sein. Dies darf jedoch in Zweifel gezogen werden, vermochte BONY doch sämtliche Operationen über eine Backup-Einrichtung in Utica, New York aufrecht zu halten. [22]

Lars Schall


Autor Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: “Auge” – pixabay.com

Fußnoten:

  1. Vgl. “Bank of America among 38 stocks in SEC’s attack probe”, veröffentlicht auf Bloomberg News am 3. Oktober 2001, archiviert unter: http://911research.wtc7.net/cache/sept11/bloombberg_BAamong38.html. Darin hieß es: “A Raytheon option that makes money if shares are more than $25 each had 232 options contracts traded on the day before the attacks, almost six times the total number of trades that had occurred before that day. A contract represents options on 100 shares. Raytheon shares soared almost 37 percent to $34.04 during the first week of post-attack U.S. trading.”
  2. Barry Grey: “Suspicious trading points to advance knowledge by big investors of September 11 attacks”, veröffentlicht auf World Socialist Web Site am 5. Oktober 2001 unter: http://www.wsws.org/articles/2001/oct2001/bond-o05.shtml. Zum Zusammenhang von 9/11 und dem Handel von US-Staatsanleihen siehe auch Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seiten 73 – 89 und 125 – 143.
  3. J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 28. November 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/11/28/im-innern-des-illusorischen-reiches-des-banken-undwaren-schwindels/
  4. Zur Geschichte von Yamashitas Gold siehe insbesondere Sterling und Peggy Seagrave: “Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold“, Verso, New York, 2003. Besprechungen des Buches erschienen u. a. von Chalmers Johnson: “The Looting of Asia“, London Review of Books, 20 November 2003, unter: http://www.lrb.co.uk/v25/n22/chalmers-johnson/the-looting-of-asia, und von Henry C. K. Liu: “Realpolitik Of Democratic Revolution, Part 1: The Philippines revisited“, Asia Times Online, 19. November 2003, unter: http://www.atimes.com/atimes/Southeast_Asia/EK19Ae03.html.
  5. Vgl. E.P. Heidner: “Collateral Damage: U.S. Covert Operations and the Terrorist Attacks on September 11, 2001”, a.a.O.
  6. Vgl. ebd., Seite 43, Quellenangabe 8. Siehe auch „September 11 Commission Report Revised December 2008“, Seite 184, veröffentlicht auf Scribd unter: http://de.scribd.com/doc/16970135/September-11-Commission-Report-Revised-December-2008
  7. Vgl. “National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Memorandum for the Record (MFR) of the Briefing by Dino Kos of the Federal Reserve Bank of New York Conducted by Team 8, 01/09/2004”, veröffentlicht auf Online Public Access unter: http://research.archives.gov/description/2610129. Bei der Gelegenheit sprach Kos über Probleme, die an 9/11 zutage traten:

    In the case of the Fedwire operating system, it is fine if everyone can make and received payments. If someone can make, or receive payments, but not the reverse, the balances get out of wack. Some bank can have a huge overdraft and they won’t know if it will be covered. In the case of Government securities, there is no central clearing corporation. … Each broker-dealer has a bank they use. When BONY was disrupted on 9-11, the dealers did not know if their positions were covered. They wired payments to BONY but did not know if they were received. BONY did not know what funds they had received. Dino showed me data that indicated that BONY had a huge surplus and the rest of the banks in the system were in a huge deficit. Furthermore, a number of trades were “lost” in the morning when the Broker-dealers were lost in the WTC.

    Zu Problemen im Staatsanleihebereich nach 9/11 heißt es:

    He spoke about the securities “fails”, when the two sides of a trade could not be reconciled. He said that this was “huge”. He said that even once the immediate disruptions normalized, the volume of “fails” increased through the end of September. … Because of the number of “fails”, the Treasury had to issue an unscheduled auction of 10 year bonds. In Dino’s view, the “fails” did not really having any adverse effect on the market, but it was an issue that had to be dealt with and was cleared up with the Treasury auction.

    Ferner wird angemerkt, dass die Federal Reserve massiv liquide Mittel in die Märkte pumpte.

  8. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 186.
  9. vgl. ebd., Seite 187. CHIPS wurde übrigens, wie noch in Sachen PROMIS-Software bewiesen werden soll, seit den 1980er Jahren von der NSA im Zuge der “Follow the Money”-Initiative überwacht.
  10. Vgl. ebd.
  11. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 77, 85.
  12. Ebd., Seite 77.
  13. “Testimony of Anne Williamson Before the Committee on Banking and Financial Services of the United States House of Representatives September 21, 1999“, veröffentlicht unter: http://www.thebirdman.org/Index/Others/Others-Doc-Economics&Finance/+Doc-Economics&Finance-GovernmentInfluence&Meddling/BankstersInRussiaAndGlobalEconomy.htm.

    Dieser Plünderung wurde dann unter Wladimir Putin zunehmend ein Riegel vorgeschoben, indem er besonders den immensen Energie- und allgemeinen Ressourcenreichtum der Russischen Föderation unter die Kontrolle des Staats stellte.

    Im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf den Aktien- und Immobilienmarkt in den USA mag auch interessant sein, was Catherine Austin Fitts 2009 unter der Überschrift “Financial Coup d’Etat” (“Ein finanzieller Staatsstreich”) festhielt – siehe Solari.com unter: https://solari.com/blog/financial-coup-d%E2%80%99etat/. Ich übersetzte:

    Im Herbst 2001 besuchte ich eine private Investment-Konferenz in London, um einen Vortrag mit dem Titel “The Myth of the Rule of Law or How the Money Works: The Destruction of Hamilton Securities Group“ zu geben.

    Die Präsentation dokumentiert meine Erfahrungen mit einer Partnerschaft zwischen Washington und Wall Street, die folgende Punkte zu verantworten hatte:

    • Die Durchführung einer betrügerischen Immobilien- und Schuldenblase;
    • Die illegale Verschiebung riesiger Mengen an Kapital aus den USA hinaus;
    • Den Gebrauch der „Privatisierung“ als eine Form der Piraterie – ein Vorwand, um Vermögenswerte des Staates an private Investoren unterhalb marktüblicher Preise zu bewegen, und dann die Verschiebung privater Verbindlichkeiten zurück an den Staat ohne jedwede Kosten für den Inhaber der privaten Verbindlichkeiten.

    Weitere Referenten auf der Konferenz, der namhafte Reporter angehörten, berichteten von der Privatisierung in Osteuropa und Russland. Während die Porträts britischer Vorfahren auf uns herab starrten, hörten wir eine Geschichte nach der anderen von der globalen Privatisierung, die in den 1990er Jahren auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und Asien stattgefunden hatte.

    Langsam, als sich die Teile zusammen fügten, teilten wir eine erschreckende Offenbarung: die Banken, Unternehmen und Investoren, die in jeder Weltregion agierten, waren genau die gleichen Akteure. Sie waren eine relativ kleine Gruppe, die wieder und wieder in Russland, Osteuropa und Asien auftauchte, dabei begleitet von den gleichen namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien.

    Offensichtlich war ein globaler finanzieller Staatsstreich im Gange.

    Das Ausmaß dessen, was geschah, war überwältigend. In den 1990er Jahren waren Millionen von Menschen in Russland aufgewacht, um festzustellen, dass ihre Bankkonten und Pensionsmittel einfach weg waren – ausgelöscht durch eine fallende Währung oder von Gangstern gestohlen, die die Gelder zurück in die großen Mitgliedsbanken der New Yorker Fed wuschen, damit sie dort zur Anheizung der Schuldenblase reinvestiert wurden.

    Berichte über Politiker, Regierungsbeamte, Akademiker und Geheimdienste, die die Erpressung und den Diebstahl erleichterten, waren zwingend. Ein Anwalt aus Russland, der ohne Strom lebte und gezwungen war, Nahrungsmitteln anzubauen, um nicht zu hungern, wurde mit den Worten zitiert: „Wir werden de-modernisiert.“

    Einige Jahre zuvor hörte ich drei Bäuerinnen zu, wie sie den Kampf gegen Drogen in ihren jeweiligen Ländern beschrieben: Kolumbien, Peru und Bolivien. Ich fragte sie: „Nachdem man Sie in Lager gepfercht hat, wer bekommt dann Ihr Land und zu welchem Preis?” Meine Frage öffnete eine magische Tür. Aus ihr strömte hinaus, wie die reale Wirtschaft mit dem Krieg gegen Drogen zusammenarbeitet, einschließlich des Diebstahls von Land und den öffentlichen Aufträgen, um Wohnraum für die Menschen zu errichten, die vertriebenen worden waren.

    An einer Stelle, von meinem Verständnis davon, wie dieses Spiel funktioniert, beunruhigt, sagte eine der Frauen zu mir: „Sie sagen, Sie waren nie in einem unserer Länder, und doch verstehen Sie genau, wie das Geld arbeitet. Wie kann das sein?” Ich antwortete, dass ich als Staatssekretärin für den Wohnungsbau des US-Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (Housing and Urban Development, HUD) in den Vereinigten Staaten gearbeitete hatte, wo ich Milliarden von staatlichen Investitionen in US-Gemeinden beaufsichtigt hatte. Offenbar arbeitete die Sache auf die gleiche Weise in ihren Ländern, wie in meinem.

    Später fand ich heraus, dass der Auftragnehmer der Regierung, der die Strategie für den Krieg gegen Drogen und die damit verbundene US-Hilfe für Peru, Kolumbien und Bolivien anführte, der gleiche Auftragnehmer war, der auch für das Wissensmanagement für die Durchsetzung von HUD-Maßnahmen verantwortlich war. Dieses Washington-Wall-Street-Spiel war ein globales Spiel. Die Bäuerinnen Lateinamerikas hatten gegen die gleichen finanziellen Piraten und Geschäftsmodelle zu kämpfen, wie die Menschen in South Central Los Angeles, West Philadelphia, Baltimore und der South Bronx.

    Später bestätigte die mutige Berichterstattung von Naomi Klein und Greg Palast im Detail, dass die Privatisierung und das Modell wirtschaftlicher Kriegsführung, das ich in London diskutiert hatte, tiefe Wurzeln in Lateinamerika besaßen.

    Wir erlebten einen globalen „Raubüberfall”: aus einem Land nach dem anderen wurde Kapital gesaugt. Die Präsentation, die ich in London gab, offenbarte einen Teil des Puzzles, der schwer für das Publikum zu begreifen war. Dies geschah nicht einfach nur in den Schwellenländern. Es geschah auch in Amerika.

    Ich beschrieb ein Treffen, das im April 1997 stattfand, mehr als vier Jahre vor diesem Tag in London. Ich hatte eine Präsentation vor einer erlesenen Gruppe von US-Pensionsfonds-Leitern bezüglich der außerordentlichen Möglichkeit gegeben, den US-Bundeshaushalt zu überarbeiten. Ich stellte unsere Schätzung dar, dass die staatlichen Investitionen im Gebiet von Philadelphia, Pennsylvania eine negative Rendite hatten.

    Wir präsentierten, dass es möglich war, Gebiete mit Privatvermögen zu finanzieren und die öffentlichen Investitionen so umzustrukturieren, dass eine positive Rendite dabei herum kommen würde. Als Folge dessen könnten signifikante Kapitalsteigerungen erreicht werden. Also war es möglich, US-Pensionsfonds zu nutzen, um die Ruhestandsicherheit von Rentnern dadurch zu erhöhen, indem man erfolgreiche Investitionen in amerikanischen Gemeinden, kleine Unternehmen und Farmen betrieb – alle in einer Weise, die die Verschuldung reduzieren, die Qualifikationen verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde.

    Die Resonanz der Investoren der Pensionskassen gegenüber dieser Analyse war recht positiv, bis der Präsident des CalPERS-Rentenfonds – dem größten des Landes – sagte: „Sie verstehen das nicht. Es ist zu spät. Sie haben das Land aufgegeben. Sie ziehen das ganze Geld im Herbst [1997] ab. Sie bewegen es nach Asien.”

    Als der Herbst dann kam, begannen auch tatsächlich erhebliche Mengen an Geldern die USA zu verlassen, einschließlich illegale. Über 4 Billionen US-Dollar gingen der US-Regierung verloren. Niemand schien davon Notiz zu nehmen. Von einer betrügerischen Schuldenblase, die mit der Kraft und Intention der höchsten Ebenen des Finanzsystems angetrieben wurde, zu der falschen Annahme verleitet, dass wir in einer Boom-Wirtschaft lebten, beteiligten sich die Amerikaner an einer Orgie des Konsums, die das reale finanzielle Vermögen liquidierte, das wir dringend benötigten, um uns für die zukünftigen Zeiten zu repositionieren.

    Die Stimmung an diesem Nachmittag in London war recht nüchtern. Die Frage, die unausgesprochen in der Luft hing, lautete: wenn die Blase einmal vorbei sein würde, war dann die Zeit gekommen, wo auch wir „de-modernisiert” werden würden? Im Jahr 2009 – mehr als sieben Jahre später – ist das eine Frage, die sich viele von uns fragen.

  14. Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 88.
  15. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 76.
  16. Vgl. „September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 189-191.
  17. Vgl. ebd., Seite 205 – 206. Greenberg Traurig soll an fünf Aspekten der Bush-Amtszeit beteiligt gewesen sein: [1] represented President Bush in the Bush-Gore 2000 Florida election vote recount, — [2] personally represents Governor Jeb Bush, — [3] hired son of Supreme Court Justice Antonin Scalia on election day 2000–after which Justice Scalia cast one of the 5 to 4 deciding votes which placed Bush in presidency, — [4] Miami-headquartered firm partially funded/sponsored delegation to Israel by House-Senate Armed Services Committee members and government contractors to witness and be briefed on interrogation resistance procedures and torture techniques….One of lobbyists joining them to Israel included Jack London, CEO, CACI Int’l Inc., firm implicated in outsourced Iraqi torture at Abu Ghraib prison, — [5] firm has prominent administrative positions in Massachusetts 9/11 Fund which also involves Bush family banking house Brown Brothers Harriman, — [6] one appointed as General Counsel of the Department of the Navy and its Office of Naval Intelligence just 90 days before the attacks.”
  18. Vgl. ebd., Seite 196. In dem Text wird vorgebracht, dass neben George H. W. Bush auch Alan Greenspan, der damalige Fed-Vorsitzende, an der Herausgabe und Verwendung der besagten „Durham / Brady Bonds“ im Jahre 1991 maßgeblich beteiligt gewesen sei.
  19. Vgl. ebd., Seite 197.
  20. Vgl. Edward Flaherty: “Debunking the Federal Reserve Conspiracy Theories“, Abschnitt “Myth #5: The Federal Reserve is owned and controlled by foreigners“, veröffentlicht auf PublicEye.org unter: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/Federal_Reserve.html, bzw.: http://www.publiceye.org/conspire/flaherty/flaherty5.html
  21. Vgl. ”September 11 Commission Report Revised December 2008“, a.a.O., Seite 195 – 197. Genannt werden im Zusammenhang mit Geldwäscheaktivitäten die European Union Bank, Menatep und Nordex.
  22. Vgl. Mark H. Gaffney: „Black 9/11“, a.a.O., Seite 132. Gaffney bezieht sich auf Aussagen von Thomas Gibbons, leitender Angestellter im Risk Management bei BONY.

Jahresausblick: 2015 wird sich alles um Iran, China und Rußland drehen

von Pepe Escobar, Übersetzung Hergen Matussik

Der nachfolgende Artikel erschien hier im Original bei “Sputnik“. Die Veröffentlichung der Übersetzung ins Deutsche auf LarsSchall.com erfolgt mit ausdrücklicher und persönlicher Genehmigung von Hergen Matussik.

Dieser Artikel wurde uns von Lars Schall zur Verfügung gestellt. Wir danken Ihm dafür.

Jahresausblick: 2015 wird sich alles um Iran, China und Rußland drehen

Schnallen Sie sich an! 2015 wird ein Wirbelsturm werden, in dem China, Rußland und Iran mit dem von mir so genannten Imperium des Chaos konfrontiert werden. Alles wird sich um die Integration Eurasiens drehen, während die USA zunehmend aus diesem Raum verdrängt werden. Wir werden komplexe geopolitische Prozesse erleben, die die Vorherrschaft des Dollars als Reservewährung und vor allem seine Position als Standardwährung für Ölgeschäfte untergraben werden.

Trotz all der enormen Herausforderung, denen sich die Chinesen stellen müssen, lassen sich in Peking ohne weiteres eindeutige Merkmale einer selbstsicheren und selbstbewußten, vollentwickelten wirtschaftlichen Supermacht entdecken. Präsident Xi Jinping und die gegenwärtige chinesische Führung werden weiterhin intensiv in Stadtentwicklung sowie den Kampf gegen Korruption auch in den höchsten Etagen der Kommunistischen Partei Chinas investieren. Auf der internationalen Ebene werden die Chinesen ihr Projekt neue „Seidenstraßen“ – zur See wie auf Land – weiter vorantreiben und intensivieren, die Grundlage der langfristigen Strategie Chinas, die Schaffung eines zusammenhängenden Handels- und Wirtschaftsraumes in Eurasien.

Die globalen Ölpreise werden bis auf Weiteres niedrig bleiben. Es werden keine Wetten darüber angenommen, ob es in diesem Sommer zu einem Abkommen im Atomstreit zwischen Iran und den P5 + 1 kommt. Werden die Sanktionen gegen den Iran aufrecht erhalten (tatsächlich handelt es sich um Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln) und die Wirtschaft des Landes wird weiterhin ernsthaft beschädigt, wird die Reaktion Teherans entschlossen sein und auf die weitere Annäherung des Landes an Asien – und nicht an Europa – abzielen.

Washington weiß genau, daß ein umfassendes Abkommen mit dem Iran nicht ohne die Hilfe Rußlands erreicht werden kann. Ein solches Abkommen wäre der einzige – ich wiederhole – der einzige außenpolitische Erfolg der Regierung Obama. Eine Rückkehr zur Hysterie von „Bomb Iran“ würde nur den sprichwörtlichen üblichen (neokonservativen) Verdächtigen in den Kram passen. Es ist kein Zufall, daß sowohl Iran als auch Rußland Ziel westlicher Sanktionen sind. Ungeachtet der Frage, wie die gegenwärtigen Ölpreise zustande kamen, steht fest, daß der finanziell/strategische Verfall des Ölpreises ein direkter Angriff auf (wen anders als) Iran und Rußland ist.

Der abgeleitete Krieg

Werfen wir einen Blick auf die wirtschaftlichen Eckdaten Rußlands. Die Schulden des russischen Staates betragen 13,4% des Bruttosozialprodukts. Das Haushaltsdefizit beträgt 0,5 % des BSP. Wenn wir für die USA von einem BSP von 16,8 Billionen Dollar ausgehen (der Wert von 2013) beträgt das US Haushaltsdefizit 4% des BSP (im Vergleich zu 0,5% für Rußland). Die Federal Reserve Bank ist im Grunde ein privates Unternehmen, dessen Eigner private Banken in den USA sind, auch wenn sich die Fed als staatliches Unternehmen ausgibt. Die gesamten Schulden der öffentlichen Hand in den USA entsprechen im Steuerjahr 2014 beeindruckende 74% des BSP. Rußlands Verschuldung liegt bei nur 13,4%

Die Erklärung des Wirtschaftskrieges von USA und EU gegen Rußland – mittels des Runs auf den Rubel und des Angriffs mit Öl-Derivativen – waren im wesentlichen Machenschaften mit Finanzderivativen. Solche Derivative können – theoretisch – bis ins Unendliche vervielfältigt werden. Händler mit diesen Papieren attackierten sowohl den Preis des Rubels als auch den Ölpreis, mit dem Ziel die russische Wirtschaft zu zerstören. Das Problem dabei ist, daß die russische Wirtschaft gesünder finanziert ist als die der USA.

Wenn man in Rechnung stellt, daß diese überraschende Operation Rußland schachmatt setzen sollte, war Moskaus Verteidigungsstrategie gar nicht so schlecht. An der Energie-Hauptfront verbleibt das Problem auf der Seite des Westens und nicht bei Rußland. Wenn die EU nicht kauft, was Gazprom anbietet, wird sie wirtschaftlich kollabieren.

Moskaus Hauptfehler war zuzulassen, daß Rußlands Industrie mit in Dollar gehandelten Auslandsschuldverschreibungen finanziert wurde. Wir reden über eine monströse Schuldenfalle, die vom Westen mit Leichtigkeit manipuliert werden kann. Moskaus erster Schritt sollte sein, die russischen Banken gründlich zu überprüfen. Rußlands Unternehmen sollten ihre Schulden im eigenen Land aufnehmen und ihre Anlagen im Ausland verkaufen. Moskau sollte auch über ein System von Maßnahmen zur Währungskontrolle nachdenken, damit der Basis-Zinssatz zügig gesenkt werden kann.

Man sollte nicht vergessen, daß Rußland immer ein Moratorium auf Schulden und Zinsen erklären kann, was eine Summe von über 600 Milliarden Dollar zum Gegenstand hätte. Das würde das Bankensystem der ganzen Welt bis ins Mark erschüttern. Nennen wir es eine unverhohlene Aufforderung an USA/EU, den Wirtschaftskrieg einzustellen.

Rußland ist nicht auf den Import irgendwelcher Rohstoffe angewiesen. Wenn nötig, kann es mit Leichtigkeit jegliche importierte Technologie selbst zuwege bringen. Und vor allem kann Rußland durch den Verkauf von Rohstoffen ausreichend Kredit in US-Dollar oder Euro generieren. Die Einnahmen des Landes durch den Verkauf seiner Rohstoffe oder hochentwickelter Militärtechnologie mögen zurückgehen; dennoch werden sie den selben Ertrag in Rubel erbringen, da der Rubel gleichfalls an Wert verloren hat.

Importe durch russische Produktion zu ersetzen, ergibt vollständig Sinn. Es wird eine unvermeidliche Phase der „Anpassung“ geben – aber das wird nicht allzu lange dauern. Deutsche Autohersteller beispielsweise können ihre Fahrzeuge aufgrund der Schwäche des Rubels nicht länger in Rußland verkaufen. Das bedeutet, daß sie ihre Produktion dorthin verlagern müssen. Wenn sie das nicht tun, wird Asien – von Südkorea bis China – sie vom Markt fegen.

Bär und Drache auf Beutezug

Alles in allem ergibt die Erklärung des Wirtschaftskriegs gegen Rußland durch die EU keinen Sinn. Rußland kontrolliert direkt oder indirekt den größten Teil von Öl und Gas zwischen Rußland und China: ungefähr 25% des Weltmarktes. Der Nahe Osten wird weiterhin ein Unruheherd sein. Afrika ist instabil. Die EU unternimmt alles in ihrer Macht stehende, um ihren verläßlichsten Versorger mit fossilen Brennstoffen loszuwerden und bringt Moskau dazu, die Energieströme in Richtung China und Asien umzulenken. Was für ein Geschenk an Peking, das obendrein die Bedrohung des Landes durch die US-Navy mit ihrer „Eindämmungspolitik“ auf hoher See deutlich verringert!

Es bleibt eine unausgesprochene Wahrheit in Peking, daß der zunehmende Kontrollverlust des Imperiums des Chaos und sein Diktat in Bezug auf die Verschlechterung der Beziehungen zwischen EU und Rußland für die Chinesen extrem besorgniserregend ist. Letztlich wird Peking es nicht zulassen in eine Lage zu geraten, in der die USA China von seinen Energie-Importen abschneiden können – wie es für Japan im Juli 1941 der Fall war, als die USA ein Öl-Embargo verhängten und 92% der Ölimporte des Landes blockierten.

Jeder weiß, daß das Erfordernis für ausländische Produzenten in China selbst zu produzieren, ein entscheidender Faktor für Chinas Aufstieg als Industriemacht war. Könnte Rußland dasselbe durchsetzen, wüchse die Wirtschaft des Landes umgehend jährlich um einen Faktor von über 5%. Das Wachstum könnte sogar noch höher ausfallen, wenn Bankkredite nur für Investitionen in die Produktion vergeben würden.

Nun stellen Sie sich vor, daß Rußland und China gemeinsam in eine neue durch Gold, Öl und Rohstoffe gedeckte Währungsunion investieren, die eine echte Alternative zu dem gescheiterten Modell „Demokratie“ darstellt, das von den Herren des Universums von Wall Street, dem Kartell der westlichen Banken und neoliberalen Politikern propagiert wird. Dies wäre der Beweis für den globalen Süden, daß es nie beabsichtigt war, daß das System, Wohlstand und Hebung des Lebensstandards durch die Verschuldung künftiger Generationen zu finanzieren, wirklich funktioniert.

Bis dahin wird ein Sturm unser aller Leben bedrohen – heute und auch morgen. Die Herren des Universums und ihre Kompagnons in Washington werden ihre Strategie nicht aufgeben, Rußland zu einem Staat zweiter Klasse zu machen, der, abgeschnitten von Handel, internationalem Finanzaustausch und den westlichen Kreditmärkten reif für „Regime Change“ ist.

Wenn alles nach Plan geht und dies vollbracht ist, wird das nächste Ziel (wer sonst?) China sein. Peking weiß das. In der Zwischenzeit sollten wir einige Explosionen erwarten, die die EU in ihren Grundfesten erschüttern werden. Die Zeit mag knapp werden – aber für die EU und nicht für Rußland. Auf jeden Fall wird sich die allgemeine Ausrichtung der Ereignisse nicht ändern: Das Empire des Chaos wird langsam aber sicher aus dem eurasischen Raum verdrängt.


Der 1954 geborene Pepe Escobar aus Sao Paulo, Brasilien ist einer der herausragendsten Journalisten unserer Zeit. Escobar, der vom früheren CIA-Analysten Ray McGovern schlichtweg “der Beste“ genannt wird, arbeitet für Asia Times Online. Darüber hinaus ist er der Autor von vier Büchern: Globalistan: How the Globalized World is Dissolving into Liquid War, Red Zone Blues: a snapshot of Baghdad during the surge und Obama does Globalistan. Zuletzt erschien von ihm Empire of Chaos: The Roving Eye Collection.

Escobar war als Auslandskorrespondent seit 1985 u.a. in London, Mailand, Los Angeles, Paris, Singapur und Bangkok tätig. Seit den späten 1990er Jahren hat er sich auf die Berichterstattung von geopolitischen Geschichten aus dem Nahen Osten und Zentralasien spezialisiert. In diesem Rahmen hat er im letzten Jahrzehnt aus Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran, den zentralasiatischen Republiken, China und den USA berichtet. Im Frühjahr/Sommer 2001 war er in Afghanistan / Pakistan, hat den militärischen Führer der Anti-Taliban-Nordallianz, Ahmad Shah Massud, nur wenige Wochen vor dessen Ermordung interviewt, und erreichte als einer der ersten Journalisten die afghanische Hauptstadt Kabul nach dem Rückzug der Taliban. Er ist ein ausgewiesener Experte für das  Netzwerk von Pipelines, das die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, Zentralasiens, Russlands und Europas umgibt – dem von ihm so getauften “Pipelineistan”.

Für Asia Times Online ist er als ‘The Roving Eye’, das heißt: “Das Wandernde Auge“ unterwegs, um vor allem geopolitische Weltereignisse, aber auch die Art, wie sie in den Medien präsentiert werden, zu diskutieren. Ferner veröffentlicht er auf vielen US-amerikanischen und russischen Websites.

Beitragsbild: http://pixabay.com

Sie versuchen das Problem am Laufen zu halten, statt es zu lösen

Die Komplexität der Spionageprogramme der NSA hat einige ihrer früheren technischen Experten zu ihren gefährlichsten Kritikern gemacht, da sie zu den wenigen Zeitgenossen zählen, die ihre totalitären Potentiale und Gefahren verstehen – wie William Binney, der ehemalige Technical Director for Intelligence der NSA in diesem Interview mit Lars Schall aufzeigt.

von Lars Schall

William Binney

William Binney (2013)

Lars Schall: Bill, Sie waren dieses Jahr als Zeuge von der NSA-Kommission des Deutschen Bundestages eingeladen worden. Wie war es dort zu sprechen? Und was haben Sie dort zu vermitteln versucht?

William Binney: Ich war dort, um für etwa sechs Stunden auszusagen, mit einer halben Stunde Pause in der Mitte. Es war also recht intensiv. Es gab so viele Fragen. Auf einiger dieser Fragen hatte ich keine Antworten, weil ich keine Kenntnisse darüber habe. Ich habe versucht, den Ausschussmitgliedern über Dinge Informationen zu geben, die ich persönlich kenne und nicht darüber hinausgehen. Zunächst stellten sie Fragen über meinen Hintergrund, ich schätze, um die Bühne für die Folgefragen zu bereiten. Aber auf längere Sicht interessierten sie sich für die Beziehungen zwischen dem BND und der NSA. Ich denke übrigens, dass ein Teil der Pause in der Mitte darauf zurückzuführen ist, dass damals ein BND-Mitarbeiter vom Ausschuss wegen Spitzeltätigkeiten verdächtigt wurde. Sie gaben diese Informationen auch an die NSA weiter – zumindest wurde dies damals behauptet. Ich weiß nicht, ob das wahr ist oder nicht.

Wie auch immer, es war ziemlich langwierig und sehr gründlich, und mein Standpunkt war, zu versuchen, ihnen zu vermitteln, dass das, die NSA und die Geheimdienste in den Five-Eyes-Staaten massive Datenmengen sammeln – genau wie die Stasi. Nur diesmal ist es, das versuchte ich Ihnen verständlich zu machen, wie eine Stasi auf Supersteroiden. Wolfgang Schmidt, ein ehemaliger Oberstleutnant der DDR-Stasi kommentiert das Überwachungsprogramm der NSA folgendermaßen: Für uns wäre das damals ein wahr gewordener Traum gewesen. Das trifft es im Kern. Es ist so invasiv, es ist digitale Überwachung in massivem Umfang. Und ich versuchte, ihnen dies begreiflich zu machen. Denn dies ist im Grunde eine fundamentale Bedrohung für unsere Demokratie und jede Demokratie auf der ganzen Welt. Ich bezeichne das hier in den Vereinigten Staaten als die größte Bedrohung für unsere Demokratie seit unserem Bürgerkrieg.

LS: Gab es einige Fragen, die Sie erwartet hätten, die nicht gestellt wurden?

WB: Nein, ich denke, dass sie so ziemlich alle relevanten Fragen stellten, von denen ich einige unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelte – dabei ging es vor allem um Fragen zur Beziehung zwischen BND und NSA.

LS: Was sagen sie dazu, wie Deutschland Edward Snowden behandelt?

WB: Ich glaube, er erfährt zum größten Teil viel Unterstützung in der Bevölkerung in Deutschland. Ich denke, die deutsche Regierung ist ein wenig empfindlich – einfach wegen der engen und dauerhaften Beziehung zwischen der Bundesregierung und Regierung der Vereinigten Staaten. Also, ich denke, sie versuchen eine Gratwanderung zwischen der Unterstützung aus der breiten Bevölkerung und der Unterstützung für die US-Regierung durch die bestehenden Abkommen und der Zusammenarbeit mit der Bundesregierung hinzubekommen. Sie müssen das ausbalancieren.

LS: Was ist Ihre generelle Ansicht darüber, wie sich die deutsche Regierung im NSA-Skandal verhält?

WB: Meine persönliche Meinung ist, dass sie erst jetzt beginnen, der Sache nachzugehen und erst jetzt beginnen zu erkennen, so wie hier in den USA der Kongress auch erst jetzt zu erkennen beginnt, wie sehr man unseren eigenen Geheimdiensten nicht vertrauen kann. Das wird durch ein Beispiel aus dem letzten Jahr offensichtlich, als zwei Kongressmitglieder versuchten, einen Gesetzentwurf im Repräsentantenhaus durchzubringen, um die Finanzierung der NSA zu beschneiden. Es ist so, dass sie gerade eben erst durch die Snowden-Veröffentlichungen erfahren haben, dass ein großer Teil der Informationen, mit denen sie von den Geheimdiensten und der Regierung gefüttert wurden, schlichtweg nicht wahr sind. Und dadurch haben sie schließlich zu begreifen begonnen, was vor sich ging. Dann versuchten sie eine Initiative hinzubekommen, um das zu stoppen. Das war der Punkt, als der Präsident und der damalige NSA-Direktor Keith Alexander gegenüber dem Repräsentantenhaus sehr stark dafür eintraten, diesen Gesetzesvorschlag abzuweisen. Dies geschah dann auch – aber das Gesetz verlor im Repräsentantenhaus mit nur von zwölf Stimmen . Das ist also kein schlechtes Abschneiden, es war eine ziemlich enge Abstimmung. Die Probleme mit den Geheimdiensten gehen weiter und es gibt Politiker, die gegen diese Probleme angehen wollen. Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, um sicherzustellen, dass die Geheimdienste von ihren Regierungen gezwungen werden, die Rechte der Bürger zu achten.

LS: Vor ein paar Monaten wurde bekannt, dass die NSA über den Bundesnachrichtendienst (BND) Zugriff auf Daten des DE-CIX-Internetknotenpunkts in Frankfurt gehabt haben könnte. Wenn dies der Fall wäre – die DE-CIX Management GmbH Frankfurt streitet ab, dass dies geschah –, hätte der BND gegen deutsches Recht verstoßen. Können Sie uns bitte erzählen, wie solche Vereinbarungen zwischen der NSA und dem BND zustande kommen, die Rechtsverletzungen einschließen?

WB: Die Behörden NSA und BND würden eine separate internationale Vereinbarung zwischen den beiden Behörden festlegen, die mindestens von einem Teil der Regierung verabschiedet und genehmigt werden müsste. Das hieße also, dass Ihre Regierung dem zustimmen müsste und unsere müsste das ebenso. Das würde damit beginnen, dass die Behörden vereinbaren, wobei sie miteinander kooperieren, wie sie zusammenarbeiten, und was die Grundregeln für diese Zusammenarbeit sind. Das geht dann an die Geheimdienstausschüsse des Kongresses und Senats. Eine sehr eingeschränkte Anzahl von Menschen in der Regierung wäre in der Lage, diese Art von Vereinbarung einzusehen. Das Gleiche träfe, so würde ich annehmen, auch auf den BND und die Bundesregierung zu. Es sollte da eine kleine Teilmenge der deutschen Regierung geben, die Kenntnis von diesen Vereinbarungen hat und sie überwacht. Ich weiß jedoch nicht, wie die Verhältnisse innerhalb des BND sind und wie solche Dinge dort gehandhabt werden. In den Vereinigten Staaten sind es die Kongress- und Senats-Geheimdienstausschüsse und das FISA-Gericht, die angeblich überwachen, dass derartige Verträge nicht gegen US-Recht verstoßen. In der Realität verstoßen die Dinge, die sie hier bei uns getan haben, gegen US-Recht. Hier versagt die Aufsicht ganz offensichtlich.

Und natürlich tun sie das alles auf der Grundlage der Terrorismus-Panikmache. Sie versuchen allen Angst einzujagen, um dann das tun können, was sie wollen. Das ist die Art von Hebel, die sie nicht nur gegen die Öffentlichkeit zu benutzen versuchen, sondern auch gegen den Kongress. Es gründet einfach alles auf Panikmache. Der springende Punkt ist, an mehr Geld zu kommen und ein größeres Imperium zu bauen. Hier drüben haben wir seit 9/11 für alle 16 Geheimdienstbehörden ungefähr eine Billion Dollar ausgegeben. Bei dieser Panikmache geht es für sie vor allem ums Geldverdienen. Nun nutzen sie dafür auch die Cyber-Sicherheit. Es geht darum, wie man seine Bevölkerung kontrolliert, wie man sie manipuliert, und wie man sie für Dinge zahlen lässt, die man erledigt haben möchte.

LS: Ist der BND lediglich eine Tochtergesellschaft oder Zweigstelle des US-Geheimdienstapparats?

WB: Ich würde ihn keine Zweigstelle nennen, aber er ist sicherlich ein Kooperationspartner. Noch einmal, das ist alles in Vereinbarungen niedergeschrieben. Was die Ziele sind, die sie gemeinsam teilen und an denen sie gemeinsam arbeiten – das ist alles in Verträgen festgeschrieben und von den Leitern ihrer Behörden genehmigt. Und dann geht das an bestimmte Teile der Regierungen, um ebenfalls genehmigt zu werden. Das ist alles in Abkommen festgelegt und definiert. Ich würde nicht sagen, dass der BND komplett für die NSA arbeitet. Sowohl NSA als auch BND haben ihre eigene Agenda und ihre eigenen Prioritäten. Die Zusammenarbeit erfolgt dort, wo es gemeinsame Interessen und gemeinsame Sorgen gibt – wie etwa beim Terrorismus oder vielleicht beim Drogenschmuggel.

LS: Ist die NSA in Wirtschaftsspionage in Deutschland involviert? Und wenn dies der Fall wäre, wäre es nicht die Aufgabe des BND, dies zu unterbinden?

WB: Das sollte man denken. Ich kann auf Basis der schriftlichen Informationen nur annehmen, dass dies geschieht. Ich bin übrigens sicher, dass alle Regierungen auf der ganzen Welt dies bis zu einem gewissen Grad tun. Dies ist in erster Linie natürlich abhängig von ihren Fähigkeiten und Ressourcen. Entscheidend ist, ob das außerhalb der Regierungskanäle mit der Industrie geteilt wird, um Unternehmen einen Vorteil zu verschaffen. Man würde meinen, dass die Regierungsleute das drinnen halten, aber das Problem hier in der NSA ist: Viele der Menschen, die all die Daten verwalten und die diese Art von Informationen enthalten, in Wirklichkeit sogenannte Auftragnehmer sind, die für andere Industriepartner in den Vereinigten Staaten arbeiten. Dazu gehören Unternehmen wie Boeing und auch Lockheed Martin und so weiter, die natürlich ihre ganz eigenen Interessen haben. Angestellte dieser Unternehmen behandeln und verwalten diese Daten für die NSA. Was sie damit tun, ist eine andere Frage, aber das ist schon eine sehr riskante Situation in Bezug auf Industriespionage.

LS: Ihre eigene Karriere bei der NSA gipfelte in der Position als Technischer Direktor für nachrichtendienstliche Informationen im Jahre 2001. Noch im selben Jahr gingen Sie in den Ruhestand. Warum?

WB: Das geschah nachdem sie uns aufforderten, das ThinThread-Programm zu stoppen – dieses Programm löste ein massives Datenproblem im Zusammenhang mit der Internet-Kommunikation und war zudem noch sehr preiswert. Wir kritisierten dies und nun musste man uns loswerden. Das taten sie. Ich wurde von einer recht hohen Position auf eine unbedeutende Position versetzt, auf der ich im Grunde außer Sichtweite war. Sie wollten den Kongress von mir fernhalten Das ist übrigens keine Ausnahme, sondern die Regel – wenn sie nicht wollen, dass die Leute bestimmte Dinge tun, schaffen sie sie aus dem Weg.

LS: Was hat die NSA falsch gemacht, wenn es darum ging, das 9/11-Komplott aufzudecken? Edward Snowden legte nahe, „dass die Vereinigten Staaten die richtigen geheimdienstlichen Informationen vor 9/11 besaßen, aber zu handeln versagten.”

WB: Ja, das kam durch Tom Drakes Benutzung von ThinThread heraus. Drake ging nach der Tat im Frühjahr 2002 die gesamte Datenbasis der NSA durch und analysierte sie. Er fand heraus, dass die NSA in Wirklichkeit vor 9/11 in ihrer Datenbank alle notwendigen Informationen gehabt hatte, um herauszufinden, wer beteiligt war, wo sie sich befanden. Mann hätte die ganze Sache zusammenzusetzen können und wäre in der Lage gewesen, sie zu stoppen.

Schauen Sie, das eigentliche Problem damit ist doch, dass die Industrie so sehr in die NSA integriert und an den Operationen beteiligt ist – ich meine, sie sind untrennbar miteinander verbunden, sie arbeiten in den gleichen Räumen. Die Industrie hat jedoch ein ureigenes Interesse daran, in Zukunft neue Aufträge zu erhalten, so dass sie mehr und mehr Geld verdienen kann. Sie hat also ein Interesse daran, das Problem am Laufen zu halten, statt es zu lösen. Sie führt im Laufe der Zeit lediglich schrittweise Verbesserungen ein. Das hält sie auf vorderster Position, um an die Nachfolgeaufträge zu kommen. Das ist übrigens seit Jahrzehnten die gängige Praxis, die sie benutzen.

LS: Denken Sie, dass die Ausweitung verschiedener NSA-Programme als Reaktion auf 9/11 gerechtfertigt ist?

WB: Absolut nicht! Das ist auch, was ich damals sofort ablehnte. Sie hätten das stoppen sollen, indem sie mit Automation gegen ein eingegrenztes Ziel zur Informationsgewinnung vorgegangen wären. Mit anderen Worten, sie kannten die grundlegenden Ziele und die Leute, die mit ihnen verbunden waren oder in enger Beziehung zu ihnen standen. Das hätten sie definieren können, sie hätten diese Daten herausziehen können und sie hätten ihre analytischen Bemühungen darauf konzentrieren können, um das Problem zu lösen. Das taten sie aber nicht. Stattdessen beschlossen sie, eine größere Behörde aufzubauen, ein viel größeres Budget zu genehmigen und eine viel größere Gruppe von Vertragspartnern und Vertragsagenten zu beschäftigen. Das war der Weg, den sie nahmen. Ich nannte das die Opferung der Sicherheit der Menschen in den Vereinigten Staaten und der Menschen in der freien Welt zugunsten von Geld.

LS: Der NSA-Whistleblower Thomas Drake erklärte in einem Interview mit mir ebenfalls, dass der Nexus 9/11 – Krieg gegen den Terror – als Vorwand benutzt wird, um Programme auszuweiten, die vor 9/11 existierten. Ein Beispiel, glaube ich, wäre Echelon. Könnten Sie uns vielleicht etwas über die Entwicklung von Echelon sagen?
 
WB: Ich weiß nicht allzu viel über das, was mit Echelon geschah, denn das hatte nicht wirklich mit den Glasfaserleitungen zu tun – und das ist der Bereich, wo sich die Explosion ereignete. Die Explosion in der Kommunikation trat bei den Glasfaserleitungen auf. Es gibt drei Arten von Angriffen darauf: Entweder erhalten die Dienste eine unternehmerische Kooperation mit den nationalen und internationalen Telekommunikationsfirmen oder mit den Firmen, die die Glasfaserleitungen betreiben. Wenn sie diese Vereinbarung mit oder ohne Wissen der Regierung haben dann können sie dort die Leitungen anzapfen und die Abschöpfung der Informationen vornehmen.

Wenn sie jedoch kein Unternehmen haben, das zu einer solchen Kooperation bereit ist, können sie zu ihren Amtskollegen in der Regierung gehen, um zu versuchen, eine Einigung wie in Frankfurt zu erzielen, um die Leitung dort oder an anderen Stellen anzuzapfen. Und wenn das vereinbart ist, dann gibt es eine Regierungsgenehmigung, um zur Tat zu schreiten. Das geschieht zumindest teilweise durch die beteiligte Behörde, wenn nicht von der Regierung selbst. Aber das weiß ich nicht – ich meine, das wäre der Teil, der untersucht werden müsste.

Wenn die Dienste weder eine Regierungs- noch eine Unternehmenszusammenarbeit erhalten, besteht eine weitere Möglichkeit darin, dies ganz einfach unilateral zur Tat zur schreiten – das heißt, die Dienste haben auch Mittel und Wege, um sich ohne die Zusammenarbeit mit der Regierung oder der beteiligten Firma Zugang zu den Glasfaserleitungen zu verschaffen. Das ist wie die Anzapfinstrumente, die sie an die Leitungen anbringen, die zwischen Google und allen großen Internet-Service-Providern bestehen, wenn sie Daten aus ihren großen Lagerzentren hin und her übertragen – sie zapfen die Leitungen ohne das Wissen der Unternehmen an. Das ist die Art von Dingen, die sie mit jedem anderen machen, der nicht kooperieren will. Mit anderen Worten, wenn Sie herausfinden möchten, ob Ihre Leitungen angezapft werden, müssen Sie die Leitung den gesamten Weg zurückverfolgen.

LS: Am 17. August 1975 erklärte Senator Frank Church auf “Meet the Press” von NBC:

“Durch die Notwendigkeit, eine Fähigkeit entwickeln zu müssen, um zu wissen, was potentielle Feinde tun, hat die Regierung der Vereinigten Staaten eine technologische Fähigkeit perfektioniert, die es uns ermöglicht, die Nachrichten, die durch die Luft gehen, zu überwachen. Nun, das ist notwendig und wichtig für die Vereinigten Staaten, da wir im Ausland auf Feinde oder potentielle Feinde sehen. Wir müssen gleichzeitig wissen, dass diese Fähigkeit jederzeit gegen das amerikanische Volk gerichtet werden kann, und so wie die Fähigkeit beschaffen ist, um alles zu überwachen – Telefongespräche, Telegramme, es spielt keine Rolle –, würde keinem Amerikaner irgendeine Privatsphäre übrig gelassen. Es gäbe keinen Platz, um sich zu verstecken. Wenn diese Regierung je zum Tyrann werden würde, wenn in diesem Lande je ein Diktator die Kontrolle übernähme, könnte die technologische Fähigkeit, die die Geheimdienste der Regierung gegeben haben, diese in die Lage versetzen, eine totale Tyrannei zu verhängen, und es gäbe keine Möglichkeit, dagegen anzukämpfen, denn die sorgfältigste Anstrengung, gemeinsam im Widerstand gegen die Regierung vorzugehen, egal wie privat dies gemacht werden würde, befände sich in Reichweite der Reichweite, um herausgefunden zu werden. So ist die Fähigkeit dieser Technologie beschaffen. Ich will dieses Land niemals je über diese Brücke gehen sehen. Ich weiß, dass die Fähigkeit, um die Tyrannei in Amerika komplett zu machen, da ist, und wir müssen dafür sorgen, dass diese Behörde [die National Security Agency] und alle Behörden, die diese Technologie besitzen, im Rahmen des Gesetzes und unter Aufsicht operieren, so dass wir nie über diesen Abgrund hinaus gehen. Das ist der Abgrund, von dem aus es keine Rückkehr mehr gibt.”

Wie klingen diese Worte heute?

WB: Sie trafen den Nagel auf den Kopf. Frank Church erfasste es sofort. Der Punkt ist, dass die Dienste sich im Prozess der Perfektionierung dieser ganzen Operation befinden, und der Punkt ist, dass jetzt, da jeder über eine größere Kapazität verfügt, um zu kommunizieren, die Verletzung der Privatsphäre oder der Eingriff in das, um was sich das Leben der Menschen dreht, noch schlimmer ist als das, was sich Frank Church damals vorstellen konnte. Damals dachte er nur über die Festnetz-Telefonate nach, nur darauf blickte er. Nunmehr geht es auch Mobiltelefone, Satellitentelefone, das Internet, die Computer, die Tablets, und so weiter. All die Netze, die die Leute mit sich herumzutragen. Es gibt mindestens über dreieinhalb Milliarden Mobiltelefone in der Welt, und in Bezug auf Computer verhält es sich sehr ähnlich. Die Explosion war sowohl hinsichtlich des Volumens als auch hinsichtlich der Anzahl enorm. Frank Church konnte sich das zu seiner Zeit nicht erträumen; er sprach bloß über ein kleineres Segment dessen, was verfügbar war zu jener Zeit. Und jetzt ist das Eindringen noch größer.

Und ich möchte auch darauf hinweisen, dass dies Teil der fundamentalen Gründe für die Amtsenthebung von Richard Nixon war. Sie bereiteten vor, ihn aus dem Amt zu werfen, als er zurücktrat. Aber zu dieser Zeit im Rahmen der Programme MINARETTE bei der NSA und COINTELPRO beim FBI und CHAOS bei der CIA, spionierte Nixon nur ein paar Tausend Leuten hinterher. Jetzt machen sie das bei Hunderten von Millionen in den USA, es gibt fast 300 Millionen US-Bürger – die Milliarde-plus im Rest der Welt gar nicht mitgezählt. Wenn sie nur über die USA reden, machen sie das jetzt bei praktisch jedermann. Wenn sie ein Telefon oder einen Computer oder irgendeine Art von Bankkarte verwenden oder wenn sie einen Scheck schreiben oder irgendetwas solcher Art tun, werden sie bespitzelt. Das Eindringen ist heute noch so viel größer und noch so viel umfassender.

Aber wir denken noch nicht einmal über die Amtsenthebung von Leuten nach. Wir hätten George W. Bush und Richard Cheney des Amtes dafür entheben sollen, damit überhaupt begonnen zu haben, aber wir taten es nicht. Und das ist übrigens der Grund, warum sie das alles im Verborgenen hielten – sie wussten, dass sie die US-Verfassung verletzten, und sie wussten, dass sie auch die Gesetze verletzten. Das ist auch, warum Sie den Telefongesellschaften rückwirkend Immunität geben mussten, weil sie ihnen Zugang zu den Telefonleitungen und zu den Glasfaserleitungen gaben, die nicht nur das Telefon, sondern auch das Internet transportierten. Und sie gaben ihnen auch alle Aufzeichnungen über ihre Kunden. Das alles waren Verstöße gegen die Gesetze und Verstöße gegen die verfassungsmäßigen Rechte der US-Bürger im Ersten, Vierten und Fünften Verfassungszusatz, mindestens.

LS: Bill, dies hörend, muss ich fragen: Sind Sie enttäuscht von der Reaktion Ihrer Landsleute im Zusammenhang mit diesen NSA-Enthüllungen?

WB: Ja, aber ich denke, dass die meisten von ihnen immer noch nicht verstehen, was das wirklich bedeutet. Ich habe hier ein wenig Hoffnung durch die ersten Rückmeldungen zu “CITIZENFOUR”, dem Film von Laura Poitras über Edward Snowden und dem Whistleblowing, das wir betrieben haben. Das ist sehr positiv, und ich denke, es hilft, die Bevölkerung hier über das zu unterrichten, was das wirklich bedeutet. Ich denke, wenn sie es wirklich zu verstehen, was vor sich geht und was ihre Regierung ihnen antut, dass sie darauf reagieren werden, und in einer positiven Weise reagieren werden, und erzwingen, dass sich die Regierung ändert.

LS: Ich würde auch gerne ein paar Fragen im Zusammenhang mit PROMIS diskutieren wollen, einer Software für Data Mining, die von Bill Hamiltons Softwarefirma INSLAW entwickelt wurde und vom US-Justizministerium / US-Geheimdiensten gestohlen wurde. Dr. Norman Bailey war die Person im Nationalen Sicherheitsrat der USA im Jahre 1981, die für die neue Signal Intelligence-Mission (Informationsgewinnungsmission) der NSA verantwortlich war, welche als “Follow the Money” bekannt wurde. Nach meinen Informationen sagte Dr. Bailey gegenüber INSLAW, dass sie NSA ihn über die Tatsache unterrichtet gehabt hatte, dass es die PROMIS-Software vom US-Justizministerium erhalten habe und sie als Hauptsoftware auf Computern von Clearinghäuser, Geschäftsbanken, Investmentbanken, Kreditkartenunternehmen und internationalen Finanzinstitutionen für die Echtzeit-Überwachung von elektronischen Geldüberweisungen im Bankensektor verwendete. Dr. Bailey bestätigte die Verwendung von PROMIS als “das Hauptsoftwareelement” von “Follow the Money” im Jahre 2008 auch später öffentlich. Wussten Sie, während Sie Mitarbeiter bei der NSA waren, von der PROMIS-Nutzung der NSA für ihre Banküberwachungsmission “Follow the Money”?

WB: Ich hatte persönlich keine Kenntnis von dem PROMIS-Programm PROMIS oder wie es von der NSA genutzt wurde. Ich wusste, dass es einen Versuch gab, sich Geldüberweisungen anzuschauen. Ich dachte, es ging um ihre Rückverfolgung für Terrorismus, für Drogenschmuggel, einfach internationale Kriminalität. Aber ich hatte keine Kenntnis vom PROMIS-Programm.

LS: Im Rückblick – was würden Sie gerne über PROMIS sagen? Ich meine, der ganze Fall ist immer noch nicht beigelegt, obwohl er in den 1980er Jahren begann und es keinen Zweifel daran gibt, dass die Software von US-Geheimdiensten wie CIA und NSA gestohlen wurde…

WB: Ich bin nicht überrascht darüber. Ich glaube, sie versuchten, einiges von dem geistigen Kapital, das wir hatten, nachdem wir zurückgetreten waren, zu stehlen. Die Art, wie sie es tat, war, dass sie uns das FBI schickten, um uns letztlich zu überfallen. Ich hatte von ihnen erwartet, dass sie unsere Computer aktiv angreifen würden und versuchen, die Informationen dort zu finden. Wir kannten diese Leute, und so dokumentierten wir nie etwas in einer Computerdatei, nichts war in dem Sinne dokumentiert, dass es für sie verwendbar gewesen wäre, auf Papier oder elektronisch – wir liefen mit all diesem Wissen in unseren Köpfen herum und hielten nichts davon fest, so dass es jeder hätte haben können.

Es gab ein großes geheimdienstliches Unternehmen in den Vereinigten Staaten, das bei uns eine Art von Zwangsübernahme versuchte, aber was sie nicht realisiert hatten, war, dass all das intellektuelle Kapital in unseren Gehirnen war. Das konnten sie uns nicht nehmen. Es gab nichts, was sie hätten tun können, um die Informationen von uns zu erhalten. Sie scheiterten also. Und auch die Regierung scheiterte, als sie sie von uns zu erhalten versuchte.

PROMIS war eine andere Geschichte. Sie gingen eine Vereinbarung ein und mein Verständnis ist, dass sie die Vereinbarung mit Bill Hamilton brach. Ich denke, dies ist ein Fall für die Gerichte, das vor langer Zeit in den Gerichten hätten gelöst werden sollen.

LS: PROMIS ist also nie ein Thema unter Ihren Kollegen bei der NSA gewesen?

WB: Nein, wir haben nie darüber gesprochen, und ich habe nie überhaupt nur vom PROMIS-Programm gehört, während ich bei der NSA arbeitete.

LS: Ist die Wall Street ein wichtiger Akteur des tiefen Staats in den USA?

WB: Ich denke, politisch sicherlich sowieso, weil sie eine Menge Geld zu den politischen Kampagnen beitragen. Und natürlich haben sie ihre eigenen Lobbyisten und all das. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht irgendwo Input in dem Prozess haben. Es erscheint mir nur realistisch.

LS: Nun, die CIA beispielsweise wurde durch Investmentbanker und Rechtsanwälte von der Wall Street geformt und auf den Weg gebracht.

WB: Ja, und natürlich bekamen sie Milliarden von uns. Und wenn Sie den Fall von Elliot Spitzer zum Beispiel nehmen – er war in New York und verfolgte die Banker für die ganzen Betrügereien. Er ging ihnen strafverfolgend nach, und natürlich sind sie ihn losgeworden. Sie hatten das FBI durch alle seine Daten schauen lassen, nehme ich an, weil ich nicht weiß, wie sie sonst daran gekommen sein sollen. Das FBI hatte durch das Prism-Programm direkten Zugang auf die Namen-Datenbanken bei der NSA, alle E-Mails, Telefon-Anrufe und Finanztransaktionen in diesen Datenbanken, und das FBI hatte Zugang dazu und konnte die Daten anschauen und die ganzen Finanzen, Telefonanrufe und was weiß ich noch für Elliot finden. Und sie konnten einige Beweise gegen ihn finden, die sie nutzen konnten, um ihn loszuwerden, was sie ja auch taten.

Meine Frage war von Anfang an, was ihr Motiv gewesen sein mag, um das überhaupt zu tun? Ich habe nie wirklich unsere Regierung etwas darüber sagen gehört, denn sie mögen nicht den Vierten Verfassungszusatz, der einschränkt, was sie tun darf und was nicht. Sie wollen freie Hand haben, um jeden, den sie wollen, loswerden zu können.

Wie in meinem Fall, im Fall von Kirk Wiebe, oder auch im Fall von Tom Drake, versuchten sie, uns durch die Fälschung von Beweismitteln und die Anfertigung einer Anklage gegen uns loszuwerden. Nun, wissen sie, das war die Fälschung von Beweisen, um sie bei Gericht einzureichen, damit Leute für Jahrzehnte weggesperrt werden. Das ist, was uns anzutun versuchten. Ich erwischte sie dabei, okay, so dass sie schließlich all das fallen lassen mussten. Aber ich meine, das ist unser Justizministerium; das ist nicht gerecht, das ist kriminell. Also, die Leute da unten, was sie tun, in den Geheimdienstausschüsse des Repräsentantenhauses und Senats, das FISA-Gericht, das Justizministerium und das Weiße Haus, sie versuchen jedwede Enthüllung dessen zu vertuschen, und das ist der Grund, warum sie wirklich hinter Snowden her waren, und das ist der Grund, warum sie all diese Enthüllungen stoppen wollten, weil sie die Verbrechen bloßstellen, die sie gegen die Menschen in den USA und gegen die Menschen in der Welt begingen.

LS: Zwei andere Fragen: Wer sind die größten privaten Auftragnehmer, die IT- und Telekommunikationssysteme für die NSA zu verwalten, und wie sieht ihr Zugang und ihre potenziellen Nutzung der Daten aus, um ihren privaten Interessen zu dienen?

WB: Nun, sehen sie, das ist, worüber ich zuvor sprach: diejenigen, die die Daten für die NSA managen, sind Auftragnehmer, und das sind Auftragnehmer-Organisationen oder -Unternehmen, die viele Interessen haben – nicht nur im geheimdienstlichen Bereich. Sie haben dort Zugang, und das ist eine reale Gefahr, ob sie das für Industriespionage verwenden, um sich einen Vorteil in einer internationalen Ausschreibung für Verträge zu verschaffen. Das ist stets eine Gefahr. Ich weiß nicht, wie sie das überwachen, und ich weiß nicht, was sie tun, um sicherzustellen, dass das nicht passiert.

Auch möchte ich darauf hinweisen, dass diese Arten von Datenerfassungen nicht nur auf NSA und BND beschränkt sind, es gibt auch andere beteiligte Länder, die ebenfalls Teilungsvereinbarungen haben und die Fähigkeit besitzen, wie durch XKeyscore, diese Datensätze zu sehen. Das eröffnet eine immense Palette an potenziellem Missbrauch. Ich weiß nicht, ob sie Vereinbarungen haben, um das zu überwachen oder zu verhindern oder zu stoppen, wenn sie das vorfinden. Ich weiß nicht, was sie tun. (lacht.) Sie haben’s nicht deutlich gemacht. Ich meine, sie tun dies sowieso alles im Geheimen.

LS: Und es ist durchaus ein Problem angesichts der Tatsache, dass rund 70 Prozent des US-Geheimdienste-Budgets an Auftragnehmer-Unternehmen ausgelagert ist. Noch eine Frage, und ich weiß, die ist schwer zu beantworten, aber ich denke, sie ist von entscheidender Bedeutung: Werden NSA-Systeme verwendet, um die Finanzmärkte zu managen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der NY Fed, der operative Arm des Federal Reserve Systems?

WB: Ich weiß nicht, ob das Finanzministerium oder irgendein Teil des Federal Reserve Systems diese Programme nutzt. Sie beziehen wahrscheinlich indirekt Vorteil daraus, aber ich weiß nicht, ob sie die direkt verwenden. Sie sind Teil der Regierung, wissen Sie – sie teilen Wissen über die Regierung hinweg, wie viel, da bin ich nicht sicher. Aber noch einmal, welche Vereinbarungen auch immer getroffen wurden, diese würden innerhalb der US-Regierung getroffen werden, um zu bestimmen, welche Art von Austausch vor sich gehen würde und wie die Ebene des Zugangs dazu wäre.
 
LS: Wie würden Sie denken, sieht die indirekte Verwendung dieser Systeme aus?

WB: Ich würde denken, dass sie das Treasury und alle Banken Geldtransfers in und aus dem Land berichten. Auch würde ich denken, dass sie über die Geschäftsunterlagen alle Arten von Finanztransaktionen nehmen, darunter nicht nur Kreditkarten, sondern auch Banküberweisungen von Geld, das zwischen den Banken auf der ganzen Welt hin und hergeht. Auch alle persönlichen Schecks und Überweisungen von Geld durch Individuen sowohl innerhalb des Landes als auch anderswo, die sie bekommen können. Das sind die Arten von Transfers, nach denen sie suchen würden. Sie schauen nach Muster der Übertragung von Geld, die auf Auszahlungen für Drogengeschäfte, Geldwäsche oder ähnliches hinweisen. Ich würde denken, dass sie das tun.

LS: Und wie Sie wissen, hat das Finanzministerium dieses Office of Terrorism and Financial Intelligence als Anti-Terror-Finanzeinheit (Counterterrorism Finance Unit). Glauben Sie, dass die NSA mit ihnen arbeitet?

WB: Ich nehme an, dass sie das tun. Die Ebene der Zusammenarbeit würde wieder in Vereinbarungen festgelegt werden.


Autor Lars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Original-Veröffentlichung: Plumbing the Depths of NSA’s Spying auf Consortiumnews.com

Bild- und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: “Analyse” – http://pixabay.com/de
  2. “William Binney” – Wikipedia – CC Lizenz

Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“

von Pierre Hillard

Pierre Hillard schildert die Geschichte einer ideologischen Strömung, die ihren Stempel auf die aktuellen Versuche der Gruppierung von Staaten zu regionalen Blöcken aufdrückt und die versucht, sie in Richtung einer Weltordnungspolitik zu bewegen. Ihr Ziel ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern um die finanzielle und kommerzielle Macht der angelsächsischen Welt zu erweitern. Sie theoretisiert und beschreibt das Projekt einer auf den Ruinen der Nationalstaaten errichteten “Neuen Weltordnung”. Natürlich geht es nicht darum, alle Anstrengungen die versuchen, nationalen Streitigkeiten ein Ende zu setzen, als Wille zur Dominanz auszulegen. Aber es ist unerlässlich, dieses Projekt der politischen Globalisierung zu studieren, damit es nicht das Ideal der menschlichen Einheit in einen totalitären Alptraum verwandelt.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Die Staatsoberhäupter und Regierungschefs der 20 Großmächte der Welt, haben in London am 2. April 2009, um Königin Elizabeth II. herum versammelt, in Erwägung gezogen, eine weltweite wirtschaftliche Direktion zu erstellen.

Mit der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon durch die 27 europäischen Staaten markiert die Wahl von Herman van Rompuy zum Präsidenten des Europäischen Rates und die von Catherine Ashton zur hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik am 19. November 2009 einen Wendepunkt in den globalen Ambitionen. Die Europäische Union (EU) wird schrittweise mit einem politischen Gesicht und einer “Telefonnummer”, mit Worten von Henry Kissinger, ausgestattet. Sicherlich, neue Einstellungen – eine Art von einfahren – sind erforderlich, um diese regionale Union wirklich flott zu machen. In der Tat bleiben Rivalitäten zwischen dem Präsidenten des Europäischen Rates, dem Präsidenten der Europäischen Kommission und dem turnusmäßigen Vorsitz von sechs Monaten bestehen. Diese Situation verärgert zutiefst die Obama-Administration  [1]. Jedoch mit der Rechtspersönlichkeit und dem vollen Vorrang des Gemeinschaftsrechts vor dem nationalen Recht, kann die Europäische Union beanspruchen (durchsetzen?), ein Schauspieler auf der internationalen Bühne zu werden. Es wäre falsch zu behaupten, dass diese neue Berufung in völliger Unabhängigkeit vom Rest der Welt wäre. In Wirklichkeit gehen die durch die finanzielle Oligarchie unterstützten pro-europäischen Eliten, in Verbindung und in Geistesgemeinschaft mit allen anderen auf dem Planeten in Entwicklung stehenden Formen der regionalen Zusammenschlüsse, voran.

In der Tat ist die Europäische Union nur eine Komponente eines umfassenden Programms, das zur Entstehung von Kontinentalblöcken mit jeweils seiner Währung, seiner Staatsbürgerschaft, seinem gemeinsamen Parlament usw. führt. Alle diese Blöcke zusammen sollen eine globale Gouvernanz darstellen. Wir können bereits die folgenden in Ausbildung befindlichen regionalen Ableger erkennen:

Eurasec Emblem Die Eurasiatische Wirtschaftsgemeinschaft Communauté Economique Eurasiatique (CEEA oder Eurasec für Eurasian Economic Community[2] : im Oktober 2000 gegründet und mehrere ehemalige Ostblock-Länder versammelnd (Russland, Kasachstan, Belarus,…), ist ihr Ziel die Schaffung einer Zollunion  [3] ab 2010, mit der Idee einer gemeinsamen, mit “Evraz” bezeichneten Währung,  [4] oder “Euras” oder sogar “Eurasien” (der Name dieser Währung kann sich noch ändern) [5].

Union der südamerikanischen Nationen (UNASUR)  [6] : erstellt im Mai 2008, soll sie von einer subregionalen Logik in eine regionale Identität gleiten, indem sie den Mercosur und die Andengemeinschaft in eine einzige Organisation verschmilzt, d.h. durch die Zusammenführung aller Staaten des südamerikanischen Kontinents (mit Ausnahme von Französisch-Guayana und den britischen Sandwich- und Falklandinseln [Malvinas]). Das angestrebte Ideal ist die Einrichtung eines Parlaments, eine einheitliche Währung zu erreichen  [7] und eine gemeinsame Staatsbürgerschaft. Die UNASUR unterhält privilegierte Beziehungen zu ihrem europäischen Modell im Rahmen einer euro-lateinamerikanischen parlamentarischen Versammlung, genannt EUROLAT [8].

Cliché 2010-02-21 12-53-45

Das zentralamerikanische Integrationssystem (SICA)  [9] : Die im Dezember 1991 gegründete Gruppe von mittelamerikanischen Ländern verfolgen die gleichen, oben genannten Ziele, insbesondere die Schaffung einer einheitlichen Währung nach dem 33. Kongress in San Pedro Sula (Honduras) im Dezember 2008.

 

 

logo Die Einführung der “Organisation für afrikanische Einheit” (OAU)  [10] 1963, ermöglichte ab den Jahren 1999-2000, mit der Schaffung der Afrikanischen Union Union Africaine (die UA, in Durban im Juli 2002) und der „neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas”(NEPAD) gut vorwärts zu kommen [11]. Die Ziele (Kommission, Pan-Afrikanisches Parlament, afrikanischer Gerichtshof der Menschenrechte, usw.) sind gut auf dem europäischen Modell verankert [12].

 

Cliché 2010-02-21 13-29-02 Der Rat der Kooperation des Golfes (Golf Cooperation Council, GCC)  [13] : 1981 gegründet, neigt er zu einer immer engeren Union zwischen den Golfstaaten (Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten). Eine gemeinsame Währung ist für 2010-2011 geplant. Der von einigen vorgelegte Name heiße “Chalidschi”. Jedoch, selbst wenn das Prinzip der Währung akzeptiert ist, ist der Name dieser Währung nicht gewährleistet [14].

 

asean Eine asiatische Union nimmt Form unter der Schirmherrschaft der drei Hauptakteure an: Japan (CEAT Council on East Asian Community), China (NEAT, the Network of East Asian Think Tank) und Südkorea (FAE, the East Asia Forum). Seit dem 1. Januar 2010 starteten China und die ASEAN (englische Abkürzung für Association of Southeast Asian Nations) die größte Freihandelszone der Welt, der sich Korea, Japan, Australien und Neuseeland angeschlossen hatten. Sie sollte ” diesen Prozess der Regionalisierung beschleunigen” wie Xu Ningning, Generalsekretär des wirtschaftlichen Rates Asean-China, sich ausdrückte [15].

 

spp_200 Eine nordamerikanische Union wurde im März 2005 in Texas (Waco) zwischen amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Staatsmännern im Rahmen der PSP (Partnerschaft, Sicherheit und Wohlstand) gestartet. [16]. Das erklärte Ziel ist theoretisch im Laufe des Jahres 2010, die Schaffung eines politischen, wirtschaftlichen und militärischen vereinten Perimeters zwischen den drei Staaten zu erreichen [17]. Eine Währungseinheit “Amero” oder “North American Dollar” genannt (die Bezeichnung dieser neuen Währung ist nicht gewährleistet) sollte den US- und kanadischen Dollar sowie den mexikanische Peso ersetzen [18]. Diese Mutation geht über den Zusammenbruch des Dollars und des Welt-Finanz und Währungssystems. Die globale Systemkrise (politische, Finanz-, Währungs- und geopolitische) wird akuter zu Beginn des Jahres 2010, um die Ankunft dieser, von den Ministranten des Systems gewünschten, „Neuen Weltordnung“ zu fördern.

Schließlich wäre theoretisch für 2015 die Schaffung eines einheitlichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Euro-Atlantischen Block vorgesehen [19]. Wir können erwähnen, dass das Europäische Parlament eine Resolution am 26. März 2009 adoptierte, die „den Stand der transatlantischen Beziehungen nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten“ betraf. Diese Entschließung hat das Verdienst an alle politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abkommen zu erinnern, auf beiden Seiten des Atlantiks, um zu einer transatlantischen Union zu führen [20].

arton160992-fe40dDiese Liste wäre nicht vollständig, ohne ein wichtiges Ereignis zu erwähnen, das von der französischen Presse übersehen wurde. In der Tat haben am Gipfel von Aquila in Italien (8 – 10 Juli 2009) die Staatschefs verschiedene Fragen (Wirtschaftskrise, Klima,…) bearbeitet. Der russische Präsident Medwedew hat jedoch bei einem Treffen mit Journalisten einen Prototyp der Weltwährung in Form einer in Belgien gemachten Münze gezeigt, auf der auf Englisch “in Vielfalt geeint” eingraviert war. [21]. Diese Präsentation ist ein wichtiger Wendepunkt. Zum ersten Mal präsentierte ein Staatsoberhaupt ein Exemplar einer Währung, die in der Lage ist, die einmalige Referenz für die gesamte Menschheit zu werden [22]. Diese Geste vervollständigt die Worte von Herman van Rompuy, der in seiner Dankrede nach seiner Berufung in das Amt des Präsidenten des Rates der Europäischen Union nicht gezögert hat, diese schweren bedeutungsvollen Worte auszusprechen: „2009 ist auch das erste Jahr der globalen Governance [Steuerungssystem] mit der Einführung des G20-Gipfels mitten in der finanziellen Krise.“ [23].

Diese Aussage – seitens eines Anhängers der globalen Governance – soll uns zum Nachdenken bringen und uns selbst die Frage stellen: wie sind wir dazu gekommen? Und zwar die Beschreibung dieser verschiedenen Zusammenschlüsse, im Rahmen einer einzigen Behörde – zugleich mit der internen Zersplitterung der Staaten, die sie bilden  [24] – ist nicht das Ergebnis des Zufalls. In der Tat ist diese Mutation das Ergebnis einer sehr langen, gründlichen Arbeit seitens der finanziellen Oligarchien  [25] und politischen Eliten im Rahmen der Think Tanks und Stiftungen.


 

Die Angelsächsische Oligarchie und ihre Fürsten

Die französische Öffentlichkeit ist leider unwissend über die eigentlichen Akteure der Weltpolitik, die ihrer Talente mehr hinter den Kulissen als auf der politischen Bühne ausüben. Zum besseren Verständnis der katastrophalen Situation, in der sich die nationalen Befürworter zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden, ist es notwendig, die eminent wichtige Rolle der angelsächsischen aristokratischen Finanzmacht in groben Zügen darzustellen. Sie war schon immer ein Staat im Staat. Man kann ihre Machtannahme auf die Einführung der “Magna Charta” vom 15. Juni 1215 festlegen. Nach der Niederlage von König Johann-Ohneland von England gegen König Philippe Auguste am 27. Juli 1214 bei Bouvines, haben die englischen Barone politische und finanzielle Privilegien an sich gerissen. Von nun an ist die britische Krone verpflichtet, mit einer Kaste, die Stärke, Finanzkraft und kommerzielle Ambitionen besitzt, zu komponieren und zu kooperieren. Von diesem Zeitpunkt an war eine gierige, fordernde und stolze Elite geboren. Sie ist die Ursache für die Existenz dieser druckausübenden Gruppen (oder Lobbys), die über so verschiedene Kanäle, wie Finanz, Auskunft oder Medien, Druck auf die politische Macht ausüben. Da Letztere in starker Abhängigkeit von Unterstützung und Bargeld steht, um ihr Dasein zu sichern, ist sie absolut verpflichtet, die Meinungen und Ratschläge dieser Kaste zu berücksichtigen. Die Think-Tanks (“Forschungseinrichtungen”; aber die Übersetzung ist unsachgemäß), Stiftungen und elitäre Gruppen sind die logische Fortsetzung einer elitären und merkantilen Denkweise. Diese Kreise wurden die unumgänglichen Zentren einer aktiven Minderheit, welche die Zukunft der angelsächsischen Welt, und dann langsam von einem zum anderen Land fortschreitend, das ganze Universum bestimmen. Im Gegensatz zum französischen politischen Design, das jede Aktivität dem Staat unterstellt, hängen diese wirtschaftspolitischen Organisationen nicht mehr von der nationalen Autorität ab. Sie haben sehr früh ihre Talente entwickelt. Seit dem Mittelalter waren Firmen wie das London Staplers, die London Mercers Company oder sogar die britische Ostindien-Kompanie (die British East India Company (BEIC) im 17. Jahrhundert) die Speerspitzen des britischen Imperialismus. So übergab sich die kommerzielle Aristokratie die Fackel der Eroberung und Kontrolle des Reichtums von Generation zu Generation. “Toujours plus“ [Immer mehr], in Worten von François de Closets [franz. Journalist AdÜ].

Die französische Niederlage in Nordamerika führt zu dem Vertrag vom 10. Februar 1763, der als Geburtsakt für den Aufstieg der britischen Oligarchie gelten kann. Der Verlust von Neu-Frankreich bietet der britischen Krone einen ganzen Kontinent voller Reichtum und mit wenigen Einwohnern. Die Unfähigkeit der französischen Monarchie, diese riesigen Gebiete zu bevölkern und sie in die Sphäre der griechisch-römischen Zivilisation einzugliedern, überlässt diesen Raum der angelsächsischen Macht. Mit einem Schuss messianischen Geistes erobern die amerikanischen Eliten in Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen das Gebiet und sind bereit, ihr Modell der ganzen Welt aufzuzwingen. Nach den Kriegen der Revolution und der Niederlage Napoleons 1815 hat die angelsächsische Macht keine weiteren Rivalen auf der See. Demographische Macht, Besiedlung großer Gebiete in Nord-Amerika, Süd-Afrika, Australien und Neuseeland, Kontrolle über strategische Punkte überall auf der Welt (Gibraltar, Hongkong,…), Kontrolle der Territorien auf fast allen Kontinenten, fortschrittliche Technik und effizienter Bankensektor ermöglichen dieser kommerziellen Aristokratie von London und New York, von einer Kontrolle über die Welt unter der Schirmherrschaft der City und der Wall Street zu träumen. Ein Mann war die führende Figur dieses Ideals: Cecil Rhodes.


 

Cecil Rhodes (1853-1902) [26]

Dieser große Verteidiger des britischen Empires emigrierte nach Südafrika, wo seine Persönlichkeit und seine geistigen übergroßen Qualitäten ihm erlauben, ein Vermögen mit Diamanten zu machen. Er ist am Ursprung der De Beers Diamond Industrie zusammen mit Nathaniel Mayer Rothschild (1840-1915). Sein kolossales Vermögen öffnet ihm die Türen der britischen Kolonie, Cecil Rhodes legt den Grundstein für den Südafrikanischen Staat (Dominion of the British Empire), der ein paar Jahre nach seinem Tod im Jahre 1910 Form annimmt. Sein finanzieller und politischer Einfluss lässt ihn Gebiete kontrollieren, denen er seinen Namen gibt: Rhodesien. Später in Nordrhodesien und Südrhodesien aufgeteilt, wurden diese Staaten Simbabwe und Sambia. Allerdings ist seine große koloniale Idee, eine große Eisenbahn von Kapstadt nach Kairo zu bauen. In seiner Verteidigung des britischen Empires haben die Verbindungswege eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung von Ressourcen jeglicher Art. Die Entwicklung der Wege (in allen diesen Formen [27]) ist die obligatorische Passage für das reibungslose Funktionieren von jedem Reich. Dieses Gebot ist sehr aktuell am Anfang des 21. Jahrhunderts [28]. Diese Verbindungen sind die Arterien der Versorgung des kommerziellen und politischen Imperiums.

Cecil Rhodes (1853-1902)

Cecil Rhodes (1853-1902)

Über das reibungslose Funktionieren des britischen Empire hinaus hat Cecil Rhodes noch ein höheres Ideal. In der Tat, von der Überlegenheit der angelsächsischen “Rasse” überzeugt, entwarf er eine Politik um diesen Vorrang zu sichern: die Vereinigung von allen angelsächsischen Ländern oder genauer gesagt, die Einführung eines Blocks zwischen dem britischen Empire und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Ganze müsste für ihn die Basis der Geburt eines Staates der Welt erlauben, das von den Prinzipien und der Philosophie des angelsächsischen Unternehmer-Adels belebt wird. Um dies zu erreichen, hält er es für notwendig, höhere Persönlichkeiten innerhalb der Universitäten zu rekrutieren, die von dem gleichen Ideal animiert sind, und die unterstützt werden, um so vielfältige Schlüssel-Positionen wie in Wirtschaft, Finanz, Militär, Bildung, Nachrichtendienst oder sogar Journalismus einzunehmen. So werden, ähnlich einem Armeekorps, diese verschiedenen Menschen echte Jesuiten der Globalisierung für das gleiche Ziel, um in ihren jeweiligen Ländern Köpfe zu trainieren, zugleich mit der Entwicklung der politischen Strukturen, die zur Entstehung von diesem globalen wirtschaftlichen Staat beitragen. In seinem Kopf geht dieser titanische und sehr zeitaufwendige Ehrgeiz über die Schaffung von “Cecil Rhodes-Stipendien” (Rhodes Scholarships). Cecil Rhodes hatte nicht die Genugtuung, die Verwirklichung dieses Ideals in seinem Leben zu sehen. Erst 1904 starten seine engsten Berater die ersten Stipendien, die seinen Namen tragen, an der Universität von Oxford. Der französische Soziologe, Auguste Comte, sagte, dass „die Toten die Lebenden regieren“. Diese Formel kann weitgehend auf Cecil Rhodes angewendet werden. Seine Konzepte haben die Welt des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhundert geschmiedet. Ohne sie alle zu zitieren, haben wir bei den Empfängern von Cecil Rhodes-Stipendien: den Premierminister von Australien Bob Hawke (1981/1993); James Wolsey, Direktor der CIA (1993/1995); Wesley Clarke, Patron der NATO in den 1990er Jahren und einer der Hauptakteure in der Zerstörung von Jugoslawien im März 1999; den Präsidenten Bill Clinton (Klasse 1968) und James William Fullbright (Senator von Arkansas und wichtige Figur in der amerikanischen Politik) [29].

Die Politik von Cecil Rhodes hätte nicht ohne die Aktion von seinen engsten Beratern ihre Größe erreichen können. Hier können wir auch nicht die sehr umfangreiche Liste der anglo-amerikanischen Gründung (Anglo-American Etablishment) von Carroll Quigley zitieren. Die Männer rund um Cecil Rhodes zeichnen sich durch eine wichtige Tatsache aus; Sie besetzen die Schlüsselsektoren der britischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts [30]. Sie haben die Zukunft der Welt auf unbarmherzige Weise bestimmt. Von dieser langen Liste behalten wir drei Nahmen.

Alfred Milner (1854-1925)

Alfred Milner (1854-1925)

Eine der Galionsfiguren, Nachfolger und spiritueller Sohn von Cecil Rhodes, war Alfred Milner (1854-1925, auch Lord Milner genannt). Unter seinen vielen Aktivitäten wie zum Beispiel Direktor der Londoner Aktien Bank (London Joint Stock Bank), leitete er das Kriegskabinett von Premierminister Lloyd George während des Konflikts 1914-1918. In diesem Krieg spielte sich ein für die künftigen Generationen entscheidendes Ereignis im November 1917 ab. In der Tat, behauptete die “Balfour-Deklaration” (Arthur James Balfour, britischer Politiker) unter der Schirmherrschaft der britischen Regierung die Anerkennung eines jüdischen Heimes in Palästina. Diese Deklaration wurde durch einen Brief an Walther Rotschild, der Vermittler der Zionistischen Bewegung in Großbritannien war, direkt offiziell. In Wirklichkeit war der echte Herausgeber dieser Erklärung Alfred Milner. Wie Carroll Quigley erklärt, sollte die “Balfour-Deklaration” in Wirklichkeit die „Milner-Deklaration“ heißen [31].

Philipp Kerr (1882 – 1940, jetzt lord Lothian) war Privatsekretär von Lloyd George. Es genügt um zu zeigen, dass er im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen des englischen Premierministers und ein Förderband für die gesamte „Milner-Gruppe“ war. [32]. Anschließend war er Botschafter des Vereinigten Königreichs in Washington.

Schließlich können wir Lionel Curtis (1872-1955) erwähnen. Neben seiner Beteiligung an der Arbeit des Versailler Vertrages ist er Autor des Begriffs „Commonwealth of Nations“ dessen Anwendung aus 1948 stammt. Wie Carroll Quigley offenbart, ist dieser Ausdruck das Ergebnis der Arbeit, deren Ziel es war, das britische Empire auf die politischen Veränderungen einer weltweiten Organisation vorzubereiten. Diese Arbeit beruft sich auf ein Commonwealth von 1916 [33]. Man beachte abschließend, dass Lionel Curtis im Jahre 1919, bei der Erstellung des englischen Think-Tank, des Royal Institute of International Affairs (RIIA auch bekannt als Chatham House) eine entscheidende Rolle gespielt hatte.

Das Verständnis der globalistischen Mechanik muss wie ein riesiges Puzzle behandelt werden. Jedes Stück dieses Rätsels muss geprüft und dann zusammengestellt werden, um einen Überblick zu bekommen. Aus diesem Grund wenden wir uns zu einem anderen Teil des Systems, um den Leser daran zu erinnern, dass er diese verschiedenen Elemente im Hinterkopf behalten muss, um dann alles zusammen zu stellen. Dies ist die einzige Möglichkeit, um das „Biest“ zu verstehen.


 

Die Fabian Gesellschaft (Fabian society) [34]

Die Fabian Gesellschaft  [35] ist ein Institut, das 1884 unter der Leitung von Englischen Politikern wie Sydney Webb (1859 – 1947) und seiner Frau, Béatrice Webb, oder des irischen Schriftstellers Shaw (1856-1950) in London gegründet wurde. Die Vorhut dieser Gesellschaft stand unter dem Einfluss von Promotoren des Sozialismus wie Robert Owen (1771-1858) [36], der seine Ideen an John Ruskin (1819-1900, Professor an der Universität Oxford übertrug  [37] und der Cecil Rhodes beeinflusste) [38]. Andere mit christlichen, sozialistischen Idealen durchtränkte Personen wie Frederik Derrison Maurice (1805-1872) haben während des neunzehnten Jahrhunderts den Weg für die Gründung der Fabian Gesellschaft geebnet. Die Wahl des Wortes „Fabian“ wird erklärt, weil sie sich auf den römischen General zur Zeit der Punischen Kriege (ca. 200 vor JC), Fabius Kunktator (d.h. “Zögerer”) bezieht. Gegen den Karthager General Hannibal praktiziert das Römische Militär Guerilla-Politik, die darin bestand, um ihr Ziel zu erreichen, Dinge nicht vom Zaun zu brechen. Es ist diese Methode die sanft aber unerbittlich vorgeht, die das Markenzeichen der Fabian-Firma ist. Sie verteidigt das Prinzip einer Gesellschaft ohne Klassen, die zur Synthese von Sozialismus (Wohlfahrtsstaat) und Kapitalismus (die Gesetze des Marktes) führt, die zur Formatierung einer Monopol-Wirtschaft im Rahmen des globalen Staates führen soll. Um den Ambitionen des Unternehmens gerecht zu werden, denken seine Führer Schritt für Schritt fortzuschreiten, oder laut ihrem Ausdruck, „allmählich, graduell“. Der Einfluss dieses Unternehmens ist enorm, weil viele englische Politiker Mitglieder der Fabian Gesellschaft waren. [39]. Dieser Einfluss war jedoch umso wichtiger, weil diese Gesellschaft den Anstoß zur Schaffung von der London School of Economics (LES) im Jahre 1895 unter der Leitung von Sydney Webb gab. Diese renommierte, wirtschaftliche Ausbildungsstätte, die sich anschließend diversifizierte, hat Generationen von englischen Führern im Geiste Fabians ausgebildet, aber auch viele Studenten auf der ganzen Welt. Oft wurden sie anschließend Hauptakteure in dem politischen und wirtschaftlichen Leben ihrer Länder. So, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi; Präsident John Kennedy; die Königin von Dänemark Margarethe II; Pierre Trudeau (kanadische Premierminister); der Lobbyist und Mitglied von mehreren Think Tanks Richard Perle (“der Fürst der Finsternis”); der Finanzier George Soros (Gründer der Open Society Institutes); der ehemalige Berater von François Mitterrand, Erik Orsenna und sogar der Rolling-Stones-Sänger Mike Jagger (er hat nur ein Jahr mitgemacht! [40]), besuchten diese Schulbänke. Letztere, Dank der Wirkung der Fabian-Gesellschaft haben zur Formatierung von vielen Geistern der Welt beigetragen. Jedoch war der Einfluss dieser Gesellschaft vielfältig, unter anderem durch die Tätigkeit eines ihrer Mitglieder, des Schriftstellers Herbert George Wells (1866-1946).

H.G. Wells (1866-1946)

H.G. Wells (1866-1946)

Von Fabian-Idealen überzeugt, entwickelte H.G Wells seine Ansichten in vielen Büchern. Erfolgsautor von „Der unsichtbare Mann“, „Die Zeitmaschine“ oder auch „Der Krieg der Welten“, ist es diesem englischen Schriftsteller gelungen, seinen Glauben in einem Buch „Open conspiracy“ (“offene Verschwörung”)  [41] zu verbreiten, das 1928 veröffentlicht wurde, indem er für einen globalen Staat ohne Klassen eintrat, alles kontrollierte (’eine neue menschliche Gemeinschaft’ nach seinem Ausdruck), und eine drastische Reduzierung der Weltbevölkerung und die Praxis der Eugenik fordert. In der Tat hat H.G Wells von Anfang an seine Theorien in einem wenig bekannten Buch präsentiert und dessen Titel genau der freimaurerischen Formel Ordo Ab Chao entspricht: „die befreiende Zerstörung“. Veröffentlicht in 1914, erzählt dieses Buch die Geschichte eines allgemeinen Krieges, der zur Gründung eines aus 10 Blöcken bestehenden Weltstaates führt (10 Wahlkreise nach der Formel des Autors) [42]). Es ist in diesem Buch – erinnern wir uns an das Veröffentlichungsdatum 1914 – wo man den Begriff “neue Weltordnung” findet. [43]. Anschließend hat H.G Wells durch die Veröffentlichung eines Buches im Jahre 1940 mit dem Titel ohne möglichen Irrtum „die neue Weltordnung“ wiedergebracht [44].

Alle diese Fabian-Vertreter besuchten und arbeiteten eng oder aus der Ferne mit dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner zusammen. Ein wahrer Gemeinschaftsgeist für ein gemeinsames Ziel, einen globalen Staat, animierte diese verschiedenen Menschen. Diese angelsächsischen Eliten, die nur die logische Fortsetzung des kommerziellen Adels des Mittelalters sind, haben weiterhin ihre Kräfte in anderen Vereinen wie z. B. in der Pilgrim Society (Pilger-Gesellschaft) im Jahre 1902 in London und New York zusammen gebracht [45]. Die Höchstgeschwindigkeit wurde 1910 mit der Einrichtung der Round Table (Runder Tisch) erreicht.


 

Round Table und seine „Kinder“ [46]

Die Kreierung des Round Table [47], der letztlich nur der Erbe einer vielen jahrhundertelangen vergangenen mystischen, finanziellen und elitären Tradition ist, war ein entscheidender Schritt bei der Vorbereitung zu einem globalen Staat. Tatsächlich wurde dieses hochwertige Institut in Verbindung mit den US-Finanz-Eliten unter der Führung von Lord Milner und seinen Nahstehenden geschaffen, um das Primat der angelsächsischen Welt, das zur Schaffung eines Welt-Staates führen sollte, sicherzustellen. Andere Round Table entstanden in allen Dominien des Britischen Empire, aber auch in den Vereinigten Staaten. Die Ambitionen von Cecil Rhodes wurden übernommen, renommierte Finanziers leiteten das Team von Lord Milner, wie Alfred Beit (1853 – 1906), Sir Abe Bailey (1864 – 1940) und die Astor-Familie. Andere Gruppen kamen zur Wiege des Globalismus hinzu, der vom Round Table geführt wurde: J.P Morgan [48], die Lazard Bank oder sogar die Familien Rockefeller und Whitney [49].

Bevor wir die Studie der “guten Werke” des Round Table fortsetzen, erscheint es notwendig, folgende Punkte sicher zu stellen. Diese großen Familien der Globalisierung, selbst von einem gemeinsamen Ziel animiert, sind nicht weniger von internen Spaltungen zerrissen. Wir können im Wesentlichen zwei herausheben. Die erste ist so alt wie die Welt; sie heißt interne Rivalitäten. Rivalitäten und Ambitionen der ehrgeizigen Suche nach mehr Leistung, mehr Einfluss und mehr Reichtum, um die besten Plätze zu besetzen, haben die Geschichte dieser kommerziellen Aristokratie geschmückt. Dieses Phänomen ist genauso alt wie die Geschichte des Menschen. Auf der anderen Seite ist der zweite Punkt spezifisch für den Round Table. In der Tat verstecken sich unter der scheinbaren Meinungseinheit zwei Strömungen des Denkens. In beiden Fällen verfolgen diese Strömungen das gleiche Ziel: den Weltstaat. Jedoch in einem Fall verteidigt ein Flügel das Prinzip der Verfassung eines einheitlichen angelsächsischen Blocks (British Empire verbunden mit den Vereinigten Staaten). Diese angloamerikanische Basis sei die Wirbelsäule, auf der der Rest der Welt sich aufbauen soll. Im zweiten Fall hält der andere Flügel es nicht für notwendig, die Geburt eines angelsächsischen Reiches als Anker zu einer einheitlichen Welt zu bevorzugen. Er vertritt stattdessen die Variante einer Welt, wo kein Land einem anderen seine Rechtsvorschriften oder politische Philosophie aufdrängen könnte. Es gilt den Befürwortern des zweiten Weges, eine Art von einem allgemeinen „Püree“ zu schaffen, welche die Vereinigung der Menschheit in einem Block und ohne Unterscheidung darstellt. Wir haben hier die Opposition zwischen Befürwortern der angelsächsischen Globalisierung und Befürwortern der weltweiten Globalisierung.

Der erste Weltkrieg war ein Umschwung von einer Welt zur anderen. Auch wenn es nicht möglich ist, die wesentliche Rolle der anglo-amerikanischen Eliten während dieses Konflikts im Detail zu diskutieren [50], können wir die entscheidende Aufgabe des Schweden Olof Aschberg (1877 – 1960) an der Spitze der Bank Nya Banken in Stockholm erwähnen. Er war der große finanzielle Vermittler zwischen den Eliten von Wall Street und der City einerseits und den bolschewistischen Führern andererseits. Sein Spitzname war “Banker der Welt- Revolution.” Wie Anthony Sutton daran erinnert, hatte die Bank von Olof Aschberg eine Tochtergesellschaft in London, die Bank of North Commerce, dessen Präsident Earl Grey einfach zu dem Team von Cecil Rhodes und Lord Milner gehörte [51]. Letzterer spielte auch eine entscheidende Rolle innerhalb der angelsächsischen Oligarchie. In der Tat, neben seiner vorgenannten Tätigkeit war es Lord Milner, der wusste, wie man Premierminister Lloyd George überzeugen konnte, die Oktoberrevolution wirksam zu unterstützen. Diese kapitale Entwicklung für die Zukunft der Welt folgte dem Besuch in London, am Ende des Jahres 1917, von William Boyce Thompson (1869 – 1930) in Begleitung von einem Vertreter von JP Morgan, Thomas W. Lamont (1870-1948) [52]. Mitglied des Lenkungsausschusses der US-Federal Bank (FED), war W.B Thompson 1917 ein Offizier im Dienst der Oligarchie innerhalb des amerikanischen Roten Kreuzes in St. Petersburg. Diese Abdeckung erlaubte ihm unter anderem, den Bolschewiken die für diese Zeit riesige Summe von 1 Million Dollar zu überreichen [53]. Auf dem Weg zurück nach New York machte er einen Zwischenstopp in London, um Lloyd George ein Memorandum vorzulegen, in dem er die Unterstützung der Oktoberrevolution forderte. Lord Milner, großer Bewunderer von Karl Marx, unterstützte nur William Boyce Thompson in seinem Ansatz, um Lloyd George zu überzeugen. Die bolschewistische Revolution hätte ohne das entschiedene Handeln der anglo-amerikanischen kommerziellen Oligarchie nicht stattfinden können [54].

Das Ende des ersten Weltkrieges öffnete sich unter den Auspizien der angelsächsischen, kommerziellen Siegermächte und eines menschlich und finanziell verbluteten Frankreichs. Der Vertrag von Versailles gab Frankreich keine Sicherheit gegenüber einem verminderten und weitgehend von angelsächsischen Krediten an die Wirtschaft abhängigen Deutschland. Die Lähmung Frankreichs angesichts der großen angelsächsischen Silberschmiede verschlechterte sich, als Letztere Darlehen mit den Dawes- (1924) und Young-Plänen gewährten (1928), die trotz der in Abhängigkeit der Banken von London und New York gestellten deutschen Wirtschaft [55]], für die Stärkung der deutschen Industriemacht ausschlaggebend waren. In der Tat entstanden im 1920er Jahrzehnt gigantische, für den Krieg unentbehrliche Kombinate für die Verarbeitung von Stahl und Chemie, (I.G. Farben und Vereinigte Stahlwerke). Die französische Niederlage von 1940 beruhte teilweise auf der Aktion der angelsächsischen Finanziere, zu Gunsten der wirtschaftlichen und technischen Erholung Deutschlands (vor allem durch Stahl, synthetisches- Benzin und Buna-Gummi) [56].

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Oberst Edward Mandell House (1854-1938)

Zusätzlich zu dieser Politik beschlossen die anglo-amerikanischen Eliten, ab den Jahren 1918-1919 eine Mutation des Round Table. In der Tat, aus Gründen für mehr Effizienz wurde beschlossen, zwei think tanks [Denkfabriken] auf beiden Seiten des Atlantiks zu erstellen, die die Außenpolitik der beiden Länder bestimmen sollten. Auf Englands Seite war es die Gründung 1919 unter der Ägide von Lionel Curtis, Mitarbeiter von Lord Milner, des Royal Institute of International Affairs (RIIA, auch bekannt als Chatham House) [57]. Es ist dieser selbe Lionel Curtis, der für ein föderales Commonwealth war, das fähig sei, allmählich verschiedene Länder rund um den Globus zur Integration zu bewegen [58]. Diese Ziele wurden von Clarence Streit (1896 – 1986) in den Vereinigten Staaten verteidigt,  [59] Korrespondent der New York Times im Völkerbund (Cecil Rhodes Stipendium, Jahrgang 1920-) und dem Vertreter der amerikanischen „Milner-Gruppe“, Frank Aydelotte [60]. Seitens der Amerikaner wurde der Council on Foreign Relations (CFR) [61]] im Jahr 1921 unter der Ägide der Hauptfigur, Colonel Edward Mandell House (1854-1938) erstellt. Als Vertrauens-Berater von Präsident Wilson  [62] war House die Drehscheibe zwischen der „Milner-Gruppe“ und den “Großen” von Wall Street (Vanderlip, Rockefeller, JP Morgan, Warburg,…). Wir erkennen in dieser unvollständigen Liste den wichtigen Namen von Paul Warburg, der an der Spitze der US-Notenbank (Fed) seit ihrer Gründung im Jahr 1913 war. Diese private Bank, von der zentralen Macht unabhängig und zuständig für die Geldprägung [63], ist ein Staat im Staat. Es ist derselbe Paul Warburg, der den CFR von Anfang an leitete. Wir haben mit einem Gewirr von Verantwortlichkeiten erster Ordnung innerhalb der angelsächsischen Oligarchie zu tun, umso mehr als wir verpflichtet sind, im nächsten dem Pan-Europa gewidmeten Abschnitt noch einmal Paul Warburg zu erwähnen.

Die Aktion von Colonel House muss durch Berufung auf ein Meisterwerk der globalistischen Mystiker, sein Buch mit dem Titel Philip Dru, Administrator  [64] ergänzt werden. 1912 geschrieben, spricht dieses Buch von einem Staatsstreich von einem West Point-Offizier (Philip Dru), der den Vereinigten Staaten eine Diktatur auferlegt und die Verfassung des Landes aufhebt. Wie Lord Milner, so zögerte auch Oberst House nicht, seine tiefe Überzeugung zu evozieren, indem er behauptet, dass sein Held “Sozialismus implementiert wie Karl Marx ihn geträumt haben würde“. Er spricht auch im Kapitel 52 von dem Ideal der Vereinigung des ganzen nordamerikanischen Blocks. Dies ist Tatsache geworden seit dem offiziellen Start des Projekts von Waco, Texas, im März 2005, wie wir es am Anfang dieses Textes bemerkt haben. Es ist klar, dass diese Eliten schon vor mehr als hundert Jahren Farbe angesagt haben. Dem globalistischen Netzwerk ist es gelungen, seinen Einfluss durch die Geburt eines Instituts zu stärken, um eine führende Rolle in der europäischen Konstruktion zu spielen: das Pan-Europa.


 

Pan-Europa, Sprungbrett des Globalismus

Die Schaffung von Pan-Europa geht auf die Aktion von einem österreichischen Aristokraten, Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972), zurück, der Kind einer japanischen Mutter war. Das erklärte Ziel von Coudenhove war zu verhindern, die Schrecken des ersten Weltkrieges zu reproduzieren. Diese lobenswerte Absicht war nur der Baum, der den Wald versteckte. In der Tat gab Coudenhove sehr früh und eindeutig die Richtung seiner Bewegung an, als er einen Bericht im Völkerbund im Jahre 1925 einreichte. Sein Ziel war, Europa zu vereinheitlichen, um es als Teil einer einheitlichen, globalen politischen Organisation zu integrieren. Dazu, sagte er in seinem Bericht, bestünde die Notwendigkeit ’politische Kontinente’ schaffen zu müssen, die einen Verband von Verbänden bilden müsse [65]. Seine föderalistischen Forderungen schließen gut an jene der Fabian-Gesellschaft an. Weiter in seinem Schwung organisiert Coudenhove 1926 die erste Pan-europäische Konferenz in Wien unter der Ägide von seinem Ehrenpräsident, dem Präsidenten des Rates Aristide Briand (1862 – 1932) [66]. Es ist während dieses Kongresses, der mehrerer Nationalitäten zusammenführte,  [67] dass beschlossen wurde, eine europäische Hymne, die „Ode an die Freude“ von Beethoven zu wählen [68], die später die Hymne der Europäischen Union wurde. Die Ziele Pan-Europas sind im Rahmen der “Grundlegenden Prinzipien” deutlich gezeigt, die unter anderem fordern: „(…) Die europaweite Union erklärt sich dem europäischen Patriotismus, Krönung der nationalen Identität aller Europäer, verbunden. Zur Zeit der Interdependenz und der globalen Herausforderungen kann nur ein starkes und politisch geeintes Europa die Zukunft seiner Völker und ethnischen Entitäten garantieren. Die Pan-europäische Union anerkennt die Selbstbestimmung der Völker und das Recht der ethnischen Gruppen zur kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung (…)“ [69].

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Richard von Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Während des zweiten Weltkrieges floh R. Coudenhove-Kalergi in die Vereinigten Staaten, und konnte im Rahmen eines Seminars – Research for a postwar european federation (Forschung für eine Europäische Nachkriegszeit-Föderation) –für einen europäischen Föderalismus an der New York University lehren. 1946 kehrte er nach Europa zurück, trug weitgehend zur Schaffung der Europäischen Parlamentarischen Union bei, die anschließend die Erstellung im Jahre 1949 vom Europarat  [70] ermöglichte. Diese Europäische Organisation verstärkt ihren Einfluss auf alle Staaten und wacht auf die nationalen Vertreter, die die Ideale des Gründers verbreiten sollen [71]. Nach Erhalt im Jahr 1950 des Karl-der-Große-preises, der höchsten Europäischen Auszeichnung [72], hat sie 1972 das Ruder an Otto von Habsburg weitergegeben und dann an Alain Terrenoire.

Man kann die Auswirkungen von Pan-Europa besser verstehen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert: das Geld. Die Quellen der Finanzierung dieses Instituts erklären die Tiefe Absprache ihres Führers mit anderen Akteuren des Globalismus. In der Tat, neben industriellen und finanziellen Förderern, profitierte R. Coudenhove-Kalergi von der Unterstützung des Bankiers Max Warburg, Vertreter der deutschen Bank in Hamburg. Wie wir oben gesehen haben, war sein Bruder Paul (US-Niederlassung) der Leiter der Fed und des CFR. Wir verstehen sofort, dass R. Coudenhove-Kalergi grünes Licht bekam, um mit der Finanzwelt von Wall Street und seinen Londoner Kollegen zu kooperieren. Diese Komplizenschaft zwischen dem Gründer von Pan-Europa und anderen Globalisten-Milieus war umso größer, als Max Warburg Ausschuss-Mitglied der I.G. Farben-Deutschland war, während sein Bruder, Paul Warburg, dem der amerikanischen I.G. Farben angehörte [73].

Die Machtannahme von Adolf Hitler wird durch die von angelsächsischen Industriellen und Finanzieren über ihre deutschen Kollegen gegebene Unterstützung erklärt, wie Anthony Sutton schreibt. In diesem Fall war der Direktor der Reichsbank, Hjalmar Schacht (1877 – 1970) ein Zwischenhändler erster Klasse. Sein Handeln war umso tiefgreifender, da er Minister für Wirtschaft des Dritten Reiches von 1934 bis 1939 war. Die wirtschaftliche Erholung Deutschlands aufgrund seiner Wirkungsweise erlaubte Hitler eine Politik zu verfolgen, die er nie ohne diesen Wiederaufbau auf Länderebene ausüben hätte können. Solche Taten hätten Hjalmar Schacht während der Nürnberger Prozesse die Todesstrafe einbringen müssen. Es war dem nicht so, da er freigesprochen wurde. Hjalmar Schacht war in der Tat stark mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie verbunden. Sein Vater, der US-Amerikaner Wilhelm Schacht hatte 30 Jahre in der Tochtergesellschaft der Equitable Life Versicherung in Berlin gearbeitet [74]. Sein Sohn war also von Geburt an in dem Serail des globalistischen Systems. Dies wird noch stärker, wenn wir wissen, dass Hjalmar Schacht seit 1918 im Führungs-Komitee von der Nationalbank Für Deutschland (“National Bank of Germany”), an der Seite des Bankiers Emil Wittenberg war, der gleichzeitig Mitglied des Lenkungsausschusses der ersten sowjetischen Bank, der 1922 gegründeten Ruskombank war [75]. Diese wurde von dem schwedischen Bankier… Olof Aschberg geführt,  [76] dem wir schon vorher begegnet sind. Um mit dem Wirbel fortzufahren, können wir angeben, dass der Direktor der ausländischen Sektion der Ruskombank, der US-amerikanische Max May [77], der Vizepräsident der Guaranty Trust Company, eine Tochtergesellschaft einer der Pfeiler der Wall Street, JP Morgan war [78]. In diesem Fall arbeitete also ein hoher Vertreter der US-amerikanischen Wall-Street in der sowjetischen Bank-Elite. Um das Maß voll zu machen, war die Zusammenarbeit von Hjalmar Schacht mit diesem Milieu durch Freundschafts-Bande mit dem Chef der Bank of England Montagu Norman gesichert. Wir verstehen besser, warum Hjalmar Schacht  [79] am Morgen des zweiten Weltkrieges nicht wirklich um sich besorgt sein musste.

Die Unterstützung durch diese kommerzielle, angelsächsische, staatenlose Aristokratie für Kommunismus, Nationalsozialismus und auch bei der Machtübernahme durch Franklin d. Roosevelt [80], wurde in der Wall Street Trilogie von Anthony Sutton beschrieben, und war auch ein Labor-Experiment, das in einem lokalen Kontext erfolgte (Sowjetunion, Nazi-Deutschland und USA [81]). Unter einer anderen Bezeichnung hat Anthony Sutton geschlossen, dass diese verschiedentlich genannten Ideologien, “Sowjetischer Sozialismus”, “kollektiver Sozialismus” (Nationalsozialismus) und “der neue Sozialismus ” (New Deal), nur die Formatierungen von einem monopolistischen Sozialismus waren; ein Ideal der Organisation, die jetzt als Teil der “neuen Weltordnung” rund um den Globus entstehen soll. Der Krieg von 1939-1945, der infolge dieser Hintergrund-Arbeit entstand, erlaubte die Kippe in eine andere Welt; die Einführung von zwei scheinbar gegensätzlichen Blöcken, die dem hegelianischen Prinzip der These und Antithese voll gehorchen. Jedoch wurden diese beiden Welten, die von den gleichen finanziellen Quellen bewässert wurden, die Grundlagen zur Verwirklichung des globalen Staates.


 

Nach 1945, eine glückliche Zukunft

Nach dem zweiten Weltkrieg können wir drei wesentliche Daten in der unmittelbaren Nachkriegszeit erkennen: 1946; 1947 und 1948. Es ist der britische Premierminister Winston Churchill, der die Idee der Einigung Europas in einer Rede in Zürich am 19. September 1946 wiederbelebt. Tatsächlich zögerte er nicht zu sagen: “Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa bauen”. [82]. Solche Kommentare erfreuen Richard von Coudenhove-Kalergi, der von Churchill unterstützt wurde. Der Gründer von Pan-Europa belebte seinerseits die Idee des Europäischen Gedankens und stellte die Geschichte seiner Arbeit und Projekte in einem Buch vor, mit dem Titel „Ich habe Europa gewählt“. In diesem Buch profitierte Coudenhove von dem Vorwort von… Winston Churchill.

Winston Churchill (1874-1965)

Winston Churchill (1874-1965)

Die zweite Etappe bildet mit der Sitzung im August 1947 in Montreux in der Schweiz eine entscheidende Passage zur Stärkung der Grundlagen des in Vorbereitung stehenden Welt-Staates. In der Tat haben sich verschiedene europäische  [83] und amerikanische  [84] dem Welt-Föderalismusprinzip ergebene Vertreter unter der Schirmherrschaft des Schweizer Juristen Max Habicht  [85] geeinigt, um zwei Institute ins Leben zu rufen, deren Wirksamkeit weithin spürbar wird: die „Föderalistische Weltbewegung“ (World federalist Movement, WFM) und die „Union der Europäischen Föderalisten“ (Union of European Federalists, UEF).

Die WFM hat am Treffen von Montreux ihre Magna Charta vorgestellt, welche die Einrichtung von zentralen Grundsätzen zur Errichtung eines globalen Staates auf föderativer Basis befürwortet. Es ist klar, dass, 63 Jahre nach der Formulierung, ihre Wünsche weitgehend erfüllt sind. Es wird in der Tat behauptet, dass „Wir Welt-Föderalisten sind überzeugt, dass die Schaffung des Weltverbandes das wichtige Problem unserer Zeit ist.“ Solange sie nicht eingetreten ist, bleiben alle anderen Fragen – nationale und internationale – ohne gültige Antworten. Man soll nicht zwischen freiem Unternehmertum oder gesteuerter Wirtschaft, Kapitalismus oder Kommunismus wählen, sondern zwischen Föderalismus oder Imperialismus. Anschließend schlägt diese Erklärung unter anderem folgende Grundsätze vor: « Einschränkung der nationalen Souveränität“ mit „Transfer der Legislative, Exekutive und richterlicher Gewalt zum Bund“, „Schaffung einer supranationalen Streitkraft“. Insbesondere mit Angabe dieser zu Beginn des 21. Jahrhunderts hochaktuellen Tatsache, dass „eine gerechte föderalistische Perspektive die Anstrengungen sowohl auf regionaler als auch auf funktionaler Ebene integrieren muss. Die Bildung von regionalen Bünden(Anmerkung des Herausgebers: Hervorhebung von mir) – soweit sie kein Ziel für sich selbst bilden und nicht riskieren sich in Blöcke zu kristallisieren – muss und soll sie zum ordnungsgemäßen Funktionieren des Welt-Bundes beitragen. Am Ende dieser Erklärung wird betont, die Entstehung einer „verfassungsgebenden Welt-Versammlung“ zu fördern. [86].

Neben der Erstellung von der WFM entstand die Union europäischer Föderalisten (UEF) in Montreux. Eine avantgardistische Arbeit hatte jedoch bereits das Terrain vorbereitet. In der Tat wurde unter dem Einfluss von Pan-Europa von R. von Coudenhove-Kalergi 1934 Europa Union gegründet, welche das Ideal von einem geeinten Europa verteidigte, nach dem föderalen Prinzip und dem Schweizer Modell [87]. Vier Jahre später, im November 1938, entstand unter dem Einfluss der Fabianer Lord Lothian und Lionel Curtis, die Federal Union [88]. Letztere ist ein Zweig der UEF in gleicher Weise wie es die verschiedenen französischen (UEF Frankreich), deutschen (Europa-Union Deutschland), italienischen (UEF Italien) usw., “Tochterunternehmen” sind. Es sei darauf hingewiesen, dass die UEF, gleich den russischen Puppen, ein Zweig des World Federalist Movement (WFM) ist [89]. Infolgedessen haben wir hier ein europäisches Institut, das für Föderalismus arbeitet und das gleichzeitig die Arbeit von der WFM übernimmt, aber auf Weltniveau. Warum ist es so wichtig, die UEF-Mission zu erwähnen? Dieses föderalistische Institut wird von dem Engländer Andrew Duff geleitet, Mitglied des Europäischen Parlaments, unter dem Label “Liberal Democrats”. [90]. Er ist auch Mitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR),  [91] 2007 gegründet [92], das europäische Schwestermodell des 1921 gegründeten US-CFR. Andrew Duff ist auch derjenige, der in enger Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und dem österreichischen EP-Abgeordneten Johannes Voggenhuber die Wiederbelebung des Entwurfs einer Europäischen Verfassung nach dem Scheitern der französischen und niederländischen Referenden im Jahr 2005 erlaubte [93]. Der Vertrag von Lissabon hätte nicht – oder zumindest nur weniger leicht – ohne die Unterstützung und die Überzeugungen von Andrew Duff entstehen können. Darüber hinaus ist klar, dass der über das Grab hinaus reichende Einfluss von einem Cecil Rhodes und einem Lord Milner auf die Ausarbeitung der Europäischen Verfassung (die so genannte “Verfassung Giscard”, Vorspiel für den Vertrag von Lissabon) 2003-2004 wirkte. Tatsächlich waren die Milner-Gruppe und die Fabianer immer schon für die Einigung Europas, vorausgesetzt, dass dies unter angelsächsischer Führung erfolgte. Während den beiden Weltkriegen konnten die Versuche für eine europäische Einheit unter deutscher Führung, einer kontinentalen Macht, von London und Washington nicht akzeptiert werden, weil die angelsächsische Überseemacht aus dem Geschäft des alten Kontinents ausgeschlossen worden wäre. Richard Coudenhove – Kalergi hatte das perfekt verstanden, wie seine Rede von 1950 zeigt. Daher ist es sinnvoll, sich für den Generalsekretär der “Giscard-Verfassung”, den englischen John Kerr, der beauftragt war die Arbeiten fernzusteuern, zu interessieren. Sein Lebenslauf zeigt, dass er an der Spitze einer Ölfirma Royal Dutch Shell steht und britischer Botschafter in den Vereinigten Staaten war. Seine Verbindungen mit der angelsächsischen kommerziellen Aristokratie zeigen auch, dass er Mitglied des Lenkungsausschusses, für die Rekrutierung der Eliten im Rahmen der “Cecil Rhodes Stipendien» verantwortlich ist [94]. Wie man sehen kann, ist der globalistische Erfolg nur eine Frage der Zeit.

Schließlich hat der Kongress von Den Haag (7. -10. Mai 1948) unter dem Ehrenmitglieds-Vorsitz von Winston Churchill und fast 800 proeuropäischen Aktivisten  [95] die ersten Grundsteine für ein geeintes Europa gelegt. Die Hauptfigur dieses Kongresses war der General-Sekretär Joseph Retinger (1888 – 1960). Die eigentlichen Akteure der Geschichte sind oft hinter den Kulissen. Dies ist der Fall bei Retinger, im Dienst des CFR und der RIIA, dessen Handlung bei der Entwicklung der globalistischen Strukturen entscheidend war [96].

Réunion du Groupe de Bilderberg (Bruxelles, juin 2000) TV auf Französisch (Anm.d.Red.: Dieser Film wurde entfernt.)


 

Bilderberg, das New-Age und die Trilaterale

Die erste Versammlung vom Bilderberg fand in den Niederlanden in Oosterbeck im Mai 1954 statt. Man vereinbarte, dass der Name dieser elitären Gruppe den Namen des Hotels führe, in dem die Beteiligten wohnten. Es bestehen jedoch Zweifel. Dennoch geht seine Schöpfung weitgehend auf die Aktion von Joseph Retinger zurück, selbst wenn man noch “hohe Tiere” des Globalismus dazuzählen muss, wie den unumgänglichen David Rockefeller (Vorsitzender des CFR, der Chase Manhattan Bank,…). Die Bilderberger sind „la crème de la crème“ der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Welt des Atlantiker-Serails. Die westlichen Medien folgen nur sehr selten ihren Sitzungen und geben noch seltener Nachrichten [97]. Die Regeln der Organisation und der Intervention der Teilnehmer sind direkt auf jene des Royal Institute of International Affairs (RIIA, “Chatham House Rule” Prinzip genannt) aufgebaut. Auch hier haben die Rhodes und Milner Familien ihre Spuren hinterlassen. In der Tat prägen diese Eliten innerhalb des Bilderberg weitgehend den Gang der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten. Der Fall des belgischen Etienne Davignon ist besonders bemerkenswert. Vizepräsident der Europäischen Kommission von 1981 bis 1985, ist er der große Pascha dieser elitären Gruppe. Er war es, der den belgischen Politiker Herman van Rompuy eingeladen hat, um eine mündliche Prüfung vor den Vertretern des Bilderberg für den Posten des Präsidenten des Europäischen Rates am 12. November 2009, insbesondere vor dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, in Val Duchesse am Stadtrand von Brüssel abzulegen [98]. Einfach ausgedrückt, man wollte sehen, ob Herman van Rompuy dem System nützlich sein konnte. Die mündliche Prüfung musste sicher gut abgelaufen sein, da er akzeptiert wurde… als gut für den Dienst befunden.

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Prinz Bernhard van Lippe-Biesterfeld (1911-2004)

Die Wahl des ersten Präsidenten des Bilderberg von Prinz Bernhard (1911 – 2004) durch Joseph Retinger und Mitarbeiter, ist kein Zufall. Tatsächlich war dieser deutsche Prinz in den frühen 1930er Jahren Mitglied der SS, insbesondere des Reiterkorps SS (Kavallerie) und Mitglied der Farben Bilder, einer Tochtergesellschaft der IG-Farben. Er heiratete 1937 die Thronfolgerin der Niederlande, Prinzessin Juliana, seine Tochter die Königin Beatrix ist eine aktive Teilnehmerin der Bilderberg-Treffen. Die mehr als trübe Vergangenheit von Prinz Bernhard für seine Berufung als Leiter des Bilderberg war ein gutes Mittel, ihn „in der Hand zu haben“. In der Tat ist es einfacher, eine Person auf klar definierte Ziele zu steuern, wenn sie solch eine unangenehme Vergangenheit besitzt. Die Wahl dieses niederländisch eingebürgerten deutschen Prinzen war sicherlich von großer Bedeutung, weil er in einem anderen Sektor verwendet wurde. Wir müssen uns mit einem Thema befassen, das den Theoretikern des Globalismus am Herzen liegt: die Ökologie.

Der legitime Schutz der Fauna und Flora hat einen baufälligen Bestand unter der Einwirkung von den Anhängern der neuen Weltordnung. Tatsächlich führt die Ideenbewegung zu einer Vergöttlichung der Natur, der New-Age Bewegung entsprechend. Es ist das Prinzip der “Gaia”, als “Muttererde” gekennzeichnet [99]. Viele Institute verbreiten diesen Zug des philosophischen Geistes, insbesondere der WWF (World Wild Fund for Nature), Institute, die den Schutz der Natur predigen. Ihrer Gründung in 1961 ist der Arbeit von Mitgliedern des globalistischen Serails zuzuschreiben.

In der Tat müssen wir die Brüder Aldous und Julian Huxley erwähnen. Aldous Huxley ist der Autor eines 1931 veröffentlichten prophetischen Buches, „Schöne neue Welt“, das ein echtes internationalistisches politisches Programm unter der Tarnung eines Fiktions-Romans ist. Unter Bezugnahme auf einen globalen Staat, dessen Menschheit nach genetischen Manipulationen, unterworfen und hierarchisch eingeteilt ist, verbrachte der Autor sein ganzes Leben mit vielen Drogen, um eine “Form der Mystik“ zu erreichen. Diese Wahnvorstellungen charakterisieren dieses Milieu und waren auch auf seinen Bruder Julian Huxley übergegangen, der ein Befürworter der Eugenik war und der der erste Präsident der UNESCO (Bildung, Wissenschaft und Kultur) im Jahre 1946 wurde. Dieser Geist der Huxley-Brüder kommt von dem Einfluss des Großvaters, Thomas Huxley (1825-1895). Biologe und leidenschaftlicher Verfechter der darwinistischen Prinzipien [100], übertrug er diese Konzepte seinen Enkeln, die sie der ganzen Welt einflössten. Man füge hinzu, dass das Netzwerk der globalistischen Familienbande ganz eng ist, weil einer der Schüler von Thomas Huxley… H.G Wells war [101].

Diese von Generation zu Generation übertragene Nachfolge erlaubt, diese Dauerhaftigkeit des Globalismus und seinen Aufstieg besser zu verstehen. Jetzt können wir die vergangene Aktion dieser Männer der Gründung des WWF 1961 anschließen. Tatsächlich geht seine Schöpfung auf Julian Huxley zurück [102]. Der WWF hilft mit, dieses pantheistische Ideal zu verbreiten und gehört einem der Zweige der Aktion des Globalismus an. Ist es reiner Zufall, dass der erste Präsident des WWF der Präsident des Bilderberg, Prinz Bernhard war  [103] (von 1962 à 1976)? Andere Präsidenten sind an die Spitze des WWF gekommen und wieder gegangen, wie John Loudon, der wie John Kerr, Präsident des Ölkonzerns Royal Dutch Shell war. Dieses englisch-niederländische Öl-Konglomerat ist eine der Krippen der neuen Weltordnung. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass Prinz Philippe, Ehemann der Königin von England Elisabeth II., den WWF von 1981 bis 1996 leitete.

David Rockefeller Senior (1915-…)

David Rockefeller Senior (1915-…)

Wir können dieser Akteuren-Liste, die einer langen politischen, kommerziellen Tradition entsprungen ist, die Rolle der Trilaterale hinzufügen. Sie wird 1973 von David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski (Mitglieder des CFR) gegründet. Letzterer ist der Mentor von Präsident Obama. Das Institut umfasst drei wirtschaftlich entwickelte Gebiete: Nordamerika, Europa und Japan. Wir erinnern an die Unterstützung von Franzosen wie Simone Veil, Robert Marjolin, Raymond Barre und auch Hubert Védrine. Brzezinski fügte hinzu, dass die Staaten „mehr und mehr gemeinsamen Problemen ausgesetzt sind – finanziellen, wirtschaftlichen und strategischen – und immer weniger in der Lage sind, sie zu beheben, wenn sie sich nicht enger zusammenschließen, in ihrem eigenen und dem Interesse des Restes der Welt“. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, gibt der Autor selbst zu, dass die Trilaterale Kommission am Ursprung der Schöpfung des G7 Gipfel war [104]. Die Nähe zwischen der Trilateralen und der industriellen Welt und der Welt der Think Tanks ist erwiesen, vor allem mit dem Transatlantic Policy Network (TPN) [105]. Der Vorsitzende der europäischen Filiale der Trilateralen Kommission, Peter Sutherland, ist auch Präsident des europäischen Zweigs des TPN. Dieser Ire war auch der Chef von Goldman Sachs, der auch heimlich die Wirtschaftspolitik von Präsident Obama regelt und unter anderem EU-Wettbewerbs-Kommissar von 1985 bis 1989 unter dem Vorsitz von Jacques Delors  [106] war. Jetzt die kleine Kirsche auf dem Kuchen: Peter Sutherland ist auch der Direktor der Fabian-Schule, der London School of Economics [107]. Der Besitzerrundgang wird abgeschlossen sein, wenn man hinzufügt, dass John Kerr – wie wir oben gesehen haben – auch ein Mitglied der europäischen Trilaterale ist [108].

Wie wir sehen, konvergieren die politischen und wirtschaftlichen Eliten seit langer Zeit zu dem Bau einer einheitlichen Weltordnung [109]. Diese Tour wäre allerdings nicht vollständig, wenn man nicht die Anweisungen der Behörden der katholischen Kirche erwähnte.


 

Eine katholische Kirche im Dienst der neuen Weltordnung

Ob man gläubig ist oder nicht, muss das Studium der Grundsätze, die eine Kirche animieren, mit Objektivität getan werden. Man muss die Lehren studieren, die sie verteidigt und beobachten, ob die Worte und ihre Handlungen mit ihrem Lehrkörper in Übereinstimmung stehen. Bei der katholischen Kirche basiert das seit 2000 Jahren befürwortete Konzept auf dem Primat des Gottes über den Menschen. Bibel und Tradition sind unantastbare Grundlage, das Fundament des Glaubens laut der geweihten Worte, durch die Nachfolger von heiligen Petrus, dem Papst, definiert. Der von der Erbsünde markierte Mensch muss einer höheren Autorität entsprechen und alle Vorschriften befolgen, die von der katholischen Kirche befürwortet werden. Diese Grundsätze sind unantastbar. Wenn man mit diesen Prinzipien nicht in Übereinstimmung ist, verlässt man die katholische Kirche. Dies ist der Fall von mehreren protestantischen Kirchen. Eine grundlegende Änderung ist jedoch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingetreten. Dieses Konzil ist das Ergebnis eines langen Stroms von Reflexionen, welche viele Kirchenmänner, aber auch außerhalb der Kirche bereits im 19. Jahrhundert animierten. Nach einem langen Kampf zwischen den Verteidigern der Tradition und den Progressisten waren letztere in der Lage, ihre Vision einer großen Reform im Zweiten Vatikanischen Konzil durchzusetzen. Für diese Anhänger gilt es, die Kirche den politischen, technischen und sozialen Innovationen, die die Entwicklung der Welt kennzeichnen, anzupassen. Für die Verteidiger der Tradition gilt das Gegenteil. Es muss sich die Welt den Grundsätzen der Kirche anpassen. Diese Humanisierung der Kirche durch die Förderung der Menschenrechte und die Zusammenarbeit mit internationalen Gremien, wurde 1963 in der Enzyklika von Papst Jean XXIII, Pacem in Terris übersichtlich dargestellt [110]. Unter Hinweis auf den Fortschritt der Wissenschaft und Technik geht es innerhalb der menschlichen Rasse zu ” intensiverer Zusammenarbeit und stärkerer Union”; Es geht darum, das „gemeinsame universale Gut“ zur stärken, das die Staaten nicht mehr laut der Enzyklika gewährleisten können. Daher fügt das Dokument logisch hinzu, „heute stellt das gemeinsame universelle Gut Probleme globaler Dimensionen dar. Sie können nicht von einer öffentlichen Behörde gelöst werden, deren Macht, Verfassung und Handlungsmöglichkeiten auch globale Dimensionen annehmen, und die ihre Wirkung auf die gesamte Erde ausüben kann. Daher ist es die moralische Ordnung selbst, die die Einrichtung einer Behörde des Weltrechtsprinzips erfordert“.

Die Enzyklika wünscht, dass diese “supranationale oder globale Macht” nicht gewaltsam aufgestellt werde und stimmt der Deklaration der Menschenrechte von 1948, außerhalb weniger Einwände, zu. Sie fügt hinzu, “wir betrachten diese Deklaration als einen Schritt zur Schaffung der rechtlichen und politischen Organisation der Weltgemeinschaft“. [111].

Diese Richtungsänderung der katholischen Kirche ist das Markenzeichen aller Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Während seiner Weihnachts-Botschaft von 2005 hat Benedikt XVI. die Menschen aufgefordert, “die Errichtung einer neuen Weltordnung” voranzutreiben.  [112] .

Daher ist es vollkommen logisch, dass Benedikt XVI. für die Einrichtung einer “Weltpolitischen Behörde” in seiner Enzyklika Veritas in Caritate  [113] im Juli 2009 aufgerufen hat. Unter Hinweis auf die globale Interdependenz, erinnert der Papst “an die Dringlichkeit der Reform der Vereinten Nationen sowie die der Wirtschafts- und Finanzkrisen-Architektur”, um dem Konzept der Familie der Nationen eine internationale Realität zu geben. (…)“ [114].


 

Für eine parlamentarische Welt-Versammlung

Die Schaffung großer politischer, regionaler Bünde, die von gemeinsamen Gesetzen regiert werden, und die Bestandteile des Welt-Staats sind, müssen in einer einzigartigen Versammlung vertreten werden. Dies ist die große Herausforderung der “parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) [115]. Dieses Streben ist die logische Fortsetzung der Weltvereinigungs-Träume der federführenden Theoretiker des Globalismus (Fabian und Anhänger). Nichts ist zufällig. Die Ereignisse, die Personen und die Institute der Vergangenheit produzieren ihre Früchte, um das Babel-Gebäude zuvollenden. Deshalb verfolgt die Aktion der WFM (World Federalist Movement), deren Gründung wir im Jahr 1947 in Montreux sahen, ganz logisch die Arbeit, welche die Ihre ist. Daher ist es ursprünglich die WFM in 1992, die die Entwicklung des ersten großen Dokuments zur Einrichtung einer globalen Parlamentarischen Versammlung innerhalb der Vereinten Nationen vorantreibt: „The case for a United Nations Parliamentary Assembly“ (“der Fall einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen”) von dem kanadischen Dieter Heinrich [116]. Viele Arbeiten und Besprechungen fanden anschließend in dem kanadischen Senat, im Europäischen Parlament, auf dem Forum der Jahrtausendwende im Jahr 2000 in New York, am 12. Kongress der sozialistischen Internationale usw. statt, um schließlich im September 2003 zum “Komitee für eine demokratische UNO“ zu führen. Wir müssen die deutsche Version geben, weil, wie wir sehen werden, die deutschen politischen Behörden eine führende Rolle spielen: „Komitee Für Eine Demokratische UNO“ (KDUN) [117].

Das KDUN ist das Aushängeschild innerhalb eines Executive Komitees [118], das für ein Welt-Parlament arbeitet. Tatsächlich werden seine Werke von einem anderen bereits erwähnten Institut, der WFM unterstützt. Hierzu muss man noch hinzufügen, „die Gesellschaft für bedrohte Völker“, ein deutsches Institut, das zu Gunsten der Emanzipierung von ethnischen Gruppen arbeitet und das Hand in Hand mit der UFCE (der Union föderalistischer ethnischer Gemeinschaften)  [119] und mit einer englischen NGO, der 2020 Vision Ltd. arbeitet [120].

Das KDUN mit Sitz in Berlin sagt die Trumpffarbe an, mit ihrer Satzung, ihr Engagement, den Aufbau einer weltoffenen Gesellschaft und kontinentale Integration zu fördern [121]. In dem Direktions-Komitee gibt es Vertreter aus Politik und Wissenschaft. Es ist interessant festzustellen, dass alle deutschen politischen Strömungen mit Ausnahme von den ehemaligen Kommunisten (Die Linke) vorhanden sind [122]. Im Schosse dieses Ausschusses finden wir eine Schlüsselfigur, Armin Laschet. Dieser Politiker ist der Urheber des Berichts von 2003, in dem gefordert wird, der Europäischen Union einen ständigen Sitz  [123] nach der Verabschiedung des ” Giscard-Vertrags ” (von nun an “Lissabon-Vertrag” genannt) [in der UNO AdÜ] zu geben. Sein Einfluss ist entscheidend, da man ihn auch an der Spitze des Lenkungsausschusses des Karl-der-Große-preises findet [124]. Darüber hinaus ist die Anwesenheit von dem deutschen Mitglied des Europäischen Parlaments, Jo Leinen, in der KDUN-Direktion besonders bedeutsam, weil er eine Schlüsselrolle bei der Verabschiedung des Lissabon-Vertrags spielte [125].

Im April 2007 startete das KDUN seine Kampagne für ein Welt-Parlament unter der Führung des Vorsitzenden Andreas Bummel. Autor eines Buches mit dem Titel « Internationale Demokratie Entwickeln » [126], ist er ein ehemaliges Mitglied der Liberalen Partei, dem FDP, dessen Chef Guido Westerwelle, seit September 2009 Außenminister der Regierung Merkel wurde. Er ist auch Mitarbeiter der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ unter der Leitung von Tilman Zülch (Mitglied des Lenkungsausschusses des KDUN) und der World Federalist Movement (WFM) von New York [127].

Alle diese Akteure handeln, um die Geburt dieses neuen Welt-Gremiums voranzubringen. Wie in den offiziellen Texten erwähnt: „(…) Die „Parlamentarische Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) könnte zunächst Delegierte aus nationalen und regionalen Parlamenten haben, die ihre politische Zusammensetzung reflektieren. Eine UNPA würde daher Minderheitsparteien enthalten, die nicht der Regierung angehören. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die UNPA direkt gewählt werden. Eine UNPA wäre daher ein eindeutiger und rechtmäßiger Körper, der die Stimmen der Bürger über Fragen der internationalen Ordnung darstellt. Teilnehmer an der Kampagne denken, dass eine UNPA, einmal erstellt, von einem bloßen Beratungsgremium sich zu einem Welt-Parlament mit echtem Recht auf Information, Beteiligung und Kontrolle entwickeln würde“ (…) [128].

Diese ohne Komplexe verkündeten Ambitionen der „Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen” (UNPA) gedeihen noch mehr, wenn man an die Unterstützung von Benedikt XVI. zur Errichtung einer “Weltpolitischen Behörde” erinnert. Es ist selbstverständlich, dass die UNPA-Führer mit Begeisterung die Enzyklika des Papstes begrüßen [129].


 

Schlussfolgerung

Diese kurze Beschreibung der Geschichte der Befürworter des Globalismus vom Mittelalter bis Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt, dass dieser Trend sehr alt ist. Er basiert auf einer grenzenlosen Gier und der Verfolgung eines Ideals der vollständigen Kontrolle der planetarischen Ressourcen. Diese Entwicklung hat schrittweise an Geschwindigkeit gewonnen und es ist ihr gelungen, weil der globalistische Klerus, Nachfolger von Nimrod, seine Denkweise für die Neue Weltordnung aufdrängen konnte. Seit dem Fall der Berliner Mauer beschleunigen sich die Ereignisse; die Krise auch. Die Dekade 2010 wird entscheidend für die Menschheit sein, weil der Globalismus, nach der Lehre von diesen Eliten, ein übereilter Messianismus ist.

Pierre Hillard

Weiterführende Dokumente:

WALL STREET AND THE RISE OF HITLER by Antony C. Sutton

WALL STREET AND THE BOLSHEVIK REVOLUTION by Antony C. Sutton

Wall Street and FDR by Antony C. Sutton

THE NEW WORLD ORDER by H. G. WELLS

UNION NOW by Clarence K. Streit

The History of the Fabian Society by Edward R. Pease

Philip Dru: Administrator by Edward Mandell

The Anglo-American Establishment by Carroll Quigley

Internationale Demokratie entwickeln by Andreas Bummel

THE OPEN CONSPIRACY by H. G. Wells


Autor Pierre Hillard ist Doktor der politischen Wissenschaften und Professor der Internationalen Beziehungen. Seine Forschung betrifft hauptsächlich die Handhabung der Europäischen Union im Hinblick auf die Errichtung eines euro-atlantischen Blockes. Letztes veröffentlichte Werk : Bertelsmann : Un empire des médias et une fondation au service du mondialisme (François-Xavier de Guibert éd., 2009)

Text- und Grafikquellen: «Die Geschichte der „Neuen Weltordnung“», von Pierre Hillard, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 24. Mai 2013, www.voltairenet.org

Fußnoten:

  1. « [U.S move sows confusion in EU », par Charles Forelle, The Wall Street Journal, 2 février 2010.
  2. Offizielle Website von Eurasec.
  3. « L’Union douanière, créée par la Russie, le Kazakhstan et la Biélorussie », dossier de Ria Novosti.
  4. « Eurasie : le président kazakh prône la création d’une monnaie unique, l’evraz », Ria Novosti, 11 mars 2009.
  5. « CEEA : la création d’une monnaie unique au menu d’entretiens russo-kazakhs », Ria Novosti, 14 mars 2009.
  6. Offizielle Website von UNASUR.
  7. Am 26. November 2008 haben bei einem Treffen in Caracas einige Länder Südamerikas beschlossen, das Terrain vorzubereiten, indem sie den “Stabilisierungs- und Reserve Fonds” erstellen; Das ist eine Recheneinheit, genannt “SUCRE” (Système Unitaire de Compensation Régionale) [Systemeinheit für regionalen Ausgleich]. Diese Rechnungseinheit ist auch Antonio José de Sucre (1795-1830) gewidmet, der Leutnant im Dienste von Simon Bolivar war.
  8. Offizielle Website von Assemblée Parlementaire Euro-Latino Américaine.
  9. Offizielle Website von SICA.
  10. Offizielle Website von Union africaine.
  11. Offizielle Website von NEPAD.
  12. Beschreibung der Union africaine auf der Website des französischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten.
  13. Offizielle Website vom GCC.
  14. « Proposed GCC currency name ‘too general’ », Trade Arabia, 16 décembre 2009.
  15. « La Chine espère populariser le yuan au sein de l’Asean » [“China hofft die Yuan im Schoss der ASEAN-Staaten zu popularisieren”] Les Echos, 31 décembre 2009.
  16. Offizielle Website von PSP.
  17. La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, [Der unaufhaltbare Marsch der Neuen Weltordnung] par Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2007), p. 21.
  18. Ibid., pp. 86-87
  19. La décomposition des nations Européennes : De l’union euro-Atlantique à l’Etat mondial, [Der Zerfall der europäischen Nationen : Von der euro-atlantischen Union zum Weltstaat] von Pierre Hillard (Editions François-Xavier de Guibert, 2005), p. 137 et La marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op. cit, p. 79.
  20. « Résolution du Parlement européen sur l’état des relations transatlantiques après les élections qui ont eu lieu aux États-Unis » (2008/2199(INI)), Réseau Voltaire, 23 mars 2009.
  21. « La Russie et la Chine proposent une monnaie commune globale », Réseau Voltaire, 11 juillet 2009.
  22. Die Revue The Economist kündigte Januar 1988 die Einführung einer Weltwährung namens “Phoenix” für 2018 an. Es ist noch Zeit.
  23. « Discours d’acceptation », par Herman von Rompuy, Réseau Voltaire, 19 novembre 2009.
  24. Ethnische und religiöse Forderungen sowie die Opposition zwischen reichen und armen Regionen werden die Zersetzung der Staaten in der Welt beschleunigen. Dieses Phänomen kann insbesondere durch die Übertragung der obersten Autorität auf politische Zusammenschlüsse, auf Kosten der Staaten, erklärt werden, die nicht mehr ihre Daseinsberechtigung haben. Das Auseinanderbrechen der Staaten wird global sein. Einige Führer der US-Föderativen Staaten von Texas und Vermont wollen sich bereits abspalten. In Bezug auf Europa ist Belgien mit Flandern oder Spanien mit Katalonien in großer Gefahr. Solche regionalistische Ansprüche, die zur Zersplitterung von Staaten führen, sind nötig, um die Realisierung der neuen Weltordnung zu erreichen.
  25. Bis Anfang Januar 1973 teilte Frankreich mit den Privatbanken das Recht, Geld zu erstellen. Für den Bau von Sozialwohnungen z.B., entlehnte der Staat bei der Zentralbank, die das Geld für diesen Fall schuf. Anschließend wurde das Darlehen vom Staat zurückgezahlt, während die Bank dieses Geld vernichtete; also ein Kapital, praktisch ohne Zinsen. Jedoch hat sich der Staat selbst mit dem Artikel 25 des Gesetzes Pompidou-Giscard d’Estaings vom 3. Januar 1973 verboten, bei der Zentralbank Anleihen zu machen. Er nimmt sich daher die Geldschöpfungsmöglichkeit, es sei denn, er frage bei privaten Akteuren an, denen er Zinsen zahlen muss, und zu einem harten Preis. Diese Richtlinie verhindert demzufolge wirkliche soziale Politikgestaltung, die öffentliche Investitionen zu teuer machen und was gleichzeitig den Anstieg der Staatsverschuldung verursacht. Dieses Prinzip ist im Vertrag von Maastricht (1992) in Artikel 104A verankert und wurde in Artikel 123 des Lissabon-Vertrags umgesetzt. Die EU-Staaten sind daher von der finanziellen Oligarchie völlig abhängig.
  26. Ein großer Teil dieses Kapitels basiert auf der Arbeit des amerikanischen Historikers Carroll Quigley (1910 – 1977) Professor auch an der Georgetown University: The anglo-american Etablishment, GSG § Associates, 1981. Insbesondere war er Professor für… Bill Clinton.
  27. Der Start im Juli 2009 eines Projektes der Solar-Panels in Nordafrika und im Nahen Osten, um Europa mit Energie zu versorgen wird im Rahmen von « Desertec » getan. Die deutsche Niederlassung des Club of Rome, das Deutsche Luftfahrt und Luftraum- Zentrum und Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, haben stark zum Projekt beigetragen. Indirekt hilft diese Energiepolitik, die südlichen Mittelmeer-Staaten zur Europäischen Union und in der Folge auch zu der Euro-Atlantischen Achse im Rahmen der Interdependenz noch stärker zu integrieren.
  28. Dies ist der Fall von « Corridor de Nasco » mit dem Aufkommen eines nordamerikanischen Blocks.
  29. Empfänger von Cecil Rhodes Stipendien in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, in Australien, in Südafrika usw. werden auf den Websites der verschiedenen Schulen vorgestellt.
  30. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontrollierte das Cecil Rhodes-Team den Times von London, die für politische und wirtschaftliche Eliten reservierte Zeitung, die auch vor allem dieser großen kommerziellen Aristokratie angehörten. Das nennt man im geschlossenen Kreislauf arbeiten.
  31. Anglo-american Etablishment, op. cit, p. 169.
  32. Der Ausdruck “Milner-Gruppe” wird verwendet, um politische, wirtschaftliche, militärische und journalistische Personen zu bezeichnen, die den Idealen von Alfred Milner und seinem Mentor, Cecil Rhodes nahestanden.
  33. Ibid., p. 133.
  34. Wir stützen uns auf die Arbeit von Edward R. Pease, The History of the Fabian Society (EP Dutton and Company, 1916), oft veröffentlichtes Buch.
  35. Offizielle Website von Fabian Society.
  36. Robert Owen basierte auf den Grundsätzen des Philosophen Platon, insbesondere sein Buch die Republik, in der er das Ideal einer aristokratischen von der Elite geführten Gesellschaft verteidigte, in der er die Ehe beseitigte, sowie die Reproduktion der Besten förderte. Diese Theorie bekam Anhänger. Man findet diese Konzepte in Brave new World von Aldous Huxley, in 1984 von Orwell oder in manchen Werken von Herbert George Wells, führendes Mitglied der Fabian-Gesellschaft.
  37. Die Universität von Oxford wurde zu einem der Zentren der Rekrutierung der Eliten dank der “Cecil Rhodes-Stipendien” für Großbritannien.
  38. Denken wir daran, dass alles zusammenhängt.
  39. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehören 200 britische Parlamentarier der Fabian Gesellschaft an, wie der ehemalige Premierminister Tony Blair (Förderer der als “dritter Weg” bezeichneten Wirtschaftspolitik, schlechthin ein Fabian-Prinzip) oder Gordon Brown.
  40. Er scheint nicht Zufriedenheit gefunden zu haben.
  41. Werk 1928 erschienen, Neuauflage in 1931 unter dem Titel What are we to do with our Lives ?.
  42. The War That Will End War, von H. G. Wells. Version française : La destruction libératrice, réédité aux Editions Le passé du futur, Grama, Bruxelles, 1995, p. 214.
  43. Ibid., p. 134: « Es war in einer etwas ungläubigen Atmosphäre, als das Treffen begann, um die neue Weltordnung zu etablieren”.
  44. The New World Order, von H.G Wells, Neuauflage von Filiquarian Publishing, LLC, 2007.
  45. Die meisten der Wirtschaftsmanager der Obama-Administration kommen von der Pilger-Gesellschaft.
  46. Siehe The Anglo-American Etablishment, op. cit, Seite 82 und 117 u.f..
  47. Offizielle Website von Round Table.
  48. Die Firma JP Morgan, Pfeiler der angelsächsischen Finanz, wurde von John Pierpont Morgan (1837 – 1913) gegründet.
  49. Siehe die Werke vom außergewöhnlichen Anthony Sutton (1925 – 2002), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hoover Institution, Stanford University, die die Unterstützung der Wall Street auf die drei folgenden Elemente beschreiben: Wall Street and the bolshevik revolution, [Wall Street und der Oktoberrevolution], Arlington House, 1974; Wall Street and FDR (Anmerkung des Herausgebers: Franklin Delano Roosevelt) und Wall Street and the rise of Hitler [Wall Street und der Aufstieg Hitlers]. Man muss auch diese dreibändige Reihe hinzufügen: Western Technology and Soviet economic Development 1917-1930; Western Technology and Soviet economic Development 1930-1945 und Western Technology and Soviet economic Development 1945 bis 1965, das aus Erster-Hand Dokumentation die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung des Westens für die Sowjetunion und ihre Spießgesellen beweisen.
  50. Wir laden den Leser ein, sich für Basil Zaharoff (1850-1936) zu interessieren, der ein Vermögen mit dem Verkauf von Waffen an die Akteure des Konflikts 1914-1918 machte.
  51. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, p. 57.
  52. Ibid., pp. 83.
  53. Ibid., p. 82. Es ist interessant festzustellen, dass Harry Hopkins (1890 – 1946), der später die graue Eminenz des Präsidenten Roosevelt wurde, der Vermittler zwischen dem amerikanischen Roten Kreuz, unter der Leitung von William Boyce Thompson in St. Petersburg 1917, und seiner Vertretung in Washington war in Ibid., p. 72.
  54. Ibid., pp. 89-100. Das dem Lloyd George präsentierte William Boyce Thompson-Memorandum ist in seiner Gesamtheit auf Seite 197 ff. bis zum Absatz mit dem Titel “Dokument 4” nachzulesen.
  55. Pétrole, une guerre d’un siècle, von William Engdahl (Editions Jean-Cyrille Godefroy, 2007), S. 94 ff. [A Century of War ; anglo-american Politics and the new world order. Pluto-press, 2004. “Mit der Ölwaffe zur Weltmacht” Jochen Koop Verlag 2006
  56. Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, Kapitel 1 bis 5 und besonders S. 47.
  57. The anglo-american Etablishment, op. cit, S. 182.
  58. Neben Großbritannien und seinen Dominien zögerte Lionel Curtis nicht hinzuzufügen: Frankreich, die skandinavischen Länder, Irland, Ägypten, Indien, Belgien, die Niederlande, Kanada und die Vereinigten Staaten. Diese Projekte wurden in seinem Buch in einer einzigen Ausgabe 1938 veröffentlicht: The Commonwealth of God in The Anglo-American Etablishment, op. cit pp. 282-283.
  59. Union Now: A Proposal for a Federal Union of the Democracies of the North Atlantic, von Clarence Streit (Harper & Brothers Publishers, 1939).
  60. The Anglo-American Etablishment, op. cit, p. 283.
  61. « Comment le Conseil des relations étrangères détermine la diplomatie US », Réseau Voltaire, 25 juin 2004. [Wie das CFR die US-Außenpolitik bestimmt. Auch auf Russisch, Italienisch und Spanisch
  62. Präsident Wilson nannte ihn sein « alter ego ».
  63. Wall Street and FDR, op.cit, S. 92 ff.
  64. Siehe unser Buch : La Marche irrésistible du nouvel ordre mondial, op.cit, p. 14 et pp. 80-81. [Der unwiderstehliche Gang der neuen Weltordnung] Philip Dru, Administrator von Edward Mandell House, Wiederauflage Robert Welch University Press, 1998.
  65. La Paneurope, [Pan-Europa] von Anne-Marie Saint Gille (Presses de l’université de Paris Sorbonne, 2003), pp. 130-131.
  66. Das Engagement von Aristide Briand auf Seiten der Paneurope, den föderalistischen und regionalistischen Grundsätzen in einem einheitlichen globalen politischen Rahmen ergeben, gestattet ein besseres Verständnis der Rede des Vertreters der Franzosen bei der Versammlung des Völkerbundes, am 5. September 1929, als er ein Bindeglied für den Bund zwischen europäischen Staaten forderte.
  67. Der englische Vertreter in dem Pan-europäischen Kongress von 1926, A. Watts, war Mitglied des Royal Institute of International Affairs von der Milner-Gruppe; in Paneurope, Op. cit, s. 148.
  68. « Richard de Coudenhove-Kalergi (1894 -1972) », Website der Association PanEurope-France.
  69. Die Paneurope spielte eine Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung von allen Texten für den Schutz der ethnischen Gruppen. Siehe in unserer Arbeit Minorités et régionalismes dans l’Europe Fédérale des Régions [Minoritäten und Regionalismen im föderalen Europa der Regionen] (Editions François-Xavier de Guibert, 4è édition, 2004) und in diesem Buch mit dem Titel des Kapitels « L’union Charlemagne » S. 75 ff.
  70. « Richard Coudenhove-Kalergi » Website der European Society Coudenhove-Kalergi.
  71. Offizielle Website der Association Paneuropa.
  72. Siehe seine prophetische Rede in Anhang 11 von „der Zersetzung der europäischen Nationen“; vor allem die Passage, wo Coudenhove die Einrichtung einer “Atlantic Union ” fordert, eine “Föderation zu dritt” in seinem Wort, und “England wird die Brücke zwischen Europa und Amerika“. Das ist genau das, was von den Instanzen von Brüssel und Washington in einer beschleunigten Weise seit 1990 verfolgt wird. Siehe die vollständige Liste der Empfänger des Karl-der-Grosse-preises auf der Website des Comité.
  73. Wall Street and the rise of Hiter, op. cit, Kapitel 2 « The Empire of IG Farben », p. 33.
  74. Wall Street and the bolshevik revolution, op. cit, pp. 125-126.
  75. Ibid., p. 126.
  76. Ibid., p. 60.
  77. bid., pp. 61-62
  78. Ibid., p. 50.
  79. Wir müssen auch hinzufügen, dass Hjalmar Schacht für die Existenz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank of International Settlements) verantwortlich ist. Anthony Sutton erzählt auch die entscheidende Sitzung vom 20. Februar 1933 in der Residenz von Hermann Goering die ermöglichte, in Anwesenheit von Adolf Hitler, um Mittel für die Finanzierung der NSDAP zu erhalten. Die größten deutschen Industrie-Bosse waren anwesend und boten das nötige Geld an (Albert Voegler, Krupp, von Bohlen, von Loewenfeld,…); alles geschah unter der Leitung von Hjalmar Schacht in Wall Street and the rise of Hitler, op. cit, S.108.
  80. Anthony Sutton beschreibt unter anderem den starken Einfluss von Gerard Swope (1872 – 1957), Präsident von General Electric Company, der die sozialisierende Politik des Präsident Roosevelt erlaubte in Wall Street and FDR, op.cit, S. 86.
  81. Carroll Quigley erklärt unter anderem die Infiltration innerhalb des amerikanischen politischen Systems seitens JP Morgan in Tragedy and Hope. A History of the World in Our Time (GSG and Associates, 1966), S. 938.
  82. Der Englische Premierminister hat in seiner Rede in Zürich, in der richtigen Art des Globalismus, Bemerkungen gemacht, wie eine Beurteilung dieser Auszüge zulässt: «(…)» Die Europäische Union hat viel getan, um an dieses Ziel zu gelangen und diese Bewegung verdankt viel Graf Coudenhove-Kalergi und dem großen Patrioten und französischen Politiker, Aristide Briand (…). Wir Briten haben das Commonwealth. Die Organisation der Welt wird dadurch nicht geschwächt, sondern eher gestärkt und sie findet in der Tat darin ihre Meister-Pfeiler. Und warum gäbe es keinen Europäischen Verbund, der fernen, voneinander getrennten Völkern den Sinn eines größeren Patriotismus und eine Art von gemeinsamer Staatsangehörigkeit geben würde? Und warum sollte nicht eine europäische Gruppierung den Platz einnehmen, den sie verdient, in Mitten der anderen Gruppierungen und dazu beitragen, das Boot der Menschheit zu steuern? (…).Für eine deutsch-französische Aussöhnung aufrufend, fügt Churchill nun ganz im Fabian-Geiste hinzu: “Unser ständiges Ziel muss die Macht der Vereinten Nationen stärken. Wir müssen die europäische Familie erstellen, indem wir sie mit einer regionalen Struktur ausstatten, die dieser Welt-Organisation untersteht, und diese Familie kann dann Vereinigte Staaten von Europa genannt werden“, (…) in George C. Marshall, Points de repère, Lausanne, 1973
  83. Der föderalistische Einfluss wurde durch überzeugte Europäer wie Denis de Rougemont, Henri Brugmans und Alexandre Marc spürbar.
  84. Auf Seiten der USA organisierten bereits 1924 Rosika Schwimmer und Lola M. Lloyd, um die Frauensachen (Abstimmung, usw.) zu verteidigen, die erste Weltverfassungsgebende Versammlung, die von den Bevölkerungen gewählt werden sollte, um eine Welt-Verfassung auszuarbeiten. Diese Initiative wurde im Jahr 1937 in Chicago mit einer Kampagne für eine Weltregierung wiederbelebt. Es wäre sehr interessant zu wissen, wer solche Projekte finanzierte. In der Folge bereiteten andere Amerikaner die Köpfe für eine vereinte Welt vor: Emery Reves, Autor von „Anatomy of Peace“ [Anatomie des Friedens] verteidigt die Idee einer Welt-Regierung (er war auch der Literaturagent von Winston Churchill); der Politiker Wendell Wilkie mit seinem Buch „One World“; der Rechtsanwalt Clark Grenville Autor des „World Peace through World Law“ [Weltfriedens durch Weltgesetz]. Der Journalist Norman Cousins; der Journalist und demokratische Senator Alan Cranston und der Philosoph Robert Hutchins.
  85. Présentation du World Federalist Movement auf seiner Website.
  86. Deklaration von Montreux vom 23. August 1947.
  87. Siehe in unserem Buch La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale (Editions François-Xavier de Guibert, 2009), pp. 95-96 et « Geschichte der Europa-Union Deutschland auf der Website von Europa Union Deutschland.
  88. « The history of Federal Union » auf der Website des Vereins.
  89. « Regional Federalism » auf der Website des World Federalist Movement.
  90. Offizielle Website von Andrew Duff.
  91. « ECFR’s Board and Council » auf der Website von dem European Council on Foreign Relations.
  92. « Création accélérée d’un Conseil européen des relations étrangères » [Beschleunigte Schaffung eines europäischen CFR], Réseau Voltaire, 3 octobre 2007.
  93. La Fondation Bertelsamann et la gouvernance mondiale, op. cit, S. 92 ff.
  94. « Trustees » auf der Website des Rhodes Trust.
  95. Unter den vielen Teilnehmern erkennen wir Richard de Coudenhove-Kalergi, Konrad Adenauer, Denis de Rougemont, Alcide de Gasperi, François Mitterrand, u.v.m.
  96. « Histoire secrète de l’Union européenne », [Geheime Geschichte der EU] von Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 28 juin 2004.
  97. Jedoch eine Ausnahme: RTL Belgien hat während seiner Nachrichtensendung außerhalb der Bilderberg-Sitzung im Juni 2000 auf seiner Tagung in Genval in Wallonisch-Brabant aufgenommen und gesendet. Man kann Dominique Strauß-Kahn und Königin Beatrix der Niederlande erkennen.
  98. « Top candidate debates EU tax at elite dinner », von Andrew Rettman, EU Observer, 16 novembre 2001.
  99. James Camerons Avatar Film vom Dezember 2009 ist der Prototyp des Geistes “Gaia”. Ein Stamm mit vielen Qualitäten im Vergleich zu den Menschen, der kam, um ihren Planeten auszubeuten, zieht seine Stärke aus der Natur, spezieller gesagt, von einem Baum, einem wahren Gott, der Energie gibt, der sie aber auch wieder nimmt.
  100. Thomas Huxley hieß “Darwins Bulldogge ».
  101. « H.G. Wells : Darwin’s disciple and eugenicist extraordinaire », von Jerry Bergman, in Journal of Creation, December 2004.
  102. « WWF in the 60’s » auf der Website des World Wild Fund.
  103. « Presidents – past and present » auf der Website des World Wild Fund.
  104. Le Figaro, 25 janvier 1999.
  105. Voir p. 137 (chapitre 28).
  106. « Peter Sutherland, Directeur général du GATT et de l’OMC de 1993 à 1995 », auf der Website der WTO (Organisation mondiale du Commerce).
  107. « Peter Sutherland », auf der Website der Trilateral-Commission.
  108. « Membership », auf der Website der Trilateral-Commission.
  109. Unter den vielen Feldern, die an dem Bau der neuen Weltordnung beteiligt sind, können wir den Fall von der Codex-Alimentarius-Kommission erwähnen, deren Ziel es ist, für Änderungen oder Verbote von Produkten aufzurufen, die in die Zusammensetzung von Lebensmitteln (Vitamine, Mineralien,…) eingehen.
  110. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  111. Ibid., siehe die § 130 à 145.
  112. « Message Urbi et Orbi du Saint-Père Benoît XVI », 25 décembre 2005, Vatican.
  113. Texte intégral auf der Website des Vaticans.
  114. Ibid., paragraphe 67.
  115. Offizielle Website der Campagne pour la création d’une Assemblée parlementaire des Nations Unies.
  116. The case for a United Nations Parliamentary Assembly, von Dieter Heinrich, World Federalist Movement, octobre 1992
  117. Offizielle Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  118. « Comité exécutif » der Kampagne für die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  119. Dieses deutsche Institut ist Urheber der Schlüssel-Texte zu Gunsten ethnischer Gruppen in Europa; die Charta der Regional-oder Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz von Minderheiten. Siehe in unserem Buch Minderheiten und Regionalismen, Op. CIT. s. 142 ff..
  120. Offizielle Website von 2020 Vision.
  121. « Satzung für das Komitee für eine demokratische UNO ». Ladbares Document téléchargeable.
  122. « Associates des KDUN », auf der Website des Komitee für eine Demokratische UNO.
  123. Rapport sur les relations entre l’Union européenne et l’organisation des Nations Unies [2003/2049 (INI)], Rapporteur Armin Laschet, 16 décembre 2003.
  124. Beachten wir auch die Anwesenheit von Hans-Gert Pöttering im Lenkungs-Committee des Charlemagne Preises, Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, aber auch ehemaliger Vorsitzender der Europa Union Deutschland, einer Tochtergesellschaft der Union der Europäischen Föderalisten (die in Montreux 1947 erstellte UEF), welche im Jahr 2010 von dem englischen Parlamentarier in dem Europäischen Parlament Andrew Duff geführt wird.
  125. Siehe La Fondation Bertelsmann et la gouvernance mondiale, op. cit, p. 93 ff.
  126. Internationale Demokratie entwickeln, von Andreas Bummel, Horizonte Verlag, 2005.
  127. « Andreas Bummel Der Vorsitzende des Komitees für eine demokratische UNO », par Gerrit Wustmann, 11. Februar 2008.
  128. « A propos du projet APNU », auf der Website der Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.
  129. « Etude : la création d’un Parlement mondial serait « pleinement en harmonie avec la doctrine papale » , [Studie : Die Schaffung eines Weltparlaments wäre « voll in Harmonie mit der päbstlichen Doktrrin] 28 juillet 2009, Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen.

Die Lügen-Spirale: Warum Krisen stets wiederkehren und uns immer “überraschen”

von Markus Gärtner

Warum werden die BIP-Zahlen ständig deutlich nachgebessert? Warum ist die Inflation auf unseren Kassenzetteln höher als das, was die Notenbanker uns weißmachen wollen? Und warum räumen deutsche Statistiker mit eineinhalbjähriger Verspätung ein, dass die Republik Ende 2012, Anfang 2013 doch in einer Rezession war?

Weil Ökonomen bekloppt sind und nicht wissen, welche Zahlen sie da eigentlich auf ihren Taschenrechnern jonglieren?

Mir war diese Antwort immer zu einfach. Vielleicht weil ich selbst zu dieser Spezies gehöre. Ich bin nicht gerne Mitglied in einem bekloppten Dilettanten-Verein. Vielleicht ist es auch nur fortschreitende Korruption unserer Zunft, denke ich mir manches Mal.

Warum nicht, wenn die Finanz-Mafia sowieso alle Bereiche unserer Gesellschaften vereinnahmt und beherrscht. Allein die Notenbanken in den USA und Europa beschäftigen Tausende von Ökonomen, von den Banken ganz zu schweigen.

Vielleicht gibt es mehr Ökonomen als katholische Beichtstühle oder Zigarettenautomaten. Und wenn der Anteil der Notenbanken an deren Beschäftigung so hoch ist, dann kann auf diese Zunft mit der Macht der Jobvergabe großer Einfluss ausgeübt werden. Wenn die bestbezahlten Arbeitsplätze auf der anderen Seite lauern, werden eben manche weich und lassen sich massieren.

Auch das schien mir aber als Erklärung zu einfach. Bis gestern Abend.

Da fiel mir eine Studie von Luigi Zingales und Robert Mc Cormack von der Booth School of Business an der University of Chicago in die Hände. Allein der Titel spricht Bände, denn er klingt wie ein Pamphlet: “Die Vereinnahmung der Ökonomen verhindern”, heißt das lesenswerte, wirklich witzige und schroff ehrliche Papier. Es geht, um es ganz simpel zu sagen, um die Ökonomie der Ökonomen-Meinungen.

Um die Antwort von Zingales und Mc Cormack vorweg zu nehmen: Ja, Ökonomen sind auch keine besseren Menschen als Totengräber, Aktuare, oder Tankstellenpächter. Sie sind käuflich. Und je näher ihre Jobs am großen Strom des Geldes angesiedelt sind, desto beweglicher scheinen ihre Gedanken und Analysen. Völlig normale Typen halt.

Damit ich nicht lange das Papier wiedergeben muss, hier der Link zum Blog des Harvard Business Review, wo das zusammengefasst wird.

Wenn man sich diese Zeilen zu Gemüte geführt hat, wird deutlich, warum in der wirtschaftlichen Analyse angeblich immer alles so “überraschend” ist. Es war überraschend, dass Apple das neue Smartphone ohne diesen oder jenen Knopf brachte, dass Japans Wirtschaft im zweiten Quartal so drastisch einknickte, oder dass die Euro-Krise doch noch nicht vorbei ist.

Ganz klar, je systematischer man vorher wegschaut, desto größer sieht das Gespenst, das nicht verschwinden will, irgendwann einmal aus, wenn man doch genauer hinschaut, oder die Rechnung auf den Tisch kommt und die Zahlen schwarz auf weiß belegen, welche horrende Wirklichkeit zuvor wegmanipuliert oder in den Zahlenwerken wegmassiert wurde.

In der Politik beobachten wir das ganz genauso.

So kommt es, dass plötzlich alle überrascht sind, dass die Schotten DOCH unabhängig werden wollen, oder dass Frankreich DOCH den Bach runtergeht, dass in Deutschland DOCH nur die Fassaden glitzern während das Fundament bröckelt, oder dass die Fed im kommenden Jahr doch nicht an der Zinsschraube drehen wird. Ein 10jähriger hätte das besser vorhergesehen als viele Star-Analysten der Wall Street, weil denen die Seite des Gehirns amputiert wurde, die für Wahrhaftigkeit zuständig ist.

Mit der selben Logik sitzen jetzt viele vor den Ifo-Kurven und staunen Bauklötze darüber, wie die schöne, sichere, solide Bundesrepublik in so kurzer Zeit wirtschaftlich solche Risse bekommen konnte. Oder, warum der Euro am Ende DOCH mit einem galaktischen Knall auseinander fliegen wird.

Das schlimmste an diesen Lügengebilden, die alle irgendwann implodieren, ist aber nicht die Lüge selbst. Die ist ja meist durchschaubar und leicht zu entlarven. Das wirklich Schlimme ist, dass wir die Lügen trotzdem meist willig schlucken oder nicht widersprechen, weil sie eine angenehme, anästhesierende Erklärung für unsere Beobachtungen (und Befürchtungen) liefern.

Doch je länger dieses Spiel gespielt wird, desto teurer und schmerzhafter wird das späte Erwachen. – Die Ökonomen halten das dann brav als überraschendes Ereignis in den Geschichtsbüchern fest und setzen über Jahrzehnte hinweg hunderte von Doktoranden daran, die steile Kehrtwende der Ereignisse, die nie hätte eintreten sollen, doch noch befriedigend zu erklären.

Und weil alle 80 Jahre die Zeitzeugen der jeweils letzten Katastrophe aussterben, geht dann alles wieder von vorne los. Die Instrumente im Koffer der Ökonomen – und aller anderen Berufe – mögen dann neu oder gar verbessert sein. Der Lügen-Mechanismus bleibt immer gleich.

Und genau deshalb gibt es kein kollektives Lernen. Nur dieses zyklisch wiederholte Leiden und Bluten.

Markus Gärtner


Textquelle: Gärtners Blog – «Die Weltwirtschaft vom Pacific aus»

Bild- und Grafikquelle:

  • Beitragsbild: Fibonacci Blue, Flickr CC

Wem gehört und dient die Fed? – Hintergrund

Nun habe ich von Lars Schall persönlich die Erlaubnis erhalten, seine Artikel, Buchausschnitte und diverse Interviews zu veröffentlichen. Auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal herzlichst bedanken. Dies ist mir eine besondere Freude!

Lars SchallLars Schall wurde am 31. August 1974 in Herdecke an der Ruhr geboren. Er studierte an den Universitäten Dortmund und Knoxville, Tennessee in den USA unter anderem Journalistik. Er ist freier Finanzjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Edelmetalle, Geldsystem und Geopolitik. Er veröffentlicht u. a. auf ASIA TIMES ONLINE. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Finanz- und Wirtschaftstexten.

Zuerst hatte ich überlegt, ob ich den u. a. Text aufteilen sollte. Dies macht jedoch in meinen Augen keinen Sinn, da Zusammenhänge auseinandergerissen werden. Also … nehmt Euch Zeit und Muße. Es werden spannende Wochen und Monate. In jedem noch folgenden Artikel werde ich Links auf die vorangegangenen Texte setzen, um die Orientierung zu erleichtern.


von Lars Schall

In Zeiten, da vermehrt über die US Federal Reserve und die Geldschöpfung aus dem Nichts diskutiert wird, habe ich ein paar Informationen zusammengetragen zu Rockefeller, J.P. Morgan, Wall Street-Banken, dem Council on Foreign Relations und dem “vernachlässigbaren Interessen des gemeinen US-amerikanischen Volks”.

Der nachfolgende Artikel ist ein Auszug aus einem im Entstehen begriffenen Buch zum Thema Tiefenpolitik & 9/11 – und wurde zuletzt am 8. August 2014 aktualisiert.


WEM GEHÖRT UND DIENT DIE FED?

Bei einem Mordverbrechen gilt es seit jeher die grundsätzliche Frage zu stellen, wem es zum Vorteil gereicht: Cui bono? Um bei der Betrachtung der Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in einem finanziellen und wirtschaftlichen Rahmen nicht zu kurz zu greifen, möchte ich eingangs die Frage erörtern, wer es ist, der im Wesentlichen die US-Notenbank Federal Reserve bildet. Eine der begünstigten Parteien des „Kriegs gegen den Terror“, der aus den 9/11-Anschlägen resultierte, könnte in gewisser Weise jene Federal Reserve sein (oder indirekt und direkt auch die Privatbanken, die Mitglieder ihrer regionalen Ablegerbanken sind), insofern hier eine denkbar simple Gleichung vorliegt:

Federal Reserve Building

Federal Reserve Building

„Die US-Notenbank erschafft Geld, um den Krieg zu finanzieren, und verleiht es an die amerikanische Regierung. Die amerikanische Regierung wiederum muss auf das Geld, das sie sich von der Zentralbank ausgeliehen hat, um den Krieg zu finanzieren, Zinsen zahlen. Je größer die Aufwendungen für den Krieg sind, desto größer fallen die Gewinne für die Banker aus.“ [1]

Von dieser inneren Logik ausgehend, die auf dem Spielfeld letztlich herrscht, könnten zur Klärung der Frage, wie die Federal Reserve das Licht der Welt erblickte, und wer damals dahinter stand, sie auf den Weg zu bringen, viele unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. Ich wähle als Ausgangspunkt die Mitte des 19. Jahrhunderts und die Thematik der Energie, die Antriebskraft hinter der Industriellen Revolution. Das kann nicht schaden, da hier der Energieträger Erdöl eine prominente Rolle spielt – und Erdöl ist bei der Betrachtung der Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in einem finanziellen und wirtschaftlichen Rahmen von enorm großer Bedeutung. Obendrein, und deswegen allein lohnte sich die Behandlung des Sachverhalts in einem Buch, das den 9/11-Anschlägen gewidmet ist, sehen wir hier par excellence die Definition des Begriffs „Verschwörung“ am Werk, die Mark Twain zugeschrieben wird: „Eine Verschwörung ist nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben, die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen.”


Der Beginn des Ölzeitalters

Als in den USA die ersten großen Erdölfunde stattfanden, nutzte man dort, zumindest im Vergleich zum Vorreiter der Industriellen Revolution, Großbritannien, eher wenig Kohle, um die industrielle Entwicklung voranzutreiben. Das hatte seine besonderen, eigenen Gründe, da man in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Wäldern und Flüssen gesegnet war, auf die sich lange Zeit fast grenzenlos zur Energiegewinnung zurückgreifen ließ. Holz- und Wasserkraft waren die Energieressourcen erster Wahl. Darüber hinaus wurden für die Landwirtschaft, besonders zum Anbau und Pflücken von Baumwolle, die aus Westafrika eingeschleppten Sklaven ausgebeutet. Der Süden der USA, der auf diese Art der Arbeitskraftgewinnung und Warenproduktion setzte, geriet allmählich gegenüber dem Norden wirtschaftlich ins Hintertreffen, nachdem die dortigen Industriefabriken im wachsenden Umfang auf Kohle und mechanische Arbeitsleistung umstellten. Ein weiterer Schub in diese Richtung verstärkter Kohlenutzung erfolgte mit der Verbreitung von transkontinentalen Eisenbahnstrecken und dem Rückgang der zu stark in Anspruch genommenen Wälder. Gleichwohl dauerte es bis in die letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinein, ehe die Kohle allen anderen Energielieferanten den Rang ablief. Um 1910 schließlich gingen rund drei Viertel der gesamten Energiegewinnung in den USA auf die Verwendung von Kohle zurück. Weltweit betrug ihr Anteil zu dieser Zeit am Energievorkommen 90 Prozent, um danach peu à peu vom Erdöl abgelöst zu werden. [2]

Der bei weitem größte Erdölanbieter, den es in dieser Ära auf dem gesamten Erdenrund gab, war die Firma Standard Oil. Begonnen hatte alles durch die Entdeckung, dass sich Mineralöl als Maschinenschmiermittel und Kerosin als Lampenbrennstoff hervorragend verwenden ließen. Ein Bedarf nach Erdöl war somit von Anfang an gegeben, nachdem Ende der 1850er Jahre die ersten Vorkommen in Pennsylvania gefunden worden waren. Alsbald kamen weitere Funde in Ohio und West Virginia hinzu. Das geförderte Rohöl begann ein junger Geschäftsmann aus Cleveland in Massen aufzukaufen, zu raffinieren und zu vermarkten, der hernach zur „wichtigsten einzelnen Person beim Prägen der Ölindustrie“ wurde: John D. Rockefeller. [3]

Dahinter stand der Plan, dass derjenige, der die Ölraffinerien kontrollieren würde, letztlich die Möglichkeit besäße, die gesamte Ölindustrie beherrschen zu können. 1862 erwarb Rockefeller seine erste Raffinerie und kaufte sukzessive konkurrierende Unternehmen auf. Hierbei halfen ihm Rabatte, die er mit Eisenbahngesellschaften zum Transport seines Öls auf geheimer Basis aushandelte, um auf diesem Wege die Preise seiner Mitbewerber bewusst zu unterlaufen. Zudem erhielt er Gebühren von jenen Eisenbahngesellschaften, die Rohöl der Konkurrenz transportierten. Und wenn es vorkam, dass sich Konkurrenzunternehmen nicht verkaufswillig zeigten, auf die Standard Oil ein Auge geworfen hatte, wurde mithin auch kriminelle Energie eingesetzt, um etwas nachzuhelfen. [4]

Standard Oil Refinery No.1 in Cleveland (1899)

Standard Oil Refinery No.1 in Cleveland (1899)

Die 1870 gegründete Aktiengesellschaft Standard Oil of Ohio baute sich ein Netzwerk von Tochterfirmen auf, die entweder ganz oder zumindest teilweise Rockefeller gehörten und gegenseitige Aktienbeteiligungen eingingen. Ölfunde (Upstream) und Distribution (Downstream) befanden sich in den USA binnen kurzer Zeit in einer Hand, nachdem Rockefeller (zusammen mit seinem Bruder William) in den Jahren 1872 bis 1879 den Aufkauf von Raffinerien noch einmal intensiviert hatte. Von Ohio wechselte Standard Oil 1883 aufgrund von neuen Anti-Trust-Bestimmungen nach New York über, als es bereits 90 Prozent der Ölindustrie der Vereinigten Staaten kontrollierte. [5] 1888 startete Standard Oil mit der Gründung der Anglo-American Oil Company Ldt. die erste Unternehmung in Europa, zwei Jahre später folgte die Übernahme der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. Als neue große Ölfunde in den südwestlichen Gebieten der USA zutage traten, engagierte sich Standard Oil zunehmend auch in Oklahoma, Texas und Kalifornien. Die üppigen Gewinne, die in diesen Jahren zusammenkamen, wurden langfristig weiter investiert:

„Bis 1899 hatte sich die Standard Oil Company zu einer Holdingesellschaft entwickelt, die die Aktien zahlreicher anderer Unternehmen kontrollierte. Das Kapital belief sich auf 110 Millionen Dollar, der Profit auf 45 Millionen Dollar pro Jahr und John D. Rockefellers Vermögen wurde auf 200 Millionen Dollar geschätzt. Binnen kurzer Zeit stieg er ins Eisen-, Kupfer-, Kohle-, Fracht- und Bankgeschäft (Chase Manhatten) ein. Die Profite lagen bei 81 Millionen Dollar pro Jahr, und das Rockefeller-Vermögen belief sich auf 2 Milliarden Dollar.“ [6]

Den Kauf der Chase Bank, die 1955 nach Fusion mit der Manhattan Company zur Chase Manhattan Bank wurde, finanzierte Rockefeller nicht zuletzt mit Geldmitteln, die ihm über das verbündete Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. zur Verfügung gestellt wurden, was den englischen Flügel der Rothschild-Familie, der wohl beeindruckendsten Bankendynastie der Welt, im Hintergrund miteinschloss. Ihr wiederum gehörte in nicht unbedeutendem Umfange (zusammen mit dem Bankhaus Warburg) die Manhattan Company, mit der die Chase Bank späterhin zusammenschmolz. [7] Ähnliche gelagerte Verbindungen galten erst recht für John Pierpont Morgan und dem Aufstieg seiner Bank J.P. Morgan & Co., [8] da jener der internationalste US-Financier war, der im Grunde als der Vertreter der City of London und der britischen Banken an der Wall Street fungierte.

Morgan lieferte sich mit Rockefeller am Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst harte Kämpfe:

„Nach der Jahrhundertwende entwickelte sich ein wüster Wirtschaftskrieg zwischen den Interessen Morgans auf der einen und denen der miteinander verbündeten Harriman-Kuhn, Loeb-Rockefeller auf der anderen Seite. Harriman und Kuhn, Loeb rissen die Kontrolle über die Union Pacific Railroad an sich und die zwei gigantischen Mächte führten einen ergebnislosen Kampf um die Herrschaft über die Northern Pacific. Ungefähr zur selben Zeit brach ein langandauernder und weltweiter, finanziell und politisch geführter Ölkrieg zwischen der Standard Oil Company, die bisher ein Monopol sowohl auf den Rohöl-, als auch auf dem Exportmärkten außerhalb der USA hatte, und dem aufstrebenden britischen Royal Dutch Shell-Rothschild-Kombinat aus.“ [9]

Der besagte „Ölkrieg” nahm seinen Anfang durch die Ölfunde, die man 1871 in der Nähe von Baku am Kaspischen Meer gemacht hatte. Die Rohölforderung, die Russland nur fünfzehn Jahre später aufweisen konnte, belief sich immerhin schon auf ein Drittel der US-Produktion. Zunächst den Vertrieb, dann immer mehr auch die Ölquellen und Raffinerien selber übernahm der französische Teil der Bankiersfamilie Rothschild. Der Partner von Alphonse de Rothschild für den Absatz in Süd- und Ostasien war Marcus Samuel, dessen Familie Londons größte Handelsbank Hill Samuel zusammen mit dem Handelshaus Samuel Montagu kontrollierte.

„In der Ölgeschichte Bakus nehmen die Brüder Ludwig und Robert Nobel eine besondere Rolle ein. Sie stiegen 1873 ins Ölgeschäft ein und waren für einige revolutionäre Neuerungen verantwortlich, u. a. transportierten sie als erste Öl auf dem Schienenweg in speziell dafür entworfenen Tank-Waggons. Auf dem Kaspischen Meer bauten sie eine große Tankerflotte auf. Desgleichen waren Pipelines und die Lagerung von Öl in großen Mengen Innovationen, die auf sie zurückgingen. Zwischen 1897 und 1907 wurde die damals längste Ölpipeline der Welt zwischen Baku und Batum am Schwarzen Meer gebaut. Die Bankiersfamilie der Rothschilds trat ebenfalls in das Great Game ein. Für Anteile an den Ölfeldern Bakus finanzierten sie eine Eisenbahnverbindung zwischen Baku und Batum am Schwarzen Meer. Dadurch wurden die Transportkosten drastisch reduziert und das kaspische Öl noch günstiger auf dem Weltmarkt. Dieser Schritt brach die globale Dominanz der Standard Oil endgültig.“ [10]

Weitere Konkurrenz für Rockefellers internationale Vorherrschaft erwuchs durch die beträchtlichen Ölförderquoten, die „in Holländisch-Ostindien (dem heutigen Indonesien) … unter Leitung der Royal Dutch Company“ stattfanden. [11] Die Royal Dutch Company war 1890 von den holländischen Unternehmern Jean Baptiste August Kessler und Henri Deterding (einem späteren Hitler-Financier) unter Beteiligung des niederländischen Königshauses gegründet worden, um Kerosin auf Indonesien zu raffinieren. Im selben Jahr übernahm das Unternehmen von Marcus Samuel, die Shell Transport and Trading Company, die Verschiffung des Kerosins von Royal Dutch. 1892 führte Shell die erste Verschiffung des Südsee-Rohöls durch den neuen Suezkanal durch, womit Europas Industrie beliefert werden konnte. 1903 schlossen sich der Fernosthandel der schwedischen Nobels und der französischen Rothschilds – durch den niederländischen König Wilhelm III. finanziell begünstigt – mit Samuels Firma Shell Oil zusammen. Hieraus entstand schließlich Royal Dutch Shell, das weltgrößte Unternehmen überhaupt im Jahre 2009. [12]

Sodann sind die Hauptbeteiligten aufgezeigt, durch deren Aktivitäten sich der „Ölkrieg“ zutrug, bei dem „sich erbitterte Preiskämpfe mit Übernahmeversuchen oder großen Allianzen abwechselten.“ [13]

Vom Einstieg ins Bankengeschäft, der parallel dazu stattfand, zog Rockefeller immensen Nutzen, die seine Stellung daheim in den USA festigte. Der Impetus, im Bankengeschäft mitmischen zu wollen, bestand darin, „dass diese Financiers, die neue Macht-Liga in Amerika, eine Möglichkeit finden wollten, um in das … Zeitalter des Finanzkapitalismus (vorzustoßen). … Die Idee war, dass man jetzt Geld aus Geld machen konnte, im Gegensatz dazu, dass es nur mit Industrie-Interessen wie Stahl und Öl verbunden war – auch wenn die Rockefellers mit der Standard Oil Company und anderen Interessen eine erhebliche Menge an Geld gemacht hatten und dies auch weiterhin machen würden. Aber sie, und vor allem William Rockefeller, suchten nach einem Weg, Geld um des Gelds willen machen zu können und um ein Teil des ,Geld-Trusts‘ (Money Trust) in den frühen 1900er Jahren zu werden. [14]

Eine „erhebliche Menge an Geld“ machten die Rockefellers, indem sie zu dieser Zeit „Standard Oils heimische Geschäftspraktiken wie Verdrängungspreise, Geheimhaltung und Industriespionage“ anwandten, „um auch ausländische Ölfirmen zu übernehmen – vor allem jene in Europa, wo die Industrialisierung und Verstädterung eine stetig steigende Nachfrage nach Kerosin und Schmierölen stimulierte. Kerosin wurde bald zum wichtigsten in den USA produzierten Exportgut; und Standard Oil mit seinen europäischen Tochterfirmen wurde zum ersten modernen multinationalen Konzern.“ Das Firmenimperium, das Rockefeller schuf, nahm derartige Auswüchse an, dass der Oberste Gerichtshof der USA 1911 in Bezug auf das Standard Oil-Kartell von einer „gefährlichen Verschwörung sprach, „die zum ,Schutz der Republik’ zerbrochen werden muss.“ [15]

Ähnlich wurde die Lage vom US-Kongress eingeschätzt:

„1914 wurde die Standard Oil im Congressional Record als ,Schattenregierung’ bezeichnet. Infolge des Antitrust-Urteils des Obersten Gerichtshofes wurde die monolithische Standard Oil in 38 neue Unternehmen aufgeteilt, darunter Exxon, Mobil, Amoco, Chevron und Arco; aber Rockefeller beherrschte sie weiterhin im Geheimen durch seine Aktienmehrheit.“ [16]

Begünstigt wurde der extreme Machtzuwachs, den Rockefeller aus seinen Geschäften ableiten konnte, überdies durch die zusätzlichen „neue(n) Möglichkeiten der Ölnutzung“, die in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden:

„Am Jahrhundertende tauchten die ersten Ölöfen sowie Ölbrenner für Fabriken, Züge und Schiffe auf, die alle von Standard Oil auf den Markt gebracht wurden. 1909 wurde dann bereits die Hälfte des geförderten Erdöls als Heizöl verkauft. Aber die bei weitem wichtigste neue Ölnutzung war die als Treibstoff des neuen Verbrennungsmotors, der in den 1870er Jahren von dem deutschen Ingenieur Nikolaus Otto entwickelt worden war.“ [17]

So wurde denn die Ölindustrie „in ungeheurer Geschwindigkeit zu einem machtvollen Markt mit globalen Dimensionen“, [18] der sich immer lukrativer gestaltete, zumal die Massenherstellung von Automobilen durch die elektrisch angetriebenen Fließbänder zunehmend kostengünstiger ausfiel. Mit der Elektrifizierung, die zeitgleich einsetzte, ergab sich eine weitere Entwicklung der Energienutzung, die zu einer grundlegenden Veränderung der bisherigen Lebensverhältnisse führte. Zur dominierenden Person auf dem Elektrizitätsmarkt der USA wurde J.P. Morgan, indem er nach Übernahme der Firma von Thomas Edison die General Electric Corporation gründete, welche noch heute zu den einflussreichsten Unternehmungen der Vereinigten Staaten zählt.

Im Verbund mit Morgan, der zeitweiligen Rivalitäten zum Trotz, und dem Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., das später mit Lehman Brothers fusionierte, hatte Rockefeller zum Zeitpunkt, als Standard Oil „zerschlagen“ wurde, ohne ihm auch nur annähernd ein Leid anzutun, ein anderes, bis heute fortdauerndes Ziel erreicht, welches Robert A. Mundell „das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts nannte: die Schaffung der Federal Reserve als dem „Kreditgeber der letzten Instanz“ im Bankensystem der USA und als „das Vehikel zur Verbreitung des Dollars“. [19]

Vorangegangen war dieser Entstehung ein Richtungsstreit, der so alt war, wie die Vereinigten Staaten selbst, ja, im Grunde steuerte er den entscheidenden Anteil dazu bei, dass die amerikanischen Kolonien überhaupt einen revolutionären Krieg gegen das britische Mutterland provozierten. Freilich wird sich, wenn es um die Gründe geht, die zur Amerikanischen Revolution führten, gerne auf die Teezölle kapriziert, die das britische Parlament 1767 über seine dreizehn Kolonien in der Neuen Welt verhängte. Tee war zu dieser Zeit eine ungeheuer wertvolle Ware (ich komme darauf späterhin im Zusammenhang mit den Opiumkriegen zurück), und zweifelsohne trug der Beschluss, Zollgebühren auf die Einfuhr von Tee zu erheben, dazu bei, es unter den Bewohnern der Kolonien gründlich rumoren zu lassen. Vor diesem wichtigen, historisch gewordenen Hintergrund sollte jedoch nicht die Rolle vernachlässigt werden, die das Problem der Geldschöpfung unter dem Stichwort „Colonial Scrip“ für die Amerikanische Revolution spielte: sie ist nicht gleichzusetzen mit irgendwelchem nebensächlichen Brouillon, sondern stand als Zankapfel im eigentlichen Zentrum der gegenseitigen Animositäten. [20]

Darauf muss an dieser Stelle kurz hinzuweisen erlaubt sein, denn immerhin gerieten die Vereinigten Staaten von Amerika seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien und ihrer nachfolgenden Gründung im Jahre 1789 Schritt für Schritt zur dominantesten Nation, die der Globus je zu sehen bekam, und ihre Notenbank, die 1913 initiierte Federal Reserve, sollte dementsprechend zur einflussreichsten der Welt werden.

Diesen Kontext betreffend stellte ich einige Fragen an die finanzhistorische Forscherin Ellen Brown…


Papier-Scribs und Zentralbanken

…und bekam einige erhellende Antworten über US-amerikanische Historie im Schnelldurchlauf.

Ellen Brown, Anwältin fur Zivilrecht, hat mit dem 2007 erschienenen Buch The Web of Debt eines der wichtigsten Werke über die Federal Reserve und Währungspolitik der jüngsten Vergangenheit vorgelegt.

Ich setzte bei meinen Fragen an Ellen Brown an einer essentiellen Stelle an, und zwar in diesem Sinne:

Frau Brown, Zentralbanken spielen im gegenwärtigen Finanzsystem und seinem Krisenzustand eine entscheidende Rolle. Manche der Eigenschaften der Zentralbanken und der Entwicklungen, die uns an den Scheideweg geführt haben, an dem wir uns heute befinden, sind nicht neu. Genaugenommen sind sie sehr alt. In Ihrem Buch erläutern Sie einige grundlegende Elemente dieses Systems von ihren historischen Wurzeln her. Können Sie uns in diesem Zusammenhang ein wenig über ein wichtiges Ereignis aus dem Jahre 1694 erzählen? Was geschah in diesem Jahr in England unter Wilhelm von Oranien und warum ist es selbst in heutiger Zeit noch von Bedeutung?

Ellen Brown: In diesem Jahr wurde die Bank von England gegründet, die „Mutter aller Zentralbanken“. Genaugenommen gab es die erste Zentralbank in Schweden, aber die befand sich im Staatseigentum. Die Bank von England befand sich in Privatbesitz und ist der Ursprung des Systems, in dem privaten Bankern gestattet wird, ihre eigenen Banknoten als nationale Währung zu drucken und sie gegen Zinsen an die Regierung zu verleihen. Sie kamen damit durch, weil die Währung angeblich durch das Gold der Banken gedeckt war, aber entsprechend dem Mindestreservesystem wurden deutlich mehr Banknoten verliehen, als Gold zu ihrer Deckung vorhanden war. Die meisten dieser Banknoten wurden aus dem Nichts geschaffen.

Währenddessen fanden in den amerikanischen Kolonien recht gegensätzliche Geldexperimente statt. Der Grund für diese Experimente lag in der notorischen Knappheit von Edelmetallen in den Kolonien, insbesondere von Gold. Wie ging die Obrigkeit in den Kolonien mit diesem Problem um?

Ellen Brown: Sie gaben ihre eigenen allgemeinen Währungen aus in Form von „Berechtigungsscheinen“ (engl.: Scrip) aus Papier.

Eine prominente Figur bei all dem war Benjamin Franklin, der als „Vater des Papiergeldes” bezeichnet wird. Welche Idee stand hinter seiner Erfindung und warum stellte sie sich als recht erfolgreich heraus?

Ellen Brown: Er hat es nicht wirklich erfunden – er hat nur darüber geschrieben –, aber er war sehr enthusiastisch in Bezug auf das neue öffentliche Papiergeld und machte die Idee weithin bekannt. Die Innovation bestand darin, dass Geld von der Regierung kommt und im Grunde genommen eine Quittung für Güter oder Dienstleistungen darstellt, die man der Regierung gegenüber erbracht hat. Die Regierung gab Berechtigungsscheine entsprechend den Bedürfnissen des Handels aus. In Franklins Kolonie Pennsylvania gab die Regierung nicht nur Geld aus, sondern verlieh es auch durch seine regierungseigene Bank an die Wirtschaft. Da das Geld zur Regierung zurückkehrte, von wo es wieder in die Wirtschaft zurückfließen konnte, wurde als Ergebnis die Inflation verhindert, die in anderen Kolonien auftrat, in denen man neues Geld einfach druckte und ausgab, druckte und ausgab.

Der Erfolg des Colonial Scrip und die Reaktion darauf aus Großbritannien waren „ein Meilenstein“ der Amerikanischen Revolution. Darf ich fragen, warum das so war?

Ellen Brown: Das hat Thomas Paine so formuliert, weil die Revolution mit diesem neuen Papiergeld im Grunde finanziert – und gewonnen – wurde. Es war eine Weltpremiere: Ein Krieg gegen eine Großmacht wurde mit Schuldscheinen gewonnen. Das Recht, eigene Papier-„Scrips“ auszugeben, war auch ein wesentlicher Grund für den Krieg, nachdem King George die weitere Ausgabe von Colonial Scrip verboten hatte.

Nach dem Erfolg der Amerikanischen Revolution wurde 1791 die First Bank of the United States etabliert. Die einflussreichste Gestalt hinter dieser Gründung war Alexander Hamilton. Sein Hauptgegner war Thomas Jefferson. Worin lag der Unterschied zwischen ihren Standpunkten und warum hat sich Hamilton letztendlich gegenüber Jefferson durchgesetzt?

Ellen Brown: Hamilton, der erste Finanzminister der USA, sah sich gewaltigen Kriegsschulden gegenüber und hatte kein Geld, sie zu bezahlen, nachdem der Wert des Continental (der Paper Scrip der Übergangsregierung) zusammengebrochen war. Die Ursache hatte größtenteils in der massiven Geldfälschung der Briten gelegen, aber der neue Kongress war Papiergeld gegenüber so misstrauisch geworden, dass er das Recht zur Ausgabe nicht in der Verfassung regelte. Hamilton griff daher auf den Trick zurück, der in England angewandt wurde: eine in Privatbesitz befindliche Zentralbank, die ihre eigenen Banknoten verlieh. [21]

Diese Banknoten waren angeblich durch Gold gedeckt, aber dem Mindestreservesystem gemäß wurde ein Vielfaches dessen verliehen, was die Banken an Gold in ihren Tresorräumen hatten. Dieser Trick erlaubte es der Regierung, ihre Schulden loszuwerden und die Wirtschaft aufblühen zu lassen, aber das Ergebnis war das System privater Geldschöpfung durch Schulden, das wir heute haben. Jefferson sah die potentiellen Probleme und warnte vor ihnen, aber es war zu spät. Er war daran beteiligt zu verhindern, dass die Charta der First U.S. Bank erneuert wurde, aber Nathan Rothschild antwortete (angeblich), indem er den Krieg von 1812 herbeiführte und so Präsident Madison dazu zwang, der Second Bank of the United States die Charta zu erteilen.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem Buch ist die Art und Weise, wie Abraham Lincoln während des Bürgerkrieges 1862-65 die Truppen der Union finanzierte. Können Sie die wesentlichen Elemente dessen beschreiben, was er tat, warum er es tat und wie letztendlich die Reaktion aussah, die er daraufhin aus England erhielt?

Ellen Brown: Er gab, nach dem Vorbild der amerikanischen Kolonisten, „Greenbacks” genannte Scrips aus. Dadurch vermied er es, sich bei den Banken hoch zu verschulden und es gelang ihm, den Krieg zu gewinnen. Es gibt allerdings Grund zu der Annahme, dass die Greenback-Lösung maßgeblich zu seiner Ermordung beigetragen hat.

Damit betreten wir das Gilded Age, das von Autor Jack Beatty nicht ohne Grund auch als das „Zeitalter des Verrats” bezeichnet wird. [22] Das war eine Ära, die von den „Räuberbaronen” wie den Rockefellers, den Carnegies, den Vanderbilts, den Morgans und den Harrimans beherrscht wurde. Diese Familien gewannen großen Einfluss. Warum sind sowohl das “Gilded Age” als auch die „Räuberbarone” heute noch immer wichtig, obwohl seitdem so viele Jahre vergangen sind?

Ellen Brown: Die Räuberbarone sind immer noch da, und sie üben jetzt viel mehr Einfluss auf die Regierung aus. Die beiden führenden Räuberbarone des Gilded Age waren J.P. Morgan und John D. Rockefeller. Ihre Banken sind jetzt vereint in den Bankengiganten JP Morgan Chase und Citibank. Zusammen mit Goldman Sachs und verschiedenen anderen bestimmen diese Banken heute im Kongress, wo es langgeht.

Wie Sie gerade gesagt haben, war einer der mächtigsten Männer unter all diesen Räuberbaronen John D. Rockefeller, der Gründer von Standard Oil , das als Unternehmen selbst so einflussreich wurde, dass es 1914 „im Congressional Record als ,die Schattenregierung’ bezeichnet wurde.” [23] Was waren die Hauptfaktoren dafür, dass Rockefeller so einflussreich werden konnte? Und ferner, ist der Einfluss der Familie Rockefeller jemals geschwunden?

Ellen Brown: Rockefellers Banken-/Öl-/Pharmakartell hat kleinere Konkurrenten gefressen und die Medien aufgekauft. John D. Rockefeller war an der Gründung des Council on Foreign Relations (CFR) und anderer heimlichtuerischer globalistischer Institutionen beteiligt, von denen man annimmt, dass sie heute international hinter den Kulissen die Fäden ziehen.

Über den Council on Foreign Relations wird späterhin noch zu sprechen sein. Bleiben wir vorerst beim Ausgangspunkt der Betrachtung, dem Streit ums Geld als rotem Faden der US-Geschichte. Zu diesem Sachverhalt befragte ich neben Ellen Brown auch den deutsch-amerikanischen Historiker und Wirtschaftsforscher F. William Engdahl.

Würden Sie als Historiker sagen, dass es eine übertriebene Aussage wäre zu sagen, dass die gesamte Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika bis zum Jahr 1913 die Geschichte des Kampfes einer Republik gegen eine Zentralbank ist, die sich hochkonzentriert in den Händen von ein paar Männern befindet?

F. William Engdahl: Ich denke, das ist eine sehr interessante Möglichkeit, um diese Geschichte zu betrachten. Es gab die Gründung der ersten Bank der Vereinigten Staaten unter Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister. Viele, auch amerikanische Historiker, haben den Eindruck, dies sei eine nationale Bank gewesen, die der US-Regierung gehörte. Keineswegs war diese Bank-Mehrheit im Besitz der US-Regierung. Ein Minderheiten-Anteil der Aktien wurde durch die US-Regierung gehalten, aber die Hauptaktionäre waren private Banken-Interessen. Interessanterweise wurde einer der größten Aktienblöcke der Bank der Vereinigten Staaten durch das Haus Rothschild in London gehalten. Das, was die Briten während des Unabhängigkeitskrieges nach 1776 verloren, versuchten sie also durch die Hintertür durch den Besitz der Bank, die die US-Staatsverschuldung verwaltete, wieder zu erlangen. Die Charta dieser Bank wurde nicht erneuert, es gab erbitterte Kämpfe in der Geschichte darüber. Es wurde einige Jahre später eine zweite Bank der Vereinigten Staaten geschaffen und Andrew Jackson war als Präsident ein erbitterter Feind der Idee, dass die Schulden der Vereinigten Staaten von einem privaten Unternehmen gehandhabt werden sollten.

Und dann während des Bürgerkriegs gab Lincoln Greenbacks heraus. Das war eine Form von Papiergeld in einer Notsituation, aber was es bewerkstelligte, wenigstens teilweise, war, dass es die Kontrolle über die US-Schulden vorübergehend aus den Händen der Londoner und New Yorker Banken nahm. Das missfiel London in einem außergewöhnlichen Maß. Interessanterweise deuten die Hinweise, die über die Ermordung von Lincoln am Ende des Bürgerkrieges auftauchten, alle auf die Hand des Hauses Rothschild und der London City Banker, die durch Judah Benjamin, einem führenden Beamten der Konföderierten, den ganzen Mordanschlag von John Wilkes Booth auf Lincoln finanzierten. Judah Benjamin verschwand aus den Vereinigten Staaten nach dem Attentat und verbrachte den Rest seiner Jahre in England. Man kann also Rückschlüsse ziehen, wer ein Interesse an der Beseitigung von Lincoln hatte, obwohl wir es natürlich niemals endgültig wissen werden.

Die andere Sache war der Krieg von 1812. Ein sehr bizarrer Krieg, wenn man sich die amerikanische Geschichte anschaut. Die Briten begannen ihn mit ihren Schiffen vor der Küste von Washington und New Orleans. Sie fingen an, Washington zu bombardieren und erklärten den Krieg, und dann versuchten sie sich von Kanada aus nach unten zu bewegen. Und das war offenbar ein Racheakt der Londoner Banken für die Tatsache, dass der US-Präsident die Charta der Ersten Bank der Vereinigten Staaten auslaufen ließ und nicht erneuerte. Von daher hat viel von der Geschichte der Vereinigten Staaten bis 1913 mit diesem Kampf zu tun.

Auch die ganze Frage von Silber gegenüber Gold. Gold war etwas, das im Interesse des Hauses Morgan in New York und sicherlich der Londoner Banken lag, weil sie das Herz des Goldstandards der damaligen Zeit bildeten. Wenn also die Vereinigten Staaten auf einem Silberstandard oder auch nur einen zweigeteilten Metall-Standard gegangen wären, würde das erheblich die Macht der JP Morgan, Rothschild und deren Freunde in London, Barrings und andere, verringert haben. Sie kämpften erbittert gegen William Jennings Bryant, ein Mann, der für die Rede: „Du sollst nicht die Menschheit an einem Kreuz aus Gold kreuzigen”, berühmt wurde. [24] Aber sie besiegten die Silber-Fraktion im Wesentlichen durch allerlei Korruption und Manipulation und so weiter im Kongress. Sehr viel der amerikanischen Geschichte hat also mit diesen Kämpfen zu tun, ja. [25]


Das periodische Problem mit dem Geld

Woodrow Wilson sworn in March 4, 1913

Woodrow Wilson sworn in March 4, 1913

Beschäftigen wir uns mit diesen Erörterungen im Gepäck weiter mit dem Federal Reserve Act von 1913, bei dem die Interessen der Herren John D. Rockefeller und J.P. Morgan maßgeblich am Spiel beteiligt waren. Hierbei ist es unerlässlich, sich zumindest kurz mit folgender Gegebenheit auseinanderzusetzen: Nach den jeweils staatlich veranlassten Auflösungen der First Bank of America (1811 unter Präsident James Madison) und der Second Bank of America (1836 unter Präsident Andrew Jackson), kam es durch das ganze weitere 19. Jahrhundert sowie dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hindurch immer wieder zu periodisch auftauchenden Krisen des US-amerikanischen Finanzsystems. Lassen wir uns diese „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ von US-Historiker Howard Zinn erläutern, indem wir im Jahre 1873 einsetzen:

„1873 richtete eine weitere Wirtschaftskrise die Nation zugrunde. Es war die Schließung des Bankhauses Jay Cooke – jenes Bankers, der während des Krieges allein in einem Jahr 43 Millionen durch Kommissionen für den Vertrieb von Staatsanleihen verdient hatte –, die die Panikwelle los trat. Während Präsident Grant am 18. September 1873 in Cookes Haus in Philadelphia schlief, ritt der Banker in die Stadt, um seine Bank zu schließen. Die Menschen konnten nun ihre Hypotheken nicht bezahlen: fünftausend Unternehmen wurden geschlossen und setzten ihre Angestellten auf die Straße.

Es ging um mehr als Jay Cooke. Die Krise lag begründet in einem System, das seiner Natur nach chaotisch war und in dem nur die Reichen sicher waren. Es war ein System periodischer Krisen – 1837, 1857, 1873 (und später: 1893, 1907, 1919, 1929) –, das kleine Unternehmen hinwegfegte und der arbeitenden Bevölkerung Hunger, Kälte und Tod brachte, während die Vermögen der Astors, Vanderbilts, Rockefellers, Morgans in Krieg und Frieden, Krise und Aufschwung immer weiter anschwollen. Während der Krise von 1873 eroberte Carnegie den Stahlmarkt, Rockefeller beseitigte seine Konkurrenten im Ölgeschäft.“ [26]

Über all die Jahre hinweg, die Zinn erwähnt, kam es zu einem extremen Transfer der Vermögenswerte von unten nach oben, von Arm auf Reich – ganz besonders aber im so genannten „Gilded Age“, dem „Goldenen Zeitalter“ (circa 1875 – 1914), jener Ära der skrupellosen Unternehmer und Kreditgeber also, die als die „Räuberbarone“ in die Geschichte eingingen. Riesige Monopole entstanden im Stahl-, Eisenbahn, Öl- und Finanzsektor, die nach und nach miteinander verwoben wurden, um auf diese Weise nur noch mehr Gewinne einzufahren. Den Absprachen und Manipulationen waren Tür und Tor geöffnet.

Deshalb könnte es, bei allen Vorbehalten, im Hinblick auf die Krisen, die ewig wiederkehrten, um jeweils die „Räuberbarone“ obenauf zu finden, eine Überlegung wert sein, ob diese Krisen von betreffender Seite nicht gewollt waren oder doch zumindest ausgenutzt wurden. Bisweilen mag es ja vorkommen, dass eine Gruppe von Menschen zueinander findet, die ein Ziel vereint, welches von einer anderen Gruppe – nehmen wir als Beispiel eine Gesamtbevölkerung – nicht mitgetragen wird, sondern Ablehnung erfährt. Gleichwohl möchte die Gruppe 1 ihr Ziel partout erreichen. Da bietet es sich an, eine künstliche Krise zu schaffen, sodass die Gruppe 2 in echter Panik reagiert. Daran anschließend wird für die fingierte Krisensituation ein Lösungsmittel von Gruppe 1 präsentiert, das dem Ziel entspricht, welches sie von vornherein in die Tat umgesetzt sehen mochte. Gruppe 2 mag sich eine Zeit lang gegen den Ansatz, der ihm aufgezeigt wird, wehren; kehrt die künstlich erzeugte Krise allerdings immer und immer wieder zurück, könnte allmählich die Grundlage dafür geschaffen werden, dass die „Werbebotschaft“, die von Gruppe 1 (dem Sender) an Gruppe 2 (dem Empfänger) ergeht, irgendwann verfängt. Hat Gruppe 1 zum Beispiel die Massenmedien im Rücken, die die Meinungsbildung von Gruppe 2 prägen, so stehen die Chancen recht gut, dass eben dies auf Dauer gelingt.

Angewandt auf das Problem mit dem Geld könnte die Geschichte so gedeutet werden, dass die großen Unternehmer und Kreditgeber, die untereinander Geschäftsallianzen eingingen und sich gegenseitig bevorteilten, dem langfristigen Ziel nachgingen, eine Zentralbank zu kreieren, die zu wesentlichen Teilen ihnen gehören sollte. Jedenfalls existierte keine Zentralbank in den USA, die das Geldmonopol innehatte, und die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung lehnte es über die Jahrzehnte ab, sich mit der Etablierung einer solch machtvollen Institution einverstanden zu geben. Angesichts der stetig wiederkehrenden Bankenkrisen wurde ihr jedoch in ebenso stetig wiederkehrender Weise die Idee nahe gebracht, dass eine Zentralbank in der Lage wäre, solchen Krisen vorzubeugen, indem sie, einmal geschaffen, den privaten Geschäftsbanken als Kreditgeber in einem elastischeren Kreditsystem beispringen könnte, um sie vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Stellvertretend seien hierfür die Einschätzungen von zwei in Amerika tätigen Bankern wiedergegeben, die ursprünglich aus Deutschland stammten. Da war zum einen Paul Moritz Warburg vom Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., der vor der New Yorker Handelskammer 1906 warnte:

„Ich möchte keine Kassandra sein, aber denken Sie an meine Worte: Wenn sich die Dinge nicht bald ändern, wird über dies Land eine Börsenpanik hereinbrechen, gegen die sich alle früheren als harmlos ausnehmen werden.“ [27]

Und da war zum anderen Jacob H. Schiff, ein in Frankfurt am Main geborener Banker, der Kuhn, Loeb & Co. leitete (und mit Paul Warburg familiär verbandelt war). Vor der Handelskammer in New York warb er zu Beginn des gleichen Jahres zur Vermeidung einer Finanzkrise für eine „elastische Währung“ und ein demgemäß zurechtgeschnittenes Bankensystem, womit er einen Plan anklingen ließ, von dem ihm Paul Warburg erstmals 1903 erzählt hatte. Alsbald wurde von James Stillman und Frank A. Vanderlip, die beide bei der National City Bank of New York arbeiteten, eine Kommission der New Yorker Handelskammer gebildet, die Vorschläge im Sinne von Schiff (und damit von Paul Warburg) erarbeiten und vorlegen sollte.

Der Kommissionsbericht wurde der New Yorker Handelskammer im Oktober 1906 übergeben. Murray N. Rothbard schreibt darüber in seiner Abhandlung zu den Ursprüngen der Federal Reserve:

„Um Instabilitäten und die Gefahren einer unelastischen Währung zu beseitigen, forderte die Kommission die Schaffung einer ,zentralen Notenbank unter der Kontrolle der Regierung.‘ Im Einklang mit anderen Bank-Reformern wie Professor Abram Piatt Andrew von der Harvard-Universität, Thomas Nixon Carver von Harvard, und Albert Strauss, Partner von JP Morgan and Company, verhöhnte die Kommission den Versuch von Finanzminister Shaw, das Treasury als Zentralbank zu verwenden. Shaw war insbesondere angewidert, da er immer noch darauf insistierte, … dass das Schatzamt unter seiner Ägide eine ,großartige Zentralbank‘ gebildet habe. Die Kommission verurteilte das Treasury zusammen mit den anderen Reformern für die Überinflationierung, indem es die Zinsen zu niedrig hielt; eine Zentralbank hingegen hätte viel größeres Kapital und unbestrittene Kontrolle über den Geldmarkt, und wäre so in der Lage, den Diskontsatz effektiv zu manipulieren, um die Wirtschaft unter angemessener Kontrolle zu halten. Der wichtige Punkt, erklärte der Ausschuss, ist der, dass es eine ,Zentralisierung der finanziellen Verantwortung‘ gäbe. … Nach der Erstellung und Veröffentlichung dieses ,Währungsreports‘, verwendeten die Reformer den Bericht als Hebel für den Ausbau der Agitation für eine Zentralbank und weitere Notenausgabebefugnisse für andere Unternehmen und Finanzinstitute.” [28]

Wenig später sagte Jacob Schiff Anfang 1907 abermals vor der Handelskammer in New York:

„Wenn wir über keine Zentralbank mit adäquater Kontrolle über die Kreditquellen verfügen, wird dieses Land die schwerste und weitreichendste Geldpanik in seiner Geschichte erleben.“ [29]

So geschah es denn auch im Zuge der großen Bankenpanik, die im Oktober 1907 die USA erfasste. Wobei diese „selbstverschuldete, unnötige Panik“ mutmaßlich auf eine Manipulation zurückging, die von J. P. Morgan gesteuert gewesen scheint. [30] Zumindest, soviel ist gesichert, waren Morgan und die anderen miteinander verbundenen „Big Money Boys“ am Ende allemal die Profiteure des Ganzen.

The headquarters of the Knickerbocker Trust Company, by McKim, Mead, and White (photographed in 1905; the facade is now entirely transformed).

The headquarters of the Knickerbocker Trust Company, by McKim, Mead, and White (photographed in 1905; the facade is now entirely transformed).

Der fragliche Vorgang war kurz gefasst dieser: Nachdem ein äußerst waghalsiges, von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Knickerbocker Trust Company mitfinanziertes Spekulationsgeschäft gescheitert war, bei dem die United Copper Company im Mittelpunkt stand, kamen Gerüchte auf, denen zufolge die in New York City beheimatete Knickerbocker Trust Company kurz vor dem Zusammenbruch stünde. Die alarmierten Anleger, die die Gerüchte für „bare Münze“ nahmen, eilten zu Tausenden zur Knickerbocker-Zentrale, um die Auszahlung ihrer Guthaben zu erwirken. Diesen Kundenwünschen konnte jedoch nicht in dem verlangten Umfang entsprochen werden, was bedeutete, dass Knickerbocker schließen musste. Aufgrund der vielfachen Geschäftsverbindungen, die unter den New Yorker Banken und anderen Vermögensverwaltungsgesellschaften bestanden, begann sich erhöhte Panikstimmung breit zu machen, die nicht zuletzt von der New York Times angeheizt wurde, indem jene verbreitete, dass auch die Trust Company of America dem Untergang geweiht wäre.

Der Ansturm auf die Banken in New York wuchs mit jeden Tag und weitere Finanzinstitute mussten dichtmachen, da die Kontoguthaben nicht durch entsprechende Reserven gedeckt waren. Alsbald gerieten immer mehr Menschen in Angstzustände, Aktieninhaber stießen durch „Cash Calls“ ihre Anteile zur Geldbeschaffung ab, die New Yorker Börse verzeichnete extremste, bis dahin nie gesehene Einbußen, die Großbanken kündigten langfristig vergebene Kredite gegenüber kleineren Banken auf, die daraufhin erst recht der Reihe weg zusammenbrachen. In der Folge zog eine Pleitewelle durchs ganze Land, die die Realwirtschaft zum Erliegen brachte. Das Krisenmanagement übernahmen unterdessen insbesondere J. P. Morgan und Benjamin Strong, der damalige Vorsitzende der Bankers Trust Company (und später der erste Vorstandsvorsitzende der New Yorker Federal Reserve). Ihnen und ihren Partnern wird bis heute zugute geschrieben, die Panik mit ihren Gegenmaßnahmen gestoppt zu haben. So dankte Präsident Theodore Roosevelt im Anschluss „jenen konservativen und gehaltvollen Geschäftsmännern, die in der Krise mit Weisheit und Gemeinsinn gehandelt haben.“ [31]

Der Historiker Frederick Lewis Allen kam später zu anders gelagerten Schlüssen, was die Rolle J. P. Morgans bei der Bankenpanik betraf. Im „Life-Magazine“ vom 25. April 1949 schrieb Allen über Morgans Teilhabe „an der Verbreitung von Gerüchten über die Insolvenz der Knickerbocker Bank und der Trust Company of America, die die Panik von 1907 auslösten. Als Antwort auf die Frage: ,Hat Morgan die Panik verursacht?’, berichtet Allen:

,Oakleigh Thorne, der Präsident dieses speziellen Unternehmens des Trusts, sagte später vor einem Kongressausschuss aus, seine Bank sei nur mäßig von Abhebungen betroffen gewesen…habe nicht um Hilfe ersucht und es sei allein die Äußerung (Morgans) über den ,wunden Punkt’ gewesen, die den Run auf seine Bank ausgelöst habe. Aufgrund dieser Aussage, der Disziplinarmaßnahmen, die vom Clearinghouse gegen die Heinze-, Morse- und Thomas-Banken verhängt wurden und anderer angeblich einschlägiger Beweissplitter, sind gewisse Chronisten zu der raffinierten Schlussfolgerung gelangt, dass Morgans Interessen die ungewissen Verhältnisse im Herbst 1907 dazu ausnutzten, die Panik herbeizuführen und ihren Verlauf in geschickter Weise zu lenken, sodass sie rivalisierende Banken vernichtete und die Vormachtstellung der Banken aus Morgans Dunstkreis festigte.’

Die ,Panik’, die Morgan geschaffen hatte, beendete er anschließend beinahe im Alleingang. Er hatte seine Botschaft überbracht, erklärt Frederick Allen:

,Die Lehre aus der Panik von 1907 war klar, obwohl es noch weitere sechs Jahre dauerte, bis sie ihren Niederschlag im Gesetz fand: die Vereinigten Staaten benötigten dringend ein Zentralbankensystem…’“ [32]

Auf die Frage, wer von der Bankenpanik 1907 Nutzen zog, gab mir die Finanzjournalistin Nomi Prins, die den Sachverhalt in ihrem Buch All the Presidents‘ Bankers behandelt, diese Antwort:

Nomi Prins: Der wahre Nutznießer der Panik von 1907 war natürlich J.P. Morgan, der die Morgan Bank zu der Zeit leitete und der Schlüssel-Beeinflusser und Wirtschafts-Vertraute von Präsident Teddy Roosevelt war, der ihm die durch das Weiße Haus und das Finanzministerium gedeckte Macht und Entscheidungsfähigkeit gab, um zu entscheiden, welche Banken bei der Bankenpanik von 1907 leben und welche Banken sterben würden; und das war, was Morgan tat.

Er entschied sich, die Banken zu unterstützen, die mit ihm in irgendeiner Weise verbunden waren, ob sie nun von seinen Freunden oder Kollegen oder Beziehungen geführt wurden oder in denen er nur finanzielle Interessen laufen hatte. Nach der Panik von 1907 waren es wirklich die Morgan-Familie, die Familie Stillman, die die National City Bank führte, die Bakers, die die First National City Bank leiteten (und diese beiden Banken wurden schließlich das, was wir heute als Citigroup kennen, die heutzutage eine der großen sechs Banken ist, wie natürlich auch Morgan noch heute in Form von JP Morgan Chase existiert, eine weitere der sechs großen Banken). Der Nutzen ging wirklich an Morgan und es half ihn zuversichtlich zu machen, dass er das Schiff für die Gründung der Federal Reserve lenken würde, welche DIE Bank für die Großbanken wurde. [33]

Nachdem die Panik abebbte, setzte mit neuem Schwung die „Bearbeitung“ der öffentlichen Meinung mittels der Massenmedien der damaligen Zeit ein, sprich der Zeitungen. Diese befanden sich in erklecklichem Ausmaß unter Kontrolle jener soeben angesprochenen „konservativen und gehaltvollen Geschäftsmänner“. In diesem Zusammenhang ist es statthaft, aus einer Rede von John Swinton, einem ehemaligen Herausgeber der „New York Times“, zu zitieren, um aufzuzeigen, was das für den Inhalt hieß, der in den meisten Zeitungen verbreitet wurde. Swinton sagte „anlässlich seiner Verabschiedung nach einem erfüllten Berufsleben vor vielen geladenen Journalisten“ im Jahre 1880:

„Es gibt zu dieser Zeit in der Weltgeschichte in Amerika keine solche Sache wie eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß es. Es gibt nicht einen von Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn Sie es würden, wissen Sie im Voraus, dass sie nie im Druck erscheinen würde. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrliche Ansicht aus der Zeitung, mit der ich verbunden bin, herauszuhalten. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Vergütungen für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der närrisch genug wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, würde sich auf der Straße wieder finden, um sich nach einer anderen Arbeit umzusehen. (…) Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen.“ [34]

Weiters muss in Rechnung gesetzt werden, dass den „Big Money Boys“ nicht nur große Teile der Medienlandschaft gehörten, sondern dass sie auch Universitäten gründeten und finanzierten, das Schul- und Bildungssystem beeinflussten, und auf diesem Wege, als respektable „Philanthropen“ auftretend, zusätzliche Macht über die Meinungsbildung der Bevölkerung erlangten. [35]

Seitens der praktischen Politik wurde am 30. Mai 1908 als Reaktion auf die Panik von 1907 vom US-Kongress der „Aldrich-Vreeland Act“ verabschiedet, mit dem eine Nationale Währungskommission ins Leben gerufen wurde, um die Ursachen der Bankenpanik zu untersuchen und Vorschläge abzuliefern, wie dergleichen zukünftig zu verhindern sei. Vorsitzender dieser Kommission war Nelson Aldrich, Senator aus Rhode Island und Schwiegervater des Sohnes von John D. Rockefeller. Außerdem ermöglichte es der „Aldrich-Vreeland Act“ den nationalen Banken, nationale Währungsvereinigungen zu gründen, um bei dringendem Bedarf Geld drucken zu können.

Ein Portrait von Senator Nelson W. Aldrich

Ein Portrait von Senator Nelson W. Aldrich

Als Vorsitzender der Nationalen Währungskommission führte Aldrich ein Expertenteam an, das in Europa das dortige Zentralbankensystem studierte. Wieder zurückgekehrt, lud Aldrich – auch bekannt als Wall Street Senator, „ein Sprecher des Big Business und der Banken“ [36] – schließlich im Jahre 1910 zu einem bemerkenswerten Treffen nach Jekyll Island an der Küste Georgias. In einem dortigen Anwesen, das teilweise J. P. Morgan gehörte, dem Jekyll Island Club, fand sich im November 1910 bei mildem Sudstaatenklima eine illustre Runde ein, die es auf strengste Geheimhaltung abgesehen hatte:

  • Senator Nelson Aldrich;
  • Abraham P. Andrew (Staatssekretär des US-Finanzministeriums);
  • Paul M. Warburg (Teilhaber von M.M. Warburg & Co., Partner bei Kuhn, Loeb & Co., sowie „ein Repräsentant der Rothschild-Bankendynastie in England und Frankreich“ [37]);
  • Benjamin Strong (Präsident der Bankers Trust Company);
  • Charles D. Norton (Präsident der First National Bank of New York);
  • Frank A. Vanderlip (Repräsentant der National City Bank of New York);
  • Henry P. Davison (Repräsentant der J. P. Morgan Company und Gründer der Bankers Trust Company).

Den geheimen Charakter dieser Zusammenkunft auf Jekyll Island beschrieb Bertie Charles Forbes, der Gründer des „Forbes Magazine“, Jahre später dergestalt:

„Stellen Sie sich eine Gruppe der berühmtesten Banker unserer Nation vor, wie sie sich aus New York im Schutze der Dunkelheit in einem Privat-Waggon davonstehlen, heimlich Hunderte von Meilen Richtung Süden eilen, ein geheimnisvolles Hafenboot besteigen, sich davonstehlen auf eine Insel, die bis auf wenige Diener verlassen war, um dort eine ganze Woche unter solch strenger Geheimhaltung zu leben, dass der Name keines einzigen von ihnen je genannt wurde, damit die Dienerschaft die Identität nicht herausbekommen konnte und der Welt die Geschichte dieser seltsamsten und geheimnisvollsten Expedition in der Geschichte der amerikanischen Finanzwelt zu enthüllen.

Ich fabuliere nicht. Ich berichte der Welt zum ersten Mal die wahre Geschichte, wie der berühmte Wahrungsbericht von Aldrich, die Grundlage unseres neuen Wahrungssystems, geschrieben wurde.“ [38]

Weshalb sahen sich diese gestandenen Männer, die auf Jeckyll Island zusammenkamen, veranlasst, eine derart hohe Geheimhaltung zu wahren? In einem Beitrag, der erst sehr viel später am 9. Februar 1935 in der „Saturday Evening Post“ erschien, gab einer der Beteiligten, Frank A. Vanderlip, diese Antwort:

„Ungeachtet meiner Ansichten über den gesellschaftlichen Wert größerer Öffentlichkeit für die Angelegenheiten von Unternehmen gab es eine Gelegenheit, etwa zum Jahresende 1910, als ich so geheimnisvoll, ja geradezu geheimnistuerisch wie ein Verschwörer handelte…Enthüllung, das wussten wir, durfte nicht geschehen, sonst wären all unsere Zeit und Anstrengung vergeudet. Wäre es öffentlich geworden, das ausgerechnet diese Gruppe von Menschen zusammengekommen war, um ein Bankgesetz zu formulieren, hätte es nicht den Hauch einer Chance gehabt, durch den Kongress zu kommen.“ [39]

Rufen wir uns kurz die schon einmal erwähnte Definition einer „Verschwörung“ ins Gedächtnis zurück: „Eine Verschwörung ist nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben, die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen.”

Voilà!

In der Tat schreibt Ron Chernow, der offizielle Biograph der Familie Warburg, im Zusammenhang mit dem „in aller Abgeschiedenheit“ abgehaltenen Treffen auf Jekyll Island ebenfalls von der Notwendigkeit der Geheimhaltung – die die Teilnehmer auf Jahre wahrten. „Lange bestritten die Verschwörer, dass ein solches Treffen stattgefunden hatte. Noch 1928 schrieb Paul, der sich nach wie vor an das Schweigegelöbnis hielt: ,Obwohl achtzehn Jahre vergangen sind, fühle ich mich nicht berechtigt, eine Beschreibung dieser äußerst interessanten Besprechung zu liefern, denn Senator Aldrich hat allen Teilnehmern strenges Stillschweigen auferlegt.‘“ [40] Ferner weist Chernow darauf hin, dass Jekyll Island ein im November „völlig verlassener Ort“ war, „und daher für heimliche Zusammenkünfte wie geschaffen.“ [41]


Auf dem Weg nach Jeckyll Island

Nach allem, was man über die Geschehnisse auf Jeckyll Island weiß, gingen die Details des Plans, der dort ausgearbeitet wurde, um zunächst den Titel „Aldrich Bill“ zu tragen, auf Paul Warburg zurück, einem Spross der Hamburger Bankiersfamilie Warburg, dessen Bruder Max, der spätere Vorstand der Deutschen Reichsbank, zu jener Zeit Finanzberater des deutschen Kaisers Wilhelm II. war. Paul Warburg war fest integriert in der New Yorker Investmentbank Kuhn, Loeb & Co. und mit dem europäischen Zentralbankensystem bestens vertraut. Insbesondere war er bewandert, was den Aufbau und die Funktionsweise der Deutschen Reichsbank anging. Im Januar 1907 veröffentlichte Warburg zwei Artikel, in denen er sich offen für eine Zentralbank in den USA aussprach. Er hob hervor, „dass eine der wichtigsten Funktionen einer solchen Bank die Verwendungseinschränkung der Bankaktiva zur Expansion der Bankeinlagen sein würde“. [42] Außerdem sollte es der Zentralbank erlaubt sein, Wechselpapiere von den Banken verlangen zu können oder einen Wechselmarkt in den USA zu gründen. „Als die Federal Reserve gegründet wurde, rühmte sich Warburg seiner entscheidenden Rolle beim Überzeugen der Fed, einen Wechselmarkt in den Vereinigten Staaten durch die Vereinbarung zu gründen, alle Wechselpapiere von wenigen großen Banken zu subventionierten Preisen zu kaufen.“ Rothbard meint, dass hierdurch dem Börsencrash von 1929 ein Weg geebnet wurde, und es sei sicherlich kaum rein zufällig gewesen, dass Warburg als Vorstandsvorsitzender der International Acceptance Bank (die 1929 von der Manhattan Company übernommen wurde) und als Direktor der Westinghouse Acceptance Bank sowie als Gründer des American Acceptance Council zum Hauptnutznießer dieser Neu-Regelung wurde. [43]

Doch das stellte 1907 noch alles Zukunftsmusik dar, als Warburg das nächste Mal am 12. November als Advokat einer amerikanischen Zentralbank vor einer größeren Öffentlichkeit in Erscheinung trat, und zwar via eines Beitrags in der „New York Times“, der den Titel „Schwächen unseres Bankenwesens und was dagegen zu tun ist“ trug. [44]

„Anstelle der durch Staatspapiere gestützten Banknoten favorisierte er eine auf Gold und Handelswechsel gegründete elastische Währung, bei der die Geldmenge parallel zum jeweiligen Konjunkturzyklus zu- und abnehmen kann. … Auch die sogenannte Diskontpolitik war in Amerika unbekannt. Banken, die Schuldverschreibungen von Unternehmen annahmen, legten sie ins Portefeuille, statt sie in Form flüssiger Mittel auf den Markt zu bringen. Paul wollte eine Zentralbank schaffen, die Handelswechsel rediskontierte – das heißt, dass sie diese in Notfällen von örtlichen Banken übernahm und ihnen dafür flüssige Mittel zu Verfügung stellte, die sie den Hinterlegern auszahlen konnten.“ [45]

Dadurch, dass die Diskontpolitik später mit dem Federal Reserve Act tatsächlich ermöglicht wurde, wurden die New Yorker Banken in die Lage versetzt, der Konkurrenz in der City of London den Platz Nummer eins in der globalen Finanzwelt ernsthaft streitig zu machen.

Im Dezember 1907 traf Warburg erstmals auf Senator Aldrich, der von seinem Fachwissen, wie die Reichsbank Schatzwechsel ausgab, sehr beeindruckt war. Anfang 1908 begann Warburg sodann eine Vortragsreihe zu halten, die sich dem Thema der zurückliegenden Panik und der Frage, wie sie hätte verhindert werden können, widmete. Wenig später verabschiedete der Kongress im Mai 1908 den „Aldrich-Vreeland Act“, wodurch Warburg „unversehens in die Wirren der amerikanischen Politik (geriet): Die Vorlage verlangte die Einrichtung eines nationalen Währungsausschusses zur Bewertung ausländischer Bankensysteme, der dem Kongress einen Bericht vorlegen sollte und als dessen Vorsitzender Senator Nelson Aldrich in Betracht gezogen wurde. Da dieser aber nicht über die erforderlichen Detailkenntnisse im Bankwesen verfügte, stützte er sich weitgehend auf Pauls Fachwissen.“ [46]

Zusammen mit den anderen Ausschussmitgliedern und Senator Aldrich brach Paul Warburg zu einer Bildungsreise gen Übersee auf, um das europäische Zentralbankensystem zu studieren, deren Exponenten in London, Paris und Berlin allesamt private Institutionen darstellten. Seine Überlegungen, die vom herkömmlichen Aufbau der genannten Zentralbanken abwichen, lauteten: „Obwohl Paul eine starke Zentralbank befürwortete, war ihm klar, dass man deren Vollmachten aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit beschneiden musste.“ [47] Daraus leitete sich ab, dass sich Warburg für eine Zentralbank mit Zweigstellen engagierte, „in der Annahme, dass dieser Vorschlag mehr Zustimmung finden werde.“ [48]

Mit der Kommission wollte man ferner erreichen, dass die eher unpopuläre Angelegenheit weitestgehend aus dem politischen Geschehen herausgehalten wurde – wie sich Senator Aldrich ausdrückte: „Meine Vorstellung ist natürlich, dass alles in der stillsten möglichen Weise getan werden soll und ohne jede öffentliche Verlautbarung.“ [49]

Rothbard schreibt, dass die Kommission durch Aldrich von vornherein „als eine Allianz von Rockefeller-, Morgan- und Kuhn, Loeb-Leuten“ geplant wurde. [50]

Sein oberster Berater war denn auch der Gründer der Bankers Trust Company, Henry P. Davison. Zudem reiste James Stillman mit, der Vorsitzende der National City Bank, der engste Kontakte zu Morgan und den Rockefellers unterhielt. Ein weiterer Berater, den Aldrich berief, war der Harvard-Ökonom Abraham Piatt Andrew, der die eigentliche Forschungsarbeit leitete. Überdies stellte Jacob Schiff Empfehlungsschreiben für Paul Warburg und Senator Aldrich aus, um ihnen exklusive Türen in Übersee zu öffnen. [51]

Nach der Bildungsreise, die in zwei Etappen erfolgte, ging die Planung für eine US-Zentralbank im November 1910 mit einer Währungskonferenz in New York City in ein neues Stadium über. Die Mitglieder der Kommission waren Ehrengäste der Veranstaltung, an der „eine große Anzahl von Ökonomen, Währungsanalysten und Repräsentanten der meisten Top-Banken des Landes (teilnahmen).“ Dazu gehörten Frank Vanderlip, Elihu Root, Thomas W. Lamont, Jacob Schiff und J.P. Morgan. „Die formellen Sitzungen der Konferenz wurden um Arbeitspapiere von Kemmerer, Laughlin, Johnson, Bush, Warburg und Conant organisiert, und die allgemeine Atmosphäre war, dass die Banker und Geschäftsleute die generelle Empfehlung der beiwohnenden Gelehrten annahmen.“ [52]

Unmittelbar nach der Konferenz „war es nunmehr Zeit für Aldrich, sich von ein paar der obersten Führungsleute der Finanzelite umfangen in Abgeschiedenheit zu begeben und einen detaillierten Plan auszuarbeiten, um den sich alle Teile der Zentralbankbewegung scharen konnten.“  [53] Rothbard legt nahe, dass es wahrscheinlich Henry P. Davison war, der den Einfall hatte, eine kleine Gruppe von Top-Führungskräften zu einer super-geheimen Konklave einzuberufen, um das Gesetz für eine Zentralbank zu entwerfen. Dass die Wahl für den Ort des Geschehens auf Jekyll Island fiel, war letztlich einer Improvisation geschuldet, wie mir Nomi Prins anhand ihrer Recherchen für das Buch All the Presidents‘ Bankers berichtete:

„Es war die Mitgliedschaft von J.P. Morgan, wie ich in dem Buch beschreibe, die es ihnen erlaubte, sich überhaupt auf Jekyll Island treffen zu können. Dies war ein sehr exklusiver Club zu der Zeit; man musste Mitglied sein. Keine dieser Personen war Mitglied, und J.P. Morgan war nicht bei dem Treffen dabei, das stattfand.

Tatsächlich plante Nelson Aldrich noch nicht einmal, nach Jekyll Island zu gehen oder darum zu bitten; er wollte, dass diese Sitzungen auf seinem Anwesen in Rhode Island stattfinden würden, gewiss immer noch weg von der Öffentlichkeit, aber auch, um auf seinem eigenen Anwesen zu sein, das nördlich von New York und sicherlich nördlich von Georgia lag, was dort ist, wo sich Jekyll Island befindet. Aber er wurde von einem Straßenbahnwagen in Manhattan in New York City getroffen, während er dort zu Besuch war, um mit Morgan und einigen anderen Leuten über diese ganze Idee zu sprechen. Er befand sich noch auf dem Wege der Besserung und war sich nicht sicher, ob er überhaupt hingehen würde, und das war der Zeitpunkt, als J.P. Morgan vorschlug, in dieses Gebiet zu gehen, um dies zu erledigen, und die Einladung gab. Viele Vorkehrungen wurden auf Jekyll Island getroffen, um diese Menschen kommen zu lassen, weil es immer noch November war; es war noch keine Saison. Jekyll Island war im Dezember und Januar in Saison, wenn alle reichen Familien für den Urlaub kommen, und all die reichen Männer reden und all die reichen Damen und Kinder herumhängen und spielen würden.

Aber dieses Treffen geschah wegen J.P. Morgan und auch Nelson Aldrich, dessen Sohn Winthrop Aldrich der Chef der Chase Bank für zwei Jahrzehnte wurde, und dessen Großneffe, David Rockefeller, auch der Chef der Chase für zwei Jahrzehnte wurde, und dessen anderer Großneffe, Nelson Rockefeller, wurde der viermalige Gouverneur von New York. Diese Familienlinie, die in dieser Zeit der Federal Reserve begann, war bis vor kurzem also ebenfalls evident.

Das Interesse der Banker bestand in der Sicherstellung, dass es in einer Paniksituation eine Federal Reserve gäbe, die die Banken absichern würde, so dass es zu keiner größeren Krise käme, und dass sie nicht ihr eigenes Geld einsetzen oder herumschnorren müssten, um herauszufinden, wie man sich selbst oder ihr System rettete. Das war der Anstoß für die Fed – eine konsolidierte Entität zu haben, die in der Lage war, Währung schöpfen zu können, um sie in Panikzeiten zu unterstützen. Und von der amerikanischen Regierungssicht betrachtet, von William Taft, der der Präsident nach Teddy Roosevelt war, und Woodrow Wilson, der Präsident nach ihm – sie beide glaubten, dass eine Federal Reserve erforderlich war – und das ist nicht das, was oft in Geschichte diskutiert wird, aber es ist in meinem Buch –, um die Macht Amerikas im neuen Jahrhundert zu fördern. Diese Idee, eine konkurrenzfähige Zentralbank zu haben, die sich mit den Privatbanken deckte, war etwas, das diesen Präsidenten beider Parteien sehr wichtig war; beide hatten sehr starke persönliche Verbindungen zu den Morgans, zu den Aldrichs und den Rockefellers und zu anderen Familien, die den Geld-Trust zu der Zeit lenkten.“ [54]

Unter dem Stichwort der „Förderung amerikanischer Macht im neuen Jahrhundert“ schreibt Prins in ihrem Buch All the Presidents‘ Bankers:

„Offiziell ist die Federal Reserve als Reaktion auf die Panik von 1907 und früheren gegründet worden. Aber ihre Hauptaufgabe war es, den Rang der Vereinigten Staaten in globalen Finanzaktivitäten im Vergleich zu europäischen Zentralbanken zu erhöhen, und als ein Ergebnis dessen die amerikanische Banker-Dominanz daheim wie in Übersee zu stärken. Sie diente als die doppelte Rolle der Verewigung der Macht des Präsidenten und die der Banker, und als solche, trotz der publizierten Meinungsverschiedenheiten in der Sache, diente sie der Allianz der beiden.“ [55]

Die entscheidende, weil nunmehr konkret werdende Phase auf dem Wege dorthin begann am 22. November 1910, als die Gruppe ihre geheimniskrämerische Reise in Richtung Jekyll Island startete.

Frank Vanderlip, der während der folgenden zehn Tage als Repräsentant der National City Bank of New York dem Geschehen auf Jekyll Island beiwohnte, nannte die Zusammenkunft später „das anregendste geistige Erlebnis seines Lebens“. [56]

Der einzige strittige Punkt, der im Jekyll Island Club zutage trat, war der, dass Aldrich schlicht auf eine „Zentralbank nach europäischem Modell“ erpicht ward, „wohingegen Warburg und die anderen Banker darauf bestanden, dass die Realität der zentralen Steuerung von der politisch schmackhaften Tarnung ,Dezentralisierung‘ verhüllt werden sollte. Es ist amüsant, dass die Banker die politisch Scharfsinnigeren waren, während der Politiker Aldrich auf politische Überlegungen verzichten wollte. Warburg und die Banker siegten, und der endgültige Entwurf war im Grunde der Warburg-Plan mit einer dezentralen Patina, die von Morawetz übernommen wurde.“ [57]


Scharade

Nach dem Treffen auf Jekyll Island hätte Senator Aldrich eigentlich in Washington intern einen Bericht dazu vorlegen sollen; da er aber noch immer nicht ganz genesen war, übernahmen diese Aufgabe stattdessen Frank Vanderlip und Henry Davison. [58]

Der „Aldrich Bill“, der auf dem „abgeschiedenen Schlupfwinkel in Georgia” ausgearbeitet wurde, sah die „Schaffung einer Nationalen Reserve-Vereinigung mit fünfzehn Großregionen” vor, „gelenkt von einem Direktorium aus Geschäftsbankern, aber von der Bundesregierung ermächtigt, wie eine Zentralbank zu agieren, Geld herzustellen und Reserven an Privatbanken zu verleihen.“ [59] Der im Januar 1911 verkündete Gesetzesentwurf, demzufolge das Geldmonopol quasi auf die privaten Bankiers übergehen sollte, um „Wettbewerb zu reduzieren und den Profit zu steigern“, [60] würde letztlich der Unterschrift des US-Präsidenten bedürfen. Es bestanden keinerlei Zweifel daran, die Unterschrift des damaligen US-Präsidenten William Howard Taft zu erhalten. Trotzdem unterstützte man im kommenden Wahlkampf zusätzlich den nach wie vor populären Ex-Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, der als Kandidat der neugegründeten Progressive Bull Moose Party aufgestellt wurde – womit absehbar war, dass dem Republikaner Taft viele Wahlstimmen abgenommen werden würden. Umso wichtiger war es, den Kandidaten der Demokraten auf der eigenen Seite zu wissen. Dies war Woodrow Wilson, ehemals Professor an der Universität Princeton, der die finanzielle Unterstützung unter anderem von Jacob Schiff genoss, dem Kopf von Kuhn, Loeb & Company. [61]

Wilson gewann die Präsidentenwahl von 1912 mit deutlichem Abstand für die Demokraten – welche zudem die Mehrheit im Kongress und im Senat errangen. Manche der neuen Abgeordneten, die in die beiden Häuser der Legislative einzogen, waren von den Vertretern des „Money Trusts“ finanziert und auf ihr Ziel, eine Zentralbank nach der Blaupause des Jeckyll Island-Plans zu etablieren, fest eingeschworen. Was den neuen Präsidenten anging, so wurde Wilson vor allem von Edward Mandell House im Sinne der finanzstarken Interessen, die im Hintergrund wirkten, betreut. „Colonel“ House, ein Morgan-Mann durch und durch, wurde von Wilson schlicht als dessen „Alter-Ego“ bezeichnet. Und um die Öffentlichkeit vollends hinters Licht zu führen, taten manche Banker, die von der Gesetzesvorlage immens profitieren sollten, nach außen hin so, als ob sie rigoros gegen diese eingestellt gewesen wären. [62]

Während des Wahlkampfs, der von ihm vordergründig gegen die Interessen der Großbanken des „Money Trusts“ geführt wurde [63], mied Wilson das Thema einer amerikanischen Zentralbank weitestgehend, um keine Stimmen zu verlieren, setzte sich aber sogleich nach der Wahl dafür ein, dass konkrete Schritte zur Schaffung einer Zentralbank eingeleitet wurden. Diese Aufgabe fiel insbesondere dem demokratischen Kongressabgeordneten Carter Glass zu, der Paul Warburg zunehmend in den Hintergrund drängte. Zuvor war der Aldrich-Plan im Januar 1912 zur Abstimmung im Parlament vorgelegt worden und prompt durchgefallen. Also ließ man den Namen des Republikaners Aldrich im Titel des Gesetzentwurfes fallen und verkaufte ihn fortan als Anliegen der Demokraten.

„Die Einzelheiten der Spaltungen und Manöver im Bankenreformlager während 1912 und 1913, die die Historiker lange faszinierten, sind im Grunde trivial gegenüber der grundlegenden Geschichte. Sie drehten sich größtenteils um die erfolgreichen Bemühungen von Laughlin, Willis und den Demokraten, den Namen Aldrich über Bord zu werfen. Darüber hinaus hätten die Banker bevorzugt, dass der Vorstand der Federal Reserve von den Bankern selbst ernannt worden wäre, aber den meisten Reformern war klar, dass dies politisch nicht schmackhaft gewesen wäre.“ [64]

Im Dezember 1913, kurz vor Weihnachten, wurde der „Aldrich Bill“, der nunmehr „Currency Bill“ beziehungsweise „Glass-Owen Bill“ hieß, um weniger offensichtlich mit den „Big Money Boys“ in Verbindung gebracht werden zu können, dem Kongress zur Abstimmung vorgelegt. [65] Inhaltlich hatte es leichte Abänderungen gegeben – „kosmetische Änderungen“ [66] –, wie jene, wonach nunmehr dem Präsidenten und dem Kongress das Recht zustand, die Vertreter des Federal Reserve Board zu bestimmen. Gleichwohl würde dieses oberste Komitee mit den zwölf regionalen Banken des Federal Reserve Systems „hinter verschlossenen Türen arbeiten … ohne Aufsicht oder Kontrolle durch den Kongress“ [67] – was auf eine hohe politische Unabhängigkeit von allen staatlichen Institutionen hinauslief. Zumal die zwölf Regionalbanken des Federal Reserve Systems, von der die New Yorker Fed im sogenannten „Empire State“ die Mächtigste sein sollte, jenen Privatbanken anteilig gehören würden, deren Top-Vertreter drei Jahre zuvor insgeheim auf Jeckyll Island wegbereitend zusammengekommen waren. Wie der Rechtsanwalt Alfred Crozier hinsichtlich eines wesentlichen Statuts aus der Gesetzespräambel, nämlich dem Auftrag „eine elastische Währung bereitzustellen“, vor dem Banken- und Währungsausschuss des US-Senats aussagte:

„Die imperiale Macht der Elastizität der öffentlichen Währung wird ausschließlich von jenen zentralen Konzernen ausgeübt, denen die Banken gehören. Es ist eine Macht über Leben und Tod aller lokalen Banken und aller Unternehmen. Sie kann benutzt werden, um Wohlstand zu schaffen oder zu zerstören, um Verknappungen und Paniken zu verhindern oder herbeizuführen. Durch künstlich hervorgerufene Verknappung des Geldes können die Zinssätze beliebig angehoben und die Banksteuer auf jegliche Art von Geschäften und die Lebenshaltungskosten erhöht werden, zum Profit jener Banken, denen diese regionalen Zentralbanken gehören und ohne den geringsten Nutzen für das Volk. Diese zwölf Unternehmen decken zusammen das gesamte Land ab und bilden ein Monopol, und benutzen jeden einzelnen Dollar der allgemeinen Währung und die gesamten Staatseinnahmen der Vereinigten Staaten für ihren privaten Gewinn. Nicht ein Dollar kann ohne die Zustimmung dieser zwölf privaten Geldtrusts von der Regierung im Volk in Umlauf gebracht werden und das nur zu ihren Bedingungen.“ [68]

Edward M. House 1915

Edward M. House 1915

Der Gesetzentwurf zur Schaffung einer Zentralbank der USA erhielt am 19. und 22. Dezember 1913, als sich einige Abgeordnete wegen der bevorstehenden Weihnachtstage schon außerhalb Washingtons befanden, die erforderlichen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat, um anschließend von Präsident Wilson am 23. Dezember unterzeichnet zu werden. Damit war das Bundesgesetz für eine US-Zentralbank verabschiedet, und „fünf Jahre der Planungen, Korrekturen und Kompromisse unter diversen Politikern und interessierten Bankengruppen unter der Führung der großen Interessengruppen der Finanz, darunter die Morgans, Rockefellers und die Kuhn, Loebs, zusammen mit ihren Ökonomen und Technikern“, fanden ein erfolgreiches Ende. [69] Die Ironie hinter alledem unterstreicht der Fed-Historiker William Greider, denn „die Fed könnte in Wirklichkeit die finanzielle Macht genau der Banker bewahrt haben, von denen die Öffentlichkeit dachte, dass sie endlich unter Kontrolle gebracht worden seien.“ [70]

Nachdem das Gesetz von Wilson unterzeichnet worden und damit in Kraft getreten war, erreichte Edward Mandell House, das „Alter-Ego” des Präsidenten im Weißen Haus, am gleichen Tag ein in New York City abgeschicktes Dankesschreiben aus der Feder von Jacob Schiff:

Mein lieber Colonel House,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken für die stille, aber zweifellos effektive Arbeit, die Sie im Interesse der Währungsgesetzgebung geleistet haben, und Sie dazu beglückwünschen, dass die Maßnahme schließlich gesetzlich verankert wurde. Wir alle wissen, dass eine rundum perfekte Gesetzesvorlage ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, und ich bin mir ziemlich sicher, dass redliche Männer zugeben werden, dass wir wahrscheinlich gar keine entsprechende Gesetzgebung gehabt hätten, wenn der Präsident in seiner Haltung nicht so fest geblieben wäre. Das Gesetz ist in vieler Hinsicht gelungen, jedenfalls für den Anfang, die Erfahrung wird uns zeigen, inwiefern es noch verbesserungswürdig ist, so dass wir es zu gegebener Zeit noch perfektionieren können. Jedenfalls haben Sie allen Grund, mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Ich denke, dieses Gefühl wird Ihre Ferienlaune heben und verbleibe mit den besten Wünschen.

Hochachtungsvoll,
Ihr Jacob W. Schiff [71]

Zitiert in Charles Seymour: “The Intimate Papers of Colonel House – Behind the Political Curtain 1912-1915“, Houghton Mifflin Company, Boston/New York, 1926, Seite 174. (JPG-Kopien hier, hier und hier. Wie Sie ersehen können, steht dort “Jacob W. Schiff“ – was wohl ein Fehler des Herausgebers ist, denn korrekt wäre “Jacob H. Schiff“, wobei das “H“ für “Heinrich“ bzw. “Henry“ steht.)

Indem die Banker ein ihnen genehmes, noch ausbau- und gestaltungsfähiges Gesetz erhielten, das ihnen nicht zuletzt erlaubte, nunmehr Zweigstellen in Übersee zu eröffnen, [72] endete zugleich strenggenommen auch die Verschwörung – ganz in diesem Sinne: „Wenn man die Spielregeln selbst bestimmt hat, braucht man keine Verschwörung mehr.“ [73]

Jene Spielregeln sehen vor, dass die Federal Reserve seither in den Genuss von „Privilegien wie keine andere Behörde in Washington“ kam: „(S)ie erhöhte selbst ihre Einkünfte, bestimmte selbst ihr Budget und legte nichts davon dem Kongress vor”, während die obersten „sieben Gouverneure sich die Macht mit den Präsidenten der zwölf Reservebanken teilten, wovon jede die Privatbanken in ihrer Region bediente”, und „die Handelsbanken Anteile an jeder der zwölf Federal Reserve Banken hielten.“ [74]

Heißt das nun, dass es sich beim Federal Reserve System um eine Institution handelt, die sich in Privatbesitz befindet? Die Antwort muss in gewisser Weise „Jein“ lauten. „In Wirklichkeit ist die Federal Reserve weder ein Arm der Regierung noch privatwirtschaftlich organisiert. Sie ist ein Hybrid. Sie ist ein Zusammenschluss großer Geschäftsbanken, dem vom Kongress besondere Privilegien gewährt wurde. Eine genauere Beschreibung könnte lauten, sie ist ein von Bundesgesetzen geschütztes Kartell.“ [75]

Anders formuliert: Gewiss befindet sich eine Fed-Regionalbank wie die Federal Reserve von New York in privaten Händen (wiewohl sich die Experten darüber bis zum heutigen Tage streiten, ob es sich bei ihnen auch tatsächlich um Privatbanken handelt); anders sieht es aber mit dem Federal Reserve System selber aus. Dieses „System” liegt mitnichten in privaten Händen, sondern stellt eine – im deutschen Sprachgebrauch ausgedrückt – öffentlich-rechtliche Anstalt dar, die in vielfältigen Streben in das System der Verfassung eingebaut ist und letzten Endes Macht und Legitimität aus Artikel 1, Sektion 8 der US-Verfassung bezieht. Das Federal Reserve System ist auch nicht wirklich durch und durch unabhängig; zum einen ist es die Bank des U.S. Treasury, zum anderen unterliegt es der nominalen Aufsicht des Kongresses. Andererseits ist zu unterstreichen: die monetäre Politik, zu der sich die Federal Reserve entschließt, bedarf weder der Genehmigung des US-Präsidenten noch von irgendwem sonst in der Exekutive oder Legislative. Wie der ehemalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan es auf den Punkt brachte: „Ehrlich gesagt ist es egal, wer Präsident ist, soweit es die Fed angeht. Es gibt keine anderen Behörden, die die Aktionen, die wir vornehmen, überstimmen können.” [76]

William Greider schrieb zum Sachverhalt der Privat-Interessen in seinem Standardwerk zur Fed, Secrets of the Temple:

„Die Präsidenten der Reserve Banken wurden nicht in Washington berufen, sondern von jedem jeweiligen Distrikt-Vorstand gewählt. Sechs von neun Direktoren wurden in jedem Fall wiederum ihrerseits von den Geschäftsbanken gewählt, den ,Mitgliederbanken‘ des Federal Reserve Systems. Wenn die Fed die Hauptfragen der Regulierung der Geldumlaufmenge entschied, wurden ihre Debatten und Abstimmungen in einem Hybrid-Komitee durchgeführt, das die zwei Ebenen kombinierte, bekannt als Federal Open Market Committee. Bei FOMC-Entscheidungen hatten die Gouverneure sieben Stimmen und die Präsidenten der Reserve Banken hatten fünf Stimmen, die jährlich unter den Distrikten wechselten. Nur der Präsident der New York Fed, wichtiger als jede andere, musste nicht teilen; er stimmte bei allen Treffen ab. Drum beschwerten sich Kritiker, dass die Regulierung des Geldes der Nation teilweise durch Repräsentanten von Privat-Interessen entschieden würde – den Banken.“ [77]

An dieser Stelle verweist Greider darauf, dass eine der wichtigsten, unerbittlichsten Kritiken an der Fed, namentlich die von Wright Patman, in dem Buch A Primer on Money zusammengefasst wurde, „das er als Vorsitzender des Subcommittee on Domestic Finance schrieb, veröffentlicht vom House Banking Committee im Jahre 1964.“ [78]

Greider fährt fort in Sachen Fed-Struktur: „Um das Bild weiter zu verkomplizieren und zu verdunkeln hielten die Geschäftsbanken Anteile an jeder der zwölf Federal Reserve Banken, was viele dazu irreführte anzunehmen, dass das Federal Reserve System „privat besessen“ werde. Tatsächlich waren die Anteile eine spärlich entwickelte Eigenschaft einer System-Mitgliedschaft, die viele populistische Kritiker verwirrte und erregte, aber praktisch keine Bedeutung besaß. Die Federal Reserve war Regierungseigen, einschließlich der zwölf Federal Reserve Banken, und keine private Entität. Geschäftsbanken besaßen einen Vorzugszugang und Einfluss bei der Fed, aber das interne Machtverhältnis gab dem Board of Governors, das von Washington ernannt wurde, mehr Befugnisse als den Präsidenten der zwölf Federal Reserve Banken. Wenn ein regionaler Vorstand seinen neuen Präsidenten auswählte, konnte der Vorsitzende der Heimatbehörde der Fed Veto dagegen einlegen.“ [79]

Greider unterstreicht, dass das Federal Reserve System von anderen Zentralbanken abwich, insofern es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht demokratisiert wurde – bedeutend, dass die Fed keine direkte Order von der Regierung entgegennimmt. [80]

Über den privaten Charakter der Fed verlautbarte dagegen der Oberste Gerichtshof der USA in einem Urteilsspruch aus dem Jahre 1928:

„Vermittlungen (Instrumentalities) wie die nationalen Banken oder die Federal Reserve Banken, in denen private Interessen vorhanden sind, sind keine Abteilungen der Regierung. Sie sind private Unternehmen, an denen die Regierung ein Interesse hält.“ [81]

Ferner bemerkte das US-Berufungsgericht für den Neunten Gerichtsbezirk (United States Court of Appeals, Ninth Circuit) im US-Bundesstaat Kalifornien bezüglich des Falls Lewis v. United States im Jahre 1982:

 „Nach Prüfung der Organisation und Funktion der Federal Reserve-Banken … kommen wir zu dem Schluss, dass die Reserve-Banken keine föderalen Einrichtungen sind …, sondern unabhängige, in Privatbesitz befindliche und lokal kontrollierte Kapitalgesellschaften. Jede Federal Reserve Bank ist eine eigenständige Gesellschaft, die den Geschäftsbanken in ihrer Region gehört. Die Gesellschafter-Geschäftsbanken wählen zwei Drittel des neunköpfigen Vorstands. Die übrigen drei Vorstandsmitglieder werden vom Federal Reserve Board ernannt. Das Federal Reserve Board reguliert die Reserve-Banken, doch die unmittelbare Aufsicht und Kontrolle einer jeden Bank wird von deren Vorstand ausgeübt.“ [82]

Gremien des Federal Reserve-Systems

Gremien des Federal Reserve-Systems

Dieses Urteil bezieht auf Schadensersatzrechte gegenüber staatlichen Behörden. Da es sich laut Auffassung des Gerichts bei den 12 Regionalbanken des Federal Reserve Systems um private Einrichtungen handelt, fallen diese nicht in den Anwendungsbereich des Federal Tort Claims Act, FTCA.

Man vermag daraus schließen, dass die Fed-Banken deshalb für alle anderen Zwecke auch „in Privatbesitz befindliche Kapitalgesellschaften“ und eben „keine föderalen Einrichtungen” sind – das aber ist nur eine Schlussfolgerung und nicht expressis verbis so durch das Gericht ausgesprochen worden.

Bei der erwähnten Ernennung der Direktoren der Fed-Banken gilt ein Augenmerk auf die Tatsache zu werfen, dass es drei Klassen von Direktoren gibt: A, B und C. Die Direktoren der Klasse A und B werden von den Mitgliedsbanken gewählt, während die C-Direktoren vom Federal Reserve Board in Washington DC bestimmt werden. Jamie Dimon von JP Morgan Chase war beispielsweise ein Direktor der Klasse A im Vorstand der NY Fed.

Auf den privaten Charakter der 12 Fed-Banken zurückkommend, wurde 2009 bezüglich einer Klage im Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA), die der Nachrichtendienst Bloomberg gegen die Fed anstrengte, dieses berichtet:

„Die New York Fed ist eine von 12 regionalen Federal Reserve Banken und die, die mit der Überwachung der Kapitalmärkte betraut ist. Sie verwaltet auch Notfallkreditprogramme von $1.7 Billionen. Während das in Washington ansässige Board of Governors der US-Notenbank eine Bundesbehörde ist, die unter den Freedom of Information Act und andere staatliche Vorschriften fällt, bleiben die New York Fed und andere regionale Banken dabei, dass sie eigene Einrichtungen sind, die durch ihre Mitgliedsbanken besessen werden und nicht unter Einschränkungen des Bundes fallen.“ [83]

Yvonne Mizusawa, Senior Council des Board of Governors des Federal Reserve Systems, bestätigte den Privatbanken-Charakter der regionalen Reserve Banken bei einer Anhörung am 11. Januar 2010 im selben FOIA-Zusammenhang. [84]

Es scheint ein wenig, als läge wohl eher William Greider daneben, was den teilweise privaten Charakter der 12 Regionalbanken der Fed betrifft.

Dieser geht nicht zuletzt auch aus einer Information hervor, die ich von der Steuerbehörde der Stadt New York einholte. Demnach ist die NY Fed gegenüber der Stadt New York von der Zahlung der Grundsteuer nicht befreit, müsste es aber eigentlich sein, wäre sie eine öffentliche Einrichtung durch und durch. [85]

Überdies beschrieb Dino Kos, damals Vorstandsmitglied der NY Fed, die 12 Fed-Banken während eines Briefings, das im Januar 2004 für die 9/11-Kommission durchgeführt wurde, als nichts anderes als „im Prinzip private Unternehmen mit einem speziellen Kundenkreis“. In ihrem Bericht erklärt die Interviewerin Emily Walker über das Briefing von Dino Kos, der seinerzeit bei der Federal Reserve Bank of New York (FRBNY) unter anderem verantwortlich zeichnete für Offenmarkt-Operationen, Devisenhandel und Auktionen von Staatsanleihen:

„Er gab mir einen allgemeinen Überblick über das Federal Reserve System, um die Rolle der FRBNY im Vergleich zu den anderen regionalen Fed-Banken und den Unterschied zum Federal Reserve Board in Washington, D.C. klarzustellen. Er sagte, dass die Federal Reserve in Washington eine Regierungsbehörde und keine Bank ist. Sie verfügt über keine Mittel zur Durchführung von Zahlungen, Ausreichung von Krediten, für Handelsgeschäfte usw. Sie erarbeitet Richtlinien, wie die Reserve-Banken ihrer Tätigkeit nachgehen sollten. Sie trifft die kritischen Entscheidungen. Unterhalb der Federal Reserve in DC gibt es die 12 Federal Reserve-Banken. Sie haben Konten, verwalten Portfolios, haben Gesellschafter (Geschäftsbanken) und sind im Prinzip private Unternehmen mit einem speziellen Kundenkreis. Ihre Gewinne fließen zurück an das US-Schatzamt (US Treasury). Die FRBNY ist eine operative Einheit der Federal Reserve an den Märkten. Sie kauft oder verkauft Wertpapiere, um die Liquidität am Markt zu verringern oder zu erhöhen, und setzt den Zinssatz fest. Die Federal Reserve in D.C. legt die Politik fest und die FRBNY setzt sie um. Die FRBNY betreibt FEDWIRE, d. h. die technologische Plattform, über die die Banken Zahlungen untereinander tätigen können. (Er fügte hinzu, dass das System von den Ereignissen des 11. September nicht betroffen war, weil es sich in East Rutherford, New Jersey, befindet.) […] Er sagte, dass FEDWIRE den zentralen Knoten für die übrigen Banken darstellt und dass, wenn diese Verbindung gekappt wird (von den Banken – was am 11. September der Fall war), die Banken anrufen und die Zahlungen manuell vornehmen müssen. Er sagte auch, dass das CHIPs-System das Clearinghaus-System für den Privatsektor ist, das die Zahlungsanweisungen zusammenzieht, sie am Ende eines Tages saldiert und das, was übrig bleibt, zur Abwicklung an FEDWIRE schickt.“ [86]

Alles in allem darf wohl konstatiert werden, dass das Federal Reserve System private Mitgliedsbanken umfasst, welche für ihre Beteiligung als Gesellschafter eine 6-prozentige Dividende aus den Gewinnen der regionalen Fed-Banken erhalten, die diese mit ihren Marktgeschäften erzielen.

Nomi Prins, die ich danach befragte, bestärkte mich in dieser Annahme:

„So wie ich Section 7 des Federal Reserve Act verstehe, ist das so. Die Gesellschafter oder Mitgliedsbanken des Federal Reserve System haben Anspruch auf eine Dividende von 6 Prozent auf ihr eingezahltes Kapital pro Jahr, und wenn die laufenden Erträge des Federal Reserve System in einem Jahr nicht zur Mitteldeckung für das betreffende Jahr ausreichen, können Dividenden aus der Rücklage gezahlt werden.

Siehe den Brief ihres General Counsel vom Frühjahr 1922:

,Die maßgeblichen Abschnitte von Section 7 des Federal Reserve Act lauten wie folgt:

,Nachdem alle notwendigen Ausgaben einer Federal Reserve Bank beglichen oder Rückstellungen dafür gebildet sind, haben die Gesellschafter Anspruch auf den Erhalt einer jährlichen Dividende von sechs Prozent auf das eingezahlte Kapital, wobei die Dividende kumulativ ist. Nachdem die vorerwähnten Dividendenansprüche in vollem Umfang befriedigt sind, wird der Nettogewinn als Konzessionalabgabe (franchise tax) an die Vereinigten Staaten ausgezahlt mit der Ausnahme, dass der gesamte jeweilige Nettogewinn, einschließlich desjenigen für das am einunddreißigsten Dezember neunzehnhundertachtzehn abgelaufene Jahr, [solange] in eine Rücklage einzuzahlen ist, bis diese einhundert Prozent des gezeichneten Kapitals der betreffenden Bank erreicht; danach sind zehn Prozent des jeweiligen Nettogewinns in die Rücklage einzuzahlen.

[…] Sollte eine Federal Reserve Bank aufgelöst werden oder in Liquidation gehen, wird jeglicher nach Begleichung aller Schulden [und] Dividendenansprüche gemäß den obigen Vorgaben verbleibende Überschuss als der Nennwert der Aktie an die Vereinigten Staaten ausbezahlt und deren Eigentum ist in vergleichbarer Weise zu verwenden.‘

Betreffend der Dividenden sollte hinzugefügt werden: Das Gesetz verlangt, dass die Dividenden an die Reserve-Mitgliedsbanken gezahlt werden, bevor die Fed Überschussgewinne als Zinsen auf Federal Reserve-Schuldverschreibungen an das Schatzamt transferiert (siehe S. 398 des Jahresberichts der Fed für 2013). Anzumerken ist, dass es sich nicht um Riesenbeträge handelt: 2013 betrugen die jährlichen Dividenden 1,65 Mrd. USD.“ [87]

Die New York Fed, das Pressebüro des Board of Governors des Federal Reserve Systems in Washington DC und Yvonne Mizusawa, die Rechtsberaterin des Board of Governors, reagierten im Übrigen nicht auf Anfragen, die ich bezüglich des privaten Charakters der 12 Fed-Banken eingereicht hatte. [88]

Wie dem auch sei, letztlich verschmolzen durch den Glass-Owen Bill die konkurrierenden Ansätze, die schon vor der Bankenpanik von 1907 auftauchten – sprich der Vorschlag für eine Zentralbank, die sich in reinem Privatbesitz befinden sollte, und der Vorschlag für eine Zentralbank, die Teil des U.S. Treasury hätte sein sollen. „Der Glass-Owen Bill”, so der US-Ökonom L. Randall Wray, „teilte den Unterschied mit Privatbesitz und einem dezentralisierten System auf, aber mit dem Finanzminister und dem Vorsitzenden der Bankenaufsicht im Vorstand sitzend. Das dezentralisierte System sollte angeblich eine ,angemessene Vertretung der finanziellen, industriellen und handelsgeschäftlichen Interessen und geographischen Unterschiede des Landes‘ sicher stellen. Der Vorstand sollte ,eine deutlich überparteiliche Organisation und gänzlich von der Politik getrennt‘ sein. Laut Paul Warburg sollte die Führung und Überwachung von einem ,System von Kontrollen und Gegenkontrollen‘ gepflegt werden, ,ein lähmendes System, das mit der einen Hand Macht gibt und sie mit der anderen wegnimmt.‘ Die Idee war mit anderen Worten, dass die Fed durch die Gewährleistung einer breiten Interessensvertretung von einem ,Zusammenprall der Interessen‘ gehemmt werde, um den Schaden, den sie womöglich verursachen würde, zu reduzieren.“ [89]

Interessant an der Konstellation der regionalen Ableger des Federal Reserve Systems ist, dass diese zwar einerseits mit der Aufsicht über die Banken beauftragt sind, dass sie andererseits aber letztlich von eben jenen Banken kontrolliert werden. Auch darf man sich getrost die Frage stellen, in welchem Interesse eine solche Einrichtung im Endeffekt agiert. „Wenn das Interesse des Bankensektors und des Landes synchron zueinander läuft, funktioniert die Fed oftmals sehr gut“, erklärte mir dazu der Wirtschaftswissenschaftler Norbert Häring. „Falls und insoweit die Interessen der Wall Street in Konflikt mit den Interessen der Otto-Normal-Verbraucher geraten, dürften die Otto-Normalverbraucher meistens hinten runter fallen.“ [90]

Ähnlich urteilte der Ökonom und ehemalige Staatssekretär des US-Finanzministeriums Paul Craig Roberts, als ich ihn nach seiner Einschätzung der Leistung des Federal Reserve Systems in den 100 Jahren seines Bestehens fragte.

Paul Craig Roberts: Es hat für den Reichtum der Banken gearbeitet und sie mit der Liquidität versorgt, die sie wollten. Für die breite Öffentlichkeit hat es kläglich gearbeitet. … Wir hatten eine Reihe von Inflationen, und die Federal Reserve hat uns die Große Depression beschert. Sie bescherte uns den Finanz-Crash im Dezember 2007. Sie beschert uns das aktuelle, beispiellose Drucken von US-Dollar. Also, vom Standpunkt der Öffentlichkeit ist sie nachweislich ein Fehler, aber für die Banken als Anbieter endloser Liquidität ist sie erfolgreich gewesen. … Das Problem ist, dass die Federal Reserve kreiert wurde, um den Banken zu dienen. Und die Banken wollten einen Kreditgeber der letzten Instanz, und im Laufe der Zeit waren sie erfolgreich bei der Umwandlung der Federal Reserve zu ihrem direkten Funktionär.

Zunächst musste sie verkleidet werden, weil die Öffentlichkeit gegen die Banken war, aber wie die Zeit voranschritt, waren die Banken in der Lage, die Fed mehr und mehr offen zu verwenden, auch wenn sie noch immer nicht vollständig offen sein können. Zum Beispiel wird uns gesagt, dass das aktuelle Ziel der Quantitativen Lockerung jenes ist, die Wirtschaft anzukurbeln, um sehr niedrige Zinsen anzubieten und um die Kreditvergabe an Verbraucher und Investitionen zu stimulieren, um so eine wirtschaftliche Erholung herbeizubringen, die nach fünf Jahren der Quantitativen Lockerung noch immer zu fehlen scheint. Aber der eigentliche Zweck ist natürlich nicht, eine Erholung herbeizubringen; der eigentliche Zweck ist es, die Bilanzen der großen Banken zu unterstützen, die als Too Big To Fail erklärt wurden. Der Zweck der Tausend Milliarden US-Dollar, die jährlich an Anleihen durch die Federal Reserve gekauft werden, ist der, die Preise von Anleihen hochzutreiben. Alle Schuldenpreise steigen zusammen; wenn sie also die US-Treasury-Anleihe auf einen sehr hohen Preis und sehr niedrigen Zinssatz bekommen, hebt das die Preise der mit Schulden verbundenen Derivate in den Bilanzen der Banken und macht sie solvent. Also, der eigentliche Zweck der Quantitativen Lockerung ist, die Solvenz und die Bilanzen der Banken zu unterstützen. [91]

Nomi Prins, die ehemals als Geschäftsführerin bei Goldman Sachs an der Wall Street arbeitete, antwortete mir in einem Interview auf die Frage, ob die USA die Federal Reserve tatsächlich bräuchten:

Nomi Prins: Das US-Bankensystem braucht die Fed, denn ohne ihre Subventionen wäre es im Laufe der Jahre wohl viele Male gescheitert, sicherlich im Laufe der letzten Jahre. Aber wieder ist es wirklich wichtig zu wissen, dass … sie vom Beginn der Fed an die Fed benötigten. Die Fed ist gleichermaßen eine Bank für die Banken, wie sie ein politisches Finanzmachtinstrument für die Regierung ist. Die Regierung glaubt, sie brauche die Fed, um die größten Institute zu subventionieren und zu retten, die auf verschiedenen Wegen mit der Regierung integriert sind. Diese Banken handeln mit der Öffentlichkeit, wir geben ihnen unsere Einlagen, die Steuerzahler subventionieren ihre Fehler und ihre Rettungsaktionen. Aber zur gleichen Zeit sind die Philosophien der politischen und finanziellen Elite-Mitglieder von Amerika hinter der Fed in Linie gebracht.

Brauchen wir also die Fed? Die Öffentlichkeit braucht die Fed nicht. Die Aktivitäten, die die Fed zur Verfügung stellt, die die Öffentlichkeit betreffen, wie das Manövrieren der Zinssätze oder so weiter, könnten durch das Schatzamt durchgeführt werden, obwohl das Schatzamt die größten Bankeninstitute ebenso subventioniert und politisch, persönlich, sozial und finanziell unterstützt hat. Ja, es ist hilfreich, über eine Entität zu verfügen, um die Zinssätze zu halten, aber das ist nicht wirklich das, was die Fed als ihre volle Arbeit tut; was sie tut und was sie getan hat, ist, ein fehlerhaftes Bankensystem in der Verkleidung der Regulierung dieses Bankensystems zu subventionieren und die Gesamtkreditverfügbarkeit an das Land zu schützen, worüber sie tatsächlich keine Macht hatte. Das war eine der Lügen, unter denen sie vor 100 Jahren geschaffen wurde.

Und ist die Fed nicht zu einer internationalen Rettungsbank geworden?

Nomi Prins: Ja, aufgrund der ganzen Globalisierung des Finanzwesens, die in unterschiedlicher Weise während des vergangenen Jahrhunderts stattfand. Die amerikanischen Banken sind nicht die einzigen Banken, die sich gegenüber Finanzkrisen in Gefahr befinden. Diese Krisen sind zunehmend global und werden es auch in Zukunft sein. Wenn die Fed also beschließt, die großen amerikanischen Banken zu schützen, muss sie ihre größten Gegenparteien schützen, die aufgrund der Art des globalisierten Finanzwesens europäische Banken einschließen, die asiatische Banken einschließen, sie schließen im Grunde alle wichtigsten Gegenparteien der großen sechs Banken mit ein.

Aber nicht nur das – die Politik der Fed selbst, die Idee, um zu subventionieren, und die Philosophie dahinter globalisiert sich ebenso. Die Fed hat ihre Politik, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, in Europa hineingedrückt. Wir haben nunmehr in ganz Europa eine effektive Nullzinspolitik zusammen mit der Subventionierung und der Rettung und künstlichen Stärkung der größeren Institute auf Kosten der kleineren Institute und Stärkung der größeren Länder auf Kosten der kleineren Länder. Dies ist eine institutionalisierte Politik, die die Fed fördert, genauso wie das Finanzministerium und die Regierung der Vereinigten Staaten. Das ist eine Kooperationsförderung, die ebenfalls global geworden ist. [92]

So könnte man denn aus alledem schließen, dass es ein wesentliches Problem unserer Zeit darstellt, wenn sich die Zentralbank der USA mehr oder minder in privaten Händen mitbefindet. Ich wandte mich an F. William Engdahl mit der Frage, ob es normal sei, dass eine Zentralbank von einem privaten Banken-Kartell gebildet wird, das in diesem Fall die Geldpolitik der USA durchführen kann – worauf er antwortete:

F. William Engdahl: Lassen wir den Begriff „normal” einmal außen vor, denn das ist die Richtung, in die diese Geld-Interessen die ganze Welt zu treiben versuchen, um das Welt-Bankensystem von jeder Art partizipativen Drucks der Wähler zu entkoppeln. Die Federal Reserve wurde, wie Sie wissen, im Jahre 1913 geschaffen. Sie wurde … zwei Tage vor Heiligabend im Jahre 1913 verabschiedet und innerhalb weniger Stunden von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, von dem einige Leute sagen, dass er als Präsident eingesetzt wurde – er war zuvor der Präsident der Princeton University und dann Gouverneur von New Jersey –, dass er durch das Geld von JP Morgan, Rockefeller und so weiter als Präsident mit dem alleinigen Zweck eingesetzt wurde, um als Demokrat eine linke Verkleidung, wenn Sie so wollen, für die Schaffung der Federal Reserve zu geben. Es war ein sehr umstrittener Gesetzesvorschlag, um den schon lange vor der Finanzkrise von 1907 gestritten wurde.

Tatsache ist, und nur wenige Amerikaner sind sich dessen überhaupt bewusst – sie denken, dass der Präsident einen Vorsitzenden der Federal Reserve vorschlägt, und also ist die Federal Reserve eine staatliche Behörde. Das ist sie mitnichten. Die verschiedenen regionalen Banken der Federal Reserve – die Dallas Fed, die San Francisco Fed, die St. Louis Fed, und vor allem als das primäre Zwischenstück: die New Yorker Fed – sind Aktiengesellschaften, zu deren Aktieninhabern Unternehmen wie AIG, JPMorgan Chase und so weiter gehören. Das sind also Einheiten in Privatbesitz, aus denen sich das Federal Reserve System zusammensetzt. Und das ist der Kern des Problems.

Der Vorsitzende der Federal Reserve hat einen wesentlichen Auftrag: die Macht der Großbanken zu bewahren – wie eine Kongress-Anhörung sie in den 1920er Jahren nannte: die “Money Trust”-Banken. Und das sind in Wirklichkeit nur etwa acht oder höchstens neun Institutionen, würde ich schätzen, die wirklich die weltweiten Multi-Billionen-Derivate, den Verbriefungsbetrug und die Politik des US-Finanzministeriums in Washington völlig dominieren. Die privat geführte Federal Reserve ist, glaube ich, eines der Hauptprobleme für den Ruin der amerikanischen Industrie- und Sozialwirtschaft seit, sagen wir, der Abkopplung vom Gold im August 1971 ganz gewiss, und selbst noch davor.

Wenn all dies wahr ist, dann ist es umso wichtiger zu verstehen a), wie der Federal Reserve Act in Kraft gesetzt wurde, und b), wie das Federal Reserve System tatsächlich funktioniert. Ich denke, in Bezug auf a) könnten Sie vielleicht ein bisschen über die Bankenpanik von 1907 sprechen. Wer steckte dahinter?

F. William Engdahl: Na ja, Überraschung, Überraschung: Es waren das House of Morgan und seine Freunde. Sie schufen einen Run auf eine große unabhängige Bank in New York City und lösten
damit das aus, was die Panik von 1907 wurde. Sie verwandelte sich in eine industrielle, wirtschaftliche Depression in Amerika mit einer riesigen Arbeitslosigkeit. Durch die Panik und ihre Lobbyarbeit bekamen sie den Kongress dazu, für die Einrichtung einer nationalen Währungskommission zu stimmen, um zu prüfen, wie zukünftige Paniken zu verhindern wären. Nun, es war eine Panik, die durch das House of Morgan und Freunden entwickelt wurde, und der Weg, um in der Zukunft Paniken zu verhindern, würde der sein, ihnen die Kontrolle über das Geld der Nation zu geben – weg vom Kongress, wo es nach Artikel 1, Abschnitt 8 der Verfassung hingehörte, und hin zum Kartell der Privatbanken, die die New Yorker Federal Reserve Bank bilden, welche bewusst so gestaltet wurde, dass sie die mächtigste aller Banken im Federal Reserve System ist.

Und dann wurde der Federal Reserve Act verabschiedet. Wie funktioniert das Federal Reserve System?

F. William Engdahl: Grundsätzlich hat es unbegrenzte Macht, Geld zu drucken, um es im populären Jargon auszudrücken. Dies ist es, was wir Ben Bernanke seit 2008 tun sehen, dies sind Billionen von Dollar, aber natürlich weigert sich Bernanke, irgendwelche großen Details darüber preiszugeben, was sie tatsächlich mit den Banken tun und welche Banken es sind, die von dieser Großzügigkeit der Federal Reserve profitieren. Sie kaufen all die giftigen Abfälle auf und legen sie auf die Bilanz der Federal Reserve, und dafür geben sie den Banken dreifach A bewertete US-Schatzanweisungen zurück.

Die Federal Reserve hat einen Offenmarktausschuß, Open Market Committee, das FOMC. Sie treffen sich alle sechs Wochen, um die Zinspolitik festzulegen, im Wesentlichen bis heute. Dazu gehören mehrere Mitglieder des Federal Reserve Board in Washington, immer ist der Vorsitzende der Fed, in diesem Fall Bernanke oder vor ihm Greenspan, im FOMC, die anderen zehn oder elf Reserve-Banken im ganzen Land haben rotierende Sitze im FOMC. Also nicht alle elf Banken sind zu allen Zeiten vertreten.

Die Sache ist geschickt so entworfen, um die Mehrheitsmacht an die New Yorker Fed zu geben. Die New Yorker Fed ist aufgrund der internationalen Rolle der New Yorker Fed immer im FOMC – und die Tatsache ist, dass der Federal Reserve Act von Morgan & Company und Rockefeller entworfen wurde, um die Macht den Banken des New Yorker Geldzentrums zu geben. Sie sind daher immer im FOMC. Und natürlich hat der Fed-Vorsitzende enorme Macht über die Entscheidungen des FOMC.

Offiziell ist eines der Mandate der Fed, die Stabilität und den Wert des US-Dollars zu erhalten.

(Herr Engdahl lacht.)

Aber eines der realen Ergebnisse der Fed scheint die anhaltende Abwertung des US-Dollar in einer recht bemerkenswerten Art und Weise zu sein – was sich seit den 1970er Jahren beschleunigte. Warum?

F. William Engdahl: Ganz einfach, weil das zum Vorteil der Wall Street war. Nach dem Bruch der Verbindung mit Gold im Jahr 1971, den ich zuvor erwähnt habe, stellte die Gruppe um David Rockefeller, damals bei der Chase Manhattan Bank, der Familien-Bank, fest, dass sie mit einer gleitenden Währung und der Tatsache, dass die USA die einzige militärische Supermacht außerhalb der Sowjetunion war, eine unglaubliche Fähigkeit in den Händen hielt. Die Fiat-Dollar, die von den USA gedruckt wurden, trieben diese Abwertung weltweit in diesem Zeitraum an – ich glaube, es gibt eine 2900 %-ige Inflation, das heißt, einen 2900%-igen Anstieg der Menge an Dollar, die in der Weltwirtschaft seit August 1971 zirkuliert, nach den letzten Daten, die ich gesehen habe, und in den zwanzig Jahren davor war es ungefähr etwa ein 56%-iger Anstieg der Dollar-Reserven weltweit, das war also eine Periode der relativ stabilen Inflationsraten oder tatsächlich der Nicht-Inflation, und dann nach dem Bruch hatte man diesen höchst inflationären Zeitraum.

Nun, was bestimmte Leute um Paul Volcker und andere herausfanden, war, dass die Schulden ihre besten Vermögenswerte waren – das heißt, am besten für die Banken, für die privaten Banken, nicht für die Nation, aber für die Privatbanken. Solange US-Schulden dreifach A bewertet werden, und absolut notwendig: solange der US-Dollar die Leitwährung des Handels und in den Zentralbankreserven weltweit bleibt, können die Vereinigten Staaten im Wesentlichen ihre Inflation exportieren, wie sie es in Japan während der 80er Jahre taten, heute nach China, der Europäischen Union und dem Rest der Welt. In der Tat haben die Dollar-Überschussländer gar keine andere Wahl als mit ihren Überschuss-Dollar US-Staatsanleihen zu kaufen – um Amerikas Kriege auf der ganzen Welt zu finanzieren, sei es im Irak, der gegen die ultimativen Interessen Chinas oder Russlands gerichtet ist, oder alle anderen US-Kriege. Diese werden in gewisser Weise durch die Dollar-Ansammlungen in den Zentralbanken Asiens und anderswo in der Welt finanziert. Es ist also ein diabolisches und sehr cleveres Arrangement, das sie erkannt haben. Sie konnten es tun, nachdem die Abkopplung des Dollars vom Gold im Jahr 1971 stattfand. [93]


Von Öl abhängiges Schuldgeld

Die Folgen der Gesetzgebung, die die Federal Reserve ins Leben rief, waren beeindruckend für das Zahlungsmittel, welches das Kartell mit dem ihm anvertrauten Geldmonopol emittiert: die Kaufkraft von einem US-Dollar sank von 1913 bis ins erste Jahrzehnt der 2000er Jahre um geschätzte 96 – 98 Prozent.

Zugleich haben die Vereinigten Staaten von Amerika recht viele Schulden. Noch einmal dazu eine Frage an Ellen Brown.

Frau Brown, es ist heute schwierig, den Überblick über die Gesamtschulden der USA zu behalten, aber mit Sicherheit entspricht die Gesamtheit der Verbindlichkeiten der USA mehr als 90% ihres Bruttoinlandsproduktes. Würden Sie unter diesen Umständen als Anwältin die Auffassung vertreten, dass das gegenwärtige Finanzsystem die USA in den Bankrott getrieben hat?

Ellen Brown: Ja und Nein. Technisch gesprochen ist man bankrott, wenn man seine Verbindlichkeiten nicht erfüllen kann. Aber in unserem gegenwärtigen Geldsystem beruht JEGLICHES Geld auf Schulden und die Geldmenge ENTSPRICHT im Grunde genommen den Staatsschulden. Private Schulden werden bezahlt und erlöschen. Nur die Staatsschulden werden Jahr für Jahr refinanziert und sind als mehr oder weniger permanente Geldmenge weiterhin Teil der Wirtschaft. Wie es der Leiter der Fed in den Vierzigerjahren ausdrückte, wenn wir keine Staatsschulden hätten, hätten wir auch kein Geld. Die Fed ist heute wie wild dabei, Regierungsschulden zu „monetarisieren”, um zu versuchen, einen Ausgleich zu schaffen für die privaten Schulden, die im Zuge der derzeitigen Kreditklemme liquidiert worden sind.

Die von Ellen Brown erwähnte Erklärung des damaligen Vorsitzenden der Federal Reserve, Marriner Eccles, findet sich in einem Essay des Investmentberaters J. S. Kim, den ich übersetzte. Kim schreibt darin:

„Per Definition besteht eine Zentralbank dazu, um Währungsbewertungen zu manipulieren und freie Märkte zu verhindern. Die beiden Aussagen, die ich nachfolgend abdrucke, sind die einzigen zwei Aussagen, die Sie lesen brauchen, um zu verstehen, dass die Banker unser derzeitiges globales Währungssystem für den alleinigen Zweck der Manipulation und Kontrolle des Reichtums der Nationen hervorgebracht haben.

,Wenn alle Bankkredite abbezahlt würden, könnte niemand eine Bankeinlage haben und es befände sich nicht eine Dollar-Münze oder -Währung im Umlauf. Dies ist ein erstaunlicher Gedanke. Wir sind völlig abhängig von den Geschäftsbanken. Irgendwer muss jeden Dollar, den wir im Umlauf haben, leihen, sei es Bargeld oder Kredit. Wenn die Banken genügend synthetisches Geld erzeugen, sind wir wohlhabend; wenn nicht, verhungern wir. Wir stehen absolut ohne ein permanentes Geldsystem da. Wenn man ein komplettes Verständnis des Bildes erlangt, wird die tragische Absurdität unserer hoffnungslosen Lage fast unglaublich, aber es ist so. Es ist das wichtigste Thema, das intelligente Personen untersuchen und reflektieren können. Es ist so wichtig, dass unsere gegenwärtige Zivilisation zusammenbrechen könnte, wenn es nicht allgemein verstanden und seine Mängel sehr bald beseitigt werden würden.’– Robert H. Hemphill, Kredit-Manager der Federal Reserve Bank of Atlanta, 1935.

Im Jahre 1942 bezeugte der Federal Reserve-Vorsitzende Marriner Eccles …, ,gäbe es keine Schulden in unserem Geldsystem, würde es kein Geld geben.’“ [94]

Den US-amerikanischen Finanzanalysten Michael Maloney fragte ich diesbezüglich in einem Interview, ob es nicht ein wenig bizarr sei, dass die wichtigste nationale Zentralbank der Welt, die Federal Reserve, in Wirklichkeit eine Komposition von privaten Banken ist, die aus dem Geldschöpfungsprozess und der wachsenden Verschuldung der Öffentlichkeit Gewinn erzielen.

Mike Maloney: Im Grunde genommen ist das einzige, was Sie tun müssen, auf die Webseite der Fed zu gehen, die Seite mit den häufig gestellten Fragen aufzurufen und die Antwort auf die Frage: ,Ist die Federal Reserve privat?’ zu lesen. Und die Antwort lautet: ,Nein, ist sie nicht, vielleicht schon, aber irgendwie doch nicht.“ Es ist alles sehr vage, es dreht sich immer weiter im Kreis und man kann überhaupt nicht sagen, was es bedeuten soll. Aber dann liest man die Antwort auf die Frage: ,Hat die Federal Reserve Aktionäre?’, und die Antwort lautet: ,Ja, und sie erhalten Dividenden.’ Nun, wie viele Bundesbörden gibt es wohl, die Aktionäre haben? Die Antwort lautet: Keine. Ein Aktionär ist der Eigentümer eines Unternehmens. Natürlich gab es seit der Gründung der Fed im Jahre 1913 all diese Fusionen, weshalb man nicht genau sagen kann, wem die Fed gehört, aber das gesamte Geldsystem ist nun eine Art Betrugsmanöver, ein absurdes sogar, denn es gibt viel mehr Schulden, als es Geld gibt, um sie zu begleichen! [95]

Nun muss dazu gesagt werden, dass es um keine herkömmlichen, öffentlich gehandelten Unternehmensaktien geht, von denen Maloney spricht, die Sie und ich erwerben könnten. Außerdem war es für die Geschäftsbanken qua Federal Reserve Act unerlässlich, sich Anteile zu beschaffen, um Mitglied der Federal Reserve zu werden, da nur dies erlaubte, das Zahlungsmittel der USA legal schöpfen zu dürfen.

Die Geldschöpfung, die über das Machen von Schulden läuft, ist via Zins und Zinseszins letzthin mit einem exponentiellen Wachstum verbunden. Das könnte schlimm enden. Denn wohin treibt ein aus dem Nichts und durch Schulden geschöpftes Geld, das an Zinseszinsen gekoppelt ist, letztlich hin? Vielleicht in eine stets beschleunigte Zerstörung? Jedenfalls: „Exponentielles Wachstum kennen wir in anderen Zusammenhängen als Krebs. Da ist es das Wachstum eines Tumors in einem nicht mehr entsprechend wachsenden Organismus. Auf einer solchen Grundlage beruht das bestehende Geldsystem.“ [96]

Freilich soll nicht unterschlagen werden, dass es auch Denkrichtungen gibt, denen zufolge die Zinseszins-Problematik keine wirkliche ist, und dass es auch kein Problem darstellt, dass im Gesamtsystem der Zins fehlt. Erstens werden im Gesamtsystem nie sämtliche Zinsen in voller Höhe gleichzeitig getilgt, zweitens kann der Zins unter Umständen aus den laufenden Einnahmen und nicht allein durch einen weiteren Kredit aufgebracht werden, und drittens kann eine geleistete (Teil-)Zinszahlung durch Ausgaben und Investitionen den Weg zurück in die Wirtschaft finden und für neuerliche Zinszahlungen verwendet werden. Knackpunkt ist hier bloß, ob der Rückfluss in die Wirtschaft auch tatsächlich stattfindet. Mit der Zeit ist zudem zu beobachten, zum Beispiel an den diesbezüglichen Staatsausgaben der USA, dass immer mehr Geld für Zinszahlungen fällig werden. Die Zinslast derzeit ist noch relativ gering, da die Federal Reserve den Leitzins auf Rekordtiefstständen hält; doch diese „Zero Interest Rate Policy“ (ZIRP) wird nicht auf ewig durchzuziehen sein.

Im Kern ist die Rechnung, die vorliegt, diese: Unser gegenwärtiges Geldsystem erfordert ständiges Wachstum, um die Bedienung der Zinsen auf diejenigen Schulden zu ermöglichen, die das Geld überhaupt erst geschaffen haben. Da billige Energie die Grundlage des Wirtschaftswachstums ist, durch dessen Vorhandensein das Finanzsystem vor dem sofortigen Absaufen bewahrt wird, sind wir auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, beständig, wenn nicht gar steigend Energie zu verbrauchen. Sind die Energieressourcen nicht konstant bis steigend vorhanden, sondern eher abnehmend, von abstürzend ganz zu schweigen, vermag das Finanzsystem nicht gut zu funktionieren. So gesehen befinden sich hier zwei gegensätzliche Blöcke auf Kollisionskurs: „Finanzsystem/Ewiges Wachstum“ einerseits, und „begrenzt vorhandene(s) Energie/Erdöl“ andererseits.

Desgleichen ist ein im Wesentlichen auf Erdöl-basierendes Energiesystem ein physisch abgeschlossenes System, da man auf ein System angewiesen ist, das auf nicht erneuerbaren Energiequellen gründet. Wenn man ein solches System, bei dem Energie immerzu verloren geht, sobald sie eingesetzt wird, mit dem Finanzsystem koppelt, erhält man auch eine Art abgeschlossenes Finanzsystem.

Das Finanzsystem, so wie es geworden ist, lässt sich letzten Endes auf eine Geschichtsphase zurückführen, in der der Zugang zu Energie (das heißt: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten) noch stetig wuchs. Ohne Energie, insbesondere Erdöl, hätte es den derart raschen Aufbau unserer Industriegesellschaften so nicht geben können; sie lieferte die unabdingbare Grundlage. Für eine geraume Weile wiesen Finanzen und Energieressourcen also eine Gemeinsamkeit auf: exponentielles Wachstum. Wobei das Wachstum, auf dem das Finanzsystem beruht, primär in der Schaffung von Schulden (Anleihen, Kredite und als „Sahnehäubchen“ obendrauf: in der Kapitalisierung der Zinsen, sprich der Zinseszinsen) besteht. Geld wird aus dem Nichts geschaffen und hat einen höchst fiktiven Charakter, insofern es mit der physischen Welt, zu welcher der Block „begrenzt vorhandene(s) Energie/Erdöl“ gehört, kaum bis gar nichts zu tun hat.

Bloß: „Wenn dem aber so ist, haben wir hier ein Problem. Woher kommt dann das Geld, um damit die Zinsen auf diese Anleihen und Kredite zu bezahlen? Letztendlich muss dieses Geld aus neuen Krediten kommen, die andere an irgendeiner anderen Stelle innerhalb des Finanznetzwerks unserer Wirtschaft aufgenommen haben. Wenn keine neuen Kredite mehr gegeben werden, wird es irgendwo in diesem Netz Leute geben, die die Zinsen ihrer aufgenommenen Kredite nicht mehr zahlen können und daraufhin Bankrott gehen. Daher ist die Notwendigkeit eines ständigen Wachstums der Geldmenge ein Strukturmerkmal unseres Finanzsystems.“ [97]

All das kann nur so lange reibungslos gewährleistet werden, so lange auch die Realwirtschaft wächst – wofür es ein stetiges, wenn nicht sogar wachsendes, vor allem aber: erschwingliches Angebot an Energie geben muss. Nimmt das Energieangebot ab und der Preis zu, nimmt die Produktivität zwangsläufig ab und das Schuldenproblem ebenso zwangsläufig zu; das eine (Wachstum) ist ohne das andere (ausreichende, billige Energie) nicht zu haben.

Oder anders gewendet, die Finanzwirtschaft diktiert auf den kürzesten Nenner gebracht die Ausrichtung der Realwirtschaft: sie verlangt von der Realwirtschaft fortdauerndes Wachstum, um sich die Geldschöpfung moderner Zeiten bei einhergehender Kapitalisierung der Zinsen erlauben zu können – gibt es kein Wachstum, kollabiert das System. Grundlage für die Möglichkeit, Wachstum zu erzielen, ist der Verbrauch von (erschwinglicher) Energie, insbesondere gewonnen durch Erdöl – der insofern „gefährlichste(n) bewusstseinsverändernde(n) Substanz der Welt“. [98]

Keineswegs dem Zufall geschuldet (sollte man jedenfalls meinen), ist in diesem Kontext von Energie und Finanzen, dass die größten vier Erdölunternehmen der Welt bis heute eng „miteinander verflochtene Direktorien mit dem internationalen Mega-Banken“ aufweisen:

„Exxon Mobil teilt seine Vorstandsmitglieder mit JP Morgan Chase, Citigroup, Deutsche Bank, Royal Bank of Canada und Prudential. Chevron Texaco hat Verflechtungen mit Bank of America und JP Morgan Chase. BP Amoco teilt Vorstandsmitglieder mit JP Morgan Chase. Royal Dutch / Shell hat Verbindungen mit Citigroup, JP Morgan Chase, NM Rothschild & Sons und der Bank of England.

Der ehemalige Vorsitzende der Citibank, Walter Shipley, saß im Exxon Mobil-Vorstand, wie auch Wayne Calloway von Citigroup und Allen Murray von JP Morgan Chase. Willard Butcher von Chase saß im Aufsichtsrat von Chevron Texaco. Der ehemalige Vorsitzender der Fed, Alan Greenspan, kam von Morgan Guaranty Trust und diente im Vorstand von Mobil. Der Direktor von BP Amoco, Lewis Preston, fuhr fort, Präsident der Weltbank zu werden.

Andere Vorstandsmitglieder von BP Amoco waren Sir Eric Drake, die Nummer 2 des weltweit größten Hafenbetreibers P & O Nedlloyd und Vorstand von Hudson Bay Company und Kleinwort Benson. William Johnston Keswick, dessen Familie das Hongkong-Kraftpaket Jardine Matheson kontrolliert, saß im Vorstand von BP Amoco. Keswicks Sohn ist Direktor bei HSBC. Die Hongkong-Verbindung ist noch stärker bei Royal Dutch / Shell ausgeprägt.

Lord Armstrong of Ilminster saß im Vorstand von Royal Dutch / Shell, NM Rothschild & Sons, Rio Tinto und Inchcape. Der Eigentümer von Cathay Pacific Airlines und HSBC-Insider, Sir John Swire, war Direktor bei Shell, wie auch Sir Peter Uhl, der zusammen mit Armstrong im Vorstand von Inchape saß. Shell-Vorstandsmitglied Sir Peter Baxendell war wie Armstrong im Vorstand von Rio Tinto, während Shells Sir Robert Clark im Vorstand der Bank von England sitzt.

Als Folge des Deregulierungsfiebers in den USA müssen Unternehmen nicht mehr ihre Top-Aktionäre bei der SEC melden. Laut den Rechenschaftsberichten … von 1993 besitzen die kombinierten Banken von Rothschild, Rockefeller und Warburg immer noch die Kontrolle über das Big Oil.

Mit Stand von 1993 war Banker’s Trust der Nummer 1-Aktionar von Exxon. Chemical Bank war Nummer 4 und J. P. Morgan war Nummer 5. Beide sind jetzt Teil von JP Morgan Chase. Banker’s Trust wurde auch der größte Aktionär von Mobil. BP listete Morgan Guaranty als seinen größen Aktionär im Jahre 1993, während Amoco Banker’s Trust als Nummer 2-Aktionär führte. Chevron listete Banker’s Trust als Aktionär Nummer 5, während Texaco JP Morgan als Nummer 4-Eigentümer und Banker’s Trust als Nummer 9 führte.“ [99]

Diese Verflechtungen wiederum sind aufs Engste verknüpft mit dem, was sich die „Rockefeller-Welt“ nennen lässt.


Die „Rockefeller-Welt“

Wappen der Rockefeller-Familie

Wappen der Rockefeller-Familie

Um diese kurz und knapp vorzustellen, habe ich einen Essay des kanadischen Politikwissenschaftlers Andrew Gavin Marshall übersetzt, der feststellt, dass „es in der Geschichte Amerikas vom späten 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein ziemlich offensichtlich ist, dass die Rockefeller-Familie massiven Einfluss bei der Gestaltung der sozio-politischen und wirtschaftlichen Landschaft der Gesellschaft ausgeübt hat. Doch bis die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ende ging, gab es mehrere andere große dominante Familien, mit denen die Rockefellers die Macht teilten, namentlich vor allem mit den Morgans. Im Laufe des Jahrhunderts verbanden sich ihre Interessen noch weiter, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rockefellers zur dominierenden Gruppe in Amerika, und wohl auch der Welt. Natürlich gab es die gut etablierten Geschäftsbeziehungen zwischen den großen Familien, welche aus der amerikanischen Industriellen Revolution, die ins 20. Jahrhundert überging, aufstiegen, gefolgt von der Gründung der großen Stiftungen, die entwickelt wurden, um sich im ,Social Engineering‘ zu betätigen. Es war innerhalb des Council on Foreign Relations (CFR – Rat für außenpolitische Beziehungen), dass die sich verändernde Dynamik des Morgan-Rockefeller-Clans am deutlichsten wurde.

Der Council on Foreign Relations ist die ultimative Netzwerk-Institution der amerikanischen Elite. Der Einfluss des CFR ist einmalig unter anderen Think Tanks. Eine Studie ergab, dass zwischen 1945 und 1972 rund 45% der Top-Außenpolitik-Beamten, die in der Regierung der Vereinigten Staaten dienten, auch Mitglieder des Rates waren, was ein prominentes Mitglied einmal damit erklärte, dass die Mitgliedschaft im Rat im Wesentlichen ein ,Eintrittsritual‘ für eine Mitgliedschaft im außenpolitischen Establishment ist. Ein Mitglied des Rates, Theodore White, erklärte, dass des Rats ,Mitgliedsliste für eine Generation, unter republikanischen und demokratischen Regierungen gleichermaßen, der Hauptnährboden für das Anwerben von Kabinettsbeamten in Washington gewesen ist.‘ [100]

Die CIA … ist auch kein Fremder gegenüber diesem Netzwerk, da in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Behörde ihre Führungskräfte eher öfter als nicht aus Ratsmitgliedern gewählt wurden, wie Allen Dulles, John A. McCone, Richard Helms, William Colby und George H.W. Bush. Wie einige Forscher untersucht haben:

,Der einflussreiche, aber private Rat, der sich aus mehreren Hundert politischen, militärischen, wirtschaftlichen und akademischen Top-Führungskräften zusammensetzt, ist seit langem der wichtigste ,Wahlkreis‘ der CIA in der amerikanischen Öffentlichkeit gewesen. Wenn die Behörde prominente Bürger für ihre eigenen (Schein-)Unternehmen oder für andere besondere Unterstützungen benötigte, hat sie sich oft an Mitglieder des Rats gewendet.‘ [101]

Rund 42% der obersten außenpolitischen Positionen in der Truman-Regierung wurden von Ratsmitgliedern ausgefüllt, von 40% in der Eisenhower-Administration, von 51% in der Kennedy-Regierung und 57% in der Johnson-Administration, von denen viele Überbleibsel aus der Kennedy-Regierung waren.  [102] Der Rat hatte und hat weiterhin großen Einfluss in den Mainstream-Medien, durch die er in der Lage ist, seine Ideologie zu verbreiten, seine Agenda voranzutreiben und seinen Einfluss zu verbergen. Im Jahre 1972 waren drei von zehn Direktoren und fünf von neun Führungskräften der New York Times Ratsmitglieder. Im selben Jahr war eines von vier redaktionellen Führungskräften und vier von neun Direktoren der Washington Post auch Mitglieder des Rates, einschließlich ihrer Präsidentin, Katharine Graham, sowie des Vizepräsidenten Osborn Elliott, der auch Chefredakteur von Newsweek war. Sowohl vom Time Magazine als auch von Newsweek waren fast die Hälfte der Direktoren im Jahre 1972 Mitglieder des Rates. [103]

Der Rat hat auch umfangreiche Verbindungen zu den anderen großen amerikanischen Think Tanks, vor allem zum Brookings Institute sowie zur RAND Corporation, dem Hudson Institute, der Foreign Policy Association, und natürlich zu den Spezial-Stiftungen wie dem Carnegie Endowment for International Peace, von denen fünfzehn seiner 21 Treuhänder (Stand 1971) auch Mitglieder des Rates waren, und ihr Präsident von 1950 bis 1971, Joseph E. Johnson, war während des gleichen Zeitraums auch ein Direktor des Rates. [104]

Der Rat und die großen philantropischen Stiftungen verfügten nicht bloß über umfangreiche Beziehungen zueinander, sondern auch durch die Zusammenarbeit beim Aufbau von Forschungs- und Studienprogrammen in der Außenpolitik. Das Außenministerium der USA unternahm eine Studie von 191 Forschungszentren für außenpolitische Angelegenheiten, die mit Universitäten verbunden waren. Die Studie ergab, dass die größten Quellen der Finanzierung von der Ford-Stiftung (die 107 von den 191 Zentren förderte), der Bundesregierung (die 67 Zentren förderte), der Rockefeller-Stiftung (18 Zentren) und der Carnegie Corporation (17 Zentren) kamen, und dass ,für elf der Top-Zwölf-Universitäten mit Instituten für internationalen Studien Ford die wichtigste Quelle der Finanzierung ist.‘  [105] Diese Stiftungen, abgesehen davon, dass sie für den Rat im Laufe der Jahre von seinen Ursprüngen an große Finanzierungsquellen waren, teilen sich auch umfangreiche Führungskräftebeziehungen mit dem Rat. An der Spitze der Liste steht die Rockefeller-Stiftung, von neunzehn ihrer Direktoren im Jahre 1971 waren vierzehn auch Mitglieder des Rates; die Carnegie-Corporation folgte mit zehn von siebzehn; dann kam die Ford-Stiftung mit sieben von sechzehn; und der Rockefeller Brothers Fund mit sechs von elf Vorstandsmitgliedern, die auch Mitglieder des Rates waren. Es sollte ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass das Carnegie-Netzwerk über die Carnegie Corporation hinausging und auch das Carnegie Endowment, das Carnegie Institute of Washington und die Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching umfasste. Von seiner Gründung bis 1972 hatte ein Viertel aller Direktoren des Rates auch als Treuhänder oder als Direktoren von mindestens einer der vielen Carnegie-Stiftungen gedient. John J. McCloy hatte zur gleichen Zeit als Vorsitzender des Rates und der Ford Foundation gedient, von den 1950er Jahren bis in die späten 60er Jahre. [106]

Von allen Netzwerken, die mit dem Rat einhergehen, ist das am stärksten vertretene das der New Yorker Finanzoligarchie. Dies bezieht sich allgemein auf die kapitalistische Klasse, und genauer gesagt auf die Elite der Finanz- und Bankengruppen. In einer Erhebung aus dem Jahre 1969 wurde festgestellt, dass sieben Prozent der gesamten Mitgliedschaft des Rates von den besitzenden Vermögenden besetzt wurde, und weitere 33% von Top-Führungskräften und Direktoren von großen Konzernen. Rund 11% der Mitglieder des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder waren, und die häufigste Beschäftigung für die Mitglieder des Rates, bei 40%, war in der Wirtschaft. Wenn Medien-Unternehmen hinzuaddiert werden, erreicht die Anzahl fast 50%, von denen weniger als 1% Gewerkschaften oder Organisationen der Arbeiterklasse repräsentieren. [107]

Wenn es um die Führung des Rates geht, so wird sie beinah ausschließlich aus Mitgliedern der herrschenden kapitalistischen Klasse ausgewählt. 22% der Direktoren des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder des Rates waren. Die Finanzierung für den Rat wurde ebenfalls weitgehend aus dieser Gruppe bezogen, vor allem aus Stiftungen und Unternehmen sowie durch verschiedene Investitionen und den Abonnements für Foreign Affairs. Als der Rat 1929 ein eigenes Gebäude erhielt, trug einer der Direktoren des Rates, Paul Warburg, einen erheblichen Teil dazu bei, und John D. Rockefeller II. gab sogar noch mehr dazu. Als der Rat in ein größeres Gebäude im Jahre 1945 umzog, wurde das Haus von Mrs. Harold Pratt gespendet, deren Mann sein Vermögen mit dem Rockefeller-Unternehmen Standard Oil gemacht hatte, und John D. Rockefeller II. trug $ 150.000 für die Instandhaltung des Hauses bei. Zwischen 1936 und 1946 betrugen die Finanzierungsmittel, die von den großen Stiftungen kamen, im Durchschnitt rund $ 90.000 pro Jahr, zumeist von der Rockefeller Foundation und der Carnegie Corporation stammend, die ihre Finanzierung in den 1950er, 60er und 70er Jahre fortsetzten. Im Jahr 1953 gab die Ford-Stiftung ihren ersten großen Beitrag an den Rat in Höhe von $ 100.000 für eine Studie der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die von John J. McCloy geleitet wurde. Im selben Jahr wurde McCloy Vorsitzender des Rates, der Ford Foundation und der sich im Rockefeller-Besitz befindlichen Chase Bank. [108]

Unter den Top-Unternehmen und -Banken, die im Rat vertreten waren (Stand 1969/70), befanden sich: US Steel (gegründet von JP Morgan im Jahr 1901 nach der Übernahme von Andrew Carnegies Stahlunternehmen), Mobil Oil (heute mit Exxon fusioniert), Standard Oil of New Jersey (später zu Exxon Mobil geworden), IBM, ITT, General Electric, Du Pont, Chase Manhattan Bank, JP Morgan und Co. (jetzt mit Chase zu JP Morgan Chase fusioniert), First National City Bank, Chemical Bank, Brown Brothers Harriman, Bank of New York, Morgan Stanley, Kuhn Loeb, Lehman Brothers, und einige andere. [109]

Die New Yorker Finanzoligarchie konnte zuvor in getrennte Gruppen eingeteilt werden, insbesondere in die Rockefeller-Gruppe, die Morgan-Gruppe, die Harriman-Gruppe, die Lehman-Goldman-Sachs-Gruppe, und in ein paar ausgewählte andere. Die Rockefeller-Gruppe enthielt: die Chase Manhattan Bank, Chemical Bank, Bank of New York, Equitable Life, Metropolitan Life, Mobil Oil, Kuhn, Loeb, Milbank, Tweed, Hadley und McCloy (Anwaltskanzlei) und Standard Oil. Die Morgan-Gruppe enthielt: JP Morgan und Co., Morgan Stanley, New York Life, Mutual of New York, Davis – Polk (Anwaltskanzlei), US Steel, General Electric und IBM. Wie Laurence Shoup und William Minter in ihrem Buch über den Rat untersuchten:

,Seit dem Ursprung des Rates und bis in die frühen 1950er Jahre hinein wurde der prominenteste Platz im Rat von Männern besetzt, die mit den Morgan-Interessen verbunden waren. Seit den 1950er Jahren haben die Rockefeller-Interessen die wichtigste Rolle bei der Leitung der Angelegenheiten des Rates übernommen.‘  [110]

Der Rat, der immer schon ein Vertreter der Rockefeller-Interessen war, schien im Jahre 1953 offiziell von Morgan-Händen in die der Rockefeller-Familie überzugehen. Drei von den Söhnen von John D. Rockefeller II, John D. III, Nelson und David, traten dem Rat in den späten 30er und frühen 40er Jahren bei, und David wurde ein Direktor im Jahre 1949. Von 1953 bis 1971 wurde George S. Franklin der Geschäftsführer des Rates. Franklin war ein College-Zimmermitbewohner von David Rockefeller gewesen, und sie wurden durch Heirat miteinander verwandt, und er hatte bei der Anwaltskanzlei Davis – Polk (innerhalb der Morgan-Gruppe) gearbeitet, bevor er ein Assistent von Nelson Rockefeller wurde. 1950 wurde David Rockefeller ein Vizepräsident, und John J. McCloy, ein langjähriger Vertreter der Rockefeller-Gruppe, wurde 1953 der Vorsitzende des Rates sowie der Chase Bank der Rockefellers. Man könnte auch sagen, dass die Rockefeller-Gruppe die Ford-Gruppe in dieser Zeit übernahm, worauf die Übernahme der Position als Vorsitzender der Ford Foundation im gleichen Jahr durch McCloy hinweist (während er auch ein Treuhänder der Rockefeller Foundation war). In den folgenden Jahren wurden mehrere Führungspositionen im Rat von Organisationen innerhalb der Rockefeller-Gruppe besetzt. John W. Davis, Robert Roosa und Bill Moyers waren alle Ratsführungsfiguren, die mit der Rockefeller Foundation verbunden waren. [111]

Als die Jahre und Jahrzehnte vergingen, wurde die Rockefeller-Gruppe noch mächtiger und dominanter im amerikanischen Establishment und in der Tat auf der ganzen Welt, indem sie sich neben der Familie Rothschild als die prinzipiell dynastischen Herrscher der globalisierten Welt etablierte. Selbstverständlich gab und gibt es mehrere Verbindungen zwischen diesen dynastisch herrschenden Familien, vielleicht sogar so sehr, dass es schwierig sein kann, sie völlig voneinander zu unterscheiden. Beide waren an der Gründung der Bilderberg-Gruppe beteiligt und bleiben in ihrer Führung eingebunden. In den 1970er Jahren wurde es jedoch offensichtlich, dass die Rockefellers zur sicherlich einflussreichsten Dynastie in Amerika geworden waren, wenn nicht gar in der Welt (denn Amerika war und ist der imperiale Hegemon der Welt). Genauer gesagt, wuchs David Rockefeller zum vielleicht einflussreichsten Mann in Amerika, wenn nicht der Welt empor.

David Rockefeller machte 1936 seinen Abschuss in Harvard und ging dann zur Schule an der London School of Economics, wo er zum ersten Mal John F. Kennedy begegnete und sogar JKFs Schwester Kathleen den Hof machte.  [112] Während des Zweiten Weltkrieges diente David Rockefeller in Nordafrika und Frankreich, indem er für den militärischen Nachrichtendienst arbeitete.   [113] 1947 wurde er Vorstandsmitglied des Carnegie Endowment for International Peace, ein bedeutender internationaler Think Tank. Es war ein Job, der ihm vom Carnegie-Präsidenten, Alger Hiss, angeboten wurde. Weitere Mitglieder des Vorstands waren John Foster Dulles, der im 1953 Außenminister werden sollte; Dwight D. Eisenhower, der 1953 US-Präsident werden sollte; und Thomas J. Watson, der CEO von IBM.  [114] Thomas J. Watson hatte zuvor die tiefe Geschäftsbeziehung von IBM zu Hitler bei der Bereitstellung der technischen Anlagen für die Organisation des Holocaust beaufsichtigt.  [115] 1949 trat David Rockefeller dem Vorstand des Council on Foreign Relations bei. 1946 hatte er sich der Chase Bank angeschlossen, im Laufe der Jahre stieg er bis zur Ernennung zum Präsidenten im Jahre 1960 auf, und 1969 wurde er Vorsitzender und CEO von Chase Manhattan.

David Rockefeller besaß schon lange familiäre Bindungen zu den Dulles-Brüdern, die er persönlich seit seiner College-Zeit kannte.  [116] Allen Dulles war der CIA-Direktor und John Foster Dulles war der Außenminister Eisenhowers. David war ebenfalls verbunden mit Richard Helms, dem ehemaligen Top-CIA-Beamten, sowie mit Archibald Roosevelt Jr., einem ehemaligen CIA-Agenten, der bei Chase Manhattan gearbeitet hatte, und mit dessen Bruder Kermit Roosevelt, ein weiterer CIA-Agent, der 1953 für die Organisation des Putsches im Iran verantwortlich war.  [117] David Rockefeller entwickelte auch enge Verbindungen zu einem weiteren ehemaligen CIA-Agenten, William Bundy, der enge Beziehungen zu CIA-Direktor Allen Dulles unterhielt und später im Verteidigungs- und Außenministerium sowohl in der Regierung von John F. Kennedy als auch von Lyndon Johnson diente, wo er eine zentrale Beraterfunktion für Fragen des Vietnam-Kriegs innehatte. 1971, ein Jahr, nachdem David Rockefeller Vorsitzender des Council on Foreign Relations geworden war, wurde Bundy von David eingeladen, der Herausgeber von Foreign Affairs zu werden, der einflussreichen Zeitschrift des Council on Foreign Relations, die er dann 11 Jahre lang leitete.  [118] David wurde auch ausführlich über verdeckte geheimdienstliche Operationen von verschiedenen CIA-Abteilungsleitern unter Anweisung von Direktor Allen Dulles informiert, Davids ,Freund und Vertrautem.‘ [119]

Somit war David Rockefeller in den frühen 1970er Jahren auf eine Position von großem Einfluss als Vorsitzender des Rates und der Chase Manhattan emporgestiegen, die ihn ins Zentrum jenes Netzes platzierte, das Amerikas imperiale Interessen definiert, entwickelt und von ihnen profitiert.“

Die Entwicklung des „Imperiums USA” während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist auf das Wirken dieses eingegrenzten Zirkels zurückzuführen und stellt keineswegs einen „historischen Unfall” dar – sprich „etwas, in das Amerika scheinbar als Ergebnis seines ungehinderten wirtschaftlichen Wachstums und der militärisch-politischen Position als Schiedsrichter der Welt über Frieden und Wohlstand hineinstolperte“ –, wiewohl ganze Bibliotheken mit Büchern gefüllt werden könnten, die das „American Empire” oder die „amerikanischen Hegemonie” als eine rein zufällige (wenn auch aus ihrer Sicht begrüßenswerte) Laune der Geschichte hinstellen.

„Robert Kagan ist ein prominenter amerikanischer neokonservativer Historiker. Er ist Senior Fellow an der renommierten Denkfabrik des Brookings Institute, war einer der Gründer des neokonservativen Project for the New American Century (PNAC – Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert), arbeitete früher im Außenministerium der USA in der Reagan-Administration unter Außenminister George Shultz, und diente seit über einem Jahrzehnt als Senior Associate beim Carnegie Endowment for International Peace, und natürlich ist er ein Mitglied des Council on Foreign Relations. Kagan hat sehr viel über den Begriff der amerikanischen Hegemonie geschrieben. Wie er im Jahre 1998 in der Zeitschrift Foreign Policy schrieb: ,Die Wahrheit über die dominierende Rolle Amerikas in der Welt ist den meisten internationalen Beobachtern mit klaren Augen bekannt.‘

Diese Wahrheit, laut Kagan, ,ist, dass die wohlwollende Hegemonie, die durch die USA ausgeübt wird, gut für einen riesigen Teil der Weltbevölkerung ist.‘ Samuel Huntington, ein weiteres Mitglied des Rates und prominenter amerikanischer Stratege, schrieb: ,Eine Welt ohne US-Vorherrschaft wird eine Welt mit mehr Gewalt und Unordnung und weniger Demokratie und wirtschaftliches Wachstum sein als eine Welt, in der die Vereinigten Staaten weiterhin mehr Einfluss als jedes andere Land in globalen Angelegenheiten haben.‘  [120] Dieses ,wohlwollende Imperium‘ – wie Kagan seinen Artikel betitelte – beruht auf so grundlegenden Ideen wie der Vorstellung, ,dass die amerikanische Freiheit abhängig ist vom Überleben und der Verbreitung der Freiheit an anderer Stelle‘, und dass ,amerikanischer Wohlstand nicht in Abwesenheit globalen Wohlstands auftreten kann.‘ Seit einem halben Jahrhundert, schrieb Kagan, sind die Amerikaner ,durch die Art des aufgeklärten Eigeninteresses geleitet worden, das in der Praxis gefährlich nahe an Großzügigkeit herankommt.‘ [121]

Sebastian Mallaby, ein Senior Fellow des Council on Foreign Relations, früheres Mitglied der Chefredaktion und ehemaliger Kolumnist der Washington Post sowie Korrespondent und Büroleiter für The Economist, schrieb in der Zeitschrift Foreign Affairs, dass ,Imperien nicht immer geplant sind‘, indem er sich auf Amerika als ,den zurückhaltenden Imperialisten‘ bezieht.  [122] Lawrence Summers, ein weiterer prominenter Ökonom, Politiker und politischer Entscheidungsträger für die Clinton- und Obama-Regierungen, wies auf Amerika als ,die einzige nicht-imperialistische Supermacht der Geschichte‘ hin.  [123] Niall Ferguson, ein prominenter britischer liberaler Wirtschaftspolitik-Historiker, hat ausführlich über die offene Anerkennung des ,American Empire‘ geschrieben, sieht aber, wie er es in seinem Buch Colossus getan hat, ,dass die Vereinigten Staaten ein Imperium sind, und das ist möglicherweise nicht ganz schlecht.‘ Bezugnehmend auf Amerika als ,unbewussten Koloss‘, betonte Ferguson, dass ,ein selbstbewusster amerikanischer Imperialismus vorteilhafter sein könnte als die verfügbaren Alternativen.‘  [124] Ferguson unterstreicht in der Tat die Notwendigkeit für die Amerikaner, ,die imperialen Eigenschaften ihrer eigenen heutigen Macht zu erkennen [geschrieben 2005] und, wenn möglich, aus den Erfolgen und Misserfolgen der vergangenen Imperien zu lernen.‘ Dies, so empfand Ferguson, würde die sogenannten ,Gefahren‘ eines ,abgeleugneten Imperiums‘ reduzieren. [125]

Arthur Schlesinger Jr., der berühmte amerikanische liberale Historiker und Berater von Präsident Kennedy, schrieb, dass die Vereinigten Staaten ,ein informelles Imperium‘ genießen, ,Militärbasen, rechtliche Truppen-Vereinbarungen, Handelszugeständnisse, multinationale Konzerne, kulturelle Durchdringungen und andere Gefälligkeiten‘, und doch, so macht Schlesinger geltend, ,sind (diese) marginal gegenüber dem Thema direkter Kontrolle‘“. Indem die USA „weit entfernt vom Beherrschen eines Imperiums im alten Sinne“ seien, wären sie „,der virtuelle Gefangene ihrer Vasallenstaaten geworden‘.  [126] Einige andere Kommentatoren haben Amerika als ,virtuelle‘ oder sogar ,versehentliche‘ imperiale Macht bezeichnet.  [127]

Die Vorstellung von Amerika als einem ,zurückhaltenden Imperialisten‘ oder eines ,wohlwollenden Imperiums‘ ist nicht neu. Dies ist die Hauptstütze in der wissenschaftlichen Literatur und in den Politik-Planungskreisen gewesen, um die Existenz der amerikanischen Vorherrschaft in der Welt sowohl zu befürworten als auch zu rechtfertigen. Das Konzept der widerstrebenden, aber wohlwollenden Großmacht präsentiert das Bild einer pflichtbewussten Person, die denen, die sich in Not befinden, zu Hilfe eilt, dabei einer Verantwortung folgend, die sich aus großer Macht ableitet. … Dieser Mythos ist eine konstante Grundlage für die Befürwortung und Rechtfertigung des Imperiums gewesen.“

Der Zweite Weltkrieg bot die große Möglichkeit, die Grundlage für diesen Mythos zu schaffen, und er bot „eine neue Herausforderung für Amerika in der Welt. Die Gelegenheit war, das mächtigste Imperium der Welt zu werden, das die Geschichte je erlebte; die Herausforderung war somit, es in explizit anti-imperialistischer Rhetorik zu rechtfertigen. Amerika war also kein zögerndes oder zufälliges Imperium, noch war es, was das betrifft, ein wohlwollendes. Amerika wurde ausgewählt, um ein Imperium zu sein; es wurde strategisch angelegt, diskutiert, debattiert, geplant und umgesetzt. Die wichtigsten Architekten dieses Imperiums waren die Banker und Konzerne, die aus der Industriellen Revolution Amerikas im späten 19. Jahrhundert entstanden, die philanthropischen Stiftungen, die sie im frühen 20. Jahrhundert gründeten, die prominenten Denkfabriken, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen wurden, und die großen Wissenschaftler, Strategen und politischen Entscheidungsträger, die aus den von den Stiftungen geförderten Universitäten, Instituten, Think Tanks und der Wirtschaft kamen, und die die Korridore der Macht in den Planungskreisen dominierten, in denen die Politik gemacht wurde.

Kaum hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, da begannen die amerikanische Strategen nach einem neuen globalen amerikanischen Imperium zu rufen. Henry R. Luce, ein Yale-Absolvent und Gründer des Time Magazine, von Life und Fortune, war einer der einflussreichsten Verleger Amerikas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein starker Befürworter der Republikanischen Partei und virulent antikommunistisch, war Luce auch ein überzeugter Verfechter des Faschismus in Europa – vor allem in Mussolinis Italien und in Nazi-Deutschland – als Mittel zur Verhinderung der Ausbreitung des Kommunismus. 1941 schrieb Luce einen berühmten Artikel in Life mit dem Titel ,The American Century‘, in dem er erklärte: ,Das 20. Jahrhundert muss zu einem erheblichen Grad ein amerikanisches Jahrhundert sein.‘ Luce schrieb, dass Amerika ,das undefinierbare, untrügliche Zeichen von Führung hat: Prestige.‘ Anders als bei früheren Imperien wie Rom, dem von Dschingis Khan oder dem imperialen Großbritannien, wäre ,das amerikanische Prestige in der ganzen Welt der Glaube an die guten Absichten sowie die letztliche Intelligenz und die letztliche Festigkeit des ganzen amerikanischen Volks.‘  [128] Luce empfand, dass das ,Leben in Fülle‘ von Amerika ,für die ganze Menschheit‘ verfügbar gemacht werden sollte, sobald die Menschheit ,Amerikas Vision‘ erfassen würde. Luce schrieb:

,Es muss ein Teilen unserer Bill of Rights, unserer Unabhängigkeitserklärung, unserer Verfassung, unseren großartigen industriellen Produkten, unserer technischen Fähigkeiten mit allen Völkern sein. Es muss ein Internationalismus des Volkes, durch das Volk und für das Volk sein. … Wir müssen uns jetzt verpflichten, der barmherzige Samariter der ganzen Welt zu sein.‘ [129]

Während Luce womöglich der erste Theoretiker war, der den spezifischen Begriff des ,American Century‘ setzte, wurde die eigentliche Arbeit, um dieses Jahrhundert (oder zumindest die zweite Hälfte davon) für Amerika zu schaffen, hauptsächlich durch den Council on Foreign Relations und den prominenten Strategen Dean Acheson initiiert. Als Deutschland 1939 Polen überfiel, gab Dean Acheson eine Rede an der Yale-Universität mit dem Titel ,Eine amerikanische Haltung gegenüber auswärtigen Angelegenheiten‘, in der er eine Vision von Amerika in der nahen Zukunft artikulierte, und es war, wie er sich später erinnerte, zum Zeitpunkt des Haltens dieser Rede, dass Acheson die ,Arbeit an einem neuen Nachkriegsweltsystem‘ begann. Acheson erklärte in seiner Rede, dass ,unsere vitalen Interessen … uns nicht erlauben, gleichgültig zu sein gegenüber dem Ergebnis der Kriege‘, die in Europa und Asien ausbrachen. Die Ursache des Krieges war laut Acheson ,das Versagen einiger Mechanismen der Weltwirtschaft des 19. Jahrhunderts‘, das in ,diesem Auseinanderbrechen der Welt in exklusive Bereiche für die bewaffnete, verwaltete Ausbeutung entlang orientalischer Linien‘ resultierte. Die Wiederherstellung eines Weltfriedens, sagte Acheson, würde ,einen breiteren Markt für Waren, die unter menschenwürdigen Standards hergestellt werden‘, erfordern, als auch ,ein stabiles internationales Währungssystem‘ und die Beseitigung von ,exklusiven Präferenzhandelsabkommen.‘ Im Grunde war es ein Eintreten für eine globale liberale Wirtschaftsordnung als Mittel zum Frieden in der Welt, und ohne einen Anflug von Ironie forderte Acheson sodann die sofortige Einrichtung einer ,Marine und Luftwaffe, die adäquat ist, um uns in beiden Ozeanen gleichzeitig zu schützen, und mit einer Schlagkraft ausgerüstet, die ausreicht, um die andere Seite eines jeden von ihnen sicher zu erreichen.‘  [130] Dean Acheson war ebenfalls eng an den Plänen des Council on Foreign Relations für die Gestaltung der Nachkriegs-Weltordnung beteiligt.


Der Council on Foreign Relations und die “Grand Area”

Bevor Amerika überhaupt in den Krieg Ende 1941 eingetreten war, hatte der

Harold Pratt House – Sitz des CFR in New York City

Harold Pratt House – Sitz des CFR in New York City

(CFR) die Planung für den angenommenen Eintritt Amerikas in den Krieg begonnen. … Als der Krieg ausbrach, begann der Rat ein ,streng vertrauliches‘ Projekt mit dem Namen der Kriegs- und Friedens-Studien (War and Peace Studies), in denen Top-CFR-Mitglieder mit dem US-Außenministerium an der Festlegung der US-Politik kollaborierten, und das Projekt wurde vollständig von der Rockefeller Foundation finanziert.  [131] Das War and Peace Studies-Projekt wartete mit einer Reihe von Initiativen für die Nachkriegs-Welt auf. Eines der wichtigsten Ziele, die es ausbreitete, war die Identifizierung jener Bereiche der Welt, die Amerika kontrollieren müsste, um ein starkes Wirtschaftswachstum zu erleichtern. Dies wurde als die ,Grand Area‘ bekannt, und sie enthielt:

Lateinamerika, Europa, die Kolonien des britischen Empire und ganz Südostasien. Südostasien war als eine Quelle von Rohstoffen für Großbritannien und Japan und als Verbraucher von japanischen Produkten notwendig. Als das amerikanische nationale Interesse wurde die Integration und die Verteidigung der Grand Area definiert, was zu den Plänen für die Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank führte, und schließlich zu der Entscheidung, Vietnam gegen eine kommunistische Machtübernahme um jeden Preis zu verteidigen. [132]

1940 begann der Council on Foreign Relations auch eine breit angelegte Studie über die ökonomischen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten in Kriegszeiten (vor Eintritt der USA in den Krieg), bei der die Welt in vier Haupt-Blöcke geteilt wurde: Kontinentaleuropa (das zu der Zeit von Deutschland beherrscht wurde), die US-westliche Hemisphäre, das Vereinigte Königreich samt seiner Kolonial- und Commonwealth-Nationen sowie die fernöstliche Pazifik-Region einschließlich Japan, China und Niederländisch-Ostindien. Die Studie erstellte eine Liste der wichtigsten Importe und Exporte der jeweiligen Region. Nach Abschluss der Studie im Herbst 1940 schickte der Rat seine Schlussfolgerungen und Empfehlungen an Präsident Roosevelt und ans Außenministerium. Die Schlussfolgerungen hielten fest, dass die Vereinigten Staaten größere Exportmärkte für ihre Produkte benötigten, und in Besonderheit, dass die USA ,living space‘ (oder wie der deutsche Nazi-Staat ihn bezeichnete, Lebensraum) in der gesamten westlichen Hemisphäre und darüber hinaus bräuchten, sowie eine Handels- und Wirtschaftsintegration mit den Blöcken des Fernen Ostens und des britischen Empire / Commonwealth. In dem Bericht hieß es unverblümt: ,Als Minimum umfassen die amerikanischen ‘nationalen Interessen’ den freien Zugang zu Märkten und Rohstoffen des britische Empire, des Fernen Ostens und der gesamten westlichen Hemisphäre.‘ [133]

Das war der Grundstein für die Grand Area-Entwürfe des Rates in der Nachkriegszeit. Das Grand Area-Projekt betonte, dass für das Management der ,Grand Areas‘ der Welt durch Amerika multilaterale Organisationen erforderlich wären, um ,geeignete Maßnahmen in den Bereichen Handel, Investitionen und Währungsordnung‘ zu erleichtern. Die Studie betonte fernerhin die Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung einer ,militärischen Überlegenheit‘, um die Kontrolle über diese Bereiche zu erleichtern. Wie der Report des Rates von 1940 an das US-Außenministerium erklärte: ,Die wichtigste Erfordernis für die Vereinigten Staaten in einer Welt, in der sie vorschlägt, unbestrittene Macht innezuhaben, ist die schnelle Erfüllung eines Programms zur kompletten Aufrüstung‘, was ,erhöhte Militärausgaben und andere Risiken beinhalten‘ würde. [134]

Während das Grand Area-Projekt für die Vereinigten Staaten im Laufe des Zweiten Weltkriegs gemacht und entworfen wurde, enthielt es Pläne für die Nachkriegszeit und umfasste in seiner Konzeption Kontinentaleuropa im Anschluss an die angenommenen Niederlage von Deutschland. Womit, wie der Ökonom Ismael Hossein-Zadeh schrieb, ,die Grand Area global gemacht wurde.‘ Die Idee hinter der ,Grand Area‘ war ,sogar noch grandioser – eine Weltwirtschaft, die durch die Vereinigten Staaten dominiert wird‘, und die Studie selbst schlug vor, dass die Grand Area ,dann ein organisierter Nukleus für den Aufbau einer integrierten Weltwirtschaft nach dem Krieg sein würde.‘  [135] Wie Shoup und Minter in ihrer Studie über den Rat, Imperial Brain Trust, schrieben, ,mussten die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten und eine neue Weltordnung zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten organisieren.‘  [136] Wohlwollend, in der Tat.

Nach Pearl Harbor und dem Eintritt der USA in den Krieg, hatte der Rat bereits 1941 das Fazit gezogen, dass die Niederlage der Achsenmächte nur eine Frage der Zeit sei. Dementsprechend trieben sie ihre Pläne für die Nachkriegszeit voran, die Grand Area dahingehend erweiternd, ,den gesamten Globus zu umfassen. Eine neue Weltordnung mit internationalen politischen und wirtschaftlichen Institutionen wurde projiziert, die alle Nationen der Erde unter der Führung der Vereinigten Staaten verbinden und integrieren würde. Die Vereinheitlichung der ganzen Welt war nun das Ziel des Council [on Foreign Relations] und der staatlichen Planer.‘ [137]

Als Teil dieses Planungsprozesses bildete das US-Außenministerium den Beratenden Ausschuss zur Nachkriegs-Außenpolitik (Advisory Committee on Postwar Foreign Policy) im späten Dezember 1941, dessen erstes produziertes Dokument ,die Gefahr einer erneuten Weltwirtschaftskrise und die Notwendigkeit zur Schaffung von Vertrauen in die Stabilität der Weltwirtschaft betonte.‘ Deshalb ,mussten die Vereinigten Staaten an den inneren Angelegenheiten der wichtigsten Industrie- und Rohstoffe produzierenden Länder beteiligt sein.‘ Eine zentrale Frage dabei war, wie einer der Nachkriegszeit-Planer artikulierte: ,Wie schafft man Kaufkraft außerhalb unseres Landes, die sich in inländische Kaufkraft durch den Export umwandelt.‘ Die Idee drehte sich darum, ,entsprechende Institutionen auszuarbeiten‘, die diese Rolle erfüllen würden, was schließlich zur Bildung des IWF und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (später als Weltbank bekannt) führte. Die Nachkriegs-Planer mussten ständig eine Idee von einer internationalen Ordnung konstruieren, die von den Vereinigten Staaten ausgerichtet war und nicht so leicht der formalen Kolonialzeit oder ihrer Methoden ausgeübter Hegemonie ähnelte. [138]

Empfehlungen des Rates schlugen vor, dass solche neuen internationalen Finanzinstitutionen notwendig wären im Sinne von ,Stabilisierung von Währungen und der Erleichterung von Programmen der Kapitalinvestition für konstruktive Unternehmungen in rückständigen und unterentwickelten Regionen.‘ Diese Pläne enthielten die Errichtung einer Internationalen Wiederaufbaufinanzunternehmung (International Reconstruction Finance Corporation) und einer ,internationalen Investment-Agentur, die den Welthandel und Wohlstand durch Erleichterung von Investitionen in Programme zur Entwicklung der ganzen Welt fördern würde.‘ Diese Pläne wurden in Empfehlungen ausgearbeitet und an Präsident Roosevelt und das Außenministerium übergeben. [139]

Ein Mitglied des Rates schlug vor: ,Es könnte klug sein, zwei Finanzinstitute einzurichten: eines ein internationales Währungsaustausch-Gremium und eines eine international tätige Bank für kurzfristige Transaktionen, die nicht direkt mit einer Stabilisierung zu tun haben.‘ Somit hat der Rat im Jahr 1941 und 1942 Pläne erarbeitet, die in der Bildung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mündeten, die formal aus der Konferenz von Bretton Woods 1944 hervorgingen, ein Ereignis, das gemeinhin als die ,Geburtsstätte‘ der Weltbank und des IWF anerkannt wird, dabei die ideologischen Wurzeln im Council on Foreign Relations zwei bis drei Jahre vorher ignorierend. Die internen Abteilungsausschüsse, die im Außenministerium und dem Schatzamt eingerichtet wurden, waren mit Ratsmitgliedern besetzt, die die endgültigen Pläne für die Schaffung dieser beiden wichtigen Institutionen ausarbeiteten. [140]

Während der Völkerbund ein wichtiges Ziel des von der Rockefeller-Foundation und Carnegie-Corporation finanzierten Council on Foreign Relations nach dem Ersten Weltkrieg gewesen war, so waren es die Vereinten Nationen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Lenkungsausschuss, bestehend aus US-Außenminister Cordell Hull und fünf Council on Foreign Relations-Mitgliedern, wurde 1943 gegründet. Eines der Mitglieder des Rates, Isaiah Bowman, schlug einen Weg vor, um das Problem der Aufrechterhaltung wirksamer Kontrollen über schwächere Gebiete bei gleichzeitiger Vermeidung offener imperialer Eroberung zu lösen. Bei einem Treffen des Council [on Foreign Relations] im Mai 1942 erklärte er, dass die Vereinigten Staaten die Stärke ausüben müssten, die nötig sei, um ,Sicherheit‘ zu garantieren, und um gleichzeitig ,konventionelle Formen des Imperialismus zu vermeiden.‘ Die Art und Weise, dies zu tun, argumentierte er, war, diese Befugnis internationalen Charakters durch ein Organ der Vereinten Nationen auszuüben. [141]

Der ,geheime Lenkungsausschuss‘, später informelle Agenda-Gruppe (Informal Agenda Group) genannt, unternahm eine Reihe von Konsultationen und Treffen mit ausländischen Regierungen, die unerlässlich bei der Schaffung der neuen Institution waren, einschließlich der Sowjetunion, Kanada und Großbritannien, und die Charta der Vereinten Nationen wurde anschließend mit dem Einverständnis von Präsident Roosevelt im Juni 1944 beschlossen.  [142] Die informelle Agenda-Gruppe bestand aus sechs Personen, darunter Außenminister Cordell Hull. Alle von ihnen, mit Ausnahme von Hull, waren Mitglieder des Rates. Präsident Roosevelt hatte sie als ,meine Nachkriegs-Berater‘ bezeichnet, und abgesehen von formalen politischen Empfehlungen ,dienten‘ sie ,als Berater des Außenministers und des Präsidenten für die endgültigen Entscheidungen.‘ Im Dezember 1943 wurde ein neues Mitglied in die Gruppe aufgenommen, Vize-Außenminister Edward R. Stettinius Jr., der nicht nur ein Mitglied des Rates war, sondern ein ehemaliger Top-Manager bei der United States Steel, und außerdem war er der Sohn eines Partners in der JP Morgan Bank. Nachdem die Gruppe die Empfehlungen für ein Organ der Vereinten Nationen erarbeitet hatte, bat Außenminister Cordell Hull drei Juristen, über ihre Verfassungsmäßigkeit zu befinden. Die drei Anwälte, die er wählte, waren Charles Evan Hughes, John W. Davis und Nathan L. Miller. Hughes und Davis waren beide Mitglieder des Rates, und John Davis war sogar ein ehemaliger Präsident des Rates und blieb ein Direktor.  [143] John D. Rockefeller Jr. spendete den Vereinten Nationen anschließend $ 8.5 Millionen, um das Grundstück für ihren Hauptsitz in New York City zu kaufen. [144]


Professor Carroll Quigley und der Artikel, der zu wenig sagte

Nun ist es vielleicht interessant zu erfahren, wo dieser überaus einflussreiche Council on Foreign Relations eigentlich herkommt, was er ist, und was er nicht ist. Um darüber ein wenig Klarheit zu verschaffen, möchte ich Sie vertraut machen mit einer Kontroverse um die historischen Untersuchungen von Carroll Quigley – Untersuchungen, die eine mehrjährige, privilegierte Original-Forschung in den Archiven des Royal Institute of International Affairs in London und des Council on Foreign Relations in New York City umfassten.

Aus dem Grunde folgt zu dieser Kontroverse ein Essay von Kevin Cole, den ich ins Deutsche übersetzte.  [145] Es handelt sich dabei, wie ich finde, um eine faszinierende Geschichte, die zu erzählen lohnt.

Cole schreibt:

„Am 23. März 1975 erschien ein Artikel im Washington Post Sunday Magazine mit dem Titel ,Der Professor, der zu viel wusste‘, und dem Untertitel: ,Durch das Entleihen ein paar wichtiger Seiten aus seinem Buch, wird Gelehrter zum unwilligen Helden der Ultra-Rechten.‘

Der Zweck des Artikels scheint es gewesen zu sein, die Kontroverse um den geschätzten Professor für Geschichte an der Georgetown University, Carroll Quigley (1910-1977), nach der Veröffentlichung, Unterdrückung und Piraterie seines Opus Magnum Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time (Tragödie und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit) hervorzuheben, das 1966 veröffentlicht und in den 20 Jahren zwischen 1945 bis 1965 erschöpfend erforscht und geschrieben worden war.

Für alle, die nicht mit der historischen Bedeutung dieses einflussreichen Autors und Professors vertraut sind, sei gesagt, dass er in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstsein gebracht wurde, als der ehemalige Student, Rhodes Scholar und Präsident der Vereinigten Staaten, William Jefferson Clinton, ihn öffentlich in seiner Rede auf der Democratic National Convention im Jahre 1992 anerkannte.

,Als Teenager hörte ich John Kennedys Aufruf zur Staatsbürgerschaft. Und dann, als Student in Georgetown, hörte ich diesen Aufruf von einem Professor namens Carroll Quigley verdeutlicht, der uns sagte, dass Amerika die größte Nation in der Geschichte ist, weil unser Volk immer an zwei Dinge geglaubt hat: dass morgen besser sein kann als heute, und dass jeder von uns eine persönliche moralische Verantwortung hat, es dazu zu machen.‘

– Präsident William Jefferson Clinton

Professor Quigley erhielt seinen BA, MA und Ph.D von der Harvard-Universität und unterrichtete Regierungsstudien und Geschichte in Princeton und Harvard, ehe er an die Georgetown University umzog. Dort wurde er Professor für Geschichte der School of Foreign Service auf Wunsch von Vater Edmund Walsh, Societas Jesu, der die Schule (SFS) an der Georgetown University im Jahre 1919 gegründet hatte. Im Laufe der Jahre wurde Quigley Berater des US-Verteidigungsministeriums, der Marine, des Außenministeriums, des Kongressausschusses, der die NASA schuf, und Berater des Smithsonian Institute.

Quigley kam zunächst nach Georgetown, um ,Entwicklung der Zivilisation‘ zu lehren, was auf früheren Versionen seines ersten Buches beruhte, The Evolution of Civilizations. Während sein Einfluss auf seine Schüler, die Schule und Dozenten gut dokumentiert ist, ist er nunmehr besser für seine Bücher bekannt. Die letztgültige Ausgabe der ,Evolution der Kulturen‘ wurde 1961 veröffentlicht, gefolgt von Tragedy and Hope 1966, The World Since 1939: A History (Die Welt seit 1939: Eine Geschichte) 1968 (eine abgespeckte Auszugs-Version der zweiten Hälfte von T & H), und zwei Bücher, die beide posthum veröffentlicht wurden: The Anglo-American Establishment: From Rhodes to Cliveden (Das anglo-amerikanische Establishment: Von Rhodes bis Cliveden) (1981) und Weapons Systems and Political Stability: A History (Waffensysteme und politische Stabilität: Eine Geschichte) (1983).

In dem oben erwähnten Artikel ,Der Professor, der zu viel wusste‘, wird die Diskussion über Quigleys Werk und Karriere auf eine ,Rechtsaußen‘-gegen-,Linksaußen‘-Dichotomie beschränkt, die der Historizität und Richtigkeit der Behauptungen, die er in seinen berühmtesten und aufschlussreichsten Werken Tragedy and Hope und später The Anglo-American Establishment machte, einen Bärendienst erwies. Dank unabhängiger Forscher wurde eine Audio-Aufnahme von 1974 aus dem Archiv der Universität Georgetown geborgen, die das eigentliche Interview enthält, das für diesen Artikel durchgeführt worden war. Dies ist ein sehr seltenes und offenes Interview von Professor Quigley in einer längeren Diskussion über die ,Kontroverse‘ um Tragedy and Hope. Die Audio-Aufnahme scheint seit mindestens 1998 in der Öffentlichkeit online gewesen zu sein.

,Das Argument, dass die beiden Parteien entgegengesetzte Ideale und Politiken repräsentieren sollen, vielleicht eine der Rechten und die andere der Linken, ist eine dumme Vorstellung, nur akzeptabel für den Doktrinären und für akademische Denker. Stattdessen sollten die beiden Parteien fast identisch sein, so dass das amerikanische Volk bei einer Wahl ,die Gauner rauswerfen‘ kann, ohne dass es zu irgendwelchen tiefgreifenden oder extremen Verschiebungen der Politik kommt.‘

– “Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time” von Carroll Quigley

Während wir dankbar dafür sind, dass jemand die Weitsicht hatte, sich hinzusetzen und Quigley aufzunehmen, bevor er einige Jahre später verstarb, kann ich nicht anders als enttäuscht sein über die verpasste Chance, schwierige Fragen zu stellen und über sie in dem Artikel, der folgte, tatsächlich zu berichten. Wir wissen nunmehr vom Anhören des Tonbands, dass der Artikel, der dem Interview folgte, selektiv im Umfang war und auf viele Fälle verzichtete, in denen Carroll Quigley scheinbar in Angst um seine Karriere und/oder Leben war, wenn bestimmte Tatsachen offenbart werden würden. Während des Interviews signalisierte Quigley dem Interviewer unaufhörlich, das Tonbandgerät abzuschalten, ,diskret‘ zu sein, und an einer Stelle erklärte er gar: ,Ich weiß nicht, ob Sie das aufs Band tun wollen‘ … ,Sie müssen meine Zukunft schützen … wie auch Ihre eigene.‘

Doch der Artikel, der verschämt behauptet, dass Quigley ,zu viel wusste‘, versäumt es, Quigleys eigene Aussagen auf dem Band oder eine der im Raume stehenden ,wichtigen Seiten‘ zu adressieren, von denen der Autor behauptet, dass sie von der ,Ultra-Rechten‘ aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Statt die Diskussion mit Quigley auf das zu konzentrieren, was er eigentlich in seinen historischen Untersuchungen herausgefunden hatte, die Original-Forschung in den Macht- und Einfluss-Monopolen des Royal Institute of International Affairs und des Council on Foreign Relations enthielten (beide organisiert vom Treuhänder des Letzten Willens und Testaments des britischen Erz-Imperialisten und Gründers von DeBeers Diamond Co., Cecil John Rhodes), vermeidet der Artikel diese Fakten leider und untersucht Personen der sogenannten ,Rechten‘, denen Quigley vorwarf, dass sie seine Arbeiten unterschlagen, falsch interpretiert und plagiiert hätten. Indem er dies tut, vermeidet der Verfasser des Artikels jede wirkliche Untersuchung der historischen ,Secret Society‘ (,Geheimgesellschaft‘), von der Professor Quigley geltend machte, dass er sie in seinen Werken gründlich entlarvt hatte. …

Quigleys Frustration, wenn man das Audio-Interview anhört, scheint von der comic-artigen Weise herzurühren, in der seine gründlich recherchierte Geschichte dargestellt wurde, dass bestimmte Personen einfach den Sinn nicht begriffen, und dass seine ursprüngliche und historische Darstellung der ,Secret Society‘, die er zu beleuchten versuchte, für Profit und politische Vorteile verzerrt worden war.“

Eines der Bücher, das in diesem Zusammenhang genannt wurde, None Dare Call It Conspiracy von Gary Allen, „hatte behauptet, dass Tragedy and Hope die Existenz einer ,machtbesessenen Clique‘ zutage gebracht habe, die ,die Welt kontrollieren und beherrschen will.‘ Quigleys Behauptung war, dass dies nicht wirklich der Fall war, und dass diese Darstellung eine zu starke Vereinfachung der in seinen Forschungen und Büchern enthaltenen tatsächlichen Nuancen war. Er äußerte auch ernsthafte Bedenken, dass die Leute versuchten, jede einzelne Geheimgesellschaft im Laufe der Geschichte mit dem ,anglo-amerikanischen Establishment‘ in Verbindung zu bringen, über das er einen Großteil seines Lebens nachgeforscht hatte, ja, er hatte sogar über einen Zeitraum von mehreren Jahren persönlichen Zugang zu ihren historischen Archiven. Er machte sehr deutlich, dass die Gruppe, die er entblößte, nicht die ,Bayerischen Illuminati‘ waren, und dass diejenigen, die versuchten, Verbindungen zwischen dem Council on Foreign Relations und den Illuminati des 18. Jahrhunderts zu ziehen, sich schuldig machten zu glauben, dass ,alle geheimen Gesellschaften die gleiche Geheimgesellschaft sind‘, fortfahrend, dass ,diese Leute sagen, sie sind alle eins.‘ Quigley diskutiert auch seine Sorge, dass einige Individuen und Gruppen sein Buch ,benutzten‘, um monolithische jüdische Verschwörungstheorien zu fördern, die er ebenfalls absurd fand.“

Eigentlich aber braucht dergleichen nicht weiter erörtert werden, zumindest „wenn das Ziel darin besteht, die Behauptungen, die Professor Quigley selbst in den Druck brachte, objektiv zu untersuchen. Ob andere seinen Text unterschlugen, falsch interpretierten oder missverstanden, sei es ein Teil oder alles von Tragedy and Hope, ist unerheblich für das historische Erbe von Carroll Quigley und eine ehrliche Einschätzung seiner Forschungen und Werke. Die Ansprüche von Insiderwissen über eine sehr komplizierte Geheimgesellschaft, die von Quigley selbst gemacht wurden, verdienten es im Jahre 1966 und dann 1975 zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels, überprüft zu werden. … In dem Audio-Interview macht Quigley klar, dass die Gesellschaft, die er untersucht hatte, rund um die ,Round-Table-Gruppe‘ zentriert war, von der er sagt, dass sie eine der ,besten Quellen weltweit für internationale Beziehungen seit 1910‘ veröffentlichte, bekannt als The Commonwealth Journal of International Affairs. Quigley nahm Notiz von ,prominenten Leuten des englischen Lebens‘, die mit dem All Souls College verbunden waren, und eine Korrelation zwischen denen, die später fortfahren würden, Botschafter in den Vereinigten Staaten zu werden. ,Ich untersuchte diese Gruppe‘, sagt er mit Nachdruck.

Diese Botschafterrolle sollte ein wichtiges Herzstück bei der Gründung der transatlantischen Pilgrims Society im Jahre 1902 werden, nur wenige Monate nach dem Tod von Cecil Rhodes. Die Pilgrims Society war eine britische Schöpfung, die im nächsten Jahr laufende Sitzungen in London und in New York organisierte, mit dem Ziel der Förderung einer ,besondere Beziehung‘ unter den Englisch-sprechenden Menschen, insbesondere im Dienste der wohlhabenden Titanen der Industrie und intellektuellen Elite in den Bereichen der Politik, Presse, Bildung, Philanthropie, Banken und des Geschäfts. Von diesen Netzwerken der Macht wurden die Rhodes Stipendien und der Rhodes Trust in den Vereinigten Staaten eingeführt, wobei wichtige Pilgrims Society-Mitglieder den Vorstand des Rhodes-Stipendiums und der Landeskomitees stellten. Die Pilgrims Society war in Zeremonie und Geheimnis gehüllt, bis ihr Gründer Harry Brittain ,von Lord Lothian und anderen Pilgrims überredet (wurde), die Geschichte des Klubs zu veröffentlichen‘, was er erstmals 1942 in einem Buch mit dem Titel Pilgrim Partners: Forty Years of Anglo-American Fellowship tat.

,Ohne [König] George III. würde der Krieg in der ganzen Welt heute unbekannt sein. Die englischsprachige Rasse würde als Einheit neu organisiert worden sein, mit seinem zentralen Parlament, das abwechselnd in New York und London tagte, und es würde Frieden in der Welt gegeben haben.‘

– Cecil Rhodes, 1901

Quigley fährt fort, dass das All Souls College in den Jahren 1899 bis 1947 so exklusiv war, dass es nur 149 Menschen einen Abschluss machen ließ, und während einige seiner Schüler 7 Jahre als Ehrenmitglieder blieben, hielten andere die Gemeinschaft mit All Souls für 55 Jahre aufrecht. Er entdeckte, dass diese Personen ihre Mitgliedschaft für eine solch lange Dauer durch ihre Mitgliedschafts-Verbindungen im ,Milner Kindergarten‘ halten konnten, einer Gruppe von zunächst ,kleinen Kindern‘, die von Lord Alfred Milner ausgewählt wurden, um Südafrika zu regieren, und auch ein ,Who is who‘ des zukünftigen Kuratoriums des Rhodes Trust und der Vorsitzenden des Royal Institute of International Affairs darstellten. In Quigleys Enthüllungen sind Lord Dougal Malcolm (1877-1955), Direktor der British South Africa Company, Leo Amery (1873-1955), Chef-Administrator für Lord Alfred Milner, Lionel Curtis (1872-1955) und Lord Halifax (1881-1959) enthalten. Lionel Curtis und Lord Halifax, entdeckte Quigley, waren gemeinsame Zimmerbewohner im All Souls College gewesen. Quigley offenbart, wie es Lionel Curtis war, der für die Änderung des Namens des ,britischen Empire zum Commonwealth of Nations‘ verantwortlich war. Er drückt sein Erstaunen darüber aus, dass Curtis 15 Jahre brauchte, bis er sein Studium beendete, und dass er ein ,schlechter Student‘ war, der nur den ,niedrigsten halben Grad erhielt, den man jemals bekommen kann‘, und ,niemand hatte je von ihm gehört.‘ ,Darüber hinaus war er jahrelang Lord Halifax‘ Mitbewohner in All Souls!‘, fährt er fort, ,und dann habe ich entdeckt, dass dieser Bursche hinter allem steckt, was los ist! Lionel Curtis, verstehen Sie?‘ Professor Quigley sagt dann in gemessenem Ton: ,Nun, ich denke, wir sollten nicht zu viel darüber reden…‘ Warum gibt es keine Erwähnung von diesem Kerl, der ,hinter allem steckt, was los ist‘, im Washington Post-Artikel? Warum sollten wir nicht zu viel darüber reden? Welche Art von Journalist hakt bei einer solchen Aussage nicht nach?

Professor Quigley wechselt das Thema dazu, wie diese Personen als Schüler auch von Alfred Zimmern und seinem Werk The Greek Commonwealth beeinflusst worden sind, und wie Zimmern eine Quelle für Tragedy and Hope wurde. Quigley traf sich mit Zimmern 1947, der ihm offenbarte, dass er seit 1913 ein Mitglied der geheimen Round-Table-Gruppe gewesen sei, rekrutiert wegen seiner Beteiligung an der ,Educational Alliance‘-Organisation (eine Außenstelle des Settlement Movement am Ende des 19. Jahrhunderts, an dem Lord Milner direkt beteiligt war). Zimmern behauptete, dass er 1923 zurückgetreten wäre, weil der Round Table ,fest entschlossen‘ gewesen sei, ,Deutschland gegen Frankreich aufzubauen‘, und er fing an, mit diesem Vorgehen nicht einverstanden zu sein. Quigley gesteht, dass er später mit Lord Brand zusammengetroffen war (ein weiteres Mitglied der Round Table-Gruppe) und ihn nach dem Rücktritt von Zimmern gefragt hatte, worauf Brand antwortete, dass er das ,nie gesehen hat‘. Es ist an dieser Stelle im Interview, da Quigley sagt: ,Ich würde jetzt lieber aufhören, sehen Sie, denn das geht in alle möglichen Dinge rein…‘ Quigley teilt auch mit, dass es Zimmern gewesen war, der Arnold Toynbee (den Historiker) in die geheime Gruppe brachte.

In der Audio-Aufnahme fährt Professor Quigley fort: ,Ich wusste, dass die Round Table-Gruppe sehr einflussreich war. Ich wusste, dass sie die eigentlichen Gründer des Royal Institute of International Affairs waren, das wusste ich … all das Zeug, das in Druck ist …, dass sie die eigentlichen Gründer des Institute of Pacific Relations waren. Ich wusste, dass sie die Paten des Council on Foreign Relations hier waren. Ich wusste zum Beispiel, wissen Sie, kennen Sie die große Studie der Geschichte, die vielen Bände von Arnold Toynbee? Okay, ich wusste, dass die Manuskripte beim Council on Foreign Relations während des Krieges aufbewahrt wurden, so dass sie nicht durch deutsche Bombenangriffe zerstört würden, sehen Sie?‘ ,Ich fing an, diese Dinge zusammenzusetzen, und ich entdeckte, dass diese Gruppe für die folgenden Dinge arbeitete. Sie waren eine geheime Gruppe. Sie versuchten, die englischsprachige Welt miteinander föderativ zu verbünden, sie waren eng mit den internationalen Bankern verbandelt, sie arbeiteten an der Errichtung einer Welt … was ich eine Drei-Mächte-Welt nenne. Diese Drei-Mächte-Welt war der Atlantische Block von England und dem Commonwealth sowie den Vereinigten Staaten, Deutschland …. Hitlers Deutschland und die Sowjetunion …. eine Drei-Mächte-Welt. Sie sagten, Deutschland würde kontrolliert werden, weil … und all dies ist in meinem Buch, es ist zwischen dem Atlantik-Block und den Russen eingeklemmt. Die Russen werden sich anständig verhalten, weil sie zwischen dem Atlantik-Block, der amerikanische Marine in Singapur und den Deutschen eingeklemmt sind. … Und dies alles ist in meinem Buch beschrieben. … Beachten Sie, dass es ein System der Machtbalance ist, im Wesentlichen ist es das, was Kissinger – obwohl er nicht weiß, was er tut… Er stümpert bei allem, denn er ist bloß eine Primadonna, eine emotional unausgeglichene Person. Er weiß nicht, was er zur Hölle tut.‘

Quigley erklärt dann: ,Was hier drin gesagt wird‘ (vermutlich auf die bereits erwähnten Bücher von Skousen oder Allen zeigend), ,ist, dass diese Leute für die Weltherrschaft waren, und die Gruppe, von der ich rede, war das nicht‘, indem er offenbart, wie Lord Milner der Rhodes-Chef-Treuhänder nach der Rückkehr aus Afrika bis zu seinem Tod im Jahr 1925 wurde. ,Es ist ein Atlantik-Block‘, sagt er und fährt durch die Einführung von Rhodes Scholar Clarence Streit und seinem Buch ,Union Now‘ fort, und dass ,er das repräsentiert, was diese Gruppe (zu der Zeit) wollte.‘ Professor Quigley erwähnt, dass er sogar Streits Tochter in seiner Klasse an der Georgetown University als Besucherin hatte. ,Er wurde von diesen Leuten als die einzige Lösung aufgebaut‘, und sein Buch ,Union Now‘ war anonym von Lionel Curtis im Round Table Journal of Commonwealth Affairs ,der einzige Weg‘ und anonym von Philip Kerr, dem Lord Lothian (später Botschafter in den Vereinigten Staaten), ,als die Lösung für unsere Probleme‘ genannt worden. Dies wird in Tragedy and Hope bestätigt, wobei Quigley offenbart, dass das ,Union Now‘-Projekt direkt ,im Namen von Lord Lothian und dem Rhodes Trust‘ propagiert wurde. Quigley fährt fort, dass ,das natürlich Rhodes‘ Idee war…‘

,Für die Schaffung, Förderung und Entwicklung eines Geheimbunds soll der wahre Sinn und Zweck dessen die Ausdehnung der britischen Herrschaft in der ganzen Welt sein, die Vervollkommnung des Systems der Auswanderung aus dem Vereinigten Königreich und die Besiedlung durch britische Personen aller Länder, in denen die Lebensgrundlagen durch Energie, Arbeit und Unternehmen erreichbar sind, und vor allem die Besetzung durch britische Siedler des gesamten Kontinents von Afrika, des Heiligen Lands, des Tals des Euphrat, der Inseln Zypern und Candia, ganz Südamerikas, der Inseln des Pazifiks, die bisher nicht Großbritannien gehören, des gesamten malaiischen Archipels, der Küste von China und Japan, die ultimative Rückgewinnung der Vereinigten Staaten von Amerika als integraler Teil des britischen Empire, die Einweihung eines Systems der kolonialen Vertretung im Reichsparlament, das die unzusammenhängenden Mitglieder des Reiches miteinander verschweißen könnte, und schließlich die Gründung einer so großen Macht, dass Kriege unmöglich gemacht werden, und die Förderung der Interessen der Menschheit.‘

– Letzter Wille und Testament von Cecil John Rhodes, 1877

Professor Quigley erläutert dann, wie der Council on Foreign Relations und die bestehende ,Inquiry‘-Gruppe in den Vereinigten Staaten von JP Morgan-Interessen dominiert wurden, und dass dies der Grund war, weshalb die Round Table-Gruppe Vertrauen hatte, dass sie Erfolg bei der Übernahme des einflussreichen Think Tanks haben würde. Die ,Inquiry‘-Gruppe war von Col. Edward House auf Geheiß von Präsident Woodrow Wilson geschaffen worden, der zuvor selbst als Vorsitzender des New Jersey Rhodes Scholarship Committee gedient hatte. Der Council on Foreign Relations und das Royal Institute of International Affairs (RIIA) (von Lionel Curtis und Mitgliedern des Rhodes-Kuratoriums gegründet) wurden später bei Treffen verfestigt, die im Hotel Majestic vor den Pariser Friedenskonferenzen von 1919 stattfanden. Quigley erklärt, dass sie ,Ableger in allen Commonwealth-Ländern‘ hatten, ,Australien, Neuseeland, Südafrika, Kanada, und schließlich in Indien und sogar eine woanders ….. Pakistan.‘

Mit Enthüllungen wie dieser, schaffte es Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time fast nicht zu einer zweiten Auflage. 1966 hatte Quigley versucht gehabt, seinen Vertrag über zwei Bücher mit der Macmillan Company und seinem Verleger Peter Ritner zu erfüllen. Quigley hatte bereits The Evolution of Civilizations mit einem Vertrag, der 1961 unterzeichnet wurde, veröffentlicht, und vereinbarte, Macmillan sein nächstes Buch The World Since 1914 zu geben. Während dieser Phase des Audio-Interviews, in der sich Quigley anschickt, über einige der Kontroversen hinter der Veröffentlichung und mangelnden Förderung von Tragedy and Hope zu sprechen, ist es, dass er sagt: ,Ich weiß nicht, ob Sie das aufs Band tun wollen … Sie müssen meine Zukunft schützen … wie auch Ihre eigene.‘ Quigley erklärt, dass Macmillan für 5 Millionen US-Dollar im Sommer 1966 von Collier Books aufgekauft worden war, und er bestätigt, dass Collier Books ein Unternehmen von J.P. Morgan war, und dass die Morgan-Interessen die freie Presse aufgekauft hatten.

Quigleys Verleger, Peter Ritner, kontaktierte ihn und sagte ihm, es würde ,keine Werbung für eines der Bücher, die in den nächsten sechs Monaten veröffentlicht werden‘, geben. Ritner lieferte einen Kampf, sagt Quigley, und er bekam ,eine Anzeige‘ für Tragedy and Hope, was eine ,Viertelseite im New York Times Book Review‘ war. Bis 1968 war das Buch vergriffen. Collier kaufte dann die letzte Hälfte von Tragedy and Hope als ein Taschenbuch mit dem Titel The World Since 1939: A History zurück, während die ganze Zeit über weiterhin jedem gesagt wurde, dass Tragedy and Hope vergriffen sei. Der Professor sollte bald herausfinden, dass von Tragedy and Hope Raubkopien gezogen wurden, und dass eine ,Photo-Replikation‘, die ,genau das gleiche‘ war (mit Ausnahme der Goldkante, die auf dem Original enthalten war), auf dem Schwarzmarkt verfügbar geworden war und über ein loses Netzwerk von Buchhändlern im ganzen Land verkauft wurde. Zu Quigleys Bestürzung scherte es Macmillan ,nicht die Bohne, dass es Raubkopien gab‘, und er erklärt, sie ,haben mich so oft angelogen.‘ Sie ,logen und logen und logen und logen mich an‘, und auch seinen Verleger Ritner, der zuvor offenbart hatte, dass er dachte, Tragedy and Hope sei ,wunderbar‘.

Professor Quigleys Vertrag legte auch fest, dass für den Fall, dass sein Buch vergriffen sein sollte, er das ,Recht auf die Druckplatten‘ bekäme. Er stellte im März 1974 fest, dass die Druckplatten zu seinem Werk ,zerstört worden waren‘. Dies zusätzlich zu dem, dass er herausgefunden hatte, dass der Verleger Kunden abwies, die nach dem Buch fragten. Im Gegensatz zu dem, was sie Quigley sagten, war Tragedy and Hope ein sehr beliebter und gesuchter Geschichts-Text.

,Wollen Sie das nicht abschalten?‘, sagt Quigley (bezogen auf das Tonbandgerät).

Während es dem Artikel der Washington Post an einer genauen Untersuchung fehlte und viel von den faszinierenden Offenbarungen und dem seltsamen Verhalten eines der profiliertesten Historiker des 20. Jahrhunderts weggelassen wurde, ist es ein Glück, dass die Öffentlichkeit Zugang zu dem Audio-Interview bekommen hat. Es ist möglich, dass der Interviewer die Bedeutung des Augenblicks und die Bedeutung der Inhalte, die nur widerwillig preisgegeben wurden, nicht verstanden hatte. Professor Quigley detailliertes Buch Anglo-American Establishment: From Rhodes to Cliveden erschien erst vier Jahre nach Professor Quigleys Tod im Jahre 1981. Dies kann die Interview-Versäumnisse in ,Der Professor, der zu viel wusste‘ nicht entschuldigen; aber Anglo-American Establishment ist sicherlich ein gründlicheres Exposé über das Innenleben der Rhodes-Milner-Round-Table-Gruppe, wie von Quigley umrissen, als es ein Artikel im Washington Post Sunday Magazine erreichen könnte.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels war Katherine Graham die Herausgeberin der Washington Post, ebenso CEO der Washington Post Company. Katherine Graham war bis zu ihrem Tod 2001 ein prominentes Mitglied des Council on Foreign Relations, ein Mitgliedsstatus, den sie mit ihrem verstorbenen Vater Eugene Meyer gemein hatte, dem Besitzer der Washington Post Company, Vorsitzenden der Federal Reserve Bank von 1930 bis 1933, und der erste Leiter der Weltbank im Jahre 1946. Um diese Verbindungen und Interessenkonflikte zu veranschaulichen: es war Philip Kerr, der Lord Lothian, der bald Botschafter in den Vereinigten Staaten wurde (und laut Quigley ein langjähriges Mitglied der Rhodes-Milner-Geheimgesellschaften ,Inner Circle‘ und ,Society of the Elect‘ war), der an seinen guten Freund Eugene Meyer durchsickern ließ, dass Edward VIII. von England eine Affäre mit einer amerikanischen Frau namens Wallis Simpson hatte. Dieser ,Scoop‘, der der Washington Post von Lord Lothian gegeben wurde, führte zur Abdankungskrise von 1936 und der Installation von George VI. als König des Vereinigten Königreichs und der Dominions des britischen Commonwealths.

,Es existiert, und existierte seit einer Generation, ein internationales anglophiles Netzwerk, das zum Teil in der Art arbeitet, in der radikale Rechte glauben, dass die Kommunisten agieren. In der Tat hat dieses Netzwerk, das wir als die Round Table-Gruppe identifizieren können, keine Abneigung gegen die Zusammenarbeit mit den Kommunisten oder anderen Gruppen, und tut das oftmals auch. Ich weiß um die Arbeit dieses Netzwerkes, da ich es seit zwanzig Jahren studierte, und mir wurde für zwei Jahre, in den frühen 1960er Jahren, der Zugang zu ihren Papieren und geheimen Aufzeichnungen gestattet. Ich hege keine Abneigung gegen es oder die meisten seiner Ziele, und ich bin für einen Großteil meines Lebens ihm und vielen seiner Instrumente nahe gewesen. Ich habe sowohl in der Vergangenheit wie auch vor kurzem nur einigen seiner politischen Zielen widersprochen (vor allem der Überzeugung, dass England eine atlantische, statt eine europäischen Macht sei, und dass es verbündet werden muss oder sogar föderiert mit den Vereinigten Staaten, und dass es von Europa isoliert bleiben muss), aber im Allgemeinen ist mein Hauptmeinungsunterschied der, dass es unbekannt bleiben will, und ich glaube, seine Rolle in der Geschichte ist bedeutsam genug, um bekannt sein zu sollen.‘“

– “Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time“ von Carroll Quigley


Geldschöpfungsprozesse

Ich hoffe, dieser kurze Einblick hat nicht nur ein wenig Neugierde auf das Werk von Quigley geweckt, sondern auch etwas Klarheit darüber verschafft, wessen geistiges Kind der Council on Foreign Relations ursprünglich gewesen ist, der bis heute eine Einheit aus Geld und Macht repräsentiert, die in den Händen großer Banken und Unternehmen liegt. Oder um Wilhelm Bittdorf aus einem Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1975 zu zitieren: „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung. … Die Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kann kaum hoch genug veranschlagt werden. … Dennoch haben die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen Gremiums.“ [146]

Diese weitgehend unbekannte Einheit aber ist mithin auch ein direktes Resultat des Geldschöpfungsprozesses. Schauen wir uns diesen Prozess anfangend mit dem US-Dollar noch einmal genauer an.

Der Dollar als legales Zahlungsmittel der USA wird geschöpft, indem die Federal Reserve US-Staatsanleihen oder US-Schatzanweisungen (sprich: Schuldscheine) kauft, die Zinsen kosten, um dem US-Schatzamt damit Finanzmittel für die Staatsausgaben zur Verfügung zu stellen. Genau genommen sind dies jene Banknoten, welche als Federal Reserve Notes bezeichnet werden. Es gibt nämlich auch United States Notes, welche vom US-Schatzamt direkt herausgegeben werden und eine Art zins-befreiten „Kreditbrief” darstellen. Zu Beginn des Federal Reserve Systems musste die Gesamtmenge der Federal Reserve Notes zu vierzig Prozent vom Goldbestand der USA gedeckt sein. Heutzutage gibt es diese Einschränkung nicht mehr; die Anbindung des US-Dollars an den US-Goldhort wurde im August 1971 unter Richard Nixon gänzlich gekappt.

In dem bereits angeführten Interview mit Nomi Prins, das ihren Recherchen zum Buch All the Presidents’ Bankers gewidmet war, kamen wir darauf zu sprechen, welchen Souffleuren Nixon dabei folgte:

Ein Teil des Bretton-Woods-Systems war, dass der US-Dollar fast so gut wie Gold war. Warum befürworteten so viele prominente US-Banker die Beendigung des Goldstandards Ende der 1960er Jahre, Anfang der 1970er Jahre? Könnte es sein, dass der Goldstandard als wirksame Kontrolle über exzessives Finanzsektor-Wachstum und missbräuchliche Praktiken der Banken dient?

Nomi Prins: Oh, Gold war absolut eine wirksamere Bremse übermäßigen finanziellen Wachstums und von Missbräuchen. Gold war auf eine Art eine effektive Regulierung. Es hielt die Expansion der Banker zurück, weil sie einen gewissen Reservebetrag beiseite legen mussten, und zwar mit einem realen Vermögenswert, an dem andere Welt-Teilnehmer ebenfalls Teilhabe hatten. Aus diesem Grund besaßen US-Banker weniger Kontrolle über die Bewegung des Goldes in und aus ihren Firmen. Sobald sie die US-Regierung überzeugt hatten, vom Goldstandard und von der Erfordernis abzurücken, dass Gold Transaktionen oder Spekulationen oder Expansionen decken musste, hatten sie Zugriff auf ein ganz neues Expansionsniveau.

Deshalb ziehen sie heute Null-Zins-Geld vor, billiges Geld, so dass sie weniger Hindernisse für ihre Aktivitäten haben. Dies ist Teil des gleichen Musters und der gleichen Logik, um vom Goldstandard abzurücken – sie bevorzugen den weniger eingeschränkten Weg zur Spekulation. Es gab eine enorme Expansion der globalen US-Bankeninteressen, die bereits nach den Kriegen begonnen hatte, aber anstieg, nachdem der Goldstandard beseitigt war, weil es einfach leichter zu machen war. Es gibt einfach weniger Barrieren für die Banker. Sie befürworteten sehr öffentlich, dass der Goldstandard entfernt werden sollte, und in der Tat, als Nixon ihn schließlich 1971 aufkündigte, kam nicht er selbst mit der Idee daher; dies war etwas, wofür sich Walter Wriston, der Vorsitzende der National City Bank, und David Rockefeller, der Vorsitzende der Chase, sehr stark gemacht und sich durch Briefe und Korrespondenzen und andere Arten von persönlichen Gesprächen, die ich in meinem Buch bespreche, eingesetzt hatten.

Denken Sie, dass Gold eine Zukunft im Währungssystem haben wird?

Nomi Prins: Ich denke, dass es sicherlich viele Menschen gibt, die das in Ländern außerhalb der USA wollen, aufgrund dessen wie sich das Finanzsystem global entwickelt hat; insbesondere die US-Banken haben so viel Macht, politisch und finanziell. Politisch wegen ihrer Allianz mit der US-Regierung, und finanziell, weil sie so viel billiges Kapital ohne Reserven wie Gold dahinter gehebelt haben.

Aber das ist auch der Grund, warum ich denke, dass es eine sehr große Machtverschiebung brauchen wird, politischer und finanzieller Macht, damit Gold wirklich … diese Art von Zukunft hat – weil diese Banker werden das vehement bekämpfen. Diese Institute, diese Beziehungen, die sie mit der Führung in Washington und mit der Federal Reserve haben, zeigen, welch enorme Menge an Kraft investiert worden ist, damit es keine Golddeckung bei spekulativen Transaktionen und Expansionen in der ganzen Welt gibt.

Also ich denke, es wird ein sehr harter Kampf für Gold werden, um ein Comeback als tatsächliche Erfordernis zur Deckung von Spekulationen zu machen. Es wird eine sehr lange Strecke sein, wenn es in Anbetracht des Widerstands dagegen von einer sehr stark konzentrierten und mächtigen politischen und finanziellen Allianz in den USA überhaupt möglich ist.

In einem gewissen Sinne kann man dem US-Dollar seit der Gold-Entkopplung bescheinigen, nicht im Einklang mit der US-Verfassung zu stehen. Diese fordert, dass der Dollar in Gold oder Silber gewichtet definiert wird. Tatsächlich ist der Dollar aber eine Fiat-Währung wie der Continental davor, welcher nach dem Unabhängigkeitskrieg kollabierte. Dem Kongress oblag laut Verfassung die Entscheidung, welches Metall genommen werden sollte. Ferner hatte der Kongress die Autorität, „Geld zu prägen und den Wert dessen zu regulieren“.

Das Vorrecht, das staatliche Zahlungsmittel auszugeben, trat der Kongress an die Federal Reserve ab. Und wie Geld letztlich heute in die Existenz kommt, darüber liegt nicht selten ein „Schleier der Täuschung“, wie sich der Ökonom Norbert Häring ausdrückt.  [147] Er argumentiert, dass einige klar spezifizierte Interessen am Werke sind, die die Absicht hegen, dass so wenige Menschen wie möglich unser Finanzsystem verstehen. Ich fragte ihn, warum das so sei; vielleicht, weil es am Ende eine besondere Art von Schneeballsystem ist?

Norbert Häring: Ja, man könnte es ein Schneeballsystem nennen. Banken geben den Menschen und Unternehmen, die von ihnen Kredit nehmen, neues Buchgeld, das jeder benutzt, um Rechnungen und Steuern zu zahlen, als ob es so gut wie Bargeld wäre. Das zusätzliche Geld befeuert die Wirtschaft und erhöht die Nachfrage nach Krediten. Geld wird immer schneller geschöpft. Sobald man aber, genau wie in einem Schneeballsystem, nicht mehr genug Kreditnehmer zur weiteren Erhöhung der Geschwindigkeit findet, mit der Geld und Schulden geschöpft werden, bricht das System zusammen, und wir haben eine Krise. Dann lernt jeder, dass Bankeinlagen doch nicht so gut wie Bargeld sind, da Banken nur einen Bruchteil dieser Einlagen gegen Bargeld zu tauschen vermögen.

LS: Bitte erläutern Sie, wie das Geld tatsächlich in unserem modernen Geld-System erstellt wird, beginnend mit den Zentralbanken.

NH: Es beginnt nicht mit den Zentralbanken. Das ist nur das, was man uns glauben macht. Wir sollen glauben, dass Zentralbanken den Prozess beginnen und steuern. Es hat Systeme ganz ohne eine Zentralbank gegeben. Es beginnt damit, dass mir eine Bank € 100.000 als Hypothek gibt, damit ich mir ein Haus kaufen kann. Der Bankangestellte tätigt ein paar Tastenanschläge, erstellt ein Konto für mich und legt eine Einlage in Höhe von € 100.000 hinein. Dies ist neues Geld. Die Zentralbank kommt erst später ins Spiel, um sicherzustellen, dass die Einlagen, die von den einzelnen Banken geschaffen wurden, gleichmäßig durch das System verteilt werden. Die Zentralbank fordert des Weiteren eine so genannte Mindestreserve in Form von Bargeld oder Einlagen bei der Zentralbank. Die Banken müssen sich diese Reserven bei der Zentralbank leihen. Aber die Zentralbank wird die Darlehen, die das Bankensystem benötigt, stets zur Verfügung stellen. Ansonsten würde das eine Liquiditätskrise verursachen.

LS: Und was ist falsch daran?

NH: Es gibt eine Reihe von Dingen, die daran falsch sind. Der Staat gibt ein wertvolles Privileg an die Banken ab, indem er die Einlagen, die sie erschaffen, effektiv zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Sie können Ihre Steuern mit Geld bezahlen, das die Banken geschaffen haben. Von jedem wird gefordert, diese Einlagen zur Zahlung zu akzeptieren. Die Banken machen eine Menge Geld mit der Geldschöpfung aus dem Nichts. Dies ist ein Gewinn, von dem ich denke, dass der Staat ihn bekommen sollte. Die Steuern könnten viel niedriger sein, wenn der Staat dieses sehr wertvolle Privileg nicht kostenlos abgegeben hätte. Und, was vielleicht noch schlimmer ist, die Geschäftsbanken haben eine Tendenz, Schulden-Blasen aufzublähen, die später platzen und Finanzkrisen verursachen.

LS: Was muss also aus Ihrer Sicht über die berühmte “Unabhängigkeit” der Zentralbanken gesagt werden, von der wir immerzu zu hören bekommen?

NH: (I)n Ländern, die ein großes Finanzsystem haben, (werden) die Rufe nach der Unabhängigkeit der Zentralbanken von der Regierung als erste und am lautesten gehört. Die Unabhängigkeit von der Regierung geht einher mit dem Verbot, die Staatsverschuldung zu finanzieren, und dies bedeutet, dass die Banken den meisten Nutzen aus der Geldschöpfung ziehen.

LS: Hinsichtlich einer Gruppe von Bankenkunden, den Sparern, gibt es etwas, worüber nur sehr wenige Menschen wirklich Bescheid wissen – wenn ich mein Geld zu den Banken bringe, um eine Bankeinlage zu haben, bin ich ein Gläubiger der Banken, selbst wenn ich ihnen kein Geld leihen will. Können Sie das weiter ausführen, bitte?

NH: Das ist der Kern des Problems unseres Finanzsystems, dass wir kein sicheres Zahlungssystem haben, das unabhängig von der Solvenz der Banken ist. Dies ist der Grund, warum wir immer die großen Banken zu retten haben, wenn sie es vermasseln. Wenn sie untergehen, geht unser Zahlungssystem unter, und die Leute verlieren ihr Geld. Das Geld, das die Menschen in Konten halten, um ihre Rechnungen zu bezahlen, sollte anders als das Geld behandelt werden, das sie investieren wollen. Wenn Sie lediglich die Dienste der Banken nutzen, wollen um Ihre Rechnung auf bequeme Weise zu bezahlen, sollten Sie der Bank keinen Kredit geben müssen. Das Geld sollte in Ihrem Besitz verbleiben, genauso wie Geld, das Sie in einem Geldmarktfonds oder in Aktien haben. Wenn dies der Fall wäre, würden wir nicht mehr länger alle zusammen die Banken zu retten haben, und sie könnten nicht mehr zu viel Geld schöpfen.

LS: Mit welcher Art von Widerstand gegen grundlegende Reformen und neue Richtungen ist zu rechnen, der von interessierter Seite kommt?

NH: Das Recht, das gesetzliche Zahlungsmittel aus dem Nichts zu schöpfen, ist fast so gut wie die Fähigkeit, Gold aus Sand zu machen. Die Banker werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dieses Privileg zu bewahren. Sie werden weiterhin versuchen, diejenigen, die für eine grundlegende Reform streiten, als verrückte Spinner darzustellen, die Geld und Ökonomie nicht verstehen.  [148]

Auch Mike Maloney befragte ich nach einer Erklärung der Fehler im System, die im Finanzgebilde unserer Tage von Anfang an gegeben sind – und von denen Privatbanken enorm profitieren.

Mike Maloney: Wir haben heute ein Hokuspokus-Geldsystem, das ursprünglich von der Bank of England erfunden wurde, wo Geld durch Kreditaufnahme entstand. Das ist es, was die Menschen nicht verstehen: unser gesamtes Finanzsystem ist eine Illusion. Es basiert allein auf dem Vertrauen der Öffentlichkeit. Das „Fiat” in „Fiat-Währung” bezeichnet eine Anweisung, die von einer Autorität gegeben wird, die die Macht hat, diese Anweisung durchzusetzen. Eine Regierung sagt, das ist unsere Währung und sie wird etwas wert sein, weil wir unsere Steuern ausschließlich in dieser Währung zahlbar machen. Das ist es, was den Menschen Vertrauen in diese Währung gibt. Der einzige Grund, warum man mit einem Dollar oder einem Euro etwas kaufen kann, ist die Erfahrung, dass man gestern damit etwas kaufen konnte, also geht man davon aus, dass man auch morgen etwas damit kaufen kann und akzeptiert sie. Anderenfalls sind sie nur ein reines Stück Papier mit Zahlen drauf.

Die gesamte Wirtschaft dieses Planeten basiert auf Psychologie. Physisch existiert sie nicht wirklich. Vor langer Zeit war die Währung, die wir benutzten, echtes Geld, es waren Gold und Silber, und ihr Wert leitete sich ganz einfach davon ab, wie selten es war und wie schwer es war, es zu finden und auszugraben und in eine Münze zu pressen. Es war ein gewisser Grad von Seltenheit und eine Haufen Arbeit, das ihm den Wert gab. Was heute passiert, ist, dass eine Regierung Staatsanleihen schafft – eine Staatsanleihe ist nichts anderes als ein Schuldschein: Du leihst mir eine Milliarde Dollar, und ich verspreche dir im Laufe von dreißig Jahren die Milliarde plus Zinsen zurückzuzahlen, dir also über die dreißig Jahre hinweg zwei Milliarden Dollar zu bezahlen. Und dann kauft die Zentralbank diese Staatsanleihe – hier in den USA funktioniert das über eine Offenmarktpolitik, das ist so ähnlich wie beim Hütchenspiel: Erst kaufen die Banken sie, und dann kauft die Fed sie von den Banken.

Was in Wirklichkeit vor sich geht, ist, dass das Schatzamt Schuldscheine ausgibt und die Zentralbank letztendlich diese Schuldscheine erwirbt, indem sie Geld druckt. Im Grunde erfinden sie einfach Dollars, die nichts anderes sind als ein Forderungs-Scheck – es ist also im Grunde genommen ein Schuldschein gegen einen Schuldschein, und dieses Austauschen von Schuldscheinen verschuldet die Öffentlichkeit. Wir leihen uns Wohlstand aus der Zukunft und versprechen, das zurückzuzahlen. Im Grunde sind unsere Steuern von heute Zahlungen auf die Schulden von gestern.  [149]

Eine interessante Arbeit im Kontext mit der Geldschöpfung veröffentlichte im März 2014 die Bank of England. Die Mutter aller Zentralbanken von der Threadneedle Street ließ durchblicken, dass die verschiedenen Währungen auf der Welt kein Geld darstellen, sondern nichts weiter als spezielle Schuldscheine (IOU’s). Dies wurde in einem Papier namens Money Creation in the Modern Economy (Geldschöpfung in der modernen Wirtschaft) dargebracht, das von drei Ökonomen der Währungsanalyse-Direktion der Bank geschrieben wurde. Anlässlich der Veröffentlichung dieses Papiers schrieb Steve Keen einen Artikel, den ich zeitnah übersetzte.  [150]

Steve Keen ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of Western Sydney in Australien. Im Dezember 2005 warnte er vor einer bevorstehenden globalen Finanzkrise in Form von Rezession und Schuldendeflation. Für diese Prognose erhielt Keen, nachdem es so eingetreten war, den Revere Award for Economics vom Real-World Economics Review. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Entwicklung mathematischer Modelle von Hyman Minskys „Hypothese der Finanziellen Instabilität“ (hierzu im nachfolgenden Kapitel mehr).


Der Geld-Illusions-Schock der Bank of England

Keen beginnt den Artikel, indem er schreibt:

Gebäude der Bank von England

Gebäude der Bank von England

Ich ziehe meinen Hut vor den Forschern an der Threadneedle Street für ein neues Arbeitspapier, Money creation in the modern economy, das eine wirklich realistische Erklärung gibt, wie Geld geschaffen wird, warum das wirklich von Belang ist, und warum praktisch alles, was die Wirtschaftslehrbücher über Geld sagen, falsch ist.

Wirtschaftslehrbücher vermitteln den Studenten, dass die Geldschöpfung ein zweistufiger Prozess ist. Zu Beginn können die Banken wegen einer Regel namens „Required Reserve Ratio“ (Mindestreservesatz / Pflichtrücklage) nichts herleihen, da sie ein Verhältnis zwischen ihren Einlagen und ihren Reserven bestimmt. Wenn von ihnen verlangt wird, 10 Cent an Reserven für jeden Dollar zu halten, den sie an Einlagen haben, dann kann der Bankensektor, wenn die Einlagen $ 10 Billionen und die Reserven $ 1 Billion betragen, niemandem etwas herleihen.

Stufe eins im Lehrbuch-Geldschöpfungsmodell ist, dass die Fed (oder die Bank of England) den Banken zusätzliche Reserven gibt – sagen wir im Wert von $ 100 Milliarden. Dann verleihen die Banken in der Stufe zwei dieses an ihre Kunden, die es dann gleich wieder in den Banken hinterlegen, die an 10 Prozent davon festhalten ($ 10 Mrd.) und die restlichen $ 90 Milliarden weiterverleihen. Dieser Prozess wiederholt sich, bis eine zusätzliche Billion Dollar an Einlagen kreiert worden ist, so dass der Mindestreservesatz wieder hergestellt ist ($ 1.1 Billionen an Reserven, $ 11 Billionen an Einlagen).

Dieses Modell trägt den Namen des „Mindestreserve-Banking” (auch bekannt als „Money Multiplier” – „Geldmengenmultiplikator“), und je nach politischer Überzeugung ist es entweder in der Tat Betrug (wenn man von österreichischer Überzeugung wie mein Kumpel Mish Shedlock ist) oder ganz einfach die Art und Weise, wie die Dinge sind, wenn man ein Mainstream-Ökonom wie Paul Krugman ist. Im letzteren Fall lässt dies herkömmliche Ökonomen Wirtschaftsmodelle aufbauen, die die Existenz von Banken und privaten Schulden komplett ignorieren, und in denen die Geldmenge vollständig von der Fed kontrolliert wird.

In diesem neuen Papier erklärt die Bank of England ausdrücklich, dass „Fractional Reserve Banking” weder Betrug ist, noch die Art und Weise, wie die Dinge sind, sondern ein Mythos – und es beschuldigt die Wirtschaftslehrbücher zu Recht, ihn zu verewigen. Das Papier spricht nicht um den heißen Brei herum, wenn es um die Divergenz zwischen der Realität und dem geht, was wirtschaftliche Lehrbücher ausgießen. In der Tat, wie das Papier es erklärt:

– Statt dass Banken Einlagen erhalten, wenn Haushalte sparen und sie dann verleihen, schafft die Kreditvergabe der Banken Einlagen. (Seite 1)

– In normalen Zeiten gibt die Zentralbank die im Umlauf befindliche Menge an Geld nicht fest vor, noch multipliziert sich das Zentralbankengeld in mehr Kredite und Einlagen. (Seite 1)

– Statt dass Banken Einlagen herleihen, die bei ihnen hinterlegt sind, schafft der Akt der Kreditvergabe Einlagen – die Umkehrung der Reihenfolge, die in der Regel in Lehrbüchern beschrieben wird… (S. 2)

– Während die Geldmengenmultiplikator-Theorie ein sinnvoller Weg zur Einführung von Geld und Banken in Wirtschaftslehrbücher sein kann, ist sie keine genaue Beschreibung, wie das Geld in der Realität erstellt wird… (S. 2)

– Wie bei der Beziehung zwischen Einlagen und Krediten, funktioniert das Verhältnis zwischen Reserven und Krediten typischerweise in umgekehrter Weise zu der, die in einigen Wirtschaftslehrbüchern beschrieben wird. (S. 2)

Nun, wenn ich an die Zahnfee glaubte, würde ich hoffen, dass diese emphatische Aufkündigung des Lehrbuch-Modells dazu führen würde, dass die Makroökonomie-Dozenten ihre Vorlesungen für nächste Woche drastisch revidierten. Aber ich bin zu lange im Zahn drin, um einer solchen Täuschung aufzusitzen. Sie werden es stattdessen ignorieren.

Ihre dominante „Taktik” – wenn ich das so nennen kann – wird Ignoranz selbst sein: die meisten Wirtschaftsdozenten werden nicht einmal wissen, dass dieses Bankenpapier existiert, und sie werden ihren Studenten weiterhin aus welcher Lehrbuch-Bibel auch immer etwas beibringen, für die sie sich entschieden haben. Eine sekundäre wird sein, davon Bescheid zu wissen, aber es zu ignorieren, so wie sie zahllose Kritiken an der Mainstream-Ökonomie davor ignoriert haben. Der dritte Pfeil im Köcher, wenn sie von den Studenten diesbezüglich herausgefordert werden (Wink! Wink!), wird sein, zu argumentieren, dass die Lehrbuch-Geschichte ein „nützliches Gleichnis” für Studienanfänger sei, und dass eine realistischere Version in weiter fortgeschrittenen Kursen eingeführt werde.

Hier hat die Bank of England ihnen leider einen nützlichen „Notausgang” verschafft, indem sie höflich vorgibt, dass das Geldmultiplikator-Modell „ein sinnvoller Weg zur Einführung von Geld und Banken in Wirtschaftslehrbücher sein kann.” Aber natürlich wird diese Finte reiner Quatsch sein. Erstens ist das Modell völlig irreführend – es ist als Einführung in das Wesen des Geldes und der Banken ungefähr so nützlich wie das Buch Genesis eine Einführung in die Evolutionstheorie ist. Sobald die Menschen dem Geldmultiplikator-Modell glauben, können sie nur selten die Realität begreifen, dass die Kreditvergabe der Banken Geld schafft, und dass dies drastische Auswirkungen auf das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität hat.

Zweitens ist das Argument von Dozenten im Bachelor-Studium, dass „es im höheren Studiengang besser wird”, ein Trick. Kurse auf der Master- und PhD-Ebene ignorieren weiterhin die Banken, und obwohl Mainstream-Modellbauer alle Arten von „finanziellen Reibungen” in ihre DSGE-Modelle einführen (wie Noah Smith vor kurzem hinwies), bezieht keiner von ihnen – mit Ausnahme von Michael Sterling Kumhof vom IWF – die Banken und ihre Fähigkeit, sowohl Geld zu erstellen als auch Geld zu zerstören, tatsächlich in ihre Modelle mit ein.

Warum? Würden sie die Realität zugeben, dass Banken Geld durch Kreditvergabe schaffen, und dass Geld durch die Rückzahlung der Schulden vernichtet wird (ein Punkt, von dem ich zugeben muss, dass ich einige Zeit brauchte, um ihn zu würdigen), fliegen all die einfachen Gleichgewichtsgleichnisse der konventionellen Wirtschaftswissenschaften aus dem Fenster raus. Insbesondere hängt das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität nunmehr von den Kreditvergabeentscheidungen der Banken ab (und von den Rückzahlungsentscheidungen der Kreditnehmer). Wenn Banken schneller herleihen oder die Kreditnehmer langsamer zurückzahlen, wird es einen Boom geben; wenn es umgekehrt ist, wird es einen Konjunktureinbruch geben. Wie die Bank of England es ausdrückt, wenn neue Kredite einfach alte wettmachen, die zurückgezahlt werden, dann gibt es keine Wirkung, aber wenn neue Kredite die Rückzahlung übersteigen, dann wird sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhen.

„Es gibt zwei Möglichkeiten für das, was mit neu geschaffenen Einlagen passieren könnte”, sagt die Bank. „Erstens, wie von Tobin nahegelegt, kann das Geld schnell zerstört werden, wenn die Haushalte oder Unternehmen, die das Geld erhalten haben, nachdem das Darlehen ausgegeben wurde, es benutzen möchten, um ihre eigenen ausstehenden Bankkredite zurückzuzahlen. … Das zweite mögliche Ergebnis ist, dass die zusätzliche Geldschöpfung durch die Banken zu mehr Ausgaben in der Wirtschaft führen kann.” (S. 7)

Von einer realistischen, interaktiven Perspektive erklärt die Bank of England somit, dass Geld in der Makroökonomie von Belang ist, weil es sich auf das Niveau der Wirtschaftstätigkeit auswirkt. Das sollte eigentlich keine große Sache sein – es ist das, was die meisten Menschen ohnehin glauben –, aber unglaublicherweise tut die Mainstream-Wirtschaftslehre so, als ob Geld nur Auswirkungen auf Preise habe, dass es keine Auswirkungen (oder nur eine vorübergehende) auf die reale Aktivität habe, und dass die monetären Störungen sowieso allesamt die Schuld der Regierung seien (man lese: Zentralbank), weil eine wesentliche Marktinstitution wie eine Bank doch nichts falsches tun könnte, oder?

Führende Ökonomen können dieses Papier nicht einfach ignorieren oder es unbekümmert wegwischen, so wie es die Fuß-Soldaten der Profession tun werden. Ich bezweifle aber ernsthaft, dass sie zulassen werden, dass es ihre gegenwärtige Position herausfordert.

Ich werde vor allem neugierig sein, ob Paul Krugman von diesem Papier Notiz nimmt, und wie er darauf reagiert. Krugman war der sichtbarste und aggressivste Verteidiger der These, dass die Banken keine Rolle spielen, indem er zu einem Schwinger gegen mich ausholte, weil ich das Plädoyer vorbrachte, das die Bank of England jetzt macht.

„Insbesondere behauptet er [Keen], dass die Einbeziehung der Banken in der Geschichte wichtig sei”, schrieb Krugman 2012. „Nun bin ich dafür, den Bankensektor in alle Geschichten einzubeziehen, wo er relevant ist; aber warum ist er so wichtig für eine Geschichte über Schulden und Fremdkapitalaufnahme?

Keen sagt, dass sei so, weil wenn man einmal die Banken hinzunimmt, erhöht die Kreditvergabe die Geldmenge. OK, aber warum ist das wichtig? Er scheint anzunehmen, dass sich die Gesamtnachfrage nicht steigern kann, es sei denn, die Geldmenge steigt, aber das ist nur wahr, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes fest ist; sind wir plötzlich alle strenge Monetaristen geworden, während ich nicht hinsah? In der Art von Modell, die Gauti und ich benutzen, kann und tut die Kreditvergabe die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sehr wohl erhöhen, wo ist also das Problem?”

Seither hat Krugman weiterhin die Überzeugung vorgebracht, dass die Banken „bloße Vermittler” bei der Kreditvergabe seien, dass sie in der Makroökonomie ignoriert werden können.

„Ja, Geschäftsbanken, im Gegensatz zu anderen finanziellen Vermittlern, können ein Darlehen machen, indem sie dem Darlehensnehmer neue Einlagen gutschreiben, aber es gibt keine Garantie dafür, dass die Gelder dort bleiben”, sagte er in dem Artikel Commercial Banks As Creators of „Money” (Geschäftsbanken als Erzeuger von „Geld“).

Und in dem gleichen Stück schrieb er: „Die Banken sind nur eine andere Art von finanziellen Vermittlern, und die Größe des Bankensektors – und damit die Menge des Geldes außerhalb – wird von den gleichen Arten von Überlegungen bestimmt, die die Größe von, sagen wir, der Investmentfondsbranche bestimmt.”

Jetzt, da ihm direkt ob dieser Punkte widersprochen wurde, und nicht von einem antipodischen, heterodoxen Ökonomen, sondern von der Threadneedle Street selbst, erwarte ich, dass Krugmans Gegenschlag dem KISS-Prinzip folgt: während das „Kredite erstellen Einlagen”-Argument technisch wahr ist, macht es keinen wirklichen Unterschied in der Makroökonomie aus.

Immerhin vermag Krugman die Bank of England sicherlich nicht als mit „Banking Mystics” („Bankmystikern“) besetzt zurückzuweisen, so wie er gegenteilige Ansichten von anderen weggebürstet hat.


Kreditfinanzierte Wirtschaftsentwicklung

Soweit die Ausführungen von Steve Keen.

Besonders aufschlussreich mag auch sein, sich die Auswirkungen der kreditfinanzierten Wirtschaftsentwicklung einmal kurz durch die Brille des Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) anzuschauen. Der Träger wirtschaftlichen Fortschritts ist für Schumpeter der Unternehmer. Dessen Vorhaben müssen finanziert werden. Vorhang auf und Bühne frei für das moderne Bankenwesen, denn dieses kann Geld ex nihilo schöpfen und Kredite anbieten, die die vorhandenen Ersparnisse weit übertreffen. Und dieses neue Geld versetzt den Unternehmer in die Lage, seine Vorhaben zu verwirklichen. „Ohne die zusätzlich geschaffenen Kredite fehlen den Unternehmern die Mittel, sich die nötigen Produktionsmittel zu besorgen. Wenn die Banken den Unternehmern nun neue Kaufkraft übertragen, ermöglichen sie diesen, auf den gesellschaftlichen Güterstrom zuzugreifen. Sie können die alteingesessenen Produzenten auf den Faktormärkten überbieten und somit ihre Projekte realisieren. Die Entwicklung bzw. der Fortschritt erhalten durch die Kaufkraftschaffung der Banken die Finanzierungsgrundlage.

Das hört sich zunächst noch einigermaßen harmlos an. Was steckt nun aber hinter der von Schumpeter beschriebenen Methode, mit der sich der Fortschritt durchsetzt? Indem die Unternehmer mittels des zusätzlichen Kredits Nachfrage auf den Faktormärkten entwickeln, entziehen sie der Gesellschaft Güter, ohne dass sie selbst oder jemand anderes vorher eine Leistung erbracht hätten, die diesen Entzug rechtfertigen würde. Ihre Kaufkraft beruht ja wie gesagt nicht auf Ersparnissen. Niemand musste sein auf einer Leistung beruhendes Einkommen aufsparen, um die finanziellen Mittel bereitzustellen. Stattdessen können die Unternehmer den alten Produzenten die Produktionsmittel sozusagen vor der Nase wegschnappen mit Hilfe von Mitteln, die einfach aus dem Nichts geschaffen werden.

In Schumpeters Vorstellung besorgt das moderne Bankensystem also ganz einfach einen systematischen Diebstahl, um damit den Fortschritt zu finanzieren. Den alten Produzenten werden die Produktionsfaktoren entrissen, um sie den Neuerern in die Hände zu geben. Dass dies keine Überinterpretation Schumpeters ist, zeigen Aussagen aus seinem Hauptwerk…. [151]

Am deutlichsten wird der ganze Charakter der Fortschrittsfinanzierung in Schumpeters Diskussion des zusätzlichen Kredits durch das Bankensystem. Nachdem er beschrieben hat, wie den Unternehmern durch die Kreditschöpfung die Möglichkeit geschaffen wird, Produktionsmittel an sich zu ziehen, schreibt er:

So wird die Kluft geschlossen, die in der Verkehrswirtschaft bei Privateigentum und Selbstbestimmungsrecht der Wirtschaftssubjekte sonst die Entwicklung außerordentlich erschweren, wenn nicht unmöglich machen würde (S. 154).

Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen! Was sagt Schumpeter denn hier eigentlich? Er sagt, dass die Geld- bzw. Kreditschöpfung der Banken den Zweck hat, das Privateigentum und das Selbstbestimmungsrecht auszuhebeln. Wohlgemerkt handelt es sich hier um die oben genannte Geldschöpfung, die in den Lehrbüchern unbeanstandet als das Selbstverständlichste und Harmloseste der Welt behandelt wird.“ [152]

Dass das Geldproblem eine grundlegende Änderung bitter nötig haben könnte, macht auch Ellen Brown in einem Artikel unter dem Titel Time for a New Theory of Money (Zeit für eine neue Theorie des Geldes) deutlich. Wir leiten den Schluss dieser ersten Betrachtung mit einem Zitat des Anfangs daraus ein, das unsere Untersuchungen in diesem Kapitel abrundet:

„Der Grund dafür, dass unser Finanzsystem regelmäßig in Schwierigkeiten gerät, mit wiederkehrenden Depressionswellen wie derjenigen, mit der wir gegenwärtig zu kämpfen haben, könnte seine Ursache haben in einer falschen Auffassung nicht nur von der Rolle des Bankwesens und des Kredits, sondern von dem Wesen des Geldes an sich. In unseren wirtschaftlichen Entwicklungsjahren haben wir Geld als ein ,Ding’ betrachtet – etwas, das unabhängig ist von den Verhältnissen, die es erzeugt. Aber heute ist unser Geld durch kein Gold oder Silber mehr gedeckt. Stattdessen wird es von Banken geschaffen, wenn sie Kredite gewähren … Praktisch jegliches Geld hat heute seinen Ursprung in Krediten oder Schulden, was schlicht und einfach ein Versprechen bedeutet, in Zukunft zu bezahlen.“  [153]

Machen wir jetzt, da das vorläufige Urteil getroffen werden darf: „Die Zukunft wird teuer“, als dem nächsten Schritt klar, dass dieser Wahnsinn, der Methode hat, für die USA fatale Folgen zeitigt…


Bild und Grafikquellen:

  1. Beitragsbild: “Heile Welt” – http://pixabay.com/de
  2. Federal Reserve Building – www.bloomberg.com
  3. Standard Oil – http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  4. Woodrow Wilson- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  5. Knickerbocker Trust Company- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  6. Senator Nelson W. Aldrich- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  7. Edward M. House- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  8. Gremien des Federal Reserve-Systems- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  9. Wappen der Rockefeller-Familie- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  10. Harold Pratt House- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz
  11. Gebäude der Bank von England- http://de.wikipedia.orgCC-Lizenz

Fußnoten:

  1. J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“,

    Hier wäre der Artikel 1, Abschnitt 8 der US-Verfassung zu beachten, der davon spricht, dass der Kongress der USA u. a. das Recht hat, für die Landesverteidigung zu sorgen und auf Rechnung der Vereinigten Staaten Kredit aufzunehmen. Und das wird im Falle eines Kriegs mit US-Beteiligung nicht zuletzt vom US-Treasury bei der Notenbank der USA getan, der US Federal Reserve. Im Laufe der Zeit trug das mit zu der etwas seltsam anmutenden Konstellation bei, dass die USA mittlerweile gleichsam ihr größter Schuldner wie Gläubiger sind.

  2. Vgl. die Darstellung in Richard Heinberg: „Öl-Ende. Die Zukunft der industrialisierten Welt ohne Öl“, Riemann-Verlag, München, 2008, Seite 90.
  3. Daniel Yergin: “The Prize: The Epic Quest for Oil, Money, and Power“, Simon and Schuster, New York, 1991, Seite 20. Für den Aufstieg von John D. Rockefeller/Standard Oil siehe Kapitel 2, Seite 19 – 39.
  4. Vgl. Howard Zinn: “Peoples History of the United States, 1492 – Present“, Harper Collins, New York, 1999, Twentieth Anniversary Edition, Seite 257.
  5. Vgl. Richard Heinberg: „Öl-Ende“, a.a.O., Seite 93.
  6. Howard Zinn: “Peoples History of the United States“, a.a.O., Seite 257.
  7. Vgl. Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt. The Shocking Truth about our Money System and How We Can Break Free”, Third Millenium Press, Baton Rouge, 2007, Seite 120.
  8. Vgl. ebd., Seite 120ff. Siehe des Weiteren G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island“, Kopp Verlag, Rottenburg, 2006, Seite 465 ff.
  9. Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, Center for Libetarian Studies, 1995, veröffentlicht unter: http://mises.org/rothbard/WSBanks.pdf
  10. Murat Altuglu: „The New Great Game: Energiepolitik im kaspischen Raum“, Bouvier Verlag, Bonn, 2006, Seite 50 – 51.
  11. Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 93.
  12. Die zehn größten Unternehmen der Welt sind nach der “Global 500“-Liste des Fortune-Magazines 2009 gewesen: 1. Royal Dutch / Shell, 2. Exxon Mobil, 3. Wal-Mart, 4. BP, 5. Chevron, 6. Total, 7. Conoco Phillips, 8. ING Group, 9. Sinopec, 10. Toyota Motor. Vgl. die “Global 500“-Liste des Fortune-Magazines 2009 unter: http://money.cnn.com/magazines/fortune/global500/2009.

    Die französischen Rothschilds verkauften übrigens wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihre mit Baku verbundene Ölfirma Bnito an Royal Dutch – „und zwar nicht für Geld, sondern im Austausch gegen Royal-Dutch-Aktien.

    Guy de Rothschild: ‚So sind wir Aktionäre dieses internationalen Konzerns geworden; die gesamte Familie hat ein sehr wesentliches Royal-Dutch-Aktienpaket bekommen. Natürlich konnte man damals nicht ahnen, daß wenige Jahre später die russische Revolution ausbrechen würde, die den Wert der russischen Petroleumanteile auf Null reduzierte. Es ist ganz lustig, daß aus den von Paris aus verwalteten kaukasischen Quellen Royal-Dutch-Aktien geworden sind. Vgl. Der Spiegel, Ausgabe 35 / 1962, erschienen am 29. August 1962, online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45141360.html.

  13. Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 95.
  14. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel”, Interview mit Nomi Prins, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 22. Mai 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/05/22/finanzen-sind-ein-machtspiel/
  15. Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 94.
  16. Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O. Seite 121.
  17. Ebd., Seite 121ff. Richard Heinberg listet die Aufspaltung der Standard Oil Company in mehrere eigenständige Unternehmen wie folgt auf: Standard Oil of New Jersey (das später zu Exxon wurde), Standard Oil of New York (Mobil), Standard Oil of California (Chevron), Standard Oil of Ohio (Sohio, später von BP übernommen), Standard Oil of Indiana (Amoco, jetzt Teil von BP), Continental Oil (Conoco) und Atlantic (heute BP). John D. Rockefeller zog aus dieser Aufspaltung reichlichen Gewinn, und die neuen Gesellschaften vermieden es tunlichst, einander Konkurrenz zu machen. Siehe Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 104.

    Nach der Zerschlagung von Standard Oil entlang von Bundesstaatsgrenzen behielt die Familie Rockefeller jedenfalls eine Mehrheitsbeteiligung an jedem der neuen Unternehmen, und nach und nach begannen die neuen Unternehmen erneut zu fusionieren. Kurz und bündig zusammengefasst verband sich Standard Oil of Indiana mit Standard Oil of Nebraska und Standard Oil of Kansas, woraus 1985 Amoco wurde, das wiederum schließlich mit BP zusammenging. 1972 wurde Standard Oil of New Jersey zu Exxon. Standard Oil of New York ging mit Vacuum Oil zusammen, um Socony-Vacuum zu bilden, woraus 1966 Mobil wurde. 1984 schmolzen Standard Oil of California und Standard Oil of Kentucky zusammen, um Chevron zu bilden. Standard Oil of Ohio (Sohio) wurde von BP gekauft (zusätzlich zu Atlantic Richfield, ARCO).

    Die „gefährliche Verschwörung”, die nach dem Willen des Obersten Gerichtshofs der USA zum Schutz der Republik zerbrochen werden sollte, scheint also offensichtlich fortbestanden zu haben. Damit aber nicht genug. Bis Mitte der 1970er Jahre hatte sich ein global agierendes Ölkartell herausgebildet, dem der englische Autor Anthony Sampson, unter Rückgriff auf die Bezeichnung des italienischen Ölhändlers Enrico Mattei, den Namen “The Seven Sisters” gab (siehe Anthony Sampson: „Die Sieben Schwestern. Die Ölkonzerne und die Verwandlung der Welt”, Rowohlt Verlag, 1982). Dies waren: Royal Dutch / Shell, British Petroleum, Exxon, Mobil, Chevron, Texaco und Gulf. Nach einer Welle von Fusionen zur Wende ins 21. Jahrhundert waren es nur noch vier: Exxon Mobil, Chevron Texaco, BP Amoco and Royal Dutch / Shell. Vgl. Dean Henderson: „Die vier apokalyptischen Reiter hinter den Öl-Kriegen”, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 14. Juni 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/06/14/die-vier-apokalyptischen-reiter-hinter-den-olkriegen/

  18. Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 95.
  19. Vgl. Robert A. Mundell: “The International Monetary System in the 21st Century: Could Gold Make a Comeback?”, veröffentlicht von der Columbia University im März 1997 unter: http://www.columbia.edu/~ram15/LBE.htm
  20. Nach der Parlamentsentscheidung von 1767, Zölle vor allem auf Tee zu erheben, fanden koloniebergreifenden Boykott- und Protestaktionen statt, auf die Großbritannien mit der Maßnahme reagierte, dass es Truppenregimenter nach Boston, der Hauptstadt von Massachusetts, schickte. Im März 1770 folgten alsdann offene Feindseligkeiten zwischen den beiden Lagern, die als „Вoston Massaker” bekannt sind. Die Teezölle wurden beibehalten und 1773 noch verschärft, als es darum ging, der wirtschaftlich in Schwierigkeiten geratenen British East India Company eine Monopolstellung für den Verkauf von Tee in den amerikanischen Kolonien zu verschaffen. Hieraufhin kam es zur so genannten „Boston Tea Party”, bei der die kostbare Teeware, die auf den englischen Frachtschiffen lagerte, ins Hafenwasser befördert wurde. Ein Weg, der zur Amerikanischen Revolution führte, war geebnet.

    Im Zusammenhang mit der Geldschöpfung/Colonial Scrip und der Amerikanischen Revolution sei Benjamin Franklin zitiert. “He maintained that it was the poverty caused by the bad influence of the English bankers on the Parliament which has caused in the colonies hatred of the English and the Revolutionary War. This, he said, was the real reason for the Revolution: ‘The colonies would gladly have borne the little tax on tea and other matters had it not been that England took away from the colonies their money, which created unemployment and dissatisfaction.’” Zitiert in Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt“, a.a.O., Seite 42. Siehe hierzu des Weiteren insbesondere Stephen Zerlenga: „Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht“, Conzett Verlag, Zürich, 2008, Seiten 269-292.

  21. Ein wichtiger Blickwinkel auf die Entstehung, den Verlauf und den Nachhall der Amerikanischen Revolution als Lossagung vom UK und als Kriegspartei gegen England in der Fortsetzung des Siebenjährigen Krieges mit anderen Mitteln (finanziellen wie militärischen), würde ich empfehlen, sich einmal Lion Feuchtwangers “Arms for America: Ben Franklin in France“ und Ron Chernows Biographie “Alexander Hamilton“ anzuschauen, um sich ein Bild sowohl von der strategischen Lage der 13 Staaten (darunter des vorwiegend niederländischen New York) zwischen den Financiers aus Frankreich, den Niederlanden und indirekt denen aus Österreich zu verschaffen, als auch über die Person / Situation Hamiltons selber bei der Gründung der “Wall Street” bzw. der New Yorker Börse unter dem Buttonwood Tree (siehe das sogenannte “Buttonwood Agreement“ vom 17. Mai 1792). Das Kapitel in Chernows Buch über diese Organisationstat Hamiltons ist spannend und aufschlussreich.
  22. Jack Beatty: “Age of Betrayal. The Triumph of Money in America, 1865 – 1900”, Random House, 2007.
  23. Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 121.
  24. Die “Cross of Gold”-Rede von William Jennings Bryan gilt als eine der berühmtesten politischen Reden in der US-amerikanischen Geschichte. Sie wurde am 9. Juli 1896 beim Parteitag der Demokraten in Chicago gehalten. Es ging um einen Bi-Metallstandard bzw. ein Silber-zu-Gold-Verhältnis von 16:1. Die Rede findet sich in “The Annals of America, Vol. 12, 1895–1904: Populism, Imperialism, and Reform”, Encyclopedia Britannica, Inc., Chicago, 1968, S. 100–105.
  25. Vgl. Lars Schall: „Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung” (Teil 1), Interview mit F. William Engdahl, veröffentlicht auf Goldseiten.de am 31. März 2011 unter: http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=15770
  26. Howard Zinn: “Peoples History of the United States“, a.a.O., Seite 242. Zu den Hintergründen rund um Jay Cooke & Co. schreibt Murray N. Rothbard: “The first major investment banking house in the United States was a creature of government privilege. Jay Cooke, an Ohio-born business promoter living in Philadelphia, and his brother Henry, editor of the leading Republican newspaper in Ohio, were close friends of Ohio U.S. Senator Salmon P. Chase. When the new Lincoln Administration took over in 1861, the Cookes lobbied hard to secure Chase the appointment of Secretary of the Treasury. That lobbying, plus the then enormous sum of $100,000 that Jay Cooke poured into Chase’s political coffers, induced Chase to return the favor by granting Cooke, newly set up as an investment banker, an enormously lucrative monopoly in underwriting the entire federal debt.

    Cooke and Chase then managed to use the virtual Republican monopoly in Congress during the war to transform the American commercial banking system from a relatively free market to a National Banking System centralized by the federal government under Wall Street control. A crucial aspect of that system was that national banks could only expand credit in proportion to the federal bonds they owned, bonds which they were forced to buy from Jay Cooke. Jay Cooke & Co. proved enormously influential in the post-war Republican administrations, which continued their monopoly in under-writing government bonds. The House of Cooke met its well-deserved fate by going bankrupt in the Panic of 1874, a failure helped along by its great rival, the then Philadelphia-based Drexel, Morgan & Co.” Aus Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, a.a.O.

  27. Ron Chernow: „Die Warburgs: Odyssee einer Familie“, btb, Berlin, 1994, Seite 174.
  28. Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, Mises Institute, 2009, Seite 34, veröffentlicht unter: http://mises.org/document/6119/The-Origins-of-the-Federal-Reserve
  29. Zitiert in Myron T. Herrick: “The Panic of 1907 and Some of Its Lessons“, Annals of the American Academy of Political and Social Science, Volume 31 (Januar – Juni 1908).
  30. Vgl. Stephen Zerlenga: „Der Mythos vom Geld”, a.a.O., Seite 387, Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 124, sowie Andreas Popp: „Der Wärungscountdown. Das verfehlte Geldsystem: Ursachen und Lösungen”, Finanzbuch Verlag, München, 2008, Seite 220.
  31. Zitiert in Robert F. Bruner / Sean D. Carr: “The Panic of 1907. Lessons Learned from the Market’s Perfect Storm”, John Wiley & Sons Inc., Hoboken, New Jersey, 2007, Seite 109-110.
  32. Zitiert in Gary Allen / Larry Abraham: “None Dare Call It Conspiracy“, Buccaneer Books, Cutchoge, New York, 1971, Seite 51-52.
  33. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel”, a.a.O.
  34. Zitiert in Andreas Popp: „Der Wärungscountdown”, a.a.O., Seite 11, aus Richard O. Boyer / Herbert M. Morais: “Labor’s Untold Story – United Electrical, Radio & Machine Workers of America”, New York, 1955 / 1979. Das Buch von Popp gibt fälschlicherweise das Jahr 1889 an.

    Upton Sinclair beschrieb den Vorgang in seinem Buch “The Brass Check: A Study of American Journalism”, das 1920 erschien. Demnach kam es 1880 zu einem Bankett, das Swinton zu Ehren von den Bossen der Zeitungsbranche gegeben wurde. Eine Rede befasste sich huldvoll mit der „freien Presse”, woraufhin Swinton die schon zitierten Worte vorbrachte – wie er auch sagte: „Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, was soll also das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.”

  35. Vgl. Howard Zinn: “Peoples History of the United States”, a.a.O., Seite 262 – 264.
  36. Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 123.
  37. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers: The Hidden Alliances that Drive American Power“, Nation Books, New York, April 2014, Seite 23.
  38. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers: The Hidden Alliances that Drive American Power“, Nation Books, New York, April 2014, Seite 23.
  39. Ebd., Seite 27 – 28.
  40. Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 177.
  41. Ebd.
  42. Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 36.
  43. Vgl. ebd.
  44. Ebd.
  45. Vgl. ebd.
  46. Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 175.
  47. Ebd., Seite 173.
  48. Ebd., Seite 176.
  49. Ebd.
  50. Ebd.
  51. Vgl. ebd., Seite 176.
  52. Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 40.
  53. Ebd.
  54. Vgl. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.
  55. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 37.
  56. Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 177
  57. Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 44.
  58. Vgl. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.
  59. William Greider: “Secrets of the Temple: How the Federal Reserve Runs the Country”, Simon and Schuster, New York, 1987, Seite 276.
  60. G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island”, a.a.O., Seite 28.
  61. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 27
  62. Vgl. Stephen Zarlenga: „Der Mythos vom Geld“, a.a.O., Seite 393 – 394.
  63. Vgl. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 28.
  64. Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 45.
  65. Benannt nach Carter Glass und Robert Latham Owen, den beiden Vorsitzenden des House and Senate Banking and Currency Committee. Wie William Greidler in “Secrets of the Temple“ auf Seite 276 schreibt, geht der Glass-Owen Bill auf den Aldrich Bill zurück, der auf Jeckyll Island formuliert wurde: “The plan worked out by the group did, in fact, become the prototype for the final legislation. Aside from details, the same fundamentals were to be incorporated in the new central bank.”
  66. Vgl. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 278.
  67. Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt“, a.a.O., Seite 127.
  68. Zitiert in Louis T. McFadden: “Collective Speeches as Compiled from the Congressional Record“, Omni Publications, Hawthorne, 1970, Seite 309.
  69. Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, a.a.O.
  70. William Greider: “Secrets of the Temple”, a.a.O, Seite 270.
  71. Zitiert in Charles Seymour: “The Intimate Papers of Colonel House – Behind the Political Curtain 1912-1915“, Houghton Mifflin Company, Boston/New York, 1926, Seite 174. Bei Seymour steht “Jacob W. Schiff“ – was wohl ein Fehler des Herausgebers ist, denn korrekt wäre “Jacob H. Schiff“, wobei das “H“ für “Heinrich“ bzw. “Henry“ steht.
  72. Vgl. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 38. Eine Weitergestaltung des Federal Reserve Acts von 1913 war der Banking Act von 1935, den Franklin D. Roosevelt am 23. August 1935 unterzeichnete.
  73. David Rothkopf: „Die Super-Klasse. Die Welt der internationalen Machtelite“, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2009, Seite 468. Rothkopf zitiert den US-Ökonom Joseph Stieglitz, freilich in einem anderen Zusammenhang.
  74. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 50.
  75. G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island“, a.a.O., Seite 630.
  76. Vgl. Thanong Khanthong: “Not answerable to anyone”, veröffentlicht auf The Nation am 16. März 2012 unter: http://www.nationmultimedia.com/opinion/Not-answerable-to-anyone-30178042.html

    Bruce MacLaury von der Minneapolis Fed schreibt zur Frage der Unabhängigkeit der Federal Reserve:

    “First, let’s be clear on what independence does not mean. It does not mean decisions and actions made without accountability. By law and by established procedures, the System is clearly accountable to congress – not only for its monetary policy actions, but also for its regulatory responsibilities and for services to banks and to the public. Nor does independence mean that monetary policy actions should be free from public discussion and criticism – by members of congress, by professional economists in and out of government, by financial, business, and community leaders, and by informed citizens. Nor does it mean that the Fed is independent of the government. Although closely interfaced with commercial banking, the Fed is clearly a public institution, functioning within a discipline of responsibility to the ’public interest.’ It has a degree of independence within the government – which is quite different from being independent of government. Thus, the Federal Reserve System is more appropriately thought of as being ‘insulated’ from, rather than independent of, political – government and banking – special interest pressures. Through their 14-year terms and staggered appointments, for example, members of the Board of Governors are insulated from being dependent on or beholden to the current administration or party in power. In this and in other ways, then, the monetary process is insulated – but not isolated – from these influences. In a functional sense, the insulated structure enables monetary policy makers to look beyond short-¬term pressures and political expedients whenever the long-¬term goals of sustainable growth and stable prices may require ‘unpopular’ policy actions. Monetary judgments must be able to weigh as objectively as possible the merit of short-term expedients against long-term consequences—in the on-going public interest.”

    Vgl. “Federal Reserve Bank Governance and Independence during Financial Crisis”, veröffentlicht vom Levy Economics Institute of Bard College, April 2014, Seite 110, unter: http://www.levyinstitute.org/publications/federal-reserve-bank-governance-and-independence-during-financial-crisis[/ref]

    Weitere Krux: Gegenüber der Öffentlichkeit wurde die Fed „als Reservebank (verkauft), die helfen würde, der Öffentlichkeit Kredite anzubieten, den Kleinbauern, den kleinen Banken, die Amerika generell durch die Kreditbereitstellung für das System helfen würde, wenn es negative finanzielle Situationen gäbe.

    Realität ist aber, dass die Fed von Anfang gestaltet wurde, um die größten Banken zu schützen, die zufällig auch die am stärksten politisch, sozial und persönlich verbundenen Institute in den Vereinigten Staaten waren, und so funktionierte sie fort. Deshalb hielt sie all die Fusionen aufrecht, die im Laufe des Jahrhunderts auftraten; deshalb stellte sie Liquidität zum Vorteil der größten Banken bereit; und deshalb sind die großen sechs Banken heute größer – sie sind nicht alle dieselben sechs Banken wie damals, es sind größere Ableitungen von ihnen –, und sie sind größer als sie es jemals zuvor gewesen sind, und sie erhalten mehr Federal Reserve-Subventionen als je zuvor; und die Federal Reserve hat eine größere Bilanzsumme als je zuvor.“ [154]Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.

  77. Vgl. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 50.
  78. Vgl. ebd., Seite 736.
  79. Ebd., Seite 50.
  80. Vgl. ebd., Seite 50 – 51.
  81. Vgl. 275 U.S. 415 – United States Shipping Board Emergency Fleet Corporation v. Western Union Telegraph Co., gesprochen am 3. Januar 1928, veröffentlicht auf Open Jurist unter: http://openjurist.org/275/us/415. Unter Punkt 15 steht dort: Instrumentalities like the national banks or the federal reserve banks, in which there are private interests, are not departments of the government. They are private corporations in which the government has an interest. Compare Bank of the United States v. Planters’ Bank, 9 Wheat. 904, 907, 6 L. Ed. 244.
  82. Vgl. 680 F.2d 1239, John L. LEWIS, Plaintiff/Appellant v. UNITED STATES of America, Defendant/Appellee, No. 80-5905, United States Court of Appeals, Ninth Circuit, veröffentlicht unter: https://law.resource.org/pub/us/case/reporter/F2/680/680.F2d.1239.80-5905.html
  83. Vgl. Mark Pittman / James Sterngold / Hugh Son: “AIG Trustees Should Answer to Taxpayers, Not Fed, Towns Says”, veröffentlicht auf Bloomberg am 12. Mai 2009 unter: http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=avjlPu.bRVmk
  84. Vgl. “Freedom of Information Clips”, veröffentlicht auf CSPAN am 8. August 2012 unter: http://www.c-span.org/video/?c3668281/clip-freedom-information-cases.

    Die Aussage von Mizusawa, wonach die Fed-Regionalbanken „Privatbanken” seien, wurden vor dem Second Circuit Court of Appeals bezüglich der FOIA-Fälle “Fox News Network LLC v. Board of Governors of the Federal Reserve System” und “Bloomberg LP v. Board of Governors of the Federal Reserve System” vorgebracht. Fox News und Bloomberg wollten im Rahmen des Freedom of Information Act die Identität der Finanzinstitute erfahren, die Empfänger des Notfallkreditprogramms der US-Regierung infolge der Finanzkrise waren. Hieraus ergingen folgende Gerichtsbeschlüsse, zuerst vom States Court of Appeals, Second Circuit:

    The requests sought (in relevant part) detail about loans that the twelve Federal Reserve Banks made to private banks in April and May 2008 at the Discount Window and pursuant to ad hoc emergency lending programs (described in the margin )… The Board denied these requests (in relevant part) in December 2008. The Board conceded possession of records showing the loan information Bloomberg sought, with the exception of the collateral; collateral information is held by the lending Federal Reserve Banks. But the Board advised that the responsive information in its possession—contained in “Remaining Term Reports”–was exempt from disclosure under FOIA Exemptions 4 and 5. The Board did not search the lending records of the twelve Federal Reserve Banks, explaining that a request to the Board does not constitute a request for information held by those institutions.

    As the records of the Federal Reserve Bank of New York had not been searched, we need not decide here whether what may be found must be produced. (…)

    The Board and the Clearing House appeal only on the ground that a proper interpretation of FOIA Exemption 4 covers the requested material. No contest is made as to Exemption 5, or as to the scope of the Board’s (disputed) obligation to conduct a search of records at the Federal Reserve Bank of New York. Any argument that the Board had as to Exemption 5, or either side had as to the scope of the ordered search at the Federal Reserve Bank of New York is therefore deemed waived. Norton v. Sam’s Club, 145 F.3d 114, 117 (2d Cir.1998). Whether certain records of the twelve Federal Reserve Banks are records of the Board is an issue that is decided in an opinion-filed simultaneously with this opinion-in the appeal (heard in tandem with this appeal) from the Southern District’s decision in Fox News Network, LLC v. Board of Governors of the Fed. Reserve Sys., 639 F.Supp.2d 384 (S.D.N.Y.2009). See Fox News Network, LLC v. Bd. of Governors of the Fed. Reserve Sys, —F.3d —-, 2010 WL 986665 (2d Cir.2010).

    Der Gerichtsbeschluss in diesem letztgenannten Fall hieß:

    The Federal Reserve System–the central bank of the United States–is composed of twelve regional Federal Reserve Banks and the defendant-appellee Board of Governors of the Federal Reserve System (“Board”) in Washington, D.C. The Board is a federal agency that (among other things) supervises the operations of the twelve Federal Reserve Banks. (…) As the district court concluded, not all lending records of the twelve Federal Reserve Banks necessarily become records of the Board. However, Board regulations provide that some records at the Federal Reserve Banks– those kept at the Federal Reserve Banks under certain conditions for “administrative reasons”–are records of the Board; these must be searched. We remand to the district court to order further searches and to determine if the fruits of those searches must be disclosed. The district court did not reach the question of whether the Board misconstrued the scope of the Fox News FOIA requests (the district court having ruled these documents would be [**6] exempt from disclosure in any instance); we remand for further consideration of that question as well.

  85. Vgl. Lars Schall: “Are the 12 Regional Banks of the Fed Private Entities?”, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 9. Juli 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/07/09/are-the-12-regional-banks-of-the-fed-private-entities/

    Siehe auch die rechtliche Auseinandersetzung, die William Greider über das Federal Reserve-Gebäude in Washington DC nacherzählt, in der es darum ging, ob die Fed Grundrechtssteuer zu zahlen habe oder nicht. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 48 – 50.

  86. Vgl. ebd. Zitiert in National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Memorandum for the Record (MFR) of the Briefing by Dino Kos of the Federal Reserve Bank of New York Conducted by Team 8, 01/09/2004, veröffentlicht auf Online Public Access unter: http://research.archives.gov/description/2610129
  87. Siehe Lars Schall: “Are the 12 Regional Banks of the Fed Private Entities?”, a.a.O.
  88. Vgl. ebd.
  89. L. Randall Wray: “The Greatest Myth Propagated About The FED: Central Bank Independence (Part 1)”, veröffentlicht auf New Economic Perspectives am 9. Januar 2014 unter: http://neweconomicperspectives.org/2014/01/greatest-myth-propagated-fed-central-bank-independence-part-1.html. Wray beruft sich hierbei auf Forschungsergebnisse von Bernard Shull, Professor Emeritus, Hunter College, CUNY.
  90. Lars Schall: „Geld ist Macht (Money Talks)“, Interview mit Norbert Häring, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 18. April 2013 unter: http://www.larsschall.com/2013/04/18/geld-ist-macht-money-talks/
  91. Lars Schall: “Europe is not really an independent entity”, Interview mit Paul Craig Roberts, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 21. Dezember 2013 unter: http://www.larsschall.com/2013/12/21/europe-is-not-really-an-independent-entity/
  92. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.
  93. Vgl. Lars Schall: „Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung” (Teil 1), a.a.O.
  94. J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, a.a.O.
  95. Vgl. Lars Schall: “Our Whole Financial System Is An Illusion“, Interview mit Michael Maloney, veröffentlicht auf GoldSwitzerland am 13. Juli 2011 unter: http://goldswitzerland.com/index.php/our-whole-financial-system-is-an-illusion/
  96. Lars Schall: „Vom exponentiellen Wahnsinn des Geldsystems“, Interview mit Prof. Bernd Senf, erschienen auf LarsSchall.com am 3. November 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/11/03/vom-exponentiellen-wahnsinn-des-geldsystems/
  97. Siehe Richard Heinberg: „Öl-Ende“, a.a.O., Seite 291, Kapitel: Physische Wirtschaft und Finanzwirtschaft. Siehe des Weiteren M. King Hubbert: “Two Intellectual Systems: Matter-energy and the Monetary Culture”, veröffentlicht unter: http://www.hubbertpeak.com/hubbert/monetary.html
  98. David Rothkopf: „Die Super-Klasse“, a.a.O., Seite 464.
  99. Dean Henderson: „Die vier apokalyptischen Reiter hinter den Öl-Kriegen“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 14. Juni 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/06/14/die-vier-apokalyptischen-reiter-hinter-den-ol-kriegen/
  100. Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust: The Council on Foreign Relations and United States Foreign Policy”, Authors Choice Press, New York: 2004, Seiten 58-59.
  101. Ebd., Seiten 60-62.
  102. Ebd., Seiten 62-64.
  103. Ebd., Seiten 66-67.
  104. Ebd., Seiten 66-70.
  105. Ebd., Seiten 77-78.
  106. Ebd., Seiten 78-79.
  107. Ebd., Seiten 86-88.
  108. Ebd., Seiten 92-95.
  109. Ebd., Seiten 97-98.
  110. Ebd., Seiten 102-104.
  111. Ebd., Seiten 106-107.
  112. David Rockefeller: “Memoirs”, New York: Random House, 2002, Seite 85.
  113. Ebd., Seite 113.
  114. Ebd., Seiten 149-151.
  115. Richard Bernstein: “‘I.B.M. and the Holocaust’: Assessing the Culpability”, veröffentlicht auf New York Times am 7. März 2001 unter: http://www.nytimes.com/2001/03/07/arts/07BERN.html?pagewanted=all
  116. David Rockefeller: “Memoirs”, a.a.O. Seite 149.
  117. Ebd., Seite 363.
  118. Obituaries, William Bundy. The Telegraph, 9. Oktober 2000, unter: http://www.telegraph.co.uk/news/obituaries/1369483/William-Bundy.html
  119. Cary Reich: “The Life of Nelson A. Rockefeller: Worlds to Conquer 1908-1958”, Doubleday, New York, 1996, Seite 559.
  120. Robert Kagan, “The Benevolent Empire,” Foreign Policy (No. 111, Summer 1998), Seite 26.
  121. Ebd., Seite 28.
  122. Sebastian Mallaby, “The Reluctant Imperialist: Terrorism, Failed States, and the Case for American Empire,” Foreign Affairs (Vol. 81, No. 2, March-April 2002), Seite 6.
  123. Ebd., Seite 2.
  124. Niall Ferguson, “The Unconscious Colossus: Limits of (& Alternatives to) American Empire,” Daedalus (Vol. 134, No. 2, On Imperialism, Spring 2005), page 21.
  125. Ebd., Seiten 21-22.
  126. Arthur Schlesinger, Jr., “The American Empire? Not so Fast,” World Policy Journal (Vol. 22, No. 1, Spring 2005), Seite 45.
  127. Michael Cox, “Empire by Denial: The Strange Case of the United States,” International Affairs (Vol. 81, No. 1, January 2005), Seite 18.
  128. Geir Lundestad, “‘Empire by Invitation’ in the American Century,” Diplomatic History (Vol. 23, No. 2, Spring 1999), Seite 189.
  129. Bruce Cumings, “The American Century and the Third World,” Diplomatic History (Vol. 23, No. 2, Spring 1999), Seite 356.
  130. Ebd., Seiten 358-359.
  131. CFR, War and Peace. CFR History: http://www.cfr.org/about/history/cfr/war_peace.html
  132. Joan Roelofs, Foundations and Public Policy: The Mask of Pluralism (New York: State University of New York Press, 2003), Seite 74.
  133. Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, Palgrave Macmillan, New York, 2006, Seiten 43-45.
  134. Ebd., Seite 45.
  135. Ebd., Seite 46.
  136. Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., Seite 118.
  137. Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, a.a.O., Seite 48.
  138. Ebd., Seiten 49-51.
  139. Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., Seiten 166-167.
  140. Ebd., Seiten 168-169.
  141. Joan Roelofs: “Foundations and Public Policy: The Mask of Pluralism”, State University of New York Press, New York, 2003, Seite 159.
  142. Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, a.a.O., Seite 51.
  143. Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., 169-171.
  144. Joan Roelofs: “Foundations and Public Policy”, a.a.O., Seite 160.
  145. Kevin Cole: „Professor Carroll Quigley und der Artikel, der zu wenig sagte“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 27. Januar 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/01/27/professor-carroll-quigley-und-der-artikel-der-zu-wenig-sagte/
  146. Wilhelm Bittorf: „Ein Politbüro für den Kapitalismus?“, Der Spiegel, Ausgabe 50 / 1975, erschienen am 8. Dezember 1975, online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html
  147. Vgl. Norbert Häring: “The veil of deception over money: how central bankers and textbooks distort the nature of banking and central banking” (zu Deutsch in etwa: “Der Schleier der Täuschung über dem Geld: Wie Zentralbanker und Lehrbücher die Natur des Banken- und Zentralbankengeschäfts verzerren”), veröffentlicht auf World Economics Association unter: http://www.paecon.net/PAEReview/issue63/Haring63.pdf
  148. Lars Schall: „Geld ist Macht (Money Talks)“, a.a.O.
  149. Vgl. Lars Schall: “Our Whole Financial System Is An Illusion“, a.a.O.
  150. Steve Keen: „Der Geld-Illusions-Schock der Bank of England“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 24. März 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/03/24/der-geld-illusions-schock-der-bank-of-england/

    Die deutsche Zentralbank, die Bundesbank in Frankfurt am Main, äußerte sich zur Geldschöpfung durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken aus dem Nichts in den Jahren 2007 und 2010 übrigens wie folgt:

    „Bei der Giralgeldschöpfung unterscheidet man die ,aktive‘ und die ‚passive‘ Geldschöpfung der Banken. So entsteht Giralgeld durch Einzahlung von Bargeld auf Girokonten. Bei dieser ,passiven‘ Form der Giralgeldschöpfung ändern sich die gesamten Geldbestände der Wirtschaft (also Giralgeld in Händen der Nichtbanken plus Bargeld) nicht. Daneben ist das Bankensystem aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen.” – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S. 59.

    „Die ,Überschussreserve’ im Bankensystem wird immer kleiner. Der Prozess der Giralgeldschöpfung wird dadurch gebremst. Jede einzelne Bank kann immer nur einen Bruchteil ihres Liquiditätszuflusses ausleihen. Trotzdem sind am Ende die Einlagen im Bankensystem – das Giralgeld – um ein Mehrfaches derjenigen Einlage gestiegen, die durch die ursprüngliche Kreditgewährung entstanden ist. Man spricht deshalb auch von der ,multiplen Giralgeldschöpfung’ (multipel = vielfach). Der Geldschöpfungsprozess erscheint damit wie Zauberei: Die Banken schöpfen anscheinend selbst Geld, ohne die Deutsche Bundesbank nötig zu haben. Einer höheren Forderung an die Nichtbanken stehen höhere Einlagen derselben gegenüber: Die Geldmenge ist gewachsen.” – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S.62.

    „In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z.B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Giralgeld entstanden bzw. wurden 1.000 Euro Giralgeld geschöpft. (…) Die Giralgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.” – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 68.

    „Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit gewährt, finanziert sie diesen in einem ersten Schritt dadurch, dass sie (…) den entsprechenden Betrag an Giralgeld selbst schafft.” – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 71.

    „Geld entsteht durch ‚Geldschöpfung‘. Sowohl staatliche Zentralbanken als auch private Geschäftsbanken können Geld schaffen. Im Eurosystem entsteht Geld vor allem durch die Vergabe von Krediten, ferner dadurch, dass Zentralbanken oder Geschäftsbanken Vermögenswerte ankaufen, beispielsweise Gold, fremde Währungen, Immobilien oder Wertpapiere. Wenn die Zentralbank einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt und den Betrag auf dem Konto der Bank bei der Zentralbank gutschreibt, entsteht ,Zentralbankgeld‘. Die Geschäftsbanken benötigen es zur Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht, zur Befriedigung der Bargeldnachfrage und für den Zahlungsverkehr. (…) Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 88.

  151. Gemeint ist hier Joseph Schumpeter: „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.“
  152. Eduard Braun: „Schumpeters entlarvende Analyse unseres Geldsystems“, veröffentlicht auf Ludwig von Mises Institut Deutschland am 12. März 2014 unter: http://www.misesde.org/?p=7383
  153. Ellen Hodgson Brown: “Time for a New Theory of Money”, veröffentlicht auf Yes Magazine am 28. Oktober 2010 unter: http://www.yesmagazine.org/new-economy/time-for-a-new-theory-of-money

Staatsanleihen – oder: Warum leiht der Staat über Banken dem Staat Geld? *

von Herbert Ludwig

Das BuchgeldDas Buch- oder Giralgeld, das ca. 90% des Geldvolumens ausmacht, entsteht durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken. Diese verleihen entgegen dem Glauben der Bürger, den sie fortgesetzt nähren, nicht das Geld der Anleger – dieses dient lediglich als Reserve, von der das Hundertfache als Kredit vergeben werden kann -,  sondern schöpfen Geld aus dem Nichts. (Siehe: Die Geldschöpfung der Banken) Dieses Geld ist also nur insoweit vorhanden, als Kredite vergeben und damit Schulden gemacht werden. Würden alle Kredite zurückgezahlt, wären 90% des Geldes verschwunden. Das würde zum Zusammenbruch des Systems führen. Es ist also systemisch intendiert, dass nur dann genügend Geld vorhanden ist, wenn ständig Schulden gemacht werden. So kann das Geld unbegrenzt wachsen. Schon durch Zins und Zinseszins muss das Geld unaufhörlich zunehmen und, wie in der derzeitigen Finanzkrise auch deutlich wird, sein Volumen die vorhandenen Waren und Dienstleistungen übersteigen, weshalb wir es mit einer ständigen Inflation zu tun haben. Sie ist also beabsichtigt und soll nur in einem kontrollierten Rahmen ablaufen. „Dies entlarvt auch die Politiker, die vom Schuldenabbau reden, denn dieser ist in so einem System gar nicht möglich.“ (Oliver Janich: Das Kapitalismus-Komplott, München 2011, S. 84) Anders W. Schäuble, der in einer der ihm in seltenen Augenblicken eigenen spontanen Ehrlichkeit im Oktober 1913 erklärte: „Wenn mich junge Menschen fragen, wann wir endlich ganz ohne Schulden sind, dann sage ich: Hoffentlich nie. Denn Schulden verschwinden nur nach einer Währungsreform.“ (Nachweis in: Matthias Weik & Marc Friedrich: Der Crash ist die Lösung, Köln 2014, S. 85)

Staatsanleihen

Auch der Staat macht, wie Deutschlands Finanzminister stolz bezeugen, laufend Schulden, weil den Politikern die Steuern nicht reichen, um ihre zahllosen Ausgaben zu decken, und sie die Steuern aus wahltaktischen Gründen nicht erhöhen wollen. Denn dann stünde ihre Ausgabenpolitik beim Wahlvolk auf dem Prüfstand. Höhere Steuern spüren die Bürger unmittelbar, während das Schuldenmachen fern von ihnen abläuft und von den wenigsten in seinen Auswirkungen durchschaut wird. Das Instrument staatlicher Geldbeschaffung ist die Staatsanleihe. Sie ist ein Wertpapier, das der Staat verkauft und ein verzinsliches Darlehen dafür erhält. Die größten Käufer sind Banken und Versicherungsgesellschaften, vor allem in Zeiten finanzieller Unsicherheit. Denn besonders bei wirtschaftlich starken Staaten sind Staatsanleihen absolut sicher, bürgen doch schließlich alle Bürger (deshalb heißen sie wohl so) automatisch mit ihrem Hab und Gut dafür.

Der unaufhörliche Zinsstrom

Die Staatsschulden (von Bund, Ländern und Gemeinden zusammen) sind seit 1950 von 10 Milliarden auf 2.065 Milliarden (= 2 Billionen 65 Milliarden) im Jahr 2012 gestiegen. Dem entsprechend haben sich die Zinszahlungen entwickelt.

Nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler gaben Bund, Länder und Gemeinden in den Siebzigerjahren für Zinszahlungen 102,87 Milliarden Euro aus; in den Achtzigerjahren waren es bereits 263,65 Milliarden Euro; in den Neunzigerjahren haben sich die Zinszahlungen bereits auf 595,09 Milliarden Euro verdoppelt. Das letzte Jahrzehnt bescherte uns trotz historisch niedriger Zinsen Zinszahlungen in Höhe von 649,69 Milliarden Euro. In den letzten 40 Jahren hat der deutsche Steuerzahler sage und schreibe 1.611,3 Milliarden Euro Zinsen bezahlt. Allein 2011 gibt Deutschland ungefähr 62 Milliarden Euro nur für Zinszahlungen aus. (Vgl. Matthias Weik & Marc Friedrich: Der größte Raubzug der Geschichte, Bastei Lübbe TB 2014, S. 277)

Durch die weitere Zinssenkung betrugen die Zinszahlungen im Jahr 2013 „nur noch“ 55 Milliarden, davon allein die des Bundes 35 Milliarden. Aber schon eine Zinssteigerung von 1% ließen allein die Zinsen des Bundes wieder um 13 Milliarden jährlich steigen (Webseite Steuerzahler.de). Die Zinsen des Bundes sind bereits der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt, nach dem für Soziales. Gigantische 55 Milliarden Euro zahlen wir also pro Jahr ausschließlich an Zinsen an die Besitzer der Staatsanleihen. Nach Wikipedia sind das zu ca. 60 % inländische, zu 40 ausländische Gläubiger. Die inländischen Gläubiger sind zu ca. zwei Dritteln inländische Banken und zu einem Drittel Versicherungen, Unternehmen und Privatpersonen. Die weitaus meisten Gläubiger des Staates, die Banken, geben ihm, wie wir wissen, aus dem Nichts geschöpftes Buchgeld, für das sie bei Staatsanleihen keinerlei Eigenkapital hinterlegen müssen, da diese bisher als sicher gelten, denn Staaten können (dürfen) nicht pleitegehen.

Warum verleiht der Staat über private Banken dem Staat Geld?

Europäische ZentralbankDie europäische Währung ist ein von staatlichen Institutionen kreiertes Geldsystem. Der Euro wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegeben und verantwortet. Die EZB gehört den nationalen Zentralbanken, die alleinige Inhaber ihres Kapitals sind. 18,93% gehören der Deutschen Bundesbank. (Weik/Friedrich a.a.O., S. 22) Diese hat die Stellung einer obersten Bundesbehörde. Der Staat verleiht also durch seine Zentralbank den privaten Geschäftsbanken zu niedrigsten Zinsen Geld, bzw. gibt ihnen das Recht, selbst Geld zu schöpfen, um es dann wieder von ihnen via Staatsanleihen zu hohen Zinsen zu leihen, die seine Bürger bezahlen müssen. Warum liefert der Staat seine Bürger, ach was sag ich, den Souverän des Staates den privaten Bankstern aus, um ihn von diesem zwielichtigen Gewerbe mit horrenden Zinsgewinnen unaufhörlich ausnehmen zu lassen?

„Zumeist kommt ein und dieselbe Antwort: Weil der Staat dann Geld ohne Ende druckt und es folglich Inflation gibt. Dummerweise haben wir aber auch jetzt Inflation. Der US-Dollar hat bekanntlich seit Gründung der Notenbank FED 1913 ungefähr 96 Prozent seiner Kaufkraft verloren und der Euro seit seiner Gründung 1999 knapp 22 Prozent.“ (Weik/Friedrich a.a.O., S. 275) Derzeit druckt die EZB sogar Geld in unvorstellbarem Maße, um im Rahmen der Eurokrise notleidende Staaten und Banken zu stützen.

Die richtige Antwort ist natürlich, dass die Politik längst von der Finanzindustrie abhängig ist und in ihrem Dienste agiert. „Die bisherigen Vorkommnisse zeigen, dass die Politik immer mehr ein Handlanger der Finanzwirtschaft ist und deren Interessen gnadenlos gegen die eigene Bevölkerung durchsetzt. Global werden die Staaten und ein immer größerer Teil der Bevölkerung aufgrund der Struktur des Geldsystems immer tiefer in die Schuldenfalle getrieben.“ (a.a.O., S. 295) Zu diesem Urteil kommen nicht nur Systemkritiker, sondern auch deren Repräsentanten. So äußerte sich Hans Tietmeyer, ehemaliger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank: „Ich habe bisweilen den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“ Das heißt aber auch: Die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank, die ja auch von einem ehemaligen Goldman-Sachs-Banker geleitet wird, arbeiten primär nicht im Interesse der gesamten Bevölkerung, sondern der 10% Reichen und Mächtigen. Das tritt bei der amerikanischen Notenbank, der FED, noch ungeschminkter zutage, betreibt sie doch ihre Geschäfte noch nicht einmal hinter einer staatlichen Fassade, sondern arbeitet offen als private Bank, die den größten Finanzinstituten der USA gehört.

Die Aufgabe des Staates

Es wäre zu kurz gegriffen, wenn man jetzt den Schluss zöge: Also muss die Bundesbank dem Staat für seine Ausgaben Kredite zinslos oder zu geringen Zinsen zur Verfügung stellen. Denn die vorher zu klärende Frage ist, in welchem Umfange der Staat überhaupt zu Ausgaben berechtigt ist, also welche Aufgaben in die Kompetenz des Staates gehören.

Wie in vorangegangenen Artikeln immer wieder aufgezeigt, kann in einer wahrhaften Demokratie die Aufgabe des Staates nur darin bestehen, für die innere und äußere Sicherheit der Menschen zu sorgen und durch einen entsprechenden rechtlichen Rahmen das selbstverantwortliche Handeln des freien Menschen zu ermöglichen und zu fördern. Die staatliche Ordnung ist nicht Selbstzweck, sondern hat der Entwicklung des Menschen zur freien Individualität zu dienen. „Gesetze dürfen danach nicht die inhaltliche Regelung der wirtschaftlichen und kulturell-geistigen Tätigkeit der Bürger, ihr physisches und moralisches Wohl, zum Ziele haben. Denn dann setzt sich der Staat an die Stelle der Handlungsintentionen des freien Menschen, schaltet mit der Selbstbestimmung seine Freiheit aus und verletzt ihn in seiner Würde als autonomes Wesen. Der Mensch wird dann nicht als mündiges Subjekt, sondern als Objekt des Willens anderer behandelt und erniedrigt. … Der Staat tritt als Vormund auf, der unausgesprochen voraussetzt, dass die Menschen unmündig seien, denen von den wenigen Mündigen im Staate (…) vorgeschrieben werden müsse, was das Richtige und Beste für sie sei.“ (Fassade „Demokratie“)

Legt man diesen Maßstab an die heutigen Staatsausgaben an, reduzieren sie sich gewaltig. Oliver Janich, der vom Gesichtspunkt der Österreichischen Schule der Nationalökonomie die Rückführung des Staates auf seine eigentlichen Aufgaben fordert, hat eine auf „Eurostat“ basierende Aufstellung gemacht, wonach 2001 die Ausgaben des deutschen Staates 48,3% des Bruttoinlandproduktes (BIP) betrugen.

Auf die wirklich notwendigen Staatsausgaben – äußere und innere Sicherheit – entfallen in Deutschland (…) nur 2,8% des Bruttoinlandproduktes! (…)
Staatsfans würden natürlich auch die Ausgaben der öffentlichen Verwaltung (6,3%) als unentbehrlich ansehen. Unglücklicherweise verbergen sich hinter diesem Begriff laut Eurostat Ausgaben im Zusammenhang mit Exekutiv- und Legislativorganen, Finanz- und Steuerwesen, auswärtigen Angelegenheiten, Wirtschaftshilfe für das Ausland, allgemeinen Diensten, Forschung und Entwicklung sowie Zinszahlungen und andere mit der Verschuldung zusammenhängende Ausgaben. (…)
Da dort auch die Zinszahlungen enthalten sind, dürfte dies den größten Brocken darstellen. (…) Auch die anderen oben genannten Ausgaben sind unnötig, wie zum Beispiel die des Steuerwesens, weil es in meinem Idealstaat (…) weder Staatsverschuldung noch Steuern gibt, außer den Mehrwertsteuern.“ (Das Kapitalismuskomplott, S. 99, 100)

Staatsverschuldung Europa 2012Wirtschaftliche Angelegenheiten (4,3% des BIP) sowie das Gesundheitswesen (6,3%) gehören natürlich in ein selbstverwaltetes Wirtschaftsleben und Bildung (4,2%), Freizeitgestaltung, Sport, Kultur, Religion (0,7%) in ein selbstverwaltetes Geistesleben. Der größte Posten der sozialen Sicherung mit 21,9% lastet nur deshalb auf dem Staat, weil er selbst versäumt, durch entsprechende Rahmengesetze dafür zu sorgen, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht wenigen zugutekommt, sondern gerecht verteilt wird, so dass jeder genügend Einkommen hat, um sich für Notfälle abzusichern.

Zu den verbleibenden Ausgaben des Staates für innere und äußere Sicherheit von 2,8% kann man allenfalls noch Kosten für kommunale und strukturelle Einrichtungen mit 1,1% und Umweltschutz mit 0,6% rechnen, so dass notwendige Staatsausgaben von 4 – 5% des BIP beim Staat verbleiben, die leicht durch entsprechende Ausgabensteuern gedeckt werden können. Für aufzunehmende Kredite ergibt sich keinerlei Notwendigkeit.

Wohin gehört die Verantwortung für das Geld?

Geld ist ein Tauschmittel, das den Tausch von Waren und Dienstleistungen im Wirtschaftsleben vermitteln soll. Daher gehört die Verantwortung für das Geldsystem auch in entsprechende Organe der Selbstverwaltung des Wirtschaftslebens. Es gibt keinen Grund, es dem Staat zu überlassen, im Gegenteil. Rudolf Steiner erhob diese Forderungen bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts:

„Da wird … nicht mehr die Staatsverwaltung das Geld als gesetzliches Zahlungsmittel anzuerkennen haben, sondern diese Anerkennung wird auf den Maßnahmen beruhen, welche von den Verwaltungskörpern der Wirtschaftsorganisation ausgehen. Denn Geld kann im gesunden sozialen Organismus nichts anderes sein als eine Anweisung auf Waren, die von andern erzeugt sind und die man aus dem Gesamtgebiet des Wirtschaftslebens deshalb beziehen kann, weil man selbst erzeugte Waren an dieses Gebiet abgegeben hat. Durch den Geldverkehr wird ein Wirtschaftsgebiet eine einheitliche Wirtschaft. Jeder produziert auf dem Umwege durch das ganze Wirtschaftsleben für jeden. Innerhalb des Wirtschaftsgebietes hat man es nur mit Warenwerten zu tun.“ (Die Kernpunkte der sozialen Frage, Dornach 1961, S. 130)
„Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus.“ (Die Befreiung des Menschenwesens als Grundlage für eine soziale Neugestaltung, Dornach 1985, S. 140)
„Die Währungsfrage wird niemals ein Staat in befriedigender Art durch Gesetze lösen; gegenwärtige Staaten werden sie nur lösen, wenn sie von ihrer Seite auf die Lösung verzichten und das Nötige dem von ihnen abgesonderten Wirtschaftsorganismus überlassen.“ (Die Kernpunkte, S. 133)

Der Verwaltungskörper des Wirtschaftslebens kann natürlich nicht in einer zentralen hierarchisch aufgebauten Struktur bestehen, durch welche die Selbstbestimmung des Einzelnen wieder ausgeschaltet werden würde, sondern in konkreten Beratungs- und Vereinbarungsgremien, die Rudolf Steiner Assoziationen nennt, in denen Vertreter der jeweiligen Produktion, Konsumtion und des Handels zusammenkommen. Die Assoziation entsteht

„ … dadurch, daß sich die einzelnen Wirtschaftenden zusammenfinden, und daß jeder einzelne nicht das aufnimmt, was aus irgendeiner Zentralstelle heraus gemacht wird, sondern daß der einzelne das beitragen kann, was er aus seiner Erkenntnis des Gebietes, in dem er darinnensteht, weiß und kann. Und aus dem Zusammenarbeiten, bei dem ein jeder sein Bestes gibt und wo das, was geschieht, durch den Zusammenklang einer Anzahl entsteht, aus solchen Assoziationen kann sich erst alles übrige Wirtschaftliche ergeben. Solche Assoziationen werden sich zusammenfügen. … In diesen Assoziationen werden vereinigt sein diejenigen, die Produktion, Handel treiben, und die Konsumenten. Und bloß Produktion, Zirkulation der Waren, der Güter und Konsumtion werden darinnen eine Rolle spielen.“
(R. Steiner: Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit, Dornach 1981, S. 304, 305)

Eine entsprechende Assoziation wird für das Geldwesen zuständig sein. Das Geld befindet sich dann nicht in der Macht des Staates bzw. in den Händen anonymer Finanzkreise, sondern in der Hand im Wirtschaftsleben handelnder Menschen selbst, die ihren Mitbürgern gegenüber unmittelbar verantwortlich sind. Dadurch wäre das Geldsystem wahrhaft demokratisiert.

Herbert Ludwig

* Diese Frage wird in dem Bestseller von Matthias Weik & Marc Friedrich: „Der größte Raubzug der Geschichte“ gestellt. Aus den Anregungen in diesem sehr empfehlenswerten Buch ist dieser Artikel entstanden.


Autor: Herbert Ludwig – FASSADENKRATZER – Nach kaufmännischer Lehre Studium und Ausbildung zum Rechtspfleger, 4 Jahre Tätigkeit an hessischen Amtsgerichten. Danach Studium an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen mit den Schwerpunkten Erziehungswissenschaften, Philosophie, Geschichte, Deutsch, sowie Waldorfpädagogik am Waldorflehrer-Seminar Stuttgart. 27 Jahre Lehrer an der “Goetheschule – Freie Waldorfschule – Pforzheim”. Ruhestand.

Textquelle: FASSADENKRATZER

Bild- und Grafikquellen:

  1. Das Buchgeld – Deutsche Bundesbank
  2. Beitragsbild: Rendite im Blick – Andreas Hermsdorf  / pixelio.de
  3. Europäische Zentralbank – Ingo Heemeier / pixelio.de
  4. Staatsverschuldung Europa 2012 – Eurostat

Federal Reserve, die mächtigste Finanzinstitution der Welt

von Caillea

Der Gründer der Rothschild-Bankendynastie, Mayer Amschel Rothschild (1744-1812), wusste wovon er sprach, als er den Satz formulierte: “Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.” Mayer Amschel Rothschild und sein Sohn Nathan waren im 19. Jahrhundert die wichtigsten Finanziers europäischer Staaten. Etwa einhundert Jahre lang, bis hinein ins 20. Jahrhundert, war das Haus Rothschild die weltgrößte Bank. Vertreter dieser Dynastie waren im Jahr 1910 mit weiteren 6 Männern der Finanzelite an dem größten Bluff beteiligt, welchen die Finanzwelt bis dato gesehen hatte und dieser sollte die Welt verändern.

Die Geschichte der mächtigsten Notenbank der Welt (FED) beginnt mit einer Geheimmission. In einer Novembernacht im Jahr 1910 treffen sich acht Männer auf einem verlassenen Bahnsteig der Kleinstadt Hoboken, wenige Kilometer vor Manhattan. Einer von ihnen, Senator Nelson Aldrich, hatte die Gruppe zu großer Vorsicht eingeschworen: Redet mit niemandem auf dem Weg, schüttelt die Reporter ab und sagt euren Familien, ihr fahrt auf Entenjagd. Aldrich war Senator von Rhode Island und Vorsitzender der nationalen Währungskommission. Er war allerdings nicht nur Fürsprecher des Großkapitals im Senat. Er war gleichzeitig Teil davon. Aldrich war Teilhaber der Bank JP Morgan. Und er war der Schwiegervater von John D. Rockefeller jr. – einem der reichsten Männer der Welt.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit bestiegen die Männer den privaten Eisenbahnwagen von Aldrich. In der Dunkelheit der Nacht trat er seine Reise an, 1.300 Kilometer nach Süden bis in die Küstenstadt Brunswick, Georgia. Von dort setzten die Männer mit einem Schiff nach Jekyll Island über. Außer Aldrich saßen im Wagen noch Frank Vanderlip, Präsident der National City Bank of New York und Vertreter von William Rockefeller und der Investmentbank Kuhn, Loeb & Company, Henry Davison, Teilhaber von JP Morgan, Charles Norton, Präsident der First National Bank of New York, Benjamin Strong von JP Morgan Bankers Trust sowie Paul Warburg, Partner von Kuhn, Loeb sowie Vertreter der Rothschilds.

Auf der kleinen Insel Jekyll Island trafen sich eigentlich die reichsten Menschen der Welt zum Jagen, Golfen und Reiten. Die nächsten zehn Tage aber gehörte die Insel ganz den sieben Männern, die sich nur mit ihren Vornamen ansprachen. Die Bediensteten sollten keinen Hinweis bekommen, wer dort im Salon tagt. Gemeinsam entwarfen sie die Blaupause einer bundesweiten Notenbank für die USA. Es sollte noch drei Jahre dauern, aber dann wurde der Plan vom Kongress verabschiedet. Am 23. Dezember 1913 setzte US-Präsidenten Woodrow Wilson den Federal Reserve Act in Kraft.

Erst viele Jahre nach dem Geheimtreffen sollte die Öffentlichkeit über die Details der Konferenz auf Jekyll Island unterrichtet werden.

Das Fed-System besteht aus zwölf Regionalbanken. Besitzer sind alle großen Geschäftsbanken des Landes. Die Regierung benennt die Gremiumsmitglieder (Board of Governors of the Federal Reserve System (Bundesbankrat) in Washington, D.C.) und dem Senat wird regelmäßig Bericht erstattet. In ihren Entscheidungen ist die Notenbank frei. Dafür bekommt der Staat den Großteil des Fed-Gewinns.

Exkurs: Roosevelts „New Deal“Quelle: MMNews

Nach dem großen Wirtschafts-Zusammenbruch 1929, der von der Federal Reserve durch eine drastische Steigerung des Mindest-Reservesatzes gezielt ausgelöst worden war, schloß Roosevelt am 5. März 1933 unter Umgehung des Kongresses in einem verfassungswidrigen Akt (der Präsident ist lediglich Chef der Exekutive!) im Auftrag Rothschilds die Banken, setzte den garantierten Umtausch von Banknoten in Gold aus und verbot den Privatbesitz von Gold! („New Deal“) Einen Tag später, am 6. März 1933, wurde der „Trading with the Enemy Act“ des Ersten Weltkrieges rückwirkend geändert, um Roosevelts Verfassungs- und Gesetzesbruch nachträglich zu „rechtfertigen“. Unter dem heuchlerischen Vorwand, mit dieser Maßnahme den „nationalen Notstand“ nach der großen Depression von 1929 beenden zu wollen, zwang er die U.S.-Bürger, bis zum April 1933 ihren gesamten privaten Goldbesitz bei den Banken der Federal Reserve (!) abzuliefern – andernfalls drohte ihnen eine Geldstrafe von mindestens 10.000 (zehntausend) Dollar und zusätzlich eine Gefängnisstrafe von mindestens 10 (zehn) Jahren! Vorher jedoch ermöglichte die U.S.-Regierung der Hochfinanz, ihr eigenes Gold unauffällig ins Ausland zu transferieren. Die erpreßten U.S.-Bürger aber bekamen wertloses Papier für ihr wertvolles Gold; sie erhielten, entsprechend dem seinerzeitigen Kurs, genau 20,67 U.S.-Dollar pro abgelieferter Unze Goldes.

Ein halbes Jahr, nachdem das gesamte Privatgold der U.S.A. dem privaten Banken-Kartell der Federal Reserve ausgehändigt worden war, wertete Roosevelt den U.S.-Dollar am 22. Oktober 1933 auf 35 Dollar pro Unze Goldes ab. Erst am 30. Januar 1934, also wiederum nachträglich, verabschiedete dann der Kongreß auf Druck den „Gold Reserve Act“. Er ermächtigte den Präsidenten, einen geringeren Goldgehalt und einen geringeren Gegenwert des Dollars zwischen 50 und 60 Prozent seines vormaligen Gehaltes an 25,8 Grain an Standard-Gold oder 23,33 Grain an Feingold festzulegen. Roosevelt wertete den Dollar auf 13,71 Grain reinen Goldes ab, was einer Entwertung um 41 Prozent entsprach. (Grain / Gran: altes Apotheker-Gewicht; 1 Gran = 0,0648 Gramm; 1 Unze = 31,10348 Gramm = 480 Gran)

Das bedeutete, daß das Papiergeld, das die Bürger für ihr Gold erhalten hatten, jetzt weniger wert war: Der Wert eines Dollars betrug nun nur noch 1/35 einer Unze Goldes statt vorher 1/20. Die dem Federal Reserve System angeschlossenen Banken und die Superreichen dagegen, die riesige Mengen Goldes im Ausland gehortet hatten, hatten über Nacht und ohne einen Handschlag einen Gewinn von 75 % gemacht – in einer der größten, perfidesten und verbrecherischsten Massen-Enteignungen der Geschichte! Es war dies der größte Bankraub [einmal andersherum] der Weltgeschichte mit dem Ziel, die Bürger daran zu hindern, ein Edelmetall als Währungs-Einheit zu besitzen und zu benutzen, welche Regierung und Hochfinanz nicht kontrollieren und nicht manipulieren können – um davon zu profitieren.

Die fatale Funktion des Federal Reserve SystemsQuelle: MMNews

„Nun sind wir in der Lage, die Bankreserven des ganzen Landes zu beherrschen“, brüstete sich Senator Nelson W. Aldrich im Juli 1914, ein halbes Jahr nach Verabschiedung des verfassungswidrigen Gesetzes, dessen Wortlaut er und Paul M. Warburg formuliert hatten, in einem Artikel des Magazins The Independent. Und eben dieser Paul M. Warburg schreibt in seinem größenwahnsinnigen, 2.500 Seiten umfassenden Buch unverhohlen:

„Während die `Federal Reserve Note´ technisch und gesetzlich eine Obligation der amerikanischen Regierung ist, ist sie in Wirklichkeit eine Obligation, deren einzige und tatsächliche Verantwortung bei den Reservebanken liegt…. Die Regierung kann nur dann aufgefordert werden, sie zu übernehmen, nachdem die Reservebanken versagt haben.“ 

Damit räumt einer der Initiatoren und der erste führende Kopf des Federal Reserve Systems ein, daß die Noten der Federal Reserve privat herausgegebenes Geld sind, während der ahnungslose, arbeitende Steuerzahler die Risiken u. Verluste trägt und die Gewinne finanziert.

Der Wirtschafts-Professor an der California State University Los Angeles und Forscher an der Hoover Institution for War, Revolution and Peace, Prof. Dr. Antony C. Sutton (†), faßt das wie folgt zusammen:[Paul Moritz] Warburgs revolutionärer Plan, die amerikanische Gesellschaft für die Wall Street arbeiten zu lassen, war verblüffend einfach. (…) Das Federal Reserve System ist ein legalisiertes Monopol des Geldvorrates zum Wohle einiger weniger unter dem Vorwand, das öffentliche Interesse zu fördern und zu schützen.“

Mit der Einführung des Zentralbank-Systems in den USA wurde die mächtigste private Wirtschafts-Organisation der Welt geschaffen: 100 von 14.100 Banken kontrollieren die Hälfte des gesamten Bankvermögens der U.S.A., 14 (vierzehn) der größten Banken besitzen zusammen ein Viertel (!) sämtlicher Einlagen – selbstverständlich Banken der Federal Reserve! Die FED manipuliert seit nun genau einhundert Jahren die Weltwirtschaft nach Belieben zu ihrem Vorteil und zum Nachteil der National-Staaten und Völker. Die aus dem Hintergrund agierenden Privat-Bankiers erzeugen nach Wunsch Inflationen und Deflationen, Aufschwünge und Depressionen, Haussen und Baissen, Booms und Crashs. Die in Umlauf befindliche Geldmenge wird alle zehn Jahre verdoppelt und ist in den letzten 30 Jahren vervierzigfacht worden! (Im Jahre 1913 betrug die Geldmenge pro Kopf 148 Dollar, 1978 lag sie bei 3691 Dollar; der Wert des Dollars war bereits damals auf ca. 12 Cents abgesunken; heute liegt er noch [oder schon – wie man´s nimmt] bei weniger als 5 Cent!).

Die Kaufkraft des U.S.-Dollars war von 1800 bis 1914, als die Währung der Vereinigten Staaten erst auf einem Silber-Standard (bis 1834) und dann auf einem Gold-Standard beruhte (mit Ausnahme der „Greenback-Ära“ [1862 – 1879] zur Zeit des Bürgerkrieges [1861 – 1865] und kurz danach) nicht nur stabil geblieben, sondern sogar leicht gestiegen. Doch dann ging es nur noch bergab: Seit ihrer Gründung hat die Federal Reserve  mehr als 95 % des Wertes des US-Dollars vernichtet; das ist eine Inflation von über 1000 % (eintausend Prozent!). (Die Deutsche Mark hatte in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens 80 % ihres Wertes verloren, der Euro hat in den 10 [zehn] Jahren seines Bestehens bereits 60 % seiner Kaufkraft verloren; beides wurde und wird von der FED gezielt gesteuert!). Die Zusammenbrüche von 1907, 1921 und 1929, die Depressionen von 1929 und 1939, die Rezessionen von 1953, 1957, 1969, 1975 und 1981, der „Schwarze Montag“ der Börse von 1987 und der große Zusammenbruch von 2007 / 2008 wurden von der FED vorsätzlich geplant und gezielt ausgelöst!

„Somit hat die Federal Reserve die Macht, die Geldmenge zu erhöhen oder zu reduzieren“, gibt der Vorstand der Federal Reserve selber in einem offiziellen Papier zu.

Der franz. Nobelpreis-Träger der Wirtschafts-Wissenschaften 1988, Maurice Allais, nennt die Dinge beim Namen: „Im Kern entspricht die gegenwärtige Geldschöpfung aus dem Nichts durch das Bankensystem der Gelderzeugung durch Geldfälscher, welche mit vollem Recht gesetzlich verfolgt wird. Im Klartext: Sie führt zu denselben Ergebnissen [Inflation].

Die systematische Methode, durch gezielte abwechselnde Inflationen und Deflationen den Mittelstand zu Gunsten der Kapitalisten (der Hochfinanz) zu enteignen und zu zerstören, funktioniert nur in einem auf Zins und Zinseszins beruhenden Währungs-System, dem System des monopolisierten, verzinsten, ungedeckten, unlimitierten Geldes. In einem solchen Monopol-System muß sich das Geld nicht der Wirtschaft und den Menschen, sondern die Wirtschaft und die Menschen müssen sich dem Geld anpassen; umgekehrt wäre es richtig.

Das (schon fast erreichte) Ziel ist die Errichtung einer modernen Zinsknechtschaft als Wiedereinführung der Leibeigenschaft in moderner Form sowie die Umwandlung der ahnungs- und wehrlosen Weltbevölkerung in ein streng kontrolliertes, reglementiertes, manipuliertes und dirigiertes Heer von abhängigen, erpreßten Schuldnern und ohnmächtigen, ausgebeuteten Zwangsarbeitern und Steuerzahlern.


Zitate und Quellen: MMNews – vollständiger Artikel mit ausführlichen Fußnoten

Beitragsbild: www.piqs.de

Die Geldschöpfung der Banken – Lizenz zum legalen Betrug?

von Herbert Ludwig – FASSADENKRATZER

Weitaus die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Banken nur das Geld weiterverleihen, das bei ihnen angelegt, ihnen also als Darlehen anvertraut ist. In Wahrheit dürfen die Banken ein Vielfaches davon als Kredit ausgeben, obwohl sie so viel Geld gar nicht haben. Sie besitzen das einzigartige Privileg, selbst Geld aus dem Nichts zu schöpfen und gegen Zinsen auszuleihen. Mit jedem Kredit durch eine Bank entsteht neues Geld: Buch- oder Giralgeld, das als Buchungsvorgang auf dem Girokonto erscheint und das Geldvolumen vermehrt. Was bedeutet das, und wie ist das zu verstehen?

Das Entstehen des Papiergeldes

goldbarren09Ursprünglich bestand die Goldwährung. Eine Münze aus purem Gold hatte einen realen Eigenwert, der mit einer Ware, der man denselben Wert zuschrieb, getauscht wurde. Doch die Kaufleute gingen wegen der Gefahr, auf den langen Handelswegen ausgeraubt zu werden, immer mehr dazu über, das Goldgeld nicht mitzuführen, sondern sicherheitshalber bei Banken zu deponieren. Im London des 17. Jahrhunderts hatten diese Funktion vor allem die Goldschmiede. Von ihnen erhielten sie eine entsprechende Quittung, eine „Banknote“, auf der die hinterlegte Summe bestätigt wurde und mit deren Vorlage sie jederzeit ihr Gold wieder einlösen konnten. Diese Sicherheit, die mit der Banknote verbunden war, führte dazu, dass sie allmählich selber anstelle des Goldes als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Der Empfänger brauchte die Banknote gar nicht mehr gegen das Gold bei der Bank einzulösen, sondern gab sie ebenfalls als Zahlungsmittel weiter. Und so erhielt die Banknote mehr und mehr dasselbe Vertrauen, dieselbe Kaufkraft wie das Gold, dessen Hinterlegung sie eigentlich nur quittierte. Man konnte sie ja jederzeit gegen das Gold eintauschen. So war das Papiergeld entstanden, das aber noch voll durch Gold gedeckt war. (Vgl. Bernd Senf: Der Nebel um das Geld, Kiel 2007, S. 46)

Nun stellte sich im Laufe der Gewöhnung an die zunächst voll gedeckten Banknoten heraus, dass beispielsweise nur noch jeder Vierte zur Bank ging und die Banknoten in Gold einlöste. Die Bank brauchte also nach der Erfahrung nur ein Viertel des Goldvorrates für die Herausgabe gegen Banknoten bereitzuhalten, die anderen drei Viertel konnte sie als Kredit an andere gegen Zins ausleihen und so zusätzlich Geld verdienen. Ja, man kam auf die Idee, anstelle des Goldes die vierfache Menge an Banknoten oder mehr als Kredite zu vergeben, im Vertrauen darauf, dass nur jede vierte Banknote zur Einlösung vorgelegt würde.

Was liegt hier vor? An die Stelle des Goldgeldes, das einen Eigenwert hatte, trat das Papiergeld, das zunächst als Surrogat auf das Goldgeld nur hinwies und von ihm gedeckt war. Dann wurde das Papiergeld, mit dem das Versprechen der Deckung und jederzeitigen Einlösbarkeit verbunden war, vervierfacht und als Kredit ausgegeben. Drei Viertel davon waren aber nicht mehr von Goldgeld gedeckt, sie täuschten eine solche Deckung nur vor. Sie waren ein „Nichts“ und wurden als Scheingeld oder gefälschtes Geld ausgeliehen, für das zudem noch Zins und Zinseszins erhoben wurden. Die Kreditnehmer mussten aber das gefälschte Geld, dem kein Wert entsprach, sowie Zins und Zinseszins durch Geld „zurückzahlen“, das durch ihre Leistung erarbeitet worden war. Die Sache flog indessen nur auf, wenn alle Besitzer der Banknoten gleichzeitig zur Bank eilten, um das damit versprochene Goldgeld einzulösen: Dann gingen drei Viertel leer aus. Sie waren einem gewaltigen Betrug zum Opfer gefallen.

Die Parallele im modernen Geldsystem

Dieses Prinzip der Kreditschöpfung aus dem Nichts hat das heutige Geldsystem noch perfektioniert. Heute gibt es keine Golddeckung des Geldes mehr. Sein Volumen ist auf die Menge der Waren und Dienstleistungen des Währungsraumes und auf die Preisstabilität bezogen. Es basiert auf dem Vertrauen der Menschen, und für seine Stabilität haben die Notenbanken zu sorgen. Es besteht nur zum geringsten Teil aus Bargeld, der größte Teil ist Buch- oder Giralgeld (ca. 10:90). Das Giralgeld wird von den Notenbanken und den Geschäftsbanken aus dem Nichts geschöpft. Dies beschreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem Bericht „Geld und Geldpolitik“ wie folgt:

Geld entsteht durch „Geldschöpfung“. Sowohl staatliche Zentralbanken als auch private Geschäftsbanken können Geld schaffen. Im Eurosystem entsteht Geld vor allem durch die Vergabe von Krediten, ferner dadurch, dass Zentralbanken oder Geschäftsbanken Vermögenswerte ankaufen, beispielsweise Gold, fremde Währungen, Immobilien oder Wertpapiere. Wenn die Zentralbank einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt und den Betrag auf dem Konto der Bank bei der Zentralbank gutschreibt, entsteht „Zentralbankgeld“. Die Geschäftsbanken benötigen es zur Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht, zur Befriedigung der Bargeldnachfrage und für den Zahlungsverkehr.

Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht. (Zitiert nach Oliver Janich: Das Kapitalismus-Komplott, München 2011, S. 83, 84)

Die Banken müssen nur genügend Bargeld für die Kunden vorrätig haben, die ihr Geld abheben wollen. Zur Zeit wird von der EZB eine Mindestreserve von 1% der Bank-Einlagen vorgeschrieben, was bedeutet, dass eine Bank für 100 Euro Spareinlagen 10.000 Euro Kredit vergeben kann. Nehmen wir an, der Kunde lässt sich diesen Betrag in bar auszahlen und kauft dafür ein Motorrad. Der Händler zahlt das Geld auf sein Girokonto bei der Bank ein. Deren Einlagen erhöhen sich dadurch entsprechend, so dass sie weitere 1 Millionen Euro Kredit gewähren kann. Die Ausdehnung der Geldmenge ist unbegrenzt möglich. (Vgl. den sehr empfehlenswerten Bestseller von Matthias Weik & Marc Friedrich: Der größte Raubzug der Geschichte, Bastei-Lübbe TB, S. 30. In diesem Buch werden die Auswirkungen des Geld- und Bankensystems in den heutigen Finanzkrisen ausführlich aufgezeigt.)

Die Lenker des Geldsystems sind sich durchaus bewusst, dass diese Geldschöpfung der Banken eine Fortsetzung derjenigen der Goldschmiede des 17. Jahrhunderts ist. In einer Broschüre „Modern Money Mechanics“ der Federal Reserve Bank of Chicago heißt es auf Seite drei:

Es begann mit den Goldschmieden. Jeder fand schnell heraus, dass es viel einfacher war, die Verwahrungsquittungen direkt als Zahlungsmittel zu benutzen. Dann entdeckten die Banker, dass sie Geld verleihen konnten, einfach indem sie das Versprechen abgaben zu zahlen oder Banknoten (Goldqittungen) an die Kreditnehmer ausgaben. Auf diese Weise begannen Banken, Geld zu schöpfen. Mehr Noten konnten ausgegeben werden, als es Gold oder Münzen gab, denn nur ein Bruchteil der Noten wurde zu jedem Zeitpunkt tatsächlich für Zahlungen präsentiert. Kontokorrentkonten sind das moderne Gegenstück zu den Banknoten. Es war ein kleiner Schritt vom Drucken der Noten hin dazu, einen Bucheintrag zu machen. (Zitiert nach Oliver Janich a.a.O. S. 85, 86)

O. Janich merkt an: „Die Federal Reserve gibt zu, dass sie die betrügerischen Machenschaften der Goldschmiede kopiert hat! Sie feiert das Betrugssystem als bedeutende Errungenschaft modernen Bankwesens. Ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer Schritt für die Menschheit!“ Worin besteht der Betrug?

Das Problem des geschöpften Buchgeldes der Geschäftsbanken

Das Buchgeld entsteht also durch einen Buchungsvorgang, indem auf dem Girokonto des Kunden ein vereinbarter Kredit in der entsprechenden Währung als Sichteinlage gutgeschrieben wird. Es wird etwas plötzlich als Geld ausgegeben, das als reales Geld bei der Bank vorher nicht vorhanden war. Es handelt sich daher auch nicht um ein Darlehen, das dem Begriffe nach einen Eigenbesitz voraussetzt, der nun zeitlich befristet ausgeliehen wird. Es wird eine „Art Kreditvergabe“ geschaffen, die dem ursprünglichen Wortsinne nach (lat. credere = glauben) tatsächlich nur auf dem Glauben, der Annahme beruht, dass es sich um Geld handele. Die Banken verschleiern das dadurch, dass sie den „Kredit“ einmal als Forderung an den Kreditnehmer buchen und dann als Verbindlichkeit bei eben dem Kreditnehmer. Der Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann aus Wien brachte das mit folgenden Worten auf den Punkt:

Das Geld hat vorher noch gar nicht existiert. Es ist ein Buchungssatz: Forderung an Verbindlichkeit. Und beide Male an denselben Menschen, den Kreditnehmer. Und das ist – ich bin ja Rechnungswesen-Professor – ziemlich pervers. Denn die Bank hat eine Forderung, die sie verzinsen lässt, und sie gesteht bilanzrechtlich gleichzeitig ein, dass sie noch nicht geliefert hat. Denn Verbindlichkeit heißt: Ich bin das, was ich eigentlich liefern wollte, nach wie vor schuldig. Und eine Forderung mit einer eigenen Schuld zu begründen, ist zumindest nicht sehr schlüssig. (Am 27.10.2011 „Bei Beckmann“ NDR, http://www.youtube.com/watch?v=Tp8BQgr1Tc4)

Die Buchung der Bank hebt sich de facto auf. Es ist ein Zirkel in sich. Diese – international übliche – Buchungspraxis der Banken stelle, wie Hörmann in einem privaten Gutachten von 2013 ausführt, nicht nur einen offensichtlichen Widerspruch zur rechtlichen Definition des Kredits dar, sondern verstoße auch, wie bereits Prof. Michael Schemmann festgestellt habe, gegen die internationalen Rechnungslegungsvorschriften: „Banken haben keine schon existierenden Geldreserven in Form gesetzlicher Zahlungsmittel, die sie verleihen könnten, ausgenommen vielleicht minimale Beträge, die nur einen Bruchteil ihrer Kredit-Portfolios darstellen. Oder anders gesagt: Banken schaffen Sichteinlagen aus dem Nichts, und diese Sichteinlagen bleiben deshalb auch ein „Nichts“. Diese Unsitte konnte sich einbürgern, weil öffentlich beeidigte Wirtschaftsprüfer die oben beschriebene Praxis absegnen, indem sie die Jahresabschlüsse der Banken testieren. Dadurch entstehen übermäßige Kreditexpansion, „moral hazard“-Probleme, Vermögensblasen, Liquiditäts-Stress auf den Finanzmärkten, Bank-runs und gegebenenfalls globale Finanzkrisen.“ (Aus Franz Hörmann: Argumente gegen die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Schadens von Banken bei Kreditausfällen …,  http://gerschneider.files.wordpress.com/2013/10/gutachten_giralgeldschoepfung-hocc88rmann.pdf)

Die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken ist also ein reiner Schreibvorgang auf den Konten der Bank, die dazu über keinerlei Zahlungsmittel verfügen. Ebenso stellen die Rückzahlung (Tilgung) oder ein Kreditausfall bloße Schreibvorgänge dar, wodurch das aus dem Nichts geschöpfte „Geld“ wieder im Nichts verschwindet. Dass Geld von Sparern verliehen werde, ist ein Irrglaube, der „von den Banken aufrechterhalten wird, um ihre Vorteilsnahme infolge der Giralgeldschöpfung zu verschleiern.“ (Horst Seiffert zitiert nach Hörmann a.a.O.) Da es sich bei dem Giral“geld“ um eine reine Information und kein materielles Tauschmittel mehr handelt, erfüllt es von den drei allgemein anerkannten Funktionen des Geldes: Tausch, Wertmaßstab und Wertaufbewahrung auch nur eine einzige. Zum Tausch wäre ein eindeutiges Identifikationsmerkmal erforderlich, wie es Geldscheine oder auch elektronisches Geld wie der Bitcoin mit der Seriennummer haben. Nur Gegenstände mit eindeutiger Identität eignen sich aus rein logischen Gründen als Tauschmittel. Auch zur Wertaufbewahrung taugt es nicht, da es nur in einer unsicheren Buchungs-Forderung besteht. Lediglich kann ihm die Funktion des Wertmaßstabes (Rechenmittelfunktion) zugestanden werden. „Die Vergabe eines Hypothekarkredits in Höhe von € 100.000,- müsste dann jedoch wirtschaftlich so interpretiert werden, dass die Bank den Wert des Grundstücks auf € 100.000,- schätzt und dann diesen Wert (den Wert des Grundstücks des Kreditnehmers) auf ihre Konten schreibt. Wieso dieser Bewertungsvorgang dann rechtlich einer Leihe gesetzlicher Zahlungsmittel gleichgestellt sein sollte, ist nicht erklärbar.“ (Hörmann a.a.O., S. 5)

Gewinne und Verluste der Geschäftsbanken

Bei der vorstehend von Horst Seiffert zitierten Feststellung der „Vorteilsnahme infolge Giralgeldschöpfung“ handelt es sich im Grunde um Betrug. Einem bloßen Buchungssatz der Banken ohne eigenen Wert stehen regelmäßig wirtschaftliche Werte des Kreditnehmers gegenüber, die dieser als Sicherheiten bereitstellen bzw. an die Bank verpfänden muss. Es ist ein System der Enteignung.

Hinzu kommt der ungeheure Gewinn der Banken an Zins und Zinseszins, den genauer zu betrachten Franz Hörmann aufmerksam macht (a.a.O, S, 6). Gewährt die Bank einen „Kredit“ von 100.000 €, braucht sie nur eine Mindestreserve von 1% an eigenem echten Geld vorzuhalten, also 1.000 €. Erhebt sie von dem aus dem Nichts geschöpften Kredit von 100.000 € einen Zins von nur 5%, ergibt das in einem Jahr einen Gewinn (ohne Zinseszins) von 5.000 €. Das ist das Fünffache des eingesetzten eigenen Geldes. Die Bank macht also einen Gewinn von 500%. Bei einem eingeräumten Kredit aus der Überziehung des Girokontos sind das derzeit mit 9,75% Zins stattliche 975% Gewinn. Ein Kredit aus der darüber hinausgehenden geduldeten Überziehung erbringt mit 13,75% Zins einen schier unglaublichen Gewinn von 1.375 %. Hier von Wucher zu reden, wäre eine Verharmlosung des tatsächlichen Tatbestandes. (Zum Problem Zinseszins: hier)

Hat die Bank einen Verlust, wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt wird? Da „der gesamte Kreditbetrag als Giralgeld vor der Kreditvergabe überhaupt noch nicht existierte (er wird ja als Buchgeld erst bei der Kreditvergabe erzeugt), kann eine Bank aus wirtschaftlicher Sicht bei Kreditausfall auch niemals einen Verlust erleiden.“ (Hörmann a.a.O., S. 7) Daher sind für die Banken nicht die Tilgungen der Kredite das Wesentliche, sondern die Zinseinnahmen. „Ziel der Banken ist es immer, Kunden möglichst lange in der Zinszahlungspflicht zu halten.“ (Weik/Friedrich: Der größte Raubzug, S. 28, 29)

Fazit

Die durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken weltweit praktizierte elektronische Geldschöpfung führt zur Vortäuschung von Zahlungsmitteln (Tauschgeld), die (mangels Identitätsmerkmal wie z.B. Seriennummern und fehlender gesetzlicher Grundlage) tatsächlich nicht vorhanden sind. „Dies stellt einen Missbrauch der internationalen Rechnungslegungsvorschriften dar. … Geld im Sinne gesetzlicher Zahlungsmittel (Geldscheine, Münzen oder Einlagen von Sparern) werden in diesem Zusammenhang überhaupt nicht als Kredite verwendet.“ Daher „handelt es sich bei der buchmäßigen Geldschöpfung der Geschäftsbanken auch nicht um Kredite im rechtlichen Sinne, da ein Kredit die „Verleihe eigener Mittel“ repräsentiert, diese „eigenen Mittel“ bei der Bank hingegen überhaupt nicht vorhanden sind, sondern bloß durch eine Falschbuchung vorgetäuscht werden.“ Folglich kann der Bank bei Kreditausfall auch kein wirtschaftlicher Schaden entstehen. (Vgl. Hörmann a.a.O. S. 10)

Aus all diesen Gründen muss die Geldschöpfung den Privatbanken entzogen werden. Dann sind Banken wieder auf das reduziert, was ihre eigentlich Aufgabe ist: Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern zu sein. Dies wird auch von vielen fachlich kompetenten geldkritischen Bewegungen gefordert, wie z.B. die Monetative e.V. in Berlin und die Vollgeld-Initiative in der Schweiz. Wer das Recht auf Geldschöpfung ausschließlich haben soll, ob eine staatliche Notenbank oder ein Organ eines selbstverwalteten Wirtschaftslebens, muss indessen von einem umfassenderen gesellschaftspolitischen Gesichtspunkt aus beantwortet werden.


Textquelle: http://fassadenkratzer.wordpress.com

Bild: “Goldbarren” – www.bundesbank.de

Beitragsbild: “Eurokrise” – www.piqs.de

Wie Inflation die Reichen oben und die Armen unten hält

von Jörg Guido Hülsmann

Die Produktion des Geldes in einer freien Gesellschaft obliegt der freiwilligen Kooperation. Jeder – vom Minenarbeiter, über den Eigentümer der Mine und den Münzern, bis hin zu den Käufern der geprägten Münzen – profitiert von der Geldproduktion. Keiner von ihnen verletzt die Eigentumsrechte eines anderen, denn jedem steht es frei, in das Minen- und Münzgeschäft einzusteigen und niemand wird gezwungen, das Produkt zu kaufen.

Betrachten wir jedoch die Geldproduktion in interventionistischen Regimen, die für den größten Teil der letzten 150 Jahre in der westlichen Welt vorherrschend waren, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Dabei sind insbesondere zwei Formen des monetären Interventionismus hervorzuheben: die (betrügerische) Teilreservedeckung der Geschäftsbanken und das Fiatgeld. Beiden Institutionen ist zu eigen, dass sie das Prinzip der freiwilligen Kooperation verletzen. Sie ermöglichen es den Papiergeldproduzenten, unter Verletzung der Eigentumsrechte dritter, die Geldmenge auszuweiten.

Wir reden von betrügerischen Bankgeschäften, wann immer Bankiers ungedeckte oder teilgedeckte Geldsubstitute verkaufen und diese für vollgedeckt ausgeben. Diese Bankiers verkaufen mehr Geldsubstitute, als sie unter einer 100-prozentigen Reservedeckung hätten ausstellen können.

Der Produzent von Fiatgeld (heutzutage typischerweise Papiergeld) verkauft ein Produkt, das gegen den Wettbewerb mit freien Marktgeldern, wie etwa Gold und Silber, nicht gewappnet wäre, und das die Menschen lediglich deshalb benutzen, weil der Gebrauch aller anderen Gelder erheblich eingeschränkt oder sogar gesetzlich verboten ist. Am deutlichsten zeigt sich dies im rechtlichen Status des Papiergeldes als gesetzliches Zahlungsmittel. Papiergeld ist Fiatgeld, da es sich niemals ohne staatlichen Eingriff auf freien Märkten hätte entwickeln können.

In jedem Falle wird es zu einer exzessiven Geldproduktion kommen, da diese nicht länger durch die freiwillige Inanspruchnahme des Geldes durch die Öffentlichkeit beschränkt wird. Auf einem freien Markt könnte sich ein Papiergeld nicht gegen die weitaus überlegeneren Edelmetallwährungen durchsetzen. Gemessen an den Standards einer freien Gesellschaft ist daher jede produzierte Menge an Papiergeld exzessiv. Ebenso führt ein Teilreservesystem zur exzessiven Herausgabe von Geldsubstituten, genau in dem Umfang, indem die Käufer nicht darüber informiert werden, dass sie nur teilgedeckte anstatt vollgedeckter Geldsubstitute erwerben.

In der Rothbard’schen Definition, die wir für diese Studie bemühen, stellt diese exzessive Produktion von Geld und Geldsubstituten Inflation dar. Inflation ist eine ungerechtfertigte Umverteilung von Wohlstand zugunsten jener, die das neu erschaffene Geld als erste erhalten, und gereicht all jenen zum Nachteil, die es zuletzt bekommen. In der Praxis gestaltet sich die Umverteilung immer zum Vorteil der Geldproduzenten selbst (die wir irreführenderweise Zentralbanken nennen), sowie ihren Partnern im Bankensektor und an der Börse. Und selbstverständlich gereicht die Inflation auch dem Staat und seinen engsten Verbündeten in der Geschäftswelt zum Vorteil. Die Inflation ist das Mittel, über das sich diese Individuen und Gruppen auf Kosten der allgemeinen Öffentlichkeit bereichern. Wenn der sozialistischen Karikatur des Kapitalismus, als einem System, indem die Armen zugunsten der Reichen ausgebeutet werden, auch nur ein Fünkchen Wahrheit innewohnt, dann ist dieser Funke in der inflationistischen Tendenz des Kapitalismus unserer Tage zu finden. Der unaufhörliche Zufluss von Papiergeld macht die Reichen und Mächtigen reicher und mächtiger, als sie wären, wenn sie ganz und gar auf die freiwillige Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen wären. Da sich das politische und wirtschaftliche Establishment über die Inflation auch vor Konkurrenz schützt, führt sie zu einer geringeren sozialen Mobilität. Die Reichen bleiben länger reich und die Armen länger arm als in einer freien Gesellschaft.

Der berühmte Ökonom Josef Schumpeter präsentierte die Inflation einst als den Vorboten der Innovation. Seiner Meinung nach würde die zusätzliche Ausgabe von Banknoten Unternehmen zur Finanzierung dienen, denen es an Kapital mangelt. Selbst wenn wir einmal vom fragwürdigen moralischen Aspekt dieses Vorschlags absähen, der darauf hinaus liefe, jeden selbsternannten Innovator auf Kosten aller anderen Mitglieder der Gesellschaft zu subventionieren, so bleibt Schumpeters Modell doch Wunschdenken. Kreditexpansion durch das Drucken neuen Geldes ist in der Praxis das Gegenteil eines Aufbegehrens gegen das wirtschaftliche Establishment. Sie ist vielmehr der bevorzugte Weg zur Absicherung des Establishments, das sich andernfalls nicht, oder nicht mehr, gegen die Konkurrenz durchsetzen könnte.

Es wäre nicht verfehlt, Inflation als großangelegten Raubzug der Wenigen, politisch gut verknüpften gegen die politisch hilflosen Massen zu charakterisieren. Sie geht immer einher mit der Konzentration von politischer Macht in den Händen jener, die eine Banklizenz besitzen und jenen, die die Monopolstellung der Produktion des Papiergeldes innehaben. Sie führt in eine endlose Schuldenspirale und legt das Schicksal der Gesellschaft in die Hände von geldpolitischen Autoritäten wie Zentralbanken. Am Ende steht die moralische Korrumpierung der Gesellschaft.


Quelle: aus “Deflation & Liberty” von Jörg Guido Hülsmann.

Erschienen in deutscher Sprache: Ludwig von Mises Institut Deutschland

Aus dem Englischen übersetzt von Karl-Friedrich Israel.

Jörg Guido Hülsmann

Jörg Guido Hülsmann

Autor: Jörg Guido Hülsmann ist Professor für Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich und Senior Fellow des Ludwig von Mises Instituts in Auburn, Alabama. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste sowie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Zu seinen umfangreichen Interessen- und Forschungsgebieten zählen Geld-, Kapital- und Wachstumstheorie. Er ist Autor von «Ethik der Geldproduktion» (2007) und «Mises: The Last Knight of Liberalism» (2007). Zuletzt erschienen «Krise der Inflationskultur» (2013).

Seine Website guidohulsmann.com